[EMRAWI:] Von der Handlung zur Identität

Als Verfasser*in des Tex­tes „Wozu dann der Name?“ in Zünd­lum­pen Nr. 048 möch­te ich mich im Fol­gen­den mit der Reak­ti­on der Femi­nis­ti­schen Auto­no­men Zel­len „Wegen alle­dem“ aus­ein­an­der­set­zen sowie eini­ge mei­ner ursprüng­li­chen Argu­men­te noch ein­mal ver­tie­fen. Ich wer­de dabei Text­stel­len aus „Wegen alle­dem“ nur ent­spre­chend durch mei­ne Posi­tio­nen kon­tex­tua­li­siert zitie­ren, wes­halb ich die vor­he­ri­ge Lek­tü­re die­ses Tex­tes, sowie ggf. mei­nes ursprüng­li­chen Diss­kus­si­ons­bei­trags emp­feh­le. Und weil auf­grund der bis­he­ri­gen Bei­trä­ge zu die­ser Debat­te zu befürch­ten steht, dass mein Bei­trag als Dis­kus­si­ons­bei­trag dazu gedeu­tet wer­den könn­te, wie sich die FAZ – derer ich kein Teil bin – „orga­ni­sie­ren“ soll­ten, möch­te ich aus­nahms­wei­se ein­mal vor­ab klar­stel­len, was sowie­so klar sein soll­te: Wenn ich auch mei­ne Gedan­ken und Über­le­gun­gen zu Anony­mi­tät und (infor­mel­ler) Orga­ni­sa­ti­on ver­su­che dar­zu­le­gen, so kön­nen ande­re, die mög­li­cher­wei­se auch ande­re Zie­le als ich ver­fol­gen, zu ande­ren Schluss­fol­ge­run­gen gelan­gen. Den Wert einer sol­chen Debat­te sehe ich vor allem dar­in, dass sich in der Kon­fron­ta­ti­on mit ande­ren Posi­tio­nen vor allem die eige­nen Ansich­ten schär­fen, über­den­ken und manch­mal auch ganz über den Hau­fen wer­fen las­sen.

Femi­nis­ti­sche Mili­tanz?

Der Vor­wurf muss­te ja kom­men: „wie­so wird eigent­lich im gan­zen Arti­kel kein Wort über unse­re femi­nis­ti­sche Posi­tio­nie­rung oder die (lei­der so rare) Ver­bin­dung von Femi­nis­mus und Mili­tanz ver­lo­ren?“ und wei­ter: „Dass Femi­nis­mus als das Grund­the­ma unse­rer Tex­te und Orga­ni­sie­rung im gesam­ten Zünd­lum­pen-Text igno­riert wird, zeigt lei­der deut­lich, was wir mit Unsicht­bar­ma­chung unse­rer Sache im lin­ken mili­tan­ten Dis­kurs mei­nen.“ Aber wel­chen „lin­ken mili­tan­ten Dis­kurs“ meint ihr? Ich betrach­te mich weder als links, noch als mili­tant in einem Sin­ne, in dem es mir wert wäre, einen eige­nen Dis­kurs dar­um zu füh­ren. Ich betrach­te mich viel­mehr als Anarchist*in, als aufständische*r Anarchist*in, wenn mensch so will. Mei­ne Mili­tanz, wenn mensch das wie­der­um so nen­nen will, ist anti­po­li­tisch, unor­ga­ni­siert – bzw. infor­mell orga­ni­siert –, indi­vi­du­ell und auf die Zer­stö­rung jeg­li­cher Herr­schaft gerich­tet. Sie ver­folgt kein Pro­gramm außer viel­leicht dem der tota­len Destruk­ti­ven Ver­nei­nung. War­um ver­lie­re ich in mei­nem ursprüng­li­chen Arti­kel also „kein Wort über [eure] femi­nis­ti­sche Posi­tio­nie­rung oder die […] Ver­bin­dung von Femi­nis­mus und Mili­tanz“? Weil es dar­um schlicht nicht geht: Mein Arti­kel beschäf­tigt sich mit der Fra­ge, inwie­fern ich es für sinn­voll hal­te, den eige­nen Angrif­fen einen (wie­der­keh­ren­den) Namen zu geben, bzw. aus­schwei­fen­de Com­mu­ni­qués dazu zu ver­fas­sen. Was spielt es dabei für eine Rol­le, dass ihr euch als femi­nis­tisch bezeich­net?

