[uG:] 14.2. München: Keine Sicherheit diesen Verhältnissen!

Auf­ruf von de|con|struct rea­li­ty , lem­our – le mon­de ou rien und anti­fa nt zur Demo gegen die Münch­ner Sicher­heits­kon­fe­renz am 14.02.2020

Für ein Ende der Gewalt! Kei­ne Sicher­heit die­sen Ver­hält­nis­sen!

Gegen die SiKo…

Vom 14.–16. Febru­ar 2020 tref­fen sich im Hotel Bay­ri­scher Hof inter­na­tio­na­le Vertreter*innen aus Poli­tik, Mili­tär, (Rüstungs-)Industrie und Zivil­ge­sell­schaft zur Münch­ner Sicher­heits­kon­fe­renz, um den „drän­gends­ten Sicher­heits­ri­si­ken der Welt zu begeg­nen“. Die­ses seit 1963 jähr­lich statt­fin­den­de Tref­fen war tra­di­tio­nell durch Vertreter*innen des west­li­chen, trans­at­lan­ti­schen Macht­blocks domi­niert – über­wie­gend NATO-Staa­ten – die das Event einst pri­mär zur Koor­di­na­ti­on im Kal­ten Krieg nutz­ten. Seit­her hat sich der Cha­rak­ter ver­än­dert – was sich unter ande­rem an einer stär­ke­ren euro­päi­schen Aus­rich­tung, der Ein­bin­dung so genann­ter Schwel­len­län­der, der aus­ge­bau­ten Teil­nah­me von NGOs und der öffent­lich­keits­wirk­sa­men Bezug­nah­me auf Men­schen­rechts- und Umwelt­the­ma­ti­ken zeigt.

Von die­sem Wan­del darf man sich jedoch nicht täu­schen las­sen: Die SiKo ist – wenn auch unter den Vor­zei­chen einer mul­ti­po­la­ren und insta­bi­le­ren Welt­ord­nung – nach wie vor vor allem Schau­platz der Aus­ein­an­der­set­zun­gen kon­kur­rie­ren­der Macht­blö­cke und Kapi­tal­frak­tio­nen, die ver­su­chen ihre Inter­es­sen durch­zu­set­zen. Gleich­zei­tig wird ver­sucht durch punk­tu­el­le und kon­zer­tier­te Ein­grif­fe in jene Kri­sen­her­de zu inter­ve­nie­ren, in denen die Gefahr eines regio­na­len oder über­re­gio­na­len Flä­chen­brands befürch­tet wird, der die Sta­bi­li­tät des Gesamt­sys­tems gefähr­den könn­te. In den letz­ten Jah­ren sind zudem Aus­ein­an­der­set­zun­gen um Rena­tio­na­li­sie­rungs­ten­den­zen und die Aus­wir­kun­gen auf die Sta­bi­li­tät der neo­li­be­ra­len Welt­ord­nung hin­zu­ge­tre­ten.

Selbst die­ser sehr begrenz­te Anspruch der Sta­bi­li­sie­rung scheint jedoch immer weni­ger umsetz­bar zu sein: Vor dem Hin­ter­grund wirt­schaft­li­cher Kri­sen und Umbrü­che zei­gen sich welt­weit For­men von Poli­tik, die auf radi­ka­len und binä­ren Freund-Feind-Unter­schei­dun­gen sowie einer Poli­tik der Stär­ke basie­ren. Dabei wird der Ein­satz von Gewalt als pri­mä­res Mit­tel der Kon­flikt­aus­tra­gung zuneh­mend nor­ma­li­siert, was sowohl innen- wie außen­po­li­tisch zum Aus­druck kommt. Rüs­tungs­aus­ga­ben stei­gen bei fast allen Groß- und Regio­nal­mäch­ten, wäh­rend gleich­zei­tig zivi­le und poli­ti­sche Rech­te ein­ge­schränkt und Grenz­zäu­ne aus­ge­baut wer­den.

