[KgK:] China in der Welt(-Un)ordnung

Im Jahr 2020 hat die „öffent­li­che Mei­nung“ über Chi­na bis­her die gan­ze Ska­la durch­lau­fen. Chi­na wur­de zunächst für sei­nen Umgang mit Covid-19 ange­pran­gert. In der Fol­ge wur­de es gelobt, als sich die Pan­de­mie auf der gan­zen Welt aus­brei­te­te, ande­re Län­der deut­lich schlech­ter dran waren und Chi­na sei­ne „huma­ni­tä­re“ Hil­fe in Form von Test­kits, Mas­ken, Beatmungs­ge­rä­ten und ande­ren Spen­den in die gan­ze Welt schick­te. Als dann Zehn­tau­sen­de die­ser in ande­re Län­der ver­schick­ten Dia­gnos­tik-Kits fehl­schlu­gen, wur­de Chi­na lächer­lich gemacht. Dies ist ein Bei­spiel für die 1), die sich dar­in äußert, wie über den asia­ti­schen Rie­sen in der inter­na­tio­na­len Pres­se berich­tet wird. Dies erstreckt sich auch auf jede Ana­ly­se der Her­aus­for­de­rung, die Chi­na für die impe­ria­lis­ti­schen Mäch­te dar­stel­len könn­te.

China im kapitalistischen Weltsystem

Per­ry Ander­son schrieb 2013, dass mit dem Auf­stre­ben Chi­nas „die Logik der lang­fris­ti­gen ame­ri­ka­ni­schen Groß­stra­te­gie droh­te, sich gegen sich selbst zu wen­den. Ihre Prä­mis­se war immer die Har­mo­nie des Uni­ver­sa­len und des Par­ti­ku­la­ren gewe­sen – die all­ge­mei­nen Inter­es­sen des Kapi­tals, die durch die inter­na­tio­na­le Vor­macht­stel­lung der USA gesi­chert waren“. Aber unter die­sen neu­en Bedin­gun­gen „ist die US-ame­ri­ka­ni­sche Vor­macht nicht mehr der auto­ma­ti­sche Grund­pfei­ler der Zivi­li­sa­ti­on des Kapi­tals“ 2).

Sie­ben Jah­re spä­ter hat sich der beschrie­be­ne Trend unge­hin­dert ver­schärft, so wie Donald Trump kurz nach dem Antritt als der US-Prä­si­dent 2016 einen „Han­dels­krieg“ gegen Chi­na begann. Die­ser Krieg hat­te sei­ne Höhen und Tie­fen auf­grund der wech­seln­den poli­ti­schen Bedürf­nis­se des Prä­si­den­ten, aber im Kern geht es um die stra­te­gi­schen Inter­es­sen der Ein­däm­mung Chi­nas und den Kampf um die tech­no­lo­gi­sche Vor­macht­stel­lung. Die­se Inter­es­sen wer­den sogar von der Mehr­heit des poli­ti­schen und wirt­schaft­li­chen Estab­lish­ments geteilt, die nicht auf Trumps Slo­gan „Ame­ri­ca First“ ein­ge­schwo­ren ist und wegen des zugrun­de lie­gen­den Ziels sogar in der Euro­päi­schen Uni­on und in Japan Unter­stüt­zung fin­det, trotz des Miss­trau­ens gegen­über dem oran­ge­haa­ri­gen Prä­si­den­ten, und selbst wenn sie die Instru­men­te, die er für die Stra­te­gie ein­setzt, in Fra­ge stel­len.

Der „Auf­stieg“ Chi­nas, deren con­di­tio sine qua non die durch die Revo­lu­ti­on von 1949 erreich­te natio­na­le Ein­heit war, wur­de durch die Inter­na­tio­na­li­sie­rung der Pro­duk­ti­on unter­stützt, die der Kapi­ta­lis­mus ab Ende der 1970er Jah­re voll­zog (ange­trie­ben von den gro­ßen mul­ti­na­tio­na­len Kon­zer­nen, die ihre Ren­ta­bi­li­tät durch die Aus­beu­tung der bil­li­gen Arbeits­kräf­te auf der gan­zen Welt stei­gern woll­ten. Dadurch wur­de Chi­na zu einem Aus­nah­me­fall „ver­schärf­ter unglei­cher und kom­bi­nier­ter Ent­wick­lung“ 3). Auf­grund der eigen­tüm­li­chen Kom­bi­na­ti­on aus mas­si­ver wirt­schaft­li­cher Rück­stän­dig­keit (die „jung­fräu­li­ches“ Ter­rain für Inves­ti­tio­nen bot) und einem gro­ßen Reser­voir poten­zi­el­ler Nied­rig­lohn­ar­beits­kräf­te dank des enor­men länd­li­chen Bevöl­ke­rungs­an­teils wur­de Chi­na als das mög­li­che Mek­ka für die so genann­ten glo­ba­len Wert­schöp­fungs­ket­ten ange­se­hen, die in den 1980er Jah­ren Gestalt annah­men und sich in den 1990er Jah­ren rasch ent­wi­ckel­ten.

