[labournet:] Kein Stopp geplant: Trotz Pandemie will Deutschland weiterhin Menschen in Krisengebiete abschieben

Dossier

Tödliche Folgen der Flüchtlingspolitik“In Baden-Würt­tem­berg nennt ein Spre­cher des Innen­mi­nis­te­ri­ums das die “zwangs­läu­fi­ge Kon­se­quenz”, wenn abge­wie­se­ne Schutz­su­chen­de ihrer “Pflicht zur Aus­rei­se nicht von selbst nach­kom­men”. (…) Um eine aus­rei­chen­de Ver­sor­gung mit hoch­wer­ti­gen Lebens­mit­teln sicher­zu­stel­len, dür­fe es “kei­ne Denk­ver­bo­te” geben. So könn­ten laut dem Minis­ter auch aner­kann­te Asyl­be­wer­ber, die der­zeit auf­grund der Kri­se ihrer Arbeit nicht nach­kom­men kön­nen, eben­so wie Flücht­lin­ge oder auch Hartz-IV-Emp­fän­ger “die Chan­ce erhal­ten, den Land­wir­ten und damit der Gesell­schaft zu hel­fen”. Kei­ne Mög­lich­keit mehr, sich ein­zu­brin­gen, haben 39 Per­so­nen aus Afgha­ni­stan, dar­un­ter 22 Straf­fäl­li­ge, die am 12. März die­ses Jah­res von der Staats­macht gefes­selt, gekne­belt und, beglei­tet von 94 Sicher­heits­be­am­ten, vom Flug­ha­fen Halle/​Leipzig aus nach Kabul geflo­gen wur­den. Einen Tag zuvor hat­te die Welt­ge­sund­heits­or­ga­ni­sa­ti­on ihre Gefah­ren­ein­schät­zung ver­schärft und mit Covid-19 erst­mals seit über einem Jahr­zehnt eine Pan­de­mie aus­ge­ru­fen. (…) Einen offi­zi­el­len Stopp gibt es aller­dings nicht. “Eine gene­rel­le Aus­set­zung von Abschie­bun­gen ist der­zeit nicht geplant”, ver­si­chert ein Spre­cher des baden-würt­tem­ber­gi­schen Innen­mi­nis­te­ri­ums auf Anfra­ge von Kon­text. (…) Aller­dings gibt es Ein­schrän­kun­gen: “Im Übri­gen gilt, dass kei­ne begrün­de­ten COVID-19-Fäl­le oder COVID-19-Ver­dachts­fäl­le abge­scho­ben wer­den”, heißt es sei­tens des Innen­mi­nis­te­ri­ums…” Arti­kel von Minh Schred­le aus Kon­text: Wochen­zeit­schrift vom 25. März 2020 externer Link. Sie­he dazu:

  • Fürs Hel­fen gut genug – fürs Blei­ben nicht: Bay­ern will Ern­te­hel­fer in den von Covid-19 schwer getrof­fe­nen Iran abschie­ben New
    Am Diens­tag den 28. Juli wird Aziz M. (Name geän­dert) bei einem Ter­min in der Aus­län­der­be­hör­de Dach­au von der Poli­zei emp­fan­gen und anschie­ßend dem Haft­rich­ter vor­ge­führt. Er soll in Abschie­be­haft genom­men und in den Iran abge­scho­ben wer­den. Eigent­lich hat­te Aziz M. gehofft sei­ne Dul­dung mit der Arbeits­er­laub­nis, die er wäh­rend der Coro­na-Kri­se erhal­ten hat­te um als Ern­te­hel­fer zu arbei­ten, bei die­sem Ter­min ver­län­gern zu kön­nen. Doch der baye­ri­sche Staat dankt ihm sei­nen Ein­satz in der Kri­se nicht mit einer Blei­be­per­spek­ti­ve, son­dern mit der Abschie­bung in den Iran. Ein Land das gera­de schwer mit der zwei­ten Wel­le der Coro­na-Pan­de­mie und deren Fol­ge­er­schei­nun­gen zu kämp­fen hat. Der Virus brei­tet sich dort