[labournet:] Feindeslisten der Rechtsextremen: »Bagatellisierung von Seiten der Behörden«

Dossier

Buch: Antifaschismus als FeindbildMehr als 35 000 Men­schen ste­hen auf ver­schie­de­nen soge­nann­ten Fein­des­lis­ten von Rechts­ex­tre­men. Das teil­te die Bun­des­re­gie­rung ver­gan­ge­ne Woche als Ant­wort auf eine Klei­ne Anfra­ge der Bun­des­tags­frak­ti­on der Links­par­tei mit. Die Jung­le World hat mit der Abge­ord­ne­ten Mar­ti­na Ren­ner gespro­chen, die die Anfra­ge initi­ier­te. (…) Ich tei­le die Ein­schät­zung der Sicher­heits­be­hör­den nicht, dass die­se Lis­ten, die ja zum Teil Hun­der­te oder sogar Tau­sen­de Namen umfas­sen, kei­ne kon­kre­te Gefahr dar­stel­len. Bei Fran­co A. wur­de ja nicht nur eine Lis­te gefun­den, son­dern auch Muni­ti­on und Auf­zeich­nun­gen zu poten­ti­el­len Anschlags­or­ten. Man hat­te etwa bei der Ama­deu-Anto­nio-Stif­tung die Räum­lich­kei­ten aus­ge­kund­schaf­tet und Skiz­zen ange­fer­tigt. Bei Nord­kreuz haben wir eine ähn­li­che Pro­ble­ma­tik. Einer der Beschul­dig­ten ist Poli­zist und hat­te in die­ser Funk­ti­on Zugang zu gesperr­ten Mel­de­da­tei­en. In Meck­len­burg-Vor­pom­mern sind vor allem Poli­ti­ke­rin­nen und Poli­ti­ker der Par­tei »Die Lin­ke« in den Fokus gera­ten. Wenn man sich die Mühe macht, sich Zugang zu gesperr­ten Mel­de­adres­sen zu ver­schaf­fen, und dazu noch Zugang zu Waf­fen hat, weil man Poli­zist oder Reser­vist ist, dann muss die Gefähr­lich­keit in die­sem Kon­text betrach­tet wer­den. Die Baga­tel­li­sie­rung die­ser Lis­ten von Sei­ten der Behör­den ist abso­lut sach­fremd. Es wird immer gesagt, das sei nur eine Sam­mel­wut, es gebe kei­ne kon­kre­te Anschlags­pla­nung. Der NSU ist der Gegen­be­weis. (…) Ganz grund­sätz­lich braucht es von den Sicher­heits­be­hör­den ein Ein­ge­ständ­nis, dass wir es der­zeit mit gefähr­li­chen und akti­ven rechts­ter­ro­ris­ti­schen Struk­tu­ren zu tun haben. Das wür­de zur Fol­ge haben, dass man Waf­fen­be­sitz, Schieß­übun­gen und Fein­des­lis­ten anders behan­delt als der­zeit…” Small Talk von Johan­nes Simon in der Jung­le World vom 9.8.2018 externer Link mit Mar­ti­na Ren­ner (Links­par­tei) über von Rechts­ex­tre­men ange­leg­te Fein­des­lis­ten. Sie­he dazu:

  • Auf der Fein­des­lis­te – Daten­samm­lun­gen von Neo­na­zis in Ber­lin New
    “… Die Som­mer­pau­se hat Bian­ca Klo­se von der Mobi­len Bera­tung gegen Rechts­ex­tre­mis­mus in die­sem Jahr gestri­chen. Und zwar nicht wegen Coro­na, son­dern wegen Nazis: Klo­se berät in der Bera­tungs­stel­le in Ber­lin seit 20 Jah­ren Betrof­fe­ne von Rechts­ex­tre­mis­mus, Anti­se­mi­tis­mus und Ras­sis­mus. Und im Moment hat sie einen Ansturm zu bewäl­ti­gen – auf­grund einer seit Jah­ren kon­ti­nu­ier­lich wach­sen­den Bedro­hungs­la­ge durch Rechtsextremist:innen. Beson­ders groß ist der Zulauf der­zeit, weil vie­le Per­so­nen in Ber­lin der­zeit von der Poli­zei per Schrei­ben dar­über auf­ge­klärt wer­den, dass sie auf einer Lis­te mit per­sön­li­chen Daten von Neo­na­zis gestan­den hät­ten. Die Lis­te stammt von einem beschlag­nahm­ten Rech­ner eines der Haupt­ver­däch­ti­gen der extrem rech­ten Anschlags­se­rie in Neu­kölln, dem Neo­na­zi Sebas­ti­an T. Sie ent­hält Adres­sen, per­sön­li­che Daten und Fotos zu über 500 Per­so­nen. (…) Für Bian­ca Klo­se aus der Mobi­len Bera­tung ist die­se Art von Daten­samm­lung nichts Neu­es: „Seit den Neun­zi­gern ist so etwas bekannt.“ Sie glaubt, die Lis­te mit den 500 Namen stam­me aus der Zeit vom Natio­na­len Wider­stand Ber­lin, einer ehe­ma­li­gen Web­site und Grup­pe aus dem Umfeld der Lich­ten­ber­ger Kame­rad­schaft Tor: „Das ist das Mate­ri­al, von dem wir damals schon ver­mu­te­ten, dass es so umfang­reich exis­tie­ren muss“, sagt Klo­se. (…)Neo­na­zis kom­men laut Klo­se an Daten durch Pro­zess­be­ob­ach­tun­gen, Falsch­an­zei­gen und Akten­ein­sicht über Neo­na­zi-Anwäl­te, Social-Media-Aus­spä­hun­gen, Post-Dieb­stahl, Foto­gra­fien von Gegen­pro­tes­ten und Pres­se­aus­wei­sen und sogar durch Obser­va­tio­nen. „In Ber­lin gab es sogar mal einen rechts­ex­tre­men Post­bo­ten. Da hilft Dir dann nicht mal mehr eine Aus­kunfts­sper­re im Mel­de­re­gis­ter“, sagt Klo­se. Auch hält Klo­se Daten­samm­lun­gen wie die­se im Gegen­satz zum LKA wei­ter für gefähr­lich, selbst wenn sie ver­al­tet sei­en: „Die Men­schen, die sich dar­auf befin­den, waren ja auch von Anschlä­gen betrof­fen. Und wir wis­sen auch nicht, was die Nazis seit­dem gemacht haben – die haben ja nicht auf­ge­hört zu sam­meln.“ Spä­tes­tens seit dem NSU wis­se man, dass es bun­des­wei­te Fein­des­lis­ten gebe und auch ein Aus­tausch statt­fin­de, so Klo­se. Die bekann­ten Daten­samm­lun­gen sei­en nur die „die Spit­ze des Eis­bergs, wie sich gegen­wär­tig zeigt“, sagt Klo­se…” Arti­kel von Gareth Jos­wig vom 26. Juli 2020 in der taz online externer Link
