[gG:] [FAZ] Mili tanzt für Liebig34 in Aachen (English below)

In den frü­hen Mor­gen­stun­den vom 2. auf den 3. August haben wir, eine Femi­nis­ti­sche Auto­no­me Zel­le (FAZ), in der Eifel­stra­ße in Aachen die Rei­fen von zwei Autos im Kon­text von Über­wa­chungs- und Sicher­heits­tech­no­lo­gie geplät­tet. Es han­delt sich um ein Auto einer_​s Auftragnehmer_​in von Ama­zon und ein Auto des Über­wa­chungs­tech­no­lo­gie-Unter­neh­mens LivEye. Mit Mes­ser­sti­chen in jeweils alle 4 Rei­fen haben wir bei­de Autos fahrt­un­tüch­tig gemacht. Damit wol­len wir unse­rem Wider­stand gegen Über­wa­chung, Tech­no­lo­gi­schen Angriff und Ver­si­cher­heit­li­chung Aus­druck ver­lei­hen.
Die Akti­on ist Teil einer Cho­reo­gra­fie mit der Akti­on einer FAZ etwa zur glei­chen Zeit in Karls­ru­he (Tor Link: http://raxuatgmxdvnp4no.onion/node/1596537085956703/).

Zur Sabo­ta­ge der bei­den Autos haben wir ein ein­fa­ches Küchen­schnei­de­mes­ser ver­wen­det und es seit­lich (nicht durchs Rei­fen­pro­fil) in die Rei­fen gesto­chen. Dadurch ent­weicht sofort rela­tiv laut, aber ohne Knall, die Luft aus den Rei­fen. Die­se Metho­de erfor­dert nicht viel Kraft. Zur Ver­mei­dung von Spu­ren soll­ten meh­re­re Lagen sau­be­rer Ein­mal­hand­schu­he getra­gen wer­den. Das schar­fe Mes­ser am bes­ten in einer sau­be­ren Ver­pa­ckung trans­por­tie­ren, die davor schützt, sich ver­se­hent­lich zu ver­let­zen. Nach der Sabo­ta­ge kön­nen in eini­ger Ent­fer­nung vom Akti­ons­ort Mes­ser, Ver­pa­ckung und Hand­schu­he getrennt ent­sorgt wer­den. Vor der Sabo­ta­ge haben wir die Anwe­sen­heit von Men­schen im Auto und in unse­rer Nähe aus­ge­schlos­sen.

Ama­zo­nen statt Ama­zon

Mit Ama­zon und LivEye haben wir 2 Fir­men gewählt, die wir im Kon­text der zuneh­men­den Über­wa­chung und Auf­wer­tung der Städ­te sehen. Ama­zon ist, wie eine FAZ im Som­mer 2019 bereits erklär­te (https://​bar​ri​ka​de​.info/​a​r​t​i​c​l​e​/​2​517), nicht nur schlech­ter Arbeit­ge­ber und kapi­ta­lis­ti­scher Groß­kon­zern, son­dern dar­über hin­aus auch wich­ti­ger Akteur in der Bereit­stel­lung von Über­wa­chungs­soft­ware für Staa­ten, Poli­zei und Geheim­diens­te. In Städ­ten wie Ber­lin spielt Ama­zon außer­dem eine zen­tra­le Rol­le in der Gen­tri­fi­zie­rung, deren Kon­se­quen­zen ganz beson­ders ärme­re Men­schen und Frei­räu­me trifft (Infos z.B. hier https://​bar​ri​ka​de​.info/​a​r​t​i​c​l​e​/​3​759). Ama­zon arbei­tet mit vie­len Logis­tik­un­ter­neh­men zusam­men. Deren Autos sind wie in die­sem Fall meist durch eine „Ama­zon“ Auf­schrift außen oder durch ein Schild vor­ne in der Fahrer_​innenkabine gut zu erken­nen.
Bei LivEye mobi­le Über­wa­chungs­tech­nik han­delt es sich um ein inter­na­tio­nal täti­ges Unter­neh­men, das unter ande­rem (intel­li­gen­te) Über­wa­chung von Bau­stel­len und Groß­bau­pro­jek­ten, aber auch z.B. von Kraft­wer­ken und Wind­parks zur Ver­fü­gung stellt. Zudem ist es Teil des Bun­des­ver­ban­des der Sicher­heits­wirt­schaft.