zuneh­mend im gan­zen Land aus, es gibt durch­schnitt­lich 200 Todes­fäl­le am Tag. Eine Abschie­bung hät­te für Aziz M. das erhöh­te Risi­ko dort an Covid-19 zu erkran­ken und im Ernst­fall kei­ne Behand­lung zu erhal­ten. Aziz M. ist der­zeit auf­grund sei­ner äußerst schlech­ten psy­chi­schen Ver­fas­sung im Kran­ken­haus. Bis­lang wird jedoch wei­ter an der Abschie­be­haft und sei­ner Abschie­bung fest­ge­hal­ten. Besuch von Freun­den darf er nicht emp­fan­gen. Auch sein der­zei­ti­ger Arbeit­ge­ber, ein Bau-und Hand­werks­be­trieb, zeigt sich scho­ckiert über das Vor­ge­hen der Behör­den. Er wür­de Aziz. M. ger­ne wei­ter­be­schäf­ti­gen und braucht ihn als ver­läss­li­chen Mit­ar­bei­ter in sei­nem Betrieb…” Pres­se­mit­tei­lung vom 31. Juli 2020 beim Baye­ri­schen Flücht­lings­rat externer Link
  • “Tabu­bruch”: Ers­te gro­ße Sam­mel­ab­schie­bung aus Deutsch­land seit Coro­na 
    Erst­mals seit Beginn der Coro­na-Pan­de­mie ist wie­der ein gro­ßer Sam­mel-Abschie­be­flug vom Flug­ha­fen Frank­furt am Main gestar­tet. Flücht­lings­or­ga­ni­sa­tio­nen kri­ti­sier­ten den Abschie­be­flug als “Tabu­bruch”, Innen­mi­nis­ter See­hofer begrüß­te ihn. (…) An Bord der Maschi­ne nach Islam­abad in Paki­stan sei­en 19 paki­sta­ni­sche Staats­an­ge­hö­ri­ge gewe­sen, die vor allem aus Bay­ern und Baden-Würt­tem­berg abge­scho­ben wur­den. Dies bestä­tig­te die Bun­des­po­li­zei am Frank­fur­ter Flug­ha­fen der „Süd­deut­schen Zei­tung“ in Mün­chen laut Vor­ab­mel­dung. Sicher­heits­per­so­nal habe die Paki­sta­ner beglei­tet. Das Flug­zeug kam bereits aus Grie­chen­land und hat­te von dort zehn wei­te­re paki­sta­ni­sche Staats­an­ge­hö­ri­ge an Bord, die eben­falls abge­scho­ben wur­den. Flücht­lings­or­ga­ni­sa­tio­nen kri­ti­sier­ten den Abschie­be­flug als „Tabu­bruch“, wie es hieß. Deutsch­land kön­ne die Gesund­heit der Abzu­schie­ben­den nicht garan­tie­ren und gefähr­de mit den Flü­gen auch die beglei­ten­den Poli­zis­ten sowie das Flug­per­so­nal, sag­te Ste­phan Rei­chel von der baye­ri­schen kirch­li­chen Flücht­lings­or­ga­ni­sa­ti­on Matteo…” Mel­dung vom 16.07.2020 beim Miga­zin externer Link
  • Deutsch­land will, kann nicht: Deut­li­cher weni­ger Abschie­bun­gen wegen Coro­na-Pan­de­mie 
    Die Zahl der Abschie­bun­gen ist wegen Coro­na zurück­ge­gan­gen. Grund: Vie­le Staa­ten ver­wei­gern auf­grund der Pan­de­mie die Ein­rei­se. Das Innen­mi­nis­te­ri­um wie­der­um dringt auf die Wie­der­auf­nah­me von Rück­füh­run­gen. Die Coro­na-Pan­de­mie hat die Abschie­bung abge­lehn­ter Asyl­be­wer­ber stark beein­flusst. Die Zahl der Abschie­bun­gen hat sich einem Zei­tungs­be­richt zufol­ge in den ers­ten fünf Mona­ten des lau­fen­den Jah­res im Ver­gleich zum Vor­jah­res­zeit­raum von 10.951 auf 5.022 redu­ziert. Im Mai sei­en nur rund 150 Men­schen aus Deutsch­land abge­scho­ben wor­den, berich­ten die Zei­tun­gen der Fun­ke Medi­en­grup­pe. Die Gesamt­zahl der Aus­rei­se­pflich­ti­gen sei bis Ende Mai inner­halb eines Jah­res von 245.597 auf 266.605 gestie­gen…” Bei­trag vom 15.07.2020 bei Miga­zin externer Link
