[labournet:] „Volksfront“ von und für Rechts. Zur (gelinde ausgedrückt) rechtoffenen Publikation von Michel Onfray unter dem Titel Front populaire und ihrem jüngst zu verzeichnenden Erfolg

Bernard Schmid: „Volksfront“ von und für Rechts. Zur (gelinde ausgedrückt) rechtoffenen Publikation von Michel Onfray unter dem Titel Front populaire und ihrem jüngst zu verzeichnenden ErfolgDie Initia­to­ren hat­ten soli­de geis­ti­ge Nah­rung ver­spro­chen. Her­aus kam ein Hoch­ge­nuss, der ten­den­zi­ell an Hun­de­fut­ter erin­nert. Eine Gemein­sam­keit mit Joghurt­spei­sen könn­te hin­ge­gen inso­fern bestehen, als es sich um rechts­dre­hen­den Joghurt han­delt. Es war noch wäh­rend des con­fi­ne­ment, also der fran­zö­si­schen Vari­an­te des Lock-down, die vom 17. März bis zum 10. Mai die­ses Jah­res die Bewe­gungs­frei­heit der Fran­zö­sin­nen und Fran­zo­sen ein­schränk­te, als die Öffent­lich­keit von einem neu­en Publi­ka­ti­ons­pro­jekt des mitt­ler­wei­le berühm­ten oder, je nach Stand­punkt, berüch­tig­ten Fern­seh­phi­lo­so­phen Michel Onfray erfuhr. Die­ses soll­te unter dem spek­ta­ku­lä­ren Titel Front popu­lai­re ste­hen – schlecht ins Deut­sche über­setzt mit „Volks­front“, genau­er eher Front der sozia­len Unter­klas­sen (…) Zu Beginn des con­fi­ne­ment mach­te Onfray zunächst mit einem Gast­bei­trag von sich reden, wel­cher auf einem Blog unter dem Titel La Fran­ce libé­rée („Das befrei­te Frank­reich“) erschien. Auch hier betreibt man augen­schein­li­chen Begriffs­klau, jeden­falls indi­rekt, unter Anspie­lung an La Fran­ce libre (Das freie Frank­reich) unter Charles de Gaul­le im Kampf gegen Nazi­be­sat­zung und Vichy-Regime. Der so benann­te Blog ver­öf­fent­licht der­zeit etwa Bei­trä­ge über „Staats­lü­gen“ zu Covid-19 und zur For­de­rung nach Todes­stra­fe für Kin­der­schän­der und Poli­zis­ten­mör­der. Am sel­ben Ort mach­te sich Onfray ab dem 23. März für einen Armee­ein­satz im Inne­ren stark, um angeb­li­chen Coro­na-Orgi­en in Migran­ten­vier­teln und Tra­ban­ten­städ­ten ein Ende zu set­zen…” Arti­kel von Ber­nard Schmid vom 2.8.2020 – wir dan­ken!

„Volksfront“ von und für Rechts.
Statt geistiger Nahrung: Schlangenfraß vom Fernsehphilosophen – Zur (gelinde ausgedrückt) rechtoffenen Publikation von Michel Onfray unter dem Titel Front populaire und ihrem jüngst zu verzeichnenden Erfolg

Die Initia­to­ren hat­ten soli­de geis­ti­ge Nah­rung ver­spro­chen. Her­aus kam ein Hoch­ge­nuss, der ten­den­zi­ell an Hun­de­fut­ter erin­nert. Eine Gemein­sam­keit mit Joghurt­spei­sen könn­te hin­ge­gen inso­fern bestehen, als es sich um rechts­dre­hen­den Joghurt han­delt.

Es war noch wäh­rend des con­fi­ne­ment, also der fran­zö­si­schen Vari­an­te des Lock-down, die vom 17. März bis zum 10. Mai die­ses Jah­res die Bewe­gungs­frei­heit der Fran­zö­sin­nen und Fran­zo­sen ein­schränk­te, als die Öffent­lich­keit von einem neu­en Publi­ka­ti­ons­pro­jekt des mitt­ler­wei­le berühm­ten oder, je nach Stand­punkt, berüch­tig­ten Fern­seh­phi­lo­so­phen Michel Onfray erfuhr.

Die­ses soll­te unter dem spek­ta­ku­lä­ren Titel Front popu­lai­re ste­hen – schlecht ins Deut­sche über­setzt mit „Volks­front“, genau­er eher Front der sozia­len Unter­klas­sen, denn der fran­zö­si­sche Aus­druck le peu­p­le wur­de his­to­risch mit „der Pöbel“ ins Deut­sche über­setzt und ent­spricht nicht dem deutsch­spra­chi­gen „Volk“ im viel­fach benutz­ten Sin­ne (von „Ein Reich, ein Volk…“ bis zu „Deut­sche Volks­uni­on“). Und es soll­te damit eine Bezeich­nung über­neh­men, die bis­lang für die infol­ge eines Gene­ral­streiks gebil­de­te anti­fa­schis­ti­sche Links­re­gie­rung in den Jah­ren 1936 und 37 stand und dar­über in die Geschichts­bü­cher ein­ging. Inhalt­lich hat­te Onfray jedoch augen­schein­lich etwas völ­lig Ande­res im Sinn. Jeden­falls sicher­lich nichts Anti­fa­schis­ti­sches.

Der 61jährige war dem brei­ten Publi­kum zunächst als Autor von über ein­hun­dert Büchern, Grün­der der „Volks­uni­ver­si­tät von Caen“ – einer gesell­schafts­po­li­ti­schen The­men gewid­me­ten Dis­kus­si­ons­stät­te – sowie als Athe­ist und Ange­hö­ri­ger der „liber­tä­ren Lin­ken“ bekannt. Zwi­schen­zeit­lich defi­nier­te er sich aller­dings auch als „christ­li­cher Athe­ist“, und mit der Lin­ken hat er spä­tes­tens 2015 gebro­chen, als er laut­stark Ver­ständ­nis für die Moti­ve von Wäh­lern der rechts­ex­tre­men Poli­ti­ke­rin Mari­ne Le Pen anmel­de­te und sich Gedan­ken über die Ver­nach­läs­si­gung „des fran­zö­si­schen Vol­kes“ zuguns­ten von Min­der­hei­ten­in­ter­es­sen, Aus­län­dern und Euro­pa­ori­en­tie­rung der „poli­ti­schen Klas­se“ mach­te. (Sie­he http://​www​.trend​.info​par​ti​san​.net/​t​r​d​0​1​1​6​/​t​3​3​0​1​1​6​.​h​tml externer Link und https://​jung​le​.world/​a​r​t​i​k​e​l​/​2​0​1​5​/​5​0​/​d​e​r​-​k​r​i​e​g​-​d​e​r​-​i​d​een externer Link)