Auf die­ser Grund­la­ge setzt sich Chi­na seit min­des­tens 15 Jah­ren dafür ein, eine Alche­mie zu errei­chen, wie sie ab der zwei­ten Hälf­te des 20. Jahr­hun­derts bis­her in kei­nem ande­ren spä­t­in­dus­tria­li­sier­ten Land gelang: aus dem so genann­ten „Wett­lauf nach unten“ her­aus­zu­kom­men, der die Art von Wett­be­werb kenn­zeich­net, zu dem die rück­stän­digs­ten Volks­wirt­schaf­ten gezwun­gen sind, um Kapi­tal anzu­zie­hen – indem sie den Unter­neh­men die bes­ten Bedin­gun­gen (nied­ri­ge­re Steu­ern, nied­ri­ge­re Löh­ne, Zoll­frei­zo­nen, begrenz­te Umwelt­auf­la­gen) im Aus­tausch gegen Umwelt- und Sozi­al­dum­ping bie­ten 4) –, damit es sich dem „Wett­lauf nach oben“ in Bezug auf Wert­schöp­fung und [kapi­ta­lis­ti­scher] Ent­wick­lung anschlie­ßen kann. Laut Enri­que Arceo gehö­ren Süd­ko­rea und Tai­wan (die der chi­ne­si­sche Staat eines Tages voll­stän­dig reinte­grie­ren will) zu den weni­gen rela­tiv erfolg­rei­chen Bei­spie­len, die „obwohl sie nicht auf­ge­hört haben, peri­phe­re Län­der zu sein“, den­noch „einen nach­hal­ti­gen Pro­zess des Auf­baus eines Indus­trie­sys­tems ein­ge­lei­tet haben“, ein Kon­zept, das der Autor der zer­split­ter­ten Indus­tria­li­sie­rung gegen­über­stellt, die die meis­ten Inves­ti­tio­nen im Zusam­men­hang mit glo­ba­len Wert­schöp­fungs­ket­ten kenn­zeich­net.5) In dem Bemü­hen, die Ergeb­nis­se die­ser weni­gen „erfolg­rei­chen“ Bei­spie­le aus dem letz­ten hal­ben Jahr­hun­dert der Ent­wick­lung durch Export­in­dus­tria­li­sie­rung nach­zu­ah­men, hat Chi­na – das seit lan­gem der wich­tigs­te indus­tri­el­le Expor­teur ist – eine lang­sa­me, aber anhal­ten­de Stei­ge­rung des loka­len Inte­gra­ti­ons­ni­veaus der Pro­duk­ti­on geför­dert und erreicht (d.h. es ist immer weni­ger ein Zen­trum für die Mon­ta­ge von Kom­po­nen­ten, die aus Fabri­ken in Korea, Tai­wan, Sin­ga­pur und ande­ren Län­dern ein­ge­führt werden).China unter­schei­det sich von den ande­ren gera­de erwähn­ten Län­dern durch die Vor­herr­schaft staats­ei­ge­ner Unter­neh­men (SOEs), die seit Ende der 1980er Jah­re wäh­rend der zwei­ten Peri­ode der Reform­öff­nung den Pri­vat­sek­tor „ver­drängt und unter­wor­fen“ haben; die­se Ent­wick­lung nahm ihren Anfang 1978 zu Beginn der Regent­schaft von Deng Xiao­ping.6)

Aber Chi­na ist nicht Süd­ko­rea oder Tai­wan, und zwar aus einem ande­ren fun­da­men­ta­len Grund: Es ist das bevöl­ke­rungs­reichs­te Land der Erde. Allein sein Ein­tritt in die glo­ba­len Kapi­tal­kreis­läu­fe trug zur Hälf­te oder mehr der glo­ba­len „Ver­dop­pe­lung der Erwerbs­be­völ­ke­rung“ bei, über die in den letz­ten Jahr­zehn­ten viel dis­ku­tiert wur­de, und sei­ne Bemü­hun­gen, in der Rang­lis­te der Wirt­schafts­mäch­te auf­zu­stei­gen, sind allein von die­sem Umfang her stö­rend. Gemes­sen am Brut­to­in­lands­pro­dukt ist sie die zweit­größ­te Volks­wirt­schaft der Welt und könn­te die USA im nächs­ten Jahr­zehnt über­ho­len,7) obwohl sei­ne Pro­duk­ti­vi­tät immer noch weit von der der ent­wi­ckel­ten Volks­wirt­schaf­ten ent­fernt ist; und selbst wenn Chi­na sich dies nicht zum Ziel gesetzt hät­te, wür­de sei­ne wach­sen­de Bedeu­tung von den rei­chen Län­dern unwei­ger­lich als Bedro­hung ihrer beherr­schen­den Stel­lung ange­se­hen wer­den. Auf­grund sei­ner Rol­le bei den glo­ba­len Indus­trie­ex­por­ten und zuneh­mend auch auf­grund der Grö­ße sei­nes Mark­tes konn­te Chi­na – mit gemisch­tem Erfolg – Tech­no­lo­gie­trans­fer­ab­kom­men abschlie­ßen (sofern es nicht gera­de geis­ti­ges Eigen­tum stiehlt).

