[labournet:] Fallen Werkverträge (leider nur) in der Fleischindustrie Corona zum Opfer?

Dossier

Coronavirus, die Hetze und der Ausnahmezustand: China im ShitstormCoro­na in der Fleisch­in­dus­trie – über­ra­schend? Seit Jah­ren sind die üblen Lebens- und Arbeits­be­din­gun­gen der über­wie­gend ost­eu­ro­päi­schen Beschäf­tig­ten bekannt. Es ist höchs­te Zeit, die Aus­beu­tung und Gefähr­dung der Arbei­ter in der Bran­che zu been­den. Was braucht es dazu? Mehr Kon­troll­per­so­nal in den Behör­den, Schluss mit Werk­ver­trä­gen, die neu­en Stan­dards für Unter­künf­te ein­hal­ten…” – appel­liert das #schlag­licht 19/​2020 vom 14.05.2020 des DGB Nie­der­sach­sen externer Link (samt der Gra­fik “Ent­wick­lung der FKS-Arbeit­ge­ber­prü­fun­gen in der Fleisch­in­dus­trie”) unter der Über­schrift “Fleisch­in­dus­trie & Coro­na: Die wah­re Seu­che heißt Aus­beu­tung – Werk­ver­trä­ge im Kern­ge­schäft ver­bie­ten”. Sie­he hier spe­zi­ell die Debat­te um Werk­ver­trä­ge und zum Hin­ter­grund unser Dos­sier: Coro­na-Infek­tio­nen: Poli­ti­ker kri­ti­sie­ren Aus­beu­tung in Schlacht­hö­fen – Ver­schär­fung der Arbeits­schutz­ge­set­ze gefor­dert:

  • “Ein­zi­ge Per­spek­ti­ve um aus dem Dilem­ma her­aus­zu­kom­men, ist das Ver­bot von Werk­ver­trä­gen über­all.” /​Debat­te um höhe­re Fleisch­prei­se: Pflas­ter ohne Wund­hei­lung New
    • Wird Tön­nies bei den Werk­ver­trä­gen trick­sen? “Ein­zi­ge Per­spek­ti­ve um aus dem Dilem­ma her­aus­zu­kom­men, ist das Ver­bot von Werk­ver­trä­gen über­all.”
      Die Coro­na­kri­se hat ein Schlag­licht auf schon lan­ge bestehen­de Ver­hält­nis­se gewor­fen. Durch die mas­si­ven Coro­na­aus­brü­che in der Fleisch­in­dus­trie ist die­se nun in die Kri­tik gera­ten und sogar die lang­jäh­ri­ge Pra­xis der Werk­ver­trä­ge steht zur Dis­po­si­ti­on. Wir wer­den auf­räu­men mit die­sen Ver­hält­nis­sen” So Bun­des­ar­beits­mi­nis­ter Huber­tus Heil ange­sichts der zahl­rei­chen Covid-19 Fäl­le in den Schlacht­hö­fen. Er kri­ti­sier­te die Arbeits- und Wohn­be­din­gun­gen der zumeist ost­eu­ro­päi­schen Leih­ar­bei­te­rIn­nen in der Fleisch­wirt­schaft: “Wir dür­fen als Gesell­schaft nicht wei­ter zugu­cken, wie Men­schen aus Mit­tel- und Ost­eu­ro­pa in die­ser Gesell­schaft aus­ge­beu­tet wer­den.” Zum Jah­res­wech­sel soll angeb­lich gesetz­lich Schluss gemacht wer­den mit der bis­he­ri­gen Werkvertragspraxis.Auf die­se Ankün­di­gun­gen hat nun der größ­te euro­päi­sche Fleisch­kon­zern Tön­nies reagiert. Tön­nies wol­le die bis­her über Werk­ver­trä­ge Beschäf­tig­ten künf­tig in eige­ne Toch­ter­ge­sell­schaf­ten inte­grie­ren. Die ers­ten 1.000 Arbei­ter sol­len bis Sep­tem­ber direkt bei Fir­men der Grup­pe ange­stellt wer­den, so Tön­nies gegen­über dem „West­fa­len-Blatt“. Viel ver­än­dern wird sich nichts, so die Auf­fas­sung von Dr. Rolf Geff­ken, Arbeits‑, Wirt­schafts­recht­ler und Autor aus Ham­burg, der auf das Bei­spiel VW ver­weist. Wir haben mit ihm gespro­chen.” Inter­view vom 24. Juli 2020 beim Radio Dreyeck­land externer Link
    • Debat­te um höhe­re Fleisch­prei­se: Pflas­ter ohne Wund­hei­lung
      Die Stim­men nach einer Fleisch­ab­ga­be wer­den lau­ter – plötz­lich reden alle von Tier­wohl. Die ursprüng­lich grü­ne For­de­rung wird inzwi­schen auch von Land­wirt­schafts­mi­nis­te­rin Julia Klöck­ner, von Jochen Bor­chert (bei­de CDU), der eine Exper­ten­kom­mis­si­on zum The­ma lei­tet, und von Horst See­hofer (CSU) ver­tre­ten. Die Ver­ant­wor­tung für die poli­ti­sche Mise­re wird auf die Ver­brau­cher abge­wälzt. Der Ruf nach höhe­ren Prei­sen impli­ziert, sie sei­en gei­zig und wür­den immer bil­li­ge­re Prei­se ver­lan­gen. Dabei wird über­se­hen, dass nicht die Nach­fra­ge, son­dern fehl­ge­lei­te­te Agrar­sub­ven­tio­nen und Effi­zi­enz­stei­ge­run­gen zum Fleisch­preis geführt haben. Es wird igno­riert, dass vie­le Men­schen sich schlicht kei­ne teu­re­ren Pro­duk­te leis­ten kön­nen. Jedem drit­ten Hartz-IV-Bezie­hen­den fehlt etwa laut einer Aus­wer­tung des Sta­tis­ti­schen Bun­des­am­tes Geld für voll­wer­ti­ges Essen. Gemü­se ist oft teue­rer als Fleisch, wenn auch dies ein Pro­dukt für Wohl­ha­ben­de wird, hilft das nicht wei­ter. Die aktu­el­le Dis­kus­si­on spielt sozia­le Fra­gen gegen öko­lo­gi­sche aus. Das Her­um­dok­tern in einem kran­ken Sys­tem ist nicht mehr als ein fehl­ge­lei­te­ter Ver­such für eine gerech­te­re und nach­hal­ti­ge­re Pro­duk­ti­on. Höhe­re Prei­se behe­ben weder die Ursa­che der Aus­beu­tung, noch füh­ren sie zu ihrer Über­win­dung.” Kom­men­tar von Lisa Ecke vom 27.07.2020 im ND online externer Link
  • Fleisch­wirt­schaft hält Ver­bot von Werk­ver­trä­gen für ver­fas­sungs­wid­rig /​Indus­trie droht mit Anstieg der Fleisch­prei­se 
    • Ver­bot von Werk­ver­trä­gen: Schar­fe Regeln für Schlacht­hö­fe: Arbeits­mi­nis­ter Huber­tus Heil will auch ande­re Bran­chen prü­fen
      Die Coro­na-Kri­se brach­te die Zustän­de in Tei­len der Fleisch­in­dus­trie erneut ans Licht. Geset­zes­ver­schär­fun­gen ste­hen kurz bevor. Doch sind sie rech­tens – und wird es dabei blei­ben? (…) Arbeit­ge­ber­prä­si­dent Ingo Kra­mer sag­te der dpa: „Fin­ger weg von einer all­ge­mei­nen Ein­schrän­kung von Werk­ver­trä­gen und Arbeit­neh­mer­über­las­sung, wenn man nicht die Wirt­schaft völ­lig abwür­gen will.“ Werk­ver­trä­ge sei­en zum Bei­spiel für wei­te Berei­che des Hand­werks, der Bau­in­dus­trie und des Anla­gen­baus zwin­gend die Grund­la­ge für ihre Wert­schöp­fung beim Kun­den. „Die Ver­feh­lun­gen Ein­zel­ner kön­nen nicht ein der­art wich­ti­ges Instru­ment zer­stö­ren.“ Heil ver­si­cher­te: „Mein Ziel ist nicht, Werk­ver­trä­ge über­all in der deut­schen Wirt­schaft zu ver­bie­ten.“ Werk­ver­trä­ge sei­en sinn­voll. „Wenn ein Indus­trie­be­trieb einen Hand­wer­ker beauf­tragt, eine Sicher­heits­an­la­ge ein­zu­bau­en, ist das ein ganz nor­ma­ler Werk­ver­trag.“…” Arti­kel von Basil Wege­ner und Andre­as Hoe­nig vom 26.7.2020 in der Ber­li­ner Zei­tung online externer Link
    • Indus­trie erwar­tet Anstieg der Fleisch­prei­se
      Die deut­sche Fleisch­wirt­schaft hält das von der Bun­des­re­gie­rung geplan­te Ver­bot von Werk­ver­trä­gen und Leih­ar­beit in ihrer Bran­che für ver­fas­sungs­wid­rig und pro­gnos­ti­ziert deut­lich stei­gen­de Fleisch­prei­se. In einer Stel­lung­nah­me des Sozi­al­po­li­ti­schen Aus­schus­ses der Bran­che zum Gesetz­ent­wurf von Bun­des­ar­beits­mi­nis­ter Huber­tus Heil (SPD) heißt es laut der “Neu­en Osna­brü­cker Zei­tung” (NOZ), es sei nicht erklär­bar, war­um beim Por­tio­nie­ren und Ver­pa­cken von Käse künf­tig ande­res Arbeits­recht gel­ten sol­le als bei Wurst. Das Gesetz gehe zu weit und stel­le eine “abstru­se Ungleich­be­hand­lung” gegen­über ande­ren Bran­chen dar, zitiert die “NOZ” wei­ter aus dem Schrei­ben. Die Fleisch­wirt­schaft sei auch künf­tig auf Leih­ar­bei­ter ange­wie­sen, um Pro­duk­ti­ons­spit­zen etwa zur Grill­sai­son abfan­gen zu kön­nen. Wür­den Werk­ver­trag und Leih­ar­beit ver­bo­ten, ver­teu­re das die Pro­duk­ti­on. (…) In der Stel­lung­nah­me wird ein Bran­chen­ta­rif­ver­trag als Alter­na­ti­ve genannt. Die­ser “wäre das effek­ti­ve Mit­tel, um Schlupf­lö­cher für schwar­ze Scha­fe zu schlie­ßen”. In einem Bran­chen­ta­rif­ver­trag könn­ten dann auch Vor­ga­ben zur Unter­brin­gung von Leih­ar­bei­tern gemacht wer­den, was in einem Gesetz nicht mög­lich sei...” AFP-Mel­dung vom 25.07.2020 beim ZDF externer Link
  • [DGB] Gesetz­ent­wurf Fleisch­in­dus­trie: Fort­schritt mit Ver­bes­se­rungs­be­darf /​Arbeit­ge­ber: Gesetz schießt übers Ziel hin­aus /​Exper­ten war­nen: Fleisch­kon­zer­ne könn­ten Ver­bot von Werk­ver­trä­gen umge­hen 
    • [DGB] Gesetz­ent­wurf Fleisch­in­dus­trie: Fort­schritt mit Ver­bes­se­rungs­be­darf
      Mit dem Ziel bes­se­rer Arbeits- und Lebens­be­din­gun­gen für die Beschäf­tig­ten in der Fleisch­in­dus­trie hat Bun­des­ar­beits­mi­nis­ter Heil jetzt einen Ent­wurf für ein Arbeits­schutz­kon­troll­ge­setz vor­ge­legt. Es sieht für wei­te Berei­che der Schlach­tung und Fleisch­ver­ar­bei­tung ein Ver­bot von Werk­ver­trä­gen und Leih­ar­beit vor sowie neue Regeln für die Beschäf­tig­ten­un­ter­künf­te. Dazu sag­te Anja Piel, DGB-Vor­stands­mit­glied, am Don­ners­tag in Ber­lin: „Die Ver­hält­nis­se in der Fleisch­in­dus­trie sind aus­beu­te­risch. Gut, dass die Bun­des­re­gie­rung end­lich auf die­se men­schen­ver­ach­ten­den Zustän­de reagiert, die an moder­ne Skla­ve­rei gren­zen und für Deutsch­land schlicht und ergrei­fend ein Skan­dal sind. Das ist ein erheb­li­cher Fort­schritt. In der Fleisch­in­dus­trie brau­chen wir end­lich kla­re Ver­ant­wort­lich­kei­ten für Arbeits­be­din­gun­gen, Gesund­heits­schutz und Hygie­ne. Wenn das Ver­bot der Werk­ver­trä­ge wir­ken soll, muss es aus­drück­lich auch kon­zern­in­ter­ne Werk­ver­trä­ge und Leih­ar­beit ver­bie­ten. Ansons­ten besteht die Gefahr, dass die Fleisch­ba­ro­ne Schlupf­lö­cher nut­zen, um neue aus­beu­te­ri­sche Struk­tu­ren zu erfin­den – indem sie bei­spiels­wei­se eige­ne Toch­ter­un­ter­neh­men grün­den. In den Betrie­ben muss es auch Betriebs­rä­te und tarif­lich gere­gel­te Arbeits­be­din­gun­gen geben. Nur so wird sich wirk­lich etwas ändern. Bei den Rege­lun­gen für die Unter­künf­te gibt es aus Sicht des DGB Klä­rungs- und Nach­bes­se­rungs­be­darf und auch eine Ver­ant­wor­tung der Län­der bei der Umset­zung. (…) Recht­lich pro­ble­ma­tisch ist aus Sicht des DGB eine zeit­li­che Kopp­lung der Unter­brin­gung der Beschäf­tig­ten an den kon­kre­ten Arbeits­ver­trag. Das schafft unge­woll­te Abhän­gig­kei­ten der Arbeit­neh­mer vom Arbeit­ge­ber. Umge­kehrt wird ein Schuh dar­aus: Des­halb muss das Gesetz klar­stel­len, dass eine zeit­li­che Kop­pe­lung von Unter­kunft und Arbeits­ver­trag unzu­läs­sig ist.“” PM vom 23.07.2020 externer Link
    • [Arbeit­ge­ber] Heils Gesetz für bes­se­re Arbeits­be­din­gun­gen in der Fleisch­in­dus­trie hat vie­le Neben­wir­kun­gen
      Das geplan­te Gesetz setzt die Arbeits­schutz­be­hör­den unter Druck. Und es schießt aus Sicht der Arbeit­ge­ber weit über das Ziel hin­aus…” Arti­kel von Frank Specht vom 24.7.2020 im Han­dels­blatt online externer Link (im Abo) – wir wer­den ganz sicher bald mehr hören von der Abwehr­front
    • Exper­ten war­nen: Fleisch­kon­zer­ne könn­ten Ver­bot von Werk­ver­trä­gen umge­hen