Genese des Projekts

Zu Beginn des con­fi­ne­ment mach­te Onfray zunächst mit einem Gast­bei­trag von sich reden, wel­cher auf einem Blog unter dem Titel La Fran­ce libé­rée („Das befrei­te Frank­reich“) erschien. Auch hier betreibt man augen­schein­li­chen Begriffs­klau, jeden­falls indi­rekt, unter Anspie­lung an La Fran­ce libre (Das freie Frank­reich) unter Charles de Gaul­le im Kampf gegen Nazi­be­sat­zung und Vichy-Regime. Der so benann­te Blog ver­öf­fent­licht der­zeit etwa Bei­trä­ge über „Staats­lü­gen“ zu Covid-19 und zur For­de­rung nach Todes­stra­fe für Kin­der­schän­der und Poli­zis­ten­mör­der. Am sel­ben Ort mach­te sich Onfray ab dem 23. März für einen Armee­ein­satz im Inne­ren stark, um angeb­li­chen Coro­na-Orgi­en in Migran­ten­vier­teln und Tra­ban­ten­städ­ten ein Ende zu set­zen. (Sie­he http://www.lafranceliberee.fr/journal-pages/education-jeunesse-enseignement/michel-onfray‑1.html externer Link) Sein Bei­trag ist an den Staats­prä­si­den­ten in sei­ne Eigen­schaft als Ober­be­fehls­ha­ber der Streit­kräf­te gerich­tet und endet mit der Auf­for­de­rung: „Den Feind aus­ma­chen, ihn auf­spü­ren, ins Visier neh­men, ein­krei­sen, ihm die Bewe­gungs­frei­heit neh­men, ihn iso­lie­ren, um die gesun­den Per­so­nen zu ver­scho­nen: Wer wür­de behaup­ten, dass es sich dabei nicht um eine gesun­de Metho­de han­delt, um den klei­nen Krieg, alle klei­nen Krie­ge zu einem guten Ende zu füh­ren?“

In den dar­auf­fol­gen­den Wochen bas­tel­te Onfray offen­kun­dig an sei­nem Pro­jekt für den Start eines neu­en Vier­tel­jah­res­ma­ga­zins, von dem ande­re Medi­en ab April d.J., ver­stärkt ab Anfang Mai d.J. zu berich­ten anfin­gen. Über Twit­ter kün­dig­te der ver­meint­li­che Meis­ter­den­ker die Grün­dung der Publi­ka­ti­on Le Front popu­lai­re am 12. April 20 an (sie­he http://​michel​-onfray​.over​-blog​.com/​2​0​2​0​/​0​4​/​m​i​c​h​e​l​-​o​n​f​r​a​y​-​l​a​n​c​e​m​e​n​t​-​f​r​o​n​t​-​p​o​p​u​l​a​i​r​e​-​1​2​.​0​4​.​2​0​2​0​.​h​tml externer Link), die kon­ser­va­ti­ve Tages­zei­tung Le Figa­ro berich­te­te erst­mals am 16. April die­ses Jah­res über das Pro­jekt. (Sie­he https://​www​.lefi​ga​ro​.fr/​a​c​t​u​a​l​i​t​e​-​f​r​a​n​c​e​/​a​v​e​c​-​s​o​n​-​f​r​o​n​t​-​p​o​p​u​l​a​i​r​e​-​m​i​c​h​e​l​-​o​n​f​r​a​y​-​p​a​s​s​e​-​a​-​l​-​o​f​f​e​n​s​i​v​e​-​2​0​2​0​0​416 externer Link) Im Mai 20 häuf­ten sich dann die Arti­kel und Medi­en­be­rich­te. Zu Beginn des Monats konn­ten Onfray und sei­ne Mitstreiter/​innen den mitt­ler­wei­le pro­mi­nen­ten fran­zö­si­schen Medi­zi­ner Didier Raoult, wel­cher sich durch sei­nen vehe­men­ten Ein­satz für die Mala­ria-Arz­nei Chlo­ro­quin als Wun­der­heil­mit­tel gegen Covid-19 (ähn­lich wie Donald Trump) und sei­ne damit begrün­de­ten ver­ba­len Aus­fäl­le gegen die Regie­ren­den lan­des­weit bekannt mach­te, für ein Video gewin­nen. Die­ses wur­de am 1. Mai die­ses Jah­res auf der Web­sei­te der in Grün­dung befind­li­chen Publi­ka­ti­on ver­öf­fent­licht. Dar­auf­hin wur­de Raoult auch als Mit­wir­ken­der der künf­ti­gen Zeit­schrift dar­ge­stellt, obwohl er in deren Spal­ten (nach Erschei­nen) nicht ver­tre­ten ist.

Im sel­ben Zeit­raum zeich­ne­te sich auch ab, dass ein ver­stärk­ter Zuspruch für das Vor­ha­ben aus dem rechts­in­tel­lek­tu­el­len bis neo­fa­schis­ti­schen Milieu kam; die libe­ra­le Pari­ser Abend­zei­tung Le Mon­de bezeich­ne­te ihn zur Monats­mit­te in einer Über­schrift als neu­es „Schätz­chen (coque­lu­che) der extre­men Rech­ten“. Zu dem Zeit­punkt hat­ten etwa Alain de Benoist – der Vor­den­ker der rechts­in­tel­lek­tu­el­len Strö­mung rund um den GRECE, der Name bedeu­tet „For­schungs- und Stu­di­en­grup­pe für die euro­päi­sche Zivi­li­sa­ti­on“ und spielt zugleich als Akro­nym auf das anti­ke Grie­chen­land an -, das Wahl­man­da­te tra­gen­de rechts­ex­tre­me Ehe­paar Robert und Emma­nu­el­le Ménard sowie Phil­ip­pe Var­don, einer der Köp­fe der „iden­ti­tä­ren Bewe­gung“ in Frank­reich sowie Regio­nal­po­li­ti­ker des Ras­sem­ble­ment natio­nal (RN) in Süd­ost­frank­reich, ihre Unter­stüt­zung bekun­det.

In der „Lis­te der ers­ten ein­tau­send Abon­nen­ten“, die in dem nun­mehr vor­lie­gen­den ers­ten Heft von Front popu­lai­re – durch des­sen Redak­ti­on selbst auch FP abge­kürzt – ver­öf­fent­licht wur­de, tau­chen tat­säch­lich die Namen de Benoist und Var­don auf.

Ende Mai 20 war bereits von ins­ge­samt 27.000 Abon­nen­ten im Vor­ver­kauf die Rede und davon, dass die gezeich­ne­ten Jah­res­a­bos der noch inexis­ten­ten Publi­ka­ti­on bereits eine Mil­li­on Ein­nah­men ver­schafft hät­ten. Am 23. Juni 20 war die ers­te Aus­ga­be dann tat­säch­lich an den Kios­ken erhält­lich, wenn­gleich jeden­falls in Paris der Ver­trieb zum Teil schlep­pend anlief. Am Wochen­en­de des 25./26. Juli 20 schrieb nun die gewöhn­lich gut unter­rich­te­te, auf Medi­en­the­men spe­zia­li­sier­te Web­sei­te des Jour­na­lis­ten Jean-Marc Moran­di­ni, mitt­ler­wei­le hät­ten sich 45.000 Abonnent/​inn/​en gefun­den und 50.000 Exem­pla­re sei­en an Kios­ken und im Buch­han­del ver­kauft wor­den. Wei­te­re 50.000 sei­en Mit­te Juli d.J. nach­ge­druckt wor­den.

Analyse einer Einleitung

In einer fünf­sei­ti­gen Ein­lei­tung klagt Her­aus­ge­ber Onfray sich zunächst wort­reich über die EU-Inte­gra­ti­ons­po­li­tik aus und sodann dar­über – in zahl­lo­sen Varia­tio­nen immer die­sel­ben Idee -, dass man ihn und sein Publi­ka­ti­ons­pro­jekt sowie sei­ne Stich­wort­ge­ber in die Nazi-ecke haben drän­gen wol­len. Selbst­ver­ständ­lich völ­lig zu Unrecht. Sei es doch, im Gegen­teil, einer der so genann­ten Grün­der­vä­ter der EWG (Vor­läu­fe­rin der Euro­päi­schen Uni­on) gewe­sen, der Elsäs­ser Robert Schu­mann, wel­cher ihm zufol­ge mit Nazi­deutsch­land zusam­men­ar­bei­te­te. Debat­te been­det. Natio­nal­so­zia­lis­ti­sche Ideo­lo­gie im enge­ren Sin­ne ver­tritt Onfray übri­gens tat­säch­lich kei­ne – auch die extre­me Rech­te ist bekannt­lich ein Kon­glo­me­rat unter­schied­li­cher Strö­mun­gen, und die tat­säch­lich Hit­ler-affi­nen Strö­mun­gen (in Frank­reich u.a. durch den im Lyo­ner Raum ange­sie­del­ten Ideo­lo­gen Pierre Vial ver­kör­pert, von ihm wird unten noch die Rede sein) sind dort in der Min­der­zahl. Dadurch scheint in den Augen von Michel Onfray auch jeg­li­che Debat­te über even­tu­el­le poli­ti­sche oder ideo­lo­gi­sche Ver­bin­dun­gen zur extre­men Rech­ten bereits abge­schlos­sen; The­ma für ihn erle­digt.

