[labournet:] Erneut verschärft: Polizeiaufgabengesetz Bayern

Dossier

Polizeiaufgabengesetz BayernBay­ern hat schon jetzt das effek­tivs­te Poli­zei­recht in ganz Deutsch­land. Mit unse­rem Geset­zes­pa­ket bau­en wir die­se bun­des­wei­te Spit­zen­po­si­ti­on jetzt noch wei­ter aus.“ Das sag­te Bay­erns Innen­mi­nis­ter Joa­chim Herr­mann mit Blick auf den heu­te in ers­ter Lesung im Baye­ri­schen Land­tag behan­del­ten Gesetz­ent­wurf zur Neu­ord­nung des baye­ri­schen Poli­zei­rechts. Wie Herr­mann erklär­te, wird die Baye­ri­sche Poli­zei noch effek­ti­ve­re Ein­griffs­be­fug­nis­se erhal­ten im Kampf gegen Kri­mi­nel­le und Ter­ro­ris­ten…” So das Mar­ke­ting (am 7. Febru­ar 2018 bei Baye­risch-Schwa­ben-aktu­ell externer Link) – in Wirk­lich­keit droht eine mas­si­ve Aus­wei­tung der poli­zei­li­chen Befug­nis­se bei gleich­zei­ti­gen Grund­rechts­schlei­fun­gen: In Bay­ern soll die Poli­zei künf­tig auto­ma­ti­siert Gesich­ter aus­wer­ten und damit Bewe­gungs­pro­fi­le erstel­len kön­nen und dar­über hin­aus Hand­gra­na­ten ein­set­zen dür­fen, kann zur Abga­be einer DNA-Pro­be ohne Rich­ter­vor­be­halt zwin­gen, flä­chen­de­cken­de, anlass­lo­se Video­über­wa­chung an öffent­li­chen Orten sowie auto­ma­ti­sche Gesichts­er­ken­nung betrei­ben… Sie­he Bünd­nis NoPAG externer Link und hier den Gesetz­ent­wurf, Stel­lung­nah­men und eine Peti­ti­on sowie Gross­de­mos:

  • [“dro­hen­de Gefahr” lt Poli­zei­auf­ga­ben­ge­setz] Die neue Münch­ner Linie? Poli­zei ver­bie­tet jun­gen Män­nern Zutritt zum Eng­li­schen Gar­ten New
    “Poli­zis­ten ver­wei­gern Besu­chern den Zutritt zum Eng­li­schen Gar­ten. Begrün­dung: Sie wür­den einem “Pro­fil” ent­spre­chen. Meh­re­re Män­ner, dar­un­ter ein Schwar­zer, kla­gen an. Der Münch­ner Mar­ke­ting­ex­per­te Simon Ganslmei­er (27) hat Besuch von zwei Stu­di­en­kol­le­gen. Der eine ist Leh­rer (27) in Ber­lin, der ande­re IT-Spe­zia­list (28) in Ham­burg. Ganslmei­er möch­te den Freun­den zei­gen, wie schön Mün­chen ist. Am ver­gan­ge­nen Mitt­woch, kurz nach 18 Uhr, zie­hen die jun­gen Män­ner gemein­sam los zum Eng­li­schen Gar­ten. (…) “Auf dem Weg haben wir uns in einem Super­markt noch jeder zwei Fla­schen Bier und ein Rad­ler gekauft.” Doch an der Brü­cke vor der Sur­fer­wel­le ist es vor­bei mit dem Vor­ha­ben. Vier Poli­zis­ten ver­sper­ren den Weg. Kon­trol­le. Die Män­ner müs­sen ihre Aus­wei­se aus­hän­di­gen und ihre Taschen öff­nen, ihre Namen wer­den notiert. “Dann hieß es, wir dürf­ten den Eng­li­schen Gar­ten bis 4 Uhr früh nicht betre­ten”, berich­tet der Leh­rer Dani­el Jung­blut. Wür­den sie sich nicht dar­an hal­ten, dro­he Gewahr­sam. (…) Auch drei ande­ren jun­gen Män­nern wird der Zutritt zum Park ver­wehrt – sie sind davon über­zeugt: wegen ihrer dunk­len Haut­far­be. Einer von ihnen ist Leon Ohan­we (25), er stu­diert Gesund­heits­ma­nage­ment: “Wir hat­ten kei­nen Alko­hol dabei, wir haben nichts gemacht. Wir waren ein­fach nur exis­tent”, berich­tet er der AZ. Ein unbe­tei­lig­ter Pas­sant habe bei den Poli­zis­ten nach­ge­fragt. Die­se hät­ten geant­wor­tet: Er als “wei­ßer Kerl” dür­fe pas­sie­ren, denn er pas­se nicht “ins Kli­en­tel”. Die Män­ner wer­fen der Poli­zei Ras­sis­mus vor. (…) Dass die Poli­zei jedoch Zugän­ge zum Eng­li­schen Gar­ten blo­ckiert und Besu­cher sys­te­ma­tisch kon­trol­liert, ist neu. Sie stützt sich dabei offen­bar auf den ver­schärf­ten und viel kri­ti­sier­ten Pas­sus der “dro­hen­den Gefahr” im Poli­zei­auf­ga­ben­ge­setz (PAG). Mar­tin Hei­de­bach, LMU-Dozent für Poli­zei­recht, sag­te am Don­ners­tag zur AZ: “Das zeigt, wie viel mehr die Poli­zei durch das neue PAG in die Rech­te des Bür­gers ein­grei­fen kann.”…” Bei­trag von Nina Job vom 24. Juli 2020 bei der Münch­ner Abend­zei­tung online externer Link
  • 1400 Body­cams für Bay­erns Poli­zei: Daten­schüt­zer hat Beden­ken 
    1400 Body­cams soll die baye­ri­sche Poli­zei bis 2020 erhal­ten. Der Daten­schutz­be­auf­trag­te sieht deren Ein­satz als ver­fas­sungs­recht­lich bedenk­lich an. Nach einem ein­jäh­ri­gen Pilot­ver­such wird die baye­ri­sche Poli­zei mit 1400 Kör­per­ka­me­ras aus­ge­rüs­tet. Innen­mi­nis­ter Joa­chim Herr­mann (CSU) gab die Gerä­te, die an Uni­for­men befes­tigt wer­den und Ein­sät­ze in Bild und Ton auf­zeich­nen kön­nen, am Mon­tag für den bay­ern­wei­ten Ein­satz frei. Die Body­cams hät­ten sich her­vor­ra­gend bewährt: “Auf­grund der deut­lich erkenn­ba­ren Video­auf­zeich­nung besteht eine höhe­re Hemm­schwel­le, Poli­zei­be­am­te anzu­grei­fen”, erklär­te Herr­mann. “Wir erhof­fen uns durch die Nut­zung von Body­cams mehr Schutz für unse­re Poli­zis­tin­nen und Poli­zis­ten. Die Kame­ras wer­den nach Wor­ten Herr­manns im uni­for­mier­ten Strei­fen­dienst sowie bei den Ein­satz­ein­hei­ten der Poli­zei­prä­si­di­en und der Bereit­schafts­po­li­zei ein­ge­führt. Dabei bekom­me aber nicht jeder Beam­te eine Kame­ra, son­dern es gebe eine Pool-Lösung bei den Dienst­stel­len. (…) Die Kame­ras neh­men nicht auto­ma­tisch alles auf. Sie kön­nen von den Poli­zei­be­am­ten aber jeder­zeit akti­viert wer­den – “wenn eine Ein­satz- oder Kon­troll­si­tua­ti­on zu eska­lie­ren droht”, erklär­te Herr­mann. Der Beam­te ent­schei­de über die Akti­vie­rung wegen der Umstän­de, etwa bei einem unko­ope­ra­ti­ven oder aggres­si­ven Ver­hal­ten. Gere­gelt ist dies im baye­ri­schen Poli­zei­auf­ga­ben­ge­setz (PAG): Dem­nach sind Auf­nah­men zuläs­sig, wenn dies “zum Schutz von Poli­zei­be­am­ten oder eines Drit­ten vor Gefah­ren für ein bedeu­ten­des Rechts­gut erfor­der­lich ist”. (…)Der baye­ri­sche Daten­schutz­be­auf­trag­te Tho­mas Petri kri­ti­sier­te wie bereits die Daten­schutz­be­auf­trag­te des Lan­des Schles­wig-Hol­steins, Marit Han­sen externer Link, den Ein­satz von Body­cams bei der Poli­zei. Damit wer­de in die Grund­rech­te von Bür­ge­rin­nen und Bür­ger ein­ge­grif­fen, weil jeder auf der Stra­ße mit auf­ge­nom­men wer­den kön­ne, sag­te Petri dem Baye­ri­schen Rund­funk (BR). Zwar gebe es im neu­en Poli­zei­auf­ga­be­ge­setz kla­re Vor­ga­ben für den Ein­satz von Body­cams. “Aller­dings ist die­se Vor­schrift nicht frei von ver­fas­sungs­recht­li­chen Beden­ken.”…” Agen­tur­mel­dung vom 11.03.2019 bei hei­se-news externer Link
  • Bür­ger­recht­ler brin­gen baye­ri­sches Poli­zei­ge­setz vors Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt 
    “… Die Gesell­schaft für Frei­heits­rech­te (GFF) und das Bünd­nis “NoPAG” kla­gen gemein­sam in Karls­ru­he gegen die jüngs­te Reform des baye­ri­schen Poli­zei­auf­ga­ben­ge­set­zes (PAG). Die bei­den Grup­pie­run­gen kün­dig­ten am Frei­tag in Mün­chen an, die Beschwer­de am Sams­tag beim Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt ein­zu­rei­chen. (…) Unter den zehn Beschwer­de­füh­rern sind neben meh­re­ren Rechts­an­wäl­ten vie­le Ver­tre­ter aus der Zivil­ge­sell­schaft. Sie weh­ren sich mit ihrer Kla­ge vor allem dage­gen, dass die baye­ri­sche Poli­zei nun schon bei einer nur “dro­hen­den Gefahr” prä­ven­tiv mas­siv ein­grei­fen kann. (…) Zuvor hat­ten im Sep­tem­ber bereits Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­te der FDP, der Lin­ken und der Grü­nen eine soge­nann­te Nor­men­kon­trol­le des baye­ri­schen Poli­zei­ge­set­zes in Karls­ru­he bean­tragt. Das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt muss damit bereits prü­fen, ob das PAG gene­rell mit dem Grund­ge­setz ver­ein­bar ist. Ein­zel­ne Bür­ger müs­sen bei die­sem Ansatz nicht erst nach­wei­sen, dass sie etwa durch eine kon­kre­te poli­zei­li­che Maß­nah­me von der Novel­le indi­vi­du­ell betrof­fen sind.” Mel­dung von Ste­fan Krempl vom 5. Okto­ber 2018 bei hei­se online externer Link