  • Das angeb­li­che »Abschie­bungs­voll­zugs­de­fi­zit«: Sta­tis­tisch frag­wür­dig, aber gut für Schlag­zei­len
    Mit dem ver­meint­li­chen »Voll­zugs­de­fi­zit bei Abschie­bun­gen« wird seit 2015 regel­mä­ßig Stim­mung gemacht und es wer­den damit Geset­zes­ver­schär­fun­gen begrün­det. Die Zah­len­grund­la­ge ist aber frag­wür­dig. Die Inter­pre­ta­ti­on die­ser Zah­len, etwa durch Politiker*innen, häu­fig eben­so. PRO ASYL schaut genau hin…” Bei­trag vom 14.07.2020 bei Pro Asyl externer Link
  • Tau­sen­de Migran­ten kla­gen gegen Coro­na-Abschie­be­re­ge­lung 
    “… Meh­re­re Tau­send Migran­ten kla­gen gegen eine deut­sche Abschie­be-Son­der­re­ge­lung in der Coro­na-Kri­se. Das geht aus einer Aus­kunft des Bun­des­in­nen­mi­nis­te­ri­ums an die Grü­nen-Bun­des­tags­frak­ti­on her­vor, die der Nach­rich­ten­agen­tur dpa vor­liegt. Nach den soge­nann­ten Dub­lin-Regeln ist nor­ma­ler­wei­se jenes Land für Asyl­an­trä­ge zustän­dig, auf des­sen Boden Schutz­su­chen­de zuerst die Euro­päi­sche Uni­on betre­ten haben. Auch Nor­we­gen, Island, die Schweiz und Liech­ten­stein sind Teil des Sys­tems. Wenn die­se Men­schen in ande­re euro­päi­sche Staa­ten wie Deutsch­land wei­ter­zie­hen, kön­nen die­se sie in der Regel bin­nen sechs Mona­ten zurück­schi­cken – danach wer­den sie selbst für deren Asyl­an­trag zustän­dig. In der Coro­na-Kri­se hat Deutsch­land die­se soge­nann­ten Dub­lin-Über­stel­lun­gen im März aus­ge­setzt und erst Mit­te Juni wie­der auf­ge­nom­men. Wäh­rend­des­sen hat das Bun­des­in­nen­mi­nis­te­ri­um auch die Sechs-Monats-Frist vor­über­ge­hend außer Kraft erklärt, um die Men­schen spä­ter über­stel­len zu kön­nen. (…) Bis zum 1. Juni infor­mier­te das Bun­des­amt für Migra­ti­on und Flücht­lin­ge (BAMF) laut Minis­te­ri­um rund 21.700 Asyl­be­wer­ber über die Aus­set­zung der Frist. Andern­falls wäre in rund 2.600 Fäl­len die Zustän­dig­keit für das Asyl­ver­fah­ren an Deutsch­land über­ge­gan­gen. 9.300 Kla­gen gegen den Bescheid des Bun­des­am­tes waren Anfang Juni noch anhän­gig. Damit weicht Deutsch­land von der Rechts­aus­le­gung der EU-Kom­mis­si­on ab, die im April deut­lich gemacht hat­te, dass die Frist von sechs Mona­ten, nach denen ein Ziel­land für einen Asyl­an­trag zustän­dig wird, wei­ter gel­te…” Mel­dung vom 25. Juni 2020 in der Zeit online externer Link
  • Abschie­bungs­mo­ra­to­ri­um jetzt! Lage in vie­len Her­kunfts­staa­ten durch Coro­na stark ver­schlech­tert 
