[SAV:] Strategiepapier der LINKE-Reformer*innen: Auf der Ersatzbank von SPD und Grünen

von Lucy Red­ler

Eine Rei­he von Mit­glie­dern der LINKEN, die dem Reformer­la­ger zuge­rech­net wer­den, haben am 3. August über den SPIEGEL ein Papier mit dem Titel „Für eine sozia­le, öko­lo­gi­sche und digi­ta­le Gesell­schaft – DIE LINKE muss sich ent­schei­den“ ver­öf­fent­licht. Das Papier ist erstaun­lich wirt­schafts­freund­lich, die wesent­li­chen For­de­run­gen der LINKEN feh­len dar­in, es ver­liert sich lang­at­mig und blut­leer in All­ge­mein­plätz­chen. Es ent­hält fast kei­ne kon­kre­ten For­de­run­gen zur Ver­bes­se­rung des Lebens der Arbeiter*innenklasse, aber jede Men­ge Über­le­gun­gen, wie man Tei­le der Kapitalist*innen (den Mit­tel­stand) pam­pern kann, wie man die Digi­ta­li­sie­rung als sozi­al­part­ner­schaft­li­che Auf­ga­be ange­hen soll­te, war­um die Ent­gren­zung von Arbeit gar nicht so schlecht ist („Alles, was vor, nach und neben der Pro­duk­ti­on erle­digt wer­den kann, kann auf fes­te Zei­ten und eine fes­te Arbeits­stät­te ver­zich­ten.“). Die Quint­essenz ist erneut: DIE LINKE sol­le schnell in Debat­ten mit SPD und Grü­nen über eine Regie­rungs­be­tei­li­gung im Bund ein­stei­gen, um vor den Bun­des­tags­wah­len 2021 Schnitt­men­gen aus­zu­lo­ten; dabei sol­le sich aber bit­te nie­mand (also auch nicht DIE LINKE) als kämp­fe­ri­scher Teil her­vor­tun (sic!), denn es gin­ge nicht dar­um, wer in einem sol­chen Bünd­nis Koch und wer Kell­ner sei. Der Bun­des­par­tei­tag sol­le eine Rich­tungs­ent­schei­dung her­bei­füh­ren, die Fra­ge müs­se zwin­gend im Leit­an­trag geklärt wer­den. Das Gute an dem Papier: Jetzt wis­sen wir, was der Reform­er­flü­gel beim Par­tei­tag durch­set­zen will.

Inhalt­lich klü­ger wird man durch Lek­tü­re des Papiers jedoch nicht: Auf 13 Sei­ten wird weder eine kon­kre­te Ana­ly­se bis­he­ri­ger Regie­rungs­be­tei­li­gun­gen der LINKEN vor­ge­nom­men, noch der Preis einer Regie­rungs­be­tei­li­gung der LINKEN mit SPD und Grü­nen im Bund erör­tert. Das ist erstaun­lich vor dem Hin­ter­grund der rea­len Poli­tik der SPD in der Bun­des­re­gie­rung und der rea­len Poli­tik der Grü­nen in den Lan­des­re­gie­run­gen in Hes­sen, in Baden-Würt­tem­berg, in Hamburg….aber auch in Ber­lin, wo unter einer grü­nen Ver­kehrs­se­na­to­rin aktu­ell der Betrieb der S‑Bahn aus­ge­schrie­ben wird, der zur Pri­va­ti­sie­rung und Auf­spal­tung des S‑Bahn-Betriebs füh­ren kann – unter einer rot-grün-roten Lan­des­re­gie­rung. Kein Wort davon, dass die Ein­füh­rung des Mie­ten­de­ckels nur auf Grund­la­ge einer star­ken Mieter*innenbewegung und einer zuge­spitz­ten Debat­te über die Ent­eig­nung von Immo­bi­li­en­kon­zer­nen mög­lich wur­de. Klas­sen und Klas­sen­ge­gen­sät­ze kom­men in dem Papier nicht vor. Das im Papier genann­te „stim­mi­ge Bild eines demo­kra­ti­schen Sozia­lis­mus“ bleibt völ­lig unklar. Was mei­nen sie damit? Ein biss­chen mehr Demo­kra­tie, Staat und Sozi­al­part­ner­schaft im Rah­men der Markt­wirt­schaft? Ist es die Hoff­nung, dass sich die SPD zurück auf den Sozi­al­staat besinnt und man auf der Grund­la­ge schön zusam­men arbei­ten kön­ne?

