[KgK:] Korruption ist Routine

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Korruption ist Normalität

Ent­larvt durch eine gan­zen Rei­he an Kor­rup­ti­ons­vor­wür­fen, pas­sier­te mit Phil­ipp Amt­hor nun das, was regel­mä­ßig pas­siert, wenn Politiker*innen aus Ver­se­hen aus dem par­la­men­ta­ri­schen Deck­man­tel schlüp­fen. Die zurück­hal­ten­de öffent­li­che Debat­te, Ent­schul­di­gun­gen ohne Schuld­ein­ge­ständ­nis­se und pein­li­che Vor­schlä­ge im Bun­des­tags­ple­num, um Kor­rup­ti­on mög­li­cher­wei­se zukünf­tig etwas schwie­ri­ger zu machen.

Die Ent­hül­lun­gen über Amt­hor über­ra­schen nicht, so klar ist es jedem, dass Politiker*innen nie für mehr als ihre eige­nen Inter­es­sen und die der Wirt­schaft ste­hen. Amt­hors Ent­lar­vung kommt nur kurz nach dem Skan­dal um Sig­mar Gabri­el, der sich als Bera­ter für Tön­nies bezah­len lässt. Gesundheitsminister*innen, die in die Phar­ma­in­dus­trie wech­seln, der stän­di­ge Strom von Politiker*innen in die Auto­mo­bil­in­dus­trie und ande­re Skan­da­le wie den um Karl-Theo­dor zu Gut­ten­berg sind Teil der par­la­men­ta­ri­schen Nor­ma­li­tät.

Doch blei­ben wir ruhig bei “zu Gut­ten­berg” und wer­fen einen Blick auf das Unter­neh­men, das sich poli­ti­sche Arbeit in ihrem Inter­es­se mit Amt­hors Inter­es­se für Luxus erkauft. “Augus­tus Intel­li­gence” ist ein ame­ri­ka­ni­sches Start-Up, mit offi­zi­el­lem Sitz in einer Steu­er­oa­se, das fast aus­schließ­lich mit deut­schen poli­ti­schen Figu­ren besetzt ist. Ange­fan­gen eben mit jenem Karl-Theo­dor zu Gut­ten­berg, über Hans Georg Maaßen, dem AfD-nahen ehe­ma­li­gen Vor­sit­zen­den des Ver­fas­sungs­schut­zes, bis zu ande­ren Gestal­ten wie dem Bil­lio­när August Fran­çois von Finck. Ein Club, wie so vie­le, gemacht für pro­fi­ta­ble Aus­stie­ge in die Wirt­schaft oder denen, die dies vor­ha­ben.

Phil­ipp Amt­hor, der nun mit offe­nen Armen zurück emp­fan­gen wird, muss sich nun lei­se­re Wege suchen, sich zu berei­chern, so wie es alle ande­ren, von denen wir wis­sen, aber es nicht an die Öffent­lich­keit gelangt ist, auch tun.

Korruption ist Interesse

Die Bezie­hung zwi­schen der Bour­geoi­sie und der Poli­tik beruht auf einem gemein­sa­men Inter­es­se: Wäh­rend die Wirt­schaft den Politiker*innen die Sekt­glä­ser und Wahl­kampf­gel­der im Jetzt und in der Zukunft reicht, hal­ten die Politiker*innen im Gegen­zug den Sta­tus Quo auf­recht, auf dem Rücken von uns. Jeder weiß, dass nach einen Ein­zug in den Auf­sichts­rat oder einer hor­ren­den Spen­de die pro­fi­ta­blen Geset­ze für die Wirt­schaft kein Zufall sind.

Die For­de­rung nach einem Lob­by­re­gis­ter oder einer frei­wil­li­gen Ethik-Ver­pflich­tung, wel­che im Bun­des­tag auf­ge­stellt wur­den, sind schein­hei­li­ge Refor­men, die Kor­rup­ti­on mini­mal ver­kom­pli­zie­ren und auch die Rück­kehr von Amt­hor ermög­li­chen. Ein rei­nes Stör­feu­er.

Korruption ist sicher

Doch es ist nicht nur “die Poli­tik”, in der die Kor­rup­ti­on so nor­ma­li­siert ist. Gegen Amt­hor war Anzei­ge wegen Bestech­lich­keit erstat­tet wor­den, doch die Gene­ral­staats­an­walt­schaft sah “kei­nen Anfangs­ver­dacht” und stell­te das Ver­fah­ren ein, bevor über­haupt Ermitt­lun­gen ange­fan­gen haben.

Die Mär der Gewal­ten­tei­lung, die uns in der Schu­le, in den Medi­en und über­all um die Ohren gehau­en wird, ent­puppt sich bei Fäl­len wie wie Amt­hor, Gabri­el und Tön­nies immer wie­der als Illu­si­on: Dass die Jus­tiz eine unab­hän­gi­ge Kon­troll­in­stanz wäre, vor denen alle Welt gleich behan­delt wür­de, ist nichts als eine Far­ce. So wie sie Wirt­schafts-Spe­ku­lan­ten, bour­geoi­se Schma­rot­zer wie Tön­nies und so vie­le Kor­rup­te vor ihm geschützt hat, so schützt sie nun Amt­hor. Nie­mand ist über­rascht, wenn die Ver­bre­cher der Bour­geoi­sie davon kom­men.

Die judi­zi­el­le Gewalt, die Poli­tik und die Bour­geoi­sie, befeu­ern und ernen­nen sich selbst. Skan­da­le wie die­ser sind nicht mehr als Rou­ti­ne gewor­den und wer­den es auch blei­ben, wenn wir uns wei­ter­hin von pein­li­chen Refor­men, Ver­spre­chen und der Illu­si­on der Gewal­ten­tei­lung beein­dru­cken las­sen.

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