[labournet:] [Entwurf einer EU-Richtlinie zum Whistleblower-Schutz] Nein, Brüssel mag immer noch keine Whistleblower

Dossier

EU-Richtlinienvorschlag: Whistleblower-Schutz steht über GeschäftsgeheimnissenNach lan­gem Zögern und vie­len Skan­da­len (Lux­Leaks, VW-Die­sel­ga­te…) will die EU end­lich die Whist­leb­lower schüt­zen. Doch die geplan­ten Regeln sind kom­pli­ziert. Für inves­ti­ga­ti­ve Jour­na­lis­ten brin­gen sie neue Pro­ble­me. (…) Aller­dings ent­spricht das nun vor­ge­schla­ge­ne Gesetz nicht wirk­lich dem Arbeits­all­tag von Infor­man­ten und Repor­tern. Es sieht den Auf­bau eines kom­pli­zier­ten Mel­de­sys­tems für Fir­men und Behör­den vor. Erst wenn die­ses neue, mehr­stu­fi­ge Sys­tem ver­sagt, sol­len Miss­stän­de ver­öf­fent­licht wer­den. Dies sei der „letz­te Aus­weg“, meint die EU-Kom­mis­si­on. Nur so kön­ne “unge­recht­fer­tig­ter” Ruf­scha­den ver­hin­dert wer­den. Ob ein sol­ches Ver­fah­ren gehol­fen hät­te, die Miss­stän­de im Steu­er­sys­tem von Luxem­burg zu behe­ben oder Geld­wä­sche auf Mal­ta auf­zu­klä­ren, muss sich erst noch erwei­sen. Zwei­fel sind nicht nur erlaubt, son­dern sogar gebo­ten. Denn aus­ge­rech­net bei der Infor­ma­ti­on der Öffent­lich­keit ver­sagt der Ent­wurf…” Kom­men­tar von und bei Erik Bon­se vom 24. April 2018 externer Link, sie­he dazu auch unser Dos­sier: EU-Richt­li­nie zu Geschäfts­ge­heim­nis­sen gefähr­det Pres­se- und Mei­nungs­frei­heit: Zivil­ge­sell­schaft­li­che Orga­ni­sa­tio­nen for­dern Schutz von Jour­na­lis­ten und Whist­leb­lo­wern und hier zur Whist­leb­lower-Richt­li­nie:

  • Whist­leb­lower bes­ser schüt­zen – wann, wenn nicht jetzt? Gut­ach­ten zur Umset­zung der EU-Richt­li­nie in deut­sches Recht New
    “… Die soge­nann­te EU-Whist­leb­lowing-Richt­li­nie 2019/​1937 soll Men­schen, die Rechts­ver­stö­ße auf­de­cken, künf­tig euro­pa­weit vor Repres­sa­li­en schüt­zen und die insti­tu­tio­nel­len Rah­men­be­din­gun­gen des Whist­leb­lowings zu ver­bes­sern. (…) Die rechts­po­li­ti­sche Debat­te für die Umset­zung der Vor­ga­ben ins deut­sche Recht ist bereits im vol­len Gan­ge. Einen wich­ti­gen Bei­trag dazu leis­tet das Gut­ach­ten, das durch den Deut­schen Gewerk­schafts­bund in Auf­trag gege­ben wur­de. Das Autoren­team – ehe­ma­li­ge Rich­te­rin am Euro­päi­schen Gerichts­hof Prof. Nin­on Col­ne­ric und der zum The­ma Whist­leb­lowing pro­mo­vier­te Rechts­wis­sen­schaft­ler Dr. Simon Ger­de­mann – erläu­tert aus­führ­lich die Vor­ga­ben der Richt­li­nie und den sich dar­aus erge­ben­den Hand­lungs­be­darf des deut­schen Gesetz­ge­bers vor dem Hin­ter­grund bestehen­der Rege­lungs­lü­cken im deut­schen Recht. Mit über 50 Ergeb­nis­sen und Emp­feh­lun­gen für die Umset­zung der Richt­li­nie schließt das Gut­ach­ten ab. Zu den wich­tigs­ten gehö­ren: Um die Vor­ga­ben der Richt­li­nie rechts­si­cher und effek­tiv umzu­set­zen, soll­te ein eigen­stän­di­ges, klar struk­tu­rier­tes Whist­leb­lower-Gesetz geschaf­fen wer­den. Der Schutz die­ses Gesetz soll­te auf natio­na­le Sach­ver­hal­te erstreckt wer­den. Whist­leb­lower sind gene­rell dann zu schüt­zen, wenn sie schwer­wie­gen­de Miss­stän­de mel­den, deren Mel­dung oder Offen­le­gung im öffent­li­chen Inter­es­se ist. Der Schutz der Whist­leb­lower vor arbeits­recht­li­chen Sank­tio­nen und sons­ti­gen Repres­sa­li­en ist durch effek­ti­ve Rege­lun­gen aus­zu­ge­stal­ten, ein­schließ­lich einer Beweis­last­um­kehr zuguns­ten von Whist­leb­lo­wern und ver­schul­dens­un­ab­hän­gi­ger Scha­den­er­satz­an­sprü­che. Arbeit­neh­mer haben nach der Richt­li­nie in jedem Fall das Recht, sich unmit­tel­bar an eine exter­ne Stel­le zu wen­den. Eine vor­he­ri­ge Mel­dung an die intern ein­zu­rich­ten­den Kanä­le muss immer frei­wil­lig blei­ben. Dies ist durch die Richt­li­nie vor­ge­ge­ben sowie mit der Recht­spre­chung des EGMR ver­ein­bar und sinn­voll. Whist­leb­lower sind zu schüt­zen, wenn sie sich gut­gläu­big über das tat­säch­li­che oder recht­li­che Vor­lie­gen eines Ver­sto­ßes oder den not­wen­di­gen Umfang der Infor­ma­ti­ons­be­schaf­fung und ‑wei­ter­ga­be irren. Die Umset­zung der Richt­li­nie erfor­dert Ände­run­gen des deut­schen Gesell­schafts­rechts, kon­kret bezo­gen auf die Ver­schwie­gen­heits­pflich­ten von Mit­glie­dern in Verwaltungs‑, Lei­tungs- und Auf­sichts­or­ga­nen. Auf­sichts­rats­mit­glie­der sind nach deut­schem Recht prin­zi­pi­ell zur Ver­schwie­gen­heit ver­pflich­tet – ein Dilem­ma, wenn ein Auf­sichts­rat von Miss­stän­den oder Ver­stö­ßen erfährt. In Fäl­len, in denen die neue Richt­li­nie zur Anwen­dung kommt, müs­sen Arbeit­neh­mer­ver­tre­ter in deut­schen Auf­sichts­rä­ten künf­tig das Recht haben, sich mit Infor­ma­tio­nen über Ver­stö­ße unmit­tel­bar an die zustän­di­gen Behör­den zu wen­den. Dar­über hin­aus soll­te in Unter­neh­men von öffent­li­chem Inter­es­se ein Mel­de­ka­nal geschaf­fen wer­den, der unab­hän­gig vom Vor­stand unmit­tel­bar zum Auf­sichts­rat führt. Zudem soll­te sicher­ge­stellt wer­den, dass anony­me Mel­dun­gen durch inter­ne sowie exter­ne Stel­len wei­ter­ver­folgt wer­den.” DGB-Mit­tei­lung vom 5. August 2020 externer Link mit Link zum kos­ten­lo­sen Down­load des 189-sei­ti­gen Gut­ach­ten
  • Edit Poli­cy: Wirt­schafts­mi­nis­ter sabo­tiert Whist­leb­lo­wer­schutz 