    PRO ASYL, Lan­des­flücht­lings­rä­te und Jugend­li­che ohne Gren­zen for­dern anläss­lich der IMK ein bun­des­wei­tes Abschie­bungs­mo­ra­to­ri­um wäh­rend der COVID-19-Pan­de­mie – Abschie­bun­gen sind ange­sichts der dras­ti­schen Aus­wir­kun­gen in vie­len Her­kunfts­län­dern nicht zu ver­ant­wor­ten! Dies zeigt PRO ASYL an sie­ben Bei­spie­len. (…) PRO ASYL for­der­te externer Link direkt zu Beginn der Pan­de­mie einen Abschie­bungs­stopp. Auch wenn u.a. Bun­des­in­nen­mi­nis­ter Horst See­hofer am 18. März zugab, dass wohl de fac­to kei­ne Abschie­bun­gen statt­fin­den wür­den, wur­de weder vom Bund noch von ein­zel­nen Bun­des­län­dern ein for­ma­ler Abschie­bungs­stopp erlas­sen. Tat­säch­lich ver­such­ten das Bun­des­in­nen­mi­nis­te­ri­um und die Bun­des­po­li­zei immer wie­der, mit extra gechar­ter­ten Flug­zeu­gen doch noch Per­so­nen abzu­schie­ben, wie von PRO ASYL im Fall zwei­er Ira­ne­rin­nen externer Link und einer Frau aus dem Togo externer Link öffent­lich gemacht wur­de. In bei­den Fäl­len wur­den die Abschie­bun­gen schließ­lich auf­ge­ge­ben. Wie mitt­ler­wei­le bekannt ist, wur­den aber ver­ein­zelt auch wäh­rend der Coro­na-Hoch­pha­se Men­schen aus Deutsch­land abge­scho­ben. Für die Betrof­fe­nen heißt das Feh­len eines kla­ren Abschie­bungs­stopps ein Leben mit stän­di­ger Angst und Rechts­un­si­cher­heit. Auch wur­den von Amts­ge­rich­ten man­gels eines sol­chen Stopps Abschie­bungs­haft­an­trä­gen noch statt­ge­ge­ben, da eine Abschie­bung abseh­bar sei – nur um Tage oder Wochen spä­ter fest­zu­stel­len, dass dies nicht der Fall war. Damit wur­den die Betrof­fe­nen ein­ge­sperrt, obwohl eine Abschie­bung abseh­bar nicht mög­lich war. Dies wider­spricht dem Grund­satz, dass Abschie­bungs­haft nur ange­wandt wer­den darf, wenn die Abschie­bung inner­halb einer kur­zen Zeit auch tat­säch­lich durch­führ­bar ist. Auch die Men­schen­rechts­kom­mis­sa­rin des Euro­pa­ra­tes externer Link, Dun­ja Mija­to­vić, hat­te Ende März die euro­päi­schen Staa­ten dazu auf­ge­for­dert, wäh­rend der Coro­na-Pan­de­mie noch inhaf­tier­te Per­so­nen aus der Abschie­bungs­haft zu ent­las­sen. Von der Öffent­lich­keit wei­test­ge­hend unbe­merkt wur­den ers­te Sam­mel­ab­schie­bun­gen bereits durch­ge­führt, dar­un­ter Ende Mai die einer acht­köp­fi­gen Roma-Fami­lie mit einem behin­der­ten Kind nach Ser­bi­en externer Link. PRO ASYL, Lan­des­flücht­lings­rä­te und Jugend­li­che ohne Gren­zen for­dern statt­des­sen ein Abschie­bungs­mo­ra­to­ri­um! Dies for­dert auch der euro­päi­sche Flücht­lings­rat ECRE für die gesam­te EU in einem neu­en Poli­cy Paper externer Link, das den pas­sen­den Titel trägt: »Abschie­bun­gen sind wäh­rend einer Pan­de­mie kei­ne not­wen­di­gen Rei­sen«…” Mel­dung vom 17.06.2020 von und bei Pro Asyl externer Link – sie­he auch unser Dos­sier: [17.–19. 6 in Erfurt und 09.–11.12 in Wei­mar] Innen­mi­nis­ter­kon­fe­renz 2020 – und Pro­tes­te