Aller­dings glaubt Onfray beim Über­gang von Sei­te 9 zu Sei­te 10 aus uner­find­li­chen Grün­den, im sel­ben Atem­zug den Begriff des „Natio­nal­bol­sche­wis­mus“ reha­bi­li­tie­ren zu müs­sen. Sei die­ser doch „vor Ausch­witz“ (also nicht im Wis­sen dar­um) ent­stan­den, und sei des­sen füh­ren­der Ver­tre­ter Ernst Nie­kisch doch in einem NS-Kon­zen­tra­ti­ons­la­ger gelan­det, was im Übri­gen bei­des zutrifft.

Ansons­ten erfin­det Onfray den Begriff des popu­li­ci­de („Volks­mords“ oder „Volks­mör­ders“), den er – im Plu­ral – auf den letz­ten Zei­len der Sei­te 8 benutzt, bevor er dann auf Sei­te 11 zum Schluss einer Aus­füh­run­gen einen front popu­li­ci­de (eine Volks­mör­der­front…) dem front popu­lai­re, in dem von ihm ver­foch­te­nen Sin­ne, ent­ge­gen­stellt. Es sei denn, sein Chef­re­dak­teur Sté­pha­ne Simon hat den neu­en Begriff geschiss…, par­don, erfun­den, denn jener benutzt ihn sei­ner­seits in sei­nem Vor­wort auf Sei­te 3 (lin­ke Spal­te), eben­falls im Plu­ral. Simon, Jahr­gang 1967, ist ansons­ten ein frü­he­rer Fern­seh­pro­du­zent und Medi­en­schaf­fen­der, dem der pro­mi­nen­ten TV-Mode­ra­tor Thier­ry Ardis­son – für wel­chen er arbei­te­te – nach­sagt, er han­de­le eher aus Kar­rie­re­durst und Gel­tungs­drang denn aus erkenn­ba­ren ideo­lo­gi­schen Antriebs­grün­den. In den letz­ten Jah­ren pro­du­zier­te Simon, der zuvor als Redak­ti­ons­mit­ar­bei­ter die Medi­en­land­schaft in qua­si alle Rich­tun­gen durch­lief (begon­nen hat­te er ein­mal beim „Pil­ger­ma­ga­zin“), vor allem Webs­en­dun­gen für aggres­si­ve rech­te Ideolog/​inn/​en wie Eli­sa­beth Lévy vom Maga­zin Cau­seur und Jean-Wil­liam Gold­na­del – Anwalt und Autor im Figa­ro -, die bei­de zu jenem poli­ti­schen Seg­ment zäh­len, das an der Naht­stel­le zwi­schen Tei­len der Kon­ser­va­ti­ven und dem pro-israe­li­schen Flü­gel der extre­men Rech­ten sitzt. (Vgl. https://www.lemonde.fr/m‑le-mag/article/2020/06/14/de-michel-onfray-aux-webteles-neocons-stephane-simon-est-sur-tous-les-fronts_6042775_4500055.html externer Link)

Zurück zur Ein­lei­tung des Her­aus­ge­bers, Michel Onfray: Die­ser schlin­gert in ihrem Schluss­teil ein wenig zwi­schen dem Auf­tre­ten als kon­struk­ti­ver Kri­ti­ker, und jenem als Fun­da­men­tal­op­po­si­tio­nel­ler (von rechts). Auf Sei­te 10 in der rech­ten Spal­te redu­ziert Onfray so den welt­an­schau­li­chen Gegen­satz zwi­schen ihm selbst und den Anhän­ger ähn­li­cher Ideen auf der einen Sei­te, den Befür­wor­tern einer ver­stärk­ten EU-Inte­gra­ti­on auf der ande­ren Sei­te auf eine schein­bar begrenz­te Fra­ge nach Moda­li­tä­ten zwi­schen­staat­li­cher Zusam­men­ar­beit: Er ver­gleicht das Euro­pa, das er befür­wor­te (und das Charles de Gaul­le befür­wor­tet hät­te), einer­seits und das durch die aktu­el­le EU-Poli­tik ver­folg­te Modell ande­rer­seits mit einer „Ehe mit Güter­tren­nung“ im ers­te­ren Fal­le, einer Ehe mit Güter­ge­mein­schaft im letzt­ge­nann­ten Fal­le. Das klingt nach prin­zi­pi­ell Ein­ver­ständ­nis mit einer Dif­fe­renz bezüg­lich Orga­ni­sa­ti­ons­fra­gen. Doch auf Sei­te 11 wird er wie­der­um sehr viel grund­sätz­li­cher. Kul­tu­ren (fran­zö­sisch: civi­li­sa­ti­ons, doch die­ser Begriff ten­den­zi­ell näher am deut­schen „Kul­tur“- als am „Zivilisations“begriff) stie­gen auf oder ver­gin­gen, er zitiert dafür Hegel… und unter­lässt es, Oswald Speng­ler zu zitie­ren. Das Jahr 1968, führt Onfray fort, habe einen Mei­len­stein beim Abstieg der abend­län­di­schen civi­li­sa­ti­on, ihrer Infra­ge­stel­lung bedeu­tet. Sozu­sa­gen einen Sarg­na­gel, auch wenn Onfray die­sen Begriff nicht benutzt; ein Zer­stö­rungs­werk. Die jet­zi­gen EU-Vor­de­ren ver­folg­ten jedoch genau die­ses Vor­ha­ben, das er auch als „inter­na­tio­na­lis­ti­sches Pro­jekt“ (Sei­te 11 rech­te Spal­te) bezeich­net. War doch, dar­auf spielt er an, der frü­he­re EU-Kom­mis­si­ons­prä­si­dent José Manu­el Bar­ro­so in jun­gen Jah­ren Mao­ist. So ver­hält es sich, laut Onfray, mit denen, die „damals (Anm.: 1968) die Deka­denz (unse­rer Zivi­li­sa­ti­on) wünsch­ten und vor Marx und Mar­cu­se, Mao und Trot­ski, Guy Debord und Che Gue­va­ra Knie­beu­gen voll­führ­ten“ und die nun „fünf­zig Jah­re spä­ter das­sel­be Ziel ver­fol­gen, indem sie Weih­rauch­fäs­ser für Maas­tricht-Euro­pa schwen­ken, das zum inter­na­tio­na­lis­ti­schen Pro­jekt bei­trägt, wenn auch heu­te dem des Kapi­tals“.

Grund­sätz­lich wird auf die­se Wei­se klar, wie Onfray den jün­ge­ren Ver­lauf der Geschich­te inter­pre­tiert.

„Souveränisten“

Inhalt­lich weist die auf 159 Sei­ten im grö­ße­ren Buch­for­mat und mit pro­fes­sio­nell wir­ken­dem Lay­out publi­zier­te Zeit­schrift zahl­rei­che Red­un­dan­zen auf, vie­le Aspek­te keh­ren in einem Bei­trag nach dem ande­ren wie­der. Ihr erklär­tes Ziel – das bereits vor­ab öffent­lich fest­ge­legt wor­den war – besteht dar­in, die „Sou­ve­rä­nis­ten“ unter­schied­li­cher Cou­leur zu ver­sam­meln.