      Nach neu­en Coro­na-Aus­brü­chen in Schlacht­hö­fen gerät das Werk­ver­trags­sys­tem in die Kri­tik. (…) Gewerk­schaf­ter betrach­ten die poli­ti­schen Bemü­hun­gen für ein Ver­bot von Werk­ver­trä­gen zum 1. Janu­ar 2021 in der Fleisch­in­dus­trie mit gro­ßer Skep­sis. Der Geschäfts­füh­rer der Gewerk­schaft Nah­rung Genuss Gast­stät­ten (NGG) in der Regi­on Oldenburg/​Ostfriesland, Mat­thi­as Brüm­mer, fürch­tet, dass vie­le Unter­neh­men das geplan­te Ver­bot durch die Grün­dung von Toch­ter­fir­men umge­hen wer­den. Dadurch wür­de erneut ein unüber­sicht­li­ches Geflecht von Unter­neh­men ent­ste­hen, das nur schwer zu kon­trol­lie­ren sei, sag­te Kos­sen, der sich seit lan­gem für die Rech­te von Werk­ver­trags­ar­bei­tern ein­setzt, am Diens­tag dem „Evan­ge­li­schen Pres­se­dienst“: „Das ist dann der glei­che Mist wie mit den Sub­un­ter­neh­mern und den Werk­ver­trä­gen.“ (…) Brüm­mer beton­te, die Arbei­ter wür­den dann statt in frem­den Sub­un­ter­neh­men in Toch­ter­fir­men ange­stellt: „Alter Wein in neu­en Schläu­chen, die Aus­beu­tung wird blei­ben“, sag­te er dem Bre­mer „Weser-Kurier“. (…) Der Tön­nies-Kon­zern hat­te in der ver­gan­ge­nen Woche nach Medi­en­be­rich­ten 15 Toch­ter­fir­men gegrün­det. Dort sol­len nach und nach Werk­ver­trags­ar­bei­ter fest ange­stellt wer­den. (…) Für den däni­schen Gewerk­schafts­se­kre­tär Jim Jen­sen ist der Streit um Werk­ver­trä­ge kaum nach­voll­zieh­bar. „In däni­schen Schlacht­hö­fen gilt seit mehr als 30 Jah­ren ein natio­na­ler Tarif, der nicht unter­schrit­ten wer­den darf“, sag­te er am Diens­tag dem Evan­ge­li­schen Pres­se­dienst (epd). Der Tarif sehe als Mini­mum einen Stun­den­lohn von 20 Euro vor, der durch Zuschlä­ge auf bis zu 27 Euro stei­gen kön­ne. Aus­nahms­los alle Mit­ar­bei­ten­den sei­en in den Schlacht­hö­fen fest ange­stellt. Das Fleisch sei an der Laden­the­ke nach Abzug der Mehr­wert­steu­er den­noch nicht teu­rer als in Deutsch­land. Auch inter­na­tio­nal sei Däne­mark wett­be­werbs­fä­hig. (…) Zwar ver­such­ten auch in Däne­mark die Arbeit­ge­ber die Löh­ne zu drü­cken, um die Gewin­ne zu stei­gern. Doch sie schei­ter­ten an der Macht der Gewerk­schaf­ten, unter­strich Jen­sen. In der Fleisch­in­dus­trie sei­en nahe­zu 100 Pro­zent der Beschäf­tig­ten Gewerk­schafts­mit­glie­der. Hin­zu kom­me die Soli­da­ri­tät der ande­ren Gewerk­schaf­ten. Wenn es dar­auf ankom­me, fah­re kein Last­wa­gen mehr in die Flei­sche­rei, oder es kom­me kei­ne Elek­tri­ker zu not­wen­di­gen Repa­ra­tu­ren…” Bei­trag vom 22. Juli 2020 von und bei MiGA­ZIN externer Link
  • Streit über die Werk­ver­trä­ge: Was die Bran­che vom geplan­ten Ver­bot hält 
    Gewerk­schaf­ter fürch­ten, dass das Sys­tem unter ande­rem Namen wei­ter­läuft. Die Bran­che und Dienst­leis­ter war­nen vor höhe­ren Kos­ten und Per­so­nal­not. (…) Arbeits­mi­nis­ter Huber­tus Heil (SPD) will bis Ende Juli einen Gesetz­ent­wurf zum Ende der Werk­ver­trä­ge in Kern­be­rei­chen der Schlacht­in­dus­trie vor­le­gen. Das Gesetz soll bis Jah­res­en­de in Kraft tre­ten. Indes meh­ren sich kri­ti­sche Stim­men, wie prak­ti­ka­bel das geplan­te Ver­bot ist. Unter­neh­men, Ver­bän­de und Gewerk­schaf­ter wer­fen der Poli­tik einen gesetz­ge­be­ri­schen Schnell­schuss vor – und war­nen davor, dass alte Pro­ble­me nicht beho­ben wer­den, wäh­rend neue dazu­kom­men. „Wir fürch­ten, die Fleisch­in­dus­trie behält das Kon­strukt der Werk­ver­trä­ge bei – nur unter ande­rem Namen“, sagt Micha­el Brüm­mer von der Gewerk­schaft NGG Olden­burg, einem Zen­trum der deut­schen Schwei­ne- und Geflü­gel­zucht. Die­sel­ben Beschäf­tig­ten sei­en dann eben nicht über frem­de Sub­un­ter­neh­men, son­dern über Toch­ter­fir­men oder über­nom­me­ne Dienst­leis­ter ange­stellt: „Am aus­beu­te­ri­schen Sys­tem wird das nicht viel ändern.“ (…) Klar ist etwa, dass die Schlacht­kon­zer­ne wei­ter auf Per­so­nal aus Ost­eu­ro­pa ange­wie­sen sein wer­den. „Wir haben umfang­rei­che Erfah­rung mit dem Ver­such, in Deutsch­land Per­so­nal zu rekru­tie­ren. Das ist nicht mög­lich“, sag­te ein Tön­nies-Spre­cher. Die Per­so­nal­ge­win­nung müs­se vor­aus­sicht­lich wei­ter­hin in Län­dern wie Rumä­ni­en, Bul­ga­ri­en oder Polen statt­fin­den. „Wir wer­den bei der Rekru­tie­rung sicher auf bestehen­de Struk­tu­ren zurück­grei­fen, aber auch eige­ne auf­bau­en müs­sen“, so der Spre­cher. Waren 2008 erst 16.767 Aus­län­der in der deut­schen Fleisch­in­dus­trie beschäf­tigt, stieg deren Zahl bis 2018 auf 53.478, ermit­tel­te der Bun­des­tag. Das sind knapp 30 Pro­zent. Nach Schät­zung der Gewerk­schaft NGG sind etwa 30.000 Men­schen über Werk­ver­trä­ge beschäf­tigt. Rechts­an­walt Tho­mas Kuhn beschäf­tigt sich seit 20 Jah­ren mit Werk­ver­trags­recht. Zu sei­nen Man­dan­ten gehö­ren bei Tön­nies täti­ge Dienst­leis­ter, dar­un­ter die Fir­ma MGM, die selbst in der Kri­tik steht. Kuhn bestä­tigt: Die Fleisch­in­dus­trie kom­me nicht ohne Ost­eu­ro­pä­er aus. „Wenn sich über­haupt Deut­sche mel­den, schmei­ßen sie den Job spä­tes­tens nach drei Tagen hin“, sagt der Jurist. Gleich­zei­tig kön­ne Tön­nies nicht auf Jah­re mit den ange­kün­dig­ten Direkt­an­stel­lun­gen pla­nen. Denn auch unter die­sen Arbei­tern sei die Fluk­tua­ti­on hoch. „Vie­le kom­men nur für eine begrenz­te Zeit, man­che ver­schwin­den ein­fach von heu­te auf mor­gen.” (…) Bran­chen­ken­ner befürch­ten, dass dubio­se Per­so­nal­an­wer­ber wei­ter­hin ihre Lands­leu­te abzo­cken, indem sie bei­spiels­wei­se Ver­mitt­lungs­gel­der for­dern. MGM-Anwalt Kuhn meint: „Wenn alles ein­fach nur unter Direkt­an­stel­lun­gen wei­ter­läuft, wird sich nicht wirk­lich etwas ändern.” Will die Poli­tik die Arbeits­be­din­gun­gen ver­bes­sern, soll­te sie das sei­ner Mei­nung nach über einen Tarif­ver­trag oder eine gesetz­li­che Reduk­ti­on der pro­du­zier­ten Stück­zah­len tun. Manch einer hält ein Ver­bot von Werk­ver­trä­gen, das nur für die Fleisch­wirt­schaft gilt, gar für ver­fas­sungs­wid­rig. (…) Der Lohn­kos­ten­an­teil in der Fleisch­in­dus­trie ist aller­dings gering. Gewerk­schaf­ter Brüm­mer schätzt, dass er nur bei rund fünf Pro­zent liegt. An einem Schwein, das rund 60 Kilo Fleisch hat, ver­die­nen Werk­ver­trags­fir­men nur etwa 1,03 Euro, zei­gen Aus­sa­gen, die der NGG vor­lie­gen. Trotz­dem loh­ne sich das Geschäft für die Sub­un­ter­neh­men, so Brüm­mer. Die Mar­gen in der Schlacht- und Zer­le­ge­bran­che sind mit rund drei Pro­zent nied­rig. Als Mit­ver­ur­sa­cher sieht der Gewerk­schaf­ter die mäch­ti­gen Han­dels­ket­ten. „Der Han­del ist der Preis­drü­cker.” Er sei wesent­lich mit­ver­ant­wort­lich für die aus­beu­te­ri­schen Arbeits- und Lebens­be­din­gun­gen der Beschäf­tig­ten in der Fleisch­bran­che. Vie­le gro­ße Ket­ten – mit Aus­nah­me von Aldi – betrei­ben selbst Fleisch­wer­ke mit Werk­ver­träg­lern…” Arti­kel von Kat­rin Terpitz und Micha­el Ver­für­den vom 16.7.2020 beim Han­dels­blatt online externer Link (im Abo)
  • Coro­na-Hot­spot Fleisch­in­dus­trie: Das Schei­tern der Selbst­ver­pflich­tung 
    Die deut­sche Fleisch­wirt­schaft hat sich in den letz­ten Jahr­zehn­ten von einem Sek­tor mit vie­len Klein­be­trie­ben zu einem indus­tria­li­sier­ten Wirt­schafts­zweig mit weni­gen Markt­füh­rern ent­wi­ckelt. Die meis­ten Tätig­kei­ten, die eigent­lich zum Kern­ge­schäft zäh­len, sind aus­ge­la­gert wor­den. Ziel war es, den mit der Ost­erwei­te­rung der EU ver­füg­ba­ren Pool bil­li­ger Arbeits­kräf­te aus­zu­schöp­fen und gleich­zei­tig die skan­da­lö­sen Arbeits­be­din­gun­gen in undurch­sich­ti­gen Sub­un­ter­neh­mer­struk­tu­ren zu ver­schlei­ern. Trotz zahl­rei­cher Medi­en­be­rich­te über die haar­sträu­ben­den Arbeits­be­din­gun­gen und die Nicht­ein­hal­tung des Min­dest­lohns begnüg­te sich der Staat lan­ge mit frei­wil­li­gen und sank­ti­ons­frei­en Selbst­ver­pflich­tun­gen der Bran­che. Die Finanz­kon­trol­le Schwarz­ar­beit fuhr bei Ein­füh­rung des Min­dest­lohns sogar ihre Kon­trol­len zurück. Erst, als durch die unheil­vol­le Kom­bi­na­ti­on schlech­ter Arbeits- und Wohn­be­din­gun­gen mit hohen Infek­ti­ons­ra­ten mit Covid-19 im Früh­jahr 2020 auch die all­ge­mei­ne Gesund­heit gefähr­det wur­de, ver­ab­schie­de­te das Kabi­nett einen Geset­zes­ent­wurf, der das Schlach­ten und Ver­ar­bei­ten von Fleisch durch Werk­ver­trags­neh­mer ab dem 1.1.2021 unter­sagt und die Kon­trol­len ver­schär­fen soll. Die neu­en gesetz­li­chen Rege­lun­gen wer­den die Bran­che nur ändern, wenn dahin­ter auch ein ernst­haf­ter staat­li­cher Umset­zungs­wil­le steht. Dazu muss der Kon­troll­druck auf die Bran­che nach­hal­tig erhöht wer­den…” IAQ-Report 2020-07 von Ger­hard Bosch, Fre­de­ric Hüt­ten­hoff und Clau­dia Wein­kopf externer Link
  • Eng­füh­rung auf Werk­ver­trä­ge pro­ble­ma­tisch /​Löh­ne drü­cken per Ver­trag. Nicht nur in der Fleisch­in­dus­trie sind Werk­ver­trä­ge ein Übel 
    • Wenn Tön­nies & Co. ihre Arbei­ter nicht mehr über Sub­un­ter­neh­men und Werk­ver­trä­ge aus­beu­ten wür­den, dann kos­tet das eine Hand­voll Cent. Zugleich aber ist die Eng­füh­rung auf Werk­ver­trä­ge pro­ble­ma­tisch
