[labournet:] [Libyen-Deal] Absurde EU-Politik im Mittelmeer: Rettungsmissionen sollen zukünftig von libyschen Schleusern koordiniert werden

Dossier

Sea-Watch: EU-finanzierte Gewalt gegen Flüchtende durch Libysche Küstenwache beenden!Spä­tes­tens in 2018 soll die liby­sche Küs­ten­wa­che alle Geflüch­te­ten vor der eige­nen Küs­te abfan­gen und in Lager nach Liby­en zurück­brin­gen. Hier zeigt sich die bru­ta­le Migra­ti­ons­po­li­tik der Euro­päi­schen Uni­on, denn in Liby­en wer­den die Migran­ten miss­han­delt, ver­ge­wal­tigt, gefol­tert und umge­bracht. Auch auf See wer­den vom liby­schen Mili­tär Straf­ta­ten began­gen. Deren Ver­fol­gung ist aus­weis­lich einer Ant­wort des Aus­wär­ti­gen Amtes unmög­lich“, kri­ti­siert der euro­pa­po­li­ti­sche Spre­cher der Links­frak­ti­on Andrej Hun­ko zu ent­spre­chen­den Stel­lung­nah­men des Aus­wär­ti­gen Amtes. In zwei Klei­nen Anfra­gen hat sich die Links­frak­ti­on zur Ver­fol­gung von Straf­ta­ten der liby­schen Küs­ten­wa­che und mög­li­chen Ver­stö­ßen gegen das Zurück­wei­sungs­prin­zip („Non refoulment“) erkun­digt. Aus Sicht der Fra­ge­stel­ler ist es kri­mi­nell, wenn pri­va­te Ret­tungs­or­ga­ni­sa­tio­nen Geflüch­te­te ret­ten, die liby­sche Küs­ten­wa­che die­se dann aber mit Waf­fen­ge­walt auf ihr eige­nes Boot zwingt und nach Liby­en bringt. (…) „Nach Tune­si­en und Ägyp­ten wird jetzt Liby­en zum wei­te­ren Tür­ste­her der Euro­päi­schen Uni­on auf­ge­baut. Hier­zu soll die Trup­pe Über­wa­chungs­da­ten von den EU-Mis­sio­nen im zen­tra­len Mit­tel­meer erhal­ten. Als Schar­nier für den Daten­tausch finan­ziert die Euro­päi­sche Kom­mis­si­on ein mili­tä­ri­sches Lage­zen­trum in Tri­po­lis, das der­zeit von Ita­li­en errich­tet wird. Schließ­lich soll Liby­en offi­zi­ell eine See­not­ret­tungs­zo­ne benen­nen und sei­ne Zustän­dig­keit hier­für erklä­ren. Damit sol­len die Fluch­ten aus dem Bür­ger­kriegs­land auf Null zurück­ge­hen…” Pres­se­mit­tei­lung von Andrej Hun­ko vom 25. Juli 2017 externer Link, dort auch die erwähn­ten Anfra­gen. Sie­he in dem Zusam­men­hang auch unser Dos­sier: Ita­lie­ni­sche Flücht­lings­po­li­tik und hier zu Liby­en:

  • Zwei Boots­flücht­lin­ge in Liby­en erschos­sen New
    Zwei suda­ne­si­sche Boots­flücht­lin­ge wur­den UN-Anga­ben zufol­ge von liba­ne­si­schen Sicher­heits­kräf­ten erschos­sen. Liby­en sei kein siche­rer Ort. Auch die Gewalt gegen Flücht­lin­ge auf ihrem Weg durch ande­re afri­ka­ni­sche Län­der ende oft töd­lich. In Liby­en sind nach UN-Anga­ben in der Nacht zum Diens­tag zwei suda­ne­si­sche Boots­flücht­lin­ge nach ihrer erzwun­ge­nen Rück­kehr erschos­sen wor­den. Die Migran­ten sei­en in ihrem Boot auf dem Mit­tel­meer abge­fan­gen und in das ara­bi­sche Land zurück­ge­bracht wor­den, erklär­te die Inter­na­tio­na­le Orga­ni­sa­ti­on für Migra­ti­on externer Link (IOM) mit Sitz in Genf. Ört­li­che Sicher­heits­kräf­te in der liby­schen Hafen­stadt Al-Chums hät­ten das Feu­er eröff­net, als die Suda­ne­sen beim Ver­las­sen des Boo­tes flüch­ten woll­ten. Drei wei­te­re Migran­ten sei­en ver­wun­det wor­den. Die Ver­letz­ten wur­den den Anga­ben zufol­ge in eine Kli­nik gebracht, die wei­te­ren Über­le­ben­den in ein Inter­nie­rungs­la­ger. „Das Lei­den der Migran­ten in Liby­en ist nicht hin­nehm­bar“, sag­te der Lei­ter des IOM-Büros in Liby­en, Feder­i­co Soda. „Der exzes­si­ve Ein­satz von Gewalt führt wie­der ein­mal zu einem sinn­lo­sen Ver­lust an Men­schen­le­ben“, füg­te er hin­zu. Oft gebe es in Liby­en kei­ner­lei Schutz für Flücht­lin­ge und Migran­ten, und es zeich­ne sich kei­ne Bes­se­rung ab…” Mel­dung vom 29.07.2020 im Miga­zin externer Link (im Abo)
  • Appell an Euro­pa: Mehr als 100 Boots­flücht­lin­ge nach Liby­en zurück­ge­bracht 
    Erneut wur­den Boots­flücht­lin­ge auf dem Mit­tel­meer auf­ge­grif­fen und nach Liby­en zurück­ge­bracht. Die Inter­na­tio­na­le Orga­ni­sa­ti­on für Migra­ti­on for­dert Euro­pa erneut auf, sol­che Rück­füh­run­gen zu been­den. In Liby­en dro­he den Men­schen Haft und Fol­ter. Auf dem Mit­tel­meer sind 131 Boots­flücht­lin­ge, die aus Liby­en flie­hen woll­ten, auf­ge­grif­fen und in das Land zurück­ge­bracht wor­den. Die Men­schen wur­den von der liby­schen Küs­ten­wa­che in den Hafen der Haupt­stadt Tri­po­lis gefah­ren, wie die Inter­na­tio­na­le Orga­ni­sa­ti­on für Migra­ti­on (IOM) am Mitt­woch mit­teil­te. Unter den Flücht­lin­gen sind 13 Min­der­jäh­ri­ge. Ein IOM-Team leis­te­te Ers­te Hil­fe. Die UN-Orga­ni­sa­ti­on hat die euro­päi­schen Staa­ten mehr­fach auf­ge­for­dert, die Rück­füh­rung von Flücht­lin­gen und Migran­ten nach Liby­en zu been­den. Liby­en sei kein siche­rer Hafen, betont die IOM. In die­sem Jahr wur­den nach ihren Anga­ben bereits etwa 6.000 Migran­ten auf See abge­fan­gen oder geret­tet und nach Liby­en zurück­ge­bracht…” Mel­dung vom 23.07.2020 beim Miga­zin externer Link (im Abo)
  • Liby­en: Die EU in Not – Ist Erdo­gan auch bald Schleu­sen­wär­ter der zen­tra­len Mit­tel­meer­rou­te? 
    “… In Liby­en bau­en sich Fron­ten auf, die die EU in die Bre­douil­le brin­gen. Zypern, Grie­chen­land und Frank­reich bil­den im Streit über Erd­gas­vor­kom­men im Mit­tel­meer einen Block gegen die Tür­kei. Das tür­ki­sche Mili­tär ist in Liby­en auf­sei­ten der GNA-Regie­rung im Ein­satz, die von der EU (und von der Nato) unter­stützt wird. Deren Geg­ner, die “Liby­sche Natio­nal­ar­mee” (LNA), steht unter dem Kom­man­do von Kha­li­fa Haftar. Der wird wie­der­um von Frank­reich unter­stützt, aber auch von einer Rei­he von Staa­ten, ange­fan­gen von Ägyp­ten, über Sau­di-Ara­bi­en, die Ver­ei­nig­ten Ara­bi­schen Emi­ra­te und indi­rekt von Russ­land, bis hin zur syri­schen Regie­rung unter Baschar al-Assad. (…) In wel­cher Form die­se span­nungs­ge­la­de­ne Kon­stel­la­ti­on in der “Bedro­hungs­ana­ly­se der EU” ver­ar­bei­tet wird und zu wel­chen Schlüs­sen sie kommt, bleibt der Öffent­lich­keit noch ver­bor­gen. Es gibt aktu­el­le Stel­lung­nah­men wie die des EU-“Außenministers” Josep Borells, der die­ser Tage in Grie­chen­land zu Besuch ist. Heu­te ver­si­cher­te Borell, dass die EU nicht nur soli­da­risch mit Grie­chen­land sei, son­dern dem Land ver­pflich­tet. Er sei sich mit dem grie­chi­schen Ver­tei­di­gungs­mi­nis­ter dar­in einig, ein Mini­mum an Ver­trau­en und Dia­log mit der Tür­kei wie­der­her­zu­stel­len, “um die­se Eska­la­ti­on zu stop­pen”. (…) Und dies ein paar Tage, bevor Deutsch­land zum 1. Juli die EU-Rats­prä­si­dent­schaft über­nimmt. Zu den inhalt­li­chen Schwer­punk­ten gehört, wie das Ver­tei­di­gungs­mi­nis­te­ri­um erklärt ein “star­kes Euro­pa in der Welt”. Daher wer­de die Gemein­sa­me Sicher­heits- und Ver­tei­di­gungs­po­li­tik (GSVP) aus­ge­baut, um “um unse­re Hand­lungs­fä­hig­keit in zukünf­ti­gen Kri­sen zu stär­ken”. (…) Man darf gespannt sein, wel­chen Ein­fluss die EU auf das Gesche­hen aus­üben kann. Bis­lang wer­den zwar 2020 deut­lich mehr Migran­ten gezählt, die in die­sem Jahr im Ver­gleich zum Vor­jah­res­zeit­raum von Liby­en aus nach Ita­li­en gelangt sind, doch sind die Zah­len im Ver­gleich zu frü­he­ren Jah­ren nach wie vor sehr klein. Doch nicht ein­mal bei der Ver­tei­lung von weni­gen Migran­ten konn­te die EU eine gemein­sa­me Poli­tik beschlie­ßen, wie wird das erst sein, wenn der liby­sche Kon­flikt wei­ter hoch­kocht?” Arti­kel von Tho­mas Pany vom 25. Juni 2020 bei Tele­po­lis externer Link
  • Bun­des­tags­gut­ach­ten: Aus­set­zen von Geret­te­ten in Liby­en auch für Han­dels­schif­fe straf­bar 
    “… Han­dels­schiff­ka­pi­tä­nin­nen und –kapi­tä­ne deutsch beflagg­ter Schif­fe machen sich wegen „Aus­set­zung“ nach § 221 StGB straf­bar, wenn sie Geflüch­te­te in Län­der wie Liby­en brin­gen. Das schrei­ben die Wis­sen­schaft­li­chen Diens­te des Bun­des­ta­ges in dem Gut­ach­ten „See­not­ret­tung durch nicht-staat­li­che Akteu­re“. Zwar sieht die Ver­ord­nung über die Siche­rung der See­fahrt (SeeF­SichV) eine Befol­gung von Anwei­sun­gen einer zustän­di­gen See­not­leit­stel­le vor. Das Refou­le­ment­ver­bot gilt jedoch als höher­ran­gi­ges Recht. (…) Das See­völ­ker­recht und das Inter­na­tio­na­le Über­ein­kom­men zum Schutz mensch­li­chen Lebens auf See bestim­men zudem an kei­ner Stel­le, dass Anwei­sun­gen einer See­not­leit­stel­le zur Aus­schif­fung von Geret­te­ten Fol­ge geleis­tet wer­den muss. Außer­dem machen die Gen­fer Flücht­lings­kon­ven­ti­on und die Euro­päi­sche Men­schen­rechts­kon­ven­ti­on den Staa­ten kla­re men­schen­recht­li­che Vor­ga­ben, die eine Aus­schif­fung nach Liby­en ver­bie­ten. Kapi­tä­nin­nen und Kapi­tä­ne MÜSSEN einen ent­spre­chen­den Befehl der liby­schen Küs­ten­wa­che also igno­rie­ren. Jahr­zehn­te­lang wur­de der liby­sche Such- und Ret­tungs­be­reich (SAR-Zone) von der See­not­leit­stel­le in Rom beauf­sich­tigt. Auf Druck der Euro­päi­schen Uni­on hat Liby­en in 2017 eine eige­ne Leit­stel­le aus­ge­ru­fen, die aber nach­weis­lich nicht den Kri­te­ri­en der Inter­na­tio­na­len See­schiff­fahrts­or­ga­ni­sa­ti­on (IMO) ent­spricht. Es ist bedau­er­lich, dass nicht ein­mal die IMO die liby­schen Ver­stö­ße prü­fen will. Die Kom­mis­si­ons­prä­si­den­tin Ursu­la von der Ley­en muss sich des­halb dafür ein­set­zen, dass Ein­sät­ze in der liby­schen See­not­ret­tungs­zo­ne wie­der aus Ita­li­en koor­di­niert wer­den…” Pres­se­mit­tei­lung von Andrej Hun­ko vom 9. März 2020 externer Link zum Gut­ach­ten „See­not­ret­tung durch nicht-staat­li­che Akteu­re“ externer Link der Wis­sen­schaft­li­chen Diens­te des Bun­des­ta­ges
  • Flücht­lings­po­li­tik: Der ver­flix­te “Pull-Fak­tor”. Die geplan­te neue Mari­ne-Mis­si­on vor der Küs­te Liby­ens soll kei­ne Flücht­lin­ge ret­ten. 
    Denn das wäre ein “Pull-Fak­tor”, der noch mehr Migran­ten anzie­hen wür­de, meint Öster­reichs Kanz­ler Kurz. Was hat es damit auf sich? Mit einem “Pull-Fak­tor” ist ein Vor­gang gemeint, der Men­schen in die EU “zieht”. Das kön­nen attrak­ti­ve Arbeits- und Lebens­be­din­gun­gen sein, aber auch plötz­lich offe­ne Gren­zen. (…) Aber hat auch die Mari­ne-Mis­si­on “Sophia” als “Pull-Fak­tor” gewirkt? Öster­reichs Kanz­ler Kurz ist davon über­zeugt, genau wie Bun­des­in­nen­mi­nis­ter Horst See­hofer oder die AfD. Die alte EU-Mis­si­on sei ein “Ticket nach Euro­pa“, mit dem “Tau­sen­de ille­ga­le Migran­ten” nach Euro­pa kom­men, sag­te Kurz, der in Wien gemein­sam mit den Grü­nen regiert. Doch von einem “Ticket” kann kei­ne Rede sein. Wer in Liby­en in ein klapp­ri­ges Boot stieg, konn­te nie sicher sein, von Schif­fen aus der EU geret­tet zu wer­den. Es war ein Vaban­que-Spiel, das vie­le das Leben kos­te­te…” Bei­trag von Eric Bon­se vom 18.2.2020 bei Lost in EU externer Link, sie­he dazu auch: Neue Liby­en-Mis­si­on macht “Sophia” den Gar­aus – dies­mal ohne “Pull-Fak­tor”
  • Initia­ti­ve: Liby­sche Küs­ten­wa­che ver­wei­gert See­not­ret­tung
    “Die Not­ruf-Initia­ti­ve “Alarm Pho­ne” erhebt Vor­wür­fe gegen die liby­sche Küs­ten­wa­che. Nach ihren Anga­ben sind 91 Migran­ten vor der Küs­te in See­not gera­ten. Es strö­me Was­ser in das Boot mit Geflüch­te­ten an Bord. “Alarm Pho­ne” teil­te mit, Liby­ens Küs­ten­wa­che sei nur schwer zu errei­chen. Schließ­lich habe man die Aus­kunft erhal­ten, der­zeit wür­den kei­ne Such­ak­tio­nen durch­ge­führt, weil die Flücht­lings­la­ger voll sei­en. Die­ses Pro­blem müs­se erst gelöst wer­den. Ob jemand den 91 Migran­ten hel­fen wird, ist zur Stun­de unklar. Vor Liby­ens Küs­te sind zahl­rei­che pri­va­te Ret­tungs­schif­fe unter­wegs. Die EU-Mis­si­on “Sophia” zur Unter­stüt­zung der liby­schen Küs­ten­wa­che ist im ver­gan­ge­nen Jahr gestoppt wor­den. Die Schif­fe der EU hat­ten bis dahin fast 50.000 Men­schen aus See­not geret­tet.” Mel­dung vom 9. Febru­ar 2020 von und bei SWR aktu­ell externer Link
  • Nach Schüs­sen auf die „Alan Kur­di“: Liby­sche See­not­ret­tungs­zo­ne muss wie­der aus Rom koor­di­niert wer­den 
    „Die Euro­päi­sche Uni­on beför­dert den Bür­ger­krieg in Liby­en, indem kon­kur­rie­ren­de Grup­pen unter­stützt wer­den. Die Grenz­agen­tur Fron­tex bil­det die See­po­li­zei aus, die Mili­tär­mis­si­on EUNAVFOR MED die Küs­ten­wa­che. Die See­po­li­zei unter­steht dem Innen­mi­nis­te­ri­um und ist für die Straf­ver­fol­gung zustän­dig, auf hoher See will dies aber die Küs­ten­wa­che des Ver­tei­di­gungs­mi­nis­te­ri­ums über­neh­men. Eine liby­sche Arbeits­grup­pe soll die­se Kom­pe­ten­zen nun neu orga­ni­sie­ren und den Kon­flikt der bei­den Minis­te­ri­en ent­schär­fen. Die EU hät­te die­sen Pro­zess abwar­ten müs­sen. Der hat sich aber zuge­spitzt, das deut­sche Ret­tungs­schiff ‚Alan Kur­di‘ geriet zwi­schen die Fron­ten“ (…) Am 26. Okto­ber 2019 haben bewaff­ne­te liby­sche Mili­zen das deut­sche Ret­tungs­schiff „Alan Kur­di“ ange­grif­fen. Im Auf­trag der Staats­an­walt­schaft Ham­burg ermit­telt jetzt die Bun­des­po­li­zei in dem Fall. Medi­en­be­rich­ten zufol­ge gehö­ren die liby­schen Angrei­fer zur See­po­li­zei Zuwa­ra. (…) „Die Küs­ten­wa­che und die See­po­li­zei in Liby­en sind eine Trup­pe von Pira­ten, die sich aus Mili­zen zusam­men­set­zen die nach­weis­lich ins Schleu­ser­ge­schäft ver­strickt sind. Das sagt sogar Fron­tex. Mit ihnen kann es kei­ne Zusam­men­ar­beit geben. Pri­va­te See­not­ret­ter bestä­ti­gen, dass die Küs­ten­wa­che trotz mehr­jäh­ri­ger Aus­bil­dung höchst unpro­fes­sio­nell ret­tet, kei­ne Schlauch­boo­te aus­bringt, Gewalt anwen­det, Men­schen ertrin­ken lässt. Auch die angeb­li­che See­not­leit­stel­le in Liby­en funk­tio­niert nicht. Wie vie­le Bele­ge braucht es noch, um die Ein­sät­ze in der liby­schen See­not­ret­tungs­zo­ne wie­der von der Leit­stel­le in Rom zu koor­di­nie­ren? Dies wäre mög­lich, es braucht dazu nur die Zustim­mung der Regie­rung in Tri­po­lis.“ Pres­se­mit­tei­lung vom 3. Febru­ar 2020 von Andrej Hun­ko externer Link mit Link zur Ant­wort der Bun­des­re­gie­rung auf die Klei­ne Anfra­ge „Bewaff­ne­ter Angriff auf das deut­sche See­not­ret­tungs­schiff ‚Alan Kur­di‘“
  • Flucht aus Liby­en: 700 Men­schen in See­not 
    “… Eine für die Win­ter­mo­na­te hohe Zahl von Flücht­lin­gen und Migrant_​innen ist in den letz­ten Tagen in Liby­en in See gesto­chen. Die Initia­ti­ve Alarm Pho­ne hat seit Frei­tag Not­ru­fe von zehn Boo­ten mit rund 700 Men­schen erhal­ten – ins­ge­samt haben min­des­tens 16 Flücht­lings­boo­te mit rund 800 Men­schen von der liby­schen Küs­te abge­legt. Die meis­ten wur­den von NGO-Schif­fen geret­tet, ein Boot erreich­te aus eige­ner Kraft die Insel Lam­pe­du­sa. Die mal­te­si­sche Küs­ten­wa­che brach­te die Insas­sen zwei wei­te­rer Boo­te in Sicher­heit, um ein wei­te­res küm­mer­te sich die ita­lie­ni­sche Küs­ten­wa­che. Min­des­tens zwei Flücht­lings­boo­te wur­den von der liby­schen Küs­ten­wa­che auf­ge­hal­ten, die Insas­sen zurück­ge­bracht. Betei­ligt an die­sen Push­backs hat sich erst­ma­lig auch die tür­ki­sche Mari­ne. Das tür­ki­sche Ver­tei­di­gungs­mi­nis­te­ri­um mel­de­te am Mitt­woch, die Fre­gat­te „Gazi­antep“ habe 30 irre­gu­lä­re Migranten_​innen im zen­tra­len Mit­tel­meer auf­ge­grif­fen und nach einer „medi­zi­ni­schen Unter­stüt­zung“ an das liby­sche Küs­ten­wa­chen­kom­man­do über­ge­ben. Die Tür­kei hat­te kürz­lich Bohr­schif­fe und Kriegs­schif­fe in die Gewäs­ser vor Zypern geschickt. Eine neue See­gren­zen-Ver­ein­ba­rung mit der liby­schen Regie­rung in Tri­po­lis gibt Anka­ra nach eige­nen Anga­ben Zugang zu einem gro­ßen Bereich im öst­li­chen Mit­tel­meer. Das Abkom­men ver­stößt nach Ansicht Ita­li­ens und Zyperns gegen das Völ­ker­recht. Die sou­ve­rä­nen Rech­te ande­rer Län­der wür­den in dem Pakt miss­ach­tet und er dür­fe auf sie kei­ne recht­li­chen Aus­wir­kun­gen haben, sag­te am Mitt­woch der ita­lie­ni­sche Außen­mi­nis­ter Lui­gi Di Maio…” Bei­trag von Chris­ti­an Jakob vom 30. Janu­ar 2020 bei der taz online externer Link
  • Mis­si­on Life­li­ne: Liby­en-Kon­fe­renz bringt kei­ne Fort­schrit­te für Flücht­lin­ge 
    Die Liby­en-Kon­fe­renz in Ber­lin hat nach Ansicht der deut­schen Hilfs­or­ga­ni­sa­ti­on Mis­si­on Life­li­ne kei­ne kon­kre­ten Fort­schrit­te für Flücht­lin­ge in See­not gebracht. Das »Mas­sen­ster­ben im zen­tra­len Mit­tel­meer« sei bei der Kon­fe­renz kein The­ma gewe­sen, kri­ti­sier­ten die Dresd­ner See­not­ret­ter am Sonn­tag. Auch zu den Ergeb­nis­sen der Kon­fe­renz äußer­te sich die Hilfs­or­ga­ni­sa­ti­on skep­tisch. Mis­si­on Life­li­ne begrüß­te zwar einen mög­li­chen Waf­fen­still­stand in Liby­en. Es gebe bereits ein Waf­fen­em­bar­go, wel­ches aber nicht ein­ge­hal­ten wer­de – »auch weil die EU Schif­fe aus dem Mit­tel­meer zurück­ge­zo­gen hat, um kei­ne Flücht­lin­ge ret­ten zu müs­sen«, erklär­te die Orga­ni­sa­ti­on. Die Ergeb­nis­se der Liby­en-Kon­fe­renz könn­ten das Land zwar »even­tu­ell lang­fris­tig wie­der sta­bi­li­sie­ren«. Es gebe aber »kei­nen Ansatz den Flücht­lin­gen im Was­ser sofort zu hel­fen«. An jedem Tag, »an dem wir die­ses Pro­blem nicht gemein­sam lösen, ster­ben folg­lich wei­ter Unschul­di­ge«, erklär­te der Vor­sit­zen­de von Mis­si­on Life­li­ne, Axel Stei­er. »Wir for­dern daher eine sofor­ti­ge Wie­der­auf­nah­me der staat­li­chen See­not­ret­tung im zen­tra­len Mit­tel­meer und die bedin­gungs­lo­se Unter­stüt­zung der pri­va­ten NGOs vor Ort.«…” Agen­tur­mel­dung vom 20.01.2020 beim ND online externer Link
  • Pro Asyl for­dert Eva­ku­ie­rung von Flücht­lin­gen in Liby­en. Die Orga­ni­sa­ti­on kri­ti­siert auch die Zusam­men­ar­beit der EU mit der liby­schen Küs­ten­wa­che 
    Vor der Liby­en-Kon­fe­renz externer Link am Sonn­tag in Ber­lin hat die Men­schen­rechts­or­ga­ni­sa­ti­on Pro Asyl zu einer Eva­ku­ie­rung der in dem Bür­ger­kriegs­land fest­sit­zen­den Flücht­lin­ge auf­ge­ru­fen. »Das Schick­sal der dort hilf­los fest­sit­zen­den Schutz­su­chen­den darf nicht außer Acht blei­ben«, for­der­te Geschäfts­füh­rer Gün­ter Burk­hardt am Sams­tag. Er kri­ti­sier­te auch die Zusam­men­ar­beit der EU mit der »ver­bre­che­risch han­deln­den liby­schen Küstenwache«.»Schutzsuchende müs­sen umge­hend aus Liby­en eva­ku­iert wer­den, die EU muss hier­für genü­gend Resett­le­ment-Plät­ze bereit­stel­len«, ver­lang­te Burk­hardt. Zehn­tau­sen­de Men­schen, vor­wie­gend aus afri­ka­ni­schen, aber auch aus ara­bi­schen Län­dern, sit­zen in Liby­en fest. Vie­le von ihnen sind in liby­schen Haft­la­gern schwe­ren Men­schen­rechts­ver­let­zun­gen aus­ge­setzt, auch durch liby­sche Sicher­heits­kräf­te oder mit ihnen zusam­men­ar­bei­ten­de Mili­zen…” Mel­dung vom 19.01.2020 beim ND online externer Link
  • Liby­sche Armee soll einen Mann erschos­sen und die Lei­che ins Was­ser gewor­fen haben 
    “… Die liby­sche Küs­ten­wa­che hat der­weil nach Anga­ben der UN-Migra­ti­ons­or­ga­ni­sa­ti­on IOM am Frei­tag und Sams­tag über 300 Men­schen auf dem Meer auf­ge­grif­fen und nach Liby­en zurück­ge­bracht. Am Sams­tag­nach­mit­tag wei­ger­te sich dabei eine Grup­pe von rund 60 Men­schen, an Land zu gehen. Sie fürch­te­ten, in Liby­en wie­der inter­niert zu wer­den. Dar­auf­hin soll die liby­sche Armee einen Mann erschos­sen und die Lei­che ins Was­ser gewor­fen haben. Das berich­te­ten zwei Flücht­lin­ge per Tele­fon am Sams­tag­nach­mit­tag Akti­vis­ten des Alarm Pho­ne. Die IOM, die die Ankünf­te am Hafen von Tri­po­lis beob­ach­tet, erklär­te auf Twit­ter, sie sei in die­ser Zeit von den Sicher­heits­kräf­ten auf­ge­for­dert wor­den, den Hafen zu ver­las­sen. Im öst­li­chen Mit­tel­meer gab es zwei töd­li­che Unglü­cke. In der Nacht zum Sonn­tag sank ein Boot vor der Küs­te von Cesme, west­lich von Izmir. Elf Men­schen star­ben. Das Boot war auf dem Weg zur nur fünf Kilo­me­ter von der tür­ki­schen Küs­te ent­fern­ten grie­chi­schen Insel Chi­os. Weni­ge Stun­den zuvor war nahe der Insel Paxos an der grie­chi­schen West­küs­te ein wei­te­res Flücht­lings­boot auf dem Weg nach Ita­li­en geken­tert. Die grie­chi­sche Küs­ten­wa­che barg zwölf Lei­chen. Eini­ge der zwan­zig geret­te­ten Über­le­ben­den berich­te­ten, auf dem Boot hät­ten sich ins­ge­samt fünf­zig Flücht­lin­ge befun­den. Dies war bereits das vier­te Unglück in der Ägä­is seit Jah­res­be­ginn.” Aus dem Arti­kel “Flucht übers Mit­tel­meer: Ertrun­ken, erschos­sen, inter­niert” von Chris­ti­an Jakob vom 12.1.2020 bei der taz online externer Link
  • EU bezahlt Fol­ter. UN-Men­schen­rechts­bü­ro warnt vor liby­scher Küs­ten­wa­che – Ber­lin und Brüs­sel set­zen wei­ter dar­auf, Flücht­lin­ge in Nord­afri­ka fest­zu­set­zen 
    Wäh­rend die EU wei­ter­hin dar­auf setzt, Flücht­lin­ge an der Über­fahrt von Liby­en nach Euro­pa abzu­hal­ten und die soge­nann­te liby­sche Küs­ten­wa­che aus­bil­det, äußert die UN-Men­schen­rechts­kom­mis­si­on har­te Kri­tik an die­ser Pra­xis. Man sei »besorgt über die sich ver­schlech­tern­de Men­schen­rechts­la­ge in Liby­en«, teil­te ein Spre­cher des Hohen Kom­mis­sars für Men­schen­rech­te am Frei­tag in Genf mit. Flücht­lin­ge und Migran­ten wür­den seit Jah­ren viel­fa­chen For­men von Gewalt aus­ge­setzt, ange­fan­gen von Zwangs­ar­beit und will­kür­li­cher Inhaf­tie­rung über kör­per­li­che Miss­hand­lun­gen und Fol­ter bis hin zu unge­setz­li­chen Tötun­gen und »Ver­schwin­den­las­sen«. Zu den Ver­bre­chern gehör­ten laut UN auch ­Beam­te der »Ein­heits­re­gie­rung«. Auch die Bun­des­re­gie­rung äußer­te sich am Frei­tag zu Liby­en – in Beant­wor­tung einer klei­nen Anfra­ge der Links­frak­ti­on. Der Tenor unter­schei­det sich deut­lich von dem der Ver­ein­ten Natio­nen. So ver­kün­det die Bun­des­re­gie­rung zweck­op­ti­mis­tisch, Liby­en habe ja die Anti­fol­ter­kon­ven­ti­on der UNO unter­zeich­net, und deren Bestim­mun­gen gäl­ten »unge­ach­tet des aktu­el­len Kon­flikts«. Außer­dem set­ze sie sich »in Gesprä­chen mit der liby­schen Regie­rung für eine men­schen­wür­di­ge Behand­lung von Flücht­lin­gen« ein. An der Aus­bil­dung der liby­schen Küs­ten­wa­che hal­te man fest, das sei lang­fris­tig ein Bei­trag zur Sta­bi­li­sie­rung des Lan­des. Sie habe schließ­lich in die­sem Jahr bereits über 8.300 Flücht­lin­ge »aus See­not geret­tet oder auf­ge­grif­fen«. Die UN hin­ge­gen ver­mei­den in Hin­sicht auf die­se Küs­ten­wa­che die Voka­bel »ret­ten« und spre­chen aus­schließ­lich vom »Abfan­gen« von Flücht­lin­gen, von denen anschlie­ßend vie­le umge­hend in offi­zi­el­le oder »pri­va­te« Gefäng­nis­se ver­frach­tet und dort den erwähn­ten Miss­hand­lun­gen aus­ge­setzt wür­den. Ihre Regis­trie­rung durch UN-Behör­den gelin­ge nur teil­wei­se und sei auch kein Schutz vor Inhaf­tie­rung. Unmiss­ver­ständ­lich leh­nen die UN-Men­schen­recht­ler die Rück­füh­run­gen nach Liby­en ab, weil das Land »beim bes­ten Wil­len nicht als siche­rer Hafen« betrach­tet wer­den kön­ne…” Arti­kel von Ulla Jel­pke in der jun­gen Welt vom 21.12.2019 externer Link
  • In Liby­en wird wei­ter auf­ge­rüs­tet. Von der EU 
    „… Trotz des Bür­ger­kriegs will die Euro­päi­sche Uni­on wei­ter mit der liby­schen Poli­zei und Grenz­po­li­zei zusam­men­ar­bei­ten. Die Mis­si­on EUBAM Liby­en soll trotz auf­ge­flamm­tem Bür­ger­krieg sogar auf­ge­stockt wer­den. In die­sem Rah­men hat­te die Grenz­agen­tur Fron­tex Anfang des Jah­res bereits einen Work­shop für die liby­sche See­po­li­zei (auch als Küs­ten­schutz­ver­wal­tung oder Küs­ten­po­li­zei bezeich­net) durch­ge­führt. Die­ses Trai­nings­pro­jekt des ita­lie­ni­schen Innen­mi­nis­te­ri­ums wird jetzt ver­län­gert. Wegen der Schüs­se auf die „Alan Kur­di“ im Okto­ber ermit­teln die Ham­bur­ger Staats­an­walt­schaft und die Bun­des­po­li­zei gegen die See­po­li­zei. Andrej Hun­ko wei­ter: „Ich glau­be nicht dass die Bun­des­po­li­zei in Liby­en objek­tiv ermit­teln kann, denn sie ist im Rah­men von EUBAM Liby­en selbst an der Unter­stüt­zung der Küs­ten­schutz­ver­wal­tung betei­ligt. Tat­säch­lich ver­lau­fen die angeb­li­chen Ermitt­lun­gen schlep­pend. Die Bun­des­re­gie­rung weiß nicht, wel­che liby­schen Stel­len über­haupt damit befasst sind. Es wur­den auch kei­ne Erkun­di­gun­gen bei der ita­lie­ni­schen Regie­rung ein­ge­holt, ob die Boo­te der bewaff­ne­ten Grup­pe zu den Bestän­den gehö­ren, die aus Ita­li­en geschenkt wur­den. Die ‚Alan Kur­di‘ fährt mit deut­scher Besat­zung unter deut­scher Flag­ge. Die Bun­des­re­gie­rung muss des­halb mit Hoch­druck für Auf­klä­rung sor­gen, wer auf das Schiff geschos­sen hat...“ – aus der Pres­se­mit­tei­lung „Unter­stüt­zung für die See­po­li­zei: EU heizt Bür­ger­krieg in Liby­en an“ am 10. Dezem­ber 2019 externer Link auf der Web­sei­te des Lin­ke-Abge­ord­ne­ten Andrej Hun­ko
  • Flücht­lin­ge durch liby­sche Küs­ten­wa­che nach Liby­en zurück­ge­bracht 
    “Die liby­sche Küs­ten­wa­che hat offen­bar 30 Flücht­lin­ge von einem deut­schen Schiff geholt. Das berich­tet die Hilfs­or­ga­ni­sa­ti­on SOS-Médi­ter­ra­née. Es soll ein Ver­sor­gungs­schiff für eine Bohr­in­sel sein, das die Migran­ten aus zwei Boo­ten gebor­gen hat­te. Zwei Men­schen sol­len aus Ver­zweif­lung von Bord gesprun­gen sein, um nicht nach Liby­en zurück­ge­bracht wer­den zu kön­nen.” Mel­dung vom 2. Dezem­ber 2019 bei SWR Aktu­ell externer Link – sie­he dazu:
    • “… Der­weil ver­tei­dig­te die Ham­bur­ger Ree­de­rei Opie­lok ihre Über­ga­be von 30 geret­te­ten Flücht­lin­gen an die soge­nann­te liby­sche Küs­ten­wa­che. „Dies war ein beson­de­rer Fall“, sag­te Ree­der Chris­to­pher Opie­lok am Mon­tag. Die Crew habe sich bedroht gefühlt. Die Besat­zung der „OOC Pan­ther“ hat­te am Sams­tag die Flücht­lin­ge vor der liby­schen Küs­te aus zwei Boo­ten aus See­not geret­tet. Die Crew der „Oce­an Viking“ konn­te die Geret­te­ten wegen feh­len­der Erlaub­nis der Schiff­fahrts­be­hör­den nicht über­neh­men. Also bat die Besat­zung der „OOC Pan­ther“ die Liby­er um Hil­fe. Bei einem ers­ten Ver­such der liby­schen Küs­ten­wa­che, die Men­schen nach Liby­en zurück­zu­brin­gen, hat­te es an Bord Wider­stand gege­ben, zwei Geret­te­te spran­gen von Bord. Als die Flücht­lin­ge dann ver­sucht hät­ten, auf die Brü­cke zu gelan­gen, habe die Crew erneut Hil­fe in Liby­en bean­tragt, sag­te Opie­lok. Der Kapi­tän habe der Küs­ten­wa­che aller­dings unter­sagt, bewaff­net an Bord zu kom­men. „Die Men­schen wur­den ohne Gewalt und Waf­fen von Bord geholt.“ Nach Ein­schät­zung von UN und Men­schen­rechts­or­ga­ni­sa­tio­nen herr­schen in liby­schen Inter­nie­rungs­la­gern unmensch­li­che Zustän­de mit Fol­ter, Miss­brauch und Zwangs­ar­beit. Die soge­nann­te liby­sche Küs­ten­wa­che besteht weit­ge­hend aus Mili­zio­nä­ren…” Aus der Mel­dung vom 3. Dezem­ber 2019 beim Miga­zin externer Link
  • Bun­des­re­gie­rung finan­ziert bio­me­tri­sche Daten­bank für liby­sche Küs­ten­wa­che 
    “„Das vom Flücht­lings­kom­mis­sar der Ver­ein­ten Natio­nen geführ­te Sam­mel- und Tran­sit­zen­trum in Tri­po­lis ist wei­ter­hin über­be­legt. Es han­delt sich dabei um den ein­zig halb­wegs siche­ren Ort für Schutz­su­chen­de in Liby­en. Die Bun­des­re­gie­rung muss sich dafür ein­set­zen, die Kapa­zi­tä­ten der Ein­rich­tung zu erhö­hen und die von Mili­zen geführ­ten Lager zu schlie­ßen“, erklärt der Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­te und euro­pa­po­li­ti­sche Spre­cher der Links­frak­ti­on, Andrej Hun­ko. In die „Gathe­ring and Depar­tu­re Faci­li­ty“ (GDF) in Tri­po­lis wer­den Flücht­lin­ge und Asyl­su­chen­de gebracht, die der UNHCR als beson­ders schutz­be­dürf­tig iden­ti­fi­ziert. Die Anstalt ist für 700 Per­so­nen aus­ge­legt, laut dem Aus­wär­ti­gen Amt befin­den sich dort über 900 Schutz­su­chen­de. (…) Auch die Bun­des­re­gie­rung muss ihre Mit­tel für den UNHCR in Liby­en erhö­hen. Das Aus­wär­ti­ge Amt muss auch in Erfah­rung brin­gen, wofür die bereits ver­aus­gab­ten fünf Mil­lio­nen Euro ver­wen­det wur­den. Es han­delt sich dabei um huma­ni­tä­re Hil­fe, die aller­dings in die bio­me­tri­sche Regis­trie­rung von Schutz­su­chen­den fließt. Die­ses Sys­tem wird von der liby­schen Küs­ten­wa­che genutzt und dient damit auch mili­tä­ri­schen Zwe­cken. Bei die­ser Küs­ten­wa­che han­delt es sich aus mei­ner Sicht um eine Trup­pe von Pira­ten, mit der sich jede Zusam­men­ar­beit, ins­be­son­de­re im Auf­bau von Daten­ban­ken, ver­bie­tet.“…” Pres­se­mit­tei­lung vom 19. Novem­ber 2019 von und bei Andrej Hun­ko externer Link und die Ant­wort auf die Klei­ne Anfra­ge „‘Tran­sit­me­cha­nis­mus‘ für Geflüch­te­te aus Gefan­ge­nen­la­gern in Liby­en nach Ruan­da“ externer Link
