[labournet:] „Haltet das Maul und arbeitet mehr“ – die rücksichtslose Politik von Amazon ruft immer mehr Widerstand hervor: Weltweit

Dossier

UNI forder Arbeitsschutz vor Corona-Virus von Amazon„… Unse­re fran­zö­si­sche Schwes­ter­ge­werk­schaft CNT-AIT berich­tet von einem Streik bei meh­re­ren Ama­zon-Lagern. Eine kon­struk­ti­ve, prak­ti­sche und nicht-ideo­lo­gi­sche Infor­ma­ti­on dar­über, wie bestimm­te Arbei­te­rIn­nen in Frank­reich auf die Situa­ti­on der Coro­na-Virus-Epi­de­mie reagie­ren. Arbei­te­rIn­nen von drei unter­schied­li­chen Ama­zon-Stand­or­ten in Frank­reich (Nord, Ost und Süd-Ost) haben einen wil­den Streik begon­nen, um das Feh­len von Schutz­maß­nah­men (kei­ne Sei­fe, kei­ne ange­mes­se­nen Hand­wasch­ge­le­gen­hei­ten mit berüh­rungs­lo­sen Was­ser­häh­nen, kei­ne hydro­al­ko­ho­li­schen Gels, kein Ein­hal­ten des 1,5 Meter-Sicher­heits­ab­stands am Arbeits­platz, …) anzu­pran­gern. Streik ist die Waf­fe der Arbei­te­rIn­nen. Die Bos­se wol­len, daß wir durch die Arbeit ster­ben, wir bevor­zu­gen Direk­te Aktio­nen und Streiks für unse­re Leben!...“ – aus der Mel­dung „Frank­reich: Streik in Ama­zon-Lagern“ am 20. März 2020 bei Emra­wi externer Link über die Streiks bei Ama­zon in Frank­reich – die kei­nes­wegs die ein­zi­gen Streiks und Wider­stands­ak­tio­nen der letz­ten Tage waren, was eine Reak­ti­on von zuneh­mend mehr Beleg­schaf­ten auf den Kurs des Unter­neh­mens ist, sei­ne „Chan­ce“ mit dem Ver­sand­ge­schäft wäh­rend der Epi­de­mie kon­se­quent pro­fi­ta­bel aus­zu­nut­zen und dafür immer inten­si­ver die Arbeits­be­las­tung zu erhö­hen. Sie­he dazu auch gewerk­schaft­li­che Gegen­ak­ti­vi­tä­ten und Streik­be­rich­te aus Ita­li­en und den USA, Polen und der Slo­wa­kei (für Deutsch­land sie­he unser Dos­sier Ama­zon: In Coro­na-Zei­ten krank zur Arbeit? ver.di for­dert mehr Rück­sicht auf Gesund­heit der Beschäf­tig­ten und tarif­ver­trag­li­che Rege­lun­gen):

  • Coro­na­vi­rus: Kali­for­ni­en unter­sucht Arbeits­si­cher­heit in Ama­zon-Lagern – Jeff Bezos ver­dient 13 Mil­li­ar­den US-Dol­lar inner­halb eines Tages New
    In Kali­for­ni­en wird unter­sucht, ob Ama­zon sei­ne Mit­ar­bei­ter aus­rei­chend vor dem Coro­na­vi­rus schützt. Es ist nicht das ers­te Mal, dass Ama­zon auf­grund der Arbeits­be­din­gun­gen in sei­nen Logis­tik­la­gern in der Kri­tik steht. Der Gene­ral­staats­an­walt von Kali­for­ni­en, Xavier Becer­ra, die kali­for­ni­sche Divi­si­on of Occup­a­tio­nal Safe­ty and Health (Abtei­lung für Sicher­heit und Gesund­heit am Arbeits­platz) und das US-Gesund­heits­mi­nis­te­ri­um in San Fran­cis­co haben Unter­su­chun­gen ein­ge­lei­tet, um Ama­zons Prak­ti­ken bezüg­lich der Coro­na­pan­de­mie zu prü­fen. Es wird unter­sucht, ob Ama­zon sei­ne Mit­ar­bei­ter aus­rei­chend vor dem Virus schützt. (…) Aus­lö­ser ist eine Kla­ge der Ama­zon-Mit­ar­bei­te­rin Chi­yo­mi Brent vom 11. Juni. Sie arbei­tet im Ful­fill­ment Cen­ter in San Fran­cis­co und wirft Ama­zon vor, die Beschäf­tig­ten „unnö­ti­gen Risi­ken“ aus­zu­set­zen. Sie behaup­tet etwa, dass Ama­zon unsi­che­re Arbeits­prak­ti­ken ver­lan­ge, zum Bei­spiel das Tei­len von Equip­ment. Außer­dem wer­de kei­ne zusätz­li­che Zeit erlaubt, um siche­res Social Distancing zu ermög­li­chen. Ethan Schul­man, zustän­di­ger Rich­ter am Obers­ten Gerichts­hof in San Fran­cis­co, hat im Zuge der Vor­wür­fe jedoch kei­ne einst­wei­li­ge Ver­fü­gung erlas­sen, die zu einer Schlie­ßung des Logis­tik­la­gers geführt hät­ten. (…) Ama­zon muss sich seit Mona­ten immer wie­der Kri­tik an sei­nem Umgang mit dem Coro­na­vi­rus gefal­len las­sen. Seit Mai läuft bereits eine Unter­su­chung der Gene­ral­staats­an­walt­schaft. Bar­ba­ra Chand­ler, Ama­zon-Mit­ar­bei­te­rin in Sta­ten Island, New York, hat Kla­ge ein­ge­reicht externer Link, weil sie im April selbst am Coro­na­vi­rus erkrank­te und kurz dar­auf ihr Cou­sin starb, der im sel­ben Haus­halt wohn­te. Auch die Aktio­nä­re erhöh­ten bereits im Mai den Druck auf Ama­zon, die Bemü­hun­gen zum Schutz vor dem Coro­na­vi­rus zu erhö­hen.” Bei­trag von Chris­toph Pech vom 28. Juli 2020 im Ama­zon-Watch­blog externer Link – pikant dazu:
    • Jeff Bezos ver­dient 13 Mil­li­ar­den US-Dol­lar inner­halb eines Tages. Wie­der ein­mal bricht der Ama­zon-Chef sämt­li­che Rekor­de mit sei­nem Ver­mö­gen
      Für Ama­zon läuft es in der Kri­se gut: Auf­grund von Geschäfts­schlie­ßun­gen und Angst vor Anste­ckung in sta­tio­nä­ren Geschäf­ten wer­den noch mehr Waren online ein­ge­kauft. Bereits Anfang Juli klet­ter­te die Ama­zon-Aktie nach oben und ließ Bezos Ver­mö­gen so auf einen Rekord­wert von rund 170 Mil­li­ar­den US-Dol­lar anstei­gen, doch die­sen Spit­zen­be­trag über­trifft er nun erneut. (…) Jeff Bezos ist ohne­hin schon der reichs­te Mann der Welt und könn­te wohl im Jahr 2026 der ers­te Bil­lio­när der Mensch­heits­ge­schich­te wer­den. Hier scheint er in jedem Fall auf einem guten Weg zu sein: Allein im aktu­ell noch lau­fen­den Kalen­der­jahr ist sein Ver­mö­gen schon um 74 Mil­li­ar­den ange­stie­gen und liegt jetzt bei 189,3 Mil­li­ar­den US-Dol­lar…” Bei­trag von Han­na Behn vom 22. Juli 2020 im Ama­zon-Watch­blog externer Link – mög­lich nicht zuletzt, weil Ama­zon in den USA die Coro­na-Lohn­er­hö­hung wie­der gestri­chen hat, s.u.