Was für mich eine völ­lig ande­re Fra­ge ist, scheint für euch aber auch jen­seits eines blo­ßen Dele­gi­ti­mie­rungs-Argu­ments gegen­über mei­nem Text (wie sonst soll ich den Vor­wurf der Unsicht­bar­ma­chung ver­ste­hen, wenn sich doch zugleich in mei­nem Text mit den FAZ und ihren Aktio­nen aus­ein­an­der­ge­setzt wird) eine Rol­le zu spie­len. „Quee­re, arme ‚kran­ke‘, ras­si­fi­zier­te und FLINT* Men­schen und alle, die von gesell­schaft­li­chen Nor­men abwei­chen, sind stän­dig gezwun­gen, mehr oder min­der öffent­li­che ‚Bekennt­nis­se‘, ‚outings‘ zu pro­du­zie­ren“, schreibt ihr, und spä­ter beklagt ihr noch die „lei­der sel­te­nen ‚outings‘ anony­mer Akti­ons­grup­pen als FLINT* Grup­pen“. Hier scheint die gute alte Iden­ti­täts­po­li­tik Ein­zug in euer Mili­tanz­kon­zept zu hal­ten und eure Mili­tanz zur iden­ti­täts­stif­ten­den Ange­le­gen­heit zu machen. Es erin­nert mich an die Schrif­ten der Roten Zora, in denen häu­fig von „Gegen­macht“ (Ein Kon­zept, das auch von den Revo­lu­tio­nä­ren Zel­len und ande­ren mili­tan­ten Grup­pen gebraucht wur­de und wird) und „Frau­en­macht“ (was eben­so wie das Kon­zept der „Gegen­macht“ zumin­dest in „Mili’s Tanz auf dem Eis“ spä­ter kri­tisch gese­hen wird) die Rede war und immer wie­der das Frau­sein essen­tia­li­siert und als für die Grup­pe iden­ti­täts­stif­tend ins Spiel gebracht wird [1]. Dabei geht es mir nicht dar­um, zu kri­ti­sie­ren, wenn sich Per­so­nen nicht län­ger in Zusam­men­hän­gen „orga­ni­sie­ren“ wol­len, in denen sie mar­gi­na­li­siert wer­den und in denen sie den Ein­druck haben, ihre eige­nen Pro­jek­te nicht rea­li­sie­ren zu kön­nen – Im Gegen­teil, ich bin ohne­hin der Ansicht, dass eine Orga­ni­sa­ti­on zer­stört wer­den soll­te, sobald sie den Pro­jek­tua­li­tä­ten ihrer „Mit­glie­der“ im Wege steht. Es geht mir auch nicht dar­um, zu kri­ti­sie­ren, wenn sich Men­schen gemein­sam mit Men­schen inner­halb ihrer sozia­li­sier­ten Iden­ti­tä­ten „orga­ni­sie­ren“, ver­schwö­ren, ver­bün­den wol­len. Wenn die­se Iden­ti­tä­ten dann aber die eige­nen Angrif­fe und Hand­lun­gen zu über­dau­ern schei­nen, wenn es weni­ger auf eine Hand­lung ankommt, als auf die Iden­ti­tät der*desjenigen, die*der die­se tätigt und viel­leicht zusätz­lich noch sug­ge­riert wird, mensch wür­de für alle Men­schen, die die­se Iden­ti­tät (zu) tei­len (schei­nen), spre­chen, so scheint mir die­se Kon­stel­la­ti­on mit­nich­ten geeig­net, irgend­ein Herr­schafts­ver­hält­nis radi­kal anzu­grei­fen. Das gilt übri­gens nicht nur für Iden­ti­tä­ten wie „wir, quee­re Mili­tan­te“, „wir, eine FLINT* Akti­ons­grup­pe“ oder „wir, eine Frau­en­kampf­grup­pe“, son­dern ins­be­son­de­re auch für „wir, mili­tan­te Lin­ke“ oder „wir, Mili­tan­te“, wie Lina Gaso in „Jen­seits von Mili­tanz: Revo­lu­tio­nä­re Gewalt“ (In der Tat Nr. 2) argu­men­tiert.

Was mich aber bei „outings“ als „FLINT-Grup­pen“ und der Ermu­ti­gung, sich als sol­che zu „outen“, wie ich das im Text der FAZ wahr­neh­me, ganz beson­ders ver­stört ist die eigent­li­che Kon­tra­pro­duk­ti­vi­tät des Gan­zen und das impli­zi­te Fort­schrei­ben einer der weit­ver­brei­tets­ten und däm­lichs­ten Legen­den über die­je­ni­gen, die sich ent­schei­den anzu­grei­fen, näm­lich dass dies (vor allem) nicht nur „Män­ner“ sei­en, son­dern gar sol­che, die nicht „von gesell­schaft­li­chen Nor­men abwei­chen“ wür­den. Ist es nicht die größt­mög­li­che Abwei­chung von „gesell­schaft­li­chen Nor­men“, die bestehen­de Gesell­schaft, das Eigen­tum, das Patri­ar­chat, den Staat oder wie mensch es auch nen­nen will, anzu­grei­fen? Und sicher mag es die­se und jene Zusam­men­hän­ge geben, aber es wür­de mich doch sehr ver­wun­dern und mei­nen eige­nen Erfah­run­gen zen­tral wider­spre­chen, wenn sich die gän­gi­gen gesell­schaft­li­chen Kli­schees über die­je­ni­gen, die sich ent­schei­den anzu­grei­fen, im Gro­ßen und Gan­zen als wahr erwei­sen wür­den. Das heißt nicht, dass ich es nicht respek­tie­re, wenn Indi­vi­du­en wie bei­spiels­wei­se die Anar­chis­tin und Nihi­lis­tin Kaneko Fumi­ko [2] so hef­tig um Aner­ken­nung ihrer Gefähr­lich­keit kämp­fen (wol­len), dass sie bereit sind dafür hin­ge­rich­tet zu wer­den. Aber für die Aner­ken­nung der Gefähr­lich­keit nicht eines Indi­vi­du­ums, son­dern einer Iden­ti­tät scheint mir ein sol­ches Unter­fan­gen – mit Ver­laub – recht bescheu­ert. Geht es denn dar­um, das in einer Gesell­schaft prä­sen­te Bild einer Iden­ti­tät zu ver­än­dern (und was wür­den bei­spiels­wei­se libe­ra­le Feminist*innen dazu sagen, wenn die­ses Unter­fan­gen erfolg­reich wäre und FLINT* Per­so­nen fort­an als „Terrorist*innen“ gel­ten wür­den) oder geht es nicht viel­mehr dar­um, jede Vor­stel­lung von Iden­ti­tät und die Gesell­schaft selbst – zumin­dest so wie sie heu­te exis­tiert – zu zer­stö­ren?