  • Seit vier Tagen Hun­ger­streik im Abschie­be­ge­fäng­nis Pforz­heim: Die Soli­da­ri­täts­kund­ge­bung am 13. Juni 2020 for­dert die Frei­las­sung der bei­den Hun­ger­strei­ken­den
  • Deutsch­land char­tert trotz Coro­na ein gan­zes Flug­zeug – nur um eine 25-Jäh­ri­ge abzu­schie­ben 
    “… Es ist kein Abschie­be­flug, wie ihn ande­re abge­lehn­te Asyl­be­wer­ber vor ihr erleb­ten. Drei Mal soll­te sie bereits abge­scho­ben wer­den, drei Mal wur­de der Flug ver­scho­ben. Ein­mal habe sie sich gewehrt, heißt es von der Bun­des­po­li­zei. Zwei mal hät­ten “orga­ni­sa­to­ri­sche Grün­de” dahin­ter­ge­steckt. Nun plant die Bun­des­po­li­zei den vier­ten Anlauf aus­ge­rech­net für Anfang Mai – zu einem Zeit­punkt, an dem auf­grund der Coro­na­kri­se die Welt still­steht. Für Leï­la wird eine eige­ne Maschi­ne gechar­tert, sagt ihr Anwalt Peter Fahl­busch zu ben­to. Außer­dem sol­le der der­zeit geschlos­se­ne Flug­ha­fen in Lomé eigens geöff­net wer­den. Der NDR hat­te zuerst über den Fall berich­tet, dem­nach soll die jun­ge Frau nach der Lan­dung zudem in eine zwei­wö­chi­ge Qua­ran­tä­ne, ein Hotel wird eigens dafür gemie­tet. Peter Fahl­busch schätzt, dass die Exklu­siv­ab­schie­bung um die 100.000 Euro kos­ten wird. Der Jurist kann nicht ver­ste­hen, wie­so Deutsch­land so bereit­wil­lig für nur einen Flug “Res­sour­cen ver­bal­lert”, sich aber gleich­zei­tig schwer­tut, Gel­der bereit­zu­stel­len, um Kin­der aus dem Lager Moria ein­zu­flie­gen…” Arti­kel von Marc Röh­ling vom 10.04.2020 bei ben­to des Spie­gel online externer Link
  • Abschie­bung nach Afri­ka: Deutsch­land schickt abge­lehn­te Asylb­wer­ber statt Coro­na-Hil­fe 
    “… In der Lis­te der Län­der mit den höchs­ten Armuts­quo­ten ran­giert Togo auf einem der obe­ren Plät­ze. Jeder Zwei­te in dem Land muss mit weni­ger als 1,90 Dol­lar pro Tag aus­kom­men. Arbeits­lo­sig­keit, Armut und Hun­ger bestim­men den All­tag der knapp acht Mil­lio­nen Togo­le­sen. Die Coro­na-Epi­de­mie belas­tet das Land zusätz­lich und stellt es vor gro­ße Pro­ble­me. Laut Aus­wär­ti­gem Amt ist die medi­zi­ni­sche Ver­sor­gung „viel­fach tech­nisch, appa­ra­tiv und/​oder hygie­nisch pro­ble­ma­tisch“. Um sich zumin­dest ein wenig zu hel­fen und der schnel­len Ver­brei­tung des Virus vor­zu­beu­gen, hat Togo zumin­dest den regu­lä­ren Flug­ver­kehr ein­ge­stellt. Seit dem 20. März sind auch Ein­rei­sen von Flü­gen aus Euro­pa unter­sagt. Eige­ne Staats­bür­ger muss das Land trotz Coro­na Gefahr aber auf­neh­men. Das nutzt die Bun­des­re­gie­rung der­zeit, um aus­rei­se­pflich­ti­ge Asyl­be­wer­ber abzu­schie­ben. Wie Recher­chen von WDR und NDR zei­gen scheut Deutsch­land dabei