  • Die UN kön­nen für Flücht­lin­ge in Liby­en nicht viel tun 
    “Sie sind fol­tern­den Mili­zen, Hun­ger und Elend aus­ge­lie­fert. Tau­sen­de Flücht­lin­ge in Liby­en leben auf der Stra­ße. Selbst der Schre­cken der Inter­nie­rungs­la­ger erscheint dadurch gerin­ger. Mounir Abdal­lah setz­te sei­ne Hoff­nung auf das Gefäng­nis. In einem der liby­schen Inter­nie­rungs­la­ger wür­de es ihm und sei­ner Fami­lie viel­leicht bes­ser gehen. Natür­lich hat­te der Eri­tre­er, der 2018 nach Liby­en geflo­hen war, von Miss­hand­lung und Fol­ter dort gehört. „Aber ich habe kei­ne ande­re Mög­lich­keit mehr gese­hen, als mich mit mei­ner Fami­lie frei­wil­lig dort zu mel­den.“ Die Wan­gen des 27-jäh­ri­gen Fami­li­en­va­ters sind ein­ge­fal­len, sei­ne Haa­re wer­den bereits grau. Mounir ist einer von knapp 48.000 Flücht­lin­gen, die das UN-Flücht­lings­hilfs­werk UNHCR in Liby­en regis­triert hat. Die meis­ten schla­gen sich irgend­wie durch. Rund 5.000 Geflo­he­ne wer­den von der inter­na­tio­nal aner­kann­ten liby­schen Regie­rung unter Minis­ter­prä­si­dent Fay­ez Al-Sarr­adsch in etwa 20 Inter­nie­rungs­la­gern fest­ge­hal­ten. Dort herrsch­ten „KZ-ähn­li­che Ver­hält­nis­se“, schrieb die deut­sche Bot­schaft in Niger laut der „Welt am Sonn­tag“ bereits 2017 an das Bun­des­kanz­ler­amt und meh­re­re Minis­te­ri­en. In eins die­ser Lager ging Mounir frei­wil­lig im Febru­ar oder März die­ses Jah­res. (…) „Unse­re Mit­tel sind begrenzt“, sagt UNHCR-Spre­che­rin Pau­la Este­ban. Beson­ders wenig blei­be für Flücht­lin­ge, die nicht in Inter­nie­rungs­la­gern fest­ge­hal­ten wür­den, „weil dahin die gan­ze Auf­merk­sam­keit geht“. Und damit ein Groß­teil des Gel­des. (…) Mounir erhält schließ­lich Geld nach der Geburt des Kin­des, das nur dank der Hil­fe wild­frem­der Liby­er im Kran­ken­haus zur Welt kom­men konn­te. Aller­dings rei­chen die umge­rech­net etwa 180 Dol­lar vom UNHCR nicht für Unter­kunft und Essen. Der jun­ge Mann weiß kei­nen ande­ren Aus­weg mehr, als mit sei­ner Fami­lie in das Inter­nie­rungs­la­ger von Kasr bin Gas­hir zu gehen, in der Nähe des inter­na­tio­na­len Flug­ha­fens von Tri­po­lis. Von den etwa 700 Gefan­ge­nen hät­ten vie­le Krät­ze gehabt, sagt Mounir. „Das Was­ser war sal­zig, das Essen viel zu wenig und schlecht. Das Leben dort war uner­träg­lich.“…” Bericht von Bet­ti­na Rühl vom 8. Novem­ber 2019 bei MiGA­ZIN externer Link
  • Sea Eye: Liby­sche Miliz feu­ert Warn­schüs­se auf deut­sches Ret­tungs­schiff – Ein­satz­lei­tung lehnt den zuge­wie­se­nen Hafen Tri­po­lis ab, Kurs auf Lam­pe­du­sa 
    “… Die Crew der ALAN KURDI hat trotz des Cha­os beson­nen und pro­fes­sio­nell agiert. Sie zog alle Men­schen aus dem Was­ser und aus dem Schlauch­boot auf die ALAN KURDI. Zu die­sem Zeit­punkt ende­te die gefähr­li­che Aus­ein­an­der­set­zung. Die Liby­er ent­wen­de­ten das lee­re Schlauch­boot und zogen sich damit zurück. 90 Über­le­ben­de befin­den sich nun zusam­men mit 17 Crew­mit­glie­dern auf dem deut­schen Ret­tungs­schiff ALAN KURDI. Die Crew blieb unver­sehrt. “Ich bin total scho­ckiert, was heu­te hier gesche­hen ist und bin glück­lich, dass mei­ne Crew unver­letzt blieb. Nun küm­mern wir uns erst­mal um die geret­te­ten Men­schen”, sagt Kapi­tä­nin Beu­se. Das medi­zi­ni­sche Team fürch­tet der­weil um das Leben eines unge­bo­re­nen Kin­des. Eine schwan­ge­re Frau lei­det unter schwe­ren Unter­leibs­blu­tun­gen. Sea-Eye hat die ita­lie­ni­schen und mal­te­si­schen Behör­den um eine Eva­ku­ie­rung der Frau gebe­ten. “Wir fürch­ten, dass die jun­ge Mut­ter ihr Baby bei die­sem Vor­fall ver­lo­ren hat”, sagt Rib­beck. “Es ist ein unglaub­li­cher und scho­ckie­ren­der Fakt, dass hier euro­päi­sche, zivi­le Ret­tungs­kräf­te von Per­so­nen bedroht und gefähr­det wor­den sind, die von den eige­nen Hei­mat­län­dern der Ret­tungs­kräf­te bei völ­ker­rechts­wid­ri­gen Bemü­hun­gen unter­stützt wer­den, Men­schen von der Flucht aus Liby­en abzu­hal­ten”, sagt Gor­den Isler, Spre­cher von Sea-Eye e. V. “Das heu­te kei­ne Men­schen star­ben, ist allein dem pro­fes­sio­nel­len und dees­ka­lie­ren­den Ver­hal­ten unse­rer Besat­zung zu ver­dan­ken. Wir sind glück­lich, dass alle gesund zu ihren Fami­li­en zurück­keh­ren wer­den”. Am Abend schreibt der Liby­sche Offi­zier Moha­med Al Abu­zi­di der ALAN KURDI, dass Tri­po­lis sich den geret­te­ten Men­schen als siche­ren Hafen anbie­tet. Unter Hin­weis auf das Völ­ker­recht lehn­te die Sea-Eye-Ein­satz­lei­tung den zuge­wie­se­nen Hafen ab und nahm Kurs auf die ita­lie­ni­sche Insel Lam­pe­du­sa.”” Sea Eye-Mel­dung vom 26.10.2019 externer Link, sie­he dazu auch:
    • Warn­schüs­se der liby­schen Küs­ten­wa­che gegen “Alan Kur­di”
      Das deut­sche zivi­le Ret­tungs­boot “Alan Kur­di” ist nach Anga­ben eines Spre­chers am Sams­tag vor der liby­schen Küs­te von min­des­tens drei Boo­ten der liby­schen Küs­ten­wa­che bedroht wor­den, als es einem Flücht­lings­boot in See­not zur Hil­fe geeilt ist. “Die Besat­zung der liby­schen Küs­ten­wa­che hat Warn­schüs­se ins Was­ser und in die Luft abge­ge­ben. Für unse­re Crew war das ein völ­li­ger Schock, es bestand Lebens­ge­fahr”, sag­te Gor­den Isler dem SPIEGEL. Isler ist Spre­cher von Sea-Eye, die Orga­ni­sa­ti­on betreibt das Schiff. Isler zufol­ge hat­te sei­ne Crew zunächst einen Not­ruf wei­ter­ge­lei­tet bekom­men. Dem­nach sei ein wei­ßes Flücht­lings­boot mit etwa 90 Men­schen an Bord in See­not gera­ten. Die “Alan Kur­di” habe laut Isler das Boot erreicht und bereits zehn Migran­ten an Bord genom­men, als min­des­tens drei Boo­te der liby­schen Küs­ten­wa­che die “Alan Kur­di” umkreist und die Ret­tung behin­dert hät­ten. Vom Flücht­lings­boot spran­gen dem­nach anschlie­ßend Men­schen ins Was­ser, um zur “Alan Kur­di” zu gelan­gen. Die liby­sche Küs­ten­wa­che habe zum Teil auch Flücht­lin­ge an Bord genom­men, die sei­en aber wie­der ins Was­ser gesprun­gen. Eini­ge Flücht­lin­ge sei­en zudem bei der Akti­on zwi­schen “Alan Kur­di” und Flücht­lings­boot gera­ten, die Situa­ti­on sei sehr gefähr­lich gewe­sen, sag­te Isler…” Arti­kel von Stef­fen Lüd­ke vom 26.10.2019 beim Spie­gel online externer Link
  • »Ein neu­er Tief­punkt in der bru­ta­len euro­päi­schen Migra­ti­ons­po­li­tik« – Kurz vor Mal­ta sol­len 50 Flücht­lin­ge von der lybi­schen Küs­ten­wa­che auf­ge­grif­fen und nach Tri­po­lis zurück gebracht wor­den sein
    “»Sie brach­ten uns bis in die tür­ki­schen Gewäs­ser und war­fen uns, einen nach dem ande­ren, auf unser Boot. Einer von uns fiel ins Meer und wir zogen ihn wie­der aus dem Was­ser. Sie war­fen uns weg, als wären wir Abfall. Dann schnit­ten sie das Seil durch. Wir hat­ten kei­nen Motor, kein Ben­zin auf dem Boot und kei­ne Ruder.« Die­ses Zitat stammt aus einem Inter­view mit einem Flücht­ling aus Syri­en. Gemein­sam mit 46 ande­ren Män­nern, Frau­en und Kin­der wur­de er am 8. August 2013 Opfer einer »Push-Back-Ope­ra­ti­on«. Die Grup­pe aus Syri­en hat­te es bereits auf die grie­chi­sche Insel Far­ma­ko­ni­si geschafft, wur­de von dort aber zurück in die tür­ki­schen Gewäs­ser gebracht. Lan­ge Zeit gal­ten soge­nann­te Push­backs als eine der grau­sams­ten Fol­gen der euro­päi­schen Flücht­lings­po­li­tik. Dann kam das »Hirsi-Urteil«. Meh­re­re Flücht­lin­ge klag­ten vor dem Euro­päi­schen Gerichts­hof für Men­schen­rech­te gegen ihre Rück­füh­rung nach Liby­en. Die Ope­ra­ti­on wur­de damals von einem ita­lie­ni­schen Mili­tär­schiff durch­ge­führt. Der Gerichts­hof stell­te zwei Din­ge fest: Ers­tens: Sobald Flücht­lin­ge mit euro­päi­schen Akteu­ren in Kon­takt kom­men, also auch mit euro­päi­schen Küs­ten­wa­chen, sei Euro­pa für die Men­schen ver­ant­wort­lich. Das heißt, die Flücht­lin­ge haben ein Recht auf Prü­fung ihrer Asyl­grün­de und ihnen muss Schutz gewährt wer­den, zum Bei­spiel durch die Ver­brin­gung in einen siche­ren Hafen. Zwei­tens: Liby­en ist kein sol­cher Hafen. Das Urteil schob den Push­backs zumin­dest in der Brei­te einen Rie­gel vor. Nun macht die Orga­ni­sa­ti­on Alarm­pho­ne den mal­te­si­schen Behör­den schwe­re Vor­wür­fe. Alarm­pho­ne hat­te den Mal­te­sern am 18. Okto­ber die Posi­ti­on eines in See­not gera­te­nen Schif­fes durch­ge­ge­ben. Nach Dar­stel­lung der Orga­ni­sa­ti­on haben die Behör­den die Ret­tung ver­zö­gert. Schließ­lich wur­den die Men­schen von der liby­schen Küs­ten­wa­che auf­ge­grif­fen – obwohl sich das Boot in der mal­te­si­schen Ret­tungs­zo­ne befand. Nach der Aus­schif­fung in Tri­po­lis wur­den die Men­schen in die Haft­an­stalt Triq al Sik­ka gebracht, die für unmensch­li­che Zustän­de und schwe­re Men­schen­rechts­ver­let­zun­gen bekannt ist. Die Doku­men­ta­ti­on von Tele­fon­ge­sprä­chen und dem E‑Mailverkehr zwi­schen Alarm­pho­ne und den mal­te­si­schen Behör­den, die »nd« vor­lie­gen, bele­gen die­se Vor­wür­fe…” Bei­trag von Fabi­an Hil­le­brand bei neu­es Deutsch­land vom 24. Okto­ber 2019 externer Link
  • „Es ist leich­ter auf See zu ertrin­ken, als in Liby­en zu ster­ben“ – 104 Geret­te­te an Bord der Oce­an Viking brau­chen einen siche­ren Hafen 
    “Am 18. Okto­ber, nur zwei Tage nach­dem das Ret­tungs­schiff Oce­an Viking in Ita­li­en 176 geret­te­te Men­schen an Land gebracht hat, haben die Hilfs­or­ga­ni­sa­tio­nen SOS MEDITERRANEE und Ärz­te ohne Gren­zen (MSF) erneut 104 Per­so­nen aus einem Schlauch­boot geret­tet. Es war 50 See­mei­len vor der liby­schen Küs­te in See­not gera­ten. Unter den geret­te­ten Men­schen befin­den sich zwei schwan­ge­re Frau­en und 40 Min­der­jäh­ri­ge, 30% von ihnen sind unbe­glei­tet. Das Ret­tungs­team von SOS MEDITERRANEE hat­te das Boot mit einem Fern­glas gesich­tet und umge­hend die Eva­ku­ie­rung der Men­schen von dem see­un­tüch­ti­gen Schlauch­boot ein­ge­lei­tet. In den letz­ten zwei Tagen haben die Teams der Oce­an Viking den Augen­zeu­gen­be­rich­ten der Über­le­ben­den zuge­hört. Die­se sind erschre­cken­de Zeug­nis­se der Gewalt und der Miss­hand­lun­gen denen Migrant*innen und Flüch­ten­de in Liby­en aus­ge­setzt sind. Ein 20-jäh­ri­ger Mann von der Elfen­bein­küs­te erzähl­te dem SOS MEDI­TER­RA­NEE-Team an Bord, dass er in dem liby­schen Pri­vat­ge­fäng­nis Bani Walid mit­an­se­hen muss­te, wie Wäch­ter einen sei­ner Freun­de mit Ben­zin über­gos­sen und ihn anschlie­ßend anzün­de­ten. Sein Freund sei zwei Tage spä­ter, nach­dem er kei­ne medi­zi­ni­sche Ver­sor­gung erhal­ten hat­te, an den Fol­gen sei­ner Ver­let­zun­gen gestor­ben. Ein 15-jäh­ri­ges Mäd­chen von der Elfen­bein­küs­te ver­such­te laut eige­nen Anga­ben erst­mals im August die­ses Jah­res gemein­sam mit ihrer Mut­ter und den zwei jün­ge­ren Geschwis­tern, über das Mit­tel­meer zu flüch­ten. Vier Tage lang sei­en sie auf See gewe­sen und hät­ten dort zwei Klein­kin­der und zwei Frau­en ster­ben sehen, bevor sie von der liby­schen Küs­ten­wa­che abge­fan­gen und nach Liby­en in ein Inter­nie­rungs­la­ger zurück­ge­bracht wor­den sei­en. „Da drin tun sie mit den Frau­en, was sie wol­len“, erzähl­te das Mäd­chen den Teams der Oce­an Viking. Ein 23-jäh­ri­ger Über­le­ben­der, eben­falls von der Elfen­bein­küs­te, sag­te: „Es ist leich­ter, auf See zu ster­ben, als in Liby­en zu leben.“…” Pres­se­mit­tei­lung von SOS Medi­ter­ra­nee vom 21. Okto­ber 2019 externer Link
  • Inter­niert im Bür­ger­krieg: Was pas­siert, wenn Liby­en sei­ne Flücht­lings­ge­fäng­nis­se schließt? 
    “Liby­en will eini­ge der umstrit­te­nen Lager schlie­ßen, in denen Flücht­lin­ge inter­niert und miss­han­delt wer­den. (…) In liby­schen Inter­nie­rungs­la­gern wer­den Flücht­lin­ge und Migran­ten gefol­tert, erpresst, zum Kriegs­dienst gezwun­gen. Seit Mona­ten for­dern die Ver­ein­ten Natio­nen und die Euro­päi­sche Uni­on des­halb, die Gefan­ge­nen frei­zu­las­sen und alle Lager zu schlie­ßen. In der ver­gan­ge­nen Woche hat der Innen­mi­nis­ter der liby­schen Ein­heits­re­gie­rung, Fathi Bas­hagha, nun genau das ange­kün­digt. Zumin­dest die Men­schen, die in den Lagern in Misura­ta, Tadschu­ra und Chums fest­ge­hal­ten wer­den, sol­len dem­nach ent­las­sen und die Camps anschlie­ßend geschlos­sen wer­den. Doch mehr als eine Woche spä­ter ist immer noch nicht klar, inwie­weit das bereits gesche­hen ist. (…) Ange­sichts der Bil­der von Fol­ter­op­fern wäre das ein Erfolg. Was aber pas­siert dann? Einen kon­kre­ten Plan für die Zukunft der Migran­ten und Flücht­lin­ge hat nie­mand. Die Ver­ein­ten Natio­nen hat­ten ursprüng­lich für eine “geord­ne­te Frei­las­sung” gewor­ben. Auch die EU müss­te ein Inter­es­se dar­an haben, dass die Betrof­fe­nen nicht auf der Stra­ße lan­den. Schließ­lich unter­stützt sie die liby­sche Küs­ten­wa­che dabei, Migran­ten und Flücht­lin­ge auf dem Meer abzu­fan­gen und zurück ins Bür­ger­kriegs­land zu brin­gen. Auf den Stra­ßen ist es für Migran­ten in Liby­en gefähr­lich. “Mit ihnen kann man gutes Geld ver­die­nen – durch Zwangs­ar­beit, Pro­sti­tu­ti­on oder Erpres­sung der Ange­hö­ri­gen in den Hei­mat­län­dern”, sagt Zac­ca­ri­as. Der 32-Jäh­ri­ge ist in Liby­en für eine inter­na­tio­na­le Hilfs­or­ga­ni­sa­ti­on tätig, sei­nen Nach­na­men will er lie­ber nicht ver­öf­fent­licht sehen. (…) Bleibt die gefähr­li­che Flucht übers Meer in Rich­tung Euro­pa. “Sie ist für vie­le Migran­ten und Flücht­lin­ge der ein­zi­ge Weg, um ihre schreck­li­che Situa­ti­on zu ver­än­dern”, sagt Sam Tur­ner, Liby­en-Beauf­trag­ter von Ärz­te ohne Gren­zen…” Bei­trag von on Mar­kus Becker, Mir­co Keil­berth und Stef­fen Lüd­ke vom 13. August 2019 bei Spie­gel online externer Link (die­ser Bei­trag gehört zum Pro­jekt Glo­ba­le Gesell­schaft). Sie­he dazu auch: Neue Rou­te – Lage in Liby­en ver­la­gert Flucht­we­ge. Tune­si­sche Regie­rung reagiert mit Repres­si­on auf Migran­ten
  • Flucht­ur­sa­chen: Wie Euro­pa den Kon­flikt in Liby­en schürt 
    Der ehe­ma­li­ge Bun­des­au­ßen­mi­nis­ter Sig­mar Gabri­el wirft füh­ren­den euro­päi­schen Staa­ten vor, den Bür­ger­krieg in Liby­en durch Unter­stüt­zung geg­ne­ri­scher Kriegs­par­tei­en anzu­hei­zen und zu ver­län­gern. Euro­pa mache sich “mit­schul­dig”, dass der Krieg kein Ende fin­de. So trei­be Euro­pa auch die Flucht­be­we­gung über das Mit­tel­meer an. Die Euro­päi­sche Uni­on schaf­fe “die Vor­aus­set­zung dafür, dass der Migra­ti­ons­druck grö­ßer wird”, sag­te Gabri­el Pan­ora­ma. (…) “Ich mei­ne, wir strei­ten hier über die Fra­ge, ob wir Schif­fe anlan­den las­sen. Die Wahr­heit ist, wenn wir dort nicht den Bür­ger­krieg bekämp­fen, dann ver­ges­sen wir bit­te die Vor­stel­lung, wir wür­den Leu­te zurück­brin­gen kön­nen! Ja wohin eigent­lich? Wie­der zurück in die Kon­zen­tra­ti­ons­la­ger oder in die Fin­ger der­je­ni­gen, die Krieg füh­ren?” Der eige­nen Bevöl­ke­rung wür­den die Euro­pä­er sagen, “wir möch­ten weni­ger Migra­ti­on”. Dabei schaf­fe die Euro­päi­sche Uni­on in Liby­en “die Vor­aus­set­zung dafür, dass der Migra­ti­ons­druck grö­ßer wird.” Rebel­len­chef Haftar wur­de mehr­fach vom fran­zö­si­schen Prä­si­den­ten Emma­nu­el Macron im Ely­sée­pa­last in Paris emp­fan­gen, zuletzt am 22. Mai, als sein Feld­zug gegen die Regie­rung in Tri­po­lis in vol­lem Gan­ge war. Haftar in Paris “wie einen Staats­prä­si­den­ten” zu behan­deln, sei “das fal­sche Signal”, so Gabri­el. Die­ser wol­le die “inter­na­tio­nal aner­kann­te Regie­rung unter Minis­ter­prä­si­dent Sarr­adsch “mit mili­tä­ri­scher Gewalt aus Tri­po­lis ver­trei­ben.” (…) Gabri­el kri­ti­siert auch Waf­fen­lie­fe­run­gen an Gene­ral Haftar. “Euro­pa macht in Liby­en einen fürch­ter­li­chen Ein­druck,” bilan­ziert der ehe­ma­li­ge Bun­des­au­ßen­mi­nis­ter. “Wenn Euro­pa mit unter­schied­li­chen Posi­tio­nen dort auf­tritt und Bür­ger­kriegs­par­tei­en mit Waf­fen oder mit poli­ti­scher Unter­stüt­zung ver­sorgt, dann macht es sich mit­schul­dig an die­sem Krieg“…” Bei­trag von Ste­fan Buchen in der ARD-Sen­dung Pan­ora­ma vom 01.08.19 externer Link – die Kri­tik ist rich­tig, kommt aber nicht aus der Oppo­si­ti­on die­ser Poli­tik…
  • »Schlimms­te Mit­tel­meer­tra­gö­die die­ses Jah­res«: Min­des­tens 115 Migran­ten nach Boots­un­glück vor liby­scher Küs­te ver­misst 
    Vor der Küs­te Liby­ens hat sich mög­li­cher­wei­se das bis­lang schwers­te Flücht­lings­un­glück die­ses Jah­res abge­spielt: Nach dem Unter­gang eines Flücht­lings­boots wer­den nach Anga­ben der Inter­na­tio­na­len Orga­ni­sa­ti­on für Migra­ti­on (IOM) mehr als 110 Men­schen ver­misst. 145 Insas­sen des Boots sei­en von der liby­schen Küs­ten­wa­che geret­tet wor­den, sag­te IOM-Spre­che­rin Safa Mseh­li am Don­ners­tag. Die Hilfs­or­ga­ni­sa­ti­on Ärz­te ohne Gren­zen ging aller­dings von mehr als 250 Ver­miss­ten aus. IOM und Küs­ten­wa­che mach­ten unter­schied­li­che Anga­ben. (…) Nach Anga­ben von Über­le­ben­den der Tra­gö­die waren dem­nach ins­ge­samt rund 250 Men­schen an Bord des Holz­boo­tes, als es rund neun Kilo­me­ter vor Choms sank. Unter den Insas­sen sei­en Kin­der gewe­sen. Die geret­te­ten Migran­ten sei­en in die liby­sche Hafen­stadt Choms 120 Kilo­me­ter öst­lich von Tri­po­lis zurück­ge­bracht wor­den, sag­te IOM-Spre­che­rin Mseh­li. Es han­del­te sich laut Kacem mehr­heit­lich um Eri­tre­er, aber auch Suda­ne­sen und Paläs­ti­nen­ser. Die in der See­not­ret­tung akti­ve Hilfs­or­ga­ni­sa­ti­on Ärz­te ohne Gren­zen (MSF) gab an, ihr Team in Liby­en habe 135 geret­te­te Insas­sen medi­zi­nisch betreut. Nach Anga­ben von Über­le­ben­den sei­en am Mitt­woch­abend drei hin­ter­ein­an­der vertau­te Boo­te mit ins­ge­samt rund 400 Flücht­lin­gen auf­ge­bro­chen. Die Zahl der Ver­miss­ten wür­de sich dem­nach auf gut 260 belau­fen. (…) Die Über­le­ben­den sei­en aber nicht von der Küs­ten­wa­che, son­dern von Fischern geret­tet wor­den. Der MSF-Ver­tre­ter kri­ti­sier­te »die man­geln­de inter­na­tio­na­le unab­hän­gi­ge und objek­ti­ve Prä­senz« in den Län­dern, aus denen die Flücht­lin­ge sich auf den Weg nach Euro­pa mach­ten. Der­zeit sind kei­ne pri­va­ten Ret­tungs­schif­fe im Mit­tel­meer unter­wegs. Die deut­sche Orga­ni­sa­ti­on Sea-Eye kün­dig­te aller­dings am Don­ners­tag an, mit der »Alan Kur­di« in Rich­tung der Ret­tungs­zo­ne vor der liby­schen Küs­te auf­zu­bre­chen. Dort wer­de sie vor­aus­sicht­lich Diens­tag ein­tref­fen, erklär­te die Regens­bur­ger Orga­ni­sa­ti­on. UN-Flücht­lings­kom­mis­sar Filip­po Gran­di schrieb beim Kurz­bot­schaf­ten­dienst Twit­ter, dass gera­de die »schlimms­te Mit­tel­meer­tra­gö­die die­ses Jah­res« ihren Lauf neh­me. Er for­der­te eine »Wie­der­auf­nah­me der See­not­ret­tung«, ein Ende der »Inhaf­tie­rung von Flücht­lin­gen und Migran­ten in Liby­en« und siche­re Flucht­rou­ten aus Liby­en…” Agen­tur­mel­dung vom 26.7.2019 beim ND online externer Link
  • Ärz­te ohne Gren­zen und SOS Medi­ter­ra­nee neh­men See­not­ret­tung wie­der auf – Kri­se in Liby­en und auf dem Mit­tel­meer hat sich ver­schärft 
    „Ange­sichts der ver­ant­wor­tungs­lo­sen Untä­tig­keit der euro­päi­schen Regie­run­gen im Mit­tel­meer kün­digt die Hilfs­or­ga­ni­sa­ti­on Ärz­te ohne Gren­zen an, in Kür­ze wie­der See­not­ret­tung zu star­ten. Die Rück­kehr ins Mit­tel­meer ist eine Ant­wort auf die seit zwei Jah­ren andau­ern­de Kam­pa­gne euro­päi­scher Regie­run­gen mit dem Ziel, See­not­ret­tung zu ver­hin­dern, sowie auf die Nor­ma­li­sie­rung einer Poli­tik, die zahl­rei­che Todes­fäl­le im Mit­tel­meer und gewal­ti­ges Leid im Kon­flikt­ge­biet in Liby­en ver­ur­sacht hat. „Euro­päi­sche Poli­ti­ker wol­len glau­ben machen, dass das Ertrin­ken Hun­der­ter Men­schen und das Leid Tau­sen­der in Liby­en gefan­ge­ner Flücht­lin­ge und Migran­ten ein gerecht­fer­tig­ter Preis dafür sind, Migra­ti­on zu kon­trol­lie­ren”, sagt Sam Tur­ner, Lei­ter der Hil­fe von Ärz­te ohne Gren­zen in Liby­en und im Mit­tel­meer. „Wäh­rend sie das angeb­li­che Ende der soge­nann­ten Flücht­lings­kri­se in Euro­pa ver­kün­den, ver­schlie­ßen sie bewusst die Augen vor der schwe­ren huma­ni­tä­ren Kri­se, die durch ihre Poli­tik in Liby­en und auf dem Meer ver­län­gert wird. Solan­ge die­se ver­meid­ba­ren Todes­fäl­le und die­ses ver­meid­ba­re Leid wei­ter­ge­hen, wei­gern wir uns, taten­los zuzu­se­hen.” Das neue Ret­tungs­schiff „Oce­an Viking”, das von SOS Medi­ter­ra­nee und Ärz­te ohne Gren­zen gemein­sam betrie­ben wird, soll Ende des Monats die See­not­ret­tung im Mit­tel­meer auf­neh­men…“ Pres­se­mit­tei­lung von Ärz­te ohne Gren­zen vom 21. Juli 2019 externer Link
  • For­de­run­gen nach der Ein­rich­tung von Flücht­lings­la­gern in Nord­afri­ka: Das Meer des Todes /​Euro­pean Union/​Libya: Act Now to Save Lives 
    Vor dem heu­ti­gen Tref­fen der EU-Außen­mi­nis­ter wer­den in Ber­lin zum wie­der­hol­ten Mal For­de­run­gen nach der Ein­rich­tung von Flücht­lings­la­gern in Nord­afri­ka laut. Wäh­rend die Ver­ein­ten Natio­nen sowie Flücht­lings­or­ga­ni­sa­tio­nen dar­auf drin­gen, die berüch­tig­ten Lager in Liby­en umge­hend zu schlie­ßen und die dort fest­ge­hal­te­nen, miss­han­del­ten und oft auch gefol­ter­ten Flücht­lin­ge wenigs­tens zum Teil in die EU ein­rei­sen zu las­sen, ver­langt der FDP-Vor­sit­zen­de Chris­ti­an Lind­ner, das UN-Flücht­lings­hilfs­werk sol­le in Liby­en eige­ne Lager errich­ten, in denen eine “men­schen­wür­di­ge Unter­brin­gung” gesi­chert sei. Der Prä­si­dent des Bun­des­am­tes für Migra­ti­on und Flücht­lin­ge (Bamf) schlägt ergän­zend die Schaf­fung einer “Schutz­zo­ne” in Liby­en vor. Ein deut­scher Gene­ral a.D. plä­diert für einen EU-Mili­tär­ein­satz in dem nord­afri­ka­ni­schen Land, bei dem nicht nur die Küs­ten­wa­che, son­dern auch wei­te­re, an Land ope­rie­ren­de “Sicher­heits­kräf­te” aus­ge­bil­det wer­den könn­ten. Dem UNHCR ist es seit April gelun­gen, je knapp 300 Flücht­lin­ge aus Liby­en nach Niger und nach Ita­li­en zu eva­ku­ie­ren. Von Eva­kua­tio­nen nach Deutsch­land berich­tet die Orga­ni­sa­ti­on nichts…” Eige­ner Bericht vom 15.07.2019 von und bei ger­man-for­eign-poli­cy externer Link – sie­he zum heu­ti­gen Tref­fen auch den Auf­ruf von Human Rights Watch: Euro­pean Union/​Libya: Act Now to Save Lives externer Link
  • Ita­li­en baut Koope­ra­ti­on mit liby­scher Küs­ten­wa­che aus 
    “… Die liby­sche Küs­ten­wa­che gilt als aggres­siv und bru­tal. Men­schen, die sie beim Flucht­ver­such über das Mit­tel­meer auf­greift und aufs Fest­land zurück­bringt, wer­den dort in Haft­an­stal­ten inter­niert und Berich­ten zufol­ge mit­un­ter gefol­tert und schwer miss­han­delt. Die EU wird des­halb immer wie­der für ihre Zusam­men­ar­beit mit Liby­en scharf kri­ti­siert. Ita­li­en aber will die Koope­ra­ti­on sogar noch aus­bau­en. Um ver­meint­li­che Men­schen­schlep­pe­rei zu bekämp­fen, wer­de man die liby­sche Küs­ten­wa­che mit Mate­ri­al und Trai­ning noch stär­ker unter­stüt­zen, teil­te die Regie­rung in Rom mit. Der von der EU unter­stütz­te Deal sieht vor, dass die Liby­er Boots­flücht­lin­ge auf dem Weg nach Euro­pa auf dem Mit­tel­meer abfan­gen und wie­der in das Bür­ger­kriegs­land zurück­brin­gen. (…) Luxem­burgs Außen­mi­nis­ter Jean Assel­born hat­te noch am Diens­tag die EU auf­ge­for­dert, die Regie­rung in Liby­en zu einem ande­ren Umgang mit Migran­ten zu drän­gen. “Die Euro­päi­sche Uni­on muss drin­gend auf die inter­na­tio­nal aner­kann­te Regie­rung in Liby­en ein­wir­ken”, teil­te Assel­born mit. Die liby­sche Küs­ten­wa­che dür­fe die geret­te­ten Migran­ten nicht mehr wie bis­her in Mili­tär­la­gern, die leicht Ziel von krie­ge­ri­schen Angrif­fen wer­den könn­ten, unter­brin­gen – son­dern sol­le sie in die Ein­rich­tun­gen des Uno-Flücht­lings­hilfs­werks UNHCR und der Inter­na­tio­na­len Orga­ni­sa­ti­on für Migra­ti­on (IOM) brin­gen…” Mel­dung vom 11. Juli 2019 beim Spie­gel online externer Link
  • Migra­ti­on aus Liby­en: Die NGOs sind nur ein Teil der Dis­kus­si­on. Es brin­gen auch ande­re Schif­fe Migran­ten nach Ita­li­en
    “Alan Kur­di” mit neu­en Geret­te­ten an Bord und die unge­lös­te Fra­ge, wie es wei­ter­ge­hen soll. (…) Der Spre­cher der liby­schen Küs­ten­wa­che, Ayoub Qas­sem, warnt vor einem “Exo­dus von Migran­ten nach Ita­li­en” und beschul­digt die NGOs, dass sie “von Schlep­pern direkt für jede geret­te­te Per­son Geld bekom­men”. Begrün­det hat Qas­sem, der auf die liby­schen Haft­an­stal­ten für Flücht­lin­ge nichts kom­men lässt, sei­ne Anschul­di­gung nicht mit einem Wort. (…) Der ita­lie­ni­sche Innen­mi­nis­ter sprach sich auch ges­tern im Schlag­ab­tausch mit der Ver­tei­di­gungs­mi­nis­te­rin Eli­sa­bet­ta Tren­ta gegen die EU-Ope­ra­ti­on aus. Er bleibt auf dem Stand­punkt, den schon sein Vor­gän­ger, aller­dings weni­ger auf­fäl­lig und mit mehr kom­pro­miss­be­rei­ter ver­tre­ten hat: Ita­li­en kann und will kei­ne Migran­ten mehr, die vom Mit­tel­meer kom­men auf­neh­men. Schon gar nicht, wenn sie von Ret­tungs­schif­fen gebracht wer­den. Die­se Posi­ti­on trägt ihm viel Popu­la­ri­tät ein, wie der­zeit häu­fig her­aus­ge­stellt wird. (…) Eini­ges Auf­se­hen erregt CSU-Ent­wick­lungs­mi­nis­ter Mül­ler, der auf eine Eva­ku­ie­rung der Haft­la­ger für Migran­ten in Lager in Liby­en drängt und eine “gemein­sa­me huma­ne Initia­ti­ve von Euro­pa und den Ver­ein­ten Natio­nen zur Ret­tung der Flücht­lin­ge auf liby­schen Boden” for­dert. Wie aber soll die Auf­lö­sung der Lager im fai­led sta­te Liby­en ange­sichts der gegen­wär­ti­gen Kriegs­hand­lun­gen bewerk­stel­ligt wer­den? (…) Die kon­zep­tio­nel­le Ten­denz, dass über das Wei­ter­kom­men der Migran­ten außer­halb Euro­pas ent­schie­den wer­den soll, dürf­te sich auf lan­ge Frist durch­set­zen. Aller­dings ist der­zeit nicht abseh­bar, wie sol­che Plä­ne rea­li­siert wer­den sol­len. Was die See­not­ret­tun­gen angeht, so wird es die­sen Som­mer wahr­schein­lich bei mehr oder weni­ger schnel­len Ein­zel­fall­ent­schei­dun­gen blei­ben.” Bei­trag von Tho­mas Pany vom 9. Juli 2019 bei Tele­po­lis externer Link
  • [Mate­ri­al­samm­lung] Die Bom­bar­die­rung des Flücht­lings­la­gers in Liby­en ruft Pro­tes­te her­vor – und euro­päi­sche Zustim­mung 
    Die mör­de­ri­schen Bom­ben auf ein Flücht­lings­la­ger in Liby­en, das doku­men­tier­te Vor­ge­hen soge­nann­ter Sicher­heits­kräf­te gegen Men­schen, die wäh­rend des Angriffs aus dem Lager flie­hen wol­len haben zu hef­ti­gen Pro­tes­ten geführt: Vor allem der bis­her in die­sem Lager gefan­gen gehal­te­nen Men­schen selbst, aber auch aus ande­ren Lagern in Liby­en. Auch zahl­rei­che inter­na­tio­na­le Pro­tes­te wur­den durch die­ses mör­de­ri­sche Vor­ge­hen her­vor geru­fen – welt­weit, aber nicht aus der EU, wie es ja bereits bei den Fil­men über das Ter­ror-Regime, das in den Lagern herrscht, gewe­sen war. Ein seit neu­es­tem ehe­ma­li­ger Bun­des­kanz­ler in Wien etwa äußer­te am sel­ben Tag – nichts zu den Bom­ben, klar. Weil er ja aber wie­der Bun­des­kanz­ler wer­den will blök­te er, Schif­fe im Mit­tel­meer mit Flücht­lin­gen aus Liby­en, müss­ten dort­hin zurück geschickt wer­den. Wo sie dann von wem auch immer voll­ends „erle­digt“ wer­den kön­nen – sag­te er nicht, nichts ande­res aber kann und soll es bedeu­ten. Sie­he zu den Ent­wick­lun­gen in Liby­en und dem euro­päi­schen Krieg gegen die Migran­tIn­nen eine klei­ne aktu­el­le Mate­ri­al­samm­lung, die zur Auf­ga­be haben soll, auch die Hin­ter­grün­de die­ser Ent­wick­lun­gen etwas bes­ser ver­ständ­lich zu machen:
    • „Sur­vi­vors of dead­ly air attack in Libya demand evacua­ti­on“ von Sal­ly Hai­den am 07. Juli 2019 bei Al Jaze­e­ra externer Link ist ein Bericht über den Pro­test der Lager-Insas­sen, die nach dem Bom­ben­an­griff die Eva­ku­ie­rung des Lagers in Tajou­ra for­dern. Flücht­lin­ge aus dem Sudan, Äthio­pi­en, Eri­trea und Soma­lia schla­fen seit­dem auf den Stra­ßen außer­halb des Lagers, weil sie wei­te­re Angrif­fe fürch­ten. Und eini­ge von ihnen haben mit einem Pro­test-Hun­ger­streik begon­nen, mit dem sie ihre Eva­ku­ie­rung for­dern. (Der Bericht ver­brei­tet auch ein Video zu die­sen Pro­tes­ten).