Die*der anony­me Angreifer*in wider­setzt sich in die­ser Hin­sicht trotz der däm­li­chen gesell­schaft­li­chen Pro­jek­tio­nen – war­um ihnen auch irgend­ei­nen Wert bei­mes­sen? – jeg­li­cher Iden­ti­tät. „Die anony­me Akti­on hat kei­nen Besit­zer, kei­nen Meis­ter, gehört nie­man­dem. Das heißt sie gehört allen denen, die sie tei­len. Als Schat­ten unter Schat­ten sind wir alle gleich. Nie­mand ist vor­ne um zu füh­ren, nie­mand ist hin­ten um zu fol­gen.“ [3] Nie­mand blen­de­te den Zyklo­pen Poly­phem und doch schei­tert die List des Odys­seus [4] an sei­ner Eitel­keit: Als er glaubt ent­kom­men zu sein, gibt er sich Poly­phem doch noch zu erken­nen: „Ich, Odys­seus war es, der euch blen­de­te“. Und so kommt es, dass Poly­phem sei­nem Vater Posei­don nun Odys­seus Namen ent­hül­len kann, der die­sen und sei­ne Gefährt*innen auf eine zehn­jäh­ri­ge Irr­fahrt schickt, die außer Odys­seus keine*r über­lebt [5].

„War­um könnt ihr uns nicht ertra­gen?“, fragt ihr und ich gebe die­se Fra­ge zurück: War­um könnt ihr es nicht ertra­gen, euch in den Nebel der Anony­mi­tät zu klei­den? Das soll eine Patho­lo­gi­sie­rung „starke[r] Frau­en­fi­gu­ren“ sein? „In der Fins­ter­nis jedoch gibt es kei­ne Namen, kei­ne Iden­ti­tät, es gibt nur eine hete­ro­ge­ne Bewe­gung, kochend wie Mag­ma, frag­men­ta­risch, wild. Nie­mand befiehlt, nie­mand gehorcht. Akte wie Wor­te haben Wert wegen ihrem Sinn, wegen ihrem Inhalt, wegen ihren Kon­se­quen­zen. Nicht wegen dem Ruf ihrer Autoren.“ [6]

Der gro­ße gan­ze Zusam­men­hang in einem Com­mu­ni­qué

„Für uns ist zen­tral, Aktio­nen zu wäh­len, die wir rich­tig, mach­bar und effek­tiv fin­den – denn Mili­tanz bedeu­tet auch Ver­ant­wor­tung für sorg­fäl­ti­ge Arbeit, gera­de, weil es danach kei­nen Dia­log geben kann. Dafür betrei­ben wir aus­führ­li­che Recher­chen und wol­len unser Wis­sen tei­len – auch, wenn lan­ge Hin­ter­grund­tex­te sicher höher­schwel­li­ger sind und nicht von allen (zu Ende) gele­sen wer­den. […] Die Vor­stel­lung, (bestimm­te) Aktio­nen und poli­ti­sche Gegner*innenschaften sei­en sowie­so selbst­er­klä­rend, hal­ten wir […] für eine Posi­ti­on Erfah­re­ner und Älte­rer in der „Sze­ne“, die hier­ar­chie­bil­dend wirkt: Wenn als selbst­ver­ständ­lich dar­ge­stellt wird, war­um etwas auf eine bestimm­te Wei­se getan, war­um die*derjenige nicht gemocht wird, kann das nur noch schwer er- oder hin­ter­fragt wer­den.“