Bei­de Aktio­nen haben wir in Soli­da­ri­tät mit der anarcha_​queer_​feministischen Haus­be­set­zung Liebig34 in Ber­lin unter­nom­men. Die­se ist direkt von Gen­tri­fi­zie­rung und Repres­si­on betrof­fen und seit Kur­zem akut räu­mungs­be­droht. (http://​lie​bi​g34​.blog​sport​.de/)

Die bei­den cho­reo­gra­fier­ten Aktio­nen in Karls­ru­he und Aachen ste­hen in einer Rei­he mit der Akti­on einer FAZ gegen die reak­tio­nä­re Tübin­ger Offen­si­ve Stadt­mis­si­on (TOS) im Dezem­ber 2019 (https://​bar​ri​ka​de​.info/​a​r​t​i​c​l​e​/​3​033), die den Start einer Kam­pa­gne zu expli­zit femi­nis­ti­schen The­men mar­kiert. Wir unter­stüt­zen den Auf­ruf der Liebig34 nach Sach­be­schä­di­gung und Kra­wall für den Erhalt des Pro­jekts und sen­den unse­re Soli­da­ri­tät und Kraft an das Pro­jekt Liebig34, ihre Bewohner_​innen und Unterstützer_​innen.

War­um femi­nis­ti­sche The­men und Zie­le?
Queer_​Feministisch sein hieß für uns immer wehr­haft sein (müs­sen) gegen die patri­ar­cha­le, bür­ger­li­che Gesell­schaft. Unser Leben lang unse­re Kör­per, Arbeits­kraft, Geist und Wohl­be­fin­den ver­tei­di­gen zu müs­sen gegen Ver­ein­nah­mun­gen und Gewalt. Wie eine Zel­le kürz­lich in einem Ant­wort­text schrieb (https://​bar​ri​ka​de​.info/​a​r​t​i​c​l​e​/​3​700), wer­den Queer_​Feminismus und mili­tan­te Hand­lun­gen aber auch in lin­ken Dis­kur­sen häu­fig künst­lich von­ein­an­der getrennt: also Mili­tanz für un-femi­nis­tisch gehal­ten oder Femi­nis­mus nur unter dem Dog­ma der „Gewalt­frei­heit“ ver­han­delt. Die­se „Ent­waff­nung“ ist in unse­ren Augen ein Mit­tel, femi­nis­ti­sche Kämp­fe klein­zu­hal­ten und z.B. inner­halb ande­rer lin­ker Kämp­fe zu ver­ein­zeln. Daher ist für uns so wich­tig, unse­re Wider­stands­for­men immer wie­der laut zu machen und uns immer wie­der als femi­nis­tisch zu beken­nen. Die erzwun­ge­ne Tren­nung bei­der The­men zeigt aber auch, wie macht­voll Ver­bin­dun­gen von Femi­nis­mus und Mili­tanz sind und sein könn­ten. Daher wol­len wir hier­mit zu Aktio­nen femi­nis­ti­scher Mili­tanz auf­ru­fen: Dem Angriff auf Akteur_​innen der patri­ar­cha­len Gesell­schaft wie Abtreibungsgegner_​innen, Kon­ver­si­ons­the­ra­pie, reli­giö­se Sexis­ten und Queer­fein­de, Antifeminist_​innen, Akteur_​innen und Profiteur_​innen gesell­schaft­li­cher „Schönheits-„Normen, Nazis usw.

Wir freu­en uns über die Grü­ße und sen­den liebs­te zurück an die Fan­ti­fa Hexen aus dem Schwarz­wald (https://​bar​ri​ka​de​.info/​a​r​t​i​c​l​e​/​3​209), die Men­schen, die ein Tele­kom-Auto in Ham­burg (https://​chro​nik​.black​blogs​.org/​?​p​=​1​1​723), Bosch Autos (https://​chro​nik​.black​blogs​.org/​?​p​=​1​2​090, https://​chro​nik​.black​blogs​.org/​?​p​=​1​1​518) und Gun­nar Schu­pe­li­us Auto in Ber­lin zer­legt haben (https://​de​.indy​m​e​dia​.org/​n​o​d​e​/​5​7​093) und an all die ande­ren wun­der­vol­len Men­schen, die im Kampf gegen Patri­ar­chat und Herr­schaft zur Tat schrei­ten. Ob mit Feu­er­zeug oder Sup­pen­kel­le – wir sind gespannt auf kom­men­de Taten!

Gruß und Kuss,

eine Femi­nis­ti­sche Auto­no­me Zel­le

P.S. Wer in Aachen ger­ne Ama­zon ein wei­te­res Mal besu­chen möch­te, hier eini­ge Tipps:

1) Ama­zon Deve­lo­p­ment Cen­ter Aachen
Hier wird in einem der drei For­schungs­zen­tren von Ama­zon in Deutsch­land an Künst­li­cher Intel­li­genz und Ale­xa geforscht. Ama­zons Cen­ter ist dabei im Gebäu­de der Aachen­Münch­ner (Teil der Gene­ra­li Ver­si­che­run­gen) in der Aure­li­us­stra­ße 2 in 52064 Aachen.