    • „Der Angriff, der alles ver­än­der­te“ von Mir­co Klei­berth am 07. Juli 2019 in der taz online externer Link zu den Aus­wir­kun­gen der Bom­bar­die­rung des Lagers: „… Auch al-Farasch such­te in roter Wes­te, Latex-Hand­schu­hen und Mund­schutz in den Trüm­mern nach Lei­chen­tei­len. Nor­ma­ler­wei­se behan­delt der 26-Jäh­ri­ge Ver­letz­te an der nahen Front. Aber in den letz­ten Wochen gin­gen immer wie­der Gra­na­ten oder Rake­ten nie­der, über­rascht habe die Kata­stro­phe nie­man­den, sagt er. Denn die Hal­le liegt neben einem Mili­tär­ge­län­de, das schon zu Gad­da­fis Zei­ten von Ein­hei­ten des Innen­mi­nis­te­ri­ums genutzt wur­de. Nun herrscht hin­ter den hohen Mau­ern die Ath­man-Miliz. Die Grup­pe steht den Isla­mis­ten der Ansar Scha­ria nahe sowie dem Schu­ra-Rat aus dem ost­li­by­schen Ben­gasi. Die Ben­gasi-Schu­ra war Haft­ars Haupt­geg­ner im drei­jäh­ri­gen Krieg in Ben­gasi und floh nach Haft­ars Sieg nach Tri­po­lis. Mili­zen wie Ath­man sind also Prio­ri­tät für Haft­ars Luft­waf­fe. Ihnen galt der Angriff vom 3. Juli. Die Mili­zen haben aber auch Migran­ten aus Tajou­ra für Rei­ni­gungs- und Repa­ra­tur­ar­bei­ten ein­ge­setzt, auch zum Aus­he­ben von Schutz­wäl­len, bestä­ti­gen west­afri­ka­ni­sche Migran­ten der taz. (…) Die Zahl der Toten wur­de zwar offi­zi­ell mit 44 ange­ge­ben, doch vie­le Hel­fer berich­ten der taz, dass nie­mand weiß, wie vie­le es tat­säch­lich sind. Von vie­len Opfern wur­den nur Arme oder Bei­ne gefun­den. „Ich arbei­te seit 2011 an der Front, aber so etwas habe ich noch nicht gese­hen“, so al-Farasch. 130 Men­schen erlei­den teils schwe­re Ver­bren­nun­gen, sie irr­ten stun­den­lang über das Gelän­de, berich­tet ein Migrant aus Eri­trea der taz am Tele­fon. Dabei eröff­ne­ten Bewaff­ne­te auf sie das Feu­er. Nun for­dert das UN-Flücht­lings­hilfs­werk UNHCR eine Unter­su­chung und die Iden­ti­fi­zie­rung der Schul­di­gen, dazu die Ein­rich­tung eines huma­ni­tä­ren Kor­ri­dors für Flücht­lin­ge und Migran­ten. Doch längst haben sich vie­le allein auf den Weg gemacht – an die Strän­de von Gara­bul­li öst­lich von Tajou­ra oder Rich­tung Wes­ten, nach Zuwa­ra an der tune­si­schen Gren­ze…“
    • „Libya: Detai­ned refu­gees ‘ter­ri­fied’ as clas­hes near Tri­po­li rage“ eben­falls von Sal­ly Hai­den bereits am 07. April 2019 bei Al Jaze­e­ra externer Link steht hier als Bei­spiel dafür, dass die töd­li­chen Ereig­nis­se Anfang Juli kei­nes­wegs beson­ders über­ra­schend kamen – schon damals äußer­ten Men­schen, die in den Lagern gefan­gen gehal­ten wur­den, sowohl Beden­ken, als auch ers­te Erfah­run­gen damit, wie sie im Krieg um Liby­en in beson­de­rer Gefahr ste­cken.
    • „Die War­lords der NATO „ von Lutz Her­den im April 2019 bei den Frei­tags-Blogs externer Link zu einer Ent­wick­lung, die sich seit Jah­ren abzeich­net: „… Wenn UN-Gene­ral­se­kre­tär Antó­nio Guter­res jetzt in Beng­ha­zi mit Kha­li­fa Haftar ver­han­delt und den Gene­ral zur Mäßi­gung ermahnt, ist sei­ne Posi­ti­on nicht zuletzt wegen die­ser Vor­ge­schich­te schwach. Die Ver­ein­ten Natio­nen haben sich davon auch des­halb nie eman­zi­piert, weil sie zusa­hen, wie die west­li­chen Inter­ven­ti­ons­mäch­te nach dem Gad­da­fi-Sturz Liby­en sich selbst über­lie­ßen, Cha­os, Anar­chie wie einem Vor­marsch und den Gräu­eln des Isla­mi­schen Staa­tes (IS) aus­lie­fer­ten. Dass der sich aus­brei­ten konn­te, war eine der zynischs­ten Kon­se­quen­zen der „huma­ni­tä­ren Inter­ven­ti­on“ des Wes­tens. Nur ent­behr­te dies nicht der inne­ren Logik. Gad­da­fi wur­de ja nicht gestürzt, weil er ein auto­ri­tä­rer Herr­scher war (dann könn­te man auch gegen das sau­di­sche Regime inter­ve­nie­ren, statt es mit Waf­fen zu ver­pro­vi­an­tie­ren), son­dern weil er sich ent­schlos­sen zeig­te, den Erd­gas- und Erd­öl­reich­tum sei­nes Lan­des für eine grö­ße­re, gegen den Wes­ten gerich­te­te Auto­no­mie Nord­afri­kas, wenn nicht des gesam­ten Kon­ti­nents, ein­zu­set­zen…“
    • Liby­en: Sau­dis unter­stüt­zen Haftar“ von Peter Mühl­bau­er am 10. April 2019 bei tele­po­lis externer Link zu den Alli­an­zen in Liby­en unter ande­rem: „… Ende letz­ter Woche star­te­te der liby­sche War­lord Cha­li­fa Haftar einen Angriff auf Tri­po­lis, die bis­lang von Fajis al-Sarr­adsch beherrscht wird, der sich unter ande­rem auf Mili­zen aus Misura­ta und az-Zin­tan stützt. Inzwi­schen haben die Kämp­fe, bei denen bis­lang etwa 50 Per­so­nen ums Leben kamen, den Flug­ha­fen der liby­schen Haupt­stadt erreicht. Hin­ter Haftar ste­hen (mehr oder weni­ger offen) unter ande­rem die ägyp­ti­sche und die fran­zö­si­sche Staats­füh­rung, die ihr Enga­ge­ment nach dem Tod drei­er fran­zö­si­scher Sol­da­ten beim Absturz eines Mili­tär­hub­schrau­bers 2016 mit dem Kampf gegen Isla­mis­ten recht­fer­tig­te. Die­ser Recht­fer­ti­gung bedient sich auch Haftar, der “Cha­rid­schi­ten” und “Tak­firis­ten” in Tri­po­lis kri­ti­siert, obwohl auch in sei­nen Rei­hen Sala­fis­ten kämp­fen. Dabei han­delt es sich um Mad­cha­li­ten – Anhän­ger des sau­di­schen Pre­di­gers Rabi al-Mad­cha­li, der sich vor etwa 30 Jah­ren von den Mos­lem­brü­dern los­sag­te und eine quie­tis­ti­sche­re Vari­an­te des Sala­fis­mus begrün­de­te, die das sau­di­sche Königs­haus nicht infra­ge stellt und von ihm ent­spre­chend geför­dert wird. Inso­fern über­rascht es nicht, dass sich Sau­di-Ara­bi­en hin­ter Haftar stell­te. Im letz­ten Monat emp­fin­gen der sau­di­sche König Sal­man, des­sen fak­tisch herr­schen­der Kron­prin­zen Moham­med Bin Sal­man und die sau­di­schen Geheim­dienst­chefs Haftar sogar in der sau­di­schen Haupt­stadt Riad. Die Sau­dis sind mit dem Ölemi­rat Katar und dem tür­ki­schen Staats­prä­si­den­ten Recep Tayy­ip Erdoğan ver­fein­det. Die­se bei­den ori­en­ta­li­schen Regio­nal­mäch­te för­dern die Mos­lem­brü­der, die Ein­fluss auf die Regie­rung von Fajis al-Sarr­adsch und die ihn stüt­zen­den Mili­zen haben. Ob es Haftar gelingt, ganz Liby­en unter sei­ne Kon­trol­le zu brin­gen, hängt auch davon ab, wie vie­le davon gegen ent­spre­chen­de Gegen­leis­tun­gen die Sei­te wech­seln. Bis­lang gelang es ihm recht gut, Mili­zen zum Sei­ten­wech­sel zu über­re­den (wie man unter ande­rem an der Kar­te sieht): Zum einen, weil vie­le Mili­zen lie­ber auf der Sei­te des mut­maß­li­chen Sie­gers stan­den, als zu ver­lie­ren – und zum ande­ren, weil ihnen der fle­xi­ble 75-jäh­ri­ge Pfrün­de anbie­ten konn­te. Des­halb kämp­fen auch vie­le Söld­ner aus dem Tschad und dem Sudan auf Sei­ten des Gene­rals, der vor 50 Jah­ren zusam­men mit Muammar al-Gad­da­fi den dama­li­gen liby­schen König Idris stürz­te. Nach­dem er in den 1980er Jah­ren beim Ver­such der Erobe­rung des Nord­tschad für Liby­en schei­ter­te (vgl. Die Rück­kehr der Waf­fen externer Link), zer­stritt er sich mit sei­nem ehe­ma­li­gen Kampf­ge­nos­sen und ging bis zu des­sen Sturz ins ame­ri­ka­ni­sche Exil…
    • „Who will help the 600,000 migrants and refu­gees in Libya?“ von Camil­le Le Coz am 18. April 2019 in The New Huma­ni­ta­ri­an externer Link ist ein Bei­trag, der eine Art Gesamt­über­blick über die Lage der geschätz­ten rund 600.000 Men­schen gibt, die in liby­schen Lagern gefan­gen gehal­ten wer­den – und dies in einem Zeit­raum, da der gegen­wär­ti­ge Mili­zen­krieg in Liby­en gera­de begon­nen hat­te und natür­lich von allen als rea­le Gefahr für die Men­schen in den Lagern gese­hen wur­de. Die Reak­tio­nen waren auf eige­ne Faust wei­ter flie­hen, oder aber auch, von offi­zi­el­ler, EU getreu­er Sei­te aus, sie in den Niger oder ande­ren Nach­bar­staa­ten abzu­schie­ben.
    • „Die nächs­te Run­de im liby­schen Krieg“ am 09. April 2019 bei Ger­man For­eign Poli­cy externer Link in etwa zum sel­ben Zeit­punkt (Abo-Bei­trag): „… Ins­be­son­de­re die Bun­des­re­pu­blik hat­te sich schon vor Jah­ren für die Ein­set­zung der “Ein­heits­re­gie­rung” stark gemacht, die nun von Trup­pen des ost­li­by­schen Gene­rals Kha­li­fa Haftar aus der Haupt­stadt Tri­po­lis ver­jagt zu wer­den droht. Aller­dings waren Ber­lin und Brüs­sel nur an einer Anlauf­stel­le für die Flücht­lings­ab­wehr inter­es­siert; dies habe dem offi­zi­el­len Ziel, “zur Wie­der­her­stel­lung einer funk­tio­nie­ren­den Regie­rung bei­zu­tra­gen”, “direkt entgegen[gestanden]”, urteilt ein Exper­te der Ber­li­ner Stif­tung Wis­sen­schaft und Poli­tik (SWP). Vom Wes­ten nicht nur im Stich gelas­sen, son­dern auch aktiv sabo­tiert, sei die Ein­heits­re­gie­rung fak­tisch eine leich­te Beu­te für Mafia-Mili­zen gewor­den. Paris hin­ge­gen, von der Chan­cen­lo­sig­keit der Ein­heits­re­gie­rung über­zeugt, unter­stütz­te bereits früh die Trup­pen von Gene­ral Haftar…“
    • „Liby­en, Alge­ri­en: Die Ver­su­chung einer Mili­tär­dik­ta­tur“ am 09. April 2019 bei FFM-Online externer Link zum The­ma: „… In den letz­ten Jah­ren hat es mehr­fach krie­ge­ri­sche Aus­ein­an­der­set­zun­gen in und um Tri­po­lis gege­ben, die das aktu­el­le Aus­maß erreicht haben – aber es waren mili­tä­ri­sche Kämp­fe ledig­lich unter west­li­by­schen Mili­zen. Die Kun­de davon gelang­te kaum in die Welt­öf­fent­lich­keit. Seit März 2019 haben sich die west­li­by­schen Mili­zen zu einer Front „gegen die dro­hen­de Mili­tär­dik­ta­tur“ zusam­men­ge­schlos­sen, als der Erobe­rungs­feld­zug von Haft­ars Trup­pen zunächst Rich­tung Süd-Liby­en begon­nen hat­te. Eine Mili­tär­dik­ta­tur in Liby­en bedeu­tet Krieg rund um Tri­po­lis und offe­ne, mör­de­ri­sche Repres­si­on nach ägyp­ti­schem Vor­bild. Die Herr­schaft der skru­pel­lo­sen west­li­by­schen Mili­zen, die die Inter­nie­rungs­la­ger betrei­ben, die flie­hen­den Boat-peop­le ein­fan­gen und fol­tern las­sen, wür­de schlicht und ein­fach von den Haftar-Trup­pen, falls sie sie­gen, über­nom­men wer­den. Die vor­ver­la­ger­te Fes­tung Euro­pa an der west­li­by­schen Küs­te wur­de in der EU anschei­nend zuneh­mend als obso­let betrach­tet. Die soge­nann­te liby­sche Küs­ten­wa­che war immer häu­fi­ger „out of order“, oder ihre schies­sen­den Kom­man­do­ak­tio­nen gegen Boat-peop­le und NGO-Schif­fe gerie­ten für die EU zum Pres­ti­ge­ver­lust. Rich­ti­ge mili­tä­ri­sche Trup­pen könn­ten nicht nur im Gleich­schritt para­die­ren, son­dern wür­den auch nicht mehr auf das Mili­zen­ge­schäft zurück­grei­fen: Erst durch Fol­ter den Flücht­lings­an­ge­hö­ri­gen Geld abpres­sen, dann sie gegen Geld auf Boo­te set­zen, um sie schließ­lich für EU-Geld wie­der ein­zu­fan­gen – all das wäre vor­bei. Eine rich­ti­ge durch­or­ga­ni­sier­te Mili­tär­dik­ta­tur in Liby­en, die die Küs­ten effek­tiv kon­trol­liert – das könn­te der stil­le Traum in so man­chen EU-Gre­mi­en sein. Nun wird erst­mal der Scher­ben­hau­fen der ita­lie­nisch-euro­päi­schen EU-Poli­tik insze­niert…
    • „Haftar has clear­ly been given the green light to con­quer Tri­po­li“ von Dr Mus­ta­fa Fetou­ri am 18. April 2019 im Midd­le East Moni­tor externer Link ist ein Bei­trag zu Beginn der aktu­el­len Kmäp­fe, der sowohl dar­auf ver­weist, dass alle in Liby­en han­deln­den Mili­zen auch inter­na­tio­na­le Ver­bin­dun­gen haben – inter­na­tio­na­le Unter­stüt­zung oft genug auch – als auch, dass wenn die­ser Krieg vor­bei sein möge, der nächs­te bestimmt kom­me. Die ein­zi­ge Lösung sei, wie es ver­schie­de­ne Pro­tes­te der Bevöl­ke­rung bereits gefor­dert hät­ten, die Besei­ti­gung aller Mili­zen im Lan­de. Was aber kaum ohne Gewalt vor­stell­bar wäre…
    • Sie­he zum Hin­ter­grund die ers­te Mel­dung: Liby­en: Mind. 40 Tote nach Luft­an­griff auf Flücht­lings­la­ger 
      In Liby­en sol­len Kräf­te des abtrün­ni­gen Gene­rals Cha­li­fa Haftar ein Lager bom­bar­diert haben. In der haupt­stadt­na­hen Unter­kunft wur­den Hun­der­te Geflüch­te­te fest­ge­hal­ten.
      Bei einem Luft­an­griff auf ein Flücht­lings­la­ger nahe der liby­schen Haupt­stadt Tri­po­lis sind nach Anga­ben von Ret­tungs­kräf­ten min­des­tens 40 Men­schen getö­tet wor­den. 80 wei­te­re Flücht­lin­ge sei­en in dem Lager im Vor­ort Tadschu­ra ver­letzt wor­den, sag­te Malek Mer­set, ein Spre­cher der liby­schen Gesund­heits­be­hör­den, in der Nacht. Ein Spre­cher der Ret­tungs­kräf­te sag­te, es hand­le sich um eine vor­läu­fi­ge Bilanz, die sich noch ver­schlim­mern kön­ne. Es ist offen­bar unklar, wie vie­le Flücht­lin­ge und Migran­ten in dem Han­gar fest­ge­hal­ten wur­den. Zunächst war ver­mel­det wor­den, es sei­en etwa 120 Geflüch­te­te, spä­ter gab die die Nach­rich­ten­agen­tur AP an, in der Unter­kunft hät­ten sich 616 Geflüch­te­te auf­ge­hal­ten. Die von den Ver­ein­ten Natio­nen unter­stütz­te liby­sche Regie­rung mach­te die soge­nann­te Liby­sche Natio­nal­ar­mee (LNA) des Gene­rals Cha­li­fa Haftar für den Angriff ver­ant­wort­lich
      …” Agen­tur­mel­dung vom 3. Juli 2019 bei der Zeit online externer Link
  • Gewalt gegen Geflüch­te­te: »Ich höre immer wie­der von den Men­schen: Befreit uns!« Lager in Liby­en: Ita­lie­ni­scher Regis­seur schafft Öffent­lich­keit für gefol­ter­te Flücht­lin­ge. 
    “… Vie­le der Geflüch­te­ten nut­zen ihre Han­dys, um über das Inter­net auf ihre Geschich­ten auf­merk­sam zu machen. Als ich davon hör­te, nahm ich Kon­takt auf und erfuhr aus ers­ter Hand, wie die Situa­ti­on in den Lagern ist. Für Jour­na­lis­ten war es in der jün­ge­ren Ver­gan­gen­heit sehr schwer, vor Ort zu recher­chie­ren. Das wird zum Teil dadurch kom­pen­siert, dass die Betrof­fe­nen ihre Geschich­ten selbst erzäh­len und von den Grau­sam­kei­ten berich­ten, die sie erlei­den müs­sen. In Liby­en wer­den vie­le von ihnen aus­ge­beu­tet, zu Zwangs­ar­beit gezwun­gen, gefol­tert oder ver­ge­wal­tigt. [Und Auf­nah­men davon sind eben­falls online?] So ist es, das hat mich sehr scho­ckiert. Die Ver­ant­wort­li­chen ver­su­chen so, Geld von den Fami­li­en der Flücht­lin­ge zu erpres­sen. Auf die­se Wei­se gelan­gen Fol­ter­auf­nah­men aus die­sen Lagern in die Außen­welt – aus Gefäng­nis­sen, in denen Men­schen sit­zen, die kein Ver­bre­chen began­gen haben. (…) Dazu muss man wis­sen, dass die weni­gen Berich­te von Jour­na­lis­ten aus den Lagern nicht immer im Sin­ne der inter­nier­ten Migran­ten waren. Vie­le von ihnen konn­ten nicht alles erzäh­len, um sich selbst zu schüt­zen. Denn wer die Wahr­heit sagt, ris­kiert es, gefol­tert zu wer­den. Die Macht dort liegt voll­stän­dig in den Hän­den der Mili­zen. Selbst die UNO hat gro­ße Schwie­rig­kei­ten damit, zu ermit­teln, wie es den Flücht­lin­gen in den Lagern geht. Mit­ar­bei­ter des UNHCR (Hoher Flücht­lings­kom­mis­sar der Ver­ein­ten Natio­nen, jW) dür­fen sich im Land nicht frei bewe­gen. In den Lagern gibt es etwa 20.000 Migran­ten, aber außer­halb sind es rund 700.000. Von denen wer­den vie­le auf liby­schem Boden regel­recht ver­sklavt und von Betrie­ben rund um die Haupt­stadt Tri­po­lis ein­ge­setzt. Ich höre immer wie­der den glei­chen Satz von den Men­schen, mit denen ich in Kon­takt bin: Befreit uns! Die­se Per­spek­ti­ve fehlt mir in der bis­he­ri­gen Bericht­erstat­tung. (…) Bis­lang wur­den 300 Migran­ten per Flug­zeug nach Rom gebracht. Die Zahl ist ver­schwin­dend gering, aber ein Anfang. Das UNHCR sagt, dass es rund 6.000 Flücht­lin­ge in geschlos­se­nen Lagern gibt, die an der gegen­wär­ti­gen Front des Kamp­fes zwi­schen Mili­zen lie­gen. Sie müss­ten drin­gend eva­ku­iert wer­den. Ande­re euro­päi­sche Regie­run­gen haben bis­lang nicht auf unse­ren Hil­fe­ruf geant­wor­tet.” Inter­view von Car­me­la Negre­te in der jun­gen Welt vom 02.07.2019 externer Link mit dem Doku­men­tar­film­re­gis­seur Michel­an­ge­lo Sever­gni­ni – sie­he den Video­ka­nal mit dem Film “Exo­dus – fuga dal­la Libia” externer Link
  • [ai-Akti­on] See­not­ret­tung ermög­li­chen und siche­re Zugangs­we­ge aus Liby­en nach Euro­pa schaf­fen! 
