[labournet:] Wer kontrolliert die Polizei, die uns bei den diversen Ausgangssperren kontrollieren soll?

Dossier

Polizeikessel bei der blockupy-DemoÜber­ra­schend kommt das nun wahr­haf­tig nicht: Dass bereits in den ers­ten Tagen, da die Poli­zei Aus­gangs­sper­ren und Kon­takt­ver­bo­te kon­trol­lie­ren soll, bun­des­weit Mel­dun­gen gehäuft ver­brei­tet wer­den über will­kür­li­che Vor­ge­hens­wei­sen, gewalt­tä­ti­ge Vor­ge­hens­wei­sen und Vor­ge­hens­wei­sen, die den „Ver­dacht“ extrem näh­ren, von Ras­sis­mus geprägt zu sein. Was in die­sen Tagen welt­weit zu beob­ach­ten ist, von (ins­be­son­de­re, wenn auch medi­al hier­zu­lan­de nicht statt­fin­dend) Paris über Bue­nos Aires bis Neu Delhi, konn­te auch im Land der zahl­lo­sen uni­for­mier­ten Ein­zel­tä­ter nicht aus­blei­ben. Und wird beför­dert durch die poli­ti­schen Ent­schei­dun­gen, der Poli­zei fak­tisch die kon­kre­te Inter­pre­ta­ti­on all­ge­mei­ner Bestim­mun­gen und Ver­bo­te zu über­las­sen. In wei­ser Vor­aus­sicht noch vie­ler kom­men­der Berich­te zu dem The­ma begin­nen wir am 27. März 2020 ein neu­es Dos­sier im Labour­Net Ger­ma­ny. Zum The­ma “Wer kon­trol­liert die Poli­zei, die uns bei den diver­sen Aus­gangs­sper­ren kon­trol­lie­ren soll?“ eine ers­te Samm­lung von Bei­trä­gen – und Ver­wei­sen auf ent­spre­chen­de Akti­vi­tä­ten ande­rer Grup­pen (#Coro­na­Po­li­zei):

  • Gäs­teda­ten: Deho­ga ver­langt Klar­stel­lung über Ver­wen­dungs­zwe­cke /​Zugrif­fe der Poli­zei in Ham­burg, Hes­sen und Rhein­land-Pfalz, Baden-Würt­tem­berg schließt Ver­wen­dung zur Straf­ver­fol­gung aus New
    • Gäs­teda­ten: Deho­ga ver­langt Klar­stel­lung über Ver­wen­dungs­zwe­cke
      Seit Coro­na müs­sen Gäs­te in Restau­rants hier­zu­lan­de ihre Kon­takt­da­ten hin­ter­las­sen. Darf dann auch die Poli­zei dar­auf zugrei­fen? Der Deho­ga sieht die Poli­tik nun in der Pflicht. Der Deho­ga Bun­des­ver­band will für Sicher­heit beim Daten­schutz sor­gen. Kon­kret geht es dabei um die Kon­takt­da­ten, die die Gäs­te in Coro­na-Zei­ten in deut­schen Restau­rants hin­ter­las­sen müs­sen. Denn: Wel­che Anga­ben kon­kret auf wel­che Wei­se erho­ben wer­den müs­sen und wann Gast­wir­te die Daten wie­der ver­nich­ten sol­len, vari­iert dabei von Bun­des­land zu Bun­des­land. Und zudem war die Maß­nah­me eigent­lich dafür gedacht, im Infek­ti­ons­fall mög­li­che Anste­ckungs­we­ge rück­ver­folg­bar zu machen. Nun haben sich in eini­gen Bun­des­län­dern aber auch Poli­zei­be­hör­den zum Zwe­cke der Straf­ver­fol­gung Zugriff auf die­ses Gäs­teda­ten ver­schafft. “Das ist hoch­gra­dig sen­si­bel”, sagt Deho­ga-Haupt­ge­schäfts­füh­re­rin Ingrid Hart­ges. Sie sieht vor allem die Lan­des­re­gie­run­gen in der Pflicht. “Da muss drin­gend für Klar­heit gesorgt wer­den”, for­dert Hart­ges. “Im Inter­es­se der Gäs­te und unse­rer Unter­neh­mer.” Denn schließ­lich sind es die Gast­ge­ber, die ihren Kun­den die For­mu­la­re zum Aus­fül­len aus­hän­di­gen und zugleich dar­über infor­mie­ren müs­sen, was sie mit den erho­be­nen Daten machen. Was ist nun bei­spiels­wei­se, wenn die Poli­zei die Gäs­te­lis­ten ein­se­hen möch­te, wie es von Fäl­len bei­spiels­wei­se in Ham­burg und Bay­ern in den ver­gan­ge­nen Tagen bekannt gewor­den ist? Hier­für for­dert der Deho­ga Bun­des­ver­band eine ein­heit­li­che Klar­stel­lung. Denn dabei müs­sen die Frei­heits­rech­te der betrof­fe­nen Gäs­te und die Straf­ver­fol­gung sorg­fäl­tig abge­wo­gen und in eine rechts­si­che­re Balan­ce gebracht wer­den…” Arti­kel von Raphae­la Kwid­zinski vom 30. Juli 2020 bei ahgz​.de externer Link, sie­he dazu:
    • Streit über Nut­zung von Coro­na-Gäs­te­lis­ten durch Poli­zei: In Ham­burg, Hes­sen und Rhein­land-Pfalz hat die Poli­zei auf sen­si­ble Daten zuge­grif­fen /​Baden-Würt­tem­berg schließt Ver­wen­dung zur Straf­ver­fol­gung aus
      “Der Gast­stät­ten­ver­band Deho­ga hat Auf­klä­rung dar­über gefor­dert, wie die wegen der Coro­na-Pan­de­mie von Restau­rants erstell­ten Gäs­te­lis­ten von der Poli­zei ver­wen­det wer­den. Das The­ma sei »hoch­gra­dig sen­si­bel«, sag­te Deho­ga-Haupt­ge­schäfts­füh­re­rin Ingrid Hart­ges der Düs­sel­dor­fer »Rhei­ni­schen Post« (Don­ners­tags­aus­ga­be). Des­halb müss­ten die Regie­run­gen der 16 Bun­des­län­der »drin­gend für Klar­heit« über die Ver­wen­dung der Daten durch die Poli­zei sor­gen. (…) Der Zugriff auf die Lis­ten ist den Straf­ver­fol­gungs­be­hör­den nach den Regeln der Straf­pro­zess­ord­nung erlaubt, wie eine Spre­che­rin des Bun­des­jus­tiz­mi­nis­te­ri­ums der Nach­rich­ten­agen­tur AFP sag­te. Es müss­ten aller­dings die ent­spre­chen­den Vor­aus­set­zun­gen vor­lie­gen. »Eine sol­che Maß­nah­me muss dabei stets in einem ange­mes­se­nen Ver­hält­nis zur Schwe­re der jewei­li­gen Tat ste­hen«, sag­te die Spre­che­rin. Nach Para­graf 94 der Straf­pro­zess­ord­nung kön­nen Gegen­stän­de, die als Beweis­mit­tel für eine Unter­su­chung von Bedeu­tung sein kön­nen, in Ver­wah­rung genom­men wer­den. Sie kön­nen auch beschlag­nahmt wer­den. (…) In einem Schrei­ben an die rund 65.000 Deho­ga-Mit­glie­der, aus dem die Zei­tun­gen der Fun­ke Medi­en­grup­pe am Mitt­woch zitiert hat­ten, brach­te der Ver­band sei­ne Sor­ge um die Akzep­tanz der Gäs­te­lis­ten zum Aus­druck. In jedem Fall sol­le »äußerst zurück­hal­tend von der­ar­ti­gen Zweck­än­de­run­gen der Daten­er­he­bung Gebrauch gemacht wer­den«, heißt es dar­in. »Andern­falls könn­ten Kon­flikt­si­tua­tio­nen zwi­schen Gast­wir­ten und Gäs­ten zuneh­men, wenn Gäs­te auf­grund gehäuf­ter poli­zei­li­cher Abfra­gen Vor­be­hal­te gegen die vor­ge­schrie­be­ne Gäs­teda­ten­re­gis­trie­rung haben.«” Mel­dung von und bei neu­es Deutsch­land vom 30. Juli 2020 externer Link
  • Poli­zei-Rech­te: Ers­ter poli­ti­scher Wider­stand gegen Her­aus­ga­be von Gäs­te­lis­ten /​War­nung von Daten­schüt­zer: Poli­zei soll nur spar­sam auf Coro­na-Gäs­te­lis­ten zugrei­fen 