Wir ste­hen vor der glo­bal tiefs­ten Kri­se seit den 1930er Jah­ren, die in ver­schie­de­nen Län­dern unter­schied­lich ver­lau­fen wird. Ohne Mas­sen­pro­tes­te oder gar (vor)-revolutionäre Bewe­gun­gen wer­den kapi­ta­lis­ti­sche Regie­run­gen die Arbeiter*innenklasse für die Kri­se bezah­len las­sen. Frau­en wer­den erneut das Nach­se­hen haben. Die mil­li­ar­den­schwe­ren Stüt­zungs­ak­tio­nen der Bun­des­re­gie­rung für Luft­han­sa und ande­re Kli­ma­kil­ler wie die Auto­mo­bil­kon­zer­ne geben einen Vor­ge­schmack dar­auf, dass die Kri­se zu Las­ten des Kli­ma­schut­zes gehen wird, wenn sich dem nicht Mil­lio­nen Men­schen in den Weg stel­len.

Was müsste eine linke Regierung in diesen Zeiten tun?

Sie müss­te unmit­tel­bar hohe Ver­mö­gen mas­siv besteu­ern, den Min­dest­lohn und die Löh­ne im öffent­li­chen Sek­tor qua­li­ta­tiv anhe­ben, Tarif­ver­trä­ge für all­ge­mein­ver­bind­lich erklä­ren, Leih­ar­beit einen Rie­gel vor­schie­ben und eine Umver­tei­lung von oben nach unten in Gang set­zen. Die Kom­mu­nen müss­ten qua­li­ta­tiv bes­ser aus­ge­stat­tet wer­den. Die Arbeits­zeit kann bei vol­lem Lohn- und Per­so­nal­aus­gleich ver­kürzt wer­den, so dass alle Men­schen nur noch vier Tage die Woche arbei­ten müss­ten. Unter­neh­men, die Mas­sen­ent­las­sun­gen durch­füh­ren, müss­ten in öffent­li­ches Eigen­tum über­führt wer­den.

Eine sol­che Regie­rung müss­te das Sys­tem der Fall­pau­scha­len durch eine bedarfs­ge­rech­te Finan­zie­rung, ein Sys­tem der Selbst­kos­ten­de­ckung erset­zen, und Kran­ken­häu­ser rekom­mu­na­li­sie­ren. An der Sei­te der Mieter*innenbewegung kann eine sol­che Regie­rung das Ver­mie­ter­recht in ein Mie­ter­recht ändern und Immo­bi­li­en­kon­zer­ne in öffent­li­ches Eigen­tum über­füh­ren und umfas­sen­de Neu­bau­pro­gram­me preis­wer­ter kom­mu­na­ler Woh­nun­gen auf­le­gen.

Eine sol­che lin­ke Regie­rung, die die­sen Namen auch ver­dient, wür­de auch in ande­ren Berei­chen die Eigen­tums­fra­ge stel­len wie aktu­ell in der Auto- und Flug­indus­trie und gegen­über den Ener­gie­kon­zer­nen und Kon­ver­si­ons­pro­gram­me in sozi­al und öko­lo­gisch ver­träg­li­che Pro­duk­te star­ten.

Sie hät­te ange­sichts von NSU 2.0 und struk­tu­rel­lem Ras­sis­mus bei der Poli­zei die Auf­ga­be repres­si­ve Ein­hei­ten auf­zu­lö­sen, die Mit­tel der Poli­zei zu kür­zen und die­se Gel­der sozia­len Diens­ten, Gesund­heit und Bil­dung umzu­wid­men sowie die Poli­zei der demo­kra­ti­schen Kon­trol­le zu unter­wer­fen. Eine Bun­des­re­gie­rung müss­te Geheim­diens­te wie das Bun­des­amt für „Ver­fas­sungs­schutz“ auf­lö­sen, Aus­lands­ein­sät­ze der Bun­des­wehr been­den, aus der NATO aus­tre­ten, viel mehr Geflüch­te­te auf­neh­men und dezen­tral unter­brin­gen.

Ihre Auf­ga­be wäre die sofor­ti­ge Abschal­tung aller AKWs und einen schnel­len Aus­stieg aus der Koh­le und das Ziel der Null-Emis­sio­nen von CO₂ ernst­haft und nach­prüf­bar zu ver­fol­gen. Die­se und wei­te­re Maß­nah­men – gestützt auf einer akti­ven Unter­stüt­zung aus der Bevöl­ke­rung – könn­ten die Tür auf­sto­ßen zu eine nicht-kapi­ta­lis­ti­schen, einer sozia­lis­ti­schen Gesell­schaft, eine Gesell­schaft ohne Krie­ge, Armut, Arme­en und Poli­zei.