    Die euro­päi­sche Flücht­lings­po­li­tik setzt immer stär­ker auf Abschot­tung und nimmt dabei Tau­sen­de Todes­op­fer und schlim­me Men­schen­rechts­ver­let­zun­gen bil­li­gend in Kauf. Wir dür­fen nicht zulas­sen, dass Men­schen im Mit­tel­meer auf der Flucht ertrin­ken oder nach Liby­en zurück­ge­bracht wer­den. Dort wer­den Migrant_​innen und Flücht­lin­ge will­kür­lich gefan­gen genom­men und ihnen dro­hen Fol­ter und schlimms­te Miss­hand­lun­gen. Die Euro­päi­sche Uni­on arbei­tet seit Jah­ren eng mit Liby­en zusam­men, um zu ver­hin­dern, dass Migrant_​innen und Flücht­lin­ge auf der zen­tra­len Mit­tel­meer­rou­te Euro­pa errei­chen. Deutsch­land hat gemein­sam mit ande­ren EU-Mit­glied­staa­ten die liby­sche Küs­ten­wa­che aus­ge­rüs­tet und trai­niert. Die­se fängt die Men­schen auf See ab und bringt sie nach Liby­en zurück, wo sie Fol­ter, Ver­skla­vung und Gewalt aus­ge­setzt sind. Damit machen sich die EU-Staa­ten wis­sent­lich zu Kom­pli­zen eines für schwers­te Men­schen­rechts­ver­let­zun­gen ver­ant­wort­li­chen Sys­tems. (…) For­de­re siche­re Zugangs­we­ge nach Euro­pa und die Frei­las­sung der Flücht­lin­ge und Migrant_​innen in Liby­en! Die EU muss See­not­ret­tung wie­der ermög­li­chen!E‑Mail-Akti­on an die Bun­des­kanz­le­rin Ange­la Mer­kel von und bei Amnes­ty Inter­na­tio­nal externer Link
  • Pro­test eri­trei­scher Refu­gees im Todes­la­ger Zin­tan 
    “Chan­nel 4 hat ein Video aus dem Lager Zin­tan, tief in der liby­schen Wüs­te gele­gen, ver­öf­fent­licht, das unter die Haut geht. In die­sem Lager sind seit Sep­tem­ber 20 Men­schen gestor­ben. Zu sehen ist in den 10 Minu­ten der Pro­test zahl­rei­cher, über­wie­gend eri­trei­scher Geflüch­te­ter, die in die­sem Lager gefan­gen sind. Ihre Trans­pa­ren­te wur­den mit Toma­ten­mark geschrie­ben, das sie sich vom Mund abge­spart haben. Zu sehen sind die Lebens­um­stän­de im Lager, die Ver­tei­lung von einem Becher Was­ser pro Per­son aus einem Eimer, eine stot­tern­de Stel­lung­nah­me des EU Flücht­lings­kom­mis­sars Avra­mo­pou­los und eine Stel­lung­nah­me des UNHCR-Sekre­tärs für Men­schen­rech­te, Rupert Col­vil­le, der auf die Fra­ge der Mode­ra­to­rin, ob er die Ver­ant­wor­tung für die Ertrun­ke­nen, die Push-Backs und die Lager bei der EU-Flücht­lings­po­li­tik sehe, ant­wor­tet: „Yes, that is abso­lute­ly right“. (…) Col­vil­le sagt, die Zustän­de in den Lagern lägen „bey­ond the powers of the agen­cy“. Allein die EU kön­ne die dor­ti­gen Zustän­de durch eine Ände­rung ihrer Migra­ti­ons­po­li­tik beein­flus­sen. Offen­bar wird UNHCR, der die Aktio­nen der liby­schen Mili­zen und die Zustän­de in den Lagern bis­lang eher laut­los beglei­tet hat, nun ner­vös. Der Pro­test im Todes­la­ger, die zwi­schen die Fron­ten gera­te­nen Gefan­ge­nen und die Tat­sa­che, dass im Lager von Al-Khums 170 Gefan­ge­ne spur­los ver­schwun­den sind, zeigt, dass die Din­ge aus dem Ruder lau­fen. Das sind „die Bil­der, an die wir uns“ nach den Wor­ten des ehe­ma­li­gen Innen­mi­nis­ters de Mai­zie­re, „gewöh­nen müs­sen“. Müs­sen wir das?” Bei­trag von und bei FFM-Online vom 10 Juni 2019 externer Link mit Link zur sehens­wer­ten bri­ti­schen Repor­ta­ge von 4 Chan­nel vom 7.Juni
  • Flücht­lin­ge in Liby­en: Rechts­an­wäl­te zei­gen EU in Den Haag an 
    In Liby­en wer­den Men­schen gefol­tert und ver­sklavt, vor der Küs­te ertrin­ken Flücht­lin­ge im Mit­tel­meer. Eine Grup­pe inter­na­tio­na­ler Juris­ten erhebt nun schwe­re Vor­wür­fe gegen die EU. (…) Die Grup­pe um die Rechts­an­wäl­te Omer Shatz und Juan Bran­co wirft der EU im Zusam­men­hang mit der Flücht­lings­kri­se im Mit­tel­meer “Ver­bre­chen gegen die Mensch­lich­keit” vor. Shatz ist Dozent an der Yale Law School und der Pari­ser Eli­te­hoch­schu­le Sci­ence Po und hat in der Ver­gan­gen­heit eine Viel­zahl von Men­schen­rechts­ver­fah­ren ange­sto­ßen. Die EU sei durch ihre Poli­tik ver­ant­wort­lich für “den Tod Tau­sen­der Men­schen durch Ertrin­ken”, sowie die Gefan­gen­nah­me, Ver­skla­vung, Fol­ter und Ermor­dung von Flücht­lin­gen. Die Begrün­dung: Die Euro­päi­sche Uni­on för­de­re den Rück­trans­port Zehn­tau­sen­der Geflo­he­ner nach Liby­en durch die liby­sche Küs­ten­wa­che, heißt es in der 241-sei­ti­gen Straf­an­zei­ge. (…) Der Vor­stoß der Juris­ten um Shatz stellt einen wei­te­ren Ver­such dar, die Miss­hand­lung und Tötung von Flücht­lin­gen und das Mas­sen­ster­ben auf dem Mit­tel­meer straf­recht­lich ahn­den zu las­sen. Nach SPIE­GEL-Infor­ma­tio­nen wur­den bereits bei Straf­ver­fol­gungs­be­hör­den in meh­re­ren Staa­ten Akten­zei­chen wegen Ver­ge­hen gegen das Völ­ker­straf­recht im Zusam­men­hang mit der Situa­ti­on in Liby­en ange­legt. Ob es sich dabei um rei­ne Beob­ach­tun­gen oder akti­ve Ermitt­lungs­ver­fah­ren han­delt ist aller­dings unklar. Als Täter dürf­ten die­se Vor­gän­ge aller­dings liby­sche Akteu­re im Visier haben. Die aktu­el­le Anzei­ge in Den Haag geht einen gro­ßen Schritt wei­ter, indem sie die Ver­ant­wor­tung der EU the­ma­ti­siert. So habe die EU mit dem Aus­lau­fen der Ope­ra­ti­on “Sophia” eine gro­ße Zone ohne See­not­ret­tungs­ka­pa­zi­tä­ten geschaf­fen, heißt es in der Anzei­ge…” Arti­kel von Fide­li­us Schmid vom 03.06.2019 beim Spie­gel online externer Link
  • Hilfs­werk UNHCR: Flücht­lin­ge sol­len “auf kei­nen Fall” zurück nach Liby­en gebracht wer­den 
    Anrai­ner­staa­ten wei­sen aus dem Mit­tel­meer geret­te­te Migran­ten regel­mä­ßig ab. Dar­an äußert nun das Hilfs­werk UNHCR Kri­tik. Ins­be­son­de­re nach Liby­en dürf­ten Flücht­lin­ge nicht zurück­ge­bracht wer­den. (…) Es müs­se jede poli­ti­sche Ein­fluss­mög­lich­keit – auch durch die Euro­päi­sche Uni­on – genutzt wer­den, um das Leid in den Lagern zu been­den, for­der­te Bartsch gegen­über der Zei­tung. “Die huma­ni­tä­re Situa­ti­on der Men­schen in den Lagern ist ver­hee­rend. Es feh­len Nah­rung, Was­ser und vie­le brau­chen drin­gend medi­zi­ni­sche Hil­fe.” (…) Er rief die Regie­run­gen von EU-Län­dern auch auf, pri­va­te Ret­ter auf dem Mit­tel­meer nicht län­ger zu kri­mi­na­li­sie­ren…” Mel­dung vom 19.05.2019 beim Spie­gel online externer Link
  • Liby­en: Rou­ti­ne­mäs­sig Fol­ter und Ver­ge­wal­ti­gung 
    “… Flücht­lin­ge und Migran­ten, die ver­su­chen, von Afri­ka nach Euro­pa zu gelan­gen, sind in offi­zi­el­len wie inof­fi­zi­el­len liby­schen Haft­an­stal­ten rou­ti­ne­mäs­sig sexu­el­ler Gewalt aus­ge­setzt, ergab eine Umfra­ge der «Women’s Refu­gee Com­mis­si­on». Die Grau­sam­kei­ten wer­den immer schlim­mer, sagt die Orga­ni­sa­ti­on, die zwi­schen Okto­ber 2015 und Novem­ber 2018 Flücht­lin­ge in Ita­li­en sowie Betei­lig­te wie See­not­ret­ter, Men­schen­rechts­ex­per­ten und loka­le Infor­man­ten befragt und Infor­ma­tio­nen ande­rer Orga­ni­sa­tio­nen zusam­men­ge­tra­gen hat. Betrof­fen sei jeder, der durch Liby­en flie­he, Män­ner wie Frau­en, Erwach­se­ne wie Kin­der, Mus­li­me wie Chris­ten. Ande­re Orga­ni­sa­tio­nen bestä­ti­gen die­se Anga­ben. «Sexu­el­le Gewalt wird zur Erpres­sung, Unter­wer­fung, Bestra­fung und Unter­hal­tung ein­ge­setzt und beinhal­tet häu­fig Ele­men­te tie­fer Grau­sam­keit und psy­cho­lo­gi­scher Fol­ter», fasst der Bericht zusam­men. Die Über­le­ben­den, die es nach Euro­pa schaf­fen, tra­gen die psy­chi­schen und phy­si­schen Spu­ren Liby­ens. Zu den sicht­ba­ren Spu­ren zäh­len Ver­bren­nun­gen, Schuss­wun­den, Nar­ben und unge­woll­te Schwan­ger­schaf­ten, zu den unsicht­ba­ren Alb­träu­me, Schlaf­lo­sig­keit, Trau­ma­ta. (…) 2018 befan­den sich nach Schät­zun­gen der Ver­ein­ten Natio­nen zwi­schen 700‘000 und einer Mil­li­on Flücht­lin­ge und Migran­ten in Liby­en. Zehn Pro­zent davon sind Kin­der, die Hälf­te davon reist unbe­glei­tet. Von den Erwach­se­nen sind etwa vier Fünf­tel Män­ner. Unge­fähr 5‘000 Per­so­nen befin­den sich in offi­zi­el­len Lagern der Regie­rung, schätz­te «Méde­cins sans Fro­niè­res» Ende 2018. Wer in Liby­en fest­ge­nom­men oder von der liby­schen Küs­ten­wa­che ins Land zurück­ge­bracht wird, lan­det dort. Ein- und Aus­rei­se ohne gül­ti­ges Visum sind in Liby­en ille­gal. In der Pra­xis heisst das Inter­nie­rung ohne Gerichts­ver­fah­ren auf unbe­stimm­te Zeit. (…) Die «Women’s Refu­gee Com­mis­si­on» appel­liert an die EU-Län­der, die Men­schen­rech­te bei ihrem Han­deln in den Vor­der­grund zu stel­len und Flüch­ten­de nicht län­ger in ein zuneh­mend recht­lo­ses Bür­ger­kriegs­land wie Liby­en zurück­zu­schi­cken, wo ihnen schlimms­te Gewalt droht. Sie for­dert die euro­päi­schen Län­der auf, die­je­ni­gen zu unter­stüt­zen, denen die Flucht nach Euro­pa gelun­gen ist.” Bei­trag von Danie­la Gschweng vom 12. Mai 2019 bei Info­sper­ber externer Link
  • Flücht­lings­elend in Liby­en: Bar­ba­rei im Namen Euro­pas 
    “Die Euro­pä­er haben die Ver­ant­wor­tung für Flücht­lin­ge auf Staa­ten wie Liby­en abge­wälzt. Damit machen sie sich schul­dig an den Ver­bre­chen, die dort an die­sen Men­schen began­gen wer­den. Die Bil­der und Vide­os, die bei­na­he jeden Tag auf dem Han­dy von Michel­an­ge­lo Sever­gni­ni ein­ge­hen, sind uner­träg­lich: Sie zei­gen Flücht­lin­ge in Liby­en, die anein­an­der­ge­ket­tet auf dem Boden kau­ern, die mit geschmol­ze­nem Metall über­gos­sen und tot geprü­gelt wer­den. Sever­gni­ni, Men­schen­rechts­ak­ti­vist aus Ita­li­en, steht über Whats­App regel­mä­ßig mit meh­re­ren Hun­dert Migran­ten in Kon­takt. Er doku­men­tiert, was die Euro­pä­er ver­drän­gen oder igno­rie­ren: die Ent­mensch­li­chung Tau­sen­der Flücht­lin­ge in Liby­en, den Zivi­li­sa­ti­ons­bruch im Namen Euro­pas. Die EU-Staa­ten haben die Migra­ti­ons­ab­wehr an Liby­en aus­ge­la­gert. Sie bezah­len Ver­bre­cher­ban­den und Mili­zen, damit die­se Men­schen an der Flucht nach Euro­pa hin­dern – egal mit wel­chen Mit­teln. Orga­ni­sa­tio­nen wie “Ärz­te ohne Gren­zen” (MSF) haben viel­fach beschrie­ben, was mit Flücht­lin­gen pas­siert, die von der liby­schen Küs­ten­wa­che auf­ge­grif­fen wer­den. Sie lan­den in Haft­an­stal­ten, die vom Aus­wär­ti­gen Amt mit Kon­zen­tra­ti­ons­la­gern ver­gli­chen wur­den. Sie wer­den miss­han­delt, ver­ge­wal­tigt, gefol­tert, ver­sklavt, exe­ku­tiert. Der ehe­ma­li­ge Uno-Men­schen­rechts­kom­mis­sar Zeid Raad al-Hus­sein spricht vom “schie­ren Grau­en”. All das hin­dert die Euro­pä­er nicht dar­an, mit Liby­en in der Asyl­po­li­tik zu koope­rie­ren…” Kom­men­tar von Maxi­mi­li­an Popp vom 4. Mai 2019 beim Spie­gel online externer Link
  • Liby­en: Flücht­lin­ge beschos­sen und ver­letzt – Ärz­te ohne Gren­zen for­dert, Gefan­ge­ne sofort außer Lan­des zu brin­gen 
    “Gefan­ge­ne Flücht­lin­ge und Migran­ten sind in einem Inter­nie­rungs­la­ger in der liby­schen Haupt­stadt Tri­po­lis beschos­sen und ver­letzt wor­den. Das geht aus Bele­gen her­vor, die Teams von Ärz­te ohne Gren­zen in Liby­en aus dem Lager Kasr Bin Gaschir erhal­ten haben, in dem sich auch Klein­kin­der und Schwan­ge­re befan­den. Ärz­te ohne Gren­zen und ande­re Hilfs­or­ga­ni­sa­tio­nen haben seit mehr als zwei Wochen mehr­fach drin­gend gefor­dert, die etwa 3.000 Men­schen aus den Inter­nie­rungs­la­gern in Tri­po­lis in Sicher­heit zu brin­gen. Sie wer­den in Ein­rich­tun­gen der von der EU unter­stütz­ten liby­schen Ein­heits­re­gie­rung nahe des Kampf­ge­biets will­kür­lich fest­ge­hal­ten. Vie­le von ihnen wur­den von der liby­schen Küs­ten­wa­che mit Unter­stüt­zung der EU vom Mit­tel­meer nach Liby­en zurück­ge­bracht. „Wir sind mehr als scho­ckiert. Nichts kann so einen gewalt­sa­men Angriff auf ver­letz­li­che Zivi­lis­ten recht­fer­ti­gen, die im Kon­flikt­ge­biet ein­ge­sperrt sind“, sagt Kar­line Klei­jer, Lei­te­rin der für Tri­po­lis zustän­di­gen Pro­jekt­ab­tei­lung von Ärz­te ohne Gren­zen. „Der inter­na­tio­na­len Gemein­schaft muss ihr völ­li­ges Nicht­han­deln vor­ge­wor­fen wer­den. Die blo­ße Ver­ur­tei­lung von Gewalt gegen Flücht­lin­ge und Migran­ten ist wert­los, wenn die inter­na­tio­na­le Gemein­schaft jetzt nicht sofort Maß­nah­men ergreift. Wir for­dern instän­dig in aku­ter Dring­lich­keit, die Men­schen außer Lan­des zu brin­gen. Sonst kön­nen sie erneut ins Kreuz­feu­er gera­ten.“…” Mel­dung vom 26. April 2019 von und bei Afri­ca live externer Link
  • Flücht­lings­la­ger bei Tri­po­lis – Ver­letz­te bei Angriff in Liby­en 
    In Liby­en tobt wei­ter der Kampf um die Macht im Land. Nun kommt es zu einem Angriff auf ein Flücht­lings­la­ger bei Tri­po­lis. Das Flücht­lings­hilfs­werk der Ver­ein­ten Natio­nen (UNHCR) hat sich besorgt über Angrif­fe auf ein Flücht­lings­la­ger süd­lich der liby­schen Haupt­stadt Tri­po­lis geäu­ßert. Meh­re­re Flücht­lin­ge sei­en ver­letzt wor­den, die Situa­ti­on sei ange­spannt, teil­te das Flücht­lings­werk auf Twit­ter mit…” dpa-Mel­dung vom 23.04.2019 beim ZDF externer Link
  • Liby­en: Ohn­macht und Angst der EU vor “Krieg” und Flucht. Der unter Druck gera­te­ne liby­sche Regie­rungs­chef Ser­radsch bringt 800.000 mög­li­che Migran­ten in die Dis­kus­si­on 
    Die UN-Flücht­lings­or­ga­ni­sa­ti­on UNHCR schätzt die Zahl der Bin­nen­flücht­lin­ge in Liby­en auf 34.000 Per­so­nen. Vor knapp einer Woche, am 17. April, nann­te die Schät­zung noch 25.000 Per­so­nen – mit einem deut­li­chen Bezug auf Kämp­fe, die auch Wohn­vier­tel im Groß­raum Tri­po­lis in Mit­lei­den­schaft zie­hen. Am Ende der Kurz­mit­tei­lung stand der Appell, den “Kon­flikt zu been­den und Kriegs­re­geln zu beach­ten”. Der Appell dürf­te sich wie auch ande­re Auf­ru­fe, der mili­tä­ri­schen Aus­ein­an­der­set­zung mit einer poli­ti­schen Lösung bei­zu­kom­men, kaum gegen die Wirk­lich­keit in Liby­en behaup­ten. (…) Für die ita­lie­ni­sche Regie­rung, so die Zei­tung, sei es wich­tig, dass der Kon­flikt in Liby­en nicht offi­zi­ell von der UN als “Krieg” bezeich­net wer­de. Das wür­de vie­les ändern, dann wür­de es näm­lich sehr viel schwie­ri­ger, Migran­ten nicht mehr in Ita­li­en anlan­den zu las­sen…” Arti­kel von Tho­mas Pany vom 24. April 2019 bei tele­po­lis externer Link
  • Liby­en been­det Küs­ten­wa­che-Akti­vi­tät? Kon­flik­te bre­chen auf 
    Die liby­schen Küs­ten­mi­li­zen, die mit Patrouil­len­schif­fen aus Ita­li­en und mit EU-Gel­dern eine soge­nann­te Küs­ten­wa­che betrie­ben hat­ten, haben die Patrouil­len­schif­fe abge­zo­gen und nut­zen sie jetzt für den lau­fen­den Krieg. Dies berich­tet die Vati­kan-nahe Tages­zei­tung „Avve­ni­re“ unter Beru­fung auf ita­lie­ni­sche Regie­rungs­quel­len. „Avve­ni­re“ schreibt, die Liby­er hät­ten die See­not­ret­tung im zen­tra­len Mit­tel­meer einst­wei­len „unter­bro­chen“, man war­te auf eine regie­rungs­of­fi­zi­el­le Bestä­ti­gung. Meh­re­re Indi­zi­en deu­ten auf den Abbruch der ohne­hin phan­tom­haf­ten Küs­ten­wa­chen-Akti­vi­tät hin. (…) Damit haben drei offe­ne Kon­flik­te begon­nen: Rund um die Regie­rung in Tri­po­lis, um die Über­wa­chung des zen­tra­len Mit­tel­meers und in der Regie­rung in Rom. Es ist höchs­te Not, dass die NGO-Ret­tungs­schif­fe wie­der in die Todes­zo­ne fah­ren…” Mel­dung vom 20. April 2019 bei der For­schungs­ge­sell­schaft Flucht & Migra­ti­on e.V. externer Link
  • Liby­en: Ein­ge­sperrt, geschun­den und in den Krieg getrie­ben 
    “In Liby­en sit­zen Tau­sen­de Flücht­lin­ge und Migran­ten in Gefan­ge­nen­la­gern. Die Eska­la­ti­on der Kämp­fe bringt ihnen neu­es Leid. Eini­ge wer­den zu Kriegs­diens­ten gezwun­gen. Der Krieg wür­de kom­men, damit hat­ten die Gefan­ge­nen schon vor mehr als zwei Wochen gerech­net. Da hol­ten die Wär­ter in einem Lager in Tri­po­lis die Män­ner, die am kräf­tigs­ten aus­sa­hen, plötz­lich aus der dunk­len, über­füll­ten Hal­le – und zwan­gen sie, Pan­zer­wa­gen zu waschen. Als sie fer­tig waren, muss­ten sie Kis­ten mit Gewehr­ku­geln schlep­pen. Neben dem Gebäu­de, in dem sie nor­ma­ler­wei­se aus­har­ren, fiel den Häft­lin­gen dabei auf, dass dort neu­er­dings Spreng­kör­per auf­be­wahrt wur­den. “Ich fürch­te mich, denn in die­sem Lager (sind) zu vie­le Sol­da­ten und Waf­fen”, sag­te einer der Gefan­ge­nen, der ZEIT ONLINE von den Ereig­nis­sen berich­te­te. Eini­ge Tage spä­ter, am 4. April, befahl der Mann, der den Osten Liby­ens kon­trol­liert, sei­ner selbst ernann­ten Liby­schen Natio­nal­ar­mee (LNA), auf die Haupt­stadt vor­zu­rü­cken. (…) Laut dem UN-Flücht­lings­werk UNHCR sind mehr als 1.500 Gefan­ge­ne in Gegen­den unter­ge­bracht, in denen der­zeit gekämpft wird. In einem Inter­view mit der Nach­rich­ten­agen­tur Reu­ters war­fen die Streit­kräf­te von Haftar der UN-gestütz­ten Ein­heits­re­gie­rung in Tri­po­lis vor, Migran­ten als mensch­li­che Schutz­schil­der und Kämp­fer ein­zu­set­zen. (…) Soll­ten die Berich­te stim­men, dann kön­ne die­se Behand­lung inhaf­tier­ter Migran­ten durch Mili­zen, die der Ein­heits­re­gie­rung in Tri­po­lis nahe­ste­hen, Kriegs­ver­bre­chen dar­stel­len, sagt Judith Sun­der­land, stell­ver­tre­ten­de Direk­to­rin von Human Rights Watch in der Abtei­lung Euro­pa und Zen­tral­asi­en. “Zivi­lis­ten zu zwin­gen, in einem Kriegs­ge­biet Waf­fen zu hor­ten, gilt als miss­bräuch­li­che Zwangs­ar­beit, ist unrecht­mä­ßig grau­sam und setzt sie einem unnö­ti­gen Risi­ko aus”, sagt sie. Dass die Men­schen gezwun­gen wür­den, Uni­for­men zu tra­gen, deu­te dar­auf hin, dass sie als Gei­seln oder mensch­li­che Schutz­schil­de ein­ge­setzt wür­den, was Kriegs­ver­bre­chen dar­stellt. “Statt fest­ge­nom­me­ne Migran­ten zu die­sen gefähr­li­chen Tätig­kei­ten zu zwin­gen, soll­ten alle Sei­ten alle mög­li­chen Maß­nah­men ergrei­fen, um zivi­le Opfer zu ver­mei­den. Die Behör­den soll­ten alle will­kür­lich inhaf­tier­ten Migran­ten frei­las­sen und für ihre Sicher­heit sor­gen”, sagt Sun­der­land…” Arti­kel von Sal­ly Hay­den vom 18. April 2019 bei der Zeit online externer Link (aus dem Eng­li­schen über­setzt von Andrea Back­haus)
  • Kri­se in Liby­en: See­not­ret­ter suchen einen siche­ren Hafen – das Dau­er­dra­ma hat nun einen Krieg zum Hin­ter­grund 
    Die Lage ist ver­fah­ren. 64 Migran­ten sind an Bord des See­not­ret­tungs­schif­fes Alan Kur­di, das im Mit­tel­meer unter deut­scher Flag­ge fährt. Das Schiff sucht nach einem siche­ren Hafen zum Anlau­fen. Es ist nicht das ers­te Dra­ma die­ser Art. Die lan­gen Ver­hand­lun­gen unter euro­päi­schen Län­dern, bis man sich über die Auf­nah­me der Migran­ten eini­gen kann, sind hin­läng­lich bekannt. Dies­mal kommt aller­dings eine wei­te­re Schwie­rig­keit hin­zu. Die Lage in Liby­en ist alles ande­re als sicher. In der nähe­ren Umge­bung der Haupt­stadt Tri­po­lis und an deren Rän­dern toben schwe­re Gefech­te zwi­schen Mili­zen. Ver­schie­de­ne Auf­ru­fe der Inter­na­tio­na­len Gemein­schaft, der im Fall der letz­ten Erklä­rung der EU wie­der­um lan­ge Ver­hand­lun­gen zur For­mu­lie­rung vor­aus­gin­gen, haben kei­ne wesent­li­che Wir­kung aus­ge­übt. Die Kämp­fe gehen davon unbe­ein­druckt wei­ter. (…) Einen siche­ren Hafen in Liby­en, der den Kri­te­ri­en des See­rechts genügt, gibt es im Augen­blick weni­ger denn je. Die liby­sche Küs­ten­wa­che hat ihre Arbeit wegen der krie­ge­ri­schen Gefech­te ein­ge­stellt, nach Aus­sa­ge des Kapi­täns des Ret­tungs­schiffs der NGO Sea-Eye. Die ohne­hin mise­ra­blen Zustän­de in liby­schen Flücht­lings­la­ger haben sich durch die Kriegs­si­tua­ti­on wei­ter ver­schlim­mert. Die Ver­sor­gungs­la­ge sei kata­stro­phal, so die iri­sche Jour­na­lis­tin Sal­ly Hay­den. Die Lager in der Nähe der Haupt­stadt sind beson­ders gefähr­det, man­che wur­den geräumt oder es wur­de ver­sucht, Flücht­lin­ge woan­ders hin zu brin­gen. Die IOM hat ihre Hilfs­maß­nah­men bei Tri­po­lis ein­ge­stellt…” Arti­kel von Tho­mas Pany vom 12. April 2019 bei tele­po­lis externer Link, sie­he zur Pro­ble­ma­tik des Deals mit Lybi­en Lost-in-EU externer Link und zum kon­kre­ten Fall des See­not­ret­tungs­schif­fes Alan Kur­di unser Dos­sier: „Sea-Eye“ ret­tet 64 Men­schen im Mit­tel­meer, 50 wei­te­re ver­misst
  • Flucht übers Mit­tel­meer: “Das müss­te jeden Euro­pä­er beschä­men” 
    Dass Flücht­lin­ge pani­sche Angst haben, nach Liby­en zurück zu müs­sen, darf nie­man­den über­ra­schen, sagt Exper­te Knaus im tagesschau.de-Interview. Zwar kämen kaum noch Flücht­lin­ge übers Mit­tel­meer. Doch der Preis dafür sei hoch. (…) Es gab in der Ver­gan­gen­heit schon ähn­li­che Situa­tio­nen. Letz­tes Jahr im Novem­ber wei­ger­ten sich Geflüch­te­te vor Mis­ra­ta an Land zu gehen und wur­den dann mit Waf­fen­ge­walt dazu gezwun­gen. Geret­te­te haben pani­sche Angst, nach Liby­en zurück­zu­kom­men. Das darf nie­man­den über­ra­schen. Wir wis­sen von zahl­rei­chen Beob­ach­tern und Diplo­ma­ten, dass die­se Men­schen in Lager ein­ge­sperrt und miss­han­delt, ver­sklavt, ver­ge­wal­tigt und ermor­det wer­den. Ein UN-Bericht aus dem ver­gan­ge­nen Dezem­ber liest sich wie eine Beschrei­bung aus Dan­tes Infer­no. (…) Vie­le Men­schen­rechts­or­ga­ni­sa­tio­nen sagen, dass Abschre­ckung nicht funk­tio­nie­ren kann, da Men­schen, die Flucht­grün­de haben, sich immer auf den Weg machen wer­den. Doch die Erfah­rung zeigt, dass dies nicht stimmt. Im zen­tra­len Mit­tel­meer sind die Zah­len Ankom­men­der seit Mit­te 2017 dra­ma­tisch zurück­ge­gan­gen. Die wirk­li­che Fra­ge ist mora­lisch und poli­tisch. Wel­cher Metho­den dür­fen sich Demo­kra­tien bedie­nen, um das Ziel der Abschre­ckung zu errei­chen? Man legt ja auch kei­ne Land­mi­nen an der EU-Gren­ze zur Tür­kei, um Flücht­lin­ge fern­zu­hal­ten. Doch auf liby­sche Mili­zen zu set­zen, die sich die Uni­form der Küs­ten­wa­che anzie­hen, und Geret­te­te der Fol­ter zufüh­ren ist mora­lisch kaum bes­ser…” Inter­view vom 28.03.2019 bei tages​schau​.de externer Link
  • Fest­nah­men nach Ankunft des geka­per­tens Han­dels­schif­fes in Mal­ta: „Selbst­ver­tei­di­gung gegen töd­li­che Grenz­po­li­tik ist kei­ne Pira­te­rie“ 
    Auf dem Mit­tel­meer haben Flücht­lin­ge nach ihrer Ret­tung offen­bar ein Schiff zum Kurs auf Mal­ta gezwun­gen. Nach Liby­en woll­ten sie nicht zurück. Nun sind sie an Land, aber eini­ge in Hand­schel­len. Ein von Flücht­lin­gen vor der liby­schen Küs­te geka­per­tes Han­dels­schiff hat am Don­ners­tag den Hafen von Mal­ta erreicht. Der Tan­ker sei von der mal­te­si­schen Mari­ne eskor­tiert wor­den, nach­dem zuvor zeit­wei­se geret­te­te Flücht­lin­ge die Kon­trol­le an Bord der „El Hiblu 1“ über­nom­men hat­ten, wie die mal­te­si­sche Tages­zei­tung „Times of Mal­ta“ berich­te­te. Die 108 Flücht­lin­ge, dar­un­ter 12 Kin­der und 19 Frau­en, durf­ten den Anga­ben zufol­ge in der Haupt­stadt Val­let­ta von Bord gehen. Eini­ge küss­ten beim Ver­las­sen des Schiffs den Boden. Vier der Män­ner wur­den nach ihrer Ankunft in Mal­ta fest­ge­nom­men. Als Flücht­lin­ge die Kon­trol­le über das Schiff über­nom­men hat­ten, kamen laut der Zei­tung kei­ne Waf­fen zum Ein­satz. Die Besat­zung sei jedoch in der Min­der­heit gewe­sen. Sie habe daher den Ein­druck gehabt, kei­ne ande­re Wahl zu haben, als den Anwei­sun­gen der Flücht­lin­ge Fol­ge zu leis­ten. Der ita­lie­ni­sche Innen­mi­nis­ter Matteo Sal­vi­ni schloss eine Auf­nah­me der Migran­ten aus. Er sprach von einem Fall orga­ni­sier­ten Ver­bre­chens und von einem „Akt der Pira­te­rie“. Die deut­sche See­not­ret­tungs­or­ga­ni­sa­ti­on Sea-Watch externer Link dage­gen kri­ti­sier­te die Kri­mi­na­li­sie­rung der Flücht­lin­ge. „Selbst­ver­tei­di­gung gegen eine töd­li­che euro­päi­sche Grenz­po­li­tik ist kei­ne Pira­te­rie“, beton­te die Hilfs­or­ga­ni­sa­ti­on. Die Geret­te­ten hät­ten die Kon­trol­le über das Schiff über­nom­men, um einer Rück­füh­rung nach Liby­en zu ent­ge­hen, wo ihnen Fol­ter und unrecht­mä­ßi­ge Haft droh­ten. Der Tan­ker sei im Begriff gewe­sen, eine völ­ker­rechts­wid­ri­ge Rück­füh­rung nach Liby­en zu star­ten…” Bei­trag vom 29. März 2019 beim Miga­zin externer Link
  • Der men­schen­ver­ach­ten­de Deal der EU mit Liby­en 
    12.748 Men­schen star­ben zwi­schen 1. Janu­ar 2015 und 31. Dezem­ber 2018 im zen­tra­len Mit­tel­meer. Und was macht Euro­pa? Zivi­le See­not­ret­tung ver­hin­dern und wei­ter mit der »liby­schen Küs­ten­wa­che« zusam­men­ar­bei­ten, damit die­se Boots­flücht­lin­ge abfan­gen und in die Fol­ter­la­ger Liby­ens zurück­schaf­fen kann. Die EU rüs­tet wei­ter die soge­nann­te »liby­sche Küs­ten­wa­che« –Mili­zio­nä­re, Men­schen­schmugg­ler und Men­schen­händ­ler – aus. In 2017 und 2018 hat die »liby­sche Küs­ten­wa­che« mehr als 30.000 Boots­flücht­lin­ge auf dem Meer auf­ge­grif­fen. Im Rah­men ihrer Patrouil­len und »Ret­tungs­ein­sät­ze« wen­det sie Gewalt gegen Män­ner, Frau­en und Kin­der an, zwingt die Betrof­fe­nen auf ihre Schif­fe und bringt sie zurück nach Liby­en. Wie­der­holt haben liby­sche Ein­hei­ten zivi­le Seenotretter*innen mit dem Tode bedroht und deren Schif­fe beschos­sen. »Die Küs­ten­wa­che besteht aus unter­schied­li­chen War­lords, die sich den Namen »Küs­ten­wa­che« gege­ben haben, um Geld von Euro­pa zu krie­gen«, sagt Nico­le Hirt, Wis­sen­schaft­le­rin am GIGA Insti­tut für Afri­ka-Stu­di­en in Ham­burg. »Sie sind selbst in Men­schen­schmug­gel invol­viert, ret­ten die Flücht­lin­ge also, damit sie ver­kauft wer­den.« Unge­ach­tet all die­ser Ver­bre­chen wird die »liby­sche Küs­ten­wa­che« wei­ter­hin von der EU hofiert, aus­ge­bil­det und finan­zi­ell unter­stützt. (…) Die EU ver­sucht, die Ver­let­zung des Refou­le­ment-Ver­bots durch Dele­gie­ren an ihre liby­schen Stell­ver­tre­ter zu umge­hen. Auch die­se »Pull-Backs« – das Abfan­gen und gewalt­sa­me Zurück­brin­gen von Flücht­lings­boo­ten nach Liby­en durch die »liby­sche Küs­ten­wa­che« – ver­let­zen inter­na­tio­na­les Recht. Nach Liby­en zurück­ge­brach­te Boots­flücht­lin­ge sind sys­te­ma­tisch schwers­ten Men­schen­rechts­ver­let­zun­gen aus­ge­setzt. Ein Groß­teil wird direkt inhaf­tiert und unter grau­sams­ten und unwür­digs­ten Bedin­gun­gen in Lagern und Gefäng­nis­sen fest­ge­hal­ten. UN-Berich­te doku­men­tie­ren Fol­ter, Ver­ge­wal­ti­gun­gen und außer­ge­richt­li­che Hin­rich­tun­gen. (Zur aktu­el­len Stu­die des Women Refu­gee Cent­re über sexu­el­le Gewalt gegen männ­li­che Geflüch­te­te in Liby­en geht es hier.) Salah Mar­gha­ni, ehe­ma­li­ger Jus­tiz­mi­nis­ter in der liby­schen Nach­bür­ger­kriegs­re­gie­rung stuft die Rück­füh­run­gen von Flücht­lin­gen und Migrant*innen als völ­ker­rechts­wid­rig ein. »Liby­en ist kein siche­rer Ort. Sie wer­den Opfer von Mord wer­den. Sie wer­den gefol­tert wer­den. Das ist doku­men­tiert … Und Euro­pa weiß es.«…” Mel­dung vom 26.03.2019 bei Pro Asyl externer Link
  • Liby­en: Unmensch­li­che Bedin­gun­gen in Inter­nie­rungs­la­ger in Tri­po­lis – Man­gel­er­nähr­te Men­schen auf engs­tem Raum zusam­men­ge­pfercht 