Der Wen­de­punkt kam unter den Bedin­gun­gen nach der Wirt­schafts­kri­se von 2008. Chi­nas Export­wachs­tum wur­de durch den hohen US-Kon­sum getra­gen, der weit­ge­hend durch Schul­den gestützt wur­de. Die­ser brach wäh­rend der rezes­si­ven Jah­re ein und reak­ti­vier­te sich dann in einem Aus­mass, das nicht aus­reich­te, um das Wachs­tum Chi­nas auf­recht­zu­er­hal­ten, das bis 2015 bei über 7 Pro­zent pro Jahr blieb. Seit der Kri­se ver­sucht die zen­tra­le Büro­kra­tie der chi­ne­si­schen Kom­mu­nis­ti­schen Par­tei, die Wirt­schaft „wie­der ins Gleich­ge­wicht zu brin­gen“, indem sie sich stär­ker auf die Inlands­nach­fra­ge abstüt­zen soll­te. Doch dies führ­te letzt­end­lich zu einem Inves­ti­ti­ons­über­schuss (mit Raten, die durch die Schaf­fung nicht aus­ge­las­te­ter Infra­struk­tur 50% des BIP erreich­ten), wäh­rend der Kon­sum schwach blieb. Außer­halb des mitt­le­ren Sek­tors und einer Eli­te, die in der Hit­ze der kapi­ta­lis­ti­schen Ent­wick­lung zu Mil­lio­nä­ren wur­de, sind die Löh­ne inter­na­tio­nal auf nied­ri­gem Niveau ver­blie­ben, auch wenn sie gegen­über dem Niveau von vor 20 Jah­ren erheb­lich gestie­gen sind. Dies erklärt den Start der neu­en „Belt and Road Initia­ti­ve“ (BRI), die eine neue „Sei­den­stra­ße“ sein soll, in dem Ver­such, einen inte­grier­ten glo­ba­len Raum zu schaf­fen, um mehr chi­ne­si­sche Waren auf­zu­neh­men und Inves­ti­tio­nen anzu­hei­zen. Aber schon vor der BRI ver­brei­te­ten sich chi­ne­si­sche Inves­ti­tio­nen in so unter­schied­li­chen Sek­to­ren wie Land­wirt­schaft und Berg­bau sowie im Bereich der Gebäu­de­in­fra­struk­tur über die gan­ze Welt und über­tra­fen an eini­gen Orten – wie auf dem afri­ka­ni­schen Kon­ti­nent – die Prä­senz der USA oder der euro­päi­schen Mäch­te. Wenn es noch immer eini­ge gibt, die die Illu­si­on hegen, dass Chi­na ein Gegen­ge­wicht zu den impe­ria­lis­ti­schen Mäch­ten bil­den kann, indem es eine „wohl­wol­len­de­re“ Rol­le gegen­über den armen Län­dern und den Ent­wick­lungs­län­dern spielt,8) so wird die­se Illu­si­on durch sei­ne Rol­le in die­sen Län­dern wider­legt. Es gleicht viel­mehr der Rol­le, die die euro­päi­schen Län­der im 19. und frü­hen 20. Jahr­hun­dert spiel­ten.

Die Gro­ße Rezes­si­on zwang auch Chi­na und die USA, sich deut­li­cher als Kon­kur­ren­ten zu posi­tio­nie­ren. Obwohl das Pen­ta­gon und ame­ri­ka­ni­sche Think Tanks bereits Kon­flikt-Sze­na­ri­en und Ein­däm­mungs­stra­te­gien ent­wi­ckelt hat­ten,9) war die Kri­se ein Wen­de­punkt. Oba­mas Anpran­ge­rung der „Wäh­rungs­ma­ni­pu­la­ti­on“ wur­de immer nach­drück­li­cher, gera­de als die Ver­ei­nig­ten Staa­ten durch ihre „quan­ti­ta­ti­ve Locke­rung“ die Welt mit Dol­lars über­schwemm­ten, um die US-Wirt­schaft anzu­kur­beln.10) Auch Han­dels­ab­kom­men, die dar­auf abziel­ten, Chi­na aus­zu­schlie­ßen (der Tran­spa­zi­fik-Ver­trag), nah­men in die­sen Jah­ren zu. Auf chi­ne­si­scher Sei­te führ­te Xi Jin­ping das Land durch eine natio­na­lis­ti­sche­re Wen­de, die sich bereits in den vor­an­ge­gan­ge­nen Jah­ren abge­zeich­net hat­te, und er wur­de zu einem zuneh­mend aggres­si­ven Akteur auf der inter­na­tio­na­len Büh­ne. Als Trump mit sei­nem Slo­gan „Ame­ri­ca First“ und den „Han­dels­krie­gen“ Prä­si­dent wur­de, änder­te sich die Außen­po­li­tik der USA in vie­ler­lei Hin­sicht. Aber mit Chi­na eska­lier­te sie schlicht­weg und rück­te Han­dels­bar­rie­ren (anstatt Chi­na ein­fach von Abkom­men mit ande­ren Län­dern aus­zu­schlie­ßen) in den Mit­tel­punkt des Streits.

Seit den 2000er Jah­ren hat der asia­ti­sche Rie­se alle Anstren­gun­gen unter­nom­men, um das Wachs­tum sei­ner „natio­na­len Champion“-Firmen zu stär­ken. Indem Chi­na die Expan­si­on die­ser Fir­men in der gan­zen Welt unter­stützt, ver­sucht es zuneh­mend, das­sel­be Spiel zu spie­len, das die impe­ria­lis­ti­schen Mäch­te in den letz­ten Jahr­zehn­ten gespielt haben: die Kon­zen­tra­ti­on und Zen­tra­li­sie­rung des Kapi­tals in der gan­zen Welt, die es den mul­ti­na­tio­na­len Fir­men ermög­lich­te, ihre Domi­nanz in den Wert­schöp­fungs­ket­ten zu kon­so­li­die­ren und die Lohn­un­ter­schie­de und den Wett­be­werb zwi­schen den Län­dern aus­zu­nut­zen, um durch Steu­er­sen­kun­gen und ande­re Ver­güns­ti­gun­gen Kapi­tal anzu­zie­hen und sich so einen grö­ße­ren Anteil des welt­weit erwirt­schaf­te­ten Mehr­werts anzu­eig­nen (der schließ­lich in Steu­er­oa­sen lan­det).

Als ob dies noch nicht genug wäre, hat Chi­na in den letz­ten Jah­ren begon­nen, sich auf das Gebiet zu drän­gen, auf dem die USA ihre Vor­herr­schaft begrün­det haben: die tech­no­lo­gi­sche Inno­va­ti­on.

