[EMRAWI:] Die tödlichen Folgen deutscher Grenzen

Solch eine Doku­men­ta­ti­on ist unglaub­lich wich­tig und rele­vant. Vor allem wenn der eige­ne Staat kein Inter­es­se dar­an zeigt, sei­ne pro­du­zier­te Gewalt­an­wen­dung zu doku­men­tie­ren oder gar zu ändern. Eine längst über­fäl­li­ge Stu­die zu Racial Pro­filing wird vom Innen­mi­nis­ter geblockt und gar als Angriff auf Polizist*innen bewer­tet, wäh­rend ras­sis­ti­sche Anschlä­ge wie in Hanau von der Bun­des­re­gie­rung bis jetzt nicht als rechts moti­viert ein­ge­ord­net wer­den. All die­se Lücken, Ver­dre­hun­gen und teils Ver­tu­schun­gen wer­den von akti­ven Genoss*innen wie zum Bei­spiel in der KOP, der Initia­ti­ve von Oury Jal­loh oder der Kam­pa­gne „Death in Cus­to­dy“ auf­ge­ar­bei­tet. Vor allem Men­schen, die durch Euro­pa und Deutsch­land ille­ga­li­siert wer­den, gera­ten ins Kreuz­feu­er die­ser täg­li­chen und lebens­be­droh­li­cher Gewalt. Nur wegen ihres kon­stru­ier­ten Sta­tus, wer­den sie in Lager oder AnkER Zen­tren gesteckt, in Abschie­be­haft ein­ge­sperrt und abge­scho­ben.

Als Rote Hil­fe Ber­lin for­dern wir alle Genoss*innen dazu auf, das töd­li­che Grenz­re­gime und die ras­sis­ti­sche Poli­zei­ge­walt nicht ein­fach hin­zu­neh­men. Jeder Fall ist einer zu viel. Alle Genoss*innen die wegen ihrer poli­ti­schen und anti­ras­sis­ti­schen Tätig­keit staat­li­che Repres­si­on erfah­ren sind herz­lichst in unse­ren Bera­tun­gen ein­ge­la­den.

Kein Mensch darf Ille­gal sein!
Blei­be­recht über­all!

**“Bun­des­deut­sche Flücht­lings­po­li­tik und ihre töd­li­chen Fol­gen “ (1993 bis 2019)**
Poli­zei­ge­walt gegen Geflüch­te­te
Unge­sühn­te Tötun­gen und Ver­let­zun­gen im behörd­li­chen Dun­kel­feld

Die Doku­men­ta­ti­on der ver­gan­ge­nen 27 Jah­re zeigt, dass min­des­tens 1298 geflüch­te­te Men­schen durch Gewalt­an­wen­dun­gen von Polizist*innen und Bewa­chun­sper­so­nal ver­letzt wur­den – für 28 Men­schen ende­te die­se Gewalt töd­lich. 24 Tötun­gen (86 %) und 1050 (81 %) zum Teil schwers­te Ver­let­zun­gen ent­fal­len auf die direk­te Ein­wir­kung von Ange­hö­ri­gen der Poli­zei.

Grund­le­gen­de Ursa­che für Gewalt von Polizeibeamt*innen gegen Peop­le of Color ist der struk­tu­rel­le und gesell­schaft­li­che Ras­sis­mus in Deutsch­land. Geflüch­te­te sind poli­zei­li­chen Aktio­nen durch ihre weit­ge­hen­de Ent­rech­tung in beson­de­rem Maße aus­ge­setzt. Sei­en es sprach­li­che Bar­rie­ren, sei­en es Orte der Iso­la­ti­on – Haft­zel­len, Flücht­lings­la­ger oder Abschie­be­flug­zeu­ge -, in denen Gewalt aus­ge­übt wird. Die Betrof­fe­nen sind in die­sen Situa­tio­nen meist meh­re­ren bewaff­ne­ten Uni­for­mier­ten hilf­los aus­ge­setzt.

Tötun­gen oder schwe­re Ver­let­zun­gen durch poli­zei­li­che Maß­nah­men wer­den grund­sätz­lich mit „Not­wehr“ gerecht­fer­tigt. Ermitt­lun­gen gegen Polizist*innen wer­den dem­zu­fol­ge schnell ein­ge­stellt. Nur sehr sel­ten kommt es zu Gerichts­ver­hand­lun­gen, Aus­sa­gen der dem Corps­geist ver­pflich­te­ten Zeug:innen erschei­nen dort jedoch oft abge­spro­chen. Am Ende ste­hen Frei­spruch oder lapi­da­re, die beruf­li­che Lauf­bahn nicht beein­träch­ti­gen­de, Stra­fen.