    “Die EU will Whist­leb­lower schüt­zen, eine Richt­li­nie ist ver­ab­schie­det. Die deut­sche Umset­zung könn­te das Ziel kon­ter­ka­rie­ren – wenn es nach Peter Alt­mai­er geht. (…) Kurz vor den Euro­pa­wah­len war es der EU end­lich gelun­gen, eine umfas­sen­de Whist­leb­lo­wer­schutz­richt­li­nie zu ver­ab­schie­den. Ziel des euro­päi­schen Gesetz­ge­bers war dabei ganz klar, einen euro­pa­wei­ten Min­dest­stan­dard für den Whist­leb­lower-Schutz zu schaf­fen, der alle Gesell­schafts­be­rei­che umfasst, völ­lig egal, ob es um die Auf­de­ckung von Umwelt­ver­schmut­zung, Kor­rup­ti­on oder Sicher­heits­ri­si­ken geht. Kern­punk­te der Richt­li­nie sind die Ein­rich­tung von inter­nen und exter­nen Beschwer­de­stel­len in Fir­men und öffent­li­chen Insti­tu­tio­nen, der Schutz der Iden­ti­tät von Whist­leb­lo­wern und das Ver­bot von gericht­li­cher Ver­fol­gung oder Repres­sa­li­en am Arbeits­platz. Expli­zit sol­len auch Hinweisgeber*innen geschützt wer­den, die mit Infor­ma­tio­nen über Miss­stän­de direkt an die Öffent­lich­keit gehen, wenn es in ihrem Fall nicht sinn­voll oder Erfolg ver­spre­chend ist, sich zunächst an Beschwer­de­stel­len zu wen­den. (…) Das feder­füh­ren­de Jus­tiz­mi­nis­te­ri­um unter Minis­te­rin Chris­ti­ne Lam­brecht (SPD), das die neue Whist­leb­lower-Schutz­richt­li­nie bis Ende 2021 in deut­sches Recht umset­zen muss, ist durch­aus bereit, dem Sinn und Zweck der Richt­li­nie zu fol­gen. In einem ers­ten Eck­punk­te­pa­pier, das kürz­lich an die ande­ren Minis­te­ri­en ver­schickt wur­de, schlägt das Jus­tiz­mi­nis­te­ri­um die Umset­zung der Richt­li­nie in Form eines all­ge­mei­nen Whist­leb­lower-Schutz­ge­set­zes vor, das für alle Rechts­be­rei­che gilt, egal ob euro­päi­sches oder natio­na­les Recht. (…) Gegen­wind bekommt das Jus­tiz­mi­nis­te­ri­um vom Koali­ti­on­part­ner. Wirt­schafts­mi­nis­ter Peter Alt­mai­er (CDU) ist offen­bar fest ent­schlos­sen, den Whist­leb­lower-Schutz durch klein­li­che Ver­wei­se auf die Unter­schie­de zwi­schen euro­päi­scher und deut­scher Gesetz­ge­bungs­kom­pe­tenz zu sabo­tie­ren. Wie kürz­lich durch das Whist­leb­lower-Netz­werk bekannt gemacht wur­de, sträubt sich das Wirt­schafts­mi­nis­te­ri­um dage­gen, auch nur einen Schritt über das euro­pa­recht­lich vor­ge­schrie­be­ne Mini­mum des Whist­leb­lower-Schut­zes hin­aus­zu­ge­hen. Jeg­li­che Emp­feh­lun­gen des Jus­tiz­mi­nis­te­ri­ums, die auf ein all­ge­mei­nes Whist­leb­lower-Schutz­ge­setz hin­wei­sen, wur­den durch das Wirt­schafts­mi­nis­te­ri­um in der Res­sort­ab­stim­mung gestri­chen. Statt­des­sen ver­langt das Haus von Minis­ter Alt­mai­er, die Richt­li­nie prak­tisch Wort für Wort in deut­sches Recht zu über­tra­gen, womit der Schutz vor Repres­si­on aus­schließ­lich für Per­so­nen gilt, die Ver­stö­ße gegen euro­päi­sches Recht auf­de­cken. Mit die­ser an Arbeits­ver­wei­ge­rung gren­zen­den Ein­stel­lung sieht das Wirt­schafts­mi­nis­te­ri­um die Ver­ant­wor­tung des deut­schen Gesetz­ge­bers also dar­in, das abso­lu­te Min­dest­maß des­sen umzu­set­zen, wozu es durch die EU-Gesetz­ge­bung ohne­hin gezwun­gen ist. Wenn ein Rechts­be­reich in natio­na­le Kom­pe­tenz fällt, dann sol­len Whist­leb­lower, die etwa über Miss­stän­de im Gesund­heits­we­sen auf­klä­ren, kei­ner­lei Schutz erhal­ten. Offen­sicht­lich sieht die CDU im Whist­leb­lower-Schutz kei­nen Dienst an der Gesell­schaft, son­dern aus­schließ­lich eins: eine Gefahr für die Inter­es­sen von Unter­neh­men…” Bei­trag von Julia Reda vom 27. April 2020 bei hei­se online externer Link
  • Inter­es­sen­ver­tre­ter gegen Whist­leb­lo­wer­schutz 
    “Am 16. Dezem­ber 2019 wur­de die Richt­li­nie zum Schutz von Per­so­nen, die Ver­stö­ße gegen das Uni­ons­recht mel­den – EU 2019/​1937 (Whist­leb­lo­wer­schutz-Richt­li­nie) ver­ab­schie­det, die bis Ende 2021 von den Mit­glied­staa­ten in natio­na­les Recht umge­setzt wer­den muss. Whist­leb­lower-Netz­werk berich­te­te mehr­fach. Das feder­füh­ren­de Jus­tiz­mi­nis­te­ri­um (BMJV), das dem Ver­neh­men nach Ende die­ses Som­mers einen ers­ten Gesetz­ent­wurf vor­le­gen will, hat unlängst im Rah­men der Res­sort­ab­stim­mung ein „Eckpunkte“-Papier ans Wirt­schafts­mi­nis­te­ri­um (BMWi) wei­ter­ge­lei­tet. Dort wur­den grund­sätz­li­che Über­le­gun­gen des BMJV kom­men­tar­los gestri­chen. Jetzt ist das Papier nur noch halb so lang. Wenn­gleich das „Eckpunkte“-Papier des BMJV mit sei­nen ledig­lich vier Sei­ten nur weni­ge bei der Umset­zung ent­schei­den­de Punk­te in meist kur­so­ri­scher Wei­se anspricht, wur­den doch eini­ge zen­tra­le Aspek­te zutref­fend erkannt und bewer­tet. Das gilt vor allem für die u.E. zwin­gend not­wen­di­ge Erwei­te­rung des Anwen­dungs­be­reichs der Richt­li­nie auf natio­na­le Rechts­ver­stö­ße. Wie das BMJV zu Recht aus­führt, ist eine blo­ße 1:1 Umset­zung der Richt­li­nie nicht zu recht­fer­ti­gen und wür­de zu außer­or­dent­li­cher Ungleich­heit und Rechts­un­si­cher­heit füh­ren. Eine sol­che Mini­mal­lö­sung hät­te zur Fol­ge, dass zum Bei­spiel Ver­stö­ße gegen euro­pa­recht­li­che Sicher­heits- und Kon­for­mi­täts­an­for­de­run­gen und ver­brau­cher­schutz­recht­li­che Vor­ga­ben gemel­det wer­den könn­ten, nicht aber – selbst erheb­li­che – Straf­ta­ten. Wie möch­te man einem Whist­leb­lower erklä­ren, war­um er vom Rechts­staat geschützt wird, wenn er Ver­stö­ße gegen euro­päi­sche Pro­dukt­vor­ga­ben mel­det, sich aber nicht auf ein Whist­leb­lower-Schutz­ge­setz beru­fen kann, wenn er ras­sis­ti­sche Gewalt­ta­ten oder schwer­wie­gen­de Pfle­ge­män­gel auf­deckt? Zudem weist das BMJV Papier völ­lig zu Recht dar­auf hin, dass sowohl die meis­ten Whist­leb­lower als auch die ver­ant­wort­li­chen Whist­leb­lowing-Stel­len prak­tisch über­for­dert wären, wenn sie in jedem Ein­zel­fall recher­chie­ren müss­ten, ob ein Rechts­ver­stoß nun bestimm­te euro­pa­recht­li­che Vor­schrif­ten betrifft oder eben nicht. Trotz­dem scheint das BMWi zu mei­nen, dass eine Erwei­te­rung des sach­li­chen Anwen­dungs­be­reichs auf natio­na­le Rechts­ver­stö­ße nicht not­wen­dig sei. Sämt­li­che ein­schlä­gi­gen Pas­sa­gen aus dem Eck­punk­te-Papier wur­den gestri­chen und in ihr Gegen­teil ver­kehrt…” Bei­trag von Anne­gret Fal­ter vom 17. April 2020 beim Whist­leb­lower Netz­werk externer Link