    Fast ein Vier­tel der Flücht­lin­ge und Migran­ten im Inter­nie­rungs­la­ger Sabaa in Tri­po­lis sind akut man­gel­er­nährt oder unter­ge­wich­tig. Das ist das Ergeb­nis eines Berichts von Ärz­te ohne Gren­zen, für den die Teams zwei­mal alle Gefan­ge­nen auf Man­gel­er­näh­rung unter­sucht haben. Die Inhaf­tier­ten berich­ten, sie bekä­men oft tage­lang kein Essen. In dem Inter­nie­rungs­la­ger der liby­schen Ein­heits­re­gie­rung, die von der EU unter­stützt wird, wer­den der­zeit mehr als 300 Men­schen will­kür­lich fest­ge­hal­ten, dar­un­ter mehr als 100 Kin­der und Jugend­li­che. Eini­ge der Gefan­ge­nen waren in einem klei­nen Raum zusam­men­ge­pfercht wor­den, in dem jede Per­son weni­ger als einen Qua­drat­me­ter Platz hat­te. Ärz­te ohne Gren­zen for­dert die liby­schen Behör­den und die inter­na­tio­na­le Gemein­schaft auf, die unmensch­li­chen und krank­ma­chen­den Bedin­gun­gen in den liby­schen Haft­an­stal­ten umge­hend zu been­den…” Pres­se­mit­tei­lung vom 21. März 2019 von und bei Ärz­te ohne Gren­zen externer Link
  • Liby­en soll für die EU Men­schen im Mit­tel­meer ret­ten – doch die Küs­ten­wa­che geht nicht ans Tele­fon 
    Wir ver­öf­fent­li­chen Funk­mit­schnit­te und einen gehei­men Bericht, die bele­gen: Wer im Mit­tel­meer auf die Hil­fe der Liby­er hofft, ist häu­fig ver­lo­ren. Die von der EU auf­ge­bau­te liby­sche Küs­ten­wa­che ist in Not­fäl­len für See­not­ret­ter nicht erreich­bar. Recher­chen von Buz­z­Feed News zei­gen, dass auf den offi­zi­el­len Ruf­num­mern so gut wie nie jemand ant­wor­tet. Die Liby­er spre­chen zudem kein Eng­lisch. Bei­des ist ein kla­rer Ver­stoß gegen inter­na­tio­na­le Vor­ga­ben. Dar­in wer­den sowohl eine 24-Stun­den-Ver­füg­bar­keit als auch Eng­lisch-spre­chen­des Per­so­nal vor­ge­schrie­ben. Buz­z­Feed News lie­gen ins­ge­samt fünf Num­mern vor, die von liby­schen Behör­den als Kon­takt­num­mern für See­not­ret­tun­gen ange­ge­ben wur­den. Zwei davon sind in der Daten­bank der Inter­na­tio­na­len See­schiff­fahrts-Orga­ni­sa­ti­on der Ver­ein­ten Natio­nen (IMO) für See­not­ret­tun­gen hin­ter­legt. Dort ist für Tri­po­lis auch von einem 24-Stun­den-Betrieb die Rede. Ein Repor­ter von Buz­z­Feed News hat an drei ver­schie­de­nen Tagen und zu sechs ver­schie­de­nen Uhr­zei­ten ver­sucht, die­se Num­mern zu errei­chen. Von die­sen 30 Kon­takt­ver­su­chen schei­ter­ten 29, weil der Anruf nicht beant­wor­tet wur­de. Unter den Num­mern, auf denen nie­mand zu errei­chen war, waren auch jene bei­den Num­mern, die in der inter­na­tio­na­len Daten­bank für See­not­fäl­le ein­ge­tra­gen sind…” Bei­trag von Mar­cus Engert vom 15. März 2019 bei Buz­z­Feed News Deutsch­land externer Link
  • Tod im Mit­tel­meer: Die­se frag­wür­di­gen Typen hal­ten der EU Geflüch­te­te vom Hals 
    “Im Herbst 2017 greift die liby­sche Küs­ten­wa­che Ertrin­ken­de und See­not­ret­ter an, ein Video des Vor­falls sorgt inter­na­tio­nal für Auf­se­hen. VICE hat mit den liby­schen See­leu­ten gespro­chen. Als die Ertrin­ken­den ver­su­chen, sich mit letz­ter Kraft auf das Schiff zu ret­ten, guckt Ibra­him auf sein iPho­ne. Mit erns­ter Mie­ne steht er an der Reling und filmt, wie ein Schlauch­boot vor ihm im Meer ver­sinkt. Wie Geflüch­te­te über Köp­fe und Kör­per hin­weg klet­tern, sich ret­ten wol­len und doch wie­der zurück ins Was­ser fal­len. Das wei­ße Gum­mi­boot, das sie nach Euro­pa brin­gen soll­te, ken­tert schon 30 See­mei­len vor der liby­schen Haupt­stadt Tri­po­lis. Min­des­tens 20 ster­ben am 6. Novem­ber 2017. Geflüch­te­te, deren Hoff­nung auf ein bes­se­res Leben auf den Grund des Mit­tel­meers sinkt. Was in die­sen Stun­den auf offe­ner See pas­siert, filmt die Crew des anrü­cken­den Ret­tungs­schif­fes Sea-Watch 3. Die New York Times hat die Ereig­nis­se in einem 15-minü­ti­gen Kurz­film auf­ge­ar­bei­tet, eine Kata­stro­phe im Schnell­durch­lauf. Nach­dem ich mir “It’s an Act of Mur­der” ange­schaut habe, sit­ze ich fas­sungs­los vor dem Lap­top. Das Ver­hal­ten der liby­schen Küs­ten­wa­che, deren eigent­li­che Auf­ga­be es ist, die Ertrin­ken­den aus dem Was­ser zu zie­hen, macht mich rasend. Wie die Liby­er mit einem alten Mili­tär­schiff, das für die Ret­tung von Men­schen völ­lig unge­eig­net ist, auf das Gum­mi­boot zusteu­ern. Wie sie Geflüch­te­te mit einem Tau schla­gen und die See­not­ret­ter atta­ckie­ren. Weil mich die Video­auf­nah­men nicht los­las­sen, klem­me ich mich hin­ter mei­nen Rech­ner. Einen Monat spä­ter bin ich mit acht­zehn Per­so­nen auf Face­book befreun­det, die ich der Besat­zung des Schiffs der liby­schen Küs­ten­wa­che oder ihrem Umfeld zuord­ne. Mit “Ibra­him”, der nicht nur am 6. Novem­ber das Han­dy drauf hält. Auf sei­nem Face­book-Pro­fil lädt er Bil­der ertrun­ke­ner Kin­der hoch. Mit “Aziz”, der die See­not­ret­ter angriff und mir eine absur­de Aus­re­de für sein Ver­hal­ten auf­ti­schen will. Und mit “Ahmed”, der in einem Post den Ter­ror des Isla­mi­schen Staa­tes in Paris fei­ert. (…) Im Mai 2018 haben 17 Über­le­ben­de am Euro­päi­schen Men­schen­rechts­ge­richts­hof Kla­ge gegen den Staat Ita­li­en ein­ge­reicht. Sea-Watch gehört zu den Orga­ni­sa­tio­nen, die sie dabei unter­stüt­zen.” Repor­ta­ge von Paul Schwenn vom 7. März 2019 bei Vice​.com mit vie­len Fotos und Vide­os externer Link
  • Flücht­lings­pro­test in liby­schem Lager: Mit bru­ta­ler Gewalt beant­wor­tet 
    Zustän­de in Lagern wie Triq al-Sik­ka externer Link sind ein Beleg dafür, dass es in Liby­en kei­nen “siche­ren Hafen” gibt, da geret­te­te Men­schen dort in lebens­ge­fähr­li­che Situa­tio­nen gera­ten. Das Lager in der Haupt­stadt Tri­po­lis ist schon seit län­ge­rem berüch­tigt; im Sep­tem­ber 2017 bezeich­ne­te es ein BBC-Bericht als “Höl­le” externer Link. Dar­an hat sich nichts Wesent­li­ches geän­dert, wie aktu­el­le Berich­te zei­gen. Ver­gan­ge­ne Woche kam es nach dem Besuch des nie­der­län­di­schen Bot­schaf­ters am Diens­tag zu Pro­tes­ten im Lager Triq al-Sik­ka externer Link, in deren Fol­ge eine Hun­dert­schaft Poli­zis­ten her­bei­kom­man­diert wur­de, die auf Migran­ten ein­prü­gel­ten, bis sie ohn­mäch­tig wur­den. Meh­re­re Migran­ten wur­den nach den Pro­tes­ten in ande­re Lager ver­bracht, was auch als Spu­ren­ver­wi­schen inter­pre­tiert wer­den kann. Denn im Zusam­men­hang mit der publik gewor­de­nen Gewalt­an­wen­dung, die ges­tern von Hilfs­or­ga­ni­sa­tio­nen scharf gebrand­markt wur­de, wur­de die Öffent­lich­keit erneut auf unmensch­lich har­te Zustän­de auf­merk­sam gemacht. So wer­den fest­ge­hal­te­ne Migran­ten in Kel­ler­zel­len gebracht, wo sie tage- oder mög­li­cher­wei­se gar wochen­lang ohne Licht und schlecht ver­sorgt aus­har­ren müs­sen. Auch gibt es immer wie­der Berich­te von Fol­te­run­gen…“ – aus dem Bei­trag „Liby­en: Migran­ten pro­tes­tie­ren gegen Zustän­de im Lager“ von Tho­mas Pany am 06. März 2019 bei tele­po­lis externer Link, wor­in das EU-finan­zier­te und geför­der­te Wir­ken der liby­schen „Behör­de zur Bekämp­fung der ille­ga­len Migra­ti­on“ aus­führ­lich dar­ge­stellt wird… Sie­he dazu auch eine wei­te­re aktu­el­le Mel­dung:
  • Bun­des­re­gie­rung bestä­tigt: Liby­sche Behör­den für See­not­ret­tung gar nicht erreich­bar 
    “„Jede wei­te­re Aus­bil­dung der soge­nann­ten ‚Küs­ten­wa­che‘ in Liby­en geht am Pro­blem vor­bei und dient ledig­lich dazu, die Trup­pe als Tür­ste­her der Euro­päi­schen Uni­on auf­zu­bau­en. Laut dem Aus­wär­ti­gen Amt sei den Besat­zun­gen das Men­schen- und Völ­ker­recht, die See­not­ret­tung und die Nut­zung mari­ti­mer Kom­mu­ni­ka­ti­ons­ka­nä­le erklärt wor­den. Ange­wandt wer­den die Kennt­nis­se aber nicht, die Ein­sät­ze der Liby­er ver­lau­fen wei­ter­hin unpro­fes­sio­nell, bru­tal und häu­fig töd­lich. Die Zusam­men­ar­beit mit die­ser Trup­pe muss des­halb been­det wer­den“, for­dert der euro­pa­po­li­ti­sche Spre­cher der Links­frak­ti­on im Bun­des­tag, Andrej Hun­ko. Die Bun­des­re­gie­rung bestä­tigt „Schwie­rig­kei­ten bei der elek­tro­ni­schen oder tele­fo­ni­schen Erreich­bar­keit“ der liby­schen „Küs­ten­wa­che“. Das glei­che gel­te „hin­sicht­lich sprach­li­cher Kom­mu­ni­ka­ti­ons­hin­der­nis­se“. Für der­ar­ti­ge Pro­ble­me hat die EU-Mili­tär­mis­si­on EUNAVFOR MED einen „Moni­to­ring-Mecha­nis­mus“ gestar­tet, mit dem Ein­sät­ze zur See­not­ret­tung eva­lu­iert wer­den sol­len. „Die­ser ‚Moni­to­ring-Mecha­nis­mus‘ als Kom­mu­ni­ka­ti­ons­ka­nal mit Liby­en war im gan­zen Som­mer aus­ge­setzt, erfah­ren wir jetzt. Das war jene kri­ti­sche Zeit, wo es Hun­der­te Tote im Mit­tel­meer gab, weil die NGO-Schif­fe in Ita­li­en und Mal­ta fest­ge­setzt waren. Das belegt, dass die liby­sche ‚Küs­ten­wa­che‘ kein ver­läss­li­cher Part­ner bei der See­not­ret­tung sein kann…” Pres­se­mit­tei­lung vom 20. Febru­ar 2019 von und bei Andrej Hun­ko externer Link, dort auch die Ant­wort auf die Klei­ne Anfra­ge „Anschluss der soge­nann­ten liby­schen Küs­ten­wa­che an EU-Infor­ma­ti­ons­sys­te­me”
  • Hilfs­or­ga­ni­sa­tio­nen: Been­det die Flücht­lings-Koope­ra­ti­on mit Liby­en! Liby­en ist für Schutz­su­chen­de die Höl­le auf Erden 
    “… Rund 20 deut­sche Hilfs­or­ga­ni­sa­tio­nen haben ein­dring­lich zu einem Ende der euro­päi­schen Koope­ra­ti­on mit der liby­schen Küs­ten­wa­che auf­ge­ru­fen. Auch Deutsch­land dür­fe nicht dabei zuse­hen, wie aus dem Mit­tel­meer geret­te­te Men­schen in Fol­ter­la­ger zurück­ge­schleppt wür­den, hieß es in dem Appell vom Mon­tag, den unter ande­rem „Brot für die Welt“, Pro Asyl, Mise­re­or, Acat und med­i­co inter­na­tio­nal unter­zeich­net haben. Bun­des­tag und Bun­des­re­gie­rung müss­ten sich zudem für die sofor­ti­ge Schlie­ßung der liby­schen Flücht­lings­haft­la­ger ein­set­zen. In den ver­gan­ge­nen zwei Jah­ren habe die liby­sche Küs­ten­wa­che mehr als 30.000 Flücht­lin­ge und Migran­ten auf dem Meer auf­ge­grif­fen und nach Liby­en zurück­führt. Dort wür­den Men­schen aber unter grau­sams­ten und unwür­digs­ten Bedin­gun­gen in Lagern und Gefäng­nis­sen fest­ge­hal­ten, pro­tes­tier­ten die Hilfs- und Men­schen­rechts­or­ga­ni­sa­tio­nen. Für die Gefan­ge­nen sei dies die Höl­le auf Erden. (…) „Ärz­te ohne Gren­zen“ hat den Rück­trans­port von Boots­flücht­lin­gen vom Mit­tel­meer nach Liby­en bereits ver­gan­ge­ne Woche Mitt­woch als völ­ker­rechts­wid­rig kri­ti­siert. „Die EU-Staa­ten inklu­si­ve Deutsch­lands zwin­gen Män­ner, Frau­en und Kin­der zurück in einen Kreis­lauf von Miss­brauch und Gewalt“, sag­te Flo­ri­an West­phal, Geschäfts­füh­rer von „Ärz­te ohne Gren­zen“ in Deutsch­land. Statt für aus­rei­chend See­not­ret­tung zu sor­gen, zie­he sich die Bun­des­re­gie­rung sogar aus der EU-Ope­ra­ti­on „Sophia“ zurück, die zuletzt ohne­hin kaum noch Men­schen geret­tet habe. West­phal: „Euro­pa lässt Schutz­su­chen­de ertrin­ken und zwingt die Über­le­ben­den in aku­te Gefahr.“ In den Lagern um Mis­ra­ta und Choms befän­den sich 930 Men­schen, dar­un­ter Schwan­ge­re, Klein­kin­der und Babys…” Bericht vom 29. Janu­ar 2019 von und bei Miga­zin externer Link und der Appell bei med­i­co inter­na­tio­nal externer Link
    • EU-Koope­ra­ti­on mit Liby­en: Wie lan­ge noch?
      Die Koope­ra­ti­on zwi­schen EU und soge­nann­ter liby­scher Küs­ten­wa­che ist untrag­bar. Das muss auch die Bun­des­re­gie­rung end­lich ver­ste­hen. Wie lan­ge noch? Die Abge­ord­ne­ten des Men­schen­rechts- und des Aus­wär­ti­gen Aus­schus­ses im Bun­des­tag dür­fen ihre Augen nicht ver­schlie­ßen: Die Koope­ra­ti­on zwi­schen EU und soge­nann­ter liby­scher Küs­ten­wa­che ist untrag­bar. Da wer­den Flüch­ten­de in Lager zurück­ge­schleppt und Zehn­tau­sen­de lei­den. UNHCR und Human Rights Watch spre­chen von Fol­ter, Ver­ge­wal­ti­gun­gen und Hin­rich­tun­gen, von Men­schen­han­del, Skla­ve­rei und Zwangs­ar­beit. Kurz: Liby­en ist kein siche­rer Ort…” Kom­men­tar von Ste­phan-Andre­as Cas­dorff am 280.1.2019 beim Tages­spie­gel online externer Link
  • Ver­bre­cher und ihre Mit­wis­ser. Sys­te­ma­ti­sche Ver­let­zung von Men­schen­rech­ten: Inter­ner Lage­be­richt des Aus­wär­ti­gen Amtes ent­larvt deut­sche und euro­päi­sche Koope­ra­ti­on mit Liby­en 
    In regel­mä­ßi­gen Abstän­den ver­fasst das Aus­wär­ti­ge Amt (AA) inter­ne Län­der­be­rich­te. Ein sol­cher, mit Fokus auf die »asyl- und abschie­bungs­re­le­van­te Lage in Liby­en«, liegt jun­ge Welt nun vor. Das als »Ver­schluss­sa­che – nur für den Dienst­ge­brauch« ein­ge­stuf­te Doku­ment soll die Öffent­lich­keit nicht errei­chen, wohl auch, weil die in ihm ent­hal­te­nen Ein­schät­zun­gen die Koope­ra­ti­on der Euro­päi­schen Uni­on und der Bun­des­re­pu­blik auf dem Gebiet der Migra­ti­ons­po­li­tik in kei­nem guten Licht erschei­nen las­sen. Das Papier mit Stand Juni 2018 zeich­net ein dra­ma­ti­sches Bild der Lage in jenem nord­afri­ka­ni­schen Land, dem Ber­lin und Brüs­sel eine Schlüs­sel­rol­le bei der Ver­hin­de­rung von Migra­ti­ons­be­we­gun­gen nach Euro­pa zuschrei­ben. (…) Das liby­sche Staats­we­sen funk­tio­nie­re »nur sehr ein­ge­schränkt«, einen ver­bind­li­chen Rechts­rah­men gebe es nicht, Men­schen­rechts­ver­let­zun­gen »sind in Liby­en an der Tages­ord­nung«, bilan­ziert das Papier des AA. »Weder der Prä­si­di­al­rat und die Ein­heits­re­gie­rung noch ihre Her­aus­for­de­rer üben effek­ti­ve Kon­trol­le über die Viel­zahl der bewaff­ne­ten Grup­pen aus«, weiß man in Ber­lin. Und noch deut­li­cher: »Auf­grund der frag­men­tier­ten und nicht gesamt­staat­lich kon­trol­lier­ten Sicher­heits­la­ge ist es in Liby­en kaum mög­lich, zwi­schen staat­li­cher Repres­si­on und Repres­sio­nen Drit­ter zu unter­schei­den.« Fol­ter, Ent­füh­run­gen, Mor­de sei­en auf allen Sei­ten zu fin­den. (…) All das aller­dings scheint nun weder die Bun­des­re­gie­rung noch die Euro­päi­sche Uni­on davon abzu­hal­ten, in Sachen »Flücht­lings­ab­wehr« Koope­ra­tio­nen mit Liby­en ein­zu­ge­hen. Anfang Okto­ber bekun­de­te EU-Innen­kom­mis­sar Dimi­tris Avra­mo­pou­los auf eine Anfra­ge der Links­frak­ti­on im Euro­pa­par­la­ment, dass die Unter­stüt­zung der »liby­schen Küs­ten­wa­che« wei­ter aus­ge­baut wer­den soll – und das, obwohl völ­lig unklar ist, wel­chem War­lord die­se als kor­rupt ver­ru­fe­ne Trup­pe über­haupt unter­steht…” Arti­kel von Peter Scha­ber in der jun­gen Welt vom 14.12.2018 externer Link
  • Das Geschäft mit den Flücht­lin­gen: End­sta­ti­on Liby­en 
    “Wenn sie auf­ge­ge­ben haben, bestei­gen sie die Flug­zeu­ge. Die Inter­na­tio­na­le Orga­ni­sa­ti­on für Migra­ti­on (IOM) trans­por­tiert ver­zwei­fel­te Flücht­lin­ge und Migran­ten zurück in ihre Hei­mat­län­der – den Sene­gal, Niger oder Nige­ria. Es ist die Ret­tung vor dem siche­ren Tod und gleich­zei­tig ein Flug zurück in die Hoff­nungs­lo­sig­keit. Für die Men­schen, die Tau­sen­de Kilo­me­ter nach Liby­en gereist sind, um nach Euro­pa über­zu­set­zen, wird die EU-Grenz­si­che­rung zuneh­mend zur Fal­le. Denn die Schleu­ser in Liby­en haben ihr Geschäfts­mo­dell geän­dert: Nun ver­hin­dern sie die Über­fahrt, kas­sie­ren dafür von der EU und ver­kau­fen die Migran­ten als Skla­ven. Die Rück­keh­rer sind die ein­zi­gen Zeu­gen der Skla­ve­rei. Alex­an­der Büh­ler hat sich ihre Geschich­ten erzäh­len las­sen…” Radio­fea­ture von Alex­an­der Büh­ler beim Deutsch­land­funk vom 11. Dezem­ber 2018 externer LinkAudio Datei (Audio­län­ge: 44 Min.)
  • Liby­er stür­men Con­tai­ner­schiff. Flücht­lin­ge woll­ten aus Angst Schiff nicht ver­las­sen 
    “Liby­sche Sicher­heits­kräf­te haben das Con­tai­ner­schiff »Nivin« im Hafen der Küs­ten­stadt Mis­ra­ta gestürmt. Zehn Tage lang hat­ten sich auf dem Mit­tel­meer geret­te­te Flücht­lin­ge gewei­gert, das unter der Flag­ge von Pana­ma fah­ren­de Schiff zu ver­las­sen. Die 92 Schutz­su­chen­den fürch­te­ten, in liby­scher Haft erneut Opfer von Miss­hand­lun­gen zu wer­den. Vie­le der Eri­tre­er, Suda­ne­sen, Ban­gla­de­schis und Äthio­pi­er hat­ten nach eige­nen Anga­ben bis zu einem Jahr in liby­schen Gefäng­nis­sen ver­bracht. Dort hät­ten sie Fol­ter und Zwangs­ar­beit erlit­ten. Die Ein­hei­ten des lnnen­mi­nis­te­ri­ums schos­sen nach Anga­ben der Hilfs­or­ga­ni­sa­ti­on Roter Halb­mond mit Gum­mi­ge­schos­sen auf die mit Stan­gen bewaff­ne­ten Flücht­lin­ge. Zehn ver­letz­te Schutz­su­chen­de wur­den in ein Kran­ken­haus in Mis­ra­ta gebracht. Die Rest­li­chen wur­den wie die eher von Bord gegan­ge­nen 29 Min­der­jäh­ri­gen in ein Flücht­lings­la­ger gebracht. Der Ein­satz dau­er­te mehr als zwei Stun­den, auch weil vie­le Men­schen wegen ihrer schlech­ten Ver­fas­sung von Bord getra­gen wer­den muss­ten. Die Hel­fer des Roten Halb­monds ver­sorg­ten meh­re­re leicht Ver­letz­te. (…) Amnes­ty Inter­na­tio­nal rief die Regie­run­gen der EU wie auch von Pana­ma auf, für die Flücht­lin­ge der »Nivin« eine Lösung zu fin­den.” Bei­trag von Mir­co Keil­berth bei neu­es Deutsch­land vom 21. Novem­ber 2018 externer Link
    • Schiff vor Liby­ens Küs­te: Geret­te­te wol­len nicht an Land, sie befürch­ten, erneut in liby­sche Lager geschickt zu wer­den 
      77 Migran­ten wei­gern sich, ein Con­tai­ner­schiff zu ver­las­sen, des­sen Besat­zung mehr als 90 Schiff­brü­chi­ge am ver­gan­ge­nen Frei­tag auf dem Mit­tel­meer geret­tet hat. Die unter liby­scher Flag­ge fah­ren­de „Nivi“ war auf dem Weg von der liby­schen Hafen­stadt Mis­ra­ta in die Tür­kei, als sie ein Funk­spruch von der See­not­ret­tungs­zen­tra­le in Rom erreich­te. Das Schiff liegt nun wie­der im Hafen von Mis­ra­ta. Mit einem Satel­li­ten­te­le­fon hat­ten die Migran­ten einen Was­ser­ein­bruch sowie einen Motor­scha­den ihres Schlauch­boo­tes gemel­det. Men­schen­händ­ler hat­ten das see­un­tüch­ti­ge Gum­mi­boot ohne aus­rei­chend Was­ser und Pro­vi­ant Rich­tung Sizi­li­en geschickt, berich­te­ten Geret­te­te der taz am Tele­fon. Nach der Rück­kehr der „Nivi“ nach Mis­ra­ta wei­ger­ten sich die Schiff­brü­chi­gen, das Schiff zu ver­las­sen. „Wir haben Angst, in die Gefäng­nis­se zurück­zu­keh­ren, in denen vie­le von uns gefol­tert und sexu­ell miss­braucht wur­den oder Zwangs­ar­beit leis­ten muss­ten“, berich­te­te ein 30-jäh­ri­ger Mann aus Eri­trea der taz am Don­ners­tag, der anonym blei­ben woll­te. Laut Juli­en Raik­man, Koor­di­na­tor der Hilfs­or­ga­ni­sa­ti­on Ärz­te ohne Gren­zen, befin­den sich 28 Min­der­jäh­ri­ge sowie zwei Schwer­ver­letz­te an Bord der „Nivi“. Mit­ar­bei­ter der Orga­ni­sa­ti­on konn­ten 60 Migran­ten medi­zi­nisch unter­su­chen und befra­gen. Es ist bis­lang jedoch nicht gelun­gen, die Ver­letz­ten mit Haut­ver­bren­nun­gen in Kran­ken­häu­ser zu brin­gen. Das Gemisch von Salz­was­ser und aus­lau­fen­dem Ben­zin und Öl aus den Kanis­tern der Schlauch­boo­te führt regel­mä­ßig zu schwe­ren Ver­bren­nun­gen und Ver­ät­zun­gen von Boots­in­sas­sen…” Arti­kel von Mir­co Keil­berth vom 15.11.2018 in der taz online externer Link
  • Flücht­lin­ge in Liby­en: Ret­ter und Beob­ach­ter uner­wünscht 
    “Euro­pa tut gera­de alles dafür, kei­nen ein­zi­gen Flücht­ling mehr an Land kom­men zu las­sen. Und dafür ist jetzt jedes Mit­tel Recht. Auch wenn es Unrecht ist. Das gilt nicht nur für die Tür­kei, son­dern für das gesam­te Mit­tel­meer. Dort ist jetzt dem letz­ten pri­va­ten See­not­ret­tungs­schiff die Zulas­sung ent­zo­gen wor­den. Mit einer offen­sicht­lich rechts­wid­ri­gen Begrün­dung. Aber Recht scheint für die euro­päi­schen Staa­ten schon lan­ge kein Kri­te­ri­um mehr zu sein, wenn es nur dar­um geht, die läs­ti­gen Flücht­lings­hel­fer end­lich los­zu­wer­den. Und damit auch die letz­ten unab­hän­gi­gen Augen­zeu­gen eines Unrechts, das zum Him­mel schreit. (…) Dabei ist sich die Bun­des­re­gie­rung über die Men­schen­rechts­ver­let­zun­gen in Liby­en bewusst. Auf eine „Klei­ne Anfra­ge“ ant­wor­tet sie, man habe Kennt­nis von „inof­fi­zi­el­len ‚detenti­on cen­ters‘“. Dass es bei „Ein­sät­zen der liby­schen Küs­ten­wa­che […] zu Anwen­dung von Gewalt“ kommt. Und es „Zusam­men­ar­beit von Ange­hö­ri­gen der liby­schen Küs­ten­wa­che mit Ange­hö­ri­gen von Struk­tu­ren der Orga­ni­sier­ten Kri­mi­na­li­tät“ gibt. Doch die­se Ant­wor­ten wur­den als “Ver­schluss­sa­che” ein­ge­stuft, soll­ten geheim gehal­ten wer­den. Begrün­dung: Zitat: „Aus Grün­den des Staats­wohls […], da eine Offen­le­gung für die Sicher­heit und die Inter­es­sen der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land nach­tei­lig sein kann.“ Die Wirk­lich­keit – unter Ver­schluss, aus Grün­den des Staats­wohls…” Bericht von Shafagh Lag­hai und Steen Thors­son vom 27. Sep­tem­ber 2018 bei Moni­tor externer Link (Video­län­ge: 7:28 Min., in der ARD-Media­thek abruf­bar bis zum 27. Sep­tem­ber 2019)
  • [14.September 2018] Pro­tes­te in sechs euro­päi­schen Län­dern: Erst recht wegen des Mili­zen­kriegs Schluss machen mit dem Lager­ter­ror gegen Migran­tIn­nen in Liby­en – sofor­ti­ge Eva­ku­ie­rung in siche­re Dritt­län­der 
    Mor­gen, Frei­tag, den 14. Sep­tem­ber, fin­den Sit-ins und Aktio­nen statt, die vom inter­na­tio­na­len Netz­werk eri­trei­scher Migrant*innen ins Leben geru­fen wur­den, um die Inhaf­tie­rung, Fol­te­rung und Aus­set­zung jeg­li­cher Art von Lega­li­sie­rung von Migrant*innen, die in den liby­schen Lagern gefan­gen sind, zu ver­ur­tei­len. Die Situa­ti­on hat sich in den letz­ten Wochen durch den bewaff­ne­ten Kon­flikt ver­schärft und gefähr­det noch mehr das Leben der Hun­dert­tau­sen­den von afri­ka­ni­schen und nicht-afri­ka­ni­schen Migrant*innen, die dar­an gehin­dert wer­den, Liby­en zu ver­las­sen und Asyl zu suchen. Die eri­trei­schen Migrant*innen for­dern die sofor­ti­ge Eva­ku­ie­rung aller Migrant*innen aus Liby­en und eine rasche und direk­te Umsied­lung in siche­re Dritt­län­der. Sie ver­ur­tei­len die Zusam­men­ar­beit der EU-Insti­tu­tio­nen, der Mit­glied­staa­ten und Liby­ens bei einer Poli­tik, die selbst die grund­le­gends­ten Men­schen­rech­te miss­ach­tet, wobei die Inspek­tio­nen des UNHCR durch den Aus­bruch des bewaff­ne­ten Kon­flikts ernst­haft ver­hin­dert wer­den und im All­ge­mei­nen nicht in der Lage sind, eine hoch­in­for­mel­le, chao­ti­sche und zuneh­mend dra­ma­ti­sche Situa­ti­on wirk­lich zu kon­trol­lie­ren. Aber die UNO war nicht in der Lage, zu ver­hin­dern, dass Migrant*innen wie Skla­ven auf öffent­li­chen Märk­ten ver­kauft wer­den, und es ist kei­ner Inspek­ti­on gelun­gen, die sys­te­ma­ti­sche Zusam­men­ar­beit zwi­schen liby­schen Offi­zie­ren und Men­schen­händ­lern, die Ver­ge­wal­ti­gun­gen, die Fol­te­run­gen, Miss­brauch, die Ent­füh­run­gen durch Men­schen­händ­ler und die will­kür­li­chen Inhaf­tie­run­gen durch die Poli­zei zu zer­schla­gen“ – das ist das Vor­wort der Trans­na­tio­nal Social Strike Plat­form vom 13. Sep­tem­ber 2018 zum Auf­ruf „14/​09: Strike the bor­ders. Against the silent mas­sa­c­re of migrants in Lybia“ externer Link bei Frat­ze­buch mit dem Pro­tes­te in Mai­land, Bolo­gna, Genf, Lon­don, Den Haag, Stock­holm und Ber­lin am heu­ti­gen Frei­tag, 14.9 orga­ni­siert wer­den sol­len.
  • SOS Medi­ter­ra­nee und Ärz­te ohne Gren­zen for­dern von EU-Staa­ten rasche Zuwei­sung eines siche­ren Hafens 
    Am 10. August ret­te­te die Crew der Aqua­ri­us 25 Men­schen, die auf einem Holz­boot trie­ben. In einer zwei­ten Ret­tung konn­ten 116 wei­te­re Men­schen geret­tet wer­den, dar­un­ter 67 unbe­glei­te­te Min­der­jäh­ri­ge. (…) Wäh­rend der Ret­tungs­ak­tio­nen hat die Crew der Aqua­ri­us alle zustän­di­gen staat­li­chen Behör­den infor­miert, dar­un­ter die See­not­ret­tungs­zen­tra­len von Ita­li­en, Mal­ta und Tune­si­en und das liby­sche „Joint Res­cue Coor­di­na­ti­on Cen­ter“ (JRCC), wel­ches bestä­tig­te, es sei die Koor­di­nie­rungs­stel­le für die Ret­tun­gen. Das liby­sche JRCC infor­mier­te die Crew der Aqua­ri­us, es wer­de ihr kei­nen siche­ren Hafen für die Geret­te­ten zuwei­sen und wies sie an, bei einer ande­ren See­not­ret­tungs­zen­tra­le danach zu fra­gen. Liby­en selbst kann in kei­nem Fall als siche­rer Ort gel­ten. Men­schen, die in inter­na­tio­na­len Gewäs­sern geret­tet wer­den, dür­fen nicht nach Liby­en zurück­ge­bracht wer­den, son­dern müs­sen gemäß Völ­ker- und See­recht an einen siche­ren Ort gebracht wer­den. Die Aqua­ri­us fährt nun nach Nor­den, um von einer ande­ren See­not­ret­tungs­zen­tra­le einen nahe gele­ge­nen siche­ren Hafen zuge­wie­sen zu bekom­men. (…) „Die Bun­des­re­gie­rung trägt durch ihre akti­ve Unter­stüt­zung der so genann­ten liby­schen Küs­ten­wa­che dazu bei, dass Men­schen in einem unmensch­li­chen Sys­tem von Aus­beu­tung und Gewalt in Liby­en gefan­gen blei­ben. Zu Tau­sen­den wer­den Men­schen mit EU-Unter­stüt­zung nach Liby­en zurück­ge­bracht, oder sie haben gar nicht die Mög­lich­keit, von dort zu flie­hen“, sagt Phil­ipp Frisch von Ärz­te ohne Gren­zen in Deutsch­land. „Die Bun­des­re­gie­rung muss zumin­dest auf ihre euro­päi­schen Part­ner ein­wir­ken, ihre Häfen für die aus See­not geret­te­ten Men­schen zu öff­nen, und auch ihre eige­ne Bereit­schaft zur Auf­nah­me der Geflüch­te­ten bekun­den. Wir erwar­ten, dass sich die Bun­des­re­gie­rung ihrer huma­ni­tä­ren Ver­ant­wor­tung wie­der bewusst wird und end­lich anfängt, sich ent­schlos­sen gegen die Kri­mi­na­li­sie­rung von Flucht und huma­ni­tä­rer Hil­fe zu posi­tio­nie­ren.“ …” Pres­se­mit­tei­lung vom 12.8.2018 bei Ärz­te ohne Gren­zen externer Link
  • Auf­stand in liby­schem Lager: Der all­täg­li­che Ter­ror der EU-Part­ner ruft Wider­stand her­vor 
    Die Men­schen in den Lagern füh­ren ihren Kampf für die Frei­heit den­noch wei­ter. Am Sonn­tag (05.08.18) brach im Inter­nie­rungs­la­ger von Tarek al Matar, in dem momen­tan unge­fähr 1 800 Men­schen ein­ge­sperrt sind, eine Revol­te aus. Die Nach­richt des Pro­tests und der blu­ti­gen Nie­der­schla­gung wur­de von in Ita­li­en leben­den Eri­tre­ern ver­brei­tet, die in Kon­takt mit Men­schen im Lager ste­hen. Nach­fol­gend eini­ge Aus­zü­ge aus dem ein­zi­gen in Ita­li­en ver­öf­fent­li­chen Medi­en­ar­ti­kel über das Gesche­he­ne. „Die in den letz­ten Mona­ten auf­ge­stau­te Span­nung ist am Sonn­tag im über­füll­ten liby­schen Inter­nie­rungs­la­ger Sharie (oder Tarek) al Matar, einem Aus­sen­be­zirk von Tri­po­lis, explo­diert. Die Ver­zweif­lung und der Pro­test der Gefan­ge­nen über die von allen Beob­ach­tern als unmensch­lich beschrie­be­nen Haft­be­din­gun­gen und gegen die Über­wei­sung in ande­re Lager aus Angst, an Men­schen­händ­ler ver­kauft zu wer­den, führ­te zu Aus­ein­an­der­set­zun­gen mit den Wär­tern und drei Ver­letz­ten. Eine Angst, die durch das Ver­schwin­den von 20 Gefan­ge­nen und 65 Frau­en mit Kin­dern in den ver­gan­ge­nen Tagen aus­ge­löst wur­de, was von den Liby­ern mit der Ent­las­tung der über­füll­ten Struk­tur gerecht­fer­tigt wur­de…“ – aus dem Bei­trag „Liby­en: Revol­te im Lager von Tarek al Matar“ am 09. August 2018 bei Aus dem Her­zen der Fes­tung externer Link, wor­in auch die ganz kon­kre­ten Anläs­se der Wider­stands­ak­tio­nen berich­tet wer­den.
