[labournet:] Pflegeverbandschef über die aktuelle Situation in Altenheimen in der Coronakris: “Das könnte einen Flächenbrand geben”

Dossier

Coronavirus, die Hetze und der Ausnahmezustand: China im Shitstorm“… Die Stim­mung ist schlecht und ange­spannt. Es gibt Zei­chen der Über­for­de­rung von Kol­le­gin­nen und Kol­le­gen, vie­le haben auch berech­tig­te Ängs­te. Die­se Kol­le­gen kön­nen nicht ins Home­of­fice gehen und sind der Infek­ti­ons­ge­fahr direkt aus­ge­setzt. Immer wie­der erfah­ren wir davon, dass es an hygie­ni­schen Hilfs­ar­ti­keln man­gelt, dass also in den Pfle­ge­ein­rich­tun­gen wie schon in den Arzt­pra­xen Mund­schutz, Kit­tel und Des­in­fek­ti­ons­mit­tel feh­len. SPIEGEL: Aus Kran­ken­häu­sern ist bereits zu hören, dass es zu wenig qua­li­fi­zier­tes Pfle­ge­per­so­nal für die Bekämp­fung der Pan­de­mie geben könn­te. Wie sieht die Situa­ti­on in den Pfle­ge­ein­rich­tun­gen aus? Höfert: Schlecht. Es belegt sich jetzt unse­re lan­ge For­de­rung, dass der Per­so­nal­man­gel in den Ein­rich­tun­gen durch zusätz­li­che Kräf­te auf­ge­ho­ben wer­den muss. Die Uni Bre­men ist erst kürz­lich in einer Stu­die zu dem Ergeb­nis gekom­men, dass in Alten­hei­men und Senio­ren­ein­rich­tun­gen min­des­tens 150.000 Pfle­ge­kräf­te feh­len. Das kommt jetzt im Rah­men der Pan­de­mie beson­ders zum Tra­gen. (…) Drei Mil­lio­nen Pfle­ge­be­dürf­ti­ge wer­den in der Häus­lich­keit gepflegt. Da ist es so, dass gera­de die hygie­ni­schen Hilfs­mit­tel ganz beson­ders feh­len – und auch schon in der Ver­gan­gen­heit gefehlt haben. Wenn Pfle­ge­kräf­te von einem Pati­en­ten zum ande­ren fah­ren, ist die Gefahr der Anste­ckung beson­ders hoch. Es reicht dann nicht, sich nur die Hän­de zu waschen. Des­in­fek­ti­ons­mit­tel und Schutz­klei­dung sind drin­gend erfor­der­lich. Gesund­heits­mi­nis­ter Spahn hat inzwi­schen viel Mate­ri­al geor­dert, aber das ist in den peri­phe­ren Berei­chen noch nicht ange­kom­men…“ Inter­view von Jan­ne Kie­sel­bach mit Rolf Höfert vom 20.03.2020 beim Spie­gel online externer Link. Sie­he dazu:

  • 40 Minu­ten mehr am Tag: Pfle­ge­hei­me brau­chen mehr Per­so­nal, um die Men­schen wür­dig zu ver­sor­gen – das bestä­tigt ein Gut­ach­ten. Doch die Umset­zung ver­zö­gert sich New
    “… [Der Bre­mer Pfle­ge­öko­nom Heinz] Roth­gang hat im Auf­trag der Pfle­ge­kas­sen, Sozi­al­hil­fe­trä­ger und Berufs­ver­bän­de und im Ein­ver­neh­men mit dem Bun­des­mi­nis­te­ri­um für Gesund­heit eine umfas­sen­de Stu­die zum Per­so­nal­mehr­be­darf in Pfle­ge­hei­men erstellt. Laut dem Pfle­ge­stär­kungs­ge­setz II soll­te die­ses „wis­sen­schaft­lich fun­dier­te Ver­fah­ren“ zur „ein­heit­li­chen Bemes­sung des Per­so­nal­be­darfs“ in Hei­men bis zum 30. Juni 2020 „ent­wi­ckelt und erprobt“ sein. Doch davon kann nicht die Rede sein. Ein Zwi­schen­be­richt der Stu­die wur­de bereits vor Mona­ten vor­ge­stellt, doch der Abschluss­be­richt kreist noch durch die Abstim­mun­gen mit Kas­sen, Sozi­al­hil­fe­trä­gern und Bran­chen­ver­bän­den. Das Gut­ach­ten wer­de der­zeit noch „bera­ten“, sagt eine Spre­che­rin des Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­te­ri­ums. Einen kon­kre­ten Zeit­plan kön­ne man nicht über­mit­teln. (…) Doch jede