[EMRAWI:] [FAZ] Mili tanzt für Liebig: The big.ger they get, the brighter they burn!

Ever­y­day we have to fight for our place in the cities and towns. While sur­vei­lence, discri­mi­na­ti­on, evic­tion and pri­va­ti­sa­ti­on are taking place we need to build as well as defend our own struc­tures and auto­no­mous spaces. We won‘t stand by while they are attacking us. but orga­ni­ze and fight back!
That‘s why we deci­ded to burn down three cars of a secu­ri­ty com­pa­ny in Karls­ru­he on Juli 31st. After a few days we struck again and hit two jagu­ars in the same city to show them our hate and anger. By that we mean to express our grief and anger towards the plan­ned evic­tion of the anar­cha queer femi­nist pro­ject Lie­big 34 in Ber­lin and do as much dama­ge as pos­si­ble. No attack on us stays unno­ti­ced or unans­we­red. Our ans­wer: Mili­tant Resis­tance!

Wäh­rend letz­tes Wochen­en­de meh­re­re tau­send Men­schen gegen Ver­drän­gung und die ange­kün­dig­ten und dro­hen­den Räu­mun­gen der lin­ken Pro­jek­te Syn­di­kat, Meu­te­rei, Pot­se, Rigaer94 und Liebig34 bei einer Groß­de­mo der Inter­kiezio­na­len, sowie bei Klein­grup­pen­ak­tio­nen, wütend die Stra­ßen (un)sicher gemacht haben, haben wir in Karls­ru­he, der soge­nann­ten „Resi­denz des Rechts“, unse­ren Teil zu die­sem Pro­test und Wider­stand bei­getra­gen und sen­den soli­da­ri­sche Grü­ße. Ins­be­son­de­re den­ken wir dabei auch an das Syn­di­kat, wel­ches am 7. August sei­nen Räu­mungs­ter­min hat. Es wur­de in der Ver­gan­ge­heit schon häu­fig anstatt von sach­scha­den nur scha­den sagen. Mit unse­ren Aktio­nen schlie­ßen wir uns dem Kon­zept an, schon vor der Räu­mung mög­lichst hohen Sach­scha­den zu ver­ur­sa­chen. Dar­um haben wir uns auch zwei Luxus­kar­ros­sen aus­ge­sucht.
Frei­räu­me sind wich­tig und not­wen­dig und momen­tan sind vie­le davon (nicht nur in Ber­lin) akut bedroht. Unter­stützt die Kampan­ge der Inter­kiezio­na­len (:https://​inter​kiezio​na​le​.noblogs​.org/), zeigt euch soli­da­risch und lasst uns gemein­sam für den Erhalt die­ser Orte kämp­fen!

Sicher­heits­diens­te
Für die Siche­rung des Kon­zep­tes Stadt und damit auch für die Siche­rung von Inter­es­sen wie Auf­wer­tung von Stadt­vier­teln, das Anlo­cken von Investor*innen usw. und die damit ein­her­ge­hen­de Ver­drän­gung, sowie wer an ver­schie­den Orten erwünscht ist und wer eben nicht, sind ver­schie­de­ne Akteur*innen ver­ant­wort­lich. Neben vie­len ande­ren sind das Poli­zei, Ord­nungs­amt, Jus­tiz und auch pri­va­te Sicher­heits­fir­men. Letz­te­re sind die­je­ni­gen, die Aus­schluss und Eigen­tum durch­set­zen.
Secu­ri­ties stel­len sicher, dass alles im gesell­schaft­li­chen und wirt­schaft­li­chen Sys­tem mög­lichst rei­bungs­los abläuft. Dabei sind sie und ihre für den Ablauf not­wen­di­gen Dienst­leis­tun­gen, wie Geld- und Waren­trans­port oder Schutz von Infra­struk­tur, häu­fig nicht so sicht­bar im Funk­tio­nie­ren von Unter­neh­men, obwohl sie genau­so dazu­ge­hö­ren und von den Machen­schaf­ten eben die­ser Unter­neh­men sel­ber stark pro­fi­tie­ren.
Secu­ri­ties sind die Men­schen, die den akti­ven Teil der Aus­gren­zung und Dis­kri­mi­nie­rung von Men­schen über­neh­men. Sie füh­ren aus, was ihnen auf­ge­tra­gen wird und betei­li­gen sich somit an ras­sis­ti­schen und sexis­ti­schen Dis­kri­mi­nie­rungs­mus­tern, die tief in der Gesell­schaft ver­an­kert sind.
Auch die soge­nann­ten Lan­des­erst­auf­nah­me­stel­len LEA, in denen die ras­sis­ti­sche und men­schen­feind­li­che Asyl­po­li­tik der EU und Deutsch­land umge­setzt wer­den, könn­ten ohne die Hil­fe von Sicher­heits­un­ter­neh­men wie Secu­ri­tas (Link?) oder auch big nicht umge­setzt wer­den.
Auch bei Räu­mun­gen und Schi­ka­nie­run­gen unse­rer Pro­jek­te machen sich immer wie­der Sicher­heits­fir­men durch ihre eif­ri­ge Unter­stüt­zung auf sich auf­merk­sam, so zum Bei­spiel auch kürz­lich wie­der in der Rigaer94 in Ber­lin (https://​riga​er94​.squat​.net/). Doch die­ser Angriff bleibt nicht ohne Ant­wort Sicher­heits­fir­men tra­gen aktiv dazu bei, dass die Welt so uner­träg­lich schei­ße ist, wie sie im Moment ist. Sie ver­tei­di­gen und bestär­ken die­se Ver­hält­nis­se!

