[labournet:] Branchengrößter (doch) nicht der Branchenbeste: Corona-Fälle nun auch bei Tönnies

Dossier

16.7.2020: Greenpeace-Protest am Fleischwerk Tönnies in RhedaIm Kreis Güters­loh wur­den zum Stand 8. Juni, 0 Uhr, 705 (7. Juni: 695, 6. Juni: 694) labor­be­stä­tig­te Coro­na­in­fek­tio­nen erfasst. Die Zahl der bestä­tig­ten Neu­in­fek­tio­nen hat sich damit seit Frei­tag um 13 erhöht. (…) Der Anstieg um zehn Fäl­le von Sonn­tag auf Mon­tag ste­he über­wie­gend im Zusam­men­hang mit Infek­tio­nen von Per­so­nen, die bei Tön­nies tätig sei­en bezie­hungs­wei­se die in deren Umfeld leben, teilt die Kreis­ver­wal­tung mit.” Mel­dung “Über­wie­gend Tön­nies-Mit­ar­bei­ter: 13 neue Coro­na-Fäl­le übers Wochen­en­de” vom 08.06.2020 im Hal­ler Kreis­blatt online externer Link – wir erin­nern an “Tön­nies Schlacht­hof, April 2020. Tau­sen­de Arbei­ter – null Infek­ti­ons­schutz.” Video vom 15.05.2020 bei you­tube vom arbeits­un­recht TV externer Link. Sie­he dazu:

  • Tön­nies file­tie­ren. Eine Kis­te vol­ler GmbHs /​Frei­heits­be­rau­bung? Tön­nies-Mit­ar­bei­ter zu Unrecht in Qua­ran­tä­ne New
    • Tön­nies file­tie­ren. Eine Kis­te vol­ler GmbHs: Fleisch­fa­bri­kant gibt sich nach Skan­da­len geläu­tert und lässt Kri­tik zurück­wei­sen
      Feh­ler ein­ge­ste­hen, Skan­da­le klein­re­den, Refor­men und Wohl­ta­ten ver­spre­chen: Schlacht­hof­kö­nig Cle­mens Tön­nies kennt sich aus im Sys­tem. Und er reagiert als Kapi­ta­list prä­zi­se und schnell, um den Scha­den der Coro­na­pan­de­mie – und den der in die­sem Zusam­men­hang auf­ge­deck­ten Skan­da­le – für sei­ne Fir­ma so gering wie mög­lich zu hal­ten. So will er Woh­nun­gen für Mit­ar­bei­ter bau­en las­sen, alle pre­kär über Werk­ver­trä­ge Beschäf­tig­ten zu rich­ti­gen »Arbeit­neh­mern« machen und sich inten­siv um deren gesund­heit­li­ches Wohl küm­mern. Und weil ein guter Unter­neh­mer vor­aus­schau­end agiert, hat er gleich noch eine gan­ze Kis­te vol­ler GmbHs grün­den und am 14. Juli beim Amts­ge­richt Güters­loh regis­trie­ren las­sen. Das wur­de unter ande­rem durch den Recher­ch­e­dienst North Data bekannt. (…) Der Staat gilt als ideel­ler Gesamt­ka­pi­ta­list. Und er hat dafür zu sor­gen, dass die Wirt­schaft flo­riert. Es ist des­halb anzu­neh­men, dass der gut ver­netz­te Fabri­kant Tön­nies recht­zei­tig über das Geset­zes­vor­ha­ben infor­miert war. Die »vor­sorg­li­che« Grün­dung von 15 Kapi­tal­ge­sell­schaf­ten mit beschränk­ter Haf­tung bie­tet in die­sem Kon­text Inter­pre­ta­ti­ons­mög­lich­kei­ten. Eine davon ist die, dass auf die­se Wei­se Schlupf­lö­cher zur Umge­hung gesetz­li­cher Rege­lun­gen nicht nur genutzt – son­dern auch bewusst geschaf­fen wer­den. Das hat Tra­di­ti­on. Denn das bun­des­deut­sche Gesell­schafts­recht gewährt vie­le Frei­hei­ten für jene, die sie sich leis­ten kön­nen. Ver­schach­tel­te Unter­neh­mens­kon­struk­te sind beliebt, ob sie nun in Güters­loh oder auf den Kai­man­in­seln regis­triert sind. Man kann damit Steu­ern min­dern oder ver­mei­den, die Mit­be­stim­mung aus­he­beln und Besitz­ver­hält­nis­se ver­schlei­ern. Und auch das Arbeits­recht bis zum Gegen­teil der dar­in zu lesen­den Wor­te ver­bie­gen. Hier gilt nicht auto­ma­tisch die Unschulds­ver­mu­tung…” Arti­kel von Klaus Fischer in der jun­gen Welt vom 31.07.2020 externer Link
    • Frei­heits­be­rau­bung? Tön­nies-Mit­ar­bei­ter zu Unrecht in Qua­ran­tä­ne
      Im Kreis Güters­loh wer­den nach Moni­tor-Recher­chen Tön­nies-Beschäf­tig­te zu Unrecht in Qua­ran­tä­ne gehal­ten – auf­grund von posi­ti­ven Coro­na-Tests oder Krank­heits­sym­pto­men, die es in vie­len Fäl­len nicht gab. Rhe­da-Wie­den­brück, 17. Juli 2020, kurz vor Mit­ter­nacht. In der Stadt sind Ord­nungs­kräf­te im Auf­trag des Gesund­heits­amts unter­wegs, sie ver­tei­len hun­der­te Brie­fe. Adres­siert sind sie an Tön­nies-Beschäf­tig­te, die meis­ten aus Rumä­ni­en, Bul­ga­ri­en oder Polen. Die Ord­nungs­kräf­te haben es offen­sicht­lich eilig, Punkt Mit­ter­nacht läuft die vom Land Nord­rhein-West­fa­len ange­ord­ne­te, all­ge­mei­ne Qua­ran­tä­ne aus – die Men­schen dürf­ten dann wie­der raus. Genau das soll offen­bar ver­hin­dert wer­den. Die ver­teil­ten Brie­fe haben jeden­falls nur einen Zweck: die Adres­sa­ten in Qua­ran­tä­ne zu hal­ten. (…) Etli­che Brie­fe lie­gen noch unge­öff­net im Haus­flur her­um. Die Men­schen, an die die­se Brie­fe adres­siert sind, leben aller­dings schon lan­ge nicht mehr hier. Vier Wochen nach dem Coro­na-Aus­bruch bei Tön­nies wis­sen die Behör­den offen­bar noch immer nicht, wo die Beschäf­tig­ten woh­nen. Auf Moni­tor-Anfra­ge ant­wor­tet die Stadt Rhe­da-Wie­den­brück, die bereits aus der Qua­ran­tä­ne ent­las­se­nen Per­so­nen sei­en irr­tüm­lich in den vom Kreis Güters­loh über­mit­tel­ten Lis­ten erfasst gewe­sen. Auf­grund der hohen Fall­zahl hät­ten nicht alle Ein­zel­fäl­le voll­um­fäng­lich vor­ab über­prüft wer­den kön­nen. Nur Ein­zel­fäl­le? Dage­gen spre­chen Recher­chen in der Nach­bar­stadt Riet­berg, in der am 17. Juli eben­falls zahl­rei­che Brie­fe an Tön­nies-Beschäf­tig­te ver­teilt wur­den, in denen eine Ver­län­ge­rung der Qua­ran­tä­ne ange­ord­net wur­de. Für die Betrof­fe­nen sind die Schrei­ben ein Schock: Sie sei­en posi­tiv auf das neue Coro­na-Virus getes­tet wor­den, erfah­ren sie dar­in (…) Moni­tor ruft für Nico­lae beim Gesund­heits­amt an, um zu klä­ren wie es zu dem Ergeb­nis kom­men konn­te. Nach stun­den­lan­gem War­ten heißt es: Einen posi­ti­ven Coro­na-Test hat es nie gege­ben. Auch in wei­te­ren Fäl­len stellt sich her­aus: Posi­ti­ve Test­ergeb­nis­se, von denen in den Schrei­ben die Rede ist, gab es nie. Die Qua­ran­tä­ne hät­te also in kei­nem der Fäl­le ver­län­gert wer­den dür­fen…” Text und Video des Moni­tor-Bei­trags von Her­bert Kor­des und Trai­an Dan­ciu am 30.07.2020 bei tages​schau​.de externer Link
  • Tön­nies betreibt Roß­täu­sche­rei: Werk­ver­trä­ge mit kon­zern­ei­ge­nen Fir­men sind auch Werk­ver­trä­ge! /​[Jetzt erst?] Tier­wohl­la­bel “Neu­land” will Zusam­men­ar­beit mit Tön­nies über­prü­fen 
    • Tön­nies betreibt Roß­täu­sche­rei: Werk­ver­trä­ge mit kon­zern­ei­ge­nen Fir­men sind auch Werk­ver­trä­ge!
      Herr Tön­nies weiß genau, um was es geht. Aber ver­mut­lich hat er “grü­nes Licht” von den ver­ant­wort­li­chen Lan­des­po­li­ti­kern, die zu sei­nem jüngs­ten Coup ein­fach schwei­gen. Das Getö­se wegen der Aus­fall­for­de­run­gen von Tön­nies ist groß, obwohl am Ende, wenn sich der Sturm gelegt hat, Tön­nies auf Kos­ten des Steu­er­zah­lers Zah­lun­gen erhal­ten wird. Nun jedoch täuscht er erst mal die Öffent­lich­keit mit sei­nem Mär­chen, er schaf­fe die Werk­ver­trä­ge ab, indem er die­se nur noch mit kon­zern­ei­ge­nen Unter­neh­men abschließt. Lang und breit war in der Öffent­lich­keit breit­ge­tre­ten wor­den, um was es ging: Dar­um daß end­lich die­je­ni­gen, die im Betrieb arbei­ten, auch in einem Arbeits­ver­hält­nis ZUM UNTERNEHMEN ste­hen. Plötz­lich ist davon nicht mehr die Rede: Auch “kon­zern­ei­ge­ne Unter­neh­men” sind Fremd­fir­men, wie wir es satt­sam von Auto­vi­si­on und Sitech bei VW erfah­ren haben. Zu die­sen Fir­men erklär­te und erklär­te VW ste­reo­typ, man habe mit die­sen Fir­men nichts zu tun und wis­se nichts von deren Geschäfts­ge­ba­ren. Es sei­en unab­hän­gi­ge Unter­neh­men und daß sie dem Kon­zern ange­hö­ren wür­den, habe gar kei­ne Bedeu­tung. In den zahl­rei­chen Pro­zes­sen auf Fest­an­stel­lung von Fremd­be­schäf­tig­ten in den letz­ten 7 Jah­ren wand­te VW immer und immer wie­der ein, man habe “kei­ne Kennt­nis” von den Ein­zel­hei­ten, die bei der Gestal­tung der Arbeits­be­din­gun­gen eine Rol­le spiel­ten und bür­de­te – mt Zustim­mung der meis­ten Arbeits­ge­rich­te – die vol­le Dar­le­gungs- und Beweis­last den “Fremd­be­schäf­tig­ten” auf. Nun geht das­sel­be Thea­ter wie­der bei Tön­nies los, zumal die Löh­ne exakt wie­der nicht den­jei­ni­gen der Stamm­be­schäf­tig­ten ent­spre­chen wer­den. Wie lan­ge wol­len wir uns das Ver­wirr­spiel des Herrn Tön­nies noch bie­ten las­sen. KEINE WERKVERTRÄGE MEHR BEI TÖNNIES ! AUCH NICHT MIT “KONZERNEIGENEN” FIRMEN !Info Nr. 307 vom 21.7.2020 von und bei Insti­tut für Arbeit – ICOLAIR (Rolf Geff­ken) externer Link
    • [Jetzt erst?] Tier­wohl­la­bel “Neu­land” will Zusam­men­ar­beit mit Tön­nies über­prü­fen
      “… Aldi ver­kauft seit 2018 Schwei­ne­fleisch mit dem Tier­wohl-Sie­gel „Neu­land”. Pro­du­ziert wird das Fleisch bei Tön­nies. Das wirft Fra­gen auf. Denn zum Neu­land-Ver­ein gehö­ren zwei bekann­te Tön­nies-Kri­ti­ker: Die Arbeits­ge­mein­schaft bäu­er­li­che Land­wirt­schaft (AbL) und der Natur­schutz­bund BUND. AbL-Bun­des­ge­schäfts­füh­rer Georg Jan­ßen kom­men­tier­te die Coro­na-Fäl­le bei Tön­nies und in ande­ren Schlacht­un­ter­neh­men so: ”Das Sys­tem Bil­lig­fleisch hat vie­le Ver­lie­rer, es muss been­det wer­den.” Der BUND-Vor­sit­zen­de Olaf Bandt sag­te: “Der Fall Tön­nies ist nur die Spit­ze des Eis­bergs. Er steht für ein men­schen­un­wür­di­ges und Tier­leid erzeu­gen­des Agrar­sys­tem.” Dass man den­noch mit Tön­nies zusam­men­ar­bei­tet, erklä­ren der Neu­land-Ver­ein und die Arbeits­ge­mein­schaft bäu­er­li­che Land­wirt­schaft mit den For­de­run­gen von Aldi. 2018 woll­te Neu­land mit sei­nem Sie­gel im Lebens­mit­tel­ein­zel­han­del Fuß fas­sen: bei Aldi. Der Dis­coun­ter habe einen hohen Hygie­ne­stan­dard und bei Tön­nies sei die Pro­duk­ti­on auf dem neu­es­ten Stand, heißt es von Neu­land. ‘Alter­na­ti­ven sind geprüft worden”,sagte AbL-Geschäfts­füh­rer Jan­ßen dem WDR. Aber Aldi habe mit Tön­nies zusam­men­ar­bei­ten wol­len. (…) Aber es sei nicht so ein­fach, aus den Ver­ein­ba­run­gen her­aus­zu­kom­men: Die lie­fen noch bis 2023. Es wer­de auch Gesprä­che mit Tön­nies geben, so Jan­ßen. Der Ver­trag ist attrak­tiv für Neu­land: Eine Lauf­zeit über fünf Jah­re und ein ver­ein­bar­ter Fest­preis sei­en unge­wöhn­lich für die Bran­che.“ Bei­trag bei WDR Nach­rich­ten vom 20.07.2020 externer Link
  • Statt Werk­ver­trä­ge: Tön­nies grün­det 15 Toch­ter­fir­men /​Aktivist:innen blo­ckie­ren Tön­nies-Sub­un­ter­neh­men in Bie­le­feld
    • Aus für Werk­ver­trä­ge: Tön­nies grün­det 15 Toch­ter­fir­men für die Pro­duk­ti­on
      Der Fleisch­kon­zern will Mit­ar­bei­ter über Toch­ter­ge­sell­schaf­ten direkt anstel­len. Kri­ti­ker fürch­ten, die neue Kon­struk­ti­on soll das alte Sys­tem auf­recht­erhal­ten…” Arti­kel von Micha­el Ver­für­den vom 17.07.2020 beim Han­dels­blatt online externer Link – im Abo, die Ankün­di­gung der Toch­ter­ge­sell­schaf­ten statt Subs reicht aber bereits
    • Aktivist:innen blo­ckie­ren Tön­nies-Sub­un­ter­neh­men in Bie­le­feld: Kam­pa­gne „Shut down Schwei­ne­sys­tem“ pran­gert Aus­beu­tung von Arbeiter:innen an
      Aktivist:innen haben am Frei­tag Mor­gen im Rah­men der Kam­pa­gne „Shut down Schwei­ne­sys­tem“ das Bie­le­fel­der Unter­neh­men Ni​.Ke. Fleisch­ver­ar­bei­tung GmbH blo­ckiert. Mit einer vor­ge­fer­tig­ten Holz­kon­struk­ti­on ver­sperr­ten sie den Ein­gang des Laden­lo­kals in der Gro­ße-Kur­fu­ers­ten-Str. 67. Anlass der Akti­on sind die aus­beu­te­ri­schen Arbeits­be­din­gun­gen und Ras­sis­mus beim Fleisch­kon­zern Tön­nies, von wel­chen auch das Sub­un­ter­neh­men mit Sitz in Bie­le­feld pro­fi­tiert. „Wäh­rend bei Tön­nies­die Pro­duk­ti­on nicht schnell genug wie­der hoch­ge­fah­ren wer­den konn­te ver­sag­ten Tön­nies und sei­ne Sub­un­ter­neh­mer kom­plett bei der Ver­sor­gung ihrer Mitarbeiter:innen in Qua­ran­tä­ne. An der pre­kä­ren Arbeits­si­tua­ti­on der Arbeiter:innen in der Fleisch­in­dus­trie hat sich also nichts geän­dert“ (…) Die im Juni 2020 ins Leben geru­fe­ne bun­des­wei­te Kam­pa­gne „Shut down Schwei­ne­sys­tem“ möch­te den desas­trö­sen Lebens­be­din­gun­gen in der Fleisch­in­dus­trie ein Ende set­zen. „Wir sagen: Schluss mit Leih­ar­beit, Lohn­dum­ping und Ras­sis­mus – bei Tön­nies und über­all“. so Thal­berg abschlie­ßend. Die Kam­pa­gne kün­digt an die­ser Stel­le wei­te­re Aktio­nen anPres­se­mit­tei­lung mit Bil­dern vom 17.7.2020 externer Link, sie­he wei­te­re Bil­der und Berich­te bei Twit­ter externer Link
    • Tön­nies darf wie­der Schwei­ne schlach­ten und zer­le­gen las­sen. Und wie geht es mit denen wei­ter, die das „Schwei­ne-Sys­tem“ am Lau­fen hal­ten?