  • Die Todes­lis­ten der Nazis – die es laut BKA nicht gibt – wer­den wei­ter abge­ar­bei­tet: Neue Mord­dro­hun­gen in Meck­len­burg-Vor­pom­mern
    „… Wir haben genug Muni­ti­on, um jeden von euch mit Genick­schüs­sen zu besei­ti­gen.” Die­se ein­deu­ti­ge Todes­dro­hung wur­de ver­gan­ge­ne Woche an Poli­ti­ker, Staats­an­wäl­te und Jour­na­lis­ten per Mail ver­schickt, wie am Diens­tag bekannt wur­de. Auf­fäl­lig ist, dass alle Emp­fän­ger in dem E‑Mail-Ver­tei­ler Akteu­re rund um die Auf­klä­rung von Nord­kreuz und ande­ren rechts­ex­tre­men Netz­wer­ken sind. Die rechts­ex­tre­me Droh-Nach­richt, die dem Nord­ku­rier vor­liegt, endet mit „Sieg Heil und Heil Hit­ler”. Der Absen­der ist das „Staats­streich­or­ches­ter”, das in der Ver­gan­gen­heit schon mehr­mals in der Öffent­lich­keit durch ähn­li­che Mord­dro­hun­gen auf­ge­fal­len ist. Die Mord­dro­hung wur­de nach der­zei­ti­gem Stand an Jour­na­lis­ten, jeweils zwei Bun­des­tag- und Land­tags­ab­ge­ord­ne­te, die Staats­an­walt­schaft Schwe­rin und an eine Ber­li­ner Rechts­an­walt­kanz­lei geschickt. (…) Der Absen­der „Staats­streich­or­ches­ter” hat­te in den ver­gan­ge­nen Mona­ten immer wie­der Droh-Brie­fe an Poli­ti­ker oder Jour­na­lis­ten ver­fasst, dar­un­ter auch der SPD-Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­te Karam­ba Dia­by aus Hal­le. Nach Infor­ma­tio­nen der Tages­zei­tung taz soll die Per­son hin­ter „Staats­streich­or­ches­ter” ab Mit­te Janu­ar 2019 in engem Aus­tausch mit André M. gestan­den haben, gegen den aktu­ell in Ber­lin ver­han­delt wird...“ – aus dem Bericht „Nord­kreuz-Auf­klä­rer aus MV erhal­ten Mord­dro­hun­gen“ von Nata­lie Mei­nert am 05. Mai 2020 im Nord­ku­rier online externer Link – wor­in pas­sen­der­wei­se auch noch auf einen Bericht ver­linkt wird über die Bekun­dun­gen des BKA, es gebe kei­ne Todes­lis­ten (und soll jetzt nie­mand wie­der die Aus­re­de benut­zen, hier wür­den Behör­den „ver­sa­gen“)
  • Staats­an­walt­schaft stellt Ermitt­lun­gen zu Fein­des­lis­te ein: Rech­te Dro­hung »Wir krie­gen euch alle« angeb­lich von der Mei­nungs­frei­heit gedeckt 
    “Die Staats­an­walt­schaft Cott­bus hat ein Ermitt­lungs­ver­fah­ren zu einer Fein­des­lis­te ein­ge­stellt, die vor fast genau einem Jahr zur Ein­schüch­te­rung im Inter­net ver­öf­fent­licht wur­de. Am 5. Janu­ar 2019 um 12.10 Uhr war die Lis­te mit mehr als 200 Namen und Adres­sen anonym auf der Inter­net­platt­form Indy­m­e­dia ver­öf­fent­licht wor­den. Sie war ver­se­hen mit der dro­hen­den Über­schrift »Wir krie­gen euch alle«. Nach zwei Stun­den wur­de dies bemerkt und die Lis­te gelöscht, danach jedoch noch mehr­mals wie­der hoch­ge­la­den. Auf der Lis­te stan­den Poli­ti­ker, Jour­na­lis­ten, Künst­ler und Akti­vis­ten, dar­un­ter etli­che Pro­mi­nen­te. Gemein­sam ist ihnen, dass sie sich für Flücht­lin­ge oder gegen Faschis­ten ein­set­zen, oft auch bei­des. Die Namen waren teils mit belei­di­gen­den Hin­wei­sen ver­se­hen. So hieß es »Grün und Homo«, »Demons­tran­ten­fot­ze« oder »Scheiß Neger­an­wäl­tin«. (…) Nach Ein­schät­zung des Lei­ten­den Ober­staats­an­walts genügt die Dro­hung »Wir krie­gen euch alle« nicht für eine Ankla­ge. Denn der For­mu­lie­rung sei nicht »mit hin­rei­chen­der Wahr­schein­lich­keit zu ent­neh­men, dass Straf­ta­ten gegen das Leben« der auf­ge­lis­te­ten Per­so­nen beab­sich­tigt sei­en. »Die blo­ße Mög­lich­keit einer der­ar­ti­gen Deu­tung« rei­che nicht aus, erläu­ter­te der Ober­staats­an­walt unter Hin­weis auch auf die Mei­nungs­frei­heit. Eine Anwen­dung von Para­graf 126 des Straf­ge­setz­bu­ches – Stö­rung des öffent­li­chen Frie­dens durch Andro­hung von Straf­ta­ten – kom­me hier eben­so wenig in Betracht. Es kön­ne davon aus­ge­gan­gen wer­den, dass sämt­li­che Daten ohne Über­win­dung einer Zugangs­si­che­rung erlangt wor­den sind, da sie bereits zuvor ver­öf­fent­licht waren, heißt es. (…) Am Sonn­tag­nach­mit­tag stell­te Joh­li­ge das Schrei­ben des Ober­staats­an­walts via Twit­ter ins Inter­net und stell­te dazu ver­blüfft fest, dass die Dro­hung »Wir krie­gen euch alle« also von der Mei­nungs­frei­heit gedeckt sei. Dazu schrieb sie die War­nung: »Leu­te, über­legt euch, ob ihr für irgend­was kan­di­diert, wenn ihr dann auf einer rech­ten Fein­des­lis­te auf­taucht, seid ihr selbst Schuld.«…” Arti­kel von Andre­as Frit­sche bei neu­es Deutsch­land online vom 10. Febru­ar 2020 externer Link