War­um wäh­le ich den Angriff? Weil ich es leid bin, das „Rich­ti­ge“ zu tun, weil ich es leid bin, „Ver­ant­wor­tung“ zu über­neh­men, weil ich es leid bin, Rechen­schaft für mein Han­deln vor irgend­je­man­dem (außer viel­leicht mir selbst – aber einem Selbst frei von jeg­li­cher Moral) abzu­le­gen, weil ich es leid bin, „poli­tisch“ zu han­deln. Ich weiß, mensch kann die­se Begrif­fe für sich selbst anders defi­nie­ren und es ist mir weder dar­an gele­gen, eure Defi­ni­ti­on die­ser Begrif­fe pau­schal mit der all­ge­mein aner­kann­ten Defi­ni­ti­on die­ser gleich­zu­set­zen, noch dar­an, an die­ser Stel­le eine wei­te­re Neben­de­bat­te dazu auf­zu­ma­chen, und doch bin ich über­zeugt, dass die­se Begriff­lich­kei­ten und die damit trans­por­tier­ten Kon­zep­te den Ursprung unse­rer unter­schied­li­chen Vor­stel­lun­gen bil­den. Ist ein Angriff selbst­er­klä­rend? Muss er das in jedem Sin­ne, gera­de im poli­ti­schen, sein? Ja und Nein. Ja, ich hal­te jeden Angriff, der mit der Logik die­ser Gesell­schaft bricht für selbst­er­klä­rend und Nein, ich fin­de nicht, dass mensch poli­ti­sche Gegner*innenschaften nach­voll­zieh­bar fin­den muss, um einen Angriff zu ver­ste­hen. Abge­se­hen davon glau­be ich, dass die­se das in der Regel für die meis­ten Leu­te, die bereit sind, genau hin­zu­se­hen, sind. Wo immer Auf­stän­de oder Riots aus­bre­chen, pas­siert in der Regel unge­fähr das Glei­che: Bul­len wer­den ange­grif­fen und Bar­ri­ka­den wer­den errich­tet, Läden wer­den geplün­dert, Ban­ken ver­wüs­tet, Regie­rungs­ge­bäu­de ange­grif­fen, Kame­ras ges­masht, wenn irgend­wie mög­lich Tele­kom­mu­ni­ka­ti­on unter­bro­chen, Medi­en­häu­ser gestürmt, Knäs­te zer­stört und Gefan­ge­ne befreit, usw., fer­ner wer­den manch­mal Kir­chen nie­der­ge­brannt, Armen­vier­tel zer­stört (damit es kei­nen Ort gibt, an den mensch zurück­keh­ren kann), die Indus­trie lahm­ge­legt, das Ener­gie­ver­sor­gungs­netz zer­stört, u.v.m. Kurz: Den Men­schen ist recht klar, wer und was sie unter­drückt, das muss einer*einem kein Marx sagen, kein Engels, Lenin, Mao, Cas­tro, Che Gue­va­ra, Nel­son Man­de­la und auch kein*e Anarchist*in. Und auch als (vor­ran­gi­ge) Feminist*innen wer­det ihr in die­ser Auf­zäh­lung zen­tra­le patri­ar­cha­le Insti­tu­tio­nen fin­den, die ihr den Men­schen nicht bes­ser benen­nen könn­tet. Dabei gehen die aller­meis­ten Auf­stän­de und Riots mit­nich­ten von irgend­we­chen poli­ti­schen Akteur*innen aus. Die meis­ten Auf­stän­de sind viel­mehr apo­li­tisch, in sich unver­ein­nahm­bar und ersterben in dem Moment, in dem sie neue Anführer*innen (Politiker*innen) her­vor­brin­gen, die im Namen der Men­schen zu spre­chen bean­spru­chen.

Was hat dies nun mit mili­tan­ten „Aktio­nen“ bzw. apo­li­ti­schen Angrif­fen zu tun? Zie­le die­ser Angrif­fe sind (in der Regel) ganz ähn­li­che Insti­tu­tio­nen, wie die­je­ni­gen, die auch wäh­rend Auf­stän­den ange­grif­fen wer­den. Wenn es nun aber gar kei­ne poli­ti­schen Akteur*innen sind, die Auf­stän­de aus­lö­sen, woher kommt dann die Arro­ganz so vie­ler Mili­tan­ter, ihre Angrif­fe für beson­ders außer­ge­wöhn­lich und erklä­rungs­be­dürf­tig zu hal­ten? Und umge­kehrt gefragt: Wenn ihre Angrif­fe tat­säch­lich erklä­rungs­be­dürf­tig wären, weil auch wäh­rend eines Auf­stands nie­mand – und zwar dies­mal im Sin­ne von keine*r – auf die Idee kommt, die­se zu ver­üben, inwie­fern macht es dann über­haupt Sinn die­se zu erklä­ren? Ent­we­der han­delt es sich bei die­sen dann um Angrif­fe, die aus einer recht indi­vi­du­el­len Moti­va­ti­on her­aus statt­fin­den, oder aber die dem Angriff vor­an­ge­hen­de Ana­ly­se, die ver­sucht, die­sen in einen sozia­len Kon­text ein­zu­bet­ten, ist geschei­tert, weil sich mit dem Angriff her­aus­stellt, dass es die­sen sozia­len Kon­text nie gege­ben hat.

Aber es stimmt ja auch gar nicht, dass nicht in hun­der­ten und tau­sen­den anar­chis­ti­schen (und ande­ren mili­tan­ten – wobei dort ja beson­ders häu­fig nur in Com­mu­ni­qués zu den Angrif­fen) Schrif­ten, wie Zei­tun­gen, Maga­zi­nen, Fly­ern, Pla­ka­ten, Büchern, Radio­sen­dun­gen, ja manch­mal sogar Fil­men grund­sätz­lich erklärt wer­den wür­de, war­um sich Indi­vi­du­en für den Angriff ent­schei­den, was die zugrun­de­lie­gen­de Ana­ly­se ist und sogar wel­che Stra­te­gien hin­ter die­sen Angrif­fen ste­hen. Fer­ner gibt es eine Fül­le von Anlei­tun­gen, wie bestimm­te Angrif­fe durch­ge­führt wer­den kön­nen, Auf­lis­tun­gen von Akteur*innen, die irgend­wer für angrei­fens­wert hält (aber es oft nicht selbst tun will), und nicht zuletzt welt­wei­te Bericht­erstat­tun­gen über statt­ge­fun­de­ne Angrif­fe auf anar­chis­ti­schen Blogs, in anar­chis­ti­schen Zei­tun­gen und sogar in „sozia­len Medi­en“. Wie jäm­mer­lich und erbärm­lich ist da ein zwei/​drei, höchs­tens ein­mal zehn­sei­ti­ges Com­mu­ni­qué, das einen ein­zel­nen Angriff in hüb­sche oder weni­ger hüb­sche Wor­te klei­det, ihn in einen Gesamt­kon­text stel­len und neben­bei noch „aus­führ­li­che Recher­chen“ und „Wis­sen tei­len“ will, im Ver­gleich zu den hun­dert­tau­sen­den Sei­ten der Ana­ly­se, Recher­che und Wis­sen die­ser Publi­ka­tio­nen, die sich nicht nur auf einen ein­zel­nen Angriff bezie­hen, son­dern auf alle, sowohl die publik gewor­de­nen, als auch die stil­len, sowohl die mate­ri­el­len Angrif­fe, als auch die imma­te­ri­el­len Angrif­fe, die zum Bei­spiel Herr­schafts­be­zie­hun­gen in den eige­nen Denk­mus­tern angrei­fen. Wie inef­fi­zi­ent ist es, ein sei­ten­lan­ges Comu­ni­qué zu jedem Angriff zu schrei­ben, im Ver­gleich zu einem all­ge­mei­nen Text mit einer Ana­ly­se, einer Anlei­tung oder einer Recher­che, der über das äußerst kurz­le­bi­ge Spek­ta­kel des Angriffs selbst sei­ne Rele­vanz behält? Oder wer kei­ne Lust hat, selbst etwas zu schrei­ben, die*der kann sich hier auch genau­so­gut einen der tau­sen­den exis­tie­ren­den Tex­te aneig­nen, meh­re­re zu einem neu­en Text col­la­gie­ren oder seine*ihre Ideen auf ande­re Art und Wei­se ver­brei­ten. Und wo bleibt da der Angriff? Der spie­gelt sich in all die­sen Tex­ten eben­so wider, unab­hän­gig davon, wie gewandt eine*r ist, die­sen mit klu­gen Wor­ten zu bewer­ben.
Die Pro­pa­gan­da der Tat und die „patri­ar­cha­le Vor­stel­lung ‚alles was zählt, ist die Akti­on’“

