[labournet:] Erntehelfer: “Wenn man die Leute anständig behandelt, kommen sie auch”

Dossier

Spargelernte: KnochenarbeitDeut­sche Bau­ern sind besorgt: Hel­fen ihnen künf­tig kei­ne Sai­son­kräf­te mehr auf den Spar­gel­fel­dern? Dafür gäbe es gute Grün­de, sagt der Exper­te Tho­mas Hent­schel. (…) Die Bedin­gun­gen sind vie­ler­orts tat­säch­lich schlecht. Neh­men wir die Bezah­lung. Auf dem Papier zum Bei­spiel bekommt natür­lich jeder Hel­fer den deut­schen Min­dest­lohn von 8,84 Euro in der Stun­de. In der Pra­xis sieht das ganz anders aus, und das spricht sich frü­her oder spä­ter natür­lich auch in den Her­kunfts­län­dern her­um. (…) Es gibt genug Betrie­be, die ihren Leu­ten umstands­los das zah­len, was ihnen zusteht. Das wider­legt die Behaup­tung, es gin­ge nicht ohne Trick­se­rei und Lohn­dum­ping. Übri­gens kla­gen fran­zö­si­sche Bäue­rin­nen und Bau­ern, dass die deut­schen Land­wir­te den Markt dort mit bil­li­gem Spar­gel über­flu­ten, weil der Min­dest­lohn bei uns nied­ri­ger ist als auf der ande­ren Rhein­sei­te. Die fran­zö­si­schen Arbeit­ge­ber ver­lan­gen inzwi­schen von den deut­schen Gewerk­schaf­ten, dass sie für höhe­re Löh­ne in der Land­wirt­schaft sor­gen sol­len. Das ist doch absurd!“ (…) Bio und Regio­na­les haben über­haupt nichts mit Sozi­al­stan­dards zu tun. Lei­der gibt es kaum etwas, was beim Ein­kauf Ori­en­tie­rung bie­ten könn­te. Unser Insti­tut hat­te vor zehn Jah­ren ein­mal die Idee, ein Sie­gel für fai­re Sai­son­ar­beit zu ver­lei­hen. Lei­der haben kaum Betrie­be mit­ma­chen wol­len, sodass wir das Pro­jekt schnell beer­digt haben. Die Schutz­rech­te für das damals von uns ent­wi­ckel­te Sie­gel lau­fen die­ses Jahr end­gül­tig aus. Wir wer­den Sie nicht ver­län­gern.“ Inter­view von Bernd Kra­mer vom 25.05.2018 in der Zeit online externer Link. Tho­mas Hent­schel lei­tet das gewerk­schafts­na­he Peco-Insti­tut in Ber­lin, das eine Stu­die externer Link über die Situa­ti­on der Ern­te­hel­fer ver­öf­fent­licht hat: “Fle­xi­ble-Inse­cu­re. Wan­der­ar­beit in der Land­wirt­schaft”. Sie­he auch [Aus­ste­hen­de Löh­ne und Miss­stän­de in Ver­pfle­gung und Unter­brin­gung im Spar­gel­be­trieb Rit­ter] Mas­sen­pro­test von 150 Feld­ar­bei­tern in Born­heim und hier all­ge­mein:

  • Hot­spots: Kein Abstand, nir­gends /​Zahn­lo­sig­keit der EU und das mas­si­ve Kon­troll­de­fi­zit des Staa­tes New
    • Die ost­eu­ro­päi­schen Ern­te­hel­fer im Span­nungs­drei­eck von aktu­el­ler Coro­na-Auf­merk­sam­keit, Zahn­lo­sig­keit der EU und immer wie­der das mas­si­ve Kon­troll­de­fi­zit des Staa­tes
      Die Coro­na-Kri­se hat so eini­ge Tat­be­stän­de aus dem Schat­ten­reich ans Tages­licht geför­dert und einen Blick auf das eröff­net, was ansons­ten im Unsicht­ba­ren bleibt. Das gilt – gera­de in der Anfangs­zeit der Pan­de­mie – für die unzäh­li­gen Arbeits­kräf­te aus dem Osten Euro­pas, die in Deutsch­land arbei­ten und Wert schöp­fen. (…) Und dann gab es eine kur­ze Zeit lang eini­ge kri­ti­sche Bericht über die Arbeits- und Lebens­be­din­gun­gen der Ern­te­hel­fer in Deutsch­land, weni­ger wegen den Bedin­gun­gen an sich, son­dern vor allem (wie spä­ter dann bei den Tön­nies-Arbei­tern auch) wegen der „Infek­ti­ons­ge­fahr“, die von ihnen aus­ge­hen könn­te bzw. auch tat­säch­lich aus­geht (weit­aus sel­te­ner wur­de dar­auf hin­ge­wie­sen, wel­cher Gefahr sich die betrof­fe­nen Arbei­ter durch den Arbeits­ein­satz hier bei uns aus­set­zen). (…) Natür­lich könn­te der eine oder ande­re, der an die­ser Stel­le pau­siert und nach­denkt, auf die an sich nahe­lie­gen­de Fra­ge kom­men, ob das nicht auch auf ein Auf­sichts­ver­sa­gen hin­deu­ten könn­te, also wur­de die Ein­hal­tung der Auf­la­gen denn über­haupt kon­trol­liert? Bekannt­lich bedeu­tet eine theo­re­ti­sche Vor­schrift nun kei­nes­wegs, dass die auch prak­tisch ein­ge­hal­ten wird. Oder haben wir auch im vor­lie­gen­den Fall den Tat­be­stand, dass die Betrie­be, in denen Ern­te­hel­fer ein­ge­setzt wer­den, so gut wie über­haupt nicht kon­trol­liert wurden/​werden? Und man jetzt Akti­vis­mus simu­liert, um davon abzu­len­ken? Zumin­dest sol­che Fra­gen müs­sen gestellt wer­den. (…) Zum einen haben wir es mit struk­tu­rel­len Pro­ble­men zu tun beim Ein­satz von Sai­son­ar­bei­tern aus ande­ren Län­dern, zum ande­ren ist das nicht nur in Deutsch­land, son­dern auch in ande­ren EU-Staa­ten ein The­ma. Die EU-Kom­mis­si­on sagt dazu: »Mehr als 17,6 Mil­lio­nen Euro­päe­rin­nen und Euro­pä­er leben bzw. arbei­ten in einem Mit­glied­staat, des­sen Staats­an­ge­hö­rig­keit sie nicht besit­zen. Bestimm­te Sek­to­ren der euro­päi­schen Wirt­schaft, ins­be­son­de­re die Agrar- und Ernäh­rungs­wirt­schaft und der Frem­den­ver­kehr, sind für bestimm­te Zeit­räu­me des Jah­res auf die Unter­stüt­zung von Sai­son­ar­beits­kräf­ten aus ande­ren EU- und aus Nicht-EU-Län­dern ange­wie­sen. Die Kom­mis­si­on schätzt, dass der Durch­schnitt der akti­ven Sai­son­ar­beits­kräf­te in der EU pro Jahr zwi­schen meh­re­ren Hun­dert­tau­send und einer Mil­li­on liegt.« Das fin­det man in die­ser Mit­tei­lung der Kom­mis­si­on vom 16. Juli 2020: Coro­na­kri­se: Euro­päi­sche Kom­mis­si­on for­dert Maß­nah­men zum Schutz von Sai­son­ar­beits­kräf­ten externer Link. Dort heißt es: »Die Euro­päi­sche Kom­mis­si­on legt heu­te Leit­li­ni­en vor, um den Schutz von Sai­son­ar­beit­kräf­ten in der EU vor dem Hin­ter­grund der Coro­na­vi­rus-Pan­de­mie zu gewähr­leis­ten. Sie bie­tet den natio­na­len Behör­den, den Arbeits­auf­sichts­be­hör­den und den Sozi­al­part­nern Ori­en­tie­rungs­hil­fen, um die Rech­te, die Gesund­heit und die Sicher­heit von Sai­son­ar­beits­kräf­ten zu gewähr­leis­ten und sicher­zu­stel­len, dass Sai­son­ar­beits­kräf­ten ihre Rech­te bekannt sind.« Das klingt auf den ers­ten Blick viel­ver­spre­chend, wenn da nicht Begrif­fe wären wie „Ori­en­tie­rungs­hil­fen“. »In den Leit­li­ni­en wer­den die natio­na­len Behör­den und die Sozi­al­part­ner auf­ge­for­dert, neue Anstren­gun­gen zu unter­neh­men, um ihrer Auf­ga­be, die ord­nungs­ge­mä­ße Anwen­dung und Durch­set­zung der Vor­schrif­ten sicher­zu­stel­len, gerecht zu wer­den. Die Leit­li­ni­en ent­hal­ten kon­kre­te Emp­feh­lun­gen und Vor­schlä­ge für Maß­nah­men, die auf natio­na­ler oder EU-Ebe­ne durch­ge­führt wer­den sol­len.« Im Kern bleibt ein Appell an die ein­zel­nen Mit­glieds­staa­ten, denn die Hand­lungs­mög­lich­kei­ten der Kom­mis­si­on selbst sind mehr als begrenzt…” Bei­trag von Ste­fan Sell vom 27. Juli 2020 auf sei­nem Blog “Aktu­el­le Sozi­al­po­li­tik” externer Link
    • Hot­spots: Kein Abstand, nir­gends. War­um die Sai­son­ar­bei­ter in Deutsch­land wei­ter­hin gefähr­det sind
      “… “Es ist seit Jah­ren bekannt, dass Sai­son­ar­bei­ter auf den Fel­dern und an den Ern­te­ma­schi­nen dicht bei­ein­an­der arbei­ten müs­sen”, sagt Guia. Sie arbei­tet für die DGB-Bera­tungs­stel­le “Arbeit und Leben” in Düs­sel­dorf, die euro­päi­sche Arbeits­kräf­te in deren Mut­ter­spra­che berät. Auch in Coro­na-Zei­ten, sagt sie, sei­en die Unter­künf­te wei­ter­hin beengt; vie­le Arbei­ter wohn­ten gedrängt in Con­tai­nern und müss­ten sich Duschen und Toi­let­ten tei­len. Fünf Obst­hö­fe hät­ten sie als Bera­tungs­stel­le zusam­men mit der Gewerk­schaft IG BAU kürz­lich besucht. Nur zwei davon hät­ten mehr Toi­let­ten und Con­tai­ner nach­wei­sen kön­nen als vor Coro­na. “Es gab Fäl­le, in denen fünf Men­schen auf sechs Qua­drat­me­tern unter­ge­bracht waren.” Zwei Meter Abstand kön­ne da nie­mand hal­ten. Vom Bun­des­ar­beits­mi­nis­te­ri­um, das für den Arbeits­schutz zustän­dig ist, hieß es am Mon­tag, es gebe noch kei­ne abschlie­ßen­den Erkennt­nis­se zu den Hin­ter­grün­den der Coro­na­in­fek­tio­nen in land­wirt­schaft­li­chen Groß­be­trie­ben oder der Fleisch­in­dus­trie. Man gehe von “mul­ti­fak­to­ri­el­len Infek­ti­ons­ge­fähr­dun­gen” aus. Über­setzt heißt das: Es gibt vie­le Grün­de. Als Bei­spie­le nann­te ein Spre­cher Belüf­tung, Schutz­ab­stän­de, Arbeits­pau­sen­ge­stal­tung, aber auch die Wohn­si­tua­ti­on in Gemein­schafts­un­ter­künf­ten oder den Trans­port zum Betrieb. (…)Es wäre gut, sagt Cata­li­na Guia von der DGB-Bera­tungs­stel­le, wenn es mehr Kon­trol­len gäbe. “Und wenn sie uns und ande­re Bera­tungs­stel­len mit ein­be­zie­hen wür­den, denn die Arbei­ter wer­den teil­wei­se gezwun­gen zu lügen über ihre Bezah­lung und die Ein­hal­tung des Abstands­ge­bots – und wir ken­nen man­che der Tricks.” Zudem müs­se es ordent­li­che Arbeits­ver­trä­ge geben, und zwar bevor die Sai­son­kräf­te aus dem Aus­land ihre Arbeit begin­nen. Man­che arbei­te­ten wochen­lang ohne Ver­trag. “Ohne Kon­trol­le und Beob­ach­tung wird es nicht gehen.”Arti­kel von Hen­ri­ke Roß­bach vom 27. Juli 2020 in der Süd­deut­schen Zei­tung online externer Link
  • Coro­na-Aus­bruch bei Ern­te­hel­fern im nie­der­baye­ri­schen Mam­ming: Schar­fe Kri­tik an Groß­be­trieb 
    Die baye­ri­sche Gesund­heits­mi­nis­te­rin Mela­nie Huml (CSU) hat den land­wirt­schaft­li­chen Betrieb im nie­der­baye­ri­schen Mam­ming, in dem sich 174 Ern­te­hel­fe­rin­nen und Ern­te­hel­fer mit dem Coro­na­vi­rus infi­ziert haben externer Link, kri­ti­siert. Das Hygie­nekon­zept schei­ne nicht adäquat umge­setzt wor­den zu sein, sag­te die Minis­te­rin bei einer Pres­se­kon­fe­renz in Din­gol­fing. Die Staats­re­gie­rung will nun in einer “Coro­na-Testof­fen­si­ve” auf gro­ßen Höfen die Ern­te­hel­fer unter­su­chen las­sen. “Wir neh­men die Situa­ti­on sehr ernst”, sag­te Huml. “Bis­her scheint es lokal ein­grenz­bar zu sein.” Schwer­punk­te der Tests sind zunächst die Höfe der Umge­bung und im Land­kreis. Wie der Land­rat des Land­krei­ses Din­gol­fing-Land­au, Wer­ner Bume­der (CSU), aus­führ­te, war die vor­ge­schrie­be­ne Tren­nun­gen der Ern­te­hel­fer-Grup­pen von 25 Per­so­nen nicht ord­nungs­ge­mäß durch­ge­führt wor­den sein. Da sich die Infek­ti­ons­ket­ten inner­halb des Betriebs nicht mehr nach­voll­zie­hen lie­ßen, sei es zu einer kom­plet­ten Qua­ran­tä­ne des Hofs gekom­men. Die Ern­te­hel­fer stam­men aus Ungarn, Rumä­ni­en, Bul­ga­ri­en und der Ukrai­ne. Mitt­ler­wei­le sei eine Sepa­rie­rung der infi­zier­ten und nicht-infi­zier­ten Men­schen auf dem Hof in drei Wohn­an­la­gen mög­lich. Eine Per­son befin­de sich in sta­tio­nä­rer Kran­ken­haus-Ver­sor­gung. Bei dem Betrieb han­delt es sich um einen gro­ßen Gemü­se­hof, der Erd­bee­ren, Gur­ken, Kohl und Rote Bete anbaut…” Mel­dung vom 26.07.2020 bei BR24 externer Link
  • Kreis Bor­ken: Coro­na-Aus­bruch in NRW-Gemü­se­hof /​Abge­zockt? Rumä­ni­sche Ern­te­hel­fer auf deut­schen Fel­dern
    • Kreis Bor­ken: Coro­na-Aus­bruch in NRW-Gemü­se­hof
      Kreis Bor­ken Im Kreis Bor­ken steht ein Gemü­se­hof nach einem Coro­na-Aus­bruch im Fokus der ört­li­chen Behör­den. Dort arbei­ten den Anga­ben zufol­ge vor­wie­gend rumä­ni­sche Beschäf­tig­te, die auch auf dem Betriebs­ge­län­de woh­nen. Die Mit­ar­bei­ter dürf­ten das Betriebs­ge­län­de vor­erst nicht ver­las­sen, teil­te der Kreis mit. Der­zeit sei­en aber erst 88 von 148 Abstrich­pro­ben aus­ge­wer­tet – mit zunächst 8 posi­ti­ven Ergeb­nis­sen. Zu Wochen­be­ginn wür­den wei­te­re Befun­de erwar­tet; eine erneu­te Tes­tung der gesam­ten Beleg­schaft sei geplant…” Mel­dung vom 19. Juli 2020 bei rp-online externer Link
    • Abge­zockt? Rumä­ni­sche Ern­te­hel­fer auf deut­schen Fel­dern
      Sie gehen kör­per­lich an ihre Gren­zen und ver­die­nen den­noch oft weni­ger als den Min­dest­lohn. Dank ost­eu­ro­päi­scher Ern­te­hel­fer sind Obst und Gemü­se in Deutsch­land bil­lig. Dabei geht es auch anders, wie ein Land­wirt aus Nürn­berg zeigt…” Bei­trag aus der “Euro­pa-Repor­ta­ge am 19.07.2020 im BR Fern­se­hen externer Link
  • Bera­te­rin über Ern­te­hel­fer: “Bei Hit­ze und Regen zwölf Stun­den zu arbei­ten, macht kei­ner lan­ge mit“ 
    “Aura Sil­via Ple­s­ca berät Ern­te­hel­fer aus Ost­eu­ro­pa. Dabei hört sie vie­les über Wucher­mie­ten, Arbeit ohne Pau­se und nicht gezahl­te Löh­ne. Ein Inter­view. [Wie vie­le ost­eu­ro­päi­sche Leih­ar­bei­ter, Werk­ver­tragler oder ähn­lich Beschäf­tig­te gibt es in Hes­sen tat­säch­lich oder geschätzt?] Aktu­el­le Zah­len haben wir nicht. 2016 waren es unse­ren Infor­ma­tio­nen zufol­ge 16.000. In die­sem Jahr waren nach unse­ren Schät­zun­gen etwa 40 Pro­zent weni­ger auf den Fel­dern. [Sie arbei­ten im Pro­jekt „Fai­re Mobi­li­tät“ des Deut­schen Gewerk­schafts­bun­des und bera­ten Men­schen aus Mit­tel- und Ost­eu­ro­pa, was ist Ihre Auf­ga­be?] Da ich ursprüng­lich aus Rumä­ni­en kom­me, bera­te ich rumä­nisch­spra­chi­ge Arbeit­neh­mer. Jeder, der Fra­gen oder Pro­ble­me im Beschäf­ti­gungs­ver­hält­nis hat, kann sich an mich wen­den. Ich bera­te etwa 400 bis 500 Men­schen im Jahr…“ Inter­view von Patri­cia And­reae vom 08.07.2020 in der FAZ online externer Link mit Aura Sil­via Ple­s­ca („Fai­re Mobi­li­tät“) (im Abo)
  • Ärger auf den Fel­dern: Pro­tes­te von Sai­son­ar­beits­kräf­ten in Laden­burg 
    Sai­son­ar­beits­kräf­te haben am Mon­tag in Laden­burg ihrem Ärger über zu wenig Lohn Luft gemacht. Eini­ge sagen, dass sie am Monats­en­de gera­de Mal 150 Euro in der Tasche haben. Es sind har­te Vor­wür­fe, die von eini­gen Ern­te­hel­fern an der Berg­stra­ße kom­men. Der Hege­hof – einer der größ­ten Obst und Gemü­seh­ö­fe an der Berg­stra­ße, zah­le zu wenig. Die­ter Hege weist das ent­schlos­sen zurück. Er bezah­le den Min­dest­lohn von 9,35 Euro – genau das, was gesetz­lich vor­ge­schrie­ben ist. (…) Übli­cher­wei­se wür­den Bus­fah­rer die Ern­te­hel­fer brin­gen. Die­se Fah­rer wür­den als Ver­mitt­ler ein­ge­setzt, um den Arbei­tern die Vor­ge­hens­wei­sen sowie die Bezah­lungs­mo­da­li­tä­ten zu erklä­ren. In die­sem Jahr kamen ande­re Ern­te­hel­fer per Flug­zeug und auch die Ver­mitt­ler waren ande­re. Die­se fürch­ten nun den Zorn der Arbei­ter. Eine Ver­mitt­le­rin ist aus Angst mit ihrer Fami­lie wie­der unter­wegs zurück nach Polen. Die Arbei­ter, die jetzt pro­tes­tiert haben, sol­len den regu­lä­ren Stun­den­lohn bekom­men haben. Wenn sie aber ihre Steu­er-Iden­ti­fi­ka­ti­ons­num­mer nicht ange­ge­ben hat­ten, wur­den sie in Steu­er­klas­se 6 ein­ge­stuft, heißt es von Sei­ten des Hofes. Dann blie­ben ihnen 600 Euro im Monat. Davon wur­den noch Kos­ten für Unter­kunft und Ver­pfle­gung abge­zo­gen…” Bei­trag vom 7.7.2020 beim SWR externer Link
  • Covid-19-Fäl­le auf Spar­gel­hof: Aich­ach-Fried­berg ist jetzt Deutsch­lands Coro­na-Hot­spot /​95 Ern­te­hel­fer auf Spar­gel­hof in in Inchenhofen/​Bayern infi­ziert /​Bedin­gun­gen für die Ein­rei­se von Ern­te­hel­fern wer­den gelo­ckert 
    • Coro­na­vi­rus: 95 Ern­te­hel­fer auf Spar­gel­hof infi­ziert
      Inchen­ho­fen. Auf einem Spar­gel­hof in Bay­ern sind inzwi­schen 95 Men­schen posi­tiv auf das Coro­na­vi­rus getes­tet wor­den. 525 Mit­ar­bei­ter sei­en unter­sucht wor­den, teil­te das Land­rats­amt am Frei­tag in Aich­ach mit. »Aktu­ell wer­den alle Kon­takt­per­so­nen der Erkrank­ten ermit­telt.« Die Getes­te­ten hät­ten zum Zeit­punkt des Abstrichs jedoch kei­ner­lei Sym­pto­me einer Covid-19-Erkran­kung gezeigt, teil­te die Behör­de unter Beru­fung auf Gesund­heits­amts­lei­ter Fried­rich Pür­ner mit. Frü­he­ren Anga­ben zufol­ge hat­te es unter Ern­te­hel­fern auf dem Betrieb in Inchen­ho­fen eine Auf­tei­lung in Klein­grup­pen gege­ben, die vom Gesund­heits­amt vor­ab aus­drück­lich gelobt wor­den war. Nach Ein­schät­zung der Behör­de betrifft der Aus­bruch nur den Spar­gel­hof, wes­halb auch eine Über­schrei­tung der Grenz­wer­te für Neu­in­fek­tio­nen kei­ne wei­ter­rei­chen­den Fol­gen hät­te. Die Geschäfts­füh­rung der Loh­ner Agrar GmbH teil­te am Frei­tag mit, ange­sichts der Vor­keh­run­gen wie die Ein­rich­tung eines eige­nen Super­mark­tes, einer eige­nen Kan­ti­ne mit Abstands­vor­keh­run­gen und der Unter­brin­gung in Ein- bis Zwei-Per­so­nen-Zim­mern kei­ne Erklä­rung dafür zu haben, wie das Virus auf den Hof gekom­men sei.” Agen­tur­mel­dung vom 12.06.2020 in der jun­gen Welt Online Extra externer Link
    • Covid-19-Fäl­le auf Spar­gel­hof: Aich­ach-Fried­berg ist jetzt Deutsch­lands Coro­na-Hot­spot
      “… Am Mon­tag und Diens­tag wur­den nun laut Land­rats­amt mehr als 500 Beschäf­tig­te des mit Abstand größ­ten Spar­gel­bau­ern in der Regi­on getes­tet. Das sei „ohne jeg­li­che Kom­pli­ka­tio­nen“ ver­lau­fen, kei­ner der Getes­te­ten habe Covid-19-Sym­pto­me gezeigt, teil­te die Behör­de am Mitt­woch­abend mit und will sich am kom­men­den Mon­tag zu den Ergeb­nis­sen äußern. Eines nahm sie jedoch vor­weg: Soll­ten am Ende der Aus­wer­tung die Grenz­wer­te 35 oder 50 über­schrit­ten wer­den, wür­de dies „in ers­ter Kon­se­quenz aus­schließ­lich Maß­nah­men für den Spar­gel­hof nach sich zie­hen und nicht den gan­zen Land­kreis betref­fen“. Denn außer­halb des Spar­gel­hofs sei­en „die Infi­zier­ten­zah­len im Land­kreis wei­ter­hin völ­lig unauf­fäl­lig, lagen zuletzt bei Null“. Am Don­ners­tag bestä­tig­te schließ­lich das baye­ri­sche Lan­des­amt für Gesund­heit und Lebens­mit­tel­si­cher­heit in Erlan­gen, was das Robert-Koch-Insti­tut in Ber­lin schon ver­mel­det hat­te: Die Zahl der mit dem Coro­na­vi­rus infi­zier­ten Men­schen ist im Land­kreis Aich­ach-Fried­berg tat­säch­lich dras­tisch ange­stie­gen. Am Mitt­woch um 15 und am Don­ners­tag um wei­te­re 41 auf nun­mehr 75 Per­so­nen in den ver­gan­ge­nen sie­ben Tagen. …“ Bei­trag von Micha­el Böhm vom 11.06.2020 in Augs­bur­ger All­ge­mei­ne online externer Link
    • Die für einen kur­zen Moment sicht­bar gewor­de­nen unsicht­ba­ren Ern­te­hel­fer sind erneut im media­len Schat­ten­reich – und sol­len wie­der alle kom­men dür­fen