  • Auf­klä­rer unter Ver­dacht. Was Whist­leb­lo­wern und inves­ti­ga­ti­ven Jour­na­lis­tin­nen droht 
    “Vie­le gesell­schaft­li­che Miss­stän­de oder Ver­bre­chen wür­den ohne sie nie auf­ge­deckt. Doch sind Whist­leb­lower wirk­lich aus­rei­chend geschützt? Und wie groß ist das per­sön­li­che und juris­ti­sche Risi­ko für inves­ti­ga­ti­ve Jour­na­lis­tin­nen und Jour­na­lis­ten? Die Pres­se­frei­heit gilt als einer der Grund­pfei­ler der Demo­kra­tie, als vier­te Macht mit Wäch­ter­funk­ti­on. Eine der wich­tigs­ten Quel­len inves­ti­ga­ti­ver Jour­na­lis­ten sind Whist­leb­lower. Als 2011 der deut­sche Bun­des­tag über Whist­leb­lower und den Infor­man­ten­schutz in Betrie­ben debat­tier­te, unter­stell­te der lang­jäh­ri­ge CDU/C­SU-Frak­ti­ons­vor­sit­zen­der Vol­ker Kau­der den Hin­weis­ge­bern „Block­wart-Men­ta­li­tät“. Infor­man­ten wer­den bis heu­te als Ver­rä­ter und Denun­zi­an­ten beschimpft und mit arbeits­recht­li­chen Sank­tio­nen bestraft. Nun soll eine EU-Richt­li­nie Whist­leb­lower in Zukunft bes­ser schüt­zen. Reicht das aus? Wie ist es um die Pres­se­frei­heit bestellt? Und wie ergeht es denen, die sie umset­zen wol­len?” Fea­ture von Char­ly Kow­al­c­zyk vom 28. Janu­ar 2020 beim Deutsch­land­funk Kul­tur externer LinkAudio Datei (Audio­län­ge: 53 Min.) und das Manu­skript externer Link
  • Neue EU-Richt­li­nie „zum Schutz von Per­so­nen, die Ver­stö­ße gegen das Uni­ons­recht mel­den“ 
    Mit­te März die­ses Jah­res konn­ten sich Ver­tre­ter der EU-Mit­glied­staa­ten und des Euro­pa­par­la­ments auf einen Kom­pro­miss über eine Richt­li­nie zum The­ma Hin­weis­ge­ber bzw. „Whist­leb­lower“ eini­gen. Auf die­ser Grund­la­ge hat der Rat am 07.10.2019 die ent­spre­chen­de Richt­li­nie zum Schutz von Hin­weis­ge­bern förm­lich ver­ab­schie­det. Im Wesent­li­chen bringt die Richt­li­nie fol­gen­de Neue­run­gen: Unter­neh­men mit mehr als 50 Beschäf­tig­ten und Gemein­den mit mehr als 10.000 Ein­woh­nern sol­len künf­tig dazu ver­pflich­tet wer­den, sog. Mel­de­ka­nä­le ein­zu­rich­ten (Art.8 der Richt­li­nie). Mit Mel­de­ka­nä­len sind Ansprech­part­ner und Ver­fah­ren gemeint, die Beschäf­tig­ten für inter­ne Hin­wei­se und für Fol­ge­maß­nah­men offen ste­hen (Art.8 Abs.1 der Richt­li­nie), und die die Ver­trau­lich­keit der Per­son des Hin­weis­ge­bers sichern (Art.9 Abs.1 Buch­sta­be a), Art.16 der Richt­li­nie). Inter­ne und exter­ne Mel­de­ka­nä­le ste­hen Hin­weis­ge­bern gleich­be­rech­tigt offen, d.h. es gibt kei­ne Pflicht für Hin­weis­ge­ber, sich zunächst an unter­neh­mens- oder behör­den­in­ter­ne Stel­len zu wen­den. Hin­weis­ge­ber kön­nen „direkt über exter­ne Mel­de­ka­nä­le Mel­dung erstat­ten“ (Art.10 der Richt­li­nie). Der per­sön­li­che Schutz­be­reich der Richt­li­nie umfasst alle Hin­weis­ge­ber, die im pri­va­ten oder im öffent­li­chen Sek­tor tätig sind und im Zusam­men­hang mit ihrem Beruf Infor­ma­tio­nen über Ver­stö­ße erlangt haben (Art.4 der Richt­li­nie). Aus­drück­lich geschützt sind neben Arbeit­neh­mern auch Beam­te, Frei­wil­li­ge, Prak­ti­kan­ten, Anteils­eig­ner sowie Organ­mit­glie­der juris­ti­scher Per­so­nen. (…) Ein Kern­stück der Neu­re­ge­lung ist der Schutz von Hin­weis­ge­bern, d.h. das Ver­bot von Repres­sa­li­en (Art.19). Die EU-Staa­ten müs­sen dafür sor­gen, dass Hin­weis­ge­ber vor Kün­di­gun­gen, Her­ab­stu­fun­gen, Auf­ga­ben­ent­zug, nega­ti­ven Leis­tungs­be­ur­tei­lun­gen und ande­ren Straf­maß­nah­men geschützt sind. Außer­dem müs­sen die Mit­glied­staa­ten auch „unter­stüt­zen­de Maß­nah­men“ zuguns­ten von Hin­weis­ge­bern ergrei­fen. Die Richt­li­nie muss von den Mit­glied­staa­ten inner­halb von zwei Jah­ren nach Inkraft­tre­ten umge­setzt wer­den (Art.26 Abs.1 der Richt­li­nie).” Hen­sche-Update Arbeits­recht 02|2019 vom 16.10.2019 externer Link, sie­he dazu:
  • Brei­te Mehr­heit: EU-Par­la­ment beschließt gesetz­li­chen Schutz für Whist­leb­lower /​ers­te Kom­men­ta­re 
    “… Men­schen, die Miss­stän­de wie Kor­rup­ti­on oder Steu­er­hin­ter­zie­hung mel­den möch­ten, sol­len künf­tig recht­li­chen Schutz etwa vor dem Ver­lust ihres Arbeits­plat­zes genie­ßen. Grund­sätz­lich sieht die Richt­li­nie ein drei­stu­fi­ges Ver­fah­ren vor. Infor­man­ten sol­len zunächst eine unter­neh­mens- oder behör­den­in­ter­ne Stel­le über die Miss­stän­de unter­rich­ten. Hilft das nicht, soll eine öffent­li­che Auf­sichts­be­hör­de ein­ge­schal­tet wer­den. Erst in letz­ter Instanz kön­nen sie sich an die Öffent­lich­keit wen­den. Das EU-Par­la­ment hat in den Ver­hand­lun­gen mit den Mit­glied­staa­ten aller­dings weit­rei­chen­de Aus­nah­me­re­ge­lun­gen von die­sem Sys­tem durch­ge­setzt. So wird der Weg über inter­ne Kanä­le nur vor­ge­schrie­ben, wenn das Pro­blem tat­säch­lich auf die­sem Weg gelöst wer­den kann. Auch wenn der Hin­weis­ge­ber etwa Ver­gel­tungs­maß­nah­men durch Vor­ge­setz­te ris­kiert, darf er sich direkt an eine zustän­di­ge Behör­de wen­den. In bestimm­ten Fäl­len sind Hin­weis­ge­ber künf­tig auch recht­lich geschützt, wenn sie sich direkt an die Öffent­lich­keit wen­den, etwa mit­tels der Medi­en. Als Bei­spiel für ein sol­ches Sze­na­rio nann­te die EU-Kom­mis­si­on eine Situa­ti­on, in der “die betref­fen­den Behör­den und der Straf­tä­ter Abspra­chen getrof­fen haben”…” Agen­tur­mel­dung vom 16.4.2019 bei RP online externer Link, sie­he dazu