Die „Akti­on“ ist für mich so ziem­lich das Letz­te was zählt, dafür jedoch die „Tat“ oder mei­net­we­gen auch „Hand­lung“ umso mehr. Wäh­rend eine „Akti­on“ zumin­dest in dem Sin­ne, in dem die­ser Begriff der­zeit inner­halb einer „radi­ka­len Lin­ken“ gebraucht wird, für mich die abso­lut poli­ti­sier­tes­te, sym­bo­lischs­te und unall­täg­lichs­te Hand­lung über­haupt dar­stellt, kurz, eine von mir selbst und mei­nen Ideen ent­frem­de­te Vor­stel­lung des Han­delns, das mir dazu dient, in all der übri­gen Zeit, in der ich gera­de kei­ne „Akti­on“ durch­füh­re oder wenigs­tens pla­ne, die Ver­wirk­li­chung mei­ner Ideen unter Mot­tos wie „es gibt kein rich­ti­ges Leben im Fal­schen“, oder „der Kapitalismus/​das Patri­ar­chat zwingt uns eben, bei der Ver­wirk­li­chung unse­rer Ideen Kom­pro­mis­se ein­zu­ge­hen“, oder „nach der Revo­lu­ti­on …“ guten Gewis­sens bei­sei­te­zu­schie­ben. Die „Tat“ oder „Hand­lung“ dage­gen ist nicht poli­tisch. Sie ist untrenn­bar mit mei­nen Emo­tio­nen, mei­nen Feh­lern, mei­nem Schei­tern und mei­nem Spaß ver­bun­den. Sie ent­springt dem indi­vi­du­el­len Ver­lan­gen nicht (län­ger) auf eine Revo­lu­ti­on zu war­ten, nur um dann ver­mut­lich alle auf sie gesetz­ten Hoff­nun­gen getrübt zu sehen, son­dern hier und jetzt zur Tat zu schrei­ten und mei­ne Ideen zu ver­wirk­li­chen und alles, was mich in die­ser Ver­wirk­li­chung ein­schränkt auf kom­pro­miss­lo­se Art und Wei­se anzu­grei­fen.

Ob ich steh­len gehe um etwas zu essen zu haben oder um mei­ne Mie­te zu zah­len, ob ich mei­ner Wut Luft mache, indem ich einen Bag­ger, einen Mobil­funk­mast, einen Strom­ver­tei­ler­kas­ten, einen Ama­zon-Locker oder ein­fach nur das nächst­ge­le­ge­ne (Bonzen-)Auto abfack­le, ob ich meine*n Chef*in ver­prüg­le, weil ich das ewi­ge her­um­kom­man­diert wer­den nicht mehr ertra­ge, ob ich eine*n Freund*in im Knast besu­che, ob ich mich bei einer ande­ren Per­son dafür ent­schul­di­ge, sie ver­letzt zu haben, ob ich eine*n Bull*in, die*der gera­de eine ande­re Per­son kon­trol­liert zusam­men­schla­ge oder ob ich für ein (gem)einsames Abend­essen koche. All das sind Taten, all die­se Taten spie­geln mei­ne Ideen wider, wenn­gleich das nicht bedeu­tet, dass dies kein wider­sprüch­li­ches Leben wäre, in all die­sen Taten kann ich schei­tern, bei all die­sen Taten wer­de ich mehr oder weni­ger Spaß emp­fin­den und zu kei­ner die­ser Taten wer­de ich irgend­wel­che Erklä­run­gen abge­ben.