  • Migran­ten von Liby­en nach Ita­li­en: “Es kommt kei­ner mehr durch” 
    Nach aktu­el­len Zah­len hat die neue ita­lie­ni­sche Regie­rung eines ihrer Zie­le erreicht. Dem gegen­über steht, dass die Zahl der Ver­miss­ten und Toten im Mit­tel­meer steigt. Aus­ge­blen­det wird die Här­te der Lager in Liby­en (…) Zwei­te Hälf­te Juli 2018: “0 Pro­zent” sol­len es nach Euro­pa geschafft haben. Vor ein paar Tagen, am 2. und 3. August, ver­öf­fent­lich­te Matteo Vil­la eine Rei­he von Kurz­nach­rich­ten über die augen­blick­li­che Situa­ti­on in Ita­li­en. Sei­ne Zusam­men­fas­sung lau­tet: “Ever­yo­ne goes back”. Das Ver­hält­nis, das damit über­schrie­ben wird lau­tet: Nur 24 Pro­zent aller Migran­ten, die von Liby­en aus nach Euro­pa woll­ten, schaff­ten es im Juli tat­säch­lich nach Euro­pa. Das sei der nied­rigs­te Anteil, den man bis­her beob­ach­tet habe, “the LOWEST share ever”. “71 Pro­zent der Migran­ten wur­den auf­ge­grif­fen und nach Liby­en zurück­ge­bracht”, 5,2 Pro­zent gel­ten als “ver­misst oder tot”, zeigt die dazu gehö­ri­ge Gra­fik. Ab 16. Juli ver­schiebt sich das Ver­hält­nis sogar noch deut­li­cher: 99,5 Pro­zent der Migran­ten wer­den “auf­ge­grif­fen und zurück­ge­bracht”, 0,5 Pro­zent wer­den als “ver­misst oder tot” regis­triert und “0 Pro­zent” sol­len es nach Euro­pa geschafft haben (…) Aller­dings ist wie eine wei­te­re Gra­fik von Matteo Vil­la zeigt, die Über­fahrt seit Juni 2018 auch deut­lich ris­kan­ter gewor­den. “In den letz­ten bei­den Mona­ten zäh­len 6,1 Pro­zent der Migran­ten, die von Liby­en aus Rich­tung Euro­pa auf­bra­chen, als “ver­misst oder tot”. Das sei mehr als das Dop­pel­te des Durch­schnitts von 2,4 Pro­zent von Janu­ar 2017 bis Mai 2018. (…) Und Vil­la macht dar­auf auf­merk­sam, dass in die­ser Auf­rei­hung die Zahl der gefan­ge­nen Migran­ten in Liby­en aus­ge­blen­det wür­den. Wie vie­le es sind, weiß nie­mand ver­läss­lich, da es neben den Lagern für ille­ga­le Migran­ten, die unter offi­zi­el­ler Auf­sicht ste­hen, vie­le gibt, die von Mili­zen, die nicht mit der Regie­rung in Ver­bin­dung ste­hen, dafür aber mit Schlep­pern, kon­trol­liert wer­den. Geschätzt wird, dass es meh­re­re Tau­send sind…” Bei­trag von Tho­mas Pany vom 06. August 2018 bei tele­po­lis externer Link
  • Die­ser Geheim­be­richt zeigt: Deutsch­land und die EU wis­sen von grau­sa­men Men­schen­rechts­ver­bre­chen in Liby­en
    In Liby­en wer­den Flücht­lin­ge gefol­tert, ver­ge­wal­tigt und für Organ­han­del ver­kauft. Die EU lässt sie trotz­dem dort­hin brin­gen. Wir ver­öf­fent­li­chen hier den gesam­ten Bericht. Die Bun­des­re­gie­rung und alle EU-Staa­ten sind nach­weis­lich über mas­si­ve Men­schen­rechts­ver­stö­ße in Liby­en infor­miert. Das belegt ein bis­lang gehei­mer Bericht des Euro­päi­schen Aus­wär­ti­gen Diens­tes EEAS, der Buz­z­Feed News Deutsch­land vor­liegt. Der Bericht spricht von Fol­ter, Ver­ge­wal­ti­gung, Zwangs­pro­sti­tu­ti­on, mensch­li­chem Organ­han­del und bewaff­ne­ten Mili­zen. Auch attes­tiert er Liby­en, die Min­dest­an­for­de­run­gen inter­na­tio­na­ler Ver­ein­ba­run­gen wie der EU-Flücht­lings­kon­ven­ti­on nicht ein­zu­hal­ten…” Bei­trag von Mar­cus Engert vom 31. Juli 2018 bei Buz­z­Feed News Deutsch­land externer Link
  • Ret­ter zei­gen liby­sche Küs­ten­wa­che an 
    Ein Boot mit einer Über­le­ben­den und zwei im Mit­tel­meer Gestor­be­nen ist auf Mal­lor­ca ange­kom­men. Sie sol­len von der liby­schen Küs­ten­wa­che zurück­ge­las­sen wor­den sein. (…) Ita­li­ens rech­te Regie­rung hat­te der NGO zuvor zwar eben­falls einen Hafen auf Sizi­li­en zum Anlan­den zuge­wie­sen. Rom woll­te sich aller­dings nur um die Über­le­ben­de, nicht aber um die Toten der Flucht über das Mit­tel­meer küm­mern. Dar­auf­hin steu­er­te Proac­ti­va Spa­ni­en an. Hier sei der “Schutz” der Über­le­ben­den sicher­ge­stellt und gewähr­leis­tet, dass sie frei aus­sa­gen kön­ne, teil­te die Grup­pe mit. (…) Ita­li­ens rech­te Regie­rung hat­te der NGO zuvor zwar eben­falls einen Hafen auf Sizi­li­en zum Anlan­den zuge­wie­sen. Rom woll­te sich aller­dings nur um die Über­le­ben­de, nicht aber um die Toten der Flucht über das Mit­tel­meer küm­mern. Dar­auf­hin steu­er­te Proac­ti­va Spa­ni­en an. Hier sei der “Schutz” der Über­le­ben­den sicher­ge­stellt und gewähr­leis­tet, dass sie frei aus­sa­gen kön­ne, teil­te die Grup­pe mit…” Agen­tur­mel­dung vom 21. Juli 2018 bei der Zeit online externer Link
  • Flücht­lin­ge in Liby­en Das Pro­blem liegt an Land
    Liby­ens Küs­ten­wa­che steht in der Kri­tik – dabei macht die Mari­ne bei der Abwehr von Migran­ten im Mit­tel­meer nur, was die EU von ihr erwar­tet. Viel ver­hee­ren­der ist die Lage für die Flücht­lin­ge an Land. Die Lage afri­ka­ni­scher Migran­ten in Liby­en wird immer pre­kä­rer. Kri­mi­nel­le Gangs, Mili­zen und Schleu­ser­ban­den sei­en stär­ker denn je, warn­te in die­ser Woche Oth­man Bel­bei­si, Chef der Inter­na­tio­na­len Orga­ni­sa­ti­on für Migra­ti­on (IOM) in Liby­en, die der Uno unter­stellt ist. Nach Anga­ben der IOM leben der­zeit mehr als 650.000 Migran­ten in dem nord­afri­ka­ni­schen Land. Min­des­tens 9000 von ihnen wür­den in Lagern fest­ge­hal­ten. Ihre Zahl hat sich seit Jah­res­an­fang mehr als ver­dop­pelt. Das liegt dar­an, dass die liby­sche Küs­ten­wa­che in den ver­gan­ge­nen Mona­ten mehr Flücht­lings­boo­te im Mit­tel­meer gestoppt hat. Ein Groß­teil der geret­te­ten Insas­sen wird anschlie­ßend in die Gefan­ge­nen­la­ger gesteckt. Nach Ein­schät­zung von IOM-Chef Bel­bei­si ist die Inter­nie­rung in einem Lager jedoch kei­nes­falls das schlimms­te Schick­sal, das Migran­ten in Liby­en droht. Die größ­te Gefahr dro­he ihnen von bewaff­ne­ten Ban­den. (…) Die schlech­te Wirt­schafts­la­ge und die weit­ge­hen­de Macht­lo­sig­keit der Regie­rung führ­ten dazu, dass die Men­schen­händ­ler immer skru­pel­lo­ser wür­den, warnt die IOM. Trotz­dem setzt die Euro­päi­sche Uni­on bei der Lösung der Flücht­lings­kri­se auf Liby­en. In dem Land soll­ten Asyl­zen­tren errich­tet wer­den, in denen Flücht­lin­ge unter­kom­men, die aus dem Mit­tel­meer geret­tet wer­den. Doch die zwar weit­ge­hend macht­lo­se, aber inter­na­tio­nal aner­kann­te Regie­rung in Tri­po­lis lehnt die­se Auf­fang­la­ger kate­go­risch ab…” Arti­kel von Chris­toph Sydow vom 20.07.2018 beim Spie­gel online externer Link
  • Sal­vi­ni: Liby­ens Häfen müs­sen siche­re Häfen wer­den – EU-Ein­satz Sophia gestoppt
    In Liby­en sol­len sich gegen­wär­tig mehr als 650.000 Migran­ten auf­hal­ten, die ohne Visa über die Gren­zen gekom­men sind und kei­ne Auf­ent­halts­er­laub­nis haben (“ille­ga­le Migran­ten”) (…) Die pos­tu­lier­te Stei­ge­rung der in Liby­en fest­ge­hal­te­nen Migran­ten wird mit einem “Stau” erklärt, der sich dar­aus ergibt, dass mehr Migran­ten als frü­her von der Küs­ten­wa­che zurück nach Liby­en gebracht wer­den – oder gar nicht erst abfah­ren. Bel­bei­si spricht von einer Über­be­le­gung (i.O: “over­crow­ding”), die mit “der Poli­tik der Küs­ten­wa­che zusam­men­hängt, dass geret­te­te Migran­ten sofort in Haft (i.O. “detenti­on”) kom­men. Das Pro­blem, das damit ver­bun­den ist, heißt, “es gibt kei­nen siche­ren Hafen in Liby­en”. Ita­li­en hat nun ange­fan­gen, sich des Pro­blems anzu­neh­men. Erst­mal ist es vor allem PR, die einen guten Wil­len doku­men­tiert (…) Die Hil­fe wird von 3 Mil­lio­nen auf 6 Mil­lio­nen Euro auf­ge­stockt, die inves­tiert wer­den in “bes­se­re medi­zi­ni­sche Ver­sor­gung, Trink­was­ser, Decken, Essen, Küchen­aus­stat­tung, ver­bes­ser­te Aus­bil­dung des Per­so­nals, Spiel­plät­ze für Kin­der” und auch das ansons­ten ver­fem­te Kür­zel “NGO” taucht auf dem Pla­kat als Signal für eine bes­se­re Welt in den “Migra­ti­ons­zen­tren” auf. (…) Wahr­schein­lich wird peu à peu eine neue Sprach­re­ge­lung ein­ge­führt. Es wäre auf jeden Fall kei­ne gro­ße Über­ra­schung, wenn künf­tig mehr von “Migra­ti­ons­zen­tren” statt von Haft­an­stal­ten – die sie auch nach den stren­gen liby­schen Geset­zen zur ille­ga­len Migra­ti­on sind -, die Rede ist wie auf dem oben erwähn­ten Pla­kat. Aber umso bes­ser, wenn dies durch die Hil­fe unter­mau­ert wird, die auf dem Pla­kat in Aus­sicht gestellt wird, wenn die UNHCR mit dabei ist und wie ange­kün­digt NGOs und loka­le Ver­ei­ni­gun­gen. (…) Wie die Zusam­men­ar­beit zwi­schen Stäm­men, Men­schen­schmugg­lern, Schleu­sern und Ter­ror­grup­pen wie dem IS im weit­läu­fi­gen Grenz­ge­biet zwi­schen Ägyp­ten und Liby­en zeigt, sind die Ver­bin­dun­gen so, dass die Ver­bes­se­rung der Ver­hält­nis­se eine Her­ku­les­ar­beit ist.” Arti­kel von Tho­mas Pany vom 20. Juli 2018 bei tele­po­lis externer Link
  • Liby­en lehnt EU-Flücht­lings­zen­tren ab 
    Der Regie­rungs­chef Liby­ens hat die Arbeit sei­ner Küs­ten­wa­che gegen Vor­wür­fe von Men­schen­rechts­or­ga­ni­sa­tio­nen ver­tei­digt. EU-Flücht­lings­zen­tren lehn­te er ab, man wer­de kei­ne Deals machen, sag­te er. (…) Plä­ne zur Errich­tung von EU-Flücht­lings­zen­tren in Liby­en lehn­te al-Sarr­adsch ab. „Wir sind abso­lut dage­gen, dass Euro­pa ganz offi­zi­ell bei uns ille­ga­le Migran­ten unter­brin­gen will, die man in der EU nicht haben möch­te.“ Sei­ne Regie­rung wer­de zu die­sem Zweck „kei­ne Deals mit Geld mit der EU machen“. Er wun­de­re sich sehr dar­über, „dass in Euro­pa mitt­ler­wei­le nie­mand mehr Migran­ten auf­neh­men will, aber uns bit­tet, hier wei­te­re Hun­dert­tau­sen­de auf­zu­neh­men“…” Agen­tur­mel­dung vom 20.7.2018 beim Tages­spie­gell online externer Link
  • Tod mit Ansa­ge. Liby­sche »Küs­ten­wa­che« über­lässt schiff­brü­chi­ge Flücht­lin­ge ihrem Schick­sal. Hilfs­or­ga­ni­sa­ti­on erhebt schwe­re Vor­wür­fe 
    Die Ret­tungs­schif­fe »Open Arms« und »Astral« der spa­ni­schen Hilfs­or­ga­ni­sa­ti­on Proac­ti­va Open Arms sind auf dem Weg nach Mal­lor­ca, wo sie am Sonn­abend anle­gen wol­len. Das teil­te die NGO am Don­ners­tag über Twit­ter mit. An Bord der »Astral« befin­den sich eine geret­te­te Frau sowie die Lei­chen einer wei­te­ren Frau und eines Kin­des, die ihre Flucht nicht über­lebt haben. Die Ret­ter hat­ten die drei Per­so­nen am Diens­tag in den Trüm­mern eines Schlauch­boo­tes ent­deckt, das etwa 80 See­mei­len (148 Kilo­me­ter) vor der Küs­te Liby­ens im Meer trieb. Nach Ein­schät­zung der Besat­zung waren sie von der als »liby­sche Küs­ten­wa­che« agie­ren­den Miliz, die von der Euro­päi­schen Uni­on unter­stützt wird, ihrem Schick­sal über­las­sen wor­den. (…) Die Aus­sa­gen von Jose­fa, der geret­te­ten Frau, schei­nen die Vor­wür­fe der Ret­ter jedoch zu bestä­ti­gen. Das ita­lie­ni­sche Online­por­tal Inter­na­zio­na­le zitier­te sie mit der Aus­sa­ge, die Grup­pe sei bereits zwei Tage und zwei Näch­te auf hoher See gewe­sen, als »liby­sche Poli­zis­ten« gekom­men sei­en: »Sie haben uns geschla­gen.« Sie wis­se nicht, was danach geschah. Zudem scheint inzwi­schen klar zu sein, dass das Klein­kind erst kurz vor dem Ein­tref­fen der Ret­ter gestor­ben ist. Proac­ti­va Open Arms macht des­halb die Blo­cka­de­po­li­tik Ita­li­ens und ande­rer EU-Staa­ten für des­sen Tod mit­ver­ant­wort­lich: Alles sei blo­ckiert, »auf­grund der­sel­ben Dis­kus­sio­nen und der­sel­ben Ver­zö­ge­run­gen, die ein namen­lo­ses Kind zum Tod ver­ur­teilt haben, das nun in einem wei­ßen Sack im Schiffs­bauch ruht.«…” Arti­kel von André Scheer in der jun­gen Welt vom 20.07.2018 externer Link
  • Liby­sche Küs­ten­wa­che soll Men­schen zum Ster­ben zurück­ge­las­sen haben 
    Spa­ni­sche See­not­ret­ter haben im Mit­tel­meer eine Frau geret­tet. Neben ihr schwam­men die Lei­chen einer wei­te­ren Frau und eines Kin­des. Nun machen die Hel­fer Liby­ens Küs­ten­wa­che schwe­re Vor­wür­fe. Die spa­ni­sche Hilfs­or­ga­ni­sa­ti­on Proac­ti­va Open Arms wirft der liby­schen Küs­ten­wa­che unter­las­se­ne Hil­fe­leis­tung und das Zurück­las­sen von Migran­ten im Mit­tel­meer vor. Die See­not­ret­ter ent­deck­ten auf dem offe­nen Meer eine Über­le­ben­de, die sich an die Über­res­te eines zer­stör­ten Schlauch­boots klam­mer­te, wie sie auf Twit­ter mit­teil­ten. Neben ihr fan­den sie die Lei­che eines Kin­des und die einer ande­ren Frau. Ein Video doku­men­tiert die Ret­tung der Frau am Fund­ort und die Lei­chen…” Mel­dung vom 17.07.2018 bei der Welt online externer Link – sie­he dazu Berich­te, Bil­der und Vide­os von @openarms_fund bei Twit­ter externer Link
  • Liby­en: Ersti­ckungs­tod von acht Migran­ten. UN-Son­der­ge­sand­ter: Der gegen­wär­ti­ge poli­ti­sche Zustand im Land ist unhalt­bar 
    Der Ersti­ckungs­tod von acht Migran­ten, sechs Kin­dern und zwei Erwach­se­nen, in einem ver­schlos­se­nen Gefrier­con­tai­ner bei der liby­schen Küs­ten­ort Zuwa­ra ist die jüngs­te Schock­mel­dung aus einer gan­zen Serie von Nach­rich­ten und Bil­dern im Zusam­men­hang mit der Migra­ti­on, die sich in der Öffent­lich­keit zu einer Art hys­te­ri­schem Stress­test von Huma­ni­tät und Poli­tik ent­wi­ckelt hat (sie­he: War­um nicht über See­not­ret­tung dis­ku­tie­ren?). Laut Reu­ters wur­den 90 Per­so­nen aus dem Con­tai­ner geret­tet, alle­samt in einem kri­ti­schen Zustand. Offen­bar wur­den sie von Schleu­sern in einen Gefrier­con­tai­ner für den Trans­port von Fisch und Fleisch gesteckt, um unent­deckt nach Zuwa­ra zu kom­men. Zuwa­ra ist ein bekann­ter Able­ge­ort für Boo­te, die in Rich­tung Euro­pa auf­bre­chen mit der Aus­sicht, dass sie ent­we­der von der liby­schen Küs­ten­wa­che auf­ge­grif­fen wer­den oder wei­ter drau­ßen von Schif­fen der EUNAVFOR MED, Han­dels­schif­fen oder ande­ren dort ver­keh­ren­den Schif­fen, die von der See­not­ret­tungs­leit­zen­tra­le in Rom zur Hil­fe geschickt wer­den oder dass sie im Meer umkom­men. See­taug­lich sind die Boo­te nicht...” Arti­kel von Tho­mas Pany vom 17. Juli 2018 bei tele­po­lis externer Link
  • Völ­ker­recht­ler über EU-Flücht­lings­po­li­tik: „Liby­en ist nicht sicher“ 
    “Ita­li­en dür­fe nicht das Aus­schif­fen von aus See­not geret­te­ten Flücht­lin­gen ver­bie­ten”, sagt der Bre­mer Völ­ker­rechts­ex­per­te Andre­as Fischer-Lesca­no in einem Inter­view von Chris­ti­an Jakob bei taz online vom 13. Juli 2018 externer Link: “…Wenn die­se Art rechts­po­pu­lis­ti­sche Poli­tik­ver­wei­ge­rung sich durch­setzt, käme unter Umstän­den ein Ver­fah­ren vor dem Euro­päi­schen Gerichts­hof für Men­schen­rech­te in Fra­ge. Der könn­te die sich nun abzeich­nen­de Pra­xis der Ret­tungs­leit­stel­le MRCC in Rom über­prü­fen, Flücht­lin­ge an Liby­en abzu­ge­ben. (…) Die­se Maß­nah­men sind staat­li­che Maß­nah­men Ita­li­ens. Sie fal­len also unter die Euro­päi­sche Men­schen­rechts­kon­ven­ti­on (EMRK) und sie sind pro­ble­ma­tisch im Hin­blick auf das Ver­bot der Kol­lek­tiv­aus­wei­sung und das Ver­bot der unmensch­li­chen Behand­lung. Die recht­lich unge­klär­te Fra­ge ist aber, ob zwi­schen dem MRCC in Rom und den in See­not befind­li­chen Per­so­nen eine so enge Rechts­be­zie­hung besteht, dass die Anwen­dung der EMRK aus­ge­löst wird. Da es aber jeweils um kon­kret betrof­fe­ne Per­so­nen geht und die MRCC-Maß­nah­men jeweils auf kon­kre­te Schif­fe bezo­gen sind, dürf­te dies der Fall sein. (…)Die Fron­tex-Mis­si­on The­mis unter­liegt der Fron­tex­ver­ord­nung und der See­au­ßen­gren­zen­ver­ord­nung der EU und damit dem ein­schlä­gi­gen See­völ­ker­recht. Dafür hat die Inter­na­tio­na­le See­schiff­fahrts­or­ga­ni­sa­ti­on IMO Regeln auf­ge­stellt. Die ver­lan­gen, dass aus See­not geret­te­te Flücht­lin­ge nicht in Län­der gebracht wer­den, in denen ihr Schutz nicht sicher­ge­stellt wer­den kann. Bei­de Ver­ord­nun­gen bezie­hen sich auf die­se völ­ker­recht­li­chen Nor­men. Die See­au­ßen­gren­zen-VO ver­pflich­tet zudem den jewei­li­gen Ein­satz­mit­glied­staat – im Fall der The­mis-Mis­si­on ist das Ita­li­en – dazu, die Aus­schif­fung der geret­te­ten Per­so­nen auf ihrem Ter­ri­to­ri­um zu ermög­li­chen. Sofern Ita­li­en den Fron­tex-Betei­lig­ten die Aus­schif­fung ver­wei­gert, bricht das Land also EU-Recht.”
  • EU finan­ziert Raus­wurf von See­not­ret­tern im Mit­tel­meer 
    “Die Euro­päi­sche Uni­on beauf­tragt Ita­li­en mit der Ein­rich­tung meh­re­rer See-Leit­stel­len in Liby­en. Küs­ten­wa­che und See­po­li­zei wer­den an euro­päi­sche Über­wa­chungs­sys­te­me ange­bun­den, die Behör­den sol­len direkt mit Fron­tex kom­mu­ni­zie­ren. Das Pro­jekt kos­tet 46 Mil­lio­nen Euro und beginnt im Juli. Ita­li­en ist aber längst mit der liby­schen Küs­ten­wa­che ver­netzt. Medi­en­be­rich­ten zufol­ge soll Liby­en seit die­ser Woche über eine offi­zi­el­le See­not­ret­tungs­zo­ne ver­fü­gen. Die­se soge­nann­te SAR-Regi­on ist dem­nach von der Inter­na­tio­na­len See­schiff­fahrts-Orga­ni­sa­ti­on (IMO) offi­zi­ell noti­fi­ziert. (…) Die Bean­tra­gung der liby­schen SAR-Regi­on und Ein­rich­tung des MRCC durch Ita­li­en wird von der Euro­päi­schen Uni­on finan­ziert, mit der Umset­zung beauf­tragt ist das Innen­mi­nis­te­ri­um in Rom. Im Rah­men des Pro­gramms „Unter­stüt­zung für inte­grier­tes Grenz- und Migra­ti­ons­ma­nage­ment in Liby­en“ erhält Ita­li­en hier­für 42 Mil­lio­nen Euro aus dem Not­hil­fe-Treu­hand­fonds für Afri­ka. Zusätz­li­che zwei Mil­lio­nen Euro stam­men aus dem EU-Fonds für inne­re Sicher­heit, wei­te­re zwei Mil­lio­nen steu­ert Ita­li­en bei. Das Pro­gramm wur­de vor einem Jahr beschlos­sen, für die Durch­füh­rung unter­zeich­ne­ten Rom und Tri­po­lis Anfang die­ses Jah­res eine Ver­ein­ba­rung. Bei der EU fir­miert das Pro­jekt unter dem Namen „Mor­gen­rö­te“ („Auro­ra“), der Start soll jetzt im Juli erfol­gen. (…) Die Pro­jekt­lei­tung liegt bei der spa­ni­schen Guar­dia Civil, die die Umset­zung der ope­ra­ti­ven Maß­nah­men eine öffent­li­che Aus­schrei­bung gestar­tet hat. (…)Auch ohne den Auf­bau der liby­schen Küs­ten­wa­che zum mari­ti­men Tür­ste­her Euro­pas wäre es ver­meid­bar, dass so vie­le Men­schen auf der Flucht ertrin­ken. Die Euro­päi­sche Uni­on über­wacht das zen­tra­le Mit­tel­meer lücken­los, sowohl die Grenz­agen­tur Fron­tex als auch die Mili­tär­mis­sio­nen nut­zen dabei hoch­auf­lö­sen­de Satel­li­ten und das leis­tungs­fä­hi­ge Über­wa­chungs­netz­werk EUROSUR, das nun wei­ter aus­ge­baut wird. Fron­tex ver­ar­bei­tet unter ande­rem Satel­li­ten­bild­ma­te­ri­al mit einer Auf­lö­sung von bis zu 24 cm. Auch das weit fort­ge­schrit­te­ne EU-Erd­be­ob­ach­tungs­pro­gramm Coper­ni­cus kon­trol­liert liby­sche Küs­ten­re­gio­nen und die hohe See per Satel­lit. Die­se Auf­klä­rungs­da­ten ste­hen den pri­va­ten See­not­ret­tungs­or­ga­ni­sa­tio­nen jedoch wei­ter­hin nicht zur Ver­fü­gung. War­um eigent­lich nicht? Bei­trag von Mat­thi­as Mon­roy vom 2. Juli 2018 bei Netz­po­li­tik externer Link
  • Liby­sche Lager – zum Teil von Deutsch­land finan­ziert… 
    Die EU schlägt die Ein­rich­tung von Sam­mel­la­gern für Flücht­lin­ge in Nord­afri­ka vor und will etwai­ge Asyl­ge­su­che dort exter­ri­to­ri­al bear­bei­ten. Dies geht aus den Unter­la­gen für den EU-Gip­fel Ende kom­men­der Woche her­vor. Dem­nach sol­len künf­tig Flücht­lin­ge, die auf dem Mit­tel­meer auf­ge­grif­fen wer­den, nicht mehr nach Euro­pa, son­dern zurück nach Nord­afri­ka gebracht wer­den. Wer­den ihre Asyl­an­trä­ge abge­lehnt, wer­den sie von dort in ihre Her­kunfts­län­der abge­scho­ben. Der frü­he­re deut­sche Außen­mi­nis­ter Sig­mar Gabri­el bringt par­al­lel einen Mili­tär­ein­satz in Liby­en ins Gespräch. Tat­säch­lich hat die EU den Schritt zur Nut­zung von Lagern in Nord­afri­ka im Rah­men ihrer Flücht­lings­ab­wehr längst voll­zo­gen. So unter­stützt sie inter­na­tio­na­le Orga­ni­sa­tio­nen, die sich in Liby­en um in Lagern inhaf­tier­te Flücht­lin­ge küm­mern, um mit ihrer Hil­fe eini­ge weni­ge Flücht­lin­ge nach Euro­pa zu holen, die Mehr­heit hin­ge­gen zur vor­geb­lich frei­wil­li­gen Rück­kehr in ihre Her­kunfts­län­der zu ver­an­las­sen. Die Maß­nah­men wer­den zum Teil von Deutsch­land finan­ziert…” Bericht vom 22.06.2018 von und bei Ger­man-For­eign-Poli­cy externer Link
  • Liby­en: Schlä­ger und Schlep­per als “loka­le Sicher­heits­kräf­te” zur Abwehr von Migran­ten? 
    Der neue Innen­mi­nis­ter Sal­vi­ni will das Kon­zept sei­nes Vor­gän­gers Min­niti fort­füh­ren. Wich­ti­ges Ele­ment ist die Ver­hin­de­rung von Abfahr­ten bereits an der Küs­te. Die liby­sche Küs­ten­wa­che gilt als wenig zart besai­tet; mehr­mals wur­de ihnen von See­not­ret­tern vor­ge­wor­fen, dass sie mit Waf­fen droht und rück­sichts­lo­se See­ma­nö­ver unter­nimmt, um Migran­ten ins rich­ti­ge Boot zu holen, das sie nach Liby­en zurück­bringt und nicht in einen ita­lie­ni­schen Hafen. Von NGO-Mit­ar­bei­tern war zu hören, dass es die liby­sche Küs­ten­wa­che auf Ein­schüch­te­rung anlegt. (…) Das “ita­lie­ni­sche Kon­zept”, wie es vom Innen­mi­nis­ter der vor­her­ge­hen­den Regie­rung, Mar­co Min­niti, ent­wi­ckelt wur­de, bestand aus drei Grund­ele­men­ten: das Ver­hin­dern von Abfahr­ten von Migran­ten bereits an der Küs­te Liby­ens, der Ver­stär­kung der Küs­ten­wa­che und der Aus­deh­nung der Such-und Ret­tungs­zo­ne, in der die liby­sche Küs­ten­wa­che das Sagen hat, und wo aus sie die aus See­not Geret­te­ten oder auf­ge­grif­fe­nen Migran­ten wie­der zurück nach Liby­en bringt. (…) Dass er an den EU-Außen­gren­zen anset­zen will, hat er schon betont, wie auch dass er dazu nach Liby­en rei­sen wird. Wie die ita­lie­ni­sche Huf­fing­ton Post ges­tern berich­te­te, will Sal­vi­ni das “model­lo Gen­ti­lo­ni-Min­niti” über­neh­men…” Arti­kel von Tho­mas Pany vom 20. Juni 2018 bei tele­po­lis externer Link
  • EU befin­det liby­sche Mili­zen kom­pe­tent im Kampf gegen Flücht­lin­ge: Kei­ne wirk­li­che Kon­trol­le erwünscht
    Wei­ter­hin agiert die liby­sche Küs­ten­wa­che bei See­not­ret­tungs­fäl­len äußerst rigo­ros und befiehlt ande­ren Orga­ni­sa­tio­nen, sich nicht an Ein­sät­zen zu betei­li­gen. Dies steht völ­ker­recht­li­chen Ver­trä­gen ent­ge­gen. Zudem han­delt die Küs­ten­wa­che äußerst unpro­fes­sio­nell, indem bei Ret­tungs­ein­sät­zen wei­ter­hin kei­ne Fest­rumpf­schlauch­boo­te (Rigid Infla­t­a­ble Boat, RIB) aus­ge­bracht wer­den. Bei Ret­tungs­or­ga­ni­sa­tio­nen ist dies jedoch Stan­dard. Die Euro­päi­sche Kom­mis­si­on stellt den liby­schen Mari­ne­sol­da­ten jetzt GoPro-Kame­ras zur Ver­fü­gung, um deren Men­schen­rechts­ver­let­zun­gen zu ahn­den. Ich bin jedoch über­zeugt, dass kei­ne belas­ten­den Auf­nah­men den Weg zu dem zahn­lo­sen Moni­to­ring-Mecha­nis­mus fin­den, mit dem die Euro­päi­sche Uni­on die Liby­er kon­trol­lie­ren will. Die Par­la­men­ta­ri­sche Ver­samm­lung des Euro­pa­ra­tes hat­te hier­zu gefor­dert, dass zu einem Moni­to­ring auch Sank­tio­nen gehö­ren müs­sen. Jede Zusam­men­ar­beit mit der liby­schen Küs­ten­wa­che müs­se von deren Respekt gegen­über Geflüch­te­ten abhän­gig gemacht wer­den. Mit euro­päi­scher Auf­rüs­tung und Aus­bil­dung bringt die liby­sche Küs­ten­wa­che immer mehr Geflüch­te­te nach Liby­en zurück. Es ist bekannt, dass die­se unter bar­ba­ri­schen Bedin­gun­gen ein­ge­sperrt, gefol­tert oder getö­tet wer­den. Fak­tisch han­delt es sich bei der liby­schen Küs­ten­wa­che also um Men­schen­jä­ger. Hier sehe ich tat­säch­lich eine Pro­fes­sio­na­li­sie­rung, der aber Ein­halt gebo­ten wer­den muss“ – aus der Pres­se­er­klä­rung „Kei­ne Unter­stüt­zung für Men­schen­jä­ger der liby­schen Küs­ten­wa­che!“ des Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­ten Andrej Hun­ko vom 09. Mai 2018 externer Link auf sei­ner Web­sei­te, zur Ant­wort auf sei­ne Anfra­ge über die Zusam­men­ar­beit mit die­sen Mili­zen (die am Ende der Erklä­rung ver­linkt ist).
  • Kein Durch­kom­men: Ein Gut­ach­ten des Bun­des­ta­ges legt nahe, dass euro­päi­sche Schif­fe die See­not­ret­tung von Flücht­lin­gen ver­hin­dern. Und so gegen das Völ­ker­recht ver­sto­ßen
    “… Auf den ers­ten Blick schei­nen die Rol­len auf dem Mit­tel­meer klar ver­teilt: Die Euro­pä­er ret­ten die Flücht­lin­ge und Migran­ten. So wie es das Inter­na­tio­na­le See­recht von ihnen ver­langt. (…) Die Liby­er – die bei der Abwehr der Flücht­lin­ge mit Geld und Aus­rüs­tung aus Deutsch­land, Ita­li­en und ande­ren EU-Staa­ten unter­stützt wer­den – über­neh­men den schmut­zi­gen Part des Deals. Doch so ein­deu­tig ist es nicht, wie ein Gut­ach­ten nun zeigt. In Auf­trag gege­ben hat es Andrej Hun­ko, Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­ter und euro­pa­po­li­ti­scher Spre­cher der Lin­ken. Erstellt hat es der Wis­sen­schaft­li­che Dienst des Bun­des­tags, ein Recher­ch­e­dienst, der die Abge­ord­ne­ten mit unpar­tei­ischer Exper­ti­se ver­sor­gen soll, etwa in juris­ti­schen Fra­gen. Das Gut­ach­ten, das der ZEIT vor­liegt, besagt im Kern, dass nicht nur die liby­schen Küs­ten­wäch­ter Men­schen­rechts­ver­let­zun­gen bege­hen. Son­dern auch euro­päi­sche Kriegs­schif­fe. Und womög­lich auch die ita­lie­ni­sche See­not­leit­stel­le in Rom. Weil die Euro­pä­er die Flücht­lin­ge mit­un­ter nicht ret­ten, son­dern auf dem Meer fest­hal­ten und in die Arme der liby­schen Küs­ten­wa­che trei­ben. Und weil sie den Liby­ern bei gemein­sa­men Ret­tungs­ak­tio­nen in inter­na­tio­na­len Gewäs­sern das Kom­man­do über­las­sen. (…) Tat­säch­lich könn­ten die Macht­spie­le bald ein Ende haben. Aller­dings nicht, weil die EU mit den Liby­ern zu bre­chen gedenkt. Statt­des­sen spen­det sie ihnen Geld, um eine eige­ne Ret­tungs­leit­stel­le auf­zu­bau­en. Sobald die ein­satz­fä­hig ist, wür­den nicht mehr die Euro­pä­er ent­schei­den, wer die Flücht­lin­ge und Migran­ten an Bord nimmt, son­dern die Liby­er. Und die sind bis­lang nicht den Regeln von Men­schen­rechts- und See­rechts­kon­ven­tio­nen gefolgt. Son­dern ihren eige­nen.” Arti­kel von Cate­ri­na Loben­stein vom 21. Febru­ar 2018 bei der Zeit online externer Link
  • Inter­na­tio­na­ler Akti­ons­tag 18. Dezem­ber: City Pla­za Athen ruft auf, den euro­päi­schen Lager­ter­ror in Liby­en zu been­den 
    Das Ende der Finan­zie­rung der liby­schen Miliz-Lager und das Ende des Krie­ges gegen die Flücht­lin­ge – das sind die zen­tra­len For­de­run­gen des Inter­na­tio­na­len Akti­ons­ta­ges am 18. Dezem­ber 2017, zu dem City Pla­za Athen die Initia­ti­ve ergrif­fen hat. Der Auf­ruf „18d2017: Stop Euro­pe Fun­ding Slavery in Libya – Stop Wars Against Migrants“ vom 01. Dezem­ber 2017 externer Link auf der (Fratzebuch)Seite der Initia­ti­ve doku­men­tiert eine Rei­he von Aus­sa­gen von betrof­fe­nen Flücht­lin­gen über die Lager eben­so, wie die Ent­wick­lung der liby­schen Mili­zen­la­ger und deren Finan­zie­rung skiz­ziert wird. Zwei­ter zen­tra­ler Punkt die­ses Auf­ru­fes ist nahe­lie­gen­der Wei­se die Situa­ti­on geflüch­te­ter Men­schen auf den grie­chi­schen Inseln, wo gera­de jetzt die Repres­si­on gegen jene beginnt, die sich gegen die Ver­hält­nis­se zur Wehr gesetzt haben. Von der Sei­te aus gibt es auch eine Ver­lin­kung zu jenen Orten, an denen an die­sem 18. Dezem­ber Aktio­nen statt­fin­den sol­len.