  • Auf­ruf zur Demo am 3.10. 13:00 Uhr in Mün­chen Ode­ons­platz: Jetzt gilt’s – Gemein­sam gegen die Poli­tik der Angst 
    “Die Ver­ab­schie­dung des neu­en Poli­zei­auf­ga­ben­ge­set­zes durch den baye­ri­schen Land­tag ist ein wei­te­rer Schritt in Rich­tung einer auto­ri­tä­ren Gesell­schaft. Der Beschluss trotz des mas­si­ven Wider­stan­des in der Gesell­schaft, hat nicht nur anti­de­mo­kra­ti­sche Ten­den­zen der amtie­ren­den Lan­des­re­gie­rung offen­bart, son­dern auch den unmit­tel­ba­ren Abbau von Bürger*innen- und Men­schen­rech­ten in Bay­ern nach sich gezo­gen: Demons­trie­ren­de, Strei­ken­de, Gewerkschafter*innen, Journalist*innen, Anwält*innen, Geflüch­te­te, Lin­ke und Migrant*innen sind seit­her noch stär­ker als bis­her Repres­sio­nen und Über­wa­chung aus­ge­setzt. Bezeich­nend ist auch, dass es sich bei den elf Men­schen, die seit Ein­füh­rung der „Unend­lich­keits­haft“ län­ger als 14 Tage in Poli­zei­ge­wahr­sam muss­ten, aus­schließ­lich um Geflüch­te­te han­delt. Das PAG war und ist des­halb ein zen­tra­ler Bezugs­punkt der seit Mona­ten statt­fin­den­den Pro­tes­te gegen die Poli­tik der Staats­re­gie­rung und den all­ge­mei­nen Rechts­ruck, der vom Wett­streit zwi­schen CSU und AfD ange­heizt wird. Inzwi­schen ist es in Deutsch­land erschre­cken­de Nor­ma­li­tät, dass Faschist*innen in den Par­la­men­ten und Sicher­heits­be­hör­den sit­zen und Men­schen von einem ras­sis­ti­schen Mob durch die Stra­ßen gehetzt wer­den. (…) Wir tre­ten gemein­sam für eine offe­ne und soli­da­ri­sche Gesell­schaft ein, in der Men­schen­rech­te unteil­bar und viel­fäl­ti­ge und selbst­be­stimm­te Lebens­ent­wür­fe selbst­ver­ständ­lich sind. Das neue PAG ist ein wesent­li­cher Schritt auf dem Weg zu einer rechts­au­to­ri­tä­ren Staat­lich­keit, die droht poli­ti­sche Ver­än­de­run­gen in die­se Rich­tung unmög­lich zu machen. Unser Ziel ist und bleibt des­halb die Rück­nah­me der Ände­run­gen des PAG durch die Geset­ze vom 24.7.2017 und 18.5.2018. Dar­über hin­aus stel­len wir uns ent­schie­den gegen jede bereits beschlos­se­ne und jede wei­te­re Maß­nah­me, in der der Rechts­ruck zum Aus­druck kommt…” Aus dem Auf­ruf des Bünd­nis­ses #noPAG vom 19. Sep­tem­ber 2018 externer Link – sie­he dazu auch:
    • Wie­der brei­ter Pro­test gegen Poli­zei­ge­setz in Bay­ern geplant
      “… Dem ohne­hin ange­schla­ge­nen Bun­des­in­nen­mi­nis­ter Horst See­hofer und sei­ner Par­tei droht neu­es Unge­mach: Nach­dem ihm sein irr­lich­tern­der Inlands­ge­heim­dienst­chef Hans-Georg Maaßen noch immer das Leben schwer­macht und bei der anste­hen­den Bay­ern­wahl nach Umfra­gen pein­li­che Ergeb­nis­se und der Ver­lust der abso­lu­ten Mehr­heit für die CSU dro­hen, macht nun auch noch ein über­par­tei­li­ches Bünd­nis gegen das baye­ri­sche Poli­zei­ge­setz und die Angst-Poli­tik der CSU mobil. (…) Die Münch­ner Demo soll nicht die ein­zi­ge blei­ben: Ein „Herbst der Soli­da­ri­tät“ mit wei­te­ren Groß­de­mons­tra­tio­nen in Ham­burg und Ber­lin soll bei einer gemein­sa­men Pres­se­kon­fe­renz von meh­re­ren Bünd­nis­sen ein­ge­läu­tet wer­den, dar­un­ter auch #aus­ge­hetzt und das #NoPAG-Bünd­nis sowie die Initia­ti­ven See­brü­cke und #unteil­bar…” Bei­trag von Con­stan­ze Kurz vom 18. Sep­tem­ber 2018 bei Netz​po​li​tik​.org externer Link
  • Der ers­te Gefähr­der: Staats­schutz benutzt PAG, Nürn­ber­ger Kom­mu­nist darf sein Kind nicht sehen 
    “Der ers­te Gefähr­der Bay­erns heißt Clau­dio K. Er ist Betriebs­rat, Gewerk­schaf­ter und Kom­mu­nist. Die Poli­zei ver­haf­te­te Clau­dio am 9. Juni auf der Demons­tra­ti­on gegen den AfD-Lan­des­par­tei­tag in Nürn­berg. Der Vor­wurf: Er soll bei einer Ran­ge­lei der Poli­zei mit dem Schwar­zen Block einen Beam­ten mit einer Fah­nen­stan­ge geschla­gen haben, so zumin­dest die Aus­sa­ge zwei­er USK-Beam­ter. Die Poli­zei ermit­telt seit­dem gegen ihn wegen „schwe­rer Kör­per­ver­let­zung“. Zeu­gen bestä­ti­gen, dass Clau­dio wäh­rend der gan­zen Demons­tra­ti­on die Tech­nik auf dem Laut­spre­cher­wa­gen des Nürn­ber­ger Jugend­bünd­nis­ses betreu­te, der sich nicht mal in der Nähe des Schwar­zen Blocks befand. Trotz­dem ent­zog das Jugend­amt Clau­dio das Umgangs­recht zu sei­nem 5‑jährigen Kind.(…) Die Nürn­ber­ger Staats­an­walt­schaft lässt Clau­di­os Anwalt nicht die Akten ein­se­hen. Seit knapp zwei Mona­ten ermit­telt die Nürn­ber­ger Poli­zei im Fall Clau­dio. Auf eine Anfra­ge des „Bay­ri­schen Rund­funks“ gab die Poli­zei an, dass die Ermitt­lun­gen und Maß­nah­men gegen Clau­dio im Rah­men des neu­en Poli­zei­auf­ga­ben­ge­set­zes (PAG) statt­fin­den und somit recht­mä­ßig sei­en. Mit dem PAG kön­nen soge­nann­te Gefähr­der ohne rich­ter­li­che Anwei­sung über­wacht wer­den. Clau­dio ver­mu­tet, dass der Grund für die Repres­si­on gegen ihn in sei­ner Ver­gan­gen­heit liegt. Er war sie­ben Jah­re lang in der SPD aktiv, bis er zum Nürn­ber­ger Jugend­bünd­nis kam, die SDAJ ken­nen­lern­te, aus der SPD aus- und in die SDAJ und DKP ein­trat. Wäh­rend sei­ner Zeit bei der SPD hat­te er eine wich­ti­ge Par­tei­funk­ti­on inne und muss­te ver­schie­de­ne Ver­schwie­gen­heits­er­klä­run­gen zu Vor­gän­gen und Per­so­nen unter­zeich­nen. Jetzt befürch­te der Staats­schutz wohl, dass er sich an sein Ver­spre­chen nicht mehr hal­te.” Bericht von Chris­toph Hent­schel aus der UZ vom 10. August 2018 externer Link, sie­he dazu:
    • Umgangs­ver­bot und Über­wa­chung von lin­kem Akti­vis­ten – Baye­ri­sches Poli­zei­auf­ga­ben­ge­setz als Instru­ment gegen lin­ke Akti­vis­tIn­nen im Ein­satz
      “Erneut gibt es einen öffent­li­chen Fall, der auf­zeigt, wozu das neue baye­ri­sche Poli­zei­auf­ga­ben­ge­setz (PAG) genutzt wird. Dies­mal hat es einen akti­ven Gewerk­schaf­ter, Betriebs­rat und lin­ken Akti­vis­ten getrof­fen. (…) Wäh­rend der Befra­gung durch das LKA Bay­ern soll K. auch über sei­ne Mit­glied­schaft in der SDAJ (Sozia­lis­ti­sche Deut­sche Arbei­ter­ju­gend) und ihre Lei­tungs­mit­glie­der aus­ge­fragt wor­den sein. Gleich­zei­tig soll er bedroht wor­den sein, dass man wis­se, dass er Betriebs­rat sei, ein Kind habe und „es doch scha­de wäre, wenn es da Pro­ble­me gäbe“. Tat­säch­lich soll K. eine Woche nach dem Ver­hör einen Anruf des Jugend­am­tes bekom­men haben, das ihm auf­grund der Ermitt­lun­gen den Umgang mit sei­nem Kind bis auf Wei­te­res ver­bot. Davor war das Kind alle zwei Wochen bei ihm. Kurz danach bekam K. dann ein Schrei­ben vom LKA Bay­ern, in dem ihm mit­ge­teilt wur­de, dass er jetzt als gewalt­be­rei­ter Links­ex­tre­mist geführt und über­wacht wer­de. Tat­säch­lich hal­ten die Schi­ka­nen gegen K seit­dem an. Bei einer Anti-Pegi­da-Demons­tra­ti­on führ­te K. einen schwar­zen Regen­schirm mit sich, den die Gewerk­schaft ver.di zuvor ver­teilt hat­te. Die Poli­zei zog ihn aus der Demons­tra­ti­on her­aus und stell­te sei­ne Per­so­na­li­en fest, da ein Regen­schirm „ein gefähr­li­cher Gegen­stand“ sei. Einen Tag spä­ter, auf einer Demons­tra­ti­on gegen zu hohe Mie­ten, ver­folg­ten ihn zwei Zivil­po­li­zis­ten. Selbst als er nach der Abschluss­kund­ge­bung in einem Nürn­ber­ger Sze­ne-Lokal etwas aß, war­te­ten die Beam­ten vor dem Lokal auf ihn und beglei­te­ten ihn im Abstand von zehn Metern zur nächs­ten U‑Bahnstation…” Bericht vom 10. August 2018 bei per­spek­ti­ve online externer Link
  • “Ich muss mir kei­ne Fuß­fes­sel anle­gen las­sen, um dage­gen vor­zu­ge­hen” – Eine Grup­pe Stu­die­ren­der klagt vor dem Baye­ri­schen Ver­fas­sungs­ge­richts­hof gegen die Ver­schär­fung des Poli­zei­ge­set­zes 