Chinas globale Position, in Zahlen

Chi­na ist nach den USA der wich­tigs­te Bestim­mungs­ort für aus­län­di­sche Direkt­in­ves­ti­tio­nen (FDI) – Kapi­tal­strö­me zwi­schen Län­dern für pro­duk­ti­ve Unter­neh­mun­gen oder den Kauf von Unter­neh­men. Die USA erhiel­ten 16 Pro­zent der welt­wei­ten FDI im Jahr 2019, und Chi­na erhielt 13,6 Pro­zent. Aber gleich­zei­tig, und anders als noch vor einem Jahr­zehnt, sind die FDI aus Chi­na in den Rest der Welt zu einem sehr beträcht­li­chen Betrag gewor­den. Der Spit­zen­rei­ter bei den FDI-Abflüs­sen im Jahr 2019 war Japan (das sich mit den USA an der Spit­ze abwech­sel­te), auf das 17 Pro­zent der FDI-Abflüs­se aus Chi­na ent­fie­len. Es folg­ten die USA (9,5%), die Nie­der­lan­de (9,4%) und Chi­na an vier­ter Stel­le (8,9%). Auf­grund ihrer his­to­ri­schen Posi­ti­on als Inves­tor hin­ken die USA weit hin­ter­her, wenn es um die akku­mu­lier­ten aus­län­di­schen Direkt­in­ves­ti­tio­nen geht: Der US-Impe­ria­lis­mus macht 22 Pro­zent der gesam­ten Aus­lands­in­ves­ti­tio­nen aus, gefolgt von den Nie­der­lan­den (7,3 Pro­zent der Gesamt­in­ves­ti­tio­nen), Chi­na (6 Pro­zent) und Japan (5,2 Pro­zent). Natür­lich sind FDI im Zeit­al­ter der glo­ba­len Wert­schöp­fungs­ket­ten eine Zahl, die mit Vor­sicht zu genie­ßen ist. Ein gro­ßer Teil der Expan­si­on mul­ti­na­tio­na­ler Unter­neh­men erfolg­te über Toch­ter­ge­sell­schaf­ten, mit denen sie Ver­trä­ge abschlie­ßen, aber ohne jeg­li­che Eigen­tums- oder Betei­li­gungs­ver­hält­nis­se, die sie ver­bin­den. Wenn wir nur Inves­ti­tio­nen berück­sich­ti­gen, unter­schät­zen wir mög­li­cher­wei­se die Füh­rung und Kon­trol­le der glo­ba­len Pro­duk­ti­on, die von gro­ßen Unter­neh­men in den Ver­ei­nig­ten Staa­ten, der Euro­päi­schen Uni­on und Japan gehal­ten wird.

Im Jahr 2013 zähl­te Chi­na nur 14 Unter­neh­men zu den Glo­bal For­tu­ne 500. Wenn wir die­se US-Fir­men mit denen in Chi­na ver­glei­chen, stel­len wir fest, dass selbst mit 20 Pro­zent weni­ger Unter­neh­men auf der Lis­te die US-Fir­men mehr Ein­nah­men erziel­ten (8,7 Bil­lio­nen Dol­lar gegen­über 7,9 Bil­lio­nen Dol­lar bei den chi­ne­si­schen Fir­men), und zwar bei gleich­zei­tig gerin­ge­ren Aus­ga­ben für Ver­mö­gens­wer­te, was bedeu­tet, dass sie pro­fi­ta­bler sind. Aber die US-ame­ri­ka­ni­schen Fir­men sind in abso­lu­ten Zah­len noch pro­fi­ta­bler: die 670 Mil­li­ar­den Dol­lar Gesamt­ge­winn der 99 US-Fir­men sind 61 Pro­zent höher als die der 119 chi­ne­si­schen Fir­men. Mit ande­ren Wor­ten, ein Ver­gleich der Unter­neh­men bei­der Län­der in Bezug auf „Effi­zi­enz“ zeigt, dass die US-ame­ri­ka­ni­schen Fir­men ins­ge­samt meh­re­re Vor­tei­le haben.11

Betrach­tet man die Inno­va­ti­ons­leis­tung, sehen wir ein ähn­li­ches Bild. Chi­nas unan­ge­foch­te­ner Vor­teil mit Hua­wei bei 5G, einer Tech­no­lo­gie, die ver­spricht, der Schlüs­sel zum Inter­net der Din­ge zu wer­den, und die viel­fäl­ti­gen Aus­wir­kun­gen auf die Sicher­heit hat, lässt in Washing­ton alle Alarm­glo­cken läu­ten.

Im Jahr 2019 wur­de Chi­na mit 58.990 Anmel­dun­gen zum ers­ten Mal zum größ­ten Nut­zer des inter­na­tio­na­len Patent­sys­tems. Es folg­ten die Ver­ei­nig­ten Staa­ten (57.840), Japan (52.660), Deutsch­land (19.353) und Süd­ko­rea (19.085).

In der 2019 von der Euro­päi­schen Kom­mis­si­on ver­öf­fent­lich­ten Rang­lis­te der 2.500 Unter­neh­men der Welt, die am meis­ten in For­schung und Ent­wick­lung (F&E) inves­tie­ren, liegt Chi­na nach den Ver­ei­nig­ten Staa­ten (769) an zwei­ter Stel­le (507), gefolgt von Japan (318) und Deutsch­land (130).12 Bei den tat­säch­li­chen Aus­ga­ben ist Chi­na jedoch auf den drit­ten Platz zurück­ge­fal­len: US-ame­ri­ka­ni­sche Fir­men geben umge­rech­net 312 Mil­li­ar­den Euro aus, Japans Aus­ga­ben betra­gen 109,4 Mil­li­ar­den Euro und Chi­nas nur 96,4 Mil­li­ar­den Euro. Deutsch­land, mit einem Drit­tel der Anzahl chi­ne­si­scher Fir­men unter den 2.500, inves­tiert 82,9 Mil­li­ar­den Euro in For­schung und Ent­wick­lung, was ziem­lich nahe bei­ein­an­der liegt.13 Chi­na hat vie­le Fir­men in der Rang­lis­te, aber nur zwei unter den Top 50: Hua­wei (5.) und Ali­b­a­ba (28.). Die USA haben 22 in den Top 50, Deutsch­land 8 und Japan 6. Süd­ko­rea hat nur 1, aber es ist Sam­sung, das welt­weit an zwei­ter Stel­le der Fir­men steht, die 2019 am meis­ten für F&E aus­ga­ben, hin­ter Alpha­bet (Goog­le) und knapp vor Micro­soft.