    • Deutsch­land braucht ein umfas­sen­des Hin­weis­ge­ber­schutz­ge­setz 
      Trans­pa­ren­cy Inter­na­tio­nal Deutsch­land e.V. und Whist­leb­lower-Netz­werk e.V. begrü­ßen die heu­ti­ge Ver­ab­schie­dung der „Richt­li­nie zum Schutz von Per­so­nen, die Ver­stö­ße gegen das Uni­ons­recht mel­den“ durch das Euro­päi­schen Par­la­ment in Straß­burg. Damit wird eine Har­mo­ni­sie­rung des Hin­weis­ge­ber­schut­zes in den EU-Mit­glied­staa­ten ange­strebt. Für vie­le Län­der, dar­un­ter Deutsch­land, bedeu­tet die Richt­li­nie deut­li­che Ver­bes­se­run­gen der bestehen­den Schutz­vor­schrif­ten. (…) In Bezug auf die nun anste­hen­de Umset­zung der Richt­li­nie in deut­sches natio­na­les Recht erwar­ten Trans­pa­ren­cy Deutsch­land und das Whist­leb­lower-Netz­werk Ver­bes­se­run­gen, die über die Richt­li­nie hin­aus das Schutz­ni­veau für Whist­leb­lower erhö­hen. Die neue Richt­li­nie bezieht sich nur auf das EU-Recht. Blie­be es dabei, müss­te ein poten­ti­el­ler Whist­leb­lower wis­sen und ent­schei­den kön­nen, ob sei­ne Infor­ma­ti­on im kon­kre­ten Fall zuläs­sig und damit geschützt ist. Natio­na­le Rege­lungs­be­rei­che müs­sen drin­gend ein­be­zo­gen wer­den. (…) Die Richt­li­nie befreit den Whist­leb­lower vom bis­he­ri­gen Zwang, einen Miss­stand zuerst betriebs- oder behör­den­in­tern zu mel­den. Es stellt ihm oder ihr frei, sich direkt an eine auf natio­na­ler Ebe­ne zu schaf­fen­de „zustän­di­ge Stel­le“ zu wen­den. Die natio­na­len Regie­run­gen sol­len den Whist­leb­lower ledig­lich „ermu­ti­gen“, zuerst inter­ne Kanä­le zu nut­zen. Es muss über die Vor­tei­le und Nut­zungs­mög­lich­kei­ten inter­ner Hin­weis­ge­ber­sys­te­me umfas­send infor­miert wer­den, ohne den Ent­schei­dungs­spiel­raum der Arbeit­neh­mer im kon­kre­ten Fall direkt oder indi­rekt ein­zu­schrän­ken…” Pres­se­mit­tei­lung vom 17. April 2019 von und bei Whist­leb­lower-Netz­werk externer Link
    • Whist­leb­lower-Netz­werk: Zustim­mung für neue EU-Regeln
      Die Geschäfts­füh­re­rin des Whist­leb­lower-Netz­werks, Fal­ter, hat die neu­en EU-Rege­lun­gen für Infor­man­ten begrüßt. Das Euro­päi­sche Par­la­ment habe sich sehr bemüht, Mei­nungs­frei­heit und Trans­pa­renz zu stär­ken, sag­te Fal­ter im Deutsch­land­funk. Es sei wich­tig, dass damit Ver­gel­tungs­maß­nah­men gegen­über Whist­leb­lo­wern ein Rie­gel vor­ge­scho­ben wor­den sei. Zudem könn­ten Arbeit­neh­mer nun wäh­len, ob sie Misstän­de in ihrer Fir­ma oder direkt bei Behör­den mel­de­ten…” Mel­dung vom 17. April 2019 beim Deutsch­land­funk externer Link
  • Etap­pen­sieg in Brüs­sel für Whist­leb­lower und Journalist*innen
    “… Die EU-Richt­li­nie zum Whist­leb­lower-Schutz wird erst am 17. April, sozu­sa­gen last minu­te vor den Wah­len, vom EP ver­ab­schie­det. (…) Die Grü­nen/E­FA-Frak­ti­on und die Bericht­erstat­te­rin im EP hat­ten sich wäh­rend der zähen Ver­hand­lun­gen in bei­spiel­haf­ter Wei­se gegen die­se Bevor­mun­dung der Arbeit­neh­mer gewehrt. Dabei hat­ten sie die Unter­stüt­zung von über 80 wohl­in­for­mier­ten euro­päi­schen NGOs. „Dies­mal hat sich Aus­dau­er und Unnach­gie­big­keit in der poli­ti­schen Aus­ein­an­der­set­zung nicht nur für die enga­gier­ten Par­la­men­ta­ri­er und zivil­ge­sell­schaft­li­chen Grup­pen, son­dern für die gan­ze Gesell­schaft aus­ge­zahlt“, sagt Anne­gret Fal­ter, Vor­sit­zen­de von Whist­leb­lower-Netz­werk. „Whist­leb­lower kön­nen Rechts­brü­che, Miss­stän­de und Gefah­ren von nun an direkt bei den Straf­ver­fol­gungs- oder Auf­sichts­be­hör­den mel­den. Da prüft dann nicht der Vor­ge­setz­te oder Dienst­herr den Tat­be­stand, son­dern der Staats­an­walt. Damit ist die Infor­ma­ti­on noch lan­ge nicht öffent­lich. Aber der unter­neh­mens- und behör­den­in­ter­ne Dunst aus Geheim­hal­tung und Ver­schwie­gen­heits­pflicht kann das Ver­ant­wor­tungs­be­wusst­sein von Whist­leb­lo­wern nicht mehr im Keim ersti­cken.“ Nach dem Tau­zie­hen um den Regie­rungs­ent­wurf zum Schutz von Geschäfts­ge­heim­nis­sen bleibt auch die Umset­zung die­ser Richt­li­nie in deut­sches Recht genau zu beob­ach­ten und ggf. zu kor­ri­gie­ren.” Mel­dung von Anne­gret Fal­ter vom 18. März 2019 beim Whistel­blower Netz­werk e.V. externer Link
  • Eini­gung: Whist­leb­lower erhal­ten bes­se­ren Schutz in der EU 
    Whist­leb­lower sol­len in der EU künf­tig ein­heit­li­chen Schutz genie­ßen. Eine inter­ne Mel­de­pflicht gibt es für Hin­weis­ge­ber dabei nicht. Hin­weis­ge­ber zu Skan­da­len wie den Pana­ma-Papers, Cam­bridge Ana­ly­ti­ca oder Foot­ball-Leaks wer­den in der EU künf­tig bes­ser geschützt. Unter­händ­ler der EU-Staa­ten und des Euro­pa­par­la­ments einig­ten sich in der Nacht zum Diens­tag in Straß­burg auf EU-wei­te Min­dest­stan­dards zum Schutz von soge­nann­ten Whist­leb­lo­wern. “Hin­weis­ge­ber tun das Rich­ti­ge für die Gesell­schaft und soll­ten von uns geschützt wer­den, damit sie dafür nicht bestraft, ent­las­sen, degra­diert oder vor Gericht ver­klagt wer­den”, sag­te EU-Kom­mis­si­ons­vi­ze­prä­si­dent Frans Tim­mer­mans (…) Die nun getrof­fe­ne Eini­gung ver­pflich­tet Whist­leb­lower jedoch nicht, sich als ers­tes an eine Stel­le in ihrem eige­nen Unter­neh­men zu wen­den. Unter­neh­men mit mehr als 50 Mit­ar­bei­tern müs­sen eine