So bezeich­net man seit über zwei Jahr­zehn­ten jene gegen die EU-Inte­gra­ti­on Frank­reichs oppo­nie­ren­den Strö­mun­gen, die sich nicht selbst schlicht als „Natio­na­lis­ten“ bezeich­nen möch­ten. Zu Anfang der neun­zi­ger Jah­re, seit dem innen­po­li­ti­schen Streit rund um die Abstim­mung zum Maas­tricht-Ver­trag, die im Sep­tem­ber 1992 mit einem knap­pen 51 zu 49 Pro­zent-Ergeb­nis ende­te, fand man sowohl zur Lin­ken als auch zur Rech­ten gezähl­te Strö­mun­gen in die­sem Lager. Wort­füh­rer des „Nein“ zum Maas­tricht-Ver­trag waren, außer­halb der natio­na­lis­ti­schen extre­men Rech­ten unter Jean-Marie Le Pen, vor allem der sich als Gaul­list bezeich­nen­de Innen­mi­nis­ter Charles Pas­qua (inzwi­schen ver­stor­ben), der natio­nal­kon­ser­va­ti­ve und rechts­ka­tho­li­sche Graf Phil­ip­pe de Vil­liers) – damals Mit­glied der rechts­li­be­ra­len UDF, er unter­stütz­te jedoch 2017 bei der Prä­si­dent­schafts­wahl Mari­ne Le Pen – sowie der eta­tis­tisch-natio­nal argu­men­tie­ren­de Sozi­al­de­mo­krat und Viel­fach­mi­nis­ter Jean-Pierre Che­vè­ne­ment. Damals nann­te man die­se unter­schied­li­chen, jedoch mehr oder min­der inof­fi­zi­ell mit­ein­an­der koope­rie­ren­den Frak­tio­nen nation­aux-répu­bli­cains. Aus dem Umfeld von de Vil­liers wur­de dann die Selbst­be­zeich­nung als sou­ver­ai­nis­tes kre­iert, des­sen Bera­ter Paul-Marie Coû­teaux benutz­te den Begriff in die­ser Form zum ers­ten Mal 1999. (Anm.: Zuvor hat­te es den Begriff sou­ver­ai­nis­tes als Bezeich­nung für Anhänger/​innen einer vol­len Sou­ve­rä­ni­tät der fran­zö­sisch­spra­chi­gen kana­di­schen Pro­vinz Qué­bec gege­ben.)

Wohl als Schman­kerl für sei­ne Leser gedacht, prä­sen­tiert FP ein acht Sei­ten lan­ges gemein­sa­mes Gespräch mit Che­vè­ne­ment und de Vil­liers. So wird es jeden­falls prä­sen­tiert. Aus der Lek­tü­re – die eher ein schrift­li­ches Abfra­ge­inter­view ohne inten­si­ve­ren Aus­tausch zwi­schen Inter­view­er und Inter­view­ten erken­nen lässt – ergibt sich aller­dings ziem­lich ein­deu­tig, dass bei­de Her­ren mut­maß­lich nur auf schrift­li­che Inter­view­fra­gen ant­wor­te­ten und die­se dann ent­spre­chend zusam­men­ge­schnit­ten und ins Blatt gestellt wur­den. Die libe­ra­le, aber auch pro-EU-ori­en­tier­te Abend­zei­tung Le Mon­de spricht spöt­tisch von „staub­be­deck­ten Sei­ten“, da die bei­den Inter­view­ten vor allem in der Ver­gan­gen­heit eine poli­ti­sche Rol­le spiel­ten.

Chevènement & Graf de Villiers

De Vil­liers beharrt dabei vor allem dar­auf, seit vier­zig Jah­ren Recht gehabt zu haben. Die Coro­na-Kri­se las­se dies nun erken­nen, nach­dem er lan­ge poli­tisch „wie ein Paria“ behan­delt wor­den sei, da die­se zu Grenz­schlie­ßun­gen geführt habe, aber auch die Idee der Fami­lie als pri­mä­rem Lebens­zu­sam­men­hang im Zuge des Lock-down reha­bi­li­tiert wor­den sei. Bemer­kens­wert ist vor allem, dass de Vil­liers zwei mal, auf den Sei­ten 24 und 30, „den Rechts­staat“ respek­ti­ve „das, was sie Rechts­staat nen­nen“, neben den Maas­tricht-Kri­te­ri­en und ande­re Ärger­nis­sen, in der Rei­he zu über­win­den­der gesell­schaft­li­cher Miss­stän­de auf­zählt. Denn, so lau­tet die Begrün­dung, ein Groß­teil des anzu­wen­den­den Rechts wer­de heu­te auf EU-Ebe­ne gemacht. Che­vè­ne­ment ist da mode­ra­ter in sei­nen Äuße­run­gen, zögert erkenn­bar bei der Fra­ge eines Aus­tritts aus dem Euro – den de Vil­liers für unab­ding­bar erklärt – und spricht sich vor allem für eine stär­ke­re staat­li­che Indus­trie­po­li­tik aus.

Um die­se und ähn­li­che The­men krei­sen auch vie­le ande­re Bei­trä­ge, wobei in fast jedem von ihnen die Idee wie­der­kehrt, die Coro­na-Kri­se ber­ge eine Chan­ce für eine Zäsur, da die neo­li­be­ra­le Glo­ba­li­sie­rung nun erkenn­bar an ihre Gren­zen sto­ße. Etwa, weil nun­mehr all­ge­mein ein­ge­se­hen wer­de, dass man nicht die Pro­duk­ti­on der Phar­ma­in­dus­trie gro­ßen­teils in Län­der wie Chi­na und Indi­en ver­la­gern kön­nen, wie die ekla­tan­ten medi­zi­ni­schen Ver­sor­gungs­män­gel zu Anfang der Pan­de­mie – dabei han­delt es sich in Frank­reich um eine Tat­sa­che – belegt hät­ten.

Che­vè­ne­ment und de Vil­liers sol­len dabei als Garan­ten dafür ste­hen, dass auch eine nicht­fa­schis­ti­sche Poli­tik im Namen der Nati­on und gegen die EU im Ange­bot sei – wobei Graf de Vil­liers, den man bei einer Über­tra­gung ins deut­sche poli­ti­sche Sys­tem wohl irgend­wo zwi­schen Peter Gau­wei­ler und Bernd Lucke ver­or­ten müss­te, zwar aus der bür­ger­li­chen Rech­ten kommt, jedoch in der Ver­gan­gen­heit wie­der­holt offe­ne Berüh­rungs­punk­te auch zur extre­men Rech­ten auf­wies.

Letz­te­re ist aller­dings, trotz gegen­tei­li­ger Bekun­dun­gen Onfrays im Vor­feld – er beton­te bei der ers­ten Vor­stel­lung des Pro­jekts, „weder Jean-Luc Mélen­chon noch Mari­ne Le Pen unter­stüt­zen“ zu wol­len, also weder die links­po­pu­lis­ti­sche noch die neo­fa­schis­ti­sche Oppo­si­ti­on – stark im Heft prä­sent.