  • Amnes­ty doku­men­tiert liby­schen Ter­ror gegen Flücht­lin­ge: Im Auf­trag der EU 
    In die­sem Jahr wur­den nach offi­zi­el­len Anga­ben bis­her 19.452 Men­schen von der liby­schen Küs­ten­wa­che auf dem Mit­tel­meer abge­fan­gen. Ehe­ma­li­ge Gefan­ge­ne der Haft­zen­tren berich­te­ten Amnes­ty von Fol­ter und Zwangs­ar­beit. “Die hilf­lo­sen Men­schen in Liby­ens Haft­zen­tren wer­den inhaf­tiert, aus­ge­raubt und erpresst. Oft müs­sen ihre Fami­li­en am Tele­fon mit­er­le­ben, wie der Vater oder die Schwes­ter schwer miss­han­delt wer­den, um das Löse­geld zu erpres­sen”, erklärt Bee­ko. “Jede Koope­ra­ti­on mit liby­schen Stel­len darf nur unter dem sofor­ti­gen Vor­be­halt eines wirk­li­chen Schut­zes der inhaf­tier­ten Men­schen fort­ge­setzt wer­den. Die Mit­glieds­staa­ten der Euro­päi­schen Uni­on müs­sen bei den liby­schen Behör­den ein­for­dern, dass die will­kür­li­chen Inhaf­tie­run­gen und Miss­hand­lun­gen von Flücht­lin­gen und Migran­ten sofort enden und die Men­schen unver­züg­lich aus den Haft­zen­tren frei­ge­las­sen wer­den. Die liby­sche Regie­rung muss die Gen­fer Flücht­lings­kon­ven­ti­on unter­zeich­nen, das Man­dat des UNHCR aner­ken­nen und die­sem den voll­um­fäng­li­chen Zugang zu schutz­be­dürf­ti­gen Men­schen gewäh­ren…“ – aus dem Arti­kel „EU-Staa­ten unter­stüt­zen sys­te­ma­ti­sche Miss­hand­lun­gen zehn­tau­sen­der Men­schen“ am 12. Dezem­ber 2017 bei amnes­ty inter­na­tio­nal externer Link, der Vor­stel­lungs­text einer neu­en Doku­men­ta­ti­on von ai zur Wirk­lich­keit des Lebens der Flücht­lin­ge im EU-finan­zier­ten Liby­en ist. Sie­he dazu auch den Link zur (eng­li­schen) neu­en Doku­men­ta­ti­on von ai über Flücht­lin­ge in Liby­en und die EU Ver­ant­wor­tung: Libya’s dark web of col­lu­si­on“ vom Dezem­ber 2017 externer Link ist eben der genann­te Bericht, der über 66 Sei­ten zu der Schluss­fol­ge­rung kommt, wenn die EU es irgend­wie ernst mei­ne mit Men­schen­rech­ten dür­fe sie die Zusam­men­ar­beit in die­ser Form „kei­nen Tag län­ger“ betrei­ben…
  • Nach dem Gip­fel in Abidjan: Liby­en-Deal gegen Flücht­lin­ge 2.0? 
    Ber­lin und Paris trei­ben die Mas­sen­ab­schie­bung von Flücht­lin­gen aus Liby­en vor­an und wol­len nicht abschieb­ba­re Flücht­lin­ge in Lagern in zwei Wüs­ten­staa­ten Nord­afri­kas fest­set­zen. Dies haben Bun­des­kanz­le­rin Ange­la Mer­kel und Prä­si­dent Emma­nu­el Macron gemein­sam mit wei­te­ren Staats- und Regie­rungs­chefs aus Euro­pa und Afri­ka beschlos­sen. Dem­nach sol­len Mit­ar­bei­ter des UNHCR und der Inter­na­tio­nal Orga­niz­a­ti­on for Migra­ti­on (IOM) Migran­ten in Liby­en über­prü­fen. Wer poli­ti­sche Flucht­grün­de gel­tend machen kann, wird in Lager in Niger und Tschad gebracht und kann in euro­päi­sche und außer­eu­ro­päi­sche Län­der wei­ter­ver­teilt wer­den. Alle ande­ren wer­den auf Kos­ten afri­ka­ni­scher Staa­ten in ihre Her­kunfts­län­der gebracht. Mit dem Vor­stoß kom­men Kon­zep­te zum Tra­gen, wie sie in Aus­tra­li­en gegen Pro­test der UNO und ver­schie­de­ner Men­schen­rechts­or­ga­ni­sa­tio­nen prak­ti­ziert wer­den und wie sie der dama­li­ge Bun­des­in­nen­mi­nis­ter Otto Schi­ly (SPD) schon 2004 vor­ge­schla­gen hat. Zu ihrer Rea­li­sie­rung ist ein Mili­tär­ein­satz in Liby­en im Gespräch“ – aus dem Bei­trag „Ab in die Wüs­te“ am 01. Dezem­ber 2017 bei Ger­man For­eign Poli­cy externer Link über die Ergeb­nis­se des EU-Afri­ka-Gip­fels für das euro­päi­sche Kern­the­ma Krieg gegen Flücht­lin­ge. Sie­he zur Anpas­sung des Flücht­lings­de­als mit Liby­en auch eine Pres­se­mit­tei­lung von Pro Asyl:
    • „Ein neu­er Liby­en-Flücht­lings­de­al?“ am 30. Novem­ber 2017 bei Pro Asyl ist eine Pres­se­mit­tei­lung zu den Gip­fel-Ergeb­nis­sen externer Link, in der unter­stri­chen wird: „Die CNN-Bil­der über die Ver­skla­vung von Flücht­lin­gen und Migran­ten haben die Welt auf­ge­rüt­telt und zwin­gen nun auch die Archi­tek­tin­nen des Liby­en-Deals aus Rom, Paris und Ber­lin zum Han­deln. Es ist von »Eva­ku­ie­rung« von Opfern von Fol­ter und Ver­ge­wal­ti­gung aus den liby­schen Haft­la­gern die Rede. Die UN ver­mel­det den Auf­bau eines Tran­sit- und Abrei­se­zen­trums in Liby­en. Wie, wohin und wann Schutz­su­chen­de aus­ge­flo­gen wer­den, ist wei­ter unklar. Es ist zu befürch­ten, dass der noch nicht aus­for­mu­lier­te »Mer­kel- Macron- Plan« das Ziel ver­folgt, den Groß­teil der Eva­ku­ier­ten in ihre Her­kunfts­län­der zurück zu schaf­fen oder in »Auf­be­wahr­zen­tren« in afri­ka­ni­schen Dritt­staa­ten zu trans­por­tie­ren“.
    • Ab in die Wüs­te
      “Ber­lin und Paris trei­ben die Mas­sen­ab­schie­bung von Flücht­lin­gen aus Liby­en vor­an und wol­len nicht abschieb­ba­re Flücht­lin­ge in Lagern in zwei Wüs­ten­staa­ten Nord­afri­kas fest­set­zen. Dies haben Bun­des­kanz­le­rin Ange­la Mer­kel und Prä­si­dent Emma­nu­el Macron gemein­sam mit wei­te­ren Staats- und Regie­rungs­chefs aus Euro­pa und Afri­ka beschlos­sen. Dem­nach sol­len Mit­ar­bei­ter des UNHCR und der Inter­na­tio­nal Orga­niz­a­ti­on for Migra­ti­on (IOM) Migran­ten in Liby­en über­prü­fen. Wer poli­ti­sche Flucht­grün­de gel­tend machen kann, wird in Lager in Niger und Tschad gebracht und kann in euro­päi­sche und außer­eu­ro­päi­sche Län­der wei­ter­ver­teilt wer­den. Alle ande­ren wer­den auf Kos­ten afri­ka­ni­scher Staa­ten in ihre Her­kunfts­län­der gebracht. Mit dem Vor­stoß kom­men Kon­zep­te zum Tra­gen, wie sie in Aus­tra­li­en gegen Pro­test der UNO und ver­schie­de­ner Men­schen­rechts­or­ga­ni­sa­tio­nen prak­ti­ziert wer­den und wie sie der dama­li­ge Bun­des­in­nen­mi­nis­ter Otto Schi­ly (SPD) schon 2004 vor­ge­schla­gen hat. Zu ihrer Rea­li­sie­rung ist ein Mili­tär­ein­satz in Liby­en im Gespräch…” Bericht vom 1. Dezem­ber 2017 von und bei Ger­man-For­eign-Poli­cy externer Link
  • Pro­tes­te gegen liby­schen Skla­ven­händ­ler wach­sen wei­ter an – ihre EU-Hin­ter­män­ner las­sen prü­geln 
    Skla­ven-Auk­tio­nen, Mas­sen­ver­ge­wal­ti­gun­gen, Hun­ger und Schlä­ge – Flücht­lin­ge, die in liby­scher Gefan­gen­schaft waren, berich­ten von bru­ta­len Ver­ge­hen. Die Staats- und Regie­rungs­chefs wol­len sich auf dem bevor­ste­hen­den EU-Afri­ka-Gip­fel damit beschäf­ti­gen. Wo in die­ser Woche rund 80 Staats- und Regie­rungs­chef aus Afri­ka und Euro­pa ankom­men und in Limou­si­nen zu ihrem Gip­fel­tref­fen chauf­fiert wer­den, da stan­den vor weni­gen Tagen noch Bus­se und Kran­ken­wa­gen für Heim­keh­rer aus Liby­en. Auf dem Flug­ha­fen der ivo­ri­schen Haupt­stadt Abidjan berich­te­ten sie Repor­tern von ihren Erfah­run­gen – wenn sie denn über­haupt dafür noch Wor­te fan­den. “Es ist ihr Geschäft, Men­schen zu ver­kau­fen”, sagt die 34-jäh­ri­ge Sonia, wenn sie über ihre liby­schen Pei­ni­ger spricht. “Man kann das nicht beschrei­ben, es ist zu schlimm. Sie kom­men und schla­gen dich, es gibt oft nichts zu essen. Man sitzt da fest. Sie ver­ge­wal­ti­gen die Frau­en. Nur mit Got­tes Hil­fe bin ich hier ange­kom­men““ – aus dem Bei­trag „Sie machen mit dir, was sie wol­len“ von Ste­fan Ehlert am 26. Novem­ber 2017 bei der tages­schau externer Link, der im Vor­feld des neu­er­li­chen EU-Afri­ka-Gip­fels in Abidjan infor­miert, dass die Situa­ti­on in Liby­en dort – immer­hin – „auf der Tages­ord­nung“ ste­he. Sie­he dazu auch einen wei­te­ren aktu­el­len Bei­trag, einen Bericht über aber­ma­li­ge Poli­zei­an­grif­fe auf Pro­tes­te gegen Skla­ven­han­del – dies­mal in Brüs­sel – und die gemein­sa­me Erklä­rung der Black Com­mu­ni­ty in der BRD:
    • „Pro­tes­te gegen Skla­ve­rei in Liby­en“ von Mari­na Mai am 27. Novem­ber 2017 in neu­es deutsch­land externer Link ist ein Bericht von der Ber­li­ner Pro­test-Demons­tra­ti­on am 25.11, wor­in es unter ande­rem heißt: „Auf den zahl­rei­chen Trans­pa­ren­ten, die die Teil­neh­mer mit sich führ­ten, stand unter ande­rem »Skla­ven­hal­ter in Liby­en – Wach­hun­de für die EU-Abschot­tung«, »Wir sind kei­ne Ware« oder »Stoppt die Ver­skla­vung, Ver­ge­wal­ti­gung und Ermor­dung von Afri­ka­nern«. Zwei Män­ner hat­ten sich vor der liby­schen Bot­schaft zudem in Ket­ten gelegt und rie­fen »Frei­heit«, um den Skla­ven­han­del optisch sicht­bar zu machen. Sie spra­chen Ara­bisch, damit die liby­schen Diplo­ma­ten ihre Wor­te ver­ste­hen konn­ten. Die Poli­zei hat­te die Bot­schaft abge­schot­tet. Vie­le Demons­tra­ti­ons­teil­neh­mer zeig­ten sich ent­täuscht dar­über. Sie hat­ten gehofft, ihren Pro­test den liby­schen Ver­tre­tern per­sön­lich über­mit­teln und mit ihnen reden zu kön­nen“.
    • „Brüs­sel: Aus­schrei­tun­gen bei Pro­test gegen Skla­ven­han­del in Liby­en“ am 26. Novem­ber 2017 bei Der Stan­dard externer Link ist ein Bericht über die Brüs­se­ler Demons­tra­ti­on – und, wie üblich, sind nicht die Aus­schrei­tun­gen der Poli­zei gemeint, son­dern: „Laut Poli­zei hat­te sich eine Grup­pe von zunächst rund 30 vor­wie­gend jun­gen Demons­tran­ten gegen Ende der Kund­ge­bung am Sams­tag­nach­mit­tag ver­mummt und ange­fan­gen, Geschäf­te und auch einen Poli­zei­wa­gen anzu­grei­fen. Die laut Medi­en­be­rich­ten zwi­schen 15- und 18-Jäh­ri­gen beschä­dig­ten min­des­tens drei Geschäf­te, meh­re­re Fahr­zeu­ge sowie Stra­ßen­schil­der. Ein Poli­zist erlitt durch ein Wurf­ge­schoss eine “Frak­tur am Kopf”, teil­te die Spre­che­rin der Staats­an­walt­schaft, Ine Van Wymersch, mit. Er befand sich dem­nach am Sonn­tag wei­ter im Kran­ken­haus. Nach einem Bericht der bel­gi­schen Nach­rich­ten­agen­tur Bel­ga wur­den ein Was­ser­wer­fer und ein Hub­schrau­ber als Ver­stär­kung geschickt. Einem Groß­auf­ge­bot der Poli­zei gelang es erst am Abend, die Ruhe wie­der­her­zu­stel­len. Vier der Fest­ge­nom­men, dar­un­ter drei Min­der­jäh­ri­ge, müs­sen sich laut der Spre­che­rin der Staats­an­walt­schaft nun unter ande­rem wegen ver­such­ten Ein­bruch­dieb­stahls, Sach­be­schä­di­gung und Kör­per­ver­let­zung vor Gericht ver­ant­wor­ten. Gegen den Erwach­se­nen sol­le ein Haft­be­fehl erwirkt wer­den“.
    • GEMEINSAME ERKLÄRUNG DER BLACK COMMUNITY DEUTSCHLAND GEGEN DIE VERSKLAVUNG, VERGEWALTIGUNG, ERMORDUNG, FOLTER, GEFANGENSCHAFT UND ERNIEDRIGUNG VON UND DEN HANDEL MIT SCHWARZEN MENSCHEN IN LIBYENexterner Link am 25. Novem­ber 2017 bei The Voice hebt in den 10 Punk­ten, nach aus­führ­li­cher Kri­tik der Zustän­de in Liby­en und der EU, sowie der Untä­tig­keit afri­ka­ni­scher Regie­run­gen abschlie­ßend her­vor: „Ange­sichts der oben genann­ten Unfä­hig­keit und Unwil­lig­keit afri­ka­ni­scher Staa­ten, Schwar­ze Men­schen welt­weit vor frem­den ras­sis­ti­schen Ver­skla­vern und Unter­drü­ckern, impe­ria­lis­ti­schen Aus­beu­tern und per­ver­sen Ver­ge­wal­ti­gern zu schüt­zen, müs­sen Schwar­ze Com­mu­nities für ihren Schutz, ihr Über­le­ben und ihre Frei­heit selbst sor­gen. Es ist nicht unser Schick­sal, die pas­si­ve Beu­te von ras­sis­ti­schen Ver­bre­chen welt­weit zu sein. Daher ruft die Black Com­mu­ni­ty in Deutsch­land alle Schwar­zen Frau­en* und Män­ner*, Kin­der und Erwach­se­ne dazu auf, sich in allen Berei­chen und For­men der Selbst­ver­tei­di­gung, von Selbst­schutz und Selbst­be­haup­tung aus­zu­bil­den und sich lokal, regio­nal, bun­des­weit und glo­bal zu ver­net­zen und sich gegen­sei­tig zu unter­stüt­zen“.
  • See­not­ret­ter bekla­gen Behin­de­run­gen bei Flücht­lings­su­che – Liby­sche Küs­ten­wa­che ver­zö­gert Ret­tungs­ein­satz 
    Hilfs­or­ga­ni­sa­tio­nen haben eine zuneh­men­de Behin­de­rung bei der Suche nach schiff­brü­chi­gen Flücht­lin­gen auf dem Mit­tel­meer beklagt. Die deut­sche Orga­ni­sa­ti­on Mis­si­on Life­li­ne erklär­te am Frei­tag, dass ein EU-Mari­ne­schiff sie von einer Such­ak­ti­on abge­hal­ten habe. Man habe die Auf­for­de­rung von einem Schiff der EU-Ope­ra­ti­on Eun­av­for Med erhal­ten, aus dem Such­ge­biet abzu­fah­ren, sag­te ein Spre­cher der säch­si­schen Orga­ni­sa­ti­on. Als Grund sei eine mili­tä­ri­sche Übung ange­ge­ben wor­den. Der Vor­fall sei ein wei­te­res Zei­chen, wie Hilfs­or­ga­ni­sa­tio­nen abge­drängt wür­den, um Migran­ten zu suchen. Die deutsch-fran­zö­sisch-ita­lie­ni­sche Orga­ni­sa­ti­on SOS Medi­ter­ra­nee erklär­te, von der ita­lie­ni­schen Küs­ten­wa­che zum “Stand-by” ange­wie­sen wor­den zu sein, damit die liby­sche Küs­ten­wa­che mit der Mari­ne eine Ret­tungs­ak­ti­on von drei Schlauch­boo­ten durch­füh­ren kön­ne…” Mel­dung vom 24. Novem­ber 2017 bei klei​ne​zei​tung​.at externer Link, sie­he dazu: Ret­tungs­ein­satz vor Liby­en: Jun­ge Frau stirbt auf der Flucht über das Mit­tel­meer. Pres­se­mit­tei­lung vom 24. Novem­ber 2017 von und bei SOS Medi­ter­ra­nee externer Link mit detail­ier­ter und erschüt­tern­der Dar­stel­le­ung der letz­ten Aktio­nen
  • Wach­sen­de welt­wei­te Empö­rung und Kri­tik an liby­schen Zustän­den nach Skla­ven­han­del-Video: Die euro­päi­schen Hin­ter­män­ner tun so, als ob sie das nichts angin­ge 
    Wäh­rend nicht nur in zahl­rei­chen afri­ka­ni­schen Staa­ten und Migra­ti­ons-Gemein­schaf­ten in euro­päi­schen Län­dern Empö­rung und Kri­tik nach der welt­wei­ten Ver­brei­tung des CNN Vide­os über Skla­ven­han­del zuneh­mend höhe­re Wel­len schla­gen – neben erneu­ten Demons­tra­tio­nen etwa in Frank­reich nun auch in Ber­lin (sie­he wei­ter unten) – wird, zumin­des­tens in einem guten Teil der so ent­fach­ten Medi­en­schlacht, die Rol­le der Finan­ziers der Skla­ven­hal­ter­ban­den, der EU also, (absicht­lich) ver­ges­sen. Die EU selbst schweigt laut­stark. Lässt aber in Paris eine spon­ta­ne Demons­tra­ti­on zusam­men prü­geln – und wird mit Sicher­heit auch bei der Ber­li­ner Demons­tra­ti­on am 25. Novem­ber 2017 der liby­schen Bot­schaft Schutz ange­dei­hen gegen die gefähr­li­chen Pro­tes­tie­rer. (Skla­ven­händ­ler sind nicht gefähr­lich – nur für Skla­ven). Die liby­sche Regie­rung: Setzt eine Kom­mis­si­on ein. Sie­he dazu vier aktu­el­le Bei­trä­ge und einen Demons­tra­ti­ons­auf­ruf für Ber­lin am 25. Novem­ber:
    • Das CNN-Video externer Link: Migrants being sold as slaves in Libya
    • ITUC Joins Call for Action to End Migrant Slave Tra­de in Libya“ am 22. Novem­ber 2017 beim Inter­na­tio­na­len Gewerk­schafts­bund externer Link ist eine Erklä­rung der Föde­ra­ti­on gegen den Skla­ven­han­del mit Migran­tIn­nen vor allem in Liby­en. Mit die­ser Erklä­rung schließt sich ITUC der Erklä­rung der Afri­ka­ni­schen Uni­on an – und bei­de klam­mern in ihren Erklä­run­gen die Rol­le der EU als Finan­zier der Skla­ven­händ­ler aus…
    • „’Whe­re is the world?’: Libya responds to outra­ge over slave auc­tions“ von Raja Razek und Lau­ren Said-Moor­house am 23. Novem­ber 2017 bei der CNN externer Link ist ein Bei­trag zu einer Erklä­rung der liby­schen Teil­re­gie­rung, die von der UN aner­kannt wird, in der her­vor geho­ben wird, dass man einen Unter­su­chungs­aus­schuss beschlos­sen habe, die­se Regie­rung allei­ne aber das Pro­blem nicht lösen kön­ne.
    • „Skla­ven­markt Liby­en“ von Knut Mel­lent­hin am 24. Novem­ber 2017 in der jun­gen welt externer Link befasst sich unter ande­rem mit dem „Medi­en­echo“ auf die Skla­ven­hal­ter-Ent­hül­lun­gen und der Pro­pa­gan­da des Abschie­bungs-Dienst­leis­ters IOM: „Öffent­li­che Skla­ven­märk­te in liby­schen Städ­ten sind unter prak­ti­schen Gesichts­punk­ten eher unwahr­schein­lich. Das US-Nach­rich­ten­ma­ga­zin Time ver­öf­fent­lich­te schon am 21. Okto­ber 2016 eine Foto­ge­schich­te unter dem Titel »Libya’s Migrant Eco­no­my Is a Modern Day Slave Mar­ket« (»Liby­ens Migran­ten­wirt­schaft ist ein moder­ner Skla­ven­markt«). Um Skla­ven­märk­te im his­to­ri­schen Wort­sinn ging es dabei jedoch nicht. Men­schen käuf­lich als dau­er­haf­tes Eigen­tum zu erwer­ben macht unter kapi­ta­lis­ti­schen Ver­hält­nis­sen nur in Aus­nah­me­fäl­len Sinn. Bei der Time-Sto­ry ging es haupt­säch­lich um zwangs­ge­stütz­te Tage­löh­ner­ver­hält­nis­se wie etwa im fol­gen­den Bei­spiel: Die IOM mel­de­te im März 2015 den erfolg­rei­chen Abschluss einer von ihr in meh­re­ren Schü­ben durch­ge­führ­ten Abschie­bungs­ak­ti­on. Ins­ge­samt hat­te der Dienst­leis­ter nach eige­nen Anga­ben seit dem 27. Febru­ar 401 Sene­ga­le­sen in ihr Hei­mat­land zurück­brin­gen las­sen. Sie waren in Liby­en »gestran­det«, nach­dem sie mona­te­lang auf Bau­stel­len gear­bei­tet hat­ten, aber im Dezem­ber 2014 aus irgend­wel­chen Grün­den nicht mehr benö­tigt wur­den. Sie wur­den bei nächt­li­chen Raz­zi­en fest­ge­nom­men und zusam­men mit ande­ren Tage­löh­nern zunächst in einem Gebäu­de­kom­plex gefan­gen­ge­hal­ten und von ihren Bewa­chern aus­ge­plün­dert, bevor sie die IOM-For­mu­la­re mit der »frei­wil­li­gen« Bit­te um Hil­fe bei der Heim­rei­se unter­schrie­ben. An der Mas­sen­ab­schie­bung waren neben der IOM auch der Liby­sche Rote Halb­mond und das Liby­sche Direk­to­rat zur Bekämp­fung Ille­ga­ler Miga­ti­on (DCIM) in Tri­po­lis betei­ligt. Letz­te­res ist einer der wich­tigs­ten Part­ner der EU bei der radi­ka­len Ein­däm­mung der Migra­ti­ons­be­we­gun­gen nach Euro­pa“.
    • „Wer ret­tet die Skla­ven?“ von Domi­nic John­son am 23. Novem­ber 2017 in der taz externer Link hat – neben einer ruan­di­schen Auf­nah­me-Initia­ti­ve – vor allem die afri­ka­ni­schen Reak­tio­nen ins­ge­samt als The­ma: „Ruan­da über­nimmt 2018 den Vor­sitz der AU und hat ambi­tio­nier­te Reform­plä­ne, um den Staa­ten­bund hand­lungs­fä­hi­ger zu machen. Kom­men­de Woche fin­det in der Elfen­bein­küs­te der regel­mä­ßi­ge EU-Afri­ka-Gip­fel statt, bei dem Fra­gen der Migra­ti­ons­po­li­tik eine wich­ti­ge Rol­le spie­len dürf­ten. Meh­re­re afri­ka­ni­sche Regie­run­gen haben ange­kün­digt, die Ver­skla­vung von Afri­ka­nern in Liby­en und Euro­pas Unter­stüt­zung für Liby­en zu the­ma­ti­sie­ren. Nach Pro­test­auf­ru­fen aus der Zivil­ge­sell­schaft haben in den letz­ten Tagen meh­re­re afri­ka­ni­sche Län­der ihre Bot­schaf­ter aus Liby­en abge­zo­gen und die UNO sowie den Inter­na­tio­na­len Straf­ge­richts­hof ein­ge­schal­tet. Von Bar­ba­rei und Ver­bre­chen gegen die Mensch­lich­keit ist die Rede“.
    • [25. Novem­ber 2017] Demons­tra­ti­on vor der liby­schen Bot­schaft in Ber­lin: Schluss mit dem Skla­ven­han­del
      Wir doku­men­tie­ren den Auf­ruf:
      DEMONSTRATION FÜR EIN ENDE DER VERSKLAVUNG, FOLTER, VERGEWALTIGUNGEN UND ERMORDUNGEN VON SCHWARZEN MENSCHEN IN LIBYEN!
      Die SCHWARZE COMMUNITY IN DEUTSCHLAND lädt alle Schwar­zen Orga­ni­sa­tio­nen, Grup­pen, Initia­ti­ven und Ein­zel­per­so­nen und ihre Freun­dIn­nen und Unter­stüt­ze­rIn­nen zu einer bun­des­wei­ten Demons­tra­ti­on vor der liby­schen Bot­schaft in Ber­lin ein, um das sofor­ti­ge Ende der Ver­skla­vung, des Ver­kaufs, der Ver­ge­wal­ti­gun­gen und Tötun­gen von schwar­zen Men­schen in Liby­en zu for­dern.
      Datum und Uhr­zeit: Sams­tag, 25. Novem­ber um 13:00 Uhr /​Ort: Lybi­sche Bot­schaft in der Pod­bielski­al­lee 42 in 14195 Ber­lin. WIRD EINE/​R VON UNS ANGEFASST, WURDEN WIR ALLE ANGEFASST! VEREINT, WERDEN WIR SIEGEN!
  • Jetzt kri­ti­siert sogar die UNO die EU-För­de­rung liby­scher Mili­zen im Krieg gegen Flücht­lin­ge. Vie­le ande­re auch
    Das Vor­ge­hen sei unmensch­lich, sag­te Men­schen­rechts­kom­mis­sar Al-Hus­sein. Die EU tra­ge mit ihrer Poli­tik dazu bei, dass die Flücht­lin­ge zurück nach Liby­en gebracht wür­den, wo sie unter grau­sa­men Umstän­den leben müss­ten. Mit­ar­bei­ter der Ver­ein­ten Natio­nen sei­en nach einem Besuch der Haft­zen­tren dort scho­ckiert gewe­sen. Sie hät­ten aus­ge­mer­gel­te und trau­ma­ti­sier­te Män­ner, Frau­en und Kin­der gese­hen. Die Men­schen wür­den auf engs­tem Raum weg­ge­sperrt, nicht­mals mit dem Nötigs­ten ver­sorgt und ihrer mensch­li­chen Wür­de beraubt. Nach liby­schen Anga­ben befan­den sich Anfang Novem­ber fast 20.000 Men­schen in den Lagern – und damit etwa 7.000 mehr als noch Mit­te Sep­tem­ber. Die EU unter­stützt die liby­sche Küs­ten­wa­che seit Mit­te des Jah­res dabei, Boo­te mit Flücht­lin­gen abzu­fan­gen, bevor sie inter­na­tio­na­le Gewäs­ser errei­chen“ – aus der Mel­dung „Kri­tik an Zusam­men­ar­beit der EU mit Liby­en“ am 14. Novem­ber 2017 bei DLF24 externer Link über die welt­weit ste­tig wach­sen­de Kri­tik an der EU-För­de­rung liby­scher Ban­den in der Kriegs­füh­rung gegen Flücht­lin­ge. Sie­he dazu auch Doku­men­ta­tio­nen zu einem angeb­li­chen „Unfall“ eines Flücht­lings­schif­fes und zum Skla­ven­ver­kauf in Liby­en
  • Wenn der schmut­zi­ge Deal mit liby­schen Mili­zen plat­zen soll­te – es war nicht der Wäh­ler­wil­le. Son­dern der Streit der Lager­kom­man­deu­re 
    Im west­li­by­schen Küs­ten­ort Sab­ra­tha kämp­fen Sol­da­ten der liby­schen Armee und Mili­zen des berüch­tig­ten ehe­ma­li­gen „Schmugg­ler­kö­nigs“ Ahmed Daba­shi seit Sonn­tag um stra­te­gi­sche Punk­te im Stadt­zen­trum. Damit ste­hen die Bemü­hun­gen von ita­lie­ni­scher Sei­te, durch Zusam­men­ar­beit mit Daba­shi ein Ende der Flucht­be­we­gun­gen über das Mit­tel­meer zu errei­chen, wie­der vor dem Aus. Nach­dem im Som­mer die Zahl der afri­ka­ni­schen Migran­ten im Mit­tel­meer deut­lich zurück­ge­gan­gen war, stei­gen die Zah­len inzwi­schen wie­der: Ver­gan­ge­ne Woche brach­ten See­not­ret­ter rund 2.000 Flücht­lin­ge aus dem Meer nach Ita­li­en, 3.000 wur­den von Liby­ens Küs­ten­wa­che abge­fan­gen und zurück­ge­bracht, davon allein 1.047 am ver­gan­ge­nen Sams­tag“ – aus dem Bei­trag „Flücht­lings­de­al zer­platzt“ von Mir­co Keil­berth am 19. Sep­tem­ber 2017 in der taz externer Link, wor­in zum neu­en Flücht­lings­be­auf­trag­ten der EU noch berich­tet wird: „Daba­shis Kon­tak­te nach Ita­li­en sind nicht neu. Vor sei­ner Macht­über­nah­me in Sab­ra­tha stand er in den Diens­ten des liby­schen Ver­tei­di­gungs­mi­nis­te­ri­ums, als Chef der Wach­trup­pe des nahen Indus­trie­kom­ple­xes von Ita­li­ens staat­li­cher Ölfir­ma ENI“. Sie­he zu den liby­schen Lagern im Diens­te der EU zwei wei­te­re Bei­trä­ge:
    • „Vom Mit­tel­meer zurück in die Höl­le“ von Chris­ti­an Jakob am 20. Sep­tem­ber 2017 in der taz externer Link, wor­in beschrie­ben wird: „Das Aus­wär­ti­ge Amt hat die Ant­wor­ten auf neun Fra­gen zu Al Biya mit Ver­weis auf Quel­len­schutz der Geheim­diens­te als „Ver­schluss­sa­che“ ein­ge­stuft: Sie dür­fen nur von Abge­ord­ne­ten und ihren Mit­ar­bei­tern ein­ge­se­hen wer­den. Die Ver­öf­fent­li­chung könn­te „für die Inter­es­sen der Bun­des­re­pu­blik schäd­lich“ sein, so das Aus­wär­ti­ge Amt. „Die Bun­des­re­gie­rung bestä­tigt: Die EU und Ita­li­en tra­gen mit dazu bei – und sie sind des­halb auch mit dafür ver­ant­wort­lich –, dass die durch die soge­nann­te liby­sche Küs­ten­wa­che im Mit­tel­meer Geret­te­ten in inhu­ma­ne Unter­kunfts­be­din­gun­gen zurück­ver­bracht wer­den“, sagt Lin­ken-Abge­ord­ne­te Ulla Jel­pke“.