Zudem haben welt­weit zutiefst irra­tio­na­le und hoch­gra­dig ideo­lo­gi­sche reli­gi­ös-fun­da­men­ta­lis­ti­sche, ras­sis­ti­sche oder natio­na­lis­ti­sche Heils­ver­spre­chen Hoch­kon­junk­tur. Auch Sexis­mus und Chau­vi­nis­mus, Anti­fe­mi­nis­mus und LGBTQ-Feind­lich­keit, Anti­se­mi­tis­mus und Ver­schwö­rungs­den­ken ent­la­den sich immer öfter und gewalt­tä­ti­ger. Ins­ge­samt haben wir es mit einer glo­ba­len auto­ri­tä­ren For­mie­rung zu tun. Die Gren­ze zwi­schen kon­ser­va­ti­ven und faschis­ti­schen Akteur*innen ver­schwimmt.

Die glo­ba­le Situa­ti­on spitzt sich zu, der Kli­ma­wan­del schrei­tet vor­an, mit kata­stro­pha­len öko­lo­gi­schen und gesell­schaft­li­chen Fol­gen. Migra­ti­on und Flucht, die in vie­len Fäl­len auch Reak­ti­on auf Kli­ma­ka­ta­stro­phe, Krieg und ver­schärf­te Aus­beu­tung sind, wer­den in Euro­pa mit einer Auf­rüs­tung des mör­de­ri­schen Grenz­re­gimes beant­wor­tet. Für die Zukunft lässt dies nichts gutes erwar­ten. Es sei denn, an den Bedin­gun­gen der glo­ba­len öko­lo­gi­schen und gesell­schaft­li­chen Kata­stro­phe ändert sich grund­le­gen­des.

… und die Welt, deren Aus­druck sie ist

Die­se Eska­la­ti­on hat nichts damit zu tun, dass auf der SiKo selbst der nächs­te Welt­krieg geplant oder die Welt dort zwi­schen bösen Mäch­ten im Hin­ter­zim­mer auf­ge­teilt wür­de. Zwar sind auf der SiKo auch eini­ge der­je­ni­gen ver­tre­ten, die Ver­ant­wor­tung für aller­lei beson­de­re Grau­sam­kei­ten tra­gen: für über­füll­te Geflüch­te­ten­la­ger, Ertrin­ken im Mit­tel­meer und Ver­durs­ten in der Wüs­te; für Krieg und Ter­ror in Roja­va und Idlib, Don­bass und dem Jemen; für die gewalt­sa­me Nie­der­schla­gung von Auf­stän­den oder die Unter­drü­ckung von Tei­len der Bevöl­ke­rung in Chi­na oder Iran, Frank­reich oder Sau­di-Ara­bi­en. Neben Politiker*innen und Mili­tärs sind auch vie­le Vertreter*innen mul­ti­na­tio­na­ler Unter­neh­men anwe­send, unter ande­rem eini­ge der­je­ni­gen, die Kon­flik­te durch Waf­fen­lie­fe­run­gen anhei­zen, durch Roh­stoff­aus­beu­tung die glo­ba­len öko­lo­gi­schen Ver­wüs­tun­gen vor­an­trei­ben oder Staa­ten mit zuneh­mend repres­si­ver Über­wa­chungs­tech­no­lo­gie belie­fern. Es ver­wun­dert kaum, dass die SiKo nach wie vor klar weiß und männ­lich domi­niert ist und dass der glo­ba­le Rechts­ruck auch auf der Gäs­te­lis­te sicht­bar wird.

So wider­lich sich die­se Tisch­ge­sell­schaft auch dar­stellt, die Kri­sen und Kon­flik­te der Welt las­sen sich nicht auf das Han­deln ein­zel­ner Akteur*innen allein zurück füh­ren. Viel­mehr sind sie Pro­duk­te einer kapi­ta­lis­tisch und natio­nal­staat­lich orga­ni­sier­ten Gesell­schaft. Wie gut sich ein Natio­nal­staat im Hau­en und Ste­chen der Welt­markt­kon­kur­renz schlägt, steckt den Rah­men ab, inner­halb des­sen über die (Über-)Lebenschancen der gro­ßen Mehr­heit der dort leben­den Men­schen ent­schie­den wird.

