[re:volt mag:] Kommunistische Organisation statt Aktionismus

Kommunistische Organisation statt Aktionismus

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Im ver­gan­ge­nen Monat ent­wi­ckel­te sich im re:volt maga­zi­ne eine Debat­te um die aktu­el­le Situa­ti­on in der Covid-19-Kri­se, deren poli­ti­sche Ein­schät­zung, sowie die Hand­lungs­mög­lich­kei­ten der radi­ka­len Lin­ken. Die Genoss*innen von Kri­tik & Pra­xis Frank­furt (im Fol­gen­den K&P) bli­cken in ihrem Bei­trag von Mit­te April wei­se vor­aus und schrei­ben: „Es wird nicht rei­chen, Trans­pa­ren­te aus den Fens­tern zu hän­gen oder Online-Demons­tra­tio­nen zu ver­an­stal­ten. Ohne eine Pra­xis des zivi­len Unge­hor­sams ist die Ethik der Für­sor­ge im Klei­nen auch in Zukunft wenig wert. Wir fan­gen bes­ser heu­te als mor­gen damit an, über das ‚wie‘ nach­zu­den­ken.“ Dem ent­geg­net ein zwei­ter Debat­ten­bei­trag von Öko­lo­gisch Radi­kal Links (im Fol­gen­den ÖRL), „dass eine poli­ti­sche Pra­xis nicht nur in unse­ren Köp­fen, son­dern allein durch akti­ves Agie­ren und Aus­pro­bie­ren ent­steht“. Es wird gefor­dert, neue poli­ti­sche Wege zu gehen, um aus der Schock­star­re her­aus­zu­kom­men. In die­sem Text wol­len wir die Fra­ge des „wie“, die von K&P auf­ge­wor­fen wur­de, den Ent­wick­lun­gen ange­passt wei­ter­den­ken und kon­kre­ti­sie­ren. Dabei darf es zu kei­ner fal­schen Dicho­to­mie von Theo­rie und Pra­xis und zu kei­ner ver­zwei­fel­ten Suche nach dem heil­brin­gen­den Novum revo­lu­tio­nä­ren Han­delns kom­men.

Kapitalistische Pandemiebekämpfung

Die Coro­na-Pan­de­mie ist eine Gesund­heits­kri­se his­to­ri­schen Aus­ma­ßes. Hun­dert­tau­sen­de Infi­zier­te, tau­sen­de Tote, unge­klär­te Fol­gen für Geheil­te und so wei­ter. Der Staat hat dar­auf zunächst mit so genann­ten Kon­takt­be­schrän­kun­gen reagiert. In der Fol­ge ver­mel­det die Bun­des­agen­tur für Arbeit 10,1 Mil­lio­nen Mel­dun­gen zur Kurz­ar­beit. Nichts­des­to­trotz wer­den Mil­lio­nen von Arbeiter*innen wei­ter­hin in ihre Lohn­ar­beits­stät­ten gezwun­gen und irr­sin­ni­gen gesund­heit­li­chen Gefah­ren aus­ge­setzt. Trotz der umfang­rei­chen Siche­rungs- und Auf­fang­maß­nah­men des Staats für die Indus­trien, lief das Kapi­tal gegen die­se Min­dest­be­schrän­kun­gen Sturm und gebärt sich dabei als ver­meint­li­che „Frei­heits­recht­le­rin“. Bei die­ser Stra­te­gie wird – nicht unbe­dacht – mit Rufen nach Bewe­gungs­frei­heit und Ver­samm­lungs­recht ein über die Gren­zen der jewei­li­gen Klas­sen hin­aus gemein­sa­mes Inter­es­se, näm­lich das nach „Frei­heit“, ima­gi­niert. Die­ses gemein­sa­me Inter­es­se exis­tiert aber nicht. Was Chris­ti­an Lind­ner stell­ver­tre­tend für das deut­sche Kapi­tal for­mu­lier­te, ist die For­de­rung der tota­len Frei­heit des Waren­aus­tauschs. Der bür­ger­li­che Staat ist die­sem Druck natur­ge­mäß nach­ge­kom­men und baut die Lock­down-Maß­nah­men suk­zes­si­ve ab. So kann man nun wie­der bei T€DI für 1€-Unterhosen auf Coro­na-Par­tys gehen, oder im Fit­ness­stu­dio Viren ver­schleu­dern. Für Arbeiter*innen in die­sen Berei­chen ist das aber, anders als für ande­re, kei­ne optio­na­le Ange­le­gen­heit. Sie wer­den dort hin gezwun­gen. Die­sen Locke­run­gen gegen­über äußern ernst­zu­neh­men­de Virolog*innen erheb­li­che Beden­ken.

