[Freiheitsliebe:] Bericht vom Treffen „Vom Nutzen einer German Labour History Association“ in Bochum am 12.1.2018

Der Vor­stand der im Febru­ar 2017 gegrün­de­ten Ger­man Labour Histo­ry Asso­cia­ti­on (GLHA) hat­te zu die­sem Tref­fen ein­ge­la­den, um über das wei­te­re Vor­ge­hen zu dis­ku­tie­ren. Gekom­men waren rund 40 Kol­le­gIn­nen aus dem Bun­des­ge­biet. Nach einer Vor­stel­lungs­run­de erläu­ter­te Ste­fan Ber­ger (Bochum) die Hin­ter­grün­de der Ver­eins­grün­dung. Im Rah­men der halb­jähr­li­chen Kol­lo­qui­en zur Geschich­te der Arbeits­wel­ten war die Idee auf Anre­gung von Mar­cel van der Lin­den auf­ge­grif­fen wor­den, eine GLHA zu grün­den. In den letz­ten Jah­ren waren in vie­len Län­dern und Regio­nen Ver­ei­ni­gun­gen von His­to­ri­ke­rin­nen und His­to­ri­kern ins Leben geru­fen wor­den, die sich mit Arbei­ter­be­we­gung, Arbeits­wel­ten und sozia­len Bewe­gun­gen beschäf­ti­gen. Auch um „inter­na­tio­nal sprech­fä­hig“ zu sein, soll­te die GLHA für den deutsch­spra­chi­gen Raum die­sen seit eini­gen Jah­ren wie­der ver­stärk­ten For­schungs­trend unter­stüt­zen. (§2, 2 der Sat­zung, Ver­eins­zweck: „Der Zweck des Ver­eins ist die För­de­rung von For­schung, Prä­sen­ta­ti­on, Doku­men­ta­ti­on und Bil­dungs­ar­beit zur Geschich­te der Arbeit und der Arbei­ter­be­we­gung sowie aller sozia­ler Bewe­gun­gen. Der Sat­zungs­zweck wird ver­wirk­licht ins­be­son­de­re durch die ideel­le und mate­ri­el­le För­de­rung von Tagun­gen, von For­schungs­pro­jek­ten, von musea­len und archi­vi­schen Vor­ha­ben sowie Maß­nah­men der außer­schu­li­schen, schu­li­schen und uni­ver­si­tä­ren Bil­dung über die Geschich­te der Arbeit, der Arbeits­wel­ten, der Arbei­ter­be­we­gung und der sozia­len Bewe­gun­gen. Der Ver­ein will durch eine effek­ti­ve Netz­werk­bil­dung mit ande­ren Labour Histo­ry Ver­ei­nen den inter­na­tio­na­len Aus­tausch im Bereich der Labour Histo­ry för­dern.“)

Die Grün­dung des Ver­eins aus einem klei­nen Kreis her­aus geschah, um for­ma­le Fra­gen (u.a. Gemein­nüt­zig­keit, Steu­er­fra­gen) vor­ab zu klä­ren. Der eng­lisch­spra­chi­ge Name wur­de aus Grün­den der inter­na­tio­na­len Sicht­bar­keit gewählt, aber auch auf­grund des Man­gels an einem pas­sen­den deutsch­spra­chi­gen Äqui­va­lents für „labour“. Auf der ers­ten gro­ßen Mit­glie­der­ver­samm­lung, die für das ers­te Halb­jahr 2018 geplant ist, kön­nen dann offe­ne Fra­gen sowie kon­kre­te Arbeits­auf­trä­ge des Asso­cia­ti­on bear­bei­tet wer­den. Das Tref­fen am 12. Janu­ar soll­te nun dazu die­nen, die GLHA zur Dis­kus­si­on zu stel­len.