    In einem Inter­view von Leo­nie Bartsch vom 25. April 2018 bei Zeit Cam­pus Online externer Link stel­len die Stu­die­ren­den Tim, Loui­sa und Ann-Kath­rin, wie es ist, das eige­ne Bun­des­land zu ver­kla­gen: “… Die baye­ri­sche Poli­zei kann bereits dann in die Rech­te von Per­so­nen ein­grei­fen, wenn sie sich aus der Sicht der Poli­zei­be­am­ten gefähr­lich ver­hal­ten. Das kann selbst dann der Fall sein, wenn die Per­son noch nicht gegen Rechts­nor­men ver­sto­ßen hat. (…) Dazu kom­men neue Auf­ent­halts­ver­bo­te, die das Gesetz ermög­licht. (…) Unter die Betrof­fe­nen fal­len soge­nann­te Gefähr­der, aber auch Opfer, denen Auf­ent­halts­ver- und Gebo­te auf­er­legt wer­den kön­nen. Die Poli­zei ent­schei­det das im End­ef­fekt. Außer­dem sind in dem Gesetz Orte beschrie­ben, die “gefähr­lich” sind, bei­spiels­wei­se dort, wo Pro­sti­tu­ti­on nach­ge­gan­gen wird. Unter die­sem Punkt sind jetzt auch Asyl­be­wer­ber­un­ter­künf­te auf­ge­führt. (…) Und das ver­stößt mei­ner Ansicht nach ganz klar gegen das Dis­kri­mi­nie­rungs­ver­bot, ist also völ­ker­recht­lich nicht legi­tim. Nur weil dort Geflüch­te­te woh­nen, wird der Ort als gefähr­lich ein­ge­stuft, und die Poli­zei darf sie ohne jeg­li­che Vor­aus­set­zun­gen, ohne irgend­ei­nen Ver­dacht, nur weil die Leu­te dort woh­nen, über­prü­fen. Außer­dem könn­te das Gesetz die Mög­lich­keit eröff­nen, die Woh­nung von Geflüch­te­ten ohne beson­de­re Erlaub­nis zu betre­ten. Das ist Dis­kri­mi­nie­rung. Man behan­delt Geflüch­te­te anders, als ande­re Per­so­nen. (…) Dass wir Erfolg haben wol­len, ist ganz klar, aber es geht auch dar­um, dass der Ver­fas­sungs­ge­richts­hof die Mög­lich­keit hat, dazu Stel­lung zu neh­men, um bei­spiels­wei­se den Begriff der “dro­hen­den Gefahr” ein­zu­gren­zen. Und es kommt auf die Teil­be­rei­che an. Bei­spiels­wei­se in mei­nem Arbeits­be­reich – der Asyl­be­wer­ber­un­ter­künf­te – sind Ein­grif­fe gesche­hen, bei denen ich mir abso­lut sicher bin, dass sie ver­fas­sungs­wid­rig sind. Da sehe ich unse­re Erfolgs­chan­cen sehr hoch…”
  • Rechts­staat hin­ter Git­tern – Bay­erns Poli­zei­ge­setz in Akti­on 
    Wochen­lang ein­ge­sperrt ohne Anzei­ge und Anwalts­bei­stand? Nach Bay­erns umstrit­te­nem neu­em Poli­zei­auf­ga­ben­ge­setz (PAG) geht das. Unter Beru­fung auf die­ses kamen meh­re­re Flücht­lin­gen in Schwein­furt nach Unru­hen in einer Unter­kunft in Gewahr­sam. Aber war es über­haupt not­wen­dig, hier das PAG ein­zu­set­zen? Mit­ten im baye­ri­schen Wahl­kampf­rum­mel gehen man­che Online­mel­dun­gen aus der frän­ki­schen Pro­vinz ein­fach unter – auch wenn sie den Abschied Bay­erns vom Rechts­staat zei­gen, so jeden­falls sieht es die Land­tags­ab­ge­ord­ne­te Clau­dia Stamm: “Es gab einen Arti­kel im Baye­ri­schen Rund­funk – also Online-Arti­kel – dar­über, dass es in Schwein­furt in der Erst­auf­nah­me zu Unru­hen kam, es eine Fest­nah­me gab und der Mensch in U‑Haft kam und gleich­zei­tig aber zehn oder elf Per­so­nen nach Poli­zei­auf­ga­ben­ge­setz in Gewahr­sam kamen.”…” Bei­trag von Tobi­as Kro­ne vom 12. Juli 2018 beim Deutsch­land­funk externer Link
  • Baye­ri­sche Poli­zei­auf­ga­be: AFD-Par­tei­tag schüt­zen 
    Vie­le waren gespannt, wie lan­ge es wohl dau­ern wür­de bis der ers­te Gefähr­der in Bay­ern im Vor­beu­ge Gewahr­sam lan­den wird. Nun das Geheim­nis ist gelüf­tet .Ges­tern wur­de ein Akti­vist in Augs­burg, der bis dato nur durch Sti­ckern auf­ge­fal­len war , in Vor­beu­ge Gewahr­sam genom­men. Nicht die ers­te Akti­on der Repres­si­ons­or­ga­ne . Bereits vor Tagen wur­den Pro­jek­te und Räu­me von Aktivistinn*en der Augs­bur­ger Bewe­gung “ Soli­da­ri­sche Stadt “ durch­sucht und zahl­rei­ches Equip­ment beschlag­nahmt . ( IT etc. ). Ihr wisst, 3 lee­re Fla­schen Wein kön­nen schnell 3 Mol­lis sein! Schli­chen die Schlapp­hüt­te zuerst vori­ge Woche durch Stutt­gart und ver­such­ten ver­mu­te­te Akti­vis­tin­nen ein­zu­schüch­tern, ist das nun der drit­te Vor­fall hier in Augs­burg mit unmit­tel­ba­rem AFD Bun­des­par­tei­tags Bezug“ – aus der Mel­dung „Kaum beschlos­sen schon umge­setzt. Ers­ter Vor­beu­ge Gewahr­sam nach Bay­ri­schen Poli­zei Auf­ga­ben Geset­ze im Zusam­men­hang mit AFD Bun­des­par­tei­tag am Wochen­en­de in Augs­burg!“ externer Link der RH Augs­burg am 27. Juni 2018 über Poli­zei­ak­ti­vi­tät zum Schut­ze des AFD-Par­tei­tags. Sie­he dazu auch die Erklä­run­gen zwei­er Aktiv­grup­pen gegen die neu­en Poli­zei­ge­set­ze:
    • Ers­te Anwen­dung des PAG in Bay­ern beweist den Weg in auto­ri­tä­ren Poli­zei – und Über­wa­chungs­staat“ ist eine Pres­se­mit­tei­lung des Bünd­nis­ses „Nein zum neu­en Poli­zei­ge­setz NRW“ vom 30. Juni 2018 externer Link zu den Augs­bur­ger Poli­zei­ak­ti­vi­tä­ten, wor­in es unter ande­rem heißt: „Am ver­gan­ge­nen Mitt­woch wur­den in Augs­burg erst­mals im Rah­men des neu­en baye­ri­schen Poli­zei­auf­ga­ben­ge­set­zes mut­maß­li­che Gegen­de­mons­tran­ten des AfD-Par­tei­ta­ges mit frei­heits­ent­zie­hen­den Maß­nah­men belegt – auf Basis rei­ner Spe­ku­la­tio­nen. Das Bünd­nis „Nein zum neu­en Poli­zei­ge­setz NRW“ ver­ur­teilt die­se Maß­nah­men scharf und sieht sei­ne schlimms­ten Befürch­tun­gen bestä­tigt. „Die CSU will der Öffent­lich­keit seit Mona­ten weis­ma­chen, dass die Ver­schär­fun­gen ihrem eige­nen Schutz die­nen und sich ledig­lich gegen Terrorist*innen und Straftäter*innen rich­ten wür­den“, so Levi Sau­er, Spre­che­rin des Bünd­nis­ses. „Die in Augs­burg geschaf­fe­nen Tat­sa­chen bewei­sen das Gegen­teil: Das wich­ti­ge Grund­recht auf Ver­samm­lungs­frei­heit wird unter dem Vor­wand eines schein­ba­ren Gefah­ren­ver­dachts sys­te­ma­tisch ver­hin­dert – auf Basis rei­ner Spe­ku­la­tio­nen. Ein Mus­ter­bei­spiel für repres­si­ves Han­deln eines auto­ri­tä­ren Staa­tes“…
    • „Poli­zei­auf­ga­ben­ge­setz wird bereits gegen AfD-Geg­ner ein­ge­setzt“ am 29. Juni 2018 ist eine Pres­se­mit­tei­lung der Kam­pa­gne “Natio­na­lis­mus ist kei­ne Alter­na­ti­ve” externer Link zu den Augs­bur­ger Vor­fäl­len, wor­in unter­stri­chen wird: „Am ver­gan­ge­nen Mitt­woch wur­de in Augs­burg erst­mals im Rah­men des neu­en Poli­zei­ge­set­zes ein poli­ti­scher Akti­vist in vor­beu­gen­den Gewahr­sam genom­men. Die Inge­wahrsam­nah­me durch die Poli­zei geschah, um den AfD-Geg­ner dar­an zu hin­dern, die Pro­tes­te gegen den AfD-Bun­des­par­tei­tag in Augs­burg zu besu­chen. Das soge­nann­te Poli­zei­auf­ga­ben­ge­setz, wel­ches im Mai ver­ab­schie­det wur­de, erlaubt der Poli­zei, auf unbe­grün­de­ten Ver­dacht hin, Leu­te fest­zu­set­zen. Jan Sper­ling, Spre­cher der Kam­pa­gne „Natio­na­lis­mus ist kei­ne Alter­na­ti­ve“ kom­men­tier­te die­ses Ereig­nis mit den Wor­ten: „Wir nen­nen die­ses Vor­ge­hen der Poli­zei Frei­heits­be­rau­bung. Die vor­beu­gen­de Haft ist durch nichts gerecht­fer­tigt. Sie dient offen­sicht­lich dazu, Leu­te an drin­gend not­wen­di­gem Pro­test und Wider­stand gegen die men­schen­ver­ach­ten­de Ideo­lo­gie der AfD zu hin­dern. Das neue Poli­zei­auf­ga­ben­ge­setz gibt der Poli­zei Kom­pe­ten­zen in einem Aus­maß, wie sie seit 1945 nicht mehr in Deutsch­land exis­tier­ten. Die Poli­zei hat nun belegt, dass sie ent­schlos­sen ist, die­se aus­zu­nut­zen. Ein ähn­li­ches Poli­zei­ge­setz soll nun auch in NRW erlas­sen wer­den…“
    • Sie­he auch: Soli­da­ri­tät statt Ras­sis­mus – Gegen den AfD-Bun­des­par­tei­tag am 29. – 30. Juni 2018 in Augs­burg
  • GEW: Kei­ne Wer­bung für Poli­zei­ge­setz an Schu­len 