K&P liegt also unse­rer Mei­nung nach gleich­zei­tig rich­tig und falsch, wenn sie die Rol­le des „epi­de­mio­lo­gi­schen Wis­sens und sei­ner Träger*innen“ zur Antriebs­fe­der der Lock­down-Maß­nah­men mit all ihren Fol­gen erklä­ren. Rich­tig, weil die wis­sen­schaft­li­che Exper­ti­se zunächst natür­lich hand­lungs­an­wei­send für den Staat gewirkt hat. Falsch, weil sich die­se wis­sen­schaft­li­che Ver­nunft nicht gegen die Logik des Kapi­tals durch­set­zen konn­te, um neue Infek­ti­ons­her­de zu unter­drü­cken. Folg­lich sind es nicht ver­nünf­ti­ge Gesund­heits­maß­nah­men, die die Lebens­be­din­gun­gen des Pro­le­ta­ri­ats grund­sätz­lich ver­schlim­mern, son­dern die aggres­si­ven Angrif­fe des Kapi­tals auf das Arbeits­recht.

Fast im Stil­len wur­de der 12-Stun­den-Tag in eini­gen Bran­chen wie­der­ein­ge­führt, die Ruhe­zei­ten ver­kürzt und die Lohn­kos­ten auf den Staat umver­teilt. Man­cher­orts kam es zudem zu Urlaubs­sper­ren. Dabei ist zu erken­nen, dass die Pha­se des Neo­li­be­ra­lis­mus des spä­ten 20. Jahr­hun­derts, in dem es zur rela­ti­ven Befrie­dung der Arbeiter*innenklasse (bezo­gen auf Arbeits­ver­hält­nis­se und Lohn) kam, einen Kurs­wech­sel erfährt. Das zeigt sich wäh­rend Coro­na ganz beson­ders. Einer­seits las­sen sich keyne­sia­ni­sche Regu­lie­rungs­pro­gram­me in den USA, der EU und anders­wo beob­ach­ten, die der Beru­hi­gung des Mark­tes die­nen sol­len. Das ist in Kri­sen­zei­ten ein ganz nor­ma­ler Vor­gang. Ande­rer­seits wird in Deutsch­land und dar­über hin­aus in unge­kann­ter Inten­si­tät an den Arbeits­rech­ten und ‑ver­hält­nis­sen gerüt­telt. Die­se Angrif­fe bele­gen, dass die auf­kom­men­de Kri­se nicht eine zykli­sche, ähn­lich der von 2008 ff. ist, son­dern eine von his­to­ri­schem Aus­maß, ver­gleich­bar mit der von 1929 ff., sein wird.

Wo stehen wir?

Die­se Ver­schär­fun­gen der Lohn­ar­beits­ver­hält­nis­se, sowie die lächer­lich gerin­gen Maß­nah­men zum Infek­ti­ons­schutz in den Arbeits­stät­ten, stel­len genau jene „sozi­al­dar­wi­nis­ti­sche Logik der Aus­le­se“ dar, die K&P beschreibt. Eine nicht beherrsch­ba­re Zir­ku­la­ti­on des Virus ist schon jetzt, kurz nach den Rück­nah­men der Beschrän­kun­gen, zu ver­zeich­nen. So ändert das Robert-Koch-Insti­tut stän­dig sei­ne Anga­ben dazu, ob die effek­ti­ve Repro­duk­ti­ons­zahl des Virus nun unter oder über 1,0 liegt. Wei­ter­hin wur­de bereits ein­ge­stan­den, dass die schein­bar sin­ken­den Neu­in­fek­tio­nen viel­leicht auch mit weni­ger durch­ge­führ­ten Tests zu erklä­ren sind. Die feh­len­de Kon­trol­le ist deut­lich erkenn­bar.

