[ISO:] Ein anderes Afrika ist möglich!

Sozia­le Bewe­gun­gen aus Afri­ka und ver­bün­de­te
zivil­ge­sell­schaft­li­che Grup­pie­run­gen sind in den letz­ten Wochen
zusam­men­ge­kom­men, um über die sie betref­fen­den Aus­wir­kun­gen und Wei­te­run­gen der
Kri­sen zu dis­ku­tie­ren, eine Ana­ly­se zu erstel­len und einen Appell zu einem
ers­ten For­de­rungs­ka­ta­log an unse­re afri­ka­ni­schen Regie­run­gen und Insti­tu­tio­nen
zu ver­fas­sen. Die rund 15 Netz­wer­ke (sie­he unten) for­dern jetzt eine brei­te­re
Unter­stüt­zung und Bil­li­gung die­ser Erklä­rung […] in und außer­halb Afri­kas.

Die Covid-19-Pan­de­mie ist viel­leicht das größ­te glo­ba­le Ereig­nis der letz­ten Jahr­zehn­te. Die Kri­se ver­deut­licht die bestehen­den Ungleich­hei­ten im neo­li­be­ra­len und patri­ar­cha­li­schen glo­ba­li­sier­ten sozio­öko­no­mi­schen Sys­tem und ver­schärft sie noch. In vie­len unse­rer afri­ka­ni­schen Län­der ver­wan­deln sich die Domi­no­ef­fek­te der Iso­la­ti­ons­po­li­tik bereits jetzt in tie­fe sozia­le und wirt­schaft­li­che Kri­sen, von denen die Schwächs­ten jetzt und auch künf­tig am stärks­ten betrof­fen sind. Unse­re Bevöl­ke­rung lei­det unter dem ein­ge­schränk­ten Zugang zur Gesund­heits­ver­sor­gung, dem Ver­lust von Arbeits­plät­zen und Ein­kom­men, Strom- und Was­ser­man­gel, Pro­ble­men bei der Beglei­chung von Rech­nun­gen und sogar dro­hen­den Zwangs­räu­mun­gen, wenn die Mie­te nicht mehr bezahlt wer­den kann. In ganz Afri­ka könn­te eine mas­si­ve Nah­rungs­mit­tel­kri­se dro­hen, da die infor­mel­len Märk­te geschlos­sen sind und die Sub­sis­tenz­wirt­schaft gefähr­det ist.

Der für Afri­ka pro­gnos­ti­zier­te Anstieg der glo­ba­len Tem­pe­ra­tu­ren ist ein Vor­bo­te des Zusam­men­bruchs, der Mensch­heit, Gesell­schaft und Umwelt betref­fen wird.

In die­ser Zeit der Kri­se grü­ßen wir, die unter­zeich­nen­den
afri­ka­ni­schen sozia­len Bewe­gun­gen, zivil­ge­sell­schaft­li­chen Orga­ni­sa­tio­nen und ihre
Ver­bün­de­ten, die Arbei­te­rin­nen und Arbei­ter auf der gan­zen Welt,
Kran­ken­schwes­tern, Ärz­te und ande­res Gesund­heits­per­so­nal, auf den Märk­ten und
in den Super­märk­ten, Stra­ßen­fe­ger, Müll­män­ner, Haus- und Pfle­ge­per­so­nal, Chauf­feu­re,
Last­wa­gen­fah­rer, Bau­ern und Bäue­rin­nen, Beschäf­tig­te in der Lebens­mit­tel- und
Ener­gie­ver­sor­gung und all die­je­ni­gen, die täg­lich arbei­ten müs­sen, um ihre
Fami­li­en zu ernäh­ren, für die muti­ge Arbeit und die Opfer, die sie brin­gen,
damit wir zu Hau­se blei­ben kön­nen, um das Virus ein­zu­däm­men.

