[KgK:] Hiroshima und Nagasaki: Die Atombomben, die die Hegemonie der USA in der Welt begründeten

Am 16. Juli 1945 führ­te die USA den ers­ten Atom­waf­fen­test in der Wüs­te von Ala­mog­ordo (New Mexi­co, USA) durch. Am 6. und 9. August des­sel­ben Jah­res warf sie die ers­ten Atom­bom­ben auf die Städ­te Hiro­shi­ma (im Wes­ten Japans) und Naga­sa­ki (an der Süd­west­küs­te von Kyus­hu, Japan) ab.


Bom­be von Hiro­shi­ma

Nach Anga­ben der Ver­ei­nig­ten Staa­ten muss­te sie dies tun, um den Tod Tau­sen­der US-ame­ri­ka­ni­scher Sol­da­ten zu ver­mei­den. Aller­dings war Japan zu die­sem Zeit­punkt des Krie­ges bereits geschla­gen. Das Ziel war poli­tisch-mili­tä­risch. Von Beginn des Krie­ges an beab­sich­tig­ten die Ver­ei­nig­ten Staa­ten, die Auf­tei­lung der Welt zu ihren Guns­ten neu zu defi­nie­ren und ihre Hege­mo­nie auf glo­ba­ler Ebe­ne zu fes­ti­gen, so wie Deutsch­land sich vor­ge­nom­men hat­te, Euro­pa zu domi­nie­ren. Zu einem kon­ter­re­vo­lu­tio­nä­ren Ziel gehö­ren kon­ter­re­vo­lu­tio­nä­re Mit­tel. Bei­de grif­fen auf Staats­ter­ro­ris­mus, Ras­sis­mus und Völ­ker­mord zurück, um Mil­lio­nen von Men­schen mas­sen­haft zu ver­nich­ten und ihre Zie­le zu errei­chen.


Bom­be von Naga­sa­ki

  • Die Bom­ben soll­ten die Mas­sen besie­gen, aber nicht die japa­ni­schen Impe­ria­lis­ten: Die For­de­rung nach der bedin­gungs­lo­sen Kapi­tu­la­ti­on Japans von Sei­ten der „Alli­ier­ten“ wäh­rend der Pots­da­mer Kon­fe­renz im Juli 1945 galt nur dem Mili­tär. Die Alli­ier­ten debat­tier­ten dar­über, ob man den Kai­ser von Japan, Hiro­hi­to, im Amt behal­ten könn­te. Er hat­te, nach­dem er den Krieg geführt hat­te, im Juni des­sel­ben Jah­res beschlos­sen, die Regie­rung aus­zu­tau­schen, um Ver­hand­lun­gen mit den Alli­ier­ten zu begüns­ti­gen. Zur glei­chen Zeit bom­bar­dier­ten die Alli­ier­ten die japa­ni­schen Mas­sen, obwohl es kei­ne mili­tä­ri­schen Zie­le mehr gab. Im März 1945 zer­stör­te die ers­te Bom­bar­die­rung Tokios 50% der Stadt. Im Mai, Juni und Juli wur­den wei­te­re japa­ni­sche Städ­te durch die alli­ier­ten Napalm­bom­ben zer­stört. Eini­ge schät­zen die Zahl der Todes­op­fer auf eine Mil­li­on, noch vor Hiro­shi­ma und Naga­sa­ki (wo fast 200.000 Men­schen star­ben und die radio­lo­gi­schen Aus­wir­kun­gen jahr­zehn­te­lang anhiel­ten).