      “Das geht jetzt schnel­ler, als die mög­li­cher­wei­se in Kurz­ar­beit und Home­of­fice befind­li­chen Nach­rich­ten-Redak­tio­nen dies in Wor­te zu for­men in der Lage sind. »Tön­nies darf seit Don­ners­tag (16.07.2020) wie­der schlach­ten – zunächst gerin­ge­re Men­gen und unter stren­gen Auf­la­gen mit neu­em Hygie­nekon­zept. Ob sich dadurch für die Arbei­ter nach­hal­tig etwas ändert, bleibt frag­lich«, so die ers­te Mel­dung des WDR: Wie­der­auf­nah­me der Schlach­tun­gen: Was ändert sich bei Tön­nies? externer Link NRW-Gesund­heits­mi­nis­ter Karl-Josef Lau­mann hat­te am Mor­gen ange­kün­digt, dass das Schlacht­un­ter­neh­men ab sofort stren­ger von den Behör­den kon­trol­liert wer­de: „Tön­nies wird völ­lig anders arbei­ten als vor­her.“ »Die ers­ten Schwei­ne sind bereits ange­lie­fert wor­den, nach der Schlach­tung folgt in der Pro­duk­ti­ons­ket­te die Zer­tei­lung der Tie­re für die wei­te­re Ver­ar­bei­tung. Aller­dings steht die Geneh­mi­gung für den zwei­ten Pro­duk­ti­ons­schritt noch aus. Die­se hat die Stadt­ver­wal­tung von Rhe­da-Wie­den­brück noch nicht erteilt«, so die­se Mel­dung aus der ers­ten Run­de: Tön­nies star­tet Schlacht­be­trieb nach Zwangs­pau­se externer Link. Und dann eini­ge Stun­den spä­ter: Tön­nies: Alle Pro­duk­ti­ons­be­rei­che wie­der am Start externer Link: »Nach der Wie­der­auf­nah­me des Schlacht­be­trie­bes am Don­ners­tag (16.07.2020) ist für das Tön­nies­werk nun auch wie­der die Schwei­ne- und Sauen­z­er­le­gung frei gege­ben. Ab Frei­tag dür­fen die 2.714 Arbei­ter das Werks­ge­län­de betre­ten und ihre Arbeit schritt­wei­se wie­der auf­neh­men. Das teilt die Stadt Rhe­da-Wie­den­brück am Don­ners­tag­abend mit.« (…) Nun könn­te der eine oder ande­re berech­tig­ter­wei­se die Fra­ge auf­wer­fen, was denn mit den Schlacht­hof-Arbei­tern ist, deren skan­da­lö­sen Arbeits- und Wohn­be­din­gun­gen in den ver­gan­ge­nen Wochen im Wind­schat­ten der Auf­re­gung über die Coro­na-Infek­tio­nen in den Medi­en (wie­der ein­mal) the­ma­ti­siert wur­den – (…) Und wahr­lich nicht beru­hi­gend wird dann der Land­rat des Krei­ses Güters­loh, Sven-Georg Ade­nau­er, mit den auf­schluss­rei­chen Wor­ten zitiert, »dass die Kom­mu­nen, in denen die Men­schen leben, die Auf­ga­be hät­ten, die Wohn­si­tu­ta­ti­on zu ver­bes­sern. „Als Kreis kön­nen wir uns da schlecht ein­mi­schen, dafür sind wir zu weit weg“, so der Land­rat. Auch der Tön­nies-Kon­zern sei dafür in die Pflicht zu neh­men.« Man hört ihn schon wie­der wie­hern, den bis aufs Ske­lett abge­ma­ger­ten Gaul der (Nicht-)Zuständigkeit. (…) Und für die­se skep­ti­sche Posi­ti­on bekom­men wir der­zeit eini­ge Hin­wei­se gelie­fert. »Um einem Ver­bot zuvor­zu­kom­men, will Tön­nies bis Ende Sep­tem­ber 1000 Beschäf­tig­te direkt, also mit Arbeits­ver­trag von Tön­nies und nicht bei Sub­un­ter­neh­men, ein­stel­len. Bis Jah­res­en­de sol­len die rest­li­chen Arbei­ter in der Schlach­tung, Zer­le­gung und Ver­pa­ckung fol­gen. Wie vie­le der bis­he­ri­gen Werk­ver­trags­ar­beit­neh­mer unbe­fris­tet oder befris­tet ange­stellt wer­den wol­len, kön­ne Tön­nies der­zeit noch nicht abse­hen, sag­te ein Spre­cher. In Rhe­da arbei­tet etwa die Hälf­te der fast 7000 Beschäf­tig­ten für Sub­un­ter­neh­men«, berich­ten Kat­rin Terpitz und Micha­el Ver­für­den in ihrem Arti­kel Streit über die Werk­ver­trä­ge: Was die Bran­che vom geplan­ten Ver­bot hält externer Link. Das muss man auch vor die­sem Hin­ter­grund lesen: Lan­ge hat­te sich Cle­mens Tön­nies, der geschäfts­füh­ren­de Gesell­schaf­ter der Tön­nies-Hol­ding, vehe­ment gegen das geplan­te Ver­bot von Werk­ver­trä­gen gewehrt. Der Unter­neh­mer hat­te noch Ende Mai in einem Schrei­ben an Heil gewarnt, dass ein ent­spre­chen­des Gesetz „die Wett­be­werbs­fä­hig­keit der deut­schen Pro­du­zen­ten gefähr­den könn­te – zuguns­ten von Kon­kur­ren­ten in euro­päi­schen Nach­bar­län­dern wie Polen, Rumä­ni­en oder Spa­ni­en“. Offen­sicht­lich haben sich die Zei­ten geän­dert. (…) Wenn wir also ein Sys­tem haben, in dem es eine flä­chen­de­cken­de Tarif­ab­de­ckung haben, dann kön­nen sich auch die schwar­ze Scha­fe der Bran­che dem nicht ent­zie­hen. Des­halb ist es auch kei­ne Über­ra­schung, dass Tön­nies sich auch bereits seit lan­gem an die­se im Ver­gleich zur Situa­ti­on in Deutsch­land traum­haf­ten Arbeits­be­din­gun­gen für die Beschäf­tig­ten selbst­ver­ständ­lich hält – und zwar in den bei­den Schlacht­hö­fen, die der Kon­zern des deut­schen Schwei­ne­ba­rons in Däne­mark betreibt. Zu den dor­ti­gen Bedin­gun­gen. Inso­fern wäre eine flä­chen­de­cken­de Tarif­bin­dung in Deutsch­land anzu­stre­ben, über eine ent­spre­chen­de All­ge­mein­ver­bind­li­cherklä­rung wäre das (theo­re­tisch) mög­lich…“ Bei­trag von Ste­fan Sell vom 17.07.2020 in sei­nem Blog Aktu­el­le Sozi­al­po­li­tik externer Link
  • Demo am 17.7.20: Stoppt Tön­nies & Co! Kei­ne Wie­der­auf­nah­me des Schlacht­be­triebs am Werks­tor in Rhe­da-Wie­den­brück /​16.7.2020: Green­peace-Pro­test am Fleisch­werk Tön­nies in Rhe­da /​Sub­un­ter­neh­mer in der Fleisch­in­dus­trie: Die­se Män­ner lie­fern Tön­nies die Werk­ar­bei­ter /​[ZDFzoom] Tön­nies und die Werk­ver­trä­ge – Aus­beu­tung mit­ten in Deutsch­land 
    • Frei­tag, 17.07.2020: Pro­test bei Tön­nies in Rhe­da-Wie­den­brück
      Der mas­si­ve Coro­na-Aus­bruch hat den Pro­test gegen den Fleisch­kon­zern deut­lich ver­schärft. Am Frei­tag will ein Aktiv­bünd­nis vor dem Werks­tor in Rhe­da-Wie­den­brück demons­trie­ren. Die Lin­ke for­dert die Schlie­ßung des Schlacht­be­triebs. Die Orga­ni­sa­to­ren erwar­ten 150 Demons­tran­ten vor dem Tön­nies-Werks­tor. Das Bünd­nis aus Kli­ma­schüt­zern und Tier­schüt­zern pro­tes­tiert gegen die Wie­der­eröff­nung von Tön­nies. Die Demo ist Frei­tag von 16 bis 18 Uhr geplant. Die Lin­ke for­dert die Schlie­ßung des Schlacht­be­triebs und den Rück­tritt von Cle­mens Tön­nies. Für die lin­ke Spit­zen­kan­di­da­tin für den Kreis­tag, Glo­ria Stroth­mann, ist die Fleisch­in­dus­trie mit­ver­ant­wort­lich für die Kli­ma­ka­ta­stro­phe.” Mel­dung am 15.07.2020 beim Radio Güters­loh externer Link (attac ruft zu einer Demo um 17 Uhr auf)
    • 16.7.2020: Green­peace-Pro­test am Fleisch­werk Tön­nies in Rhe­da
      Für einen grund­le­gen­den Wan­del in der Fleisch­in­dus­trie demons­trie­ren heu­te Green­peace-Akti­vis­tin­nen und Akti­vis­ten am Fleisch­werk des Bran­chen­füh­rers Tön­nies in Rhe­da-Wie­den­brück. Dort ist heu­te Mor­gen der Schlacht­be­trieb wie­der ange­lau­fen. Mit moto­ri­sier­ten Gleit­schir­men sind die Akti­vis­ten auf dem Dach des Haupt­ge­bäu­des gelan­det und for­dern auf einem 7 mal 14 Meter gro­ßen Ban­ner neben dem Fir­men­lo­go „Schluss mit dem Schwei­ne­sys­tem!“. Wegen mas­sen­haf­ter Coro­na-Infek­tio­nen unter den Beschäf­tig­ten wur­de der Betrieb am 21. Juni ein­ge­stellt. Tön­nies hat­te hier bis zu 30.000 Schwei­ne am Tag geschlach­tet. „Das Sys­tem Bil­lig­fleisch ist kom­plett krank und nicht nur für die Beschäf­tig­ten der Fleisch­in­dus­trie in Coro­na-Zei­ten ein Gesund­heits­ri­si­ko“, sagt Dirk Zim­mer­mann, Land­wirt­schafts­ex­per­te von Green­peace. „So darf es nicht wei­ter­ge­hen. Die Pro­duk­ti­on von Bil­lig­fleisch gefähr­det uns alle – über die Ver­brei­tung von Anti­bio­ti­ka­re­sis­ten­zen, Nitrat im Was­ser, Ammo­ni­ak in der Luft und kli­ma­schäd­li­che Emis­sio­nen.“…” Pres­se­er­klä­rung vom 16.7.2020 externer Link
    • Wie­der­auf­nah­me der Schlach­tun­gen: Was ändert sich bei Tön­nies?
      Tön­nies darf seit Don­ners­tag (16.07.2020) wie­der schlach­ten – zunächst gerin­ge­re Men­gen und unter stren­gen Auf­la­gen mit neu­em Hygie­nekon­zept. Ob sich dadurch für die Arbei­ter nach­hal­tig etwas ändert, bleibt frag­lich. (…) Men­schen, die Werk­ver­trags­ar­bei­ter bera­ten und für deren Pro­ble­me da sind, haben gro­ße Zwei­fel dar­an, dass sich an deren Lebens- und Arbeits­be­din­gun­gen viel ver­än­dern wird. Armin Wie­se von der Gewerk­schaft Nah­rung Genuss Gast­stät­ten (NGG) war über­rascht, dass der Betrieb so schnell wie­der auf­ge­nom­men wer­den durf­te: “Gespannt sind wir auf jeden Fall, ob das alles so funk­tio­niert und ein­ge­hal­ten wer­den kann, aber lei­der haben wir dar­in kei­nen Ein­blick.” Vie­le Beschäf­tig­te machen sich laut Wie­se Sor­gen um ihre Arbeits­plät­ze. Weil weni­ger Fleisch ver­ar­bei­tet wird, wer­den auch weni­ger Mit­ar­bei­ter benö­tigt. Die­je­ni­gen, die auch jetzt – nach der Qua­ran­tä­ne – noch nicht arbei­ten dür­fen, fra­gen sich, ob sie trotz­dem bezahlt wer­den. Auch ob sich durch regel­mä­ßi­ge Kon­trol­len die Unter­brin­gun­gen von Werk­ver­trags­ar­bei­tern ver­bes­sern, fra­gen sich vie­le…” Bei­trag vom 16.07.2020 beim WDR externer Link
    • Sub­un­ter­neh­mer in der Fleisch­in­dus­trie: Die­se Män­ner lie­fern Tön­nies die Werk­ar­bei­ter
      Ohne Dumitru Micu­les­cu, Mar­kus San­der oder Josef Bes­sel­mann stün­den bei Tön­nies die Bän­der still. Ihre Unter­neh­men holen stän­dig neue Werk­ar­bei­ter nach Deutsch­land – und ver­die­nen dar­an, wo sie nur kön­nen. Doch das ange­kün­dig­te Ende der Werk­ver­trä­ge in der Fleisch­bran­che bedroht das Sys­tem. Es gibt einen Grund, dass im rumä­ni­schen Lokal­fern­se­hen manch­mal Wer­be­spots für den deut­schen Schlacht­kon­zern Tön­nies lau­fen. Die­ser Grund heißt Dumitru Micu­les­cu. In einem Spot ist er selbst zu sehen: In blau­em Jackett, mit leicht hoch­ge­gel­ten Haa­ren, erklärt er zwei Bewer­bern die Vor­zü­ge der Arbeit in der deut­schen Fleisch­in­dus­trie. Dann ein Schnitt ins Tön­nies-Werk. Schwei­ne­hälf­ten schwin­gen durchs Bild. Ein Schrift­zug erklärt: Micu­les­cus Unter­neh­men MGM „beschäf­tigt qua­li­fi­zier­te und unge­lern­te Arbeits­kräf­te“. Die Zuschau­er müs­sen nur noch zum Hörer grei­fen. Dumitru Micu­les­cu ist das, was man in Rumä­ni­en einen Lokal­ba­ron nennt. Der Lokal­fern­seh­sen­der gehört zu sei­nen Besitz­tü­mern, eben­so wie zahl­rei­che wei­te­re Unter­neh­men. (…) Sein Unter­neh­men MGM ist eines der ins­ge­samt 25 Sub­un­ter­neh­men von Tön­nies. Er stellt Arbeits­kräf­te ein, die im Auf­trag des Schlacht­kon­zerns in des­sen Hal­len Schwei­ne zer­le­gen oder Grill­spie­ße zusam­men­ste­cken. Mit etwa 1700 Beschäf­tig­ten ist Micu­les­cu der wahr­schein­lich wich­tigs­te Part­ner von Tön­nies. Kon­kur­renz um die­sen Titel machen ihm nur zwei ande­re Fir­men: Das Unter­neh­men DSI, des­sen Eigen­tü­mer Mar­kus San­der und Chris­ti­an Doits bes­te Ver­bin­dun­gen nach Polen haben – und der auf Rei­ni­gungs­kräf­te spe­zia­li­sier­te Unter­neh­mer Josef Bes­sel­mann. Ohne die­se Män­ner wäre die deut­sche Fleisch­in­dus­trie eine ande­re. In Deutsch­land las­sen sich kaum noch Arbeits­kräf­te fin­den, die in der Küh­le der Fabri­ken die kör­per­lich schwe­re Arbeit leis­ten wol­len, vor allem, wenn dabei kaum mehr als der Min­dest­lohn her­aus­springt. Des­halb wer­ben Sub­un­ter­neh­mer unab­läs­sig Arbeits­kräf­te aus Ost­eu­ro­pa an, legen ihnen Arbeits­ver­trä­ge vor, kar­ren sie nach Deutsch­land, brin­gen sie in eigens gemie­te­ten Woh­nun­gen unter – und ver­su­chen aus jedem ein­zel­nen Schritt auf die­sem Weg ein Geschäfts­mo­dell zu machen. (…) Umge­rech­net nur etwa 18 bis 19 Euro die Stun­de zah­len Tön­nies und Co den Sub­un­ter­neh­mern für die Arbeit der meist unge­lern­ten Kräf­te, heißt es in der Bran­che. Davon müs­sen die Sub­un­ter­neh­mer nicht nur den Min­dest­lohn, son­dern auch Steu­ern und Sozi­al­ab­ga­ben zah­len. Hin­zu kom­men die Kos­ten für Anwer­bung der Arbeits­kräf­te oder die Ver­wal­tung. Viel übrig bleibt in der Regel nicht. Wer zu teu­er ist, kann Auf­trä­ge ver­lie­ren. Des­halb nut­zen die Sub­un­ter­neh­mer auch ihre Ange­stell­ten, um Geld zu ver­die­nen: So besit­zen MGM oder Bes­sel­mann gleich meh­re­re Immo­bi­li­en­fir­men, über die sie Woh­nun­gen an Mit­ar­bei­ter ver­mie­ten. Auch den Trans­port zum Werk und zurück las­sen sie sich oft bezah­len, Bes­sel­mann etwa ver­langt dafür 100 Euro pro Monat von sei­nen Ange­stell­ten. Als beson­ders trick­reich gilt DSI. Der Name steht für Daten­ser­vice Inter­na­tio­nal. Den Ursprung hat das Unter­neh­men in der Lohn­ab­rech­nung. Statt Gehalts­ab­rech­nun­gen ver­ar­bei­tet DSI heu­te eher Werk­ar­bei­ter…” Arti­kel von Jac­que­line Goe­bel vom 15. Juli 2020 in der Wirt­schafts­wo­che online externer Link
    • [ZDFzoom] Tön­nies und die Werk­ver­trä­ge – Aus­beu­tung mit­ten in Deutsch­land