  • Rech­te Todes­lis­ten in Neu­kölln auf­ge­flo­gen: Pas­siert, wenn man Men­schen arbei­ten lässt, die wol­len. Statt der Poli­zei… 
    „… Die Ber­li­ner Poli­zei hat offen­bar einen Ermitt­lungs­er­folg in der seit Jah­ren anhal­ten­den, mut­maß­lich rechts­ex­tre­men Anschlags­se­rie in Neu­kölln erzielt. Ende 2019 konn­te ein Daten­trä­ger ent­schlüs­selt wer­den, der bei dem Beschul­dig­ten Sebas­ti­an T. im Früh­jahr 2018 in Rudow gefun­den wor­den war. Der Daten­trä­ger soll mit Hil­fe exter­ner Anbie­ter geknackt wor­den wor­den sein. Dar­auf fan­den die Ermitt­ler eine Fein­des­lis­te. Von den Neo­na­zis ist auch die Lin­ke-Abge­ord­ne­te Anne Helm auf die Lis­te gesetzt wor­den. Dar­über sei sie vom Lan­des­kri­mi­nal­amt in einem Sen­si­bi­li­sie­rungs­ge­spräch infor­miert wor­den. Sie gehe davon aus, dass sie seit 2013 in den Fokus des Neo­na­zis gera­ten und von T. auf einer Fein­des­lis­te geführt wor­den sei. Auch ihre pri­va­te Anschrift sei aus­ge­späht wor­den, zahl­rei­che ande­re Per­so­nen sei­en eben­so davon betrof­fen. (…) Die Gene­ral­bun­des­an­walt­schaft (GBA) hat es bis­lang abge­lehnt, die Fäl­le als Rechts­ter­ro­ris­mus ein­zu­stu­fen, hat die Anschlags­se­rie aber zumin­dest zum „Gegen­stand eines Beob­ach­tungs­vor­gangs“ erklärt. Der­zeit lau­fen zu der rechts­ex­tre­men Anschlags­se­rie mehr als 60 Ermitt­lungs­ver­fah­ren, dar­un­ter 14 Brand­stif­tun­gen, 35 Sach­be­schä­di­gun­gen samt Belei­di­gun­gen und Bedro­hun­gen und 14 Dieb­stäh­le. Die meis­ten Taten wur­den zwi­schen Ende 2016 und Mit­te 2017 began­gen. Die LKA-Füh­rung hat­te Ende 2019 dar­auf hin­ge­wie­sen, dass es nach Haus­durch­su­chun­gen bei den Ver­däch­ti­gen zu kei­nen wei­te­ren Brand­stif­tun­gen gekom­men sei – wohl aber wei­te­ren Bedro­hun­gen. LKA-Vize Oli­ver Ste­pien sprach von auf­wen­di­gen Ermitt­lun­gen, Grund sei die hohe Zahl der Geschä­dig­ten und das „hoch­kon­spi­ra­ti­ve“ Ver­hal­ten der Täter…“ – aus dem Bei­trag „Poli­zei ent­schlüs­selt Todes­lis­te von Ber­li­ner Neo­na­zis“ am 13. Janu­ar 2020 im Tages­spie­gel online externer Link – wobei ja nun wohl die Ent­schlüs­se­lung gera­de nicht von der Poli­zei geleis­tet wur­de (die ja, nach eige­ner Aus­sa­ge bei vie­len Opfern und kon­spi­ra­ti­ver Arbeits­wei­se so ihre Pro­ble­me haben soll). Sie­he dazu einen wei­te­ren aktu­el­len Bei­trag und einen Kom­men­tar:
    • „Nazi­geg­ner auf Todes­lis­te“ von Marc Beben­roth am 15. Janu­ar 2020 in der jun­gen welt externer Link dazu unter ande­rem: „… In Ber­lin-Neu­kölln ter­ro­ri­sie­ren seit bei­na­he zehn Jah­ren Neo­na­zis lokal enga­gier­te Anti­fa­schis­ten und als links wahr­ge­nom­me­ne Ein­rich­tun­gen. Doch die Poli­zei scheint sich mit der Auf­klä­rung beson­ders schwer zu tun. Wie nun bekannt wur­de, ist es einem exter­nen Dienst­leis­ter zu ver­dan­ken, dass die Ber­li­ner Poli­zei Ende 2019 auf dem beschlag­nahm­ten Daten­trä­ger eines bekann­ten Neo­na­zis eine Lis­te mit zahl­rei­chen per­so­nen­be­zo­ge­nen Daten mög­li­cher Anschlags­op­fer fin­den konn­te. (…) Dass Sebas­ti­an T. über Fein­des­lis­ten mit Infor­ma­tio­nen über Neo­na­zi­geg­ner und als Lin­ke wahr­ge­nom­me­ne Per­so­nen ver­fügt, passt zu dem, was über sei­ne Ver­gan­gen­heit bekannt ist. So berich­te­te der Tages­spie­gel am 8. März 2017 dar­über, dass T. Ver­bin­dun­gen zur rech­ten Grup­pie­rung »Freie Kräf­te Ber­lin Neu­kölln« hat, die ihren Bezirk von »Vater­land­s­hassern rei­ni­gen« will und im Inter­net Adres­sen mög­li­cher Anschlags­zie­le ver­öf­fent­lich­te – von jüdi­schen Ein­rich­tun­gen, von Par­tei­en und lin­ken Ver­ei­nen, wie das Blatt damals berich­te­te. T. war da schon als mehr­fach ver­ur­teil­ter Neu­köll­ner Neo­na­zi bekannt, der wegen gefähr­li­cher Kör­per­ver­let­zung eine Gefäng­nis­stra­fe absaß…“
    • „Auf der Fein­des­lis­te“ von Marie Frank am 14. Janu­ar 2020 in neu­es deutsch­land online externer Link kom­men­tiert: „… Nach dem Fund einer Fein­des­lis­te auf der Fest­plat­te des Neo­na­zis Sebas­ti­an T. mehrt sich die Kri­tik an den Ber­li­ner Sicher­heits­be­hör­den. Am Mon­tag hat­te die LIN­KE-Abge­ord­ne­te Anne Helm auf Twit­ter mit­ge­teilt, dass sie vom LKA dar­über infor­miert wur­de, dass sie bereits seit 2013 auf einer Fein­des­lis­te des Haupt­ver­däch­ti­gen der rech­ten Ter­ror­se­rie in Neu­kölln steht. Die­ser habe auch ihre pri­va­te Anschrift aus­ge­späht, so Helm, die Sebas­ti­an T. noch aus ihrer Zeit als Abge­ord­ne­te für die Pira­ten in der Bezirks­ver­ord­ne­ten­ver­samm­lung Neu­kölln kennt. Der mehr­fach