[labournet:] Solidaritätskundgebung mit hungerstreikenden Rechtsanwälten in Istanbul von der Polizei überfallen: Jetzt erst recht!

Solidaritätsaktion mit Rechtsanwälten im Hungerstreik in Istanbul am 1.8.2020„… Im Istan­bu­ler Bezirk Bakir­köy hat am Sonn­tag eine wei­te­re Kund­ge­bung für die inhaf­tier­ten Rechtsanwält*innen Ebru Tim­tik und Aytaç Ünsal statt­ge­fun­den. Seit Mona­ten sind die Jurist*innen mit der For­de­rung nach einem gerech­ten Ver­fah­ren im Hun­ger­streik, ihr Zustand ist äußerst kri­tisch. Doch trotz fest­ge­stell­ter Haft­un­fä­hig­keit durch die Gerichts­me­di­zin wur­de ein Antrag auf Frei­las­sung abge­lehnt. Seit Don­ners­tag befin­den sich die bei­den zudem gegen ihren Wil­len in einem Kran­ken­haus. Es droht eine Zwangs­er­näh­rung, die töd­li­che Fol­gen haben könn­te. Die heu­ti­ge Kund­ge­bung fand wie­der auf dem Platz vor dem staat­li­chen Kran­ken­haus „Dr. Sadi Konuk“ statt, in dem die inzwi­schen auf 35 Kilo­gramm abge­ma­ger­te Ebru Tim­tik fest­ge­hal­ten wird. Auf­ge­ru­fen hat­te der „Wider­stands­rat“, unter den zahl­rei­chen Teil­neh­men­den waren neben Ange­hö­ri­gen von Tim­tik auch Rechtsanwält*innen der Ver­ei­ni­gun­gen ÇHD und ÖHD, Mit­glie­der des Istan­bu­ler Pro­vinz­ver­bands der Demo­kra­ti­schen Par­tei der Völ­ker (HDP) und der Gefan­ge­nen­hilfs­or­ga­ni­sa­ti­on TAYAD sowie Akti­vis­tin­nen der Initia­ti­ve der Frie­dens­müt­ter. Ebru Tim­tik ist als Anwäl­tin beim lin­ken Ver­band „Rechts­bü­ro des Vol­kes“ (türk. Hal­kın Hukuk Büro­su“) osrga­ni­siert. Sie befin­det sich seit mitt­ler­wei­le 213 Tagen im soge­nann­ten Todes­fas­ten. Ihr Kol­le­ge Aytaç Ünsal ver­wei­gert seit 182 Tagen jeg­li­che Nah­rungs­auf­nah­me. Bei­de wur­den auf­grund von wider­sprüch­li­chen Aus­sa­gen des Kron­zeu­gen Berk Ercan zu lang­jäh­ri­gen Haft­stra­fen ver­ur­teilt. Die Anschul­di­gun­gen die­ses Über­läu­fers haben zur Ver­haf­tung von knapp 200 Men­schen geführt. Sie alle wur­den im Kom­plex der Ver­fah­ren gegen ver­meint­li­che Ange­hö­ri­ge der DHKP‑C nach Ter­ror­pa­ra­gra­fen ver­ur­teilt. Unter ihnen sind auch meh­re­re Mit­glie­der der Musik­grup­pe Grup Yorum und Mus­ta­fa Koçak, der zu lebens­lan­ger Haft ver­ur­teilt wor­den war und ver­gan­ge­nen April an den Fol­gen eines Hun­ger­streiks gestor­ben ist…“ – aus dem Bericht „Fest­nah­men bei Kund­ge­bung für hun­ger­strei­ken­de Anwäl­te“ am 02. August 2020 bei der ANF externer Link über die Repres­si­on gegen die Soli­da­ri­täts­ak­ti­on. Sie­he dazu auch eine Mel­dung zur Zwangs­ver­le­gung der Hun­ger­strei­ken­den sowie zur ver­wei­ger­ten Frei­las­sung trotz medi­zi­nisch bestä­tig­ter Haft­un­fä­hig­keit – und einen Soli­auf­ruf:

  • „News zu den tod­fas­ten­den Anwäl­te Aytaç Ünsal und Ebru Tim­tik“ am 01. August 2020 beim poli­ti­cal pri​so​ners​.net externer Link mel­det zu den aktu­el­len Ent­wick­lun­gen unter ande­rem: „… Ges­tern gegen 17:30 Uhr Orts­zeit gab das Büro für Volks­recht (Hal­kın Hukuk Büro­su) in sei­nem offi­zi­el­len Bericht auf Twit­ter bekannt, dass die Anwäl­te Aytaç Ünsal und Ebru Tim­tik, die sich seit Anfang die­ses Jah­res im Todes­fas­ten (Hun­ger­streik bis zum Tod) befin­den und einen neu­en fai­ren Pro­zess gegen sie for­dern, gewalt­sam aus ihren Zel­len im Sili­vri-Gefäng­nis, das etwa 80 km west­lich des Stadt­zen­trums von Istan­bul liegt, ent­fernt und dann in Kran­ken­häu­ser in zwei ver­schie­de­nen Tei­len der Metro­po­le gebracht wur­den. Der Vor­fall ereig­ne­te sich etwa 2 Stun­den, nach­dem ein Gericht in Istan­bul eine Ver­län­ge­rung der Haft der bei­den Anwäl­te und ihre mög­li­che anschlie­ßen­de Ein­wei­sung in ein Kran­ken­haus zur “medi­zi­ni­schen Behand­lung” ange­ord­net hat­te. Ver­wand­te und Kol­le­gen der bei­den Rechts­an­wäl­te geben jedoch an, dass sie ins Kran­ken­haus gebracht wur­den, um sich einem erzwun­ge­nen medi­zi­ni­schen Ein­griff zu unter­zie­hen, was eine äußerst bru­ta­le Fol­ter­me­tho­de ist, die dar­auf abzielt, den Hun­ger­streik durch Anwen­dung von Gewalt und Fol­ter zu been­den. (…) Gegen 19.30 Uhr ver­öf­fent­lich­ten die Kol­le­gen der Rechts­an­wäl­te Aytaç Ünsal und Ebru Tim­tik ein Video auf Twit­ter, in dem sie anga­ben, dass sie sich vor dem Kran­ken­haus im Bezirk Bakır­köy befän­den, wo Rechts­an­walt Tim­tik zu einer medi­zi­ni­schen Zwangs­in­ter­ven­ti­on gebracht wur­de. Sie wur­de stun­den­lang in einem Kran­ken­wa­gen vor dem Kran­ken­haus fest­ge­hal­ten, und das Gelän­de wur­de von Gen­dar­men und Agen­ten der poli­ti­schen Poli­zei abge­rie­gelt. Kol­le­gen der Anwäl­tin sag­ten, dass es Fol­ter sei, eine auf 35 Kilo­gramm geschmol­ze­ne Per­son stun­den­lang in einem Kran­ken­wa­gen fest­zu­hal­ten. Gegen 20.00 Uhr wur­de der Rechts­an­walt Ebru Tim­tik aus dem Kran­ken­wa­gen geholt und auf einer Bah­re ins Kran­ken­haus gebracht. Poli­zei­be­am­te der Bereit­schafts­po­li­zei blo­ckier­ten den Raum vor dem Ein­gang des Kran­ken­hau­ses, um zu ver­hin­dern, dass die Ange­hö­ri­gen und Kol­le­gen der Anwäl­tin Tim­tik sowie Jour­na­lis­ten und Unter­stüt­zer ihrer Sache sie sehen und foto­gra­fie­ren konn­ten. Gegen 22.40 Uhr ver­öf­fent­lich­ten der Anwalt Ayşe­gül Çağ­tay vom Büro für Volks­recht und ein Abge­ord­ne­ter von Dilşat Cam­baz Kaya von der Hal­kların Demo­kra­tik Par­ti­si-HDP ein Video, in dem es hieß, dass trotz des anfäng­li­chen Ver­spre­chens der Ärz­te des Saa­di Konuk-Kran­ken­hau­ses im Bezirk Bakar­köy, wo die Anwäl­tin Ebru Tim­tik gewalt­sam ent­führt wur­de, um einem Ver­wand­ten von Tim­tik zu erlau­ben, bei ihr zu blei­ben und ihr wäh­rend ihres Auf­ent­halts zu hel­fen, die Ärz­te spä­ter sag­ten, dass eine schrift­li­che Geneh­mi­gung des Staats­an­walts in die­sem Fall erfor­der­lich sei, damit jemand mit Anwalt Tim­tik zusam­men­blei­ben kön­ne...“