      “Die deut­sche Fleisch­in­dus­trie ist zum Brenn­glas für pre­kä­re Arbeits­ver­hält­nis­se, gie­ri­ge Unter­neh­mer und macht­lo­se Gewerk­schaf­ten gewor­den. Ist der deut­sche Arbeits­markt ein moder­ner Skla­ven­markt? “ZDFzoom” beleuch­tet die Hin­ter­grün­de. Die Tön­nies Hol­ding ist Deutsch­lands größ­ter Schlacht­be­trieb. Rund 25 000 Schwei­ne wer­den täg­lich im Stamm­werk in Rhe­da-Wie­den­brück getö­tet und ver­ar­bei­tet. Die über­wie­gen­de Zahl der Pro­duk­ti­ons­mit­ar­bei­ter kommt aus Ost­eu­ro­pa und ist mit Werk­ver­trä­gen beschäf­tigt. Sie sind oft bei Sub­un­ter­neh­men ange­stellt, die ihre Mit­ar­bei­ter häu­fig in aus­beu­te­ri­sche Arbeits­ver­hält­nis­se drän­gen. Werk­ver­trä­ge sind nicht nur in der Fleisch­in­dus­trie üblich, son­dern auch zum Bei­spiel im Bau­sek­tor, der Logis­tik­bran­che, bei Gebäu­de­rei­ni­gern oder in der Auto­mo­bil­in­dus­trie – also über­all dort, wo Arbeit­ge­ber ihre Beschäf­tig­ten nicht fest anstel­len wol­len, um hohe Lohn­kos­ten zu ver­mei­den. Das kri­ti­siert Prof. Dr. Mar­cel Fratz­scher vom Deut­schen Insti­tut für Wirt­schafts­for­schung scharf. Infla­ti­ons­be­rei­nigt sei­en die Unter­neh­mens­ge­win­ne in den ver­gan­ge­nen 30 Jah­ren um fast 80 Pro­zent gestie­gen, die Real­löh­ne dage­gen nur um rund 15 Pro­zent. Das ver­ur­sa­che ein gefähr­li­ches Schrump­fen der Mit­tel­schicht. Deutsch­land hat heu­te den größ­ten Nied­rig­lohn­sek­tor in ganz West-Euro­pa. Ursa­che dafür ist auch die Fle­xi­bi­li­sie­rung des Arbeits­mark­tes unter Ger­hard Schrö­der im Rah­men der Agen­da 2010. Heu­te ver­sucht die SPD unter Arbeits­mi­nis­ter Huber­tus Heil gegen­zu­steu­ern, doch in den Augen vie­ler Exper­ten, wie zum Bei­spiel Prof. Ste­fan Sell, Direk­tor des Insti­tuts für Sozi­al­po­li­tik und Arbeits­markt­for­schung der Hoch­schu­le Koblenz, grei­fen Heils Reform­vor­schlä­ge nicht weit genug. Dass es auch anders geht, zeigt ein Besuch in Däne­mark, eben­falls einer der ganz gro­ßen Schwei­ne­fleisch­pro­du­zen­ten in Euro­pa. Trotz­dem gibt es in der däni­schen Fleisch­in­dus­trie kei­ne ver­gleich­ba­ren Coro­na-Aus­brü­che wie beim deut­schen Markt­füh­rer Tön­nies. Ein Grund dafür: Werk­ver­trä­ge mit Sub­un­ter­neh­mern gebe es nicht, alle Mit­ar­bei­ter sind beim Unter­neh­men fest ange­stellt und in der Regel gewerk­schaft­lich orga­ni­siert. “In Däne­mark muss kein Mit­ar­bei­ter befürch­ten, wegen Krank­schrei­bung sei­nen Job zu ver­lie­ren”, so Jen­sen von der däni­schen Lebens­mit­tel-Gewerk­schaft, das sei in Deutsch­land anders. Die Autoren der Doku­men­ta­ti­on spre­chen mit Werk­ver­träg­lern, Gewerk­schafts­ver­tre­tern, Wis­sen­schaft­lern, Akti­vis­ten und Poli­ti­kern. Sie gehen dabei der Fra­ge nach, ob die pre­kä­ren aus­beu­te­ri­schen Beschäf­ti­gungs­ver­hält­nis­se den Sozi­al­staat aus­höh­len und zur Gewinn­ma­xi­mie­rung der Unter­neh­men im gro­ßen Stil miss­braucht wer­den.“ Film von Oli­ver Koy­tek, Jochen Schul­ze und Anja Marx in ZDFzoom am 15.07.2020 externer Link (Video ver­füg­bar bis 15.07.2021)
  • Tön­nies bean­tragt Lohn­kos­ten­er­stat­tung /​Tön­nies-Beschäf­tig­te in Qua­ran­tä­ne: Das gro­ße War­ten 
    • Tön­nies bean­tragt Lohn­kos­ten­er­stat­tung
      “Der Schlacht­be­trieb Tön­nies und wei­te­re Sub­un­ter­neh­mer haben beim Land­schafts­ver­band West­fa­len-Lip­pe (LWL) Anträ­ge auf Erstat­tung von Lohn­kos­ten durch das Land Nord­rhein-West­fa­len gestellt. Das bestä­tig­te ein Spre­cher des LWL dem SPIEGEL. Hin­ter­grund sind die Qua­ran­tä­ne­maß­nah­men, nach­dem sich nach­weis­lich rund 1400 Tön­nies-Arbei­ter am Stamm­sitz in Rhe­da-Wie­den­brück mit dem Coro­na­vi­rus infi­ziert hat­ten. Das Infek­ti­ons­schutz­ge­setz sieht die Erstat­tung der Lohn­kos­ten vor, wenn Gesund­heits­äm­ter einen Betrieb schlie­ßen und Qua­ran­tä­ne anord­nen. Die Löh­ne müs­sen vor­erst von den Unter­neh­men bezahlt wer­den und kön­nen bis zu einem Jahr rück­wir­kend erstat­tet wer­den. Die Anträ­ge wür­den jetzt nach Ein­gang abge­ar­bei­tet, sag­te der LWL-Spre­cher. Es sei noch völ­lig offen, um wel­che Sum­men es sich han­delt. Dabei gibt es Hin­wei­se, dass die vie­len Coro­na-Fäl­le in dem Unter­neh­men auch mit den Bedin­gun­gen dort zu tun haben könn­ten…“ Mel­dung vom 10.07.2020 beim Spie­gel online externer Link, sie­he dazu:
      • Tön­nies und die dop­pelt ver­ges­se­nen Unsicht­ba­ren an den Fließ­bän­dern der Fleisch­in­dus­trie
        “… Wirk­lich inter­es­sant an den Aus­füh­run­gen von Steg­ner sind nicht die Träu­me­rei­en von einem inhaf­tier­ten Fleisch­ba­ron, son­dern die­ser Pas­sus: „So jemand braucht nicht staat­li­che Hil­fe durch Steu­er­gel­der.“ Also das ist doch das Min­des­te, wer­den die in den Details unbe­las­te­ten Bür­ger an die­ser Stel­le unter­strei­chen, her­vor­he­ben und als Selbst­ver­ständ­lich­keit abhef­ten wol­len. Irr­tum. Denn genau um Steu­er­mit­tel geht es jetzt – und Tön­nies hat, wohl auch vor dem Hin­ter­grund der Debat­te sei­ne Per­son betref­fend, den Fin­ger auf eine gro­ße, offe­ne Wun­de für die Poli­ti­ker gelegt (was er nicht hät­te machen müs­sen, er hät­te das auch auf spar­sa­mer Flam­me betrei­ben kön­nen und wür­de den­noch an den Tropf mit den Steu­er­gel­dern kom­men). Um was genau geht es?…” Bei­trag vom 13. Juli 2020 von und bei Ste­fan Sell externer Link
      • Tön­nies – So steht Deutsch­lands größ­ter Schlach­te­rei­kon­zern finan­zi­ell da
        “Wegen des Coro­na-Aus­bruchs dro­hen Tön­nies hohe Ent­schä­di­gungs­for­de­run­gen. Doch Unter­neh­mer Cle­mens Tön­nies macht es schwer, die Ertrags­la­ge sei­nes Impe­ri­ums zu ent­schlei­ern. (…) Für den ost­west­fä­li­schen Schlach­te­rei­kon­zern, in dem sich mehr als 1550 Mit­ar­bei­ter mit dem Coro­na­vi­rus infi­zier­ten, könn­te es in den kom­men­den Wochen tat­säch­lich teu­er wer­den: Eine Kos­ten­über­nah­me für Coro­na-Tests in den Land­krei­sen Güters­loh und Waren­dorf hat das Unter­neh­men bereits zuge­sagt, Ver­trags­kün­di­gun­gen von Han­dels­ket­ten könn­ten fol­gen. Mög­li­cher­wei­se dro­hen sogar Ent­schä­di­gungs­zah­lun­gen an Bar­be­sit­zer oder Fit­ness­stu­di­os, wie sie zuletzt Bun­des­ar­beits­mi­nis­ter Huber­tus Heil (SPD) ins Spiel brach­te. Selbst die Bun­des­wehr wird Tön­nies für ihren umfang­rei­chen Ein­satz mög­li­cher­wei­se eine Rech­nung schrei­ben. (…) Doch Geschäfts­zah­len, die dem Han­dels­blatt vor­lie­gen, zei­gen: Den Bestand des Unter­neh­mens, mit einem Markt­an­teil von 30,3 Pro­zent größ­ter Schwei­ne­schlach­ter Deutsch­lands, dürf­te dies alles kaum gefähr­den. Zum Jah­res­en­de 2018, so zeigt der Geschäfts­be­richt, lagen 335 Mil­lio­nen Euro an flüs­si­gen Mit­teln in der Kon­zern­kas­se der Ost­west­fa­len. Zudem fan­den sich zum Bilanz­stich­tag 778 Mil­lio­nen Euro Eigen­ka­pi­tal in der Kon­zern­bi­lanz. (…) Dabei macht es Tön­nies Beob­ach­tern schwer, die Ertrags­la­ge sei­nes Impe­ri­ums zu ent­schlei­ern. Wer nach Anga­ben über den Gewinn sucht, muss unter ande­rem in Kopen­ha­gen beim „Erhvervss­ty­rel­sen“ vor­stel­lig wer­den, dem däni­schen Gewer­be­amt, in des­sen Regis­ter die „Tön­nies Hol­ding Ver­wal­tungs ApS“ als per­sön­lich haf­ten­der Gesell­schaf­ter ein­ge­tra­gen ist. Seit 2017 resi­diert die Kom­ple­men­tär­ge­sell­schaft des Kon­zerns nicht mehr in Rhe­da-Wie­den­brück, son­dern im däni­schen Brö­rup. Doch so ver­schach­telt der als „ApS & Co. KG“ geführ­te Gesamt­kon­zern auch immer auf­ge­baut ist, sicher ist eines: Für Schä­den durch den Coro­na-Aus­bruch haf­tet zunächst allein das Unter­neh­men. Per­sön­lich wür­den die Gesell­schaf­ter erst dann zur Kas­se gebe­ten, wenn es zur Insol­venz käme – wonach es nicht aus­sieht. (…) Dabei glaubt das US-Wirt­schafts­ma­ga­zin „For­bes“, dass Cle­mens und Robert Tön­nies jeweils ein Ver­mö­gen von zwei Mil­li­ar­den Euro besit­zen. Ein Teil des fami­liä­ren Immo­bi­li­en­ver­mö­gens befin­det sich laut Geschäfts­be­richt außer­halb des Kon­zerns. So hat Cle­mens Tön­nies in den ver­gan­ge­nen Jahr­zehn­ten in sei­ner Dop­pel­rol­le als Geschäfts­füh­rer und Gesell­schaf­ter offen­bar gut ver­dient…“ Arti­kel von Chris­toph Schlaut­mann und Kat­rin Terpitz vom 29.06.2020 im Han­dels­blatt online externer Link
    • Tön­nies-Beschäf­tig­te in Qua­ran­tä­ne: Das gro­ße War­ten
      Seit drei Wochen sind vie­le, die bei Tön­nies arbei­ten, in Qua­ran­tä­ne. Ihr Unmut rich­tet sich gegen die Behör­den und gegen ihre Arbeit­ge­ber. (…) Vie­le sit­zen seit drei Wochen in ihren Unter­künf­ten und sind schlecht gelaunt. Sie wis­sen nicht, wann sie wie­der raus­dür­fen. Sie wis­sen nicht, ob sie für die Zeit der Qua­ran­tä­ne Geld bekom­men. Man­che krie­gen nicht genug Essen, sagen sie, weil die Sub­un­ter­neh­men, bei denen sie ange­stellt sind, zu wenig lie­fern. (…) Bei den Rumä­nen eska­liert die Situa­ti­on an die­sem Mon­tag, ein Mann schreit die Sol­da­ten an, die Dol­met­sche­rin ver­sucht zu über­set­zen: Immer nur Tests, kei­ne Ergeb­nis­se. Dann ver­schwin­det er im Haus und kommt nicht wie­der. Die ande­ren Bewoh­ner pro­tes­tie­ren eben­falls, las­sen sich dann aber den Wat­te­stab in den Mund ste­cken. Zwei­mal die Woche tes­ten Feu­er­wehr­leu­te, Sol­da­ten, Ange­stell­te von sozia­len Trä­gern und Frei­wil­li­ge die Arbei­ter und ihre Kon­takt­per­so­nen. Sie fah­ren in soge­nann­ten mobi­len Teams zu den Woh­nun­gen, klin­geln, fra­gen nach Sym­pto­men, neh­men Abstri­che und schi­cken sie ins Labor. Was sie nicht dabei­ha­ben: Infor­ma­tio­nen. Wie lan­ge dau­ert die Qua­ran­tä­ne noch? War­um darf mein Mit­be­woh­ner schon wie­der raus und ich nicht? Wer­den wir die­sen Monat bezahlt? Wann kön­nen wir wie­der arbei­ten? Sie ver­wei­sen dann auf eine Tele­fon­num­mer, die Hot­line des Gesund­heits­amts. Die Arbei­ter sagen, dort errei­chen sie sel­ten jeman­den, oft schei­te­re es auch an der Spra­che. Brz­ozow­ski sagt, dass sich auch eine deut­sche Freun­din für ihn erkun­digt habe – erfolg­los. „Ich habe kei­ne Infor­ma­tio­nen.“ (…) Eine Mit­ar­bei­te­rin ver­sucht, die unter­schied­li­chen Fäl­le zu erklä­ren. Beson­ders kom­pli­ziert ist es bei den­je­ni­gen, die Kon­takt zu Infi­zier­ten hat­ten, der Kreis schätzt die Zahl auf 4.500. Wann war der Kon­takt? Und vor allem: Wie schafft man es, die Men­schen in den engen Unter­künf­ten zu iso­lie­ren? Wer mit Covid-19 aus Ischgl nach Hau­se kam, hat­te sehr wahr­schein­lich ein eige­nes Zim­mer für die Qua­ran­tä­ne. Was aber, wenn die Men­schen in Stock­bet­ten schla­fen, sich Küchen und Toi­let­ten mit bis zu einem Dut­zend ande­ren tei­len? Seit Anfang Juli iso­liert der Kreis die posi­tiv Getes­te­ten in einer sepa­ra­ten Unter­kunft. (…) Wie vie­le ande­re Arbei­ter lebt Marek in einem geschlos­se­nen Sys­tem. Mit­ar­bei­ter von DSI über­wa­chen die Arbeit im Werk, sie notie­ren Stun­den und Stra­fen – und sie stel­len die Unter­kunft. Das ist nicht per se ille­gal, aber es führt zu Abhän­gig­keit. Die Mie­te und alle ande­ren Kos­ten wer­den direkt vom Lohn abge­zo­gen. Am Ende des Monats blei­ben den Arbei­tern oft nicht viel mehr als 1.000 Euro, auch wenn sie sechs Tage die Woche arbei­ten. „Die Mie­te kos­tet über 100 Euro im Monat“, sagt Marek. „Aber wir haben unter­schrie­ben, dass sie für jeden Krank­heits­tag 10 Euro ein­be­hal­ten dür­fen.“ Ein Ver­trag, der bis April 2020 lief und uns vor­liegt, bestä­tigt Mareks Aus­sa­ge. Wer unent­schul­digt feh­le, zah­le 100 Euro Stra­fe pro Tag. So sagen es meh­re­re Mit­ar­bei­ter. Ein Arbei­ter erzählt, dass dann ein DSI-Ange­stell­ter in die Unter­kunft käme, mit einem Steck­brief, ein A4-Papier mit aus­ge­druck­tem Foto. Die Arbei­ter nen­nen die­se Ange­stell­ten „Jagd­hun­de“. Man wer­de aus­ge­schimpft und nach den Grün­den befragt. In einer aktu­el­len Lohn­ab­rech­nung fin­den wir den Pos­ten „Abzug-Abmah­nung“. Es sind 100 Euro. Marek sagt, DSI trick­se, wo es gehe. Für die GEZ-Gebühr zah­len alle 5 Euro pro Monat – egal ob 4 Men­schen in der Unter­kunft woh­nen oder 8. Auch die­ser Pos­ten taucht auf einer Lohn­ab­rech­nung auf, die wir ein­se­hen kön­nen. Zudem sei die Abrech­nung der Arbeits­zeit oft nicht kor­rekt. (…) Die Arbei­ter berich­ten auch von Kol­le­gen, die auf der Stra­ße lan­den, wenn sie gekün­digt wer­den. „Wenn du arbei­test, ist alles gut“, sagt die Sozi­al­ar­bei­te­rin Kukieł­ka über die Sub­un­ter­neh­mer-Struk­tur. „Aber wenn du krank wirst, bist du nicht nur arbeits­los, son­dern sofort auch obdach­los.“ In Qua­ran­tä­ne sind die Sub­un­ter­neh­men für die Ver­sor­gung der Arbei­ter ver­ant­wort­lich. Marek sagt, dass sie so lan­ge Essen bekom­men hät­ten, bis die Ers­ten aus der Qua­ran­tä­ne ent­las­sen wur­den. Die hät­ten für die ande­ren ein­kau­fen sol­len. Er rech­net damit, dass ihnen das Essen vom Gehalt abge­zo­gen wird.” Arti­kel von Jonas Seufert und Luka­sz Gra­jew­ski vom 11.7.2020 in der taz online externer Link
  • “Zustän­de sind erbärm­lich”: So müs­sen Tön­nies-Arbei­ter leben 
