[EMRAWI:] Winterpaket schliesst teilweise im August

Wir kön­nen nicht mit Sicher­heit sagen, wie vie­le Plät­ze damit erhal­ten blei­ben, aber es stellt nur einen Bruch­teil von dem dar, was gebraucht wer­den wür­de. Wir wol­len hier an die Aus­sa­ge des Sozi­al­stadt­ra­tes Peter Hacker vom 24.3.2020 in einem Inter­view mit dem Fal­ter erin­nern:

„Außer­dem haben wir nicht die­se gro­ße Grup­pe von ver­steckt leben­den Schwarz­ar­bei­tern, die das Virus lan­ge Zeit ver­brei­ten konn­ten, ohne dass es die Gesund­heits­be­hör­den merk­ten. Das­sel­be ist in Spa­ni­en oder in Frank­reich zu beob­ach­ten. Dar­an sieht man übri­gens, wie unglaub­lich wich­tig es ist, dass es nie­man­den gibt, der außer­halb des Sozi­al- und Gesund­heits­sys­tems lebt. Gro­ße Grup­pen von Men­schen, die vom Gesund­heits­sys­tem aus­ge­schlos­sen wer­den, sind schlecht für eine Gesell­schaft.“

Offen­sicht­lich scheint die­se Erkennt­nis jetzt nicht mehr zu gel­ten. War­um wür­de sonst die Stadt Wien jetzt die Win­ter-/CO­VID-Quar­tie­re schlie­ßen, und damit hun­der­te woh­nungs­lo­se Men­schen auf die Stra­ße zu set­zen? Eine Aus­brei­tung des Virus wür­de dort erst spät bemerkt wer­den. Das wür­de Men­schen ohne Woh­nung, von denen vie­le einer (Hoch)Risikogruppe ange­hö­ren, sehr hart tref­fen. Aber auch gesamt­ge­sell­schaft­lich gese­hen wider­spricht die­se Vor­ge­hens­wei­se jeg­li­cher Logik einer Reduk­ti­on der Anste­ckungs­ge­fahr. Noch vor kur­zem wur­de ein Quar­tier des Win­ter­pa­kets unter Qua­ran­tä­ne gestellt. Zwei Mona­te nach­dem die­se auf­ge­ho­ben wur­de, sol­len alle Not­quar­tie­re geschlos­sen wer­den? Nach wel­cher Logik wird hier vor­ge­gan­gen?

Wir kön­nen das nicht ver­ste­hen. Ein­mal mehr wird von oben her­ab ohne die gerings­te Berück­sich­ti­gung der Betrof­fe­nen ent­schie­den. Droht ein Image­scha­den durch Käl­te­to­te in einer der reichs­ten Städ­te oder ein Gesund­heits­ri­si­ko für die Mehr­heits­be­völ­ke­rung in der Coro­na­zeit, wer­den kurz­fris­tig Bet­ten für die an den Rand der Gesell­schaft Gedräng­ten geschaf­fen. Ver­schiebt sich der Dis­kurs wie­der und sind sie nur ein Kos­ten­fak­tor, siegt der Glau­be an die Effi­zi­enz, und die Quar­tie­re wer­den wie­der geschlos­sen.

Von die­sen kurz­fris­ti­gen Plan­spie­len der Stadt Wien, ohne län­ger­fris­ti­ge Stra­te­gie, sind auch wir Basismitarbeiter*innen, die die­se Quar­tie­re am Lau­fen hal­ten, betrof­fen. In der Kri­sen­zeit bekom­men wir Applaus, wenn wir aber gleich­zei­tig eine Ver­bes­se­rung unse­rer Arbeits­be­din­gun­gen ver­lan­gen, wer­den wir igno­riert und die Gewerk­schaf­ten betei­li­gen sich am Ver­rat.

Ganz gene­rell ste­hen wir mit dem Rücken zur Wand. Wir sehen tag­täg­lich in unse­rer Arbeit die Nach­tei­le der Mas­sen­quar­tie­re, wir sehen die schlecht funk­tio­nie­ren­den Kri­sen­plä­ne, die Pro­ble­me bei der Qua­ran­tä­ne, die Unter­ver­sor­gung. Nicht umsonst for­dern wir eine ganz­jäh­ri­ge, qua­li­täts­vol­le Unter­brin­gung für alle! Und doch sind wir ein­mal mehr gezwun­gen, die­ses schlech­te Sys­tem zu ver­tei­di­gen, da die Alter­na­ti­ve noch schlech­ter ist: Die simp­le Nicht­ver­sor­gung der Betrof­fe­nen.

Wir sehen auch die sozia­len Ver­wer­fun­gen, die die Coro­na­kri­se mit sich bringt. Wir befürch­ten, dass in Zukunft viel mehr Men­schen auf sol­che Sozi­al­ein­rich­tun­gen ange­wie­sen sein wer­den. Ers­te Anzei­chen dafür sehen wir bereits: Es kom­men mehr Men­schen, die noch nie in einem Not­quar­tier geschla­fen haben. Mehr Men­schen kom­men hung­rig zu uns. Was ist die Ant­wort der Stadt Wien, die sich selbst ger­ne als sozia­les Gegen­ge­wicht zum Bund insze­niert, dar­auf? Das Aus­dün­nen des Sozi­al­sys­tems, das Schlie­ßen der Not­quar­tie­re? Das kann es doch nicht sein!

Wir for­dern die Stadt Wien dazu auf, alle Not­schlaf­stel­len geöff­net zu hal­ten und die betrof­fe­nen Nutzer*innen der Ange­bo­te nicht auf die Stra­ße zu set­zen!

Wir for­dern ein­mal mehr die drin­gend über­fäl­li­ge Schaf­fung von qua­li­täts­vol­len, nie­der­schwel­li­gen Unter­künf­ten für alle woh­nungs­lo­se Men­schen!
Und wir for­dern eine Wohn­po­li­tik, die Woh­nen auch für armuts­be­trof­fe­ne Men­schen mög­lich macht!

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