Ver­bes­se­rung, um den Pfle­ge­be­ruf auch für Jün­ge­re attrak­tiv zu machen, wird nicht ohne höhe­re Kos­ten mög­lich sein. Ob die­se Kos­ten dann von den Pfle­ge­be­dürf­ti­gen und ihren Fami­li­en getra­gen wer­den müs­sen und damit das Pfle­ge­ri­si­ko zum indi­vi­du­el­len bio­gra­fi­schen Risi­ko wird oder ob man die Ver­si­cher­ten­ge­mein­schaft oder die Steu­er­zah­ler damit belas­tet, das ist die poli­ti­sche Fra­ge. Gör­res erin­nert sich noch an die 70er Jah­re des ver­gan­ge­nen Jahr­hun­derts, als die Grau­en Pan­ther mit rot­be­fleck­ten Bett­la­ken gegen die Zustän­de in Pfle­ge­hei­men pro­tes­tier­ten, in denen es damals noch Acht-Bett-Zim­mer gab. Die „Abschie­bung“ ins Heim galt damals als eine Art Höchst­stra­fe. Heu­te sol­len die sta­tio­nä­ren Ein­rich­tun­gen akzep­tier­te Alter­na­ti­ven sein zur fami­liä­ren Ver­sor­gung, die die Töch­ter und Schwie­ger­töch­ter wegen der eige­nen Berufs­tä­tig­keit nicht mehr leis­ten kön­nen und wol­len. „Da gibt es auch kein Zurück mehr“, sagt Gör­res.” Arti­kel von Bar­ba­ra Drib­busch vom 3. August 2020 in der taz online externer Link
  • Coro­na in Alten­hei­men: Die Brenn­punk­te der Pan­de­mie 
    In Senio­ren­hei­men wütet das Virus beson­ders hef­tig. Bis zu 20 Pro­zent der Bewoh­ner ster­ben nach der Infek­ti­on. Der Man­gel an Per­so­nal und Mate­ri­al wird offen­bar. Und es begin­nen die Schuld­zu­wei­sun­gen. (…) Es ist nicht aus­zu­schlie­ßen, dass in ein­zel­nen Hei­men Feh­ler gemacht wur­den. Aber auf Nach­fra­ge von SZ, NDR und WDR berich­ten Heim­lei­tun­gen aller­orts, dass sie über­for­dert sei­en. Es feh­le an Per­so­nal, Schutz­ma­te­ri­al und vor allem an Coro­na-Tests. Vie­le Hei­me füh­len sich von Behör­den und Poli­tik gera­de­zu ver­ges­sen. Wäh­rend Pfle­ger selbst erkran­ken und aus­fal­len, ver­sucht man, die ver­schärf­ten Hygie­ne­vor­schrif­ten umzu­set­zen. Das Per­so­nal bemüht sich, Infi­zier­te von Nicht-Infi­zier­ten zu tren­nen, schließt Gemein­schafts­räu­me und lie­fert den Bewoh­nern Essen ins Zim­mer. Stren­ge Kon­takt­ver­bo­te bedeu­ten, dass vie­le alte Men­schen gera­de allei­ne ster­ben müs­sen. “Die Coro­na-Kri­se legt gna­den­los offen, was im deut­schen Gesund­heits­we­sen grund­sätz­lich schief­läuft”, sagt Eugen Brysch, Vor­stand der Deut­schen Stif­tung Pati­en­ten­schutz. (…) Flä­chen­de­cken­de Tests in Hei­men sei­en nicht vor­ge­se­hen, und wenn es Tests gebe, kom­me das Ergeb­nis oft viel zu spät. Man­che Mit­ar­bei­ter hät­ten zwei bis drei Wochen auf ihr Ergeb­nis gewar­tet. Dabei sei ein schnel­les Tes­ten der Pfle­ge­rin­nen und Pfle­ger beson­ders wich­tig, denn sie sei­en die Ein­zi­gen, die das Virus noch in die Ein­rich­tun­gen tra­gen könn­ten. (…) Aner­ken­nung gibt es aller­dings nicht über­all. Im hes­si­schen Nie­der­au­la haben sich Alten­pfle­ge­rin­nen ver­zwei­felt an den Land­rat gewandt. Sie wür­den wie “Aus­sät­zi­ge” behan­delt, schrei­ben sie. Sie wür­den aus Geschäf­ten ver­wie­sen, dürf­ten nicht tan­ken. Rich­ti­ges Mob­bing also…” Arti­kel von Lena Kampf, Sebas­ti­an Pit­tel­kow, Nico­las Rich­ter und Kat­ja Rie­del vom 22. April 2020 in der Süd­deut­schen Zei­tung online externer Link