    Ver­schim­mel­te Wän­de, bis zu acht Per­so­nen in einem Zim­mer, eine Toi­let­te für 20 Mann: Mit der Coro­na-Kri­se kom­men die Bedin­gun­gen ans Licht, unter denen Werks­ar­bei­ter in der Fleisch­in­dus­trie arbei­ten. Die Initia­ti­ve “Werk­FAIR­trä­ge” doku­men­tiert seit Jah­ren die­se Zustän­de. Der mas­sen­haf­te Coro­na-Aus­bruch bei der Tön­nies-Fleisch­fa­brik in Rhe­da-Wie­den­brück hat ein Schlag­licht auf die Arbeits­be­din­gun­gen in dem Indus­trie­zweig gewor­fen. Die Unter­brin­gung der Arbei­ter, die mit Werk­ver­trä­gen das Gros der Pro­duk­ti­on stem­men, ist mit­un­ter unwür­dig. Ein Zustand, den die Inter­es­sen­ge­mein­schaft “Werk­FAIR­trä­ge” schon seit Jah­ren anpran­gert. Inge Bult­sch­nie­der kämpft seit 2012 für bes­se­re Bedin­gun­gen für die zumeist ost­eu­ro­päi­schen Beschäf­tig­ten. Wäh­rend eines Kran­ken­haus­auf­ent­halts teil­te sie sich ein Zim­mer mit einer Bul­ga­rin, die bei Tön­nies arbei­te­te. Die­se berich­te­te ihr von den schwe­ren Arbeits­be­din­gun­gen, den vie­len Über­stun­den und der mise­ra­blen Wohn­si­tua­ti­on der Arbei­ter aus Ost­eu­ro­pa. Bult­sch­nie­der grün­de­te dar­auf­hin eine Bür­ger­initia­ti­ve und orga­ni­sier­te Demons­tra­tio­nen. Vor allem die Igno­ranz, mit der Öffent­lich­keit und Poli­tik der Situa­ti­on seit Jah­ren begeg­nen, bringt Bult­sch­nie­der auf: “Es inter­es­siert nie­man­den, ob die Men­schen hier in den Häu­sern krank wer­den. Die Zustän­de sind erbärm­lich! Sol­che Bil­der kennt man nur aus den ärms­ten Län­dern der Welt, nicht aber aus Deutsch­land”, sagt Bult­sch­nie­der scho­ckiert. “Im Kel­ler steht das Was­ser, der Geruch ist abar­tig und die Wän­de sind schwarz.” Fotos, die ntv vor­lie­gen und in die­sem Arti­kel zu sehen sind, doku­men­tie­ren exem­pla­risch die Män­gel in der Unter­brin­gung der Arbei­ter. Vier bis acht Per­so­nen tei­len sich ein Zim­mer, schla­fen in Dop­pel­stock­bet­ten, bis zu 20 Mit­ar­bei­ter nut­zen eine ein­zi­ge Toi­let­te. Die Wän­de sind schim­me­lig – die Zustän­de der Woh­nun­gen, in denen die ost­eu­ro­päi­schen Werks­ar­bei­ter von Tön­nies leben muss­ten, sind nicht nur kata­stro­phal, son­dern auch gesund­heits­schäd­lich…” Bei­trag mit Bil­dern vom 09. Juli 2020 bei ntv​.de externer Link, sie­he auch: „IG Werk­FAIR­trä­ge“ externer Link: Inter­es­sen­ge­mein­schaft für fai­re Lebens- und Arbeits­be­din­gun­gen für Werkvertragsarbeiter_​innen in Rhe­da-Wie­den­brück und Umge­bung
  • Shut Down Schwei­ne­sys­tem ruft zum bun­des­wei­ten Akti­ons­tag gegen den Tön­nies-Kon­zern auf /​Akti­on gegen Arbeits­un­recht stellt Miet­wu­cher-Sam­mel­an­zei­ge an Gene­ral­staats­an­walt­schaft Hamm /​Tön­nies soll Pro­duk­ti­on erhöht haben – trotz Coro­na 
    • Shut Down Schwei­ne­sys­tem: Bünd­nis ruft zum bun­des­wei­ten Akti­ons­tag gegen den Tön­nies-Kon­zern auf
      “… Unter dem Mot­to „Shut Down Schwei­ne­sys­tem! — Gegen Ras­sis­mus, Leih­ar­beit und Lohn­dum­ping!“ haben sich Grup­pen aus Ber­lin, Köln, Bie­le­feld, Göt­tin­gen, Osna­brück und Müns­ter zusam­men­ge­schlos­sen, um gegen die untrag­ba­ren Zustän­de in der Fleisch­in­dus­trie aktiv zu wer­den und sich mit den Beschäf­tig­ten zu soli­da­ri­sie­ren. Bereits an die­sem Wochen­en­de fan­den Pro­test­ak­tio­nen vor dem Tön­nies-Werk in Rhe­da-Wie­den­brück, in Köln auf der Rhein­brü­cke und in Osna­brück statt (Bil­der sie­he unten). Für die kom­men­den Wochen kün­digt die Kam­pa­gne wei­te­re Aktio­nen und einen bun­des­wei­ten Akti­ons­tag an. Anlass zur Grün­dung der Kam­pa­gne ist der Coro­na-Aus­bruch beim Tön­nies Kon­zern im Kreis Güters­loh. „Es ist kei­ne Über­ra­schung, dass sich das Coro­na­vi­rus unter der Beleg­schaft des Kon­zerns aus­brei­tet, denn die­se ist in Sam­mel­un­ter­künf­ten zusam­men­ge­pfercht und muss sich im ‚Schicht­sys­tem‘ Bet­ten tei­len“, sagt Jonas Thal­berg, Spre­cher der Kam­pa­gne. „Die nun empör­ten Stim­men aus der Poli­tik, haben die aus­beu­te­ri­schen Ver­hält­nis­se über Jah­re unter­stützt und von ihnen pro­fi­tiert. So erhielt die loka­le CDU Rhe­da-Wie­den­brück sechs­stel­li­ge Sum­men an Spen­den­gel­dern von Tön­nies. Dass Sig­mar Gabri­el vom SPD-Bun­des­po­li­ti­ker zum bezahl­ten Bera­ter von Tön­nies gewor­den ist, spricht für das Ver­hält­nis der Poli­tik zur Wirt­schaft.“ so Thal­berg wei­ter. „Wir als Kam­pa­gne erklä­ren uns daher aus­drück­lich soli­da­risch mit den Arbeiter*innen des Schwei­ne­sys­tems Tön­nies, die öko­no­mi­scher Aus­beu­tung und ras­sis­ti­scher Stig­ma­ti­sie­rung aus­ge­setzt sind!“ …“ Pres­se­mit­tei­lung vom 05.07.2020 bei Shut Down Schwei­ne­sys­tem externer Link, sie­he für wei­te­re Infos die Akti­ons­sei­te des Bünd­nis­ses externer Link
    • Akti­on gegen Arbeits­un­recht stellt Miet­wu­cher-Sam­mel­an­zei­ge an Gene­ral­staats­an­walt­schaft Hamm
      Anzei­gen wegen Miet­wu­chers durch Sub­un­ter­neh­men und Ver­mie­ter kön­nen von Jeder­mann gestellt wer­den. Die Akti­on gegen Arbeits­un­recht hat mit ihrem Rechts­an­walt Eber­hard Rei­ne­cke eine Sam­mel­an­zei­ge bei der Gene­ral­staats­an­walt­schaft Hamm gestellt (pdf hier). Die­ses Vor­ge­hen ist im Fall des Miet­wu­chers mög­lich, da Staats­an­walt­schaf­ten hier zur Auf­nah­me von Ermitt­lun­gen ver­pflich­tet sind, sobald Hin­wei­se auf die­se Straf­tat vor­lie­gen. Wir rufen aus­drück­lich Jeden, der Kennt­nis von Sam­mel­un­ter­künf­ten und Wucher­mie­ten hat, dazu auf, unse­re Anzei­ge als Mus­ter zu nut­zen und Anzei­ge bei der zustän­di­gen Staats­an­walt­schaf­ten zu stel­len. Auf gewerb­lich betrie­be­nen Wucher ste­hen nach §291 Straf­ge­setz­buch (StGB) zwi­schen einem hal­ben bis zu zehn Jah­ren Haft…” Bei­trag von Jes­si­ca Reis­ner vom 6. Juli 2020 bei Arbeits­un­recht externer Link
    • Tön­nies soll Pro­duk­ti­on erhöht haben – trotz Coro­na
      “… Die Fir­ma Tön­nies soll in ihrem Schlacht­be­trieb in Rhe­da-Wie­den­brück ab Mai die Pro­duk­ti­on erhöht und damit die mas­sen­haf­te Ver­brei­tung des Coro­na­vi­rus begüns­tigt haben. Das berich­tet ein Fleisch­kon­trol­leur, der dort arbei­tet. Es sei­en “pro Woche 10.000 Schwei­ne mehr als zu die­ser Jah­res­zeit üblich geschlach­tet” wor­den, sagt der Mann, der sich anonym an den SPIEGEL gewen­det hat. Die Redak­ti­on konn­te sich anhand von Doku­men­ten von sei­ner Glaub­wür­dig­keit über­zeu­gen. Anfang Mai wur­de ein Schlacht­hof der Fir­ma West­fleisch in Coes­feld auf­grund eines Coro­na-Aus­bruchs geschlos­sen. Knapp 300 Beschäf­tig­te hat­ten sich infi­ziert. Die Tie­re, die dort nicht ver­ar­bei­tet wer­den konn­ten, sei­en nach Rhe­da-Wie­den­brück gekom­men, so der Kon­trol­leur. Die Beschäf­tig­ten im Zer­le­ge­be­reich hät­ten “Schul­ter an Schul­ter” gestan­den, da bei sol­chen Pro­duk­ti­ons­men­gen die Arbeits­schrit­te nur so in der gefor­der­ten Geschwin­dig­keit aus­ge­führt wer­den könn­ten. “Damit die Arbei­ter ein­ein­halb Meter Abstand hal­ten kön­nen, müss­te das För­der­band halb so schnell lau­fen. Statt­des­sen wur­de zuletzt sogar noch mehr geschlach­tet als sonst.” Mit­te Mai ließ der Kreis Güters­loh meh­re­re Tau­send Beschäf­ti­ge des Schlacht­hofs in Rhe­da-Wie­den­brück auf das Coro­na­vi­rus tes­ten. Es gab damals bereits sie­ben infi­zier­te Arbei­ter…“ Arti­kel von Lukas Eber­le vom 03.07.2020 beim Spie­gel online externer Link
  • Rumä­ni­sche Tön­nies-Arbei­ter: “Bis zum lie­ben Gott fres­sen dich die Hei­li­gen!”
    “Immer mehr Men­schen wagen es, über Zustän­de im Fleisch­be­trieb Tön­nies und Machen­schaf­ten betei­lig­ter Sub­un­ter­neh­men zu reden. Die rumä­ni­sche DW-Redak­ti­on ist den Infor­ma­tio­nen in Deutsch­land und Rumä­ni­en nach­ge­gan­gen. (…) Eini­ge unse­rer Gesprächs­part­ner schil­dern ihre Erfah­run­gen ruhig, ande­re sind auf­ge­regt. Bei ihren Anru­fen sind oft Stim­men im Hin­ter­grund zu hören. Stim­men von Men­schen, die auch zu Wort kom­men wol­len. Vie­le sind seit Jah­ren bei Tön­nies beschäf­tigt, ande­re erst seit eini­gen Mona­ten. Über rumä­ni­sche Sub­un­ter­neh­mer sei­en sie nach Deutsch­land gekom­men, erzäh­len sie. Sub­un­ter­neh­mer, die – wie DW-Recher­chen in Rumä­ni­en und Deutsch­land zei­gen – über ihre Fir­men zu Hau­se und hier­zu­lan­de Zehn­tau­sen­de Frau­en und Män­ner aus Rumä­ni­en in der gesam­ten Bun­des­re­pu­blik als güns­ti­ge Arbeit­neh­mer ver­mit­teln. Die Masche läuft denk­bar ein­fach: Über Anzei­gen in Rumä­ni­en wer­den Arbeits­kräf­te gesucht – für Spar­gel­ste­chen, Erd­beer­ern­te oder Schlacht­hö­fe. Dann wird noch im Her­kunfts­land ein Ver­trag fer­tig­ge­macht. Der kos­tet den Arbeit­neh­mer für gewöhn­lich 100 Euro. Auch die Trans­port­kos­ten per Bus müs­sen oft vom Arbeit­neh­mer begli­chen wer­den (240 Euro für Hin- und Rück­rei­se). Der Min­dest­lohn von 9,35 Euro pro Stun­de wird garan­tiert, heißt es in allen Annon­cen. Aller­dings wer­den 7 Euro pro Tag Wohn­kos­ten – also rund 200 Euro für ein Bett in der Sam­mel­un­ter­kunft – und wei­te­re “Neben­kos­ten” fäl­lig. Obwohl laut Ver­trag ver­spro­chen wird, Über­stun­den extra zu bezah­len, fin­den sich die­se nicht immer auf dem monat­li­chen Lohn­zet­tel: vie­le Arbeit­neh­me­rin­nen und Arbeit­neh­mer erzäh­len, dass sie 700 bis 900 Euro net­to pro Monat ver­dient hät­ten. In eini­gen Fäl­len sei ein Teil der Über­stun­den bar “auf die Hand” aus­ge­zahlt wor­den – also am deut­schen Fis­kus vor­bei. (…) Den Mut, nach­zu­fra­gen, ob auch alles auf dem Lohn­zet­tel rich­tig sei, hat­ten die Wenigs­ten. Wag­ten sie es den­noch, hät­ten Schicht­lei­ter, Vor­ar­bei­ter und Sub­un­ter­neh­mer – alle­samt eben­falls Rumä­nen – immer und für alles eine Erklä­rung parat gehabt. Bis hin­auf zu den deut­schen Vor­ge­setz­ten oder gar zum “gro­ßen Chef” hät­te es sowie­so kei­nen Zugang gege­ben. “Bis zum lie­ben Gott fres­sen dich die Hei­li­gen” – die­ser bekann­te rumä­ni­sche Spruch kehrt häu­fig in unse­ren Gesprä­chen zurück. Und noch etwas wird klar: nicht alle Sub­un­ter­neh­mer ste­hen pau­schal in der Kri­tik. Es sei­en aber die vie­len “schwar­zen Scha­fe”, denen end­lich das Hand­werk gelegt wer­den müs­se, hören wir immer wie­der. Ein Unter­neh­men wird dabei auf­fal­lend oft genannt: MGM, eine Agen­tur in Ost­west­fa­len, deren Eigen­tü­mer Dumitru Micu­les­cu heißt. Die Recher­chen in Rumä­ni­en zei­gen, dass Micu­les­cu meh­re­re Fir­men in Deutsch­land und Rumä­ni­en kon­trol­liert, die von Arbeits­ver­mitt­lung bis hin zu Immo­bi­li­en breit auf­ge­stellt sind. Sei­ne Kar­rie­re begann im süd­ru­mä­ni­schen Land­kreis Dâm­bo­vița mit einer Schwei­ne- und Geflü­gel­zucht. Laut über­ein­stim­men­den Medi­en­be­rich­ten wur­de er 2011 in einem Kor­rup­ti­ons­pro­zess rechts­kräf­tig zu einer andert­halb­jäh­ri­gen Bewäh­rungs­stra­fe ver­ur­teilt. Trotz­dem lie­fen Micu­les­cus Geschäf­te unge­hin­dert wei­ter. Gut ver­netzt konn­te der Geschäfts­mann Fami­li­en­mit­glie­der und Freun­de in wich­ti­ge Ämter plat­zie­ren – und so ein Geflecht von Fir­men, loka­len Medi­en und staat­li­chen Behör­den kon­trol­lie­ren. Als erfolg­rei­cher Unter­neh­mer wur­de Micu­les­cu auch poli­tisch aktiv. Je nach Inter­es­sens­la­ge in der Regi­on wech­sel­te er dabei mehr­mals quer­beet die Par­tei­zu­ge­hö­rig­keit, von links nach rechts und zurück. Unlieb­sa­me Kon­kur­ren­ten und poli­ti­sche Geg­ner soll er mehr­fach unter Druck gesetzt und sogar bedroht haben, wird uns berich­tet. Genützt hat es ihm schein­bar nicht viel: Ohne sicht­li­che Erfol­ge kehr­te Micu­les­cu der Poli­tik 2016 den Rücken. Seit­dem kon­zen­triert er sich auf sein ste­tig wach­sen­des Fir­men-Netz­werk in Deutsch­land. Micu­les­cus Ruf, Kri­ti­ker zu bedro­hen und Arbeit­neh­mer unter Druck zu set­zen, beglei­tet ihn auch in Ost­west­fa­len. Mit sei­nem erfolg­rei­chen “Geschäfts­mo­dell” – inklu­si­ve Lohn­dum­ping und Wucher­mie­ten in den eige­nen Immo­bi­li­en für “sei­ne” Werk­ver­träg­ler – geriet Dumitru Micu­les­cu auch in Deutsch­land in die Schlag­zei­len, vor fünf Jah­ren in der Zeit, in den letz­ten Tagen im “Köl­ner Stadt-Anzei­ger” oder im “Spie­gel”. Eine Inter­view­an­fra­ge der DW blieb lei­der erfolg­los…“ Bei­trag von Robert Schwartz (Ber­lin), Cris­ti­an Ste­fa­nes­cu (Buka­rest), Adri­an Mogos (Buka­rest) vom 02.07.2020 bei der Deut­schen Wel­le externer Link
  • „Shut down Tier­in­dus­trie“: 30 Aktivist*innen vom Bünd­nis „Gemein­sam gegen die Tier­in­dus­trie“ besetz­ten am 4. Juni die Tön­nies-Schlacht­fa­brik in Rhe­da-Wie­den­brück 
    “30 Aktivist*innen vom Bünd­nis „Gemein­sam gegen die Tier­in­dus­trie“ beset­zen seit den frü­hen Mor­gen­stun­den das Dach des umstrit­te­nen Tön­nies-Schlacht­hofs in Rhe­da-Wie­den­brück sowie des­sen Haupt­zu­fahrts­stra­ße. Sie for­dern eine dau­er­haf­te Schlie­ßung der Schlacht­fa­brik und die Abschaf­fung der Tier­in­dus­trie. Für 11:30 Uhr ist außer­dem eine Kund­ge­bung vor dem Schlacht­hof ange­mel­det. Die Aktivist*innen haben ein Trans­pa­rent mit der Auf­schrift „Shut down Tier­in­dus­trie“ vom Dach her­un­ter­ge­las­sen. Auf der Zufahrts­stra­ße sind meh­re­re Per­so­nen anein­an­der­ge­ket­tet. Die Poli­zei ist vor Ort. Der Schlacht­hof ist der­zeit noch geschlos­sen: Mit­te Juni war bekannt gewor­den, dass sich mehr als 1.500 Mitarbeiter*innen mit Coro­na infi­ziert hat­ten. Die umge­ben­den Land­krei­se muss­ten daher einen neu­en Lock­down hin­neh­men, die Wut ist groß. Heu­te ab 11:30 Uhr ist eine Kund­ge­bung ange­mel­det, zu der über hun­dert Men­schen erwar­tet wer­den. Trotz anhal­ten­der Pro­tes­te wird befürch­tet, dass der Betrieb bald wie­der auf­ge­nom­men wer­den soll. Wir sind noch mit­ten in der Pan­de­mie“, sagt Isa Suhr vom Bünd­nis gegen die Tier­in­dus­trie. „Um Arbeiter*innen und Anwohner*innen zu schüt­zen, muss der Schlacht­hof dau­er­haft geschlos­sen blei­ben…“ Pres­se­mit­tei­lung vom 04.07.2020 von und bei bei Gemein­sam gegen die Tier­in­dus­trie externer Link, sie­he auch:
    • Tön­nies Schlacht­fa­brik besetzt, Ticker:
      “17:25 Uhr: Die 3 Genoss*innen wur­den soeben frei­ge­las­sen und wur­den unter Bei­fall von der Soli­da­ri­täts­mahn­wa­che emp­fan­gen.