Eine „Akti­on“ dage­gen, scheint erst durch die Abga­be einer Erklä­rung, war­um mensch die­se für rich­tig hält und war­um mensch sich dafür ent­schie­den hat, die­se in die Tat umzu­set­zen zu einer sol­chen zu wer­den. Und weil es eben lächer­lich ist, Erklä­run­gen der Art „Heu­te habe ich Nudeln mit Toma­ten­so­ße gekocht, weil das in mir schlum­mern­de revo­lu­tio­nä­re Sub­jekt etwas zu essen brauch­te und ich mich aber nicht getraut habe, ein­fach im Restau­rant neben­an die Zeche zu prel­len. Ich fin­de die­se Akti­on rich­tig, weil ich sonst frü­her oder spä­ter ver­hun­gern wür­de und wenn ich ver­hun­ge­re dient dies der Revo­lu­ti­on nicht so sehr, wie wenn ich nun eben die­se Akti­on mache, um auch in Zukunft Aktio­nen mit mehr ‚revo­lu­tio­nä­rem Gehalt‘ machen zu kön­nen.“ abzu­ge­ben, muss sich der Begriff der „Akti­on“ eben auf ganz bestimm­te mili­tan­te oder wenigs­tens schein­bar mili­tan­te, bzw. mas­sen­haf­te oder weni­ges­tens schein­bar mas­sen­haf­te bzw. spek­ta­ku­lä­re oder wenigs­tens spek­ta­ku­lär insze­nier­te For­men des Han­delns beschrän­ken. Und so ist es kaum ver­wun­der­lich, dass der Begriff der „Akti­on“ bloß Raum für immer wag­hal­si­ge­re, spek­ta­ku­lä­re­re und vor allem erfolg­rei­che­re „Aktio­nen“ las­sen kann, da jeder Ver­such, die­sen Begriff aus­zu­wei­ten, um bei­spiels­wei­se per­sön­li­che, indi­vi­du­el­le und ja an sich häu­fig für das han­deln­de Indi­vi­du­um weit­aus fol­gen­rei­che­re Taten, als so manch eine Spek­ta­ku­lä­re, lächer­lich erschei­nen las­sen muss. Zum Bei­spiel sei hier ein auf Bar​ri​ka​de​.info ver­öf­fent­lich­tes Bekennt­nis erwähnt, bei dem vier „Men­schen mit Vul­va“ clai­men, öffent­lich auf die „Drei­ro­sen­brü­cke in Basel gepin­kelt“ zu haben und (wie) zum Beweis, dass sie die­ses Spek­ta­kel auch wirk­lich nicht erfun­den haben, gar noch ein Bild mit vier deut­lich erkenn­ba­ren Urin­spu­ren ver­öf­fent­lich­ten. „Wir wol­len so für uns und unse­re FLINT*-Geschwister einen Raum rec­lai­men, der durch eine Prä­senz von cis-männ­li­chen Men­schen besetzt ist,“ [7] schrei­ben sie und geben damit ihre als Tat selbst kei­nes­wegs zu bean­stan­den­de oder über­haupt zu bewer­ten­de Hand­lung in Form einer „Akti­on“ der Lächer­lich­keit (weil sie sich beson­ders wich­tig nimmt; weil sie nach Legi­ti­ma­ti­on lechzt; weil sie die Indi­vi­dua­li­tät einer Hand­lung zuguns­ten irgend­ei­nes – nur schein­bar – all­ge­mei­nen Bewer­tungs­maß­stabs auf­gibt) preis (wobei das Gan­ze natür­lich auch ein­fach als Witz ver­stan­den wer­den könn­te). Und das ist jetzt nur ein Bei­spiel. Ich hät­te hier eben­so­gut ein Com­mu­ni­qué zu einem Bank­raub anfüh­ren kön­nen, hat­te aber gera­de kei­nes zur Hand.

Ob die Vor­stel­lung einer „Akti­on“ (bzw. dem ihr irgend­wo inhä­ren­ten „alles was zählt ist die Akti­on“) nun patri­ar­chal ist oder nicht, das will ich nicht bewer­ten, auch wenn mensch sich bei dem Selbst­be­wusst­sein, mit dem sich manch­mal selbst zu den lächer­lichs­ten und für vie­le nur all­zu all­täg­li­che bzw. indi­vi­du­el­le und apo­li­ti­sche Hand­lun­gen mit gro­ßen Wor­ten und der Bemü­hung einer Men­ge „Theo­rie“ bekannt wird, viel­leicht schon fra­gen muss, inwie­fern das auf eine in der Regel als „männ­li­che Sozia­li­sa­ti­on“ refe­ren­zier­te, patri­ar­cha­le Ver­hal­tens­wei­se ver­weist. Aber ich den­ke auch hier ist ein Com­mu­ni­qué, das sich um weni­ge wei­te­re Aspek­te in der Vor- und Nach­be­rei­tung einer Akti­on, sowie die Emo­tio­nen der Han­deln­den bemüht, nicht die ein­zig denk­ba­re Form, sich sol­chen The­men zu wid­men.
Eine Orga­ni­sa­ti­on auf „dau­er­haf­ter Basis“ oder eine kurz­le­bi­ge, infor­mel­le Orga­ni­sa­ti­on, die „mit dem nächs­ten ‚Lebens­ab­schnitt‘ ihrer Mit­glie­der [zer­fällt]“?