  • Zur Situa­ti­on in den Hei­men: Beschäf­tig­te und Bewohner*innen wer­den rück­sichts­los gefähr­det 
    Die Mel­dung vom 2. April, dass sich mitt­ler­wei­le mehr als 2.300 Pfleger*innen und Ärzt*innen in den Kran­ken­häu­sern, trotz der schein­bar streng durch­ge­führ­ten Schutz­maß­nah­men in den Kli­ni­ken, mit dem Coro­na-Virus infi­ziert haben, erschreckt. Spä­tes­tens ab die­sem Zeit­punkt müss­ten alle Alarm­glo­cken läu­ten, denn in den Alten‑, Pfle­ge- und Behin­der­ten­hei­men sind Schutz­maß­nah­men der Mitarbeiter*innen über­wie­gend die Aus­nah­me gewe­sen, obwohl dort die Kon­tak­te noch per­sön­li­cher sind als in Kli­ni­ken. Die Hand­ha­bung der Schutz­re­ge­lun­gen ist in den meis­ten Hei­men mit „fahr­läs­sig“ noch freund­lich umschrie­ben. So Kri­sen­stä­be vor­han­den sind, reagie­ren die­se erst mit wei­ter­ge­hen­den und vor­sor­gen­den Maß­nah­men nach auf­ge­tre­te­nen Akut­fäl­len oder mit Tagen Ver­spä­tung. Prä­ven­ti­on sieht anders aus, wie man nicht erst seit den Vor­fäl­len in Würz­burg oder Wolfs­burg weiß. Erst als meh­re­re Bewohner*innen kurz nach­ein­an­der ver­star­ben, wur­den die Schutz- und Qua­ran­tä­ne­re­ge­lun­gen erhöht und den erfor­der­li­chen Umstän­den ange­passt. Aber auch sonst sieht es an ande­ren Orten nicht bes­ser aus, denn täg­lich hält das Virus in immer mehr Betreu­ungs­ein­rich­tun­gen Ein­zug, da bis zur ers­ten ernst auf­tre­ten­den Situa­ti­on wie gewohnt wei­ter­ge­ar­bei­tet wird. (…) In den ver­schie­de­nen Wohn­hei­men gibt es zwar nicht wie in den seit Jahr­zehn­ten her­un­ter gewirt­schaf­te­ten Kran­ken­häu­sern ein Fallpauschalen-(DRG)-System, jedoch wur­den die­se ana­log in den soge­nann­ten Pfle­ge­satz­ver­hand­lun­gen mit den Kostenträgern/​Kommunen über Jah­re mit viel zu nied­ri­gen Pfle­ge- und Betreu­ungs­sät­zen abge­speist. Die Fol­ge war, dass in einer so geschaf­fe­nen Kon­kur­renz­si­tua­ti­on, die Hei­me eben­falls anfin­gen intern zu knap­sen. Das geschieht nicht nur, wie bei vie­len pri­va­ti­sier­ten Trä­gern über die Gehäl­ter, son­dern über­all: bei Reinigung/​Hauswirtschaft, Ver­pfle­gung (Essens­gel­der), Klei­der­gel­der, Wäscher- und Nähe­rei­en und Inkon­ti­nenz­ma­te­ri­al (die zuge­stan­de­nen monat­li­chen Regel­sät­ze rei­chen oft nur für eine dicke bis zwei dün­ne Win­deln am Tag, der Rest muss aus eige­ner Tasche zuge­schos­sen wer­den!) Das und der aller­orts statt­ge­fun­de­ne Abbau von Vor­rats­hal­tun­gen für Kri­sen­zei­ten (dadurch konn­ten ein­ma­lig für eine begrenz­te Zeit Aus­ga­ben „gespart“ wer­den und, ähn­lich der just-in-time-Logik der Betriebs­wirt­schaft­ler und Logis­ti­ker, Räu­me anders ver­wen­det wer­den) rächt sich nun gewal­tig. (…) Was aber zudem all­ge­mein drin­gend Not täte, wären die Abschaf­fung des DRG-Sys­tems (und den dar­aus fol­gen­den Regel­satz­be­mes­sun­gen der Hei­me über deren Kos­ten­trä­ger) für ein Gesund­heits- und Pfle­ge­sys­tem nach Bedarf. Die Eli­mi­nie­rung jeg­li­cher Kon­kur­renz im Gesundheits‑, Pfle­ge- und Betreu­ungs­we­sen durch die Über­füh­rung aller Kli­ni­ken und Hei­me in öffent­li­che Hand. Damit dabei die nicht aller­hells­ten Leuch­ten à la Spahn und Kon­sor­ten nach den wei­ter­hin vor­han­de­nen Wün­schen des Kapi­tals ent­schei­den