      “… »Anfang 2015 hat­te Sig­mar Gabri­el – noch als Bun­des­wirt­schafts­mi­nis­ter – das Sys­tem der Aus­beu­tung in der deut­schen Fleisch­in­dus­trie als „Schan­de für Deutsch­land“ bezeich­net. Es ging vor allem um die oft deso­la­ten Arbeits- und Wohn­be­din­gen der ost­eu­ro­päi­schen Werk­ver­trags­ar­beit­neh­mer. Dar­auf­hin besuch­te Gabri­el das Tön­nies-Stamm­werk in Rhe­da-Wie­den­brück und wur­de von Fir­men­chef Cle­mens Tön­nies per­sön­lich durch die Pro­duk­ti­on geführt. In der Fol­ge einig­ten sich die sechs größ­ten deut­schen Fleisch­kon­zer­ne unter Feder­füh­rung von Gabri­el und Tön­nies auf eine frei­wil­li­ge Selbst­ver­pflich­tung zur Ein­hal­tung sozia­ler Stan­dards in der Fleisch­wirt­schaft. Dem­nach soll­ten künf­tig auch alle Werk­ver­trags­ar­beit­neh­mer nach deut­schem Arbeits- und Sozi­al­ver­si­che­rungs­recht beschäf­tigt sein, die Zahl der Werk­ver­trä­ge redu­ziert sowie in die Unter­künf­te inves­tiert wer­den«, so das Poli­tik­ma­ga­zin „Pan­ora­ma“. (…) Nach­dem die mie­sen Arbeits­be­din­gun­gen in den Schlacht­hö­fen – mal wie­der und nun rich­tig mas­siv – hoch­ge­kocht wur­den (weil dies­mal nicht „nur“ die­se Ost­eu­ro­pä­er betrof­fen sind, son­dern auch die ein­hei­mi­sche Bevöl­ke­rung durch die Fol­ge­pro­ble­me der zahl­rei­chen Coro­na-Infek­tio­nen), hat – wie bereits beschrie­ben – der Bun­des­ar­beits­mi­nis­ter Huber­tus Heil (SPD) die Situa­ti­on dahin­ge­hend genutzt, nun end­lich auf­zu­räu­men in die­ser Bran­che der Wie­der­ho­lungs­tä­ter. Und er kann sich vie­ler Sym­pa­thien gewiss sein, wenn er ankün­digt, man wol­le das Werk­ver­trags­un­we­sen mit den unüber­schau­ba­ren Sub­un­ter­neh­mens­ket­ten für das Schlach­ten und für die Ver­ar­bei­tung von Fleisch ver­bie­ten. Die Unter­neh­men sol­len gefäl­ligst eige­ne Beschäf­tig­te anstel­len und damit auch die damit ver­bun­de­nen Arbeit­ge­ber­pflich­ten über­neh­men. (…) Und zu wel­chem Ergeb­nis kom­men den Wis­sen­schaft­li­chen Diens­te des Bun­des­ta­ges? »Ein bran­chen­be­zo­ge­nes Ver­bot von Arbeit­neh­mer­über­las­sung und Werk­ver­trags­ge­stal­tun­gen in der Fleisch­wirt­schaft wür­de nach der dar­ge­stell­ten Recht­spre­chung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts weder das Grund­recht auf Eigen­tum aus Art. 14 Abs. 1 GG noch unter dem Gesichts­punkt der Ungleich­be­hand­lung gegen­über Unter­neh­men ande­rer Wirt­schafts­zwei­ge den Gleich­heits­satz aus Art. 3 Abs. 1 GG ver­let­zen.« An ande­rer Stel­le hin­ge­gen fin­det man die­sen Pas­sus: Es müs­se „gewis­sen­haft geprüft“ wer­den, »ob durch … weni­ger ein­grei­fen­den Maß­nah­men zur Ver­bes­se­rung des Arbeits­schut­zes bei Werk­ver­trä­gen in der Fleisch­wirt­schaft die fest­ge­stell­ten Miss­stän­de bereits beho­ben wur­den oder abseh­bar beho­ben wer­den kön­nen. In einer sol­chen Situa­ti­on könn­te das in Rede ste­hen­de Ver­bot von Arbeit­neh­mer­über­las­sung und Werk­ver­trä­gen in die­sem Wirt­schafts­zweig als unver­hält­nis­mä­ßi­ger Ein­griff in das Grund­recht aus Art. 12 Abs. 1 GG zu wer­ten sein, der mit­hin nicht mehr ver­fas­sungs­recht­lich gerecht­fer­tigt wäre.« (…) Ich habe immer wie­der die The­se ver­tre­ten, dass es sich bei vie­len Werk­ver­trä­gen in der Fleisch­in­dus­trie in Wirk­lich­keit um uner­laub­te Arbeit­neh­mer­über­las­sung han­delt. Dazu schrei­ben Elles und Stre­cker: »Es ist wahr­schein­lich, dass ein Teil der Werk­ver­trä­ge die recht­li­chen Anfor­de­run­gen an sol­che Ver­trags­ver­hält­nis­se nicht erfül­len kann. Dies setzt näm­lich vor­aus, dass der Sub­un­ter­neh­mer die tat­säch­li­che Kom­pe­tenz hat, einen Betrieb im Betrieb zu orga­ni­sie­ren, er die Per­so­nal­steue­rung und Gewähr­leis­tung über­nimmt und ande­res mehr. Kaum zu glau­ben, dass dies für die Hälf­te aller Beschäf­tig­ten in den gro­ßen Schlacht- und Zer­le­ge­be­trie­ben gel­ten soll. Anstatt aber einem Miss­brauch durch Schein-Werk­ver­trä­ge wirk­sam zu begeg­nen, will man die Ver­trags­mo­del­le an sich ver­bie­ten. Das ist so, als woll­te man zur Bekämp­fung der Schein­selb­stän­dig­keit die Selb­stän­dig­keit an sich abschaf­fen.« (…) Anselm Elles und Otto A. Stre­cker bilan­zie­ren: »Bera­ten kann man Fleisch­un­ter­neh­men der­zeit nur dahin­ge­hend, grund­sätz­li­che und glaub­haf­te Inno­va­tio­nen in Geschäfts­mo­del­le und Tech­no­lo­gien auf den Weg zu brin­gen. Bei­des ist mach­bar, aber nicht kos­ten­los zu haben. Ver­trags­recht­li­che Kos­me­tik zu betrei­ben, bei Bei­be­hal­tung der im Prin­zip glei­chen Arbeits­be­din­gun­gen, wür­de der Glaub­wür­dig­keit der Bran­che wei­te­ren Scha­den zufü­gen.« (…) Was wür­de eine Abschaf­fung der Werk­ver­trä­ge brin­gen – abge­se­hen von den durch­aus erwart­ba­ren posi­ti­ven Effek­ten bei denen, die bis­lang gezwun­gen wer­den, unter die­sen recht­li­chen Restrik­tio­nen einer Erwerbs­ar­beit nach­ge­hen zu müs­sen, die neben einer nor­ma­len Inan­spruch­nah­me eben auch – wie vie­le Schlacht­be­trie­be in den ver­gan­ge­nen Jah­ren gezeigt haben – eine struk­tu­rel­le Basis für Aus­beu­tung gera­de aus­län­di­scher Arbeits­kräf­te dar­stellt, was man auch in ande­ren Berei­chen, man den­ke hier an das Bau­ge­wer­be, beob­ach­ten muss? Neben der Tat­sa­che, dass es für die Betrie­be auf­wän­di­ger wer­den wird, weil sie eige­nes Per­so­nal beschäf­ti­gen müs­sen und auch die bis­he­ri­ge Rekru­tie­rung von Werk­ver­trags­ar­beit­neh­mern über teil­wei­se mehr als dubio­se zwi­schen­ge­schal­te­te Sub­un­ter­neh­men, die im wahrs­ten Sin­ne des Wor­tes die per­so­nal­po­li­ti­sche Drecks­ar­beit erle­di­gen, so nicht mehr funk­tio­nie­ren wird, bedeu­tet ein Fest­an­stel­lungs­mo­dell auf­grund der Beson­der­heit der Bran­che nicht auto­ma­tisch eine deut­li­che Ver­bes­se­rung der Arbeits­be­din­gun­gen für die Men­schen in der Pra­xis. Das kann eine Fol­ge sein, ist aber kei­ne Zwangs­läu­fig­keit. (…) Man kann erken­nen, an wie vie­len Stell­schrau­ben man dre­hen und wie vie­le – in der heu­ti­gen Welt der durch­op­ti­mier­ten Pro­duk­ti­on von Lebens­mit­teln kon­tra­fak­ti­sche, weil – sys­tem­ver­än­dern­de Ein­grif­fe man vor­neh­men muss (vgl. zu den damit ver­bun­de­nen Tie­fen und Untie­fen bei­spiels­wei­se das Inter­view mit Maja Göpel, der Gene­ral­se­kre­tä­rin des Wis­sen­schaft­li­chen Bei­rats der Bun­des­re­gie­rung für Glo­ba­le Umwelt­ver­än­de­run­gen: For­sche­rin for­dert Sys­tem­wan­del in der Land­wirt­schaft externer Link). Das soll auf kei­nen Fall gegen eine Abschaf­fung von Werk­ver­trä­gen in einer – von lobens­wer­ten Unter­neh­mens­bei­spie­len abge­se­hen – Bran­che spre­chen, die sich rück­bli­ckend als aus­ge­spro­chen ver­än­de­rungs­re­sis­tent erwie­sen hat. Aber man muss davor war­nen, wenn der Ein­druck erweckt wird, wenn der Staat die Werk­ver­trä­ge hier abschaf­fen wür­de, dann wird das Aus­gangs­pro­blem besei­tigt. Dazu müss­ten wie skiz­ziert viel weit­rei­chen­de­re Ver­än­de­run­gen in der Fleisch­in­dus­trie, aber auch in den vor- und nach­ge­la­ger­ten Berei­chen vor­ge­nom­men wer­den. Und auch der Staat müss­te end­lich die not­wen­di­ge Ver­ant­wor­tung über­neh­men und das offen­sicht­li­che Staats­ver­sa­gen in sei­nem hoheit­li­chen Kern­be­reich, also beim Arbeits­schutz, ange­hen und für eine effek­ti­ve und deut­lich aus­ge­wei­te­te Kon­trol­le der Arbeits­be­din­gun­gen sor­gen.“ Arti­kel von Ste­fan Sell vom 05.07.2020 bei Aktu­el­le Sozi­al­po­li­tik externer Link
    • Löh­ne drü­cken per Ver­trag. Nicht nur in der Fleisch­in­dus­trie sind Werk­ver­trä­ge ein Übel
      “… Seit den 70er Jah­ren wur­den in der Bun­des­re­pu­blik aus­län­di­sche Arbeits­kräf­te auf Werk­ver­trags­ba­sis ange­wor­ben, Ende der 80er Jah­re schloss die Bun­des­re­gie­rung mit mit­tel- und ost­eu­ro­päi­schen Staa­ten Werk­ver­trags­ab­kom­men, vor allem, um den Bau­boom nach der Wen­de mit Arbeits­kräf­ten abzu­si­chern. Spä­tes­tens in die­sen Jah­ren brach­ten Berich­te über ekla­tan­te Miss­stän­de auf Bau­stel­len Werk­ver­trä­ge in Ver­ruf. Durch die Arbeits­markt­re­for­men der rot-grü­nen Bun­des­re­gie­rung unter Ger­hard Schrö­der, die den Auf­bau eines Nied­rig­lohn­sek­tors för­der­ten, schwenk­ten Unter­neh­men eine Zeit lang auf eine ande­re pre­kä­re Beschäf­ti­gungs­form um: die Leih­ar­beit. Gleich­zei­tig brach­te die EU-Ost­erwei­te­rung für die deut­sche Wirt­schaft neue Mög­lich­kei­ten, bil­li­ge Arbeits­kräf­te aus Polen, Slo­we­ni­en, Rumä­ni­en oder Bul­ga­ri­en per Werk­ver­trag anzu­stel­len. Der Anteil der Werk­ver­trä­ge nahm in dem Maße zu, so haben es Gewerk­schaf­ten beob­ach­tet, wie Leih­ar­beit bes­ser regu­liert wird. (…) Was man dar­über weiß, ist Beob­ach­tun­gen von Gewerk­schaf­ten, Befra­gun­gen von Betriebs­rä­ten und Medi­en­be­rich­ten zu ver­dan­ken. Und die­se stüt­zen den Ver­dacht, dass es sich bei Werk­ver­trags­ar­beit, die auf dem Betriebs­ge­län­de des »Kun­den« erbracht wird, viel­fach um Eti­ket­ten­schwin­del han­delt, genau­er um Betrug. Denn wenn Werk­ver­trags­ar­beit­neh­mer in die Arbeits­ab­läu­fe des Ein­satz­be­trie­bes ein­ge­glie­dert sind, wenn die­ser die Anla­gen zur Ver­fü­gung stellt und Anwei­sun­gen etwa für Mehr­ar­beit erteilt, dann sind all das Hin­wei­se, dass es sich in Wirk­lich­keit um ver­deck­te Leih­ar­beit han­delt. Werk­ver­trags­fir­men sind in die­ser Form ledig­lich Ver­mitt­ler von Arbeits­kräf­ten, ohne jedoch dafür zuge­las­sen zu sein und ohne die damit ver­knüpf­ten Rech­te zu gewäh­ren. »In der jet­zi­gen Form füh­ren Werk­ver­trä­ge und Leih­ar­beit zur Spal­tung von Beleg­schaf­ten in den Unter­neh­men und zu Mehr-Klas­sen-Gesell­schaf­ten in den Betrie­ben«, so ein Spre­cher der IG Metall. Das bedroht auch die Stamm­be­schäf­tig­ten. Nicht nur, weil abge­si­cher­te Arbeits­plät­ze ver­drängt wer­den, son­dern auch, weil die Mit­be­stim­mung in mehr­fa­cher Hin­sicht aus­ge­höhlt wird: Je weni­ger Stamm­be­schäf­tig­te, des­to klei­ner und weni­ger schlag­kräf­tig der Betriebs­rat, selbst wenn ins­ge­samt die Zahl der Beschäf­tig­ten in einem Betrieb sogar gestie­gen sein soll­te. Zugleich sehen sich Betriebs­rä­te mit der stän­di­gen Dro­hung der Chefs erpresst, Werk­ver­trags­be­zie­hun­gen aus­zu­wei­ten, soll­ten sie sich irgend­wo quer stel­len. In der Fleisch­in­dus­trie zwin­gen die unhalt­ba­ren Zustän­de die Poli­tik nun zum Han­deln. Werk­ver­trä­ge, aber auch Leih­ar­beit sol­len im Kern­be­reich der Fleisch­bran­che ver­bo­ten wer­den. Geht es nach Bun­des­ar­beits­mi­nis­ter Huber­tus Heil, »noch in die­sem Jahr«. Bereits im Juli will der Minis­ter einen Gesetz­ent­wurf vor­le­gen. Dar­auf rich­ten sich die Hoff­nun­gen. Zugleich ist Skep­sis ange­bracht. Meh­re­re Geset­zes­in­itia­ti­ven reagier­ten direkt auf die Aus­beu­tung in der Fleisch­wirt­schaft. Die bis­he­ri­gen Maß­nah­men reich­ten offen­kun­dig nicht, um Miss­brauch tat­säch­lich zu ver­hin­dern. Auch in ande­ren Bran­chen gab es gesetz­li­che Maß­nah­men, um das Pro­blem in den Griff zu bekom­men. So war das Bau­ge­wer­be die ers­te Bran­che, in der 1996 ein all­ge­mein­ver­bind­li­cher Tarif­ver­trag und Bran­chen­min­dest­lohn auf alle nach Deutsch­land ent­sand­ten Arbeits­kräf­te aus­ge­wei­tet wur­de. Immer fan­den Unter­neh­men Schlupf­lö­cher. (…) Haupt­pro­blem ist und bleibt der Man­gel an Kon­trol­len. Und wo sie statt­fin­den, ver­hin­dert ein undurch­sich­ti­ges Dickicht von Sub­un­ter­neh­men die Durch­set­zung von Rech­ten…” Arti­kel von Ines Wall­rodt vom 04.07.2020 im ND online externer Link
  • Coro­na-Aus­brü­che auch in iri­schen, spa­ni­schen und bri­ti­schen Schlacht­hö­fen zwin­gen die EU zum Han­deln /​Bun­des­re­gie­rung: Tem­po beim Ver­bot von Werk­ver­trä­gen [auch Leih­ar­beit?] /​[Arbeits­recht] Die pan­de­mi­sche Ver­harm­lo­sung des Werk­ver­tra­ges 
    • Bun­des­re­gie­rung: Tem­po beim Ver­bot von Werk­ver­trä­gen [auch Leih­ar­beit?]