  • Tod durch Coro­na­vi­rus: US-Mit­ar­bei­ter kla­gen gegen Ama­zon /​USA: Ama­zon streicht Coro­na-Lohn­er­hö­hung wie­der 
    • Tod durch Coro­na­vi­rus: US-Mit­ar­bei­ter kla­gen gegen Ama­zon
      Ama­zon-Mit­ar­bei­ter in New York haben den E‑Com­mer­ce-Rie­sen ver­klagt und wer­fen ihm vor, durch unzu­rei­chen­de Schutz­maß­nah­men indi­rekt schuld am Tod eines Fami­li­en­mit­glieds zu sein. Bar­ba­ra Chand­ler arbei­tet in Ama­zons JFK8-Ful­fill­ment-Zen­trum in Sta­ten Island, New York. Nach­dem sie im März an dem Coro­na­vi­rus erkrank­te, starb im April ihr Cou­sin, der im sel­ben Haus­halt wohn­te. Sie gibt Ama­zon die Schuld dar­an und hat gemein­sam mit ande­ren Arbei­tern Kla­ge ein­ge­reicht, wie Reu­ters UK berich­tet externer Link. Die Logis­tik-Mit­ar­bei­te­rin klagt über die Arbeits­be­din­gun­gen bei Ama­zon in der Coro­na­kri­se: Der – auch von ande­ren oft gehör­te – Vor­wurf: Der Kon­zern tue zu wenig für den Schutz sei­ner Mit­ar­bei­ter in den Logis­tik­zen­tren vor einer mög­li­chen Anste­ckung. Ama­zon stel­le die Pro­duk­ti­vi­tät über die Sicher­heit. Das Unter­neh­men habe die rund 5.000 Mit­ar­bei­ter in dem New Yor­ker Lager gezwun­gen, in „schwin­del­erre­gen­dem Tem­po“ zu arbei­ten – die eigent­lich von Ama­zon ein­ge­führ­ten Sicher­heits­maß­nah­men hät­ten so nicht ein­ge­hal­ten wer­den kön­nen, heißt es. Ama­zon habe das Lager zu einem „Ort der Gefahr“ gemacht. (…) Die Klä­ger wol­len Ama­zon mit einer einst­wei­li­gen Ver­fü­gung dazu brin­gen, dass das Unter­neh­men die Geset­ze zur Arbeits­si­cher­heit ein­hält. Ama­zon hat sich bis­her zu dem Fall nicht geäu­ßert…” Arti­kel von Mar­kus Gärt­ner vom 04. Juni 2020 im Ama­zon-Watch­blog externer Link
    • Ama­zon streicht Coro­na-Lohn­er­hö­hung wie­der
      “… „Wir wol­len den Lohn, bis die Mas­ken ver­schwin­den.“ Vie­le Mit­ar­bei­ter in den US-Ver­teil­zen­tren fürch­ten eh schon das Anste­ckungs­ri­si­ko und kri­ti­sie­ren den ihrer Mei­nung nach unzu­rei­chen­den Schutz – jetzt ver­lie­ren sie auch noch das kurz­fris­tig erlang­te Geld. „Es bringt mich um, dass sich das Unter­neh­men nicht dar­um küm­mert, was eine Lohn­kür­zung für die Moral bedeu­tet“, sag­te ein anony­mer Arbeit­neh­mer aus South Caro­li­na gegen­über Busi­ness Insi­der. „Fast alle sind sehr ent­täuscht und ver­är­gert“, meint ein Mit­ar­bei­ter aus India­na. „Wir wol­len den Lohn, bis die Mas­ken ver­schwin­den.“ Ein wei­te­rer Ama­zon-Ange­stell­ter sagt: „Unter den gegen­wär­ti­gen Umstän­den soll­ten sie den Lohn eigent­lich erhö­hen, anstatt ihn weg­zu­neh­men.“ (…) Schon zwi­schen­durch zog Ama­zon Kri­tik auf sich, als es statt der Lohn­er­hö­hung die Mit­ar­bei­ter mit „Danke“-Shirts abspei­sen woll­te, wie der Stan­dard berich­te­te. Mitt­ler­wei­le gibt es in den Ama­zon-Lagern in den USA min­des­tens acht Coro­na-Todes­fäl­le, die Anzahl der Infi­zier­ten ist unklar, Ama­zon gibt dazu kei­ne Zah­len bekannt. Eine Grup­pe von Ama­zon-Mit­ar­bei­tern in New York hat gera­de erst Kla­ge wegen eines Coro­na-Todes­fal­les ein­ge­reicht.” Arti­kel von Mar­kus Gärt­ner vom 05. Juni 2020 im Ama­zon-Watch­blog externer Link
  • Neben­bei den erkämpf­ten Coro­na-Bonus strei­chen: Da bekommt Ama­zon Pro­test – in den USA, wie in der BRD 
    Bonus-Zah­lun­gen wäh­rend der für Ama­zon so pro­fit­träch­ti­gen Epi­de­mie-Zeit: Das war das Zuge­ständ­nis der Unter­neh­mens­lei­tung an die welt­weit sich aus­brei­ten­den Pro­tes­te und Aktio­nen gegen sei­ne Pro­fit­jagd auf Kos­ten der Sicher­heit der Beschäf­tig­ten. Und weil die Aktio­nä­re ja das Wich­tigs­te sind (und zur Zeit gera­de fast über­all ohne­hin die „Nach­fra­ge“ nach Jobs wächst und wenn sie noch so übel sind) soll die­ser Bonus nun wie­der gestri­chen wer­den. Was nicht nur Empö­rung, son­dern auch wei­te­ren Wider­stand ent­ste­hen lässt. In dem Bei­trag „Ama­zon drops $2 coro­na­vi­rus pay rise for wareh­ouse workers as CEO Jeff Bezos’ for­tu­ne nears $150 bil­li­on“ am 03. Juni 2020 von Iso­bel Hamil­ton beim Busi­ness Insi­der externer Link wird die­ser anti­so­zia­le Schritt aus den USA berich­tet und in Zusam­men­hang mit der „Akti­en­ent­wick­lung“ gebracht… Sie­he dazu auch eine Mel­dung über eine Pro­test­ak­ti­on in Leip­zig:
    • „Ama­zon stop­ped paying the risk-bonus for no rea­son, which pis­ses us off. The­re are many cases around the glo­be. Yes­ter­day, workers hung a trans­pa­rent in front of Amazon’s wareh­ouse in Leip­zig. It says: “More money in the long run – collec­ti­ve bar­gai­ning con­tract now!“ am 05. Juni 2020 im Twit­ter-Kanal von Ama­zon Workers Inter­na­tio­nal externer Link berich­tet (mit Foto) von der Pro­test­ak­ti­on in Leip­zig mit der For­de­rung nach tarif­ver­trag­li­cher Erhö­hung (statt „groß­zü­gi­ger“ Boni, die dann wie­der zurück genom­men wer­den)
  • Sam­mel­kla­ge in den USA: Ama­zon vor Gericht /​Inter­na­tio­na­le Pro­tes­te bei Ama­zon: Gegen den über­mäch­ti­gen Rie­sen 
    • Ama­zon vor Gericht: Beschäf­tig­te in den USA wol­len den Kon­zern auf Ein­hal­tung des Arbeits­schut­zes ver­pflich­ten
      Kaum ein Kon­zern hat so von der Coro­na­kri­se pro­fi­tiert wie Ama­zon. Nun zie­hen Ange­stell­te des Online­rie­sen in den USA vor Gericht, teil­te die Nach­rich­ten­agen­tur Reu­ters am Don­ners­tag mit. Dem Unter­neh­men wird vor­ge­wor­fen, nicht genug für die Sicher­heit sei­ner Mit­ar­bei­ter zu tun. Laut Ankla­ge­schrift habe Ama­zon in sei­nem Umschlag­zen­trum »JFK8« in Sta­ten Island, einem Bezirk der Metro­po­le New York, die Sicher­heit von 5.000 Beschäf­tig­ten gefähr­det – zuguns­ten der Pro­duk­ti­vi­tät. Die Ange­stell­ten sei­en gezwun­gen gewe­sen, mit »schwin­del­erre­gen­dem Tem­po« zu arbei­ten, auch wenn es ihnen dadurch nicht mög­lich war, die Abstands­re­geln ein­zu­hal­ten, sich die Hän­de zu waschen und ihre Arbeits­plät­ze regel­mä­ßig zu des­in­fi­zie­ren. Bar­ba­ra Chand­ler ist eine Klä­ge­rin. Sie sag­te dem Bericht zufol­ge, sie sei im März posi­tiv auf den Covid-19-Erre­ger getes­tet wor­den, und sie habe meh­re­re Mit­glie­der ihres Haus­halts ange­steckt. Dar­un­ter auch einen Cou­sin, der Anfang April an den Fol­gen der Krank­heit ver­starb. Chand­ler macht den Kon­zern dafür ver­ant­wort­lich, weil die vom Unter­neh­men ein­ge­führ­ten Sicher­heits­vor­keh­run­gen auf­grund des hohen Arbeits­drucks nicht ein­ge­hal­ten hät­ten wer­den kön­nen. Gemein­sam mit ande­ren Ama­zon-Beschäf­tig­ten will sie nun mit einer einst­wei­li­gen Ver­fü­gung errei­chen, dass das Unter­neh­men die Geset­ze zur Arbeits­si­cher­heit ein­hält…” Arti­kel von Bernd Mül­ler in der jun­gen Welt vom 05.06.2020 externer Link
    • Pro­tes­te bei Ama­zon: Gegen den über­mäch­ti­gen Rie­sen
      “In Deutsch­land, Frank­reich und den USA orga­ni­siert sich die Ama­zon-Arbei­ter­schaft. Denn wäh­rend der Online­händ­ler zu den gros­sen Gewin­nern der Coro­na­kri­se zählt, sind sei­ne Ange­stell­ten den Risi­ken der Pan­de­mie aus­ge­setzt. (…) Die Angst vor einer Covid-19-Infek­ti­on kommt nicht von unge­fähr. Dort, wo sie arbei­ten, beim Ver­sand­zen­trum in Win­sen (Luhe) süd­lich von Ham­burg, gab es bis Ende April mehr als fünf­zig Coro­na­fäl­le, womit der Ama­zon-Stand­ort von den Gesund­heits­be­hör­den offi­zi­ell als Hot­spot ein­ge­stuft wur­de. Seit­her gibt es offi­zi­ell zwar kei­ne neu­en Fäl­le, die Furcht ist aber geblie­ben: «Die Stim­mung in der Beleg­schaft ist mise­ra­bel, jeder hat Angst vor jedem», sagt Oli­via Mey­er. Ihr Vor­wurf: Ama­zon habe viel zu spät gehan­delt. Ein Spre­cher von Ama­zon Deutsch­land teilt hin­ge­gen mit, man tue alles, um die Beschäf­tig­ten so weit wie mög­lich zu schüt­zen (…) Eine ande­re Spra­che spre­chen die Ergeb­nis­se einer Umfra­ge, die die Gewerk­schaft Ver­di Anfang April unter Ama­zon-Beschäf­tig­ten in Deutsch­land durch­ge­führt hat: Die Hälf­te der Befrag­ten sagt, Abstand hal­ten wäh­rend der Arbeits­zeit sei kaum mög­lich. Ledig­lich jede vier­te Per­son meint, Abstand hal­ten sei sowohl bei Schicht­be­ginn als auch wäh­rend der Schicht grund­sätz­lich mög­lich. (…) Ama­zon scheint ein über­mäch­ti­ger Rie­se, dage­gen wir­ken die Ansatz­punk­te für Wider­stand der Beschäf­tig­ten mikro­sko­pisch klein. Doch es gibt sie: Durch die Pan­de­mie könn­ten sich die Kampf­be­din­gun­gen für die Arbei­te­rIn­nen ver­bes­sern. Gewerk­schafts­ak­ti­vist Chris­ti­an Kräh­ling arbei­tet seit mehr als zehn Jah­ren am Ama­zon-Stand­ort im hes­si­schen Bad Hers­feld. «Die