[KgK:] Grüne und Linke fordern mehr Polizeiauflagen gegen Corona-Demos

Als am Sams­tag 20.000 Men­schen aus dem Bun­des­ge­biet in Ber­lin ein­tra­fen, um auf einer ver­schwö­rungs­theo­re­ti­schen Demo ohne Mund­schutz und Abstands­re­ge­lun­gen gegen Hygie­ne­maß­nah­men zu demons­trie­ren, ließ die Poli­zei der Demons­tra­ti­on frei­en Lauf. Ledig­lich 1.100 Polizist*innen wur­den mobi­li­siert. In einem Kon­text, in dem die Infek­ti­ons­zah­len erneut stei­gen, tra­fen eini­ge Teilnehmer*innen den Nagel auf den Kopf, als sie zyni­scher­wei­se “Wir sind die zwei­te Wel­le” rie­fen.
Der Demo wur­de sei­tens der Poli­zei mit Tole­ranz und Pas­si­vi­tät begeg­net. Ledig­lich auf der Abschluss­kund­ge­bung wur­de ein­ge­grif­fen und die Ver­samm­lung früh­zei­tig auf­ge­löst.

Dies lös­te in der Poli­tik Debat­ten aus, wie denn nun mit sol­chen Demons­tra­tio­nen umge­gan­gen wer­den soll­te. Aus der Uni­on kamen For­de­run­gen nach Ein­schrän­kun­gen der Ver­samm­lungs­frei­hei­ten, so der Par­la­men­ta­ri­sche Staats­se­kre­tär im Bun­des­in­nen­mi­nis­te­ri­um, Ste­phan May­er: Zwar sei­en Ver­samm­lungs­frei­heit und freie Mei­nungs­äu­ße­rung „hohe, allen Bür­gern garan­tier­te unver­än­der­li­che Grund­rech­te“. „Aller­dings eben immer nur so weit, als die Rech­te Drit­ter oder die öffent­li­che Sicher­heit nicht erheb­lich ver­letzt wer­den.“ Er for­der­te die Lan­des­be­hör­den auf, „abzu­wä­gen, inwie­weit Maß­nah­men noch ver­schärft wer­den müs­sen und man auf­grund der nega­ti­ven Erfah­run­gen des Demons­tra­ti­ons­ge­sche­hens vom Wochen­en­de bei der Geneh­mi­gung von Ver­samm­lun­gen zukünf­tig restrik­ti­ver zu ent­schei­den hat.“

Auch die Ber­li­ner Grü­nen for­dern, künf­tig durch ein höhe­res Poli­zei­auf­ge­bot gegen Ver­let­zun­gen der sani­tä­ren Auf­la­gen Recht und Ord­nung durch­zu­set­zen. Bene­dikt Lux, innen­po­li­ti­scher Spre­cher der Senats­frak­ti­on, mein­te, nächs­tes Mal sol­le schnel­ler gehan­delt wer­den, und kri­ti­sier­te das defen­si­ve Han­deln der Poli­zei.

Niklas Schra­der, sein Kol­le­ge im Dienst der Links­par­tei, hat­te einen freund­li­che­ren Ton und stuf­te das Vor­ge­hen der Poli­zei grund­sätz­lich als rich­tig ein. Jedoch waren sich bei­de dar­über einig, dass zukünf­tig die Auf­la­gen stren­ger durch­zu­set­zen sei­en.

Jedoch zeig­te die Her­an­ge­hens­wei­se gegen eine Anti-Gen­tri­fi­zie­rungs-Demons­tra­ti­on am sel­ben Abend das Pro­gramm der Ber­li­ner rot-rot-grü­nen Regie­rung. Die Demo gegen die Räu­mung der lin­ken Kiez­knei­pe Syn­di­kat in Ber­lin-Neu­kölln, die die Abstands- und Hygie­ne­re­ge­lun­gen ein­hielt, wur­de bru­tal aus­ein­an­der­ge­trie­ben. Die Ant­wort gegen Rechts und Links ist nach feins­ter Huf­ein­sen­theo­rie gleich: Sie lau­tet Poli­zei und Auf­rüs­tung.