      “… Ange­sichts der Zustän­de in der Fleisch­in­dus­trie will Bun­des­ar­beits­mi­nis­ter Huber­tus Heil noch im Juli ein Gesetz zum Ver­bot von Werk­ver­trä­gen und Leih­ar­beit im Kern­be­reich der Bran­che vor­le­gen. Das sei “juris­tisch anspruchs­voll, aber mach­bar”, sag­te er der “Welt am Sonn­tag”. Wenn es nach ihm gehe, kön­ne das Gesetz noch in die­sem Jahr in Kraft tre­ten. Heil erklär­te, er wol­le das The­ma auch im Rah­men der deut­schen EU-Rats­prä­si­dent­schaft, die am 1. Juli beginnt, auf die Tages­ord­nung set­zen und ver­wies auf den außen­po­li­ti­schen Scha­den, der Deutsch­land durch den Skan­dal ent­ste­he. Es gebe “in Euro­pa erheb­li­che Dis­kus­sio­nen dar­über, wie schlecht wir mit den rumä­ni­schen Lands­leu­ten umge­hen. Glei­ches gilt in Bul­ga­ri­en. Das müs­sen wir drin­gend ändern”, sag­te der Sozi­al­de­mo­krat. Die Kri­tik an Deutsch­land in der EU rich­tet sich indes auch gegen die wirt­schaft­li­chen Fol­gen der Pra­xis der Werks­ver­trä­ge. Dar­auf wies EU-Sozi­al­kom­mis­sar Nico­las Schmit hin. Ande­re EU-Mit­glieds­län­der hät­ten bereits vor Jah­ren Beschwer­den über die deut­sche Fleisch­in­dus­trie wegen unlau­te­ren Wett­be­werbs externer Link ein­ge­reicht, sag­te er den Zei­tun­gen der Fun­ke Medi­en­grup­pe. Aller­dings gebe es sozi­al schlecht abge­si­cher­te und dis­kri­mi­nier­te Sai­son­ar­bei­ter nicht nur in Deutsch­land, son­dern auch in ande­ren EU-Staa­ten, etwa in den Nie­der­lan­den oder in Süd­eu­ro­pa. (…) Der EU-Kom­mis­sar kün­dig­te Leit­li­ni­en an, mit denen die Umge­hung von EU-Sozi­al­stan­dards euro­pa­weit ver­hin­dert wer­den sol­le…” Mel­dung vom 28.06.2020 bei tages​schau​.de externer Link
    • Coro­na-Aus­brü­che auch in iri­schen, spa­ni­schen und bri­ti­schen Schlacht­hö­fen
      Coro­na-Aus­brü­che in Schlacht­hö­fen sind kein rein deut­sches Phä­no­men. EU-Sozi­al­kom­mis­sar Nico­las Schmit will jetzt schnell han­deln. Nach den Coro­na-Aus­brü­chen in deut­schen Schlacht­hö­fen will die EU-Kom­mis­si­on jetzt rasch auf euro­päi­scher Ebe­ne das Pro­blem schlech­ter Arbeits­be­din­gun­gen in der Fleisch­in­dus­trie ange­hen. EU-Sozi­al­kom­mis­sar Nico­las Schmit sag­te unse­rer Redak­ti­on, die Kom­mis­si­on wer­de mit den EU-Staa­ten über das Pro­blem schlecht abge­si­cher­ter Sai­son­ar­bei­ter und die Umge­hung von Sozi­al­stan­dards spre­chen. (…) Zu Coro­na-Aus­brü­chen kommt es nicht nur in Schlacht­be­trie­ben in Deutsch­land, son­dern auch in ande­ren Staa­ten Euro­pas. Das geht aus einer Über­sicht der EU-Behör­de für Krank­heits­be­kämp­fung (ECDC) her­vor, die unse­rer Redak­ti­on vor­liegt. Danach wur­den in den ver­gan­ge­nen Wochen in meh­re­ren euro­päi­schen Staa­ten Coro­na-Aus­brü­chen in Schlacht­hö­fen und Fleisch­fa­bri­ken regis­triert – dar­un­ter in Irland mit ins­ge­samt 560 betrof­fe­nen Beschäf­tig­ten, in Spa­ni­en mit rund 200 Mit­ar­bei­tern und in Groß­bri­tan­ni­en…” Arti­kel von Chris­ti­an Kerl vom 28.06.2020 in der WAZ online externer Link
    • Die pan­de­mi­sche Ver­harm­lo­sung des Werk­ver­tra­ges: Die herr­schen­de “Arbeits­rechts­wis­sen­schaft” auf Abwe­gen
      Prof. Frank Bay­reu­ther aus Pas­sau darf in der neu­es­ten Aus­ga­be der “Neu­en Zeit­schrift für Arbeits­recht” (NZA) fol­gen­des schrei­ben: “Ein Ver­bot des Abschlus­ses von Werk­ver­trä­gen…… greift mas­siv in die Grund­rech­te (!) der nach­fra­gen­den Unter­neh­men (!) und noch inten­si­ver in die der poten­ti­el­len Anbie­ter ein” (also der zutiefst seriö­sen Sub- Sub- Sub­un­ter­neh­mer, RG). Und wei­ter: “Die Ent­schei­dung eines Unter­neh­mers, einen bestimm­ten Arbeits – oder Pro­duk­ti­ons­schritt durch Drit­te (!) erbrin­gen zu las­sen (also die SPALTUNG DER BELEGSCHAFT DES BETRIEBES, statt der vom Bun­des­ar­beits­ge­richt als kon­sti­tu­ti­vem Ele­ment der Betriebs­ver­fas­sung her­vor­ge­ho­be­nen EINHEIT DER BELEGSCHAFT, RG) ist…. ein ele­men­ta­rer Bestand­teil der durch Art. 12 und 14 GG abge­si­cher­ten unter­neh­me­ri­schen Ent­schei­dungs­frei­heit”…. Nach die­ser Logik ist offen­bar das gesam­te Arbeits­recht n u r gewährt, sofern es die angeb­li­che “unter­neh­me­ri­sche Ent­schei­dungs­frei­heit” unbe­rührt läßt. Daß das Arbeits­recht umge­kehrt gera­de per se die EINSCHRÄNKUNG DIESER VERMEINTLICHEN FREIHEIT dar­stellt kommt dem Herrn Pro­fes­sor nicht in den Sinn. Doch kei­ne Aus­re­de ohne “Gip­fel”: Natür­lich müs­sen auch noch die Opfer des Werk­ver­trags­wahns vor sich selbst geschützt wer­den, denn: “Es kommt hin­zu, daß bis­lang ent­sand­te Kräf­te kei­nes­wegs immer zum Abschluß von dau­er­haf­ten Arbeits­ver­trä­gen mit inlän­di­schen Auf­trag­ge­bern bereit sind”. Natür­lich: Die Werk­ver­trags­be­schäf­tig­ten w o l l e n gar kei­nen Schutz. Solch Unsinn ist kein Zufall. Aller­dings nimmt die mit angeb­li­cher Rege­lungs­wut getäusch­te Öffent­lich­keit sol­che “Stim­men” ungern zur Kennt­nis. Berei­ten sie doch die spä­te­re “Umbie­gung” der Nor­men im Inter­es­se der Unter­neh­men vor. Gera­de­zu krea­tiv wird es wenn sich der Autor zu den medi­zi­ni­schen Dimen­sio­nen des Pro­blems äus­sert (…) Wie gesagt: Die Opfer sind Schuld. So ein­fach ist das. In e i n e m aber kann dem Pro­fes­sor nur zuge­stimmt wer­den: Es wäre kaum plau­si­bel, war­um die Rege­lung erst im Janu­ar 2021 in Kraft tre­te sol­le, weil es ange­sichts der augen­blick­li­chen Lage doch erfor­der­lich sei, umge­hend zu han­deln und zwar not­falls mit wesent­lich schär­fe­ren (!) Mit­teln des öffent­li­chen Gewer­be- und Gesund­heits­rechts (sprich: Betriebs­stil­le­gun­gen)…. (NZA 2020, 773–776)…” Kom­men­tar vom 28.6.2020 von und bei Rolf Geff­ken externer Link
  • Coro­na-Hot­spot Schlacht­hof: Fleisch­kon­zer­ne deu­ten Ver­zicht auf Werk­ver­trä­ge an – NGG: “Das sind Nebel­ker­zen” 
    „Das sind Nebel­ker­zen und der untaug­li­che Ver­such, die ange­kün­dig­ten gesetz­li­chen Vor­schrif­ten zur Abschaf­fung von Werk­ver­trä­gen und Leih­ar­beit in der Fleisch­wirt­schaft zu ver­hin­dern.“ So hat Fred­dy Adjan, stell­ver­tre­ten­der Vor­sit­zen­der der Gewerk­schaft Nah­rung-Genuss-Gast­stät­ten (NGG), die heu­ti­ge Ankün­di­gung der Fleisch­kon­zer­ne Tön­nies, West­fleisch und Wie­sen­hof (PHW Grup­pe), künf­tig auf Werk­ver­trä­ge zu ver­zich­ten, kom­men­tiert. „Gut klin­gen­de Absichts­er­klä­run­gen haben wir von die­ser Bran­che schon vie­le gehört – geän­dert hat sich nichts. Das Ergeb­nis sehen wir heu­te: Min­des­tens 1,500 Men­schen haben sich allei­ne nur bei Tön­nies unver­schul­det mit dem Coro­na-Virus infi­ziert. Hun­dert­tau­sen­de Men­schen lei­den unter einem neu­en Lock­down, die Wirt­schaft in den betrof­fe­nen Krei­sen liegt brach. Frei­wil­li­ge Lösun­gen haben in der Fleisch­in­dus­trie noch nie funk­tio­niert und wer­den nicht funk­tio­nie­ren: Die Arbeits- und Lebens­be­din­gun­gen in der deut­schen Schlacht- und Zer­le­ge­in­dus­trie wer­den sich nur mit schar­fen und eng­ma­schig kon­trol­lie­ren Geset­zen bes­sern.“ NGG-Pres­se­mit­tei­lung vom 23.06.2020 externer Link
  • Werk­ver­trä­ge in der Fleisch­in­dus­trie abschaf­fen? Das vor­der­grün­di­ge Skan­dal-Manage­ment der Bun­des­re­gie­rung – Lügen inbe­grif­fen 
    “… Gute Absicht. Aber glaub­wür­dig? Seit vie­len Jah­ren sind die Arbeits-Unrechts-Ver­hält­nis­se in den Fleisch­kon­zer­nen am Stand­ort Deutsch­land bekannt: bei Tön­nies, Vion, Danish Crown, West­fleisch, Mül­ler Fleisch, Böse­ler Gold­schmaus usw. Da hat­te die deut­sche Nied­rig­löh­ne­r­ei der Hartz-All­par­tei­en-Koali­tio­nen, ob von Schröder/​SPD oder Merkel/​CDU geführt, kräf­tig mit­ge­hol­fen. Aus­län­di­sche Schlacht­kon­zer­ne wie Danish Crown aus Däne­mark und Vion aus den Nie­der­lan­den ver­leg­ten Betrie­be in den füh­ren­den Arbeits-Unrechts-Staat Deutsch­land, um mit­hil­fe der noch hef­ti­ge­ren Aus­beu­tung aus­län­di­scher Arbei­ter das Bil­lig­fleisch euro­pa- und welt­weit expor­tie­ren zu kön­nen. Das wur­de immer wie­der hef­tig kri­ti­siert, aller­dings nie von den Bun­des­re­gie­run­gen und auch nicht von den Lan­des­re­gie­run­gen in NRW, Nie­der­sach­sen, Schles­wig-Hol­stein, Baden-Würt­tem­berg, Sach­sen-Anhalt und Bay­ern, wo die Fleisch­in­dus­trie kon­zen­triert ist. (…) Die neu­en Eck­punk­te von 2020 ver­wei­sen auf das Arbeit­neh­mer-Ent­sen­de­ge­setz. Es geht auf die Ent­sen­de-Richt­li­nie der Euro­päi­schen Uni­on zurück. (Richt­li­nie 1996/​71, seit­dem in Deutsch­land mehr­fach über­ar­bei­tet, zuletzt 2019). Es regelt die Arbeits­be­din­gun­gen aus­län­di­scher Beschäf­tig­ter im Inland in aus­ge­wähl­ten neun Bran­chen wie Bau, Gebäu­de­rei­ni­gung, Brief­diens­te, Sicher­heit und auch in Fleisch­be­trie­ben. Und zwar für Beschäf­tig­te, die „vor­über­ge­hend“ tätig sind und aus EU-Staa­ten „ent­sandt“ wer­den. Hier haben die Bun­des­re­gie­run­gen die EU-Richt­li­nie ein­ge­schränkt: Die Fleisch­in­dus­trie wur­de erst ganz spät in die Lis­te auf­ge­nom­men, und durch die Lis­te wer­den die Gel­tungs­be­rei­che ein­ge­schränkt, nicht alle ent­sand­ten Arbei­ter sind gemeint. Die For­mu­lie­run­gen sind zudem gewollt schwam­mig, also eigent­lich untaug­lich. Sie wider­spre­chen den ele­men­tars­ten Anfor­de­run­gen an die Rechts­si­cher­heit von Geset­zen. Deut­sche Vari­an­te des Rechts­staats: So heißt es in § 1, dass es „ange­mes­se­ne Min­dest­ar­beits­be­din­gun­gen“ geben soll. Gleich­zei­tig soll aber auch „der Wett­be­werb“ gewähr­leis­tet sein durch „fai­re und funk­tio­nie­ren­de Wett­be­werbs­be­din­gun­gen“. Für die aus­län­di­schen Arbei­ter sol­len also nicht die übli­chen Bedin­gun­gen gel­ten, wie in der EU-Richt­li­nie vor­ge­se­hen, son­dern es gel­ten „ange­mes­se­ne Min­dest-Bedin­gun­gen“. Hier wird gesetz­lich das Tor für Aus­nah­me­re­ge­lun­gen weit geöff­net, und dafür, dass sie auf jeden Fall unter­halb der sons­ti­gen Stan­dards lie­gen. „Ange­mes­sen“ – wor­an gemes­sen? Das bestim­men Tön­nies, Vion, Danish Crown, West­fleisch & Co. Jeden­falls bestim­men das „Ange­mes­se­ne“, wie wir seit zwei Jahr­zehn­ten wis­sen, nicht die Arbei­ter aus Bul­ga­ri­en, Polen, Rumä­ni­en, Ungarn, Mol­dau, Ukrai­ne. Die hät­ten sicher­lich gern etwas mehr, wenn man sie fra­gen wür­de. Aber sie wer­den nicht gefragt. Die wür­den auch gern weni­ger für das Bett im Mehr­bett­zim­mer bezah­len, wenn man sie fra­gen wür­de. Die wür­den auch gern ihre wöchent­li­chen 20 Über­stun­den bezahlt krie­gen, wenn man sie fra­gen wür­de, oder, was mei­nen Sie? Und war­um blei­ben sie stumm, war­um wer­den sie stumm gehal­ten im Rechts­staat, in dem die Mei­nungs­frei­heit so ein aller­obers­ter Wert ist? Und auch deren Ver­mitt­ler, die Werk­ver­trags­fir­men, unter­wer­fen sich den Vor­ga­ben von Tön­nies & Co. Omertà. Und das Ent­sen­de­ge­setz zielt auf „vor­über­ge­hen­de“ Arbeit. Wie lan­ge das „vor­über­ge­hend“ dau­ert, bleibt schwam­mig. Die Arbei­ter sol­len also von vorn­her­ein nicht einen Dau­er-Arbeits­platz bekom­men. Viel­mehr sol­len sie nach Gebrauch bzw. Ver­brauch unter „Mindest“-Standards wie­der abhau­en, zurück­ge­schickt wer­den, aus­ge­tauscht wer­den. Je nach­dem, wie lan­ge sie es in der engen, teu­ren Mas­sen­un­ter­kunft des deut­schen Un-Rechts­staats aus­hal­ten. (…) Cle­mens Tön­nies hat jetzt nach der Infek­ti­ons­wel­le schon signa­li­siert: Wir sind ein­ver­stan­den – kei­ne Werk­ver­trä­ge mehr, auch kei­ne Leih­ar­beit, son­dern Direkt­an­stel­lung! Die Fleisch­in­dus­trie braucht sich nur umzu­se­hen im Arbeits-Unrechts-Staat Deutsch­land. Da gilt völ­lig legal die sach­grund­lo­se Befris­tung. Der Unter­neh­mer braucht nicht anzu­ge­ben, war­um ein Arbeits­ver­trag befris­tet ist, auf ein Jahr, auch auf zwei Jah­re, auf drei Jah­re. Oder wie es in der Hotel­rei­ni­gung üblich ist: Unter den geschlos­se­nen Augen der geset­zes­freu­di­gen Bun­des­re­gie­run­gen wer­den Ver­trä­ge etwa über 20 Wochen­stun­den abge­schlos­sen. Weil aber die Arbeit pro Stück – sprich pro gerei­nig­tes Zim­mer – zu erle­di­gen ist, kann da schon mal eine 25- oder 