Mensch und Natur sind dem struk­tu­rel­len Zwang von Pro­fit­ma­xi­mie­rung, Kon­kur­renz und Wachs­tum unter­wor­fen. In die­sem gna­den­lo­sen Wett­be­werb um Roh­stof­fe, Absatz­märk­te und dis­zi­pli­nier­te Arbeits­kräf­te sind Poli­zei, Mili­tär und pri­va­te Sicher­heits­fir­men Mit­tel, um bestehen­de Hier­ar­chien und kapi­ta­lis­ti­sche Ver­wer­tungs­be­din­gun­gen auf­recht­zu­er­hal­ten. Das ist auch der Grund wes­we­gen ins­be­son­de­re Kri­sen in jenen Regio­nen Beach­tung fin­den, die durch die Prä­senz gro­ßer Unter­neh­men, Roh­stoff­vor­kom­men oder zen­tra­le Han­dels­rou­ten für den glo­ba­len Kapi­ta­lis­mus am wich­tigs­ten sind.

Es ist die glo­ba­le kapi­ta­lis­ti­sche Ver­ge­sell­schaf­tung, der mit ihr ein­her­ge­hen­de kon­ti­nu­ier­li­che Man­gel­zu­stand und die dar­aus resul­tie­ren­den Ver­wer­fun­gen, wel­che den idea­len Nähr­bo­den für reak­tio­nä­re Kri­sen­ideo­lo­gien bie­tet, die in erstar­ken­dem Neo-Faschis­mus und reli­giö­sem Fun­da­men­ta­lis­mus ledig­lich ihre auf­fäl­ligs­ten Aus­drü­cke fin­den.

Kurz­um: Wenn auf der SiKo über Sicher­heit gespro­chen wird, geht es um die repres­si­ve Ver­wal­tung sozia­ler Wider­sprü­che, ob mit poli­ti­schen oder mit mili­tä­ri­schen Mit­teln: Krieg dort, ver­schärf­te Poli­zei­ge­set­ze hier, mili­ta­ri­sier­te Gren­zen dazwi­schen. Was als Sicher­heit für alle dar­ge­stellt wird, meint nur die Sicher­heit der bestehen­den Ver­hält­nis­se.

Nicht unse­re Sicher­heit

Wo sich doch ein­mal Men­schen der gewalt­vol­len Logik die­ser Ord­nung wider­set­zen und ihr Schick­sal selbst in die Hand neh­men, wird die­sen Pro­jek­ten mit allen mög­li­chen Grau­sam­kei­ten begeg­net, ohne dass dafür mit ernst­haf­tem Wider­spruch durch ande­re Akteur*innen der Sicher­heits­kon­fe­renz zu rech­nen wäre. Das zeigt sich welt­weit über­all dort, wo es gera­de Auf­stän­de gegen die Ver­hält­nis­se gibt: Ob in Chi­le oder Frank­reich, dem Iran oder Grie­chen­land – über­all wird ver­sucht Revol­ten und soli­da­ri­sche Alter­na­ti­ven gewalt­sam mit Hil­fe von Mili­tär oder Poli­zei nie­der­zu­schla­gen. Auch in Deutsch­land reagiert man mit­un­ter nicht zim­per­lich auf Wider­stand. Das hat man nicht nur bei den poli­zei­li­chen Angrif­fen auf die G‑20 Pro­tes­te in Ham­burg unter Beweis gestellt. Auch der all­jähr­lich zur SiKo statt fin­den­de Bela­ge­rungs­zu­stand in Mün­chen mit Sicher­heits­zo­nen, Scharf­schüt­zen und einem Poli­zei­auf­ge­bot, das im ver­gan­ge­nen Jahr dop­pelt so groß war wie die Gegen­de­mons­tra­ti­on, sym­bo­li­siert eine Poli­tik, in der Wider­spruch im Zwei­fel mit Gewalt beant­wor­tet wird.

