[labournet:] Nach dem Libyen-Deal nun auch EU-Nordafrika-Kooperation

Dossier

Sea-Watch: EU-finanzierte Gewalt gegen Flüchtende durch Libysche Küstenwache beenden!Die Poli­zei nord­afri­ka­ni­scher Län­der soll Boots­flücht­lin­ge von der Mit­tel­meer-Über­fahrt nach Euro­pa abhal­ten. Dar­auf haben sich Innen­mi­nis­ter der EU und ihre afri­ka­ni­schen Amts­kol­le­gen ver­stän­digt. Amnes­ty kri­ti­siert die Ver­ein­ba­rung scharf. Euro­pa setzt auch auf afri­ka­ni­sche Poli­zei­struk­tu­ren, um die Über­fahrt von Boots­flücht­lin­gen über das Mit­tel­meer zu stop­pen. Wie das Bun­des­in­nen­mi­nis­te­ri­um in Ber­lin mit­teil­te, ver­ein­bar­ten die Innen­mi­nis­ter von EU-Staa­ten und nord­afri­ka­ni­schen Län­dern am Mon­tag in einer Video­kon­fe­renz eine stär­ke­re Schleu­ser­be­kämp­fung. In einer Erklä­rung der EU-Teil­neh­mer hieß es, man wol­le eine enge­re Zusam­men­ar­beit zwi­schen der Behör­de für Poli­zei­ko­ope­ra­tio­nen der Afri­ka­ni­schen Uni­on (Afri­pol) und den EU-Agen­tu­ren Fron­tex und Euro­pol sowie des Euro­päi­schen Netz­werks von Ver­bin­dungs­be­am­ten für Ein­wan­de­rung för­dern. Vor­ge­se­hen sei­en zudem Aus­bil­dungs­pro­jek­te sowie finan­zi­el­le Hil­fen für tech­ni­sche Aus­stat­tung…” Mel­dung vom 14.07.2020 beim Miga­zin externer Link: “EU-Flücht­lings­po­li­tik: Afri­ka­ni­sche Poli­zei soll Boots­flücht­lin­ge stop­pen” (im Abo), sie­he dazu wei­te­re und unse­re ver­wand­ten Dos­siers:

  • UN berich­ten über Gewalt gegen Flücht­lin­ge inner­halb Afri­kas New
    Sie wer­den miss­han­delt oder ster­ben, noch bevor sie das Mit­tel­meer über­que­ren: Eine Stu­die berich­tet von Gewalt gegen Migran­ten auf den Land­rou­ten durch Afri­ka. Von der inter­na­tio­na­len Öffent­lich­keit weit­ge­hend unbe­merkt ster­ben auf den afri­ka­ni­schen Migra­ti­ons­rou­ten in Rich­tung Mit­tel­meer laut einer Stu­die externer Link jedes Jahr Tau­sen­de Men­schen oder wer­den miss­han­delt. Sie gerie­ten in die Hän­de von Men­schen­schmugg­lern, Mili­zen, Mili­tär oder Poli­zei und erleb­ten “unsäg­li­che Bru­ta­li­tät”, wie das UN-Flücht­lings­hilfs­werk UNHCR und das Migra­ti­ons­zen­trum des däni­schen Flücht­lings­rats in Genf berich­ten. Die Orga­ni­sa­tio­nen gehen davon aus, dass 2018 und 2019 min­des­tens 1.750 Men­schen auf den Rou­ten gestor­ben sind. Hin­zu kom­men die­je­ni­gen, die auf dem Weg über das Mit­tel­meer nach Euro­pa ster­ben: Auf der zen­tra­len Mit­tel­meer­rou­te vor allem von Liby­en aus waren das laut der UN-Orga­ni­sa­ti­on für Migra­ti­on (IOM) mehr als 2.500 Men­schen in den bei­den ver­gan­ge­nen Jah­ren. Gut ein Vier­tel der Men­schen ster­be bereits auf den Land­rou­ten bei der Durch­que­rung der Saha­ra. An Durch­gangs­sta­tio­nen in der Wüs­te und an Grenz­pos­ten sei zudem sexu­el­le Gewalt gegen Mäd­chen und Frau­en, aber auch Jun­gen und Män­ner, an der Tages­ord­nung. Auch Men­schen­schmugg­ler übten Gewalt aus und zwän­gen Frau­en in die Pro­sti­tu­ti­on…” Agen­tur­mel­dung vom 29. Juli 2020 in der Zeit online externer Link
  • [AI] EU-Nord­afri­ka-Koope­ra­ti­on: Ver­ant­wor­tung für Schutz­su­chen­de darf nicht wei­ter aus­ge­la­gert wer­den 
    Amnes­ty warnt vor einer Aus­wei­tung der Zusam­men­ar­beit zwi­schen der EU und Län­dern wie Liby­en, Tune­si­en und Marok­ko, um Men­schen auf der Flucht von Euro­pa fern­zu­hal­ten. Zudem ist die Bun­des­re­gie­rung gefor­dert, im Rah­men ihrer EU-Rats­prä­si­dent­schaft eine Rechts­än­de­rung zu initi­ie­ren, die die huma­ni­tä­re Hil­fe für geflüch­te­te Men­schen aus­drück­lich erlaubt. Anläss­lich der heu­ti­gen Video­kon­fe­renz eini­ger Innen­mi­nis­ter von EU-Mit­glieds­staa­ten zur ver­stärk­ten euro­päi­schen Zusam­men­ar­beit bei der “Bekämp­fung der Schleu­sungs­kri­mi­na­li­tät” mit nord­afri­ka­ni­schen Staa­ten erklärt Julia Duch­row, Stell­ver­tre­te­rin des Gene­ral­se­kre­tärs von Amnes­ty Inter­na­tio­nal in Deutsch­land: “Die Kon­fe­renz fin­det statt, wäh­rend es den Mit­glieds­staa­ten nicht gelingt, sich auf ein funk­tio­nie­ren­des gemein­sa­mes Asyl­sys­tem in Euro­pa zu eini­gen. Weil nicht alle euro­päi­schen Län­der bereit dazu sind, Schutz­su­chen­de auf­zu­neh­men, sol­len nord­afri­ka­ni­sche Staa­ten wei­ter­hin dafür sor­gen, dass Men­schen auf der Flucht die EU-Außen­gren­zen gar nicht erst errei­chen”, erklärt Duch­row. “Die­se Aus­la­ge­rung der Ver­ant­wor­tung für die Auf­nah­me Schutz­su­chen­der ist eine Far­ce und geht oft mit Men­schen­rechts­ver­let­zun­gen ein­her.” (…) Amnes­ty Inter­na­tio­nal weist seit Jah­ren dar­auf­hin, dass bei­spiels­wei­se die Koope­ra­ti­on mit Liby­en zu schwers­ten Men­schen­rechts­ver­let­zun­gen führt, weil geflüch­te­te Men­schen dort will­kür­lich ein­ge­sperrt und miss­han­delt wer­den. “Das Trai­ning und die Ver­sor­gung mit tech­ni­schem Gerät der liby­schen Küs­ten­wa­che durch Deutsch­land und ande­re EU-Mit­glieds­staa­ten führt dazu, dass die liby­sche Küs­ten­wa­che aus See­not Geret­te­te zurück in Fol­ter und Haft bringt. Dies muss ein Ende haben.”…” Amnes­ty-Pres­se­mit­tei­lung vom 13. Juli 2020 externer Link
  • Unter dem Deck­man­tel der »Schleu­ser­be­kämp­fung«: Ver­hin­de­rung von Flucht statt See­not­ret­tung. PRO ASYL zu den heu­ti­gen Bera­tun­gen zwi­schen der EU und Vertreter*innen nord­afri­ka­ni­scher Staa­ten 
    Aus­la­ge­rung von Grenz­schutz und Abschot­tung sind kein Ersatz für Men­schen­rech­te, Huma­ni­tät und Soli­da­ri­tät. Weni­ger als eine Woche nach dem Tref­fen der 27 EU-Innenminister*innen zum The­ma See­not­ret­tung kom­men heu­te Vertreter*innen der EU mit Minister*innen nord­afri­ka­ni­scher Staa­ten zusam­men. Bereits ver­gan­ge­ne Woche berie­ten die EU-Innenminister*innen vor­ran­ging über Außen­grenz­schutz und Schleu­ser­be­kämp­fung anstatt über die Ret­tung von Men­schen­le­ben im Mit­tel­meer. Die­se ers­ten Akzen­te der deut­schen EU-Rats­prä­si­dent­schaft zur Flücht­lings­po­li­tik sind höchst pro­ble­ma­tisch. »Statt eine staat­li­che, euro­päi­sche See­not­ret­tung anzu­vi­sie­ren, geht es den EU-Innenminister*innen nur um Maß­nah­men zur Ver­hin­de­rung von Flucht«, kom­men­tiert Wieb­ke Judith, rechts­po­li­ti­sche Refe­ren­tin von PRO ASYL. »Zur Ver­hin­de­rung von Todes­fäl­len im Mit­tel­meer setzt die EU nur auf eine Stra­te­gie: Zwei­fel­haf­te Deals und Grenz­schutz aus­la­gern. Um die­ses Ziel zu errei­chen, wer­den schlimms­te Men­schen­rechts­ver­let­zun­gen, wie wir sie aus Liby­en ken­nen, in Kauf genom­men«. Unter ande­rem wird die Teil­nah­me von Vertreter*innen der soge­nann­ten liby­schen Ein­heits­re­gie­rung sowie Alge­ri­ens und Tune­si­ens erwar­tet…” Pres­se­mit­tei­lung vom 13.07.2020 externer Link

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Der Bei­trag Nach dem Liby­en-Deal nun auch EU-Nord­afri­ka-Koope­ra­ti­on erschien zuerst auf Labour­Net Ger­ma­ny.

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