30-Stun­den-Woche her­aus­kom­men. Im Ver­trag steht zwar hoch­kor­rekt der gel­ten­de Min­dest­lohn und die gen­der­mä­ßi­ge For­mu­lie­rung. Aber durch die not­wen­dig höhe­re Stun­den­zahl wird der Min­dest­lohn unter­lau­fen. Auch das Schlach­ten und Zer­le­gen von Schwei­nen, Rin­dern und Hüh­nern lässt sich pro Stück ver­ge­ben. (…) Zudem sol­len Ver­let­zun­gen des neu­en Geset­zes wie im Arbeit­neh­mer-Ent­sen­de­ge­setz nicht als Straf­tat behan­delt wer­den, son­dern ledig­lich als Ord­nungs­wid­rig­keit. Bes­ten­falls also Kava­liers­de­lik­te mit Buß­geld aus der Fut­ter­kas­se, falls mal ein Auf­sichts­be­am­ter vor­bei­kom­men soll­te. Die EU selbst übt kei­ne Kon­trol­le auf dem Gebiet der Arbeits­rech­te aus. Sie über­lässt die Kon­trol­le den natio­na­len Behör­den – wohl­wis­send, dass die im Wesent­li­chen als Kom­pli­zen der Unter­neh­mer han­deln bzw. nicht han­deln. (…) Die Kehr­sei­te der „vor­über­ge­hen­den“ Wan­der­ar­beit als Dau­er­zu­stand: Das Reser­voir in den unter­ent­wi­ckelt gehal­te­nen neu­en EU-Staa­ten soll erhal­ten blei­ben. Zeit­lich begrenz­te Bil­lig­ar­beit in den rei­chen EU-Gün­dungs­staa­ten, wie auch mit den Spar­gel­ste­chern und sons­ti­gen Sai­son­ar­bei­tern prak­ti­ziert – gleich­zei­tig wer­den die armen EU-Staa­ten in Ost­eu­ro­pa in volks­wirt­schaft­li­cher Unter­ent­wick­lung gehal­ten. So bleibt das erpress­ba­re, stum­me Reser­voir für die mobi­le, aus­tausch­ba­re Reser­ve­ar­mee erhal­ten. So wird auch die Lüge von den diver­sen „Fach­ar­bei­ter-Lücken“ stän­dig wei­ter ali­men­tiert. Wenn sich die Bun­des­re­gie­rung nicht aus den EU-Regu­la­ri­en und EU-Prak­ti­ken ver­ab­schie­det, wer­den auch Tön­nies & Co wie bis­her ihren in den Richt­li­ni­en garan­tier­ten Wett­be­werbs­vor­teil immer irgend­wie erhal­ten kön­nen, mit neu­en Umge­hungs-Kon­struk­ten und mit Bil­li­gung und För­de­rung von sich unwis­send geben­den Dau­er-Rechts­bre­chern. (…) Die Bera­tungs­stel­len gehen nicht offen­siv in die Betrie­be, son­dern war­ten auf ver­ängs­tig­te Werk­ver­tragler, die es wagen, sich an die Bera­tungs­stel­len zu wen­den. Die Bera­tung der weni­gen Betrof­fe­nen beschränkt sich auf das Unmit­tel­ba­re. Aber die indi­vi­du­el­le Stär­kung für den Gang vor Gericht oder die kol­lek­ti­ve Stär­kung etwa durch prak­ti­sche Her­an­füh­rung an die Mit­glied­schaft in einer Gewerk­schaft wer­den in die­sem Gewerk­schafts­pro­jekt nicht geför­dert. Betriebs­rats­grün­dung? Noch nie gehört. Die in der Schlacht­in­dus­trie prak­ti­zier­ten Rechts­brü­che wer­den von den DGB-Bera­tungs­stel­len nicht zur Anzei­ge gebracht – ein­mal, 2017, wur­den zwei Arbei­ter gegen die Tön­nies-Werk­ver­trags­fir­ma Bes­sel­mann vor Gericht ver­tre­ten, eine Aus­nah­me. Dass der Sta­tus als Werk­ver­tragler ein Rechts­bruch, ein Betrug ist, weil es sich in Wirk­lich­keit um Leih­ar­bei­ter han­delt – kei­ne Kam­pa­gne beim DGB…” Arti­kel von Wer­ner Rüge­mer vom 7. Juni 2020 bei gewerk​schafts​fo​rum​.de externer Link
  • Arbeits­recht­le­rin über Fleisch­in­dus­trie: „Die Arbeit­neh­mer sind macht­los“
    “[taz: Frau Brors, eine Ver­schwie­gen­heits­pflicht etwa zum Gehalt, wie von der Deut­schen Schlacht und Zer­le­gung (DSZ) in Bad Brams­tedt gefor­dert, steht ja in vie­len Arbeits­ver­trä­gen. Was ist denn dar­an pro­ble­ma­tisch?] Chris­tia­ne Brors: Ver­schwie­gen­heits­klau­seln sind üblich und auch zuläs­sig, wenn der Arbeit­ge­ber ein berech­tig­tes Geheim­hal­tungs­in­ter­es­se hat. Das gilt aber nicht für das Gehalt und all­ge­mei­ne Din­ge, die der Arbeit­neh­mer im Betrieb ken­nen­lernt. Das ist viel zu weit­ge­hend. Mit berech­tig­tem Inter­es­se sind Betriebs­ge­heim­nis­se gemeint, mit denen der Arbeit­neh­mer nicht zur Kon­kur­renz lau­fen darf. (…) [War­um schrei­ben die dann so was rein?] Dass Klau­seln ver­wen­det wer­den, die rechts­wid­rig sind, pas­siert schon mal im Arbeits­recht, ins­be­son­de­re vor dem Hin­ter­grund, dass die­se Ver­trags­wer­ke oft nicht ange­grif­fen wer­den und Arbeit­neh­mer nicht kla­gen. Benutzt wer­den sol­che Ver­trags­wer­ke auch, um Arbeit­neh­mer ein­zu­schüch­tern. (…) [Wie kann man sich weh­ren?] Die Arbeit­neh­mer sind da rela­tiv macht­los. Wenn sich der Arbeit­neh­mer wei­gert, mehr zu arbei­ten, kann er in der Pra­xis unter Druck gesetzt und mit einem Raus­schmiss bedroht wer­den. Das wird bei vie­len Arbeit­neh­mern dazu füh­ren, dass sie die Rech­te, die sie haben, gar nicht gel­tend machen. (…) [Der Gesetz­ge­ber ist in den ver­gan­ge­nen Jah­ren auf die Pro­ble­me auf­merk­sam gewor­den. Wor­an hapert es noch?] Der Gesetz­ge­ber hat über­legt, Werk­ver­trä­ge in die­sem Bereich zu ver­bie­ten. Das ist der fal­sche Weg. Man müss­te dar­auf ach­ten, dass die gesetz­li­chen Arbeits­be­din­gun­gen ein­ge­hal­ten und kon­trol­liert wer­den – am bes­ten mit einer ver­pflich­ten­den und trans­pa­ren­ten Arbeits­zeit­kon­trol­le, die von den Behör­den über­wacht wird. Dazu müss­te noch ein höhe­rer Min­dest­lohn kom­men sowie Über­stun­den­zu­schlä­ge. [Was müss­te wer dafür tun?] Man könn­te einen Tarif­ver­trag abschlie­ßen, der für all­ge­mein­ver­bind­lich erklärt wird. Damit hät­te man auch Leu­te erfasst, die nicht in der Gewerk­schaft sind. Der Gesetz­ge­ber soll­te das ansto­ßen. Wenn die Tarif­ver­trags­par­tei­en das nicht hin­be­kom­men, müss­te die Arbeits­zeit­er­fas­sung im Arbeits­zeit­ge­setz gere­gelt wer­den. Der EuGH hat Deutsch­land ohne­hin dazu ver­pflich­tet, eine objek­ti­ve, ver­läss­li­che und zugäng­li­che Arbeits­zeit­er­fas­sung ein­zu­rich­ten.“ Inter­view von Ger­not Knöd­ler mit Chris­tia­ne Brors vom 11.06.2020 in der taz online externer Link
  • Wie wei­ter gegen das Sys­tem Tön­nies? Mit Betriebs­in­spek­to­ren und gewerk­schaft­li­cher task-for­ce! 
    “… Jetzt, in der Coro­na-Kri­se, ent­deckt Arbeits­mi­nis­ter Heil (SPD), daß das Werk­ver­trags­sys­tem Schuld ist an den Coro­na-Anste­ckun­gen in der Fleisch­bran­che. Er plant, das Gesetz abzu­schaf­fen. Damit wür­de es zum ers­ten Mal seit Jahr­zehn­ten einen radi­ka­len Vor­stoß von SPD-Sei­te geben für die Inter­es­sen von Arbei­te­rIn­nen. Ob Minis­ter Heil das gelin­gen wird ange­sichts der Macht der Fleisch­ba­ro­ne, der CDU/​CSU und FDP, ist noch unklar. Ob statt der Abschaf­fung nur ein fau­ler Kom­pro­miß raus­kommt! Was tut jetzt not, was for­dern wir? Prä­lat Peter Kos­sen schrieb: „So wie im Schlacht­hof die Tier­kör­per lau­fend auf Para­si­ten unter­sucht wer­den, so muss eine Arbeits­kon­troll­be­hör­de die Betrie­be und Sub­un­ter­neh­mer stän­dig auf Aus­beu­tung und Skla­ve­rei unter­su­chen.“ Er schlug den Ein­satz von Betriebs­in­spek­to­ren vor. Die­se müß­ten Voll­mach­ten haben, die bis­her auf vie­le Insti­tu­tio­nen und Behör­den ver­teilt sind. Die­se Betriebs­in­spek­to­ren müss­ten „schar­fe Hun­de“ sein, die zu bei­ßen ver­mö­gen. Die sich nicht kau­fen oder bestechen las­sen. Die Fleisch­kon­zer­ne müs­sen ver­pflich­tet wer­den, allen aus­län­di­schen Arbeit­neh­mern akzep­ta­blen Wohn­raum bei Arbeits­auf­nah­me zur Ver­fü­gung zu stel­len. Auch das muß kon­trol­liert wer­den. Wei­ter ist es not­wen­dig, daß die Gewerk­schaf­ten task-for­ces ein­rich­ten, die sich sofort um jeden Fall küm­mern, wo Beschäf­tig­te wie Dreck, ent­wür­di­gend, behan­delt wer­den. In die­sen task-for­ces müs­sen über­zeug­te und kämp­fe­ri­sche Kol­le­gIn­nen ein­ge­setzt wer­den, für die es ein Her­zens­an­lie­gen ist, für huma­ne und zivi­le Ver­hält­nis­se in der Fleisch­in­dus­trie zu sor­gen. Es müs­sen Schwer­punkt­staats­an­walt­schaf­ten ein­ge­rich­tet wer­den, die zustän­dig sind für die Fleisch­in­dus­trie, für das Werk­ver­trags­sys­tem – wo es noch besteht. Aktion./.Arbeitsunrecht hat­te schon vor Jah­ren Schwer­punkt­staats­an­walt­schaf­ten für Fäl­le von uni­on bus­ting (beson­ders durch spe­zia­li­sier­te und von den Fir­men­lei­tun­gen ange­heu­er­te Anwalts­kanz­lei­en) gefor­dert. Die­se könn­ten für bei­de Sach­ge­bie­te zustän­dig sein. Und es ist dann Auf­ga­be von Initia­ti­ven – wie es sie schon gibt – , also von uns, die Betriebs­in­spek­to­ren und die task-for­ces durch Öffent­lich­keits­ar­beit zu unter­stüt­zen, ihnen den Rücken zu stär­ken…“ Bei­trag vom 09.06.2020 bei Jour Fixe – Gewerk­schafts­lin­ke Ham­burg externer Link
  • Ver­bot von Werk­ver­trä­gen und Arbeit­neh­mer­über­las­sun­gen – nur in den Groß­schlach­te­rei­en und erst ab 2021 (Beschluss und Reak­tio­nen) 
    • Fleisch­in­dus­trie: Sie wer­den wie »Weg­werf­men­schen« behan­delt 
      Das Leben hat in Fleisch­fa­bri­ken kei­nen Wert. Nicht nur das der Tie­re. Es herr­schen unmensch­li­che Zustän­de. Eine Hand­voll Schlacht­kon­zer­ne beu­tet Tau­sen­de Arbeits­mi­gran­ten aus. Pfar­rer Peter Kos­sen über moder­ne Skla­ve­rei — mit­ten in Deutsch­land. (…) Jaco­bin sprach mit Peter Kos­sen über die Arbeits­be­din­gun­gen, vor wel­chen Pro­ble­men Arbeits­mi­gran­tin­nen ste­hen und was die katho­li­sche Sozi­al­leh­re von Karl Marx ler­nen kann. Der katho­li­sche Pfar­rer aus Len­ge­rich setzt sich seit Jah­ren für die Rech­te von Arbeits­mi­gran­ten in der Fleisch­in­dus­trie ein. (…) [Wie sind Arbeits­mi­gran­tin­nen mit Werk­ver­trä­gen ver­si­chert?] Die meis­ten die­ser Arbei­te­rin­nen und Arbei­ter sind mitt­ler­wei­le nach deut­schem Recht sozi­al­ver­si­che­rungs­pflich­tig ange­stellt und damit auch kran­ken­ver­si­chert. Das ist, wenn man so will, bes­ser gewor­den in den letz­ten Jah­ren. Das war schon mal unge­klär­ter, als die Men­schen über Ent­sen­dung kamen. Mein Bru­der beschreibt, dass vie­le sich aber nicht krank­schrei­ben las­sen wol­len, bei Schnitt­ver­let­zun­gen oder Krank­hei­ten, weil sie ein­fach kla­re Ansa­gen gekriegt haben, dass jemand, der zu oft krank geschrie­ben wird, sei­nen Job ver­liert. [Wenn es jetzt tat­säch­lich so sein wird, dass es die­se Werk­ver­trä­ge ab dem 1. Janu­ar 2021 nicht mehr gibt und die Arbeits­mi­gran­tin­nen zu Fest­an­ge­stell­ten wer­den, wie schätzt Du die Chan­cen der Gewerk­schaf­ten ein, die­se Men­schen zu orga­ni­sie­ren? Und mit wel­chen Bar­rie­ren sind Gewerk­schaf­te­rin­nen gene­rell kon­fron­tiert?] Ich habe in den letz­ten Jah­ren sehr ger­ne mit der Gewerk­schaft Nah­rung-Genuss-Gast­stät­ten (NGG) zusam­men­ge­ar­bei­tet, weil ich die Men­schen auch enga­giert für die Situa­ti­on der Nicht­mit­glie­der erlebt habe. Zunächst ein­mal sind die Gewerk­schaf­ten für ihre Mit­glie­der da und ver­tre­ten sie, aber gera­de die NGG hat das mei­nes Erach­tens auch wei­ter gese­hen und sich wei­ter enga­giert. Sie haben tat­säch­lich in den letz­ten Jah­ren auch neue Mit­glie­der gewon­nen, auch unter Arbeits­mi­gran­ten. Sicher nicht in der Mas­se, aber sie haben wel­che gewon­nen. Eine Schwie­rig­keit ist, dass Leu­te aus Rumä­ni­en und Bul­ga­ri­en Gewerk­schaf­ten aus der Hei­mat, wie auch vie­le ande­re Behör­den, als kor­rupt ken­nen, jeden­falls nicht als hilf­reich und des­halb Gewerk­schaf­ten gegen­über sehr skep­tisch sind. Von daher wird man sehen müs­sen. Das wäre natür­lich sehr zu begrü­ßen, wenn die Arbeits­mi­gran­ten, sobald sie in Fest­an­stel­lung kom­men, sich auch gewerk­schaft­lich orga­ni­sie­ren…“ Inter­view von İlk­er Eğil­mez mit Peter Kos­sen vom 03.06.2020 bei Jaco­bin externer Link
    • [Pro­jekt „Refugees@work“] Göt­tin­ger Wis­sen­schaft­ler for­dern: Schluss mit Werk­ver­trä­gen in Schlacht­hö­fen