      “Es gibt defi­ni­tiv Mel­dun­gen, die kom­men ein­fach wirk­lich total unpas­send. Bei­spiels­wei­se so eine Schlag­zei­le am 11. Juni 2020: Coro­na-Aus­bruch auf Spar­gel­hof in Bay­ern externer Link. Mit die­sem Inhalt: »Nach­dem 21 Ern­te­hel­fer auf einem Spar­gel­hof in Aich­ach-Fried­berg posi­tiv auf das Coro­na­vi­rus getes­tet wur­den, sind nun 500 wei­te­re Mit­ar­bei­ter des Betriebs getes­tet wor­den. Unter den Getes­te­ten gebe es wei­te­re Coro­na-Fäl­le, teil­te das Baye­ri­sche Lan­des­amt für Gesund­heit und Lebens­mit­tel­si­cher­heit (LGL) mit. Bei 200 die­ser Mit­ar­bei­ter ste­he das Ergeb­nis noch aus, hieß es wei­ter. Sym­pto­me waren bei kei­nem der Getes­te­ten auf­ge­tre­ten. Die neu­en Infek­ti­ons­zah­len sol­len am Mon­tag bekannt­ge­ge­ben wer­den.« Für wen das „unpas­send“ ist? Für die Land­wir­te, die auf die Heer­scha­ren an „güns­ti­gen“ Arbeits­kräf­ten ange­wie­sen sind und eine „schlech­te Pres­se“ nicht gebrau­chen kön­nen. Der­zeit ist das aber vor allem unpas­send für die Bun­des­land­wirt­schafts­mi­nis­te­rin Julia Klöck­ner (CDU), denn die hat­te, den all­ge­mei­nen Regeln der Bericht­erstat­tungs­lo­gik fol­gend, auf das Ver­schwin­den des The­mas Ern­te­hel­fer, das ein paar Tage lang eini­ge auch kri­ti­sche Berich­te mit Stoff ver­sorg­te, gehofft, um dann zu ver­su­chen, wie­der in den Nor­mal­mo­dus zu wech­seln. Den Nor­mal­mo­dus kann man in die­sen Tagen viel­leicht so zuspit­zen: „Freie Fahrt für unfreie Ern­te­hel­fer“. Her­aus­ge­kom­men ist dann sowas: Coro­na-Beschrän­kun­gen enden: Freie Ein­rei­se für Sai­son­ar­bei­ter externer Link. Dar­über wur­de erst einen Tag vor den neu­en Mel­dun­gen über Coro­na-Fäl­le unter den Ern­te­hel­fer, die schon da sind, berich­tet. (…) Das sieht die zustän­di­ge Minis­te­rin natür­lich ganz anders: »Nach wie vor hat der best­mög­li­che Gesund­heits- und Infek­ti­ons­schutz aller Betei­lig­ten für uns Prio­ri­tät. Nur so ist ver­ant­wor­tungs­vol­les Wirt­schaf­ten in Zei­ten der Pan­de­mie mög­lich.« Mit die­sen sal­bungs­vol­len Wor­ten wird sie von ihrem Minis­te­ri­um in einer Pres­se­mit­tei­lung vom 10. Juni 2020 zitiert, wobei man die Über­schrift die­ser Mit­tei­lung aus dem Bun­des­land­wirt­schafts­mi­nis­te­ri­um genau lesen soll­te, denn die bringt es auf den Punkt, um was es vor allem geht: Neu­re­ge­lung für Sai­son­ar­beits­kräf­te schafft Pla­nungs­si­cher­heit für die Land­wir­te externer Link. Aber das es nicht wirk­lich um die (gesund­heit­li­che) Sache geht, das könn­te man ablei­ten aus den Zah­len vor dem Hin­ter­grund der rea­len Bedar­fe, die es in der Land­wirt­schaft an Sai­son­ar­bei­tern gibt. Mit­hin also geht es nur dar­um, so schnell wie mög­lich alle Hür­den zu schlei­fen, die den Nach­schub an Arbeits­kräf­ten mög­li­cher­wei­se blo­ckie­ren: »Die Bun­des­re­gie­rung hat­te bis­her fest­ge­legt, dass ins­ge­samt höchs­tens 80.000 Sai­son­kräf­te ein­rei­sen dür­fen. Die­se Rege­lung läuft Mit­te Juni aus. Das Kon­tin­gent wur­de nur knapp zur Hälf­te aus­ge­schöpft. Bis zum 3. Juni 2020 reis­ten 38.967 Sai­son­ar­beits­kräf­te ein. In der Land­wirt­schaft hat­ten vori­ges Jahr nahe­zu 300.000 Sai­son­kräf­te vor allem aus Rumä­ni­en und Polen gear­bei­tet.« (…) »Über­füll­te Zim­mer, Akkord­lohn, wenig Pau­sen. Wie schlecht die Arbeits­be­din­gun­gen für Sai­son­ar­bei­ter sind, zeigt die Kri­se«, so der Anfang des Arti­kels Und wer ret­tet die Ern­te­hel­fer? externer Link von Lui­sa Jacobs, der am 4. Juni 2020 ver­öf­fent­licht wur­de. Der fast noch­mal vie­le Aspek­te der kri­ti­schen Bericht­erstat­tung zusam­men. Jacobs hat aber am Anfang ihres Arti­kels auch noch eine Fra­ge in den Raum gestellt – ich zitie­re den voll­stän­di­gen Unter­ti­tel: »Über­füll­te Zim­mer, Akkord­lohn, wenig Pau­sen. Wie schlecht die Arbeits­be­din­gun­gen für Sai­son­ar­bei­ter sind, zeigt die Kri­se. War­um ist es so schwer, dar­an etwas zu ändern?« War­um ist es so schwer, dar­an etwas zu ändern? Viel­leicht, weil man dann die Sys­tem­fra­ge stel­len müss­te…“ Bei­trag von Ste­fan Sell vom 11.06.2020 bei Aktu­el­le Sozi­al­po­li­tik externer Link
    • Bedin­gun­gen für die Ein­rei­se von Ern­te­hel­fern wer­den gelo­ckert
      Aus­län­di­sche Sai­son­ar­beits­kräf­te sol­len ab kom­men­der Woche leich­ter ein­rei­sen dür­fen. Bestimm­te Schutz­vor­keh­run­gen gel­ten aber wei­ter. Das sieht ein Kon­zept vor, das Bun­des­agrar­mi­nis­te­rin Julia Klöck­ner heu­te im Kabi­nett vor­ge­stellt hat. Das Modell soll die wei­te­re Beschäf­ti­gung drin­gend benö­tig­ter Ern­te­hel­fer in den nächs­ten Mona­ten absi­chern. Denn am kom­men­den Mon­tag läuft die Son­der­re­ge­lung aus, die die Ein­rei­se von bis zu 80 000 Sai­son­kräf­ten per Flug­zeug ermög­lich­te. Die Bun­des­re­gie­rung hat­te bereits signa­li­siert, dass es eine Fol­ge­re­ge­lung dafür geben soll. Ab kom­men­dem Diens­tag (16. Juni) dür­fen Sai­son­kräf­te aus EU-Staa­ten auf dem Land­weg und per Flug­zeug „ohne die bis­he­ri­gen Beschrän­kun­gen nach Deutsch­land ein­rei­sen“, heißt es in dem Kon­zept­pa­pier. Dies gilt auch für Kräf­te aus den asso­zi­ier­ten Schen­gen-Staa­ten wie der Schweiz. Die Rege­lun­gen sol­len bis zum Jah­res­en­de gel­ten…” Bei­trag von Nor­bert Leh­mann vom 10.06.2020 bei agrar­heu­te externer Link samt Eck­punk­ten der Sai­son­ar­bei­ter-Rege­lung des Kon­zept­pa­pier des BMEL zur Sai­son­kräf­te-Rege­lung externer Link
  • Lohn-Streit auf Spar­gel­hof im Land­kreis Nien­burg
    “Nach der Kri­tik an einem Spar­gel­hof in Hoyer­ha­gen im Land­kreis Nien­burg wegen mög­li­cher Ver­stö­ße gegen Coro­na-Regeln, gibt es dort Streit um Löh­ne. Das berich­tet NDR 1 Nie­der­sach­sen. Ein rumä­ni­scher Ern­te­hel­fer habe nach eige­nen Anga­ben seit Ende April 300 Stun­den gear­bei­tet aber nur 200 bezahlt bekom­men, sag­te eine Spre­che­rin der Gewerk­schaft IG Bau. Er habe die Ern­te­hel­fer ordent­lich bezahlt und es habe auch kei­ne Pro­ble­me gege­ben, ent­geg­net der Spar­gel­bau­er. Das Unter­neh­men hat inzwi­schen wegen der schlech­ten wirt­schaft­li­chen Lage durch die Coro­na Pan­de­mie Insol­venz ange­mel­det. Der Geschäfts­be­trieb wer­de aber unver­än­dert und voll­um­fäng­lich fort­ge­führt, teil­te der Insol­venz­ver­wal­ter mit. Unter­des­sen prüft die Staats­an­walt­schaft Ver­den, ob es auf dem Hof Ver­stö­ße gegen das Infek­ti­ons­schutz­ge­setz gege­ben hat. Zudem wird der Bau­er ver­däch­tigt, Aus­weis­do­ku­men­te von Ern­te­hel­fern ein­be­hal­ten und auch auf Nach­fra­ge nicht her­aus­ge­ge­ben zu haben. Der Hof­be­trei­ber weist die­se Vor­wür­fe zurück.“ Mel­dung vom 03.06.2020 bei NDR1 externer Link
  • Begrenz­te Ein­rei­se von Sai­son­ar­beits­kräf­ten unter stren­gen Auf­la­gen bis 15. Juni ver­län­gert 
    Die Bun­des­mi­nis­te­rin für Ernäh­rung und Land­wirt­schaft, Julia Klöck­ner, und der Bun­des­mi­nis­ter des Innern, für Bau und Hei­mat, Horst See­hofer, haben sich auf die Fort­füh­rung der bestehen­den Rege­lung für die Ein­rei­se aus­län­di­scher Sai­son­ar­beits­kräf­te bis zum 15. Juni geei­nigt. Anfang April hat­ten die bei­den Bun­des­mi­nis­te­ri­en unter Ein­be­zie­hung des Robert-Koch-Insti­tuts einen ver­ant­wor­tungs­vol­len Kor­ri­dor zur Ein­rei­se von jeweils 40.000 Sai­son­ar­bei­tern in den Mona­ten April und Mai geschaf­fen – unter stren­gen Infek­ti­ons­schutz­auf­la­gen. Die­se umfas­sen unter ande­rem einen Gesund­heits­check am Flug­ha­fen nach Lan­dung, die Über­mitt­lung der Ergeb­nis­se an das zustän­di­ge Gesund­heits­amt, eine 14-tägi­ge fak­ti­sche Qua­ran­tä­ne nach Ankunft, strik­te Abstands- und Hygie­ne­vor­schrif­ten in den Betrie­ben, eine gerin­ge­re Bele­gung der Unter­künf­te und das Arbei­ten in mög­lichst klei­nen, gleich­blei­ben­den Grup­pen. Das Kon­zept wäre Ende Mai aus­ge­lau­fen, wei­ter­hin sind die Land­wir­te für die Ern­te und Pflanz­ar­bei­ten aber auf die Unter­stüt­zung aus­län­di­scher Fach­kräf­te ange­wie­sen. Daher haben sich die bei­den Bun­des­mi­nis­ter auf die Ver­län­ge­rung ver­stän­digt. Die Auf­la­gen für den Gesundheits‑, Arbeits- und Infek­ti­ons­schutz blei­ben bestehen, eben­so wie das Kon­tin­gent von ins­ge­samt 80.000 Arbeits­kräf­ten. Die­ses ist aktu­ell nicht aus­ge­schöpft: Ein­ge­reist sind bis­her rund 33.000 Sai­son­ar­beits­kräf­te. Zum Stich­tag 15. Juni ist in der Bun­des­re­gie­rung ver­ab­re­det, die Rei­se­be­stim­mun­gen im Lich­te des aktu­el­len Infek­ti­ons­ge­sche­hens grund­sätz­lich neu zu bewer­ten. Eine wei­te­re Anschluss­lö­sung für die Zeit nach Mit­te Juni wird sich an die­sem Grenz­re­gime ori­en­tie­ren…” Pres­se­mit­tei­lung des Bun­des­mi­nis­te­ri­um für Ernäh­rung und Land­wirt­schaft vom 24. Mai 2020 externer Link
  • Rumä­nen opfern sich für deut­schen Spar­gel 
    Das Herz des EU-Bin­nen­mark­tes ist eine grund­le­gend unglei­che Arbeits­tei­lung, die hun­dert­tau­sen­de ost­eu­ro­päi­sche Arbei­te­rin­nen und Arbei­ter für einen Hun­ger­lohn ver­treibt. (…) Trotz des Lock­downs müs­sen Mil­lio­nen Men­schen auf der Welt zur Arbeit gehen, nicht nur, um zu über­le­ben, son­dern auch weil gera­de ihre Arbeit unver­zicht­bar ist, um die Lock­downs für alle ande­ren auf­recht­zu­er­hal­ten. Nah­rungs­mit­tel müs­sen geern­tet, ver­ar­bei­tet und trans­por­tiert wer­den. Die Infra­struk­tur muss auf­recht­erhal­ten wer­den und die Grund­ver­sor­gung muss wei­ter­lau­fen. All das wäre unmög­lich ohne die Men­schen, die bereit sind die­se not­wen­di­ge Arbeit zu leis­ten. Und Unter­neh­me­rin­nen und Unter­neh­mer wer­den alles tun, um sie aus­fin­dig zu machen. Genau so war es bei den rumä­ni­schen Spar­gel­ste­che­rin­nen und ‑ste­chern. Mit Ver­weis auf die ver­rot­ten­de Ern­te auf den Fel­dern kam der deut­sche Staat dem Land­wirt­schafts­sek­tor zu Hil­fe und über­zeug­te Rumä­ni­en davon, gechar­ter­te Aus­lands­flü­ge für die Zeit­ar­bei­te­rin­nen und Zeit­ar­bei­ter zu erlau­ben. Der rumä­ni­sche Staat folg­te ord­nungs­ge­mäß – aller­dings nicht aus blin­dem Gehor­sam dem euro­päi­schen Hege­mon gegen­über, son­dern weil die Ver­sor­gung rei­cher EU-Staa­ten mit bil­li­gen und fle­xi­blen Arbeits­kräf­ten bereits seit drei Jahr­zehn­ten gän­gi­ge Pra­xis ist. (…) Die offi­zi­el­le Ant­wort des rumä­ni­schen Bot­schaf­ters, Emil Hurezea­nu, war zwar wort­reich, aber blieb ober­fläch­lich. Er lob­te die deut­schen Unter­neh­men und Behör­den über­schwäng­lich in ihrem Bemü­hen, die Arbeit wäh­rend der Pan­de­mie zu orga­ni­sie­ren. Aber er hat­te wenig über das Schick­sal sei­ner Lands­leu­te zu sagen, die als Fol­ge nun gegen die Krank­heit kämpf­ten. Statt die Rech­te rumä­ni­scher Bür­ge­rin­nen und Bür­ger im Aus­land zu ver­tre­ten, schien er eher damit beschäf­tigt, die Arbeits­mi­gra­ti­on von Ost nach West auf­recht­zu­er­hal­ten, kos­te es, was es wol­le. Aller­dings zeigt die Art und Wei­se, wie rumä­ni­sche und ande­re ost­eu­ro­päi­sche Arbei­te­rin­nen und Arbei­ter in völ­li­ger Miss­ach­tung ihrer Sicher­heit und mit der Zustim­mung ihrer Regie­run­gen abtrans­por­tiert wur­den, die Beson­der­hei­ten der Arbeits­mi­gra­ti­on inner­halb der EU auf, wo ein Bin­nen­markt und offe­ne Bin­nen­gren­zen es Arbei­te­rin­nen und Arbei­tern ermög­li­chen, angeb­lich gleich­wer­ti­ge Mit­glieds­staa­ten frei zu durch­que­ren. Hin­ter die­ser for­mel­len Gleich­heit ver­ste­cken sich jedoch die stum­men Zwän­ge mate­ri­el­ler Not­wen­dig­keit, die Hun­dert­tau­sen­de zur Abwan­de­rung vom ärme­ren Osten und Süden gen Wes­ten trei­ben. Das Herz­stück Euro­pas ist eine hoch­pro­fi­ta­ble Indus­trie, die dar­in spe­zia­li­siert ist, bil­li­ge Arbeits­kräf­te aus dem Osten in ver­schie­de­ne Staa­ten des Zen­trums zu impor­tie­ren. Das ist nichts Neu­es, aber es wird sel­ten als grund­le­gen­de Eigen­schaft des euro­päi­schen Pro­jek­tes dis­ku­tiert. (…) Rumä­ni­sche Arbei­te­rin­nen und Arbei­ter sind äußerst wich­ti­ge Wert­an­la­gen im Wes­ten, weil sie bereit sind, Kno­chen­ar­beit für deut­lich weni­ger Geld als hei­mi­sche Arbei­te­rin­nen und Arbei­ter zu leis­ten und weil sie seit der EU-Ost­erwei­te­rung im Jahr 2007 legal ein­rei­sen kön­nen. Dies ver­setzt sie in die nicht gera­de benei­dens­wer­te Lage, fle­xi­ble Arbeits­kräf­te zu sein, die nichts­des­to­trotz ver­hält­nis­mä­ßig »pri­vi­le­giert« sind gegen­über Nicht-EU-Migran­tin­nen, Flücht­lin­gen und undo­ku­men­tier­ten Arbei­tern. Dank ihres EU-Pas­ses ver­rin­gern sie die Umzugs­kos­ten für Zeit­ar­bei­te­rin­nen und Zeit­ar­bei­ter und sind damit güns­ti­ge­re Neu­ein­stel­lun­gen. War­um soll­ten Unter­neh­men undo­ku­men­tier­te Migran­tin­nen schmug­geln, wenn Ost­eu­ro­pä­er bereit­wil­lig kom­men und sogar für ihr eige­nes Ticket zah­len? Die­se Rege­lun­gen erlau­ben es, mitt­le­ren und gro­ßen land­wirt­schaft­li­chen Betrie­ben in Deutsch­land, Ita­li­en, Spa­ni­en und Groß­bri­tan­ni­en statt­li­che Pro­fi­te ein­zu­fah­ren, wäh­rend sie ver­trie­be­nen Arbei­te­rin­nen und Arbei­tern har­te Bedin­gun­gen auf­zwin­gen, gegen die sie sich auf­grund von man­geln­den Res­sour­cen nicht weh­ren kön­nen…” Arti­kel von Flo­rin Poena­ru und Cos­ti Rogo­zanu am 18.05.2020 im Jaco​bin​.de externer Link, Über­set­zung von Mar­tin Nei­se – ein ins­ge­samt sehr inter­es­san­ter Arti­kel sowohl zur Lage in Rumä­ni­en, als auch zur EU-Poli­tik der Arbeits­mi­gra­ti­on
  • Nied­rig­lohn, Schim­mel­es­sen und Gesund­heits­ge­fähr­dung – Erntearbeiter*innen im deut­schen Agrar­ka­pi­ta­lis­mus 
    “… Am ver­gan­ge­nen Frei­tag war in Born­heim, Nord­rhein-West­fa­len, Schluss mit Arbeit. Über hun­dert Saisonarbeiter*innen – Pres­se­mel­dun­gen spre­chen von bis zu 250 – leg­ten die Arbeit nie­der, wor­auf die Ver­wal­tung des Betriebs die Poli­zei rief, um sie ein­zu­schüch­tern. Die Arbeiter*innen bemän­geln externer Link nicht nur ver­schim­mel­tes Essen, unbe­heiz­te Mas­sen­un­ter­künf­te neben einer Klär­an­la­ge und völ­lig feh­len­den Schutz gegen Coro­na – son­dern auch ein Aus­blei­ben ihrer Bezah­lung. Für ein Monat Kno­chen­ar­beit hat­ten sie nur 100 bis 250 Euro aus­be­zahlt bekom­men. Der Betrieb gehört (oder gehör­te bis vor eini­gen Mona­ten) dem Ehe­paar Rit­ter, ist aller­dings seit Anfang März in der Insol­venz­ver­wal­tung externer Link. Zustän­dig ist das Rechts­an­walts­bü­ro Andre­as Schul­te-Beck­hau­sen, der Medi­en­be­rich­ten zufol­ge bereits einen neu­en Inves­tor für den Groß­be­trieb an der Hand hat. In der Haupt­sai­son soll der Hof in den Jah­ren zuvor bis zu 500 Ernte-Arbeiter*innen beschäf­tigt haben. Dass wir so viel über die Bedin­gun­gen bei Spar­gel Rit­ter in Born­heim wis­sen, liegt dar­an, dass die Arbeiter*innen sich gewehrt haben. Wie die Bedin­gun­gen in ande­ren Betrie­ben sind, kann man sich aus­ma­len – auch weil bekannt ist, dass die Miss­hand­lung von Saisonarbeiter*innen in der deut­schen Land­wirt­schaft kein neu­es Pro­blem ist. Die schar­fe Kon­kur­renz auf dem Lebens­mit­tel­markt wird nach unten wei­ter­ge­ge­ben und ganz unten in der Ket­te ste­hen eben die Sai­son- und Wanderarbeiter*innen – ganz ähn­lich wie in der Pfle­ge oder der Fleisch‑, Trans­port- oder Bau-Indus­trie die­ses Lan­des. (…) Gän­gi­ge Pro­ble­me sind mise­ra­ble Unter­brin­gung, über­lan­ge Schich­ten, Unter­be­zah­lung – teil­wei­se unter dem Min­dest­lohn -, man­geln­de Hygie­ne- und Gesund­heits­ver­sor­gung, schlech­te Ernäh­rung. Schich­ten von 14 Stun­den, sie­ben Tage die Woche bei gesund­heits­schäd­li­cher Schwerst­ar­beit sind kei­ne Sel­ten­heit. Das Geschäfts­kon­zept der Agrar­un­ter­neh­men ist ein­fach: Die kom­men nur für ein paar Mona­te, sie haben kei­ne Lob­by, nie­man­den inter­es­siert, wie es ihnen geht – also kön­nen wir sie aus­neh­men, wie wir wol­len…“ Bei­trag vom 17.05.2020 in Lower Class Maga­zi­ne externer Link – sie­he auch unser Dos­sier: [Aus­ste­hen­de Löh­ne und Miss­stän­de in Ver­pfle­gung und Unter­brin­gung im Spar­gel­be­trieb Rit­ter] Mas­sen­pro­test von 150 Feld­ar­bei­tern in Born­heim
  • [Inter­view] »Bei 14 Stun­den Arbeit an sie­ben Tagen die Woche wer­den die Arbeiter_​innen doch ziem­lich häu­fig wütend« /​IG BAU: Bun­des­re­gie­rung muss Schutz für Ern­te­hel­fer aus­bau­en 
    • [Inter­view] »Bei 14 Stun­den Arbeit an sie­ben Tagen die Woche wer­den die Arbeiter_​innen doch ziem­lich häu­fig wütend«
      “… Vor allem in den Berei­chen der Son­der­kul­tu­ren der Land­wirt­schaft – also Spar­gel, Erd­bee­ren aber auch Obst und Gemü­se – wird auf Erntehelfer_​innen zurück­ge­grif­fen. Seit ich dabei bin, tref­fen wir vor allem rumä­ni­sche und pol­ni­sche Staatsbürger_​innen in den land­wirt­schaft­li­chen Betrie­ben. Des­wei­te­ren tref­fen wir auch Per­so­nen aus Kroa­ti­en, ins­be­son­de­re in Hes­sen; Bul­ga­ren tref­fen wir an – num­me­risch dann nicht so vie­le, weil das Land im Ver­gleich dann doch sehr klein ist. In den letz­ten Jah­ren ist es auch manch­mal vor­ge­kom­men, dass wir ukrai­ni­sche Stu­die­ren­de getrof­fen haben. Die­se Viel­falt for­dert so eine Initia­ti­ve wie die Initia­ti­ve Fai­re Land­ar­beit auch her­aus. Man muss sich immer neu über­le­gen: Wel­che Sprach­kennt­nis­se brau­che ich jetzt eigent­lich. (…) Man muss dazu sagen, dass die Betrie­be immer ein gro­ßes Inter­es­se haben, die Arbeits­zeit in der Ern­te­zeit soweit wie mög­lich aus­zu­wei­ten. Wir tref­fen häu­fig Leu­te, die uns berich­ten, dass sie mehr als zehn Stun­den am Tag arbei­ten. Das kol­li­diert zwar teil­wei­se mit dem Arbeits­zeit­ge­setz, aber da gibt es für die Betrie­be auch spe­zi­el­le, durch­aus lega­le, Mög­lich­kei­ten, die Arbeits­zeit auf bis zu zehn Stun­den aus­zu­wei­ten. Wegen der Her­aus­for­de­run­gen durch Coro­na gibt es aktu­ell sogar die Mög­lich­keit, dass Betrie­be ihre Arbeiter_​innen bis zu zwölf Stun­den am Tag bei maxi­mal 60 Wochen­ar­beits­stun­den arbei­ten las­sen. (…) Auch in den Medi­en wur­de ja zur dies­jäh­ri­gen Spar­gel­sai­son unter dem Zei­chen von Coro­na dar­über berich­tet, dass vie­le Betrie­be Zwei­fel dar­an hat­ten, ob für die­se Tätig­kei­ten kurz­fris­tig Arbeits­kräf­te aus Deutsch­land gewon­nen wer­den kön­nen, da die Tätig­keit kom­plex und kör­per­lich sehr anstren­gend ist. Dabei darf man nicht ver­ges­sen, dass es natür­lich nicht so ist, dass Rumän_​innen für die Tätig­keit des Spar­gel­ste­chens kör­per­lich beson­ders geeig­net sind – es ist viel­mehr so, dass die Arbeits­kräf­te aus Rumä­ni­en einen viel höhe­ren wirt­schaft­li­chen Druck haben, denn der durch­schnitt­li­che deut­sche Stu­dent, zumin­dest bis jetzt, noch nicht so ver­spürt. (…) In Deutsch­land gel­ten die Beschäf­ti­gungs­ver­hält­nis­se der Saisonarbeiter_​innen als kurz­fris­ti­ge Beschäf­ti­gung – das ist eine Form des Mini­jobs. Mit dem Mini­job ist es vor allem ver­gleich­bar, weil es nor­ma­ler­wei­se sozi­al­ver­si­che­rungs­frei ist. Damit die­se Kon­struk­ti­on über­haupt mög­lich ist, müs­sen bestimm­te Anspruchs­vor­aus­set­zun­gen bestehen, und die muss­ten erst geschaf­fen wer­den. Da gab es vom Arbeits­mi­nis­te­ri­um (BMAS) immer unter­schied­li­che Rege­lun­gen mit den jewei­li­gen Staa­ten, aus denen die Saisonarbeiter_​innen kom­men. Das bestimmt dann teil­wei­se auch den Hin­ter­grund der Leu­te. So dür­fen aus Rumä­ni­en eigent­lich nur Leu­te als Saisonarbeiter_​innen nach Deutsch­land kom­men, die dort als Haus­mann oder Haus­frau gemel­det sind. Jemand, der in Rumä­ni­en Sozi­al­hil­fe emp­fängt oder in einem regu­lä­ren Arbeits­ver­hält­nis ist, dürf­te nach der gel­ten­den Rege­lung also in Deutsch­land kei­ne kurz­fris­ti­ge Beschäf­ti­gung anneh­men und damit auch nicht als Sai­son­ar­beits­kraft