Und trotz­dem: Zwang­haft ver­su­chen sich die Virolog*innen des RKI in Schön­fär­be­rei der Situa­ti­on und geben dabei nicht mal über­zeu­gend vor, das gesund­heit­li­che Wohl der Men­schen im Fokus zu haben. „Ver­reckt für die Wirt­schaft oder ver­reckt am Hun­ger“, schrei­en sie den Arbeiter*innen ent­ge­gen, die sie (nun wie­der) in den nor­ma­len Arbeits­all­tag zwin­gen. Dabei zei­gen über­füll­te Geschäf­te und S‑Bahnen, erneu­te Schul­schlie­ßun­gen und die Coro­na-Aus­brü­che in Groß­be­trie­ben die Infek­ti­ons­ten­denz an. Leben und Gesund­heit der Arbeiter*innen wer­den geflis­sent­lich aufs Spiel gesetzt, um die natio­na­le Wirt­schaft gera­de auch im Hin­blick auf die inter­na­tio­na­le Kon­kur­renz zu stär­ken. Die Arbeit des RKI ist folg­lich nicht ein­fach eine neu­tra­le, ideo­lo­gie­freie Dar­le­gung von Fak­ten, kei­ne ein­fa­che epi­de­mio­lo­gi­sche Gewiss­heit.

Die Fra­ge, die K&P auf­wirft, wie nun mit dem gan­zen Schla­mas­sel umzu­ge­hen sei, erfor­dert eine struk­tu­rel­le Ana­ly­se des Bestehen­den und eine lang­fris­tig ange­leg­te Stra­te­gie im Sin­ne der kom­mu­nis­ti­schen Sache, statt einer nur schein­bar kon­kre­ten Wider­stän­dig­keit. Wenn K&P also schreibt: „Die gegen­wär­ti­ge Situa­ti­on lässt sich nicht in der binä­ren Logik einer ein­sei­ti­gen Par­tei­nah­me auf­lö­sen: Es gibt nicht ein­fach ein dafür und dage­gen“, dann lie­gen sie natür­lich nicht falsch. Den­noch ist das unbe­frie­di­gend. Wenn es näm­lich kein ein­fa­ches ‚dafür‘ oder ‚dage­gen‘ gibt, dann muss auch eine aus­dif­fe­ren­zier­te Posi­ti­on for­mu­liert wer­den. Einen Monat nach dem Bei­trag von K&P, der eine sol­che Posi­ti­on gera­de nicht aus­for­mu­lier­te, hal­ten wir das für eine dring­li­che Auf­ga­be.

Alter Wein in neuen Schläuchen

Kri­ti­sie­ren wir also am Bei­trag von K&P die feh­len­de Kon­kre­ti­sie­rung einer grund­sätz­lich rich­ti­gen Initia­ti­ve, so wei­sen wir dage­gen die Vor­schlä­ge von ÖRL ent­schie­den zurück. Die Bemü­hun­gen und selbst­ge­steck­ten Zie­le von ÖRL nach Auf­klä­rung der Gesell­schaft über beson­ders mar­gi­na­li­sier­te und pre­ka­ri­sier­te Grup­pen, nach neu­en For­men poli­ti­scher Pra­xis und nach einer Lear­ning by Doing-Stra­te­gie sind weder neu, noch haben sie Kon­sis­tenz. Das merkt man auch schon bei der Lek­tü­re des Debat­ten­bei­trags.

In völ­li­gem Tun­nel­blick dar­auf, „spon­tan“ und „wider­stän­dig“ zu wer­den, attes­tiert ÖRL mehr­fach ein Tot­dis­ku­tie­ren der Pra­xis, wäh­rend die­se doch angeb­lich „allein durch akti­ves Agie­ren und Aus­pro­bie­ren ent­steht“. Im Wider­spruch dazu steht die eige­ne ange­bo­te­ne Bil­dungs­ar­beit. Gene­rell führt die Feti­schi­sie­rung der Spon­ta­nei­tät nach dem Mot­to: spon­ta­ne Bewe­gun­gen hier, wenig spon­ta­ne Orga­ni­sa­ti­ons­for­men dort, zu eini­gen wei­te­ren Wider­sprü­chen. Wird der radi­ka­len Lin­ken zuerst noch die tota­le Ohn­macht beschei­nigt (aus der auf­zu­wa­chen sei), wird dann im Wei­te­ren gefor­dert, die eige­ne Hand­lungs­macht auf die Pro­be zu stel­len. Müs­sen wir nun erst geweckt wer­den, oder sol­len wir schon los­schla­gen? Wird auf der einen Sei­te eine „neue poli­ti­sche Pra­xis“ gefor­dert, so wird im nächs­ten Zug erklärt, dass Nach­bar­schafts­hil­fen „kei­ne neue Bewe­gung“ erset­zen. Sie sei­en zwar „Aus­druck eines neu­en gesell­schaft­li­chen Zusam­men­halts“, wer­den dann aber instru­men­tell her­ab­ge­wür­digt als „eine Platt­form, um lokal mehr Men­schen als üblich zu errei­chen“. Statt­des­sen wird dann an Men­schen­ket­ten und „wider­stän­di­ge­ren Aktio­nen“, mit Graf­fi­tis, Kund­ge­bun­gen und (Online)-Demonstrationen die „neue poli­ti­sche Pra­xis“ aus­ge­macht.