Big. Big solu­ti­ons, big pro­blems, big fire!
Aus all die­sen Grün­den haben wir beschlos­sen mit der big.bechthold-Gruppe eine*n Play­er aus der Regi­on anzu­grei­fen. Es gibt kaum Berei­che in Sachen Haus­ver­wal­tung, Inge­nieurs­we­sen und Sicher­heit, in denen big nicht aktiv ist. Laut eige­ner Aus­sa­ge schüt­zen sie „Per­so­nen, Gebäu­de und den guten Stil“. Sie ver­mie­ten Arbeits­kraft von der Emp­fangs­per­son über Hausmeister*innen bis zu Chauffeur*innen und füh­ren auch Kon­trol­len im Nah­ver­kehr durch. Zu ihren Dienst­leis­tun­gen gehö­ren auch der Objekt- und Per­so­nen­schutz, der Ein­satz von Ladendetektiv*innen, sowie Trans­port von Geld, Wert­sa­chen und Daten­trä­gern. Big stellt auch Sicher­heits- und Kom­mu­ni­ka­ti­ons­tech­no­lo­gie zur Ver­fü­gung. Im End­ef­fekt bie­ten sie also ein Rund­um-Sorg­los-Paket für alle Immobilienspekulant*innen und sol­che, die es gern wer­den wol­len.
Big hat den Haupt­sitz hier in Karls­ru­he, ist aber deutsch­land­weit und auch inter­na­tio­nal in vier euro­päi­schen Län­dern ver­tre­ten. Die schwar­zen Autos in ver­schie­de­nen Grö­ßen mit dem roten Big Logo sind stän­dig und über­all in der Stadt anzu­tref­fen. Außer­dem schei­nen sie auch in der LEA in Karls­ru­he als Secu­ri­ties aktiv zu sein (http://4sy6ebszykvcv2n6.onion/node/26422). Dar­über schrei­ben sie jedoch nichts. Statt­des­sen prah­len sie mit Partner*innenschaften mit der Ölraf­fi­ne­rie in Karls­ru­he, ver­schie­de­nen Flug­hä­fen und der Karls­ru­her Mes­se.
Sie tra­gen zur Auf­recht­erhal­tung und Stär­kung von Armut, der Ein­schrän­kung der Mobi­li­tät und zum Erhalt des Sys­tems Knast bei.