Der Einfluss des GRECE

Am wenigs­tens für Nichtkenner/​innen der extre­men Rech­ten iden­ti­fi­zier­bar und doch am deut­lichs­ten wird dies mit der erheb­li­chen Prä­senz von Thi­bault Isa­bel in der Zeit­schrift. Neben Jac­ques Sapir (sie­he: https://​jung​le​.world/​a​r​t​i​k​e​l​/​2​0​1​5​/​3​6​/​q​u​e​r​f​r​o​n​t​-​g​e​g​e​n​-​e​u​r​o​-​u​n​d​-eu externer Link), einem Wirt­schafts­wis­sen­schaft­ler, wel­cher sich mit fast mono­the­ma­ti­scher Beses­sen­heit der Vor­be­rei­tung eines Euro-Aus­tritts wid­met und die­ser The­ma­tik in der Erst­aus­ga­be gleich zwei Bei­trä­ge wid­men darf, ist Isa­bel der ein­zi­ger Autor, den man mit zwei Arti­keln im Heft antrifft. – Am 24. April d.J. hat­te er sei­ne künf­ti­ge Mit­ar­beit bei Front popu­lai­re in einem über Face­book ver­brei­te­ten Video unter dem Titel „Thi­bault Isa­bel schließt sich Front popu­lai­re an“ von einer Minu­te und 19 Sekun­den Dau­er ange­kün­digt. Dar­in erläu­tert der Elé­ments-Autor u.a., die künf­ti­ge Publi­ka­ti­on ver­tre­te „die ein­zi­ge Oppo­si­ti­on gegen den mon­dia­lisme (Anm.: unge­fähr ‚Glo­ba­lis­mus‘, ein rechts­ex­tre­mer Ter­mi­nus als Alter­na­ti­ve zum Begriff,Globalisierung‘, wel­cher in den 1990er Jah­ren Ein­gang ins Voka­bu­lar u.a. des Front Natio­nal fand), die nicht den Weg über die Extre­me wählt“ (im Ori­gi­nal: la seu­le oppo­si­ti­on cont­re le mon­dia­lisme qui ne tran­site pas par les extrê­mes). Soll sinn­ge­mäß hei­ßen: „…die weder mit der extre­men Lin­ken noch der extre­men Rech­ten zusam­men­hängt“. Lüg­ner, Lüg­ner!

Auch wenn dies den Leser/​inne/​n nicht mit­ge­teilt wird: Der­sel­be Herr war von 2003 bis 2018 Chef­re­dak­teur der Zeit­schrift Kri­sis – nicht zu ver­wech­seln mit einer gleich­na­mi­gen deut­schen Publi­ka­ti­on mit ziem­lich unter­schied­li­chem Inhalt! -, die ein Aus­hän­ge­schild des GRECE unter Alain de Benoist ins­be­son­de­re für den Dia­log mit nicht rechts­ex­tre­men Inter­view­part­nern dar­stellt. Er ist aber auch Mit­ar­bei­ter des direk­ten Publi­ka­ti­ons­or­gans des GRECE, der seit weni­gen Jah­ren auch an Kios­ken ver­trie­be­nen Zeit­schrift Elé­ments, auf deren Web­sei­te er eine eige­ne Autoren­sei­te hat. (Vgl. als einen jün­ge­ren Unter­su­chungs­bei­trag zu die­ser Publi­ka­ti­on auch u.a.: https://www.lemonde.fr/idees/article/2019/05/09/l‑allure-plaisante-de-la-revue-elements-dissimule-son-reel-ancrage-a-l-extreme-droite_5459803_3232.html externer Link)

Isa­bel publi­zier­te 2017 ein Buch über den fran­zö­si­schen Anar­cho-Syn­di­ka­lis­ten des 19. Jahr­hun­derts – aber unter ande­rem auch Anti­se­mi­ten – Pierre-Joseph Proud­hon mit dem Unter­ti­tel „Die Anar­chie ohne die Unord­nung“, und 2020 ein „Hand­buch heid­ni­scher Weis­heit“.

Bei­des sind ideo­lo­gi­sche Ste­cken­pfer­de des GRECE und beson­ders Alain de Benoists. Letz­te­rer ver­leg­te vor weni­gen Jah­ren die „Hef­te des Proud­hon-Zir­kels“ neu; unter die­sem Namen tra­fen sich von 1911 bis 1914 rechts­ex­tre­me Natio­na­lis­ten der Action fran­çai­se unter Charles Mau­rras mit sich als „revo­lu­tio­nä­re Syn­di­ka­lis­ten“ bezeich­nen­den Dis­si­den­ten der Arbei­ter­be­we­gung, die von der sozia­lis­ti­schen Haupt­strö­mung der Arbei­ter­be­we­gung ent­täuscht waren und/​oder gegen den Ein­fluss des Mar­xis­mus oppo­nier­ten. Rechts­in­tel­lek­tu­el­len ver­such­ten des Öfte­ren in der Geschich­te, die Figur Proud­hon zu beset­zen, um einen nicht-mar­xis­ti­schen Zugang zur sozia­len Fra­ge und einem revo­lu­tio­när klin­gen­den Dis­kurs zu schaf­fen. Aber auch Onfray ent­deck­te in jün­ge­rer Zeit Proud­hon für sich, sprach und schrieb seit 2011 über ihn, schrieb das Vor­wort für Isa­bels Buch und trat dar­über hin­aus mit Alain de Benoist in einen Dia­log über Proud­hon ein (sie­he: https://​www​.pre​nonsle​ma​quis​.fr/​v​i​d​e​o​/​l​e​-​d​e​b​a​t​-​p​r​o​u​d​h​o​n​-​e​n​t​r​e​-​m​i​c​h​e​l​-​o​n​f​r​a​y​-​e​t​-​a​l​a​i​n​-​d​e​-​b​e​n​o​ist externer Link).

Zum zwei­ten Punkt; Der Neo­pa­ga­nis­mus, also ein gegen das Chris­ten- wie das Juden­tum gerich­te­tes Neu­hei­den­tum, das sich unter ande­rem auf das anti­ke Grie­chen­land – sie­he die Namens­ge­bung des GRECE – sowie auf Ger­ma­nen- und Kelten­tum bezieht, ist dar­über hin­aus ein lang­jäh­ri­ges Erken­nungs­merk­mal der Strö­mung unter Alain de Benoist. Letz­te­rer steht dabei in einer Tra­di­ti­on rech­ter Kri­tik am Mono­the­is­mus, wel­cher auf­grund der Idee einer Gleich­heit aller Men­schen vor einem Gott qua­si als Urva­ter von Libe­ra­lis­mus und Kom­mu­nis­mus (und damit ver­derb­li­cher Phä­no­me­ne) zu betrach­ten sei, wie sie seit Fried­rich Nietz­sche for­mu­liert wird. Vie­le sei­ner Bünd­nis­part­ner, auch inner­halb der extre­men Rech­ten, folg­ten de Benoist in die­sem Punkt aber nicht. Auch Onfray benutzt den Begriff der Ver­tei­di­gung des „jüdisch-christ­li­chen Abend­lands“ in sei­nem Vor­wort für FP eher apo­lo­ge­tisch (auch bei ihm ist die Fron­stel­lung vor allem gegen „den“ Islam gerich­tet), wäh­rend der GRECE den Begriff des occi­dent judéo-chré­ti­en oder des judéo-chris­tia­nisme stets nur als Kri­tik­for­mel, ja mit Abscheu benutzt hat. (Vgl. bei Onfray Sei­te 8, lin­ke Spal­te, den apo­lo­ge­ti­schen Bezug zu la civi­li­sa­ti­on judéo-chré­ti­en­ne.)