sol­che Stel­le zwar ein­rich­ten. Die Hin­weis­ge­ber kön­nen sich aber auch an eine zustän­di­ge Behör­de wen­den. Das Par­la­ment hat­te sich für mehr Wahl­frei­heit in der Fra­ge des Mel­de­we­ges ein­ge­setzt. In bestimm­ten Fäl­len kann der Whist­leb­lower auch direkt an die Öffent­lich­keit gehen, bei­spiels­wei­se über die Medi­en. Dies könn­te der Fall sein, wenn die Behör­den nicht ange­mes­sen auf einen gemel­de­ten Miss­stand reagie­ren, das öffent­li­che Inter­es­se gefähr­det oder das Mel­den an die Behö­ren kei­ne Opti­on ist. Letz­te­res könn­te etwa der Fall sein, wenn die betrof­fe­ne Behör­de und der Straf­tä­ter Abspra­chen getrof­fen haben. (…) Die neu­en Regeln sol­len Whist­leb­lower außer­dem vor Kün­di­gun­gen und ande­ren Repres­sa­li­en durch ihre Arbeit­ge­ber schüt­zen. Zudem sol­len sie in mög­li­chen Gerichts­ver­fah­ren unter­stützt wer­den. Anwen­dung fin­det das Gesetz unter ande­rem bei Ver­stö­ßen gegen EU-Recht im Bereich der Geld­wä­sche, der Unter­neh­mens­be­steue­rung, beim Daten­schutz, bei der Lebens­mit­tel- und Pro­dukt­si­cher­heit, beim Umwelt­schutz und der nuklea­ren Sicher­heit. Jedes Land kann die Regeln aber auf ande­re Fel­der aus­wei­ten. (…) EU-Staa­ten und das Par­la­ment müs­sen die Eini­gung aus der Nacht vom Diens­tag noch for­mell bestä­ti­gen. Anschlie­ßend haben die Län­der rund zwei Jah­re Zeit, die neu­en Regeln in natio­na­les Recht umzu­wan­deln.” Arti­kel von Fried­helm Greis vom 12. März 2019 bei Golem externer Link
  • Whist­leb­lo­wer­schutz aus­ge­bremst: EU-Kom­mis­si­on will Hin­weis­ge­ber stär­ken, aber Unter­neh­men gleich­zei­tig scho­nen – Bun­des­re­gie­rung zieht mit
    “Der luxem­bur­gi­sche Staat hat jah­re­lang sys­te­ma­tisch Abspra­chen mit Kon­zer­nen getrof­fen, damit die­se ihre Steu­er­leis­tun­gen deut­lich sen­ken konn­ten. Das war die wich­tigs­te Erkennt­nis der soge­nann­ten Lux­leaks im Jahr 2014. Infol­ge der Ent­hül­lun­gen ver­don­ner­te die EU-Kom­mis­si­on meh­re­re Unter­neh­men dazu, Steu­ern in Mil­lio­nen­hö­he nach­zu­zah­len. All dies war mög­lich, weil sich zwei Mit­ar­bei­ter einer Steu­er­be­ra­tungs­fir­ma mit Insi­der-Infor­ma­tio­nen an die Öffent­lich­keit gewandt hat­ten. Die Fran­zo­sen Antoi­ne Del­tour und Raphaël Halet deck­ten mil­li­ar­den­schwe­ren Steu­er­be­trug auf, stan­den anschlie­ßend jedoch jah­re­lang wegen Daten­dieb­stahls und Wei­ter­ga­be von Geschäfts­ge­heim­nis­sen vor Gericht. Del­tour und Halet sind soge­nann­te Whist­leb­lower. Ihre Geschich­te rück­te die Rol­le von Hin­weis­ge­bern in den Fokus der euro­päi­schen Poli­tik. Die EU-Kom­mis­si­on brach­te im April 2018 ein Gesetz­ge­bungs­ver­fah­ren in Gang, um Men­schen, die schwer­wie­gen­de Miss­stän­de in Orga­ni­sa­tio­nen, Unter­neh­men oder Behör­den mel­den möch­ten, recht­li­chen Schutz zu gewäh­ren. Jetzt steht das Ver­fah­ren kurz vor dem Abschluss, doch am gegen­wär­ti­gen Ent­wurf schei­den sich die Geis­ter. (…) Unter ande­rem die Gewerk­schaf­ten kri­ti­sie­ren den drei­stu­fi­gen Ansatz der Kom­mis­si­on und der Mit­glied­staa­ten hef­tig: So wür­de den Unter­neh­men Gele­gen­heit gege­ben, »ihr Fehl­ver­hal­ten zu ver­tu­schen und Whist­leb­lower zum Schwei­gen zu brin­gen«, befürch­tet Esther Lynch vom euro­päi­schen Gewerk­schafts­bund ETUC. Anne­lie Bun­ten­bach, Vor­stands­mit­glied des Deut­schen Gewerk­schafts­bun­des, for­dert »drin­gend eine Kor­rek­tur der Ver­hand­lungs­po­si­ti­on« der Mit­glied­staa­ten und der Bun­des­re­gie­rung. Noch dra­ma­ti­scher fällt das Urteil der Whist­leb­lower Del­tour und Halet aus: Soll­te die aktu­el­le Posi­ti­on ange­nom­men wer­den, »wer­den künf­ti­ge Whist­leb­lower in Euro­pa genau­so viel lei­den wie wir – wenn nicht sogar mehr«, war­nen sie in einem Brief zusam­men mit wei­te­ren Hin­weis­ge­bern an die Ver­hand­lungs­füh­rer der EU.” Bei­trag von Peter Eßer bei neu­es Deutsch­land vom 10. März 2019 externer Link
  • Kri­tik: Geplan­te EU-Whist­leb­lower-Richt­li­nie birgt hohe Risi­ken für Hin­weis­ge­ber
    “Am Mon­tag tre­ten die Ver­hand­lun­gen für eine Whist­leb­lower-Richt­li­nie in der Euro­päi­schen Uni­on in die abschlie­ßen­de Pha­se. Auf einer letz­ten Ver­hand­lungs­sit­zung sol­len dann Ver­tre­ter des Euro­päi­schen Par­la­ments, des Rats und der Kom­mis­si­on einen fina­len Ent­wurf ver­han­deln, der noch vor den euro­päi­schen Par­la­ments­wah­len im Mai ver­ab­schie­det wer­den soll. Der aktu­el­le Ent­wurf sieht einen drei­stu­fi­gen Mel­de­weg vor: Whist­leb­lower in Unter­neh­men, Behör­den und Orga­ni­sa­tio­nen müs­sen dem­nach zunächst intern Alarm schla­gen, bevor sie sich an Bür­ger­be­auf­trag­te wen­den oder Straf­an­zei­ge stel­len. Erst in einem letz­ten Schritt sei der Gang an die Öffent­lich­keit über Jour­na­lis­ten oder Medi­en legi­tim. Wie aus Ver­hand­lungs­un­ter­la­gen der Bun­des­re­gie­rung, die hei­se online vor­lie­gen, her­vor­geht, ent­spricht dies der deut­schen Posi­ti­on. In meh­re­ren ande­ren euro­päi­schen Mit­glied­staa­ten sehen Whist­leb­lower-Geset­ze wesent­lich freie­re und effi­zi­en­te­re Rege­lun­gen vor. Der Euro­päi­sche Gerichts­hof für Men­schen­rech­te schreibt in sei­ner stän­di­gen Recht­spre­chung kein Stu­fen­mo­dell der inter­nen-exter­nen Mel­de­we­ge vor. Er über­lässt die Ent­schei­dung dem Arbeit­neh­mer bezie­hungs­wei­se der Arbeit­neh­me­rin. (…) Mit die­sem Mel­de­weg wer­de der Erst­zu­griff der betrof­fe­nen Unter­neh­men und Behör­den auf bri­san­te Infor­ma­tio­nen gesi­chert und sei “die höchs­te Hür­de für öffent­li­che Auf­klä­rung”. Aus Sicht des Whist­leb­lower Netz­werks unter­stellt der Richt­li­ni­en­ent­wurf dem Hin­weis­ge­ber nie­de­re Moti­ve, wenn er zunächst auf dem inter­nen Mel­de­weg besteht. (…). Über­dies ermög­lich­ten die inter­nen Berich­te es bös­wil­li­gen Arbeit­ge­bern, die Jus­tiz zu behin­dern. Der EU-Ent­wurf sehe näm­lich eine drei­mo­na­ti­ge Frist vor, in der die­se dann ihre Ver­tu­schung per­fek­tio­nie­ren und den Hin­weis­ge­ber dis­kre­di­tie­ren könn­ten. Die Rege­lun­gen zum Schutz der Hin­weis­ge­ber mach­ten damit das Whist­leb­lowing “gefähr­li­cher” und “unwahr­schein­li­cher”.” Kri­tik von Chris­tia­ne Schulz­ki-Had­dou­ti vom 9. März 2019 bei hei­se online externer Link