    “… Die GEW-Bay­ern schließt sich den Pro­tes­ten gegen das geplan­te Poli­zei­ge­setz von Minis­ter­prä­si­dent Mar­kus Söder (CSU) an. Kon­kret geht es der Gewerk­schaft in ihrer Kri­tik um das Vor­ha­ben, Poli­zis­tin­nen und Poli­zis­ten wegen des neu­en Poli­zei­auf­ga­ben­ge­set­zes (PAG) in Schul­klas­sen und Hoch­schu­len zu schi­cken. In der Gesell­schaft kon­tro­vers dis­ku­tier­te The­men müss­ten auch im Unter­richt kon­tro­vers dar­ge­stellt, betont die GEW Bay­ern. Ein Poli­zei­be­am­ter, der im Auf­trag von Lan­des­in­nen­mi­nis­ter Joa­chim Herr­mann (CSU) und Minis­ter­prä­si­dent Söder an die Schu­len gehe, kön­ne dies allei­ne nicht leis­ten. Die GEW for­dert daher das Schul- und Wis­sen­schafts­mi­nis­te­ri­um, Ver­tre­tun­gen von Schü­le­rin­nen und Schü­lern, Eltern und Lehr­kräf­ten sowie die Schul­lei­tun­gen auf, sicher zu stel­len, dass Poli­zei­be­am­tin­nen und ‑beam­te nur zusätz­lich zur Anwe­sen­heit der regu­lä­ren Lehr­kraft für Sozi­al­kun­de in den Unter­richt kom­men kön­nen. Zudem soll­ten auch Fach­leu­te für das neue PAG, etwa eine Rechts­an­wäl­tin oder ein Rechts­an­walt, im Unter­richt hin­zu­ge­zo­gen wer­den…” Pres­se­mel­dung der GEW Bay­ern vom 30. Mai 2018 externer Link
  • GFF kün­digt Ver­fas­sungs­be­schwer­de gegen das struk­tu­rell tota­li­tä­re Baye­ri­sche Poli­zei­auf­ga­ben­ge­setz an 
    Die Gesell­schaft für Frei­heits­rech­te e.V. (GFF) hat eine Ver­fas­sungs­be­schwer­de zum Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt ange­kün­digt, die sich gegen das schärfs­te Poli­zei­ge­setz Deutsch­lands rich­ten wird, das in der Nacht vom 15. auf den 16. Mai 2018 vom Baye­ri­schen Land­tag beschlos­sen wur­de. Für den Gang nach Karls­ru­he arbei­tet die GFF der­zeit an einer brei­ten Koali­ti­on zivil­ge­sell­schaft­li­cher Kräf­te. Die Ver­schär­fun­gen im Bay­PAG sind nur ein Vor­ge­schmack des­sen, was auch in wei­te­ren Bun­des­län­dern bald dro­hen könn­te. Zen­tra­ler Begriff des geplan­ten Geset­zes ist die soge­nann­te „dro­hen­de Gefahr“: Schon, wenn die Poli­zei ledig­lich annimmt, es könn­te sich ein­mal eine gefähr­li­che Situa­ti­on ent­wi­ckeln, soll sie viel­fäl­ti­ge Ein­grif­fe in Bür­ger­rech­te vor­neh­men kön­nen. Damit wer­den poli­zei­li­che Maß­nah­men an kei­ne nach­prüf­ba­ren Vor­aus­set­zun­gen mehr geknüpft. Das macht es zugleich unmög­lich, das Han­deln der Poli­zei wirk­sam gericht­lich über­prü­fen zu las­sen…” Pres­se­mit­tei­lung vom 16. Mai 2018 externer Link
  • CSU ver­ab­schie­det ihr Poli­zei-Gesetz – Kri­tik wird ver­stärkt
    Die dro­hen­de Gefahr ist ein Begriff, der aus der Ter­ror­be­kämp­fung stammt und den das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt in die­sem Zusam­men­hang gesetzt hat. Bis­her war in der all­täg­li­chen Poli­zei­ar­beit die kon­kre­te Gefahr der Maß­stab der Din­ge. Durch die dro­hen­de Gefahr wird nun fak­tisch die Hand­lungs­kom­pe­tenz der Poli­zei immer wei­ter ins Vor­feld ver­la­gert und die Behör­de damit einem Geheim­dienst ange­nä­hert. Mit die­sem Begriff will die Staats­re­gie­rung die­se Gren­ze gezielt ver­wi­schen. Dies öff­net Will­kür Tür und Tor. Je wei­ter die Poli­zei im Vor­feld ermit­telt, des­to weni­ger kon­kret kann sie sagen, ob jemand wirk­lich gefähr­lich ist, oder sie sich auf­grund von Indi­zi­en etwas zusam­men­reimt. – Sie gehen davon aus, dass das Gesetz auch Unschul­di­ge tref­fen wird? – Da bin ich mir sehr sicher. Es ist bereits jetzt so, dass die baye­ri­sche Poli­zei erwie­se­ner­ma­ßen gegen Leu­te vor­geht, die fried­li­che und unge­fähr­li­che Absich­ten haben. Durch die Geset­zes­än­de­rung und die unkla­re Begriffs­de­fi­ni­ti­on wird das noch aus­ge­wei­tet. Die Maß­nah­men wer­den nicht mal im Haupt­teil Ter­ro­ris­ten betref­fen, son­dern ganz nor­ma­le Bür­ger. – Kann man so ohne Wei­te­res die Tren­nung zwi­schen Geheim­dienst und Poli­zei auf­he­ben? – Die Erfah­run­gen aus der Ver­gan­gen­heit sind lei­der etwas Ver­gäng­li­ches. Durch die gemein­sa­men Ver­bund­da­tei­en von Poli­zei und Geheim­diens­ten gibt es bereits eine wach­sen­de Zusam­men­ar­beit jener Behör­den, wie man bei­spiels­wei­se beim G20-Gip­fel sehen konn­te. Es ist ein all­ge­mei­ner Trend, bei dem sich die CSU nur an die Spit­ze set­zen will“ – aus „Auto­ri­tä­rer Staats­um­bau“ am 16. Mai 2018 in neu­es deutsch­land externer Link, einem Gespräch von Sebas­ti­an Bähr mit Mathes Breu­er vom Repu­bli­ka­ni­schen Anwalts­ver­ein am Tag der Ver­ab­schie­dung im baye­ri­schen Land­tag.
  • Kon­stan­tin Wecker ruft zum Wider­stand gegen Baye­ri­sches Poli­zei­auf­ga­ben­ge­setz auf
    “Bay­ern, unser schö­nes und sau­be­res, land­schaft­lich, kul­tu­rell und peku­ni­är so rei­ches Land ist in Gefahr. Wir hören es: an allen Ecken und Ende müs­sen Geset­ze ver­schärft wer­den, müs­sen Behör­den här­ter, stren­ger, rigo­ro­ser vor­ge­hen. Und zwar nicht nur gegen Men­schen, die ein Ver­bre­chen began­gen haben, son­dern neu­er­dings auch gegen sol­che, die eins bege­hen KÖNNTEN. (…) Die größ­te Gefahr, lie­be Freun­din­nen und Freun­de, geht nicht von dem sehr unwahr­schein­li­chen Fall aus, dass wir Opfer eines Ter­ror­an­schlags wer­den. Son­dern von dem weit­aus wahr­schein­li­che­ren Fall, dass wir schon bald nicht mehr in einem frei­en Land leben wer­den. Denn nicht erst, wenn wir im Gefäng­nis lan­den, stirbt unse­re Frei­heit; sie wankt schon dann, wenn wir begin­nen, unse­re Wor­te sorg­fäl­tig abzu­wä­gen. Weil wir Angst haben, das Söder­sche Spit­zel­sys­tem könn­te das, was wir sagen, als „gefähr­lich“ ein­stu­fen. (…) Wenn wir jetzt nicht gemein­sam mit aller fried­li­chen Vehe­menz gegen den gefähr­li­chen Irr­sinn die­ses neu­en Geset­zes auf­ste­hen, dann ver­fins­tert sich der schö­ne weiß-blaue Him­mel über Bay­ern viel­leicht schon bald schwarz-braun. Dann wachen wir viel­leicht in einer Repu­blik auf, die selbst die Kon­ser­va­ti­ve­ren unter uns nie gewollt und nach 1945 auch nicht mehr für mög­lich gehal­ten hät­ten. (…) Höchs­te Zeit, auf­zu­ste­hen!” – aus der Rede Kon­stan­tin Weckers „Lie­be Gefähr­de­rin­nen und Gefähr­der“ anläss­lich der Demons­tra­ti­on gegen das baye­ri­sche Poli­zei­auf­ga­ben­ge­setz am 10. Mai 2018 in Mün­chen bei Hin­ter den Schlag­zei­len vom 11. Mai 2018 externer Link, der Web­sei­te, die er mit betreibt. Sie­he dazu auch einen Bei­trag über einen wei­te­ren Pro­mi­nen­ten, der gegen das Poli­zei­ge­setz vor­ge­hen will:
    • „Ver­fas­sungs­kla­ge: Baum will Poli­zei­ge­setz kip­pen“ am 11. Mai 2018 beim Deutschlandfunk24 externer LinkAudio Datei wor­in es unter ande­rem heißt: „ “Der frü­he­re Bun­des­in­nen­mi­nis­ter Baum von der FDP will gegen das in Bay­ern geplan­te Poli­zei­auf­ga­ben­ge­setz kla­gen. Im Deutsch­land­funk sag­te er, es sei eine bei­spiel­lo­se sicher­heits­po­li­ti­sche Auf­rüs­tung, die gestoppt wer­den müs­se. Der baye­ri­sche Innen­mi­nis­ter Her­mann mache Poli­tik mit der Angst der Men­schen. Die baye­ri­sche SPD kri­ti­sier­te die jüngs­ten Äuße­run­gen von Herr­mann über die Geg­ner des Geset­zes als unde­mo­kra­tisch und über­heb­lich. SPD-Lan­des­chefin Koh­nen sag­te, wer über 40.000 Demons­tran­ten, die für ihre Frei­heits­rech­te auf die Stra­ße gin­gen, als unbe­darft und von Lügen­pro­pa­gan­da in die Irre geführt bezeich­ne, der sei in sei­ner Rol­le als Innen­mi­nis­ter fehl am Platz…” (der Bei­trag ist mit einem Link zum Dlf-Inter­view mit dem FDP-Poli­ti­ker und ehe­ma­li­ge Bun­des­in­nen­mi­nis­ter Ger­hart Baum ver­se­hen – Audio­län­ge: 6:11 Min.)