Die Logik der Sicher­heit der herr­schen­den Ver­hält­nis­se zeigt sich beson­ders per­fi­de in Roja­va (Nord­sy­ri­en). Dort haben die Men­schen mit­ten in der Höl­le des Syri­en-Kriegs ein Gesell­schafts­pro­jekt errich­tet, das für Basis­de­mo­kra­tie, Öko­lo­gie und Femi­nis­mus steht und sich gegen Kapi­ta­lis­mus, Eth­no-Natio­na­lis­mus und reli­giö­sen Fun­da­men­ta­lis­mus rich­tet. Obwohl die Einwohner*innen der Mensch­heit im Kampf gegen Daesh einen gro­ßen Dienst erwie­sen haben, wer­den sie gera­de vom tür­ki­schen Regime und sei­nen dschi­ha­dis­ti­schen Ver­bün­de­ten mit Krieg und eth­ni­scher Säu­be­rung über­zo­gen. Statt sich für ein Ende die­ses Mas­sa­kers ein­zu­set­zen, sind fast alle Groß- und Regio­nal­mäch­te irgend­wie in die­ses Mas­sa­ker ver­strickt. Nir­gend­wo sonst zeigt sich kla­rer die Brü­chig­keit der menschen(rechts)freundlichen Fas­sa­de der bür­ger­lich demo­kra­ti­schen Staa­ten und nir­gend­wo sonst ist so offen­sicht­lich, dass eine Befrei­ung von Patri­ar­chat und Ras­sis­mus, Gewalt und Umwelt­ka­ta­stro­phe sich nicht vom Über­win­den von Staat, Nati­on und Kapi­tal tren­nen lässt.

Es ist des­halb ein wich­ti­ger Schritt, dass sich die gro­ßen sozia­len Bewe­gun­gen der letz­ten Jah­re, die Bewe­gun­gen gegen Kli­ma­ka­ta­stro­phe und Umwelt­zer­stö­rung, gegen Poli­zei­ge­set­ze und auto­ri­tä­ren Staats­um­bau, gegen Rechts­ruck und Ras­sis­mus, sowie gegen Sexis­mus und Anti­fe­mi­nis­mus sich mit den Verteidiger*innen Roja­vas soli­da­ri­siert haben. Das Bewusst­sein, dass Roja­va und die Auf­stän­de welt­weit mit unse­ren Kämp­fen zusam­men gedacht wer­den müs­sen, nimmt zu, das Ver­trau­en in die bestehen­de Poli­tik und ihre Gip­fel­tref­fen nimmt ab.

Lasst uns auf dar­auf auf­bau­en und ange­sichts der welt­wei­ten Auf­stän­de die Pro­tes­te gegen die Sicher­heits­kon­fe­renz zum Anlass neh­men, um eman­zi­pa­to­ri­sche Kämp­fe zusam­men­zu­füh­ren und nicht nur gegen ein­zel­ne Sym­pto­me der kapi­ta­lis­tisch-natio­na­lis­ti­schen Welt­ord­nung son­dern gegen die­se Welt­ord­nung selbst auf­zu­be­geh­ren: Eine Lösung der aktu­el­len Krie­ge und Kon­flik­te, ein Ende der Angst vor Umwelt­ka­ta­stro­phe und Faschis­mus und eine Befrei­ung von Ras­sis­mus und Patri­ar­chat sind nur gegen die in der SiKo zum Aus­druck kom­men­de Welt von Staat, Nati­on und Kapi­tal mög­lich. Eine siche­re Welt, in der alle ohne Angst leben kön­nen, lässt sich nur durch eine Auf­he­bung der herr­schen­den Ver­hält­nis­se errei­chen.

Wir wol­len eine Welt, in der die mate­ri­el­le Sicher­heit und ein gutes Leben für alle durch den kol­lek­ti­ven Besitz an Pro­duk­ti­ons­mit­teln gewähr­leis­tet ist, ohne die Lebens­grund­la­gen auf die­sem Pla­ne­ten zu ver­nich­ten.

Wir wol­len eine Welt ohne Ras­si­mus und Patri­ar­chat.

Wir wol­len eine Welt ohne Mili­tär, Poli­zei und Gren­zen.

Wir wol­len eine Welt, in der sich jede*r frei bewe­gen und ohne Angst ver­schie­den sein kann.