weder Kos­ten noch Mühen. Wie Recher­chen von WDR und NDR zei­gen scheut Deutsch­land dabei weder Kos­ten noch Mühen. So will das Bun­des­in­nen­mi­nis­te­ri­um Mit­te April vom Mün­che­ner Flug­ha­fen aus eine ein­zel­ne Frau nach Togo schi­cken. Weil auf­grund der Coro­na-Beschrän­kun­gen kei­ne regu­lä­ren Flü­ge mehr gibt und welt­wei­te Rei­se­ver­bo­te exis­tie­ren, soll ein Flug­zeug allein für die­se Frau gechar­tert wer­den. Der Flug­ha­fen in Lomé, der wegen der Coro­na-Lage für Flü­ge aus Euro­pa eigent­lich gesperrt ist, hat den Recher­chen zufol­ge eine Son­der­ge­neh­mi­gung erteilt. (…) Danach sol­len Bun­des­po­li­zis­ten eben­falls im Flug­zeug sit­zen. Sie wer­den – so ist es geplant – die Frau am Flug­ha­fen an die togoi­schen Behör­den über­ge­ben und danach direkt zurück­flie­gen. Eine Ein­rei­se der Beam­ten ist wegen der Coro­na-Lage nicht mög­lich. Die Frau aus Togo müss­te nach ihrer Lan­dung in Qua­ran­tä­ne. Auch dafür haben die ohne­hin über­for­der­ten Behör­den den Anga­ben zufol­ge gesorgt. Es wur­de extra ein Hotel in Lomé gebucht. Die Betrof­fe­ne kam allein nach Deutsch­land, um hier Asyl zu ersu­chen. Sie wur­de im Schnell­ver­fah­ren am Flug­ha­fen abge­lehnt, durf­te nicht nach Deutsch­land ein­rei­sen und befin­det sich nun in der Tran­sit­zo­ne in soge­nann­ter Zurück­wei­sungs­haft. Das Asyl­ver­fah­ren durch­lief sie in dem extrem beschleu­nig­ten „Flug­ha­fen­ver­fah­ren“. Inner­halb von zwei Tagen nach Ankunft muss dem­nach bereits die Bun­des­amts­ent­schei­dung vor­lie­gen. Auch der recht­li­che Schutz ist ver­kürzt…” Bericht vom 6. April 2020 bei MiGA­ZIN externer Link
  • Ein­ge­schränk­ter Flug­ver­kehr: Abschie­ben – trotz Coro­na
    “Wegen des ein­ge­schränk­ten Flug­ver­kehrs schiebt Deutsch­land nicht mehr in ande­re EU-Staa­ten und nach Afgha­ni­stan ab. Die Trans­por­te in ande­re Län­der gehen jedoch wei­ter – teil­wei­se mit erheb­li­chem Auf­wand. (…) “Ein Stück aus Absur­di­stan”, sagt ihr Anwalt Peter Fahl­busch. Welt­wei­te Soli­da­ri­tät sei gefragt. “Das bedeu­tet, dass man nie­man­den in Gebie­te schickt, wo das Gesund­heits­sys­tem jetzt sowie­so schon am Boden liegt. (…) Dass über­haupt mit­ten wäh­rend der Coro­na-Kri­se Abschie­bun­gen statt­fin­den, hält Bel­l­in­da Bar­to­luc­ci von Pro Asyl für unver­ant­wort­lich: “Gan­ze Län­der fah­ren gera­de ihre Akti­vi­tä­ten her­un­ter. Es besteht kein regu­lä­rer Flug­ver­kehr. Ein­rei­se­ver­bo­te wer­den von Staa­ten ver­teilt. Und Deutsch­land macht ein­fach alles mög­lich, um eine ein­zel­ne Frau nach Togo abzu­schie­ben.” Bericht von Gabor Halasz, Phil­ipp Eck­stein, Rei­ko Pin­kert und Mar­tin Kaul vom 3. April 2020 bei tages​schau​.de externer Link
  • Trotz Coro­na-Kri­se: Per Char­ter­flug zurück in den Iran?! 