  • [Nach der Demo von ca. 40. Tau­send] Herr­mann wirft PAG-Geg­nern “Lügen­pro­pa­gan­da” vor 
    Der Streit um das neue Poli­zei­auf­ga­ben­ge­setz geht wei­ter – einen Tag nach der “noPAG”-Großdemonstration in Mün­chen. Die Bay­ern-SPD for­dert von Minis­ter­prä­si­dent Söder, das Gesetz fal­len zu las­sen. Innen­mi­nis­ter Herr­mann weist alle Kri­tik harsch zurück. (…) Das umstrit­te­ne Gesetz soll am kom­men­den Diens­tag im Land­tag ver­ab­schie­det wer­den. Auf die Fra­ge, ob es noch Nach­bes­se­run­gen geben wird, sag­te Herr­mann: “Ich gehe davon aus, dass da die letz­te Lesung statt­fin­den wird und dass am Diens­tag am spä­ten Abend der Baye­ri­sche Land­tag auch mit Mehr­heit die­sem Gesetz zustim­men wird.” (…) Rund 30 000 Men­schen hat­ten nach Behör­den­an­ga­ben an Chris­ti Him­mel­fahrt in der Münch­ner Innen­stadt gegen die Novel­lie­rung des Poli­zei­auf­ga­ben­ge­set­zes pro­tes­tiert. Dazu auf­ge­ru­fen hat­te ein Bünd­nis aus Par­tei­en, Gewerk­schaf­ten, Nicht­re­gie­rungs­or­ga­ni­sa­tio­nen und Fuß­ball­fans. Die Ver­an­stal­ter spra­chen sogar von mehr als 40 000 Teil­neh­mern. Die Demons­tra­ti­on ver­lief aus Sicht der Poli­zei ins­ge­samt sehr fried­lich. In einer Bilanz war die Rede von 14 vor­läu­fi­gen Fest­nah­men – die­se fan­den aber – bis auf eine – nach der eigent­li­chen Groß­de­mons­tra­ti­on statt. Dabei ging es vor allem um Ver­stö­ße gegen das Ver­samm­lungs­ge­setz. Laut Poli­zei kam es zum Bei­spiel am Abend noch zu einer Sitz­de­mons­tra­ti­on vor der Staats­kanz­lei. Zudem hat­te sich eine Grup­pe von rund 500 Leu­ten spon­tan an der Rei­chen­bach­brü­cke ver­sam­melt.” Bei­trag von Mar­tin Plank vom 11.05.2018 beim BR online externer Link
  • Amnes­ty-Posi­ti­ons­pa­pier: Stel­lung­nah­me zu den geplan­ten Ände­run­gen des Poli­zei­auf­ga­ben­ge­set­zes in Bay­ern
    “…Amnes­ty Inter­na­tio­nal nimmt nur zu aus­ge­wähl­ten Rege­lun­gen des Gesetz­ent­wurfs zur Neu­ord­nung des baye­ri­schen Poli­zei­rechts (PAG‑E) Stel­lung. Dies bedeu­tet nicht, dass die Orga­ni­sa­ti­on bezüg­lich aller ande­ren Rege­lun­gen kei­ne men­schen­recht­li­chen Beden­ken hat. Wir ver­wei­sen als Hin­ter­grund­in­for­ma­ti­on aus­drück­lich auf den von Amnes­ty Inter­na­tio­nal im Janu­ar 2017 ver­öf­fent­lich­ten Bericht „Dan­ge­rous­ly Dis­pro­por­tio­na­te“, der Sicher­heits­ge­set­ze der letz­ten Jah­re aus vier­zehn EU-Staa­ten ana­ly­siert und men­schen­recht­lich bewer­tet…” Stel­lung­nah­me von Amnes­ty Inter­na­tio­nal vom 9. Mai 2018 externer Link (21 Sei­ten)
  • Die nächs­ten Demos gegen das Poli­zei­auf­ga­ben­ge­setz (#PAG) in Bay­ern 
    sind am Fr. 4.5. in – Pas­sau, 16.30 Lud­wigs­pl. – Augs­burg, 18h Moritz­pl. – Mün­chen, 17h Geschw.-Scholl-Pl. & am Sa. 5.5. in – Coburg, 16h Albert­spl. – Wei­den, 10.30 Obe­rer Markt
  • [RAV-Auf­ruf] Dro­hen­de Gefahr in Bay­ern – Demo gegen das PAG am 10. Mai 2018 ab 13.00 Uhr auf dem Mari­en­platz in Mün­chen 
    “Der RAV ruft als Teil des Bünd­nis­ses (NoPAG) gegen das neue baye­ri­sche Poli­zei­auf­ga­ben­ge­setz (PAG) zur Teil­nah­me an der Groß­kund­ge­bung & Demons­tra­ti­on am 10. Mai 2018 in Mün­chen auf. (…) Der RAV tritt für eine fort­schritt­li­che Ent­wick­lung des Rechts ein und gegen staat­li­che Über­wa­chung, Bevor­mun­dung und Ein­schrän­kung von Bür­ger­rech­ten. Die PAG-Novel­le steht für eine mas­si­ve Aus­wei­tung poli­zei­li­cher Hand­lungs­spiel­räu­me ohne effek­ti­ve Kon­troll­mög­lich­keit…” Auf­ruf der RAV vom 24. April 2018 externer Link, sie­he dazu auch den Auf­ruf zur Demons­tra­ti­on des Bünd­nis­ses NoPAG externer Link mit dem auch für Gewerk­schaf­ten wich­ti­gen Hin­weis: “Die­se schwe­ren Grund­rechts­ein­grif­fe rich­ten sich nicht nur gegen tat­säch­li­che oder ver­meint­li­che Terrorist*innen, son­dern kön­nen gegen alle Men­schen, sozia­le Bewe­gun­gen, Pro­tes­te oder Streiks gerich­tet wer­den…” Sie­he auch: Gegen Poli­zei­staat und Rechts­ruck – PAG the Poli­ce. Kein Freund, kein Hel­fer. Auf­ruf für den anti­fa­schis­ti­schen Block externer Link auf der Demons­tra­ti­on gegen das neue Baye­ri­sche Poli­zei­auf­ga­ben­ge­setz
  • Poli­zei­ge­setz in Bay­ern – “Grund­rechts­ein­grif­fe in erheb­li­chem Umfang” 
    In Bay­ern sol­len Rech­te der Poli­zei aus­ge­wei­tet wer­den. Kri­mi­no­lo­ge Tobi­as Sin­geln­stein von der Ruhr-Uni­ver­si­tät Bochum über Kri­tik an den Plä­nen und kom­men­de Poli­zei-Befug­nis­se. (…) Zum einen wer­den die Befug­nis­se der Poli­zei deut­lich aus­ge­wei­tet. Damit sind Grund­rechts­ein­grif­fe in erheb­lich grö­ße­rem Umfang mög­lich. Das gilt ins­be­son­de­re in den Berei­chen der tech­ni­schen und heim­li­chen Über­wa­chung wie etwa Video­über­wa­chung, Gesichts­er­ken­nung, auto­ma­ti­scher Kenn­zei­chen­ab­gleich oder Tele­kom­mu­ni­ka­ti­ons­über­wa­chung. Zwei­tens sehen wir eine deut­li­che Vor­ver­la­ge­rung der Ein­griffs­be­fug­nis­se, was unter dem Begriff der “dro­hen­den Gefahr” fir­miert. Drit­tens wer­den bestimm­te Ein­hei­ten mit mili­tä­ri­schen Mit­teln aus­ge­stat­tet, etwa mit Maschi­nen­ge­weh­ren und Hand­gra­na­ten. (…) Die Kri­te­ri­en für das Vor­lie­gen einer dro­hen­den Gefahr sind viel vager und schwe­rer kon­trol­lier­bar. Es kommt nicht mehr auf kon­kre­te Tat­sa­chen bei einem kon­kre­ten Gesche­hens­ab­lauf an, son­dern vor allem auf poli­zei­li­che Ein­schät­zun­gen und abs­trak­te Kri­te­ri­en wie Reli­gi­on oder Lebens­lauf. Das ist für Gerich­te im Nach­hin­ein viel schwe­rer über­prüf­bar, als wenn der Maß­stab die kon­kre­te Gefahr ist. (…) Wir erle­ben einen Umgang, der Kri­mi­na­li­tät als ein Phä­no­men inner­halb der Gesell­schaft betrach­tet, das man ver­wal­ten oder an der Ober­flä­che kon­trol­lie­ren muss. Es wird immer weni­ger nach Ursa­chen von Kri­mi­na­li­tät gefragt – danach, wel­che sozia­len Bedin­gun­gen zu Kri­mi­na­li­tät füh­ren und wie man die­se bear­bei­ten könn­te. Kri­mi­na­li­tät hat aber nicht nur mit den Indi­vi­du­en zu tun, die sie bege­hen, son­dern auch mit der Gesell­schaft, in der sie pas­siert. Die­ser Aspekt ist in der kri­mi­nal­po­li­ti­schen Debat­te völ­lig in den Hin­ter­grund getre­ten…” Inter­view von Sarah Ulrich vom 26.04.2018 beim ZDF externer Link
  • Baye­ri­sches Poli­zei­ge­setz: CSU-Trick #2 Hand­gra­na­ten sind jetzt Explo­siv­mit­tel 