vor­be­straf­te T. war 2013 Bezirks­vor­sit­zen­der der Neu­köll­ner NPD. Der Daten­trä­ger, auf dem sich laut Poli­zei 30 wei­te­re Namen und Adres­sen befin­den, war bereits im Früh­jahr 2018 bei einer Haus­durch­su­chung bei T. gefun­den wor­den, konn­te aber offen­bar erst im Dezem­ber ent­schlüs­selt wer­den. Die »poten­zi­ell gefähr­de­ten Per­so­nen« sei­en bereits dar­über infor­miert wor­den, sag­te ein Poli­zei­spre­cher dem »nd«. »Die wei­ter­füh­ren­de Aus­wer­tung der Daten sowie deren Abgleich dau­ern an und wei­te­re, gege­be­nen­falls abge­stuf­te poli­zei­li­che Maß­nah­men, wie zum Bei­spiel im Fal­le der Abge­ord­ne­ten, wer­den initi­iert«, so der Spre­cher, der mit Ver­weis auf das lau­fen­de Ver­fah­ren kei­ne Details nen­nen woll­te…“
  • Fein­des­lis­ten im Netz – Plötz­lich im Visier von Rechts­ex­tre­men 
    Ob Akti­vis­ten, Poli­ti­ker oder Unbe­tei­lig­te – vie­le lan­de­ten in den ver­gan­ge­nen Jah­ren auf Namens­lis­ten von Rechts­ex­tre­men im Inter­net. War­um eine Löschung schwie­rig ist. (…) Das Bun­des­kri­mi­nal­amt ver­weist auf Anfra­ge auf sei­nen regu­lä­ren Ablauf bei sol­chen Fäl­len: Man habe eine Gefähr­dungs­ein­schät­zung der Lis­te vor­ge­nom­men und an die Lan­des­po­li­zei wei­ter­ge­lei­tet. In den Bun­des­län­dern bewer­te­te man noch­mals die Gefahr für Betrof­fe­ne. Infor­miert wer­de aber nur, für wen eine kon­kre­te Gefähr­dung bestehe. Ganz so ein­heit­lich geht man in den Bun­des­län­dern aber nicht vor. Zwar kon­tak­tiert die Poli­zei Men­schen, die sie als gefähr­det ein­stuft. Doch ansons­ten infor­mie­ren die Lan­des­be­hör­den sehr unter­schied­lich. Die Poli­zei in Hes­sen hat alle Per­so­nen per Brief oder im per­sön­li­chen Gespräch kon­tak­tiert. In vie­len ande­ren Bun­des­län­dern wur­den die Men­schen nicht oder nur in ein­zel­nen Fäl­len dar­auf hin­ge­wie­sen, dass sie auf sol­chen Lis­ten auf­tau­chen. Eine Über­sicht hat das MDR-Maga­zin “Faktexterner Link recher­chiert. Sol­che ille­gal erbeu­te­ten Daten aus dem Netz zu til­gen, ist so gut wie unmög­lich. Sie wer­den her­un­ter­ge­la­den und immer wie­der ver­öf­fent­licht. Den­noch kann die Poli­zei auch ver­su­chen, sie löschen zu las­sen. Das Pro­blem dabei ist, dass Ser­ver, die die Daten hos­ten, häu­fig im Aus­land ste­hen. Die Poli­zei könn­te bei den staat­li­chen Stel­len auf die Löschung hin­wir­ken. Sol­che Anträ­ge lau­fen jedoch ins Lee­re, wenn ein Inter­net­in­halt nicht nach dem Recht des Lan­des straf­bar ist, in dem der Ser­ver steht. (…)Wer auf einer Lis­te steht, kann sich an die Poli­zei wen­den. Hil­fe von nicht-staat­li­cher Stel­le bekom­men Betrof­fe­ne von Hass­an­grif­fen im Netz auch bei HateAid externer Link . Die gemein­nüt­zi­ge Stif­tung berät Men­schen bei aku­ten Fäl­len und hilft, zivil­recht­li­che Pro­zes­se zu finan­zie­ren. Ob man selbst in erbeu­te­ten Daten steht, lässt sich beim Iden­ti­ty Leak Che­cker externer Link des Has­so-Platt­ner-Insti­tuts über­prü­fen. Die “25.000 Lis­te” ist hier bei­spiels­wei­se ein­ge­pflegt…” Bei­trag von Julia Klaus vom 22.12.2019 beim ZDF externer Link
  • [Frag­Den­Staat] Fein­des­lis­ten und „Nord­kreuz“: Mit die­ser Kla­ge geht es wei­ter 
    Im Zusam­men­hang mit den Fein­de­lis­ten, die rechts­ex­tre­me Prep­per in Meck­len­burg-Vor­pom­mern erstellt haben, gibt es wei­ter­hin vie­le Fra­gen. Eine Kom­mis­si­on soll sie eigent­lich auf­klä­ren – aber ihre Ergeb­nis­se blei­ben bis­her geheim. Des­we­gen ver­kla­gen wir jetzt das Innen­mi­nis­te­ri­um in Meck­len­burg-Vor­pom­mern. Das Bun­des­kri­mi­nal­amt will für die Fein­des­lis­ten des rechts­ex­tre­men Netz­werks „Nord­kreuz“ nicht ver­ant­wort­lich sein. Also wen­den wir uns jetzt an ande­re Behör­den. Nach­dem das Ver­wal­tungs­ge­richt in Wies­ba­den unse­rer Kla­ge gegen das BKA nicht statt­ge­ge­ben hat, star­ten wir eini­ge neue Anfra­gen – und eine neue Kla­ge. In Bezug auf die Zusam­men­set­zung des „Nordkreuz“-Netzwerks gibt es wei­ter­hin vie­le Fra­gen. Als die Bun­des­po­li­zei im Sep­tem­ber 2017 in Meck­len­burg-Vor­pom­mern Mit­glie­der des Netz­werks fest­nahm, stieß sie unter ande­rem auf Fein­des­lis­ten, die die­se gesam­melt hat­ten. Eine Beson­der­heit bei den Raz­zi­en: Die Lan­des­po­li­zei Meck­len­burg-Vor­pom­mern wur­de bei dem Ein­satz nicht ein­be­zo­gen. Die Ermitt­ler trau­ten offen­bar ihren Kol­le­gen im Nor­den nicht. Eini­ge Mit­glie­der des Netz­werks rund um Han­ni­bal und den Ver­ein Uniter sind näm­lich Beam­te deut­scher Sicher­heits­be­hör­den…” Mel­dung vom 21. August 2019 von und bei Frag­Den­Staat externer Link