      “Das Sozio­lo­gi­sche For­schungs­in­sti­tut Göt­tin­gen (SOFI) for­dert, beru­hend auf Ergeb­nis­sen eines For­schungs­pro­jek­tes, die umstrit­te­nen Werk­ver­trä­ge für Mit­ar­bei­ter in Schlacht­be­trie­ben abzu­schaf­fen. (…) Maß­geb­lich ver­ant­wort­lich für schlech­te Arbeits­be­din­gun­gen sei­en das Werks­ver­trags­sys­tem, in dem die Arbei­ter ste­cken. Befun­de des SOFI-Pro­jekts „Refugees@work“ externer Link, bei dem auch Betrof­fe­ne befragt wur­den, zeig­ten, wie feh­len­de Ansprü­che auf Leis­tun­gen der Sozi­al- und Kran­ken­ver­si­che­rung für ost- und süd­eu­ro­päi­sche Migran­tin­nen und Migran­ten den Druck ver­stär­ken, die Arbeit zu (fast) allen Bedin­gun­gen anzu­neh­men. „Vie­le der von uns Befrag­ten machen den Job in der Zer­le­gung oder Indus­trie­rei­ni­gung, weil sie durch Sozi­al- und Auf­ent­halts­recht gezwun­gen sind, qua­si jede Arbeit anzu­neh­men“, sagt Dr. Peter Bir­ke. „Eine unbü­ro­kra­ti­sche und sank­ti­ons­freie Gewäh­rung von Leis­tun­gen der Grund­si­che­rung sowie ein Zugang zu Wohn­raum und Gesund­heits­ver­sor­gung ist des­halb not­wen­dig.“ (…) Den Vor­schlag, Werk­ver­trä­ge zu ver­bie­ten, sehen die For­sche­rer posi­tiv: „Werk­ver­trags­ver­ga­be führt dazu, dass weder die auf­trag­ge­ben­den Unter­neh­men noch die Sub­un­ter­neh­men Ver­ant­wor­tung für Arbeits­schutz und die Ein­hal­tung recht­li­cher Stan­dards über­neh­men. Ein Ver­bot wäre von daher nur kon­se­quent“, sagt Prof. Dr. Nico­le May­er-Ahu­ja, Lei­te­rin des Pro­jekts und Direk­to­rin des SOFI. (…) Die Pro­jekt-Ergeb­nis­se ver­deut­li­chen auch, wie wich­tig Bera­tung und Unter­stüt­zung bei Ämter­gän­gen ist: „Die Befrag­ten küm­mern sich um ihre Anlie­gen und tre­ten für ihre Rech­te ein. Das Bild des wehr­lo­sen Opfers ist falsch. Auch näh­men die Betrof­fe­nen ger­ne Hil­fe durch Exper­ten in Anspruch. Die­ses Bera­tungs­an­ge­bot sei aus­zu­wei­ten, wie auch ein stän­di­ges Moni­to­ring der Arbeits- und Lebens­be­din­gun­gen in der nie­der­säch­si­schen Fleisch­in­dus­trie not­wen­dig erscheint…“ Arti­kel von Tho­mas Kopietz vom 27.05.2020 in Hes­si­sche Nie­der­säch­si­sche All­ge­mei­ne online externer Link, sie­he auch:
      • Zur geplan­ten Reform der Arbeits­be­din­gun­gen in der Fleisch­in­dus­trie 
        “Das vom Bun­des­ka­bi­nett beschlos­se­ne „Arbeits­schutz­pro­gramm für die Fleisch­in­dus­trie“ externer Link ver­spricht gewerk­schaft­li­che Kern­for­de­run­gen zu erfül­len. Ob damit die kon­kre­ten Arbeits­be­din­gun­gen der, vor allem aus Ost­eu­ro­pa stam­men­den, Arbeiter_​innen grund­le­gend ver­bes­sert wer­den, bleibt aller­dings offen. (…) Zwar greift die­ses Vor­ha­ben eine Grund­for­de­rung der Gewerk­schaf­ten auf, doch die Pro­ble­me für die Arbeiter_​innen gehen weit dar­über hin­aus externer Link. Da die über Werk­ver­trä­ge Beschäf­tig­ten meist eigens für die Arbeits­stel­le aus Ost­eu­ro­pa ein­rei­sen, sind sie auf die Bereit­stel­lung von Unter­kunft und Mahl­zei­ten durch den Arbeit­ge­ber ange­wie­sen. Zwar bekom­men die Arbeiter_​innen offi­zi­ell meist den Min­dest­lohn, doch bleibt der fak­ti­sche Lohn nach die­sen obli­ga­to­ri­schen und sys­te­ma­tisch über­höh­ten Abga­ben an den Arbeit­ge­ber deut­lich unter die­sem. Doch eine not­wen­di­ge gesetz­li­che Rege­lung der Min­dest­stan­dards der Unter­brin­gung wird die Bun­des­re­gie­rung ledig­lich „prü­fen“. Eine tief­ge­hen­de, wis­sen­schaft­li­che Ana­ly­se der Lage ost­eu­ro­päi­scher Arbeiter_​innen in der Fleisch­in­dus­trie bie­tet die im Janu­ar 2020 erschie­ne­ne Stu­die von Peter Bier­ke und Felix Blum externer Link vom Sozio­lo­gi­schen For­schungs­in­sti­tut Göt­tin­gen. Sie beleuch­tet ver­schie­de­ne Arbeits­pro­zes­se der Arbeiter_​innen in der Fleisch­in­dus­trie und wie die­se zu je spe­zi­fi­schen Aus­beu­tungs­ver­hält­nis­sen aber auch Wider­stands­mo­men­ten füh­ren. Dadurch, dass die Arbeiter_​innen nicht nur der Pre­ka­ri­tät der Arbeits­be­din­gun­gen, son­dern auch des Auf­ent­halts­rechts unter­wor­fen sind, blei­ben die Autoren der Stu­die pes­si­mis­tisch was ein mög­li­ches Ende der Werk- und Leih­ver­trä­ge anbe­langt (…) Es ist zu beach­ten, dass es sich ledig­lich um einen Beschluss des Kabi­netts han­delt, also der gesam­te Gesetz­ge­bungs­pro­zess noch aus­steht. Beson­ders von den Uni­ons­par­tei­en und ein­zel­nen Lan­des­re­gie­run­gen ist dabei hef­ti­ger Wider­stand zu erwar­ten. Dass es sich bei dem Beschluss um eine rei­ne Absichts­er­klä­rung han­delt, deren gesetz­li­che Aus­ge­stal­tung und prak­ti­sche Umset­zung noch völ­lig unklar ist, betont auch Ste­fan Sell: „Das wird vie­len nicht schme­cken, wenn es kon­kret wird.“ Es steht also zu befürch­ten, dass die Bun­des­re­gie­rung hofft, die momen­ta­ne öffent­li­che Auf­merk­sam­keit nach die­sem Auf­schlag aus­zu­sit­zen. (…) Durch den Streik der rumä­ni­schen Saisonarbeiter_​innen in Born­heim und die Coro­na-Aus­bruchs­her­de in der Fleisch­in­dus­trie, bekom­men die Arbeits­be­din­gun­gen ost­eu­ro­päi­scher Arbeiter_​innen momen­tan medi­al erhöh­te Auf­merk­sam­keit. Ob die­se auch wirk­lich zu grund­le­gen­den Ver­bes­se­run­gen führt, ist dage­gen noch lan­ge nicht gesi­chert – trotz die­ses viel beach­te­ten Kabi­netts­be­schlus­ses. Abge­se­hen davon, dass der kon­kre­te Gesetz­ge­bungs­pro­zess noch aus­steht, betrifft der Beschluss vor allem das Arbeits­recht und lässt struk­tu­rel­le Benach­tei­li­gun­gen, die die Arbeiter_​innen als Migrant_​innen oder Geflüch­te­te haben, außer Acht.“ Bei­trag der Stu­die­ren­den­zeit­schrift dis­kus externer Link (ohne Datum)
    • [Fleisch­wirt­schaft will gegen die Auf­la­gen vor­ge­hen] Lohn­dum­ping mit Werk­ver­trä­gen 
      Nach den Coro­na­fäl­len in der Fleisch­bran­che will die Bun­des­re­gie­rung dort jetzt Werk­ver­trä­ge über Sub­un­ter­neh­men ver­bie­ten. Sind nun auch Bil­lig­löh­ne in ande­ren Bran­chen bald Geschich­te? Auch beim Bau, in der Logis­tik oder der Gebäu­de­rei­ni­gung kri­ti­sie­ren Gewerk­schaf­ten seit Jah­ren, dass der Tarif­lohn umgan­gen und Arbeit­neh­mer über Sub­un­ter­neh­men aus­ge­brei­tet wer­den. Trotz­dem wol­len Uni­on und Wirt­schafts­ver­bän­de kein grund­sätz­li­ches Ver­bot die­ser Pra­xis. Und auch die Fleisch­wirt­schaft will gegen die neu­en Auf­la­gen von Bun­des­ar­beits­mi­nis­ter Heil jetzt vor­ge­hen und kla­gen.” Bei­trag in der Sen­dung West­pol am 24.05.2020 beim WDR externer Link
    • Werk­ver­trä­ge soll es in der Fleisch­in­dus­trie nicht mehr geben. Ab dem kom­men­den Jahr. Vor­hang wie­der run­ter vor der Schlacht­haus­sze­ne­rie. Aber Fra­ge­zei­chen blei­ben
      Am Ende war es dann doch zu viel. Trotz eines enor­men Drucks ganz unter­schied­li­cher Lob­by­is­ten konn­te die Ent­schei­dung, die Werk­ver­trä­ge in der Fleisch­in­dus­trie zu ver­bie­ten und wei­te­re Auf­la­gen zu ver­hän­gen, nicht mehr auf­ge­hal­ten bzw. deut­lich ver­wäs­sert wer­den. Auf den ers­ten Blick ist das vor dem Hin­ter­grund der nun wirk­lich desas­trö­sen Arbeits­be­din­gun­gen in den Schlacht­hö­fen des Lan­des ein Erfolg, der gar nicht so wahr­schein­lich war. Gera­de des­halb ist das wirk­lich ein Erfolg, den es in wei­te­ren Schrit­ten zu sichern gilt. (…) Es sind Eck­punk­te, die im wei­te­ren Gang der Din­ge mit Leben gefüllt wer­den müs­sen. Aber immer­hin fin­det man in den zehn Punk­ten die­sen zen­tra­len Beschluss, der nur noch schwer wie­der aus der Welt zu bekom­men ist: »Ab dem 1. Janu­ar 2021 soll das Schlach­ten und die Ver­ar­bei­tung von Fleisch in Betrie­ben der Fleisch­wirt­schaft im Sin­ne des § 6 Absatz 10 Arbeit­neh­mer-Ent­sen­de­ge­set­zes nur noch von Arbeit­neh­me­rin­nen und Arbeit­neh­mern des eige­nen Betrie­bes zuläs­sig sein. Damit wären Werk­ver­trags­ge­stal­tun­gen und Arbeit­neh­mer­über­las­sun­gen nicht mehr mög­lich. Bei der Aus­ge­stal­tung ist auf eine rechts­si­che­re Bran­chen­ab­gren­zung zu ach­ten, die sicher­stellt, dass eine gesetz­li­che Rege­lung nur Unter­neh­men trifft, deren Kern­ge­schäft Schlach­ten und Fleisch­ver­ar­bei­tung ist. Für Betrie­be des Flei­scher­hand­werks ist eine geson­der­te Betrach­tung mög­lich. Es sind ahn­den­de Rege­lun­gen gegen Ver­stö­ße vor­zu­se­hen.« Man soll­te bei aller berech­tig­ten Freu­de über den nun gefass­ten Beschluss aber mit der zugleich vor allen Gesetz­ge­bungs­ver­fah­ren ange­zeig­ten Skep­sis hin­sicht­lich des­sen, was am Ende hin­ten raus­kommt, dar­auf hin­wei­sen, dass 1.) es ein Ver­bot geben soll, 2.) das Ver­bot erst ab dem 1. Janu­ar des kom­men­den Jah­res in Kraft tre­ten soll 3.) und dass der der Aus­ge­stal­tung auf eine „rechts­si­che­re“ Bran­chen­ab­gren­zung geach­tet wer­den soll. Der Hin­weis auf eine „rechts­si­che­re“ Bran­chen­ab­gren­zung ist mit Sicher­heit nicht en pas­sant in den Beschluss gerutscht, son­dern ver­weist auf eine der­zeit offe­ne Fra­ge: Auf wel­cher Rechts­grund­la­ge und mit wel­cher expli­zi­ten Begrün­dung ent­zieht man den Unter­neh­men der hier im Mit­tel­punkt ste­hen­den Bran­che an sich recht­lich zuläs­si­ge Instru­men­te wie den Werk­ver­trag und die Arbeit­neh­mer­über­las­sung, die aber in ande­ren Bran­chen wei­ter­hin in Gebrauch sein dür­fen und wer­den? Man könn­te an die­ser Stel­le auf die Idee kom­men, dass man hier an eine Ana­lo­gie zu einem Ver­bot der Leih­ar­beit in einer ganz bestimm­ten Bran­che gedacht hat, der ein­zi­gen Bran­che, in der die Arbeit­neh­mer­über­la­sung expli­zit unter­sagt wor­den ist: dem Bau­ge­wer­be. Und wenn man sich die Ent­ste­hungs­ge­schich­te die­ses Ver­bots in Erin­ne­rung ruft, dann wird durch­aus eine Par­al­le­le zur Fleisch­in­dus­trie erkenn­bar (…) Das Ver­bot der Leih­ar­beit im Bau­ge­wer­be war gleich­sam eine Not­brem­se, die man gezo­gen hat, um die betrof­fe­nen Arbeit­neh­mer, aber auch die kor­rekt agie­ren­den Bau­un­ter­neh­men zu schüt­zen. Man kann sich gut vor­stel­len, dass das als Blau­pau­se her­an­ge­zo­gen wird, wenn es um die recht­li­che Aus­ge­stal­tung des­sen geht, was in den Eck­punk­te nun­mehr ver­ein­bart wur­de. Die Eck­punk­te ent­hal­ten wei­te­re Ver­ein­ba­run­gen, die eben­falls vor allem als Soll-For­mu­lie­run­gen daher­kom­men und einer recht­lich sau­be­ren Prä­zi­sie­rung bedür­fen…” Bei­trag vom 21. Mai 2020 von und bei Ste­fan Sell externer Link
    • Cle­mens Tön­nies for­dert fai­ren Werk­ver­trag
      Bun­des­ar­beits­mi­nis­ter Huber­tus Heil (SPD) hat ange­kün­digt, in der Fleisch­bran­che „auf­räu­men“ zu wol­len. Des­halb hat die Bun­des­re­gie­rung Maß­nah­men beschlos­sen, um die Bedin­gun­gen in den Betrie­ben zu ver­bes­sern. Nun hat sich das Unter­neh­men Tön­nies zu dem The­ma geäu­ßert. n einer Mit­tei­lung erklärt die Rhe­da-Wie­den­brü­cker Unter­neh­mens­grup­pe, dass man im Dia­log mit NRW-Arbeits­mi­nis­ter Karl-Josef Lau­mann (CDU) und Heil eine kon­se­quen­te und kon­struk­ti­ve Neu­re­ge­lung von Werk­ver­trä­gen ins Spiel brin­gen wol­le. (…) Kon­kret schlägt der Unter­neh­mer fünf Punk­te vor: 1. Abschaf­fung von Werk­ver­trä­gen auf Basis der A1-Arbeit­neh­mer­ent­sen­dung. Das heißt: deut­sches Arbeits­recht und deut­sche Sozi­al­ver­si­che­rung für alle Beschäf­tig­ten. 2. Abschaf­fung von undurch­sich­ti­gen Sub-Sub-Kon­struk­tio­nen. Aus­schließ­lich Werk­ver­trä­ge unter zwei Part­nern blei­ben zuläs­sig: Auf­trag­ge­ber und Auf­trag­neh­mer. 3. Erwei­te­rung der Durch­griffs­haf­tung des Auf­trag­ge­bers auf die Ver­hält­nis­se des Wohn­raums, der Auf­trag­ge­ber haf­tet für eine men­schen­wür­di­ge und wirt­schaft­lich fai­re Unter­brin­gung aller Beschäf­tig­ten. 4. Die Aus­ge­stal­tung der Wohn­raum-Ver­hält­nis­se sowie die der Werk­ver­trä­ge in Bezug auf die fai­re Behand­lung der Arbeit­neh­mer wird durch eine unab­hän­gi­ge Stel­le /​Zer­ti­fi­zie­rungs-Orga­ni­sa­ti­on (TÜV/​SGS o.a.) zwin­gend über­wacht. 5. Anhe­bung des gesetz­li­chen Min­dest­lohns in der Bran­che auf 12 Euro brut­to pro Stun­de. Tön­nies bie­tet der Bun­des­re­gie­rung an, sei­ne Fach­ex­per­ti­se in den Gesetz­ge­bungs­pro­zess ein­zu­brin­gen. (…) Ein gene­rel­les Ver­bot von Werk­ver­trä­gen nur in einer Bran­che, der Fleisch­wirt­schaft, hät­te gro­ße wirt­schaft­li­chen Risi­ken für die deut­sche Agrar­wirt­schaft zur Fol­ge…” Arti­kel vom 22.05.2020 in Die Glo­cke online externer Link – eine gewich­ti­ge Lob­by-Stim­me zu doku­men­tie­ren. Für die Akti­vi­tä­ten von Tön­nies sie­he die gefühl­te Hälf­te unse­rer Bericht­erstat­tung in der Rubrik Fleisch­bran­che
    • Kabi­netts­be­schluss Stren­ge Regeln und Ver­bo­te für Fleisch­bran­che