    Kon­fron­tiert mit dem anhal­ten­den Pro­test gegen das neue baye­ri­sche Poli­zei­ge­setz, gerät Innen­mi­nis­ter Joa­chim Her­mann zuneh­mend in Erklä­rungs­not. Im ZDF-Inter­view behaup­tet der CSU-Poli­ti­ker nun, es gäbe gar kei­ne Ände­run­gen am Ein­satz von Hand­gra­na­ten. Wir zei­gen, war­um das nicht stimmt…” Arti­kel von Marie Bröck­ling vom 26.04.2018 bei Netz­po­li­tik externer Link
  • Poli­zei­auf­ga­ben­ge­setz: “Ich muss mir kei­ne Fuß­fes­sel anle­gen las­sen, um dage­gen vor­zu­ge­hen” 
    Eine Grup­pe Stu­die­ren­der klagt vor dem Baye­ri­schen Ver­fas­sungs­ge­richts­hof gegen die Ver­schär­fung des Poli­zei­ge­set­zes. Wie ist es, das eige­ne Bun­des­land zu ver­kla­gen?…” Inter­view von Leo­nie Bartsch vom 25. April 2018 bei der Zeit online externer Link
  • Baye­ri­sches Poli­zei­ge­setz: Bil­li­ge Tricks der CSU ent­larvt 
    Die Poli­zei in Bay­ern darf bald per Staats­tro­ja­ner in Chats mit­le­sen, Daten aus der Cloud abfra­gen und Post öff­nen. Ver­ant­wort­lich ist die CSU, die ange­sichts des brei­ten Pro­tests in der Öffent­lich­keit zuneh­mend in Bedräng­nis gerät. Nun mel­det sich Innen­mi­nis­ter Joa­chim Her­mann zu Wort und behaup­tet dreist, das neue Poli­zei­ge­setz die­ne in ers­ter Linie dem Daten­schutz. (…) In den fol­gen­den Wochen form­te sich unge­wöhn­lich brei­ter Pro­test gegen den Gesetz­ent­wurf: Gewerk­schaf­ten, Jour­na­lis­ten­ver­bän­de, die SPD, die Grü­nen, die FDP und die orga­ni­sier­te Anti­fa haben sich in einem Bünd­nis zusam­men­ge­schlos­sen. In meh­re­ren Städ­ten fan­den bereits Demos statt, wei­te­re Kund­ge­bun­gen sowie eine Groß­de­mons­tra­ti­on in Mün­chen an Him­mel­fahrt sind geplant. (…) Joa­chim Her­manns Kehrt­wen­de von „Stär­kung der Poli­zei“ zur „Umset­zung der EU-Daten­schutz­richt­li­nie“ zeugt von dem Druck, unter dem die CSU ange­sichts des brei­ten Wider­stands aus der Bevöl­ke­rung steht. Die Behaup­tung, das neue Poli­zei­ge­setz wür­de vor allem die EU-Daten­schutz­richt­li­nie und Ver­fas­sungs­recht umset­zen, ist eine dreis­te Täu­schung. Es han­delt sich um einen Aus­bau der Poli­zei zur Daten­sam­mel­be­hör­de, den die CSU genau­so gewollt hat. Am 15. Mai wird das baye­ri­sche Poli­zei­ge­setz vor­aus­sicht­lich in letz­ter Lesung mit CSU-Mehr­heit im Land­tag ver­ab­schie­det…” Arti­kel von Marie Bröck­ling vom 23.04.2018 bei Netz­po­li­tik externer Link
  • Stamm will in Karls­ru­he gegen Poli­zei­auf­ga­ben­ge­setz kla­gen 
    Die frak­ti­ons­lo­se Land­tags­ab­ge­ord­ne­te Clau­dia Stamm will vor dem Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt in Karls­ru­he gegen das von der Staats­re­gie­rung geplan­te Poli­zei­auf­ga­ben­ge­setz kla­gen. Die geplan­te Neu­fas­sung ent­hal­te vie­le Rege­lun­gen, die nicht mit den Grund­rech­ten ver­ein­bar sei­en, erklär­te Stamm am Mon­tag in Mün­chen. Und weil Bun­des­in­nen­mi­nis­ter Horst See­hofer (CSU) bereits ange­kün­digt habe, dass er den baye­ri­schen Ent­wurf eines Poli­zei­ge­set­zes als Mus­ter für den Bund und ande­re Bun­des­län­der sehe, müs­se das Gesetz „schnellst­mög­lich auf den Prüf­stand“, kün­dig­te Stamm an…” Mel­dung vom 23.4.2018 bei der Mit­tel­baye­ri­schen online externer Link
  • Wider­stand gegen geplan­tes Poli­zei­ge­setz in Bay­ern wächst 
    “Eine Demons­tra­ti­ons­wel­le schwappt durch Bay­ern: Über­all im Land pro­tes­tie­ren Men­schen gegen die mas­si­ve Aus­wei­tung der Poli­zei­be­fug­nis­se. Kri­tik gibt es auch am Psych­ia­trie­ge­setz. Exper­ten war­nen ange­sichts stär­ke­rer Über­wa­chung von psy­chisch kran­ken Men­schen vor dem „glä­ser­nen Pati­en­ten“. (…)Für baye­ri­sche Ver­hält­nis­se könn­te man ange­sichts der vie­len öffent­li­chen Pro­tes­te schon von einer Demons­tra­ti­ons­wel­le spre­chen. Bis­her gab es unter ande­rem Kund­ge­bun­gen in Regens­burg, Nürn­berg und Mün­chen. In den Sta­di­en vom FC Bay­ern Mün­chen und dem 1. FC Nürn­berg häng­ten Fans gro­ße Ban­ner mit Sprü­chen gegen die CSU-Plä­ne auf. Für die kom­men­den Wochen sind wei­te­re Pro­tes­te in allen grö­ße­ren baye­ri­schen Städ­ten geplant. Die Orga­ni­sa­to­ren kön­nen auf vie­le Teil­neh­mer hof­fen: Rund 60 Pro­zent der Bay­ern leh­nen das Vor­ha­ben der CSU ab, wie eine Umfra­ge des Mei­nungs­for­schungs­un­ter­neh­mens Civey im Auf­trag der Grü­nen in Bay­ern ergab. Für den 10. Mai, Chris­ti Him­mel­fahrt, ruft ein Bünd­nis aus knapp 50 Orga­ni­sa­tio­nen zu einer Groß­kund­ge­bung unter dem Mot­to „Kein Angriff auf unse­re Frei­heits- und Bürger*innenrechte!“ in Mün­chen auf. Die­se soll dazu bei­tra­gen, die Ver­ab­schie­dung des Geset­zes im Land­tag durch brei­ten Bür­ger­pro­test zu ver­hin­dern und die anhän­gen­den Kla­gen zu unter­stüt­zen, heißt es im Grün­dungs­auf­ruf. Zu den Unter­zeich­nern zäh­len Oppo­si­ti­ons­par­tei­en, Bür­ger­recht­ler und Jour­na­lis­ten­ver­ei­ni­gun­gen. Auch lin­ke Jugend­or­ga­ni­sa­tio­nen und Fuß­ball­fans rufen zu der Kund­ge­bung auf. Auf Face­book haben bereits mehr als 16.000 Men­schen ihr Inter­es­se an der Kund­ge­bung signa­li­siert. Eine wei­te­re Kla­ge wird zur Zeit von der Gesell­schaft für Frei­heits­rech­te vor­be­rei­tet. Die Bür­ger­recht­ler sam­meln mit einer Crowd­fun­ding-Kam­pa­gne 25.000 Euro, um unmit­tel­bar nach der Ver­kün­di­gung gegen das Gesetz juris­tisch vor­zu­ge­hen. Mit der Kla­ge wol­len sie ver­hin­dern, dass das Poli­zei­ge­setz Vor­bild für den Bund und ande­re Bun­des­län­der wird…” Bei­trag von Simon Rebi­ger vom 19. April 2018 bei Netz­po­li­tik externer Link
  • [12. Mai 2018 in Mün­chen] Bun­des­wei­te Gross­de­mons­tra­ti­on gegen das neue Poli­zei­auf­ga­ben­ge­setz in Bay­ern am Sa. 12.05. 13h
  • [Mün­chen, 13.4.18] Soli­da­ri­tät! Kommt und hört wie die deut­sche Leit­kul­tur zuschlägt 
    Die Ver­an­stal­tung mit Berich­ten von Betrof­fe­nen und Infor­ma­tio­nen von Anwäl­ten fin­det statt am Frei­tag, den 13. April, 18 Uhr, DGB-Haus, Schwan­tha­ler­str. 64, Mün­chen. Ver­an­stal­ter sind die GEW Stadt­ver­band Mün­chen und der Arbeits­kreis Aktiv gegen rechts in ver.di Mün­chen. Es spre­chen: Manel N. für alle, die vor Gericht ste­hen, weil sie gegen das baye­ri­sche Aus­gren­zungs­ge­setz demons­trier­ten. Anna Busl sei­ne Anwäl­tin. Dirk Asche Anwalt aus der Kanz­lei Wächt­ler und Kol­le­gen. Gün­ter Wan­ge­rin Künst­ler gegen Faschis­mus und Krieg. Ein Ver­tre­ter der ver.di-Jugend, die an den G‑20 Demons­tra­tio­nen in Ham­burg teil­nah­men bzw. teil­neh­men woll­ten und ihre eige­nen Erfah­run­gen mit der Poli­zei mach­ten.