2) Ama­zon Hub Locker
Paket­sta­tio­nen von Ama­zon (Infos dazu in den Tex­ten ande­rer FAZ Aktio­nen):
– che­ro­kee: Shell Tank­stel­le, Pra­ger Ring 106, Aachen
– chan­tal Shell Tank­stel­le, Von-Coels-Stra­ße 11, Aachen
– rafi: Shell Tank­stel­le, Haupt­str. 244, Wür­se­len
– Shell Tank­stel­le: Erkens­stra­ße 2–4, Her­zo­gen­rath

3) Digi­tal Hub in der ehe­ma­li­gen St.-Elisabeth-Kirche
Start Up Stand­ort, der mit Ama­zon zusam­men­ar­bei­tet.
Jüli­cher Stra­ße 68, Aachen

4) Fahr­zeu­ge von Logis­tik-Auf­trag­neh­mer_in­nen von Ama­zon: Ste­hen mit Ama­zon Auf­schrift oder Schild gut erkenn­bar in der Stadt rum.


Eng­lish ver­si­on:
(FAZ): Mil­li dan­ces for Liebig34 in Aachen

In the ear­ly morning hours bet­ween August 2nd and 3rd, we, a Femi­nist Auto­no­mous Cell (FAZ), slas­hed the tires of two cars con­nec­ted to the sur­veil­lan­ce and secu­ri­ty indus­try, one by an Ama­zon con­trac­tor and one by the sur­veil­lan­ce tech­no­lo­gy com­pa­ny LivEye. This is to show our resis­tance against sur­veil­lan­ce, tech­no­lo­gi­cal attack and secu­ri­tiz­a­ti­on.
The attack is part of a cho­reo­gra­phy with the action of a Cell in Karls­ru­he (GER) at the same time (Tor link: http://raxuatgmxdvnp4no.onion/node/1596537085956703/).

To sabo­ta­ge both cars, we used a simp­le kit­chen cut­ting kni­fe to slash all four tires each through the side (not through the tire pro­fi­le). This makes the air lea­ve the tire immedia­te­ly rather loud­ly, but without a bang. This method does not requi­re much strength. In order to not lea­ve traces, one should wear mul­ti­ple lay­ers of clean dis­po­sable gloves. The sharp kni­fe should be trans­por­ted in a clean packa­ge that pre­vents acci­den­tal inju­ries. After the sabo­ta­ge, the kni­fe, the packa­ge and the dis­po­sable gloves can be thrown away sepa­r­ate­ly in some distance to the loca­ti­on. Befo­re star­ting to work on the tires, we che­cked that the­re were no peop­le in the cars and our sur­roun­dings.

Ama­zons, not Ama­zon

With Ama­zon and LivEye, we cho­se two com­pa­nies we view as respon­si­ble for incre­a­sing sur­veil­lan­ce and gen­tri­fi­ca­ti­on of cities. As one FAZ wro­te in sum­mer 2019, Ama­zon is not only a lar­ge capi­ta­list com­pa­ny who enfor­ces bad working con­di­ti­ons, but also sup­plies sur­veil­lan­ce soft­ware for sta­tes, poli­ce and intel­li­gence (https://​bar​ri​ka​de​.info/​a​r​t​i​c​l​e​/​2​517). In cities such as Ber­lin, Ama­zon also plays a key role in gen­tri­fi­ca­ti­on, who­se con­se­quen­ces hit poor peop­le and auto­no­mous spaces espe­cial­ly hard (mor infos e.g. here https://​bar​ri​ka​de​.info/​a​r​t​i​c​l​e​/​3​759). Ama­zon coope­ra­tes with mul­ti­ple logistics com­pa­nies. Their cars can be easi­ly reco­gni­zed by an Ama­zon logo on the side, as in our case, or by a sign in the dri­vers cabin.

LivEye is a com­pa­ny that, among other things, pro­vi­des (intel­li­gent) sur­veil­lan­ce tech­no­lo­gies for con­struc­tion sites and lar­ge buil­ding pro­jects, but also e.g. for power­plants and wind­parks. It’s a mem­ber of the Ger­man secu­ri­ty busi­ness asso­cia­ti­on.

We com­mit­ted both actions in soli­da­ri­ty with the anarcha_​queer_​feminist squat Liebig34 in Ber­lin.
Liebig34 direct­ly expe­ri­en­ces gen­tri­fi­ca­ti­on and repres­si­on and cur­r­ent­ly faces evic­tion (http://​lie​bi​g34​.blog​sport​.de/).

