[KgK:] [VIDEO] Leo Trotzki: Über die Gründung der Vierten Internationale

Lie­be Genos­sen und Freun­de,

ich hof­fe, dass euch die­ses Mal mei­ne Stim­me erreicht und dass es mir auf die­se Wei­se erlaubt sein wird, an eurer dop­pel­ten Fei­er teil­zu­neh­men. Bei­de Ereig­nis­se: der 10. Jah­res­tag unse­rer ame­ri­ka­ni­schen Orga­ni­sa­ti­on sowie der Grün­dungs­kon­gress der IV. Inter­na­tio­na­le ver­die­nen die Auf­merk­sam­keit der Arbei­ter unver­gleich­lich mehr als die krie­ge­ri­schen Ges­ten der tota­li­tä­ren Anfüh­rer, die diplo­ma­ti­schen Intri­gen oder die pazi­fis­ti­schen Kon­gres­se. Bei­de Ereig­nis­se wer­den als wich­ti­ge Mei­len­stei­ne in die Geschich­te ein­ge­hen.

Es ist not­wen­dig fest­zu­hal­ten, dass die Geburt unse­rer ame­ri­ka­ni­schen Grup­pe der Bol­sche­wi­ki-Leni­nis­ten, dank der muti­gen Initia­ti­ve der Genos­sen Can­non, Shacht­man und Abern nicht allein stand. Sie fiel in etwa mit dem Beginn der sys­te­ma­ti­schen inter­na­tio­na­len Arbeit der Lin­ken Oppo­si­ti­on zusam­men. Es stimmt, dass die Lin­ke Oppo­si­ti­on 1923 in Russ­land ent­stand, aber die regu­lä­re Arbeit auf inter­na­tio­na­ler Ebe­ne begann mit dem VI. Welt­kon­gress der Kom­in­tern.

Ohne ein per­sön­li­ches Tref­fen erreich­ten wir eine Über­ein­stim­mung mit den ame­ri­ka­ni­schen Pio­nie­ren der IV. Inter­na­tio­na­le, in ers­ter Linie auf der Basis der Kri­tik am Pro­gramm der Kom­mu­nis­ti­schen Inter­na­tio­na­le. 1928 begann dann jene kol­lek­ti­ve Arbeit, die nach 10 Jah­ren zur Erar­bei­tung unse­res eige­nen Pro­gramms führ­te, das jüngst von der Inter­na­tio­na­len Kon­fe­renz ver­ab­schie­det wur­de. Wir haben das Recht, fest­zu­stel­len, dass die Arbeit die­ses Jahr­zehnts nicht nur beharr­lich und gedul­dig war, son­dern auch red­lich. Die Bol­sche­wi­ki-Leni­nis­ten, die inter­na­tio­na­len Pio­nie­re, unse­re Genos­sen in der gan­zen Welt such­ten den Weg der Revo­lu­ti­on als genui­ne Mar­xis­ten, nicht in ihren Gefüh­len und Wün­schen, son­dern in der Ana­ly­se des objek­ti­ven Ver­laufs der Ereig­nis­se. Vor allem waren wir von dem Anspruch gelei­tet, weder ande­re noch uns selbst zu betrü­gen. Wir such­ten ernst und red­lich. Und wir fan­den eini­ge wich­ti­ge Din­ge. Die Ereig­nis­se bestä­tig­ten unse­re Ana­ly­se genau­so wie unse­re Pro­gno­se. Nie­mand kann das leug­nen. Nun müs­sen wir vor allem uns selbst und unse­rem Pro­gramm treu blei­ben. Das ist nicht leicht. Die Auf­ga­ben sind unge­heu­er­lich, die Fein­de – unzähl­bar. Wir haben nur inso­weit das Recht, unse­re Zeit und unse­re Auf­merk­sam­keit für unse­re Jubel­fei­er zu ver­schwen­den, als wir durch die Leh­ren der Ver­gan­gen­heit uns auf die Zukunft vor­be­rei­ten kön­nen.

Lie­be Freun­de, wir sind kei­ne Par­tei wie die ande­ren. Es ist nicht bloß unser Bestre­ben, mehr Mit­glie­der, mehr Doku­men­te, mehr Geld in der Kas­se, mehr Abge­ord­ne­te zu haben. All das ist not­wen­dig, aber nur als ein Mit­tel. Unser Ziel ist die vol­le mate­ri­el­le und geis­ti­ge Befrei­ung der Arbei­ter und Aus­ge­beu­te­ten durch die sozia­lis­ti­sche Revo­lu­ti­on. Nie­mand anders wird sie vor­be­rei­ten und nie­mand anders wird sie füh­ren, wenn nicht wir selbst. Die alten Inter­na­tio­na­len – die Zwei­te, die Drit­te, die Ams­ter­da­mer, wir wol­len eben­so das Lon­do­ner Büro hin­zu­fü­gen – sind durch und durch ver­rot­tet.