Sicher­heit in Fra­ge stel­len
Wir befin­den uns seit Jah­ren in einer kon­stru­ier­ten Bedro­hungs­la­ge, in der uns das Gefühl ver­mit­telt wird, dass wir bei uns zu Hau­se, auf der Stra­ße, in der Bahn etc. stän­dig einer Gefahr aus­ge­setzt sind. Als Gefährder*innen wer­den ins­be­son­de­re aus­län­di­sche Män­ner und Geflüch­te­te instru­men­ta­li­siert. Der Staat nutzt die­ses Mär­chen um schär­fe­re Einwanderungs‑, Poli­zei- und Über­wa­chungs­ge­set­ze zu ver­ab­schie­den, die AfD zum Wahl­kampf und Secu­ri­ties eben zur Anwer­bung von Kund*innen.
Wir wol­len nicht in Fra­ge stel­len, dass Men­schen, bei­spiels­wei­se BIPoC oder FLINT-Per­so­nen in ihrem All­tag Gefah­ren aus­ge­setzt sind und sich im öffent­li­chen (sowie pri­va­ten) Raum oft nur schwer „sicher“ füh­len kön­nen. Doch die Aus­wei­tung von Über­wa­chung und Kon­trol­le im öffent­li­chen, sowie pri­va­ten Raum unter dem Slo­gan für mehr Sicher­heit nützt nur der Durch­set­zung und Ver­stär­kung der bestehen­den Herr­schafts­ver­hält­nis­se. Oder ist die Kon­trol­le von Fahr­kar­ten in der Bahn wirk­lich dei­nem Sicher­heits­emp­fin­den zuträg­lich?
Statt es Men­schen zu ermög­li­chen, sich sicher zu füh­len, wird ihnen durch den aktu­el­len Sicher­heits­dis­kurs und des­sen Umset­zung der Zugang zu Selbst­be­stim­mung, Mobi­li­tät und Gemein­schaft ver­wehrt. Ande­re ent­schei­den über dein Wohl­be­fin­den hin­weg, wo du wie hin darfst, wie du dich zu bewe­gen und zu ver­hal­ten hast, um zuge­las­sen zu wer­den.
Die­se Sicher­heits­po­li­tik rich­tet sich vor allem gegen die Men­schen, die tat­säch­lich von Dis­kri­mi­nie­rung betrof­fen und damit schutz­be­dürf­tig sind.
Dass Staat und Secu­ri­ties nicht für die Men­schen da sind, die eigent­lich Schutz bräuch­ten, um in die­ser sexis­ti­schen, ras­sis­ti­schen etc. Gesell­schaft ange­mes­sen leben zu kön­nen, ist nicht ver­wun­der­lich. Wer blind und gehor­sam dem Geld hin­ter­her­läuft, dem kann es nicht um das Wohl von Men­schen gehen. Eins ist jeden­falls sicher: Poli­zei und Secu­ri­ties brin­gen vor allem rei­chen wei­ßen Män­nern Sicher­heit, für alle ande­ren sind sie eine Gefahr. Die­se Macht­aus­übung wol­len wir ihnen nicht kampf­los über­las­sen. Wir wol­len gemein­sam ent­schei­den, wie wir zusam­men nach wel­chen Regeln leben und das nicht Staat und Wirt­schaft über­las­sen.

Sicher­heit – nur mit uns!
Sicher­heit kann nicht durch (noch mehr) bewaff­ne­te Secu­ri­ties und Poli­zei erreicht wer­den. Ech­te Sicher­heit kann es nur in auf Ver­trau­en gebau­ten Freund­schaf­ten und Netz­wer­ken geben, durch Zuver­läs­sig­keit und Ver­ständ­nis gefes­tigt und durch kla­re Abspra­chen anwend­bar gemacht wer­den, sie kann nicht durch Gewalt erzwun­gen wer­den. Soli­da­ri­tät, Gemein­schaft, ein kri­ti­scher Umgang mit den eige­nen Pri­vi­le­gi­en und Empa­thie sind die Grund­bau­stei­ne, auf der sie steht. Die­se ande­re Form von Sicher­heit bie­tet uns den Ent­schei­dungs­frei­raum und die Selbst­be­stim­mung, sie hilft uns gegen Zwän­ge wie Geld­not, Beläs­ti­gun­gen und Nazian­grif­fe ein­zu­ste­hen und unter­stützt zu wer­den. So gibt es mir Sicher­heit, die Ent­schei­dungs­macht über mei­nen eige­nen Kör­per zu haben, genau­so wie, dass die bestehen­den Herr­schafts­ver­hält­nis­se offen und ehr­lich von den Men­schen an pri­vi­le­gier­ter Stel­le ange­gan­gen wer­den und erlern­te gewalt­vol­le Ver­hal­tens- und Denk­mus­ter indi­vi­du­ell und kol­lek­tiv abge­baut wer­den.

