[Plattform:] Weitere Presseanfrage an die Plattform, dieses Mal aus Lippstadt

Ein paar Tage nach­dem die bei­den Zei­tungs­ar­ti­kel im Men­de­ner (Sauer­land) Lokal­blatt erschie­nen sind, erhiel­ten wir eine wei­te­re Pres­se Anfra­ge aus Lipp­stadt. Auch in Lipp­stadt sind also die Platt­form Pla­ka­te zum The­ma “Die Coro­na-Kri­se wirft eini­ge Fra­gen auf…” Auf­ge­taucht. Auch wenn der Zei­tungs­na­me des Lokal­blat­tes “der Patri­ot” viel­leicht eine Aktua­li­sie­rung ver­tra­gen könn­te, haben wir auch die­se Pres­se­an­fra­ge ger­ne beant­wor­tet. Aber lest selbst, im Fol­gen­den ver­öf­fent­li­chen wir die Anfra­ge sowie unse­re Ant­wort dazu:

Presseanfrage:

Sehr geehrte Damen und Herren,

derzeit haben uns Leser auf Plakate von Ihnen in der Lippstädter Innenstadt aufmerksam gemacht. Gerne würde Ich das Thema in unserer Lokalzeitung in Lippstadt aufgreifen und Ihnen daher einige Fragen stellen.

Wie ist Ihre Organisation auf Lippstadt aufmerksam geworden bzw. wie haben es die Plakate in die City geschafft?
Welches Ziel verfolgt die Plakat-Aktion?
Sind weitere Aktionen in Lippstadt geplant?
Welche Ziele verfolgt Ihre Organisation? Ist "die Plattform" politisch (aktiv)?
Will "die Plattform"  im Kommunalwahlkampf mitmischen - oder: warum der Gang in den öffentlichen Raum während oder kurz vor dem Wahlkampf?

Könnten Sie mir die Fragen beantworten?
Vielen Dank für Ihre Bemühungen.

Mit freundlichen Grüßen,

ZV Der Patriot GmbH

Unsere Antwort:

Hallo,

mit Freude haben wir Ihrer Mail entnommen, dass unsere Plakate den Weg nach Lippstadt gefunden haben. Das kam vermutlich dadurch zustande, dass Unterstützer*innen unserer Organisation die Initiative ergriffen haben und auch in Lippstadt unsere Plakate verbreiteten.

Plakate hängen wir auf, um unsere Inhalte zu verbreiten. Aus unserer Sicht ist es wichtig, dass alle Menschen sich den öffentlichen Raum wieder aneignen und ihn mit ihren Gedanken, Forderungen und Träumen füllen. Leider befinden wir uns in einer Situation der totalen Kommerzialisierung des öffentlichen Raumes, in der es normal ist, dass jede Straße mit Werbung für Zigaretten und Alkohol, die Bundeswehr und
Polizei, Glücksspiele, billiges Fleisch und sonstige Attraktionen des Kapitalismus zugepflastert sind.

Nicht normal ist es hingegen, wenn Bürger*innen, ohne um Erlaubnis zu bitten, die Gestaltung ihrer Stadt selbst in die Hand nehmen, oft werden sie dann durch die Polizei verfolgt und Geldstrafen werden auferlegt. Für uns ist es aber so, dass die Stadt allen Menschen gemeinsam gehören sollte und nicht den Konzernen und Institutionen, die uns mit ihrer lästigen und oft schädlichen oder gefährlichen Werbung tagtäglich bombardieren.

Aktuell sind zwar keine Aktionen dieser Art mehr in Lippstadt geplant, aber ausschließen können wir es natürlich nicht, dass mal wieder spannende Aktivitäten von uns oder unserem Umfeld in Lippstadt passieren.

Das zentrale Ziel unserer Organisation ist die soziale Revolution. Der Kapitalismus muss überwunden werden, um das unendliche Leid auf der Welt, die endlosen Kriege und die Vernichtung unserer Lebensgrundlage durch die Zerstörung unserer Umwelt zu beenden. Für uns ist es wichtig, dass wir nicht nur für dieses große Ziel eintreten, welches für die allermeisten Menschen erstmal eher abstrakt ist. Uns geht es auch darum, schon im Jetzt Veränderungen zu erreichen und für unmittelbar umsetzbare Reformen zu streiten.

Wir wollen die solidarische Selbstverwaltung der Gesellschaft, wo nicht mehr wenige über alle bestimmen, sondern wir selbst unser Leben in den eigenen Händen halten. Im Prinzip eine Form der direkten Demokratie und nicht einen Parlamentarismus, der uns Mitbestimmung vorgaukelt, aber in der Realität nur die Herrschaft des Kapitals ist.

Um es nochmal ganz praktisch an einem Beispiel aufzuzeigen: Im Kontext der Corona-Krise haben wir uns da, wo wir leben, für solidarische Netzwerke eingesetzt oder diese aufgebaut. Wir haben für alte und kranke Menschen eingekauft oder andere Formen der gegenseitigen Hilfe koordiniert. Das ist der Kern des Anarchismus: die Probleme, die uns das alltägliche Leben bereitet, gemeinsam direkt zu lösen, anstatt auf einen über uns stehenden bürokratischen Apparat zu vertrauen.

In diesem Sinne sind wir auch politisch aktiv. Das schließt aber explizit die Beteiligung am Parlamentarismus aus, Parteien stehen wir grundsätzlich kritisch gegenüber. Wir glauben nicht an grundsätzliche Veränderung über den Weg des Staates, einzig der Kampf und die Selbstorganisation von unten sind in der Lage, die Verhältnisse grundsätzlich zu verändern. In diesem Sinne grenzen wir uns im Übrigen auch deutlich von einem autoritären „Sozialismus“ ab, wie er beispielsweise in der DDR oder der Sowjetunion herrschte.

Insofern ist der Zeitpunkt des Auftauchens der Plakate kurz vor den Kommunalwahlen wahrscheinlich einfach Zufall. Anarchist*innen sind 365 Tage im Jahr aktiv und nicht wie die Parteien nur in den heißen zwei Monaten vor einer Wahl.

Gerne beantworten wir auch weitere Fragen und stehen Ihnen jederzeit zur Verfügung.

Freundliche Grüße,

K´ura Neuland für die plattform - anarchakommunistische Organisation -
dieplattform.org

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