The two cho­reo­gra­phed actions in Karls­ru­he and Aachen (GER), tog­e­ther with the action against the reac­tion­a­ry church Tübin­ger Offen­si­ve Stadt­mis­si­on by a FAZ in Decem­ber 2019 (https://​bar​ri​ka​de​.info/​a​r​t​i​c​l​e​/​3​033), mark the begin­ning of a cam­pai­gn with expli­ci­tly femi­nist topics. We ther­eby want to sup­port the Liebig34 call for sabo­ta­ge and riot for the project’s sur­vi­val and send our soli­da­ri­ty and strength to Liebig34, its habi­tants and sup­por­tees.

Why femi­nist topics and tar­gets?
Being queer_​feminist, to us, means con­stant­ly resis­ting patri­ar­chal, bour­geoi­se socie­ty (and having to). Being for­ced to defend our bodies, work for­ce, minds and well-being against colo­ni­sa­ti­on and vio­lence. As a Cell recent­ly put it in their text (https://​bar​ri​ka​de​.info/​a​r​t​i​c​l​e​/​3​700), howe­ver, queer_​feminism and mili­tant action are being arti­fi­cial­ly sepa­ra­ted from each other all the time, also in lef­tist dis­cour­se. Eit­her, mili­tant action is being per­cei­ved as non-femi­nist, or femi­nism is being addres­sed only under the dog­ma of ’non-vio­lence’. This self-reduc­tion, to us, is used as a stra­te­gy to limit femi­nist strug­gles and sepe­ra­te them from other lef­tist strug­gles. The­re­fo­re, ver­ba­li­zing our forms of action and sta­ting our femi­nist stand­point is of major impor­t­ance to us.
What this divi­si­on also means is that con­nec­tions of femi­nism and mili­tant action are (and could be even more) power­ful. The­re­fo­re, we call for femi­nist mili­tant actions: attacks on sta­ke­hol­ders of patri­ar­chal socie­ty such as anti-abor­ti­on and con­ver­si­on the­ra­py pro­pa­gan­dists, reli­gious sexists and anti-queers, anti­fe­mi­nists, per­pe­tra­tors and pro­fi­teurs of socie­tal ‚beau­ty’ norms, nazis etc.

We thank the Fan­ti­fa Wit­ches from the Black Forest (https://​bar​ri​ka​de​.info/​a​r​t​i​c​l​e​/​3​209), the peop­le who sabo­ta­ged a Tele­kom car in Ham­burg (https://​chro​nik​.black​blogs​.org/​?​p​=​1​1​723), Bosch cars (https://​chro​nik​.black​blogs​.org/​?​p​=​1​2​090, https://​chro​nik​.black​blogs​.org/​?​p​=​1​1​518) and Gun­nar Schu­pe­li­us car in Ber­lin (https://​de​.indy​m​e​dia​.org/​n​o​d​e​/​5​7​093) for their gree­tings and send our best wis­hes back to you and all the won­der­ful peop­le acting against patri­ar­chy and opp­res­si­on. Whe­ther it’s with a ligh­ter or a soup spoon – we are loo­king for­ward to the future!

Gree­tings and kis­ses,

a Femi­nist Auto­no­mous Cell

P.S. For tho­se who want to visit Ama­zon in Aachen again, here are some addres­ses:

1) Ama­zon Deve­lo­p­ment Cen­ter Aachen
One of Ama­zons three rese­arch cen­ters in Ger­ma­ny. Working here on Arti­fi­cial Intel­li­gence and Ale­xa. Ama­zons Cen­ter is loca­ted in the buil­ding of Aachen­Münch­ner (part of Gene­ra­li) in Aure­li­us­stra­ße 2, 52064 Aachen.

2) Ama­zon Hub Locker
Ama­zon lockers (for more info, see text by other FAZ):
– che­ro­kee: Shell Tank­stel­le, Pra­ger Ring 106, Aachen
– chan­tal Shell Tank­stel­le, Von-Coels-Stra­ße 11, Aachen
– rafi: Shell Tank­stel­le, Haupt­str. 244, Wür­se­len
– Shell Tank­stel­le: Erkens­stra­ße 2–4, Her­zo­gen­rath

3) Digi­tal Hub in the for­mer St.-Elisabeth-Kirche: start-up loca­ti­on coope­ra­ting with Ama­zon
Jüli­cher Stra­ße 68, Aachen

4) Vehi­cles by Ama­zon logistics con­trac­tors: Cars with Ama­zon logo or sign are par­ked around the city.

P.P.s: Bild: Sym­bol­bild – natür­lich nie ohne Hand­schu­he!
Pic­tu­re: ran­dom pic­tu­re – of cour­se never without gloves!

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