Unzu­frie­den­heit vie­ler Arbei­te­rin­nen und Arbei­ter mit der Geschäfts­lei­tung ist im Zuge der Coro­na­pan­de­mie merk­lich gestie­gen», sagt er. Ein Indiz: Es sei­en mehr Kol­le­gIn­nen als sonst üblich in die Gewerk­schaft ein­ge­tre­ten. Vie­le Beschäf­tig­te hät­ten etwa beim Zwei-Euro-Bonus gese­hen, dass Lohn­er­hö­hun­gen, wenn­gleich wie in die­sem Fall tem­po­rä­re, doch mög­lich sei­en. Dar­um führt Kräh­ling die umstrit­te­ne Rege­lung gegen die Lei­tung ins Feld und for­dert mit sei­nen akti­ven Kol­le­gIn­nen, dass der Bonus genau­so wie Über­stun­den­zu­schlä­ge zukünf­tig obli­ga­to­risch gezahlt wird. Ein wei­te­rer posi­ti­ver Effekt für die akti­ve Beleg­schaft: Wegen des Umgangs Ama­zons mit der Coro­na­kri­se haben sich in Deutsch­land Gewerk­schafts­ak­ti­vis­tIn­nen aus ver­schie­de­nen Stand­or­ten bes­ser ver­netzt denn je. So fand bereits im März ein deutsch­land­wei­tes Tref­fen der gewerk­schaft­li­chen Ver­trau­ens­leu­te statt; per Video­kon­fe­renz tausch­ten sie sich über den Umgang der jewei­li­gen Stand­ort­lei­te­rIn­nen und die Fall­zah­len aus und bespra­chen, ob und wie gemein­sa­me Aktio­nen gestar­tet wer­den kön­nen. Ama­zons Umgang mit der Kri­se könn­te noch eine wei­te­re für die Lei­tung uner­wünsch­te Fol­ge haben, meint Jean-Fran­çois Bérot. Der Arbei­ter in einem Ama­zon-Ver­sand­zen­trum süd­lich von Paris sieht in der aktu­el­len Kri­se gute Vor­aus­set­zun­gen dafür, dass sich die Beleg­schaft über Län­der­gren­zen hin­weg ver­netzt. «Über­all haben Ama­zon-Beschäf­tig­te die glei­chen Pro­ble­me. In Frank­reich, den USA und in Deutsch­land haben sie Angst, sich mit Coro­na anzu­ste­cken», sagt Bérot. Auch aus­ser­halb Frank­reichs haben Ama­zon-Beschäf­tig­te mit­be­kom­men, wie Bérot und sei­ne Mit­strei­te­rIn­nen laut­stark vor dem Ama­zon-Werk des­sen Schlies­sung gefor­dert hat­ten. Als sich der Kon­zern dann nach einem Gerichts­be­schluss gezwun­gen sah, sei­ne gros­sen Lager­zen­tren tat­säch­lich dicht­zu­ma­chen, haben Arbei­te­rIn­nen in ande­ren Län­dern gese­hen, was mög­lich ist. (…) Mitt­ler­wei­le tau­schen sich täg­lich Ama­zon-Arbei­te­rIn­nen aus etwa einem Dut­zend Staa­ten im Rah­men der Orga­ni­sa­ti­on aus. Dass sie unab­hän­gig von den gros­sen Gewerk­schaf­ten funk­tio­niert, sieht Kräh­ling als Vor­teil: «Für kon­kre­te Aktio­nen ist es leich­ter, wenn sich die Beschäf­tig­ten von vor Ort aus­tau­schen, weil sie den Laden bes­ser ken­nen.» Aus­ser­dem könn­ten schnel­ler Aktio­nen anlau­fen, weil kei­ne kom­pli­zier­ten büro­kra­ti­schen Hür­den genom­men wer­den müss­ten. …“ Arti­kel von Sebas­ti­an Fried­rich vom 04.06.2020 bei der WoZ – Die Wochen­zei­tung externer Link
  • Eine pol­ni­sche Ama­zon-Arbei­te­rin, allein­er­zie­hen­de Mut­ter, stirbt: Ein Opfer der Pro­fit­jagd. Wie vor­her ein Kol­le­ge in den USA – der dort auch nicht das ers­te Opfer war 
    In der Nacht von Sonn­tag auf Mon­tag kol­la­bier­te und ver­starb im Ama­zon-Werk bei Poz­nań eine Frau bei der Arbeit. Gewerk­schaf­ten kri­ti­sie­ren das bru­ta­le Akkord­sys­tem, die mise­ra­blen Arbeits­be­din­gun­gen und die über 10-stün­di­gen Schich­ten“- so der Tweet am 21. Mai 2020 bei kap­tu­rak externer Link über das Todes­op­fer in Polen, deren Schick­sal lei­der kei­nes­wegs ein­zig­ar­tig ist – im Mai 2020 war schon zuvor ein Kol­le­ge aus einem Lager Ama­zons in den USA ver­stor­ben – am 05. Mai 2020 in der Nie­der­las­sung Sta­ten Island, in den USA hat­te es auch im April 2020 bereits Todes­op­fer gege­ben. Zu dem Tod der pol­ni­schen Kol­le­gin heißt es im Thread bei kap­tu­rak außer­dem – unter ande­rem – noch: „Ama­zon hat als Druck­mit­tel zuletzt vie­le kurz­be­fris­te­te Arbeits­ver­trä­ge abge­schlos­sen, teil­wei­se nur für 2 Wochen! “Die Leu­te fürch­ten sich, dass man ihnen bei schlech­ten Ergeb­nis­sen die Ver­trä­ge nicht ver­län­gert” berich­tet Maria Mali­now­s­ka von der Basis­ge­werk­schaft pra­cow­nic­za“ und“Der Effekt ist, dass auch jemand, dem es nicht gut geht, durch die Stock­wer­ke hetzt, um die Norm zu erfül­len.” Ca. 70% der Ama­zon-Ange­stell­ten hat pre­kä­re Ver­trä­ge. Genau­so wie auch die Ver­stor­be­ne 40jährige, allein­er­zie­hen­de Mut­ter von 5 Kin­dern“. Sie­he dazu die Mel­dung über den Tod eines Kol­le­gen bei Ama­zon in den USA, sowie eine etwas selt­sa­me­re gewerk­schaft­li­che Reak­ti­on dar­auf:
  • Streik am 1. Mai 2020 bei Ama­zon New York – und eine glo­ba­le Erklä­rung (samt For­de­rungs­ka­ta­log) von Ama­zon-Beschäf­tig­ten
  • [21. April 2020] Zahl­rei­che Ama­zon-Nie­der­las­sun­gen in den USA bestreikt: Für Sicher­heit, für Lohn­fort­zah­lung
  • Der Wider­stand gegen Ama­zons Pro­fit­jagd auf Kos­ten der Beschäf­tig­ten geht wei­ter: In den USA trotz Ent­las­sungs­ter­ror, in Frank­reich ange­feu­ert durch ein Gerichts­ur­teil zuguns­ten SUD Soli­dai­res 
    Bei Ama­zon, egal wo, „darf“ man vor allen Din­gen eines: Arbei­ten. Mög­lichst viel und lan­ge. Und eines „darf“ man ganz und gar nicht: Die Geschäf­te­ma­che­rei des Kon­zerns auf Kos­ten der Beleg­schaf­ten kri­ti­sie­ren. Der gro­ße Kri­sen­ge­winn­ler Ama­zon will sich schließ­lich sei­ne blen­den­den Geschäf­te nicht ver­mie­sen las­sen. In den USA sind des­we­gen – wie­der ein­mal – Beschäf­tig­te, die öffent­lich Kri­tik äußer­ten, ent­las­sen wor­den, was neue Aus­ein­an­der­set­zun­gen her­vor­bringt, weil die Betrof­fe­nen und ihre Kol­le­gin­nen und Kol­le­gen das selbst­ver­ständ­lich nicht so ohne wei­te­res hin­neh­men wol­len. In Frank­reich hat­ten Kri­ti­ker des Geschäfts­ge­ba­rens von Ama­zon auch den juris­ti­schen Weg ein­ge­schla­gen – und haben nun mit einem ers­ten Urteil einen Erfolg erzielt: Das Unter­neh­men muss sei­ne Tätig­keit auf lebens­wich­ti­ge Berei­che ein­schrän­ken. Zur Ent­wick­lung von Pro­test und Wider­stand bei Ama­zon in den USA und Frank­reich (sie­he zu Ama­zon-Frank­reich auch aus­führ­li­cher den heu­ti­gen Bei­trag von Ber­nard Schmid) sechs aktu­el­le Bei­trä­ge:
    • „9 Ama­zon Workers Descri­be the Dai­ly Risks They Face in the Pan­de­mic“ am 10. April 2020 bei Wired externer Link ist eine Samm­lung von ins­ge­samt eben 9 Inter­views mit Ama­zon-Beschäf­tig­ten quer durch die USA (dar­un­ter auch von Toch­ter­un­ter­neh­men Who­le Foods) über ihre Arbeits­be­din­gun­gen in Zei­ten von Coro­na. Inter­views, die einer­seits zei­gen, wie rück­sichts­los ein Kurs durch­ge­zo­gen wird, sich an der Kri­se zu berei­chern – und das mit durch­aus unter­schied­li­chen Facet­ten – und die ande­rer­seits aber auch durch die jewei­li­gen kurz notier­ten anschlie­ßen­den wei­te­ren Ent­wick­lun­gen nach den Inter­views deut­lich machen, dass das Unter­neh­men auf­grund wach­sen­der Kri­tik und wach­sen­den Wider­stan­des in der Tat zu (bis­her meist klei­ne­ren) Zuge­ständ­nis­sen gezwun­gen wor­den ist und nach Ansicht der Inter­view­ten auch wei­ter­hin gezwun­gen wer­den kann.
    • „Ama­zon fires two tech workers who cri­ti­ci­zed the company’s wareh­ouse work­place con­di­ti­ons“ von Jay Gree­ne am 15. April 2020 in der Washing­ton Post online externer Link berich­tet von der Ent­las­sung zwei­er Desi­gne­rin­nen am ver­gan­ge­nen Frei­tag, von denen eine, Emi­ly Cun­ning­ham eine Akti­vis­tin der Grup­pie­rung Ama­zon Employees for Cli­ma­te Jus­ti­ce ist, die auch die Sicher­heits­zu­stän­de wäh­rend der Epi­de­mie scharf kri­ti­siert hat­te, die ande­re, Maren Cos­ta eine der Unter­stüt­ze­rin­nen. Zusätz­lich bestä­tig­te ein Ama­zon-Spre­cher auch eine wei­te­re Ent­las­sung unab­hän­gig davon – alle drei hät­ten „regel­mä­ßi­ger Ver­stö­ße gegen die Betriebs­ord­nung“ schul­dig gemacht, so die fre­che Begrün­dung. Eine Betriebs­ord­nung, die da wohl lau­tet „Halts Maul und arbei­te schnel­ler“. Das gan­ze geschah vor dem Hin­ter­grund, dass in nicht weni­ger als 74 Nie­der­las­sun­gen Ama­zons quer durch die USA inzwi­schen offi­zi­ell regis­trier­te erkrank­te Beschäf­tig­te zu ver­zeich­nen sind.
    • „Ama­zon Fired An Employee Invol­ved In Work­place Orga­ni­zing In Min­ne­so­ta, Sources Say“ von Caro­li­ne O’Donovan am 14. April 2020 bei Buz­z­feed externer Link ist der Bericht über die im obi­gen Bei­trag erwähn­te drit­te Ent­las­sung eines Akti­vis­ten – auch er für mehr Sicher­heit am Arbeits­platz – bei Ama­zon, hier in Min­nea­po­lis. Alle drei Betrof­fe­nen sind sich im übri­gen dar­in einig, dass die­se Maß­nah­men als exem­pla­risch gedacht sind zur Ein­schüch­te­rung wei­te­ren Pro­tests.