in der Land­wirt­schaft arbei­ten. Die­ser Haus­frau/Haus­mann-Sta­tus ist dabei eher will­kür­lich, der wird in Rumä­ni­en ein­fach in ein Doku­ment gestem­pelt. (…) Theo­re­tisch müss­te man natür­lich sagen, dass die Arbeiter_​innen als Ver­dienst den aktu­el­len Min­dest­lohn­satz von 9,39 Euro mal die Arbeits­zeit, die sie gear­bei­tet haben, erwar­ten dürf­ten. Da kämen sie, bei einem 8‑Stunden Tag, für den Monat mit ins­ge­samt cir­ca 1700 Euro raus. Aber mit den Abzü­gen für Unter­kunft und Ver­pfle­gung, die ja in einem gewis­sen Umfang auch erlaubt sind, kom­men die meis­ten – wenn wirk­lich alle recht­li­chen Vor­ga­ben ein­ge­hal­ten wer­den – auf einen Stun­den­lohn von um die 7,50 Euro. Aber wir haben auch schon Arbeiter_​innen erlebt, die bei vier Euro pro Stun­de raus­ge­kom­men sind. Es gibt auch Betrie­be, die sehr gut zah­len. Dort kön­nen erfah­re­ne und bewähr­te Arbeits­kräf­te dann auch sehr gutes Geld ver­die­nen. Ich habe auch schon Lohn­ab­rech­nun­gen gese­hen, da haben ein­zel­ne Arbeiter_​innen 2200 Euro net­to ver­dient. Aber das ist natür­lich eine abso­lu­te Aus­nah­me. (…) Wir haben zwei Tricks der Land­wir­te beob­ach­tet, die ver­su­chen, den Min­dest­lohn zu umge­hen. Das eine sind zu hohe Abzü­ge vom Lohn für Unter­kunft und Ver­pfle­gung. Und zum ande­ren der Trick, dass man für die Lohn­be­rech­nung den Akkord in Arbeits­zeit umrech­net. So gehen dann Arbeits­stun­den ver­lo­ren, die nicht bezahlt wer­den. Obwohl der Gesetz­ge­ber das eigent­lich ganz klar ver­bie­tet: Man darf Akkord bezah­len – und man darf dabei natür­lich auch mehr als den Min­dest­lohn zah­len –, aber man darf den Min­dest­lohn nicht unter­schrei­ten. Mir sind aber schon mehr­mals Papie­re vor­ge­legt wor­den, wo die Arbeit­ge­ber so getrickst haben, dass der effek­ti­ve Lohn den Min­dest­lohn unter­schrei­tet. (…) Auch ist der Min­dest­lohn für die Arbeiter_​innen nicht die ent­schei­den­de Grö­ße, an der sie ihr Ein­kom­men mes­sen. Die Saisonarbeiter_​innen haben viel­mehr häu­fig eine fes­te Kal­ku­la­ti­on, einen Gesamt­ver­dienst, den sie ger­ne errei­chen möch­ten. Und wenn sie mer­ken, dass sie den nicht errei­chen – sei es, weil der Bau­er zu viel Geld für Kost und Logis abzieht, oder die Bezah­lung nicht der geleis­te­ten Arbeit ent­spricht – kam es in der Ver­gan­gen­heit rela­tiv häu­fig zu Kon­flik­ten. Wei­te­re Kon­flikt­aus­lö­ser sind zu lan­ge Arbeits­zei­ten, die dann teil­wei­se bei 14, 15 Stun­den lie­gen, kei­ne Frei­zeit – also wirk­lich sie­ben Tage, 14 Stun­den arbei­ten. Häu­fig sagen uns die Bau­ern zwar »Die Leu­te wol­len ja auch so viel arbei­ten, die wol­len ja was ver­die­nen« – aber auch da gibt es natür­lich ein Limit. (…) Wir haben die­ses Jahr aber auch – und das ist neu – eine brei­te Medi­en­de­bat­te in Rumä­ni­en über die Zustän­de in deut­schen land­wirt­schaft­li­chen Betrie­ben, die auch nicht nur die Ein­hal­tung der Hygie­ne-Regeln hin­ter­fra­gen, son­dern auch arbeits­recht­li­che Pro­ble­me doku­men­tie­ren, erlebt. Es gibt damit zum ers­ten Mal auch ein rumä­ni­sches Echo zu Debat­ten über Arbeits­be­din­gun­gen in der deut­schen Land­wirt­schaft. Sogar die rumä­ni­sche Regie­rung hat sich nach den ers­ten Berich­ten ein­ge­schal­tet und ver­teilt jetzt an rumä­ni­schen Flug­hä­fen Auf­klä­rungs­fly­er an die Arbeiter_​innen, um auf Hilfs­an­ge­bo­te bei Ver­stö­ßen gegen den Arbeits­schutz hin­zu­wei­sen. Das zeigt ja schon, wel­chen Ein­druck es in Rumä­ni­en von den Zustän­den gibt, wel­che die Saisonarbeiter_​innen in Deutsch­land erwar­ten. (…) Zudem muss man nicht den­ken, dass die Betrie­be ihre Arbeits­kräf­te wäh­rend Coro­na bes­ser behan­deln. Vie­le Betrie­be ver­su­chen, die in der Coro­na­kri­se ent­stan­de­nen Mehr­kos­ten auf die Arbeit­neh­mer umzu­le­gen – wie die Anrei­se­kos­ten, die aktu­ell deut­lich höher aus­fal­len. Trotz der Zusa­ge des Bau­ern­ver­ban­des, dass die Betrie­be die­se Mehr­kos­ten über­neh­men, gibt es bereits meh­re­re Pres­se­be­rich­te, dass es eine Ten­denz gibt, die­se Kos­ten auf die Saisonarbeiter_​innen abzu­wäl­zen. Gleich­zei­tig ver­su­chen die Betrie­be, trotz eines klei­ne­ren Zeit­fens­ters und weni­ger Erntehelfer_​innen, noch so viel Ern­te ein­zu­ho­len, wie es geht. Und dafür set­zen sie ihre Arbeits­kräf­te noch mehr unter Druck, als es eh schon der Fall ist. Das stei­gert alles das Kon­flikt­po­ten­zi­al. (…) Erst hat das Innen­mi­nis­te­ri­um gesagt »Nein, unter den Bedin­gun­gen kön­nen wir die Anrei­se von Erntehelfer_​innen nicht ver­ant­wor­ten, es wird aus­ge­setzt.« Und plötz­lich wur­de ein halb­ga­rer Vor­schlag ange­nom­men, sodass die rumä­ni­schen Arbeits­kräf­te doch nach Deutsch­land kom­men kön­nen. Ins­be­son­de­re die Fra­ge nach der Kran­ken­ver­si­che­rung ist dabei noch nicht geklärt. Dazu kom­men die Fra­gen nach der Rück­kehr nach Hau­se oder der Mög­lich­keit eines Wech­sels des Betrie­bes, wenn es Pro­ble­me gibt. Oder die Fra­gen: Gibt es Kapa­zi­tä­ten zur Kon­trol­le der Ein­hal­tung der Son­der­re­ge­lun­gen? Und trotz all die­ser unge­klär­ten Fra­gen und Unge­reimt­hei­ten hat plötz­lich alles funk­tio­niert. Dar­an kann man schon able­sen, dass der Bau­ern­ver­band auf jeden Fall einen extrem star­ken poli­ti­schen Ein­fluss hat. (…) Wich­tig ist auf jeden Fall die Stär­kung des Sozi­al­schut­zes. Ins­be­son­de­re eine Klä­rung der Situa­ti­on der Kran­ken­ver­si­che­rung – dass die Leu­te nicht auf den Kos­ten sit­zen blei­ben, wenn sie krank wer­den. Dar­über hin­aus ist es wich­tig, so ein­fach es klingt, dass die Bera­tungs­stel­len Zugang zu den Leu­ten haben. Dass die Leu­te die Mög­lich­keit haben jeder­zeit zu sagen »Ich flie­ge zurück«. Solan­ge die Situa­ti­on der Rück­kehr bezie­hungs­wei­se des Betriebs­wech­sels unge­klärt ist, haben die Saisonarbeiter_​innen im Grun­de genom­men über­haupt kein Druck­mit­tel. Ganz im Gegen­teil. Sie sind die­je­ni­gen, die unter Druck ste­hen…” Ein (lesens­wer­tes!) Inter­view von und bei dis­kus mit Micha­el Baum­gar­ten externer Link (ohne Datum, aber aktu­ell) zu Arbeits­be­din­gun­gen rumä­ni­scher Saisonarbeiter_​innen in der Land­wirt­schaft – vor und wäh­rend Coro­na. Micha­el Baum­gar­ten arbei­tet für das Peco-Insti­tut, das sich auch mit Rech­ten von Saisonarbeiter_​innen beschäf­tigt. Als Teil der Initia­ti­ve Fai­re Land­ar­beit gibt das Peco-Insti­tut jähr­lich einen zusam­men­fas­sen­den Bericht über die Arbeits­be­din­gun­gen in den land­wirt­schaft­li­chen Betrie­ben her­aus. Grund­la­ge des Berich­tes sind soge­nann­te »Feld­ak­tio­nen«, wo Mitarbeiter_​innen die land­wirt­schaft­li­chen Betrie­be besu­chen, um die Saisonarbeiter_​innen aus ver­schie­de­nen Län­dern in ihrer Mut­ter­spra­che über ihre Rech­te und Bera­tungs­an­ge­bo­te zu infor­mie­ren.
    • IG BAU: Bun­des­re­gie­rung muss Schutz für Ern­te­hel­fer aus­bau­en
      Die Agrar­ge­werk­schaft IG BAU for­dert die Bun­des­re­gie­rung auf, ihrer Ver­ant­wor­tung für aus­län­di­sche Ern­te­hel­fer nach­zu­kom­men und bestehen­de Rege­lun­gen nach­zu­bes­sern. Der Schutz von Men­schen muss dar­in unzwei­deu­tig gere­gelt sein und über­prüft wer­den kön­nen. „Mit den Aus­nah­men für Ern­te­hel­fer von Rei­se­be­schrän­kun­gen wur­de die Land­wirt­schaft gestützt. Das Ziel, die­se sys­tem­re­le­van­te Bran­che zu sichern war und ist rich­tig. Jedoch wur­den die dafür not­wen­di­gen Rege­lun­gen unter Zeit­druck getrof­fen und ent­hal­ten schwer­wie­gen­de Män­gel. Der Schutz der Sai­son­kräf­te vor Covid-19-Infek­tio­nen ist nicht sicher­ge­stellt. Gleich­zei­tig füh­ren die Rege­lun­gen zu einer bis­her nicht gekann­ten Abhän­gig­keit der Beschäf­tig­ten vom Land­wirt. So sind die Ern­te­hel­fer wegen der Qua­ran­tä­ne nicht ohne wei­te­res in der Lage, den Arbeit­ge­ber zu wech­seln, wenn die­ser gegen sei­ne Pflich­ten ver­stößt. Auch eine vor­zei­ti­ge Heim­rei­se ist den Sai­son­kräf­ten nicht mög­lich. Ihnen feh­len in der Regel die Mit­tel für die not­wen­di­gen Flü­ge. In der Pra­xis sind sie daher dem Good-will des Arbeit­ge­bers aus­ge­lie­fert. Das wider­spricht sämt­li­chen arbeits­recht­li­chen Stan­dards in Deutsch­land und in der EU. Hier muss die Bun­des­re­gie­rung drin­gend Abhil­fe schaf­fen“, sag­te der Stell­ver­tre­ten­de IG BAU-Bun­des­vor­sit­zen­de Harald Schaum. „Wir for­dern kla­re Rege­lun­gen, die weder beim Infek­ti­ons­schutz noch bei Sozi­al- und Arbeits­be­din­gun­gen oder der Bezah­lung Inter­pre­ta­ti­ons­spiel­räu­me las­sen. Jeder Beschäf­tig­te und jeder Arbeit­ge­ber muss wis­sen, was sei­ne Rech­te und was sei­ne Pflich­ten sind. Das allein reicht lei­der noch nicht aus. Vie­le aktu­el­le Medi­en­be­rich­te bestä­ti­gen unse­re Erfah­run­gen, dass Miss­stän­de nicht nur in der Fleisch­in­dus­trie bestehen. Auch in der Land­wirt­schaft gibt es gra­vie­ren­de Ver­stö­ße gegen Hygie­ne­vor­schrif­ten wie etwa die Unter­brin­gung in Gemein­schafts­un­ter­künf­ten. Aus­rei­chend häu­fi­ge und unan­ge­kün­dig­te Kon­trol­len vor Ort sind hier uner­läss­lich. Die­se müs­sen auch in angeb­li­chen Pri­vat­woh­nun­gen mög­lich wer­den, in denen Sai­son­ar­bei­ter all­zu­oft auf engs­tem Raum zusam­men­ge­pfercht wer­den. Sol­che bes­se­ren Regeln und Kon­trol­len gewähr­leis­ten den Schutz der Men­schen eben­so wie den der kor­rekt arbei­ten­den Betrie­be vor Dum­ping­kon­kur­renz. Außer­dem muss der jeder­zei­ti­ge Zugang von Bera­tungs­netz­wer­ken für Wan­der­ar­bei­ter zu den Sai­son­be­schäf­tig­ten sicher­ge­stellt wer­den. Nur durch die­se Ände­run­gen kön­nen die stark gestie­ge­nen Besorg­nis­se der Her­kunfts­län­der, der Sai­son­ar­bei­ter und der hie­si­gen Bevöl­ke­rung aus­ge­räumt wer­den.“” Pres­se­mit­tei­lung vom 16.05.2020 externer Link
  • [Aus­ste­hen­de Löh­ne und Miss­stän­de in Ver­pfle­gung und Unter­brin­gung im Spar­gel­be­trieb Rit­ter] Mas­sen­pro­test von 150 Feld­ar­bei­tern in Born­heim
  • Ern­te­hel­fer – Hel­den oder “Ver­bre­cher”? 
    Die Spar­gel­ern­te ist gesi­chert! Mit gro­ßer Freu­de und vie­len Ver­spre­chun­gen wur­den vor einem Monat Tau­sen­de Ern­te­hel­fer aus Rumä­ni­en in Deutsch­land als Ret­ter in der Not begrüßt. Die heu­ti­ge Bilanz ist eher ernüch­ternd. Danie­la Reim ist wegen der aktu­el­len Ent­wick­lung besorgt. Die Rumä­nisch spre­chen­de Bera­te­rin für mobi­le Beschäf­tig­te in Nie­der­sach­sen muss sogar mit einer Anzei­ge rech­nen. Kurz vor dem letz­ten Wochen­en­de woll­te sie sich einen Über­blick ver­schaf­fen über die Arbeits- und Lebens­be­din­gun­gen eini­ger rumä­ni­scher Sai­son­ar­bei­ter auf einem Spar­gel­hof. Eigent­lich soll­ten hier kei­ne Qua­ran­tä­ne­maß­nah­men mehr gel­ten, die nach Ein­rei­se der Ern­te­hel­fer Anfang April für 14 Tage ver­ord­net wor­den waren. Es soll­te eine rou­ti­ne­mä­ßig durch­ge­führ­te Akti­on wer­den, die lei­der als Ver­fol­gungs­jagd ende­te, erzähl­te sie der DW. Der Betrei­ber des Bau­ern­hofs ver­wei­ger­te der Bera­te­rin den Zutritt und droh­te gar, sie anzu­zei­gen. Als sie das Are­al ver­ließ, so Danie­la Reim wei­ter im DW-Gespräch, ver­folg­te er ihren Wagen, “um sicher­zu­stel­len, dass ich kei­nen Kon­takt zu den rumä­ni­schen Ern­te­hel­fern auf­neh­men kann.” Eine unge­wöhn­li­che Situa­ti­on gab es auch auf einem Spar­gel­hof mit fast 500 rumä­ni­schen Sai­son­kräf­ten in Bay­ern. Dort muss­te sogar die Poli­zei ein­rü­cken, um für Ord­nung zu sor­gen, nach­dem die Lage zu eska­lie­ren droh­te. Die Ern­te­hel­fer berich­te­ten über inak­zep­ta­ble Arbeits­zu­stän­de, schlech­te Bezah­lung und eine Qua­ran­tä­ne, die prak­tisch gar kei­ne war. Weil der Arbeit­ge­ber kei­ne adäqua­ten Schutz­maß­nah­men tref­fen woll­te, rebel­lier­ten eini­ge Sai­son­ar­bei­ter. In einem Gespräch mit der DW wehr­te sich der betrof­fe­nen Arbeit­ge­ber (des­sen Name der Redak­ti­on bekannt ist) gegen die Vor­wür­fe. Da “wir in einem Rechts­staat leben”, so der Bau­er, habe er Anzei­ge gegen eini­ge Arbei­ter erstat­tet, weil sie sei­ner Mei­nung nach als “Ver­bre­cher” ein­zu­stu­fen sei­en und gar nicht arbeits­wil­lig waren. Eine Pres­se­spre­che­rin des Poli­zei­prä­si­di­ums Schwa­ben Nord bestä­tig­te gegen­über der DW, dass tat­säch­lich gegen drei rumä­ni­sche Bür­ger ermit­telt wer­de. Es gin­ge dabei aller­dings um Ver­leum­dung und Ver­let­zung der Ver­trau­lich­keit des Wor­tes, auf kei­nen Fall um orga­ni­sier­te Kri­mi­na­li­tät, wie der Arbeit­ge­ber mit­ge­teilt hat­te. (…) In sei­nem Brief an die Bun­des­län­der weist Minis­ter Heil dar­auf hin, dass sich bereits meh­re­re diplo­ma­ti­sche Ver­tre­tun­gen der Her­kunfts­län­der von Arbei­tern bei der Bun­des­re­gie­rung beschwert hät­ten. Sie behiel­ten sich dem­nach “aus­drück­lich wei­te­re Maß­nah­men” vor – etwa einen Aus­rei­se­stopp für Sai­son­be­schäf­tig­te. Wenn die drin­gend benö­tig­ten Arbeits­kräf­te in Deutsch­land nicht sicher arbei­ten könn­ten, soll­ten sie also in ihren Hei­mat­staa­ten blei­ben, so die Bot­schaf­ten der betrof­fe­nen Län­der. Am Mon­tag muss­ten in Buka­rest die Minis­te­rin für Arbeit, Vio­le­ta Alex­an­dru, sowie Außen­mi­nis­ter Bog­dan Aures­cu vor einem Son­der­aus­schuss im rumä­ni­schen Senat Rede und Ant­wort ste­hen und über Maß­nah­men in Bezug auf die Lage rumä­ni­scher Sai­son­ar­bei­ter in Deutsch­land und der EU berich­ten. (…) Auf poli­ti­scher Ebe­ne scheint sich also end­lich etwas zu bewe­gen. Auf den Fel­dern und in den Sam­mel­un­ter­künf­ten kom­men aber kaum Infor­ma­tio­nen an. Danie­la Reim, die schon seit Jah­ren mobi­le Beschäf­tig­te berät, hat zur­zeit gro­ße Schwie­rig­kei­ten, die Men­schen zu errei­chen. Im DW-Gespräch erzählt sie über eine oft tota­le Abhän­gig­keit der Sai­son­ar­bei­ter von ihrem Arbeit­ge­ber, über Fäl­le, in denen den Arbei­tern die Aus­wei­se abge­nom­men wer­den, über extrem lan­ge Arbeits­zei­ten (bis 14 Stun­den, 7 Tage die Woche), über feh­len­de Kran­ken­ver­si­che­run­gen, über Bezah­lung im Akkord, über viel zu hohe Kos­ten für Unter­kunft und Ver­pfle­gung. Sogar über ein­sei­tig zu bezah­len­de über­teu­er­te Flug­ti­ckets weiß sie zu berich­ten. (…) Bund und Län­der haben letz­ten Frei­tag zuge­si­chert, den Gesund­heits- und Arbeits­schutz von aus­län­di­schen Sai­son­ar­beits­kräf­ten in der Land­wirt­schaft künf­tig bes­ser zu kon­trol­lie­ren.” Bei­trag von Ali­na Küh­nel vom 11.05.2020 bei der Deut­schen Wel­le externer Link
  • Spar­gel­bau­ern und Coro­na: Wie vie­le rumä­ni­sche Ern­te­hel­fer aus­ge­beu­tet wer­den 
    Zunächst war das Geschrei der Land­wir­te groß, als die Ern­te­hel­fer aus Ost­eu­ro­pa aus­blie­ben. Inzwi­schen sind mehr als 10.000 von ihnen gekom­men, hel­fen bei der Spar­gel­ern­te. Doch nach drei Wochen hagelt es Beschwer­den, bekla­gen sich vie­le mas­siv über die Arbeits­be­din­gun­gen. Nach Recher­chen von REPORT MAINZ ist der Frust bei etli­chen Ern­te­hel­fern groß. Sie sei­en, so erzäh­len sie, mit gro­ßen Ver­spre­chen nach Deutsch­land gekö­dert wor­den. Der deut­sche Min­dest­lohn soll­te gezahlt wer­den. Hier ange­kom­men erfah­ren vie­le, dass sie nach der Kilo­men­ge Spar­gel bezahlt wer­den sol­len, die sie aus dem Acker holen. Damit errei­chen sie aber nicht den Min­dest­lohn. Ande­re Land­wir­te stel­len anders als ver­ein­bart die Flug­kos­ten von Rumä­ni­en nach Deutsch­land in Rech­nung. Wie­der ande­re haben Ern­te­hel­fer, die sich wei­ger­ten die­se Arbeits­be­din­gun­gen zu akzep­tie­ren, ein­fach auf die Stra­ße gesetzt. Der Redak­ti­on lie­gen Bei­spie­le aus meh­re­ren Bun­des­län­dern vor. REPORT hat den Arbeits­recht­ler Prof. Peter Schü­ren von der Uni­ver­si­tät Müns­ter zu den Vor­gän­gen befragt. Er for­dert Kon­se­quen­zen, ins­be­son­de­re eine strik­te Arbeits­zeit­er­fas­sung…” Text und Video des Bei­trags von Alex­an­der Büh­ler, Ulrich Neu­mann und Edgar Ver­he­yen in der REPORT MAINZ-Sen­dung vom 5.5.2020 externer Link
    • Sie­he auch: Spar­gel-Ern­te­hel­fer aus Rumä­ni­en
      Früh­lings­zeit ist Spar­gel­zeit – auch in Zei­ten von Coro­na. Damit das wei­ße Gold auch die­ses Jahr auf unse­ren Tischen lan­det, wer­den tau­sen­de Ern­te­hel­fer mit Son­der­flü­gen aus Rumä­ni­en nach Deutsch­land gebracht. Doch wie steht es um gel­ten­de Hygie­ne- und Qua­ran­tä­ne­re­geln in den Unter­künf­ten und auf dem Spar­gel­feld?Video des Bei­trags von Mat­thi­as Fuchs vom 06.05.2020 beim WDR externer Link
  • Ern­te­hel­fer bekla­gen Arbeits­be­din­gun­gen auf Spar­gel­hof in Schwa­ben /​Von media­len Blitz­lich­tern und einer Minis­te­rin, die für Land­wir­te alle Regis­ter zieht 
    • Ern­te­hel­fer bekla­gen Arbeits­be­din­gun­gen auf Spar­gel­hof in Schwa­ben
      Unter Auf­la­gen dür­fen Ern­te­hel­fer wie­der ein­rei­sen. Nach Recher­chen des BR ist es auf einem Spar­gel­hof in Schwa­ben nicht nur zu Ver­stö­ßen gegen den Gesund­heits­schutz gekom­men. Der Betrieb hat­te außer­dem Aus­wei­se eini­ger Arbei­ter ein­be­hal­ten. “Weder dort, wo die Unter­künf­te waren, noch dort, wo die Essens­aus­ga­be war, konn­ten wir den Abstand hal­ten. Wir stan­den Schlan­ge, kleb­ten prak­tisch anein­an­der”, sagt Valen­tin. Er, sei­ne Freun­din Anka und Kol­le­ge Dorin* haben bis vor Kur­zem in Schwa­ben auf einem Spar­gel- und Erd­beer­hof gear­bei­tet. Anka, Valen­tin und Dorin – das sind nicht ihre rich­ti­gen Namen. Sie wol­len anonym über die Miss­stän­de berich­ten, die sie auf dem Spar­gel­hof erlebt haben. Sie sind nur drei von fünf ehe­ma­li­gen Arbei­tern, mit denen der BR gespro­chen hat. estärkt wer­den ihre Aus­sa­gen durch Fotos und Vide­os, die dem BR zuge­spielt wur­den: Sie zei­gen, wie dicht gedrängt Arbei­ter etwa bei der Essens­aus­ga­be und vor dem betriebs­ei­ge­nen Kiosk ste­hen, der ein­zi­gen Mög­lich­keit für vie­le Arbei­ter, Lebens­mit­tel zu kau­fen. (…) Ein wei­te­rer Kri­tik­punkt der Ern­te­hel­fer, mit denen der BR gespro­chen hat: Die Aus­wei­se wur­den meh­re­re Tage, teil­wei­se sogar Wochen ein­be­hal­ten. Dorin sagt dazu: “Ich bekam mei­nen Aus­weis erst wie­der, als ich gegan­gen bin.” Der Betrieb weist den Vor­wurf in sei­nem Schrei­ben grund­sätz­lich zurück, räumt aber ein, er habe die Aus­wei­se für weni­ge Tage zum Daten­ab­gleich mit den Sozi­al­ver­si­che­run­gen ein­be­hal­ten: “Wegen der Coro­na-Kri­se (…) kann sich der Pro­zess bei man­chen Ern­te­hel­fern even­tu­ell etwas ver­zö­gert haben.” Sevg­hin Mayr vom gewerk­schafts­na­hen Pro­jekt Fai­re Mobi­li­tät fin­det die­ses Vor­ge­hen bedenk­lich: “Der Arbeit­ge­ber kann damit mehr Macht aus­üben und dadurch die Arbei­ter von ihm sehr abhän­gig machen.” Erschwe­rend hin­zu kom­me, dass nicht geklärt sei, wie die­se Men­schen zurück­rei­sen könn­ten, wenn der Arbeits­ver­trag vor­zei­tig auf­ge­löst wer­de, so Mayr…” Bei­trag vom 30.04.2020 bei BR24 externer Link