Einen, sozu­sa­gen, affir­ma­ti­ve turn zuguns­ten eines „christlich(-jüdisch)en Abend­lands“ muss­te de Benoist jedoch in der Ver­gan­gen­heit bei sehr vie­len Weg­ge­fähr­ten erle­ben, wie etwa auch dem frü­he­ren GRE­CE-Kader und spä­te­ren „Okzi­den­ta­lis­ten“ (so wird die Strö­mung der zuvör­derst anti-mus­li­misch argu­men­tie­ren­den Abend­lands­ver­tei­di­ger inner­halb der extre­men Rech­ten, occi­den­ta­lis­tes, bezeich­net), Guil­laume Faye. Der Autor vie­ler Bücher war im Jahr 2000 aus dem GRECE aus­ge­schlos­sen wor­den. Spä­ter arbei­te­te er zeit­wei­lig mit dem eben­falls sich vom ursprüng­li­chen GRECE ent­fer­nen­den, nach sei­ner Abspal­tung vom GRECE 1987 beim Front Natio­nal akti­ven und zugleich zuneh­mend expli­zit NS-affi­nen Ras­sis­ten Pierre Vial und des­sen Grup­pie­rung Terre & peu­p­le („Erde & Volk“, soll bedeu­ten: Blut & Boden) zusam­men. Gul­laume Faye (1949–2019) trat aber auch aktiv für eine Annä­he­rung an Russ­land als „wei­ße“, „eura­si­sche“ Macht ein und trat u.a. 2014 bei der „iden­ti­tä­ren Bewe­gung“ auf, wel­che er bereits in den Jah­ren zuvor stark ideo­lo­gisch beein­flusst hat­te.

Im Front popu­lai­re nun schreibt Isa­bel über Kon­zep­te für die Bil­dung einer um gesell­schaft­li­che Mehr­hei­ten rin­gen­den Koali­ti­on, sowie für ein Wirt­schafts­pro­gramm der­sel­ben. Im ers­ten Punkt knüpft er an das an, was de Benoist bereits mehr­fach in der Ver­gan­gen­heit for­mu­lier­te, aber auch etwa der aus dem Umfeld des GRECE kom­men­de frü­he­re Chef­ideo­lo­ge des Front Natio­nal zwi­schen 1986 und 1998, Bru­no Még­ret, in einem Auf­se­hen erre­gen­den Inter­view in Le Mon­de vom 13. Febru­ar 1996. Ihnen zufol­ge soll die extre­me Rech­te – wel­che sie nicht als sol­che bezeich­nen – sich auf die sozia­le Fra­ge kon­zen­trie­ren und dabei EU- respek­ti­ve Glo­ba­li­sie­rungs­kri­tik als unter­schied­li­che Kräf­te ver­bin­den­den Punkt ins Zen­trum rück­ten. Thi­bault Isa­bel emp­fiehlt fol­ge­rich­tig, die Rechts­op­po­si­ti­on sol­le sich nicht zu sehr auf die Ableh­nung von Ein­wan­de­rung kon­zen­trie­ren, die Lin­ke nicht auf Anti­ras­sis­mus und die Ver­tei­di­gung von Min­der­hei­ten, denn bei­des ver­hin­de­re lager­über­grei­fen­de Kon­ver­gen­zen und die Schaf­fung eines mehr­heits­fä­hi­gen sozia­len Blocks. Viel­mehr müs­se für die Oppo­si­ti­on gegen Emma­nu­el Macron der Pro­tek­tio­nis­mus ins Zen­trum rücken.

Wie ande­re Autoren auch buhlt er um die „Gelb­wes­ten“, die vor allem auch 2018/​19 pro­tes­tier­ten, aber Isa­bel wen­det sich auch an die Demons­tran­ten gegen die Ren­ten­re­form vom Win­ter 2019/​20. Die­se hät­ten sich aller­dings vor den Kar­ren von Gewerk­schaf­ten, wel­che über­kom­me­ne Struk­tu­ren dar­stell­ten, span­nen las­sen. Sein Kon­zept für ein Wirt­schafts­pro­gramm wie­der­um zeich­net sich nicht durch brül­len­de Ori­gi­na­li­tät aus. Dort fin­det man eine stär­ke­re Inter­ven­ti­ons­tä­tig­keit des Staa­tes, die Rück­ver­la­ge­rung man­cher Pro­duk­ti­ons­zwei­ge – wie der Phar­ma­in­dus­trie, was längst auch in Krei­sen der herr­schen­den Klas­se dis­ku­tiert wird – nach Frank­reich oder Euro­pa und eine stär­ke­re Besteue­rung mul­ti­na­tio­na­ler Unter­neh­men. Dazu sol­len Steu­er­flucht­pa­ra­die­se, im Ein­ver­neh­men unter an Steu­er­ein­nah­men inter­es­sier­ten Staa­ten, ein­ge­dämmt wer­den. Auch sol­le ein Land wie Frank­reich, ähn­lich wie die USA es bereits tun, ein Pri­mat sei­ner Besteue­rungs­ho­heit auch gegen­über (even­tu­ell aus steu­er­li­chen Grün­den) im Aus­land leben­den Staatsbürger/​inne/​n durch­set­zen. Von Infra­ge­stel­lung des Kapi­ta­lis­mus ist dage­gen kei­ne Rede. Neu an sei­nen Vor­schlä­gen ist höchs­tens, dass er für die Aus­wei­tung von Tele­ar­beit, also Home Office oder digi­ta­ler Heim­ar­beit, der Lohn­ab­hän­gi­gen ein­tritt.

Fer­ner spricht sich Isa­bel für eine Mit­ar­bei­ter­be­tei­li­gung am Gewinn „ihrer“ Unter­neh­men, wie der his­to­ri­sche Gaul­lis­mus in sei­ner Regie­rungs­pha­se 1958–1969 es prak­ti­zier­te, aus. Bei The­men im Zusam­men­hang mit der Ein­wan­de­rung äußert er sich hin­ge­gen ver­gleichs­wei­se zurück­hal­tend, was auch mit sei­ner oben beschrie­be­nen Prio­ri­tä­ten­set­zung zusam­men­hängt. (Stich­wor­te: Pro­tek­tio­nis­mus; relo­ca­li­sa­ti­on, d.h. Rück­ver­la­ge­rung von Pro­duk­ti­on in natio­na­le und/​oder euro­päi­scher Gren­zen als Anknüp­fungs­punk­te für unter­schied­li­che poli­tisch-ideo­lo­gi­scher Rich­tun­gen, wobei die Rück­ver­la­ge­rungs-Idee auf­grund der damit zusam­men­hän­gen­den Vor­stel­lung einer Ein­däm­mung des Welt­han­dels auch als eine öko­lo­gi­sche ver­kauft wird.) Zwar stellt er einen aus­drück­li­chen Zusam­men­hang zwi­schen den Ver­wer­fun­gen der wirtschaftlichen/​neoliberalen „Glo­ba­li­sie­rung“ einer­seits und der „Dere­gu­lie­rung der Migra­ti­ons­strö­me“ – die es fol­ge­rich­tig ein­zu­däm­men gilt, was er im vor­lie­gen­den Bei­trag jedoch kaum näher ent­wi­ckelt – her. (Vgl. St. 81) Kon­kret führt er jedoch nur die Idee einer Beschrän­kung des Zugangs zur fran­zö­si­schen Staats­bür­ger­schaft durch Ein­bür­ge­rung auf die Inhaber(/innen) beson­ders benö­tig­ter beruf­li­cher Qua­li­fi­ka­tio­nen aus. Die­ses The­ma wäre für rechts­ex­tre­me Autoren sicher­lich aus­bau­fä­hig, er behan­delt es an die­ser Stel­le jedoch wirk­lich nur knapp und ver­gleichs­wei­se zurück­hal­tend.