    • Poli­zei-Rech­te: Ers­ter poli­ti­scher Wider­stand gegen Her­aus­ga­be von Gäs­te­lis­ten
      Seit kur­zem nimmt sich die Poli­zei das Recht, Gäs­te­lis­ten von Restau­rants für ihre eige­nen Zwe­cke ein­zu­zie­hen. Ers­te Poli­ti­ker und Daten­schüt­zer rufen die Wir­te nun zum Boy­kott die­ser Pra­xis auf. (…) Die Pira­ten­par­tei for­de­re nun in Über­ein­stim­mung mit dem Daten­schutz­be­auf­trag­ten des Lan­des Rhein­land-Pfalz „Gas­tro­no­men oder ande­re Hüter der Daten“ dazu auf, die Kon­takt­da­ten nicht ein­fach auf Anwei­sung der Poli­zei hin her­aus zu geben. Hier müs­se ein rich­ter­li­cher Beschluss bezo­gen auf genau die­se Daten­sät­ze vor­ge­legt wer­den. Ansons­ten sei die Her­aus­ga­be zu ver­wei­gern und sofort öffent­lich zu machen, um mög­lichst wei­te­re Repres­sa­li­en zu ver­mei­den. Des­wei­te­ren müs­se die Straf­pro­zess­ord­nung dahin gehend geän­dert wer­den, dass erho­be­ne Daten nur für den vor­ge­se­he­nen Zweck genutzt wer­den dür­fen.” Arti­kel von Tho­mas Hack vom 23.07.2020 bei hoga​pa​ge​.de externer Link
    • War­nung von Daten­schüt­zer: Poli­zei soll nur spar­sam auf Coro­na-Gäs­te­lis­ten zugrei­fen
      “Wer in Coro­na-Zei­ten in einem Café oder Bier­gar­ten ein­kehrt, muss Anschrift und Kon­takt­da­ten hin­ter­las­sen. (…) Der rhein­land-pfäl­zi­sche Daten­schutz­be­auf­trag­te Die­ter Kugel­mann warnt, dass zum Infek­ti­ons­schutz gesam­mel­te Daten in Gast­stät­ten nur unter bestimm­ten Umstän­den an Poli­zei­be­hör­den her­aus­ge­ge­ben wer­den soll­ten. In einem Bericht des Süd­west­deut­schen Rund­funks (SWR) erklärt Kugel­mann, die Daten dürf­ten allen­falls bei schwe­ren Straf­ta­ten wie Mord oder Tot­schlag für Ermitt­lun­gen genutzt wer­den. Bei einer klei­nen Schlä­ge­rei sei es dage­gen unver­hält­nis­mä­ßig, dass die Poli­zei die Lis­ten mit per­sön­li­chen Daten aus­wer­te, sag­te Kugel­mann dem SWR. (…) Das Bun­des­jus­tiz­mi­nis­te­ri­um bestä­tig­te auf Anfra­ge des SWR aller­dings, dass die Daten von Straf­ver­fol­gungs­be­hör­den benutzt wer­den dürf­ten, wenn die ent­spre­chen­den Vor­aus­set­zun­gen vor­lä­gen. Gemeint sind die in der Straf­pro­zess­ord­nung fest­ge­leg­ten Regeln zur Beschlag­nah­mung. Sie sehen vor, dass die Poli­zei Gegen­stän­de beschlag­nah­men darf, wenn sie eine rich­ter­li­che Geneh­mi­gung hat. Bei Gefahr im Ver­zug reicht zunächst die Anord­nung der Staats­an­walt­schaft. Eine Beschrän­kung auf bestimm­te Straf­ta­ten gibt es dabei nicht. Der Daten­schutz­be­auf­trag­te Kugel­mann for­dert, dass sich die Poli­zei das Beschlag­nah­men der Kon­takt­da­ten gene­rell von einem Rich­ter geneh­mi­gen las­sen müs­se. Es müs­se sicher­ge­stellt sein, dass die Lis­ten nicht zu x‑beliebigen Ermitt­lun­gen her­an­ge­zo­gen wer­den, sag­te Kugel­mann dem SWR…” Mel­dung vom 22. Juli 2020 im Spie­gel online externer Link – Anm.: Was recht­lich pro­blem­los mög­lich wäre – wenn man will
  • Coro­na-Kon­takt­lis­ten: Wenn die Poli­zei dich nach dem Restau­rant­be­such anruft 
    “Ermittler:innen aus Ham­burg haben min­des­tens sie­ben Per­so­nen für Zeu­gen­aus­sa­gen kon­tak­tiert, die sich zuvor in eine Coro­na-Kon­takt­lis­te ein­ge­tra­gen hat­ten. Der Fall zeigt, wie schnell ein­mal erho­be­ne Daten bei der Poli­zei lan­den kön­nen. (…) Dass die Coro­na-Lis­ten im Fall einer Ermitt­lung an die Poli­zei wei­ter­ge­ge­ben wer­den müs­sen, dürf­te vie­len nicht bewusst sein. Gegen­über der taz bezeich­net die Poli­zei das Vor­ge­hen der Ermittler:innen als „gesun­der Men­schen­ver­stand“ und beruft sich auf die recht­li­che Grund­la­ge in der Straf­pro­zess­ord­nung (StPO). Aus ihrer Sicht ist die Coro­na-Kon­takt­lis­te ein will­kom­me­nes Beweis­mit­tel, wenn es dar­um geht Augenzeug:innen zu fin­den, die mög­li­cher­wei­se vor Gericht aus­sa­gen kön­nen. (…) Dass die Kon­takt­lis­te bei der Poli­zei gelan­det ist und für einen gänz­lich ande­ren Zweck ver­wen­det wur­de, trägt sicher nicht dazu bei, das Ver­trau­en der Bevöl­ke­rung in die­se Maß­nah­men zur Ein­däm­mung der Pan­de­mie zu stei­gern. Der Ham­bur­ger Daten­schutz­be­auf­trag­te Johan­nes Cas­par ruft des­halb die Poli­zei dazu auf „äußerst zurück­hal­tend“ von ihrer Befug­nis der Zweck­än­de­rung Gebrauch zu machen. Gast­stät­ten-Betrei­ber soll­ten sich dar­über hin­aus auf die Erhe­bung der unbe­dingt erfor­der­li­chen Daten beschrän­ken, rät Cas­par. Das sind in Ham­burg seit Juli der Name, die Wohn­an­schrift und eine Tele­fon­num­mer. Cas­par gibt außer­dem zu Beden­ken, ob es nicht aus­rei­chen wür­de, die pos­ta­li­sche Adres­se oder die Tele­fon­num­mer oder die E‑Mail-Adres­se zu erhe­ben statt alle drei. In ande­ren Berei­chen ist sol­che soge­nann­te Daten­spar­sam­keit schon lan­ge Pra­xis. Vie­le Streetworker:innen ver­zich­ten etwa bewusst auf Akten­füh­rung, damit sen­si­ble Daten im Fall einer Durch­su­chung nicht an die Poli­zei gera­ten.” Bei­trag von Marie Bröck­ling vom 7. Juli 2020 bei Netz​po​li​tik​.org externer Link, sie­he zuvor:
    • Adres­se im Restau­rant auf­schrei­ben: Ganz harm­los. Wie die anschlie­ßen­de Zeu­gen­be­fra­gung… 
      Gera­de einen Anruf von David­wa­che bekom­men. Die tele­fo­nie­ren die „Corona-Reg.-Liste“ eines Restau­rants ab und drin­gen auf Hin­wei­se zu einer mut­maß­lich nahe der Loka­li­tät began­ge­nen Straf­tat“ – so der Tweet am 02. Juli 2020 im Twit­ter-Kanal von Phil­lip Hof­mann externer Link (Frag den Staat) zum The­ma was ein Restau­rant­be­such im Zeit­al­ter der Coro­na-Poli­zei so alles für unge­wohn­te Fol­gen haben kann. Wor­auf ein sehr aus­führ­li­cher Thread zustan­de kommt, des­sen The­ma vor allem die juris­ti­schen Bedin­gun­gen für die Ver­wen­dung von Daten sind, die in ande­ren Zusam­men­hän­gen erho­ben wor­den sind. Der Favo­rit von Labour­Net Ger­ma­ny dazu: „Und damit war die­se Woche beim Fri­sör die letz­te Lis­te, die ich mit ech­tem Namen und Han­dy­num­mer aus­ge­füllt habe. Dan­ke. Wo ein Trog ist, kom­men die Schwei­ne… Wie bei jeder Daten­samm­lung