    • Was ist eigent­lich aus den rumä­ni­schen Ern­te­hel­fern gewor­den, die zur Ret­tung des deut­schen Spar­gels ein­ge­flo­gen wur­den? Von media­len Blitz­lich­tern und einer Minis­te­rin, die für Land­wir­te alle Regis­ter zieht
      “… Die Ermitt­lun­gen wegen des Todes eines mit dem Coro­na­vi­rus infi­zier­ten Ern­te­hel­fers aus Rumä­ni­en sind ein­ge­stellt wor­den, die Staats­an­walt­schaft Frei­burg kann „kei­ner­lei Anhalts­punk­te für ein straf­ba­res Ver­hal­ten, auch nicht für den Tat­vor­wurf der unter­las­se­nen Hil­fe­leis­tung“ erken­nen, so Jost Mau­rin in sei­nem Arti­kel Kei­ne unter­las­se­ne Hil­fe­leis­tung. Eine beson­ders wich­ti­ge Rol­le unter den­je­ni­gen, die über­haupt noch hin­schau­en und zugleich Hil­fe­stel­lung anbie­ten, spielt die Bera­tungs­stel­le „Fai­re Mobi­li­tät“ des DGB. Die sind bei­spiels­wei­se der­zeit an den Flug­hä­fen, wenn die Lie­fe­run­gen mit rumä­ni­schen Sai­son­ar­bei­tern ankom­men. Sie ver­tei­len dort dann Infor­ma­ti­ons­ma­te­ri­al und vor allem Hot­line-Num­mern, über die sich die Betrof­fe­nen Hil­fe orga­ni­sie­ren kön­nen. Auch am Tag der Arbeit 2020 lan­de­ten erneut ost­eu­ro­päi­sche Arbeits­kräf­te in Deutsch­land (…) Einer­seits »sind vie­le Fra­gen offen: Etwa, wenn eine Sei­te das Arbeits­ver­hält­nis auf­lö­sen will, kann der Hof dann ver­las­sen oder der Arbeit­ge­ber gewech­selt wer­den? Wer bezahlt eigent­lich die Rück­rei­se?« Zum ande­ren: »So hat in einem Fall in Nie­der­sach­sen das zustän­di­ge Gesund­heits­amt fest­ge­stellt, dass die Qua­ran­tä­ne­be­din­gun­gen nicht ein­ge­hal­ten wur­den. Dar­auf­hin for­der­te es den Bau­ern auf, die­se kurz­fris­tig zu ver­bes­sern, sonst wür­de man die Sai­son­kräf­te woan­ders hin ver­mit­telt. Hier war das Gesund­heits­amt hin­ter­her und wur­de dadurch zum Arbeits­ver­mitt­ler. Man merkt an sol­chen Punk­ten deut­lich: Es gibt kein zu Ende gedach­tes Kon­zept für die gan­ze Kon­struk­ti­on. Der Druck der Land­wirt­schafts­lob­by war so groß, dass schnell eine Lösung gesucht wer­den muss­te. Jetzt kann man im Sin­ne der Beschäf­tig­ten, die hier­her­kom­men, nur hof­fen, dass es nicht ganz so schlimm kommt.« Und Schnell­schuss-Kon­zep­te füh­ren in der Regel zu zahl­rei­chen Fol­ge­pro­ble­men. John nennt ein wei­te­res Bei­spiel: »Die Land­wir­te sol­len die Leu­te in den ers­ten 14 Tagen voll ver­sor­gen. Bei uns haben sich Beschäf­tig­te dar­über beschwert, dass sie wäh­rend die­ser Zeit in extra für sie ein­ge­rich­te­ten Hof­lä­den mit über­höh­ten Prei­sen ein­kau­fen müs­sen. Was dann dazu geführt hat, dass die Leu­te die Höfe ver­las­sen haben, um selbst ein­zu­kau­fen. Das ruft wie­der­um Unru­he bei der Bevöl­ke­rung in der Umge­bung her­vor, hier geht die Angst vor den »infi­zier­ten Aus­län­dern« um.«…” Bei­trag vom 1. Mai 2020 von und bei Ste­fan Sell externer Link
  • Covid-19 in Bir­ken­feld: Mehr als 200 rumä­ni­sche Arbei­ter in Schlacht­hof infi­ziert /​Wit­ten­ber­ger Betrieb hält Qua­ran­tä­ne­vor­schrif­ten für Ern­te­mit­ar­bei­ter nicht ein 
    • Covid-19 in Bir­ken­feld: Mehr als 200 rumä­ni­sche Arbei­ter in Schlacht­hof infi­ziert
      Hun­der­te Arbei­ter eines Schlacht­ho­fes in Bir­ken­feld sind laut der Regie­rung in Buka­rest posi­tiv auf das Coro­na­vi­rus getes­tet wor­den. Rund 500 der Beschäf­tig­ten dort sind Rumä­nen. Mehr als 200 rumä­ni­sche Arbei­ter eines Schlacht­hofs im baden-würt­tem­ber­gi­schen Bir­ken­feld haben sich nach Anga­ben der Regie­rung in Buka­rest mit dem Coro­na­vi­rus infi­ziert. Bei ihnen hand­le es sich nicht um Sai­son­ar­bei­ter, son­dern um Beschäf­tig­te von Sub­un­ter­neh­men des deut­schen Fleisch­be­triebs, teil­te das Außen­mi­nis­te­ri­um am Diens­tag mit. Ins­ge­samt sei­en in dem Schlacht­hof 500 Rumä­nen beschäf­tigt. Neben den Rumä­nen sei­en noch rund hun­dert wei­te­re dor­ti­ge Arbei­ter posi­tiv auf das Coro­na­vi­rus getes­tet wor­den, teil­te das Minis­te­ri­um fer­ner unter Beru­fung auf Anga­ben deut­scher Behör­den mit. Alle Infi­zier­ten befän­den sich in Qua­ran­tä­ne. Die meis­ten hät­ten kei­ne oder nur leich­te Sym­pto­me…” Agen­tur­mel­dung vom 29.04.2020 bei t‑online externer Link
    • Wit­ten­ber­ger Betrieb hält Qua­ran­tä­ne­vor­schrif­ten für Ern­te­mit­ar­bei­ter nicht ein
      “… Wegen des Infek­ti­ons­schut­zes dür­fen Sai­son­ar­bei­ter nach gel­ten­den Coro­na-Schutz­auf­la­gen nur ange­mel­det und mit dem Flug­zeug ein- und aus­rei­sen. Bau­ern kla­gen des­we­gen über enor­me Mehr­kos­ten. Doch bei der Wit­ten­berg Gemü­se GmbH kom­men regel­mä­ßig neue Mit­ar­bei­ter per Auto oder Bus aus Polen an. Ver­kaufs­lei­ter Kevin van Ijpe­ren begrün­det das so: “Die pol­ni­sche Gren­ze nach Deutsch­land ist noch offen.” Und er erklärt “exakt” auch, dass jede Woche neue Leu­te hin­zu­kom­men wür­den. Mög­lich ist das, weil die Wit­ten­ber­ger Gemü­se GmbH ihren Mit­ar­bei­tern unbe­fris­te­te Ver­trä­ge aus­stellt. Somit gel­ten sie nicht als Sai­son­ar­beits­kräf­te – und ihre Ein­rei­se muss nicht ange­mel­det wer­den. Aller­dings müss­ten die­se Mit­ar­bei­ter nach ihrer Ankunft 14 Tage in Qua­ran­tä­ne, um sich und ande­re vor Infek­tio­nen zu schüt­zen. Im Betrieb neh­men sie jedoch sofort nach Ankunft ihre Tätig­keit auf. Das Unter­neh­men gibt das Ver­säum­nis gegen­über “exakt” auf Nach­fra­ge zu. Die Exis­tenz und Gel­tung der Qua­ran­tä­ne­ver­ord­nung sei dem Unter­neh­men bis jetzt nicht bekannt gewe­sen. Man ord­ne für neu ein­rei­sen­de Mit­ar­bei­ter ab sofort eine ent­spre­chen­de Qua­ran­tä­ne an. (…) In der Unter­kunft des Gemü­se­be­triebs woh­nen etwa 250 Per­so­nen. Dami­an, ein Ern­te­mit­ar­bei­ter aus Polen, erklärt “exakt”, er habe nicht erlebt, dass Arbei­ten und Woh­nen in klei­nen Teams pas­siert. Alle könn­ten sich frei auf dem Gelän­de und in der Stadt bewe­gen. In den Zim­mern wür­den bis zu vier Per­so­nen leben. (…) Oskar Brab­an­ski vom Gewerk­schafts­pro­jekt “Fai­re Mobi­li­tät” sieht die Ver­ant­wor­tung jedoch bei den Betrie­ben: “Sich in einer Grup­pen­un­ter­kunft in häus­li­che Qua­ran­tä­ne zu bege­ben, ist für die Mit­ar­bei­ter unmög­lich. Als Arbeit­ge­ber die Augen davor zu ver­schlie­ßen und die Ver­ant­wor­tung auf den Arbeit­neh­mer zu schie­ben, ist welt­fremd und ver­ant­wor­tungs­los.” Das DGB-Pro­jekt “Fai­re Mobi­li­tät” setzt sich ein für die Rech­te mobi­ler Arbeit­neh­mer in Euro­pa. …“ Bei­trag und Video vom 25.04.202 bei mdr aktu­ell externer Link
  • Man­geln­der Gesund­heits­schutz, Iso­la­ti­on und kein Lohn: Rumä­ni­sche Ern­te­hel­fer im Spree­wald /​Gesund­heits­amt kon­trol­liert Betrie­be: Ern­te­hel­fer nicht aus­rei­chend geschützt /​IG BAU: Bun­des­mi­nis­te­rin Klöck­ner setzt fal­sche Prio­ri­tä­ten 
    • Man­geln­der Gesund­heits­schutz, Iso­la­ti­on und kein Lohn: Rumä­ni­sche Ern­te­hel­fer im Spree­wald
      Auf­grund schlech­ter Arbeits- und Hygie­ne­be­din­gun­gen ver­lie­ßen 15 rumä­ni­sche Erntehelfer*innen am gest­ri­gen Don­ners­tag einen Spar­gel­hof im Spree­wald. Sie wur­den vor Ort von Berater*innen der Fach­stel­le Migra­ti­on und Gute Arbeit Bran­den­burg sowie des Ber­li­ner Bera­tungs­zen­trums für Migra­ti­on und Gute Arbeit BEMA unter­stützt. Die Män­ner und Frau­en durf­ten den Hof in den ver­gan­ge­nen 14 Tage außer für die Arbeit auf den Fel­dern auf­grund der Qua­ran­tä­ne­vor­ga­ben nicht ver­las­sen. Sie hat­ten sich wegen hohen Akkord­vor­ga­ben und Lohn­ab­zü­gen beim Arbeit­ge­ber beschwert. Unter ande­rem bekla­gen sie, dass ihnen die Flug­kos­ten in Höhe von 300 Euro vom Lohn abge­zo­gen wer­den sol­len. Sie berich­te­ten zudem von unzu­rei­chen­dem Gesund­heits­schutz für die Beschäf­tig­ten. So habe es auf dem Feld kei­ne Mög­lich­kei­ten zum Hän­de­wa­schen gege­ben, auch nicht vor dem täg­li­chen Mit­tag­essen, wel­ches eben­falls auf dem Feld ein­ge­nom­men wur­de. Des­in­fek­ti­ons­mit­tel stan­den ledig­lich in der Unter­kunft zur Ver­fü­gung. Sie hat­ten kei­ne Mög­lich­keit, selbst Lebens­mit­tel zu kau­fen, da sie das Betriebs­ge­län­de nicht ver­las­sen durf­ten. Ihren Lohn haben sie noch nicht aus­be­zahlt bekom­men. Die Arbeiter*innen kon­tak­tier­ten schließ­lich die rumä­ni­sche Bot­schaft, wel­che ihrer­seits den Zoll sowie das Lan­des­amt für Arbeits­schutz, Ver­brau­cher­schutz und Gesund­heit um Über­prü­fung des Arbeit­ge­bers bat. „Der Fall macht deut­lich, dass Arbeits­rech­te und Gesund­heits­schutz aktu­ell auf der Stre­cke blei­ben. Es ist pro­ble­ma­tisch, dass die Arbeiter*innen der­art abhän­gig sind von ihrem Arbeit­ge­ber sind, näm­lich bei Unter­kunft, Ver­pfle­gung, Gesund­heit sowie Ein- und Aus­rei­se. Wenn sie kün­di­gen wol­len – z.B. auf­grund von schlech­ten Arbeits- oder Unter­kunfts­be­din­gun­gen – haben sie kaum eine Mög­lich­keit vom Betriebs­ge­län­de weg­zu­kom­men und in ihre Hei­mat­län­der zu gelan­gen“, kri­ti­siert der Lei­ter des Fach­be­reichs Migra­ti­on und Gute Arbeit bei ARBEIT UND LEBEN DGB-VHS Ber­lin-Bran­den­burg, Dr. Phil­ipp Schwert­mann. (…)Ins­ge­samt bestä­tigt sich der Ein­druck, dass die im Kon­zept von BMI und BMEL zur Ein­rei­se von Sai­son­ar­beits­kräf­ten fest­ge­leg­ten Maß­nah­men zwar den Infek­ti­ons­schutz der deut­schen Bevöl­ke­rung im Blick haben, Arbeits­rech­te und Gesund­heits­schutz der Arbeiter*innen aber deut­lich zu kurz kom­men…”  Pres­se­mit­tei­lung vom 24.04.2020 vom Fachbereich„Migration und Gute Arbeit“ bei ARBEIT UND LEBEN – DGB/​VHS Ber­lin-Bran­den­burg externer Link, sie­he dazu:
      • Krach mit Ern­te­hel­fern
        Im Spree­wald gibts Stunk auf den Spar­gel­fel­dern. Ein Land­wirt hat sich da mit eini­gen sei­ner Ern­te­hel­fer ver­kracht. Es steht Aus­sa­ge gegen Aus­sa­ge. Und jetzt wol­len die Ern­te­hel­fer ein­fach nur noch weg. Was aber nicht geht…” Bei­trag von Kon­stan­ze Schir­mer 23.04.2020 in Bran­den­burg aktu­ell bei rbb externer Link – die Bericht­erstat­tung des RBB ist lei­der sehr ten­den­zi­ös und spie­gelt v.a. die Sicht des AG wider. Die angeb­li­chen Strei­tig­kei­ten unter den Ern­te­kräf­ten sind dadurch bedingt, dass der Bau­er eine ver­län­ger­te Qua­ran­tä­ne für alle Ern­te­hel­fer mit der Auf­säs­sig­keit der Grup­pe begrün­det hat.
    • Spar­gel­hof Paul erfüllt Vor­schrif­ten nicht – Gesund­heits­amt kon­trol­liert Betrie­be: Ern­te­hel­fer nicht aus­rei­chend geschützt
      Trotz der Coro­na-Schutz­re­ge­lun­gen für Ern­te­hel­fer kommt es Pres­se­be­rich­ten zufol­ge bun­des­weit zu Ver­stö­ßen gegen all­ge­mein gel­ten­de Regeln des Gesund­heits­schut­zes. So auch in Hoyer­ha­gen auf dem Spar­gel­hof Paul. Der Land­kreis Nien­burg hat ges­tern eine Stel­lung­nah­me zur Kon­trol­le die­ses Spar­gel­hofs ver­öf­fent­licht und nimmt dar­in Bezug auf die erho­be­nen Vor­wür­fe gegen Betrei­ber Diet­rich Paul, der bei­na­he drei Jahr­zehn­te Vor­sit­zen­der der nie­der­säch­si­schen Ver­ei­ni­gung der Spar­gel­bau­ern war. (…) Auf dem Hof Paul gab es laut Aus­sa­ge des Land­krei­ses am 22. April Unstim­mig­kei­ten zu den Punk­ten Ent­loh­nung und Ver­pfle­gung zwi­schen dem Land­wirt und 20 Ern­te­hel­fern aus Rumä­ni­en. Auch die Poli­zei sei im Ein­satz gewe­sen. „In einem dies­be­züg­li­chen Tele­fo­nat wur­de der Land­wirt erneut aus­führ­lich über die Qua­ran­tä­ne-Vor­schrif­ten und sei­ne Pflich­ten hin­sicht­lich der Ver­pfle­gung und Unter­brin­gung der Ern­te­hel­fer auf­ge­klärt und dar­auf hin­ge­wie­sen, dass die­se ein­zu­hal­ten sei­en“, klärt die Pres­se­stel­le des Land­krei­ses Nien­burg auf. Bereits einen Tag spä­ter, am 23. April, sei­en wei­te­re Beschwer­den bezüg­lich der Unter­brin­gung und der man­geln­den Ver­pfle­gung ein­ge­gan­gen. „Die Kon­trol­le durch zwei Hygie­ne­auf­se­her des Land­krei­ses Nien­burg im Bei­sein der Poli­zei am glei­chen Tag ergab, dass die Qua­ran­tä­ne-Vor­schrif­ten nicht erfüllt waren“, heißt es in dem Schrei­ben des Land­krei­ses. Dazu zähl­ten unter ande­rem die Unter­brin­gung und Ver­pfle­gung auf dem Hof, die Beach­tung und Umset­zung der im Rah­men der Coro­na-Kri­se not­wen­di­gen Hygie­ne­maß­nah­men und die Zur­ver­fü­gung­stel­lung der umfas­sen­den Infor­ma­ti­on für die Ern­te­hel­fer in den jewei­li­gen Lan­des­spra­chen. Der Land­kreis habe für die­se Infor­ma­tio­nen die not­wen­di­gen fremd­spra­chi­gen Infor­ma­ti­ons­blät­ter zur Ver­fü­gung gestellt. Hin­sicht­lich des Bus­trans­fers sei der Land­wirt im Vor­feld über die zu tref­fen­den Maß­nah­men – Abstands­re­gel, Mas­ken et cete­ra – infor­miert und instru­iert wor­den. …“ Bei­trag bei blick­punkt Land­kreis Nien­burg vom 24.4.2020 externer Link
    • Lücken­haf­ter Infek­ti­ons­schutz bei Ern­te­hel­fern – IG BAU: Bun­des­mi­nis­te­rin Klöck­ner setzt fal­sche Prio­ri­tä­ten
      “Die Agrar­ge­werk­schaft IG BAU for­dert für Sai­son­kräf­te jeder­zeit die Mög­lich­keit, Ver­stö­ße gegen Hygie­ne­vor­schrif­ten auch in ihrer Mut­ter­spra­che zu mel­den und sich über ihre Rech­te zu infor­mie­ren. Hier­für besteht bereits ein Hot­line-Ange­bot der Gewerk­schaf­ten. Es ist Auf­ga­be der öffent­li­chen Ver­wal­tung sicher­zu­stel­len, dass die Betrof­fe­nen bereits bei ihrer Anrei­se die­se Info-Mög­lich­keit ken­nen. „Es müs­sen viel mehr Kon­trol­len der Hygie­ne­vor­schrif­ten als bis­her statt­fin­den – im Inter­es­se aller Beschäf­tig­ten in der Land­wirt­schaft wie auch im Inter­es­se der All­ge­mein­heit. Die aktu­el­le Pra­xis, erst ein­mal Tau­sen­de Sai­son­kräf­te ein­zu­flie­gen und es fast aus­schließ­lich den Betrie­ben zu über­las­sen, ob und wie der Infek­ti­ons­schutz ein­ge­hal­ten wird, ist ver­ant­wor­tungs­los“, sag­te der Stell­ver­tre­ten­de IG BAU-Bun­des­vor­sit­zen­de Harald Schaum. Er ergänz­te: „Die Finanz­kon­trol­le Schwarz­ar­beit, Gesund­heits­äm­ter und Gewer­be­auf­sicht müs­sen in einem durch­ge­hen­den Kon­troll­netz jeden Ver­stoß und Miss­brauch fest­stel­len und ahn­den. Bereits im Vor­feld der Anrei­se müs­sen Fra­gen zur Bezah­lung der Heim­rei­sen, der Lohn­zah­lung bei Erkran­kung sowie der Zugang der IG BAU oder ande­rer Arbeit­neh­mer­or­ga­ni­sa­tio­nen zu Unter­künf­ten und Fel­dern geklärt sein. Eine Info-Hot­line für Ern­te­hel­fer in ihrer Mut­ter­spra­che des Pro­jekts Fai­re Mobi­li­tät, muss durch staat­li­che Stel­len schon bei der Anrei­se bekannt gemacht wer­den. Bun­des­land­wirt­schafts­mi­nis­te­rin Julia Klöck­ner wie auch der Deut­sche Bau­ern­ver­band set­zen fal­sche Prio­ri­tä­ten, wenn sie zum Schutz der Betrie­be den Schutz der Ern­te­hel­fer schlei­fen las­sen. Sie neh­men zudem für die Betrie­be, die sich an die ver­schärf­ten Hygie­ne­be­stim­mun­gen hal­ten, gra­vie­ren­de Wett­be­werbs­nach­tei­le gegen­über den unsau­ber arbei­ten­den Betrie­ben in Kauf. Es ist auch zu hin­ter­fra­gen, ob die Auf­ga­be der Ver­mitt­lung beim Bau­ern­ver­band rich­tig ange­sie­delt ist oder nicht bes­ser über die Bun­des­agen­tur für Arbeit orga­ni­siert wer­den soll­te. Denn die Arbeits­ver­mitt­lung ist ihre urei­ge­ne Auf­ga­be. Die Bun­des­agen­tur ist erfah­ren im Umgang mit Regel­ver­stö­ßen und hat schon in frü­he­ren Fäl­len Betrie­be auf die Ver­mitt­lungs­sperr­lis­te gesetzt, die gegen Bestim­mun­gen ver­sto­ßen haben. Beim Bau­ern­ver­band sehen wir für sol­che Sank­ti­ons­maß­nah­men kei­ne Anzei­chen.“ Auf die bestehen­den Gefah­ren weist die IG BAU das Bun­des­land­wirt­schafts­mi­nis­te­ri­um seit Wochen hin. Bis­her ohne eine ange­mes­se­ne Reak­ti­on. Bun­des­mi­nis­te­rin Julia Klöck­ner zieht viel­mehr alle Regis­ter, um Bau­ern zu Las­ten der Ern­te­hel­fer groß­zü­gi­ge Geschen­ke zu machen. So wirbt sie inzwi­schen unter fal­scher Flag­ge für eine noch grö­ße­re Aus­wei­tung des Sozi­al­ver­si­che­rungs­pri­vi­legs der Bau­ern. Die ursprüng­lich nur für 70 Tage gel­ten­de Befrei­ung von Sozi­al­ab­ga­ben für Ern­te­hel­fer wur­de wegen der Coro­na-Kri­se bereits auf 115 Tage ver­län­gert. Laut Klöck­ner reicht das nicht und soll des­halb bald 180 Tage betra­gen. Die Minis­te­rin ver­brei­tet dabei irre­füh­rend, es gehe um eine maxi­ma­le Auf­ent­halts­dau­er. Das ist falsch, weil für hier arbei­ten­de EU-Bür­ger ein unbe­grenz­tes Auf­ent­halts­recht gilt. Für betrof­fe­ne Beschäf­tig­te hat der feh­len­de Sozi­al­ver­si­che­rungs­schutz aber größ­te Nach­tei­le wie etwa bei einer Erkran­kung oder bei Inva­li­di­tät.“ IG BAU-Pres­se­mit­tei­lung vom 24.04.2020 externer Link
  • “Reni­ten­te” Ern­te­hel­fer ent­las­sen und “vom Hof gejagt” – “fri­sche” auf dem Weg aus Rumä­ni­en nach Deutsch­land – Die Ern­te ist sicher – nur die Ern­te­hel­fer nicht 
    • Ern­te­hel­fer auf dem Weg nach Deutsch­land
      Trotz des Risi­kos sich auf der Rei­se, oder in Deutsch­land mit Coro­na zu infi­zie­ren, machen sich Rumä­nen der­zeit auf den Weg nach Deutsch­land. Sie wol­len hier als Ern­te­hel­fer arbei­ten, denn sie brau­chen drin­gend das Geld.” Video-Bei­trag vom 23.04.2020 beim ZDF externer Link – zum Hin­ter­grund Szabolcs Sep­si (DGB-Pro­jekt „Fai­re Mobi­li­tät – Arbeit­neh­mer­frei­zü­gig­keit sozi­al, gerecht und aktiv“, Bera­tungs­stel­le Dort­mund), der dar­in Inter­viewt wur­de: “an dem Fall sind wir seit meh­re­ren Tagen dran. Nach­dem eini­ge Men­schen aus Pro­test gegen die Unter­kunfts­be­din­gun­gen, gegen die Akkord­löh­ne und weil der Bau­er ihnen die Flug­kos­ten vom Lohn abzie­hen woll­te, die Arbeit ein­ge­stellt haben, hat ihnen der Arbeit­ge­ber das Essen vor­ent­hal­ten mit dem Argu­ment, dass nur die­je­ni­gen essen dürf­ten, die arbei­ten. Die haben dar­auf­hin meh­re­re Pro­test­vi­de­os auf Face­book ver­öf­fent­licht, die auch die rumä­ni­schen Medi­en erreicht haben ( https://​www​.media​fax​.ro/​e​c​o​n​o​m​i​c​/​r​o​m​a​n​i​i​-​p​l​e​c​a​t​i​-​l​a​-​c​u​l​e​s​-​d​e​-​s​p​a​r​a​n​g​h​e​l​-​i​n​-​g​e​r​m​a​n​i​a​-​s​-​a​u​-​r​e​v​o​l​t​a​t​-​a​c​u​z​a​-​f​e​r​m​a​-​d​e​-​t​e​a​p​a​-​s​i​-​c​e​r​-​a​j​u​t​o​r​-​v​i​d​e​o​-​1​9​0​9​1​565 externer Link) Heu­te wur­de ein Teil der Ern­te­hel­fer ent­las­sen und “vom Hof gejagt”, die sind dann zu Fuß, hung­rig und ohne Geld los­ge­lau­fen. Eigent­lich hät­ten die noch in Qua­ran­tä­ne blei­ben müs­sen, da sie erst seit 5 Tagen in Deutsch­land sind. Nach­dem unse­re Olden­bur­ger Bera­tungs­stel­le und die IG BAU die Behör­den alar­miert haben, kon­trol­lier­te das Gesund­heits­amt und die Poli­zei den Betrieb. Nun wur­den auch die gekün­dig­ten Men­schen wie­der auf­ge­fun­den. Die soll­ten nun ihre Qua­ran­tä­ne woan­ders ver­brin­gen und danach zurück nach Rumä­ni­en geflo­gen wer­den.”