    • „Ama­zon employees: Hear from wareh­ouse workers, fired tech workers, and Nao­mi Klein“ hier am 14. April 2020 bei Goog​le​.docs externer Link doku­men­tiert, ist die Ein­la­dung zu einer Video-Ver­an­stal­tung gewe­sen, die von den Ama­zon Employees for Cli­ma­te Jus­ti­ce orga­ni­siert wer­den soll­te zum The­ma Epi­de­mie und auf der neben Akti­vis­tin­nen auch Nao­mi Klein spre­chen soll­te. Dies ist nach Mut­ma­ßung der Grup­pe der direk­te Anlass für die Ent­las­sun­gen gewe­sen – zumal direkt im Anschluss dar­an in allen inter­nen Net­zen der Hin­weis auf die­se Ver­an­stal­tung gelöscht wor­den sei. Mit die­ser Ver­öf­fent­li­chung ruft due Grup­pie­rung der Ama­zon-Beschäf­tig­ten dazu auf, sich an der nach­wie­vor geplan­ten Ver­an­stal­tung am 16. April zu betei­li­gen…
    • „UN BEAU SUCCES JURIDIQUE N’AUTORISANT AMAZON QU’A LIVRER DES PRODUITS INDISPENSABLES“ am 14. April 2020 bei Lut­tes Invi­si­bles externer Link (Face­book) ist ein Kom­men­tar von Micka­el Wamen (einer der Aktivs­ten der Ex-Goo­dye­ar-Beleg­schaft) zum Urteil des Gerichts in Nanterre/​Frank­reich, das Ama­zon dar­auf beschränkt, nur noch lebens­wich­ti­ge Güter, Nah­rungs­mit­tel, Medi­ka­men­te und Hygie­ne­pro­duk­te ver­kau­fen zu dür­fen. Das Urteil folgt dem Para­gra­phen L 4121–1 des fran­zö­si­schen Arbeits­ge­set­zes und gilt für zumin­dest einen Monat. Wamen bewer­tet dies als bedeu­ten­den Erfolg für die Akti­ven, die das juris­ti­sche Ver­fah­ren ange­strengt haben – und stellt die Fra­ge, ob dies nicht auch auf ade­re Unter­neh­men wie etwa Auto- und Flug­zeug­bau­er aus­ge­dehnt wer­den kön­ne…
    • „AMAZON: Pre­miè­re vic­toire syn­di­ca­le“ am 14. April 2020 beim Gewerk­schafts­bund SUD Soli­dai­res externer Link ist eine Stel­lung­nah­me der alter­na­ti­ven Föde­ra­ti­on zu dem Urteil, das als ein ers­ter gewerk­schaft­li­cher Sieg bewer­tet wird. SUD Soli­dai­res hat­te gemein­sam mit der Orga­ni­sa­ti­on “Les Amis de la Terre” die Kla­ge ein­ge­reicht. Es wird in der Erklä­rung auch dar­auf ver­wie­sen, dass das Gericht die sofor­ti­ge Umset­zung durch das Unter­neh­men ange­ord­net habe, ansons­ten ste­he pro Tag Ver­zug ein Buß­geld von 1 Mil­li­on Euro zu erwar­ten (was mit der Behaup­tung des Unter­neh­mens zu tun hat, es hät­te die­se Ein­schrän­kung bereits vor­ge­nom­men).
  • “Wach­sen­de Kri­tik und neue loka­le Streik­ak­tio­nen in den USA: Ama­zon muss ers­te Zuge­ständ­nis­se machen – die noch lan­ge nicht rei­chen”
  • Der Streik bei Ama­zon in New York – und die ille­ga­le Reak­ti­on des Unter­neh­mens – sind Teil eines immer schär­fe­ren Klas­sen­kamp­fes um die Reak­ti­on auf Coro­na in den USA auch in ande­ren Bran­chen
  • Ama­zon-Beschäf­tig­te for­dern welt­weit die Schlie­ßung bei vol­lem Lohn­aus­gleich – und einen Bei­trag des Unter­neh­mens für die öffent­li­chen Gesund­heits­sys­te­me
    Wäh­rend die Coro­na-Virus-Pan­de­mie bereits tau­sen­de Men­schen­le­ben gekos­tet hat und noch vie­le wei­te­re kos­ten wird, blei­ben die Ama­zon-Lager rund um die Uhr in Betrieb. Regie­run­gen ord­nen einer­seits Kon­takt­sper­ren bzw. social distancing an, ande­rer­seits zwin­gen sie die Arbei­te­rIn­nen zur Fort­set­zung der Arbeit. Ama­zon-Pake­te wer­den wei­ter in Städ­te gelie­fert, die auf­grund der hohen Ver­brei­tung des Virus vom Rest der Welt abge­schot­tet wur­den, wodurch die Lie­fe­ran­tIn­nen erhöh­ter Gefahr aus­ge­setzt sind.. In Län­dern, in denen es in der Öffent­lich­keit ver­bo­ten ist, sich zu ver­sam­meln, darf Ama­zon wie ein „Staat im Staat“ agie­ren und genießt wei­ter alle Frei­hei­ten des Mark­tes, wäh­rend wir als Arbei­te­rIn­nen in geschlos­se­nen Räu­men zu Tau­sen­den gefähr­det wer­den. LKW-Fah­re­rIn­nen und Kurie­re, die meist für Sub­un­ter­neh­men tätig sind, trans­por­tie­ren das Coro­na-Virus zwi­schen den Lagern. Nicht nur ris­kiert Ama­zon, dass wir, die Arbei­te­rIn­nen, selbst ange­steckt wer­den, son­dern auch dass unse­re Fami­li­en sich infi­zie­ren. Auf die­se Wei­se ver­brei­tet sich der Virus immer wei­ter in die Gesell­schaft...“ – so beginnt die „Erklä­rung in Zei­ten der Coro­na-Virus-Pan­de­mie“ von Ama­zon Workers Inter­na­tio­nal in deut­scher Fas­sung am 24. März 2020 bei Ama­zing Workers externer Link, die in einem For­de­rungs­ka­ta­log aus 6 Punk­ten mün­det, wor­in unter ande­rem die Schlie­ßung der Zen­tren bei vol­lem Lohn­aus­gleich gefor­dert wird – und: „Ama­zon gibt einen Teil der Mil­li­ar­den­ge­win­ne, die von uns in den letz­ten Jah­ren erar­bei­tet wur­den, an die Gemein­we­sen zurück. Dafür sol­len die öffent­li­chen Gesund­heits­sys­te­me der Län­der, in denen Ama­zon tätig ist, mit 20 Mil­li­ar­den Dol­lar unter­stützt wer­den“. Sie­he dazu drei aktu­el­le Bei­trä­ge über die wei­te­re Zuspit­zung der Arbeits­het­ze bei Ama­zon in meh­re­ren Län­dern – und den wach­sen­den Wider­stand dage­gen, sowie zwei Bei­trä­ge, die die aktu­el­le Offen­si­ve Ama­zons unter Aus­nut­zung der Epi­de­mie kon­kret nach­voll­zie­hen:
    • „Covid-19, si fer­ma­no i lavor­a­to­ri di Ama­zon“ am 24. März 2020 bei Ras­segna Sin­da­ca­le externer Link mel­det den Streik der Turi­ner Nie­der­las­sung Ama­zons in Ita­li­en, deren Tätig­keit, so jene Gewerk­schaf­ten im Betrieb, die den „Drei­er­pakt“ (gro­ße Ver­bän­de, Unter­neh­mer­ver­band, Regie­rung) unter­zeich­net hat­ten, gegen eben die­ses Abkom­men ver­sto­ße. Mit dem Streik ab dem gest­ri­gen Diens­tag soll erreicht wer­den, dass auch Ama­zon nur noch „lebens­wich­ti­ge Güter“ aus­lie­fern darf…
    • „Der welt­größ­te Coro­na-Pro­fi­teur“ von Wolf­ram Wei­mer am 24. März 2020 bei n‑tv externer Link fasst die wirt­schaft­li­chen Ergeb­nis­se des Arbeits­zwangs für die Beschäf­tig­ten und die „Reak­ti­on“ von Ama­zon so zusam­men: „… Der Kon­zern hat bin­nen 10 Tagen um etwa 100 Mil­li­ar­den Euro an Markt­wert zuge­legt. Sein Grün­der und Haupt­ak­tio­när Jeff Bezos ist damit in nicht ein­mal zwei Wochen um gut 10 Mil­li­ar­den Euro rei­cher gewor­den. Kein Mensch auf der Welt hat mehr vom Coro­na­vi­rus pro­fi­tiert als der ohne­dies reichs­te Mann der Welt. Finan­zi­ell am zweit­bes­ten geht es die­ser Tage Bezos geschie­de­ner Frau MacK­an­zie Bezos. Sie ist in den ver­gan­ge­nen zehn Tagen um knapp 4 Mil­li­ar­den Euro rei­cher gewor­den. Die Schei­dung nach 25 Jah­ren Ehe brach­te ihr jede Men­ge Ama­zon-Akti­en ein – und die über­ste­hen die Coro­na­kri­se bes­ser als Gold. Denn Ama­zon pro­fi­tiert von der Pan­de­mie nicht aus spe­ku­la­ti­ven Grün­den. Es ist das Kern­ge­schäft des Online­händ­lers, das der­zeit boomt wie nie zuvor. (…) Doch nun brei­tet sich das Virus so stark aus, dass auch immer mehr Mit­ar­bei­ter und Paket­zu­stel­ler sich anste­cken und erkran­ken. Für sie legt der Kon­zern nun einen “Ama­zon Reli­ef Fund” (Ama­zon Lin­de­rungs Fonds) auf. Damit soll Paket­bo­ten und ande­ren Mit­ar­bei­tern gehol­fen wer­den, sofern sie posi­tiv auf das Coro­na­vi­rus getes­tet oder an Covid-19 erkrankt sind. Den eige­nen US-Mit­ar­bei­tern wird im Fall einer Erkran­kung nun mit gro­ßer Ges­te eine zwei­wö­chi­ge Lohn­fort­zah­lung gewährt – hier­zu­lan­de eine Selbst­ver­ständ­lich­keit auch ohne Pan­de­mie. Der “Lin­de­rungs-Fonds” hat ein Gesamt­vo­lu­men von spär­li­chen 25 Mil­lio­nen Dol­lar. Das hat Bezos in einer hal­ben Stun­de ver­dient…“
    • „Der Kri­sen­ge­win­ner“ von Ines Zöttl am 23. März 2020 bei Spie­gel online externer Link zur sel­ben Ent­wick­lung – und wer sie „trägt“: „… Beim Bio­su­per­markt Who­le Foods in Washing­ton kau­fen die ein, die es sich leis­ten kön­nen: Über­wie­gend wei­ße Mit­tel­schicht­ame­ri­ka­ner mit guten Jobs, die fürs Öko­ge­mü­se bereit­wil­lig ein paar Dol­lar mehr hin­le­gen. Doch in die­sen Tagen sind in der Who­le-Foods-Filia­le im Stadt­teil Capi­tol Hill auf­fal­lend vie­le jun­ge Afro­ame­ri­ka­ner unter­wegs. Das Han­dy in der einen Hand packen sie mit der ande­ren Rote Bete, Soja­milch oder Laven­del-Sham­poo in ein hal­bes Dut­zend Tüten, die sich im Ein­kaufs­wa­gen sta­peln. Sie kau­fen ein, aber nicht für den eige­nen Haus­halt – son­dern im Auf­trag der Prime-Mit­glie­der von Ama­zon. Schon vor dem Aus­bruch des Coro­na­vi­rus hat­te der Kon­zern, der vor drei Jah­ren Who­le Foods über­nom­men hat, begon­nen, sei­nen Lebens­mit­tel-Lie­fer­ser­vice in Ame­ri­kas Städ­ten mit Wucht aus­zu­bau­en. Nun aber ist die Nach­fra­ge ganz ohne Zutun des Unter­neh­mens explo­diert. Statt selbst ein­zu­kau­fen, bestel­len vie­le Ame­ri­ka­ner Nudeln, Pes­to und Par­me­san sicher­heits­hal­ber lie­ber per Klick vom hei­mi­schen Sofa aus – soweit die Ware vor­rä­tig ist. Die meis­ten Bring­diens­te haben eine “Kontaktfrei”-Option ein­ge­führt, mit der jede per­sön­li­che Inter­ak­ti­on zwi­schen Käu­fer und Kurier ver­mie­den wer­den kann…“
  • „Ama­zon, più tute­le in due sta­bi­li­men­ti su tre“ von Patri­zia Pall­a­ra am 19. März 2020 bei Ras­segna Sin­da­ca­le externer Link berich­tet auch aus Ita­li­en von Streiks in drei Lagern Ama­zons – von denen zwei bereits erfolg­reich waren, indem die jewei­li­gen Lei­tun­gen Zuge­ständ­nis­se machen muss­ten, was Aus­stat­tung mit Hygie­ne­mit­teln, Bedin­gun­gen in Arbeits­pau­sen und Abstän­den von Per­so­nen wäh­rend der Arbeit betrifft.
  • „Ama­zo­ni­ans United Wins PTO for all Ama­zon Workers“ am 22. März 2020 bei Ama­zo­ni­ans United externer Link berich­tet von den erfolg­rei­chen Akti­vi­tä­ten – rund um eine neue Initia­ti­ve von Beschäf­tig­ten aus Chi­ca­go – für zusätz­li­che bezahl­te freie Zeit im Ange­sicht aktu­el­ler Mehr­an­for­de­run­gen: Eine Akti­on, die sowohl in Chi­ca­go, als auch in Sacra­men­to erfolg­reich war und dies auf­grund (bei Ama­zon Aktio­nen durch­aus nicht selbst­ver­ständ­li­cher) mas­si­ver Betei­li­gung der jewei­li­gen Mehr­heit der Beleg­schaft.