  • 1100 Hes­sen auf Namens­lis­ten von Rechts­ex­tre­men wer­den end­lich infor­miert 
    “… Die Poli­zei in Hes­sen kon­tak­tiert alle Per­so­nen, die auf den Namens­lis­ten rechts­ex­tre­mer Grup­pen auf­tau­chen. „Aktu­ell infor­miert das Hes­si­sche Lan­des­kri­mi­nal­amt die ins­ge­samt rund 1100 hes­si­schen Betrof­fe­nen und bie­tet Bera­tung an“, sag­te ein Spre­cher des Lan­des­kri­mi­nal­amts (LKA) der Deut­schen Pres­se-Agen­tur. „Das Schrei­ben ent­hält neben der Gefähr­dungs­be­wer­tung auch die Anga­be, wel­che per­sön­li­chen Daten­sät­ze auf der Lis­te zu fin­den sind. Die Betrof­fe­nen haben die Mög­lich­keit, sich per­sön­lich oder tele­fo­nisch bera­ten zu las­sen.“ (…) Hes­sens Innen­mi­nis­ter Peter Beuth (CDU) hat­te ver­gan­ge­ne Woche ange­kün­digt, das Land wer­de alle genann­ten Men­schen oder Insti­tu­tio­nen infor­mie­ren. Die Bun­des­län­der agie­ren in die­ser Fra­ge unter­schied­lich. Vor dem Ver­wal­tungs­ge­richt Wies­ba­den wird am Mon­tag dar­über ver­han­delt, ob das Bun­des­kri­mi­nal­amt die Lis­te mit 25.000 Namen ver­öf­fent­li­chen muss…” Agen­tur­mel­dung vom 19. August 2019 bei der FAZ online externer Link
  • Rechts­ex­tre­me Fein­des­lis­te: „Nord­kreuz-Lis­te“ im Inter­net abruf­bar: Tota­les Staats­ver­sa­gen 
    Seit 2016 sind im Inter­net Daten von rund 25.000 Men­schen abruf­bar, die die rechts­ex­tre­me Sze­ne zu ihren poli­ti­schen Fein­den zählt. Name, Adres­se, Han­dy­num­mer, E‑Mail-Kon­takt, alles fein säu­ber­lich in einer Excel-Tabel­le gelis­tet, nach wie vor zum Down­load bereit. Natür­lich impli­ziert die seit Jah­ren durchs Netz geis­tern­de Tabel­le die Auf­for­de­rung, den poli­ti­schen Geg­nern der Rech­ten einen wie auch immer gear­te­ten Scha­den zuzu­fü­gen. Es scheint wie eine Auf­for­de­rung an all jene, die es den „links­ver­si­ff­ten Zecken“ ger­ne mal zei­gen wür­den. ‚Schaut, da sit­zen sie, viel­leicht in eurer Nach­bar­schaft‘, lau­tet die Bot­schaft, ganz so, als wür­de nur dar­auf gewar­tet, dass irgend­wann ein­mal jemand die Theo­rie in die Tat umsetzt. Wie weit die Lis­te Ver­brei­tung fand, sieht man auch am AfD-Poli­ti­ker Hei­ner Merz. Der hat­te die Daten in einer E‑Mail als Anhang ver­schickt. Übri­gens ist der Mann Land­tags­ab­ge­ord­ne­ter in Baden-Würt­tem­berg – und wer immer noch glaubt, die AfD sei nicht rechts­ex­trem, dem ist auch nicht mehr zu hel­fen. Skan­da­lös genug ist, dass es die meis­ten Betrof­fe­nen, völ­lig unnö­tig, uner­war­tet tref­fen wür­de, denn nur weni­ge wis­sen über­haupt über ihre Exis­tenz auf der Lis­te Bescheid. Die meis­ten wer­den ein­fach nicht infor­miert, weil sich die Län­der das Recht her­aus­neh­men, hier unter­schied­lich zu agie­ren. Aller­dings ist die­se Dis­kus­si­on in Anbe­tracht der Online-Prä­senz des Daten­sat­zes schräg genug, ist es doch sehr wahr­schein­lich, dass sowohl der Ver­fas­sungs­schutz als auch das BKA davon Kennt­nis haben. Gera­de auch, weil sich die rechts­ex­tre­me Grup­pe „Nord­kreuz“ der Lis­te bedient hat­te, was bereits 2018 öffent­lich wur­de…” Kom­men­tar von Kat­ja Thor­warth vom 02.08.19 bei der FR online externer Link
  • Rech­te Fein­des­lis­ten: „Die Ver­harm­lo­sung des BKA ist völ­lig inak­zep­ta­bel“ 
    Das Bun­des­kri­mi­nal­amt ver­sucht rechts­ra­di­ka­le Fein­des- und Todes­lis­ten als „Infor­ma­ti­ons­samm­lun­gen“ dar­zu­stel­len, von denen kei­ne kon­kre­te Gefähr­dung aus­ge­he. Wir haben mit vier Men­schen, die auf sol­chen Lis­ten ste­hen, gespro­chen. Wie gehen sie damit um, was sind ihre Sor­gen und was erwar­ten sie eigent­lich von den Behör­den? Rech­te Fein­des­lis­ten wer­den spä­tes­tens nach dem Mord an CDU-Poli­ti­ker Wal­ter Lüb­cke in der Öffent­lich­keit breit dis­ku­tiert. Es gibt zahl­rei­che sol­che Lis­ten: Von der gro­ßen Lis­te, die auch bei der „Nordkreuz“-Gruppe gefun­den wur­de, über die „Wir krie­gen Euch alle“-Liste bis hin zu Beschrei­bun­gen ein­zel­ner Per­so­nen, die in rechts­ex­tre­men Grup­pen und News­let­tern kur­sie­ren. (…) Im Gegen­satz zum Bun­des­kri­mi­nal­amt sehen sich die auf den Lis­ten erfass­ten Men­schen deut­lich bedroht. Bei ihnen schwingt die Angst immer mit – auch wenn die Betrof­fe­nen alles tun, um ganz nor­mal wei­ter zu leben und sich nicht ein­schüch­tern las­sen. Netz​po​li​tik​.org hat mit vier Per­so­nen gespro­chen, die sich alle zivil­ge­sell­schaft­lich und demo­kra­tisch enga­gie­ren und des­we­gen auf einer oder meh­re­ren rech­ten Fein­des­lis­ten ste­hen. Alle Befrag­ten sind trotz der Dro­hun­gen wei­ter­hin in ihrem poli­ti­schen Feld aktiv. (…) Das Bun­des­kri­mi­nal­amt plant den­noch