[PK:] Nachbetrachtung zum 1. Mai 2020

Trotz Pan­de­mie waren am 1. Mai Tau­sen­de auf den Stra­ßen und haben dabei gezeigt, dass eine klas­sen­kämp­fe­ri­sche und revo­lu­tio­nä­re Stra­ßen­prä­senz auch in Zei­ten von Coro­na längst nicht unmög­lich ist. Kei­ne Fra­ge: Die­ser 1. Mai war eine Her­aus­for­de­rung. Will­kür­li­che ver­samm­lungs­recht­li­che Ein­schrän­kun­gen in nahe­zu allen Dimen­sio­nen, gro­ße Tei­le der Bevöl­ke­rung, die durch das über allem schwe­ben­de Gesund­heits­ri­si­ko ver­un­si­chert waren, Absa­ge der gewerk­schaft­li­chen Demos und Kund­ge­bun­gen, eine Mobi­li­sie­rungs­pha­se ohne kol­lek­ti­ve Momen­te und nur weni­gen Mög­lich­kei­ten Leu­te per­sön­lich für die Aktio­nen zu gewin­nen.

Genos­sIn­nen, Initia­ti­ven und Orga­ni­sa­tio­nen der klas­sen­kämp­fe­ri­schen und revo­lu­tio­nä­ren Lin­ken aus zahl­rei­chen Städ­ten im Bun­des­ge­biet haben den­noch Aktio­nen auf die Stra­ße gebracht, die mehr als nur ein Lebens­zei­chen waren. Die Stär­ke der dies­jäh­ri­gen Mobi­li­sie­run­gen war nicht die Anzahl der Teil­neh­me­rIn­nen, die in allen Städ­ten im Ver­gleich zu den Vor­jah­ren stark zurück­ge­gan­gen ist. Es waren viel­mehr die Ver­su­che eine revo­lu­tio­nä­re Stra­ßen­prä­senz am 1. Mai durch­zu­set­zen, nicht nur um Sym­bo­lik und Kon­ti­nui­tät zu wah­ren, was durch­aus eine gewis­se Bedeu­tung hat, son­dern vor allem um Ansät­ze für Pra­xis­for­men und kon­kre­te Stand­punk­te zu ent­wi­ckeln, die wir für revo­lu­tio­nä­re Poli­tik in der aktu­el­len Situa­ti­on auch über den 1. Mai hin­aus für wich­tig hal­ten:

– Kein Burg­frie­den mit den Herr­schen­den unter dem Deck­man­tel des Gesund­heits­schut­zes. Der revo­lu­tio­nä­re Bruch mit dem Kapi­ta­lis­mus als kla­re Per­spek­ti­ve.
– Kla­rer Bezug zu den kon­kre­ten Klas­sen­in­ter­es­sen der Lohn­ab­hän­gi­gen, die jetzt im Zuge der sich ent­wi­ckeln­den kapi­ta­lis­ti­schen Kri­se von den Herr­schen­den ange­grif­fen wer­den (gegen Ent­las­sun­gen, Kurz­ar­beit, Über­las­tung, man­geln­den Gesund­heits­schutz etc. für Selbst­or­ga­ni­sa­ti­on der Beleg­schaf­ten und kämp­fe­ri­sche Gewerk­schafts­ar­beit)
– Kund­ge­bun­gen und Demos, die deut­lich machen, dass Gesund­heits­schutz auch für uns eine Rol­le spielt. Der Anspruch, die Durch­füh­rung mit einem sicht­bar orga­ni­sier­ten Auf­tre­ten eigen­stän­dig in die Hand zu neh­men.
– Krea­ti­ve, fle­xi­ble und kämp­fe­ri­sche Akti­ons­for­men, die unse­re Stand­punk­te und Per­spek­ti­ven abseits der Kon­trol­le von Bul­len und Ämtern auf die Stra­ße brin­gen.