  • „Tür­kei: Haft­ent­las­sung hun­ger­strei­ken­der Anwäl­te abge­lehnt“ am 31. Juli 2020 im poli­ti­cal pri​so​ners​.net externer Link mel­de­te zur ver­wei­ger­ten Frei­las­sung unter ande­rem: „… Trotz gerichts­me­di­zi­nisch fest­ge­stell­ter Haft­un­fä­hig­keit hat das zustän­di­ge Istan­bu­ler Gericht die Ent­las­sung von Ebru Tim­tik und Aytaç Ünsal aus dem Gefäng­nis abge­lehnt. Die bei­den Anwält*innen sind nach mona­te­lan­gem Hun­ger­streik in Lebens­ge­fahr. Kurz nach Fest­stel­lung der Haft­un­fä­hig­keit durch die Gerichts­me­di­zin hat die 37. Kam­mer des Istan­bu­ler Straf­ge­richts den Antrag auf Frei­las­sung von Ebru Tim­tik und Aytaç Ünsal abge­lehnt. Die bei­den Anwält*innen befin­den sich nach mona­te­lan­gem Hun­ger­streik in sehr kri­ti­schem Gesund­heits­zu­stand. Das Gericht sah dar­in kei­nen Anlass für die Auf­he­bung des Haft­be­fehls, eine medi­zi­ni­sche Behand­lung kön­ne auch vom Gefäng­nis aus orga­ni­siert wer­den. Die Mit­glie­der des Zusam­men­schlus­ses „Koor­di­na­ti­on Frei­heit für die Ver­tei­di­gung“, die vor dem Jus­tiz­ge­bäu­de im Istan­bu­ler Stadt­teil Çağla­y­an auf die Gerichts­ent­schei­dung gewar­tet hat­ten, reagier­ten ent­setzt und wütend. Rechts­an­wäl­tin Çiğ­dem Akbu­lut erklär­te, das Gericht habe soeben den Todes­be­fehl für Tim­tik und Ünsal unter­zeich­net. Der Antrag auf Haft­ent­las­sung sei gestellt wor­den, um den Hun­ger­strei­ken­den eine medi­zi­ni­sche Kon­trol­le durch unab­hän­gi­ge Ärz­te zu ermög­li­chen. Jetzt sei viel­mehr eine Zwangs­be­hand­lung zu erwar­ten, die bereits in vie­len Fäl­len zum Tod von Hun­ger­strei­ken­den geführt habe…“
  • Soli­da­ri­täts­auf­ruf von Ana­do­lu News­blog (@AnadoluNewsblog externer Link) vom 2.8.20 via Twit­ter:
    PLEASE – FIRST PUBLISH THE TEXT BELOW IN YOUR TWITTER ACCOUNT – SECOND FOLLOW THE REQUEST AND ALSO WRITE A SHORT STATEMENT DEAMNDING THE RELEASE OF EBRU AND AYTAC ALSO ATTACHING THE LINKS FOR JUSTICE AND HEALTH MINISTRIES – THIRD SEND THIS SHORT TEXT VIA RETWEET TO OTHER GROUPS AND PEOPLE!
    LET’S CREATE MOST POSSIBLE AND QUICK SUPPORT. THE LAWYERS COULD REALLY DIE IF THEY REMAIN FURTHER UNDER THIS CONDITION. THEY MUST BE RELEASED AS STATED BY THE FORENSIC MEDICAL REPORT…..
    COPY AND PASTE TO TWITTER:
    Lawy­ers in Tur­key are near death becau­se the government wants to silence their strugg­le for fair tri­al! We urgent­ly call you to make state­ments for release of Ebru Tim­tik and Aytac Ünsal. Jus­ti­ce and Health Minis­tries: @adalet_bakanlik @saglikbakanligi

Der Bei­trag Soli­da­ri­täts­kund­ge­bung mit hun­ger­strei­ken­den Rechts­an­wäl­ten in Istan­bul von der Poli­zei über­fal­len: Jetzt erst recht! erschien zuerst auf Labour­Net Ger­ma­ny.

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