Anschlie­ßend berich­tet Mar­cel van der Lin­den (Ams­ter­dam) über ähn­li­che Ver­ei­ni­gun­gen in der gesam­ten Welt. Er beob­ach­tet drei Erwei­te­run­gen in der Labour Histo­ry:

  • zeit­lich, in dem For­schungs­pro­jek­te zur Arbeits­welt teil­wei­se bis in die Frü­he Neu­zeit zurück­ge­hen,
  • räum­lich, da nun nicht mehr Euro­pa im Vor­der­grund steht,
  • begriff­lich, weil unter Arbeit nicht mehr nur Indus­trie- bzw. Lohn­ar­beit ver­stan­den wird, son­dern mit wei­ter­rei­chen­den Defi­ni­tio­nen ein­schließ­lich Repro­duk­ti­ons­ar­beit oder Skla­ven­ar­beit gear­bei­tet wird. (Die Charts von Mar­cel van der Lin­den befin­den sich im Anhang)

Mar­cel van der Lin­den wies auch auf Nach­fra­ge auf die fünf wesent­li­chen Tätig­keits­pro­fi­le der Ver­ei­ni­gun­gen hin: a) in der Regel füh­ren die bestehen­den Ver­ei­ni­gun­gen Kon­fe­ren­zen durch; b) fast alle betrei­ben eine Web­site, die aber Zeit und Geld kos­tet; c) eini­ge Ver­ei­ni­gun­gen geben Zeit­schrif­ten her­aus bzw. haben teil­wei­se bestehen­de Zeit­schrif­ten über­nom­men; d) ver­ein­zelt wer­den Buch­rei­hen her­aus­ge­ge­ben; e) es wer­den Plä­ne für The­men und Pro­jek­te ent­wi­ckelt und in die For­schungs­dis­kus­si­on ein­ge­bracht.

Am Nach­mit­tag sprach Rita Mül­ler (Ham­burg) über Muse­en zur Tech­nik- und Arbeits­ge­schich­te. Nach ers­ten Anfän­gen in Arbeits­schutz­aus­stel­lun­gen ent­stan­den seit den 1970er-Jah­ren Muse­en vor­ran­gig zur Indus­trie­kul­tur. Anfang des neu­en Jahr­tau­sends zeig­ten sich aber auch in die­sem Bereich gewis­se Kri­sen­er­schei­nun­gen. So geriet die Fokus­sie­rung auf Indus­trie­kul­tur in die Kri­tik, zudem machen die „Sci­ence Cen­ter“ mit natur­wis­sen­schaft­li­cher Aus­rich­tung den Muse­en Kon­kur­renz. In der Fach­grup­pe im Deut­schen Muse­ums­bund zur Indus­trie­kul­tur sowie auf inter­na­tio­na­ler Ebe­ne im Work­lab (The Inter­na­tio­nal Asso­cia­ti­on of Labour Muse­ums, http://​work​lab​.info/) wer­den neue Per­spek­ti­ven dis­ku­tiert. In der Ten­denz sol­len die Muse­en sich stär­ker in die öffent­li­che Debat­ten auch um die zukünf­ti­ge Gestal­tung der Arbeit ein­brin­gen, eben­falls wird dort ein erwei­ter­ter Arbeits­be­griff ver­wen­det. Die Dis­kus­sio­nen um Inhal­te und Metho­den ähneln sich denen in den Labour-Histo­ry-Ver­ei­ni­gun­gen.

Dis­kus­si­on

Die Ergeb­nis­se der Dis­kus­si­on sind hier the­ma­tisch zusam­men­ge­fasst und nicht chro­no­lo­gisch wie­der­ge­ge­ben. All­ge­mein wur­de die Initia­ti­ve zur Grün­dung der GLHA begrüßt.