Rechte Ökologie

Durch­aus im Sin­ne des GRECE, aber auch aller jener Rech­ten, die die Relo­ca­li­sa­ti­on/Rück­ver­la­ge­rungs-Dis­kus­si­on füh­ren (bei den „Iden­ti­tä­ren“ auch unter dem Begriff des Loca­lisme, wel­cher als ver­meint­li­ches öko­lo­gi­sches Kon­zept dis­ku­tiert wird), ist eine Inan­spruch­nah­me des The­mas Öko­lo­gie.

Im vor­lie­gen­den Heft wird die Bezug­nah­me auf die­se The­ma­tik durch die Prä­senz der in man­chen Krei­sen als jun­ge Star­jour­na­lis­tin gehan­del­ten Eugé­nie Bas­tié (Sei­ten 62 bis 65) garan­tiert. Vor­ge­stellt wird die jun­ge Frau, Jahr­gang 1991, als Mit­ar­bei­te­rin der Tages­zei­tung Le Figa­ro sowie als (Zitat) „Grün­de­rin der katho­lisch inspi­rier­ten, inte­gral-öko­lo­gi­schen Zeit­schrift <Limi­te>“. Die­sen Namen (er bedeu­tet „Gren­ze“ oder „Begren­zung“) trägt ein Publi­ka­ti­ons­or­gan, das rund um die Idee her­um ent­stand, die mensch­li­che Natur – da unvoll­kom­men wei­se not­wen­dig Gren­zen auf, die ihr unter ande­rem vom gött­li­chen Wil­len gesetzt wer­den. Wer­de gegen die­se ver­sto­ßen, dann droh­ten Unheil und Kata­stro­phen. Dies sehe man bei Ein­grif­fen in die gott­ge­woll­te Schöp­fung, in Form von Umwelt­zer­stö­rung. Eben­falls einen Ver­stoß­ge­gen die Schöp­fungs­ord­nung stel­le jedoch auch die Homo­se­xu­el­len­ehe dar. (Vgl. dazu: http://​www​.trend​.info​par​ti​san​.net/​t​r​d​0​2​1​6​/​t​3​7​0​2​1​6​.​h​tml externer Link) Die Zeit­schrift ent­stand 2015 im Kon­text der Bewe­gung gegen die – in Frank­reich per Gesetz vom 17. Mai 2013 ein­ge­führ­te – „Ehe für alle“, die auch homo­se­xu­el­len Paa­re Hei­rats­schlüs­se ermög­licht; die u.a. von rech­ten und reli­giö­sen Kräf­ten unter­stütz­ten Pro­tes­te dage­gen mobi­li­sier­ten zwi­schen Novem­ber 2012 und Okto­ber 2014 zeit­wei­lig Hun­dert­tau­sen­de Men­schen.

In Front popu­lai­re nun begrün­det Bas­tié noch­mals ideo­lo­gisch sau­ber, war­um Öko­lo­gie – so, wie sie die­sel­be ver­steht (Anm.d.Verf.: was selbst­ver­ständ­lich kein Argu­ment gegen öko­lo­gi­sche Anlie­gen über­haupt sein kann!) – aus­drück­lich eine rech­te Ange­le­gen­heit sein müs­se. So führt sie u.a. aus, Sei­te 65 lin­ke Spal­te: „Die Vor­sicht (pru­dence), ein kon­ser­va­ti­ver Wert an sich, ein Gegen­gift gegen Ideo­lo­gie (Anmer­kung: Dort, wo die Autorin von,Ideologie‘ spricht, mein sie stets lin­ke Gedan­ken, da Rech­te in ihren Augen für,Realitätssinn‘ und nicht für Ideo­lo­gie ein­ste­hen…), muss sich im Kern öko­lo­gi­schen Han­delns befin­den. Sie erfor­dert einen Ver­zicht auf eine revo­lu­tio­nä­re Per­spek­ti­ve (…). Die­se Beschei­den­heit gegen­über der Geschich­te, die­se Ableh­nung der Uto­pie muss uns dazu füh­ren, über alles, was uns als <Fort­schritt> prä­sen­tiert wird, zu dis­ku­tie­ren (…).“

Gilets jaunes

Die „Gelb­wes­ten“ wer­den in vie­len Bei­trä­gen hier und dort beschwo­ren. Eine ihrer kurz­zei­ti­gen Prot­ago­nis­tin­nen im Herbst 2018, die durch ihre Vide­os gegen Emma­nu­el Macron bekannt gewor­de­ne frei­be­ruf­li­che Kran­ken­schwes­ter Jacli­ne Mou­r­aud, durf­te eben­falls in dem vor­lie­gen­den Heft schrei­ben. Mou­r­aud war aller­dings ab Anfang 2019, wäh­rend sie mit Regie­rungs­ver­tre­tern in Gesprä­che ein­trat und sich als – hoff­nungs­los erfolg­lo­se – Par­tei­grün­de­rin betä­tig­te, in Tei­len des hete­ro­ge­nen „Gelbwesten“spektrums dann als „Ver­rä­te­rin“ gehan­delt wor­den. (Vgl. zu ihr in jün­ge­rer Ver­gan­gen­heit: http://​www​.trend​.info​par​ti​san​.net/​g​e​l​b​w​e​s​t​e​n​-​c​h​r​o​n​i​k​/​g​w​1​9​0​4​2​9​.​h​tml externer Link)

Der Bei­trag, für den die Dame gewon­nen wer­den konn­te, strömt aller­dings vor allem gäh­nen­de, abso­lu­te Lan­ge­wei­le aus. Neben viel Lar­moy­anz betref­fend ihre eige­ne Situa­ti­on fin­det sich nicht eine Idee, nicht aber auch nur der Anflug eines kla­ren Gedan­kens dar­in. Als ein­zi­ge Per­spek­ti­ve schlägt sie vor, es sol­le in Zukunft „einen gewähl­ten Prä­si­den­ten oder eine gewähl­te Prä­si­den­tin dank eines wirk­li­chen Kon­sens‘, der die gesam­te Zustim­mung des Vol­kes geschaf­fen hat“, geben. Dann mal viel Glück bei dem Vor­ha­ben!

Ja, so dümm­lich und hohl kön­nen die Ergüs­se einer Per­son klin­gen, die zumin­dest zeit­wei­lig immer­hin mal eine media­le Rol­le bei der Ent­ste­hung der dama­li­gen „Gelbwesten“proteste gespielt hat­te… Nicht ein­mal als ange­nehm zu lesen lässt sich die­ses hoff­nungs­lo­se Geschwur­bel bezeich­nen.

Frühere Linke (im weitesten Sinne…)

Inter­viewt wer­den zwei frü­he­re Mit­glie­der vom, seit Ende 2018 weit­ge­hend abge­sto­ße­nen, frü­he­ren rot-brau­nen Flü­gel der links­po­pu­lis­ti­schen Wahl­platt­form La Fran­ce inso­u­mi­se (Das auf­säs­si­ge Frank­reich). Zufäl­lig han­delt es sich um zwei ser­bisch­stäm­mi­ge Fran­zo­sen, Geor­ges Kuz­ma­no­vic und Andrea Kotarac. Ers­te­rer, sei­nes Zei­chens Reser­ve­of­fi­zier, er tritt auch als Lob­by­ist für Russ­lands Macht­ha­ber und zuguns­ten der rus­si­schen Inter­ven­tio­nen in Syri­en und der Ukrai­ne auf (vgl. über ihn auch: https://​www​.lejdd​.fr/​P​o​l​i​t​i​q​u​e​/​k​u​z​m​a​n​o​v​i​c​-​l​o​f​f​i​c​i​e​r​-​r​e​s​e​r​v​i​s​t​e​-​q​u​i​-​c​o​n​s​e​i​l​l​e​-​m​e​l​e​n​c​h​o​n​-​3​6​7​7​774 externer Link), grün­de­te mitt­ler­wei­le sei­nen eige­nen Par­tei­ver­ein unter dem Namen La Répu­bli­que socia­le. Kotarac wie­der­um schloss sich dem Ras­sem­ble­ment natio­nal (RN) unter Mari­ne Le Pen. In einem Inter­view, das tat­säch­lich ein Streit­ge­spräch – jedoch mit weit­ge­hen­dem inhalt­li­chem Kon­sens zwi­schen bei­den Dis­ku­tan­ten – dar­stellt, kri­ti­siert Ers­te­rer die wirt­schafts­po­li­ti­sche Kon­zept­lo­sig­keit des RN und sei­ne Unfä­hig­keit zum Regie­ren. Zwei­te­rer wie­der­um for­dert, die Ein­heit der Oppo­si­ti­on um Mari­ne Le Pen her­zu­stel­len. Bei­de (Kuz­ma­no­vic und Kotarac) sind sich unter­des­sen in ihrer öko­no­misch argu­men­tie­ren­den Begrün­dung für die Ableh­nung von Ein­wan­de­rung – Stich­wort Lohn­dum­ping usw. – einig.