Mit der in der Regel von Anfang an geäu­ßer­ten „Notwehr“-These erfolgt die Kri­mi­na­li­sie­rung der Betrof­fe­nen und ent­spre­chend die­ser Schuld­um­kehr wer­den sie, wenn sie über­le­ben, ange­zeigt und wegen Wider­stands gegen die Staats­ge­walt und/​oder Kör­per­ver­let­zung vor Gericht gestellt. Nur sel­ten gelingt es, Licht in die­ses behörd­li­che Dun­kel­feld zu brin­gen.
Bei Oury Jal­loh, der 2005 in der Des­sau­er Poli­zei­zel­le ver­brann­te, konn­te die anfäng­li­che offi­zi­el­le The­se „Sui­zid“ nur durch jah­re­lan­ges und größ­tes Enga­ge­ment der „Initia­ti­ve in Geden­ken an Oury Jal­loh“ wider­legt und als „Mord“ bewie­sen wer­den. Ande­re Todes­fäl­le – wie die poli­zei­li­che Erschie­ßung von Hus­s­am Fadl Hus­sein im Sep­tem­ber 2016 in Ber­lin, die Ver­bren­nung des angeb­lich irr­tüm­lich in Haft sit­zen­den Amad Ahmad in Kle­ve im Sep­tem­ber 2018 als auch der angeb­li­che Sui­zid von Roo­ble War­sa­me in einer Poli­zei­zel­le in Schwein­furt im Febru­ar 2019 – las­sen in ihrer Wider­sprüch­lich­keit deut­li­che Zwei­fel an den offi­zi­el­len Bekannt­ge­bun­gen auf­kom­men.

Die Doku­men­ta­ti­on umfaßt den Zeit­raum vom 1.1.1993 bis 31.12.2019:

309 Flücht­lin­ge töte­ten sich ange­sichts ihrer dro­hen­den Abschie­bung oder star­ben bei dem Ver­such, vor der Abschie­bung zu flie­hen, davon 85 Men­schen in Abschie­be­haft.

3375 Flücht­lin­ge ver­letz­ten sich aus Angst vor der Abschie­bung oder aus Pro­test gegen die dro­hen­de Abschie­bung (Risi­ko-Hun­ger- und Durst­streiks) oder ver­such­ten, sich umzu­brin­gen, davon befan­den sich 868 Men­schen in Abschie­be­haft.

5 Flücht­lin­ge star­ben wäh­rend der Abschie­bung.

586 Flücht­lin­ge wur­den durch Zwangs­maß­nah­men oder Miß­hand­lun­gen wäh­rend der Abschie­bung ver­letzt.

39 Flücht­lin­ge kamen nach der Abschie­bung in ihrem Her­kunfts­land zu Tode.

623 Flücht­lin­ge wur­den im Her­kunfts­land von Poli­zei oder Mili­tär miß­han­delt und gefol­tert, kamen auf­grund ihrer bestehen­den schwe­ren Erkran­kun­gen in Lebens­ge­fahr oder erkrank­ten schwer.

79 Flücht­lin­ge ver­schwan­den nach der Abschie­bung spur­los.

234 Flücht­lin­ge star­ben auf dem Wege in die Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land oder an den Gren­zen, davon allein 131 an den deut­schen Ost-Gren­zen, 3 Per­so­nen trie­ben in der Nei­ße ab und sind seit­her ver­mißt.

793 Flücht­lin­ge erlit­ten beim Grenz­über­tritt Ver­let­zun­gen, davon 353 an den deut­schen Ost-Gren­zen.

28 Flücht­lin­ge star­ben durch direk­te Gewalt­ein­wir­kung von Poli­zei oder Bewa­chungs­per­so­nal ent­we­der in Haft, in Gewahr­sam, bei Fest­nah­men, bei Abschie­bun­gen, auf der Stra­ße, in Behör­den oder in Hei­men, min­des­tens 1298 wur­den ver­letzt.

26 Todes­fäl­le gab es durch unter­las­se­ne Hil­fe­leis­tung.

86 Flücht­lin­ge star­ben bei Brän­den, Anschlä­gen auf Flücht­lings­un­ter­künf­te und Woh­nun­gen oder durch sons­ti­ge Gefah­ren und 1765 Flücht­lin­ge wur­den dabei z.T. erheb­lich ver­letzt.

27 Flücht­lin­ge star­ben durch ras­sis­ti­sche oder poli­ti­sche Angrif­fe im öffent­li­chen Raum und min­des­tens 3344 Flücht­lin­ge wur­den kör­per­lich ange­grif­fen.

Durch staat­li­che Maß­nah­men der BRD kamen seit 1993 min­des­tens 641 Flücht­lin­ge ums Leben

Durch ras­sis­ti­sche Angrif­fe und die Unter­brin­gung in Lagern (u.a. Anschlä­ge, Brän­de) star­ben 113 Men­schen.

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