[LCM:] Stammbaumforschung ist Abfall

Vor­weg lass mich Axio­me streu­en. Ein­fach so.

1. Es reicht nicht nicht-ras­sis­tisch zu sein, du musst anti­ras­sis­tisch sein.

2. Anti­fa­schis­mus ist kein „Extrem“ einer radi­ka­len Lin­ken, son­dern das Min­dest­maß an demo­kra­ti­scher Ver­nunft.

3. Sexis­mus, Ras­sis­mus, Homo- und Trans­feind­lich­keit, Ableis­mus sind die­ser kapi­ta­lis­ti­schen, natio­nal­staat­li­chen Grund­ord­nung inhä­rent und not­wen­dig, um sie auf­recht­zu­er­hal­ten.

4. Die Poli­zei dient als Appa­rat der Inter­es­sen des Natio­nal­staa­tes und es ist ihre Auf­ga­be, die­se mit Gewalt durch­zu­set­zen.

Deutsch­land, die Aus­ge­burt der Stamm­baum­for­schung.

Aus­ge­hend von den USA ent­zün­de­te sich wegen mor­den­den Poli­zis­ten eine welt­wei­te Bewe­gung gegen ras­sis­ti­sche Poli­zei Gewalt –

Par­al­lel dazu ran­da­lie­ren, frus­triert von anhal­ten­der Poli­zei-Schi­ka­ne, hun­der­te Jugend­li­che in Stutt­gart.

Der ent­po­li­ti­sie­ren­de Ter­mi­nus „Par­ty­sze­ne“ geis­tert durch die Medi­en, die Ant­wort der Stutt­gar­ter Poli­zei lau­tet: Stamm­baum­for­schung.

Der­weil sieht Horst „Migra­ti­on ist die Mut­ter aller Pro­ble­me“ See­hofer kei­nen Grund für eine Stu­die zum Vor­kom­men des sog. „racial pro­filing“ bei sei­nen Beamt*innen.

Let that sink in. Oury Jal­loh, „Döner­mor­de“, Nsu.2.0., Stamm­baum­for­schung.

Ich habe ja nicht Geschich­te stu­diert und viel­leicht irre ich mich, aber als das letz­te Mal ver­sucht wur­de, in Deutsch­land natio­na­le Inter­es­sen mit Stamm­baum­for­schung durch­zu­set­zen, führ­te es zur maschi­nel­len Ermor­dung von meh­re­ren Mil­lio­nen Men­schen.

Wenn nun also dei­ne „Her­kunft“ irgend­was dar­über aus­sa­gen soll, wie du dich war­um ver­hältst, dann wäre für mich eine „Stamm­baum­for­schung“ ande­rer Art inter­es­san­ter. Wie vie­le Polizist*innen sind wohl aus rech­ten Milieus? Wie vie­le ver­keh­ren mit Neo­na­zis?

Der Witz ist, dass die Poli­zei sich per­ma­nent als Opfer sti­li­siert. Es feh­le, spe­zi­ell der migran­ti­schen Jugend, der grund­sätz­li­che Respekt vor ihrer Auto­ri­tät. Mit Schlacht­ru­fen wie dem der „Stamm­baum­for­schung“ will auch davon abge­lenkt wer­den, wie schlecht es um das Anse­hen ihres Beru­fes wirk­lich steht.

Aber das ist vor allem selbst ver­schul­det.

Noch so eine Behaup­tung von mir, die ich ein­fach nicht bele­gen wer­de, such doch sel­ber nach den „Ein­zel­fäl­len“ und „Fehl­trit­ten“ und lis­te sie auf.

Und dann such gleich nach Sta­tis­ti­ken zu inter­nen Ermitt­lun­gen und Kon­se­quen­zen, die dar­aus gezo­gen wor­den. (Spoiler1: Ver­bo­te­nes ist ver­bo­ten und pas­siert des­halb nicht; Spoiler2: wenn du erst gar nicht ermit­telst, kannst du nichts fest­stel­len)

Dass es noch immer kein exter­nes Unter­su­chungs­or­gan für den Poli­zei­ap­pa­rat gibt, ist der ech­te Skan­dal. In wes­sen geis­ti­ger Tra­di­ti­on steht der absur­de Gedan­ke einer „sau­be­ren“ unfehl­ba­ren Poli­zei eigent­lich?

Es ist pure Iro­nie wie der libe­ra­le Mit­te­jour­na­lis­mus die letz­ten Wochen parier­te, als es zum Bei­spiel um eine Sati­re gegen die Poli­zei ging. Den Begriff Korps­geist hät­te ich nie auf Zivilist*innen über­tra­gen, aber da steckt ein erschre­ckend wil­li­ger Glau­be an „die Guten“ in dem einem Ste­fan oder der ande­ren Gabi.

Dabei ist das alte „Dein Freund und Hel­fer“ nichts als seman­ti­sche Mani­pu­la­ti­on, ein offen­bar bis heu­te tief in den Köp­fen fest­sit­zen­des Erbe des Faschis­mus.

Ursprüng­lich ein Aus­druck in der Wei­ma­rer Repu­blik hat­te Hein­rich Himm­ler die Idee, ihn für die Poli­zei unter Hit­ler zu nut­zen. Bis heu­te wird die Poli­zei zum Bei­spiel zyni­scher Wei­se auf der Ankom​men​App​.de unter die­sem Mot­to vor­ge­stellt.

Wie sieht es eigent­lich mit his­to­ri­scher Struk­tur­for­schung aus? Die Rol­le der Poli­zei im Hit­ler-Faschis­mus scheint bis heu­te nicht klar auf­ge­ar­bei­tet zu sein und ich ver­mis­se Trans­pa­renz, wenn es um die neu gegrün­de­ten Poli­zei­struk­tu­ren nach 1945 geht.

Man könn­te, statt sich an Men­schen ras­sis­tisch abzu­ar­bei­ten, sich kri­tisch mit der drit­ten Gewalt aus­ein­an­der­setz­ten, ganz als ob wir in einer Demo­kra­tie leben wür­den. Statt­des­sen aber lie­ber die Stamm­bäu­me. Auf Stamm­baum­for­schung folg­te damals Sip­pen­haft, what’s next Deutsch­land?

# Bild­quel­le: wikimedia.commons

Der Bei­trag Stamm­baum­for­schung ist Abfall erschien zuerst auf Lower Class Maga­zi­ne.

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