Bei der Erar­bei­tung von prak­ti­schen und orga­ni­sa­to­ri­schen Ant­wor­ten auf die aktu­el­le Kri­sen­si­tua­ti­on, für die es kein bewähr­tes Mus­ter oder Sche­ma gibt, sto­ßen wir alle auf neue Pro­ble­me und Hür­den, die sich nicht auf die Schnel­le lösen las­sen. Das hat sicher bei vie­len dafür gesorgt, dass der Wider­spruch zwi­schen Anspruch und Rea­li­tät der Mai­mo­bi­li­sie­run­gen in die­sem Jahr wei­ter aus­ein­an­der­ge­klafft ist, als bis­her. Wir ver­ste­hen das aber als Ansporn für die wei­te­re Arbeit an einem Auf­bau­pro­zess, der lang­fris­tig ange­legt ist und uns sicher noch vor ganz ande­re Hür­den stel­len wird. Eine kapi­ta­lis­ti­sche Kri­se, wie sie sich jetzt vor uns auf­türmt, kann immer auch Tür­öff­ner und Chan­ce für die Ver­mitt­lung und Ent­wick­lung revo­lu­tio­nä­rer Per­spek­ti­ven sein, unab­hän­gig davon wie stark oder schwach die revo­lu­tio­nä­re Lin­ke bereits auf­ge­stellt ist – vor­aus­ge­setzt wir stel­len uns den kon­kre­ten Her­aus­for­de­run­gen. In die­sem Sin­ne möch­ten wir mit der fol­gen­den Zusam­men­stel­lung auf einen 1. Mai zurück­bli­cken, an dem Krea­ti­vi­tät, Ent­schlos­sen­heit und die Bereit­schaft für eine Arbeit in der Klas­se und mit der Klas­se in vie­len Städ­ten und in unter­schied­li­chen For­men sicht­bar wur­den:

1. Mai-Aktivitäten

…von uns und befreundeten Strukturen

Unser Auf­ruf: Die­se Kri­se hat Sys­tem! Revo­lu­tio­nä­re Gegen­macht auf­bau­en!

PK 1.Mai-Zeitung, die u.a. vor Betrie­ben, bei Aktio­nen und in pro­le­ta­ri­schen Stadt­vier­teln ver­teilt wur­de


Ber­lin

Dezen­tra­le Aktio­nen am pri­va­ten Vivan­tes Kran­ken­haus, am Lie­fe­r­an­do-Büro und an der Ama­zon-Tower Bau­stel­le.





Duis­burg

Klas­sen­kämp­fe­ri­sche und revo­lu­tio­nä­re Kund­ge­bung mit über 50 Teil­neh­me­rIn­nen. Außer­dem Spon­tan­de­mo mit Pyro





Ham­burg

Am Vor­mit­tag: Anti­fa­schis­ti­sche Kund­ge­bun­gen in Har­burg wegen ursprüng­lich geplan­tem Nazi­auf­marsch. Am Abend: Meh­re­re selbst­be­stimm­te Ver­samm­lun­gen mit bis zu 1000 Teil­neh­me­rIn­nen auf der Ree­per­bahn trotz mas­si­ver Bul­len­prä­senz. Über den Abend ver­teilt immer wie­der spon­ta­ne Zusam­men­künf­te und Angrif­fe auf Bul­len­ein­hei­ten und kapi­ta­lis­ti­sche Insti­tu­tio­nen.





Karls­ru­he

Am Vor­mit­tag Akti­on gegen das Geschäft mit Wohn­raum und Gen­tri­fi­zie­rung mit Sprüh­pa­ro­len, Schil­dern und Trans­pa­ren­ten. Im Anschluss anti­ka­pi­ta­lis­ti­sche Bünd­nis-Kund­ge­bung mit über 250 Teil­neh­me­rIn­nen. Danach Schil­der-Akti­on an CDU-Büro gegen ihre Kli­ma­po­li­tik und die wei­te­re Ver­schlech­te­rung der Arbeits­be­din­gun­gen von Pfle­ge-Beschäf­tig­ten unter ihrer Füh­rung.