    “Obwohl Iran eines der von der Coro­na-Pan­de­mie am stärks­ten betrof­fe­nen Län­der ist, will das Bun­des­in­nen­mi­nis­te­ri­um nächs­te Woche zwei Frau­en dort­hin zurück schi­cken. Da es kei­ne regu­lä­ren Flug­ver­bin­dun­gen mehr in den Iran gibt, wird extra ein Flug­zeug gechar­tert. PRO ASYL unter­stützt eine der Betrof­fe­nen. (…) Eine der bei­den Frau­en, die Deutsch­land auf Teu­fel komm raus nächs­te Woche in den Iran zurück­brin­gen will, ist Nas­rin B*. Sie kam gemein­sam mit ihrem Ver­lob­ten nach Deutsch­land, der auf­grund von Herz­pro­ble­men nach Deutsch­land ein­rei­sen durf­te, sich nun im Asyl­ver­fah­ren befin­det und aus Angst um sei­ne Ver­lob­te PRO ASYL um Hil­fe bat. (…) Der Asyl­an­trag von Nas­rin wur­de als »offen­sicht­lich unbe­grün­det« abge­lehnt, seit­dem sitzt sie in Haft. Auch ihr Antrag im Eil­ver­fah­ren – der die Rück­füh­rung hät­te stop­pen kön­nen – wur­de nicht statt­ge­ge­ben. In der Haupt­sa­che wur­de vom Gericht noch nicht ent­schie­den. Auch gegen die Inhaf­tie­rung wird mit Unter­stüt­zung von PRO ASYL recht­lich vor­ge­gan­gen. (…) PRO ASYL for­dert auf­grund der welt­wei­ten Aus­brei­tung des Coro­na-Virus einen gene­rel­len Abschie­bungs­stopp. Zum einen soll­te Deutsch­land nicht durch Abschie­bun­gen zur Aus­brei­tung des Virus bei­tra­gen. Zum ande­ren müs­sen Betrof­fe­ne davor geschützt wer­den, in Län­der mit fra­gi­len Gesund­heits­sys­te­men abge­scho­ben zu wer­den, in denen die Aus­wir­kun­gen von Coro­na kata­stro­phal wer­den kön­nen oder dies – wie im Fall des Iran – bereits sind. Eine Abschie­bung in eine offi­zi­el­le Coro­na-Kri­sen­re­gi­on kann nur noch als zynisch bezeich­net wer­den.” Bericht von Pro Asyl vom 27. März 2020 externer Link
  • Sie­he auch unser Dos­sier: Mehr Sol­da­ten nach Afgha­ni­stan aber trotz­dem dort­hin abschie­ben?

Der Bei­trag Kein Stopp geplant: Trotz Pan­de­mie will Deutsch­land wei­ter­hin Men­schen in Kri­sen­ge­bie­te abschie­ben erschien zuerst auf Labour­Net Ger­ma­ny.

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