nicht, betrof­fe­ne Per­so­nen zu benach­rich­ti­gen. (…)Mit einem Trick ver­such­te Frag​Den​Staat​.de, das Bun­des­kri­mi­nal­amt zur Infor­ma­ti­on der Betrof­fe­nen zu bewe­gen externer Link, doch die Behör­de mau­er­te. Jetzt zieht Frag­Den­Staat gegen das BKA vor das Ver­wal­tungs­ge­richt in Wies­ba­den. (…) Die Hal­tung von Bun­des­kri­mi­nal­amt und vie­ler Län­der­po­li­zei­en ver­hin­dert, dass Men­schen zumin­dest eigen­mäch­tig Sicher­heits­maß­nah­men zu ihrem Schutz ergrei­fen kön­nen. Zu sol­chen Maß­nah­men gehört unter ande­rem, das Klin­gel­schild mit einem ande­ren Namen zu erset­zen oder beim Ein­woh­ner­mel­de­amt eine Mel­de­sper­re zu bean­tra­gen…” Arti­kel von Mar­kus Reu­ter vom 01.08.2019 bei Netz­po­li­tik externer Link
  • [BKA] Fra­gen & Ant­wor­ten: Poli­tisch moti­vier­te Kri­mi­na­li­tät ‑rechts- (PMK-rechts) 
    Wor­um han­delt es sich bei den sog. “Lis­ten” aus dem Bereich PMK-rechts? Han­delt es sich um “Fein­des-” oder gar “Todes­lis­ten”? Wel­che Infor­ma­tio­nen befin­den sich auf den “Lis­ten”? … Besteht für die Per­so­nen auf den “Lis­ten” eine Gefahr? War­um infor­miert die Poli­zei nicht alle Per­so­nen, die auf den “Lis­ten” ste­hen? FAQ beim BKA externer Link
  • Betrof­fe­ne tap­pen wei­ter im Dun­keln: Nach zwei Jah­ren wer­den Per­so­nen auf der „Nordkreuz“-Feindesliste nun doch benach­rich­tigt. Mit einem rät­sel­haf­ten Schrei­ben 
    Sei­nen Sin­nes­wan­del ver­kün­de­te Lorenz Caf­fier (CDU), der Innen­mi­nis­ter von Meck­len­burg-Vor­pom­mern, per Pres­se­mit­tei­lung. Sein Lan­des­kri­mi­nal­amt wer­de nun „Per­so­nen aus Asser­va­ten des GBA-Ver­fah­rens“ infor­mie­ren, heißt es dar­in. Das Lan­des­kri­mi­nal­amt habe die ers­ten Schrei­ben an rund 1.200 Per­so­nen und Insti­tu­tio­nen „auf­grund des offen­bar mitt­ler­wei­le ent­stan­de­nen öffent­li­chen Infor­ma­ti­ons­be­dürf­nis­ses“ ver­sandt. Was er mit die­ser sper­ri­gen Mel­dung meint, die Caf­fier am Mon­tag ver­schi­cken ließ: das Ver­fah­ren gegen Mit­glie­der der rech­ten Prep­per-Grup­pe „Nord­kreuz“ externer Link. Als die Brie­fe (eine pdf-Datei des Schrei­bens fin­den Sie hier externer Link ) bei den Betrof­fe­nen ein­tref­fen, erreicht die taz ein Anruf aus Ros­tock. Der Emp­fän­ger eines Briefs fragt: Was haben die­se Beschul­dig­ten über mich gesam­melt? Und: Bin ich in Gefahr? Er wen­det sich nicht an die taz, damit wir berich­ten kön­nen. Er weiß nur nicht, wohin sonst mit sei­nen Fra­gen. (…) Der Brief, der im Namen des LKA-Direk­tors Ingolf Mager ver­schickt wird, liest sich aller­dings sper­rig und ver­klau­su­liert. Im Rah­men eines Ermitt­lungs­ver­fah­rens des Gene­ral­bun­des­an­walts gegen zwei Beschul­dig­te aus Meck­len­burg-Vor­pom­mern sei­en „Mate­ri­al­samm­lun­gen“ zu Per­so­nen und Insti­tu­tio­nen gefun­den wor­den. „Dar­un­ter auch per­so­nen­be­zo­ge­ne Daten zu Ihrer Per­son.“ Die Beschul­dig­ten sei­en „der Vor­be­rei­tung einer schwe­ren staats­ge­fähr­den­den Gewalt­tat“ ver­däch­tig, erfährt man außer­dem. Spä­ter heißt es noch: „Zum jet­zi­gen Ermitt­lungs­stand sind (…) kei­ne Anhalts­punk­te dafür ersicht­lich, dass kon­kre­te Straf­ta­ten gegen Sie geplant waren oder sind.“ Es fällt aller­dings kein Wort dar­über, um wel­ches Ermitt­lungs­ver­fah­ren es sich han­delt, genau­so wenig wie dar­über, wer die Beschul­dig­ten sind. Wer also nicht zufäl­lig die Medi­en­be­rich­te zu den „Nordkreuz“-Preppern, dem „Hannibal“-Netzwerk und den kürz­lich gefun­den Muni­ti­ons­de­pots ver­folgt hat, bekommt kei­nen Anhalts­punkt, in wel­chem Kon­text über ihn Daten gesam­melt wur­den. Und wel­che. Es wird nicht erwähnt, dass die Beschul­dig­ten bei ande­ren Betrof­fe­nen bereits Adres­sen recher­chiert hat­ten. taz-Recher­chen hat­ten sogar erge­ben, dass ein Grund­riss einer Pri­vat­woh­nung in der Samm­lung auf­taucht, die der poli­zei­li­che Staats­schutz vor Jah­ren ange­fer­tigt hat­te…” Arti­kel von Chris­ti­na Schmidt und Sebas­ti­an Erb vom 25.7.2019 bei der taz online externer Link
    • “Nordkreuz”-Listen: Caf­fier infor­miert Betrof­fe­ne [für lt. ihm kei­ne Gefähr­dung besteht] 
      Meck­len­burg-Vor­pom­merns Innen­mi­nis­ter Lorenz Caf­fier (CDU) zieht Kon­se­quen­zen aus den Ermitt­lun­gen gegen die mut­maß­lich rechts­ter­ro­ris­ti­sche Grup­pe “Nord­kreuz”. Es geht um Lis­ten mit Per­so­nen, die die Grup­pe geführt hat­te. Caf­fier zufol­ge wer­den die Betrof­fe­nen jetzt infor­miert, dass sie auf besag­ten Lis­ten ste­hen. Die ers­ten Schrei­ben sei­en bereits am Mon­tag ver­schickt wor­den, so der Innen­mi­nis­ter. Ins­ge­samt han­delt es sich in Meck­len­burg-Vor­pom­mern um etwa 1.200 Per­so­nen und Insti­tu­tio­nen. Gleich­zei­tig schloss Caf­fier eine aktu­el­le Gefähr­dung der Betrof­fe­nen aus. Er kri­ti­sier­te, dass in der Bericht­erstat­tung von “Todes­lis­ten” die Rede gewe­sen sei…” NDR-Mel­dung vom 22.07.2019 externer Link