  • Appell an die EU 
    Die Ver­hand­lun­gen zur Whist­leb­lower-Richt­li­nie in Brüs­sel tre­ten in ihre ent­schei­den­de Pha­se. Vor der mut­maß­lich letz­ten Ver­hand­lungs­sit­zung am Mon­tag, den 4.3.2019, rich­te­te Whist­leb­lower-Netz­werk e.V. noch­mals einen Appell an die Vertreter*innen der drei EU-Insti­tu­tio­nen, kei­ne fixe Stu­fen­re­ge­lung bei den Mel­de­we­gen für Hinweisgeber*innen zu ver­ein­ba­ren. „Die obli­ga­to­ri­sche inter­ne Bericht­erstat­tung ist eine Per­ver­si­on der Idee des Whist­leb­lowing und ein Schlag ins Gesicht aller Arbeiternehmer*innen. Die Grund­an­nah­me dahin­ter ist, dass die­se beab­sich­ti­gen, der Orga­ni­sa­ti­on, für die sie arbei­ten und von der sie abhän­gig sind, Scha­den zuzu­fü­gen – und dass sie zudem nicht über ein aus­rei­chen­des Urteils­ver­mö­gen ver­fü­gen, um die rich­ti­ge Ent­schei­dung für den geeig­ne­ten Bericht­erstat­tungs­ka­nal zu tref­fen.“ Der offe­ne Brief an die Rumä­ni­sche Rats­prä­si­dent­schaft, den Vize-Kom­mis­si­ons­prä­si­den­ten Frans Tim­mer­mans, Jus­tiz­kom­mis­sa­rin Věra Jou­ro­vá, sowie die zustän­di­ge Bericht­erstat­te­rin des EU-Par­la­ments, Vir­gi­nie Roziè­re, kann hier ein­ge­se­hen wer­den: Appell to EU…” Bei­trag von Anne­gret Fal­ter vom 4. März 2019 beim Whist­leb­lower-Netz­werk externer Link zum Appell externer Link
  • Whist­leb­lower: Die Lüge vom deut­schen Sau­ber­mann 
    “… Es passt so gar nicht zum Law-and-Order-Ver­ständ­nis vie­ler Deut­scher, ist aber lei­der so: Wir sind nicht so geset­zes­treu, wie das Image des peni­blen Deut­schen es eigent­lich vor­sieht. Unse­re nam­haf­tes­ten Kon­zer­ne schei­ter­ten kra­chend an Recht, Gesetz und Anstand und vie­le ande­re auch. Kor­rup­ti­on bei DFB und FIFA, gepansch­te Krebs­me­di­ka­men­te in der Apo­the­ke, Ekel­fleisch in Wurst und Döner, Mil­li­ar­den Euro in Steu­er­oa­sen. Und so wei­ter. Die Die­sel­saue­rei­en bezah­len Kin­der mit ver­küm­mer­ten Lun­gen und Auto­be­sit­zer mit hohen Wert­ver­lus­ten, die Pro­fit­gier in der Apo­the­ke ließ Krebs­kran­ke ver­geb­lich auf Hei­lung hof­fen, die Unfä­hig­keit der Deut­schen Bank, Geset­ze ein­zu­hal­ten, kos­te­te auch Klein­ak­tio­nä­re und Rent­ner unterm Strich Mil­li­ar­den. Die ent­gan­ge­nen Steu­er­mil­li­ar­den von Steu­er­flüch­ti­gen feh­len im Bun­des­haus­halt. Aber, auch das gilt für die erwähn­ten Bei­spie­le: Es gab immer ein paar Auf­rech­te in Unter­neh­men oder Ban­ken, die vor den Umtrie­ben warn­ten oder sie spä­ter ent­hüll­ten, muti­ge Hin­weis­ge­ber also, auch Whist­leb­lower genannt. Deut­sche Staats­an­wäl­te räu­men ein, dass sie ohne sol­che Whist­leb­lower nicht nur vie­le Ver­bre­chen in Unter­neh­men nicht auf­klä­ren könn­ten – sie wür­den sie oft noch nicht mal ent­de­cken. Denn anders als etwa bei Gewalt­ver­bre­chen sind die Tat­waf­fen der Wirt­schafts­kri­mi­na­li­tät oft kaum auf­zu­spü­ren, sind ver­trau­li­che E‑Mails, tief ver­bor­gen im Fir­men­ar­chiv, oder gut getarn­te Buchun­gen auf aus­län­di­schen Kon­ten. Das vor­aus­ge­schickt, kom­men wir zur Gret­chen­fra­ge: Wie hält es wohl Bun­des­jus­tiz­mi­nis­te­rin Kata­ri­na Bar­ley mit den Whist­leb­lo­wern, den Hel­den einer sau­be­ren, effi­zi­en­ten Wirt­schaft?. (…) Die EU hat unlängst einen höhe­ren Schutz von Fir­men­ge­heim­nis­sen beschlos­sen. Die­se neue Richt­li­nie sieht vor, dass selbst Rechts­ver­stö­ße von Mana­gern ein Fir­men­ge­heim­nis sein kön­nen, das Mit­ar­bei­ter nicht aus­plau­dern dür­fen. Die­se Ein­schrän­kung vor Arbeit­neh­mer­rech­ten, von Whist­leb­lo­wern und nicht zuletzt von Medi­en, die über sol­che Fäl­le berich­ten möch­ten, hat die EU zustan­de gebracht. Die lan­ge über­fäl­li­ge Richt­li­nie für einen bes­se­ren Schutz von Whist­leb­lo­wern dage­gen könn­te in die­sen Tagen ster­ben, und das vor allem wegen der Gegen­wehr der deut­schen Jus­tiz­mi­nis­te­rin…” Kom­men­tar von Mar­tin Sei­wert vom 1. März 2019 bei der Wirt­schafts­Wo­che online externer Link
  • Pres­se­frei­heit: Augen zu und durch 