Köln

Drei unan­ge­mel­de­te Demos in ver­schie­de­nen Stadt­vier­teln. Außer­dem Stadt­ver­schö­ne­rung mit Trans­pa­ren­ten und gemal­ten Paro­len in der Nacht auf den 1. Mai.






Leip­zig

Anti­ka­pi­ta­lis­ti­sche Demo unter dem Mot­to “Nicht auf unse­rem Rücken!” mit über 200 Teil­neh­me­rIn­nen.



Mün­chen

Meh­re­re Hun­dert Teil­neh­me­rIn­nen auf anti­ka­pi­ta­lis­ti­scher Kund­ge­bung vor dem Gewerk­schafts­haus. Anschlie­ßen­de Demo mit revo­lu­tio­nä­rem Block. Spä­ter am Tag eine unan­ge­mel­de­te Demons­tra­ti­on mit 50 Teil­neh­me­rIn­nen, rotem Rauch, Bei­falls­be­kun­dun­gen und Ban­ner­drop für sozia­len Wohn­raum im pro­le­ta­ri­schen Stadt­teil Neu­per­lach, außer­dem ein Demo­spa­zier­gang im Ost­park unter dem Mot­to “Nicht auf unse­rem Rücken!”. Außer­dem: Pro­tes­te und Blo­cka­de-Akti­on gegen Kund­ge­bung von Faschis­ten der Kleinst­par­tei “Der III. Weg”.






Stutt­gart

Am Mor­gen unan­ge­kün­dig­te Demo mit etwa 50 Teil­neh­me­rIn­nen, orga­ni­sier­tem Auf­tre­ten, viel Pyro und Rauch im Stutt­gar­ter Süden. Vor­mit­tags-Aktio­nen an der S21-Bau­stel­le, vor dem Stutt­gar­ter Kli­ni­kum und zum Frau­en­kampf und anschlie­ßen­de anti­ka­pi­ta­lis­ti­sche Kund­ge­bung mit meh­re­ren hun­dert Teil­neh­me­rIn­nen im Bünd­nis­rah­men. Danach revo­lu­tio­nä­re Demo mit über 500 Teil­neh­me­rIn­nen. Im Anschluss Blitz­kund­ge­bun­gen, revo­lu­tio­nä­re Agi­ta­ti­on mit Lautsprecher-PKW’s, Ver­tei­lung und Stadt­ver­schö­ne­rung mit Grup­pen von 30–40 Leu­ten in 3 Stadt­tei­len.






Vil­lin­gen-Schwen­nin­gen

Revo­lu­tio­nä­re Demo mit etwa 50 Teil­neh­me­rIn­nen. Im Anschluss Ban­ner-Aktio­nen an ver­schie­de­nen Orts­ein­gän­gen und Aus­klang mit Pyro und Trans­pa­rent an Mobi­li­sie­rungs­graf­fi­ti.






Waib­lin­gen

Anti­ka­pi­ta­lis­ti­sche Bünd­nis­de­mo mit 100 Teil­neh­me­rIn­nen. Im Demo­ver­lauf: Sym­bo­li­sche Absperrak­ti­on an der Nie­der­las­sung des Arbeits­ge­ber­ver­bands “Süd­west­me­tall”, Pla­ka­tier­ak­ti­on an Grü­nen-Par­tei­bü­ro. Im Anschluss: Soli­bild mit Pyro für die strei­ken­de Beleg­schaft beim Maschi­nen­bau­er Voith in Sont­ho­fen.






Eine Über­sicht über vie­le wei­te­re Akti­vi­tä­ten zum dies­jäh­ri­gen 1. Mai:

1. Mai 2020 Über­sicht

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