kön­nen, üben die Kon­trol­le die Mit-Arbeiter*innen, Patient*innen, Bevöl­ke­rung, Gewerk­schaft und Kommunen/​Länder pari­tä­tisch aus. Güter des Gesundheits‑, Pfle­ge- und Hygie­ne­we­sens wer­den mög­lichst vor Ort und per­ma­nent vor­rä­tig pro­du­ziert und nicht mehr einem inkom­pe­ten­ten „frei­en Markt“ über­las­sen…” Bei­trag von Thors­ten Bütt­ner vom 10. April 2020 bei Sol externer Link – Sozia­lis­ti­sche Orga­ni­sa­ti­on Soli­da­ri­tät (er arbei­tet in der Pfle­ge, Baden-Würt­tem­berg, Name durch die Redak­ti­on geän­dert)
  • [Pfleg­bünd­nis Mit­tel­ba­den] Was ist eigent­lich sys­tem­re­le­vant? Situa­ti­on der Pfle­ge­ein­rich­tun­gen in der Coro­na-Kri­se /​Pfle­ge­ver­si­che­rung über­nimmt Bonus für Alten­pfle­ger von bis zu 1500 Euro 
    • Pfle­ge­ver­si­che­rung über­nimmt Bonus für Alten­pfle­ger von bis zu 1500 Euro
      “… Die gesetz­li­che Pfle­ge­ver­si­che­rung ist bereit, in der Coro­na-Kri­se für Alten­pfle­ger eine Son­der­zah­lung von bis zu 1500 Euro zu finan­zie­ren. Das erfuhr das Redak­ti­ons­netz­werk Deutsch­land (RND) aus Krei­sen der Pfle­ge­kas­sen. Der Betrag ori­en­tiert sich damit an der Sum­me, die Bun­des­fi­nanz­mi­nis­ter Olaf Scholz für 2020 steu­er- und sozi­al­ab­ga­ben­frei gestellt hat. Der Spre­cher des Spit­zen­ver­ban­des der gesetz­li­chen Kran­ken­ver­si­che­rung, Flo­ri­an Lanz, bestä­tig­te den kon­kre­ten Betrag gegen­über dem RND zwar nicht. Auch er sprach jedoch von einer „steu­er­frei­en Aner­ken­nungs­prä­mie“ und wies damit indi­rekt auf den Betrag von 1500 Euro hin. (…) „Da die­se Prä­mie am Ende aus den Porte­mon­naies der Bei­trags­zah­ler finan­ziert wird, muss deren Höhe mit Augen­maß fest­ge­legt wer­den“, beton­te er. „Es soll­te auch nicht nach Ost oder West, Nord oder Süd unter­schie­den wer­den. Hier soll­ten sich ins­be­son­de­re Poli­tik und Pfle­ge-Arbeit­ge­ber auf einen Höchst­wert ver­stän­di­gen“, for­der­te der Spre­cher des Spit­zen­ver­ban­des, der auch für die Pfle­ge­ver­si­che­rung zustän­dig ist. Die Bun­des­re­gie­rung hat mit einem Schutz­schirm für die Pfle­ge gesetz­lich fest­ge­legt, dass coro­nabe­ding­te Zusatz­las­ten von den Pfle­ge­kas­sen bezahlt wer­den. Dazu kön­nen auch Son­der­prä­mi­en für die Beschäf­tig­ten gehö­ren. Alten­pfle­ger ver­die­nen im Ver­gleich zu ande­ren Aus­bil­dungs­be­ru­fen und auch im Ver­gleich zu Kran­ken­pfle­gern im Schnitt meh­re­re Hun­dert Euro weni­ger im Monat. (…) Die Grü­nen for­dern eine ein­heit­li­che Gehalts­zu­la­ge für alle Beschäf­tig­ten in Kran­ken­häu­sern und Pfle­ge­ein­rich­tun­gen, in denen Pati­en­ten mit einer Coro­na-Infek­ti­on behan­delt oder betreut wer­den. In einem gemein­sa­men For­de­rungs­ka­ta­log ver­lan­gen die Pfle­ge-Exper­tin Kor­du­la-Schulz-Asche und die Gesund­heits­po­li­ti­ke­rin Maria Klein-Schmeink zudem, in der Coro­na-Kri­se bestimm­te Leis­tun­gen der Pfle­ge­ver­si­che­rung zu erhö­hen und die Ange­bo­te zu fle­xi­bi­li­sie­ren…” Bei­trag von Tim Szent-Ivanyi vom 4. April 2020 beim RND externer Link, sie­he dazu: Son­der­prä­mie von 1500 Euro in der Pfle­ge­bran­che: ver.di und BVAP eini­gen sich auf Tarif­ver­trag für Coro­na – “Ein­mal­prä­mie und dafür den Mund hal­ten? Nicht mit uns!”