      15:30 Uhr: Vor der Poli­zei­wa­che in Güters­loh ver­sam­meln sich eini­ge Men­schen um für die Frei­las­sung der drei Aktivist*innen zu demons­trie­ren. Die­se wur­den vor etwa 2 Stun­den mit Hand­schel­len abge­führt und in Gewahr­sam genom­men.
      13:45 Uhr: Die drei Aktivist*innen wur­den mit Hand­schel­len abge­führt und in die Poli­zei­wa­che in Güters­loh gebracht. Wir ver­ur­tei­len die­ses unnö­ti­ge Ver­hal­ten der Poli­zei aufs Schärfs­te! (…)
      12:20 Uhr: Die Aktivist*innen der Stra­ßen­blo­cka­de haben sich mit der Mahn­wa­che zusam­men­ge­tan. Mehr als 100 Men­schen demons­trie­ren ver­eint gegen Tön­nies.
      12:10 Uhr: Die Aktivist*innen vom Dach sind jetzt alle frei.
      11:50 Uhr: Die Poli­zei ver­hält sich durch­ge­hend unko­ope­ra­tiv der Pres­se gegen­über. Journalist*innen wur­den nicht in die Nähe der Akti­on gelas­sen, dadurch wur­de eine unab­hän­gi­ge Bericht­erstat­tung erschwert. Außer­dem wur­de einem Jour­na­lis­ten ange­droht, die Kame­ra abge­ben zu müs­sen, wenn er wei­ter ihre will­kür­li­che Kon­trol­le doku­men­tie­re.
      11:45 Uhr: Die Dach-Aktivist*innen, woll­ten nach Abspra­che mit der Poli­zei ohne Repres­sio­nen das Gelän­de ver­las­sen. Nach­dem dies zuge­stan­den wur­de, wur­den sie kurz dar­auf wegen “Ver­stoß gegen das Ver­mum­mungs­ver­bot” gestoppt – eine Per­son wird der­zeit fest­ge­hal­ten! (…)
      04.10 Uhr: 25 Aktivist*innen blo­ckie­ren die Haupt­zu­fahrt
      04.00 Uhr: 4 Aktivist*innen gelan­gen auf das Dach und dro­pen ein Ban­ner mit der Auf­schrift “Shut Down Tier­in­dus­trie!” Ticker vom 04.07.2020 bei Gemein­sam gegen die Tier­in­dus­trie externer Link
    • Fotos von der Akti­on externer Link ebd.
  • Sub­un­ter­neh­men: Auf­re­gung um plötz­li­che Kurz­ar­beit bei Tön­nies /​Kreis Güters­loh: Tön­nies-Sub­un­ter­neh­men las­sen Mit­ar­bei­ter in Qua­ran­tä­ne im Stich 
    • Sub­un­ter­neh­men: Auf­re­gung um plötz­li­che Kurz­ar­beit bei Tön­nies
      Gewerk­schaf­ter wer­fen Sub­un­ter­neh­men des Schlacht­hofs vor, Mit­ar­bei­ter mit frag­wür­di­gen Metho­den in Kurz­ar­beit zu drän­gen – und zwar “unver­züg­lich”. (…) MGM hat sei­nen Sitz in Bodes Nach­bar­ort Schloß Hol­te-Stu­ken­b­rock und ist eines jener Sub­un­ter­neh­men, die für die Fleisch­fa­brik Tön­nies Arbeits­kräf­te zur Ver­fü­gung stel­len. Gesell­schaf­ter Dumitru Micu­les­cu ist zugleich Geschäfts­füh­rer der MTM Dienst­leis­tung GmbH. Die bei­den Unter­neh­men haben nicht nur die­sel­be Adres­se, son­dern bie­ten auch die glei­che Leis­tung an, “die Fleisch-Grob­zer­le­gung und Schlach­tung in indus­tri­el­len Betrie­ben”. Gewerk­schaf­ten schät­zen, dass die bei­den Fir­men jeweils meh­re­re Hun­dert Arbei­te­rin­nen und Arbei­ter beschäf­ti­gen, die im Auf­trag von Tön­nies Schwei­ne und Rin­der zer­schnei­den. Seit dem mas­si­ven Coro­na­vi­rus-Aus­bruch im Tön­nies-Werk müs­sen sie in ihren Unter­künf­ten blei­ben. Die­se Sub­un­ter­neh­men wol­len für ihre Mit­ar­bei­ter nun offen­bar Kurz­ar­beit bean­tra­gen. Der Süd­deut­schen Zei­tung liegt eine Mit­tei­lung der bei­den Geschäfts­füh­rer “an alle Mit­ar­bei­te­rin­nen und Mit­ar­bei­ter der Fir­ma MTM” vor, in der sie ankün­di­gen, dass “ab dem 20. Juni 2020 bis auf wei­te­res Kurz­ar­beit ein­ge­führt” wer­de. (…) In dem Schrei­ben heißt es, “für den Arbeit­neh­mer” sol­le nun “Kurz­ar­beit Null” gel­ten. Man wer­de “unver­züg­lich” bei der Arbeits­agen­tur einen Antrag stel­len. Sozi­al­ver­si­che­rungs­pflich­tig Beschäf­tig­te haben dann in der Regel Anspruch dar­auf, dass ihnen die Arbeits­lo­sen­ver­si­che­rung min­des­tens 60 Pro­zent ihres Gehalts zahlt. Der Arbeit­ge­ber spart sich die­se Kos­ten. In der Mit­tei­lung der MTM-Chefs heißt es sogar, dass alle Leis­tun­gen, die Arbeit­neh­mer “zu spä­te­ren Zeit­punk­ten” bekä­men, “ent­spre­chend der ver­kürz­ten Arbeits­zeit ermit­telt” wür­den. Gemeint sei­en etwa “Urlaubs­ent­gelt” oder “Ent­gelt­fort­zah­lung”. Das heißt: Wer jetzt nicht arbei­tet, hat spä­ter auch weni­ger Anspruch. Eine Rege­lung, sagt Armin Wie­se von der Gewerk­schaft Nah­rung-Genuss-Gast­stät­ten, der in ande­ren Unter­neh­men wohl kaum ein Betriebs­rat zustim­men wür­de. Der Gewerk­schaf­ter Szabolcs Sep­si vom DGB-Pro­jekt “Fai­re Mobi­li­tät” sagt, dass meh­re­re Mit­ar­bei­ter von MGM und MTM bereits gebe­ten wor­den sei­en, Kurz­ar­beits­be­schei­de zu unter­schrei­ben – und zwar mit Nach­druck. Auf sei­ner Face­book-Sei­te warnt das Pro­jekt die Arbei­ter in rumä­ni­scher Spra­che davor, sich auf sol­che Ver­ein­ba­run­gen ein­zu­las­sen. Sie hät­ten ein Recht auf ihr vol­les Gehalt. Zumal die­ses im Augen­blick gar nicht von den Sub­un­ter­neh­men selbst gezahlt wird: Wenn ein Gesund­heits­amt einen Betrieb schließt, muss der Staat laut Infek­ti­ons­schutz­ge­setz für die Löh­ne auf­kom­men…” Arti­kel von Kris­tia­na Lud­wig und Lina Ver­schwe­le vom 2. Juli 2020 in der Süd­deut­schen Zei­tung online externer Link
    • Kreis Güters­loh: Tön­nies-Sub­un­ter­neh­men las­sen Mit­ar­bei­ter in Qua­ran­tä­ne im Stich 
      Der Kreis Güters­loh kri­ti­siert die Qua­ran­tä­ne-Ver­sor­gung durch die Sub­un­ter­neh­men des Tön­nies-Kon­zerns. Nun haben die Behör­den die Poli­zei ein­ge­schal­tet. (…) 7000 Tön­nies-Mit­ar­bei­ter muss­ten Mit­te Juni in Qua­ran­tä­ne. Das Unter­neh­men ist für die Ver­sor­gung der direkt bei dem Schlacht­kon­zern ange­stell­ten Mit­ar­bei­ter zustän­dig, die Sub­un­ter­neh­mer für ihre jewei­li­gen Werk­ver­trags­ar­bei­ter. Ade­nau­er hat­te vor einer Woche Ver­tre­ter aller Tön­nies-Sub­un­ter­neh­men ein­be­stellt und sie auf­ge­for­dert, die­ser Für­sor­ge­pflicht nach­zu­kom­men. Der Land­rat ver­don­ner­te die Dienst­leis­ter außer­dem dazu, die Aus­lie­fe­run­gen an ihre Mit­ar­bei­ter zu doku­men­tie­ren und zustän­di­ge Ansprech­part­ner zu nen­nen. Am Ende hät­ten zwar alle Dienst­leis­ter zuge­sagt und ein ent­spre­chen­des Doku­ment unter­schrie­ben, teil­te der Kreis nun mit. Den­noch sei die Ver­sor­gung nicht spür­bar bes­ser gewor­den. „Es kann nicht sein, dass nun 60 Ein­satz­kräf­te vom Roten Kreuz, dem Mal­te­ser Hilfs­dienst, den Johan­ni­tern und dem THW im Dau­er­ein­satz sind“, so Ade­nau­er. Zudem wür­den den Kri­sen­stab „immer wie­der teils gro­tes­ke Details“ vom Umgang der Sub­un­ter­neh­mer mit ihren Ange­stell­ten und deren Ange­hö­ri­gen errei­chen. Eini­ge davon sei­en an die Poli­zei zur wei­te­ren Ver­an­las­sung wei­ter­ge­lei­tet wor­den, teil­te der Kreis mit. Details zu den Vor­komm­nis­sen und dazu, um wel­che Sub­un­ter­neh­men es kon­kret ging, woll­te ein Spre­cher jedoch nicht kom­men­tie­ren, solan­ge die Vor­wür­fe nicht bestä­tigt sind. Das Poli­zei­prä­si­di­um Bie­le­feld ver­wies ledig­lich auf die Mit­tei­lung des Krei­ses…” Arti­kel von Micha­el Ver­für­den vom 1.7.2020 im Han­dels­blatt online externer Link (im Abo)
  • Kan­ti­nen-Video: Mit­ar­bei­te­rin des Cate­rers erhält frist­lo­se Kün­di­gung /​Fah­rer in Qua­ran­tä­ne lie­fer­ten Waren aus, auch in die Nie­der­lan­de 
    • Kan­ti­nen-Video: Mit­ar­bei­te­rin eines Cate­rers erhält frist­lo­se Kün­di­gung
      Kla­ge vor dem Arbeits­ge­richt ein­ge­reicht – Frau soll Auf­nah­me von Tön­nies-Kan­ti­ne in sozia­len Netz­wer­ken ver­brei­tet haben. Bei der Fir­ma erhielt die Mit­ar­bei­te­rin bereits Haus­ver­bot, teilt das Arbeits­ge­richt Bie­le­feld mit. In einem Güte­ter­min habe die Klä­ge­rin am 9. Juni nicht bestrit­ten, das Video gepos­tet zu haben. Das Kan­ti­nen-Video hat­te im Inter­net für viel Wir­bel gesorgt – ins­be­son­de­re weil zunächst nicht klar war, wann die Sequenz auf­ge­nom­men wor­den war…” Mel­dung vom 30.06.2020 im West­fa­len­blatt online externer Link
    • Neue Vor­wür­fe im Coro­na-Skan­dal um Tön­nies: Fah­rer in Qua­ran­tä­ne lie­fer­ten Waren aus
      Im Coro­na-Skan­dal um den Fleisch­kon­zern Tön­nies gibt es neue Vor­wür­fe: Fah­rer einer Spe­di­ti­on sol­len nach WDR-Recher­chen am 20. Juni 2020, einem Sams­tag, per SMS Tou­ren­auf­trä­ge erhal­ten haben, die am Sonn­tag (21.06.2020) star­te­ten. Das Bri­san­te: Die­se Fah­rer am Stand­ort Rhe­da-Wie­den­brück stan­den eigent­lich – wie alle ande­ren – unter Qua­ran­tä­ne. Sie wur­den indes doch los­ge­schickt, um Waren aus­zu­lie­fern. Ein Tön­nies-Spre­cher sag­te dazu, dass an besag­tem Sonn­tag 14 Tou­ren von außer­halb des Betriebs­ge­län­des gestar­tet sind. Die Fah­rer sei­en noch am sel­ben Tag auf­ge­for­dert wor­den, ihre Tour zu been­den. Über die Tour­da­ten, Kun­den und Ziel­or­te woll­te der Spre­cher kei­ne Aus­kunft geben. Dass die Fah­rer über­haupt los­ge­schickt wur­den, erklärt das Unter­neh­men in einer Email mit Unklar­hei­ten über den Sta­tus der Fah­rer am Wochen­en­de. “Nach­dem geklärt wer­den konn­te, dass hier eine Qua­ran­tä­ne vor­liegt, wur­den die Tou­ren gestoppt”, sag­te ein Tön­nies-Spre­cher. Damit wider­spricht sich das Unter­neh­men selbst, denn zuvor hat­te ein Spre­cher dem WDR geschrie­ben, dass die Qua­ran­tä­ne bereits am Sams­tag (20. Juni) geklärt gewe­sen sei. Der Kreis Güters­loh will der Sache nun nach­ge­hen. (…) Am glei­chen Wochen­en­de hat­ten Tön­nies bezie­hungs­wei­se Lkw der zum Kon­zern gehö­ren­den Spe­di­ti­on Tevex in den Nie­der­lan­den für ein gewis­ses Auf­se­hen gesorgt. Auf einem Umschlag­platz für Obst und Gemü­se in Ven­lo tauch­ten am Sams­tag zuerst ver­ein­zelt, dann über die Tage bis zu 80 Lkw mit Auf­lie­gern von Tön­nies und Tevex auf. Fah­rer des Spe­di­teurs Mat­thi­as Wei­ße machen Fotos und Vide­os. Sie stel­len sich Fra­gen: Coro­na-Alarm in Güters­loh und hier sit­zen Fah­rer vor ihren Tön­nies-Anhän­gern? Der WDR frag­te nach: Die Tön­nies-Anhän­ger waren zu einem Geschäfts­part­ner in die Nie­der­lan­de gebracht wor­den. Der hat­te die Ware umge­packt und für die Kun­den zusam­men­ge­stellt. (…) Exter­ne Logis­tik­part­ner – mit sol­chen arbei­tet Tön­nies regel­mä­ßig zusam­men. Das weiß Gewerk­schaf­ter Micha­el Wahl, der spe­zi­ell Arbeits­kräf­te in der Logis­tik­bran­che betreut. Er sag­te, die exter­nen Fah­rer hiel­ten sich auf dem Werks­ge­län­de auf, sei­en mit ande­ren Mit­ar­bei­tern in Kon­takt. Gegen­über dem WDR beton­te Wahl: “So wie wir die Fah­rer immer wie­der spre­chen, erzäh­len sie uns, dass sie in die Betriebs­ab­läu­fe genau­so ein­ge­bun­den sind, wie die Fah­rer von Tevex-Deutsch­land.” Die Anstel­lungs­be­din­gun­gen bei den Sub­un­ter­neh­men sei­en ein­fach schlech­ter. Man ent­le­di­ge sich einem Teil der Ver­ant­wor­tung. “Und das ist ein Sys­tem, das wir in der gan­zen Logis­tik ken­nen, das sich sehr stark dem ähnelt, was wir aus der Fleisch­in­dus­trie ken­nen”, so Wahl…” Bei­trag vom 30.06.2020 beim WDR externer Link
  • [Fai­re Mobi­li­tät bit­tet um Geschenk­pa­ke­te für die in Qua­ran­tä­ne aus­har­ren­den Mit­ar­bei­ter] Über­wäl­tigt von der gro­ßen Soli­da­ri­tät /​Das Sys­tem Tön­nies. Aus­beu­tung, Ras­sis­mus, kapi­ta­lis­ti­sches Mas­sen­schlach­ten 
    • [Fai­re Mobi­li­tät bit­tet um Geschenk­pa­ke­te für die in Qua­ran­tä­ne aus­har­ren­den Mit­ar­bei­ter] Über­wäl­tigt von der gro­ßen Soli­da­ri­tät