Demo: 14. Febru­ar 2020 – 18:30 Uhr – Gärt­ner­platz

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Auf­ruf von de|con|struct rea­li­ty , lem­our – le mon­de ou rien und anti­fa nt zur Demo gegen die Münch­ner Sicher­heits­kon­fe­renz am 14.02.2020

Für ein Ende der Gewalt! Kei­ne Sicher­heit die­sen Ver­hält­nis­sen!

Gegen die SiKo…

Vom 14.–16. Febru­ar 2020 tref­fen sich im Hotel Bay­ri­scher Hof inter­na­tio­na­le Vertreter*innen aus Poli­tik, Mili­tär, (Rüstungs-)Industrie und Zivil­ge­sell­schaft zur Münch­ner Sicher­heits­kon­fe­renz, um den „drän­gends­ten Sicher­heits­ri­si­ken der Welt zu begeg­nen“. Die­ses seit 1963 jähr­lich statt­fin­den­de Tref­fen war tra­di­tio­nell durch Vertreter*innen des west­li­chen, trans­at­lan­ti­schen Macht­blocks domi­niert – über­wie­gend NATO-Staa­ten – die das Event einst pri­mär zur Koor­di­na­ti­on im Kal­ten Krieg nutz­ten. Seit­her hat sich der Cha­rak­ter ver­än­dert – was sich unter ande­rem an einer stär­ke­ren euro­päi­schen Aus­rich­tung, der Ein­bin­dung so genann­ter Schwel­len­län­der, der aus­ge­bau­ten Teil­nah­me von NGOs und der öffent­lich­keits­wirk­sa­men Bezug­nah­me auf Men­schen­rechts- und Umwelt­the­ma­ti­ken zeigt.

Von die­sem Wan­del darf man sich jedoch nicht täu­schen las­sen: Die SiKo ist – wenn auch unter den Vor­zei­chen einer mul­ti­po­la­ren und insta­bi­le­ren Welt­ord­nung – nach wie vor vor allem Schau­platz der Aus­ein­an­der­set­zun­gen kon­kur­rie­ren­der Macht­blö­cke und Kapi­tal­frak­tio­nen, die ver­su­chen ihre Inter­es­sen durch­zu­set­zen. Gleich­zei­tig wird ver­sucht durch punk­tu­el­le und kon­zer­tier­te Ein­grif­fe in jene Kri­sen­her­de zu inter­ve­nie­ren, in denen die Gefahr eines regio­na­len oder über­re­gio­na­len Flä­chen­brands befürch­tet wird, der die Sta­bi­li­tät des Gesamt­sys­tems gefähr­den könn­te. In den letz­ten Jah­ren sind zudem Aus­ein­an­der­set­zun­gen um Rena­tio­na­li­sie­rungs­ten­den­zen und die Aus­wir­kun­gen auf die Sta­bi­li­tät der neo­li­be­ra­len Welt­ord­nung hin­zu­ge­tre­ten.

Selbst die­ser sehr begrenz­te Anspruch der Sta­bi­li­sie­rung scheint jedoch immer weni­ger umsetz­bar zu sein: Vor dem Hin­ter­grund wirt­schaft­li­cher Kri­sen und Umbrü­che zei­gen sich welt­weit For­men von Poli­tik, die auf radi­ka­len und binä­ren Freund-Feind-Unter­schei­dun­gen sowie einer Poli­tik der Stär­ke basie­ren. Dabei wird der Ein­satz von Gewalt als pri­mä­res Mit­tel der Kon­flikt­aus­tra­gung zuneh­mend nor­ma­li­siert, was sowohl innen- wie außen­po­li­tisch zum Aus­druck kommt. Rüs­tungs­aus­ga­ben stei­gen bei fast allen Groß- und Regio­nal­mäch­ten, wäh­rend gleich­zei­tig zivi­le und poli­ti­sche Rech­te ein­ge­schränkt und Grenz­zäu­ne aus­ge­baut wer­den.