Schon Lenin schrieb: „Aber es gibt Spon­ta­nei­tät und Spon­ta­nei­tät“, und hielt fest:

„Dar­um bedeu­tet jede Her­ab­min­de­rung der sozia­lis­ti­schen Ideo­lo­gie, jedes Abschwen­ken von ihr zugleich eine Stär­kung der bür­ger­li­chen Ideo1ogie. Man redet von Spon­ta­nei­tät. Aber die spon­ta­ne Ent­wick­lung der Arbei­ter­be­we­gung führt eben zu ihrer Unter­ord­nung unter die bür­ger­li­che Ideo­lo­gie, sie ver­läuft eben nach dem Pro­gramm des Cre­do, denn spon­ta­ne Arbei­ter­be­we­gung ist Tra­de-Unio­nis­mus, ist Nur-Gewerk­schaft­le­rei. Tra­de-Unio­nis­mus aber bedeu­tet eben ideo­lo­gi­sche Ver­skla­vung der Arbei­ter durch die Bour­geoi­sie.“ [1]

Ähn­li­ches geschieht im Text von ÖRL auch, die die „intel­lek­tu­el­le Distanz“ ver­flu­chen, und damit eben die genaue Ana­ly­se mei­nen. Sie rufen zur spon­ta­nen Erpro­bung der Hand­lungs­macht auf, for­dern aber zugleich maxi­mal refor­mis­ti­sche Etap­pen­zie­le ein, näm­lich die Wie­der­ein­füh­rung der „demo­kra­ti­schen Frei­heits­rech­te“, das Demons­trie­ren und aktio­nis­tisch sein. Die wirk­lich erns­ten Fra­gen, also die nach dem Ver­lauf der Coro­na-Kri­se und der sich zuspit­zen­den Kapi­tal­kri­se, wer­den zum „schwie­ri­gen Dilem­ma für die radi­ka­le Lin­ke“ erklärt, und damit nicht ange­gan­gen. „Aktiv wer­den!“, scheint da wich­ti­ger.

Was tun?

Statt der kon­fu­sen Spon­ta­nei­tät bedarf es einer plan­vol­len kom­mu­nis­ti­schen Orga­ni­sa­ti­on der Arbeiter*innenklasse. Da die auto­ri­tä­re Zuspit­zung der Lebens­ver­hält­nis­se unse­res Ermes­sens nach einer­seits an den Angrif­fen der Kapitalist*innenenklasse auf die Lohn­ar­beits­ver­hält­nis­se und ande­rer­seits natür­lich auch an den Ein­schrän­kun­gen des öffent­li­chen und vor allem pri­va­ten Lebens fest­zu­ma­chen ist, müs­sen die­se Kampf­fel­der zen­tra­ler Gegen­stand von Theo­rie und Pra­xis sein. Das heißt im Kon­kre­ten:

  • Die Kommunist*innen als Teil der Arbeiter*innenklasse müs­sen den Angriff auf das Arbeits­recht und auf die Lohn­ar­beits­ver­hält­nis­se in den Betrie­ben und Fabri­ken beant­wor­ten und bekämp­fen. Unter stra­te­gi­scher Lei­tung der zu errich­ten­den Kom­mu­nis­ti­schen Par­tei müs­sen wir in die Betriebs­rä­te drän­gen und zusätz­lich Arbeiter*innenräte in Unter­neh­men und Abtei­lun­gen eta­blie­ren. Nicht um die schlech­te Reform­po­li­tik der Gewerk­schaf­ten ver­meint­lich bes­ser zu machen, son­dern um die Stär­kung der „sozia­lis­ti­schen Ideo­lo­gie“ in der Arbeiter*innenklasse vor­an­zu­trei­ben. Reform­ori­en­tier­te Aus­ein­an­der­set­zun­gen wie bei­spiels­wei­se Lohn­er­hö­hun­gen oder Coro­na-Schutz­maß­nah­men sind dabei natür­lich nicht außen vor zu las­sen, son­dern im Gegen­teil zu for­cie­ren. Das kann jedoch nicht das Ziel, son­dern allen­falls Etap­pe des Kamp­fes der Par­tei, im Gegen­satz zu dem von „Wider­stands­grup­pen“, sein. Wich­ti­ger ist die Ver­an­ke­rung im Pro­le­ta­ri­at, die Errich­tung einer Mas­sen­ba­sis für kom­mu­nis­ti­sche Poli­tik und Orga­ni­sa­ti­on.
  • Die in bei­den Tex­ten gelob­ten Nach­bar­schafts- und Soli­da­ri­täts­netz­wer­ke sind ein wei­te­rer sehr wich­ti­ger Arm kom­mu­nis­ti­scher Orga­ni­sa­ti­on. Hier in Frank­furt am Main, und auch anders­wo, lässt sich deut­lich erken­nen, dass es sich um erfolg­rei­che Auf­bau­ver­su­che han­delt. So plat­zen schon die Tafeln, auch ohne Coro­na, in vie­len Städ­ten aus allen Näh­ten. Die Gaben­zäu­ne, die vie­ler­orts instal­liert wur­den, wer­den viel genutzt. Wir müs­sen die­se Ange­bo­te dau­er­haft aus­bau­en, mit hydro­po­ni­schen Sys­te­men [2], Gar­ten­kol­lek­ti­ven und so wei­ter die Ver­sor­gung, auch für das Pre­ka­ri­at, sta­bi­li­sie­ren und somit ver­deut­li­chen, dass trotz aller öko­no­mi­scher und pan­de­mi­scher Kri­sen nur die Kommunist*innen es sind, die die mate­ri­el­le Grund­si­che­rung der Arbeiter*innen auf lan­ge Sicht gewähr­leis­ten wol­len und auch kön­nen. Somit, oder auch mit den soli­da­ri­schen Ein­kaufs­sys­te­men für Risi­ko­grup­pen, wer­den Bezie­hun­gen in der Arbeiter*innenklasse auf­ge­baut. Gera­de in Zei­ten der mas­sen­haf­ten Kurz­ar­beit und den zu erwar­ten­den Kri­sen auf dem Arbeits­markt wer­den auf die­se Soli­da­ri­täts­netz­wer­ke immer mehr Arbeiter*innen ange­wie­sen sein.
  • Die ent­ste­hen­den Bezie­hun­gen, sowie die kom­mu­nis­ti­sche Orga­ni­sa­ti­on der Arbeiter*innen in Par­tei und Räte stel­len über­haupt erst die Vor­aus­set­zun­gen dar, um mar­gi­na­li­sier­ten Men­schen Unter­stüt­zung zu bie­ten. Die­se wur­den in bei­den Debat­ten­bei­trä­gen zu Recht als die am stärks­ten Betrof­fe­nen des kapi­ta­lis­ti­schen Voll­zugs in der Coro­na-Kri­se iden­ti­fi­ziert. Das zeigt sich gut an der Frank­fur­ter Dro­gen­hil­fe, wo sich Arbeiter*innen aus ver­schie­de­nen Ein­rich­tun­gen zusam­men getan haben, um die men­schen­un­wür­di­gen Zustän­de der Sze­ne im Bahn­hofs­vier­tel zu kri­ti­sie­ren und die Stadt zum Han­deln auf­zu­for­dern. Ähn­lich und in grö­ße­rem Umfang muss dies auch bezo­gen auf die Lage der Geflüch­te­ten getan wer­den. Auch Pro­ble­men der immer mehr zuneh­men­den häus­li­chen Gewalt kann, soli­da­risch, erst durch einen Aus­bau die­ser Bezie­hungs­wei­sen ent­ge­gen­ge­wirkt wer­den. So kön­nen sich Frau­en ja erst an Struk­tu­ren oder Netz­wer­ke wen­den, wenn die­se exis­tie­ren.
  • Die ers­ten drei Punk­te stel­len Eck­pfei­ler der theo­re­ti­schen und prak­ti­schen Arbeit einer Kom­mu­nis­ti­schen Par­tei – auf Höhe der Coro­na-Zeit – dar. Dabei ist die Dar­stel­lung ver­schie­de­ner Betrof­fen­heits­gra­de von Lohnarbeiter*innen, Pre­ka­ri­at und so wei­ter nicht als Ein­bet­tung in irgend­wel­che Milieu­theo­rien zu ver­ste­hen. Das ist kein Auf­ruf, sich jetzt auf die­ses oder jenes Milieu, wel­ches ob sei­ner Lage ver­meint­lich beson­ders ansprech­bar für unse­re Poli­tik sei, zu stür­zen. Die Kom­mu­nis­ti­sche Par­tei hat sich an der mar­xis­ti­schen Klas­sen­ana­ly­se zu ori­en­tie­ren, und somit den Klas­sen­ant­ago­nis­mus zwi­schen Pro­le­ta­ri­at und Bour­geoi­sie auf die Spit­ze zu trei­ben.