      Im Zuge des Coro­na-Aus­bruchs im Fleisch­kon­zern Tön­nies hat eine Grup­pe von Gewerk­schaf­ten dazu auf­ge­ru­fen, als Zei­chen der Soli­da­ri­tät Geschenk­pa­ke­te für die in Qua­ran­tä­ne aus­har­ren­den Mit­ar­bei­ter zu packen. Die Unter­stüt­zung durch die Bür­ger ist groß. Szabolcs Sep­si von der Bera­tungs­stel­le Fai­re Mobi­li­tät for­dert mehr Respekt für die har­te Arbeit der Tön­nies-Beschäf­tig­ten: „Sie trifft kei­ne Schuld an der aktu­el­len Situa­ti­on, aber sie haben sehr unter die­ser zu lei­den.“ Es habe bereits Rück­mel­dun­gen von Anfein­dun­gen und Aus­gren­zun­gen gege­ben. „Rumä­nen und Bul­ga­ren haben uns berich­tet, dass ihnen der Zutritt zu Geschäf­ten ver­wehrt wird“, sagt der 32-Jäh­ri­ge. „Wir haben bereits seit ver­gan­ge­ner Woche über­legt, wie wir etwas für die Beschäf­tig­ten tun und die Öffent­lich­keit mit ein­be­zie­hen kön­nen“, berich­tet Sep­si. Da die Men­schen in ihren Woh­nun­gen fest­sit­zen und mit Lebens­mit­teln bereits ver­sorgt wer­den, ent­stand beim Deut­schen Gewerk­schafts­bund die Idee, die Paket­ak­ti­on ins Leben zu rufen. „Als der Lock­down ver­kün­det wur­de, woll­ten wir das Pro­jekt so zügig wie mög­lich auf die Bei­ne stel­len“, berich­tet Hel­fe­rin Nico­le Panek von Pro Arbeit. Wei­te­re Unter­stüt­zer der Akti­on sind die Inter­es­sens­ge­mein­schaft Werk­fair­trä­ge, die Gewerk­schaft Nah­rung und Genuss, die IG Metall, Ver­di und Anne­lie Bun­ten­bach, ehe­ma­li­ges Mit­glied im DGB-Bun­des­vor­stand...” Mel­dung vom 26.06.2020 im West­fa­len­blatt online externer Link, sie­he dazu:
      • Im Zuge des #Coro­na-Aus­bruchs im Fleisch­kon­zern #Tön­nies haben Gewerkschafter*innen dazu auf­ge­ru­fen, als Zei­chen der Soli­da­ri­tät Geschenk­pa­ke­te für die in Qua­ran­tä­ne aus­har­ren­den Mitarbeiter*innen zu packen. Die Unter­stüt­zung ist groß. Über 800 Pake­te sind in etwa zwei Tagen auf unse­rem Soli­da­ri­täts­auf­ruf hin gepackt wor­den! Der Kreis Güters­loh und OWL zei­gen beein­dru­cken­de Soli­da­ri­tät mit den Beschäf­tig­ten des Tön­nies Schlacht­ho­fes in Qua­ran­tä­ne.” Fai­re Mobi­li­tät am 27.6. bei Twit­ter externer Link
    • Das Sys­tem Tön­nies. Aus­beu­tung, Ras­sis­mus, kapi­ta­lis­ti­sches Mas­sen­schlach­ten
      Im März 2020 muss­ten zwei jun­ge Män­ner je 250 Euro Stra­fe zah­len, weil sie (mit Abstand) zu zweit am Aasee in Müns­ter gegrillt haben. Mir kam das absurd und will­kür­lich vor, wäh­rend die Lokal­zei­tung „West­fä­li­sche Nach­rich­ten“ (WN) die Kri­mi­na­li­sie­rung als ange­mes­se­nes Durch­grei­fen gera­de­zu abfei­er­te. Vie­le Men­schen wur­den in den letz­ten Wochen kri­mi­na­li­siert, weil sie die aus mei­ner Sicht über­wie­gend sinn­vol­len Abstands- oder ande­re Coro­na-Regeln nicht ein­ge­hal­ten haben. Anders als die oben erwähn­ten Stu­den­ten, wur­de der Fleisch­pro­du­zent West­fleisch bis­her nicht belangt, obwohl sich im West­fleisch-Schlacht­hof in Coes­feld im Mai 2020 min­des­tens 283 Arbeiter*innen mit dem Coro­na-Virus infi­ziert haben, weil West­fleisch nicht dafür gesorgt hat, dass die über­wie­gend aus Rumä­ni­en kom­men­den Schlachtarbeiter*innen die Hygie­ne- und Abstands­re­geln ein­hal­ten kön­nen. Offen­bar noch dra­ma­ti­scher ist die Situa­ti­on für die Men­schen, die für Tön­nies in Rhe­da-Wie­den­brück unter extrem unwür­di­gen Bedin­gun­gen Tie­re am Fließ­band töten und zer­stü­ckeln. „Die Tön­nies Unter­neh­mens­grup­pe hat­te 2019 einen Jah­res­um­satz von 7,3 Mil­li­ar­den Euro. Dafür muss­ten 20.800.000 Schwei­ne und 440.000 Rin­der gewalt­sam ster­ben“, so die gemein­nüt­zi­ge Orga­ni­sa­ti­on „Libe­ra­ti­on Now“ am 21. Juni 2020. (…) Wel­che Stra­fe muss nun der dafür ver­ant­wort­li­che Mil­li­ar­där, Ras­sist und Super­sprea­der Tön­nies vor­aus­sicht­lich zah­len? Not­hing! Wie nennt sich das? Klas­sen­ge­sell­schaft. Der Kampf für eine klas­sen­lo­se, gewalt­freie, herr­schafts­lo­se Gesell­schaft ist auch das soli­da­ri­sche Ein­tre­ten für Öko­lo­gie und eine sozi­al gerech­te Welt, in der es kei­nen Kapi­ta­lis­mus, kei­ne Aus­beu­tung des Men­schen durch den Men­schen, kei­nen Ras­sis­mus und kei­ne indus­tri­el­len Mas­sen­schlach­tun­gen mehr gibt.” Kom­men­tar von Bernd Drü­cke vom 23. Juni 2020 in der Gras­wur­zel­re­vo­lu­ti­on externer Link
  • Mehr als 2000 Infi­zier­te /​Tön­nies-Arbei­ter könn­ten sich bei West­Crown-Kol­le­gen ange­steckt haben /​NRW-Gesund­heits­mi­nis­ter: Eini­ge Tön­nies-Arbei­ter durch “Lap­pen gegan­gen” 
    • Coro­na-Aus­bruch bei Tön­nies: Jetzt schon mehr als 2000 Infi­zier­te
      Nach dem Coro­na-Aus­bruch bei dem Schlacht­hof Tön­nies ist die Zahl der nach­weis­lich Infi­zier­ten wei­ter­hin gestie­gen. Lag die Zahl der Infi­zier­ten ges­tern noch bei 1952, stieg die­se am Mitt­woch auf 2054 an. Der­zeit wür­den 27 Pati­en­ten in Kran­ken­häu­sern sta­tio­när behan­delt – drei müss­ten beatmet wer­den…” RND/d­pa-Mel­dung vom 24.06.2020 externer Link
    • Tön­nies-Arbei­ter könn­ten sich bei West­Crown-Kol­le­gen ange­steckt haben
      Der Virus-Aus­bruch bei Tön­nies könn­te in Zusam­men­hang mit Infi­zier­ten des Kon­kur­ren­ten ste­hen. Mit­ar­bei­ter der Fir­men sol­len sich bei einem Got­tes­dienst getrof­fen haben. (…) Laut Dar­stel­lung des Unter­neh­mens Tön­nies und des Krei­ses Güters­loh infi­zier­ten sich ein­zel­ne Mit­ar­bei­ter bei dem Got­tes­dienst und kehr­ten danach in den Betrieb zurück. Der Erre­ger wur­de mög­li­cher­wei­se von West­Crown-Mit­ar­bei­tern aus dem nahe gele­ge­nen Dis­sen in die Kir­che getra­gen. Wäh­rend Tön­nies nahe­zu den gesam­ten Aus­bruch Mit­te Mai auf die Kir­chen­ge­mein­de zurück­führt, ant­wor­te­te die Kreis­ver­wal­tung dem Bericht zufol­ge, die Infek­ti­ons­ket­te sei nicht lücken­los auf­ge­klärt. Laut Aus­kunft des Land­krei­ses Osna­brück sol­len sich auch Mit­ar­bei­ter bei­der Unter­neh­men in einem Restau­rant getrof­fen haben…” Mel­dung vom 25. Juni 2020 in der Zeit online externer Link
    • Minis­ter: Eini­ge Tön­nies-Arbei­ter durch “Lap­pen gegan­gen”
      Gesund­heits­mi­nis­ter Karl-Josef Lau­mann (CDU) kann nach eige­nen Anga­ben nicht aus­schlie­ßen, dass man­che Tön­nies-Mit­ar­bei­ter nicht auf Coro­na getes­tet wor­den sind. Es kön­ne sein, dass “uns 20, 30 durch die Lap­pen gegan­gen sind”, sag­te Lau­mann am Don­ners­tag in einer Son­der­sit­zung des Gesund­heits­aus­schus­ses. Er ver­tei­dig­te aber das Vor­ge­hen der Behör­den…” dpa-Mel­dung vom 25. Juni 2020 in der Süd­deut­schen Zei­tung online externer Link
  • [Mehr als 1500 nach­weis­lich Infi­zier­te] “In Kern­be­rei­chen”: Tön­nies ver­spricht Abschaf­fung der Werk­ver­trä­ge [hat­ten wir schon mal vor Jah­ren] /​Über­sicht für Ver­brau­cher: Wo steckt das Tön­nies-Fleisch drin? /​Tön­nies-Mit­ar­bei­ter berich­tet über Coro­na-Ver­stö­ße im Mai 
    • “In Kern­be­rei­chen”: Tön­nies ver­spricht Abschaf­fung der Werk­ver­trä­ge [hat­ten wir schon mal vor Jah­ren]
      Cle­mens Tön­nies zähl­te zu den lau­tes­ten Ver­fech­tern von Werk­ver­trä­gen in der Fleisch­in­dus­trie. Nach dem Coro­na-Aus­bruch in sei­nem Betrieb will er sie weit­ge­hend strei­chen – dabei müss­te er das bald ohne­hin. (…) Deutsch­lands größ­ter Schlacht­be­trieb will dem­nach bis Ende 2020 alle Werk­ver­trä­ge “in allen Kern­be­rei­chen der Fleisch­ge­win­nung” abschaf­fen und die Mit­ar­bei­ter in der Tön­nies-Unter­neh­mens­grup­pe ein­stel­len. Das teil­te Tön­nies in Rhe­da-Wie­den­brück mit. Der Tön­nies-Kon­kur­rent West­fleisch hat­te ange­kün­digt, bis Ende des Jah­res sogar sämt­li­che Mit­ar­bei­ter selbst ein­zu­stel­len und auf Werk­ver­trags­an­bie­ter zu ver­zich­ten. Tön­nies will laut Ankün­di­gung noch wei­te­re Schrit­te gehen, um die Situa­ti­on sei­ner Arbei­ter zu ver­bes­sern. So sol­le flä­chen­de­ckend eine digi­ta­le Zeit­er­fas­sung an allen deut­schen Stand­or­ten für die Arbei­ter ein­ge­führt wer­den. (…) Außer­dem will das Unter­neh­men nach eige­nen Anga­ben aus­rei­chen­den und ange­mes­se­nen Wohn­raum für die Beschäf­tig­ten der Unter­neh­mens­grup­pe an den Stand­or­ten schaf­fen. Auch die­ser Punkt soll mög­lichst bis zum 1. Janu­ar 2021 umge­setzt wer­den. Nach Anga­ben eines Tön­nies-Spre­chers kön­ne es aber beim The­ma Woh­nen in den ver­blei­ben­den sechs Mona­ten bis Ende 2020 ein Zeit­pro­blem geben…” Mel­dung vom 23.06.2020 beim Spie­gel online externer Link, sie­he dazu:
      • Nach­hal­tig­keits­stra­te­gie: Tön­nies schafft Werk­ver­trä­ge ab
        Nach West­fleisch ver­kün­det auch Tön­nies, kei­ne Werk­ver­trags­ar­bei­ter mehr beschäf­ti­gen zu wol­len und bes­se­ren Wohn­raum zu schaf­fen. Die baye­ri­schen Tön­nies-Wer­ke sind der­zeit auch gestoppt. (…) Die Tön­nies Unter­neh­mens­grup­pe ver­kün­de­te am Diens­tag die Fort­set­zung der t30-Nach­hal­tig­keits­stra­te­gie, wozu auch die The­men­be­rei­che Arbeit, Woh­nen und Res­sour­cen­schutz gehö­ren: Abschaf­fung von Werk­ver­trä­gen in allen Kern­be­rei­chen der Fleisch­ge­win­nung – Direkt­ein­stel­lung die­ser Mit­ar­bei­ter in die Tön­nies Unter­neh­mens­grup­pe; Zügi­ge Schaf­fung von aus­rei­chend und ange­mes­se­nem Wohn­raum für die Beschäf­tig­ten der Unter­neh­mens­grup­pe an den Stand­or­ten; Flä­chen­de­cken­de digi­ta­le Zeit­er­fas­sung an allen deut­schen Stand­or­ten der Unter­neh­mens­grup­pe; Inte­gra­ti­ons­pro­gram­me zur Stär­kung der gesell­schaft­li­chen Akzep­tanz an unse­ren Stand­or­ten; Aus- und Fort­bil­dungs­pro­gram­me mit Schwer­punkt für über­nom­me­ner Mit­ar­bei­ter. Die genann­ten Rege­lun­gen wer­den ab sofort ange­gan­gen und sol­len mög­lichst ab dem 1. Janu­ar 2021 gel­ten, so das Unter­neh­men…” Arti­kel von Alfons Deter vom 23.06.2020 bei topagrar​.com externer Link
      • Hand drauf. Die frü­hen Ver­spre­chen des Cle­mens Tön­nies
        Arti­kel von Anne Kun­ze vom 24. Juni 2020 in der Zeit online externer Link (lei­der nur im Abo)
    • Das Elend der Fleisch­ar­bei­ter im rei­chen Deutsch­land
      Abhän­gig­keit. Aus­beu­tung. Kon­zer­ne der Fleisch­in­dus­trie machen Kas­se auf Kos­ten von Werk­ver­trags­ar­bei­tern. Ein Beschäf­tig­ter berich­tet über sei­ne Erleb­nis­se. Auch über man­geln­den Coro­na-Schutz in der Tön­nies-Fabrik. (…) Tön­nies-Mit­ar­bei­ter: “Wenn ich kei­nen Beweis habe, dass ich Coro­na habe, soll ich trotz­dem zur Arbeit gehen” (…) Tön­nies-Mit­ar­bei­ter ohne Test­ergeb­nis­se nach Bul­ga­ri­en zurück­ge­kehrt…” Bei­trag vom 23. Juni 2020 bei web​.de externer Link
    • Tön­nies-Mit­ar­bei­ter müs­sen in Bul­ga­ri­en in Qua­ran­tä­ne
      Erst kürz­lich hat Bul­ga­ri­en die Qua­ran­tä­ne­pflicht für Ein­rei­sen­de aus Deutsch­land auf­ge­ho­ben. Für Heim­keh­rer, die bei Tön­nies gear­bei­tet haben, gilt sie aber…” Agen­tur­mel­dung vom 23. Juni 2020 in der Zeit online externer Link
    • [Mehr als 1500 nach­weis­lich Infi­zier­te] Lock­down in Güters­loh
      Nach dem Coro­na-Aus­bruch beim Fleisch­ver­ar­bei­ter Tön­nies schrän­ken die Behör­den das öffent­li­che Leben im gesam­ten Kreis Güters­loh nun doch mas­siv ein. Erst­mals in Deutsch­land wer­de ein Kreis wegen des Coro­na-Infek­ti­ons­ge­sche­hens wie­der auf die Schutz­maß­nah­men zurück­ge­führt, wie sie im März gegol­ten hät­ten, sag­te NRW-Minis­ter­prä­si­dent Armin Laschet. Die Maß­nah­men gel­ten zunächst bis zum 30. Juni – auch für den benach­bar­ten Kreis Waren­dorf, dort aber nicht flä­chen­de­ckend. (…)Von 7000 Mit­ar­bei­tern der Fir­ma Tön­nies in Rhe­da-Wie­den­brück wur­den 1553 posi­tiv getes­tet, die meis­ten in der Abtei­lung Fleisch­zer­tei­lung. Hin­zu kämen laut Laschet eini­ge Fäl­le aus dem fami­liä­ren Umfeld der Betrof­fe­nen, deren Zahl aber noch nicht bekannt sei. Bei Nicht-Mit­ar­bei­tern von Tön­nies im Kreis Güters­loh habe man nur 24 Infi­zier­te, so Laschet. Der Minis­ter­prä­si­dent warf dem Bran­chen­rie­sen man­geln­de Koope­ra­ti­ons­be­reit­schaft vor. Daher hät­ten die Behör­den die Her­aus­ga­be von Daten der Werk­ar­bei­ter von Tön­nies durch­ge­setzt. “Da wur­de nicht mehr koope­riert, da wur­de ver­fügt”, so Laschet. Dass das Unter­neh­men den Daten­schutz ange­führt habe, sei kein Argu­ment. Aus Infek­ti­ons­schutz­grün­den wäre Tön­nies gesetz­lich ver­pflich­tet gewe­sen, die Daten der Beschäf­tig­ten zu über­mit­teln. Fra­gen des Scha­den­er­sat­zes gegen die Fir­ma Tön­nies könn­ten nach der Kri­se geprüft wer­den…” Mel­dung vom 23.06.2020 bei tages​schau​.de externer Link
    • Über­sicht für Ver­brau­cher: Wo steckt das Tön­nies-Fleisch drin?