  • Grü­ne legen Ver­fas­sungs­be­schwer­de gegen baye­ri­sches “Gefähr­der­ge­setz” ein 
    “… Aus Sicht der Grü­nen zeigt nicht zuletzt die gera­de nach­ge­leg­te zwei­te Novel­lie­rungs­run­de des Baye­ri­schen Poli­zei­auf­ga­ben­ge­set­zes (PAG), dass die CSU stramm in Rich­tung Prä­ven­tiv- und Über­wa­chungs­staat mar­schie­re. Die Ein­griffs­be­fug­nis­se bei “dro­hen­der Gefahr” wür­den näm­lich noch ein­mal deut­lich erwei­tert. Statt mit einer auf­wän­di­ge­ren Fuß­fes­sel dürf­te heim­lich die Tele­kom­mu­ni­ka­ti­on des als Gefähr­der Ein­ge­stuf­ten künf­tig über­wacht wer­den. Katha­ri­na Schul­ze, Frak­ti­ons­vor­sit­zen­de und innen­po­li­ti­sche Spre­che­rin der Grü­nen, kri­ti­sier­te nicht zuletzt die “Ver­nach­rich­ten­dienst­li­chung” der Poli­zei durch die Prä­ven­tiv­be­fug­nis­se. Sie befürch­te auch, dass Bay­ern als Expe­ri­men­tier­feld die­nen und der frisch­ge­ba­cke­ne Bun­des­in­nen­mi­nis­ter Horst See­hofer die “dro­hen­de Gefahr” gleich ins “Mus­ter­po­li­zei­ge­setz” des Bun­des kopie­ren kön­ne. Soll­te die zwei­te PAG-Novel­le nicht mehr ver­än­dert wer­den, “dann wer­den wir uns eben noch­mal vor dem Baye­ri­schen Ver­fas­sungs­ge­richt tref­fen”, kün­dig­te sie an. See­hofers Mus­ter­po­li­zei­ge­setz in ähn­li­cher Form wäre ein Fall fürs Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt, meint Augs­berg. Abge­se­hen von der Organ­kla­ge der Grü­nen lie­gen wei­te­re Popu­lar­kla­gen gegen das “Gefähr­der­ge­setz” vor, unter ande­rem eine der Baye­ri­schen Jusos. Sowohl beim Baye­ri­schen Ver­fas­sungs­ge­richts­hof als auch in Karls­ru­he sind dar­über hin­aus Kla­gen gegen das Baye­ri­sche Ver­fas­sungs­schutz­ge­setz von ver­schie­de­nen Par­tei­en anhän­gig.” Mit­tei­lung von Moni­ka Ermert vom 29. März 2018 bei hei­se online externer Link
  • Poli­zei­ge­setz: In Bay­ern droht bald über­all Gefahr 
    “… Die Grü­nen­frak­ti­on hat am heu­ti­gen Mitt­woch Kla­ge gegen die­ses Gesetz ein­ge­reicht. Sie hält den dort ver­wen­de­ten Begriff der “dro­hen­den Gefahr” für ver­fas­sungs­wid­rig. Der taucht nun auch in der geplan­ten Novel­lie­rung des Poli­zei­ge­set­zes auf. Des­halb sagt Katha­ri­na Schul­ze, innen­po­li­ti­sche Spre­che­rin der Grü­nen im baye­ri­schen Land­tag: “Wenn nicht mas­siv nach­ge­bes­sert wird, wer­den wir auch gegen das neue Poli­zei­ge­setz kla­gen.” Mit gro­ßen Ände­run­gen rech­net Schul­ze aller­dings nicht, sie ist über­zeugt: Die CSU wol­le das Gesetz bis zur Som­mer­pau­se durch­peit­schen, damit es noch vor der Land­tags­wahl im Okto­ber in Kraft tritt. (…) Selbst die baye­ri­sche Gewerk­schaft der Poli­zei ist das zu extrem, sie schreibt in ihrer offi­zi­el­len Stel­lung­nah­me zum Gesetz: “Hier wird wohl vor­sorg­lich die Rechts­grund­la­ge beim Ein­satz der Bun­des­wehr im Innern mit schwe­ren Waf­fen geschaf­fen, denn sol­che Waf­fen mit Spreng­ge­schos­sen hat die Poli­zei aktu­ell nicht im Strei­fen­dienst.” (…) Das Vor­bild vom baye­ri­schen Poli­zei­ge­setz könn­te außer­dem Aus­wir­kun­gen auf das soge­nann­te Mus­ter­po­li­zei­ge­setz haben, das Thiel gemein­sam mit ande­ren Exper­ten für die Innen­mi­nis­ter­kon­fe­renz erar­bei­tet. Eine Vor­la­ge, an der sich die Bun­des­län­der künf­tig ori­en­tie­ren kön­nen. So soll nach Wil­len der Innen­mi­nis­ter und auch der neu­en Bun­des­re­gie­rung eine ein­heit­li­che­re Sicher­heits­struk­tur geschaf­fen wer­den, obwohl Poli­zei Sache der Bun­des­län­der ist. Ob die Län­der das Gesetz ganz über­neh­men, nur in Tei­len oder gar nicht, ist aber ihnen selbst über­las­sen…” Arti­kel von Fri­da Thurm vom 28. März 2018 bei der Zeit online externer Link
  • Ab Som­mer in Bay­ern: Das här­tes­te Poli­zei­ge­setz seit 1945 
    Die Poli­zei in Bay­ern darf bald Hand­gra­na­ten tra­gen, V‑Leute in Chats ein­schleu­sen und ohne Ver­dacht auf kon­kre­te Straf­ta­ten ermit­teln. Die Tren­nung zum Nach­rich­ten­dienst ver­wischt. Das Gesetz wird von der CSU in den nächs­ten Wochen prak­tisch ohne Gegen­wehr und im Eil­ver­fah­ren durch den Land­tag gesteu­ert. Die Regie­rung sagt, sie wer­de damit „die Bür­ger­rech­te stär­ken“. (…) Das Gesetz tritt aller Wahr­schein­lich­keit nach bereits im Som­mer in Kraft. Am Mitt­woch nahm der Geset­zes­ent­wurf eine vor­letz­te Hür­de. In einer gemein­sa­men Sit­zung des Ver­fas­sungs- und des Innen­aus­schus­ses wur­den sie­ben Juris­ten als Sach­ver­stän­di­ge ange­hört. Der Beschluss durch die CSU-Mehr­heit im Land­tag gilt als sicher. Das Gesetz kommt einem Aus­bau der Poli­zei zum Nach­rich­ten­dienst gleich. (…) könn­te das Gesetz zum ver­fas­sungs­recht­li­chen Prä­ze­denz­fall auf Bun­des­ebe­ne wer­den. Auch könn­te Bay­erns Poli­zei­ge­setz unter Bun­des­in­nen­mi­nis­ter Horst See­hofer bald in ganz Deutsch­land zum Vor­bild wer­den…” Arti­kel von Marie Bröck­ling vom 24.03.2018 bei Netz­po­li­tik externer Link
  • Exper­ten kri­ti­sie­ren mas­siv geplan­te baye­ri­sche Poli­zei­rechts­re­form
    “… Zur geplan­ten Neu­ord­nung des Poli­zei­rechts wur­den am Mitt­woch im baye­ri­schen Land­tag Exper­ten ange­hört. Sie ver­wie­sen dabei auf diver­se Bestand­tei­le, die ver­mut­lich ver­fas­sungs­wid­rig sind. Der Straf­rechts­ex­per­te Hart­mut Wächt­ler wies vor dem Innen­aus­schuss dar­auf hin, dass damit “die größ­te und umfas­sends­te Kon­troll­kom­pe­tenz” für eine Poli­zei in Deutsch­land seit dem Ende des Natio­nal­so­zia­lis­mus im Jahr 1945 geschaf­fen wer­den wür­de. (…) So müs­se die Poli­zei kei­ne kon­kre­te Gefahr mehr nach­wei­sen, um gegen Bür­ger vor­ge­hen zu kön­nen. Das Post- und Tele­kom­mu­ni­ka­ti­ons­ge­heim­nis dür­fe bereits prä­ven­tiv bei “dro­hen­der Gefahr” von der Poli­zei gebro­chen wer­den. Dazu gehör­ten auch Zugrif­fe auf den Com­pu­ter, das Smart­pho­ne und die Cloud. Die Daten dürf­ten durch­sucht, gespei­chert, gelöscht und sogar ver­än­dert wer­den, dazu gehör­ten auch die Kom­mu­ni­ka­ti­ons­da­ten einer E‑Mail. Aber auch tech­nisch noch nicht aus­ge­reif­te Befug­nis­se sol­len ein­ge­führt wer­den: So soll die Poli­zei auch auf fried­li­chen Demons­tra­tio­nen eine Video­über­wa­chung mit auto­ma­ti­sier­ter Gesichts­er­ken­nung ein­set­zen dür­fen. Vor­aus­set­zung dafür ist der bereits beschlos­se­ne zen­tra­le Zugriff auf Bild­da­ten über das künf­ti­ge Bund-Län­der-Poli­zei­sys­tem. (…) Der Poli­zei steht es frei, Bür­ger prä­ven­tiv als Gefähr­der zu kate­go­ri­sie­ren. Die­sen darf die Poli­zei ohne Pro­zess und Ver­tei­di­ger einen Wohn­ort zuwei­sen. Sie dür­fen bei kon­kre­tem Ver­dacht für zunächst drei Mona­te, mit rich­ter­li­cher Geneh­mi­gung für unbe­grenz­te Zeit in Vor­beu­ge­haft genom­men wer­den. Vor dem Gericht steht ihnen aber kein Pflicht­ver­tei­di­ger zu. Es genügt, dass die Poli­zei eine Wahr­schein­lich­keit begrün­det, dass die Per­son in über­schau­ba­rer Zukunft eine Straf­tat bege­hen wird. Dabei geht es nicht nur um Ter­ror, son­dern um nor­ma­le Kri­mi­na­li­tät…” Bei­trag von Chris­tia­ne Schulz­ki-Had­dou­ti 22. März 2018 bei Hei­se online externer Link
  • Vor­la­ge aus Bay­ern für das neue Mus­ter­po­li­zei­ge­setz?! Seehofer’s Home­land und die Secu­ri­ty