Das bedeu­tet in die­sen Pan­de­mie-Zei­ten vor allem auch die Gesund­heit der Arbeiter*innen gegen die Pro­fit­in­ter­es­sen der Kapitalist*innen zu ver­tei­di­gen. Groß­flä­chi­ge Des­in­fek­ti­ons­sta­tio­nen müs­sen über­all im öffent­li­chen Raum ange­bracht wer­den, gera­de vor dem Ein­tritt in ÖPNV oder Super­markt. Wei­ter­hin muss der Bekämp­fung der Pan­de­mie alle Unter­stüt­zung zuge­tra­gen wer­den, die Ver­harm­lo­sun­gen und Locke­rungs­for­de­run­gen, sei­en sie nun vom Kapi­tal oder irgend­wel­chen Verschwörungstheoretiker*innen, rigo­ros zurück­ge­schla­gen wer­den, bei­spiels­wei­se durch koor­di­nier­te Pro­pa­gan­da- und Medi­en­kam­pa­gnen, oder die benann­te Bezie­hungs­ar­beit.

Die „Hygie­ne­de­mos“ kön­nen dabei eine nütz­li­che Funk­ti­on ein­neh­men. Nicht um „anti­fa­schis­ti­schem Wider­stand“ eine Büh­ne zu lie­fern, son­dern als Sprung­brett für die eige­nen Posi­tio­nen. So ist die öffent­li­che Mei­nung ein­hel­lig dahin­ge­hend, dass es sich bei den Corona-„Skeptiker*innen“ um „Ver­rück­te“ han­delt, die unser aller Gesund­heit aufs Spiel set­zen. Wir müs­sen als radi­ka­le Lin­ke die­se gesell­schaft­li­che Stim­mung zuspit­zen und sagen: „Genau­so skru­pel­los ist die Bour­geoi­sie, die euch in Fabrik­hal­len quetscht, die euch in engen Zügen Fahr­kar­ten kon­trol­lie­ren lässt und aller­hand wei­te­re Angrif­fe auf die Gesund­heit orga­ni­siert.“

Das heißt der Auf­bau der Kom­mu­nis­ti­schen Par­tei ist die Orga­ni­sa­ti­on der Ver­nunft gegen jeden Angriff auf die Gesund­heits- und Lebens­ver­hält­nis­se der Arbeiter*innen. Die­se Ver­nunft gebie­tet es, nicht spon­tan und reak­tiv jeder Ein­tags­flie­ge hin­ter­her zu jagen, son­dern den Auf­bau lang­fris­ti­ger Struk­tu­ren zu betrei­ben. Die Coro­na-Kri­se ist schon jetzt eine umfas­sen­de Kapi­tal- und Gesell­schafts­kri­se, der nur bei­zu­kom­men ist, wenn die essen­zi­el­le Funk­ti­on der Kom­mu­nis­ti­schen Par­tei mit ihren hier kon­kre­ti­sier­ten Teil­auf­ga­ben erkannt und danach gehan­delt wird.


Anmerkungen:

[1] Lenin, Was tun?, Kapi­tel II „Spon­ta­nei­tät der Mas­sen und Bewusst­heit der Sozi­al­de­mo­kra­tie“.

[2] Hydro­po­nik ist eine Unter­grup­pe der Hydro­kul­tur, bei der Pflan­zen ohne Boden gezüch­tet wer­den, indem statt­des­sen mine­ra­li­sche Nähr­lö­sun­gen in einem Was­ser­lö­sungs­mit­tel ver­wen­det wer­den.

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