Ist es erfor­der­lich, „Refle­xio­nen, Ent­wick­lun­gen, Umden­ken und Feh­ler“ über ein­zel­ne Aktio­nen hin­aus sicht­bar zu machen und wie kann das funk­tio­nie­ren? Die FAZ haben für sich die Ant­wort gefun­den, eine auf lan­ge Zeit ange­leg­te Orga­ni­sa­ti­ons­struk­tur zu schaf­fen, deren Ziel es ist, mili­tan­te „Aktio­nen“ lang­fris­tig zu ermög­li­chen. Das „bedeu­tet […] viel Arbeit unter hohen Sicher­heits­stan­dards und Risi­ken“ und ist in der Ver­gan­gen­heit den­noch häu­fig schief gegan­gen, etwa weil Obser­va­tio­nen irgend­wann doch ein­mal zum fal­schen Zeit­punkt am fal­schen Ort statt­ge­fun­den haben, weil sich Feh­ler und Nach­läs­sig­kei­ten ein­ge­schli­chen haben, usw. Aber das muss jede*r, der*die sich auf die­se Art orga­ni­sie­ren will für sich wis­sen. Was ich nicht so recht ver­ste­he ist die Lang­le­big­keit und Sta­tik einer sol­chen Orga­ni­sa­ti­on. Ich emp­fin­de es als bedrü­ckend mich für alle Ewig­keit (oder auch nur eini­ge Jah­re) einer Orga­ni­sa­ti­on zu ver­schrei­ben, auch wenn natür­lich immer klar ist, dass ich die­se „Mit­glied­schaft“ theo­re­tisch jeder­zeit auf­kün­di­gen kann und natür­lich auch wer­de, wenn mir das Gan­ze nicht mehr taugt. Aber wenn dies so ist, war­um dann über­haupt eine sol­che Orga­ni­sa­ti­on grün­den und auf­bau­en, die dar­auf aus­ge­legt sein soll, Jah­re und Jahr­zehn­te zu bestehen, ohne dass mit ihr ein kon­kre­tes Pro­jekt ver­bun­den ist? Und wenn dies nicht so wäre? Herr­je, dann dürf­te ich mich nicht mehr Anarchist*in nen­nen!

Aber was mei­ne ich mit einem kon­kre­ten Pro­jekt? Auf jeden Fall nicht „Mili­tanz“ zum Selbst­zweck. Um mili­tan­te Angrif­fe zu ver­üben benö­ti­ge ich ja kei­ne Orga­ni­sa­ti­on per se. Alle mir bekann­ten Angrif­fe der FAZ – das muss ja aber nicht der Weiß­heit letz­ter Schluss sein – las­sen sich zu zweit, zu dritt oder gar allei­ne bewerk­stel­li­gen. Das dafür not­wen­di­ge „Wis­sen“, etwa wie mensch Spu­ren ver­mei­det oder wie mensch ein Fahr­zeug in Brand setzt, fin­det sich in leicht beschaff­ba­ren Publi­ka­tio­nen, wie bei­spiels­wei­se der PRISMA [8] und ähn­li­chen Anlei­tungs­heft­chen, sowie gele­gent­lich in peri­odi­schen Publi­ka­tio­nen auf­stän­di­scher Anarchist*innen und mili­tan­ter Auto­no­mer. Sicher, es gibt eine Men­ge unver­öf­fent­lich­ter Tricks für ver­schie­dens­te Din­ge, aber wer Lust hat, fin­det auch beim expe­ri­men­tie­ren schnell her­aus, wie mensch die Din­ge noch ein wenig opti­mie­ren kann. Wer sich tie­fer in die Mate­rie ein­ar­bei­ten möch­te, fin­det auch zahl­rei­che Publi­ka­tio­nen dazu, wie die Cops arbei­ten [9], was mei­nes Erach­tens nach enorm dabei hilft, Spu­ren zu ver­mei­den, aber oft auch ein wenig para­no­id machen kann. Jeden­falls erscheint mir eine Orga­ni­sa­ti­on, die ihre Mit­glie­der dazu befä­hi­gen soll, mili­tan­te Angrif­fe durch­zu­füh­ren, nicht beson­ders sinn­voll bzw. not­wen­dig. Mit einem kon­kre­ten Pro­jekt mei­ne ich viel­mehr, den Kampf gegen zum Bei­spiel den Bau eines Gefäng­nis­ses. Eine infor­mel­le Orga­ni­sa­ti­on dazu (einen Namen wür­de ich die­ser trotz­dem nicht geben) macht dann solan­ge Sinn, bis ent­we­der der Bau die­ses Knasts gestoppt wur­de oder mensch kei­ne Per­spek­ti­ve mehr in die­sem Pro­jekt sieht. Hin­sicht­lich einer sol­chen Pro­jek­tua­li­tät kann es mei­ner Mei­nung nach Sinn machen, Erfah­run­gen, (eige­ne) Ent­wick­lun­gen, usw. zu tei­len [10]. Aber wel­chen Sinn soll es machen, die Erfah­run­gen eines Kamp­fes gegen den Bau eines Gefäng­ni­s­es gemein­sam mit denen eines Kamp­fes gegen eine Gas­pipe­line oder einer Strom­tras­se, etc. zu doku­men­tie­ren? Nach außen scheint mir das kei­nen Sinn zu erge­ben und nach innen – so denn die Betei­lig­ten an den Kämp­fen tat­säch­lich die Glei­chen sind –, erfor­dert dies ja auch kei­ne fes­te Orga­ni­sa­ti­on.

Ähn­lich ver­hält es sich mei­ner Mei­nung nach mit dem Aus­tausch zu bestimm­ten mili­tan­ten Tech­ni­ken und Tak­ti­ken. Wer hier Erfah­run­gen wei­ter­ge­ben will kann dies ja tun und wer das öffent­lich tun will, ist viel­leicht ohne­hin bes­ser bera­ten eine Art zwei­te PRISMA her­aus­zu­ge­ben.