    “… Wie konn­te es so weit kom­men, dass ein Gesetz zu einer Hän­ge­par­tie wird, weil sich Minis­te­ri­um und Par­la­men­ta­ri­er nicht über den Schutz von Whist­leb­lo­wern und Jour­na­lis­ten einig wer­den? Die Fra­ge ist nicht nur für die SPD und ihre Hoff­nungs­trä­ge­rin, Kata­ri­na Bar­ley, inter­es­sant, son­dern für alle Bür­ger. Denn im Kern wird mit die­sem Gesetz die Pres­se­frei­heit, ein Grund­pfei­ler der Demo­kra­tie, neu ver­han­delt. Und es zeigt, wie ein Gesetz fast unbe­merkt durch­ge­wun­ken wor­den wäre. Um zu ver­ste­hen, war­um auch die Abge­ord­ne­ten erst spät im Gesetz­ge­bungs­ver­fah­ren auf­wa­chen, war­um das Minis­te­ri­um hart bleibt, ist CORRECTIV in den Maschi­nen­raum der Demo­kra­tie gestie­gen. Wir waren bei öffent­li­chen sowie ver­trau­li­chen Sit­zun­gen dabei und haben die unbe­ob­ach­te­ten Pha­sen rekon­stru­iert, in denen Geset­ze geplant wer­den. Wir haben beob­ach­tet, wie sich eine Minis­te­ri­al­bü­ro­kra­tie ver­selbst­stän­di­gen kann – wenn eine Minis­te­rin die Bri­sanz eines The­mas nicht erkennt, kei­ne eige­ne Posi­ti­on ent­wi­ckelt und zudem Pech mit dem Timing hat. (…) CORRECTIV ist durch ein Ermitt­lungs­ver­fah­ren selbst unmit­tel­bar vom The­ma betrof­fen. Die Ham­bur­ger Staats­an­walt­schaft ermit­telt gegen COR­REC­TIV-Chef­re­dak­teur Oli­ver Schröm wegen „Anstif­tung zum Ver­rat von Geschäfts- und Betriebs­ge­heim­nis­sen“. Eine Schwei­zer Pri­vat­bank hat­te ihn ange­zeigt…” Report über die Ent­ste­hung eines Geset­zes von Jus­tus von Dani­els und Jona­than Sach­se vom 28. Febru­ar 2018 bei CORRECTIV externer Link
  • Neue Richt­li­nie: War­um Bun­des­re­gie­rung und EU-Par­la­ment über Whist­leb­lower strei­ten 
    “Insi­der, die Miss­stän­de in ihren Kon­zer­nen und Orga­ni­sa­tio­nen offen­le­gen, sol­len geschützt wer­den. Doch wie weit der Schutz gehen soll – dar­über gibt es Streit zwi­schen Bun­des­re­gie­rung und EU-Par­la­ment. (…) Der Streit mit dem Euro­päi­schen Par­la­ment ent­zün­det sich am soge­nann­ten drei­stu­fi­gen Mel­de­ver­fah­ren: Dem­nach sol­len Whist­leb­lower zuerst ein­mal unter­neh­mens­in­ter­ne Kanä­le für ihre Beschwer­den nut­zen. Bleibt dies drei Mona­te lang erfolg­los, sol­len sie sich an Behör­den wie die Staats­an­walt­schaft wen­den dür­fen. Und erst wenn auch das zu kei­nem Ergeb­nis führt, soll es ihnen erlaubt sein, sich an die Öffent­lich­keit zu wen­den. Deutsch­land, Frank­reich sowie drei wei­te­re Staa­ten machen die­ses drei­stu­fi­ge Ver­fah­ren zur Vor­aus­set­zung für ihre Zustim­mung. Das EU-Par­la­ment will es Whist­leb­lo­wern dage­gen selbst über­las­sen, wie sie Miss­stän­de mel­den. (…) Im EU-Par­la­ment gibt es auch Kri­tik dar­an, dass der Whist­leb­lower-Schutz nur dann grei­fen soll, wenn es um Ver­stö­ße gegen euro­päi­sche Geset­ze geht. Damit blie­be alles, was dem öffent­li­chen Inter­es­se scha­det, streng genom­men aber noch nicht ille­gal ist oder in einer Grau­zo­ne liegt, außen vor – etwa frag­wür­di­ge Steu­er­tricks, mit denen Fir­men oder Ein­zel­per­so­nen ihre Steu­er­last her­un­ter rech­nen. “Ein sol­ches Ver­hal­ten mag unmo­ra­lisch sein”, sagt eine Spre­che­rin der Kom­mis­si­on dazu, “aber in einer Richt­li­nie kön­nen wir uns nur auf die Rechts­la­ge bezie­hen.” Fehl­ver­hal­ten von Ein­zel­per­so­nen bleibt im Ent­wurf der Kom­mis­si­on ganz unbe­rück­sich­tigt. Er soll nur für Unter­neh­men mit min­des­tens 50 Beschäf­tig­ten und einem Jah­res­um­satz von mehr als zehn Mil­lio­nen Euro gel­ten. Und auch für Behör­den gibt es eine Ober­gren­ze: Alle Gemein­den mit weni­ger als 10.000 Ein­woh­nern sol­len vom Whist­leb­lower-Schutz aus­ge­nom­men blei­ben…” Arti­kel von Mar­kus Becker und Chris­ti­an Teevs vom 27. Febru­ar 2019 beim Spie­gel online externer Link
  • Brüs­sel vor der Gret­chen­fra­ge: Sind nur Unter­neh­mens-Inter­na oder auch Whist­leb­lower schutz­be­dürf­tig?
    “Auf die­se Fra­ge muss der Euro­päi­sche Rat jetzt schnell sei­ne Ant­wort geben. Die Mit­glieds­staa­ten müs­sen sich auf ein­heit­li­che Min­dest­stan­dards zum Whist­leb­lo­wer­schutz ver­stän­di­gen, um in den Tri­log mit Kom­mis­si­on und dem EP ein­tre­ten zu kön­nen. Ein gemein­sa­mer Ent­wurf der geplan­ten „Richt­li­nie zum Schutz von Per­so­nen, die Ver­stö­ße gegen das Uni­ons­recht mel­den“ soll­te dem Par­la­ment im Febru­ar vor­lie­gen, damit ein har­mo­ni­sier­ter Whist­leb­lo­wer­schutz recht­zei­tig vor den Euro­pa­wah­len im Mai vom gegen­wär­ti­gen EP noch beschlos­sen wer­den kann. Anne­gret Fal­ter, Vor­sit­zen­de von Whist­leb­lower-Netz­werk, mahnt ange­sichts gras­sie­ren­der EU-Ver­dros­sen­heit zu einem kla­ren Signal an die euro­päi­schen Bür­ge­rin­nen und Bür­ger: „Es grenz­te an eine demo­kra­ti­sche Bank­rott­erklä­rung der natio­na­len Regie­rungs-Par­tei­en, wenn sie der Zivil­ge­sell­schaft im anste­hen­den Wahl­kampf erklä­ren müss­ten, dass Whist­leb­lower in Euro­pa auch wei­ter­hin unzu­rei­chend geschützt sind, wäh­rend der Schutz von Geschäfts­ge­heim­nis­sen (RL 2016/​943) aus­ge­wei­tet wur­de. Mei­nungs- und Infor­ma­ti­ons­frei­heit, Trans­pa­renz und Rechen­schafts­pflicht wären dem­nach zweit­ran­gig.“ (…) In Deutsch­land herrscht beim Whist­leb­lo­wer­schutz noch immer das tra­di­tio­nell arbeit­ge­ber­freund­li­che Rich­ter­recht, nur punk­tu­ell ergänzt durch sek­to­ra­le Geset­ze. Das bedeu­tet eine unzu­mut­ba­re Rechts­un­si­cher­heit für poten­ti­el­le Whist­leb­lower. Ein hori­zon­ta­les Gesetz muss hier end­lich mehr Klar­heit schaf­fen…” Bei­trag von Anne­gret Fal­ter vom 10. Janu­ar 2019 beim Whist­leb­lower-Netz­werk externer Link
  • Wei­te­re Stär­kung der Rech­te von Whist­leb­lo­wern in Euro­pa ange­strebt