    Was die Alli­ier­ten befürch­te­ten, war ein mög­li­cher Auf­stand der japa­ni­schen Mas­sen ange­sichts des Zusam­men­bruchs eines bereits besieg­ten Regimes. Wie in Frank­reich, Ita­li­en und Grie­chen­land schlos­sen sie Pak­te mit den reak­tio­närs­ten Regi­men (vie­le von ihnen Nazi-Kol­la­bo­ra­teu­re) im Aus­tausch für die „Bewah­rung“ der Regime und des kapi­ta­lis­ti­schen Staa­tes vor den Mas­sen, die revo­lu­tio­när gewor­den waren oder wer­den konn­ten. Die US-Poli­tik gegen­über Japan bestand dar­in, zu bom­bar­die­ren, ein­zu­mar­schie­ren, Kai­ser Hiro­hi­to zu stüt­zen und eine Besat­zungs­re­gie­rung ein­zu­set­zen (die zu Wah­len auf­ru­fen soll­te). Unter Gene­ral Dou­glas MacAr­thur dau­er­te die Besat­zung sie­ben Jah­re. Neben ande­ren „demo­kra­ti­schen“ Maß­nah­men ver­bot er jeden Hin­weis auf die Fol­gen der Bom­ben in den Zei­tun­gen. Obwohl es in der Nach­kriegs­zeit zu einer gewis­sen Wie­der­erstar­kung der japa­ni­schen Mas­sen kam, lei­den sie bis heu­te unter den Fol­gen der Bom­ben­an­grif­fe. Die „Hiba­kushas“ (Tau­sen­de von Bom­ben­über­le­ben­den) waren jah­re­lang sich selbst über­las­sen. Japan blieb wei­ter­hin eine impe­ria­lis­ti­sche Macht, aber dem Dik­tat der USA unter­ge­ord­net.