Kotarac zitiert dabei auch Ernst Jün­ger („Mut ist der Wind, der zu fer­nen Küs­ten treibt“) auf Sei­te 100, sowie den Schrift­stel­ler Jean-Clau­de Michéa auf Sei­te 103 – mitt­ler­wei­le eine Refe­renz für Rechts­ideo­lo­gen und Quer­front­ler (vgl. http://​www​.trend​.info​par​ti​san​.net/​t​r​d​0​2​1​7​/​t​4​6​0​2​1​7​.​h​tml externer Link).

Auf Sei­te 100 zitier­te er auch den von ihm nicht näher bezeich­ne­ten Autor Fran­çois Bous­quet. Letz­te­rer wie­der­um ist seit 2017 Chef­re­dak­teur von Elé­ments. Auch an die­ser Stel­le lässt sich, ein­mal mehr, die ideo­lo­gi­sche Hand­schrift des GRECE und sei­ne Ein­fluss­nah­me auf die neue Publi­ka­ti­on able­sen.

Eben­falls von La Fran­ce inso­u­mi­se her kom­mend (er gehört der Wahl­platt­form allem Anschein nach noch immer an, zumin­dest for­mal, ver­lor jedoch in jün­ge­rer Zeit sei­nen ursprüng­li­chen ideo­lo­gi­schen Ein­fluss auf ihren Chef Jean-Luc Mélen­chon), schreibt auch der Phi­lo­soph Hen­ri Peña-Ruiz einen sechs­sei­ti­gen Bei­trag. Er ver­tritt den Flü­gel der Anhänger/​innen eines auto­ri­tä­ren Staats-Lai­zis­mus; die­ser Begriff bezeich­net in Frank­reich jenes Kon­zept, das den his­to­risch abso­lut ver­tei­di­gungs­wer­ten Lai­zis­mus (d.h. die Tren­nung von Religion/​en und Staat), wel­cher einen Anspruch auf kon­fes­sio­nel­le Neu­tra­li­tät des Staa­tes bezeich­net, im letz­ten Vier­tel­jahr­hun­dert in einen Anspruch des Staa­tes gegen Tei­le der Gesell­schaft – beson­ders, immer wie­der, die mus­li­mi­sche Min­der­heit – umwan­del­te. Die­sen Weg ging auch der genann­te Phi­lo­soph. 2019 lös­te er eine Pole­mik, als er sich im August 2019 bei einer „Som­mer­uni­ver­si­tät“ von La Fran­ce inso­u­mi­se (LFI) expli­zit für das Recht auf „Isla­mo­pho­bie“ aus­sprach. (Vgl. https://​www​.mari​an​ne​.net/​p​o​l​i​t​i​q​u​e​/​p​s​y​c​h​o​d​r​a​m​e​-​s​u​r​-​l​-​i​s​l​a​m​o​p​h​o​b​i​e​-​l​-​u​n​i​v​e​r​s​i​t​e​-​d​-​e​t​e​-​d​e​-​l​f​i​-​h​e​n​r​i​-​p​e​n​a​-​r​u​i​z​-​i​n​j​u​s​t​e​m​e​n​t​-​c​i​ble externer Link) Nun ist die­ser Begriff etwa unter Rassismuskritiker/​inne/​n umstrit­ten, inso­fern er man­chen Stim­men zufol­ge einer zuläs­si­gen Ver­mi­schung zwi­schen Ras­sis­mus­be­kämp­fung einer­seits und Ver­tei­di­gung einer Reli­gi­on als sol­cher ande­rer­seits den Weg berei­te. Die­se Debat­te mag man dort, wo die­ser Begriff in kri­ti­scher Absicht benutzt wird, füh­ren. Peña-Ruiz jedoch scher­te sich mit­nich­ten um sol­che Dif­fe­ren­zie­run­gen und benutz­te den Begriff, ohne nähe­re Nuan­cen, in apo­lo­ge­ti­scher Absicht. Sein Ein­fluss bei LFI wur­de dar­auf­hin in Fra­ge gestellt. Nun taucht er also bei FP auf, mit einem län­ge­ren Bei­trag auf Sei­te 140 bis 147, wo er Lai­zis­mus zu defi­nie­ren ver­sucht.

Vergleich zu Deutschland?

In gewis­ser Wei­se könn­te man die Rol­le Michel Onfrays mit jener des frü­he­ren Lin­ken Jür­gen Elsäs­ser in Deutsch­land ver­glei­chen, aller­dings auf ungleich höhe­rem geis­ti­gem Niveau. Die­se Fest­stel­lung ist längst ein Klas­si­ker im Ver­hält­nis zwi­schen fran­zö­si­schen Rechts­in­tel­lek­tu­el­len und Laut­spre­chern der deut­schen Rechts­ex­tre­men, so konn­te etwa der deut­sche Epi­go­ne Die­ter Stein nie Alain de Benoist auch nur annä­hernd das Was­ser rei­chen. Und Elsäs­ser ist aktu­ell tief in der intel­lek­tu­el­len Gos­se ange­kom­men, nach­dem die August 20-Aus­ga­be sei­nes Com­pact-Maga­zins nun – sen­sa­ti­ons­hei­schend mit angeb­li­chen Ent­hül­lun­gen über längst, längst bekann­te Affä­ren aus den USA wer­bend – dem Sata­nis­mus in Hol­ly­wood, einem angeb­li­chen welt­um­span­nen­den Kin­der­schän­der­ring rund um Bill und Hil­la­ry Clin­ton und den QAnon-Ver­schwö­rungs­the­sen gewid­met wur­de. In dem Vor­stel­lungs­vi­deo kom­men Elsäs­sers Aus­füh­run­gen über angeb­li­che Kin­der­mor­de auf der Suche nach Ver­jün­gungs­chan­cen ein­schlä­gi­gen his­to­ri­schen Legen­den über Ritu­al­mor­de an Kin­dern erheb­lich nahe. Dage­gen wir­ken selbst Onfrays jüngs­te Ergüs­se noch nüch­tern.

Arti­kel von Ber­nard Schmid vom 2.8.2020 – wir dan­ken!

(Es han­delt sich um die Lang­fas­sung des Arti­kels in der Jung­le World vom 30.07.2020 externer Link)

Der Bei­trag „Volks­front“ von und für Rechts. Zur (gelin­de aus­ge­drückt) recht­of­fe­nen Publi­ka­ti­on von Michel Onfray unter dem Titel Front popu­lai­re und ihrem jüngst zu ver­zeich­nen­den Erfolg erschien zuerst auf Labour­Net Ger­ma­ny.

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