    • Die Ern­te ist sicher – nur die Ern­te­hel­fer nicht
      Trotz der Coro­na-Schutz­re­ge­lun­gen für Ern­te­hel­fer (“Sai­son-Arbeits­kräf­te”) kommt es zu Ver­stö­ßen gegen all­ge­mein gel­ten­de Regeln des Gesund­heits­schut­zes. Nach Pan­ora­ma-Recher­chen wer­den Ern­te­hel­fer in gro­ßen Betrie­ben, etwa in Rhein­land-Pfalz, wei­ter­hin in Grup­pen von 40 bis 70 Per­so­nen in einem Anhän­ger vom Hof zu den Fel­dern trans­por­tiert. Dabei tra­gen sie offen­bar kei­ne Mas­ken. Arbeits­grup­pen haben eine Grö­ße von bis zu 45 Per­so­nen. Vie­le Ern­te­hel­fer schla­fen auch auf zu engem Raum. Eigent­lich sol­len laut Hygie­neschutz­be­stim­mun­gen Zim­mer nur halb belegt wer­den. Ern­te­hel­fer schil­dern aber, dass sie wie in den Jah­ren zuvor in voll besetz­ten Mehr­bett­zim­mern in Wohn- Con­tai­ner schla­fen – Bett an Bett. Szabolcs Sep­si ist beim Deut­schen Gewerk­schafts­bund zustän­dig für Sai­son­ar­bei­ter und kri­ti­siert, es sei abseh­bar gewe­sen, dass eini­ge Land­wir­te die Vor­ga­ben nicht umset­zen wer­den: “Die Bedin­gun­gen auf den Fel­dern, so wie wir sie aus unse­rer jah­re­lan­gen Arbeit vor Ort ken­nen, eig­nen sich schlicht nicht dafür, sol­che Rege­lung ein­zu­hal­ten. Hier wird die Gesund­heit der Ern­te­hel­fer gefähr­det.” Doch Bun­des­land­wirt­schafts­mi­nis­te­rin Klöck­ner sieht nie­man­den in Gefahr: “Es kom­men Arbeit­neh­me­rin­nen und Arbeit­neh­mer, die frei ent­schei­den kön­nen, wo sie arbei­ten wol­len in Euro­pa, weil sie Geld ver­die­nen möch­ten.” (…) Vie­le Bau­ern inter­pre­tie­ren die Rege­lun­gen so, dass die Arbeits­grup­pen­be­schrän­kung und die hal­be Zim­mer­be­le­gung nicht für die 20.000 Ern­te­hel­fer gel­ten, die bereits vor dem 2. April nach Deutsch­land ein­ge­reist sind – und auch nicht mehr nach Ablauf der14 tägi­gen fak­ti­schen Qua­ran­tä­ne. So hat sich ein Regel-Cha­os gebil­det, das sich teil­wei­se von Land­kreis zu Land­kreis unter­schei­det. Das Gesund­heits­amt im Rhein-Pfalz-Kreis, wo sehr vie­le Ern­te­hel­fer ein­ge­setzt wer­den, emp­fiehlt den dor­ti­gen Betrie­ben die Hygie­ne­maß­nah­men auch län­ger und für alle Ern­te­hel­fer umzu­set­zen. Recht­lich bin­dend sind die Vor­ga­ben nach 14 Tagen offen­bar nicht mehr…” Bei­trag von Johan­nes Edel­hoff, Armin Ghas­sim, Fabi­en­ne Hurst vom 23.04.20 beim NDR externer Link, sie­he auch diess. bei tages​schau​.de: Ern­te­hel­fer in Deutsch­land: Lücken beim Coro­na-Schutz externer Link und die Reak­ti­on:
      • DGB for­dert bes­se­re Arbeits­be­din­gun­gen für Ern­te­hel­fer
        Ange­sichts aktu­el­ler Medi­en­be­rich­te über kata­stro­pha­le Arbeits­be­din­gun­gen bei Erntehelfer*innen in der Land­wirt­schaft sag­te Anne­lie Bun­ten­bach, DGB-Vor­stands­mit­glied, am Don­ners­tag in Ber­lin: „Arbeits­grup­pen mit bis zu 45 Per­so­nen, Unter­brin­gung in voll aus­ge­las­te­ten Mehr­bett­zim­mern, Mund-Nasen-Mas­ken meist Fehl­an­zei­ge – einen Toten gibt es schon. Jetzt muss Schluss sein mit dem ver­ant­wor­tungs­lo­sen Umgang mit aus­län­di­schen Erntehelfer*innen. Arbeits- und Land­wirt­schafts­mi­nis­te­ri­um ste­hen in der Pflicht, dafür zu sor­gen, dass die Erntehelfer*innen unter siche­ren Bedin­gun­gen nach Deutsch­land ein­rei­sen, hier ein­ge­setzt und unter­ge­bracht wer­den. Die­se Ver­ant­wor­tung kann nicht allei­ne den Land­wir­ten über­las­sen sein. Es braucht drin­gend kon­kre­te und ver­bind­li­che Vor­ga­ben zum Infek­ti­ons­schutz, die auch flä­chen­de­ckend kon­trol­liert wer­den. Das Land­wirt­schafts­mi­nis­te­ri­um hat­te ver­spro­chen, den Erntehelfer*innen Infor­ma­tio­nen zu unse­ren mut­ter­sprach­li­chen Hot­lines des Pro­jek­tes Fai­re Mobi­li­tät zu ver­tei­len. Das muss durch die öffent­li­che Ver­wal­tung jetzt auch gesche­hen. Unter den jet­zi­gen Bedin­gun­gen sind die Kolleg*innen in Sachen Lohn, Unter­kunft, Ver­pfle­gung, Ein- und Aus­rei­se sowie Gesund­heits­schutz voll­kom­men abhän­gig von ihrem Arbeit­ge­ber. Von einer Ver­hand­lungs­po­si­ti­on auf Augen­hö­he kann unter die­sen Umstän­den kei­ne Rede sein. Auch mit Blick auf das hohe Erkran­kungs­ri­si­ko in der Coro­na-Kri­se war die Aus­wei­tung der pre­kä­ren, kurz­fris­ti­gen Beschäf­ti­gung von 70 auf 115 Tage unver­ant­wort­lich. Aus­län­di­sche Saisonarbeiter*innen sind in der Regel nicht in Deutsch­land kran­ken­ver­si­chert. Erkran­ken sie wäh­rend des ers­ten Arbeits­mo­nats, haben sie nicht ein­mal ein Anspruch auf Lohn­fort­zah­lung oder Kran­ken­geld.“ PM vom 23.04.2020 externer Link
    • Ver­stor­be­ner Ern­te­hel­fer mit Coro­na: Ein Leben für den Spar­gel. Inzwi­schen sind laut Land­rats­amt vier Per­so­nen des Bad Kro­zin­ger Betriebs posi­tiv getes­tet wor­den. Geern­tet wird wei­ter.
      Die Bun­des­re­gie­rung hat mit Arbeits­kräf­ten aus Ost­eu­ro­pa die Spar­gel­ern­te gesi­chert. Nun ist ein rumä­ni­scher Ern­te­hel­fer nach einer Coro­na-Infek­ti­on gestor­ben. Ein Besuch beim Betrieb. (…) Dann wur­den die Wohn­con­tai­ner auf­ge­stellt, außer­halb des Ortes, auf dem Betriebs­ge­län­de zwi­schen den Fel­dern. Das Gelän­de in Bad Kro­zin­gen ist mit Zäu­nen, Sicht­schutz­pla­nen und meter­ho­hen Buchen­he­cken umge­ben, die Ein­gän­ge sind bewacht. Hin­ter einer Lager­hal­le und abge­ta­kel­ten Trans­por­tern sind Wohn­con­tai­ner in Rei­hen auf­ge­stellt, zwi­schen Wäsche­lei­nen sta­peln sich Müll­tü­ten. Der Betriebs­lei­ter refe­riert aus den Sicher­heits­be­stim­mun­gen des Innen­mi­nis­te­ri­ums. Er spricht von der obli­ga­to­ri­schen Qua­ran­tä­ne­zeit nach der Ankunft, von der Arbeit in Klein­grup­pen. Sogar in den alters­schwa­chen Bus­sen, die die Arbei­ter auf die Fel­der brin­gen, flat­tern Trenn­fo­li­en zwi­schen den Sitz­rei­hen. Lan­ge Zeit hat man sechs, sie­ben Leu­te in den grö­ße­ren Zim­mern unter­ge­bracht, sogar acht sei­en ja laut Arbeits­stät­ten­ver­ord­nung erlaubt, so der Ver­bands­spre­cher. Inzwi­schen habe der Betrieb das natür­lich ent­zerrt und mehr Con­tai­ner auf­ge­stellt. Zei­gen möch­te der Betriebs­lei­ter die Unter­kunft der Rumä­nen nicht. Und die Fotos von klapp­ri­gen Stock­bet­ten und spe­cki­gen Gas­ko­chern, die in rumä­ni­schen Zei­tun­gen und im Inter­net über sei­ne Unter­kunft kur­sie­ren? Da habe wohl irgend­wer irgend­wo was gese­hen. Er kön­ne nicht erken­nen, “dass die Fotos aus unse­ren Wohn­ein­rich­tun­gen stam­men”…” Repor­ta­ge von Nils Kla­wit­ter und Keno Verseck vom 22.04.2020 beim Spie­gel online externer Link
    • [Bun­des­mi­nis­te­ri­um für Ernäh­rung und Land­wirt­schaft] Ein­satz von Dritt­staats­an­ge­hö­ri­gen und Asyl­be­wer­bern als Ern­te­hel­fer
      “… Die Bun­des­agen­tur für Arbeit (BA) hat eine soge­nann­te Glo­bal­zu­stim­mung für den Ein­satz von Dritt­staats­an­ge­hö­ri­gen, Asyl­be­wer­bern und Gedul­de­ten als Hel­fer in der Land­wirt­schaft erteilt. Die Rege­lung gilt für den Zeit­raum vom 1. April bis 31. Okto­ber 2020. Mit der Glo­bal­zu­stim­mung kön­nen unbü­ro­kra­tisch wei­te­re Arbeits­kräf­te für die Sai­son­tä­tig­keit in der Land­wirt­schaft gewon­nen wer­den. Kon­kret geht es um eine befris­te­te deut­li­che Ver­fah­rens­er­leich­te­rung bei der Beschäf­ti­gungs­auf­nah­me. Die BA muss ihre Zustim­mung zur Arbeits­auf­nah­me nun nicht mehr in jedem Ein­zel­fall ertei­len. Die Arbeits­kräf­te kön­nen so schnel­ler ihre Beschäf­ti­gung in der Land­wirt­schaft auf­neh­men. (…) Das Bun­des­mi­nis­te­ri­um für Ernäh­rung und Land­wirt­schaft hat damit auch eine deut­li­che Ver­bes­se­rung für Dritt­staats­an­ge­hö­ri­ge erreicht, die bis­her im Hotel- und Gast­stät­ten­be­reich tätig waren. Per­so­nen aus Dritt­staa­ten, die der­zeit wegen der Schlie­ßung von Hotels und Restau­rants beschäf­ti­gungs­los sind, kön­nen ohne erneu­te Zustim­mung der Arbeits­agen­tur bis Ende Okto­ber 2020 eine Beschäf­ti­gung in der Land­wirt­schaft auf­neh­men.“ Pres­se­infor­ma­ti­on vom Bun­des­mi­nis­te­ri­um für Ernäh­rung und Land­wirt­schaft vom 22.04.2020 externer Link
    • Ern­te­ar­beit: Hohes Gesund­heits­ri­si­ko für eine Hand voll Euro
      Früh­lings­zeit ist Spar­gel­zeit. Doch vie­le Ern­te­hel­fer – meist aus Ost­eu­ro­pa – kön­nen kaum von ihrer Früch­te Arbeit leben. Lohn­dum­ping auf dem Feld ist ein belieb­tes Spiel unter Arbeit­ge­bern. Nicht lus­tig für die mobi­len Beschäf­tig­ten! Zudem sind sie einem erhöh­ten Coro­na-Risi­ko aus­ge­setzt, denn sie leben und arbei­ten unter kata­stro­pha­len hygie­ni­schen Zustän­den – und das nicht erst seit der Kri­se. Gesund­heits­schutz ver­bes­sern und raus aus dem Lohn­dum­ping, ist die Devi­se des #schlag­licht 16/​2020 aus Nie­der­sach­sen. (…) In Zei­ten des Coro­na-Shut­downs zeigt sich ein­mal mehr, wer wirk­lich unver­zicht­bar für die Gesell­schaft ist. Im Fall der Feld­ar­beit sind es näm­lich die mobi­len Beschäf­tig­ten. Das sind jene Arbeits­kräf­te, die aus dem Aus­land – meis­tens Ost­eu­ro­pa – nur für eine begrenz­te Zeit nach Deutsch­land und auch nach Nie­der­sach­sen kom­men, um jedes Jahr die Haupt­last bei der Ern­te zu tra­gen. Vie­len fehlt es aller­dings an den grund­le­gen­den Rechts- und Sprach­kennt­nis­sen für den deut­schen Arbeits­markt. Hier­durch sind sie im beson­de­ren Maße von Aus­beu­tung bedroht. Und die Arbeit­ge­ber nut­zen die­se Situa­ti­on immer wie­der leid­lich aus, indem sie den Beschäf­tig­ten mie­se Arbeits­be­din­gun­gen auf­zwin­gen. Doch damit nicht genug: Die Pan­de­mie setzt gera­de die mobi­len Ern­te­hel­fer einem hohen gesund­heit­li­chen Risi­ko aus. Denn die hygie­ni­schen Umstän­de, unter denen die Beschäf­tig­ten arbei­ten und leben müs­sen, waren schon vor dem Coro­na-Virus oft unter­ir­disch. (…) Oben­drein wer­den vie­le mobi­le Beschäf­tig­te für ihren Ein­satz nicht fair ent­lohnt und nur mit einer Hand voll Euro abge­speist. Zwar gilt der gesetz­li­che Min­dest­lohn, aber häu­fig fin­den die Arbeit­ge­ber in der Land­wirt­schaft krea­ti­ve Lösun­gen, um ihn zu umge­hen. Bei der an vier Stand­or­ten in Nie­der­sach­sen täti­gen Bera­tungs­stel­le für mobi­le Beschäf­tig­te der Bil­dungs­ver­ei­ni­gung ARBEIT UND LEBEN kön­nen sich die Betrof­fe­nen Hil­fe suchen. Bei jeder fünf­ten Bera­tung spielt das The­ma Lohn eine Rol­le (sie­he Gra­fik). Oft geht es hier näm­lich nicht mit rech­ten Din­gen zu, weil sich vie­le Arbeit­ge­ber bes­tens auf üble Trick­se­rei­en ver­ste­hen!...” schlag­licht 16/​2020 vom 23.04.2020 beim DGB Nie­der­sach­sen externer Link
    • Spar­gel­ste­chen in der Pan­de­mie. Zofia Nierod­zins­ka hat auf einem Spar­gel­hof gear­bei­tet – und revi­dier­te ihr Bild von Deutsch­land
      Vor neun Jah­ren, nach­dem ich mein Kunst­stu­di­um in Polen abge­schlos­sen hat­te, wel­ches mich zwar mit sym­bo­li­schen Res­sour­cen aus­ge­stat­tet hat, die sich jedoch nicht in wirt­schaft­li­che Mit­tel umset­zen lie­ßen, beschloss ich, nach Ber­lin zu zie­hen. Ich woll­te mein Erwach­se­nen­le­ben in einer Stadt begin­nen, die ich mit der Ach­tung der Min­der­hei­ten­rech­te, einer funk­tio­nie­ren­den Zivil­ge­sell­schaft, einer vibrie­ren­den Club- und Kunst­sze­ne und einer der bes­ten Street-Food-Kul­tu­ren ver­band. Ich glaub­te, dass die Euro­päi­sche Uni­on und offe­ne Gren­zen das Bes­te waren, was die Genera­ti­on mei­ner Eltern – die in der Soli­da­ri­täts­be­we­gung der 1980er Jah­re enga­giert war – erreicht hat­te. Für mich bedeu­te­te die von ihnen gewon­ne­ne Frei­heit die Mög­lich­keit, das nun­mehr freie Polen so schnell wie mög­lich zu ver­las­sen, weil die dort herr­schen­de katho­lisch-patri­ar­cha­le Men­ta­li­tät mit mei­nen Lebens­an­sich­ten unver­ein­bar war. Zumin­dest sah ich es damals so. Nach zwei Jah­ren begann ich das Post­gra­du­ier­ten­stu­di­um an der Uni­ver­si­tät der Küns­te. Neben­bei ver­dien­te ich mei­nen Lebens­un­ter­halt als Kell­ne­rin in einem deut­schen Cate­ring-Unter­neh­men, das mir den Min­dest­lohn von damals 8,50 Euro zahl­te. Von Ende März bis Ende Juni arbei­te­te ich zusam­men mit ande­ren Stu­den­ten aus der gan­zen Welt im Spar­gel­hof in Beelitz bei Ber­lin. Dort lern­te ich Wan­da, Rena­ta und Ewa ken­nen, die seit Jah­ren als Sai­son­ar­bei­te­rin­nen wäh­rend der Spar­gel­zeit in dem Dorf beschäf­tigt waren. Sie ver­dien­ten 3,50 Euro pro Stun­de nach Abzug der Kos­ten für die Unter­kunft in Mehr­per­so­nen-Con­tai­nern und für die Ver­pfle­gung. Ein Kilo­gramm Spar­gel kos­te­te damals etwa 9 Euro. Wan­da, Rena­ta und Ewa stam­men alle aus dem­sel­ben Dorf in den Ber­gen im Süden Polens. Sie sag­ten, dass sie wäh­rend der Sai­son so viel ver­die­nen kön­nen, dass sie fast ein hal­bes Jahr lang in Polen leben konn­ten und dass die Arbeit hart sei, jedoch sei die Zeit abseits ihrer Fami­li­en und Ehe­män­ner auch wert­voll. Die Frau­en arbei­te­ten in den Pro­duk­ti­ons­hal­len und in der Küche. Auf dem Spar­gel­hof fühl­te ich mich, als wäre ich in die Rea­li­tä­ten des frü­hen 20. Jahr­hun­derts zurück­ver­setzt wor­den…” Arti­kel von Zofia Nierod­zins­ka vom 21. April 2020 im ak online externer Link
  • [Bun­des­agrar­mi­nis­te­rin leug­net Coro­na-Tot] Beleg für Anga­be zu Ern­te­hel­fer­tod fehlt: Fal­sche Infos von Klöck­ner? 