Wenn wir die aggre­gier­ten F&E‑Ausgaben der Unter­neh­men pro Land berech­nen, ent­fal­len 38 Pro­zent der Gesamt­aus­ga­ben auf US-Unter­neh­men, 25,3 Pro­zent auf EU-Unter­neh­men (wobei Deutsch­land allein 10,1 Pro­zent aus­macht), 13,3 Pro­zent auf Japan und 11,7 Pro­zent auf Chi­na.

Wie wir sehen kön­nen, sind die USA in die­sem Bereich wei­ter­hin füh­rend, und Japan, Chi­na und Deutsch­land sind weit abge­schla­gen. Hua­wei und Ali­b­a­ba sind nicht allein, aber die tech­no­lo­gi­sche Kluft bleibt bestehen, obwohl es Sek­to­ren wie künst­li­che Intel­li­genz 14 und 5G gibt, in denen die Kon­kur­renz all­mäh­lich fron­tal wird.

Schwachstellen

Die USA schei­nen im Streit um 5G eine Ver­schnauf­pau­se erreicht zu haben, nach­dem das US-Han­dels­mi­nis­te­ri­um am 15. Mai eine Ent­schei­dung erlas­sen hat, die die Ver­wen­dung von US-Tech­no­lo­gie bei der Lie­fe­rung von Chips an Hua­wei ver­bie­tet. Die Ent­schei­dung betrifft sowohl Cis­co und Qual­comm als auch Tai­wan Semi­con­duc­tor Manu­fac­tu­ring Co. Ltd. (TSMC), den welt­größ­ten Her­stel­ler, der die chi­ne­si­sche Fir­ma zu sei­nen größ­ten Kun­den zähl­te.

Tat­sa­che ist, dass sich die unan­ge­foch­te­ne Füh­rungs­rol­le der Chi­ne­sen in Bezug auf 5G-Netz­wer­ke nicht auf Schlüs­sel­kom­po­nen­ten wie die Chips erstreckt. Chi­nas lau­fen­de Pro­jek­te zu deren Ent­wick­lung hin­ken meh­re­re Jah­re hin­ter­her.

Gleich­zei­tig mit die­ser Ent­schei­dung haben die USA euro­päi­sche Tele­kom-Gigan­ten wie Nokia und Erics­son ermu­tigt, ihre Anstren­gun­gen zur Ent­wick­lung von 5G zu ver­dop­peln. Bei­de Unter­neh­men haben ihre eige­nen Käu­fe von TSMC erhöht, die kei­nen Rück­schlag erlit­ten, weil sie nicht an Hua­wei ver­kauft haben.15

Damit ver­lor Chi­na bereits eine gro­ße Chan­ce, sei­ne 5G-Ver­trä­ge aus­zu­wei­ten. Mit­te die­ses Monats kün­dig­te Groß­bri­tan­ni­en an, Hua­wei als Lie­fe­rant aus­zu­schlie­ßen, im Gegen­satz zu dem, was bereits Mona­te zuvor ange­kün­digt wor­den war. Dies ist nicht aus­schließ­lich auf den Druck Washing­tons zurück­zu­füh­ren, das bis vor eini­gen Mona­ten Chi­na nicht dar­an gehin­dert hat­te, Abkom­men mit ande­ren Län­dern zu unter­zeich­nen, die einen Ver­zicht als ris­kan­ter ansa­hen, als die USA zu pro­vo­zie­ren. „Da die US-Tech­no­lo­gie zur Her­stel­lung der fort­schritt­li­chen Halb­lei­ter ver­wen­det wird, die für die Pro­duk­te von Hua­wei, ein­schließ­lich der 5G-Basis­sta­tio­nen, erfor­der­lich sind, wird die Ver­sor­gung des Unter­neh­mens unter­bro­chen wer­den“, schreibt Min­xim Pei, „was die Pro­duk­ti­on sei­ner 5G-Aus­rüs­tung in der Zukunft nahe­zu unmög­lich macht“.16 Dies wird Chi­nas Ent­wick­lung von 5G zwar nicht auf­hal­ten, aber es könn­te den Kon­kur­ren­ten etwas Zeit geben, die Lücke zu schlie­ßen.