  • Eines der wich­tigs­ten Zie­le der Atom­bom­ben war es, dem Expan­sio­nis­mus der Sowjet­uni­on Gren­zen zu set­zen: Mit den Abkom­men von Jal­ta und Pots­dam wur­de die Welt­kar­te ent­spre­chend den Inter­es­sen der Sie­ger­mäch­te neu gezeich­net. Dort saßen die USA, Groß­bri­tan­ni­en und die UdSSR. Die Prä­senz der UdSSR gefiel den USA nicht. Sie muss­te jedoch das Macht­gleich­ge­wicht akzep­tie­ren, das ihr durch den Tri­umph der Sowjet­uni­on über die Nazis auf­er­legt wur­de. Nach die­sen Ver­ein­ba­run­gen muss­ten noch eini­ge „Details“ defi­niert wer­den, vor allem in Asi­en, wo Sta­lin ein Inter­es­se dar­an hat­te, vor­an­zu­kom­men. „Der Zusam­men­bruch der japa­ni­schen Macht hat die USA als unan­ge­foch­te­nen Vor­herr­scher im Pazi­fik hin­ter­las­sen. Indem sie Japan allein beset­zen, nei­gen sie dazu, es zu ihrer wich­tigs­ten Hoch­burg im Fer­nen Osten zu machen. Sie stel­len bestimm­te Sek­to­ren der japa­ni­schen Indus­trie wie­der her, ins­be­son­de­re die Tex­til­in­dus­trie, die mit gro­ßer Sor­ge von Eng­land und Chi­na voll aus­ge­las­tet ist. Sie wol­len Japan wie­der zum wich­tigs­ten indus­tri­el­len Zen­trum des Fer­nen Ostens machen. Der Besitz des rie­si­gen chi­ne­si­schen Mark­tes ist eines der wesent­li­chen Zie­le des US-Impe­ria­lis­mus. Um dies zu errei­chen, set­zen die Ver­ei­nig­ten Staa­ten auf das Prin­zip der „offe­nen Türen“, d.h. die Nicht­un­ter­tei­lung Chi­nas in Ein­fluss­zo­nen und die Frei­heit der Pri­vat­in­itia­ti­ve. Die über­wäl­ti­gen­de wirt­schaft­li­che Vor­macht­stel­lung der Ame­ri­ka­ner wür­de es ihnen somit ermög­li­chen, den gesam­ten chi­ne­si­schen Markt zu mono­po­li­sie­ren“ (Der Kampf der Kolo­ni­al­völ­ker und die Welt­re­vo­lu­ti­on, Zwei­ter Kon­gress der Vier­ten Inter­na­tio­na­le, 1948. Eige­ne Über­set­zung.). Doch hier stan­den die Zie­le der USA denen der Sowjet­uni­on ent­ge­gen, die auf die Kom­mu­nis­ti­sche Par­tei Chi­nas zäh­len konn­te, wel­che deut­lich wuchs und wich­ti­ge stra­te­gi­sche Posi­tio­nen besetz­te (Port Arthur, rus­si­sche Rech­te an Daï­ren, Eisen­bahn). Die sta­li­nis­ti­sche Büro­kra­tie war nicht dar­an inter­es­siert, „die Revo­lu­ti­on aus­zu­wei­ten“ (auch wenn sie schließ­lich in Ost­eu­ro­pa zu ihrer eige­nen Ver­tei­di­gung die „Eiser­ne Mau­er“ um sich her­um zog). Ihr „Des­in­ter­es­se“ dar­an hat­te sie bereits in Grie­chen­land, Frank­reich, Ita­li­en gezeigt, wo die Kom­mu­nis­ti­schen Par­tei­en die revo­lu­tio­nä­ren Pro­zes­se ver­ra­ten und die Füh­rung an die Bour­geoi­si­en die­ser Län­der abge­ge­ben hat­ten. Den­noch war die UdSSR trotz Sta­lin wenig „zuver­läs­si­ger“ Part­ner des Impe­ria­lis­mus, war wei­ter­hin ein Arbeiter*innenstaat und wur­de von den Mas­sen der Welt als Sie­ger über die Nazis ange­se­hen. Des­halb war es not­wen­dig, ihr Gren­zen zu set­zen.
  • Demons­tra­ti­on der mili­tä­ri­schen Hege­mo­nie über die ande­ren Mäch­te (ein­schließ­lich der „Alli­ier­ten“) und die neu­en Halb­ko­lo­nien: In Über­ein­stim­mung mit sei­nen impe­ria­lis­ti­schen Zie­len geneh­mig­te Roo­se­velt ab März 1942 die Her­stel­lung der Atom­bom­be. Das „Man­hat­tan-Pro­jekt“ dau­er­te bis 1945. Har­ry Tru­man, der am Ende des Krie­ges Fran­k­lin Roo­se­velt ablös­te, sah in dem Abwurf der Bom­ben die Mög­lich­keit, „am Ende des Krie­ges unse­re eige­nen Bedin­gun­gen zu dik­tie­ren“. Mit ihnen eröff­ne­ten die Ver­ei­nig­ten Staa­ten die „Pax Ame­ri­ca­na“, die erst in den 1970er Jah­ren mit der Nie­der­la­ge im Viet­nam­krieg ihren ers­ten Rück­schlag erlitt.
  • Den Mas­sen der Welt ihre „ato­ma­re“ Demo­kra­tie auf­zwin­gen: Die Atom­bom­ben waren der Höhe­punkt der Bom­bar­die­rung der Mas­sen, die die Alli­ier­ten seit der Ent­wick­lung der revo­lu­tio­nä­ren Pro­zes­se in Euro­pa und Asi­en 1943 begon­nen hat­ten. Zwi­schen die­sem Jahr und 1947, wäh­rend die USA ihre „Demo­kra­tie“ und „Frei­heit“ begrün­de­te und sich gleich­zei­tig als „Befrei­er“ der Kolo­nien gerier­te, star­ben zwi­schen Mil­lio­nen von Arbeiter*innen, arme Land­be­völ­ke­rung, Män­ner, Frau­en und Kin­der unter ihren Bom­ben (und denen Groß­bri­tan­ni­ens und Frank­reichs) in Rom, Grie­chen­land, Deutsch­land (ins­be­son­de­re Dres­den), Alge­ri­en, Indi­en, Mada­gas­kar und ande­ren Orten. Durch den Abbruch und die Nie­der­schla­gung der pro­le­ta­ri­schen Revo­lu­tio­nen gelang es dem Impe­ria­lis­mus, sei­ne Kon­ti­nui­tät und sei­ne auf Mil­lio­nen von Toten basie­ren­den „Demo­kra­tien“ durch­zu­set­zen.

Die­ser Arti­kel erschien zuerst auf Spa­nisch bei La Izquier­da Dia­rio.

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