[KgK:] Zweite Welle und wer zahlt jetzt?

Bild: KOBU Agen­cy

Wie kommt es zu diesem Anstieg?

Im Gegen­satz zum bekann­ten Coro­na-Aus­bruch bei Tön­nies – wel­cher durch die kri­mi­nel­le Lei­tung des Mil­lio­närs Cle­mens Tön­nies ver­ur­sacht wur­de -, wer­den die Infek­tio­nen jetzt nicht aus eini­gen, weni­gen Hot­spots gemel­det, son­dern viel mehr ver­teilt auf vie­le Land­krei­se.

Die reak­tio­nä­ren bür­ger­li­che Medi­en suchen den Ursprung im Aus­land und schü­ren somit einen frem­den­feind­li­chen Dis­kurs, wie wir ihn zu Beginn der Pan­de­mie gese­hen haben. Zudem indi­vi­dua­li­sie­ren sie die Ursa­chen der Aus­brei­tung des Virus auf den Rücken derer, die das Sys­tem am lau­fen hiel­ten und sich nach Urlaub seh­nen.

Die Tat­sa­che, dass die Ver­brei­tung des Virus nicht nur an der Gier eines ein­zel­nen Unter­neh­mers liegt, son­dern Flä­chen­de­ckend auf­tritt, kann nur dadurch erklär­bar sein, dass die Ver­brei­tung durch unse­re Lebens­wei­se und beson­ders unse­rer Pro­duk­ti­ons­wei­se statt­fin­det.

1.Welle, 2. Welle oder kommendes Elend?

Die­se neue Infek­ti­ons­zah­len eröff­nen die Debat­te, ob die momen­ta­ne Ent­wick­lung noch Teil der ers­ten Wel­le ist, eine Ankün­di­gung der kom­men­den zwei­ten Wel­le oder gar bereits die zwei­te Wel­le ist? 

Eine sol­che Debat­te ist rein deskrip­tiv, Fakt ist: Das Virus ver­brei­tet sich wie­der und zer­stört die Illu­si­on der erfolg­rei­chen Bekämp­fung des Virus, das alles vor­bei sei. Zudem ist die­se Fra­ge zweit­ran­gig, da die aku­ten Fra­gen für die arbei­ten­de Bevöl­ke­rung sind: Wie schüt­zen wir uns vor wei­te­ren Infek­tio­nen? oder auch: Wer wird für die Wirt­schafts­kri­se zah­len?

Wäh­rend im öffent­li­chen Dis­kurs über die Fra­ge, ob es nun schon zwei­te Wel­le ist oder nicht, häu­fen sich die Ent­las­sun­gen, wie durch die Schlie­ßung meh­re­rer Kar­stadt-/Kauf­hof- Häu­ser oder die Ange­kün­dig­ten 22.000 Ent­las­sun­gen bei Luft­han­sa. Fer­ner ist auch die Fra­ge der Kurz­ar­beits­re­ge­lung, auf die wei­ter­hin Mil­lio­nen von Men­schen zur Zeit ange­wie­sen sind, die nach jet­zi­gem Stand aller­dings am 31. Dezem­ber 2020 aus­lau­fen wird. 

Hin­zu kommt, dass von den 600 Mil­li­ar­den Euro, die als Ret­tungs­fond im März von der Bun­des­re­gie­rung beschlos­sen wur­den, nur 3 Mil­li­ar­den in den Gesund­heits­sek­tor inves­tiert wer­den sol­len. Anstatt also die Sym­pto­me des, schon vor der Pan­de­mie unter­ver­sorg­ten und man­gel­haft aus­ge­stat­te­ten, Gesund­heits­sys­tems zu bekämp­fen, gibt es nichts außer Pflas­ter.

Die­se bei­den Ent­wick­lun­gen sind zwei der vie­len Bestand­tei­le der kom­men­den Wirt­schafts­kri­se. Eine Kri­se, die jetzt schon alle Vor­her­sa­gen, mit den zu erken­nen­den Ten­den­zen, ins lächer­li­che zieht. Die Pro­gno­se der EU-Kom­mis­si­on: Das deut­sche BIP wür­de 2020 ins­ge­samt um 6,5 Pro­zent ein­bre­chen – dies wäre der stärks­te Absturz seit dem Ende des Zwei­ten Welt­kriegs.

Die­se Kri­se hat das Poten­ti­al sich in eine Wel­le des Elends ver­wan­deln.

Neuinfektionen stoppen

Das Robert-Koch-Insti­tut ist besorgt über die­se Ent­wick­lung und schlägt vor, wir müs­sen uns an die AHA-Regeln hal­ten: Abstand, Hygie­ne, All­tags­mas­ken.

Offen­sicht­lich sind die­se Maß­nah­men nötig, aber wie soll man Abends auf dem Nach­hau­se­weg von der Arbeit um 18 Uhr Abstand hal­ten und auf Hygie­ne ach­ten, wenn die U‑Bahn voll ist? Wie sol­len Arbeiter*innen die­se Maß­nah­men ein­hal­ten, wenn ihre Bos­se die­se bewusst umge­hen?

Der Kampf gegen das Virus, bedeutet der Kampf für den Arbeitsplatz

Der Kampf gegen Coro­na bedeu­tet nicht, dass Tau­sen­de ihren Arbeits­platz ver­lie­ren oder dass das Gesund­heits­sys­tem völ­lig über­las­tet ist. Das Pro­blem liegt nicht am Virus, es liegt an dem Sys­tem mit wel­chem ver­sucht wird, es zu bekämp­fen. Somit hat Coro­na deut­li­cher denn je gezeigt, dass der Kapi­ta­lis­mus unfä­hig ist, die Bedürf­nis­se der Mehr­heit der Bevöl­ke­rung zu befrie­di­gen.

Damit nicht die Arbeiter*innenklasse die Fol­gen der Pan­de­mie bezahlt, muss die­se dafür kämp­fen, die Pro­duk­ti­on unter ihre demo­kra­tisch Kon­trol­le zu brin­gen. Die­ser Weg ist der Ein­zi­ge, der dazu füh­ren kann, unnö­ti­ge Todes­zah­len zu ver­hin­dern. Um dies zu errei­chen, haben wir zu Beginn der Pan­de­mie einen Not­fall­pro­gramm auf­ge­stellt, des­sen Rele­vanz sich tag­täg­lich bewahr­hei­tet.

Klas­se Gegen Klas­se