Nichts davon fin­det sich in dem Papier, wahr­schein­lich weil klar ist, dass dies weder in der Gesamt­heit noch zu einem Bruch­teil mit SPD und Grü­nen und schon gar nicht ohne Mas­sen­pro­tes­te durch­setz­bar ist.

Die Autor*innen füh­ren nicht auf, was sie in einer Bun­des­re­gie­rung durch­set­zen wol­len. Selbst die ein­fachs­ten und grund­le­gen­den For­de­run­gen der LINKEN wer­den nicht ange­spro­chen. Es geht um das Mit­ma­chen. Regie­rungs­be­tei­li­gung ist der ein­zi­ge stra­te­gi­sche Ansatz, alles ande­re wür­de sich dann erge­ben, das scheint die Vor­stel­lung der Autor*innen zu sein.

Doch wenn DIE LINKE in 2021 Teil einer Bun­des­re­gie­rung mit SPD und Grü­nen wer­den wür­de, wür­de sie zum Fei­gen­blatt von Kür­zungs­po­li­tik im Zei­chen der Kri­se wer­den. Am Kurs in der Außen­po­li­tik wür­de sich nichts Qua­li­ta­ti­ves ändern. Man stel­le sich vor, dass in sol­chen Zei­ten, eine par­la­men­ta­ri­sche Oppo­si­ti­on von links weg­fal­len wür­de. Eine sol­che Regie­rung wür­de frü­her oder spä­ter in knall­har­ten Gegen­satz zu Bewe­gun­gen und Streiks gera­ten. Die Erzäh­lung der Kom­pa­ti­bi­li­tät von der Betei­li­gung an einer rot-grün-roten Bun­des­re­gie­rung und der Unter­stüt­zung von Bewe­gung ist schlicht­weg falsch.

Gegen eine (erneu­te) Debat­te über das Für und Wider von Regie­rungs­be­tei­li­gun­gen im Kapi­ta­lis­mus mit bür­ger­li­chen Par­tei­en oder das Ein­tre­ten für ech­te lin­ke, sozia­lis­ti­sche Regie­run­gen ist nichts ein­zu­wen­den. Aber die zen­tra­len stra­te­gi­sche Debat­ten, die DIE LINKE jetzt füh­ren muss, sind ande­re:

1. Was ist unse­re Per­spek­ti­ve des Ver­laufs der Wirt­schafts­kri­se glo­bal und in Deutsch­land? Mit wel­chen Angrif­fen zu Las­ten der Arbeiter*innenklasse wer­den Kapitalvertreter*innen und Regie­ren­de wann reagie­ren? Mit wel­chem Mix aus Staats­ein­grif­fen und Aus­teri­täts­po­li­tik rech­nen wir? Wer­den SPD und Uni­on im Bund ver­su­chen, Kür­zungs­pa­ke­te bis nach den Bun­des­tags­wah­len hin­aus zu zögern und mit wel­chen Kür­zun­gen, vor allem auf kom­mu­na­ler Ebe­ne, und Ent­las­sungs­wel­len ist vor­her zu rech­nen und wie berei­tet sich DIE LINKE dar­auf vor? Wel­che Kon­fe­ren­zen, Pro­tes­te, Initia­ti­ven wol­len wir ergrei­fen? Wie schär­fen wir unser Pro­gramm? Auf­ga­be der LINKEN ist nicht, Bewusst­sein, das man in Wahl­um­fra­gen ermit­telt, zu reflek­tie­ren, son­dern Bewusst­sein über Markt und Kapi­ta­lis­mus und die Not­wen­dig­keit die­sen abzu­schaf­fen, wei­ter zu ent­wi­ckeln. Die Verfasser*innen des „Refor­mer-Papiers“ war­nen vor einem Über­bie­tungs­wett­be­werb, wer schnel­ler zum Sozia­lis­mus kom­men wol­le. Die zen­tra­le Fra­ge scheint mir zu sein: Was wird unter Sozia­lis­mus ver­stan­den? Ich ver­ste­he dar­un­ter eine demo­kra­tisch geplan­te Wirt­schafts­wei­se im Inter­es­se von Mensch und Natur und nicht ein biss­chen weni­ger Markt, ein biss­chen mehr Staat und mehr Mit­tel­stands­för­de­rung statt Groß­kon­zer­ne-pim­pen. Und ich mei­ne, wir soll­ten heu­ti­ge Kämp­fe stra­te­gisch und poli­tisch zuspit­zen und kon­kret in die­sen Kämp­fen eine Vor­stel­lung der Über­le­gen­heit einer sozia­lis­ti­schen, demo­kra­ti­schen Gesell­schaft schaf­fen und dafür selbst­be­wusst ein­tre­ten. Genoss*innen aus Hes­sen haben dazu eben­falls Gedan­ken zu Papier gebracht: https://​www​.die​-lin​ke​-hes​sen​.de/​i​m​a​g​e​s​/​D​o​w​n​l​o​a​d​s​/​2​0​2​0​_​a​k​t​u​e​l​l​/​S​t​r​a​t​e​g​i​e​-​C​o​r​o​n​a​-​e​n​d​.​pdf.