    • [Pfleg­bünd­nis Mit­tel­ba­den] Was ist eigent­lich sys­tem­re­le­vant? Situa­ti­on der Pfle­ge­ein­rich­tun­gen in der Coro­na-Kri­se
      War­um in der der­zei­ti­gen Kri­se die poli­ti­schen Akteu­re und Ver­ant­wort­li­chen im Grun­de hand­lungs­un­fä­hig sind. Als Stifts­di­rek­tor vom KWA Park­stift Hahn­hof in Baden-Baden und als Vor­stands­mit­glied im Pfle­ge­bünd­nis Mit­tel­ba­den, bekom­me ich in der der­zei­ti­gen Kri­se die abso­lu­te Hand­lungs­un­fä­hig­keit der poli­ti­schen Akteu­re und Ver­ant­wort­li­chen vor Augen geführt. Schutz­aus­rüs­tun­gen für unse­re Mit­ar­bei­te­rIn­nen sind knapp und sol­len, so hören wir es seit Tagen und Wochen nun über Bund, Land und Kom­mu­ne, in die Ver­tei­lung gelan­gen. In die Ein­rich­tun­gen und Diens­te vor Ort. Da wo sie drin­gend gebraucht wer­den. Bis­her haben wir nichts…” Pres­se­mit­tei­lung vom 29.03.2020 beim Pfle­ge­bünd­nis Mit­tel­ba­den externer Link und zuvor am 24.3.20: Brand­mail des Pfle­ge­bünd­nis Mit­tel­ba­den an die poli­tisch Ver­ant­wort­li­chen in Bund, Land und Regi­on! Betreff: EILT !!!! Drin­gend !!!!! externer Link. Sie­he dazu:
      • Situa­ti­on der Pfle­ge­ein­rich­tun­gen in der Coro­na-Kri­se: Stel­lung­nah­me zu Anschul­di­gun­gen an das Pfleg­bünd­nis Mit­tel­ba­den e.V. – Kri­ti­sche Stel­lung­nah­me uner­wünscht!
        “Es ist bedau­er­lich, dass unse­re kri­ti­sche Stel­lung­nah­me vom Sonn­tag, dem 29.03.2020, von Herrn Bür­ger­meis­ter Roland Kai­ser mit Schuld­zu­wei­sun­gen beant­wor­tet und nicht ein­mal ansatz­wei­se Ver­ständ­nis für unse­re Situa­ti­on in den Ein­rich­tun­gen und Diens­ten und die der Kol­le­gin­nen und Kol­le­gen in der Ver­sor­gung gezeigt wird. Wir wei­sen jeg­li­che Schuld des Pfle­ge­bünd­nis Mit­tel­ba­den an einer ver­rin­ger­ten Aus­ga­be an die Kol­le­gin­nen und Kol­le­gen in den Ein­rich­tun­gen und Diens­ten ent­schie­den zurück und sind über die­se Art der „Retour­kut­sche“ schlicht­weg ent­setzt. Es ist offen­sicht­lich, dass das gesam­te Gesund­heits- und Pfle­ge­sys­tem nicht aus­rei­chend auf die­se Kri­se vor­be­rei­tet war und ist. Aus die­ser Ver­ant­wor­tung wer­den wir Herrn Bür­ger­meis­ter Kai­ser und alle ande­ren poli­tisch Ver­ant­wort­li­chen auch nicht ent­las­sen. Wir las­sen uns nicht den ´schwar­zen Peter´ zu schie­ben und unse­re Kri­tik in der Pres­se als „abso­lut unan­ge­bracht“ abtun. Wir freu­en uns, wenn es durch unse­re Stel­lung­nah­me (oder, wie Herr Bür­ger­meis­ter Kai­ser for­mu­liert: „Inter­ven­ti­on“) immer­hin zu einer zeit­na­hen Zuwei­sung gekom­men ist. Dabei ist für uns nicht nach­voll­zieh­bar war­um eini­ge Ein­rich­tun­gen und Diens­te nichts bekom­men haben. Wir hal­ten es daher für sinn­voll, wenn zur Her­stel­lung der nöti­gen Trans­pa­renz der ange­führ­te Ver­teil­schlüs­sel ver­öf­fent­licht wird…“ Pres­se­mit­tei­lung vom 31.03.2020 beim Pfle­ge­bünd­nis Mit­tel­ba­den externer Link
  • Coro­na-Pan­de­mie: Ver­bän­de war­nen vor Eng­päs­sen bei Schutz­aus­rüs­tung in Hei­men 