Die gro­ßen Ereig­nis­se, die über die Men­schen hin­weg­ge­hen, wer­den von die­sen über­leb­ten Orga­ni­sa­tio­nen kei­nen Stein über dem ande­ren las­sen. Nur die IV. Inter­na­tio­na­le sieht mit Zuver­sicht in die Zukunft. Sie ist die Welt­par­tei der Sozia­lis­ti­schen Revo­lu­ti­on! Nie zuvor gab es auf der Erde eine grö­ße­re Auf­ga­be. Auf jedem von uns ruht eine unge­heu­re his­to­ri­sche Ver­ant­wor­tung.

Unse­re Par­tei for­dert jeden von uns total und voll­stän­dig. Lasst die Phi­lis­ter ihre eige­ne Indi­vi­dua­li­tät in einen lee­ren Raum jagen. Sich voll­stän­dig der Par­tei zu geben, bedeu­tet für einen Revo­lu­tio­när, sich selbst zu fin­den.

Ja, unse­re Par­tei ergreift jeden von uns ganz. Aber umge­kehrt gibt sie jedem von uns größ­tes Glück: das Bewusst­sein, dass wir an dem Auf­bau einer bes­se­ren Zukunft betei­ligt sind, dass wir einen Teil des mensch­li­chen Schick­sals auf unse­ren Schul­tern tra­gen und dass unser Leben nicht umsonst gelebt sein wird.

Die Treue gegen­über der Sache der Arbei­ter erfor­dert von uns höchs­te Erge­ben­heit gegen­über der inter­na­tio­na­len Par­tei. Die Par­tei kann natür­lich auch irren. Aber durch gemein­sa­me Anstren­gun­gen wer­den wir ihre Feh­ler kor­ri­gie­ren. Unwür­di­ge Ele­men­te kön­nen in ihre Rei­hen ein­drin­gen. Durch gemein­sa­me Anstren­gung wer­den wir sie ent­fer­nen. Tau­sen­den, die mor­gen in unse­re Rei­hen ein­tre­ten, wird wahr­schein­lich die not­wen­di­ge Erzie­hung feh­len. Durch gemein­sa­me Anstren­gung wer­den wir ihr revo­lu­tio­nä­res Niveau heben. Aber wir wer­den nie­mals ver­ges­sen, dass unse­re Par­tei jetzt den größ­ten Hebel der Geschich­te dar­stellt. Getrennt von ihr ist jeder von uns nichts; mit ihr in der Hand sind wir alles.

Wir sind kei­ne Par­tei wie die ande­ren. Nicht grund­los ver­folgt uns die impe­ria­lis­ti­sche Reak­ti­on wie ver­rückt, indem sie sich wie wild an unse­re Fer­sen hef­tet. Die Mör­der in ihrem Dienst sind die Agen­ten der Mos­kau­er bona­par­tis­ti­schen Cli­que. Unse­re jun­ge Inter­na­tio­na­le for­der­te schon vie­le Opfer. In der Sowjet­uni­on sind es Tau­sen­de. In Spa­ni­en Dut­zen­de. In ande­ren Län­dern gan­ze Ein­hei­ten. Mit Dank­bar­keit und Lie­be erin­nern wir uns ihrer in die­sen Momen­ten. Ihr Geist kämpft in unse­ren Rei­hen wei­ter.

Die Hen­ker glau­ben in ihrer Stumpf­heit und ihrem Zynis­mus uns ein­schüch­tern zu kön­nen. Sie irren sich! Unter den Schlä­gen wer­den wir kräf­ti­ger. Die bes­tia­li­sche Poli­tik Sta­lins ist nur eine Poli­tik der Ver­zweif­lung. Es ist mög­lich, ein­zel­ne Sol­da­ten unse­rer Armee zu ermor­den, aber nicht, sie ein­zu­schüch­tern. Freun­de, wir wol­len es an die­sem Fest­tag noch ein­mal wie­der­ho­len:

Die Kreml­cli­que brauch­te zehn Jah­re, um die bol­sche­wis­ti­sche Par­tei zu erdros­seln und den ers­ten Arbei­ter­staat in eine fins­te­re Kari­ka­tur zu ver­wan­deln. Die Drit­te Inter­na­tio­na­le brauch­te zehn Jah­re, um ihr Pro­gramm in den Schmutz zu tram­peln und sich selbst in einen stin­ken­den Leich­nam zu ver­wan­deln.

Zehn Jah­re! Nur zehn Jah­re! Gestat­tet mir, mit einer Vor­aus­sa­ge zu schlie­ßen:

In den nächs­ten zehn Jah­ren wird das Pro­gramm der IV. Inter­na­tio­na­le zum Füh­rer von Mil­lio­nen und die­se revo­lu­tio­nä­ren Mil­lio­nen wis­sen wie sie Him­mel und Erde zu erstür­men haben.

Lang lebe die sozia­lis­ti­sche Arbei­ter­par­tei der USA (SWP)!

Lang lebe die IV. Inter­na­tio­na­le!

L. Trotz­ki

Coyoa­can, 18. Okto­ber 1938

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