Femi­nis­mus und Mili­tanz
Nun ste­hen wir hier – als femi­nis­ti­sche Kampf­trup­pe mit unse­ren Feu­er­zeu­gen in der geball­ten Faust. In unse­rer Orga­ni­sie­rung und Wahl unse­rer Zie­le sehen wir für uns ins­be­son­de­re Femi­nis­mus als Ansatz, um gegen bestehen­de Herr­schafts­ver­hält­nis­se im Klei­nen und Gro­ßen zu rebel­lie­ren. Es braucht einen mili­tan­ten Femi­nis­mus, um einer befrei­ten Gesell­schaft wirk­lich näher zu kom­men, um wirk­lich Gerech­tig­keit zu schaf­fen und um uns sel­ber als Utopist*innen und Kämp­fen­de zu hin­ter­fra­gen und ver­bes­sern.
Mili­tanz ist (gelin­de gesagt) ange­bracht, denn die Unter­drü­ckung von FLINT-Per­so­nen im Patri­ar­chat ist kei­ne neue Mode­er­schei­nung, son­dern seit Jahr­tau­sen­den fes­ter Bestand­teil von den Lebens­rea­li­tä­ten von FLINT-Per­so­nen. Die­ses stän­di­ge Unter­drückt wer­den – mag es unter­grün­dig oder sehr offen­sicht­lich pas­sie­ren – ist dabei kein Neben­phä­no­men eines kapi­ta­lis­ti­schen Sys­tems oder eine vage Theo­rie, son­dern heißt im Klar­text regel­mä­ßi­ge Trau­ma­ta, wie Ein­schrän­kun­gen Ohn­macht und Ver­let­zun­gen bis hin zu Femi­ni­zi­den. Für die­se all­täg­li­che Kack­schei­ße Rache zu for­dern, ist nicht nur legi­tim, son­dern heißt auch sel­ber aus der Unter­drü­ckung aus­zu­stei­gen und gemein­schaft­lich orga­ni­siert dem Patri­ar­chat den Kampf anzu­sa­gen.
Die direk­te, mili­tan­te Akti­on hilft uns, den Kampf aus Dis­kus­sio­nen direkt zu den Akteu­ren des Patri­ar­chats zu tra­gen. Sie ermög­licht uns Selbst­er­mäch­ti­gung, weil wir unse­re Kämp­fe sel­ber füh­ren. Sie gibt uns Selbst­be­stä­ti­gung und die Mög­lich­keit zur Hand­lungs­fä­hig­keit, sowie uns zu ver­tei­di­gen und zu kämp­fen. Sie zwingt die Pro­fi­teu­re des Patri­ar­chats in die Öffent­lich­keit, jeder unse­rer Angrif­fe macht sie sicht­bar und ver­wund­bar. Zahl­rei­che Men­schen haben dies bereits getan: Schwar­ze Frau­en im Kampf gegen die Skla­ve­rei, die muje­res libres im Spa­ni­schen Bür­ger­krieg, jüdi­sche und nicht-jüdi­sche Partisan*innen im 2. Welt­krieg, Widerstandskämpfer*innen gegen die Nazis, die Kämpfer*innen der YPJ – nur um eini­ge zu nen­nen. Mili­tan­ter Femi­nis­mus war, ist und muss die Grund­vor­aus­set­zung für eine ernst­zu­neh­men­de Anar­chis­ti­sche Bewe­gung sein! Mili­tan­ter Femi­nis­mus heißt für eine*n sel­ber die eige­ne (Handlungs-)Macht zu erken­nen und zu ergrei­fen! Mili­tanz ist unser Wider­spruch zu zuge­wie­se­nen Rol­len­bil­dern und Ver­hal­tens­wei­sen! Femi­nis­mus in die Offen­si­ve!

Gruß und Kuss,
eine Femi­nis­ti­sche Auto­no­me Zel­le

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