  • Vom Staat allei­ne gelas­sen: Gra­vie­ren­de Unter­schie­de im Umgang mit rechts­ex­tre­men „Fein­des­lis­ten“ 
    Die Poli­zei hat noch immer kei­ne ein­heit­li­chen Regeln zum Umgang mit soge­nann­ten „Fein­des­lis­ten“, das erge­ben Recher­chen des ARD-Maga­zins „Fakt“ externer Link. Auf einer sol­chen Lis­te hat­te unter ande­rem auch der getö­te­te Kas­se­ler Regie­rungs­prä­si­dent Wal­ter Lüb­cke gestan­den. Die Recher­chen zei­gen, dass es in den Bun­des­län­dern gra­vie­ren­de Unter­schie­de gibt, wenn es dar­um geht, in sol­chen Fäl­len Ermitt­lun­gen auf­zu­neh­men und Betrof­fe­ne zu benach­rich­ti­gen. Die Fol­ge: Men­schen, die von Rechts­ex­tre­men bedroht wer­den, füh­len sich ein­ge­schüch­tert und vom Staat allei­ne gelas­sen. (…) „Fakt“ hat Poli­zei­be­hör­den in 13 Bun­des­län­dern kon­tak­tiert, in denen auf der Lis­te genann­te Men­schen leben sol­len. Das ARD-Maga­zin hat jeweils nach Ermitt­lun­gen und dem Umgang mit Betrof­fe­nen gefragt. In den Ant­wor­ten wird immer wie­der dar­auf hin­ge­wie­sen, eine Ein­schät­zung müs­se für jeden Fall ein­zeln getrof­fen wer­den. Ent­schei­dend dafür, wie ernst die „Fein­des­lis­te“ genom­men wur­de, war aber offen­bar vor allem der Wohn­ort des jeweils Genann­ten. (…) Das Bun­des­kri­mi­nal­amt (BKA) hat­te eine soge­nann­te Gefähr­dungs­be­wer­tung erstellt und die­se an die Lan­des­kri­mi­nal­äm­ter wei­ter­ge­lei­tet. Dem­nach gab es kei­ne Anhalts­punk­te dafür, dass die auf der Lis­te genann­ten Per­so­nen gefähr­det waren. Es ist aber unklar, wie das BKA zu die­ser Ein­schät­zung gelang­te, denn die Ver­fas­ser sind auch ihm unbe­kannt. Die Behör­de woll­te sei­ne Bewer­tung nicht erläu­tern, teilt „Fakt“ aber schrift­lich mit, grund­sätz­lich wer­de kei­ne gene­rel­le akti­ve Unter­rich­tung der Betrof­fe­nen vor­ge­nom­men, da „dies zu einer aus poli­zei­li­cher Sicht nicht gerecht­fer­tig­ten Ver­un­si­che­rung füh­ren wür­de“…” Bei­trag vom 24. Juli 2019 beim Miga­zin externer Link
    • Sie­he dazu den Thread von Jean Peters bei twit­ter externer Link: “Ich ste­he auf meh­re­ren Neo­na­zi-Todes­lis­ten. Wes­halb ich erst vor kur­zem Anzei­ge erstat­te­te und wie absurd die Poli­zei reagier­te, erzäh­le ich heu­te Abend bei ARD Fakt und hier in einem klei­nen Thread aus mei­nem Urlaub…”
  • Rech­te Todes­lis­ten: Wer drauf steht, muss end­lich infor­miert wer­den 
    “… Zehn­tau­sen­de Men­schen ste­hen bun­des­weit auf den unzäh­li­gen Feind- und Todes­lis­ten von Rechts­ra­di­ka­len. Und nur die wenigs­ten von ihnen wis­sen davon. Das muss sich ändern: Das Bun­des­kri­mi­nal­amt und die Lan­des­kri­mi­nal­äm­ter müs­sen end­lich die Betrof­fe­nen unauf­ge­for­dert und zeit­nah infor­mie­ren, dass ihnen Gefahr droht. Es muss Schluss sein mit der Geheim­nis­krä­me­rei, die ver­hin­dert, dass Betrof­fe­ne Vor­keh­run­gen zu ihrem Schutz tref­fen kön­nen. Deut­sche Sicher­heits­be­hör­den haben die Gefahr von rechts sys­te­ma­tisch ver­harm­lost, igno­riert und in Tei­len sogar geför­dert. Kon­ser­va­ti­ve Poli­ti­ker ver­su­chen seit jeher bei jeder Nen­nung von rech­ter Gewalt und rech­ten Ter­ro­ris­mus die poli­ti­sche Lin­ke mit in Haf­tung zu neh­men und sie als eben­so gefähr­lich gleich­zu­set­zen. Dabei ist nicht erst seit den Mor­den des NSU klar: Der Feind steht rechts. Wer das nach der Atta­cke auf CDU-Poli­ti­ke­rin Hen­ri­et­te Reker und dem Mord an CDU-Mann Wal­ter Lüb­cke nicht aner­kennt, der ist selbst nach rechts hin offen und eine Gefahr für die Demo­kra­tie. Seit 1971 gab es 12 Ent­füh­run­gen, 174 bewaff­ne­te Über­fäl­le, 123 Spreng­stoff­an­schlä­ge, 2.173 Brand­an­schlä­ge und 229 Mor­de mit rechts­ex­tre­mem Hin­ter­grund. Dazu kom­men tau­sen­de rechts­ra­di­ka­le Gewalt­ta­ten, allei­ne 1.156 im Jahr 2018. Der poli­ti­sche Rechts­ruck, der erfolg­reich und auch unter Mit­wir­kung von Poli­ti­kern aus der Uni­on die Gren­zen des Sag­ba­ren ver­scho­ben hat, beflü­gelt die rechts­ra­di­ka­len Gewalt­tä­ter. In der um sich grei­fen­den ver­ba­len Ver­ro­hung seit der soge­nann­ten Flücht­lings­kri­se 2015/​2016 und durch den Ver­lust von Empa­thie in der Gesell­schaft sehen sich die Rechts­ter­ro­ris­ten als Voll­stre­cker eines ver­meint­li­chen Volks­wil­lens. (…)Da die Poli­zei­en mit Fäl­len wie in Hes­sen und anders­wo selbst mehr und mehr in Ruf ste­hen, mit Rechts­ra­di­ka­len zu sym­pa­thi­sie­ren, ist Miss­trau­en ange­bracht. Kei­nes­falls dür­fen die Feind­lis­ten bei den Sicher­heits­be­hör­den, allen vor­an beim Inlands­ge­heim­dienst Ver­fas­sungs­schutz, zu Mas­ter-Lis­ten zusam­men­ge­führt wer­den. Zu groß und berech­tigt ist der­zeit die Sor­ge, dass der Sicher­heits­ap­pa­rat Teil des Pro­blems ist und die Lis­ten der Rechts­ra­di­ka­len womög­lich noch als Indi­zi­en für Beob­ach­tung und Gän­ge­lung mut­maß­li­cher Lin­ker nutzt.” Kom­men­tar von Mar­kus Reu­ter vom 24. Juni 2019 bei Netz­po­li­tik externer Link