Zudem haben welt­weit zutiefst irra­tio­na­le und hoch­gra­dig ideo­lo­gi­sche reli­gi­ös-fun­da­men­ta­lis­ti­sche, ras­sis­ti­sche oder natio­na­lis­ti­sche Heils­ver­spre­chen Hoch­kon­junk­tur. Auch Sexis­mus und Chau­vi­nis­mus, Anti­fe­mi­nis­mus und LGBTQ-Feind­lich­keit, Anti­se­mi­tis­mus und Ver­schwö­rungs­den­ken ent­la­den sich immer öfter und gewalt­tä­ti­ger. Ins­ge­samt haben wir es mit einer glo­ba­len auto­ri­tä­ren For­mie­rung zu tun. Die Gren­ze zwi­schen kon­ser­va­ti­ven und faschis­ti­schen Akteur*innen ver­schwimmt.

Die glo­ba­le Situa­ti­on spitzt sich zu, der Kli­ma­wan­del schrei­tet vor­an, mit kata­stro­pha­len öko­lo­gi­schen und gesell­schaft­li­chen Fol­gen. Migra­ti­on und Flucht, die in vie­len Fäl­len auch Reak­ti­on auf Kli­ma­ka­ta­stro­phe, Krieg und ver­schärf­te Aus­beu­tung sind, wer­den in Euro­pa mit einer Auf­rüs­tung des mör­de­ri­schen Grenz­re­gimes beant­wor­tet. Für die Zukunft lässt dies nichts gutes erwar­ten. Es sei denn, an den Bedin­gun­gen der glo­ba­len öko­lo­gi­schen und gesell­schaft­li­chen Kata­stro­phe ändert sich grund­le­gen­des.

… und die Welt, deren Aus­druck sie ist

Die­se Eska­la­ti­on hat nichts damit zu tun, dass auf der SiKo selbst der nächs­te Welt­krieg geplant oder die Welt dort zwi­schen bösen Mäch­ten im Hin­ter­zim­mer auf­ge­teilt wür­de. Zwar sind auf der SiKo auch eini­ge der­je­ni­gen ver­tre­ten, die Ver­ant­wor­tung für aller­lei beson­de­re Grau­sam­kei­ten tra­gen: für über­füll­te Geflüch­te­ten­la­ger, Ertrin­ken im Mit­tel­meer und Ver­durs­ten in der Wüs­te; für Krieg und Ter­ror in Roja­va und Idlib, Don­bass und dem Jemen; für die gewalt­sa­me Nie­der­schla­gung von Auf­stän­den oder die Unter­drü­ckung von Tei­len der Bevöl­ke­rung in Chi­na oder Iran, Frank­reich oder Sau­di-Ara­bi­en. Neben Politiker*innen und Mili­tärs sind auch vie­le Vertreter*innen mul­ti­na­tio­na­ler Unter­neh­men anwe­send, unter ande­rem eini­ge der­je­ni­gen, die Kon­flik­te durch Waf­fen­lie­fe­run­gen anhei­zen, durch Roh­stoff­aus­beu­tung die glo­ba­len öko­lo­gi­schen Ver­wüs­tun­gen vor­an­trei­ben oder Staa­ten mit zuneh­mend repres­si­ver Über­wa­chungs­tech­no­lo­gie belie­fern. Es ver­wun­dert kaum, dass die SiKo nach wie vor klar weiß und männ­lich domi­niert ist und dass der glo­ba­le Rechts­ruck auch auf der Gäs­te­lis­te sicht­bar wird.

So wider­lich sich die­se Tisch­ge­sell­schaft auch dar­stellt, die Kri­sen und Kon­flik­te der Welt las­sen sich nicht auf das Han­deln ein­zel­ner Akteur*innen allein zurück füh­ren. Viel­mehr sind sie Pro­duk­te einer kapi­ta­lis­tisch und natio­nal­staat­lich orga­ni­sier­ten Gesell­schaft. Wie gut sich ein Natio­nal­staat im Hau­en und Ste­chen der Welt­markt­kon­kur­renz schlägt, steckt den Rah­men ab, inner­halb des­sen über die (Über-)Lebenschancen der gro­ßen Mehr­heit der dort leben­den Men­schen ent­schie­den wird.