2. Wie bringt sich die Par­tei in den Ver­tei­lungs­kampf im Rah­men der par­al­lel statt­fin­den­den Tarif­run­den Öffent­li­cher Dienst Bund und Kom­mu­nen, Nah­ver­kehr, Post und wei­te­ren Berei­che ein? Ver­han­delt wer­den Ent­gel­te und/​oder Arbeits­be­din­gun­gen von den viel beklat­schen sys­tem­re­le­van­ten Held*innen wäh­rend der Coro­na-Kri­se. Die „Arbeitgeber*innen“ deu­ten eine har­te Hal­tung in der TVöD-Run­de an. Mög­li­cher­wei­se kommt es nicht nur zu Warn­streiks, son­dern zu Streiks. Wie kann DIE LINKE einen wirk­sa­men Bei­trag leis­ten, Soli­da­ri­tät auf­zu­bau­en, in einer Zeit, in der man­che von der Coro­na-Kri­se gebeu­tel­te Fami­lie die Bestrei­kung von Kitas als erneu­te Belas­tung emp­fin­den könn­te? Auf­ga­be unse­rer Par­tei ist, den Schul­ter­schluss zwi­schen den Beschäf­tig­ten und der Bevöl­ke­rung zu schaf­fen, zwi­schen den Kolleg*innen im Nah­ver­kehr und den Kli­ma­ak­ti­ven, und zu hel­fen, den Druck auf die Bun­des­re­gie­rung mit auf­zu­bau­en. Die­se Tarif­run­den soll­ten nicht als busi­ness as usu­al abge­tan wer­den. Sie sind für die Arbeit­ge­ber ein Test­lauf, wie weit sie gehen kön­nen und die Gewerk­schaf­ten und poli­ti­sche Lin­ke und LINKE soll­te sie eben­so beant­wor­ten: nicht nur betrieb­lich- gewerk­schaft­lich, son­dern auch poli­tisch als gesell­schaft­li­che Aus­ein­an­der­set­zung dar­um, wer in die­ser Gesell­schaft “sys­tem­re­le­vant” ist.

3. Wir müs­sen unse­re Ener­gie jetzt inves­tie­ren, um die Pro­tes­te um die Gesund­heits­mi­nis­ter­kon­fe­renz (GMK) am 30. Sep­tem­ber in Ber­lin her­um zu einem Erfolg zu machen. Der Par­tei­vor­stand stellt nach Dis­kus­sio­nen, an denen auch AKL-Mit­glie­der betei­ligt waren, zu Recht vier For­de­run­gen in den Mit­tel­punkt: Gehalts­er­hö­hun­gen um 500 Euro als ers­ten Schritt, eine bedarfs­ge­rech­te Per­so­nal­be­mes­sung, die Abschaf­fung der Fall­pau­scha­len und die Rekom­mu­na­li­sie­rung von Kran­ken­häu­sern. Der Vor­stand ruft dazu auf, in zehn bis fünf­zehn Städ­ten am Sams­tag im Vor­feld der GMK, dem 26. Sep­tem­ber, Kolleg*innen und Unterstützer*innen bei Kund­ge­bun­gen und Demos auf die Stra­ße zu brin­gen. Wir soll­ten dar­an arbei­ten, hier­bei nicht Dut­zen­de oder Hun­der­te, son­dern Tau­sen­de auf die Stra­ße zu brin­gen und inner­halb von ver.di dafür argu­men­tie­ren, die Pro­tes­te mit Warn­streiks der Beschäf­tig­ten im Rah­men der TVöD-Run­de zu ver­knüp­fen. Denn es gibt JETZT ein Zeit­fens­ter mit viel Sym­pa­thie in der Bevöl­ke­rung für die Systemheld*innen, um rea­le Ver­bes­se­run­gen zu erkämp­fen. DIE LINKE soll­te zudem dis­ku­tie­ren, an wel­chen Stel­len wir Erfol­ge für eine Rekom­mu­na­li­sie­rung einer Kli­nik durch­set­zen kön­nen, die eine bun­des­wei­te Aus­strah­lung ent­wi­ckeln und eine ermu­ti­gen­de Wir­kung erzie­len kann, ähn­lich wie wir das in der Ent­ei­gungs­de­bat­te von Immo­bi­li­en­kon­zer­nen in Ber­lin bun­des­weit erlebt haben. Die geplan­te Pfle­ge­kon­fe­renz für Gewerkschafter*innen und Par­tei­mit­glie­der kann ein wich­ti­ger Raum wer­den, um stra­te­gi­sche Debat­ten zu ver­tie­fen.