    Am 20.11.2018 hat im Rechts­aus­schuss (JURI) des EU-Par­la­ments eine ers­te ent­schei­den­de Abstim­mung über den Richt­li­ni­en-Ent­wurf zum Whist­leb­lower-Schutz statt­ge­fun­den. (…) Hier die wich­tigs­ten Ände­run­gen gegen­über dem ursprüng­li­chen Ent­wurf der Kom­mis­si­on (…) – Hür­den für öffent­li­ches Whist­leb­lowing wur­den deut­lich gesenkt. – Ein Recht auf anony­mes Whist­leb­lowing wird aus­drück­lich erwähnt. – Auch für Jour­na­lis­ten wur­de ein Mehr an Sicher­heit geschaf­fen. Das wäre (bei Über­nah­me in deut­sches Recht) wich­tig gera­de auch in Anbe­tracht der neue­ren deut­schen Sicher­heits­ge­set­ze, z.B. des Daten­heh­le­rei-Para­gra­phen §202d StGB. Gene­rell wer­den Unter­stüt­zer (natür­li­che Per­so­nen) von Whist­leb­lo­wern in den Schutz­be­reich des Geset­zes ein­be­zo­gen.- Der auf Tei­le des Uni­ons­rechts beschränk­te Anwen­dungs­be­reich des Geset­zes wur­de u.a. um Arbeit­neh­mer­rech­te erwei­tert. Nun wird es dar­auf ankom­men, dass der vor­lie­gen­de Ent­wurf in den kom­men­den Ver­hand­lun­gen auf EU-Ebe­ne und ins­be­son­de­re bei der dann fol­gen­den Über­nah­me in deut­sches Recht nicht wie­der ver­wäs­sert wird…” Pres­se­mit­tei­lung von Anne­gret Fal­ter vom Whist­leb­lower Netz­werk vom 22. Novem­ber 2018 externer Link. Die ver­ein­bar­ten Kom­pro­miss­for­mu­lie­run­gen fin­den man ab S. 95 des eng­li­schen Doku­ments vom Com­mit­tee On Legal Affairs vom 19. Novem­ber 2018 externer Link
  • EU-Richt­li­nie zum Schutz von Whist­leb­lo­wern “Kaum Hil­fe für die Snow­dens von mor­gen” 
    “… Nun hat die EU-Kom­mis­si­on am 23. April 2018 einen Geset­zes­ent­wurf vor­ge­legt, der einen Weg aus der bis­her abso­lut unein­heit­li­chen Geset­zes­la­ge inner­halb der EU wei­sen könn­te. Der Anwen­dungs­be­reich der vor­ge­schla­ge­nen Neu­re­ge­lung ist aller­dings beschränkt. Denn geschützt wird bes­ten­falls die Mel­dung von Ver­stö­ßen gegen Uni­ons­recht und auch dies nur in bestimm­ten Berei­chen. Immer­hin besteht die Hoff­nung, dass die For­mu­lie­rung von Min­dest­stan­dards zum Schutz von Whist­leb­lo­wern auf euro­päi­scher Ebe­ne auch ein Signal für die Natio­nal­staa­ten setzt. Inter­es­sant scheint vor allem die Rege­lung, die Unter­neh­men mit mehr als 50 Beschäf­tig­ten und einem hohen Jah­res­um­satz sowie die Landes‑, Regio­nal­ver­wal­tun­gen und Gemein­den ver­pflich­tet, ein inter­nes Ver­fah­ren für den Umgang mit Hin­weis­ge­bern zu eta­blie­ren. Es soll ein drei­glied­ri­ges Mel­de­sys­tem ein­ge­führt wer­den mit a) inter­nen Mel­de­ka­nä­len, b) Anzei­gen an die zustän­di­gen Behör­den und c) – wenn das alles nicht funk­tio­niert – Mel­dung an die Öffent­lich­keit bzw. die Medi­en. Sogar ein gewis­ser Schutz vor Ver­gel­tungs­maß­nah­men und Haf­tung ist in den Rege­lun­gen ent­hal­ten. Eben­so soll die Beweis­last nicht län­ger beim Hin­weis­ge­ber, son­dern künf­tig bei den Unter­neh­men und Behör­den lie­gen – ein über­fäl­li­ger Schritt gera­de für Arbeit­neh­mer. Das hört sich alles nach einem ver­nünf­ti­gen ers­ten Ent­wurf an. Den­noch scheint er nicht ganz rea­li­täts­ge­recht zu sein: Denn, wie die Pira­ten­po­li­ti­ke­rin MEP Julia Reda zu recht bemän­gelt, ent­hält der Geset­zes­ent­wurf kei­ne kla­ren Rege­lun­gen zum Schutz der Anony­mi­tät der Hin­weis­ge­ber; es muss also für Aus­nah­me­fäl­le die Mög­lich­keit, anony­mer Hin­wei­se gere­gelt wer­den. Außer­dem müs­sen die Staa­ten ver­pflich­tet wer­den, anony­me Anzei­gen nicht igno­rie­ren zu dür­fen, son­dern ihnen ernst­haft nach­zu­ge­hen und ermit­teln zu müs­sen. Es fehlt auch ein Vor­schlag, wie damit umzu­ge­hen ist, wenn auf­grund kon­kre­ter Hin­wei­se davon aus­zu­ge­hen ist, dass das inter­ne Ver­fah­ren bei­spiels­wei­se auf­grund von Kor­rup­ti­on nicht nur zum Schei­tern ver­ur­teilt ist, son­dern auch den Hin­weis­ge­ber in Gefahr brin­gen könn­te…” Gast­bei­trag von Wolf­gang Kal­eck vom 11.06.2018 bei Legal Tri­bu­ne Online externer Link
  • Ent­wurf einer EU-Richt­li­nie zum Whist­leb­lower-Schutz: Auf die Umset­zung in deut­sches Recht kommt es an
    Die Kom­mis­si­on in Brüs­sel hat heu­te den Ent­wurf einer Richt­li­nie zum Whist­leb­lower-Schutz vor­ge­stellt. Das ist ein über­fäl­li­ger Schritt in die rich­ti­ge Rich­tung. Vor­aus­ge­gan­gen waren seit Jah­ren For­de­run­gen von Sei­ten des Euro­päi­schen Par­la­ments und Emp­feh­lun­gen des Euro­pa­rats, Whist­leb­lower ange­mes­sen zu schüt­zen. Mit einem eige­nen Gesetz­ent­wurf und einer bei­spiel­lo­sen Zusam­men­ar­beit mit zivil­ge­sell­schaft­li­chen Grup­pen euro­pa­weit hat­te die Frak­ti­on der GRÜNEN/​EFA im EP erheb­li­chen Druck auf­ge­baut. Spek­ta­ku­lä­re Ent­hül­lun­gen wie die Luxem­bur­ger-PWC-Steu­er­de­als durch Antoi­ne Del­tour mögen der Poli­tik schließ­lich ihre eige­ne Hilf­lo­sig­keit vor Augen geführt haben, Miss­stän­den ohne Insi­der auf die Spur zu kom­men. Im Ergeb­nis hat dies zu einem ansehn­li­chen Vor­schlag von gemein­sa­men Min­dest­stan­dards zum Whist­leb­lower-Schutz im pri­va­ten und öffent­li­chen Sek­tor geführt. Als Stär­ken des vor­lie­gen­den Ent­wurfs sind her­vor­zu­he­ben: Die Moti­va­ti­on des Whist­leb­lo­wers tritt in den Hin­ter­grund. Es zählt der Wert der Infor­ma­ti­on. Behör­den und Unter­neh­men schon ab 50 Mitarbeitern/​10 Mio. € Umsatz müs­sen Hin­weis­ge­ber­sys­te­me ein­füh­ren. Den Hin­wei­sen muss nach­ge­gan­gen und über den Ver­lauf Rechen­schaft abge­legt wer­den. Behin­de­run­gen des Whist­leb­lowing und Ver­gel­tungs­maß­nah­men aller Art sind unter Stra­fe zu stel­len. Die Ver­trau­lich­keit ist zu wah­ren. Die Beweis­last im Fall von Ver­stö­ßen trägt im Wesent­li­chen der Arbeit­ge­ber. Soweit, so gut. Was auf dem mehr­jäh­ri­gen Weg bis zur Umset­zung in natio­na­les Recht dar­aus wird, ist schwer vor­her­zu­sa­gen…” (Posi­ti­ve!) Bewer­tung von Anne­gret Fal­ter vom 23. April 2018 beim Whist­leb­lower-Netz externer Link

Der Bei­trag [Ent­wurf einer EU-Richt­li­nie zum Whist­leb­lower-Schutz] Nein, Brüs­sel mag immer noch kei­ne Whist­leb­lower erschien zuerst auf Labour­Net Ger­ma­ny.

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