    • Sie­he auch unser Dos­sier: Daten­schutz vs. Coro­na-Virus – Was [nicht nur] Unter­neh­men beach­ten müs­sen
  • Noch zum 1. Mai im Virus-Aus­nah­me­zu­stand: Poli­zei kann end­lich mal rich­tig durch­grei­fen – und muss nicht immer kom­men­de Poli­zei­staats­ge­set­ze vor­weg umset­zen, dies­mal in Ber­lin 
    „… Unter ihnen befand sich auch die 22-jäh­ri­ge freie Jour­na­lis­tin Lea R. Gegen 23 Uhr war sie gera­de dabei, im Auf­trag der Nach­rich­ten­agen­tur Non­stop News einen Poli­zei­ein­satz in der Ora­ni­en­stra­ße zu doku­men­tie­ren, als plötz­lich eine Grup­pe Polizist*innen auf das sechs­köp­fi­ge Kame­ra­team zurann­te, um eine Per­son fest­zu­neh­men, die sich in ihrer Nähe befand. Zum Aus­wei­chen war es zu spät, doch was dann geschah, damit hat­te die Fern­seh­jour­na­lis­tin nicht gerech­net: »Einer der Poli­zis­ten hat mir mit der Faust direkt ins Gesicht geschla­gen«, berich­tet die 22-Jäh­ri­ge immer noch fas­sungs­los dem »nd«. Lea R. ging zu Boden, eben­so wie ihr Kame­ra­mann, der aller­dings wegen sei­nes Helms ohne Ver­let­zun­gen blieb. Lea R. trug hin­ge­gen infol­ge des Schlags zwei abge­bro­che­ne Zäh­ne und Prel­lun­gen im Gesicht davon. Ein ande­rer Poli­zist habe ihr Ers­te Hil­fe geleis­tet und den Kran­ken­wa­gen geru­fen, berich­tet sie. Von dem Poli­zis­ten, der sie ange­grif­fen hat­te, und sei­ner Ein­satz­hun­dert­schaft war jedoch nichts mehr zu sehen. Das Lan­des­kri­mi­nal­amt hat inzwi­schen ein Ermitt­lungs­ver­fah­ren gegen den Beam­ten wegen des Ver­dachts auf Kör­per­ver­let­zung im Amt ein­ge­lei­tet. Zu Details will sich die Ber­li­ner Poli­zei auf nd-Anfra­ge mit Ver­weis auf lau­fen­de Ermitt­lun­gen nicht näher äußern….“ – aus dem Bei­trag „Mit der Faust gegen Pres­se­frei­heit“ von Marie Frank am 05. Mai 2020 in neu­es deutsch­land online externer Link über die neue Poli­zei­frei­heit am 1. Mai in Ber­lin. Sie­he dazu einen wei­te­ren aktu­el­len Bei­trag:
    • „Mit der Faust ins Gesicht“ von Peter Weis­sen­bur­ger am 04. Mai 2020 in der taz online externer Link zu die­ser Poli­zei­at­ta­cke: „… Die Ora­ni­en­stra­ße in Kreuz­berg bil­de­te in die­sem Jahr ein Zen­trum der lin­ken Demos zum 1. Mai, die wegen des Ver­samm­lungs­ver­bots als meh­re­re dezen­tra­le Aktio­nen statt­fin­den soll­ten. Die Poli­zei Ber­lin war mit 5.000 Beamt*innen im Ein­satz, um zu ver­hin­dern, dass die­se zu einer Groß­de­mo ver­schmel­zen. Das sechs­köp­fi­ge Team hat­te nach eige­nen Anga­ben den Abend über mit Kame­ra und Ton­equipment in ange­mes­se­nem Abstand die Ein­satz­kräf­te beglei­tet. Gegen 23 Uhr scher­te dann eine klei­ne­re Grup­pe Polizist*innen abrupt aus, um eine Per­son fest­zu­set­zen, die sich in nächs­ter Nähe des Teams befand. (…) R. trug zum Zeit­punkt des Angriffs Sounde­quip­ment, dar­un­ter eine lan­ge Mikro­fon­an­gel, das bestä­tigt ihr Kame­ra­mann. „Ich bin über­zeugt, dass wir als Pres­se klar zu erken­nen waren“, sagt R. Sie will die Ber­li­ner Poli­zei auf Scha­den­er­satz und Schmer­zens­geld ver­kla­gen...“
  • Am 1. Mai wur­de bun­des­weit demons­triert: Von der Coro­na-Poli­zei. Nicht immer erfolg­reich…
    „… Der Vor­mit­tag star­te­te mit einer mas­si­ven Bul­len­prä­senz in der gan­zen Nord­stadt. Am Auto­no­me Zen­trum (AZ) stan­den schon am Tag zuvor andau­ernd Bul­len her­um, war­tend auf Men­schen, die irgend­et­was mit dem AZ zu tun haben, um die­se zu ner­ven und zu bela­gern, mit Kon­trol­len und Durch­su­chun­gen. Ab mit­tags sperr­ten die Cops Tei­le der Gathe und die Mar­ko­man­nen­stra­ße rund um das AZ damit sich dort bloß kei­ne Men­schen sam­meln konn­ten. Pünkt­lich um 14:00 Uhr hat­ten sich trotz Coro­na etwa 100 (BFE-)Bullen über­wie­gend fried­lich am AZ ver­sam­melt, um zu demons­trie­ren und andert­halb Stun­den lang andäch­tig anar­chis­ti­schen Rede­bei­trä­gen (u.a. der dies­jäh­ri­ge Auf­ruf und ein Bei­trag der FAU Ber­gi­sche Land) und der Musik zu lau­schen… In der gan­zen Stadt patroul­lier­te Team Blue und ver­folg­te am Cafe Tache­les und der Tras­se in Bar­men teil­wei­se Men­schen, die ihnen ver­däch­tig vor­ka­men. Nichts­des­to­trotz haben es am Vor­mit­tag rund 30 Men­schen ohne Bul­len­be­glei­tung zum Heli­os Kli­ni­kum (die Heli­os-Kli­ni­ken-Grup­pe ist einer der größ­ten Anbie­ter von sta­tio­nä­rer und ambu­lan­ter Patient*innenversorgung Euro­pas) geschafft, wo eine soli­da­ri­sche Kund­ge­bung mit den Pfleger*innen und ande­ren Men­schen des kaputt­ge­spar­ten Gesund­heits­sys­tems abge­hal­ten wur­de. War­um eine Kund­ge­bung genau da? In den ver­gan­gen Jah­ren wur­de der Arbeits­kampf in den pfle­ge­ri­schen Beru­fen zumin­dest in Wup­per­tal nicht groß­ar­tig the­ma­ti­siert. Genau das woll­ten wir ändern. Denn in die­sen Zei­ten der Coro­na-Pan­de­mie wird häu­fig von soge­nann­ten “ALLTAGSHELD*INNEN” gespro­chen, doch wo war die­se Bezeich­nung vor dem Aus­bruch des Coro­na­vi­rus? Und wo wird sie danach sein? Weder vor, noch nach der Coro­na-Pan­de­mie wer­den gera­de die Pfleger*innen rich­tig gewür­digt oder auch nur ansatz­wei­se gerecht bezahlt. Des­halb haben wir uns dazu ent­schie­den, am Heli­os Kli­ni­kum in Bar­men eine Kund­ge­bung zu machen, um zu beto­nen, dass die Situa­ti­on der Pfleger*innen weder vor, noch nach der Coro­na-Pan­de­mie eine hin­nehm­ba­re Situa­ti­on ist. Des­halb ist es wich­tig, dass die vor­han­de­nen Arbeits­kämp­fe in der Pfle­ge soli­da­risch beglei­tet wer­den, wie z.B. in Solin­gen, wo das städ­ti­sche Kli­ni­kum pri­va­ti­siert wer­den soll, wes­halb sich dort rund 20 Men­schen ver­sam­mel­ten um dage­gen zu pro­tes­tie­ren. Die­sen Mut zum Arbeits­kampf begrü­ßen wir gera­de in Zei­ten der Coro­na-Pan­de­mie sehr!...“ – aus dem Bericht „Der auto­no­me 1. Mai in Wup­per­tal war wie letz­tes Jahr geprägt von Über­ra­schun­gen!“ am 03. Mai 2020 bei de.indymedia externer Link. Sie­he dazu auch einen Bericht aus Ber­lin:
    • „Auto­no­me und Gen­dar­men“ von Marie Frank am 03. Mai 2020 in neu­es deutsch­land online externer Link zu den Aus­ein­an­der­set­zun­gen in Ber­lin unter ande­rem: „… Es ist ein unüber­sicht­li­ches Katz-und-Maus-Spiel, das sich die radi­ka­le Lin­ke am Frei­tag­abend mit den 5000 ein­ge­setz­ten Beamt*innen lie­fert: Immer wie­der for­mie­ren sich an unter­schied­li­chen Stel­len Spon­tan­de­mons­tra­tio­nen, die von den Ein­satz­kräf­ten nicht ver­hin­dert wer­den kön­nen. Am zwei­ten Treff­punkt um 19.30 Uhr an der Kott­bus­ser Brü­cke sind es bereits meh­re­re Hun­dert Men­schen, die auf Trans­pa­ren­ten die Eva­ku­ie­rung des grie­chi­schen Flücht­lings­la­gers Moria for­dern. Auch neue Demo­sprü­che sind zu hören: »Gesund­heit für alle, sonst gibt’s Kra­wal­le«, tönt es durch die Stra­ßen. Immer wie­der knallt es und Feu­er­werk wird gezün­det. Abstand hal­ten ist hier längst nicht mehr mög­lich, weder zu den ver­mumm­ten Demonstrant*innen, noch zu den Polizist*innen, die meist ohne Mund­schutz unter­wegs sind. Ins­ge­samt 3000 Demonstrant*innen sind nach Schät­zun­gen der Veranstalter*innen an die­sem Abend auf den Stra­ßen. Das geplan­te Abschluss­tref­fen um 20 Uhr am Mari­an­nen­platz kann die Poli­zei zwar ver­hin­dern, nicht jedoch, dass sich rund um die Absper­run­gen zahl­rei­che Pro­tes­tie­ren­de ver­sam­meln. Statt des wegen sei­nes kom­mer­zi­el­len Cha­rak­ters bei den Links­ra­di­ka­len ver­hass­ten Myfests fei­ern in die­sem Jahr Auto­no­me ein Stra­ßen­fest: In der Mari­an­nen­stra­ße tönt lau­te Punk­mu­sik aus den Fens­tern, Leu­te tan­zen aus­ge­las­sen auf der Stra­ße im far­bi­gen Nebel der zahl­rei­chen Rauch­töp­fe und rufen »Hoch die inter­na­tio­na­le Soli­da­ri­tät«, auf Haus­dä­chern und Bal­ko­nen brennt mas­sen­haft Feu­er­werk ab...“
    • Sie­he zum Hin­ter­grund unser Dos­sier: 1. Mai 2020 – Tag der Arbeit abge­sagt? Her­aus zum 1. Mai? Her­aus zum 1. Mai!
  • Die Bun­des­re­gie­rung kann ruhig allen Daten­schutz zusi­chern: An sol­che Gren­zen hält sich die Poli­zei längst nicht mehr – wofür der „Coro­na-Frei­brief“ nach­träg­lich gesetz­li­che Absi­che­rung leis­tet 
    „… Seit fast vier Wochen geht das so in Nie­der­sach­sen: Gesund­heits­äm­ter über­mit­teln die Adres­sen von Coro­na-Infi­zier­ten und ihren Kon­tak­ten­per­so­nen, die sich in Qua­ran­tä­ne befin­den, an die Poli­zei. Das erklär­te Ziel: Die Ein­hal­tung der Qua­ran­tä­ne zu „über­wa­chen“ – und Poli­zei­be­am­te zu schüt­zen. Tau­sen­de Daten dürf­ten so bereits wei­ter­ge­reicht wor­den sein. Wie viel genau, ver­mag Gesund­heits­mi­nis­te­rin Caro­la Rei­mann (SPD) nicht zu sagen: Dazu lägen kei­ne Erhe­bun­gen vor, so eine Spre­che­rin. Aber es gibt deut­li­che Kri­tik an der Pra­xis. Und nicht nur dort. Für die nie­der­säch­si­sche Daten­schutz­be­auf­trag­te Bar­ba­ra Thiel ist das Vor­ge­hen klar rechts­wid­rig. Es gebe „kei­ne Rechts­grund­la­ge für die pau­scha­le Über­mitt­lung die­ser sen­si­ti­ven Gesund­heits­da­ten“, erklärt Thiel. Ihre For­de­rung: „Die der­zei­ti­ge, rechts­wid­ri­ge und bevor­ra­ten­de Daten­über­mitt­lung muss umge­hend ein­ge­stellt wer­den.“ Die­se For­de­rung erhob Thiel indes bereits vor zwei­ein­halb Wochen. Die Lan­des­re­gie­rung aber ließ die Daten­über­mitt­lung fort­set­zen…“ – aus dem Bei­trag „Coro­na? Poli­zei weiß schon Bescheid“ von Kon­rad Litsch­ko am 24. April 2020 in der taz online externer Link zur all­täg­li­chen geset­zes­wid­ri­gen Aus­deh­nung der Über­wa­chung. Zu Poli­zei­über­wa­chung und –repres­si­on, sowie Pro­test dage­gen sie­he drei wei­te­re Bei­trä­ge:
    • „Hat Sach­sen-Anhalt die Über­mitt­lung von Coro­na­lis­ten an die Poli­zei ver­tuscht?“ von Dani­el Lau­fer am 25. April 2020 bei netz​po​li​tik​.org externer Link (ein Arti­kel, den wir auch unter „Daten­schutz“ ver­linkt haben) – mit einem Über­blick über die Ver­stö­ße der Ämter und der Poli­zei gegen gesetz­li­che Vor­schrif­ten im Rah­men der Coro­na-Kon­trol­len: „… Sach­sen-Anhalts Gesund­heits­äm­ter haben doch Daten von Men­schen an die Poli­zei über­mit­telt, die unter Qua­ran­tä­ne stan­den. Gespei­chert wur­den sie in der Fahn­dungs­da­ten­bank des Lan­des­kri­mi­nal­amts (LKA), wie nun bekannt wur­de. Unter den Betrof­fe­nen waren dem­nach auch Kon­takt­per­so­nen von Erkrank­ten und Rückkehrer:innen aus soge­nann­ten Risi­ko­ge­bie­ten. Das Innen­mi­nis­te­ri­um hat­te netz​po​li​tik​.org Anfang April auf Anfra­ge mit­ge­teilt, in dem Land wür­den kei­ne Lis­ten mit Coro­na­vi­rus-Infi­zier­ten wei­ter­ge­ge­ben. Von die­ser Dar­stel­lung sagt der Lan­des­da­ten­schutz­be­auf­trag­te Harald von Bose heu­te, sie habe „schief“ und „geschönt“ gewirkt. Hen­ri­et­te Qua­de, innen­po­li­ti­sche Spre­che­rin der Lin­ken-Frak­ti­on im Land­tag, mach­te den Fall öffent­lich. Sie unter­stellt dem Innen­mi­nis­te­ri­um einen Ver­tu­schungs­ver­such. In Nie­der­sach­sen, Bre­men, Meck­len­burg-Vor­pom­mern und Baden-Würt­tem­berg hat­ten Behör­den früh­zei­tig ein­ge­räumt, dass sen­si­ble Gesund­heits­da­ten an die Poli­zei gegan­gen waren, Datenschützer:innen kri­ti­sier­ten die Pra­xis zum Teil scharf. War­um ver­gin­gen rund vier Wochen, bis bekannt wur­de, dass auch in Sach­sen-Anhalt sen­si­ble Daten geflos­sen sind? Wir haben ver­sucht, die Vor­gän­ge zu rekon­stru­ie­ren...“ – sie­he dazu unser Dos­sier: Daten­schutz vs. Coro­na-Virus – Was [nicht nur] Unter­neh­men beach­ten müs­sen