Die Abhän­gig­keit Chi­nas von aus­län­di­scher Tech­no­lo­gie hat Chi­na in der Ver­gan­gen­heit Schwie­rig­kei­ten in Berei­chen berei­tet, in denen es dann enor­me Anstren­gun­gen unter­nom­men hat. Wind­tur­bi­nen sind ein gutes Bei­spiel. Chi­na war in der Lage, wich­ti­ge Unter­stüt­zung von Gene­ral Electric in die­sem Sek­tor zu erhal­ten, da das Unter­neh­men in den USA und anders­wo mit einer schwa­chen Nach­fra­ge kon­fron­tiert war; dies zwang GE „einen Kom­pro­miss zwi­schen kurz­fris­ti­gen Ver­käu­fen und lang­fris­ti­ger Kon­kur­renz ein­zu­ge­hen“. 17 Wie Jian­yong Yue bemerk­te, gelang­te Chi­na dadurch nicht nur in Besitz der Tech­no­lo­gie, son­dern ermög­lich­te sei­nen Unter­neh­men auch den aggres­si­ven Export von „High-Tech-Pro­duk­ten zu extrem wett­be­werbs­fä­hi­gen Prei­sen auf den Welt­markt, der tra­di­tio­nell von sei­nen aus­län­di­schen Part­nern beherrscht wur­de“.18 Dies war jedoch ein kurz­le­bi­ger Erfolg, denn, wie das Wall Street Jour­nal bemerk­te: „Nach dem Aus­lau­fen der Part­ner­schaf­ten [mit GE und ande­ren Unter­neh­men] konn­ten vie­le der chi­ne­si­schen Part­ner nicht mehr unab­hän­gig von­ein­an­der erfolg­reich sein. Das lag dar­an, dass „die geheims­ten Ele­men­te der Tur­bi­ne, ein­schließ­lich der Kon­struk­ti­on des Kühl­sys­tems für die ers­te Schau­fel­rei­he und der Tech­no­lo­gie hin­ter einer ther­mi­schen Schutz­schicht für die­se Schau­feln“ nicht auf die Part­ner in Chi­na über­tra­gen wur­den. Dar­über hin­aus waren die Tur­bi­nen, die das Unter­neh­men zum Zeit­punkt der Ver­ein­ba­rung des Tech­no­lo­gie­trans­fers kon­stru­iert hat­te, laut Jef­frey R. Immelt, dem dama­li­gen Vor­stands­vor­sit­zen­den und CEO des Unter­neh­mens, „min­des­tens zwei Genera­tio­nen den nach Chi­na ver­kauf­ten Tur­bi­nen vor­aus“.19 Ange­sichts solch anhal­ten­der Rück­stän­de in wich­ti­gen Kate­go­rien wie Steue­rungs­sys­te­men und Tur­bi­nen­un­ter­stüt­zungs­soft­ware zog Yue fol­gen­de Schluss­fol­ge­rung: „Ob die ‚erwach­se­nen‘ chi­ne­si­schen Fir­men in der Lage sein wer­den, durch eigen­stän­di­ge Inno­va­ti­on auf­zu­ho­len und danach sogar aus­län­di­sche Akteu­re auf dem glo­ba­len Markt zu über­flü­geln, bleibt eine offe­ne Fra­ge“.20

Ähn­lich ver­hält es sich mit Hoch­ge­schwin­dig­keits­zü­gen. Die japa­ni­sche Fir­ma Kawa­sa­ki und die deut­sche Fir­ma Sie­mens gehör­ten zu den Part­nern, mit denen chi­ne­si­sche Fir­men die­se Indus­trie ent­wi­ckeln und sich das „Know-how“ aneig­nen woll­ten. Tat­säch­lich trans­fe­rier­te Kawa­sa­ki die Schlüs­sel­tech­no­lo­gien in Form von Joint Ven­tures mit chi­ne­si­schen Part­nern an sei­ne Toch­ter­ge­sell­schaft, aber Sie­mens teil­te ihr Wis­sen nicht mit den loka­len Fir­men.21 Die inno­va­tivs­ten blie­ben unter fes­ter Kon­trol­le der Japa­ner, wäh­rend „die chi­ne­si­schen Part­ner sich der Mon­ta­ge der weni­ger anspruchs­vol­len Sekun­där­kom­po­nen­ten wid­me­ten“. Bai Yimin, ein bekann­ter Wirt­schafts­ana­lyst, der jah­re­lang für Mit­sui gear­bei­tet hat­te, beschrieb sol­che Anpas­sungs­stra­te­gien des Tech­no­lo­gie­trans­fers japa­ni­scher Fir­men als „Made in Chi­na, aber Made by Japan“.22 Ähn­li­che Begrif­fe wur­den von Sie­mens ver­wen­det; die deut­sche Wirt­schafts­pres­se berich­te­te, dass die Mana­ger des Unter­neh­mens gesagt hät­ten, das Unter­neh­men habe „genau die glei­chen Ein­stel­lun­gen wie Thys­sen Krupp und Air­bus [und] wird Kern­tech­no­lo­gien nicht und nie­mals [an Chi­na] wei­ter­ge­ben“.23 Die­se Äuße­run­gen könn­ten ein­fach als Ges­ten zur Beru­hi­gung der Ner­vo­si­tät der deut­schen Eli­ten ange­se­hen wer­den, aber sie wur­den in der Tat von Exper­ten für den Bau von Hoch­ge­schwin­dig­keits­zü­gen in Chi­na bestä­tigt, die sagen, dass die Fir­men des Lan­des noch weit davon ent­fernt sind, Din­ge aus eige­ner Kraft zu ent­wi­ckeln. In die­sem Fall haben die ange­schlos­se­nen mul­ti­na­tio­na­len Kon­zer­ne auch weni­ger kri­ti­sche Tech­no­lo­gien trans­fe­riert, um den Anfor­de­run­gen der Behör­den gerecht zu wer­den, wobei sie das anspruchs­volls­te Know-how und die geis­ti­gen Eigen­tums­rech­te an den grund­le­gends­ten Tech­no­lo­gien für sich behal­ten haben. Nur schät­zungs­wei­se 20 Pro­zent der in Chi­na her­ge­stell­ten Züge haben Eigen­tums­rech­te an geis­ti­gem Eigen­tum – d.h. sie unter­lie­gen weder Patent­zah­lun­gen noch ande­ren Beschrän­kun­gen.24

Unge­ach­tet der Geschwin­dig­keit, mit der Chi­na die Lücke geschlos­sen hat, und obwohl „glo­ba­le Fir­men die High-End-Fer­ti­gung domi­nie­ren und Schlüs­sel­tech­no­lo­gien mono­po­li­sie­ren, reagie­ren sie zuneh­mend sen­si­bel auf die Wahr­schein­lich­keit, dass Chi­na, mit wel­chen Mit­teln auch immer, viel schnel­ler als erwar­tet auf­ho­len und in naher Zukunft ihr schreck­lichs­ter Kon­kur­rent wer­den wird“. 25