Gemeinsam für eine neue Gesellschaft

Lei­der wird die Kli­ma­kri­se vor­an­schrei­ten, wäh­rend die Welt sich auf die Gesund­heits­kri­se von Covid-19 kon­zen­triert. Bei­de Kri­sen sind vom Men­schen ver­ur­sacht und haben ihren Ursprung in der Art und Wei­se, wie unse­re poli­ti­schen und wirt­schaft­li­chen Sys­te­me – getrie­ben vom Pro­fit­stre­ben – die Erde und ihre Bevöl­ke­rung behan­deln. Unser Kon­ti­nent und vie­le ande­re Tei­le der Welt lit­ten bereits erheb­lich unter der Kli­ma­kri­se, als die Erde von der Covid-19-Pan­de­mie heim­ge­sucht wur­de. Das süd­li­che Afri­ka lei­det noch immer unter den ver­hee­ren­den Wir­bel­stür­men Idaï und Ken­neth im letz­ten Jahr und steht vor ver­hee­ren­den Kli­ma­fol­gen wie Dür­ren, Über­schwem­mun­gen, Anstieg des Mee­res­spie­gels etc. Der für Afri­ka pro­gnos­ti­zier­te Anstieg der glo­ba­len Tem­pe­ra­tu­ren ist ein Vor­bo­te des Zusam­men­bruchs, der Mensch­heit, Gesell­schaft und Umwelt betref­fen wird.

Die „Struk­tur­an­pas­sungs“- und Spar­maß­nah­men, der Abbau des Staa­tes und der öffent­li­chen Diens­te, die Redu­zie­rung der sozia­len Diens­te, die Pri­va­ti­sie­rung der Grund­ver­sor­gungs­leis­tun­gen und die Ver­schul­dung haben dazu geführt, dass die afri­ka­ni­schen Staa­ten am wenigs­ten dar­auf vor­be­rei­tet sind, auf sol­che Kri­sen zu reagie­ren.

Die mul­ti­na­tio­na­len Kon­zer­ne, die in Kol­la­bo­ra­ti­on mit den afri­ka­ni­schen
Regie­run­gen und ande­ren Eli­ten unge­straft und über die Men­schen und den
Pla­ne­ten hin­weg ope­rie­ren, gehö­ren zu den Haupt­schul­di­gen an der gegen­wär­ti­gen Energie‑,
Klima‑, Ernäh­rungs- und Umwelt­kri­se. Ihre Geschäf­te haben die Lebens­grund­la­gen der
loka­len Gemein­schaf­ten rui­niert, indem sie sich das Land und die natür­li­chen
Res­sour­cen unter den Nagel geris­sen haben. Dabei haben sie unse­re Luft, unser
Was­ser und unse­re Böden ver­schmutzt sowie unse­re Gesund­heit und unser
Sozi­al­le­ben beein­träch­tigt. Der Groß­teil ihrer Pro­fi­te wird zumeist ille­gal aus
dem Land geschafft und lan­det in den vie­len Steu­er­oa­sen auf der gan­zen Welt.
Nun­mehr, wo der Roh­öl­preis zum ers­ten Mal in der Geschich­te unter null sinkt,
muss die Ära des Extrak­ti­vis­mus, der den Men­schen und dem Pla­ne­ten scha­det,
been­det wer­den. Es ist an der Zeit, sich von den fos­si­len Brenn­stof­fen und der
unheil­vol­len indus­tri­el­len Land­wirt­schaft zu ver­ab­schie­den.

Die gegen­wär­ti­ge Kri­se hat wegen des teil­wei­sen oder
kom­plet­ten Still­stands der Indus­trie­pro­duk­ti­on zu einem vor­über­ge­hen­den
Rück­gang der CO2-Emis­sio­nen und der Umwelt­ver­schmut­zung geführt.
Aber dies geht zu Las­ten der Arbeits­plät­ze und der Exis­tenz­si­che­rung der
Bewoh­ner unse­res Kon­ti­nents und ande­rer Men­schen, die unter pre­kä­ren
Bedin­gun­gen leben. Es han­delt sich also mit­nich­ten um einen „gerech­ten
Über­gang”, wie wir ihn mit unse­ren Mitstreiter*innen in der
Arbei­ter­be­we­gung gefor­dert haben. Zugleich wird offen­bar, dass vie­le
Regie­run­gen die Umwelt­auf­la­gen und den Umwelt­schutz abschaf­fen oder lockern, um
auf Teu­fel komm raus kurz­fris­ti­ge Inves­ti­tio­nen anzu­lo­cken, was aber nur zu
einer wei­te­ren Beein­träch­ti­gung der Umwelt füh­ren und den Kri­s­en­zy­klus
ver­schär­fen kann.