Mensch und Natur sind dem struk­tu­rel­len Zwang von Pro­fit­ma­xi­mie­rung, Kon­kur­renz und Wachs­tum unter­wor­fen. In die­sem gna­den­lo­sen Wett­be­werb um Roh­stof­fe, Absatz­märk­te und dis­zi­pli­nier­te Arbeits­kräf­te sind Poli­zei, Mili­tär und pri­va­te Sicher­heits­fir­men Mit­tel, um bestehen­de Hier­ar­chien und kapi­ta­lis­ti­sche Ver­wer­tungs­be­din­gun­gen auf­recht­zu­er­hal­ten. Das ist auch der Grund wes­we­gen ins­be­son­de­re Kri­sen in jenen Regio­nen Beach­tung fin­den, die durch die Prä­senz gro­ßer Unter­neh­men, Roh­stoff­vor­kom­men oder zen­tra­le Han­dels­rou­ten für den glo­ba­len Kapi­ta­lis­mus am wich­tigs­ten sind.

Es ist die glo­ba­le kapi­ta­lis­ti­sche Ver­ge­sell­schaf­tung, der mit ihr ein­her­ge­hen­de kon­ti­nu­ier­li­che Man­gel­zu­stand und die dar­aus resul­tie­ren­den Ver­wer­fun­gen, wel­che den idea­len Nähr­bo­den für reak­tio­nä­re Kri­sen­ideo­lo­gien bie­tet, die in erstar­ken­dem Neo-Faschis­mus und reli­giö­sem Fun­da­men­ta­lis­mus ledig­lich ihre auf­fäl­ligs­ten Aus­drü­cke fin­den.

Kurz­um: Wenn auf der SiKo über Sicher­heit gespro­chen wird, geht es um die repres­si­ve Ver­wal­tung sozia­ler Wider­sprü­che, ob mit poli­ti­schen oder mit mili­tä­ri­schen Mit­teln: Krieg dort, ver­schärf­te Poli­zei­ge­set­ze hier, mili­ta­ri­sier­te Gren­zen dazwi­schen. Was als Sicher­heit für alle dar­ge­stellt wird, meint nur die Sicher­heit der bestehen­den Ver­hält­nis­se.

Nicht unse­re Sicher­heit

Wo sich doch ein­mal Men­schen der gewalt­vol­len Logik die­ser Ord­nung wider­set­zen und ihr Schick­sal selbst in die Hand neh­men, wird die­sen Pro­jek­ten mit allen mög­li­chen Grau­sam­kei­ten begeg­net, ohne dass dafür mit ernst­haf­tem Wider­spruch durch ande­re Akteur*innen der Sicher­heits­kon­fe­renz zu rech­nen wäre. Das zeigt sich welt­weit über­all dort, wo es gera­de Auf­stän­de gegen die Ver­hält­nis­se gibt: Ob in Chi­le oder Frank­reich, dem Iran oder Grie­chen­land – über­all wird ver­sucht Revol­ten und soli­da­ri­sche Alter­na­ti­ven gewalt­sam mit Hil­fe von Mili­tär oder Poli­zei nie­der­zu­schla­gen. Auch in Deutsch­land reagiert man mit­un­ter nicht zim­per­lich auf Wider­stand. Das hat man nicht nur bei den poli­zei­li­chen Angrif­fen auf die G‑20 Pro­tes­te in Ham­burg unter Beweis gestellt. Auch der all­jähr­lich zur SiKo statt fin­den­de Bela­ge­rungs­zu­stand in Mün­chen mit Sicher­heits­zo­nen, Scharf­schüt­zen und einem Poli­zei­auf­ge­bot, das im ver­gan­ge­nen Jahr dop­pelt so groß war wie die Gegen­de­mons­tra­ti­on, sym­bo­li­siert eine Poli­tik, in der Wider­spruch im Zwei­fel mit Gewalt beant­wor­tet wird.

