[perspektive:] Klimawandel, Coronavirus und Borkenkäfer

Das Coronavirus hat große Teile der Welt in einen vorübergehenen Stillstand versetzt. Viele Autos standen still und auf den sonst so vollen Bahnen fühlte man sich schon fast allein. Auch der Schiffs- und Flugzeugverkehr wurden soweit zurück gefahren, dass es nicht einmal mehr Kondensstreifen am Himmel gab. Hat das Virus unsere Umwelt gerettet? – Ein Kommentar von Stefan Pausitz

Nein. Die Ein­schrän­kun­gen der Pan­de­mie haben nur kurz­fris­tig gezeigt, wie sehr der Mensch tag­täg­lich in die Umwelt ein­greift. Theo­re­tisch müss­te der Ist-Zustand vom April/​Mai ein Dau­er­zu­stand sein, sodass sich die Natur dau­er­haft erho­len kann. Der Kli­ma­wan­del lässt sich auf kei­ne Art und Wei­se auf­hal­ten. Wir müs­sen ver­su­chen, mit ihm zu leben und die Tra­gik des Wan­dels min­des­tens zu ver­rin­gern.

Nicht alles ist natürlich, was nach Natur aussieht

Bewei­se, dass es nach­hal­ti­ge Ver­än­de­run­gen in der Natur geben wird, erle­ben wir jeden Tag am eige­nen Leib. Egal, ob wir an einer gel­ben statt grü­nen Wie­se im Park vor­bei­schlen­dern, oder ob auf­grund der erhöh­ten Wald­brand­ge­fahr kein roman­ti­sches Lager­feu­er oder Grill­fest mög­lich ist. Doch nicht nur die sofort ersicht­li­chen Din­ge sind es, die uns in Alarm­be­reit­schaft ver­set­zen soll­ten.

Bei­spiels­wei­se wird allein in Sach­sen bis zum Jah­res­en­de der Bor­ken­kä­fer über 10.000 Hekt­ar Wald ver­nich­tet haben. Das liegt zum einen an den wun­der­ba­ren kli­ma­ti­schen Bedin­gun­gen für den Käfer, aber auch an der durch Men­schen­hand geschaf­fe­nen Mono­kul­tur in den Wäl­dern. Denn, auch wenn wir in den Wäl­dern Ruhe suchen, so ist ein Groß­teil von ihnen nur aus wirt­schaft­li­chen Grün­den ent­stan­den – um ihn wie­der zu roden und auf­zu­fors­ten. Natür­lich kommt es da dem Bor­ken­kä­fer zugu­te, dass die Wirt­schaft nur nach den ein­fachs­ten Kri­te­ri­en, wie schnel­ler und gera­der Wachs­tum anpflanzt.

Dramatische Auswirkung auf Holzwirtschaft

Ist der Bor­ken­kä­fer ein­mal im Holz, so kann er gro­ßen Scha­den anrich­ten. Der Wert­ver­lust für das Holz ist immens. Nicht nur die Holz­prei­se auf den Holz­markt fal­len dras­tisch, son­dern auch die durch den Bor­ken­kä­fer belas­te­ten Höl­zer sind viel anfäl­li­ger für extre­me Wet­ter­be­din­gun­gen. Dann kni­cken die Bäu­me ein­fach um. Aber auch gesun­de Höl­zer las­sen sich auf­grund von Ver­fär­bun­gen und dem damit ein­her­ge­hen­den Ver­schnitt nur noch zu 70% auf dem Markt ver­kau­fen.

Die säch­si­schen Gewerk­schaf­ter der IG BAU Nord-West-Sach­sen for­dern daher, mehr Arbei­te­rIn­nen ein­zu­stel­len, um Wald­schä­den zu behe­ben und die Wäl­der kli­ma­ge­recht umzu­ge­stal­ten. Ob die CDU-domi­nier­te säch­si­sche Lan­des­re­gie­rung in Kri­sen­zei­ten auf die­sen Vor­schlag ein­geht, ist nicht ersicht­lich.

Der Bei­trag Kli­ma­wan­del, Coro­na­vi­rus und Bor­ken­kä­fer erschien zuerst auf Per­spek­ti­ve.

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