    “… Bun­des­agrar­mi­nis­te­rin Julia Klöck­ner behaup­tet ohne Anga­ben von Quel­len, dass der in Baden-Würt­tem­berg gestor­be­ne Ern­te­hel­fer externer Link nicht an Covid-19 gestor­ben sei. In der ZDF-Talk­show von Mar­kus Lanz sag­te die CDU-Poli­ti­ke­rin über den ver­schie­de­nen Rumä­nen am Don­ners­tag­abend: „Was wir erfah­ren haben, ist, dass er nicht an Coro­na gestor­ben ist, son­dern nach einer Coro­na-Infek­ti­on. Er ist an einem Herz­in­farkt ver­stor­ben.“ Lanz frag­te Klöck­ner nicht, woher sie das weiß. Ihr Minis­te­ri­um ließ meh­re­re Fra­gen der taz nach der Quel­le und einem Beleg für die Behaup­tung unbe­ant­wor­tet. Das zustän­di­ge Gesund­heits­amt des Land­krei­ses Breis­gau-Hoch­schwarz­wald dage­gen wider­sprach Klöck­ner und teil­te der taz am Mon­tag mit, „dass Covid-19 ver­mut­lich dazu bei­getra­gen haben könn­te, dass der Mann ver­stor­ben ist“. Auch die Staats­an­walt­schaft Frei­burg, die sich mit dem Fall befasst, kennt die Ursa­che nicht. (…) Es wäre nicht das ers­te Mal, dass Klöck­ner durch fal­sche Behaup­tun­gen auf­fällt. Im Febru­ar demen­tier­te die Minis­te­rin, dass sie dafür gekämpft habe, Lebens­mit­tel­im­por­te mit beson­ders gefähr­li­chen, in der EU ver­bo­te­nen Pes­ti­zi­den zu ermög­li­chen. Ihre angeb­li­chen Bele­ge wur­den durch eine taz-Recher­che externer Link wider­legt.“ Arti­kel von Jost Mau­rin vom 20.04.2020 in der taz online externer Link
  • Wei­te­rer Coro­na-Fall auf Spar­gel­hof in Bad Kro­zin­gen /​IG Bau for­dert bes­se­ren Infek­ti­ons­schutz für Erntehelfer*innen 
    • IG Bau for­dert bes­se­ren Infek­ti­ons­schutz für Erntehelfer*innen
      “Weil auf­grund der Rei­se­ver­bo­te vie­le Sai­son­kräf­te fehl­ten, hat­te die Regie­rung Anfang die­ses Monats die Ein­rei­se von 80 000 Men­schen per Flug­zeug geneh­migt. „Mit ihrer Ent­schei­dung, Erntehelfer*innen ein­rei­sen zu las­sen, trifft die Regie­rung die vol­le Ver­ant­wor­tung für die Gesund­heit der hier ankom­men­den Men­schen. Sie hat zu Recht Min­dest­auf­la­gen zum Infek­ti­ons­schutz erlas­sen. Die­se Schutz­maß­nah­men muss sie auch durch­set­zen. Dazu passt es aber nicht, wenn eine Coro­na-Infek­ti­on erst fest­ge­stellt wird, nach­dem ein Mensch bereits ver­stor­ben ist. Mit gründ­li­chen Unter­su­chun­gen hät­te das nicht pas­sie­ren dür­fen”, sag­te der Stell­ver­tre­ten­de IG BAU-Bun­des­vor­sit­zen­de Harald Schaum. „Wir for­dern einen lücken­lo­sen Schutz von der ers­ten Minu­te der Rei­se an. Bereits Anfang die­ser Woche haben wir die Bun­des­re­gie­rung schrift­lich dar­auf hin­ge­wie­sen, dass Abstands- und Hygie­ne­re­geln wäh­rend der Son­der­flü­ge nicht ein­ge­hal­ten wur­den. Um Gesund­heits­ri­si­ken aus­zu­schlie­ßen, for­dern wir ver­pflich­ten­de Sicher­heits­maß­nah­men bereits an den Aus­gangs­flug­hä­fen. Zudem müs­sen anrei­sen­de Arbeit­neh­me­rin­nen und Arbeit­neh­mer unver­züg­lich die Tele­fon­num­mer der Info-Hot­line des DGB-Pro­jekts Fai­re Mobi­li­tät erhal­ten. Dies stellt sicher, dass Erntehelfer*innen in ihrer jewei­li­gen Spra­che bera­ten wer­den kön­nen.” IG BAU-Pres­se­mit­tei­lung vom 17.04.2020 externer Link
    • Wei­te­rer Coro­na-Fall auf Spar­gel­hof – Hygie­ne­re­geln wer­den ein­ge­hal­ten
      Nach dem Tod eines Ern­te­hel­fers wird in Bad Kro­zin­gen ein zwei­ter posi­tiv getes­tet; alle Kon­takt­per­so­nen sind in Qua­ran­tä­ne. Klar wur­de nun: Der Ver­stor­be­ne ist schon län­ger in Deutsch­land. Nach dem Tod eines mit dem Coro­na­vi­rus infi­zier­ten Ern­te­hel­fers auf einem Spar­gel­hof in einem Bad Kro­zin­ger Orts­teil wur­de ein Sai­son­ar­bei­ter aus dem direk­ten Umfeld des Ver­stor­be­nen eben­falls posi­tiv auf das Virus getes­tet. Er befin­de sich genau­so in Qua­ran­tä­ne wie alle ande­ren Kon­takt­per­so­nen, heißt es in einer Mit­tei­lung des Land­rats­am­tes. Kon­trol­len des Ord­nungs­am­tes hät­ten erge­ben, dass sich der Betrieb an die Hygie­ne­maß­nah­men hal­te, sag­te eine Spre­che­rin der Stadt…“ Arti­kel von Joshua Kocher und Hans-Peter Mül­ler (Mit­ar­beit: Jens Schmitz) vom 16.04.2020 in der Badi­schen Zei­tung online externer Link (im Abo)
  • Baden-Würt­tem­berg: Rumä­ni­scher Ern­te­hel­fer nach Coro­na-Infek­ti­on gestor­ben /​Das ist der Spar­gel nicht wert 
    • Baden-Würt­tem­berg: Rumä­ni­scher Ern­te­hel­fer nach Coro­na-Infek­ti­on gestor­ben
      Im baden-würt­tem­ber­gi­schen Bad Kro­zin­gen süd­west­lich von Frei­burg ist nach SPIE­GEL-Infor­ma­tio­nen ein rumä­ni­scher Ern­te­hel­fer nach einer Coro­na-Infek­ti­on gestor­ben. Der 57-Jäh­ri­ge wur­de am 11. April tot in sei­ner Unter­kunft auf­ge­fun­den. Zunächst war die Todes­ur­sa­che unklar. Ein Test auf Covid-19 fiel dann posi­tiv aus. Das Stutt­gar­ter Innen­mi­nis­te­ri­um bestä­tig­te den Fall. Der Ver­stor­be­ne hat nach SPIE­GEL-Infor­ma­tio­nen in einem Kro­zin­ger Betrieb bei der Spar­gel­ern­te gehol­fen. Er hat sich wohl in Deutsch­land mit dem Virus infi­ziert. Vor sei­nem Tod soll er über Hus­ten und Schnup­fen geklagt haben. Nach sei­nem Able­ben hat das Gesund­heits­amt des Land­krei­ses Breis­gau-Hoch­schwarz­wald laut SPIE­GEL-Infor­ma­tio­nen Maß­nah­men ergrif­fen, um einen wei­te­ren Aus­bruch der Seu­che unter den Ern­te­hel­fern zu ver­hin­dern. Das Umfeld des Man­nes wird durch­leuch­tet, Kon­takt­per­so­nen wer­den auf mög­li­che wei­te­re Anste­ckungs­fäl­le hin unter­sucht. Der Ver­stor­be­ne war einer von Hun­der­ten Ern­te­hel­fern, die sich der­zeit in Baden-Würt­tem­berg auf­hal­ten. (…) Zwi­schen dem 9. und 14. April sind nach Aus­kunft der Baden-Air­park GmbH am Flug­ha­fen Karls­ru­he/­Ba­den-Baden rund 3000 Ern­te­hel­fer aus Rumä­ni­en ein­ge­trof­fen. Der in Bad Kro­zin­gen ver­stor­be­ne Ern­te­hel­fer befand sich nach SPIE­GEL-Infor­ma­tio­nen indes schon län­ger in Deutsch­land. Er soll bereits am 20. März in die Bun­des­re­pu­blik ein­ge­reist sein.” Arti­kel von Felix Bohr und Andre­as Ulrich vom 15.04.2020 beim Spie­gel online externer Link, sie­he dazu:
      • Das ist der Spar­gel nicht wert
        80.000 Rumä­nen kom­men zur Ern­te nach Deutsch­land. Trotz Coro­na. Einer von ihnen ist gestor­ben, er war an Covid-19 erkrankt. Das hät­te nicht pas­sie­ren dür­fen. (…) Das haben sie natür­lich nicht gewollt. Aber in Kauf genom­men. Sie haben in Kauf genom­men, dass eine gro­ße Men­ge an Men­schen zusam­men­kommt, zu einem Zeit­punkt, wo das aus gutem Grund über­all ver­bo­ten ist. Sie haben in Kauf genom­men, dass sich das Virus ver­brei­tet unter Men­schen, von denen zwar nicht alle, aber doch vie­le zur Risi­ko­grup­pe gehö­ren. Der ver­stor­be­ne Ern­te­hel­fer aus Rumä­ni­en war 57 Jah­re alt. (…) Stren­ge Auf­la­gen sind eine gute Idee. Weni­ger gut ist, wenn nie­mand vor­her über­prüft, ob die­se stren­gen Auf­la­gen auch ein­ge­hal­ten wer­den kön­nen. Ob es zum Bei­spiel rea­lis­tisch ist, dass die Spar­gel­hö­fe sicher­stel­len, dass ihre Sai­son­kräf­te Abstand von­ein­an­der hal­ten, sich regel­mä­ßig die Hän­de waschen, ihre Grup­pe nicht ver­las­sen. (…) Klar ist, und war es auch schon vor der Coro­na-Kri­se, dass vie­le Betrie­be ihre Hel­fe­rin­nen in unmög­li­chen Zustän­den unter­brin­gen. Die Hel­fer schla­fen oft in Mas­sen­un­ter­brin­gun­gen auf viel zu engem Raum, müs­sen sich in her­un­ter­ge­kom­me­nen sani­tä­ren Ein­rich­tun­gen waschen. Auf den Fel­dern gibt es oft weder Toi­let­ten noch Wasch­be­cken. Das war schon vor Coro­na eine Zumu­tung. Höchs­te Zeit, das zu ändern…” Kom­men­tar von Lui­sa Jacobs vom 16. April 2020 bei der Zeit online externer Link
    • Gewerk­schaft for­dert Schutz für Ern­te­hel­fer. Die IG BAU betont: Neben fai­rer Bezah­lung soll­te es auch mobi­le Toi­let­ten mit Was­ser­an­schluss an den Fel­dern geben
      “Nach ers­ten Locke­run­gen beim Coro­na­vi­rus-beding­ten Ein­rei­se­stopp für aus­län­di­sche Sai­son­ar­beits­kräf­te müs­sen auch ins­be­son­de­re für die­se Grup­pe Arbeits- und Sicher­heits­stan­dards unbe­dingt ein­ge­hal­ten wer­den, mahnt die Gewerk­schaft IG Bau-Agrar und Umwelt (BAU). Sie for­dert neben fai­rer Bezah­lung, die höher als der Min­dest­lohn lie­gen soll­te, etwa auch mobi­le Toi­let­ten mit Was­ser­an­schluss an den Fel­dern. (…) Laut Gewerk­schaft sind es trotz der ost­eu­ro­päi­schen Sai­son­kräf­te jedoch zu weni­ge Ern­te­hel­fer, um eine rei­bungs­lo­se Ern­te zu garan­tie­ren. „Wer aus dem Kreis Mett­mann zupa­cken kann, soll­te das jetzt tun. Es ist die Chan­ce, Geld neben­bei zu ver­die­nen und die Zeit sinn­voll zu inves­tie­ren. Spar­gel, Spi­nat, Por­ree – das April-Gemü­se war­tet nicht“, sagt Uwe Orlob von der IG BAU Düs­sel­dorf. Zusätz­lich for­dert die IG BAU für alle Sai­son­ar­bei­ter genau­so wie für die Stamm­be­leg­schaf­ten in Agrar­be­trie­ben eine Erschwer­nis­zu­la­ge. „Immer­hin set­zen sich die Beschäf­tig­ten in der Pha­se der Coro­na­vi­rus-Pan­de­mie bei ihrer Arbeit auch einem gewis­sen gesund­heit­li­chen Risi­ko aus“, erklärt Orlob. Land­wir­te in der Regi­on soll­ten ein­ge­ar­bei­te­te Sai­son­kräf­te daher „mit einem Lohn nicht unter 11 Euro pro Stun­de vom Feld gehen las­sen“. Neben der Bezah­lung sei aber auch die Hygie­ne bei der Feld­ar­beit das A und O: Es kom­me dar­auf an, auch drau­ßen das regel­mä­ßi­ge Hän­de­wa­schen und Des­in­fi­zie­ren sicher­zu­stel­len. „Das bedeu­tet, dass die Toi­let­te am Feld­rand einen Was­ser­an­schluss braucht. Das sonst übli­che Mobil-WC reicht hier nicht. Denn ohne Was­ser kein Hän­de­wa­schen“, erklärt Orlob. Wenn Pflanz- und Ern­te­hel­fer in Unter­künf­ten unter­ge­bracht wer­den, dann sei­en dabei Ein­zel­zim­mer not­wen­dig. „Die Pan­de­mie bedeu­tet das Aus der sonst übli­chen Sam­mel­un­ter­künf­te. Denn dort gilt das glei­che wie auf den Fel­dern: Der Abstand von min­des­tens 1,5 Metern ist Pflicht. Bes­ser ist eine gan­ze Zoll­stock­län­ge: also zwei Meter Abstand vom Neben­mann“, erklärt der stell­ver­tre­ten­de IG BAU-Bezirks­vor­sit­zen­de. Zudem müss­ten Sozi­al- und Sani­tär­räu­me alle zwei Tage fach­män­nisch gerei­nigt wer­den. Ern­te­hel­fer soll­ten mög­lichst allei­ne und mit dem eige­nen Pkw, Motor­rol­ler oder Fahr­rad zur Feld­ar­beit fah­ren. Dafür müs­se ihnen der Land­wirt eine Ent­schä­di­gung bezah­len. Es ist laut Uwe Orlob die Pflicht der Arbeit­ge­ber, die Arbeits­plät­ze und Unter­künf­te so ein­zu­rich­ten, dass die Hygie­ne- und Sicher­heits­stan­dards pro­blem­los ein­ge­hal­ten wer­den kön­nen.“ Arti­kel von David Bie­ber vom 15.04.2020 bei RP online externer Link
  • Ers­te Ern­te­hel­fer aus Rumä­ni­en wer­den ein­ge­flo­gen – in Qua­ran­tä­ne nur gegen­über der Bevöl­ke­rung in Deutsch­land 
  • Erntehelfer*innen: Bloß kei­ne Lohn­er­hö­hung!
    Letz­te Woche mach­te Deutsch­land noch Wit­ze: Wer soll den Spar­gel ste­chen, wenn vor allem ost­eu­ro­päi­sche Erntehelfer*innen nicht mehr ein­rei­sen dür­fen? Schnell wur­de klar: das Pro­blem ist ernst. Rund 300.000 land­wirt­schaft­li­che Hilfs­kräf­te arbei­te­ten vor der Coro­na-Kri­se regel­mä­ßig in Deutsch­land. Kar­tof­feln müs­sen gesetzt, Erd­bee­ren gepflückt und Dräh­te für den Hop­fen gezo­gen wer­den. Schnell orga­ni­sier­te das Land­wirt­schafts­mi­nis­te­ri­um die Web­sei­te Das Land hilft. Irri­tie­rend: Obwohl es einen gro­ßen Bedarf der Kon­su­men­ten an Obst und Gemü­se gibt und die Nach­fra­ge der Bau­ern nach Arbeits­kräf­ten hän­de­rin­gend groß ist, scheint der Lohn nicht zu stei­gen – was der klas­si­schen Wirt­schafts­theo­rie (bzw. neo­li­be­ra­len Irr­leh­re) wider­spricht. Ein Stun­den­lohn über dem gesetz­lich garan­tier­ten Min­destohn ist für Ernethelfer*innen wei­ter­hin nicht in Sicht. Die Ver­gü­tung sei indi­vi­du­ell aus­zu­han­deln, heißt es. Ein Twit­ter-User, der sei­nen Account wegen zahl­rei­cher Anfein­dun­gen mitt­ler­wei­le nicht mehr öffent­lich ein­se­hen lässt, berich­te­te, was er bei Bewer­bun­gen in der Land­wirt­schaft erleb­te: „Ich hab mich inter­es­se­hal­ber mal bei 3 Betrie­ben erkun­digt, die Ern­te­hel­fer suchen und bin ent­setzt! Betrieb1 (rela­tiv klei­ner Hof): Ern­te­hel­fer wer­den auf 450-Euro Basis beschäf­tigt. Was dar­über hin­aus geht wür­de Bar bezahlt. Einen Stun­den­lohn kön­ne man noch nicht nen­nen es wird aber in einer 6 Tage Woche gear­bei­tet. Betrieb2: Hier wird man nach vol­len Kis­ten bezahlt, zwi­schen 50cent und 1,50 pro Kis­te. Ein Land­wirt mein­te dazu, dar­aus ergä­be sich ein Stun­den­lohn unter 5 Euro. Betrieb3: Stun­den­lohn 5,50Euro, 6 Tage die Woche 10 Stun­den pro Tag. Ver­pflich­tend ist eine Unter­brin­gung auf dem Hof. 4 Leu­te pro Zim­mer, dafür soll man 250Euro im Monat bezah­len, ver­sor­gen muss man sich über den Hof­la­den sel­ber.“ Seit 3. April 2020 ist klar, dass der Bau­ern­ver­band sich durch­ge­setzt hat und noch ein­mal zu ver­hin­dern wuss­te, orts­an­säs­si­ge Mitarbeiter*innen gewin­nen zu müs­sen, denen man für die schwe­re Arbeit womög­lich ange­mes­se­ne Löh­ne hät­te zah­len müs­sen. Die Lösung: Ost­eu­ro­päi­sche Ern­te­hel­fer in Qua­ran­tä­ne-Gulags ein­ge­flo­gen…” Bei­trag vom 4.4.2020 in den Coro­na-News KW14 bei Arbeits­un­recht externer Link
  • [Spar­gel vor Flücht­lin­gen] Ein­rei­se­ver­bot für aus­län­di­sche Ern­te­hel­fer wird gelo­ckert 
    Bis zu 80.000 aus­län­di­sche Ern­te­hel­fer sol­len in der Coro­na-Kri­se nun doch ein­rei­sen dür­fen. Für die Arbei­ter ist aller­dings eine fak­ti­sche Qua­ran­tä­ne vor­ge­se­hen. Wei­te­re 10.000 Hel­fer – dar­un­ter Asyl­be­wer­ber – sol­len aus dem Inland gewon­nen wer­den. Grü­ne for­dern fai­re Arbeits­be­din­gun­gen. Nach dem zunächst von Bun­des­in­nen­mi­nis­ter Horst See­hofer (CSU) ver­häng­ten Ein­rei­se­ver­bot für Ern­te­hel­fer in der Coro­na-Kri­se soll es nun doch Aus­nah­men geben. See­hofer und Bun­des­land­wirt­schafts­mi­nis­te­rin Julia Klöck­ner (CDU) ver­stän­dig­ten sich am Don­ners­tag dar­auf, dass im April und Mai jeweils bis zu 40.000 Sai­son­ar­bei­ter ein­rei­sen dür­fen, wie bei­de Minis­te­ri­en im Anschluss in Ber­lin mit­teil­ten. Ihre Ver­ein­ba­rung sieht dafür eine Rei­he von Vor­sichts- und Hygie­ne­maß­nah­men vor…” Mel­dung vom 03.04.2020 beim Miga­zin externer Link (im Abo), sie­he dazu:
  • [Sys­tem­re­le­vant trotz Grenz­schlie­ßung] EU for­dert Zugang für Sai­son­ar­bei­ter /​Flücht­lings­rat Nie­der­sach­sen gegen Aus­nut­zung von Asyl­su­chen­den 
    • [Sys­tem­re­le­vant trotz Grenz­schlie­ßung] EU for­dert Zugang für Sai­son­ar­bei­ter
      Im Kampf gegen Coro­na haben vie­le EU-Län­der ihre Gren­zen geschlos­sen. Für die Ern­te drin­gend benö­tig­te Hel­fer müs­sen auch in Deutsch­land drau­ßen blei­ben. Die EU-Kom­mis­si­on for­dert, ihnen die Ein­rei­se zu erlau­ben. Trotz des sich wei­ter­hin aus­brei­ten­den Coro­na­vi­rus hat EU-Kom­mis­si­ons­prä­si­den­tin Ursu­la von der Ley­en offe­ne Gren­zen für Ern­te­hel­fer, Sai­son­ar­beits­kräf­te und ande­re Grenz­pend­ler in der Euro­päi­schen Uni­on gefor­dert. Sie geht damit auf Kon­fron­ta­ti­ons­kurs zur Bun­des­re­gie­rung. Die­se hat­te ver­gan­ge­nen Mitt­woch ein vor­über­ge­hen­des Ein­rei­se­ver­bot für Ern­te­hel­fer erlas­sen. Auch in vie­len wei­te­ren EU-Län­dern gel­ten seit Beginn der Aus­brei­tung des Coro­na­vi­rus in Euro­pa Grenz­kon­trol­len und Ein­rei­se­be­schrän­kun­gen. In der Land­wirt­schaft führt das zu Per­so­nal­man­gel. “Wir brau­chen Men­schen, die unse­re Lebens­mit­tel anbau­en und ern­ten”, sag­te von der Ley­en in einer Video­bot­schaft. Des­we­gen müss­ten sich Sai­son­ar­bei­ter im Agrar­sek­tor “frei über Gren­zen bewe­gen kön­nen”. Die EU-Kom­mis­si­on emp­fiehlt daher eine bevor­zug­te Abfer­ti­gung an den inner­eu­ro­päi­schen Gren­zen ähn­lich wie für Ärz­te oder Poli­zis­ten, wenn die Arbei­ter eine “ent­schei­den­de” Funk­ti­on beim Pflan­zen, Ern­ten oder Tier­ehü­ten aus­üb­ten…” Mel­dung vom 30.03.2020 bei tages​schau​.de externer Link
    • Geflüch­te­te als Erntehelfer_​innen: Absur­de Beschäf­ti­gungs­ver­bo­te müs­sen nun besei­tigt wer­den!
      Der Flücht­lings­rat Nie­der­sach­sen mahnt, dass Asyl­su­chen­de nicht als frei ver­füg­ba­re Arbeits­re­ser­ve betrach­tet wer­den dür­fen. Wer als Arbeits­kraft gebraucht wird, muss auch ein Blei­be­recht erhal­ten. Der Flücht­lings­rat begrüßt, dass in der Debat­te um den Ein­satz von Geflüch­te­ten als Erntehelfer_​innen bestehen­de Beschäf­ti­gungs­ver­bo­te zuneh­mend in Fra­ge gestellt wer­den. Etli­che Geflüch­te­te wür­den die Gele­gen­heit ger­ne wahr­neh­men und die Chan­ce auf eine Beschäf­ti­gung in der Land­wirt­schaft nut­zen. „Es darf aber nicht sein, dass Asyl­su­chen­de als frei ver­füg­ba­re Arbeits­re­ser­ve betrach­tet wer­den, denen man nach Bedarf, wenn es die Arbeits­markt­la­ge gera­de ver­langt, Rech­te zuge­steht und sie ihnen dann wie­der nimmt, wenn man ihre Arbeits­kraft nicht mehr benö­tigt“, mahnt Sig­mar Wal­brecht vom Flücht­lings­rat. Der Flücht­lings­rat for­dert daher: Erteil­te Beschäf­ti­gungs­er­laub­nis­se dür­fen nicht wie­der zurück­ge­nom­men wer­den, wenn der Bedarf nach Arbeits­kräf­ten in der Land­wirt­schaft wie­der sinkt. Den Geflüch­te­ten, die nun in der Ern­te hel­fen, muss eine Blei­be­per­spek­ti­ve eröff­net wer­den. Sie dür­fen nicht ledig­lich als ver­wert­ba­re Mas­se ange­se­hen wer­den. (…) Schließ­lich weist der Flücht­lings­rat auf­kom­men­de Debat­ten über die Sen­kung des Min­dest­lohns ent­schie­den zurück. Geflüch­te­te, die als Erntehelfer_​innen arbei­ten, haben wie alle ande­ren auch Anspruch auf eine anstän­di­ge Ent­loh­nung. Gera­de in der jet­zi­gen Kri­se wird deut­lich, dass gute und gerech­te Löh­ne vor der Ver­ar­mung bewah­ren und gleich­zei­tig sicher­stel­len, dass sys­tem­re­le­van­te Arbeit wei­ter getan wird.” Pres­se­mit­tei­lung vom 28. März 2020 beim Flücht­lings­rat Nie­der­sach­sen externer Link – eben­so 
      • Geflüch­te­te als Ern­te­hil­fe – bis Ende Okto­ber, und dann?
        Flücht­lin­ge, Gestat­te­te und Gedul­de­te kön­nen jetzt auch bei for­mal nicht bestehen­dem Arbeits­markt­zu­gang in der Land­wirt­schaft arbei­ten. Die Glo­bal­zu­stim­mung der Bun­des­agen­tur für Arbeit, die mit dem BMAS abge­spro­chen ist, ver­öf­fent­li­chen wir hier: Glo­bal­zu­stim­mung-BA externer Link . Die Zustim­mung erfolgt unter der Bedin­gung, dass Min­dest­lohn gezahlt wird, bis zum 31.10.2020. Danach soll alles wie­der sein wie vor Coro­na. Wir appel­lie­ren an den Gesetz­ge­ber, allen Men­schen das Recht auf Arbeit zuzu­ge­ste­hen.” Flücht­lings­rat Meck­len­burg-Vor­pom­mern e.V. am 7. April 2020 externer Link
      • sie­he dazu auch eine NDR-Mel­dung externer Link dazu sowie die Infos: Geflüch­te­te als Erntehelfer_​innen externer Link beim Pro­jekt AZF3
    • Sie­he auch grund­sätz­li­cher zur Land­wirt­schaft unser Dos­sier: Sys­tem­re­le­vanz ja, Arbeits­rech­te nein? Das Coro­na-Kri­sen­ma­nage­ment in der Land­wirt­schaft fin­det auf dem Rücken der Beschäf­tig­ten statt
  • Bay­erns Innen­mi­nis­ter macht Weg frei: Asyl­be­wer­ber auf die Fel­der [und nach der Spar­gel­ern­te abschie­ben?] /​[Pro Asyl] Zum Spar­gel ste­chen gut genug, aber dann kei­ne Per­spek­ti­ve? So nicht! 
    • Bay­erns Innen­mi­nis­ter macht Weg frei: Asyl­be­wer­ber auf die Fel­der [und nach der Spar­gel­ern­te abschie­ben?]
      “… Bay­erns Innen­mi­nis­ter Joa­chim Herr­mann (CSU) macht den Weg frei dafür, dass Asyl­be­wer­ber den Bau­ern im Frei­staat als Ern­te­hel­fer zur Ver­fü­gung ste­hen kön­nen. Das ist einer Pres­se­mit­tei­lung des Innen­mi­nis­te­ri­ums zu ent­neh­men. Aus­län­der­be­hör­den sei­en ange­hal­ten, Asyl­be­wer­bern eine Ern­te­hel­fer­tä­tig­keit nach Mög­lich­keit ab sofort zu erlau­ben. Da die Gewin­nung von Ern­te­hel­fern im öffent­li­chen Inter­es­se ste­he, soll­ten die Aus­län­der­be­hör­den ihre gesetz­li­chen Spiel­räu­me nut­zen und not­wen­di­ge Beschäf­ti­gungs­er­laub­nis­se offen­siv ertei­len, heißt es in einem aktu­el­len Schrei­ben des Minis­te­ri­ums an die Behör­den. (…) Die Hin­wei­se des Innen­mi­nis­te­ri­ums gel­ten für Asyl­be­wer­ber im lau­fen­den Ver­fah­ren eben­so wie für bereits abge­lehn­te Asyl­be­wer­ber. Ent­spre­chen­de Beschäf­ti­gungs­er­laub­nis­se wer­den aller­dings – auch dar­auf wies Herr­mann aus­drück­lich hin – nur zeit­lich beschränkt für die Zeit der Ern­te­hil­fe erteilt wer­den. Sein Minis­te­ri­um habe die Aus­län­der­be­hör­den außer­dem gebe­ten, Auf­ent­halts­ti­tel und Beschäf­ti­gungs­er­laub­nis­se für Aus­län­der, die im Bereich der Ver­sor­gung der Bevöl­ke­rung mit Lebens­mit­teln und Waren des täg­li­chen Bedarfs tätig sind, zur Sicher­stel­lung der Grund­ver­sor­gung prio­ri­tär zu behan­deln und zu ver­län­gern. (…) Kri­tik kommt vom Baye­ri­schen Flücht­lings­rat, er spricht von einer “unge­heu­er­li­chen oppor­tu­nis­ti­schen Aus­beu­tung” der Asyl­be­wer­ber. Vie­le gedul­de­te Geflüch­te­te wür­den seit Jah­ren ver­ge­bens dar­um kämp­fen, arbei­ten zu dür­fen oder eine Aus­bil­dung anzu­fan­gen. “Jetzt, wo auf­grund der Coro­na­kri­se Ern­te­hel­fer nicht ins Land dür­fen oder aus Selbst­schutz fern­blei­ben, sol­len Geflüch­te­te ein­sprin­gen”, so Spre­che­rin Johan­na Böhm. Sie kri­ti­siert, dass aus dem Ein­satz nicht ein­mal eine Blei­be­per­spek­ti­ve ent­ste­he. Man begrü­ße grund­sätz­lich, dass Geflüch­te­ten der Zugang zur Arbeit erleich­tert wird. “Jedoch nur unter fai­rer Bezah­lung, umfas­sen­den Schutz­maß­nah­men und lang­fris­tig”, heißt es in einer Mit­tei­lung.” Bei­trag von Gise­la Rauch vom 29. März 2020 bei der Main­post online externer Link
    • [Pro Asyl] Zum Spar­gel ste­chen gut genug, aber dann kei­ne Per­spek­ti­ve? So nicht!