Wie jedoch die Luft­ver­schmut­zung in eini­gen Regio­nen, in
denen vor­über­ge­hend Trans­port und Indus­trie ein­ge­schränkt wur­den, zurück­ge­gan­gen
ist, zeigt aufs Deut­lichs­te, wie unhalt­bar unser „nor­ma­les” Wirt­schafts­le­ben
und die „nor­ma­le” Ent­wick­lung des Sys­tems eigent­lich sind. Die Erde wird
gedei­hen, wenn wir uns für eine ande­re Ent­wick­lung ent­schei­den, die jun­gen
Men­schen wer­den zum ers­ten Mal in ihrem Leben einen kla­ren blau­en Him­mel sehen
und Mil­lio­nen von Men­schen mit Asth­ma wer­den bes­ser Luft bekom­men, wie sich
momen­tan zeigt.

Die „Struk­tur­an­pas­sungs“- und Spar­maß­nah­men, der Abbau des
Staa­tes und der öffent­li­chen Diens­te, die Redu­zie­rung der sozia­len Diens­te, die
Pri­va­ti­sie­rung der Grund­ver­sor­gungs­leis­tun­gen und die Ver­schul­dung haben dazu
geführt, dass die afri­ka­ni­schen Staa­ten am wenigs­ten dar­auf vor­be­rei­tet sind,
auf sol­che Kri­sen zu reagie­ren. Die­se Situa­ti­on hat ihre Wur­zeln in der
kolo­nia­len und post­ko­lo­nia­len Geschich­te Afri­kas und in unse­ren Bezie­hun­gen zu den
neo­li­be­ra­len Finanz­in­sti­tu­tio­nen wie dem Inter­na­tio­na­len Wäh­rungs­fonds (IWF)
und der Welt­bank, die unter der Bedin­gung von „Struk­tur­an­pas­sun­gen“ gro­ße
Kre­dit­sum­men zu hohen Zins­sät­zen ver­ge­ben haben. Wir dür­fen nicht zulas­sen,
dass sich die­sel­ben Prak­ti­ken in unse­rem Umgang mit der Neu­en Ent­wick­lungs­bank oder
einer ande­ren der­ar­ti­gen Insti­tu­ti­on wie­der­ho­len. Sämt­li­che Kon­di­tio­nen in
Ver­bin­dung mit Unter­stüt­zungs­leis­tun­gen und/​oder Soli­da­ri­täts­dar­le­hen müs­sen im
Sin­ne einer neu zu schaf­fen­den und ehr­li­chen Demo­kra­tie offen­ge­legt wer­den.

Nichts darf bleiben, wie es ist

Die rasche Reak­ti­on von Regie­run­gen und ande­ren Akteu­ren auf
die Covid-19-Pan­de­mie offen­bart auch das welt­wei­te Unver­mö­gen, auf die Kli­ma-
und ande­re Kri­sen ernst­haft zu reagie­ren. Dabei liegt auf der Hand, dass die
Bewäl­ti­gung der Kri­se unbe­dingt den poli­ti­schen Wil­len erfor­dert, gewal­ti­ge
Res­sour­cen auf­zu­brin­gen und poli­tisch anders vor­zu­ge­hen, um gegen die Kri­se
vor­zu­ge­hen und alle Anstren­gun­gen auf ihre Ein­däm­mung und Been­di­gung
aus­zu­rich­ten.

Wir kön­nen nicht zur Nor­ma­li­tät zurück­keh­ren. Wir müs­sen
eine ande­re Welt, ein ande­res Afri­ka schaf­fen und die jet­zi­ge Situa­ti­on nut­zen,
um eine Wen­de für unse­re Regi­on und die Welt ein­zu­lei­ten. Die Covid-19-Pan­de­mie
zeigt, dass wir drin­gend die Lösungs­vor­schlä­ge umset­zen müs­sen, die wir als
Grup­pen für Kli­ma­ge­rech­tig­keit in ganz Afri­ka als vor­dring­lich bezeich­net
haben. Das ist unse­re Hoff­nung. Die Rück­kehr zum gegen­wär­ti­gen Sys­tem kann
kei­ne Opti­on sein. Wir brau­chen Ant­wor­ten auf der Grund­la­ge neu­er For­men des
Regio­na­lis­mus und der Soli­da­ri­tät für den Wie­der­auf­bau und den Über­gang, die
für alle, ins­be­son­de­re für die Armen und Schwächs­ten, fair und gerecht sind.
Dazu ver­pflich­ten wir uns und rufen die Bewe­gun­gen und zivil­ge­sell­schaft­li­chen
Orga­ni­sa­tio­nen in Afri­ka und auf der gan­zen Welt auf, sich uns im Kampf für
eine neue Welt anzu­schlie­ßen.