  • „Coro­na­vi­rus: Kri­tik und Pro­tes­te gegen Ama­zon Frank­reich“ von Mar­kus Gärt­ner am 20. März 2020 beim Ama­zon-Watch­blog externer Link berich­tet zu den Bedin­gun­gen in Frank­reich und ande­ren Län­dern: „… Einer­seits pro­fi­tiert Ama­zon durch die stei­gen­den Online-Bestel­lun­gen vom Coro­na­vi­rus, ande­rer­seits greift die Pan­de­mie auch die Struk­tur des E‑Com­mer­ce-Rie­sen an. Die ers­ten Coro­na­fäl­le bei Mit­ar­bei­tern in spa­ni­schen und US-ame­ri­ka­ni­schen Ver­teil­zen­tren sind auf­ge­tre­ten. Ama­zon steht dort wegen des ver­meint­lich nach­läs­si­gen Umgangs mit der Gefahr bereits in der Kri­tik: Die spa­ni­schen Logis­tik­la­ger wur­den ein­fach wei­ter betrie­ben, in den USA klag­ten Mit­ar­bei­ter unter ande­rem über unzu­rei­chen­den Schutz vor dem Coro­na­vi­rus. Auch in Frank­reich haben Mit­ar­bei­ter und Gewerk­schaf­ten sich über Druck und feh­len­de Schutz­maß­nah­men von Ama­zon beschwert, wie der Radio­sen­der Fran­ce Inter berich­tet. Der Vor­wurf: Ama­zon dro­he den Mit­ar­bei­tern in den Lagern mit Ver­dienst­aus­fall, wenn die­se aus Angst vor einer Infek­ti­on mit dem Coro­na­vi­rus zu Hau­se blie­ben. Auch der fran­zö­si­sche Wirt­schafts­mi­nis­ter Bru­no Le Mai­re hat sich ein­ge­schal­tet und wet­tert gegen Ama­zon: „Die­ser Druck ist inak­zep­ta­bel, und wir wer­den es Ama­zon wis­sen las­sen“. Im Ama­zon-Lager Saran bei Orleans pro­tes­tier­ten rund 300 Mit­ar­bei­ter gegen die Bedin­gun­gen und for­der­ten eine Schlie­ßung des Ama­zon-Zen­trums, wie Reu­ters berich­tet. „Wir füh­len uns wirk­lich unsi­cher und ich habe Kol­le­gen, die mit Angst zur Arbeit erschei­nen“, sagt Richard Vives von der Gewerk­schaft CAT. Laut dem Gewerk­schaf­ter Juli­en Vin­cent befän­den sich 30 bis 40 Pro­zent der fran­zö­si­schen Ama­zon-Mit­ar­bei­ter in den Ver­teil­zen­tren der­zeit nicht auf Arbeit – ent­we­der aus Angst vor dem Virus oder weil sie ihre Kin­der betreu­en müs­sen. Ama­zon sucht in Frank­reich nach Zeit­ar­bei­tern und bie­tet an, auch die Löh­ne in der Coro­na­kri­se zeit­wei­se erhö­hen, heißt es...“
  • „Uner­träg­li­cher Druck“ von Hans­ge­org Her­mann am 23. März 2020 in der jun­gen welt externer Link direkt zu den Ent­wick­lun­gen bei Ama­zon in Frank­reich: „… Die Chefs der fran­zö­si­schen Filia­le des Online­gi­gan­ten hat­ten ihren Lohn­ab­hän­gi­gen in den ver­gan­ge­nen Tagen mit Abmah­nung und Ent­las­sung gedroht, falls sie ihren Arbeits­platz wegen der Bedro­hung durch das Virus ver­las­sen wür­den. Die Beschäf­tig­ten am Stand­ort Lil­le im Nor­den des Lan­des hat­te Ama­zon mit einer Bot­schaft per E‑Mail gewarnt: »Die hygie­ni­schen Bedin­gun­gen ent­spre­chen den Regeln, die Arbeits­si­tua­ti­on ent­hält kei­ner­lei schwe­re oder unmit­tel­ba­re Gefahr, unse­re Posi­ti­on ent­spricht jener der Regie­rung.« Das von Staats­chef Emma­nu­el Macron und sei­nem Pre­mier Édouard Phil­ip­pe zu Wochen­be­ginn viel­fach zitier­te »Recht auf Rück­zug« wer­de von Ama­zon als »uner­laub­tes Fern­blei­ben vom Arbeits­platz« ein­ge­stuft und mit Ent­las­sung bedroht, erklär­te Tatia­na Cam­pa­gne von der Gewerk­schafts­ver­ei­ni­gung SUD...“
  • „Ama­zon Poland: manage­ment puts staff at risk“ am 21. März 2020 bei Labour Soli­da­ri­ty externer Link ist die Doku­men­ta­ti­on des Alter­na­ti­ven Gewerk­schaft­li­chen Netz­wer­kes für Soli­da­ri­tät und Kampf einer – gemein­sa­men – Stel­lung­nah­me der pol­ni­schen OZZ Inic­ja­ty­wa Pra­cow­nic­za und der NSZZ Soli­dar­ność gegen das Ver­hal­ten der Unter­neh­mens­lei­tung in den pol­ni­schen Ama­zon Lagern, die, anstatt der For­de­rung nach Schlie­ßung nach­zu­kom­men, statt­des­sen pro­vo­ka­tiv und gefähr­dend einen (mini­ma­len) Bonus für Über­stun­den in Polen anbot…
  • „Témoi­gna­ges du syn­di­cat Moder­né Odbo­ry Ama­zon et qui sont implan­tés sur l’entrepôt Ama­zon de Ser­ed“ am 20. März 2020 eben­falls bei Labour Soli­da­ri­ty externer Link doku­men­tiert den Bericht der alter­na­ti­ven Betriebs­ge­werk­schaft Moder­ne Odbo­ry über die Ent­wick­lun­gen im slo­wa­ki­schen Ama­zon-Lager Ser­ed. Auch hier wur­de die ver­brei­te­te For­de­rung nach Schlie­ßung nicht nur rund­weg abg­lehnt, son­dern auch wei­ter­hin der Arbeits­druck erhöht. Es gab zwar eini­ge klei­ne­re Zuge­ständ­nis­se, die Zie­le des Unter­neh­mens aber sind deut­lich – auch hier wer­den Zeit­ar­beits-Beschäf­tig­te gesucht…
  • Sie­he für Deutsch­land: Ama­zon: In Coro­na-Zei­ten krank zur Arbeit? ver.di for­dert mehr Rück­sicht auf Gesund­heit der Beschäf­tig­ten und tarif­ver­trag­li­che Rege­lun­gen

Der Bei­trag „Hal­tet das Maul und arbei­tet mehr“ – die rück­sichts­lo­se Poli­tik von Ama­zon ruft immer mehr Wider­stand her­vor: Welt­weit erschien zuerst auf Labour­Net Ger­ma­ny.

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