      “Wenn es um den deut­schen Spar­gel geht, ist in der Poli­tik eini­ges mög­lich. Aktu­ell wird dis­ku­tiert, Per­so­nen, die bis­her einem Arbeits­ver­bot unter­lie­gen, das Arbei­ten zur Kri­sen­zeit zu erlau­ben. PRO ASYL unter­stützt eine Auf­he­bung von Arbeits­ver­bo­ten, die­se müs­sen auch nach Coro­na fort­be­stehen. Das kann auch für den Gesund­heits­be­reich wich­tig sein. Wäh­rend der Coro­na-Pan­de­mie zeigt sich gera­de, an wie vie­len Stel­len mehr Per­so­nal nötig wäre. Jede Per­son, der die Aus­bil­dungs­dul­dung zur Pfle­ge­kraft ver­wei­gert wur­de, fehlt. Jede Per­son, die trotz eines Job­an­ge­bo­tes im Super­markt kei­ne Arbeits­er­laub­nis bekom­men hat, fehlt. Ange­sichts des Fach­kräf­te­man­gels ist es schon lan­ge absurd, dass es in Deutsch­land vie­len Men­schen ver­bo­ten ist, zu arbei­ten. Dies gilt wäh­rend der Unter­brin­gung in einer Erst­auf­nah­me­ein­rich­tung für in der Regel neun Mona­te, für Per­so­nen aus ver­meint­lich »siche­ren Her­kunfts­staa­ten« wie den Bal­kan-Staa­ten kom­plett vor und, im Fal­le einer Ableh­nung, nach dem Asyl­ver­fah­ren und auch für vie­le gedul­de­te Men­schen. Durch Geset­zes­än­de­run­gen, die sol­che Arbeits­ver­bo­te auf­he­ben, und durch Wei­sun­gen auf Lan­des­ebe­ne, bestehen­den Spiel­raum posi­tiv zu nut­zen, könn­ten die »sys­tem­re­le­van­ten« Bran­chen in Deutsch­land durch hier sich bereits auf­hal­ten­de Per­so­nen, denen die Mög­lich­keit zur Arbeit bis­lang ver­wei­gert wur­de, unter­stützt wer­den. Sol­che Rege­lun­gen soll­ten aber nicht zeit­lich begrenzt wer­den, son­dern müs­sen dau­er­haft gel­ten. Alles ande­re wäre purer Eigen­nutz…” Stel­lung­nah­me von Pro Asyl vom 27. März 2020 externer Link
  • Mehr Geld für Ern­te­hel­fer! Um den Spar­gel zu ret­ten, müss­ten Agrar­be­trie­be Aus­hil­fen mehr zah­len. Dann fin­den sie auch hier­zu­lan­de wel­che
    “Das wegen der Coro­na-Pan­de­mie ver­häng­te Ein­rei­se­ver­bot für ost­eu­ro­päi­sche Ern­te­hel­fer rückt einen gra­vie­ren­den Miss­stand in den Fokus: Die Arbeits­be­din­gun­gen für die Aus­hil­fen auf deut­schen Fel­dern sind meist mise­ra­bel. Die gro­ße Mehr­heit die­ser knapp 300.000 Beschäf­tig­ten bekommt nur den gesetz­li­chen Min­dest­lohn: 9,35 Euro brut­to pro Stun­de. Davon zieht der Arbeit­ge­ber Geld etwa für die Unter­kunft ab. Immer wie­der wird durch betrü­ge­ri­sche Berech­nun­gen von Akkord­löh­nen sogar das vor­ge­schrie­be­ne Mini­mum unter­schrit­ten. Vie­le Unter­künf­te sind schlecht: enge Mehr­bett­zim­mer in Con­tai­nern, her­un­ter­ge­kom­me­ne Toi­let­ten. Dafür müs­sen die Men­schen har­te Arbeit leis­ten: bei Wind und Wet­ter Spar­gel ste­chen oder Erd­bee­ren pflü­cken. Die Arbeits­be­din­gun­gen in der Land­wirt­schaft sind ein­fach nicht kon­kur­renz­fä­hig. Aldi Nord zum Bei­spiel sucht auch gera­de Aus­hil­fen. Der Dis­coun­ter ver­spricht min­des­tens 12,50 Euro brut­to pro Stun­de für einen Job im Ver­kauf oder in der Logis­tik. Das ist kör­per­lich meist weni­ger anspruchs­voll und sau­be­rer, als stän­dig gebückt und in pral­ler Son­ne auf einem Feld zu arbei­ten. Das sind Grün­de, wes­halb nur weni­ge Men­schen aus dem Inland in der Agrar­bran­che aus­hel­fen…” Kom­men­tar von Jost Mau­rin vom 27. März 2020 in der taz online externer Link
  • Ein­rei­se­ver­bot für Ern­te­hel­fer – Klöck­ner will Asyl­be­wer­ber auf die Fel­der holen /​[DGB] “Wer in der Not ein­springt, hat einen anstän­di­gen Lohn ver­dient” 
    • Ein­rei­se­ver­bot für Ern­te­hel­fer – Klöck­ner will Asyl­be­wer­ber auf die Fel­der holen
      Sai­son­ar­beits­kräf­te und Ern­te­hel­fer dür­fen wegen der Coro­na-Pan­de­mie nicht mehr nach Deutsch­land ein­rei­sen. Nun sol­len Alter­na­ti­ven geprüft wer­den. Land­wirt­schafts­mi­nis­te­rin Klöck­ner will Asyl­be­wer­ber auf die Fel­der holen…” Mel­dung vom 26.03.2020 beim Miga­zin externer Link (im Abo), sie­he daher auch:
      • Regie­rung ord­net Ver­bot an: Ern­te­hel­fer dür­fen nicht mehr ein­rei­sen
        “Die Spar­gel­ern­te beginnt, ande­res Gemü­se muss jetzt aus­ge­sät wer­den. Nor­ma­ler­wei­se machen das Sai­son­ar­beits­kräf­te, die oft aus Rumä­ni­en oder Bul­ga­ri­en kom­men. Doch ab heu­te dür­fen sie nicht mehr ein­rei­sen. Um die Aus­brei­tung der Coro­na-Pan­de­mie in Deutsch­land zu brem­sen, hat das Bun­des­in­nen­mi­nis­te­ri­um ein Ein­rei­se­ver­bot für Sai­son­ar­bei­ter ange­ord­net. Ern­te­hel­fern und ande­ren Sai­son­ar­beits­kräf­ten wer­de von heu­te 17 Uhr an im Rah­men der bestehen­den Grenz­kon­trol­len die Ein­rei­se ver­wei­gert, teil­te ein Spre­cher auf Anfra­ge mit. Die­se Rege­lung gel­te für die Ein­rei­se aus Dritt­staa­ten, aus Groß­bri­tan­ni­en, für EU-Staa­ten wie Bul­ga­ri­en und Rumä­ni­en, die nicht alle Schen­gen-Regeln voll­um­fäng­lich anwen­den, sowie für Staa­ten, “zu denen Bin­nen­grenz­kon­trol­len vor­über­ge­hend wie­der ein­ge­führt wor­den sind”. Die­se Beschrän­kun­gen sei­en “zwin­gend erfor­der­lich, um Infek­ti­ons­ket­ten zu unter­bre­chen”, füg­te der Spre­cher hin­zu. (…) Schon vor dem Ein­rei­se­ver­bot war klar, dass vie­le von ihnen in die­sem Jahr nicht kom­men wür­den. Ver­bän­de und das Bun­des­land­wirt­schafts­mi­nis­te­ri­um haben des­halb Inter­net-Platt­for­men auf­ge­setzt, um Betrie­be und Frei­wil­li­ge, die auf den Fel­dern arbei­ten könn­ten, in Kon­takt zu brin­gen. Schon jetzt gibt es Kri­tik an den Plä­nen. Mar­kus Drex­ler, der Spre­cher des Baye­ri­schen Bau­ern­ver­bands, ist skep­tisch: Die Erfah­run­gen aus der Ver­gan­gen­heit wür­den zei­gen, dass auf dem Markt für Sai­son­ar­beits­kräf­te das Inter­es­se im Inland eher gering sei, meint er. 95 Pro­zent der Arbeits­kräf­te kämen aus dem Aus­land. Es han­de­le sich eben um schwe­re kör­per­li­che Arbeit, die außer­dem nicht beson­ders gut bezahlt sei…“ Mel­dung vom 25.03.2020 bei Tages​schau​.de externer Link
    • [DGB] “Wer in der Not ein­springt, hat einen anstän­di­gen Lohn ver­dient” – Auch für Sai­son­kräf­te sind 9,35 Euro das Min­des­te
      “… Kurz vor Beginn der Spar­gel­sai­son befürch­ten vie­le Land­wirt­schafts­be­trie­be Eng­päs­se bei der Ern­te. Wegen der aktu­el­len Coro­na-Situa­ti­on feh­len vor allem Ern­te­hel­fer aus Ost­eu­ro­pa; Sai­son­kräf­te aus Polen oder Rumä­ni­en etwa wis­sen nicht, ob und wie sie in ihr Land zurück­keh­ren kön­nen. Hin­zu kom­men Rei­se­be­schrän­kun­gen in der EU. Des­halb ver­sucht man nun, Beschäf­tig­te aus ande­ren Bran­chen oder auch Stu­den­tin­nen und Stu­den­ten als Ern­te­hel­fer zu gewin­nen. Eine neue Online-Platt­form externer Link, die vom Bun­des­mi­nis­te­ri­um für Land­wirt­schaft unter­stützt wird, soll bei der Ver­mitt­lung hel­fen – und for­dert Inter­es­sier­te auf, ihren Ver­dienst indi­vi­du­ell zu ver­han­deln, einen pau­scha­len Stun­den­lohn gebe es nicht. Der DGB warnt davor, die Kri­sen­si­tua­ti­on aus­zu­nut­zen, um Arbeit­neh­mer­rech­te wie den Min­dest­lohn zu schlei­fen: „Wer jetzt in der Not ein­springt, hat dafür auch einen ordent­li­chen Lohn ver­dient”, sagt Vor­stands­mit­glied Ste­fan Kör­zell. “Der gesetz­li­che Min­dest­lohn ist dabei das Min­des­te. In der Regel soll­te mehr drin sein. Der Min­dest­lohn ist die unters­te Hal­te­li­nie, die auch in der Kri­se aus­nahms­los für alle Beschäf­tig­ten gilt, auch für Sai­son­ar­bei­te­rin­nen und ‑arbei­ter in der Land­wirt­schaft. Min­des­tens 9,35 Euro pro Stun­de, weni­ger darf kein Arbeit­ge­ber in Deutsch­land zah­len. Kei­nes­falls ist der Min­dest­lohn Ver­hand­lungs­sa­che.“ Um Betrug zu ver­mei­den, sol­len Beschäf­tig­te ihre Arbeits­zei­ten doku­men­tie­ren und Ver­stö­ße bei der zustän­di­gen Finanz­kon­trol­le Schwarz­ar­beit (FKS) mel­den, so Ste­fan Kör­zell. Die­se wie­der­um müs­se auch in die­sen Zei­ten ihre Auf­ga­be wahr­neh­men und unan­ge­kün­dig­te Stich­punkt­kon­trol­len durch­füh­ren, gera­de in die­ser Bran­che: “Die Land­wirt­schaft ist in der Ver­gan­gen­heit lei­der immer wie­der durch krea­ti­ve Ver­su­che auf­ge­fal­len, gel­ten­de Arbeits­stan­dards wie Min­dest­löh­ne oder Auf­zeich­nungs­pflich­ten bei der Arbeits­zeit zu unter­lau­fen. Allein im Jahr 2018 wur­de von der zustän­di­gen Finanz­kon­trol­le Schwarz­ar­beit bei 617 geprüf­ten Arbeit­ge­bern 106 Ermitt­lungs­ver­fah­ren ein­ge­lei­tet.“ Bei­trag vom 25.03.2020 bei DGB externer Link
  • Wegen Coro­na-Kri­se – Asyl­be­wer­ber als Ern­te­hel­fer? /​Haupt­sa­che Spar­gel: Erwerbs­lo­se und Geflüch­te­te sol­len auf den Acker 
    • Haupt­sa­che Spar­gel: Erwerbs­lo­se und Geflüch­te­te sol­len auf den Acker
      “In kaum einem Wirt­schafts­sek­tor sind Arbeits­zei­ten und Arbeits­schutz so »fle­xi­bel« gere­gelt wie in der Land­wirt­schaft, wenn die Ern­te ein­ge­fah­ren wird. Den­noch nut­zen die Lob­by­is­ten vom Deut­schen Bau­ern­ver­band (DBV) die Coro­na­pan­de­mie und die damit ein­her­ge­hen­de Angst vor Lebens­mit­tel­eng­päs­sen als Argu­ment, den Grad der Aus­beu­tung auf den Äckern wei­ter zu erhö­hen. Ent­spre­chen­den For­de­run­gen erteil­te die Indus­trie­ge­werk­schaft Bau­en, Agrar, Umwelt (IG BAU) am Don­ners­tag eine Absa­ge. Zuvor hat­te sich der DBV gemein­sam mit ande­ren Agrar­ka­pi­tal­ver­bän­den in einem Schrei­ben an Arbeits­mi­nis­ter Huber­tus Heil (SPD) gewandt und eine Rei­he von Maß­nah­men ange­regt, die not­wen­dig sei­en, um »drin­gen­de und für die Lebens­mit­tel­ver­sor­gung erfor­der­li­che Arbei­ten erle­di­gen zu kön­nen«. Gefor­dert wird in dem Brief, was immer gefor­dert wird, wenn Pro­fi­te auf Kos­ten der Arbei­ter sta­bi­li­siert wer­den sol­len: laxe­re Regeln für gering­fü­gi­ge Beschäf­ti­gung und Leih­ar­beit, län­ge­re Arbeits­zei­ten, weni­ger Pau­sen. Zudem bestehen die Ver­bän­de dar­auf, den Zufluss an Bil­lig­ar­beits­kräf­ten poli­tisch abzu­si­chern. Man habe Innen- und Außen­mi­nis­te­ri­um gebe­ten, »die Anrei­se der aus­län­di­schen Sai­son­ar­beits­kräf­te sicher­zu­stel­len«, heißt es in einer Mit­tei­lung des DBV vom ver­gan­ge­nen Mitt­woch. Doch damit nicht genug: Auch Erwerbs­lo­se und Asyl­su­chen­de wol­len die Ver­tre­ter des Agrar­busi­ness künf­tig zur Ern­te­zeit als Bil­lig­löh­ner auf die Fel­der schi­cken. (…) Die IG BAU teil­te mit, selbst­ver­ständ­lich müs­se die Lebens­mit­tel­ver­sor­gung auch in der Coro­na­kri­se sicher­ge­stellt wer­den. Dies dür­fe aber »nicht auf Kos­ten der ohne­hin schon sehr benach­tei­lig­ten Sai­son­kräf­te gehen«. Der stell­ver­tre­ten­de Vor­sit­zen­de der Gewerk­schaft, Harald Schaum, sag­te, die For­de­run­gen der Ver­bän­de hät­ten »nichts mit den Rea­li­tä­ten unse­rer Zeit zu tun«. Ange­sichts der schon bestehen­den enor­men Fle­xi­bi­li­tät in Land­wirt­schaft und Gar­ten­bau zur Ern­te­zeit erschie­nen sie als »absurd, zumin­dest unver­ständ­lich«…“ Arti­kel von Stef­fen Stier­le in der jun­gen Welt vom 23.03.2020 externer Link
    • Wegen Coro­na-Kri­se – Asyl­be­wer­ber als Ern­te­hel­fer?
      “… Bun­des­land­wirt­schafts­mi­nis­te­rin Julia Klöck­ner schlägt den Ein­satz von Asyl­be­wer­bern in der Land­wirt­schaft vor, um Eng­päs­se bei Sai­son­kräf­ten zu ver­mei­den. Dies kön­ne eine wei­te­re Opti­on sein, schrieb sie in einem Brief an Arbeits­mi­nis­ter Huber­tus Heil, über den das “Redak­ti­ons­netz­werk Deutsch­land” berich­tet. Men­schen, die Asyl bean­tragt haben, aber nicht über eine Arbeits­er­laub­nis ver­fü­gen, könn­ten kurz­fris­tig eine Arbeits­er­laub­nis in der Land­wirt­schaft bekom­men, wenn sie dies woll­ten. Das Arbeits­ver­bot könn­te auch nur zeit­lich befris­tet auf­ge­ho­ben wer­den, regt Klöck­ner in dem Schrei­ben an, das auch der Deut­schen Pres­se-Agen­tur vor­liegt. Man­che Men­schen aus soge­nann­ten siche­ren Her­kunfts­län­dern wie Alba­ni­en, Bos­ni­en, dem Koso­vo oder auch dem Sene­gal könn­te dar­an Inter­es­se haben…“ Bei­trag vom 20.03.2020 bei Tages​schau​.de externer Link
    • Coro­na-Kri­se: Gibt es die­ses Jahr kei­nen deut­schen Spar­gel?
      “Sai­son­ar­bei­ter aus Rumä­ni­en und Polen haben Schwie­rig­kei­ten bei der Ein­rei­se. Minis­te­rin Klöck­ner erwägt jetzt sogar Son­der­flü­ge. Eini­ge Land­wir­te wer­den selbst krea­tiv. (…) Sie und alle ande­ren rund 23.000 Obst- und Gemü­se­bau­be­trie­be in Deutsch­land ban­gen um ihre dies­jäh­ri­ge Ern­te. Denn auch vor der Land­wirt­schaft hat das Coro­na­vi­rus nicht Halt gemacht: Die rund 300.000 Sai­son­ar­beits­kräf­te, die nor­ma­ler­wei­se ab April vor allem aus Rumä­ni­en und ver­ein­zelt aus Polen nach Deutsch­land kom­men, um Spar­gel und Erd­bee­ren zu ern­ten und neue Gemü­se­setz­lin­ge zu pflan­zen, könn­ten in die­sem Jahr aus­blei­ben. (…) Am Mitt­woch teil­te das Bun­des­land­wirt­schafts­mi­nis­te­ri­um mit, Ern­te­hel­fer aus direk­ten Nach­bar­län­dern dürf­ten mit einem ent­spre­chen­den Nach­weis der Arbeits­tä­tig­keit wei­ter­hin ein­rei­sen. Für Sai­son­kräf­te, die durch deut­sche Nach­bar­län­der hin­durch rei­sen müs­sen – was für die größ­te Grup­pe der Rumä­nen zutrifft –, will Minis­te­rin Klöck­ner eben­falls eine Lösung fin­den. Das Land­wirt­schafts­mi­nis­te­ri­um sei in Gesprä­chen mit der Luft­han­sa, ob die Arbeits­kräf­te wegen der Beschrän­kun­gen an den Gren­zen per Flug­zeug nach Deutsch­land gebracht wer­den könn­ten, sofern sie wei­ter hier arbei­ten wol­len. Klöck­ner nann­te die Land­wirt­schaft „sys­tem­re­le­vant“ für Deutsch­land. Ver­pass­te Ern­ten könn­ten nicht nach­ge­holt wer­den und das, was nicht in die Erde kom­me, kön­ne auch nicht geern­tet wer­den. „Wir wis­sen hier um die Sor­gen“, sag­te die CDU-Poli­ti­ke­rin. Zuletzt hat­te Klöck­ner ange­regt, der­zeit nicht gebrauch­te Mit­ar­bei­ter aus der Gas­tro­no­mie und Hotel­le­rie könn­ten über regio­na­le Job­bör­sen ver­mit­telt wer­den und auf den Fel­dern aus­hel­fen. Ver­bands­spre­cher Schu­ma­cher steht die­sem Vor­schlag kri­tisch gegen­über. „Die Ser­vice­kräf­te haben zuletzt viel Kon­takt gehabt mit poten­ti­ell infi­zier­ten Per­so­nen. Sie kom­men dann in die Betrie­be und wer­den zusam­men­ge­steckt mit einer Per­so­nen­grup­pe, die bis­lang noch rela­tiv unbe­trof­fen ist. Das hal­te ich für kon­tra­pro­duk­tiv.“ Auch die Arbeits­be­las­tung auf den Fel­dern sei eine ande­re. Ande­rer­seits müs­se man in der aktu­el­len Lage für jede Idee offen sein. Inzwi­schen wer­den die Betrie­be des­halb schon selbst aktiv. Das Bünd­nis „Boden­see-Bau­ern“ etwa schal­te­te am Wochen­en­de einen Hil­fe­ruf auf Face­book und ande­ren Platt­for­men, um „ambi­tio­nier­te Mit­schaf­fer“ für die Ern­te zu gewin­nen. Eige­nen Anga­ben zufol­ge hät­ten sich schon 500 Inter­es­sen­ten gemel­det, dar­un­ter Kurz­ar­bei­ter, Haus­frau­en, Stu­die­ren­de und Schü­ler.“ Arti­kel von Jes­si­ca von Bla­ze­ko­vic vom 19.03.2020 in der FAZ online externer Link
  • Unver­ant­wort­li­che For­de­run­gen. IG BAU: Agrar-Arbeit­ge­ber instru­men­ta­li­sie­ren Coro­na­kri­se 
    Die Indus­trie­ge­werk­schaft Bau­en-Agrar-Umwelt (IG BAU) weist die jüngs­ten For­de­run­gen der Agrar-Lob­by nach Aus­he­be­lung der Arbeits­rech­te in der Land­wirt­schaft als über­zo­gen und unver­ant­wort­lich zurück. „Die For­de­run­gen der Agrar-Ver­bän­de rei­hen sich naht­los ein, in ihre schon weit vor der Coro­na­kri­se ver­brei­te­ten Arbeits­markt­vor­stel­lun­gen und haben nichts mit den Rea­li­tä­ten unse­rer Zeit zu tun“, sag­te der Stell­ver­tre­ten­de IG BAU-Bun­des­vor­sit­zen­de Harald Schaum. „Grenz­wer­tig sind Anlass und Zeit­punkt ihrer For­de­run­gen. Die Ver­bands­ver­tre­ter neh­men den Ein­druck in Kauf, die Not­la­ge der Men­schen wäh­rend der Pan­de­mie für ihre Inter­es­sen zu instru­men­ta­li­sie­ren.“ In einer Erklä­rung von ges­tern (für die Red.: 18. März 2020) hat­ten Agrar-Ver­bän­de etwa die Aus­wei­tung der Höchst­ar­beits­zei­ten und Absen­kung von Min­destru­he­zei­ten, die Auf­wei­chung der Mini­job­gren­zen und der Arbeit­neh­mer­über­las­sung oder die Grenz­öff­nung für Arbeit­neh­mer aus Nicht-EU-Staa­ten pro­pa­giert. Nach eige­nen Anga­ben for­der­ten sie in einem Schrei­ben an Bun­des­ar­beits­mi­nis­ter Huber­tus Heil ‚für eine Rei­he von Rege­lun­gen kurz­fris­tig Aus­nah­men und Modi­fi­ka­tio­nen zu schaf­fen, um drin­gen­de und für die Lebens­mit­tel­ver­sor­gung erfor­der­li­che Arbei­ten erle­di­gen zu kön­nen‘. Selbst­ver­ständ­lich steht auch die IG BAU dafür ein, die Lebens­mit­tel­ver­sor­gung trotz Coro­na­kri­se sicher­zu­stel­len, aber das darf nicht auf Kos­ten der ohne­hin schon sehr benach­tei­lig­ten Sai­son­kräf­te gehen. Schaum sag­te wei­ter: „Bereits jetzt sind die Rege­lun­gen zur Arbeits­zeit in Land­wirt­schaft und Gar­ten­bau gera­de in den Ern­te­zei­ten so fle­xi­bel, wie in kei­ner ande­ren Bran­che. Die For­de­run­gen der Agrar­ver­bän­de erschei­nen inso­weit absurd, zumin­dest unver­ständ­lich.“ IG BAU-Pres­se­mit­tei­lung vom 19.03.2020 externer Link, sie­he auch:
    • Dro­hen­der Ern­te­aus­fall – IG BAU: Ern­te­hel­fer vor Infek­ti­on mit Covid-19 schüt­zen
      “Die Agrar­ge­werk­schaft for­dert die Arbeit­ge­ber in der Land­wirt­schaft auf, ihrer Ver­ant­wor­tung für ihre Beschäf­tig­ten in der Coro­na­kri­se voll­stän­dig gerecht zu wer­den. Auch für Ern­te­hel­fe­rin­nen und Ern­te­hel­fer muss der Schutz vor Infek­tio­nen mit Covid-19 an ers­ter Stel­le ste­hen. „In der Land­wirt­schaft star­ten jetzt die wirt­schaft­lich wich­ti­gen Pflanz- und Ern­te­zei­ten. Das sind Natur­vor­ga­ben, die sich nicht ver­schie­ben las­sen. Die­se Arbei­ten sichern unse­re Ver­sor­gung mit Nah­rungs­mit­teln. Es ist selbst­ver­ständ­lich, die­se Arbei­ten wei­ter auf­recht­zu­er­hal­ten, wenn die Ver­sor­gung sicher­ge­stellt wer­den soll“, sag­te der Stell­ver­tre­ten­de IG BAU-Bun­des­vor­sit­zen­de Harald Schaum. „Mit dem Aus­blei­ben vie­ler Ern­te­hel­fer aus Ost­eu­ro­pa gerät die­ses Ziel in Gefahr. Das Weg­blei­ben der Sai­son­kräf­te hat zwei Ursa­chen. Zum einen kom­men vie­le Arbeits­kräf­te wegen der Grenz­schlie­ßun­gen der Tran­sit­län­der nicht mehr nach Deutsch­land. Hier ist die Poli­tik auf­ge­for­dert, auf obers­ter Ebe­ne eine schnel­le Lösung her­bei­zu­füh­ren. Zum ande­ren sor­gen sich die Men­schen aber auch vor Anste­ckung. Das ist nicht ver­wun­der­lich. Schon vor der Coro­na­kri­se blie­ben in vie­len Betrie­ben Hel­fe­rin­nen und Hel­fer fern, weil die Zustän­de dort unhalt­bar waren. Mas­sen­un­ter­brin­gung auf viel zu engem Raum und her­un­ter­ge­kom­me­ne sani­tä­re Ein­rich­tun­gen mach­ten Sai­son­kräf­ten auch schon ohne Infek­ti­ons­ri­si­ko zu schaf­fen. Unter sol­chen Bedin­gun­gen ist die Gefahr einer Anste­ckung mit Covid-19 sehr hoch. Da blei­ben vie­le lie­ber zu Hau­se. Die Vor­stel­lung, dass Men­schen aus Deutsch­land, deren Betrieb der­zeit geschlos­sen hat, die­se Lücke fül­len könn­ten und sich dem hohen Infek­ti­ons­ri­si­ko aus­set­zen ist nicht nur unver­ant­wort­lich, son­dern gera­de­zu welt­fremd.“ Die Unter­künf­te für Sai­son­ar­beits­kräf­te sind häu­fig Mehr­bett­zim­mer oder mit meh­re­ren Per­so­nen geteil­te Wohn­con­tai­ner, die Ver­pfle­gung geschieht in der Regel in Gemein­schafts­kü­chen oder Kan­ti­nen. Auf den Fel­dern ste­hen Toi­let­ten – wenn es über­haupt wel­che gibt – für eine hohe Zahl von Beschäf­tig­te zur gemein­sa­men Ver­fü­gung. Ohne zusätz­li­che Schutz­maß­nah­men ist Ern­te­ar­beit nicht mehr zumut­bar, weder für über­gangs­wei­se frei­ge­stell­te Beschäf­tig­te aus dem Inland noch für ost­eu­ro­päi­sche Sai­son­ar­bei­te­rin­nen und Sai­son­ar­bei­ter. Die IG BAU for­dert, dass die hygie­ni­schen Bedin­gun­gen in der Unter­brin­gung und auf den Fel­dern ener­gisch ver­bes­sert wer­den und dies von Behör­den umfas­send kon­trol­liert wird. Nie­mand darf wegen rei­nen Gewinn­stre­bens einer Infek­ti­ons­ge­fahr aus­ge­setzt wer­den. Beschäf­tig­te, die die Ern­te­ar­beit in die­ser Zeit auf sich neh­men, müs­sen zudem eine spür­ba­re Erschwer­nis­zu­la­ge erhal­ten.“ IG BAU-Pres­se­mit­tei­lung vom 18.03.2020 externer Link
  • [Wenn aus Polen und Ost­eu­ro­pa nie­mand kom­men kann…] Coro­na Aus­wir­kun­gen auf die Land­wirt­schaft: Gas­tro­no­mie­be­schäf­tig­te für die Land­wirt­schaft? 