    • „Sabha: The desert intern­ment camp is Europe’s migrant solu­ti­on“ von Alfre­do Mar­sa­la am 20. Sep­tem­ber 2017 bei Il Mani­festo Glo­bal externer Link ist eine Repor­ta­ge aus dem Inter­nie­rungs­la­ger Sabha, bei der deut­lich wird, dass jeg­li­che Auf­for­de­rung an die EU oder eines Mit­glieds­staa­tes, irgend­wo auf der Welt für die Wah­rung von Men­schen­rech­ten ein­zu­tre­ten, heu­te zuta­ge purer Zynis­mus ist, denn die EU Lösung der Flücht­lings­fra­ge ist für nicht weni­ge eine End­lö­sung…
  • Bun­des­tag-Gut­ach­ten: Liby­en ver­stößt gegen Völ­ker­recht
    Die Ver­hin­de­rung von See­not­ret­tern weit vor den Küs­ten Liby­ens ver­stößt einem Gut­ach­ten des Bun­des­ta­ges zufol­ge gegen Völ­kerr­recht. Liby­en hat­te eigen­mäch­tig eine „Such- und Ret­tungs­re­gi­on“ aus­ge­ru­fen, die bis weit in inter­na­tio­na­les Gewäs­ser ragt….” Bei­trag vom 5. Sep­tem­ber 2017 bei Miga­zin externer Link
  • Abschot­tung Euro­pas in Liby­en: Jetzt wird’s ernst – Aus­bil­dung der Grenz­po­li­zei, Depor­ta­tio­nen nach Niger, Prä­senz in der Wüs­te
    “… Nach dem euro­pä­isch-afri­ka­ni­schen Migra­ti­ons­gip­fel in Paris vor einer Woche wer­den nun Maß­nah­men bekannt, mit denen Deutsch­land, Frank­reich und Ita­li­en den Aus­bau der Grenz­kon­trol­len in Nord­afri­ka und im Sahel­raum gegen ille­ga­le Migran­ten vo­ran­treiben wol­len. Die Details gehen aus zwei Ant­wor­ten der Bun­des­re­gie­rung auf par­la­me­ta­ri­sche Anfra­gen der Lin­ken her­vor, die der taz vor­lie­gen. Frank­reich und Deutsch­land wol­len dem­nach im Sahel eine Schu­le für Grenz­po­li­zis­ten errich­ten. (…) Der Schwer­punkt der Maß­nah­men liegt auf Liby­en. Mit Unter­stüt­zung der EU hat das UN-Flücht­lings­hilfs­werk ­UNHCR dem­nach einen neu­en „Not­trans­fer-Mecha­nis­mus“ mit Niger ver­ein­bart. Der sieht vor, dass schutz­be­dürf­ti­ge Flücht­lin­ge aus Liby­en nach Niger aus­ge­flo­gen wer­den kön­nen. Von dort soll nach Aus­rei­se­mög­lich­kei­ten in die EU gesucht wer­den. Die Bun­des­re­gie­rung hat dem UNHCR für sei­ne neu­en Akti­vi­tä­ten in Liby­en 50 Mil­lio­nen Euro zur Ver­fü­gung gestellt. Laut dem Aus­wär­ti­gen Amt hat Liby­en nun offi­zi­ell eine Such- und Ret­tungs­zo­ne im Mit­tel­meer benannt. Anga­ben zu deren Aus­maß macht das Amt nicht. Die liby­sche Küs­ten­wa­che hat­te im August erklärt, die Zustän­dig­keit für See­not­fäl­le in inter­na­tio­na­len Gewäs­sern vor ihren Küs­ten zu über­neh­men. Pri­va­ten See­ret­tungs­schif­fen hat­te sie unter Andro­hung von Gewalt den Zugang ver­bo­ten. Bis­lang ist unklar, wel­chen Umfang das Gebiet hat und ob die liby­sche Zustän­dig­keit inter­na­tio­nal aner­kannt wird. Die EU-Mari­ne­mis­si­on „Sophia“, an der auch die Bun­des­wehr betei­ligt ist, soll die liby­sche Küs­ten­wa­che künf­tig auch auf deren eige­nen Boo­ten trai­nie­ren. Die dafür not­wen­di­ge Ein­la­dung der liby­schen Regie­rung ste­he aller­dings noch aus, so die Bun­des­re­gie­rung…” Arti­kel von Chris­ti­an Jakob vom 3. Sep­tem­ber 2017 bei der taz online externer Link
  • See­not­ret­tung: Das sind die Geset­ze des Mee­res 
    “Darf Liby­en frei­wil­li­ge Hel­fer aus sei­ner Ret­tungs­zo­ne ver­trei­ben, die Flücht­lin­ge aus dem Mit­tel­meer zie­hen wol­len? Kann die EU weg­schau­en? Eine recht­li­che Ein­ord­nung. (…) Grund­sätz­lich darf Liby­en nach den genann­ten Abkom­men vor sei­ner Küs­te eine Such- und Ret­tungs­zo­ne aus­ru­fen und sei­ne Küs­ten­wa­che dort für zustän­dig erklä­ren. Das ist sogar erwünscht, nach den Ver­trä­gen wäre Liby­en ohne­hin in ers­ter Linie für in See­not gera­te­ne Migran­ten und Flücht­lin­ge vor sei­ner Küs­te zustän­dig. Doch soll eine sol­che Aus­wei­tung der Ret­tungs­zo­ne stets in Abspra­che mit den unmit­tel­ba­ren Nach­barn gesche­hen. Zudem dür­fen außer­halb der eige­nen Ter­ri­to­ri­al­ge­wäs­ser (in der Regel eine Zwölf-See­mei­len-Zone) kei­ne Hoheits­rech­te aus­ge­übt wer­den. Kurz­um: Liby­en hat kein Recht, pri­va­te Ret­tungs­schif­fe aus inter­na­tio­na­len Gewäs­sern zu ver­trei­ben. (…) Denn in inter­na­tio­na­lem Gewäs­ser, also außer­halb der liby­schen Zwölf­mei­len­zo­ne, dür­fen pri­va­te Ret­tungs­boo­te nicht nur frei kreu­zen. Ent­de­cken sie Schiff­brü­chi­ge, müs­sen sie sogar von Rechts wegen sofort zu Hil­fe eilen, selbst dann, wenn die Unglücks­stel­le in liby­schem Gewäs­ser liegt. Unab­hän­gig davon hat ohne­hin jedes zivi­le Schiff ein Recht auf fried­li­che Durch­fahrt durch die Ter­ri­to­ri­al­ge­wäs­ser eines Küs­ten­staa­tes. (…) Außer­dem wird das See­völ­ker­recht, wie der Völ­ker­rechts­leh­rer Dani­el Thym vom Sach­ver­stän­di­gen­rat deut­scher Stif­tun­gen für Inte­gra­ti­on und Migra­ti­on sagt, “men­schen­recht­lich über­la­gert”. Das heißt: Ob ein Ort für Flücht­lin­ge “sicher” ist, muss auch nach den Vor­ga­ben der Gen­fer Flücht­lings­kon­ven­ti­on und der Euro­päi­schen Men­schen­rechts­kon­ven­ti­on beur­teilt wer­den. Zu beach­ten ist vor allem das Ver­bot, Flücht­lin­ge dort an Land zu brin­gen, wo ihnen Fol­ter, poli­ti­sche Ver­fol­gung, Tod oder men­schen­un­wür­di­ge Behand­lung dro­hen. Nach Liby­en darf also nie­mand zurück­ge­bracht wer­den.” Bei­trag von Mar­tin Klingst vom 20. August 2017 bei Zeit online externer Link
  • Die See­not­ret­tung und die euro­päi­sche Flücht­lings­po­li­tik: See­not­ret­tung als Déjà-vu
    “Über die völ­ker­recht­li­che Pflicht zur See­not­ret­tung wird der­zeit in der EU hef­tig gestrit­ten. Stich­wort­ge­ber für die Kri­mi­na­li­sie­rung von See­not­ret­tern sind stets auch deut­sche Innen­mi­nis­ter. (…) Es ist nicht das ers­te Mal, dass die See­not­ret­tung pri­va­ter Orga­ni­sa­tio­nen kri­mi­na­li­siert wird. Am 20. Juni 2004 ret­te­te das Schiff Cap Ana­mur süd­lich von Lam­pe­du­sa 37 Men­schen vor dem Ertrin­ken, die in Liby­en in See gesto­chen waren. Als die Crew den Hafen von Por­to Empe­do­cle auf Sizi­li­en erreich­te, wur­de sie zwölf Tage lang mit mili­tä­ri­schen Mit­teln am Ein­lau­fen gehin­dert. Otto Schi­ly (SPD), damals Innen­mi­nis­ter der rot-grü­nen Bun­des­re­gie­rung, spe­ku­lier­te offen dar­über, ob sich die Besat­zung der Cap Ana­mur an einer ille­ga­len Schleu­sung betei­ligt habe. Er for­der­te die Errich­tung von Flücht­lings­la­gern in Liby­en. In die­sel­be rhe­to­ri­sche Tra­di­ti­on stellt sich auch Tho­mas de Mai­ziè­re (CDU), wenn er zivi­le Orga­ni­sa­tio­nen ohne kon­kre­te Bele­ge der Koope­ra­ti­on mit Schleu­sern bezich­tigt. 2007 erging es tune­si­schen Fischern ähn­lich wie der Besat­zung der Cap Ana­mur, als sie in See­not gera­te­ne Flücht­lin­ge nach Lam­pe­du­sa brach­ten und wegen der Bei­hil­fe zur ille­ga­len Ein­rei­se ange­klagt wur­den. Obschon bei­de Pro­zes­se nach vie­len Jah­ren mit Frei­sprü­chen ende­ten, hat­ten die Ver­fah­ren fata­le Fol­gen: Vie­le Schiffs­be­sat­zun­gen wur­den abge­schreckt, Flücht­lin­gen in See­not zu hel­fen. Als Ita­li­en dann 2013 nach der Kata­stro­phe vor Lam­pe­du­sa, bei der rund 390 Men­schen ertran­ken, selbst eine Ret­tungs­mis­si­on unter dem Namen Mare Nostrum ein­setz­te, war de Mai­ziè­re erneut nicht zurück­hal­tend mit Kri­tik: Mare Nostrum baue eine »Brü­cke nach Euro­pa« und begüns­ti­ge das Geschäft der Schleu­ser. Die­ses Mal war Ita­li­en der Adres­sat der Vor­wür­fe. Auf Betrei­ben des deut­schen Innen­mi­nis­ters wur­de Mare Nostrum ein­ge­stellt und durch die deut­lich weni­ger effek­ti­ve Fron­tex-Mis­si­on Tri­ton ersetzt. Die Kri­mi­na­li­sie­rung der See­not­ret­tung im Kon­text der EU-Flücht­lings­po­li­tik, sie bleibt ein stän­di­ges déjà-vu.” Bei­trag von Maxi­mi­li­an Pichl bei jung​le​.world 2017/​33 externer Link
  • Shame on you, Euro­pe! Sea-Eye und See­fuchs: Pro­test im Mit­tel­meer 
    Shame on you, Europe! Sea-Eye und Seefuchs: Protest im MittelmeerAm Don­ners­tag­mor­gen spann­ten die bei­den Schif­fe der Orga­ni­sa­ti­on Sea-Eye und See­fuchs ein Ban­ner mit der Auf­schrift „Shame on you, Euro­pe!“ (Schä­me dich, Euro­pa!) rund 110 See­mei­len vor Tri­po­lis auf. Die Stel­le mar­kiert die Gren­ze, die das liby­sche Mario­net­ten­re­gime mit Dul­dung der euro­päi­schen Staa­ten und unter den Augen der Ope­ra­ti­on Sophia pro­kla­miert hat. Seit­her wer­den pri­va­te See­not­ret­ter, wie die von Sea-Eye, von der liby­schen Küs­ten­wa­che mit Gewalt bedroht. Trotz der unge­heue­ren Mili­tär­prä­senz im west­li­chen Mit­tel­meer las­sen es die euro­päi­schen Mari­ne­ein­hei­ten zu, dass Lebens­ret­ter bei ihrer Arbeit behin­dert wer­den….” Sea-Eye-Mel­dung vom 17.8.2017 – wahr­lich unse­re Hel­den der Woche und eine Schan­de für das ach so huma­nis­ti­sche Euro­pa: Shame on you, Euro­pe!
  • Der Ein­satz liby­scher Ban­den durch die EU wird sogar von der UNO kri­ti­siert 
    Kopf­prä­mi­en sind anschei­nend noch kei­ne aus­ge­setzt wor­den – aber der Ein­satz liby­scher Fol­ter­ban­den im euro­päi­schen Krieg gegen Flücht­lin­ge, inklu­si­ve mas­si­ver Finan­zie­rung, geht in die­se Rich­tung. So bru­tal und offen­sicht­lich, dass selbst UNO-Rap­por­teu­re auf Distanz zu die­ser neu­en Vari­an­te der Kriegs­füh­rung gehen. Der Bei­trag „EU ‘try­ing to move bor­der to Libya’ using poli­cy that breaches rights – UN experts“ am 17. August 2017 bei der UN-Men­schen­rechts­kom­mis­si­on externer Link gibt die­se Kri­tik wie­der. Dar­in wer­den der Spe­cial Rap­por­teur zu Men­schen­rech­ten von Flücht­lin­gen, Feli­pe Gon­zá­lez Mora­les und der Spe­cial Rap­por­teur über Fol­ter, Nils Mel­zer mit ihren ent­spre­chen­den Aus­sa­gen aus­führ­lich zitiert, die sich sehr kon­kret auf die liby­schen Lager bezie­hen, die bis­her noch nie­mand Ver­nich­tungs­la­ger genannt hat – bis­her.
  • Liby­en: Gene­ral Haftar will 17 Mil­li­ar­den von der EU für die Grenz­si­che­rung 
    “Eine wei­te­re NGO stellt ihre See­not-Ret­tungs­mis­si­on vor­über­ge­hend ein. (…) Die Fra­ge ist aller­dings, ob sich ein extrem erfolg­rei­ches Geschäfts­mo­dell wie das der Schlep­pe­rei, davon abschre­cken lässt. Laut einem Papier der Cri­sis-Group bringt das Schleu­ser­ge­schäft durch Liby­en jähr­lich Ein­künf­te von geschätzt zwi­schen 1 und 1,5 Mil­li­ar­den Dol­lar. Davon pro­fi­tie­ren meh­re­re Mili­zen und Stäm­me. (…) Auch in die­sem Papier wird Gene­ral Haftar als der­je­ni­ge genannt, des­sen Trup­pen ein Macht­schwer­ge­wicht bil­den. Ins­ge­samt sei der Süden Liby­ens aber durch ein staat­li­ches Macht­va­ku­um gekenn­zeich­net, das vie­len Mili­zen den Anreiz gibt, dort ihre Vor­tei­le zu sichern. Die­se sind mit dem Schmug­gel­netz­werk ver­bun­den. (…) Abge­se­hen von poli­ti­schen Machtran­ge­lei­en zwi­schen ihm und Sarr­adsch, die im Inter­view erneut deut­lich wer­den, betont Haftar, dass die Migra­ti­on aus Liby­en an der süd­li­chen Gren­ze gestoppt wer­den müs­se. Dar­um gehe es haupt­säch­lich. Er bie­tet sich als dank sei­ner Macht­stel­lung – “Ich kon­trol­lie­re mehr als drei Vier­tel des Lan­des” – als Mas­ter­mind für einen Mas­ter­plan an. (…) Den Plan habe er, ihm wür­den nur die Mit­tel feh­len. Auf sei­ner For­de­rungs­lis­te an Macron ste­hen Waf­fen, Muni­ti­on, gepan­zer­te Fahr­zeu­ge, Hub­schrau­ber, Nacht­sicht­ge­rä­te und befes­tig­te Anla­gen, die alle 100 Meter an der 4.000 Kilo­me­ter lan­gen Gren­ze im Süden Liby­ens auf­ge­stellt wer­den müss­ten, um eine effek­ti­ve Kon­trol­le aus­zu­üben. Kos­ten­punkt für die EU laut Haftar: etwa 17 Mil­li­ar­den Euro. Das sei kei­ne über­mä­ßi­ge Sum­me, da sie sich auf 20 bis 25 Jah­re ver­tei­le und die EU dies ja in einer kol­lek­ti­ven Anstren­gung auf­brin­gen könn­te. An die Tür­kei wer­de mehr bezahlt, so Haftar…” Bei­trag von Tho­mas Pany vom 14. August 2017 bei Tele­po­lis externer Link
    • Anm.: Wenn es um die Flücht­lings­ab­wehr geht, gehört der Begriff “ille­gal” zum Stan­dard­re­per­toire deut­scher Flücht­lings­po­li­tik. Wie das Bei­spiel Liby­en zeigt, ist das ille­ga­le Han­deln der Bun­des­re­gie­rung aller­dings kaum zu top­pen. Unter­stützt sie doch die liby­schen völ­ker­rechts­wid­ri­gen Prak­ti­ken gegen Flücht­lin­ge und liby­sche Ver­stö­ße gegen Art.86 ff des See­rechts­über­ein­kom­men der Ver­ei­nig­ten Natio­nen sogar mit Geld. Als wie legal kann man eine deut­sche Regie­rungs­po­li­tik noch betrach­ten kann, die eher ras­sis­ti­sche Ste­reo­ty­pen bedient als den Schutz der Men­schen­rech­te zum obers­ten Prin­zip ver­fas­sungs­recht­li­chen Han­delns zu machen?
      Lese daher unbe­dingt dazu: “Woher kommt der Hass auf die See­not­ret­ter? Die Het­ze gegen die NGO-Schif­fe im Mit­tel­meer zielt auf die innen­po­li­ti­sche Aus­ein­an­der­set­zung in Deutsch­land”, Bei­trag von Tho­mas Moser vom 14. August 2017 bei Tele­po­lis externer Link – einer der Bes­ten seit län­ge­rem hier­zu! – in unse­rem Dos­sier: Neue Debat­te um Schleu­ser und Schlep­per – rich­tet sich gegen Flucht­hel­fer
  • „Nicht wir han­deln ille­gal, son­dern die liby­sche Regie­rung“ Die Orga­ni­sa­ti­on Ärz­te ohne Gren­zen beschul­digt die Regie­rung in Liby­en, ille­gal gegen See­not­ret­ter vor­zu­ge­hen.
    “… Deutsch­land­chef Wes­ter­bar­key fürch­tet, dass “mehr Men­schen im Mit­tel­meer ster­ben, weil es weni­ger Schif­fe vor Ort gibt”. (…) Am Frei­tag haben die liby­schen Behör­den die Ein­rich­tung einer Such- und Ret­tungs­zo­ne ange­kün­digt und damit den Zugang für Schif­fe von Hilfs­or­ga­ni­sa­tio­nen zu inter­na­tio­na­len Gewäs­sern vor der liby­schen Küs­te ein­ge­schränkt. Unmit­tel­bar danach warn­te uns die Leit­stel­le für See­not­ret­tung in Rom (MRCC) vor den damit ver­bun­de­nen Sicher­heits­ri­si­ken. Nach die­sen zusätz­li­chen Beschrän­kun­gen und der zuneh­men­den Blo­cka­de von Geflüch­te­ten in Liby­en haben wir die Such- und Ret­tungs­hil­fe unse­res Schif­fes „Pru­dence“ vor­über­ge­hend aus­ge­setzt. (…) Wir ret­ten im Rah­men des gel­ten­den See­not­rechts Men­schen aus dem Was­ser, die vor grau­sa­men Zustän­den in liby­schen Inter­nie­rungs­la­gern flie­hen. Nicht wir han­deln ille­gal, son­dern die liby­sche Regie­rung, wenn sie unse­ren Mit­ar­bei­tern droht, lega­le Ret­tungs­ak­tio­nen in inter­na­tio­na­len Gewäs­sern mit Gewalt zu ver­hin­dern. (…) Wir wis­sen natür­lich, dass vie­le Men­schen aus ihren Hei­mat­län­dern nicht nur vor Gewalt und Krieg flie­hen. Spä­tes­tens wenn sie dann in Liby­en sind, gibt es rea­le Flucht­grün­de, weil die Lage dort uner­träg­lich ist. Grund­sätz­lich gilt: Wir müs­sen nicht in die Zukunft schau­en, es reicht der Blick in die Gegen­wart. Welt­weit gibt es eine rie­si­ge Anzahl an Flücht­lin­gen. Die meis­ten davon wol­len nicht nach Euro­pa; es han­delt sich um Men­schen, die inner­halb Afri­kas flüch­ten. Ugan­da hat 2016 mehr Flücht­lin­ge auf­ge­nom­men als die gan­ze EU…” Inter­view von Adri­an Arab und Phil­ip Kuhn mit Vol­ker Wes­ter­bar­key bei Welt N24 vom 14. August 2017 externer Link
  • Mit­tel­meer: Immer mehr NGOs stop­pen Ret­tungs­ein­sät­ze 
    Nach “Ärz­te ohne Gren­zen” haben wei­te­re NGOs ihre Ret­tungs­ein­sät­ze im Mit­tel­meer gestoppt. Die Bedro­hung durch die liby­sche Küs­ten­wa­che sei ein Grund. “Ärz­te ohne Gren­zen” will dar­über hin­aus ver­mei­den, Migran­ten auf Anwei­sung zurück nach Afri­ka brin­gen zu müs­sen. (…) “Die liby­sche Küs­ten­wa­che hat für sich eine eige­ne Such- und Ret­tungs-Area pro­kla­miert, die sie aber gar nicht in ihrer Aus­deh­nung veri­fi­zie­ren und haben den NGOs deut­lich gedroht, die­se Zone nicht ohne ihre Erlaub­nis zu befah­ren.” Es sei eine “sehr kon­kre­te Dro­hung, die wir auch lei­der sehr ernst neh­men müs­sen”, sagt Busch­heu­er [“Sea Eye”]. Sei­ne NGO hät­te gar kei­ne Mög­lich­keit, anders zu han­deln, “weil man das Gebiet nicht defi­niert hat”. (…) Die Kehr­sei­te des Rück­zugs aus dem Mit­tele­meer ken­nen die NGOs auch. Wenn weni­ger Schif­fe im Mit­tel­meer huma­ni­tä­re Hil­fe leis­ten, dann ist die Gefahr für die Migran­ten, die es durch die Kon­trol­len der liby­schen Küs­ten­wa­che schaf­fen, deut­lich höher, zu ertrin­ken. Trotz der Ret­tungs­ak­tio­nen der NGOs sind allein in die­sem Jahr min­des­tens 2400 Men­schen im Mit­tel­meer gestor­ben – das macht es zum töd­lichs­ten aller Mee­re…” Arti­kel von Lisa Weiß, ARD-Stu­dio Rom, vom 13.08.2017 bei der Tages­schau externer Link
  • [Peti­ti­on] EU-finan­zier­te Gewalt gegen Flüch­ten­de durch Liby­sche Küs­ten­wa­che been­den! 
    “… Die euro­päi­sche Abschot­tungs­po­li­tik will Men­schen, die ein Recht auf Schutz vor Gewalt und Ver­fol­gung haben, dar­an hin­dern, Euro­pa zu errei­chen. Dafür arbei­tet die EU auch mit repres­si­ven Regi­men zusam­men. Beson­ders frag­wür­dig ist die Koope­ra­ti­on mit der Liby­schen Küs­ten­wa­che, deren Mit­glie­der inter­na­tio­na­les See­recht und die Gen­fer Flücht­lings­kon­ven­ti­on miss­ach­ten – und das, obwohl sie seit Mona­ten von euro­päi­schen und deut­schen Mari­ne­sol­da­ten aus­ge­bil­det wer­den…” Sea-Watch-Peti­ti­on an Bun­des­kanz­le­rin Mer­kel externer Linkund sie ist drin­gend:
  • Mer­kel stellt mehr Geld in Aus­sicht: Liby­en bei Bekämp­fung von Flucht übers Mit­tel­meer wie­der im Fokus 
    Um die Flücht­lings­mi­gra­ti­on nach Euro­pa zu stop­pen, will Mer­kel stär­ker mit Liby­en zusam­men­ar­bei­ten. Die Bun­des­kanz­le­rin kann sich ein Abkom­men vor­stel­len – Vor­bild: Tür­kei. Sor­gen berei­ten die kata­stro­pha­len men­schen­recht­li­chen Zustän­de im Land…” Bei­trag vom 14. August 2017 beim Miga­zin externer Link
  • Hilfs­or­ga­ni­sa­tio­nen in Euro­pa: Weg mit den Ret­tern 
    Erst von Ita­li­en kri­mi­na­li­siert, jetzt von Liby­en ver­jagt: Die Hilfs­or­ga­ni­sa­tio­nen, die schiff­brü­chi­ge Flücht­lin­ge aus dem Mit­tel­meer ret­ten, ste­hen offen­bar der gro­ßen Poli­tik im Weg. (…) In der rie­si­gen SAR-Zone wer­den dann fort­an liby­sche Schif­fe ret­ten – und die Geret­te­ten zurück an Land brin­gen – und viel­leicht auch die EU-Ein­satz­kräf­te der Mis­si­on “Sophia” – oder auch gar kei­ner. Dann wird dort eben wie­der mehr gestor­ben. So wie frü­her, ehe die pri­va­ten Hel­fer kamen. Damit wäre das poli­ti­sche Nah­ziel, die Zahl der Flücht­lin­ge, die in Ita­li­en anlan­den, zu redu­zie­ren, ja schon ein Stück weit geschafft. Und das Fern­ziel, die­se Flücht­lings­rou­te genau­so dicht­zu­ma­chen wie die tür­kisch-grie­chi­sche, scheint dann zumin­dest denk­bar. Zynisch? Ja….” Kom­men­tar von Hans-Jür­gen Schlamp vom 14.08.2017 beim Spie­gel online externer Link
  • Zwi­schen Bür­ger­krieg, Migra­ti­on und EU-Inter­es­sen: “Liby­en ist die Höl­le”
    “Liby­en ist ein Land, das nie ein Staat war und viel­leicht auch nie einer wer­den wird. Genau das ist ein gro­ßes Pro­blem – vor allem für die EU. Denn sie muss die Fra­ge beant­wor­ten, wie sie mit dem Tran­sit­land Liby­en als Part­ner in der Flücht­lings­fra­ge umgeht. (…) Die liby­sche Küs­ten­wa­che soll abge­fan­ge­ne Flücht­lin­ge und Migran­ten in “ange­mes­se­nen Auf­nah­me­ka­pa­zi­tä­ten” ablie­fern – so heißt es im Akti­ons­plan, der im Früh­jahr auf dem EU-Gip­fel von Mal­ta beschlos­sen wur­de. Liby­en soll die Men­schen ver­sor­gen und eine Büro­kra­tie auf­bau­en, um völ­ker­rechts­kon­for­me Asyl­ver­fah­ren durch­zu­füh­ren. Aner­kann­te könn­ten dann in “Kon­tin­gen­ten” auf euro­päi­sche Län­der ver­teilt wer­den, Abge­lehn­te will die EU dann bei ihrer “frei­wil­li­gen Rück­kehr” unter­stüt­zen. (…)”Das ist alles Gere­de”, sagt der Jour­na­list Micha­el Obert. Die Rea­li­tät sehe ganz anders aus. “Wer aus dem Mit­tel­meer gezo­gen wird und wie­der in Liby­en lan­det, wird unter kaum vor­stell­ba­ren und abso­lut unmensch­li­chen Bedin­gun­gen inhaf­tiert.” Fol­ter und sexu­el­le Gewalt sei­en an der Tages­ord­nung, berich­tet der Repor­ter, “und das in Gefäng­nis­sen der vom Wes­ten aner­kann­ten Regie­rung. Das sind die Orte, an denen Tau­sen­de nicht nur mit dem grü­nen Licht aus Euro­pa, son­dern auf Anwei­sung und finan­ziert von Euro­pa abge­fan­gen wer­den.” (…) Men­schen setz­ten sich nicht ohne Grund in Bewe­gung, sagt Micha­el Obert. Nige­ria­ner etwa müss­ten nicht flie­hen, wenn sie vom gro­ßen Erd­öl­reich­tum ihres Lan­des pro­fi­tie­ren könn­ten. Statt­des­sen pro­fi­tie­re der Wes­ten – von Roh­stof­fen, von aus afri­ka­ni­scher Sicht unfai­ren Han­dels­be­din­gun­gen etwa für land­wirt­schaft­li­che Pro­duk­te. Da müs­se Euro­pa viel stär­ker anset­zen, so Obert. Es müs­se ein Umden­ken statt­fin­den, denn das, was wir sehen, sei erst der Anfang. “Liby­en ist die Höl­le”, sagt Micha­el Obert. Er hat die­se Höl­le gese­hen – und mit ihm reist hr-iNFO Poli­tik genau dort­hin.” Bei­trag von Alex­an­der Göbel beim hr-Info­ra­dio vom 11. August 2017 externer LinkAudio Datei mit Pod­cast (Dau­er: ca. 34 Min.)
  • Mili­tär­ein­satz Ita­li­ens in liby­schen Gewäs­sern und Drang­sa­lie­rung der See­not­ret­tungs­or­ga­ni­sa­tio­nen. PRO ASYL: Men­schen­ver­ach­ten­de Arbeits­tei­lung, um Boots­flücht­lin­ge direkt in die liby­sche Höl­le zurück zu schi­cken.
    PRO ASYL kri­ti­siert vehe­ment den beschlos­se­nen Mili­tär­ein­satz Ita­li­ens in den Gewäs­sern vor Liby­en. Das Ein­drin­gen in liby­sche Ter­ri­to­ri­al­ge­wäs­ser und das Zurück­schlep­pen von Flie­hen­den nach Liby­en ist nach Auf­fas­sung von PRO ASYL ein Völ­ker­rechts­bruch. »Es droht eine men­schen­ver­ach­ten­de Arbeits­tei­lung: Ita­li­en inter­ve­niert, die liby­sche Küs­ten­wa­che schleppt die Boots­flücht­lin­ge zurück in die Höl­le«, so Karl Kopp, Euro­pa­re­fe­rent von PRO ASYL. In Liby­en herr­schen Recht­lo­sig­keit und Will­kür. Fol­ter und Ver­ge­wal­ti­gun­gen sind in den Flücht­lings­haft­la­gern an der Tages­ord­nung. Die von der ita­lie­ni­schen Regie­rung for­cier­te Stra­te­gie, gedeckt von der EU, ist dar­auf aus­ge­rich­tet, Boots­flücht­lin­ge durch Auf­rüs­tung der zwie­lich­ti­gen liby­schen Küs­ten­wa­che an der Flucht zu hin­dern. Doch die­ser wer­den schwe­re Men­schen­rechts­ver­let­zun­gen vor­ge­wor­fen. So doku­men­tiert ein UN-Bericht vom Juni 2017, dass die liby­sche Küs­ten­wa­che mehr­fach Flücht­lings­boo­te beschos­sen hat und geret­te­te Flücht­lin­ge schwer miss­han­delt wur­den. Ita­li­en und die EU mit ihrer Mili­tär-Ope­ra­ti­on »Sophia« sind im Begriff, ein unkal­ku­lier­ba­res mili­tä­ri­sches Aben­teu­er auf Kos­ten der Men­schen­rech­te von Schutz­su­chen­den ein­zu­ge­hen. Sie nen­nen es »Krieg gegen Schlep­per«, aus Sicht von PRO ASYL ist es fak­tisch ein »Krieg gegen Flücht­lin­ge«….” Pres­se­mit­tei­lung vom 03.08.2017 externer Link
  • Flücht­lings­la­ger in Liby­en: “Furcht­bar, ent­setz­lich, grau­en­haft”
    Um sei­ne Nach­fol­ge gibt es bereits Streit mit den USA, doch noch ist Mar­tin Kobler Gesand­ter der Ver­ein­ten Natio­nen für Liby­en. Mit deut­li­chen Wor­ten warn­te der deut­sche Diplo­mat nun vor Plä­nen in Ber­lin und Brüs­sel, geret­te­te Boots­flücht­lin­ge nach Liby­en zurück­zu­brin­gen. Die Lager dort sei­en “furcht­bar, ent­setz­lich, grau­en­haft”…Bei­trag vom 21.02.2017 beim Deutsch­land­funk online externer Link
  • Euro­päi­scher Gewerk­schafts­bund gegen Flücht­lings­de­al mit Liby­en
    Der Gene­ral­se­kre­tär des Euro­päi­schen Gewerk­schafts­bun­des Luca Visen­ti­ni hat in einer Stel­lung­nah­me zu den Ergeb­nis­sen des Tref­fens in La Valet­ta den beab­sich­tig­ten Deal mit Liby­en erst­mals offen kri­ti­siert. In der Pres­se­mit­tei­lung „EU to pay Libya to keep refu­gees out of Euro­pe“ des ETUC am 03. Febru­ar 2017 externer Link wird von Visen­ti­ni die Tat­sa­che, dass ein Abkom­men mit einem Land geschlos­sen wird, in dem es höchs­tens eine Teil­re­gie­rung gibt, eben­so kri­ti­siert, wie der Zynis­mus unter­stri­chen wird, sol­che Maß­nah­men aus dem Ent­wick­lungs­fonds zu bezah­len – das sei, als ob es Trump gelän­ge, Mexi­ko für den Mau­er­bau bezah­len zu las­sen. Nur eben, dass die EU genau eine sol­che Absicht ver­wirk­licht habe.
  • [Lybi­en] Rück­schub in die Höl­le
    “Neue Berich­te über die furcht­ba­ren Zustän­de in liby­schen Haft­zen­tren für Flücht­lin­ge belas­ten den infor­mel­len EU-Gip­fel an die­sem Frei­tag in Val­let­ta. Auf dem Tref­fen sol­len Plä­ne bespro­chen wer­den, die zum Ziel haben, das Able­gen von Boo­ten mit Flücht­lin­gen auf dem Weg nach Euro­pa künf­tig so weit wie mög­lich zu unter­bin­den. Dazu ist eine enge­re Zusam­men­ar­beit mit der liby­schen Küs­ten­wa­che vor­ge­se­hen, die schon jetzt im Rah­men der EU-“Operation Sophia” trai­niert wird – auch von deut­schen Sol­da­ten. Die Küs­ten­wa­che ist dafür berüch­tigt, Gewalt gegen Flücht­lin­ge anzu­wen­den – zuwei­len mit Todes­fol­ge – und auch vor Angrif­fen auf Schif­fe von Hilfs­or­ga­ni­sa­tio­nen nicht zurück­zu­schre­cken. Außer­dem über­stellt sie auf­ge­grif­fe­ne Flücht­lin­ge in Haft­zen­tren an Land. Seit Jah­ren ist bekannt, dass die Flücht­lin­ge in die­sen Haft­zen­tren nicht nur furcht­ba­ren Lebens­be­din­gun­gen aus­ge­setzt sind, son­dern auch regel­mä­ßig vom liby­schen Wach­per­so­nal ernied­rigt, ver­prü­gelt, in die Zwangs­ar­beit ver­kauft und ver­ge­wal­tigt wer­den. Immer wie­der kommt es zu Mor­den an Inter­nier­ten. Ein am Wochen­en­de in kur­zen Pas­sa­gen bekannt gewor­de­ner Bericht der deut­schen Bot­schaft in Niger nennt die Ver­hält­nis­se in den Haft­zen­tren “KZ-ähn­lich”. Beschließt die EU am Frei­tag den geplan­ten Aus­bau der Koope­ra­ti­on mit der Küs­ten­wa­che, dann ist mit einem deut­li­chen Anstieg der Zahl in liby­schen Haft­zen­tren inter­nier­ter und gequäl­ter Flücht­lin­ge zu rech­nen…” Bericht vom 31. Janu­ar 2017 von und bei Ger­man-For­eign-Poli­cy externer Link
  • EU, Liby­en: Schmut­zi­ger Deal geplatzt
    Die EU-Kom­mis­si­on hat ges­tern den ita­lie­nisch-mal­te­si­schen Plan eines schmut­zi­gen EU-Deals mit Liby­en fal­len gelas­sen. Der Plan sah vor, dass EU-Kriegs­schif­fe die liby­schen Häfen blo­ckie­ren und die liby­sche Küs­ten­wa­che alle abge­fan­ge­nen Boat-peop­le an das liby­sche Fest­land zurück­nimmt. Aber auch auf län­ge­re Sicht wird es kei­ne liby­sche Küs­ten­wa­che geben. Statt­des­sen prä­gen ver­fein­de­te Mili­zen in den Küs­ten­ge­wäs­sern das Bild. Zudem nimmt die liby­sche Kri­tik an der wach­sen­den ita­lie­ni­schen Macht­prä­senz in Liby­en zu. Ohne liby­sche Part­ner wagt die EU kei­ne sys­te­ma­ti­schen Push-Back-Ope­ra­tio­nen im zen­tra­len Mit­tel­meer. – In den ver­gan­ge­nen Mona­ten ist eben­falls der EU-Plan geschei­tert, abge­fan­ge­ne Boat-peop­le in Lager nach Tune­si­en, Ägyp­ten oder gar nach Alge­ri­en oder Marok­ko zu ver­brin­gen…” Mel­dung vom 26. Janu­ar 2017 bei der For­schungs­ge­sell­schaft Flucht & Migra­ti­on externer Link
  • Liby­sche Part­ner der EU im „Kampf gegen Migra­ti­on“: Mili­zen
    162.000 Men­schen sind im letz­ten Jahr über den „liby­schen Weg“ geflüch­tet. Das soll jetzt die liby­sche Küs­ten­wa­che ver­hin­dern – nach einem Abkom­men vom August 2016. Wel­cher Miliz die­se soge­nann­te Küs­ten­wa­che auch immer ange­hö­ren mag: Sie wer­den von der EU aus­ge­bil­det, nach­dem über­prüft wur­de, dass sie nicht zu Isis gehö­ren – zu ande­ren im Lan­de akti­ven Ban­den dür­fen sie aber schon gehö­ren. Bis zum Früh­jahr 2017 soll die Aus­bil­dung weit­ge­hend been­det sein. Dann erwar­tet die EU einen Rück­gang der Flücht­lings­zah­len aus dem Bür­ger­kriegs­land. In dem Bei­trag „Flücht­lings­de­al mit Liby­en: Bru­ta­le Mili­zen als Part­ner Euro­pas?“ am 19. Janu­ar 2017 von Niko­laus Stei­ner beim WDR-Moni­tor externer Link wer­den die­se mehr als selt­sa­men Part­ner vor­ge­stellt. Der zen­tra­le Satz eines ägyp­ti­schen „Kol­le­gen“ über die Auf­ga­ben diver­ser Küs­ten­wa­chen ist banal: „Vor­rang behält der Kampf gegen die Migra­ti­on“.

Siehe zu den Hintergründen:

Der Bei­trag [Liby­en-Deal] Absur­de EU-Poli­tik im Mit­tel­meer: Ret­tungs­mis­sio­nen sol­len zukünf­tig von liby­schen Schleu­sern koor­di­niert wer­den erschien zuerst auf Labour­Net Ger­ma­ny.

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