      “Schon bei dem Gedan­ken, ein Stück Fleisch auf dem Tel­ler zu haben, wel­ches zuvor im Schlach­te­rei­un­ter­neh­men Tön­nies ver­ar­bei­tet wur­de, ist vie­len nicht wohl zumu­te. Schließ­lich ent­pupp­te sich Deutsch­lands größ­ter Schlacht­be­trieb als Coro­na­vi­rus-Brut­stät­te. Doch Tön­nies-Fleisch ist nicht leicht aus­zu­ma­chen. (…) Und wenn es ganz dumm läuft, gibt es das Coro­na­vi­rus noch oben drauf. Denn in Deutsch­lands größ­tem Schlacht­be­trieb, Tön­nies in Rhe­da-Wie­den­brück, wütet das Coro­na­vi­rus. Eige­nen Anga­ben zufol­ge wer­den hier pro Tag 750 Ton­nen fri­sches Fleisch und 100 Ton­nen Tief­kühl-Con­ve­ni­en­ce­pro­duk­te pro­du­ziert und ver­ar­bei­tet. Einen sehr hohen Markt­an­teil hat Tön­nies im Schwei­ne­fleisch-Seg­ment: Der betrug 2019 sat­te 30,3 Pro­zent, was rund 16,7 Mil­lio­nen Schwei­ne-Schlach­tun­gen ent­spricht. Und eben hier wur­den jüngst 1331 Mit­ar­bei­ter des Unter­neh­mens posi­tiv auf das Coro­na­vi­rus getes­tet. Das ent­spricht einem Fünf­tel der Beleg­schaft, wel­che der­zeit kom­plett unter Qua­ran­tä­ne steht. Lässt sich das Tier­wohl beim Fleisch­kon­sum meist noch aus­blen­den, hört für die meis­ten beim Coro­na­vi­rus der Spaß auf. Sprich, vie­le Ver­brau­cher wol­len auf Pro­duk­te aus dem Hau­se Tön­nies und gene­rell auf Fleisch aus Groß­be­trie­ben ver­zich­ten. Aber wo steckt eigent­lich über­all Tön­nies-Fleisch drin? Bei ver­pack­tem Fleisch müs­sen Ver­brau­cher auf dem Eti­kett eine Infor­ma­ti­on dar­über fin­den, in wel­chem Land bezie­hungs­wei­se in wel­chen Län­dern die Tie­re auf­ge­zo­gen und geschlach­tet wur­den, wie die Ver­brau­cher­zen­tra­le Nord­rhein-West­fa­len infor­miert. Zudem muss sich bei Fleisch­pro­duk­ten ein Iden­ti­fi­ka­ti­ons­zei­chen samt Code auf der Ver­pa­ckung befin­den. Laut Recher­chen der Ver­brau­cher­schüt­zer sind mit dem Tön­nies-Unter­neh­men in Rhe­da-Wie­den­brück fol­gen­de Kenn­zei­chen ver­bun­den: (…) Tön­nies belie­fert täg­lich vie­le Super­märk­te und Dis­coun­ter wie Rewe, Aldi und Lidl. Bei den Dis­coun­tern ste­hen die Pro­duk­te unter den Mar­ken­na­men “Land­jun­ker” und “Mei­ne Metz­ge­rei” im Fri­sche­re­gal. Zu Tön­nies gehört auch die “Zur Mühlen”-Gruppe, die seit 2017 voll­stän­dig Teil des Kon­zerns ist. Aus dem Hau­se “Zur Müh­len” kom­men fol­gen­de Mar­ken…“ Bei­trag bei ntv vom 22.06.2020 externer Link
    • Tön­nies-Mit­ar­bei­ter berich­tet über Coro­na-Ver­stö­ße im Mai
      “… Noch vor drei Wochen habe man in der Fabrik – bis auf Mas­ken­pflicht und auf­ge­stell­te Des­in­fek­ti­ons­mit­tel­spen­der – gear­bei­tet wie in “nor­ma­len Zei­ten”– auch des­halb, weil es nach wie vor vie­le Auf­trä­ge gege­ben hät­te. “Wir haben eng an eng an den Fließ­bän­dern gear­bei­tet, unge­fähr mit 50 Zen­ti­me­tern Abstand. In der Kan­ti­ne waren immer unge­fähr 300 Leu­te, auf den Trep­pen war immer Gedrän­ge”, erzählt der Mit­ar­bei­ter, der anonym blei­ben will. Teil­wei­se sei­en die Mas­ken auch abge­setzt wor­den, ohne dass es geahn­det wor­den sei. Zwar hat Tön­nies offi­zi­ell ein Hygie­ne-Kon­zept, unter­teilt zum Bei­spiel Mit­ar­bei­ter in Grup­pen, hat Pau­sen­zel­te ein­ge­rich­tet. Auf die Vor­wür­fe des Arbei­ters reagier­te die Fir­ma trotz WDR-Anfra­ge bis Sonn­tag­abend (21.06.2020) aber nicht. Doch auch der Arbeits­s­schutz fand Män­gel: Zwi­schen dem 11. und 18. Mai wur­den Kon­trol­len durch­ge­führt. Das Ergeb­nis: zu gerin­ge Abstän­de. Erst bei einer spä­te­ren Über­prü­fung Ende Mai sei alles in Ord­nung gewe­sen, teil­te die Bezirks­re­gie­rung Det­mold mit. Die Staats­an­walt­schaft ermit­telt bereits seit eini­gen Tagen gegen Tön­nies unter ande­rem wegen des Ver­dachts auf Ver­stoß gegen das Infek­ti­ons­schutz­ge­setz. (…) Die beson­de­re Rol­le der Fleisch­fir­ma zeigt sich bei den Zuge­ständ­nis­sen der Behör­den: In einer Ant­wort auf eine Anfra­ge der Grü­nen-Frak­ti­on an die Stadt Rhe­da-Wie­den­brück, die West­pol vor­liegt, wer­den spe­zi­el­le Regeln für Tön­nies beschrie­ben. Der Kreis Güters­loh und das Land NRW “haben in Abstim­mung fest­ge­stellt, dass Tön­nies einen Ver­sor­gungs­auf­trag als Unter­neh­men mit kri­ti­scher Infra­struk­tur hat”. Dies füh­re dazu, dass “nicht an allen Stel­len der Min­dest­ab­stand gewähr­leis­tet wer­den kann.”…“ Bei­trag von Rapha­el Mar­kert und Bernd Neu­haus vom 21.06.2020 beim WDR externer Link
  • [Mehr als 1300 posi­ti­ve Tests, die kom­plet­te Beleg­schaft in Qua­ran­tä­ne] Heil will Tön­nies für Coro­na-Aus­bruch zah­len las­sen /​Tön­nies und Coro­na: “Ein Staat im Staat” /​… 
    • [Mehr als 1300 posi­ti­ve Tests, die kom­plet­te Beleg­schaft in Qua­ran­tä­ne] Heil will Tön­nies für Coro­na-Aus­bruch zah­len las­sen
      7000 Men­schen sind bereits iso­liert, Kitas und Schu­len geschlos­sen: Der Coro­na-Aus­bruch im nord­rhein-west­fä­li­schen Rhe­da-Wie­den­brück beschäf­tigt die Behör­den vor Ort – aber auch die Poli­tik in Ber­lin. (…) Nach Anga­ben des Krei­ses Güters­loh, in dem Rhe­da-Wie­den­brück liegt, wur­den die Rei­hen­tests auf dem Tön­nies-Gelän­de am Sams­tag abge­schlos­sen. Dem­nach lagen zunächst 5899 Befun­de vor. Davon waren 1331 posi­tiv, also mehr als ein Fünf­tel. Die kom­plet­te Tön­nies-Beleg­schaft steht der­zeit unter Qua­ran­tä­ne…” Arti­kel vom 22.06.2020 beim Spie­gel online externer Link
    • Tön­nies und Coro­na: “Ein Staat im Staat”
      Die Arbeits­be­din­gun­gen in vie­len Fleisch­be­trie­ben sind ein Pro­blem, nun lei­den Arbei­ter auch noch unter wach­sen­dem Ras­sis­mus. Zwei Tön­nies-Mit­ar­bei­ter berich­ten. Nach weni­gen Minu­ten ploppt die ers­te Whats­app-Nach­richt auf, sie kommt von einem Mann, der hier Mari­us Popes­cu* hei­ßen soll. Die SZ hat in einer Face­book-Grup­pe für Rumä­nen in Nord­rhein-West­fa­len nach­ge­fragt, wer über die Arbeit in der Fleisch­in­dus­trie spre­chen will. Seit 2015 hat Popes­cu für die Fir­ma Tön­nies gear­bei­tet, bis er vor rund drei Wochen in Qua­ran­tä­ne muss­te. Auf das Fleisch­un­ter­neh­men bli­cken nun vie­le im Land, weil sich mehr als 1000 Mit­ar­bei­ter mit Covid-19 infi­ziert haben. Popes­cu spricht ruhig und abge­klärt. Es sei ja nicht alles an der Bran­che schlecht, sagt er. Vie­les, was er berich­tet, erklärt aller­dings, war­um kaum jemand in Schlacht­fa­bri­ken arbei­ten will. Für Tön­nies hat Popes­cu erst Fleisch ver­packt, spä­ter selbst geschnit­ten. Er berich­tet von 200 Stun­den Arbeit im Monat und Unter­künf­ten, in denen sich vor der Pan­de­mie drei bis sie­ben Per­so­nen ein Zim­mer teil­ten. Bei­des scheint ihn nicht zu scho­ckie­ren. “Natür­lich ist die Arbeit hart.” Frü­her war Popes­cu Sol­dat, das sei leich­ter gewe­sen. Er habe viel­leicht ein Zehn­tel so schwer gear­bei­tet wie bei Tön­nies. Anfangs habe er geglaubt, die Arbeit nicht zu schaf­fen – das indus­tri­el­le Schlach­ten erschien ihm zu bru­tal. Mitt­ler­wei­le sieht er sei­nen Job bei Tön­nies als Ram­pe. Über die Arbeit dort will er in Deutsch­land einen bes­se­ren Job in einer ande­ren Bran­che fin­den. Wirk­lich ver­wun­dert klingt Popes­cu nur bei einem The­ma. Schon vor rund sechs Wochen sei­en er und sei­ne Frau auf Coro­na getes­tet wor­den. Danach sei­en sie wei­ter zur Arbeit gegan­gen. Erst zwei Wochen spä­ter hät­te ihnen jemand die Ergeb­nis­se mit­ge­teilt: Popes­cus Frau war posi­tiv. War­um die Aus­wer­tung so lan­ge dau­er­te, kann er nicht ver­ste­hen. Auch nicht, dass es danach kei­ne wei­te­ren Tests gege­ben habe, und auch kei­ne Infor­ma­tio­nen. (…) Auch ande­re Arbei­ter sagen der SZ und der Bera­tungs­stel­le Fai­re Mobi­li­tät, dass es schon seit Län­ge­rem ein­zel­ne Coro­na-Fäl­le bei Tön­nies gege­ben habe. Nach Mari­us Popes­cu mel­den sich wei­te­re Arbei­ter bei der SZ, die meis­ten sind auf­ge­bracht. And­rei Ama­riei* schreibt, er wol­le Men­schen war­nen – vor der Aus­beu­tung auf Schlacht­hö­fen wie dem von Tön­nies. Ama­riei ist aus dem Geschäft aus­ge­stie­gen. (…) Beson­ders empört sei­en die Betrof­fe­nen in Qua­ran­tä­ne jetzt über die Behaup­tung, sie sei­en am lan­gen Wochen­en­de ver­reist und hät­ten so bei ihrer Rück­kehr das Virus ein­ge­schleppt. De fac­to hät­ten vie­le gear­bei­tet: “Es gab kein lan­ges Wochen­en­de für die Fleisch­in­dus­trie”, sagt Sep­si. “Die Aus­sa­ge ist ein­fach falsch und sie schürt Ras­sis­mus.” Schon jetzt gebe es mehr Aus­gren­zung: Men­schen berich­te­ten ihm, dass Arzt­pra­xen kei­ne Tön­nies-Mit­ar­bei­ter mehr hin­ein lie­ßen. Super­märk­te sol­len Men­schen abge­wie­sen haben, die sie für Rumä­nen hiel­ten. “Auch in Cos­feld war das schon so”, sagt Sep­si. Für And­rei Ama­riei ist das kei­ne gro­ße Über­ra­schung. Er sagt: “Rumä­nen stan­den immer schon am unters­ten Ende der sozia­len Lei­ter, auch Polen und Tür­ken schau­en auf uns her­ab.”…” Arti­kel von Lina Ver­schwe­le vom 21. Juni 2020 in der Süd­deut­schen Zei­tung online externer Link
    • Das Tön­nies-Desas­ter
      Mehr als 1000 Infek­tio­nen, feh­len­de Adres­sen und ver­lo­re­nes Ver­trau­en: Nach dem Coro­na-Aus­bruch in der Fleisch­fa­brik las­sen die Behör­den ihrem Ärger über den Kon­zern frei­en Lauf. Chef Cle­mens Tön­nies ver­sucht die Vor­wärts­ver­tei­di­gung. (…) Am Don­ners­tag hat­ten die Behör­den alle Kräf­te und sogar die Bun­des­wehr mobi­li­siert, um der Mas­sen­in­fek­ti­on in dem Schlacht­hof Herr zu wer­den. Am Frei­tag ver­füg­te der Kreis, dass alle rund 6500 Tön­nies-Mit­ar­bei­ter am Stand­ort Rhe­da-Wie­den­brück mit­samt allen Haus­halts­an­ge­hö­ri­gen in Qua­ran­tä­ne müs­sen – auch die Ver­wal­tung, das Manage­ment und die Kon­zern­spit­ze. (…) Der Kri­sen­stab, das ist zumin­dest die Ver­si­on von Kuhl­busch, bat die Werks­lei­tung um eine kom­plet­te Lis­te. Sie kam wohl am Frei­tag um die Mit­tags­zeit. Doch es fehl­te ein Drit­tel. Was folg­te, war “gutes Zure­den”, das aber zu nichts führ­te. “Irgend­wann sagt man so: Fei­er­abend”, pol­tert Kuhl­busch. Man habe sich die nöti­gen Befug­nis­se gesi­chert, den Werk­schutz mit­ge­nom­men und sei in die Ver­wal­tung ein­ge­drun­gen. Um 1.30 Uhr in der Nacht fan­den Kuhl­buschs Mit­ar­bei­ter in den vor­han­de­nen Unter­la­gen schließ­lich die gesuch­ten Adres­sen. Ein selt­sa­mer Vor­gang. War­um fehl­ten die Adres­sen? Waren sie nicht zu fin­den, oder woll­te man sie nicht her­ge­ben? Han­del­te es sich bei den Betrof­fe­nen über­haupt um fest­an­ge­stell­te Mit­ar­bei­ter, oder nicht viel­mehr um jene mobi­len Fleisch­hau­er-Trup­pen, die an meh­re­ren Orten in Nord­rhein-West­fa­len gleich­zei­tig arbei­ten und eher ver­streut woh­nen? Aller­dings könn­te der osten­ta­ti­ve Zorn der Behör­den auch dazu die­nen, eige­ne Ver­säum­nis­se zu über­tün­chen…” Arti­kel von Tho­mas Kirch­ner vom 20.6.2020 in der Süd­deut­schen Zei­tung online externer Link
    • Tön­nies: NRW-Mit­ar­bei­ter dür­fen nicht in Sachen-Anhalt aus­hel­fen
      “Der Schlacht­hof des Tön­nies-Kon­zerns in Wei­ßen­fels (Bur­gen­land­kreis) darf vor­erst kei­ne Mit­ar­bei­ter des stark von Coro­na betrof­fe­nen Stand­orts in Nord­rhein-West­fa­len bei sich arbei­ten las­sen. Das teil­te der Land­kreis am Frei­tag mit. Das Ver­bot betref­fe alle Arbeits­kräf­te, die seit dem 5. Juni in dem Tön­nies-Schlacht­hof im nord­rhein-west­fä­li­schen Rhe­da-Wie­den­brück gear­bei­tet hät­ten. Bis zum 3. Juli dürf­ten die Betrof­fe­nen die Schlach­te­rei in Wei­ßen­fels nicht betre­ten. Ziel sei es, Men­schen im Bur­gen­land­kreis vor einer poten­zi­el­len Infek­ti­on mit dem Coro­na­vi­rus zu schüt­zen, teil­te der Land­kreis mit. (…) Auch in Wei­ßen­fels gab es vor knapp einem Monat knapp 1200 Tests für die Mit­ar­bei­ter, die beim Fleisch­kon­zern in Wei­ßen­fels oder Sub­un­ter­neh­mern ange­stellt oder zur Vete­ri­när- und Lebens­mit­tel­über­wa­chung unmit­tel­bar im Schlacht­be­trieb tätig waren. Damals ver­lie­fen alle Tests nega­tiv.“ Bei­trag vom 19.06.2020 bei Tag24 externer Link
    • Coro­na-Aus­bruch bei Tön­nies: Druck auf Fleisch­in­dus­trie wächst
      “… Nach der vor­über­ge­hen­den Schlie­ßung des größ­ten deut­schen Schlacht­be­triebs von Tön­nies in Rhe­da-Wie­den­brück nach einem Coro­na-Aus­bruch mit aktu­ell 730 Infi­zier­ten gera­ten die Fleisch­pro­duk­ti­on und ihre Arbeits­be­din­gun­gen stär­ker in die Kri­tik. Bun­des­ar­beits­mi­nis­ter Huber­tus Heil nann­te die Nach­rich­ten aus Rhe­da-Wie­den­brück “scho­ckie­rend”. Dort sei zu erle­ben, was pas­sie­re, “wenn mit Arbeit­neh­mern aus Mit­tel- und Ost­eu­ro­pa bei uns nicht fair umge­gan­gen wird”. In der ARD sag­te er, die Bran­che müs­se Ver­ant­wor­tung über­neh­men “für anstän­di­ge und men­schen­wür­di­ge Arbeits­be­din­gun­gen”. Er füh­le sich bestä­tigt, den Kurs, in der Fleisch­in­dus­trie auf­zu­räu­men, kon­se­quent umzu­set­zen, so der SPD-Poli­ti­ker. Werk- und Leih­ar­beits­ver­trä­ge wer­de es in den Fleisch­fa­bri­ken nicht mehr geben. “Wir wer­den das Grund­übel been­den”, so Heil. Im Som­mer wol­le er auch ein Gesetz vor­le­gen, das eine digi­ta­le Erfas­sung der Arbeits­zeit in der Fleisch­in­dus­trie vor­schreibt. (…) NRW-Gesund­heits­mi­nis­ter Karl-Josef Lau­mann kün­dig­te an, die Bran­che wis­sen­schaft­lich unter­su­chen zu las­sen. “Mein Minis­te­ri­um wird eine wis­sen­schaft­li­che Exper­ti­se auf den Weg brin­gen, die den Ursa­chen des Aus­bruchs in Güters­loh epi­de­mio­lo­gisch auf den Grund geht”, so der CDU-Poli­ti­ker. Aus­ge­wer­tet wur­den nach Infor­ma­tio­nen vom Don­ners­tag bis­her 1106 Ergeb­nis­se eines von den Behör­den ange­ord­ne­ten Rei­hen­tests. Im Tön­nies-Stamm­werk müs­sen in den nächs­ten Tagen noch rund 5300 Mit­ar­bei­ter getes­tet wer­den…“ Bei­trag vom 19.06.2020 bei tages​schau​.de externer Link
  • Pres­se­kon­fe­renz und Buch­vor­stel­lung am 18.6.2020 in Rhe­da-Wie­den­brück: Nicht nur Cle­mens Tön­nies steht am Pran­ger son­dern auch das „Sys­tem Tön­nies“ /​Tön­nies: Coro­na-Fäl­le im Kreis Güters­loh kein Wun­der. Jetzt Ursa­chen bekämp­fen! 