      Das Bun­des­ka­bi­nett hat nach den jüngs­ten Coro­na-Aus­brü­chen in der Fleisch­in­dus­trie nach Infor­ma­tio­nen von tages​schau​.de ein Ver­bot von Werk­ver­trä­gen und Arbeit­neh­mer­über­las­sun­gen in der Bran­che beschlos­sen, das von kom­men­den Jahr an in Kraft tre­ten soll. In der Kabi­netts­vor­la­ge heißt es: “Ab dem 1.1.21 soll das Schlach­ten und die Ver­ar­bei­tung von Fleisch in Betrie­ben der Fleisch­wirt­schaft […] nur noch von Arbeit­neh­me­rin­nen und Arbeit­neh­mern des eige­nen Betrie­bes zuläs­sig sein. Damit wären Werk­ver­trags­ge­stal­tun­gen und Arbeit­neh­mer­über­las­sun­gen nicht mehr mög­lich. […] Für Betrie­be des Flei­scher­hand­werks ist eine geson­der­te Betrach­tung mög­lich. […]” Im Klar­text bedeu­tet das, dass kei­ne Leih­ar­bei­ter mit Werk­ver­trä­gen – auch kei­ne aus Bil­lig­lohn­län­dern – mehr zum Ein­satz kom­men dür­fen. Betrof­fen sein wer­den aller­dings ledig­lich Unter­neh­men, deren Kern­ge­schäft das Schlach­ten und die Fleisch­ver­ar­bei­tung sind: also vor allem Groß­be­trie­be. Das Flei­scher­hand­werk mit sei­nen vie­len klei­nen Betrie­ben bleibt von der Neu­re­ge­lung aus­ge­schlos­sen. (…)Damit die neu­en Vor­schrif­ten in der Bran­che auch ein­ge­hal­ten wer­den, soll es schär­fe­re und häu­fi­ge­re Kon­trol­len geben. Wie aus Regie­rungs­krei­sen ver­lau­te­te, sol­len die Arbeit­ge­ber auch zu einer digi­ta­len Arbeits­zeit­er­fas­sung ver­pflich­tet wer­den. Das Buß­geld für Arbeits­zeit­ver­stö­ße wird laut Kabi­netts­ent­wurf auf bis zu 30.000 Euro ver­dop­pelt…” Mel­dung vom 20.05.2020 bei tages​schau​.de externer Link, sie­he dazu:
      • Bun­des­mi­nis­te­ri­um für Arbeit und Sozia­les (2020): Eck­punk­te „Arbeits­schutz­pro­gramm für die Fleisch­wirt­schaft“ externer Link Ber­lin, 20.05.2020
      • „Aus dem Kabi­netts­be­schluss muss ein Gesetz wer­den“. NGG begrüßt Ver­bot von Werk­ver­trä­gen in der Fleisch­in­dus­trie als Mei­len­stein
        Zum heu­ti­gen Beschluss des Bun­des­ka­bi­netts zu Eck­punk­ten eines „Arbeits­schutz­pro­gramms für die Fleisch­wirt­schaft“ hat Fred­dy Adjan, stell­ver­tre­ten­der Vor­sit­zen­der der Gewerk­schaft Nah­rung-Genuss-Gast­stät­ten (NGG), erklärt: „Wir begrü­ßen, dass das Bun­des­ka­bi­nett heu­te schär­fe­re Regeln für die Fleisch­in­dus­trie beschlos­sen hat und Bun­des­ar­beits­mi­nis­ter Huber­tus Heil wie ange­kün­digt ‚in der Bran­che auf­räu­men‘ will. Der Beschluss ist ein sehr guter Anfang, damit der Miss­brauch von Werk­ver­trä­gen in der Fleisch­in­dus­trie und die Aus­beu­tung der in Sub‑, Sub-Sub­un­ter­neh­men aus­ge­beu­te­ten Werk­ver­trags­be­schäf­tig­ten been­det wer­den kann. Laut Kabi­netts­be­schluss soll das Schlach­ten und Zer­le­gen ab 2021 nur noch mit Arbeit­neh­me­rin­nen und Arbeit­neh­mern des eige­nen Unter­neh­mens zuläs­sig sein. Die­ses ange­kün­dig­te Ver­bot kommt der Besei­ti­gung eines Krebs­ge­schwürs gleich. Rich­tig und wich­tig ist es, dass schär­fer kon­trol­liert wird und die Kon­trol­len sich auch auf die Woh­nun­gen und Unter­künf­te erstre­cken. Drin­gend not­wen­dig ist es, die Kon­troll­ka­pa­zi­tä­ten in den Bun­des­län­dern, die teil­wei­se kaputt­ge­spart wor­den sind, wie­der auf­zu­sto­cken. Mit einer digi­ta­len Zeit­er­fas­sung kann auch end­lich dem Betrug bei den Arbeits­zei­ten ein Ende gesetzt wer­den. Jetzt gilt es, die­sen Beschluss im Gesetz­ge­bungs­ver­fah­ren Eins zu Eins umzu­set­zen. Wir war­nen die CDU/C­SU-Frak­ti­on davor, die­sen Kabi­netts­be­schluss im Bun­des­tag zu schlei­fen oder zu ver­wäs­sern.“” NGG-Pres­se­mit­tei­lung vom 20. Mai 2019 externer Link
      • Werk­ver­trä­ge abschaf­fen allei­ne reicht nicht
        Damit sich wirk­lich etwas in der Fleisch­in­dus­trie bewegt, braucht es auch dau­er­haf­ten öffent­lich Druck, meint Elmar Wigand (…)Weil sich die Bür­ger im Kreis Coes­feld eine kol­lek­ti­ve Aus­gangs­sper­re ein­fin­gen – auf­grund einer Infek­ti­ons­wel­le bei West­fleisch externer Link -, empör­ten sie sich auf ein­mal über kata­stro­pha­le Arbeits­be­din­gun­gen und Wohn­ver­hält­nis­se von Migran­ten. Dass in die­ser plötz­li­chen Empö­rung eine gewis­se Heu­che­lei liegt externer Link, soll­ten wir der­weil groß­zü­gig behan­deln. Weil das Inter­es­se für Werk­ver­trä­ge eine unver­hoff­te Chan­ce ist. Zwar soll­te das Aus­mis­ten nicht bei der Fleisch­in­dus­trie halt machen externer Link, aber irgend­wo muss man anfan­gen und da ist es klug, sich den größ­ten und übels­ten Sek­tor her­aus zu grei­fen. Aber wir dür­fen nicht ver­ges­sen: In der Land­wirt­schaft, dem Rei­ni­gungs­ge­wer­be, dem Bau und vie­len Zulie­fer­be­trie­ben der Auto­in­dus­trie ist es nicht viel bes­ser. Osteuropäer*innen sind über­all dort anzu­tref­fen, wo es indus­tri­el­le Drecks­ar­beit zu machen gibt externer Link. In die­sen Bran­chen sind durch EU-Ost­erwei­te­rung und Hartz-Geset­ze rie­si­ge Berei­che ohne Betriebs­rä­te und Tarif­ver­trä­ge, ohne behörd­li­che Kon­trol­len ent­stan­den. Hier gras­siert ein Rechts­ni­hi­lis­mus, von dem die meis­ten bra­ven Bür­ger nur eine lei­se Ahnung haben (wol­len). Es ist dar­über hin­aus sogar sehr gut, dass Heil und Lau­mann nicht nur von ein­zel­nen »schwar­zen Scha­fen« und »Miss­brauch von Werk­ver­trä­gen« reden – oder wie man­che NGOs »Werk­FAIR­trä­ge« for­dern – , son­dern die Werk­ver­trä­ge gene­rell abschaf­fen wol­len. Denn rund um das Kon­strukt Werk­ver­trag wuchert ein sozi­al­schäd­li­cher und mora­lisch ver­kom­me­ner Dschun­gel aus mafiö­sen Sub-Unter­neh­mern und betrü­ge­ri­schen Gene­ral­un­ter­neh­mern. Lei­der haben die wenigs­ten begrif­fen, dass es sich bei den so genann­ten Werk­ver­trä­gen in Wirk­lich­keit um ein rie­si­ges Betrugs­ma­nö­ver han­delt. Tat­säch­lich hät­te der Staat den Sumpf auch ohne Geset­ze und Son­der­re­geln längst aus­trock­nen kön­nen. Die angeb­li­chen »On-Site-Werk­ver­trä­ge« sind bei Licht betrach­tet nur juris­tisch ver­bräm­te ille­ga­le Arbeit­neh­mer­las­sung. Weder Cle­mens Tön­nies, der größ­te Alli­ga­tor im Schlacht­hof-Sumpf, noch sei­ne Sub­un­ter­neh­mer geben sich gro­ße Mühe, die­se Tat­sa­che zu kaschie­ren. Hin­zu kommt der Straf­tat­be­stand des sys­te­ma­ti­schen Miet­wu­chers. Hier wird das wah­re Pro­blem deut­lich: Ermitt­lung, Straf­ver­fol­gung und Kon­trol­len fin­den nicht statt. Staats­an­walt­schaf­ten blei­ben untä­tig, Arbeits­schutz-Abtei­lun­gen der Bezirks­re­gie­run­gen, Gewer­be­auf­sicht und Zoll sind unter­be­setzt. Solan­ge aber ein­zel­ne Kri­mi­nel­le nicht emp­find­li­che Stra­fen erei­len, ist kei­ne grund­le­gen­de Ände­rung zu erwar­ten…” Kom­men­tar von Elmar Wigand vom 20.05.2020 im ND online externer Link
      • Kabi­netts­be­schluss kann Miss­stän­de an gro­ßen Schlacht­hö­fen wirk­sam bekämp­fen – jetzt kommt es auf Umset­zung an. Ger­man­watch: Guter Tag für Schutz der Beschäf­tig­ten – Land­wirt­schafts­mi­nis­te­rin Klöck­ner nun am Zug
        Ger­man­watch-Pres­se­mit­tei­lung vom 20.05.2020 externer Link
      • Infek­ti­ons­herd Fleisch­in­dus­trie: Coro­na und das Aus­beu­tungs­sys­tem Leih­ar­beit
        Heu­te, am Tag des Erschei­nens die­ses Blog­bei­trags, hat das Bun­des­ka­bi­nett das Ver­bot von Werk­ver­trä­gen und Leih­ar­beit in der fleisch­ver­ar­bei­ten­den Indus­trie externer Link beschlos­sen. Das hier doku­men­tier­te Inter­view mit dem Geschäfts­füh­rer der Gewerk­schaft Nah­rung-Genuss-Gast­stät­ten (NGG) Mit­tel­ba­den-Nord­schwarz­wald u. Mann­heim-Hei­del­berg Elwis Cape­ce ist bereits eine Woche alt und erschien zuvor am 8. Mai auf mar​x21​.de externer Link und konn­te die­se neue Situa­ti­on noch nicht mit­re­flek­tie­ren…” Bei­trag vom 20. Mai 2020 von express im Blog coro​na​-at​-work​.de externer Link
  • NGG: „Bun­des­re­gie­rung muss end­lich han­deln!“ – Schlacht­hö­fe: Coro­na-Kabi­nett ver­schiebt Bera­tun­gen über Arbeits- und Gesund­heits­schutz
    “„Es ist völ­lig unver­ständ­lich, dass das Coro­na-Kabi­nett die Bera­tung über die Lage in deut­schen Schlacht­hö­fen ver­schiebt“, hat Fred­dy Adjan, stell­ver­tre­ten­der Vor­sit­zen­der der Gewerk­schaft Nah­rung-Genuss-Gast­stät­ten (NGG), heu­te kri­ti­siert. „Sämt­li­che Fak­ten über die unhalt­ba­ren und men­schen­un­wür­di­gen Arbeits- und Lebens­be­din­gun­gen der mit Werk­ver­trä­gen in deut­schen Schlacht­hö­fen Beschäf­tig­ten lie­gen seit Mona­ten und Jah­ren auf dem Tisch. Schlacht­hö­fe sind inzwi­schen Hot­spots der Coro­na­vi­rus-Pan­de­mie. Die Bun­des­re­gie­rung muss end­lich han­deln, um Beschäf­tig­te und die Bevöl­ke­rung zu schüt­zen.“ Fred­dy Adjan wie­der­hol­te die For­de­run­gen der Gewerk­schaft NGG: – Ver­bot von Werk­ver­trä­gen im Kern­be­reich unter­neh­me­ri­scher Tätig­keit. Den Fleisch­kon­zer­nen muss es unmög­lich gemacht wer­den, Kern­auf­ga­ben wie das Schlach­ten und Zer­le­gen von Tie­ren an bil­li­ge und teil­wei­se dubio­se Fremd­fir­men aus­zu­la­gern. Sie müs­sen gezwun­gen wer­den, Ver­ant­wor­tung für das zu über­neh­men, was in ihrem Auf­trag und auf ihrem Fir­men­ge­län­de pas­siert. – Ein­rich­tung von Schwer­punkt­staats­an­walt­schaf­ten für Arbeits- und Gesund­heits­schutz. Die Zustän­de in den Mas­sen­un­ter­künf­ten gehö­ren end­lich scharf kon­trol­liert und die auf­ge­deck­ten Miss­stän­de effek­tiv ver­folgt. – Für Unter­künf­te und Woh­nun­gen von Werk­ver­trags­be­schäf­tig­ten müs­sen kla­re und bes­ten­falls bun­des­ein­heit­li­chen Rege­lun­gen gel­ten. Die Unter­kunfts­kos­ten müs­sen nach Maß­ga­be der Sach­be­zugs­ver­ord­nung berech­net wer­den. – Not­wen­dig ist der Abschluss eines bran­chen­ein­heit­li­chen Min­dest­lohn­ta­rif­ver­trags, der ein men­schen­wür­di­ges Leben und eine ange­mes­se­ne Unter­kunft ermög­licht. Die Gewerk­schaft NGG unter­stüt­ze den Vor­schlag, den das Bun­des­mi­nis­te­ri­um für Arbeit und Sozia­les dem Coro­na-Kabi­nett zum Beschluss vor­ge­legt habe und der der NGG bekannt sei, aus­drück­lich. Es sei drin­gend nötig, „end­lich auf­zu­räu­men“, wie es Bun­des­ar­beits­mi­nis­ter Huber­tus Heil ange­kün­digt hat. Adjan erin­ner­te dar­an, dass Nord­rhein-West­fa­lens Gesund­heits­mi­nis­ter Karl-Josef Lau­mann (CDU) eine Poli­tik der „Null-Tole­ranz“ ange­mahnt habe und „den Sumpf aus­trock­nen“ wol­le. Selbst Bun­des­kanz­le­rin Ange­la Mer­kel habe in der ver­gan­ge­nen Woche im Bun­des­tag von „erschre­cken­den Nach­rich­ten aus der Fleisch­in­dus­trie“ gespro­chen und Han­deln gefor­dert. „Han­deln sie jetzt!“, so die For­de­rung von Fred­dy Adjan.“ NGG-Pres­se­mit­tei­lung vom 18.05.2020 externer Link, sie­he zum Hin­ter­grund:
    • Coro­na in der Fleisch­in­dus­trie – CSU blo­ckiert Kon­zept für Schlacht­hö­fe
      “Eigent­lich woll­te die Bun­des­re­gie­rung heu­te beschlie­ßen, wie die Zustän­de in den Schlacht­hö­fen ver­bes­sert und damit die Fleisch­in­dus­trie stär­ker regu­liert wer­den kann. In meh­re­ren Schlacht­hö­fen war es in den ver­gan­ge­nen Tagen zu mas­sen­haf­ten Coro­na-Infek­tio­nen der Arbei­ter gekom­men. Grund: die schlech­ten Hygie­ne­be­din­gun­gen und Unter­künf­te. Doch das Kon­zept von Bun­des­ar­beits­mi­nis­ter Huber­tus Heil (SPD), das er heu­te im Coro­na-Kabi­nett prä­sen­tier­te, liegt erst ein­mal auf Eis. Nach ZDF-Infor­ma­tio­nen blo­ckiert die CSU. (…) Heil schlägt vor, dass Schlacht­hö­fe und die Unter­brin­gung der Arbeit­neh­mer häu­fi­ger kon­trol­liert wer­den. Buß­gel­der sol­len ver­dop­pelt wer­den. Außer­dem sol­len die umstrit­te­nen Werk­ver­trä­ge ver­bo­ten wer­den: Schlach­ten und das Ver­ar­bei­ten von Fleisch sol­len nur noch von Mit­ar­bei­ten­den des eige­nen Betriebs erlaubt sein. Damit könn­ten die­se Arbei­ten nicht mehr an Sub­un­ter­neh­men ver­ge­ben wer­den. Dum­ping­löh­ne und mise­ra­ble Unter­brin­gung zu Wucher­mie­ten für Arbeits­kräf­te, meist aus Ost­eu­ro­pa, sind der­zeit die Fol­ge. (…) Die Gewerk­schaft Nah­rung-Genuss-Gast­stät­ten (NGG) kri­ti­siert die Ver­schie­bung des Beschlus­ses als “völ­lig unver­ständ­lich”, so der Vize-Vor­sit­zen­de Fre­dy Adjan. Die Fak­ten über die “men­schen­un­wür­di­gen Arbeits- und Lebens­be­din­gun­gen” lägen seit Jah­ren auf dem Tisch. “Schlacht­hö­fe sind inzwi­schen Hot­spots der Coro­na-Pan­de­mie”, sagt Adjan. Die Bun­des­re­gie­rung müs­se end­lich han­deln…“ Bei­trag von Kris­ti­na Hof­mann vom 18.05.2020 beim ZDF externer Link
