[perspektive:] Zahl der BAföG-Beziehenden sinkt schon wieder – viele Studierende müssen jobben

BAföG soll SchülerInnen in Ausbildung oder Studierenden dabei helfen, ihre Ausbildung oder ihr Studium zu finanzieren – auch wenn sie aus einem ärmeren Haushalt kommen. Doch seit sieben Jahren sinkt die Zahl derjenigen, die BAföG beziehen. Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) fordert eine baldige Reform, um Studierende besser zu unterstützen.

Im Jahr 2019 haben in Deutsch­land 680.000 Per­so­nen Leis­tun­gen nach dem Bun­des­aus­bil­dungs­för­de­rungs­ge­setz (BAföG) erhal­ten. Das waren 47.000 Unter­stütz­te weni­ger als im Vor­jahr (-6,4 %).

Von den Geför­der­ten waren 2019 rund 191.000 Schü­le­rin­nen und Schü­ler und 489.000 Stu­die­ren­de. Die Zahl der geför­der­ten Schü­le­rin­nen und Schü­ler ging damit im Ver­gleich zum Vor­jahr um 8,7 % zurück, die Zahl der geför­der­ten Stu­die­ren­den um 5,5 %.

Die För­de­rung erstreck­te sich zum Teil nicht über das gesam­te Jahr. Im Durch­schnitt wur­den je Monat 435.000 Per­so­nen (118.000 Schü­le­rin­nen und Schü­ler, 317.000 Stu­die­ren­de) geför­dert. Damit erhielt etwa nur noch jeder zehn­te Stu­die­ren­de BAföG-För­de­rung. Das waren 7,1 % weni­ger als im Monats­durch­schnitt des Vor­jah­res.

GEW fordert Reform

Die Gewerk­schaft Erzie­hung und Wis­sen­schaft (GEW) hat die Bun­des­re­gie­rung auf­ge­for­dert, rasch eine Initia­ti­ve für eine BAföG-Reform zu star­ten: „Das ist ein All­zeit­tief! Die Gro­ße Koali­ti­on muss jetzt end­lich han­deln und unmit­tel­bar nach der Som­mer­pau­se einen Gesetz­ent­wurf für eine BAföG-Reform vor­le­gen“, so Andre­as Kel­ler, stell­ver­tre­ten­der GEW-Vor­sit­zen­der und Vor­stands­mit­glied für Hoch­schu­le und For­schung, am Mon­tag in Frank­furt a.M..

Durchschnittlicher Förderbetrag bei 503 Euro

Die Höhe des För­der­be­tra­ges ist unter ande­rem abhän­gig von der Aus­bil­dungs­stät­te (zum Bei­spiel Berufs­fach­schu­le oder Hoch­schu­le) und der Unter­brin­gung (bei den Eltern oder aus­wärts). Der durch­schnitt­li­che För­der­be­trag pro Per­son lag im Jahr 2019 bei 503 Euro. Das waren 21 Euro (+ 4,3 %) mehr als im Vor­jahr. Im Durch­schnitt erhiel­ten 2019 geför­der­te Stu­die­ren­de 514 Euro (+21 Euro), geför­der­te Schü­le­rin­nen und Schü­ler 473 Euro pro Per­son (+19 Euro).

Etwas mehr als die Hälf­te der BAföG-Emp­fän­ge­rin­nen und ‑Emp­fän­ger (347.000) erhielt den maxi­ma­len För­der­be­trag (Voll­för­de­rung). Eine Teil­för­de­rung erhiel­ten 334.000 Per­so­nen (49 %). Die­se wird geleis­tet, wenn das Ein­kom­men der Geför­der­ten oder der Eltern bestimm­te Gren­zen über­steigt. Die Zahl der Voll­ge­för­der­ten sank im Jahr 2019 gegen­über dem Vor­jahr um 4,6 %, die Zahl der Teil­ge­för­der­ten um 8,3 %.

„Wir brau­chen eine deut­li­che Erhö­hung der För­der­sät­ze und Frei­be­trä­ge sowie eine Umstel­lung des BAföG von Teil­dar­le­hen auf Voll­zu­schuss. Der Sink­flug des BAföG muss end­lich gestoppt wer­den“, kom­men­tier­te Kel­ler die­se Ent­wick­lung.

Studierende besonders hart von Corona betroffen

Kel­ler mach­te den maro­den Zustand der Aus­bil­dungs­för­de­rung auch dafür ver­ant­wort­lich, dass vie­le Stu­die­ren­de beson­ders hart von der Coro­na-Kri­se betrof­fen sei­en. „Wenn nur noch gut jede zehn­te Stu­den­tin oder jeder zehn­te Stu­dent BAföG bekommt, bedeu­tet das, dass sich die gro­ße Mehr­heit der Stu­die­ren­den mit Jobs durch­schla­gen muss. Gas­tro­no­mie, Han­del oder Mes­sen – vie­le die­ser Jobs sind in der Kri­se weg­ge­fal­len. Zahl­rei­che Stu­die­ren­de wis­sen nicht, wie sie ihre Mie­te, Fach­bü­cher oder den Inter­net­zu­gang bezah­len sol­len. Das BAföG jetzt zu refor­mie­ren, heißt daher auch, das Stu­di­um kri­sen­fest zu machen“, erklär­te der GEW-Vize.

Überbrückungskredite aufstocken

Dar­über hin­aus müs­se die Bun­des­re­gie­rung ihre Über­brü­ckungs­hil­fe für in Not gera­te­ne Stu­die­ren­de kräf­tig auf­sto­cken. Die Hil­fe wird von den Stu­die­ren­den­wer­ken gezahlt, die dafür vom Bund 100 Mil­lio­nen Euro erhal­ten.

„Es gibt maxi­mal 500 Euro für höchs­tens drei Mona­te. Bis­her wur­den nach Anga­ben des Bun­des­bil­dungs­mi­nis­te­ri­ums gera­de mal rund 40.000 Anträ­ge bewil­ligt. Die Ableh­nungs­quo­te liegt bei 50 Pro­zent. Wer leer aus­geht, wird auf einen ver­zins­ten Bank­kre­dit ver­wie­sen. Das ist nicht nur unan­stän­dig, son­dern auch bil­dungs­po­li­tisch absurd: Eine Wel­le an Stu­di­en­ab­brü­chen kön­nen wir uns mit­ten in der Coro­na­kri­se nicht auch noch leis­ten. Das Bud­get für die Über­brü­ckungs­hil­fe muss auf eine Mil­li­ar­de Euro auf­ge­stockt wer­den. Die Bewil­li­gun­gen müs­sen schnell und unbü­ro­kra­tisch erfol­gen“, mahn­te Kel­ler.

Der Bei­trag Zahl der BAföG-Bezie­hen­den sinkt schon wie­der – vie­le Stu­die­ren­de müs­sen job­ben erschien zuerst auf Per­spek­ti­ve.

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