    • „Rebel­li­on gegen „Coro­na-Kon­trol­len“ in Frank­furt“ am 16. April 2020 bei Dem Vol­ke Die­nen externer Link mel­de­te bereits: „… Genau die­se Sache zeig­te sich am Oster­wo­chen­en­de in Frank­furt am Main. Als Poli­zis­ten am Kar­frei­tag durch das Arbei­ter­vier­tel Frank­furt-Grieß­heim fuh­ren stie­ßen sie auf eine Grup­pe von etwa 20 Per­so­nen. Als sie eine ihrer „Coro­na-Kon­trol­len“ durch­füh­ren woll­ten wur­den sie von der Grup­pe ange­grif­fen. Mit einem Stein soll ein Fens­ter ihres Autos ein­ge­wor­fen wor­den sein. Sie sol­len mit Dach­lat­ten, Eisen­stan­gen und Stei­nen atta­ckiert und bedroht wor­den sein. Als die Grup­pe flüch­te­te und die Poli­zei sie ver­folg­te wur­den die Bul­len in einen Hin­ter­halt gelockt und wei­ter mit Stei­nen und einem Han­tel­ge­wicht bewor­fen. Nach dem Ein­satz sprach die Poli­zei von einer Stra­ßen­schlacht. Die Fol­ge die­ses Ereig­nis­ses ist das Grieß­heim nun von den Bul­len regel­recht besetzt wird. Die Zustän­di­ge Ein­heit wird nun von wei­te­ren Ein­hei­ten unter­stützt. In der Nacht des Oster­mon­tags stieß die Frank­fur­ter Poli­zei dann auf meh­re­re bren­nen­de Müll­to­nen in Grieß­heim. Die Bul­len for­der­ten dar­auf­hin Ver­stär­kung an…“
    • „Tat­ort Son­nen­al­lee – erst Atta­cken auf Poli­zei, dann bren­nen­de Auto­rei­fen“ am 16. April 2020 in der Ber­li­ner Zei­tung online externer Link (müss­te Ber­li­ner Poli­zei-Zei­tung nicht eigent­lich BPZ abge­kürzt wer­den?): „… Gegen 20.40 Uhr ent­deck­te eine Funk­wa­gen­be­sat­zung in der Son­nen­al­lee zwi­schen Peter-Anders-Stra­ße und Micha­el-Boh­nen-Ring rund 20 Per­so­nen. Kurz dar­auf wur­de das Ein­satz­fahr­zeug laut Poli­zei von einem Gegen­stand getrof­fen. Als Unter­stüt­zung ein­traf, such­ten die Poli­zis­ten die nähe­re Umge­bung ab. Gegen 22.35 Uhr wur­de dann ein wei­te­res Poli­zei­au­to durch eine Geträn­ke­do­se getrof­fen. In bei­den Fäl­len wur­den die Fahr­zeu­ge nicht beschä­digt. Tat­ver­däch­ti­ge konn­ten die Poli­zis­ten nicht fest­stel­len. Gegen 00.10 Uhr gin­gen dann meh­re­re Anru­fe bei der Poli­zei ein. Es wur­de von bren­nen­den Rei­fen auf der Fahr­bahn in der Son­nen­al­lee berich­tet. Die Feu­er­wehr lösch­te die bren­nen­den Rei­fen und besei­tig­te sie von der Fahr­bahn. Dafür muss­te die Fahr­bahn in Rich­tung Baum­schu­len­weg für 15 Minu­ten gesperrt wer­den…“
  • Poli­zei greift hart durch: Euro­pa im Coro­na-Straf­wahn
    “… Mit Freun­dIn­nen auf der Park­bank sit­zen und plau­dern. Zum Gril­len tref­fen. In gro­ßer Run­de pick­ni­cken. Was vor ein paar Mona­ten nor­mal war, ist heu­te in vie­len Län­dern wegen der Coro­na-Anste­ckungs­ge­fahr und der Maß­nah­men dage­gen unmög­lich. Ideen zur Ein­däm­mung gibt es vie­le – eine For­schungs­grup­pe der Uni­ver­si­tät Cam­bridge hat 275 Maß­nah­men gesam­melt, die teils schon ein­ge­setzt wer­den und teils skur­ril wir­ken – etwa das Benut­zen von Zan­gen, um in Geschäf­ten nach Pro­duk­ten zu grei­fen. Ein Ver­stoß gegen die Maß­nah­men kann vie­ler­orts dank üppi­ger Buß­gel­der teu­er kom­men. Doch nicht nur das: Die Men­schen­rechts­or­ga­ni­sa­ti­on Amnes­ty Inter­na­tio­nal warnt vor zuneh­men­den Ein­schrän­kun­gen von Grund­rech­ten in Euro­pa im Zuge der Coro­na­kri­se. Vie­le Maß­nah­men sei­en zum Schutz der Gesund­heit zwar not­wen­dig, erklär­te Amnes­ty Inter­na­tio­nal am Don­ners­tag. Doch eini­ge Regie­run­gen wür­den die Pan­de­mie zur Aus­höh­lung von Rechts­staat­lich­keit, Dis­kri­mi­nie­rung, Repres­si­on oder Zen­sur nut­zen. Vor allem Ungarn, Polen und die Tür­kei kri­ti­sier­te Amnes­ty. In Ungarn zum Bei­spiel miss­brau­che Minis­ter­prä­si­dent Vik­tor Orbán die Kri­se als Vor­wand, um sich unbe­grenz­te Macht zu ver­schaf­fen. Gemeint ist ein Gesetz, das es der Regie­rung erlaubt, auf unbe­stimm­te Zeit per Dekret zu regie­ren. Doch auch in Län­dern, deren Regie­run­gen nicht unter Ver­dacht ste­hen, die Epi­de­mie zum Griff nach der Macht aus­zu­nut­zen, hat­ten Bür­ge­rIn­nen es in den ver­gan­ge­nen Wochen nicht immer leicht – manch­mal auch wegen über­eif­ri­ger Poli­zis­tIn­nen oder Mit­bür­ge­rIn­nen. Unse­re taz-Kor­re­spon­den­ten geben einen Ein­blick in die Situa­ti­on in ihren Län­dern…” Eine Über­sicht von Andrej Ivan­ji, Bel­grad, Rei­ner Wand­ler, Madrid, Micha­el Braun, Rom, Ralf Leon­hard, Wien, Rudolf Bal­mer, Paris, und Dani­el Zyl­ber­sz­ta­jn, Lon­don in der taz online am 16. April 2020 externer Link
  • Coro­na-Not­stand: Ob Demos oder kei­ne – ent­schei­det die Poli­zei allei­ne. Ob Park­bank: Auch 
    „… Nun kön­nen alle Berliner*innen in Ansät­zen mal selbst erle­ben, wie sich die­ses Racial Pro­filing anfüh­len muss. Denn jetzt kann jeder bestraft wer­den, weil er wo ist, wo er nach Ansicht der Behör­den nicht zu sein hat, oder weil er mit zu vie­len Leu­ten von der fal­schen Sor­te unter­wegs ist. (…) Dabei hat die Poli­zei seit dem 23. März, als die ver­schärf­ten Kon­takt­ver­bo­te in Kraft tra­ten, bis zur Ver­hän­gung die­ses Buß­geld­ka­ta­logs in der 3,8‑Millionen-Einwohner-Stadt Ber­lin laut dpa ledig­lich 462 Ver­stö­ße gegen die Ver­bo­te fest­ge­stellt. Noch am Don­ners­tag­abend hat Regie­rungs­chef Micha­el Mül­ler (SPD) die Berliner*innen dafür gelobt, sich in die­ser Situa­ti­on vor­bild­lich zu ver­hal­ten. Den­noch haben sich SPD, Lin­ke und Grü­ne ent­schlos­sen, ihre Bürger*innen lie­ber nicht als ver­nünf­tig und ver­ant­wor­tungs­voll, als mün­dig anzu­se­hen. Des­halb ist nun jede*r ein Ver­dachts­fall und muss damit rech­nen, stets und über­all von Polizist*innen mit Fra­gen nach dem Grund sei­nes Da-Seins, sei­nem Wohin und Woher und mit dif­fu­sen Vor­wür­fen kon­fron­tiert zu wer­den: Waren das 1,50 oder nur 1,28 Meter? Wer hat den Abstand unter­schrit­ten: ich oder der ande­re? Aus­le­gungs­sa­che. Klar ist aber, wer aus­legt: die, die es kön­nen. Weil sie die Staats­ge­walt sind. Es ist ent­täu­schend, dass sich eine rot-rot-grü­ne Regie­rung zu die­sem Schritt hat hin­rei­ßen las­sen. Und es ist falsch. Denn ers­tens zeigt es den Berliner*innen, wofür ihre Regie­rung sie hält. Für gemein­ge­fähr­lich blö­de näm­lich: selbst ange­sichts einer töd­li­chen Krank­heit, die jede*n von ihnen bedroht, nicht fähig, ver­ant­wor­tungs­voll zu han­deln – wenn man sie nicht mit Stra­fen dazu zwingt. Zwei­tens gibt es einer Poli­zei, die in Ber­lin seit Lan­gem um ein posi­ti­ves Image kämpft, die Gele­gen­heit, sich mal wie­der von ihrer schlech­ten Sei­te zu zei­gen: ein­schüch­ternd, über­grif­fig. Und es gibt unter Ber­lins Polizist*innen lei­der immer noch man­che, die die­se Gele­gen­heit ger­ne nut­zen wer­den, wie Erfah­rungs­be­rich­te zei­gen...“ aus dem Kom­men­tar zum Ber­li­ner „Buß­geld­ka­ta­log“ „Lei­der gefähr­lich blö­de“ von Alke Wierth am 03. April 2020 in der taz online externer Link zu rot-rot-grü­ner Poli­zei­staats-Real­po­li­tik ganz ohne Demons­tra­tio­nen. Zum Coro­na-poli­zei­staat­li­chen Vor­ge­hen gegen Demons­tra­ti­on und Pro­test und bei ganz all­täg­li­chen Vor­gän­gen sie­he drei wei­te­re aktu­el­le Bei­trä­ge und meh­re­re infor­ma­ti­ve Tweets:
    • „Wegen Coro­na: Poli­zei löst Demo in Lüchow auf“ von Rou­ven Groß am 04. April 2020 in der Elbe Jeet­zel Zei­tung externer Link ist zwar ein Bezahl-Arti­kel, aber der les­ba­re Anfang reicht aus um „zu ver­ste­hen“: „… Es waren ver­stö­ren­de Sze­nen, die sich am Sonn­abend­vor­mit­tag in der Lücho­wer Innen­stadt abspiel­ten. Ein Groß­auf­ge­bot der Poli­zei hin­der­te dort etwas mehr als 20 Men­schen dar­an, jeweils allein oder zu zweit auf dem Bür­ger­steig ste­hend gegen die ihrer Mei­nung nach fal­sche Flücht­lings­po­li­tik …“
    • „All­machts­an­sprü­che der Bre­mer Poli­zei“ am 04. April 2020 bei Dem Vol­ke die­nen externer Link berich­tet unter ande­rem aus Bre­men: „… Zunächst wur­de in der Nacht von Sams­tag auf Sonn­tag eine angeb­li­che „Par­ty“ bestehend aus sie­ben Per­so­nen auf­ge­löst. Die­se „Par­ty“ fand in einer geschlos­se­nen Räum­lich­keit statt, einem Laden in Bre­men Vege­sack. Der ver­meint­li­che Ver­an­stal­ter wur­de in Gewahr­sam genom­men und alle Teil­neh­mer erhiel­ten eine Straf­an­zei­ge. Am Sonn­tag wur­de die Geburts­tags­fei­er eines Kin­des bei der Fami­li­en­mit­glie­der und Freun­de anwe­send waren, von der Poli­zei in der Pri­vat­woh­nung auf­ge­sucht und auf­ge­löst. Auch hier erhiel­ten die Besu­cher Straf­an­zei­gen. Die­se bei­den Fäl­le schei­nen nicht die ein­zi­gen zu sein. Auch wur­de uns berich­tet, dass die Poli­zei in eine Woh­nung ein­drang und Straf­an­zei­gen und Buß­gel­der erteil­te. Das alles nur, weil eine Per­son die nicht in der Woh­nung lebt, dort anwe­send war und man zu dritt auf einem Bal­kon geses­sen hät­te, auf dem man die Abstands­vor­ga­ben von 1,5 Meter nicht hät­te ein­hal­ten kön­nen. Das bedeu­tet nun für jeden der anwe­sen­den ein Ver­fah­ren und ein Buß­geld. Maß­nah­men wie die­se wer­den von der Reak­ti­on in die­sen Tagen mit dem soge­nann­ten Infek­ti­ons­schutz­ge­setz gerecht­fer­tigt. Die­ser Gum­mi­pa­ra­graph aus dem Jahr 2001 wird von den herr­schen­den wäh­rend der aktu­el­len „Coro­na-Kri­se“ an ers­te Stel­le und somit über die bür­ger­li­chen Frei­hei­ten und die Ver­fas­sung der BRD gestellt. Die­se bür­ger­li­chen Frei­hei­ten und die Ver­fas­sung, so wie in die­sen kon­kre­ten Fäl­len, Para­graph 13 der mit dem Satz „Die Woh­nung ist unver­letz­lich“ beginnt, wer­den unter den Tisch gekehrt und nie­der­ge­tram­pelt. Und das aus­ge­rech­net von den­je­ni­gen die sich die­se Gesetz­te selbst gege­ben und auf ihre ach so hei­le schwarz-rot-gol­de­ne Fah­ne geschrie­ben haben. Doch das zeigt uns nur wie viel die herr­schen­de Klas­se in Wahr­heit auf ihre eige­nen Rech­te und Gesetz­te gibt. In den Zei­ten der Kri­se, d.h. in der Kri­se des Impe­ria­lis­mus, wird all das von ihnen selbst aus­ge­he­belt. Statt­des­sen trei­ben sie mit sol­chen Maß­nah­men in Kri­sen­zei­ten die Mili­ta­ri­sie­rung wei­ter vor­an...“
    • „Coro­na-Kri­se in Frank­furt: Demo am Main­kai trotz Coro­na – Poli­zei muss schnell ein­grei­fen“ am 05. April 2020 bei der FR online externer Link berich­tet chro­no­lo­gisch: „…Die Demons­tra­ti­on am Main­kai in Frank­furt war offen­bar Teil einer bun­des­wei­ten Pro­test­ak­ti­on von Flücht­lings­ak­ti­vis­ten. Wie die See­brü­cke Frank­furt in einer Pres­se­mit­tei­lung schreibt, woll­ten die Akti­vis­tin­nen und Akti­vis­ten auf die „Situa­ti­on an den euro­päi­schen Außen­gren­zen“ auf­merk­sam machen. Außer­dem wur­de auf der Demons­tra­ti­on die Eva­ku­ie­rung der grie­chi­schen Geflüch­te­ten­la­ger gefor­dert. Nach Anga­ben der Ver­an­stal­ter tru­gen vie­le Demons­trie­ren­de einen Mund­schutz und hiel­ten Abstand. Die Ver­an­stal­ter bezeich­ne­ten das Ein­schrei­ten der Poli­zei als unver­hält­nis­mä­ßig. (…) Eine unan­ge­mel­de­te Demons­tra­ti­on am Main­kai hält der­zeit die Poli­zei Frank­furt in Atem. Auf Anfra­ge schätzt ein Spre­cher, dass zwi­schen 250 und 300 Per­so­nen eine Men­schen­ket­te am Main­ufer zwi­schen der Alten Brü­cke und der Unter­main­brü­cke bil­de­ten. Doch Ver­samm­lun­gen sind in Zei­ten des Coro­na­vi­rus bun­des­weit strikt unter­sagt. Zu hoch ist das Risi­ko sich oder ande­re anzu­ste­cken. Zu schwie­rig ist es gera­de für Ver­an­stal­ter sicher­zu­ge­hen, dass bei­spiels­wei­se Abstands­re­ge­lun­gen ein­ge­hal­ten wer­den, erklärt der Spre­cher wei­ter. Der­zeit ver­sucht die Poli­zei Frank­furt die Demons­tra­ti­on Main­ufer beim Main­kai auf­zu­lö­sen. Es kam bis­her zu Platz­ver­wei­sen und Iden­ti­täts­fest­stel­lun­gen. Der Bereich zwi­schen Alter Brü­cke und Unter­main­brü­cke ist der­zeit auch für Fuß­gän­ger und Rad­fah­rer gesperrt…“ Sie­he dazu:
    • Ord­nungs­amt Köln ent­fernt am Chlod­wig­platz in Köln Ban­ner und Pla­ka­te. Was soll das? Pro­test muss auch in Zei­ten von Coro­na mög­lich sein!am 05. April 2020 im Twit­ter-Kanal von K2 externer Link macht deut­lich, dass auch das Ord­nungs­amt zum Poli­zei­staat gehört…
    • In Kon­stanz hat die Bun­des­po­li­zei an der Gren­ze zur Schweiz Absper­run­gen errich­tet, um “Händ­chen­hal­ten, Umar­mun­gen, Küs­sen” zu unter­bin­den. Dort tra­fen sich Paa­re, die in Deutsch­land und der Schweiz woh­nen“ – am 04. April 2020 im Twit­ter-Kanal von Cil­ip externer Link mel­det etwas, das in einem „Nicht-Poli­zei­staat“ als unzu­läs­si­ger Ein­griff in die Pri­vat­sphä­re bewer­tet wür­de.