    • Pres­se­kon­fe­renz und Buch­vor­stel­lung am 18.6.2020 in Rhe­da-Wie­den­brück: Nicht nur Cle­mens Tön­nies steht am Pran­ger son­dern auch das „Sys­tem Tön­nies“
      Die Stadt Rhe­da-Wie­den­brück war am Don­ners­tag in ziem­li­chem Auf­ruhr. Die Zen­tra­le des Tön­nies-Wer­kes ist in Rhe­da-Wie­den­brück, mit 7.000 Beschäf­tig­ten, in der Mehr­zahl Werk­ver­trags­ar­bei­te­rIn­nen. Der Land­rat Ade­nau­er hat­te die Schlie­ßung der Schu­len und Kitas ver­fügt, weil über 6.000 Cora­na-Infi­zie­run­gen fest­ge­stellt wor­den waren, und längst noch nicht alle waren getes­tet wor­den! Kin­der und Eltern aus Rhe­da-Wie­den­brück mach­ten zwei Pro­test­ak­tio­nen gegen Tön­nies, ein­mal vor den Toren des Betrie­bes und eine zwei­te im Zen­trum der Stadt. Die Wut auf Tön­nies ist groß. Schon wie­der dür­fen die Kin­der nicht zur Schu­le und in die Kitas! Und dem Kreis droht womög­lich ein neu­er lock down. Cle­mens Tön­nies hat in sei­ner Vil­la Poli­zei­schutz bekom­men! Am Don­ners­tag war auch die Buch­vor­stel­lung und Pres­se­kon­fe­renz zum Buch: Das Schwei­ne­sys­tem. Auf­he­bung der Werk­ver­trä­ge und des Sub­un­ter­neh­mer­tums! Zu zweit fuh­ren wir von Ham­burg nach Rhe­da-Wie­den­brück. Wir waren ja Her­aus­ge­ber die­ses Buches. Schon die Taxi-Fah­re­rin sag­te: Ich has­se Tön­nies! Bis­her war Cle­mens Tön­nies sehr beliebt als gro­ßer Mäzen und groß­zü­gi­ger Spen­der, mit Ehrun­gen der Stadt und des Krei­ses über­häuft! Aber die Stim­mung ist umge­schla­gen…” Bericht von Die­ter Weg­ner vom 19.6.2020 bei Jour Fixe Gewerk­schafts­lin­ke Ham­burg externer Link von Pres­se­kon­fe­renz und Buch­vor­stel­lung am 18.6.2020 in Rhe­da-Wie­den­brück von “Das Schwei­ne­sys­tem”, her­aus­ge­ge­ben von Jour Fixe Gewerk­schafts­lin­ke Ham­burg bei Die Buch­ma­che­rei externer Link (Sie­he Details zum Buch und eine Lese­pro­be)
    • Tön­nies: Coro­na-Fäl­le im Kreis Güters­loh kein Wun­der. Jetzt Ursa­chen bekämp­fen!
      Miet­wu­cher, Schein-Werk­ver­trä­ge und indus­tri­el­ler Ras­sis­mus /​Kri­mi­no­ge­nen Sumpf jetzt aus­trock­nen: Ille­ga­le Arbeit­neh­mer­über­las­sung und Miet­wu­cher bekämp­fen! /​War­um unter­neh­men die zustän­di­gen NRW-Behör­den nichts? /​Indus­tri­el­ler Ras­sis­mus: Wir ver­ur­tei­len die Äuße­run­gen des Minis­ter­prä­si­den­ten Armin Laschet (CDU). Die Akti­on gegen Arbeits­un­recht wun­dert sich nicht über die Coro­na-Fäl­le rund um den Tön­nies-Schlacht­hof in Rhe­da-Wie­den­brück. Im Gegen­teil: Wir wun­dern uns dar­über, wie es dem größ­ten euro­päi­schen Schwei­ne­schlach­ter gelun­gen ist, solan­ge ohne regis­trier­te Coro­na-Fäl­le durch zu kom­men. Wir fra­gen uns war­um die zustän­di­gen Behör­den nichts gegen die zu Grun­de lie­gen­den Ver­ge­hen unter­neh­men: ille­ga­le Arbeit­neh­mer­über­las­sung und Miet­wu­cher. Armin Laschet traut sich offen­sicht­lich nicht, dem Schal­ke 04-Boss und Schwei­ne-Baron Tön­nies den Kampf anzu­sa­gen. Wir haben bereits am 15. Mai 2020 ein Video auf you­tube externer Link ver­brei­tet, das die Kan­ti­ne im Tön­nies-Stamm­sitz Rhe­da-Wie­den­brück zeigt. Mit­ten im Lock-down lässt man die Leu­te wei­ter arbei­ten, als wäre nichts gesche­hen. Das zu Grun­de lie­gen­de Pro­blem igno­rie­ren die zustän­di­gen Behör­den: ille­ga­le Arbeit­neh­mer­über­las­sung (Schein-Werk­ver­trä­ge) und Miet­wu­cher. Am 23.4.2020 haben wir über unse­ren Anwalt Eber­hard Rei­ne­cke Anzei­ge beim Haupt­zoll­amt Bie­le­feld Anzei­ge wegen ille­ga­ler Arbeit­neh­mer­über­las­sung gestellt. Zuvor haben wir den NRW-Arbeits­mi­nis­ter Karl-Josef Lau­mann infor­miert. (…) Wir sind zu der Über­zeu­gung gelangt, dass rund um die indus­tri­el­le Fleisch-Pro­duk­ti­on in Deutsch­land ein kri­mi­no­ge­nes Milieu aus Gene­ral-Unter­neh­mern und Sub-Unter­neh­mern wuchert. Rund um deut­sche Schlach­hö­fe geschieht sys­te­ma­ti­sche Aus­beu­tung von Men­schen, denen Grund­rech­te auf­grund ihrer Her­kunft ver­wehrt blei­ben – weil sie aus abge­häng­ten Regio­nen in Ost­eu­ro­pa stam­men. Wir ver­mu­ten, dass die­ser indus­tri­el­le Ras­sis­mus durch Sonn­tags­re­den, antrai­nier­te Tole­ranz-Ges­ten und Mul­ti-Kul­ti-PR ledig­lich ver­deckt wird…” Pres­se­mit­tei­lung der akti­on ./​. arbeits­un­recht vom 18. Juni 2020 externer Link
  • [Min­des­tens 730 Tön­nies-Mit­ar­bei­ter in Rhe­da-Wie­den­brück mit dem Coro­na­vi­rus infi­ziert] Wut auf Tön­nies
    Min­des­tens 730 Tön­nies-Mit­ar­bei­ter in Rhe­da-Wie­den­brück haben sich mit dem Coro­na­vi­rus infi­ziert – die indus­tri­el­le Fleisch­pro­duk­ti­on bie­tet gute Bedin­gun­gen für die Viren. Die Wut der Men­schen in der Regi­on wächst. (…) “Stoppt die Aus­beu­te bei Tön­nies”, steht auf dem Schild, das Rit­schel an ihr Las­ten­rad geklebt hat. Dut­zen­de wei­te­re Men­schen hal­ten Pla­ka­te hoch, “Wir woll’n zur Schu­le” ist dar­auf zu lesen. Oder “Cle­mens spielt Onkel Dago­bert, wir spie­len wie­der allein.” Denn die Schu­len und Kitas im Kreis sind geschlos­sen. Wegen Tön­nies. Wegen sei­nes Schlacht­hofs, der­zeit Coro­na-Hot­spot Num­mer eins in Deutsch­land. (…) Der Aus­fall in Rhe­da lässt sich womög­lich kom­pen­sie­ren; ande­re Tön­nies-Wer­ke sol­len nun umso mehr Tie­re töten und ver­ar­bei­ten. Und in man­chen Schlacht­hö­fen von Kon­kur­ren­ten, die auch schon Mas­sen­in­fek­tio­nen erlebt haben, wird inzwi­schen wie­der gear­bei­tet. Doch der extrem gro­ße Coro­na-Aus­bruch bei Tön­nies wirft Fra­gen auf: Was, wenn sich die Beschäf­tig­ten nicht so stark in den Unter­künf­ten anste­cken, son­dern in der Fabrik? Wie infek­ti­ons­si­cher sind Schlacht­häu­ser über­haupt noch, so wie sie der­zeit betrie­ben wer­den?…” Repor­ta­ge von Claus Hecking und Flo­ri­an Gon­tek aus Rhe­da-Wie­den­brück vom 18.06.2020 beim Spie­gel online externer Link
  • 657 Tön­nies-Mit­ar­bei­ter in Rhe­da mit Coro­na infi­ziert – (bis­her nur) der Schlacht­be­trieb ein­ge­stellt 
    • [Ticker] Coro­na-Aus­bruch bei Tön­nies: Die Ent­wick­lung und die Reak­tio­nen
      “+++18:07+++ Kreis bestä­tigt: 657 Tön­nies-Mit­ar­bei­ter mit Coro­na infi­ziert +++17.30+++ 7000 Mit­ar­bei­ter bei Tön­nies in Qua­ran­tä­ne. Reak­ti­on von NRW Gesund­heits­mi­nis­ter Lau­mann erwar­tet. Eltern und Kin­der im Kreis ent­täuscht und trau­rig. Kreis will Shut­down unbe­dingt ver­hin­dern. (…) +++ 13.17 Uhr +++ Mas­sen­haf­ter Coro­na-Virus-Aus­bruch bei Tön­nies in Rhe­da. Wie der Kreis Radio Güters­loh bestä­tigt hat, ist bei 400 Mit­ar­bei­tern des Fleisch­kon­zerns das Virus nach­ge­wie­sen wor­den. Der Kri­sen­stab des Krei­ses tagt und sucht nach Lösun­gen. Land­rat Sven-Georg Ade­nau­er will alles dafür tun, um einen Shut­down zu ver­hin­dern. Der Betrieb bei Tön­nies wird so weit wie mög­lich her­un­ter­ge­fah­ren. Nach HK-Infor­ma­tio­nen sol­len Schu­len und Kitas im Kreis Güters­loh wie­der geschlos­sen wer­den. Um 15 Uhr wol­len Land­rat Ade­nau­er, der Lei­ter des Kri­sen­sta­bes und Ver­tre­ter von Tön­nies in einer Pres­se­kon­fe­renz Ein­zel­hei­ten schil­dern. Bei 400 von 500 getes­te­ten Tön­nies Mit­ar­bei­tern ist das Coro­na­vi­rus nach­ge­wie­sen wor­den. 500 wei­te­re Test­ergeb­nis­se sol­len noch fol­gen. Die Tön­nies-Kri­sen­nach­richt trifft nicht nur die Stadt Rhe­da-Wie­den­brück. Vie­le Tön­nies-Fleisch­ar­bei­ter sind auch in Unter­künf­ten in Nach­bar­kom­mu­nen unter­ge­bracht: Zum Bei­spiel in Güters­loh, Her­ze­b­rock-Clar­holz, Har­se­win­kel oder Lan­gen­berg. Was für Kon­se­quen­zen die aktu­el­le Ent­wick­lung hat, auch dar­über wird der Kreis in sei­ner Pres­se­kon­fe­renz ab 15 Uhr infor­mie­ren…“ Ticker bei Radio Güters­loh ab dem 17.06.2020 externer Link
    • Coro­na-Aus­bruch bei Tön­nies: Mehr als 600 Infek­tio­nen in Fleisch­fa­brik
      Beim Fleisch­ver­ar­bei­ter Tön­nies in Rhe­da-Wie­den­brück sind in der Pro­duk­ti­on mehr als 650 Men­schen posi­tiv auf das Coro­na-Virus getes­tet wor­den. In man­chen Tei­len geht der Betrieb aber erst ein­mal wei­ter. Beim Fleisch­ver­ar­bei­ter Tön­nies in Rhe­da-Wie­den­brück sind in der Pro­duk­ti­on mehr als 650 Men­schen posi­tiv auf das Coro­na-Virus getes­tet wor­den. Das hat der Kreis Güters­loh am Mitt­woch­abend (17.06.2020) mit­ge­teilt. Rund 7.000 Mit­ar­bei­ter müss­ten in Qua­ran­tä­ne. (…)Der Kreis Güters­loh hat­te am Mitt­woch­nach­mit­tag (17.06.2020) die Schlie­ßung des Betriebs ver­fügt. Schlacht­schwei­ne wer­den zwar nicht mehr ange­nom­men. Die Zer­le­ge-Abtei­lung ist geschlos­sen. Den­noch läuft die Pro­duk­ti­on vor­erst wei­ter. Am Mitt­woch­abend erschie­nen meh­re­re hun­dert Beschäf­tig­te zur Spät­schicht. Sie sol­len das in den Kühl­häu­sern gela­ger­te Fleisch ver­ar­bei­ten. Das gesche­he in Abspra­che mit dem Gesund­heits­amt, sag­te ein Kon­zern­spre­cher. Dies kön­ne zwei Tagen dau­ern. Erst dann wer­de das Tön­nies-Werk kom­plett geschlos­sen. Ob die­se Mit­ar­bei­ter auch infi­ziert sind, müs­sen neue Tests erge­ben…” Bei­trag vom 18.06.2020 beim WDR externer Link
    • Nach Coro­na-Aus­bruch bei “Tön­nies”: Laschet irri­tiert mit Aus­sa­gen über “Rumä­nen und Bul­ga­ren”
      Schlep­pen “Rumä­nen und Bul­ga­ren” den Coro­na-Erre­ger ein? So wird eine Äuße­rung von NRW-Minis­ter­prä­si­dent Armin Laschet nach einem Aus­bruch in einem “Tönnies”-Schlachthof ver­stan­den. Sein Gesund­heits­mi­nis­ter muss ihm bei­sprin­gen. (…) Im Fall des Aus­bruchs bei “Tön­nies” ist noch voll­kom­men unge­klärt, wie “lokal” das Gesche­hen bleibt und auch wie das Virus in den Schlacht­be­trieb ein­ge­tra­gen wur­de und sich dort aus­brei­ten konn­te. Ob es bei­spiels­wei­se an der Miss­ach­tung von Hygie­ne- oder Abstands­re­geln durch Schlacht­hof-Mit­ar­bei­ter oder das Unter­neh­men lag, muss noch unter­sucht wer­den. “Tön­nies” selbst geht bis­lang davon aus, dass ost­eu­ro­päi­sche Beschäf­tig­te das Virus aus ihrer Hei­mat mit­ge­bracht haben könn­ten. Ein wei­te­rer Fak­tor für die Ver­brei­tung sei­en die nied­ri­gen Tem­pe­ra­tu­ren in den Zer­le­ge­be­rei­chen. Nord­rhein-West­fa­lens Minis­ter­prä­si­dent Armin Laschet (CDU) schloss sich dem Kon­zern an und leg­te sich bei der Ursa­che für den Aus­bruch schon ein­mal fest – eine Äuße­rung von ihm sorg­te für Irri­ta­tio­nen, bis­wei­len sogar für Empö­rung. Am Ran­de eines Tref­fens in Ber­lin mach­te er auf eine Fra­ge nach der Rol­le der bis­he­ri­gen Locke­run­gen für das Infek­ti­ons­ge­sche­hen bei “Tön­nies” die aus sei­ner Sicht Ver­ant­wort­li­chen aus: “Das sagt dar­über über­haupt nichts aus”, sag­te Laschet zu den Locke­run­gen. “Weil Rumä­nen und Bul­ga­ren da ein­ge­reist sind und da der Virus her­kommt. Das wird über­all pas­sie­ren. (…) Das hat nichts mit Locke­run­gen zu tun, son­dern mit der Unter­brin­gung von Men­schen in Unter­künf­ten und Arbeits­be­din­gun­gen in Betrie­ben.”…” Arti­kel vom 18. Juni 2020 beim Stern online externer Link (sie­he das Laschet-Video bei Twit­ter externer Link )
    • Tön­nies muss Pro­duk­ti­on teil­wei­se run­ter­fah­ren
      “Der Fleisch­kon­zern Tön­nies muss in Tei­len sei­nes Betrie­bes die Pro­duk­ti­on her­un­ter­fah­ren. Das ist das Ergeb­nis eines Kri­sen­ge­sprächs zwi­schen Kon­zern­chef Cle­mens Tön­nies und Güters­lohs Land­rat Sven-Georg Ade­nau­er am Diens­tag (16.06.2020). Anlass ist die hohe Zahl an Coro­na-Infek­tio­nen im Werk Rhe­da – mitt­ler­wei­le etwa 100. Das Coro­na-Virus hat­te sich offen­bar bei der Arbeit in der Schwei­ne­zer­le­gung und nicht, wie erst gedacht, in den Unter­künf­ten der Werks­ar­bei­ter ver­brei­tet. (…) Außer­dem soll es wei­te­re Mas­sen­tests auf dem Fir­men­ge­län­de geben. Der Kreis Güters­loh will das alles beob­ach­ten und bei einem wei­te­ren Anstieg der Infek­ti­ons­zah­len zusätz­li­che Maß­nah­men ergrei­fen. (…) Sei ein Lock­down nötig, wenn Tön­nies “die Din­ge nicht in den Griff bekommt, dann wür­de ich einen Lock­down ins Auge fas­sen für die Fir­ma Tön­nies, aber nicht für Kom­mu­nen im Kreis”, ergänz­te Ade­nau­er.“ Bei­trag bei WDR vom 16.06.2020 externer Link
    • Coro­na­vi­rus in Tön­nies-Fleisch­fa­brik: “Unse­re Betrie­be sind nicht für die Pan­de­mie gebaut”
      Mit über 650 Coro­na-Fäl­len ist ein Tön­nies-Schlacht­hof bei Güters­loh zum Hot­spot gewor­den. Anwoh­ner pro­tes­tie­ren, Mana­ger ver­su­chen zu beschwich­ti­gen – doch der Fleisch­fa­bri­kant bleibt für deut­sche Super­märk­te unent­behr­lich…” Arti­kel von Claus Hecking und Flo­ri­an Gon­tek, Rhe­da-Wie­den­brück, vom 17.06.2020 beim Spie­gel online externer Link
  • Sie­he zum Hin­ter­grund unser Dos­sier: Coro­na-Infek­tio­nen: Poli­ti­ker kri­ti­sie­ren Aus­beu­tung in Schlacht­hö­fen – Ver­schär­fung der Arbeits­schutz­ge­set­ze gefor­dert sowie das Dos­sier Fal­len Werk­ver­trä­ge (lei­der nur) in der Fleisch­in­dus­trie Coro­na zum Opfer?
  • Und zur Kon­kur­renz:

Der Bei­trag Bran­chen­größ­ter (doch) nicht der Bran­chen­bes­te: Coro­na-Fäl­le nun auch bei Tön­nies erschien zuerst auf Labour­Net Ger­ma­ny.

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