    Alten­ver­bän­de rufen die Poli­tik auf, rasch für Nach­schub an Mund­schutz und Des­in­fek­ti­ons­mit­teln in Hei­men zu sor­gen. Auch Pfle­ge­schu­len bit­ten um Unter­stüt­zung. Alten- und Pfle­ge­ver­bän­de haben mehr Mund­schutz und Des­in­fek­ti­ons­mit­tel für Senio­ren­ein­rich­tun­gen gefor­dert. „Wenn in Pfle­ge­hei­men eine rasan­te Ver­brei­tung des Coro­na­vi­rus wegen nicht vor­han­de­ner Schutz­mas­ken und Des­in­fek­ti­ons­mit­tel nicht ver­hin­dert wer­den kann, wer­den vie­le Pati­en­ten die eigent­lich gut vor­be­rei­te­ten Kli­ni­ken über­las­ten und die Sterb­lich­keit wird sprung­haft stei­gen“, sag­te der Prä­si­dent der Deut­schen Gesell­schaft für Geron­to­psych­ia­trie und ‑psy­cho­the­ra­pie (DGGPP), Pro­fes­sor Micha­el Rapp. Rapp warn­te davor, Hei­me zu schlie­ßen und alte Men­schen in eine krank­ma­chen­de Iso­la­ti­on zu brin­gen. Auch des­halb soll­ten Ärz­te und The­ra­peu­ten wei­ter in die Ein­rich­tun­gen kom­men kön­nen. In den ver­gan­ge­nen Tagen war es in ein­zel­nen Bun­des­län­dern zu vie­len SARS-CoV-2-Infek­tio­nen bei Heim­be­woh­nern gekom­men…” Arti­kel von Tho­mas Hom­mel vom 02.04.202 in der Ärz­te­zei­tung online externer Link
  • Pfle­ge­hei­me und ambu­lan­te Pfle­ge­diens­te inmit­ten der Coro­na­vi­rus-Kri­se /​Coro­na-Kri­se und der „real exis­tie­ren­de Pfle­ge­all­tagall­tag“ in sta­tio­nä­ren Ein­rich­tung der Alten­hil­fe /​In der häus­li­chen Pfle­ge droht der Not­stand 
    • Aus den Untie­fen der Ver­letz­lichs­ten und zugleich weit­ge­hend Schutz­los-Gelas­se­nen: Pfle­ge­hei­me und ambu­lan­te Pfle­ge­diens­te inmit­ten der Coro­na­vi­rus-Kri­se
      “… Aber nun wird immer deut­li­cher und schmerz­haf­ter erkenn­bar, dass Ein­rich­tun­gen und Diens­te für die ver­letz­lichs­ten „Risi­ko­grup­pen“ in die­sen Tagen der töd­li­chen Bedro­hung durch das Coro­na­vi­rus offen wie ein Scheu­nen­tor gegen­über­ste­hen: die ambu­lan­ten Pfle­ge­diens­te und die Pfle­ge­hei­me. Stünd­lich kom­men nun sol­che Schre­ckens­mel­dun­gen her­ein: Im Würz­bur­ger Senio­ren­heim St. Niko­laus ist ein 13. Bewoh­ner nach einer Infek­ti­on mit dem neu­en Coro­na­vi­rus gestor­ben, so der unfass­ba­re (vor­läu­fi­ge) Stand am 29. März 2020. Inzwi­schen sind alle 161 meist hoch­be­tag­ten und teils demenz­kran­ken Bewoh­ner sowie alle Mit­ar­bei­ter der Ein­rich­tung auf das Coro­na­vi­rus getes­tet wor­den; 44 Bewoh­ner und 32 Mit­ar­bei­ter waren posi­tiv. Und dann im Lau­fe des heu­ti­gen Tages auch das noch: Ein wei­te­res Senio­ren­heim in Würz­burg ist vom neu­ar­ti­gen Coro­na­vi­rus betrof­fen. Ein posi­tiv auf Sars-CoV‑2 getes­te­ter Bewoh­ner einer AWO-Ein­rich­tung sei gestor­ben. (…) Und wei­ter nach Nie­der­sach­sen: Zwölf Coro­na-Tote in Wolfs­bur­ger Pfle­ge­heim externer Link, mel­det der NDR: »Das Hanns-Lil­je-Heim in Wolfs­burg: Etwa 165 vor­wie­gend Demenz­kran­ke leben dort – 72 von ihnen haben sich mit dem Coro­na­vi­rus infi­ziert. Mitt­ler­wei­le sind zwölf Men­schen gestor­ben.