Die Logik der Sicher­heit der herr­schen­den Ver­hält­nis­se zeigt sich beson­ders per­fi­de in Roja­va (Nord­sy­ri­en). Dort haben die Men­schen mit­ten in der Höl­le des Syri­en-Kriegs ein Gesell­schafts­pro­jekt errich­tet, das für Basis­de­mo­kra­tie, Öko­lo­gie und Femi­nis­mus steht und sich gegen Kapi­ta­lis­mus, Eth­no-Natio­na­lis­mus und reli­giö­sen Fun­da­men­ta­lis­mus rich­tet. Obwohl die Einwohner*innen der Mensch­heit im Kampf gegen Daesh einen gro­ßen Dienst erwie­sen haben, wer­den sie gera­de vom tür­ki­schen Regime und sei­nen dschi­ha­dis­ti­schen Ver­bün­de­ten mit Krieg und eth­ni­scher Säu­be­rung über­zo­gen. Statt sich für ein Ende die­ses Mas­sa­kers ein­zu­set­zen, sind fast alle Groß- und Regio­nal­mäch­te irgend­wie in die­ses Mas­sa­ker ver­strickt. Nir­gend­wo sonst zeigt sich kla­rer die Brü­chig­keit der menschen(rechts)freundlichen Fas­sa­de der bür­ger­lich demo­kra­ti­schen Staa­ten und nir­gend­wo sonst ist so offen­sicht­lich, dass eine Befrei­ung von Patri­ar­chat und Ras­sis­mus, Gewalt und Umwelt­ka­ta­stro­phe sich nicht vom Über­win­den von Staat, Nati­on und Kapi­tal tren­nen lässt.

Es ist des­halb ein wich­ti­ger Schritt, dass sich die gro­ßen sozia­len Bewe­gun­gen der letz­ten Jah­re, die Bewe­gun­gen gegen Kli­ma­ka­ta­stro­phe und Umwelt­zer­stö­rung, gegen Poli­zei­ge­set­ze und auto­ri­tä­ren Staats­um­bau, gegen Rechts­ruck und Ras­sis­mus, sowie gegen Sexis­mus und Anti­fe­mi­nis­mus sich mit den Verteidiger*innen Roja­vas soli­da­ri­siert haben. Das Bewusst­sein, dass Roja­va und die Auf­stän­de welt­weit mit unse­ren Kämp­fen zusam­men gedacht wer­den müs­sen, nimmt zu, das Ver­trau­en in die bestehen­de Poli­tik und ihre Gip­fel­tref­fen nimmt ab.

Lasst uns auf dar­auf auf­bau­en und ange­sichts der welt­wei­ten Auf­stän­de die Pro­tes­te gegen die Sicher­heits­kon­fe­renz zum Anlass neh­men, um eman­zi­pa­to­ri­sche Kämp­fe zusam­men­zu­füh­ren und nicht nur gegen ein­zel­ne Sym­pto­me der kapi­ta­lis­tisch-natio­na­lis­ti­schen Welt­ord­nung son­dern gegen die­se Welt­ord­nung selbst auf­zu­be­geh­ren: Eine Lösung der aktu­el­len Krie­ge und Kon­flik­te, ein Ende der Angst vor Umwelt­ka­ta­stro­phe und Faschis­mus und eine Befrei­ung von Ras­sis­mus und Patri­ar­chat sind nur gegen die in der SiKo zum Aus­druck kom­men­de Welt von Staat, Nati­on und Kapi­tal mög­lich. Eine siche­re Welt, in der alle ohne Angst leben kön­nen, lässt sich nur durch eine Auf­he­bung der herr­schen­den Ver­hält­nis­se errei­chen.

Wir wol­len eine Welt, in der die mate­ri­el­le Sicher­heit und ein gutes Leben für alle durch den kol­lek­ti­ven Besitz an Pro­duk­ti­ons­mit­teln gewähr­leis­tet ist, ohne die Lebens­grund­la­gen auf die­sem Pla­ne­ten zu ver­nich­ten.

Wir wol­len eine Welt ohne Ras­si­mus und Patri­ar­chat.

Wir wol­len eine Welt ohne Mili­tär, Poli­zei und Gren­zen.

Wir wol­len eine Welt, in der sich jede*r frei bewe­gen und ohne Angst ver­schie­den sein kann.

Demo: 14. Febru­ar 2020 – 18:30 Uhr – Gärt­ner­platz

de|con|struct rea­li­ty

lem­our – le mon­de ou rien

anti­fa nt