[gG:] (B) AfD Sommerfest in Moabit – Kurzbericht & Hintergründe

Nächs­ter AfD-Par­tei­tag in wei­ter Fer­ne /​/​Andre­as Wild & Bir­git Mal­sack-Win­kel­mann ver­sa­gen bei Suche nach geeig­ne­ten Mög­lich­kei­ten für Mit­glie­der­par­tei­tag /​/​Nico­laus Fest möch­te des­halb ver­su­chen zeit­nah einen Dele­gier­ten­par­tei­tag abzu­hal­ten /​/​Nun fand regu­lä­rer Lan­des­stamm­tisch in Ber­lin Moa­bit (Per­le­ber­ger­stra­ße 62a) unter dem Namen „Som­mer­fest“ auf einem Pri­vat­grund­stück des AfD-nahen Ver­mie­ter­paa­res Mar­quart statt /​/​Viel­fäl­ti­ge Pro­tes­te von Anwohner/*innen und Moabiter/*innen

Nicht nur das Deba­kel um den Raus­schmiss von Andre­as Kal­bitz, der sich par­tout wei­gert das Feld zu ver­las­sen, setzt der AfD aktu­ell zu. Auch um die Orga­ni­sa­ti­on und Aus­rich­tung eines drin­gend benö­tig­ten Par­tei­ta­ges gibt es bei den Ber­li­ner Neo­fa­schis­tIn­nen mas­si­ve Strei­tig­kei­ten.
Am 30.07.2020 fei­er­te die rech­te Par­tei in einem pri­va­ten Hin­ter­hof-Gar­ten in Ber­lin-Moa­bit ein Som­mer­fest. Das AfD-nahe Ver­mie­ter­ehe­paar hat­te jedoch ihre Rech­nung ohne die kämp­fe­ri­schen Bewohner/*innen ihres Hau­ses und ohne zahl­rei­che Moabiter/*innen gemacht, die wütend und laut­stark gegen das Fest pro­tes­tier­ten. So „muss­ten“ ca. zwei Hun­dert­schaf­ten der Ber­li­ner Poli­zei die AfD-Ver­an­stal­tung schüt­zen, obwohl die­se als pri­va­te Geburts­tags­fei­er und nicht als Ver­samm­lung dekla­riert war. Die Poli­zei errich­te­te eine Ein­lass­schran­ke und schirm­te die anwe­sen­den Antifaschist/*innen ab. Spä­ter drang­sa­lier­te sie AfD-Gegner/*innen indem sie sich die Kenn­zei­chen soli­da­risch hupen­der Autofahrer/*innen notier­te, um ihnen spä­ter Stra­fen auf­zu­brum­men.
Obwohl sich der Pro­test kurz­fris­tig und spon­tan for­mier­te, nah­men dar­an rund 200 Men­schen über den Tag ver­teilt, teil. Vie­le Anwoh­nen­de und Gewer­be­trei­ben­de soli­da­ri­sier­ten sich mit dem Pro­test und es herrsch­te eine wüten­de Grund­stim­mung den anrei­sen­den AfD­le­rIn­nen gegen­über. Auf Sei­ten der AfD waren zwi­schen 80 und 100 Rech­te anwe­send. Geschützt wur­den die­se nicht allein durch die Poli­zei, son­dern auch durch drei Secu­ri­tys.

„Som­mer­fest“ in Moa­bit
Nach­dem lan­ge öffent­lich nichts von der rech­ten Par­tei zu sehen war, hat die Ber­li­ner AfD am 30.07.2020 in Ber­lin Moa­bit auf einem Pri­vat­grund­stück an der Per­le­ber­ger Stra­ße 62a ein „Som­mer­fest“ gefei­ert.
Der Anlass der som­mer­li­chen Stim­mung der Neo­fa­schis­tIn­nen ist eigent­lich Grund zur Freu­de:
Ursprüng­lich wur­de das Gelän­de von Andre­as Wild und Bir­git Mal­sack-Win­kel­mann inspi­ziert, um zu prü­fen, ob sich dort ein Par­tei­tag unter frei­em Him­mel bzw. mit einem Zelt aus­rich­ten lie­ße.
Das Gelän­de der anony­men „Inha­be­rin“ war dabei eine von zwei Mög­lich­kei­ten für einen zukünf­ti­gen Par­tei­tag. Die ande­re Opti­on, das „Land­haus Ples­sa“ (Von-Delu­is-Stra­ße 1) die auf einen Vor­schlag von Bir­git Mal­sack Win­kel­mann zurück­geht, befin­det sich im tiefs­ten Bran­den­burg (04928) ca. 160 Km von Ber­lin ent­fernt.
Der seit Janu­ar 2020 Vor­sit­zen­de des Not­vor­stands der Ber­li­ner AfD Nico­laus Fest schloss bei­de Mög­lich­kei­ten, sowohl für Par­tei- als auch für Dele­gier­ten­par­tei­ta­ge, mit deut­li­chen Wor­ten aus:

„Bei­de Vor­schlä­ge sind völ­lig unbrauch­bar. Sie sind hei­ße Luft und dum­mes Zeug. Dass es Herr Wild und Frau Mal­sack-Win­ke­mann nicht ein­mal für nötig befan­den, bei der von ihnen selbst benann­ten Loka­li­tät hin­sicht­lich der gel­ten­den Coro­na-Auf­la­gen nach­zu­fra­gen, zeigt ein Maß an Unfä­hig­keit, das auch an der Eig­nung für ande­re Auf­ga­ben zwei­feln lässt.“

Wei­ter­hin betont Fest den Erfolg der kon­ti­nu­ier­li­chen anti­fa­schis­ti­schen Arbeit gegen die rech­te Par­tei:

„Ent­ge­gen aller voll­mun­di­gen Ankün­di­gun­gen der Befür­wor­ter des Mit­glie­der­par­tei­tags ist das Raum­pro­blem wei­ter­hin akut. […] Im übri­gen kämp­fen fast alle AfD-Ver­bän­de – und nicht allein die im Wes­ten – mit ähn­li­chen Pro­ble­men, und sie alle haben größ­te Schwie­rig­kei­ten, Par­tei­ta­ge zu orga­ni­sie­ren. In Osna­brück muss­ten sich die Mit­glie­der der AfD zum Bezirks­stamm­tisch auf dem Markt­platz tref­fen, da sie kein Lokal mehr fin­den, das ihnen Räum­lich­kei­ten zur Ver­fü­gung stellt.“

Viel­leicht hat sich Fest den Osna­brü­cker Kreis­ver­band zum Vor­bild genom­men, als er nun ent­schied die „unbrauch­ba­ren“ Ideen von Wild und Mal­sack Win­kel­mann in ähn­li­cher Wei­se auch auf Ber­lin zu über­tra­gen. Par­tei­ta­ge mit einem Dach über dem Kopf schei­nen für die Neo­fa­schis­tIn­nen mehr und mehr unrea­li­si­tisch zu wer­den, wes­halb sie ihre Stra­te­gie dahin­ge­hend ändern pri­va­te Grün­flä­chen für Ver­samm­lun­gen zu nut­zen.

Dele­gier­ten­par­tei­tag vs. Mit­glie­der­par­tei­tag
Wei­te­ren Zwist gibt es auch bei der Fra­ge, ob es sich bei den zukünf­ti­gen Par­tei­ta­gen, um Mit­glie­der- oder Dele­gier­ten­par­tei­ta­ge han­deln soll. Der Vor­teil von Dele­gier­ten­par­tei­ta­gen liegt dar­in, dass dort weni­ger Mit­glie­der zuge­gen sein wer­den und somit eine klei­ne­re Räum­lich­keit im Ver­gleich zu einem Mit­glie­der­par­tei­tag von Nöten ist. Der Nach­teil ist, dass nur eini­ge weni­ge dele­gier­te AfD-Mit­glie­der (ca. 20%) mit­be­stim­men kön­nen im Ver­gleich zum Mit­glie­der­par­tei­tag.
Wild kri­ti­siert in Brie­fen offen den Vor­sit­zen­den Fest, da er nicht glaubt dass sobald erst ein­mal Dele­gier­ten­par­tei­ta­ge statt­ge­fun­den haben, eine spä­te­re Rück­kehr zu Mit­glie­der­par­tei­ta­gen rea­lis­tisch sei.
Fest hin­ge­gen möch­te lie­ber einen Dele­gier­ten­par­tei­tag, als gar kei­nen Par­tei­tag. Wohl auch um end­lich dem ver­hass­ten Georg Pazder­ski den poli­ti­schen Gna­den­stoß geben zu kön­nen.
Als wei­te­ren Beleg dafür, dass ein Par­tei­tag so schnell wie mög­lich statt­fin­den müs­se, führt Fest erneut die aus­weg­s­lo­se Raum­si­tua­ti­on der Neo­fa­schis­tIn­nen an:

„Viel­leicht müs­sen wir ein oder zwei Par­tei­ta­ge als Dele­gier­ten­par­tei­ta­ge ver­an­stal­ten, um dann wie­der zu Mit­glie­der­par­tei­ta­gen zurück­zu­keh­ren.
Der Dele­gier­ten­par­tei­tag ist eine Not­fall-Opti­on. Die­ser Not­fall ist jetzt! Wir haben, das hat der Fall ‘Ball­haus Pan­kow’ gezeigt, fak­tisch kei­ne Mög­lich­keit, Ver­trä­ge ein­zu­kla­gen. Wir­te und Hote­liers wer­den von der Anti­fa mas­siv bedroht, und zwar über­all, in Bay­ern, NRW, Schles­wig-Hol­stein, Nie­der­sach­sen, Bre­men, Ham­burg, auch in Bran­den­burg oder, das zeig­te der Anschlag auf das Kon­vents­ho­tel in Halle/​Leipzig, in Sach­sen. Der Zugang zu Räu­men der Bezir­ke wird sys­te­ma­tisch durch Ände­rung der Nut­zungs­re­geln ver­baut, bei Lie­gen­schaf­ten im Besitz des Senats bekom­men wir oft nicht ein­mal Gesprächs­ter­mi­ne. Natür­lich prü­fen wir die Mög­lich­keit einer Kla­ge gegen den Senat auf abs­trak­te Zuwei­sung von Räu­men. Aber wenn kei­ne Ter­mi­ne frei sind, wird uns auch ein Gericht nicht hel­fen kön­nen – zumal eigent­lich freie Wochen­en­den von der Ver­wal­tung jeder­zeit als Ter­mi­ne für unauf­schieb­ba­re Reno­vie­rungs- & Repa­ra­tur­ar­bei­ten dekla­riert wer­den kön­nen. Selbst unse­re Kol­le­gen in Sach­sen sind inzwi­schen – bei deut­lich ein­fa­che­ren Bedin­gun­gen – soweit, dass sie erneut die OECD ein­schal­ten wol­len, um auf die sys­te­ma­ti­sche Dis­kri­mi­nie­rung der größ­ten Oppo­si­ti­ons­par­tei hin­zu­wei­sen; ich selbst habe die Behin­de­rung der AfD im Rechts­aus­schuss des Euro­päi­schen Par­la­ments auf die Agen­da gesetzt. Und nun haben wir auch noch die Hygie­ne- und Abstands­re­geln im Zuge der Coro­na-Kri­se. Was muss eigent­lich noch gesche­hen, damit selbst die­je­ni­gen, die in den letz­ten 18 Mona­ten offen­kun­dig hin­ter dem Mond gelebt haben, den Ernst der Situa­ti­on begrei­fen? Wir brau­chen einen Par­tei­tag, egal in wel­cher Form! Was wir nicht brau­chen, sind Unter­schrif­ten­samm­lun­gen von Per­so­nen, die kei­ne Lösun­gen haben und noch nicht ein­mal tele­fo­nie­ren kön­nen.“

OECD, Rechts­aus­schuss des euro­päi­schen Par­la­ments… Heult doch ihr ras­sis­ti­schen Schwei­ne!
Die Stra­te­gie der Par­tei sich von Dis­kri­mi­nie­rern zu den Dis­kri­mi­nier­ten zu machen ist wahr­lich nicht neu. Immer wie­der stellt sich die AfD selbst in die Opfer­po­si­ti­on, wenn sich irgend­wo Wider­stand gegen ihre zutiefst ras­sis­ti­schen und men­schen­ver­ach­ten­den Posi­tio­nen for­mier­te.
Dass Fest in sei­nem Brief schreibt, dass die säch­si­schen Lan­des­ver­bän­de nun bei der OECD rum­heu­len wol­len und er selbst den Rechts­aus­schuss des euopäi­schen Par­la­ments wegen einer ver­meint­li­chen „Behin­de­rung“ der Par­tei zu Rate zie­hen will, beweist nur umso mehr in was für einer brenz­li­gen Lage die Par­tei aktu­ell steckt. Hil­fe die­ser Insti­tu­tio­nen ist hin­ge­gen nicht zu erwar­ten.
Soll­te die Par­tei es wei­ter­hin nicht schaf­fen Räum­lich­kei­ten für Par­tei­ta­ge auf­zu­tun, so wer­den sich Macht­kämp­fe gera­de auch inner­halb der Ber­li­ner AfD ver­tie­fen.
Dies kann uns nur Recht sein! Inter­ne Streits, Kon­flik­te und Gra­ben­kämp­fe hin­dern die Par­tei effek­tiv dar­an, Men­schen zu dis­kri­mi­nie­ren und ihre neo­li­be­ra­le und völ­ki­sche Poli­tik wei­ter in die Pra­xis umzu­set­zen.