4. In Zei­ten gro­ßer anti­ras­sis­ti­scher Bewe­gun­gen, der Bedro­hung durch NSU 2.0 und von Nazis, soll­ten wir einer­seits eine Debat­te über den Cha­rak­ter die­ses Staa­tes und der Poli­zei füh­ren und unser Ver­hält­nis zur Poli­zei. Ande­rer­seits soll­ten gute Ansät­ze wie das bun­des­wei­te Tref­fen für Mit­glie­der mit Migra­ti­ons­hin­ter­grund im Okto­ber in Hes­sen, aus­ge­baut wer­den, um uns stär­ker aus­zu­tau­schen und mehr Mit­glie­der mit Migra­ti­ons­hin­ter­grund zu gewin­nen.

5. In einer Zeit, in der sich vie­le Jugend­li­che poli­ti­sie­ren, zum Bei­spiel anhand der Kli­ma­fra­ge oder im Wider­stand gegen Ras­sis­mus, in der vie­le Men­schen, auch befeu­ert durch die Coro­na-Kri­se, sich mehr Fra­gen stel­len, wie die Gesell­schaft funk­tio­nie­ren soll, wäre es Auf­ga­be der LINKEN, an die­ser neu­en Radi­ka­li­tät anzu­knüp­fen und Wege zu dis­ku­tie­ren, wie das gan­ze Sys­tem über­wun­den wer­den kann. Dazu gehört, eine ant­ago­nis­ti­sche Hal­tung zu den Herr­schen­den und ihren Par­tei­en ein­zu­neh­men. Wir wer­den die­se Men­schen nicht errei­chen, wenn wir bei SPD und Grü­nen bet­teln, auf ihrer Ersatz­bank sit­zen zu dür­fen.

Die Reformer*innen schla­gen vor, dass sich die LINKE auf den Pfad der poli­ti­schen Homöo­pa­thie bege­ben soll: Dem Kapi­ta­lis­mus sol­len lin­ke Glo­bu­li ver­ab­reicht wer­den und der Weg zur Hei­lung wür­de beschrit­ten. Das funk­tio­niert aber auch bei Kin­dern mit leich­ten Krank­hei­ten nur, wenn alle ganz fest dar­an glau­ben. Das Sys­tem lässt sich mit nicht lin­ken Regie­rungs-Pla­ce­bos davon abhal­ten, wei­ter in Rich­tung Kli­ma­ka­ta­stro­phe und zuneh­men­de Kon­fron­ta­ti­on zwi­schen Staa­ten und Blö­cken zu drif­ten.

Kom­men die Reformer*innen mit die­sem Plan beim Par­tei­tag durch, wür­de das den Anfang vom Ende der LINKEN als wider­stän­di­ge und akti­ve Par­tei ein­läu­ten. Jedes Par­tei­mit­glied kann sich ein Bild machen, wor­um es geht. Und kann dafür kämp­fen, die­se Plä­ne zu stop­pen und sich für einen alter­na­ti­ven Kurs ein­zu­set­zen. 

Lucy Red­ler ist Mit­glied des Par­tei­vor­stands DIE LINKE, eine von sie­ben Bundessprecher*innen der AKL und aktiv in der Sozia­lis­ti­schen Alter­na­ti­ve (SAV)

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