Sieh dir die­sen Bei­trag auf Insta­gram an

😡😡😡Während Coronaleugner*innen ohne Abstand und Mas­ken mit Reichs­flag­ge und anti­se­mi­ti­schen Slo­gans ges­tern unge­hin­dert demons­trie­ren konn­ten, wur­de die Demo gegen Gen­tri­fi­zie­rung in Neukölln gewalt­sam aufgelöst trotz Mund­schutz und Abstand. Wenns um Kapi­tal­in­ter­es­sen geht, dann siehts halt anders aus. Video via Anwoh­ne­rin #b0108 #poli­zei­pro­blem #gen­tri­fi­zie­rung #neukölln #neu­ko­elln #berlinneukölln #kreuzberg36 #kreuz­berg #xberg #ber­lin­kreuz­berg #poli­zei­ge­walt #unteil­bar #endegelände #fri­days­for­fu­ture #extinc­tion­re­bel­li­on #seebrücke #wirsind­mehr #anti­fa #anti­fa­schis­mus #auto­no­me #die­lin­ke #die­par­tei #ras­sis­mus #anti­ras­sis­mus #gegen­ras­sis­mus #noafd #nazis­raus #gegen­rechts #gegen­na­zis #kein­bock­auf­na­zis

Ein Bei­trag geteilt von Ferat Ali Kocak (@der_neukoellner) am Aug 2, 2020 um 12:46 PDT

Für Die Lin­ke besteht die Ant­wort auf rech­te Ver­schwö­rungs­theo­rien also dar­in, die Poli­zei zu stär­ken, die jedoch wie seit jeher unver­hält­nis­mä­ßig stär­ker gegen Antifaschist*innen und Lin­ke vor­geht als gegen Rech­te, die in Shis­ha­bars Raz­zi­en durch­führt und rech­te Ter­ror­netz­wer­ke in ihren eige­nen Rei­hen dul­det.

Anstatt eine offen­si­ve Ant­wort auf die­je­ni­gen zu geben, die die Aus­wir­kun­gen der Pan­de­mie leug­nen, deren Todes­zahl glo­bal bereits auf die Mil­li­on zusteu­ert, oder wie im Fal­le Tön­nies die­se für ihre Pro­fi­te in Kauf neh­men, setzt die Links­par­tei auf den Staat, der die Inter­es­sen eben die­ser Men­schen schützt – wäh­rend die Kos­ten der Kri­se Aber­tau­sen­de in die Arbeits­lo­sig­keit trei­ben.
Wie wir an ande­rer Stel­le schrie­ben:

Doch es wäre mög­lich, mit einem sozia­les Pro­gramm gegen die Aus­wir­kun­gen der Coro­na-Kri­se – durch­ge­setzt durch Streiks in betrof­fe­nen Betrie­ben und Mas­sen­mo­bi­li­sie­run­gen gegen Ent­las­sun­gen und Betriebs­schlie­ßun­gen, für Hygie­ne- und Schutz­maß­nah­men an Arbeits­plät­zen usw. – nicht nur die Attrak­ti­vi­tät der Rech­ten zu beschnei­den, son­dern tat­säch­lich auch die sozia­len For­de­run­gen und die demo­kra­ti­schen Fra­gen umzu­set­zen wie die Kon­trol­le der Coro­na-Maß­nah­men durch gewähl­te Komi­tees in Betrie­ben und Nach­bar­schaf­ten.

Fehlt die­se Per­spek­ti­ve, bleibt nur das Ver­trau­en in die Regie­rung und den Staat – und damit die Absa­ge an jeg­li­che lin­ke Poli­tik. In den sozia­len Netz­wer­ken waren auch in lin­ken Krei­sen ges­tern vie­ler­orts For­de­run­gen nach einem har­ten Durch­grei­fen der Poli­zei zu hören. Doch wie uns nicht zuletzt Black Lives Mat­ter vor Augen geführt hat, steht die Poli­zei nicht auf unse­rer Sei­te – und kann nicht auf unse­rer Sei­te ste­hen. Schon gar nicht kann die Poli­zei, deren Ras­sis­mus struk­tu­rell in ihrer Funk­ti­on der Auf­recht­erhal­tung der kapi­ta­lis­ti­schen Eigen­tums­ord­nung ver­an­kert ist, eine Ver­bün­de­te im Kampf gegen den Auf­stieg der Rech­ten sein.

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