« Und man wird von den Schre­ckens­mel­dun­gen in Schach gehal­ten. Nur kur­ze Zeit spä­ter mel­det der NDR: »Im Wolfs­bur­ger Hanns-Lil­je-Heim sind drei wei­te­re Men­schen in Fol­ge einer Coro­na­vi­rus-Infek­ti­on gestor­ben. Das teil­te die Stadt Wolfs­burg am Sonn­tag mit. Damit sind inner­halb von knapp einer Woche 15 Men­schen in dem Alters- und Pfle­ge­heim nach einer Infek­ti­on mit dem Virus gestor­ben« (vgl. Wolfs­burg: Coro­na for­dert drei wei­te­re Todes­op­fer externer Link. Und nun im Lau­fe des Tages auch das noch: Das Kli­ni­kum Wolfs­burg nimmt auf­grund von Coro­na-Infek­ti­ons­fäl­len unter den Mit­ar­bei­tern kei­ne neu­en Pati­en­ten mehr auf. Die­se wer­den auf umlie­gen­de Kran­ken­häu­ser ver­teilt, wie die Stadt am Sonn­tag­abend mit­teil­te. Zudem sei­en ab sofort kei­ne Besu­che mehr erlaubt. (…) Eugen Brysch, der Vor­stand der Deut­schen Stif­tung Pati­en­ten­schutz, wird von der Katho­li­schen Nach­rich­ten­agen­tur mit die­sen Wor­ten zitiert: Es feh­le an Atem­schutz­mas­ken, Des­in­fek­ti­ons­mit­tel und Schutz­klei­dung. „Doch nichts geschieht, um die­se Mise­re schnell zu besei­ti­gen.“ Inso­fern sei­en Pfle­ge­hei­me der­zeit „ein hoch­ge­fähr­li­cher Ort“ für Mit­ar­bei­ter und Bewoh­ner. Die Schutz­klei­dung für das Per­so­nal ist Man­gel­wa­re, sie fehlt am „unte­ren“ Ende der Sor­ge­ket­te beson­ders und wird Gegen­stand übler Geschäf­te­ma­che­rei. Ver­schärft wird das dann durch feh­len­de Koor­di­nie­rung sei­tens des Staa­tes. (…) Und auch die ambu­lan­ten Pfle­ge­diens­te mit ihren viel­fäl­ti­gen Kon­tak­ten zu den in eige­ner Häus­lich­keit leben­den Pfle­ge­be­dürf­ti­gen dür­fen auf kei­nen Fall ver­ges­sen wer­den, denn wenn deren Beschäf­tig­te selbst krank­heits­be­dingt aus­fal­len, dann ist Land unter in der Ver­sor­gung, die schon vor der Coro­na-Kri­se ange­spannt und teil­wei­se über­for­dert war. Gera­de die Pfle­ge­kräf­te, die jeden Tag von einem zum ande­ren Pati­en­ten het­zen müs­sen, soll­ten unbe­dingt schnell und umfas­send mit Schutz­klei­dung aus­ge­stat­tet wer­den – die aber laut vie­len Berich­ten nicht ein­mal für die inten­siv­me­di­zi­ni­schen Abtei­lun­gen der Kli­ni­ken über­all in aus­rei­chen­der Zahl vor­han­den bzw. beschaff­bar ist. Da muss einem mehr als mul­mig wer­den, alle Alarm­lam­pen müs­sen grell leuch­ten. Wich­tig ist, dass man das nicht ein­fach lau­fen lässt. Die Gesund­heits­äm­ter und die Heim­auf­sicht müs­sen tat­säch­lich bereits in jedem Ver­dachts­fall, geschwei­ge denn bei einem Aus­bruch der Krank­heit, das Manage­ment über­neh­men und damit auch einen Teil der Ver­ant­wor­tung. Man muss hier fokus­siert und ohne jede Bud­get­be­gren­zung arbei­ten kön­nen, um einen Flä­chen­brand zu ver­hin­dern bzw. zu begren­zen…“ Bei­trag von Ste­fan Sell vom 29.03.2020 in Aktu­el­le Sozi­al­po­li­tik externer Link
    • Coro­na-Kri­se und der „real exis­tie­ren­de Pfle­ge­all­tagall­tag“ in sta­tio­nä­ren Ein­rich­tung der Alten­hil­fe
      “Jetzt ist also die Kri­se da. Und dann ist sie auch noch viel schnel­ler gekom­men als erwar­tet. Wir stel­len uns auf­grund der Coro­na-Kri­se auf einen Pfle­ge­not­stand ein, der seit Jah­ren gebets­müh­len­ar­tig pro­gnos­ti­ziert wird. Bereits in den 80er Jah­ren haben Zei­tun­gen ihre Bei­trä­ge mit „Pfle­ge. Es ist 5 vor 12“ über­schrie­ben. Seit­dem berich­ten die Medi­en mit ver­läss­li­cher Regel­mä­ßig­keit über den zu erwar­ten­den Pfle­ge­not­stand und füh­ren hell­se­he­ri­sche Pro­gno­sen mit Zah­len zu Ent­wick­lun­gen bis 2035 an. Dar­über gab und gibt es viel Weh­kla­gen in Poli­tik und Gesell­schaft. Aber