Unsere Forderungen für einen gerechten Neuanfang in Afrika und anderswo

Siche­rung der
Daseins­vor­sor­ge, der Ernäh­rung, Was­ser­ver­sor­gung und des Gesund­heits­sys­tems:

  • Bereit­stel­lung von Schutz­aus­rüs­tung für alle Beschäf­tig­ten des Gesund­heits­we­sens und die Beschäf­tig­ten an vor­ders­ter Front der ele­men­ta­ren Berei­che, wie z.B. Müll­ab­fuhr, Lebens­mit­tel­ver­sor­gung, Klein­ge­wer­be und Pro­duk­ti­on von Lebens­mit­teln etc.
  • Die Gesund­heits­sys­te­me in ganz Afri­ka müs­sen voll­stän­dig über­prüft und über­holt wer­den, und kos­ten­lo­se und gut zugäng­li­che Gesund­heits­diens­te müs­sen allen Afrikaner*innen als Men­schen­recht zur Ver­fü­gung gestellt wer­den. Afri­ka muss sei­ne eige­nen Kapa­zi­tä­ten aus­bau­en, um sei­ne eige­nen Heil­mit­tel zu ent­wi­ckeln und um auf sei­nem Ter­ri­to­ri­um Medi­ka­men­te und medi­zi­ni­sche Aus­rüs­tungs­gü­ter für die eige­ne Bevöl­ke­rung her­zu­stel­len, und zwar im Rah­men öffent­li­chen Eigen­tums und basie­rend auf dem Prin­zip der Sou­ve­rä­ni­tät der Völ­ker anstel­le der pri­va­ten Pro­fit­gier, damit wir nicht alles aus dem Aus­land impor­tie­ren müs­sen.
  • Jeder Impf­stoff, der zur Bekämp­fung von Covid-19 ent­wi­ckelt wird, muss patent­frei und für alle Men­schen auf der gan­zen Welt kos­ten­los ver­füg­bar sein. Unse­re Bewohner*innen dür­fen nicht als Ver­suchs­ka­nin­chen miss­braucht wer­den, um neue Impf­stof­fe zu tes­ten, und die Tests müs­sen trans­pa­rent geneh­migt und welt­weit durch­ge­führt wer­den.
  • Alle afri­ka­ni­schen Staa­ten müs­sen die Bau­ern, Klein­bau­ern und Pro­du­zen­ten von Grund­nah­rungs­mit­teln als wirt­schaft­li­chen Schlüs­sel­sek­tor in die­ser Kri­se behan­deln. Alle Not­hil­fe­maß­nah­men müs­sen sich an der Erklä­rung der Ver­ein­ten Natio­nen für die „Rech­te von Klein­bau­ern und ande­ren Men­schen, die in länd­li­chen Regio­nen arbei­ten“ (UNDROP) ori­en­tie­ren.
  • Die afri­ka­ni­schen Staa­ten müs­sen sich ver­pflich­ten, vor­ran­gig den Gemein­den zu Hil­fe zu kom­men, die unter Was­ser­knapp­heit lei­den, nament­lich durch den Ein­satz von Was­ser­tan­kern, da die aus­rei­chen­de Ver­sor­gung mit Was­ser für die Bekämp­fung die­ses Virus essen­ti­ell ist.
  • Ein Mora­to­ri­um für alle Zwangs­räu­mun­gen muss ver­hängt und die öffent­li­chen Diens­te für die Dau­er der Pan­de­mie auf­recht erhal­ten wer­den, wobei den armen Fami­li­en und den Schutz­lo­ses­ten Vor­rang ein­ge­räumt wer­den muss.
  • In ganz Afri­ka müs­sen emis­si­ons­ar­me öffent­li­che Ver­kehrs­mit­tel auf loka­ler und regio­na­ler Ebe­ne ent­wi­ckelt wer­den, damit wir nicht von teu­ren und umwelt­schäd­li­chen Flü­gen und dem Indi­vi­du­al­ver­kehr abhän­gig sind, wie es der­zeit der Fall ist.