Ein langer Marsch

In den Mona­ten bis Novem­ber wer­den der „Han­dels­krieg“ und ande­re Schrit­te gegen Chi­na den wech­seln­den Flü­gel­schlä­gen des Wahl­kamp­fes unter­wor­fen sein, wie dies bei Trump schon immer der Fall war. Aber selbst wenn Trump ver­liert, wie alle Anzei­chen der­zeit zei­gen, ist es zwei­fel­haft, dass sich die Kon­flik­te der letz­ten Jah­re dees­ka­lie­ren wer­den. Die USA wer­den wei­ter­hin alles tun, um Salz in die Wun­de all der diplo­ma­ti­schen Span­nun­gen zu streu­en, die in Peking gefähr­lich eska­liert sind, ins­be­son­de­re mit Indi­en, Aus­tra­li­en und Japan, und sie wer­den inter­ne Kri­sen wie die in Hong­kong nut­zen, die im ver­gan­ge­nen Monat erneut auf­schwell­te, als die chi­ne­si­sche Regie­rung ein neu­es Sicher­heits­ge­setz auf der Insel erließ.

Heu­te, da die USA ver­schie­de­ne Aspek­te der trans­na­tio­na­len kapi­ta­lis­ti­schen Ord­nung, die sie nach dem Ende des Zwei­ten Welt­kriegs auf­ge­baut haben, in Fra­ge stel­len (wobei sie gleich­zei­tig alle Vor­rech­te behal­ten, die US-Unter­neh­men zugu­te­kom­men könn­ten), um aggres­si­ver für die Auf­recht­erhal­tung ihrer Füh­rung zu kämp­fen, besteht die Her­aus­for­de­rung nicht dar­in, dass Chi­na die­se Ord­nung angreift, son­dern viel­mehr dar­in, dass es eine Bedro­hung für die Posi­ti­on der USA und ande­rer Mäch­te dar­stellt. Chi­nas Ziel, sei­nen Ein­fluss und sei­ne Vor­tei­le inner­halb die­ser Ord­nung wei­ter aus­zu­bau­en, beinhal­tet zuneh­mend die Infra­ge­stel­lung der „exor­bi­tan­ten Pri­vi­le­gi­en“ der Haupt­macht, ins­be­son­de­re den Angriff auf die unver­hält­nis­mä­ßi­gen geld- und finanz­po­li­ti­schen Vor­rech­te, die die USA auf­recht­erhal­ten (sie­he die­sen jüngs­ten Blog-Bei­trag von Tony Nor­field.).

Zwei­fels­oh­ne hat Chi­na noch einen lan­gen Weg vor sich und wird bei jeder Ände­rung des Sta­tus quo auf mehr Wider­stand sei­tens der Groß­mäch­te sto­ßen. Falls es dar­an Zwei­fel gibt, so zei­gen die letz­ten Jah­re, dass die­ser Weg mit inter­nen und inter­na­tio­na­len Umwäl­zun­gen ver­bun­den sein wird und zwangs­läu­fig kein fried­li­cher Weg sein wird. Er war eine der größ­ten Quel­len geo­po­li­ti­scher Span­nun­gen in der letz­ten Zeit und wird dies auch wei­ter­hin sein, selbst wenn Trump (der ande­re gro­ße Stö­rer) die Sze­ne ver­lässt, wenn er im Novem­ber abge­wählt wird. Mit der gegen­wär­ti­gen Kri­se sind die Aus­sich­ten noch trü­ber. Ihr vol­les Aus­maß ist unge­wiss, aber sie über­trifft bereits die Ver­wüs­tun­gen von 2008 und ver­spricht, alle bereits bestehen­den geo­po­li­ti­schen Span­nun­gen wei­ter zu ver­schär­fen.

Erst­mals auf Spa­nisch ver­öf­fent­licht am 26. Juli in Ide­as de Izquier­da. Ab dort Über­set­zung ins Eng­li­sche durch Scott Coo­per. Über­set­zung ins deut­sche durch Redak­ti­on maul​wu​er​fe​.ch