  • Ver­bot für Werk­ver­trä­ge in Schlacht­hö­fen: Über­fäl­lig aber unwahr­schein­lich – ruft den­noch die Bau­ern­lob­by her­vor 
    • Bau­ern­ver­band kri­ti­siert Ver­bot für Werk­ver­trä­ge in Schlacht­hö­fen’
      Nach Coro­na-Aus­brü­chen in meh­re­ren Schlacht­hö­fen will Bun­des­ar­beits­mi­nis­ter Huber­tus Heil die arbeits­recht­li­chen Bestim­mun­gen in der Fleisch­in­dus­trie deut­lich ver­schär­fen. Ein Beschluss­vor­schlag des Arbeits­mi­nis­te­ri­ums sieht ein weit­ge­hen­des Ver­bot von Werk­ver­trä­gen in Schlacht­be­trie­ben vor. Der Bau­ern­ver­band lehnt die Plä­ne ab – und auch in der Uni­on deu­tet sich Wider­stand an. Der Deut­sche Bau­ern­ver­band lehnt das von Bun­des­ar­beits­mi­nis­ter Huber­tus Heil (SPD) geplan­te Ver­bot von Werk­ver­trä­gen in Schlacht­hö­fen externer Link ab. “Es ist zu befürch­ten, dass ein pau­scha­les Ver­bot von Werks­ver­trags­kon­struk­tio­nen die Coro­na-Situa­ti­on in den Betrie­ben und Unter­künf­ten nicht ver­bes­sert”, sag­te der Gene­ral­se­kre­tär Bern­hard Krüs­ken dem Redak­ti­ons­Netz­werk Deutsch­land (RND). (…) Ein Beschluss­vor­schlag des Arbeits­mi­nis­te­ri­ums für das so genann­te “Coro­na-Kabi­nett” am kom­men­den Mon­tag sieht ein weit­ge­hen­des Ver­bot von Werk­ver­trä­gen in Schlacht­hö­fen vor. Künf­tig sol­le das Schlach­ten und die Ver­ar­bei­tung von Fleisch in Betrie­ben der Fleisch­wirt­schaft “nur noch von Arbeit­neh­me­rin­nen und Arbeit­neh­mern des eige­nen Betrie­bes zuläs­sig sein”, heißt es in der Beschluss­vor­la­ge. Damit sei­en Werk­ver­trags­ge­stal­tun­gen und Arbeit­neh­mer­über­las­sun­gen nicht mehr mög­lich…” Arti­kel von Andre­as Nies­mann und Mari­na Kor­m­baki vom 16.05.2020 bei RND externer Link, sie­he zum Hin­ter­grund:
    • Nach vie­len Coro­na-Infek­tio­nen: Arbeits­mi­nis­ter wol­len Werk­ver­trä­ge in der Fleisch­in­dus­trie erschwe­ren
      Nach den Coro­na-Infek­tio­nen in Schlacht­hö­fen berei­ten Bun­des­ar­beits­mi­nis­ter Huber­tus Heil (SPD) und sein NRW-Amts­kol­le­ge Karl-Josef Lau­mann (CDU) gemein­sam schär­fe­re Regeln und Auf­la­gen für die Bran­che vor. (…) Nun wol­len bei­de Minis­ter gemein­sam gegen die Miss­stän­de in der Bran­che vor­ge­hen. “Wir sind uns einig: Hier müs­sen wir auf­räu­men. Denn wir ris­kie­ren durch das Ver­hal­ten eini­ger schwar­zer Scha­fe eine zwei­te gro­ße Infek­ti­ons­wel­le”, sag­te Bun­des­ar­beits­mi­nis­ter Heil dem SPIEGEL. Die ver­gan­ge­nen Tage hät­ten das Aus­maß deut­li­cher gemacht. Vie­le Beschäf­tig­te arbei­te­ten “nicht nur zu mie­sen Löh­nen und Arbeits­be­din­gun­gen, son­dern wer­den auch in Abstei­gen zusam­men­ge­pfercht, in denen Abstand und grund­le­gen­de Hygie­ne­maß­nah­men kaum mög­lich sind”. Die unwür­di­gen Bedin­gun­gen für die Arbeit­neh­mer, die auch gefähr­lich für die All­ge­mein­heit sei­en, müss­ten besei­tigt wer­den. (…) Bei­de Minis­ter wol­len die Rege­lun­gen zu Werk­ver­trä­gen ändern und künf­tig kla­re Ver­ant­wor­tungs­ket­ten bei den Kon­struk­tio­nen der Zusam­men­ar­beit von Fir­men mit Sub-Unter­neh­men ver­an­kern. “Die gän­gi­gen Werk­ver­trags-Vari­an­ten las­sen zu vie­le Schlupf­lö­cher”, sag­te Heil. (…) Bei­de Minis­ter wol­len dar­über hin­aus eine digi­ta­le Arbeits­zeit­er­fas­sung und erheb­li­che Buß­gel­der gegen Arbeits­rechts­ver­stö­ße. Zudem müss­ten den Betriebs­rä­ten Mit­be­stim­mungs­rech­te beim Ein­satz von Werk­ver­trags­fir­men ein­ge­räumt wer­den. Die Zustän­de in der Fleisch­wirt­schaft sei­en “weder mit einem christ­li­chen Men­schen­bild noch mit der sozia­len Markt­wirt­schaft ver­ein­bar”, so Lau­mann. “Mei­ne Geduld ist am Ende.”…“ Arti­kel von Mar­kus Dett­mer vom 15.05.2020 beim Spie­gel online externer Link
  • Arbeits­un­recht TV: Werk­ver­trä­ge abschaf­fen
    arbeits­un­recht TV #05 vom 15. Mai 2020 – Video bei you­tube externer Link – mit einem Inter­view mit Lau­ra vom Bünd­nis Gemein­sam gegen die Tier­in­dus­trie externer Link, das über Pfings­ten (29. – 31. Mai 2020) Pro­tes­te gegen die aus­beu­te­ri­schen Arbeits­be­din­gun­gen, Tier­leid und Res­sour­cen­ver­schwen­dung in der Tier­in­dus­trie plant
  • [Werk­ver­trä­ge in der Fleisch­in­dus­trie] Ein Gesetz, das krank macht
    In der deut­schen Fleisch­in­dus­trie schuf­ten ost­eu­ro­päi­sche Beschäf­tig­te mit Werk­ver­trä­gen – wie es die CSU woll­te. (…) Schlimm, die­se Arbeits­be­din­gun­gen in der Fleisch­in­dus­trie, heißt es jetzt aus der Poli­tik. Viel Inter­es­san­ter als Empö­rungs­rou­ti­nen ist die Fra­ge nach den Ursa­chen. Die aus Ost­eu­ro­pa stam­men­den Schlacht­hof­ar­bei­ter sind in Deutsch­land meist per Werk­ver­trag beschäf­tigt, also for­mal selbst­stän­dig. Damit haben sie kei­ne Rech­te eines nor­ma­len Arbeit­neh­mers, aber dum­mer­wei­se auch nicht die Frei­hei­ten eines Selbst­stän­di­gen. Für die Schlacht­hö­fe ist das eine pri­ma Win-Situa­ti­on, für die Beschäf­tig­ten bedeu­tet es das Gegen­teil. In den Kne­bel­ver­trä­gen ist meist auch die Unter­kunft fest­ge­legt – Mas­sen­be­hau­sun­gen, für deren oft über­höh­te Kos­ten die Arbei­ter auf­kom­men müs­sen. Werk­ver­trä­ge sind in der Theo­rie eine prak­ti­sche Sache. Wenn zum Bei­spiel eine Bäcke­rei ihr IT-Sys­tem auf­mö­beln will, schließt sie einen Werk­ver­trag mit einer IT-Spe­zia­lis­tin, weil die Bäcke­rei es selbst nicht leis­ten kann. Seit Jah­ren aber wer­den Werk­ver­trä­ge nicht nur in der Fleisch­in­dus­trie mas­sen­haft miss­braucht, um Per­so­nal­kos­ten zu drü­cken. Mög­lich ist dies durch eine Geset­zes­lü­cke, die auch bei einer Reform von 2017 nicht geschlos­sen wur­de. (…) Das konn­te gesche­hen vor dem Hin­ter­grund, dass sich die brei­te Öffent­lich­keit für die Lebens- und Arbeits­be­din­gun­gen in den unte­ren Eta­gen der Arbeits­welt nur wenig inter­es­siert. Seit Coes­feld wis­sen hof­fent­lich die Letz­ten: Men­schen­wür­di­ge Arbeits­be­din­gun­gen schüt­zen vor Krank­heit und am Ende sogar vor Tod.” Kom­men­tar von Gun­nar Hinck vom 10.5.2020 in der taz online externer Link
  • NGG: For­de­run­gen zur Ein­däm­mung von Coro­na in Schlacht­hö­fen, u.a. „Ver­bot von Werk­ver­trä­gen im Kern­be­reich der unter­neh­me­ri­schen Tätig­keit“
    „Wir for­dern, dass nun unver­züg­lich und aus­nahms­los alle Beschäf­tig­ten der Schlacht- und Zer­le­ge­in­dus­trie auf eine Coro­na-Infek­ti­on getes­tet wer­den.“ Die­se und wei­te­re Sofort­maß­nah­men zur Ein­däm­mung des Coro­na-Virus in der Fleisch­in­dus­trie hat die Gewerk­schaft Nah­rung-Genuss-Gast­stät­ten (NGG) in einem Schrei­ben an die Bun­des­tags­frak­tio­nen und die Bun­des­mi­nis­te­ri­en für Arbeit und Sozia­les, Wirt­schaft und Ener­gie und Ernäh­rung und Land­wirt­schaft externer Link for­mu­liert und schnel­les Han­deln ein­ge­for­dert. Es gel­te, die „beschä­men­den und men­schen­ver­ach­ten­den Zustän­de“ in der deut­schen Fleisch­in­dus­trie „jetzt und auf Dau­er“ zu regu­lie­ren. Kon­kret for­dert die Gewerk­schaft NGG unter ande­rem das „Ver­bot von Werk­ver­trä­gen im Kern­be­reich der unter­neh­me­ri­schen Tätig­keit“. So soll es den Fleisch­kon­zer­nen unmög­lich gemacht wer­den, selbst Kern­auf­ga­ben wie das Schlach­ten und Zer­le­gen von Tie­ren an bil­li­ge und teil­wei­se dubio­se Fremd­fir­men aus­zu­la­gern. Dazu sag­te Fred­dy Adjan, stell­ver­tre­ten­der Vor­sit­zen­der der NGG: „Die Kon­zer­ne müs­sen gezwun­gen wer­den, Ver­ant­wor­tung für das zu über­neh­men, was in ihrem Auf­trag und auf ihrem Fir­men­ge­län­de pas­siert. Die Coro­na-Kri­se macht ein­mal mehr deut­lich, wie über­fäl­lig es ist, dass Poli­tik und Behör­den durch­grei­fen und nicht auf die Ein­sicht oder frei­wil­li­ge Lösun­gen der Kon­zer­ne ver­trau­en. Die Fleisch­in­dus­trie ist erwie­se­ner­ma­ßen reform­un­wil­lig und von Grund auf krank. Eine ers­te The­ra­pie­maß­nah­me ist das Ver­bot von Werk­ver­trä­gen, eine zwei­te sind Schwer­punkt­staats­an­walt­schaf­ten für Arbeits- und Gesund­heits­schutz. Die Zustän­de in den Mas­sen­un­ter­künf­ten gehö­ren end­lich scharf kon­trol­liert und die auf­ge­deck­ten Miss­stän­de effek­tiv ver­folgt.“ Die Gesund­heit der Beschäf­tig­ten müs­se geschützt und die bereits infi­zier­ten Arbeit­neh­me­rin­nen und Arbeit­neh­mer best­mög­lich unter­stützt wer­den. Auch hier sei­en Unter­neh­men und Behör­den drin­gend gefor­dert, so Adjan…“ NGG-Pres­se­mit­tei­lung vom 13.05.2020 externer Link
  • Heil will in Fleisch­bran­che “auf­räu­men”
    Schlacht­hö­fe als Coro­na-Hot­spots, pre­kär unter­ge­brach­te Leih­ar­bei­ter: Die Bun­des­re­gie­rung macht Druck auf die Fleisch­bran­che. Arbeits­mi­nis­ter Heil kün­dig­te neue Regeln an, auch Kanz­le­rin Mer­kel äußer­te Kri­tik. Nach den Coro­na­vi­rus-Infek­tio­nen in meh­re­ren Schlacht­be­trie­ben hat Arbeits­mi­nis­ter Huber­tus Heil Kon­se­quen­zen ange­droht. “Wir wer­den auf­räu­men mit die­sen Ver­hält­nis­sen”, sag­te der Sozi­al­de­mo­krat in einer Aktu­el­len Stun­de im Bun­des­tag. Das Coro­na-Kabi­nett wer­de am kom­men­den Mon­tag neue Maß­nah­men beschlie­ßen. Heil kri­ti­sier­te die oft pre­kä­ren Arbeits- und Wohn­be­din­gun­gen aus­län­di­scher Leih­ar­bei­ter in der Fleisch­wirt­schaft: “Wir dür­fen als Gesell­schaft nicht wei­ter zugu­cken, wie Men­schen aus Mit­tel- und Ost­eu­ro­pa in die­ser Gesell­schaft aus­ge­beu­tet wer­den.” Der Minis­ter beton­te, das der­zei­ti­ge Sub­un­ter­neh­mer­tum in der Bran­che sei die “Wur­zel des Übels”. Er warb dafür, grund­sätz­lich über die weit ver­brei­te­ten Werks­ver­trä­ge nach­zu­den­ken. Dar­über hin­aus mach­te sich Heil für bun­des­weit ver­bind­li­che Kon­troll­quo­ten stark…” Mel­dung vom 13.05.2020 bei tages​schau​.de externer Link – abwar­ten….
  • Zustän­de in der Fleisch­in­dus­trie: Werk­ver­trä­ge oder ille­ga­le Arbeit­neh­mer­über­las­sung?
    Ver­dacht auf Schein-Werk­ver­trä­ge + Miet­wu­cher: Was unter­neh­men Staats­an­walt­schaf­ten, Haupt­zoll­amt und Arbeits­mi­nis­te­ri­en? Recht­li­che Grund­la­ge der Werk­ver­trä­ge ist bei nähe­rer Betrach­tung äußerst dubi­os. Kri­mi­no­ge­nes Sys­tem der Fleisch­in­dus­trie führt zu erhöh­ter Infek­ti­ons­ge­fahr. (…) Alles spricht nach unse­ren Recher­chen dafür, dass es sich in der Rea­li­tät gar nicht um Werk­ver­trä­ge han­delt son­dern der Sache nach um Arbeit­neh­mer­über­las­sungs­ver­trä­ge (also ver­deck­te Leih­ar­beit bzw. Schein-Werk­ver­trä­ge). Das hät­te weit­rei­chen­de Aus­wir­kun­gen, da nach unse­rer Kennt­nis kei­ner der Werk­un­ter­neh­mer die Erlaub­nis zur Arbeit­neh­mer­über­las­sung hat. Wir hät­ten es hier also mit einem kri­mi­nel­len Sys­tem zu tun, das sowohl die Arbei­ter schä­digt als auch — über Hin­ter­zie­hung von Sozi­al­ab­ga­ben und Steu­ern — das Gemein­we­sen. Bei ille­ga­ler Arbeit­neh­mer­über­las­sung bestän­de gegen­über dem Werk­un­ter­neh­mer ein Anspruch auf den­sel­ben Lohn wie die Stamm­be­leg­schaft ihn erhält (Equal pay, Glei­cher Lohn für glei­che Arbeit), dar­über hin­aus bestän­de sogar ein Anspruch auf Ein­stel­lung gegen­über dem Schlacht­hof selbst, da des­sen Ver­ein­ba­rung mit dem Werk­un­ter­neh­mer nich­tig wäre. Wir haben die­sen Sach­ver­halt dem zustän­di­gen Haupt­zoll­amt sowie dem NRW-Arbeits­mi­nis­ter Karl-Josef Lau­mann (CDU) schon im Febru­ar 2020 über unse­ren Anwalt Erber­hard Rei­ne­cke mit­ge­teilt; bis­her haben wir aller­dings kei­ne Kennt­nis, ob die zustän­di­gen Behör­den aktiv gewor­den sind und wel­che Schrit­te sie ggf. ein­ge­lei­tet haben…” Pres­se­mit­tei­lung der Akti­on gegen Arbeits­un­recht vom 12. Mai 2020 externer Link

Der Bei­trag Fal­len Werk­ver­trä­ge (lei­der nur) in der Fleisch­in­dus­trie Coro­na zum Opfer? erschien zuerst auf Labour­Net Ger­ma­ny.

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