Reor­ga­ni­sa­ti­on der Wirt­schaft und beson­ders des Pfle­ge­sek­tors:

  • In Anbe­tracht der unge­rech­ten geschlechts­spe­zi­fi­schen Arbeits­tei­lung muss eine Umver­tei­lung und Auf­wer­tung der all­täg­li­chen Pfle­ge­ar­beit (eine häus­li­che Tätig­keit, die der­zeit über­wie­gend von Frau­en geleis­tet wird) durch­ge­setzt wer­den. Frau­en reprä­sen­tie­ren auch die Mehr­heit der Beschäf­tig­ten im Gesund­heits­we­sen.
  • Unter­stüt­zung der loka­len Wirt­schaft, ins­be­son­de­re der loka­len Lebens­mit­tel­er­zeu­gung für den loka­len Gebrauch.
  • Ein­füh­rung eines uni­ver­sel­len und/​oder Grund­ein­kom­mens zur Siche­rung des Lebens­un­ter­halts und der Fami­li­en.

Schluss mit der För­de­rung
fos­si­ler Brenn­stof­fe und dem Extrak­ti­vis­mus:

  • Alle lau­fen­den Pro­jek­te zur Gewin­nung fos­si­ler Brenn­stof­fe und Roh­stof­fe und der indus­tri­el­len Land­wirt­schaft (ins­be­son­de­re mit Gen­tech­nik) müs­sen wäh­rend und nach der Coro­na-Kri­se gestoppt wer­den, und zwar in allen afri­ka­ni­schen Län­dern, unab­hän­gig davon, wo die Unter­neh­men ihren Sitz haben. Staat­li­che Sub­ven­tio­nen für die fos­si­le Brenn­stoff­in­dus­trie und den mili­tä­risch-indus­tri­el­len Kom­plex müs­sen eben­falls gestoppt wer­den.
  • Die Pro­jek­te zur Roh­stoff­ge­win­nung müs­sen trans­pa­rent und demo­kra­tisch bewer­tet wer­den und die Res­sour­cen den von die­sen Pro­jek­ten betrof­fe­nen Men­schen und Gemein­schaf­ten, ein­schließ­lich der Beschäf­tig­ten in die­sen Sek­to­ren, zugu­te kom­men.
  • Die­se Pro­jek­te bedür­fen der Zustim­mung der Gemein­schaf­ten, die auch das Recht erhal­ten müs­sen, schäd­li­che Pro­jek­te abzu­leh­nen und die­se einer demo­kra­ti­schen Anhö­rung zu unter­zie­hen. Die Regie­run­gen dür­fen weder die Umwelt­ge­set­ze und ‑vor­schrif­ten, die die Betei­li­gung der Öffent­lich­keit garan­tie­ren, noch ande­re Grund­rech­te miss­ach­ten.
  • Vor allem müs­sen die afri­ka­ni­schen Staa­ten die Macht­ha­ber, ein­schließ­lich der Poli­zei- und Mili­tär­füh­rung, zur Rechen­schaft zie­hen. Dar­über hin­aus müs­sen die zuneh­men­den Fäl­le von Miss­brauch und unge­recht­fer­tig­ter Gewalt wäh­rend und nach der Pan­de­mie unver­züg­lich unter­bun­den wer­den. Es müs­sen unab­hän­gi­ge Ermitt­lungs­or­ga­ne und Schieds­stel­len ein­ge­rich­tet wer­den, damit die Bür­ger sich frei äußern kön­nen, ohne Men­schen­rechts­ver­let­zun­gen befürch­ten zu müs­sen. Die Gewalt muss auf­hö­ren.

Schluss mit der
Spar­po­li­tik und der Schul­den­kri­se; Aner­ken­nung der Kli­ma­schuld:

  • Die Finanz­hil­fen zur Bekämp­fung von Covid-19 und der wirt­schaft­li­chen Fol­gen in den afri­ka­ni­schen Län­dern dür­fen nur in Form von Bei­hil­fen und nicht als Kre­di­te gewährt wer­den und nicht mit irgend­wel­chen Auf­la­gen, etwa als Struk­tur­an­pas­sungs­maß­nah­men, ver­bun­den sein, weil dies zwangs­läu­fig wie­der nur zu Las­ten der Daseins­vor­sor­ge gin­ge.
  • Die Spar­maß­nah­men und die Struk­tur­an­pas­sun­gen müs­sen been­det wer­den. Statt­des­sen müs­sen die Grund­rech­te auf Gesund­heits­ver­sor­gung, Bil­dung und Erzie­hung und eine Grund­ver­sor­gung für alle Men­schen in Afri­ka und anders­wo gewähr­leis­tet wer­den.
  • Alle von den inter­na­tio­na­len Finanz­in­sti­tu­tio­nen auf­er­leg­ten his­to­ri­schen Schul­den müs­sen mit sofor­ti­ger Wir­kung erlas­sen wer­den. Die­se Schul­den wer­den die Regie­run­gen bei der Bekämp­fung der Coro­na-Kri­se nur wei­ter läh­men.
  • Die his­to­ri­sche Kli­ma­schuld des glo­ba­len Nor­dens gegen­über Afri­ka und den übri­gen Län­dern des glo­ba­len Südens muss end­lich aner­kannt wer­den. Dem­nach darf die finan­zi­el­le Unter­stüt­zung für Afri­ka die Schul­den­kri­se nicht wei­ter ver­schlim­mern.
  • Die afri­ka­ni­schen Staa­ten müs­sen ener­gi­sche Maß­nah­men ergrei­fen, um kor­rup­te Beam­te und Kor­rup­ti­ons­net­ze zu besei­ti­gen, die poli­ti­sches Kapi­tal aus der Unter­stüt­zung für beson­ders gefähr­de­te Fami­li­en wäh­rend die­ser Pan­de­mie schla­gen, deren Bekämp­fung erschwe­ren und die Kri­se für unmo­ra­li­sche Zwe­cke zu ihrem eige­nen Vor­teil aus­schlach­ten.

Ein gerech­ter
Neu­be­ginn:

  • Kon­junk­tur­pa­ke­te müs­sen zunächst den ärms­ten und schwächs­ten Men­schen zugu­te kom­men, anstatt die Groß­un­ter­neh­men wie­der zu ali­men­tie­ren. Unter­stüt­zungs­leis­tun­gen soll­ten nur den von Unter­neh­mens­schlie­ßun­gen betrof­fe­nen Beschäf­tig­ten gewährt wer­den.
  • Der unkon­trol­lier­ten Macht der Unter­neh­men müs­sen ernst­haf­te Gren­zen gesetzt wer­den, und die ihnen auf­er­leg­ten Maß­nah­men zur Rechen­schafts­le­gung müs­sen ver­stärkt wer­den.
  • Wir wün­schen uns einen ganz­heit­li­chen und gerech­ten Neu­be­ginn. Dafür müs­sen ins­be­son­de­re die tie­fe­ren Ursa­chen für die Coro­na-Kri­se und die Kli­ma­kri­se ana­ly­siert wer­den. Das­sel­be gilt für die erfor­der­li­chen Maß­nah­men, um den Fort­be­stand der Gesell­schaft zu sichern.
  • Es bedarf einer bewuss­ten poli­ti­schen Anstren­gung, um die­se Pan­de­mie zu über­win­den und sozia­le und öko­no­mi­sche Ver­hält­nis­se zu schaf­fen, in denen das Wohl der Men­schen und des Pla­ne­ten im Mit­tel­punkt steht. Dafür brau­chen wir einen gerech­ten Über­gang und einen gerech­ten Neu­an­fang.

Lis­te der Erst­un­ter­zeich­ner (in alpha­be­ti­scher
Rei­hen­fol­ge):

1. Cent­re
for Alter­na­ti­ve Rese­arch and Stu­dies (CARES), Mau­ri­ti­us
2. Cent­re for Natu­ral Resour­ces Gover­nan­ce (CNRG), Zim­bab­we
3. Far­mers Move­ment, Sene­gal
4. Friends of the Earth Afri­ca
5. Grain Afri­ca
6. Ground­Work (Friends of the Earth South Afri­ca)
7. Health of Mother Earth Foun­da­ti­on
8. Jus­ti­ça Ambi­en­tal (Friends of the Earth Mozam­bi­que)
9. Khel­kom Fishers Asso­cia­ti­on
10. La Via Cam­pe­si­na Afri­ca
11. Lumie­re Syn­er­gie pour le Deve­lo­p­pe­ment (LSD)
12. Peo­p­les Dia­lo­gue Sou­thern Afri­ca
13. Rural Womens Assem­bly
14. Save Lamu move­ment, Kenya
15. South Dur­ban Com­mu­ni­ty Envi­ron­men­tal Alli­an­ce
(SDCEA)
16. WoMin Afri­can Alli­an­ce
17. World March of Women

Über­set­zung:
MiWe

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