Fuß­no­ten

1. Anmer­kung des Eng­lisch-Über­set­zers: Zyklothy­mie ist eine Art chro­ni­scher Stim­mungs­stö­rung, die in der medi­zi­ni­schen Fach­welt übli­cher­wei­se als eine Form der bipo­la­ren Stö­rung ange­se­hen wird.
2. Per­ry Ander­son, «Impe­ri­um», New Left Review 83 (September/​Oktober 2013), 111. Für eine kri­ti­sche Lek­tü­re der bei­den Arti­kel in die­ser Aus­ga­be, «Impe­ri­um» und «Con­ci­li­um», sie­he Este­ban Mer­ca­tan­te, El impe­rio con­traata­ca [«Das Impe­ri­um schlägt zurück»], Ide­as de Izquier­da 6 (Dezem­ber 2013); und Mer­ca­tan­te, UU.: ¿jug­ador soli­ta­rio en el gran table­ro glo­bal? [«Die USA: Ein­zel­spie­ler auf dem gro­ßen glo­ba­len Spiel­brett»], Ide­as de Izquier­da 8, April 2014.
3. Juan Chin­go, «Mitos y rea­li­dades de la Chi­na actu­al» [«Mythen und Rea­li­tä­ten des heu­ti­gen Chi­na»], Est­ra­te­gia Inter­na­cio­nal 21 (Sep­tem­ber 2004).
4. Anmer­kung des Eng­lisch-Über­set­zers: Der Begriff «Sozi­al­dum­ping» ist von unge­wis­ser Her­kunft, kam aber wäh­rend der Ver­hand­lungs­pha­se für das Nord­ame­ri­ka­ni­sche Frei­han­dels­ab­kom­men (NAFTA) weit ver­brei­tet in Gebrauch. Die Euro­päi­sche Kom­mis­si­on selbst defi­niert ihn als «die Pra­xis, durch die den Lohn­ab­hän­gi­gen Lohn- und/​oder Arbeits- und Lebens­be­din­gun­gen gebo­ten wer­den, die unter dem Stan­dard lie­gen, der im Ver­gleich zu den gesetz­lich oder tarif­ver­trag­lich fest­ge­leg­ten oder sonst auf dem betref­fen­den Arbeits­markt vor­herr­schen­den Bedin­gun­gen fest­ge­legt ist».
5. Enri­que Arceo, El lar­go cami­no a la cri­sis [Der lan­ge Weg zur Kri­se] (Bue­nos Aires: Cara o Ceca, 2011), 219.
6. Ho-fung Hung, Der Chi­na-Boom: War­um Chi­na nicht die Welt regie­ren wird (New York: Colum­bia Uni­ver­si­ty Press, 2016) 61. Für einen Kom­men­tar zu dem Buch sie­he Este­ban Mer­ca­tan­te, «¿Chi­na no domi­n­ará el mun­do?» («Wird Chi­na nicht die Welt regie­ren? »), Ide­as de Izquier­da 33 (Sep­tem­ber 2016).
7. Sie hat bereits vor eini­gen Jah­ren den Sta­tus der größ­ten Volks­wirt­schaft erreicht, sofern das BIP anhand der so genann­ten Kauf­kraft­pa­ri­tät (KKP) gemes­sen wird, die dar­in besteht, den Wert der Pro­duk­ti­on auf der Grund­la­ge der Prei­se eines Refe­renz­lan­des anzu­pas­sen. Die KKP soll die Men­ge der in ver­schie­de­nen Län­dern erzeug­ten Güter und Dienst­leis­tun­gen homo­ge­ner ver­gleich­bar machen.
8. Wir argu­men­tier­ten gegen die­se Auf­fas­sung in Edu­ar­do Moli­na und Este­ban Mercan­te, «El ‚fac­tor chi­no‘ en Lati­no­amé­ri­ca» [«Der ‚Fak­tor Chi­na‘ in Latein­ame­ri­ka»], Ide­as de Izquier­da 17 (März 2015).
9. Gio­van­ni Arrighi hat dies in sei­nem Buch doku­men­tiert. Sie­he Adam Smith in Peking: Lineages of the 21st Cen­tu­ry (Ver­so, 2007).
10. Anmer­kung des Eng­lisch-Über­set­zers: Bei der quan­ti­ta­ti­ven Locke­rung kauft eine Zen­tral­bank im Vor­aus fest­ge­leg­te Men­gen an Staats­an­lei­hen oder ande­ren finan­zi­el­len Ver­mö­gens­wer­ten, um auf die­se Wei­se Geld direkt in eine Volks­wirt­schaft zu inji­zie­ren.
11. Anmer­kung des Eng­lisch-Über­set­zers: Die­ser Absatz wur­de gegen­über dem Ori­gi­nal auf der Grund­la­ge einer Dis­kus­si­on zwi­schen dem Autor und dem Über­set­zer über­ar­bei­tet.
12. Gemein­sa­me For­schungs­stel­le (Euro­päi­sche Kom­mis­si­on), «The 2019 EU Indus­tri­al R&D Invest­ment Scoreboard» (Luxem­burg: Amt für Ver­öf­fent­li­chun­gen der Euro­päi­schen Uni­on, 2020). Alle Daten in die­sem Absatz sind die­sem Doku­ment ent­nom­men.
13. Groß­bri­tan­ni­en, mit fast so vie­len Unter­neh­men wie Deutsch­land unter den 2.500, hat mit 29,3 Mil­li­ar­den Euro ein deut­lich nied­ri­ge­res Inves­ti­ti­ons­vo­lu­men.
14. Kai-Fu Lee’s Buch I Super­powers: Chi­na, Sili­con Val­ley, and the New World Order (Bos­ton: Houghton Miff­lin Har­court, 2018) gibt einen Über­blick über die rela­ti­ven Stär­ken der USA und Chi­nas in ver­schie­de­nen Dimen­sio­nen der Ent­wick­lung künst­li­cher Intel­li­genz.
1. Ti5m Cul­pan, «TSMC Shrugs off Hua­wei Ban and Shows Who’s King», Bloom­berg, 16. Juli 2020.
16. Minxin Pei, «China’s Deepe­ning Geo­po­li­ti­cal Hole», Pro­jekt­syn­di­kat, 16. Juli 2020.
17. Kathryn Kran­hold, «China’s Pri­ce for Mar­ket Ent­ry: Give Us Your Tech­no­lo­gy, Too», Wall Street Jour­nal, 26. Febru­ar 2004.
18. Jian­yong Yue, China’s Rise in the Age of Glo­ba­liz­a­ti­on: Myth or Rea­li­ty?(Lon­don: Pal­gra­ve Mac­mil­lan, 2018), 293.
19. Kran­hold, a.a.O.
20. Yue, a. a. O., 294
21. Yue, ebd., 296, zitiert nach Chi­na Busi­ness Wee­kly, März 2006.
22. Yue, ebd., 296, zitiert Bai Yimin, Mit­sui Empi­re in Action (Peking: Chi­na Eco­no­mic Publi­shing House, 2008), 262.
23. Yue, ebd., 296, zitiert nach 21st Cen­tu­ry Busi­ness Herald, 23. März 2011.
24. Yue, ebd., 296, zitiert nach New Bei­jing Dai­ly, 14. Juni 2011.
25. Yue, ebd., 296–7.

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