Ich jeden­falls fin­de den Zer­fall von Orga­ni­sa­tio­nen, wenn ihr Zweck über­holt oder erfüllt ist, oder die ein­zel­nen „Mit­glie­der“ ein­fach nicht mehr die glei­chen Ideen tei­len, einen frucht­ba­ren Pro­zess, in dem läh­men­de Struk­tu­ren und fest­ge­fah­re­ne Mus­ter, die oft mit der Zeit ent­ste­hen immer wie­der auf­ge­bro­chen wer­den. Eine ande­re Form der Orga­ni­sa­ti­on kann zumin­dest ich mir sicher nicht vor­stel­len.

Anmer­kun­gen

[1] Um nur ein Bei­spiel zu geben: „Erst in der Tren­nungs­pha­se begrif­fen wir, daß nicht nur ‚unse­re‘ patri­ar­chal den­ken­den und han­deln­den Män­ner in ihrer Unfä­hig­keit und Bor­niert­heit eine frucht­ba­re Zusam­men­ar­beit ver­hin­der­ten, son­dern daß auto­no­me Frau­en­Les­ben­or­ga­ni­sie­rung für uns hier und heu­te – auch im mili­tan­ten Kampf – eine grund­sätz­li­che poli­ti­sche Not­wen­dig­keit ist. Gemein­sa­me Orga­ni­sie­rung mit Män­nern bin­det nicht nur unse­re Ener­gien in der stän­di­gen Aus­ein­an­der­set­zung um die Behaup­tung von Frau­en­Les­ben­po­si­tio­nen, son­dern sie bin­det uns auch in von Män­nern gesetz­te Dis­kus­si­ons­pro­zes­se ein, bringt uns immer wie­der auf das Gleis der Ori­en­tie­rung an männ­li­chen Nor­men, die wir selbst oft tief ver­in­ner­licht haben. Sie blo­ckiert uns damit in unse­rem Den­ken und unse­rer Ent­wick­lung und steht der Her­aus­bil­dung einer revo­lu­tio­när-femi­nis­ti­schen Per­spek­ti­ve stän­dig im Wege.“ Aus Mili’s Tanz auf dem Eis.

[2] Weil die Gerich­te ihre Betei­li­gung an einer Ver­schwö­rung zur Ermor­dung des japa­ni­schen Kai­sers nicht ernst nah­men (und zum Teil wohl auch ihre männ­li­chen Gefährt*innen nicht), droh­te Kaneko Fumi­ko vor Gericht (1925/​1926) damit, dass sie den Kai­ser ermor­den wür­de, wenn das Gericht sie frei­las­sen wür­de. Sie­he auch „Becau­se I Wan­ted To. Kaneko Fumi­ko on nihi­lism and why she wan­ted to kill the Emperor of Japan“ und Kaneko Fumi­ko. „The pri­son memoi­rs of a Japa­ne­se woman„.

[3] Aus „Namen­los. Bei­trä­ge zu einer anar­chis­ti­schen Dis­kus­si­on über Anony­mi­tät und Angriff„, erschie­nen bei Edi­ti­on Irrever­si­bel, S. 21. Kur­si­vie­run­gen von mir ergänzt.

[4] Als der „Kriegs­held“ Odys­seus auf sei­nem Heim­weg auf einer Insel lan­det und dort mit sei­nen Gefähr­ten von einem Zyklo­pen gefan­gen gehal­ten wird, stellt er sich mit „Nie­mand“ vor. Nach­dem Odys­seus spä­ter den Zyklo­pen Poly­phem geblen­det hat, um ihm zu ent­kom­men und die­ser bei sei­nen Zyklopenfreund*innen um Hil­fe bit­tet, erweist sich die­ses Wort­spiel als hilf­reich, da die Zyklo­pen Poly­phem nicht zu Hil­fe eilen, als er ihnen auf die Fra­ge, wer ihn geblen­det habe, ant­wor­tet: Nie­mand.

[5] Die­se mytho­lo­gi­sche Ana­lo­gie ist eben­falls der Bro­schü­re Namen­los ent­lehnt.

[6] Namen­los, S. 22 f.

[7] Vgl. https://​bar​ri​ka​de​.info/​a​r​t​i​c​l​e​/​3​468

[8] Zu fin­den bei­spiels­wei­se auf der Web­sei­te https://​mili​tanz​.noblogs​.org (Ich emp­feh­le, auf die­se Sei­te nur mit TOR zuzu­grei­fen!)

[9] Kon­kret wür­de ich für den Ein­stieg „Maß­nah­men gegen Obser­va­ti­on“ und die Bul­len­pu­bli­ka­ti­on „Kri­mi­nal­tech­nik Exper­ti­se“ emp­feh­len (ACHTUNG: Links ver­wei­sen bei­de auf mili​tanz​.noblogs​.org. Ich emp­feh­le die Ver­wen­dung von TOR).

[10] Ein Bei­spiel für soet­was ist die Bro­schü­re bzw. das Buch Stein für Stein, die den Kampf gegen den Bau eines Gefäng­nis­ses in Bel­gi­en doku­men­tiert und reflek­tiert.

Ursprüng­lich ver­öf­fent­licht bei https://​zuend​lum​pen​.noblogs​.org

Anm. Mod: Die­ser Arti­kel ist Teil einer Debat­te, die im Zünd­lum­pen, einer anar­chis­ti­schen Zei­tung aus Mün­chen, geführt wird.

Die Debat­te begann mit Wozu dann der Name ?.

Eine FAZ ant­wor­te­te mit Wegen alle­dem.

Ant­wort auf den FAZ Bei­trag: Von der Hand­lung zur Iden­ti­tät

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