  • „In Ber­lin darf man nicht mehr allein auf der Park­bank sit­zen“ von Jonas Mül­ler-Toewe am 25. März 2020 bei T‑Online externer Link mel­de­te über Will­kür nicht nur in der Haupt­stadt: „…Noch eben lob­ten Poli­tik und Poli­zei­ver­tre­ter die von Bund und Län­dern beschlos­se­nen Rege­lun­gen zu Aus­gangs­be­schrän­kun­gen und Kon­takt­ver­bo­ten in der Coro­na-Kri­se – nun zeigt sich, dass die Regeln mit­nich­ten so sim­pel und ver­ständ­lich sind wie dar­ge­stellt. Bei den Poli­zei­en der Län­der gehen allein in den sozia­len Medi­en Hun­der­te Nach­fra­gen ein, was denn nun erlaubt sei und was nicht. Es wird klar: Von Bun­des­land zu Bun­des­land sind die Rege­lun­gen unter­schied­lich, ihre Aus­le­gung im Detail ist der Poli­zei über­las­sen, Bür­ger schei­nen oft kei­ne Rechts­si­cher­heit zu haben. Bei­spiel Ber­lin: Dort ist im Gegen­satz zu ande­ren Bun­des­län­dern nun nicht mal mehr gestat­tet, allein im öffent­li­chen Raum zu ver­wei­len – selbst wenn man den ver­ord­ne­ten Abstand von 1,5 Metern zu ande­ren Per­so­nen ein­hält. Die dort vom rot-rot-grü­nen Senat erlas­se­ne Ver­ord­nung sieht zwar vor, dass Indi­vi­du­al­sport erlaubt bleibt. Ein Buch in der Son­ne auf der Bank zu lesen, gehört aber nicht dazu. Das erklärt ein Poli­zist sogar einer Mut­ter mit ihren bei­den Kin­dern im Park, wie der “Tages­spie­gel” schil­dert. Noch am Tag zuvor hat­te die Poli­zei erklärt, die Beam­ten wür­den vor allem Grup­pen mit mehr als zwei Per­so­nen kon­trol­lie­ren. Bei­spiel Nie­der­sach­sen: Auch aus ande­ren Bun­des­län­dern wird berich­tet, dass immer wie­der Ein­zel­per­so­nen und Fami­li­en kon­trol­liert wer­den. Der Stand-Up-Come­di­an Andre­as Weber berich­te­te bei Twit­ter gar, dass sei­ne Frau in Nie­der­sach­sen mit bei­den Kin­dern von der Poli­zei nach Hau­se gefah­ren wor­den sei, um dort fest­zu­stel­len, ob es sich tat­säch­lich um ihre Kin­der han­de­le…“
  • „Vor­sätz­lich her­um­lun­gern ver­bo­ten“ von Gareth Jos­wig am 26. März 2020 in der taz online externer Link mel­det dazu: „… Drei Hun­dert­schaf­ten sei­en fort­wäh­rend im Ein­satz, um die Ein­däm­mungs­ver­ord­nung durch­zu­set­zen. Zusätz­lich sei­en Zivil­kräf­te, Fahr­rad­strei­fen und Funk­wa­gen unter­wegs. 500 Ver­stö­ße habe man bei Über­prü­fun­gen im Frei­en seit Inkraft­tre­ten fest­ge­stellt. (…) Auch weil das Ber­li­ner Aus­gangs­ver­bot vom Sonn­tag­abend vie­le Aus­le­gungs- und Spiel­räu­me gelas­sen hat­te, haben in den ver­gan­ge­nen Tagen zahl­rei­che Bürger:innen Fra­gen an die Behör­den und Poli­zei gerich­tet. Und seit Inkraft­tre­ten der Ver­ord­nung meh­ren sich Berich­te über auto­ri­tä­res Ver­hal­ten der Poli­zei in die­sem Aus­nah­me­zu­stand. Was ist etwa, wenn man beim Jog­gen kurz Pau­se macht, sich dabei auf eine Bank setzt und auf dem Han­dy liest? Was pas­siert mit Obdach­lo­sen, die im Park eine Decke aus­brei­ten, um dar­auf zu über­nach­ten? „Die Gren­ze im kon­kre­ten Fall zie­hen die Ein­satz­kräf­te vor Ort“, sagt Slo­wik. Da sei das Fin­ger­spit­zen­ge­fühl der Kol­le­gen gefragt. Poli­zis­ten und Fin­ger­spit­zen­ge­fühl sind nicht immer eine gute Kom­bi­na­ti­on, wie zahl­rei­che Erfah­run­gen der ver­gan­ge­nen Tage zei­gen. So schil­der­te etwa Ann-Kris­tin Tlus­ty der taz, dass ein breit­bei­nig auf­tre­ten­der Trupp von Poli­zis­ten Leu­te auf der Admi­ral­brü­cke zu gehen auf­ge­for­dert hät­te, weil der­zeit nur kur­ze Spa­zier­gän­ge erlaubt sei­en. „Ein Poli­zist ver­an­schlag­te zehn Minu­ten“, so Tlus­ty…“
  • „Bür­ger mel­den eif­rig Ver­stö­ße gegen Coro­na-Regeln“ am 26. März 2020 beim BR externer Link mel­det, was hier­zu­lan­de nicht aus­blei­ben durf­te: „… Immer wie­der sind bei der Poli­zei auch Anru­fe zu Bau­stel­len ein­ge­gan­gen. Sofern es sich um gewerb­li­che Bau­stel­len han­delt, ist das aber völ­lig in Ord­nung. Auch im Bau­ge­wer­be gibt es Schutz­maß­nah­men, das Bau­en selbst ist aber wei­ter­hin erlaubt. Gene­rell fin­det es die Poli­zei gut, dass die Bevöl­ke­rung mit­hilft. Aller­dings soll­ten bei Hin­wei­sen, in denen es ledig­lich um Ver­stö­ße gegen die Abstands­re­geln geht, auf kei­nen Fall die Not­ruf­num­mern 110 oder 112 gewählt wer­den…
  • „Gesund­heits­äm­ter in Baden-Würt­tem­berg geben Daten von Coro­na-Infi­zier­ten an die Poli­zei“ von Joshua Kocher am 26. März 2020 in der Badi­schen Zei­tung online externer Link berich­tet von dor­ti­gen Nor­mal­zu­stän­den: „… Ein­zel­ne Gesund­heits­äm­ter über­ge­ben Lis­ten mit Daten Infi­zier­ter an die Poli­zei. Das berich­ten SWR und Schwä­bi­sche Zei­tung. In Süd­ba­den soll das nach BZ-Recher­chen aber nicht gesche­hen. (…) Die Gewerk­schaft der Poli­zei (GdP) ver­tei­dig­te die Pra­xis. “Uns feh­len Infor­ma­tio­nen von Infi­zier­ten, wenn wir bei Ein­sät­zen aus­rü­cken”, sag­te Hans-Jür­gen Kris­tein, GdP-Lan­des­chef der “Schwä­bi­schen Zei­tung”. Die­se sei­en vor allem nötig, dass der Poli­zei Schutz­klei­dung feh­le. Ste­fan Brink, der Daten­schutz­be­auf­trag­te des Lan­des, sag­te auf BZ-Nach­fra­ge, die Namen dürf­ten nicht pau­schal in Lis­ten, son­dern nur ein­zeln und bei einer kon­kre­ten Gefahr für die Beam­ten her­aus­ge­ge­ben wer­den. Die Infor­ma­ti­on über eine Coro­na-Infek­ti­on sei hoch­sen­si­bel und kön­ne zu Stig­ma­ti­sie­rung füh­ren. Er wider­spricht zudem, dass es eine recht­li­che Grund­la­ge dafür gebe. Der stell­ver­tre­ten­de SPD-Land­tags­frak­ti­ons­chef Sascha Bin­der übte Kri­tik. “Statt so mas­siv in die Per­sön­lich­keits­rech­te von Bür­ge­rin­nen und Bür­gern ein­zu­grei­fen, soll­te die Lan­des­re­gie­rung lie­ber für die not­wen­di­ge Schutz­aus­stat­tung der Poli­zei sor­gen”, erklär­te er und for­der­te die Lan­des­re­gie­rung auf, für Klar­heit zu sor­gen. In Süd­ba­den ver­nein­ten die Gesund­heits­äm­ter in der Orten­au, in Frei­burg und Emmen­din­gen, eine BZ-Anfra­ge, ob sie Daten an das Innen­mi­nis­te­ri­um oder an die Poli­zei wei­ter­ge­ben. Von den Gesund­heits­äm­tern der Krei­se Lör­rach und Walds­hut hin­ge­gen wer­den Lis­ten mit Coro­na-Infi­zier­ten den Ord­nungs­äm­tern zuge­schickt, damit die­se eine mög­li­che Qua­ran­tä­ne über­wa­chen kön­nen. Was mit den Daten dar­über hin­aus gesche­he, kön­nen sie nicht nach­voll­zie­hen…