    Der neue Bun­des­in­nen­mi­nis­ter und Par­tei­chef der CSU, Horst See­hofer, kün­digt eine „Null-Tole­ranz-Poli­tik an“ und har­tes Durch­grei­fen. In Bay­ern hat sei­ne Par­tei gera­de eine Neu­fas­sung des Poli­zei­ge­set­zes auf den Weg gebracht: Es stat­tet die Poli­zei mit Befug­nis­sen aus, wie es dies seit 1945 nicht gege­ben hat. Gut mög­lich, dass dies Teil des „Mas­ter­plans“ ist, den See­hofer ange­kün­digt hat: Wird das baye­ri­sche Poli­zei­auf­ga­ben­ge­setz zur Vor­la­ge des Bun­des für ein Mus­ter­po­li­zei­ge­setz, wie es die Innen­mi­nis­ter der Län­der im Som­mer letz­ten Jah­res beschlos­sen haben?! (…) Es soll See­hofer gewe­sen sein, der – ganz nach baye­ri­schem Vor­bild, die Hei­mat in einem Minis­te­ri­um ver­an­kert sehen woll­te. Was er damit bezweck­te, liegt auf der Hand: Poly­glott wie er ist, hat See­hofer ein­fach aus dem Ame­ri­ka­ni­schen über­tra­gen, was ihm bei sei­nem Besu­chen in USA impo­niert hat: So ein Home­land Secu­ri­ty Office – ein Hei­mat­schutz­mi­nis­te­ri­um könn­ten wir in Ber­lin auch brau­chen. (…) Man kann das als Ankün­di­gung betrach­ten oder als Andro­hung. Dass es in Bay­ern gelun­gen ist, ein „Wer­te­bünd­nis“ zu schmie­den, das angeb­lich vor­bild­haft ist, muss mir – lang­jäh­rig in Bay­ern ansäs­sig – bis­her ent­gan­gen sein. Tat­sa­che ist viel­mehr, dass die AfD in Bay­ern bei der Bun­des­tags­wahl Spit­zen­er­geb­nis­se in den west­li­chen Bun­des­län­dern erzielt hat: Sie hat andes­weit 12,4% ein­ge­fah­ren, wur­de in jedem drit­ten Wahl­kreis zweit­stärks­te Par­tei, noch vor der SPD. Und jagt der CSU das gros­se Zit­tern vor der Land­tags­wahl im Herbst 2018 ein. In Bay­ern gibt es gera­de KEIN Wer­te­bünd­nis, son­dern viel­mehr den Kampf zwi­schen Rechts und Noch-Wei­ter-Rechts dar­um, wer rhe­to­risch am bes­ten punk­tet mit den For­de­run­gen nach dem star­ken Staat…” Bei­trag von Abbe vom 16. März 2018 bei CIVES externer Link
  • ›Gefähr­li­che Orte‹, ›Unend­lich­keits­haft‹ und ›dro­hen­de Gefahr‹ 
    “… Im Zuge des sog. Baye­ri­schen Inte­gra­ti­ons­ge­set­zes vom 13.12.2016 wur­de in Art. 13 Abs. 1 Nr. 2 lit. c) Bay­PAG die Ermäch­ti­gung ergänzt, die Iden­ti­tät von Per­so­nen fest­zu­stel­len, die sich an einem Ort auf­hal­ten, »der als Unter­kunft oder dem sons­ti­gen, auch vor­über­ge­hen­den Auf­ent­halt von Asyl­be­wer­bern und uner­laubt Auf­häl­ti­gen dient«. Das heißt nichts ande­res, als dass die Poli­zei in Unter­künf­ten für Geflüch­te­te jeder­zeit und ohne, dass es zusätz­li­cher Vor­aus­set­zun­gen bedürf­te, Kon­trol­len durch­füh­ren darf. Nicht nur die Iden­ti­täts­fest­stel­lung wur­de ent­spre­chend ergänzt, son­dern auch Art. 23 Bay­PAG. Der regelt das Betre­ten von Woh­nun­gen. Nor­ma­ler­wei­se ist dies nur unter engen Vor­aus­set­zun­gen zuläs­sig. Außer – so die Neu­re­ge­lung – die Woh­nung ist ein gefähr­li­cher Ort, wel­che auch hier nun »zur Abwehr drin­gen­der Gefah­ren jeder­zeit betre­ten wer­den [darf], wenn […] 3. sie als Unter­kunft oder dem sons­ti­gen […] Auf­ent­halt von Asyl­be­wer­bern […] dient«. (…) Maß­geb­li­cher Anknüp­fungs­punkt für die Recht­mä­ßig­keit der Poli­zei­maß­nah­me ist nun­mehr, dass kei­ne poli­zei­li­che Gefahr von oder für Per­so­nen oder Sachen vor­lie­gen muss, son­dern die poten­ti­el­le Gefähr­lich­keit des Ortes selbst. (…) Weni­ger pla­ka­tiv, dafür poli­zei­recht­lich wohl noch bedeu­ten­der war die Ein­füh­rung der sog. ›dro­hen­den Gefahr‹ durch das »Gesetz zur effek­ti­ve­ren Über­wa­chung gefähr­li­cher Per­so­nen« – kurz »Gefähr­der­ge­setz«. Mit die­sem Gesetz wur­den u.a. die medi­al weit beach­te­te Elek­tro­ni­sche Fuß­fes­sel ein­ge­führt und v.a. die Höchst­gren­ze des Unter­bin­dungs- oder Vor­beu­ge­ge­wahr­sams schlicht abge­schafft. Schlimm genug, befrei­te der Gesetz­ge­ber die baye­ri­schen Polizeibeamt*innen dar­über hin­aus auch noch von der läs­ti­gen Pflicht, erst tätig wer­den zu kön­nen, wenn tat­säch­lich eine kon­kre­te Gefahr ein­trat…” Bay­pay zum Bay­ri­schen Inte­gra­ti­ons­ge­setz von Yunus Ziy­al aus dem RAV-Info­brief Nr.114/2017 externer Link
  • CSU will Poli­zei in Bay­ern zum Geheim­dienst auf­rüs­ten
    In der Hei­mat des desi­gnier­ten Bun­des­in­nen­mi­nis­ters Horst See­hofer wird die Poli­zei fast unbe­merkt mit bis­lang unge­kann­ter Macht­fül­le aus­ge­stat­tet. Neben der Durch­su­chung von Inhal­ten in der „Cloud“ soll die Poli­zei Gesichts­er­ken­nung auf Demons­tra­tio­nen ein­set­zen dür­fen. Und das sind nur zwei der vie­len neu­en Befug­nis­se…” Arti­kel von Mar­kus Reu­ter vom 08.02.2018 bei Netz­po­li­tik externer Link
  • [Kern­punk­te des PAG] Bay­erns neu­es Poli­zei­ge­setz – unheim­lich sicher
    Heu­te im Baye­ri­scher Land­tag ers­te Lesung zum son­ge­nann­ten Poli­zei­auf­ga­ben­ge­setz – kurz PAG. Eigent­lich soll­ten Geset­ze eine gewis­se Bestands­kraft haben. Doch beim PAG kom­men die Ände­run­gen mitt­ler­wei­le im Halb-Jah­res-Takt. Offen­sicht­lich möch­te das Innen­mi­nis­te­ri­um die baye­ri­sche Poli­zei mög­lichst schnell und umfas­send mit geheim­dienst­li­chen Befug­nis­sen auf­rüs­ten. Mit dem neu­en PAG schafft die CSU eine Poli­zei­be­hör­de, deren Voll­mach­ten ein­zig­ar­tig in Deutsch­land sind. Nie hat es in Deutsch­land seit 1945 eine Poli­zei mit so weit­rei­chen­den Rech­ten gege­ben, in die Grund­rech­te der Men­schen ein­zu­grei­fen. Und alles, ohne dass eine Straf­tat gesche­hen wäre, auf blo­ßen Ver­dacht hin. (…) Bei all dem kann man nur an die baye­ri­schen und deut­schen obers­ten Gerich­te appel­lie­ren: Ich bin eine Demo­kra­tin – holt mich hier raus…” Ana­ly­se von Clau­dia Stamm vom 7. Febru­ar 2018 bei “Clau­dia Bewegt” externer Link
  • Kei­ne erneu­te Befug­nis­aus­wei­tung für die Poli­zei!
    Zur ers­ten Lesung der von der CSU-Staats­re­gie­rung geplan­ten Novel­le des Poli­zei­auf­ga­ben­ge­set­zes erklärt die GRÜNE JUGEND Bay­ern: (…) „Der Poli­zei wür­de mit der vor­lie­gen­den Geset­zes­än­de­rung eine mas­si­ve Aus­wei­tung ihrer Befug­nis­se auf­bau­end auf dem im Juli neu ein­ge­führ­ten „Gefahren“-Begriff ein­ge­räumt. Doch die­ser Begriff ist extrem dehn­bar – die Poli­zei könn­te somit in Zukunft schon bei der blo­ßen Annah­me einer „Gefahr“ ohne Geneh­mi­gung eines Gerichts prä­ven­tiv tätig wer­den und mas­siv in ver­schie­dens­te Grund­rech­te ein­grei­fen, auch wenn gar kei­ne Straf­ta­ten vor­lie­gen. (…) Mit dem neu­en Poli­zei­auf­ga­ben­ge­setz könn­ten Per­so­nen ohne rich­ter­li­che Anwei­sung zur Abga­be einer DNA-Pro­be gezwun­gen wer­den. Die­se Plä­ne gehen ein­deu­tig zu weit! Auch die flä­chen­de­cken­de und anlass­lo­se Video­über­wa­chung an öffent­li­chen Orten sowie damit ver­bun­de­ne auto­ma­ti­sche Gesichts­er­ken­nung leh­nen wir klar ab. Die­se Grund­rechts­ein­grif­fe sind durch nichts zu recht­fer­ti­genPres­se­mit­tei­lung vom 7. Febru­ar 2018 von und bei Grü­ne Jugend Bay­ern externer Link
  • neu­es poli­zei­auf­ga­ben­ge­setz (pag) in bay­ern
    inter­view mit hart­mut wächt­ler externer LinkAudio Datei, straf­ver­tei­di­ger und mit­be­grün­der des rav (repu­bli­ka­ni­schem anwalts­ver­ein) vom 6.2.2018 beim freie​-radi​os​.net
  • Sie­he bei Twit­ter #Gefah­r­In­Ver­zug

Der Bei­trag Erneut ver­schärft: Poli­zei­auf­ga­ben­ge­setz Bay­ern erschien zuerst auf Labour­Net Ger­ma­ny.

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