  • Die Erwei­te­rung des Arbeits­be­grif­fes wur­de in der Regel unter­stützt, aller­dings auch auf die Not­wen­dig­keit von Defi­ni­tio­nen hin­ge­wie­sen.
  • Räum­li­che Ausweitung/​Verhältnis nationale/​globale The­men: Einig­keit bestand, dass eine Beschrän­kung auf eine natio­na­le Geschichts­schrei­bung nicht erwünscht ist. Aller­dings zeig­te sich die Spann­brei­te im Adres­sa­ten­kreis: Soll­te eher auf inter­na­tio­na­len Aus­tausch der For­schung gezielt wer­den oder soll­ten loka­le Geschichts­ak­teu­re ange­spro­chen wer­den? Im ers­ten Fall wür­de man eng­lisch­spra­chi­ge Kon­fe­renz­spra­che durch­füh­ren müs­sen. Da die GLHA eine Ver­ei­ni­gung für den deutsch­spra­chi­gen Raum sein soll­te und die welt­wei­ten Ver­ei­ni­gun­gen als regio­na­le Ver­bän­de ope­rie­ren, soll­te aber die Orga­ni­sie­rung der For­sche­rIn­nen aus dem deutsch­spra­chi­gen Raum im Vor­der­grund ste­hen. Eine the­ma­ti­sche Begren­zung der Unter­su­chungs­räu­me wur­de damit aber nicht ver­bun­den.
  • Adres­sa­ten­kreis: Neben For­sche­rIn­nen soll­ten auch ande­re wis­sen­schaft­li­che Ein­rich­tun­gen wie Archi­ve und Muse­en ange­spro­chen wer­den (sie­he Vor­trag Rita Mül­ler), Archi­ve und Muse­en waren auch durch meh­re­re Teil­neh­me­rIn­nen ver­tre­ten. Auch geschichts­po­li­ti­sche Akteu­re aus loka­len Ver­ei­nen, der gewerk­schaft­li­cher Bil­dungs­ar­beit etc. sind poten­ti­el­le Ansprech­part­ne­rIn­nen für die GLHA. Inter­dis­zi­pli­nä­re Zugän­ge, so z.B. durch Lite­ra­tur­wis­sen­schaft und ihrer Aus­ein­an­der­set­zung um Arbeit, soll­ten eben­falls Raum fin­den. Es wur­de aber auch davor gewarnt, all­zu vie­le Erwar­tun­gen und Vor­stel­lun­gen zu for­mu­lie­ren im Sin­ne einer Wunsch­kis­te, die dann nicht umge­setzt wer­den kann. Ange­strebt wird eine dis­zi­pli­nä­re und the­ma­ti­sche Offen­heit, mit der Ver­net­zung unter Inter­es­sier­ten an Labour Histo­ry erreicht wer­den kann. Daher ist die Prio­ri­tät prak­tisch zu erpro­ben, was die GLHA leis­ten kann. Bis­her bestehen die Res­sour­cen in den Mit­glie­der­bei­trä­gen und sind über­schau­bar. Zwi­schen ein­fa­cher Ver­net­zung, Nach­wuchs­för­de­rung und wis­sen­schafts­po­li­ti­scher Posi­tio­nie­rung liegt das Span­nungs­feld einer sol­chen Ver­eins­struk­tur. Wel­che den Ver­ein prä­gen wird, muss sich erwei­sen.
  • Nach­wuchs­för­de­rung: Mehr­fach wur­de die Fra­ge ange­spro­chen, ob die GLHA Nach­wuchs­för­de­rung pla­ne. Gera­de bei neu­en Pro­jek­ten im Feld der Labour Histo­ry feh­le oft die Ori­en­tie­rung, die die GLHA zumin­dest grob geben kön­ne. Eben­so wur­de ange­regt, in die Ver­eins­struk­tur Nach­wuchs­för­de­rung zu ver­an­kern. Es wur­de aber auch dar­auf ver­wie­sen, dass das Span­nungs­feld zwi­schen „Eta­blier­ten“ und „Nach­wuchs“ nicht in einem Gap von befris­te­ter und unbe­fris­te­ter Beschäf­ti­gung lie­ge und Labour Histo­ry an Uni­ver­si­tä­ten nur sel­ten fest eta­bliert ist. Gegen die expli­zi­te For­mu­lie­rung der Nach­wuchs­för­de­rung sprach auch, dass so eine inhalt­li­che Hier­ar­chi­sie­rung vor­ge­nom­men wer­de. Statt­des­sen sind bereits vie­le der exis­tie­ren­den Ver­an­stal­tun­gen gera­de auch für Prä­sen­ta­tio­nen von Nach­wuchs­for­schung kon­zi­piert und neh­men hier kei­ne Unter­schie­de vor (Kon­fe­ren­zen Neue Gewerk­schafts­ge­schich­te, Kol­lo­qui­en zur Geschich­te der Arbeits­wel­ten). Fer­ner sind Inter­es­sier­te an Labour Histo­ry auch nicht unbe­dingt pro­mo­viert (z.B. die Teame­rIn­nen in der gewerk­schaft­li­chen Bil­dungs­ar­beit). Die Bedeu­tung, gera­de der pre­kä­ren Beschäf­ti­gungs­ver­hält­nis­se vie­ler For­sche­rIn­nen, wur­de unter­stri­chen und soll­te Berück­sich­ti­gung fin­den.
  • Kon­fe­renz: Es zeig­te sich in der Dis­kus­si­on sehr schnell, dass als nächs­ter gro­ßer Schritt eine Kon­fe­renz geplant wer­den sol­le, Zeit­raum zwei­te Hälf­te 2019. Die­se Kon­fe­renz soll­te eine Art Bestands­auf­nah­me von For­schun­gen und Akti­vi­tä­ten zur Labour Histo­ry bil­den und mög­lichst offen kon­zi­piert wer­den. Sie soll als öffent­li­cher Start­schuss fun­gie­ren, um Labour Histo­ry zu eta­blie­ren.
  • Web­site: Eine mög­lichst aktu­el­le Home­page soll­te als Aus­tausch­fo­rum genutzt wer­den, auch weil von Inter­es­sier­ten in der Regel das Inter­net befragt wird. Es exis­tiert eine ers­te Ver­si­on (wor­d­press) einer GLHA-Home­page, auf der bereits Ankün­di­gun­gen zu fin­den sind, sowie die Sat­zung und Mit­glieds­an­trä­ge. Ein Aus­bau soll­te ange­strebt wer­den. Neben Rund­mails dient die Home­page als Infor­ma­ti­ons­an­lauf­stel­le, sie wird zur­zeit von Ste­fan Mül­ler betreut.
  • Mit­glie­der­ver­samm­lung: Der Vor­stand ruft zum Som­mer 2018 eine Ordent­li­che Mit­glie­der­ver­samm­lung ein (Ter­min steht noch nicht fest, evtl. im Umfeld einer ent­spre­chen­den Tagung). Die­se wird min­des­tens fol­gen­de Punk­te behan­deln:
    • Gre­mi­en­wah­len
    • Tagungs­vor­be­rei­tung 2019 (wann, wo, CfP)

Der Vor­stand wird die Vor­be­rei­tun­gen auf­neh­men; die­ses Pro­to­koll wird als Rund­mail an alle Mit­glie­der und Teil­neh­me­rIn­nen des Bochu­mer Tref­fens ver­schickt sowie ins Netz ein­ge­stellt.

Für den Vor­stand der GLHA, 25. Janu­ar 2018

Knud And­re­sen, Ste­fan Ber­ger, Michae­la Kuhn­hen­ne, Ste­fan Mül­ler, Tho­mas Wels­kopp

Der Bei­trag Bericht vom Tref­fen „Vom Nut­zen einer Ger­man Labour Histo­ry Asso­cia­ti­on“ in Bochum am 12.1.2018 erschien zuerst auf Ger­man Labour Histo­ry Asso­cia­ti­on.

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