    “Die Coro­na-Kri­se trifft mit den Rei­se­be­schrän­kun­gen und Grenz­kon­trol­len in Euro­pa in der Land­wirt­schaft Betrie­be, die auf Sai­son­ar­bei­ter ange­wie­sen sind. Bun­des­land­wirt­schafts­mi­nis­te­rin Julia Klöck­ner über­legt laut einem Bericht der Neu­en Osna­brü­cker Zei­tung (NOZ) externer Link, ob Ange­stell­te aus dem Gas­tro­no­mie Bereich, die auf Grund von Coro­na ohne Beschäf­ti­gung sind, auf den Fel­dern aus­hel­fen kön­nen. Vor allem die geschlos­se­ne Gren­ze nach Polen sorgt in der Land­wirt­schaft für Unru­he, da gera­de aus Polen und Ost­eu­ro­pa vie­le Arbeits­kräf­te auf den Höfen in Deutsch­land im Ein­satz sind. Bun­des­land­wirt­schafts­mi­nis­te­rin Julia Klöck­ner sag­te der Bran­che bereits Unter­stüt­zung zu. Dabei schließt sich auch nicht aus „unkon­ven­tio­nel­le Wege“ zu gehen. „Ob die­je­ni­gen Mit­ar­bei­ter, die in der Gas­tro­no­mie lei­der immer weni­ger zu tun haben, in der Land­wirt­schaft ein­sprin­gen kön­nen und möch­ten – auch so etwas müs­sen wir über­le­gen“, sag­te sie der NOZ. Es müs­se geprüft wer­den, wel­che büro­kra­ti­schen Anfor­de­run­gen wäh­rend der Kri­se gege­be­nen­falls her­un­ter­ge­fah­ren wer­den kön­nen, heißt es wei­ter. Klöck­ner wies dar­auf hin, dass die Land­wir­te, vor allem aus dem Bereich Gemüse‑, Obst- und Kräu­te­r­an­bau, die anste­hen­de Arbeit nicht ein­fach auf­schie­ben könn­ten. Demen­spre­chend drin­gend sei­en Lösun­gen. Noch am heu­ti­gen Mon­tag will Klöck­ner dazu mit den Spit­zen der Agrar­ver­bän­de spre­chen. Wie es wei­ter auf den Höfen geht, wenn ein Land­wirt oder ein Mit­ar­bei­ter an Covid-19 erkrankt, treibt das Bun­des­land­wirt­schafts­mi­nis­te­ri­um eben­falls um…“ Bei­trag von Ste­fa­nie Awa­ter-Esper vom 16.03.2020 bei topagrar online externer Link und ein viel bes­se­rer Vor­schlag:
    • Vor­schlag zur Güte: Alle Politiker*innen, die in den letz­ten 10 Jah­ren Regie­rungs­ver­ant­wor­tung hat­ten od. haben, ver­las­sen ihre Pos­ten & hel­fen bei d. Spar­gel­ern­te. Im Gegen­zug zie­hen die jetzt arbeits­lo­sen Barkeeper*innen & d. Club Per­so­nal, die wohl am aller­bes­ten wis­sen was die Leu­te den­ken, füh­len & brau­chen, in die Minis­te­ri­en & über­neh­men die Regie­rungs­ge­schäf­teTom K aus N in B am 17. März 2020 bei Twit­ter externer Link
  • Sai­son­ar­beit: Har­ter Job, gerin­ger Lohn 
    “Auf neue Kar­tof­feln, Spar­gel oder Erd­bee­ren frisch vom Feld freu­en sich die Verbraucher*innen jedes Jahr wie­der. Obst, Gemü­se, Salat und fri­sche Kräu­ter wer­den meist von Sai­son­kräf­ten geern­tet, die für eini­ge Mona­te aus dem euro­päi­schen Aus­land kom­men. Kolleg*innen von der IG BAU Regi­on Hes­sen und Mitarbeiter*innen der Bera­tungs­stel­le Fai­re Mobi­li­tät Frank­furt bzw. des Euro­päi­schen Ver­eins für Wan­der­ar­bei­ter­fra­gen e.V. (EVW) haben Sai­son­ar­beit­kräf­te auf den hes­si­schen Fel­dern besucht. Die Sai­son­kräf­te in Hes­sen kom­men aus Rumä­ni­en, Bul­ga­ri­en, Kroa­ti­en, Polen, Ser­bi­en, Ungarn oder sogar aus der Ukrai­ne; die meis­ten sind Frau­en. Sie kom­men hier­her, um bei der Ern­te etwas Geld zu ver­die­nen, denn in ihrer Hei­mat gibt es oft kei­ne oder nur sehr gering bezahl­te Arbeit für sie. Sie las­sen sich zum Teil von Anwerber*innen an die land­wirt­schaft­li­chen Betrie­be ver­mit­teln. Die­se Ver­mitt­lung ist nicht umsonst. Es wer­den Beträ­ge von 100 bis 300 Euro pro Per­son ver­langt, wie die Kolleg*innen der IG BAU, der Bera­tungs­stel­le Fai­re Mobi­li­tät Frank­furt und des Euro­päi­schen Ver­eins für Wan­der­ar­bei­ter­fra­gen e.V. bei ihren Besu­chen auf den Fel­dern in Süd- und Nord­hes­sen erfuh­ren. Die Aktio­nen fin­den in die­ser Zusam­men­set­zung bereits das drit­te Jahr in Fol­ge statt. Die Gewerkschaftssekretär*innen der IG BAU und die mut­ter­sprach­li­chen Berater*innen des EVW spra­chen direkt mit rund 350 Sai­son­ar­beits­kräf­ten; erreicht wur­den über Mund-zu-Mund-Pro­pa­gan­da vie­le mehr. Die Kollge*innen ver­teil­ten zudem Infor­ma­ti­ons­ma­te­ria­li­en über die Min­dest­ar­beits­be­din­gen in der Land­wirt­schaft. An zwei Aben­den bau­ten sie Infor­ma­ti­ons­stän­de in unmit­tel­ba­rer Nähe von Unter­künf­ten von Sai­son­be­schäf­tig­ten auf, an denen sich die­se ohne die Auf­sicht des*der Vorarbeiter*in und ohne Zeit­druck aus­führ­li­cher infor­mie­ren konn­ten…” Repor­ta­ge der IG BAU vom 9. Sep­tem­ber 2019 externer Link
  • Sech­zehn pol­ni­sche Ern­te­hel­fe­rin­nen und Ern­te­hel­fer: Betro­gen bei der Ern­te 
    “Sech­zehn pol­ni­sche Ern­te­hel­fe­rin­nen und Ern­te­hel­fer staun­ten nicht schlecht, als sie kurz vor Ablauf ihres Arbeits­ver­tra­ges ihre Stun­den­ab­rech­nun­gen aus­ge­hän­digt beka­men. Zwei Mona­te lang hat­ten sie in der Erd­beer­ern­te bei einem gro­ßen Bee­ren­pro­du­zen­ten in Nie­der­sach­sen gear­bei­tet – zwi­schen 250 und 300 Stun­den. Bezah­len woll­te der Arbeit­ge­ber aber nur die Hälf­te, teil­wei­se weni­ger. Wer die Abrech­nung bean­stan­de, wur­de ihnen signa­li­siert, brau­che sich im nächs­ten Jahr nicht mehr um den Job zu bewer­ben. (…) Bei der Über­prü­fung der Arbeits­un­ter­la­gen durch »Fai­re Mobi­li­tät« zeig­ten sich schnell gra­vie­ren­de Unre­gel­mä­ßig­kei­ten. Die Abrech­nun­gen stimm­ten ganz und gar nicht mit den tat­säch­lich geleis­te­ten Arbeits­stun­den über­ein: Ledig­lich 40 bis 50 Pro­zent der Leis­tung woll­te die Fir­ma ver­gü­ten. So wur­den etwa bei einer Per­son, die über zwei Mona­te 301,5 Stun­den gear­bei­tet hat­te, vom Arbeit­ge­ber ledig­lich 170 Stun­den abge­rech­net – eine Dif­fe­renz von 131,5 Stun­den soll­te nicht bezahlt wer­den. In Geld aus­ge­drückt: Der Arbeit­ge­ber woll­te den Beschäf­tig­ten um Lohn in Höhe von 1162,46 Euro prel­len. Auch bei ande­ren Kol­le­gin­nen und Kol­le­gen ging es um Sum­men von deut­lich über 1000 Euro. (…) Der Trick der Fir­ma: Sie leg­te einen Stück­lohn (Akkord) fest, der so hoch ange­setzt war, dass ihn nie­mand errei­chen konn­te. Nach­träg­lich wur­de die erreich­te Stück­leis­tung wie­der in Stun­den zurück­ge­rech­net. Der gesetz­li­che Min­dest­lohn soll­te damit – so behaup­te­te der Arbeit­ge­ber – for­mal ein­ge­hal­ten sein. Dass die­se Rechts­auf­fas­sung mehr als aben­teu­er­lich war, muss ihm aller­dings selbst schon klar gewe­sen sein. Nach­dem ein Bera­ter von »Fai­re Mobi­li­tät«, die Betrof­fe­nen über ihre Rech­te auf­ge­klärt hat­te und den Chef mit den über­prüf­ten Lohn­ab­rech­nun­gen kon­fron­tier­te, erklär­te sich die Fir­ma schnell bereit, die aus­ste­hen­den Löh­ne in vol­ler Höhe aus­zu­zah­len – einen Tag, bevor die Sai­son­kräf­te wie geplant wie­der in ihre Hei­mat zurück­fuh­ren…” Bericht des Pro­jekts Fai­re Mobi­li­tät vom August 2019 externer Link
  • [Trost zum Sai­son­ende] Prak­ti­kan­ten-Trick: Ukrai­ni­sche Stu­den­ten als bil­li­ge Spar­gel-Ern­te­hel­fer 
    Der ukrai­ni­sche Stu­dent Maxim woll­te als Ern­te­hel­fer auf einem Bran­den­bur­ger Spar­gel­hof gutes Geld zu ver­die­nen. Doch er bekam offen­bar einen Stun­den­lohn von weni­ger als sechs Euro. Der Spar­gel­hof ver­weist auf ein frag­wür­di­ges Prak­ti­kums­zeug­nis. (…) Der 20-jäh­ri­ge Stu­dent aus Char­kow in der Ukrai­ne wur­de offi­zi­ell als Prak­ti­kant beschäf­tigt. Ver­mit­telt wur­de das Prak­ti­kum über die ukrai­ni­sche Agen­tur “Pro­fi­team”. Maxim absol­viert ein Stu­di­um in einer tech­ni­schen Fach­rich­tung. “Mit mei­nem Stu­di­um hat das Prak­ti­kum eigent­lich nichts zu tun”, erzählt er. Er woll­te ein­fach nur gutes Geld ver­die­nen, denn in der Ukrai­ne lie­ge der durch­schnitt­li­che Monats­ver­dienst nur zwi­schen 200 und 300 Euro. Das Prak­ti­kum für die ukrai­ni­schen Stu­den­ten war ganz offi­zi­ell von der Bun­des­agen­tur für Arbeit geneh­migt wor­den. In der Geneh­mi­gung heißt es: “Nach den mir vor­ge­leg­ten Infor­ma­tio­nen han­delt es sich um ein stu­di­en­fach­be­zo­ge­nes Prak­ti­kum mit einem Ent­gelt in Höhe von 9,19 Euro pro Stun­de bei einer wöchent­li­chen Arbeits­zeit von 40 Stun­den.” (…) Doch Maxim ist Stu­dent. Für ihn gilt das Min­dest­lohn­ge­setz nicht, wenn er ein stu­di­en­be­glei­ten­des Prak­ti­kum absol­viert, das nicht län­ger als drei Mona­te dau­ert. Und hier wird es kom­pli­ziert, wie auch die Bun­des­agen­tur für Arbeit ein­räumt. Denn auch wenn der Min­dest­lohn nicht unmit­tel­bar gilt, so dür­fen die Prak­ti­kan­ten nach Auf­fas­sung der Agen­tur auch nicht schlech­ter gestellt wer­den als die ande­ren Ern­te­hel­fer, sofern sie gleich ein­ge­setzt wer­den. Maxim hat für das “Dom­stifts­gut Möt­zow” gear­bei­tet, das zur Thier­mann-Grup­pe gehört, einem der größ­ten Spar­gel­be­trie­be Deutsch­lands. (…)Er habe in sechs Wochen Arbeit rund 2.000 Euro ver­dient und dafür durch­schnitt­lich 60 Stun­den gear­bei­tet. “Wir haben aus­ge­rech­net, dass er einen Stun­den­lohn von 5,74 Euro bekom­men hat.” berich­tet Mag­da­le­na Sta­wia­na von der Bran­den­bur­ger Fach­stel­le “Migra­ti­on und Gute Arbeit”, die vom Deut­schen Gewerk­schafts­bund und den Volks­hoch­schu­len getra­gen wird. “Und selbst wenn er nicht geern­tet hat, son­dern zum Bei­spiel die Foli­en auf dem Spar­gel­feld befes­tigt hat, hat er nur 6,40 Euro pro Stun­de bekom­men.” Das wäre also deut­lich weni­ger als die zuge­sag­ten 9,19 Euro pro Stun­de…” Bei­trag von Ute Bart­hel und Jana Göbel vom 24.06.19 bei rbb externer Link
  • [Auch die­ses Jahr – aus Grün­den] Tschüss, Spar­gel­feld: Ern­te­hel­fer blei­ben aus 
    “Die Spar­gel­ern­te läuft und die Deut­schen kau­fen ihr liebs­tes Früh­lings­ge­mü­se flei­ßig ein. Eigent­lich gut für Spar­gel­bau­ern, doch die kla­gen über einen zuneh­men­den Man­gel: Die Ern­te­hel­fer bre­chen ihnen weg. (…) Deut­sche Kräf­te anzu­wer­ben war für die Bau­ern schon immer schwie­rig bis unmög­lich. Des­halb beschäf­ti­gen sie vor allem Spar­gel­ste­cher aus Polen und Rumä­ni­en. Doch auch dort nimmt das Inter­es­se an dem Kno­chen­job auf dem Spar­gel­feld spür­bar ab. (…) Was für die Bau­ern ein wach­sen­des Pro­blem dar­stellt, ist aus Sicht der Ern­te­hel­fer eine gute Nach­richt. Denn sie keh­ren dem Spar­gel­ste­chen vor allem des­halb den Rücken, weil sich die Lebens­be­din­gun­gen in ihren Hei­mat­län­dern ver­bes­sert haben. Ins­be­son­de­re die Zahl der pol­ni­schen Ern­te­hel­fer ist zurück­ge­gan­gen. (…) Eine gro­ße Zahl der der­zei­ti­gen Ern­te­hel­fer kommt aus Rumä­ni­en. Doch für die Rumä­nen scheint die Arbeit eben­falls zuse­hends weni­ger attrak­tiv zu sein. (…) Und nicht nur zu Hau­se fin­den die frü­he­ren Ern­te­hel­fer mitt­ler­wei­le offen­bar bes­ser bezahl­te Stel­len. Vie­le zieht es in ande­re EU-Län­der wie die Nie­der­lan­de. Und in Deutsch­land öff­nen sich ihnen ande­re Bran­chen: Sai­son­ar­bei­ter, die inzwi­schen gut Deutsch gelernt haben, bekom­men Jobs bei Paket­diens­ten, auf Bau­stel­len oder in Logis­tik­zen­tren. Spar­gel­bau­ern müs­sen ihren Arbei­tern mehr bie­ten als frü­her, um sie zu hal­ten – neben dem Min­dest­lohn zum Bei­spiel küh­le Geträn­ke auf dem Feld und bes­ser aus­ge­stat­te­te Unter­künf­te. Die Bau­ern hof­fen der­weil auf eine ande­re Lösung: Die Ver­ei­ni­gung der Spar­gel- und Bee­ren­an­bau­er for­dert, den Arbeits­markt auch für Sai­son­kräf­te aus Nicht-EU-Staa­ten wie der Ukrai­ne und Weiß­russ­land zu öff­nen.” Mel­dung von und bei NDR 1 Nie­der­sach­sen vom 29. April 2019 externer Link, sie­he auch: Start in die Spar­gel­sai­son 2019 – IG BAU: Wer arbei­tet hat auch Rech­te
  • Ern­te­hel­fer in Deutsch­land: Sie wol­len hier nicht mehr arbei­ten [aus guten Grün­den] 
    “… Gajew­ski jedes Jahr im Früh­som­mer nach Deutsch­land kommt, seit 18 Jah­ren zum sel­ben Hof im Spree­wald. Die­ses Jahr wird für ihn das letz­te Mal gewe­sen sein. Nach zwei Wochen auf dem Hof, erzählt Gajew­ski, sei ihm auf­ge­fal­len, dass etwas nicht stimm­te. “Ich weiß doch genau, wie viel Spar­gel in eine Kis­te geht”, sagt er, zwi­schen 16 und 20 Kilo, an guten Tagen sei er auf bis zu 40 Kilo gekom­men. Nun stan­den auf sei­ner Abrech­nung viel nied­ri­ge­re Kilo­wer­te, teils nur die Hälf­te von dem, was er auf dem Feld gesto­chen hat­te. Im Ver­trag mit den Arbei­tern hat­te der Betrieb notiert, die 50 Cent pro Kilo wür­den nur für “ver­mark­tungs­fä­hi­gen Spar­gel” bezahlt. “Das ist doch Betrug am hell­lich­ten Tage”, schimpft Gajew­ski auf Pol­nisch. Der Land­wirt vom Spar­gel­hof ver­tei­digt sein Vor­ge­hen: Er kön­ne nur bezah­len, was er auch ver­kau­fen kön­ne – und im ver­gan­ge­nen Jahr hät­ten Ern­te­hel­fer ver­sucht, Stei­ne in die Kis­ten zu legen, um auf einen höhe­ren Lohn zu kom­men. Daher ent­schei­de er in die­sem Jahr erst an der Sor­tier­ma­schi­ne, wie vie­le Kilo abge­rech­net wer­den. Die Bera­ter der Fach­stel­le Migra­ti­on und Gute Arbeit in Bran­den­burg, die Ver­trä­ge der Arbei­ter ein­ge­se­hen haben, hal­ten die Pra­xis für rechts­wid­rig. Das unter­neh­me­ri­sche Risi­ko wird den Ern­te­hel­fern auf­ge­bür­det. Vier Mona­te spä­ter auf einem Feld in Nord­rhein-West­fa­len: Alex­an­dru Mihai*, 18 Jah­re alt, wohnt in einem Dorf in Sie­ben­bür­gen. Anfang Juni sind er, sein älte­rer Bru­der und ande­re Bewoh­ner als Sai­son­kräf­te nach Bad Sal­zu­flen in Nord­rhein-West­fa­len gekom­men, wo sie auf einem Hof Erd­bee­ren ern­ten woll­ten. Als Mihai bei sei­nem Chef für die Ver­trags­aus­fer­ti­gung im Büro saß, behielt der direkt den Pass ein. Er habe nach dem Grund gefragt, berich­tet Mihai. Eine Erklä­rung habe ihm der Hof­be­sit­zer nicht gege­ben. Die Aus­wei­se ein­zu­be­hal­ten ist gra­vie­rend. Die Inter­na­tio­na­le Arbeits­or­ga­ni­sa­ti­on (ILO) sieht dar­in ein Indiz für Zwangs­ar­beit externer Link. Denn ohne ihre Doku­men­te kön­nen die Arbei­ter nicht weg. Sie sind gewis­ser­ma­ßen gefan­gen. (…) Mit den Ern­te­hel­fern aus den Nicht-EU-Staa­ten kom­men noch wei­te­re Akteu­re dazu, die am Ern­te­ge­schäft mit­ver­die­nen wol­len. In der Ukrai­ne gibt es längst Fir­men, die ihr Geschäft wit­tern und Stu­die­ren­de den Weg in die deut­sche Land­wirt­schaft lot­sen (…) In Bel­gi­en und den Nie­der­lan­den liegt der Min­dest­lohn etwas höher als in Deutsch­land. So lau­tet zumin­dest das Ver­spre­chen.“ Arti­kel von Bernd Kra­mer vom 14.08.2018 in der Zeit online externer Link
  • IG BAU: Nied­ri­ge Löh­ne ver­lei­den Sai­son­kräf­ten die Arbeit
    „Die Indus­trie­ge­werk­schaft Bau­en-Agrar-Umwelt (IG BAU) lehnt Abkom­men zur Anwer­bung von Ern­te­hel­fern mit Nicht-EUS­taa­ten ent­schie­den ab. Der­zeit häu­fen sich Rufe von Bau­ern­ver­tre­tern nach mehr bil­li­gen Arbei­tern aus der Ukrai­ne, weil Land­wir­te angeb­lich zu wenig Ern­te­hel­fer fin­den. Die IG BAU warnt davor, EU-Wan­der­ar­bei­ter gegen sol­che aus Dritt­staa­ten aus­zu­spie­len. „In der Land­wirt­schaft gibt es aus­rei­chend gute Sai­son­kräf­te aus der EU. Es ist irre­füh­rend zu behaup­ten, Ern­te­hel­fer aus öst­li­chen EU-Staa­ten blie­ben in ihrer Hei­mat, weil es dort jetzt wirt­schaft­lich berg­auf gehe. Dahin­ter steht der leicht zu durch­schau­en­de Ver­such, das Lohn­ni­veau hier­zu­lan­de dau­er­haft nied­rig zu hal­ten“, sag­te der Stell­ver­tre­ten­de IG BAU-Bun­des­vor­sit­zen­de Harald Schaum. „Dabei ist es ganz ein­fach, Ern­te­hel­fer dau­er­haft an sich zu bin­den. Man muss sie nur ver­nünf­tig bezah­len. Betrie­be, die ordent­lich mit den Sai­son­ar­bei­tern umge­hen, kla­gen bezeich­nen­der­wei­se nicht über zu wenig Ern­te­hel­fer. Ihre Beschäf­tig­ten kom­men jedes Jahr gern wie­der. Lei­der gibt es auch Betrie­be, die die Kol­le­gin­nen und Kol­le­gen schlecht bezah­len und sich wun­dern, wenn sich das in deren Hei­mat­län­dern her­um­spricht. Ihr Ruf ist dort rui­niert. Des­halb wol­len sie nun in ande­ren Län­dern Ern­te­hel­fer anwer­ben.“ Die IG BAU ist in die­sem Früh­jahr gemein­sam mit ande­ren Orga­ni­sa­tio­nen auf die Fel­der gefah­ren und hat mit fast tau­send Sai­son­kräf­ten Kon­takt gehabt. Bei der Ent­loh­nung gibt es laut deren Aus­sa­ge deut­li­che Unter­schie­de. Der gezahl­te Lohn vari­ie­re zwi­schen fünf und 9,20 Euro die Stun­de. Der Tarif­lohn für Ern­te­hel­fer beträgt zzt. 9,10 Euro bzw. 9,25 Euro für Beschäf­tig­te, die län­ger als vier Mona­te im Betrieb arbei­ten. Vie­le erhal­ten aber nur den gesetz­li­chen Min­dest­lohn von 8,84 Euro pro Stun­de. Die­ser sei im Ver­gleich zu ande­ren EU-Staa­ten sehr nied­rig und mache Deutsch­land als Arbeits­ort immer unat­trak­ti­ver, berich­te­ten eini­ge Sai­son­kräf­te, ins­be­son­de­re weil zudem die Pra­xis unge­recht­fer­tig­ter Abzü­ge für Kost und Logis oder Arbeits­ge­rä­te und Schutz­klei­dung immer noch ver­brei­tet sei.“ Pres­se­mit­tei­lung der IG BAU vom 13.06.2018 externer Link
  • Ern­te­hel­fer: Wer ret­tet die Erd­bee­ren? 
    … “Nor­ma­le Pflü­cker gibt es vie­le, aber die Vor­ar­bei­ter feh­len uns”, sagt Simon Schu­ma­cher vom Ver­band VSSE, “die guten Leu­te, die auch mal einen Trupp anlei­ten kön­nen und die bis­her vie­le Jah­re in Fol­ge kamen.” Wo sie geblie­ben sind? “Vie­le haben Arbeit bei Paket­zu­stell­diens­ten gefun­den oder auf dem Bau”, so weiß Schu­ma­cher von den Mit­glieds­be­trie­ben. “Die guten Arbei­ter sind nicht nur mobil in den Bei­nen, son­dern auch im Kopf.” Zum einen zah­len die Paket­diens­te bes­ser, näm­lich zwei bis drei Euro mehr pro Stun­de im Ver­gleich zu den 8,84 Euro Min­dest­lohn auf dem Feld. Zum ande­ren bedeu­ten die Jobs in Logis­tik oder Bau­bran­che eine dau­er­haf­te Beschäf­ti­gung – und nicht bloß drei Mona­te Ein­kom­men im Jahr, wenn gera­de Erd­beer­zeit ist. Etli­che Sai­son­hel­fer aus Polen, Rumä­ni­en oder Bul­ga­ri­en sei­en die­se Sai­son gar nicht erst zum Dienst ange­tre­ten, obwohl sie frü­her jah­re­lang auf bestimm­ten Höfen mit­ge­hol­fen hät­ten und oft schon im Win­ter Ver­trä­ge unter­zeich­ne­ten. Sie hät­ten statt­des­sen in ihrer Hei­mat Arbeit gefun­den, wo neu­er­dings auch die Wirt­schaft flo­riert, sagt Schu­ma­cher: “Dort ver­die­nen sie etwas weni­ger, aber dafür kön­nen sie bei ihren Fami­li­en blei­ben.” Vie­le Arbei­ter sähen so “nicht mehr die Not­wen­dig­keit”, für meh­re­re Wochen ihr Land zu ver­las­sen, so glaubt der Geschäfts­füh­rer Hans Lehar von der Obst- und Gemü­se­ab­satz­ge­nos­sen­schaft Baden. “Dass es in Ost­eu­ro­pa wirt­schaft­lich berg­auf geht, ist sicher­lich auch eine Fol­ge der Sai­son­ar­beit “, sagt Schu­ma­cher vom Anbau­ver­band VSSE, “nun kön­nen sich die Leu­te daheim sel­ber etwas auf­bau­en.” … Arti­kel von Nadi­ne Ober­hu­ber vom 03.06.2018 in der Zeit online externer Link

Der Bei­trag Ern­te­hel­fer: “Wenn man die Leu­te anstän­dig behan­delt, kom­men sie auch” erschien zuerst auf Labour­Net Ger­ma­ny.

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