  • „Coro­na-Kri­se: Baden-Würt­tem­berg erwägt Ein­satz von Sol­da­ten“ am 26. März 2020 beim SWR externer Link mel­det, dass es von Grün nach Oliv­grün wie­der ein­mal wahr­lich nicht weit ist: „… Der­zeit kön­ne die Poli­zei alle Auf­ga­ben selbst durch­füh­ren, sag­te der Spre­cher. Aller­dings sind in Baden-Würt­tem­berg bereits mehr als 2.200 Poli­zis­ten nicht ein­satz­fä­hig. Das sag­te ein Spre­cher des Innen­mi­nis­te­ri­ums in Stutt­gart. Die meis­ten befän­den sich in häus­li­cher Qua­ran­tä­ne. Nur ein klei­ner Teil, näm­lich 72 Poli­zis­ten, sei tat­säch­lich an Covid-19 erkrankt. Die Deut­sche Poli­zei­ge­werk­schaft bezeich­ne­te die Coro­na-beding­ten Per­so­nal­aus­fäl­le schon jetzt als ein­schnei­dend. Auch bei der Schutz­aus­rüs­tung herr­sche Man­gel, so der Lan­des­vor­sit­zen­de. In einem kata­stro­phen­ähn­li­chen Fall sei es mög­lich, Amts­hil­fe bei der Bun­des­wehr zu ersu­chen. Sol­da­ten könn­ten dann bei­spiels­wei­se Trans­port­auf­ga­ben über­neh­men oder poli­zei­li­che Ein­rich­tun­gen schüt­zen. Die Sol­da­ten stün­den dabei stets unter der Füh­rung der Poli­zei: Bei einer Kon­trol­le wäre also immer ein Poli­zist anwe­send. Dass Poli­zis­ten und Sol­da­ten mit­ein­an­der Strei­fe fah­ren, sei nicht geplant. Über Mög­lich­kei­ten der Unter­stüt­zung der Bun­des­wehr für die Lan­des­po­li­zei haben sich Innen­mi­nis­ter Tho­mas Stro­bl und Ver­tei­di­gungs­mi­nis­te­rin Anne­gret Kramp-Kar­ren­bau­er (bei­de CDU) bereits aus­ge­tauscht, so ein Spre­cher des Innen­mi­nis­te­ri­ums. Ein Spre­cher des Ver­tei­di­gungs­mi­nis­te­ri­ums in Ber­lin sag­te auf Anfra­ge, ein Antrag lie­ge noch nicht vor...“
  • „Die auto­ri­tä­re Gefahr“ von Gareth Jos­wig am 26. März 2020 in der taz online externer Link kom­men­tiert: „… Selbst, wenn man Polizist:innen kei­nen bösen Wil­len unter­stellt, las­sen die Rege­lun­gen einen gefähr­li­chen Hand­lungs­spiel­raum für die aus­füh­ren­de Exe­ku­ti­ve. Denn die es als Gewalt­mo­no­po­list ohne­hin gewohnt, Spiel­räu­me zu nut­zen. Das ist gefähr­li­cher, als es klingt. Denn Trupps von Polizist:innen, die zur Durch­set­zung des Infek­ti­ons­schutz­ge­set­zes tags, aber vor allem auch nachts durch lee­re Stra­ßen zie­hen, wer­den vor allem auf Leu­te sto­ßen, die nicht anders kön­nen, als sich dort auf­zu­hal­ten: Obdach­lo­se, Men­schen, denen zuhau­se in der zu klei­nen Woh­nung ohne Bal­kon die Decke auf den Kopf fällt, und Leu­te, die in psy­chi­schen Aus­nah­me­zu­stän­den sind, mög­li­cher­wei­se befeu­ert durch eine andau­ern­de Iso­la­ti­on. Natür­lich gibt es auch Per­so­nen, die sich sim­pel nicht an Abstands­re­geln hal­ten und die könn­ten sicher einen Hin­weis ver­kraf­ten, wie das denn nun ist mit dem Infek­ti­ons­schutz. Aber Leu­te, die allei­ne im Park sit­zen zu ver­trei­ben, ist nicht erfor­der­lich. Zumal sich die meis­ten Leu­te an den Min­dest­ab­stand hal­ten und wenn nicht, leben sie ohne­hin schon mit­ein­an­der…“
  • „Ein biss­chen Poli­zei­staat“ von Dani­el Lücking am 26. März 2020 in neu­es deutsch­land online externer Link berich­tet aus Leip­zig und Mün­chen (und nicht aus Ber­lin…): „… Es geht aber nicht um Träu­me, son­dern um kon­kre­te Maß­nah­men. Jurist Ulf Bue­r­mey­er von der Gesell­schaft für Frei­heits­rech­te GFF behält die Ero­si­on der bür­ger­li­chen Frei­hei­ten im Blick. Ande­re tei­len Bil­der von Schil­dern, die Obdach­lo­se von Park­bän­ken fern­hal­ten sol­len. Unter dem Hash­tag Coro­na­Po­li­zei ver­su­chen lin­ke Abge­ord­ne­te, Erfah­run­gen mit Über­grif­fen zu sam­meln – und schon wenig spä­ter kapern rech­te Law-And-Order-Fana­ti­ker den Hash­tag, um der Poli­zei »mal Dan­ke« zu sagen. Ob die aber immer weiß was sie tut, ist frag­lich. Men­schen am Cos­pu­de­ner See bei Leip­zig wer­den kon­trol­liert. Sie dürf­ten nicht wei­ter ent­fernt als fünf Kilo­me­ter vom See leben. Die Poli­zis­ten fin­den 31 Ver­stö­ße und spä­ter eine Rich­tig­stel­lung der Poli­zei Sach­sen, die ein­räu­men muss, dass es gar kei­ne Fünf-Kilo­me­ter­re­gel gibt…“
  • „Die Poli­zei wäh­rend Coro­na kon­trol­lie­ren“ am 26. März 2020 bei de.indymedia externer Link ist eine Initia­ti­ve für das Bun­des­land Sach­sen, zu deren Vor­stel­lung es unter ande­rem heißt: „… Um die Poli­zei­ge­walt auf den Stra­ßen Dres­dens zu kon­trol­lie­ren und zu bekämp­fen, haben wir in Sach­sens Demo­kra­tie die Initia­ti­ve „Koope­ra­ti­on gegen Poli­zei­ge­walt“ ins Leben geru­fen. Bei den Pro­tes­ten gegen das neue Poli­zei­ge­setz in Sach­sen gab es kla­re For­de­run­gen nach einer unab­hän­gi­gen Stel­le, um Poli­zei­ar­beit zu kon­trol­lie­ren. Die­se For­de­rung wur­de von der Regie­rung igno­riert, so dass wir beschlos­sen haben, eine eige­ne Initia­ti­ve ins Leben zu rufen, wel­che Infor­ma­tio­nen sam­melt und, wo mög­lich, recht­lich gegen Poli­zei­ge­walt vor­ge­hen wird. Da es im Moment nicht mög­lich ist, sich per­sön­lich zu tref­fen und zu bespre­chen, haben wir eine Mög­lich­keit geschaf­fen, Vide­os, Audi­os und Fotos von Poli­zei­ge­walt oder Fehl­ver­hal­ten hoch­zu­la­den – https://​kgp​.not​ra​ces​.net externer Link. Bit­te bedenkt, dass unse­re Res­sour­cen begrenzt sind und wir die­sen Ser­vice nur für die Anzei­ge von Polizeibeamt*innen in Sach­sen anbie­ten…“
  • Es kann übri­gens noch aben­teu­er­li­cher wer­den, sie­he Coro­na-Virus: Pri­va­te Sicher­heits­diens­te sol­len Ver­samm­lun­gen auf­lö­sen 
  • Labour­Net Ger­ma­ny twit­ter­te am 22. März externer Link: Wir haben das bestimmt über­le­sen und fra­gen uns daher immer noch: Wer kon­trol­liert die #Poli­zei, die uns bei den diver­sen #Aus­gangs­sper­ren kon­trol­lie­ren soll?

Grundinfos:

Der Bei­trag Wer kon­trol­liert die Poli­zei, die uns bei den diver­sen Aus­gangs­sper­ren kon­trol­lie­ren soll? erschien zuerst auf Labour­Net Ger­ma­ny.

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