getan hat sich außer Flick­schus­te­rei nicht all­zu viel. Im Gegen­teil: wie in ande­ren Berei­chen des Gesund­heits­sek­tors auch, bei Kran­ken­häu­sern vor allem, wer­den Hei­me wei­ter­hin gera­de­zu kaputt­ge­spart. Seit­dem immer mehr for­sche Betriebs­wir­te das Sagen haben, lei­den Bewoh­ner wie Per­so­nal unter dem Druck der „schwar­zen Zah­len“ und Ren­di­te­vor­stel­lun­gen von Ein­rich­tungs­trä­gern…“ Bei­trag von Claus Völ­ker vom 29.03.2020 bei den Nach­denk­sei­ten externer Link
    • Wegen Coro­na-Kri­se: In der häus­li­chen Pfle­ge droht der Not­stand
      “… Neben den Ern­te­hel­fern gerät wegen der Coro­na-Kri­se eine wei­te­re oft ver­ges­se­ne Berufs­grup­pe in den Fokus: die soge­nann­te 24-Stun­den-Pfle­ge. Hun­dert­tau­sen­de Frau­en aus Län­dern wie Polen, Bul­ga­ri­en oder der Ukrai­ne woh­nen in deut­schen Haus­hal­ten und ermög­li­chen es alten und bett­lä­ge­ri­gen Men­schen, wei­ter in den eige­nen vier Wän­den zu leben. Doch vie­le von ihnen könn­ten die­ser Arbeit bald fern­blei­ben und schwer zu schlie­ßen­de Lücken hin­ter­las­sen. Der Ver­band für häus­li­che Betreu­ung und Pfle­ge (VHBP) schätzt, dass nach Ostern zwi­schen 100 000 und 200 000 Men­schen nicht mehr zu Hau­se ver­sorgt wer­den kön­nen. Denn vie­le der Frau­en, die in den kom­men­den Wochen die Ein­rei­se geplant haben, um ande­re Betreue­rin­nen abzu­lö­sen, ändern ihre Plä­ne. Wegen der Grenz­kon­trol­len, der unge­klär­ten Trans­port­fra­ge, aber auch wegen gesund­heit­li­cher Sor­gen. Noch dra­ma­ti­scher ist die Lage aus Sicht der Stif­tung Pati­en­ten­schutz. Vie­le Betreue­rin­nen fehl­ten schon jetzt, sag­te Vor­stand Eugen Brysch. Der Sozi­al­ver­band VdK for­der­te Hil­fe für berufs­tä­ti­ge Ange­hö­ri­ge, wenn sie ein­sprin­gen. Zwar hat­te das Bun­des­in­nen­mi­nis­te­ri­um am Mitt­woch erklärt, ost­eu­ro­päi­sche Pfle­ge­kräf­te sei­en vom Ein­rei­se­ver­bot für Sai­son-Arbeits­kräf­te nicht betrof­fen und könn­ten mit einer Beschei­ni­gung des Arbeit­ge­bers die Gren­ze pas­sie­ren. Aller­dings gilt das nur für die­je­ni­gen, die legal in Deutsch­land arbei­ten – und das ist in der Bran­che der 24-Stun­den-Betreu­ung nur eine Min­der­heit von rund zehn Pro­zent, wie der VHBP schätzt. (…) Die Exis­tenz die­ses „grau­en Pfle­ge­markts“ führt dazu, das nie­mand weiß, wie vie­le Arbeits­kräf­te von den Ein­schrän­kun­gen betrof­fen sind – wie groß also die Ver­sor­gungs­lü­cke wer­den könn­te. Aus Sicht des Pfle­ge­wis­sen­schaft­lers Micha­el Isfort vom Insti­tut für ange­wand­te Pfle­ge­for­schung zeigt der befürch­te­te Per­so­nal­eng­pass bei der häus­li­chen Betreu­ung, wie in der Coro­na-Kri­se lan­ge ver­dräng­te Ver­säum­nis­se in der Pfle­ge an die Ober­flä­che gespült wür­den. Zu lan­ge habe man den Ein­satz der ost­eu­ro­päi­schen Kräf­te zwar gedul­det, aber kei­ne lega­le Lösung dafür gefun­den…“ Arti­kel von Ali­cia Lind­hoff vom 26.03.2020 in der Frank­fur­ter Rund­schau online externer Link

Der Bei­trag Pfle­ge­ver­bands­chef über die aktu­el­le Situa­ti­on in Alten­hei­men in der Coro­na­kris: “Das könn­te einen Flä­chen­brand geben” erschien zuerst auf Labour­Net Ger­ma­ny.

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