Das Ehe­paar Mar­quart bit­tet die AfD zu Tisch!
Zu klä­ren bleibt die Fra­ge, wie es die AfD dann letzt­end­lich doch noch schaf­fen konn­te, Räum­lich­kei­ten bzw. Flä­chen für ein Zusam­men­kom­men in der Öffent­lich­keit zu gerie­ren. Dies geschah durch die Unter­stüt­zung des AfD-nahen Ver­mie­ter­paa­res Mar­quart. Ger­hard (Ver­mie­ter) und The­re­sa (The­re­se?) Mar­quart bewoh­nen sel­ber eine Woh­nung in dem Haus in der Per­le­ber­ger Stra­ße 62a. Wie Inter­net­re­cher­chen zei­gen, wohn­ten sie in der Ver­gan­gen­heit allem Anschein nach in Weg­berg (41844), in der Nähe von Aachen. Durch Ein­la­dungs­mails und Schrift­ver­kehr der AfD geht zwei­fels­frei her­vor, dass das AfD-Som­mer­fest auf die beson­de­re Initia­ti­ve von The­re­sa Mar­quart zurück­zu­füh­ren ist.

„Für alle Not­fäl­le haben wir von einer groß­her­zi­gen Spen­de­rin einen Gar­ten in der Mit­te Ber­lins zur Ver­fü­gung“ (Sybil­le Schmidt, 17. Juli „Offe­ner Brief zur Par­tei­tags­fra­ge“)

„Das erwähn­te Pri­vat­grund­stück ist zwar für Par­tei­ta­ge unge­eig­net, aber sehr schön für ein Som­mer­fest an einem lau­en Abend. Wir haben dar­über mit der Eigen­tü­me­rin gespro­chen und ver­su­chen kurz­fris­tig, den ange­kün­dig­ten Lan­des­stamm­tisch am 30. Juli als abend­li­ches Som­mer­fest zu orga­ni­sie­ren.“ (Nico­laus Fest, Ein­la­dung zum Som­mer­fest)

Anhand die­ser For­mu­lie­run­gen zeigt sich klar, dass das Ehe­paar Mar­quart maß­geb­lich für eine Bereit­stel­lung der Flä­chen an die Men­schen­fein­de der Ber­li­ner AfD ver­ant­wort­lich ist. Da sich The­re­sa Mar­quart vor und wäh­rend des Fes­tes um Logis­tik und Pla­nung küm­mer­te und sie selbst auch auf dem Fest, sowie auf dem kit­schi­gen AfD-Video zum Fest mehr­mals zu sehen ist, ist offen­sicht­lich, dass sie stark mit der Par­tei sym­pa­thi­siert.
Für wei­te­re Hin­wei­se, die ihr über das AfD-nahe Ehe­paar Mar­quart nutzt bit­te die Mail­adres­se keinraumderafd@​riseup.​net.
Es ist an uns allen dafür zu sor­gen, dass das statt­ge­fun­de­ne Som­mer­fest die letz­te AfD-Mar­quart-Koope­ra­ti­on war.

AfD in der Öffent­lich­keit? Atta­cke!
Auch wenn sich gezeigt hat, dass das Grund­stück an der Per­le­ber­ger Stra­ße 62a unge­eig­net für zukünf­ti­ge Par­tei­ta­ge ist, so ist es doch das ers­te Mal seit Lan­gem, dass sich die Ber­li­ner AfD aus ihrem Som­mer­loch trau­te.
Dies war für uns die Gele­gen­heit, der Par­tei zu zei­gen, dass ihre Fein­de nach wie vor aktiv sind und es für sie wei­ter­hin schwer bleibt ihre brau­nen Füße auf Ber­li­ner Böden zu bekom­men.
Par­tei­ta­ge blei­ben für die AfD in Ber­lin somit wei­ter­hin ein Tabu.

Kein Raum der AfD!

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