  • Fein­des­lis­te: Frag­Den­Staat ver­klagt BKA, damit Betrof­fe­ne infor­miert wer­den 
    Das Bun­des­kri­mi­nal­amt hat tau­sen­de Men­schen, die auf einer Feind­lis­te einer rechts­ex­tre­men Grup­pie­rung stan­den, nicht dar­über infor­miert. Mit einem Trick ver­such­te Frag­Den­Staat das BKA zur Infor­ma­ti­on der Betrof­fe­nen zu bewe­gen, doch die Behör­de mau­er­te. Jetzt geht der Fall vor das Ver­wal­tungs­ge­richt Wies­ba­den. (…) Die Infor­ma­ti­ons­frei­heits­or­ga­ni­sa­ti­on Frag​Den​Staat​.de hat­te schon 2018 die Her­aus­ga­be der Lis­te beim BKA ver­langt. Gegen die­se Anfra­ge hat­te das Bun­des­kri­mi­nal­amt argu­men­tiert, es müs­se die Lis­te aus Daten­schutz­grün­den nicht her­aus­ge­ben. Außer­dem gebe es eine Bereichs­aus­nah­me für Daten im Zusam­men­hang mit Ter­ro­ris­mus und bei Bekannt­ga­be der Infor­ma­tio­nen eine Gefahr für lau­fen­de straf­recht­li­che Ermitt­lun­gen. Frag­Den­Staat will dage­gen nun juris­tisch vor­ge­hen. Die NGO ist der Mei­nung, dass das BKA alle auf der Lis­te ste­hen­den Per­so­nen anfra­gen müss­te, ob sie mit der Her­aus­ga­be der Lis­te ein­ver­stan­den sei­en. So könn­te über den Umweg des Daten­schut­zes eine Infor­ma­ti­on von betrof­fe­nen Per­so­nen statt­fin­den, damit die­sen über­haupt bewusst wird, dass sie im Faden­kreuz einer rechts­ex­tre­men Orga­ni­sa­ti­on stan­den. Das BKA hat bis heu­te nur 29 der betrof­fe­nen Per­so­nen infor­miert. Frag­den­staat zieht jetzt vor das Ver­wal­tungs­ge­richt Wies­ba­den. Neben der kon­kre­ten Fra­ge wird es in dem Ver­fah­ren auch um die zuneh­men­de Ten­denz des BKA gehen, sich im Zuge einer „Geheim­diensti­fi­zie­rung“ über Umwe­ge von den Aus­kunfts­pflich­ten des Infor­ma­ti­ons­frei­heits­ge­set­zes befrei­en zu wol­len.” Bei­trag von Mar­kus Reu­ter vom 18.06.2019 bei Frag­Den­Staat externer Link
  • Rech­te „Fein­des­lis­ten“ sind eine kon­kre­te Gefahr für Betrof­fe­ne 
    Immer wie­der erstel­len Rechts­ex­tre­me Lis­ten ihrer poli­ti­schen Gegner*innen, die im Inter­net ver­öf­fent­licht oder bei poli­zei­li­chen Ermitt­lun­gen gefun­den wer­den. Für die Betrof­fe­nen kön­nen sol­che „Fein­des­lis­ten“ eine ganz kon­kre­te Bedro­hung dar­stel­len. Wich­tig ist eine bes­se­re Infor­ma­ti­ons­pra­xis sei­tens der Poli­zei. Anfang Janu­ar 2019 wur­de auf dem lin­ken Inter­net­por­tal Indy­m­e­dia eine rech­te Droh­lis­te ver­öf­fent­licht. Über­schrie­ben war die­se mit dem Titel „Wir krie­gen euch alle“. Auf­ge­führt wur­den dar­in mehr als 200 Klar­na­men und Adres­sen von Aktivist*innen, Journalist*innen und Politiker*innen. Die meis­ten von ihnen pas­sen nicht in ein rech­tes Welt­bild, weil sie sich gegen Ras­sis­mus oder Rechts­ex­tre­mis­mus enga­gie­ren. Eini­gen Ein­trä­gen wur­den kur­zem Hin­wei­se oder Belei­di­gun­gen vor­an­ge­stellt: „grün und homo“ oder „hetzt gegen AfD“ heißt es da zum Bei­spiel. Sol­che Fein­des­lis­ten stel­len kein neu­es Phä­no­men dar. Sie die­nen schon län­ger der Aus­wahl mög­li­cher Anschlags­zie­le sowie der Ein­schüch­te­rung von poli­ti­schen Gegner*innen der rech­ten Sze­ne. Dar­über hin­aus erleich­tern Fein­des­lis­ten die Mög­lich­keit zum Miss­brauch der per­sön­li­chen Daten. (…) Für Abge­ord­ne­te von demo­kra­ti­schen Par­tei­en, Gewerkschafter*innen, Journalist*innen, anti­fa­schis­ti­sche Aktivis*innen oder Ange­hö­ri­ge von Geflüch­te­ten­in­itia­ti­ven besteht somit aus Sicht von Opfer­be­ra­tungs­stel­len jetzt schon eine hohe Gefahr. Sei­tens der Zivil­ge­sell­schaft wird vor allem eine bes­se­re Infor­ma­ti­ons­pra­xis von den staat­li­chen Ermitt­lungs­be­hör­den gefor­dert. Betrof­fe­nen soll die Mög­lich­keit gege­ben wer­den, ihre Gefähr­dung selbst ein­zu­schät­zen…” Bei­trag von Kai Stolt­mann vom 14. Janu­ar 2019 bei bell­tower-news externer Link

Der Bei­trag Fein­des­lis­ten der Rechts­ex­tre­men: »Baga­tel­li­sie­rung von Sei­ten der Behör­den« erschien zuerst auf Labour­Net Ger­ma­ny.

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