[KgK:] Der Feminizid in Berlin ist kein Beziehungsdrama!

Bild: femplak_​berlin @ Insta­gram

Femi­ni­zi­de, also Mor­de, die an Frau­en ver­übt wer­den, weil sie Frau­en sind, sind auch in Deutsch­land All­tag. Jeden drit­ten Tag wird eine Frau von ihrem (Ex-)Partner ermor­det, jeden Tag fin­det ein ver­such­ter Mord statt. Ein wei­te­rer die­ser Mor­de geschah am 22.Juli: Saul Flech­ter erstach in Ber­lin-Moa­bit sei­ne Ehe­frau und töte­te sich anschlie­ßend selbst.

In den ver­gan­ge­nen Jah­ren gin­gen welt­weit Hun­dert­tau­sen­de Frau­en unter dem Slo­gan „Ni una menos“ – „Nicht eine weni­ger“ auf die Stra­ßen, um gegen die Ermor­dung von Frau­en – das letz­te, töd­li­che Glied in einer Ket­te der Gewalt – zu demons­trie­ren. Auch in Deutsch­land ist die Aus­ein­an­der­set­zung mit sexua­li­sier­ter und patri­ar­cha­ler Gewalt immer prä­sen­ter gewor­den — doch in der brei­ten Gesell­schaft wer­den die Taten trotz der erschre­cken­den Zah­len von Mor­den an Frau­en als „Pri­vat­sa­che“ abge­tan. Von der bür­ger­li­chen Pres­se wer­den sie als „(Ehe-)Dramen“ ver­harm­lost, beson­ders von jenen Zei­tun­gen, die all­täg­lich Geld damit machen, die sexis­ti­schen Ideo­lo­gien zu ver­brei­ten, die das Leben von Frau­en abwer­ten, wie die Bild.

Doch die Ursa­che für Femi­ni­zi­de liegt nicht in den Part­ner­schaf­ten, in den Fami­li­en oder den Haus­hal­ten, son­dern im patri­ar­cha­len Sys­tem, dass Frau­en jeden Tag ernied­rigt, ent­mensch­licht, schlech­ter bezahlt und zwingt, unbe­zahl­te Arbeit im Haus­halt zu leis­ten. Und im Kapi­ta­lis­mus, der sich dies zunut­ze macht und das patri­ar­cha­le Sys­tem des­halb auf­recht­erhält. Und genau die­se struk­tu­rel­le Unter­drü­ckung von Frau­en för­dert die Vor­stel­lung, ihre Leben und Kör­per sei­en weni­ger wert.

Um gegen Femi­ni­zi­de und alle Gewalt gegen Frau­en zu kämp­fen, brau­chen wir bezahl­ba­ren Wohn­raum und finan­zi­el­le Unter­stüt­zun­gen, damit Frau­en sich aus gewalt­vol­len Part­ner­schaf­ten tren­nen kön­nen — beson­ders deut­lich gezeigt hat das der Anstieg von patri­ar­cha­ler Gewalt wäh­rend der Qua­ran­tä­ne.

Aber wir brau­chen auch eine brei­te Bewe­gung auf den Stra­ßen, in den Betrie­ben, Schu­len und Uni­ver­si­tä­ten, die gegen Sexis­mus in all sei­nen Aus­prä­gun­gen kämpft und sich der Auf­ga­be stellt, auch die Ursa­chen zu bekämp­fen — damit wir in einer Welt leben, in der die For­de­rung „Wir wol­len leben“ nicht mehr not­wen­dig ist, weil sie selbst­ver­ständ­lich gewor­den ist, eine Welt in der der Wert von Men­schen nicht an ihrer Pro­duk­ti­vi­tät gemes­sen wird und die auf Soli­da­ri­tät statt auf Kon­kur­renz beruht.

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