[labournet:] Flüchtlingspolitische Maßnahmen angesichts der Corona-Pandemie: Abschiebungen aussetzen, Duldungen verlängern, Dezentrale Unterbringung…

Dossier

Residenzpflicht abschaffen - Lagerpflicht abschaffen - Abschiebungen stoppenFlücht­lings­rat Thü­rin­gen e.V. for­dert die Aus­set­zung von Abschie­bun­gen, ver­bes­ser­ten Zugang zu mehr­spra­chi­gen Infor­ma­tio­nen und die dezen­tra­le Unter­brin­gung ins­be­son­de­re für vul­nerable Per­so­nen­grup­pen zu ermög­li­chen: Der Flücht­lings­rat Thü­rin­gen e.V. for­dert die Lan­des­re­gie­rung auf, als Kon­se­quenz aus der Coro­na-Pan­de­mie Maß­nah­men auch im Flücht­lings­be­reich zu ergrei­fen. „Gera­de unter Asyl­su­chen­den ist die Ver­un­si­che­rung der­zeit sehr groß, da die meis­ten Infor­ma­tio­nen nur auf Deutsch zugäng­lich sind. Zudem haben wir wei­ter­hin eine pre­kä­re Unter­brin­gungs­si­tua­ti­on im Land. Vie­ler­orts sind die Men­schen in gro­ßen Unter­künf­ten in Mehr­bett­zim­mern unter teil­wei­se besorg­nis­er­re­gen­den Bedin­gun­gen und ohne Zugang zu Infor­ma­tio­nen unter­ge­bracht.“, erklärt Phil­ipp Mil­li­us und fügt hin­zu: „In bestimm­ten Berei­chen brau­chen wir zudem Rechts­si­cher­heit, was die auf­ent­halts­recht­li­chen Kon­se­quen­zen durch Coro­na angeht. So müs­sen alle Abschie­bun­gen offi­zi­ell bis auf wei­te­res aus­ge­setzt wer­den.“…” Pres­se­mit­tei­lung vom 17. März 2020 externer Link – dies gilt natür­lich bun­des­weit, sie­he dazu:

  • Feh­len­der Coro­na-Schutz: Flücht­lin­ge aus Schlei­den beschwe­ren sich per Brief New
    “Noch immer bestimmt die Coro­na-Pan­de­mie das gesell­schaft­li­che Leben. Beson­ders an Orten, an denen vie­le Men­schen eng zusam­men leben oder arbei­ten, ver­brei­tet sich das Virus schnell. Wie bei­spiels­wei­se in der Flücht­lings­un­ter­kunft in Mecher­nich vor weni­gen Wochen. Nun berich­ten auch die Bewoh­ner einer Ein­rich­tung in Vogel­sang ein einem Beschwer­de­brief über unzu­rei­chen­de Hygie­ne­zu­stän­de. 68 Bewoh­ner der Zen­tra­len Unter­brin­gungs­ein­rich­tung Schlei­den II (ZUE) in Vogel­sang haben nun einen Beschwer­de­brief geschrie­ben. Tenor des Schrei­bens, das die­ser Zei­tung vor­liegt: Die Bewoh­ner machen sich Sor­gen um eine Anste­ckung und einen Aus­bruch des Virus in der Unter­kunft. „Es ist nicht mög­lich, die sozia­le Distanz in den öffent­li­chen Berei­chen Toi­let­te, Bad, Ess­zim­mer und Hand­wasch­be­reich ein­zu­hal­ten“, schrei­ben sie. Lan­ge Zeit hät­ten nur zwei Wasch­ma­schi­nen in der Unter­kunft funk­tio­niert, für meh­re­re Hun­dert Men­schen…” Arti­kel von Julia Reuß vom 2. August 2020 beim Köl­ner Stadt-Anzei­ger online externer Link (kom­plet­ter Bei­trag lei­der hin­ter Bezahl­schran­ke)
  • Flücht­lings­un­ter­künf­te: Quä­len­de Qua­ran­tä­ne 
    Hun­der­te Geflüch­te­te müs­sen der­zeit wegen der Coro­na-Pan­de­mie in über­hitz­ten Unter­künf­ten leben. Nur 30 Minu­ten dür­fen sie täg­lich an die fri­sche Luft, berich­ten Hel­fer. Die Berich­te, die der­zeit aus Münch­ner Flücht­lings­un­ter­künf­ten kom­men, sind ver­stö­rend. Gera­de in Con­tai­ner-Anla­gen sol­len tags­über Tem­pe­ra­tu­ren von bis zu 50 Grad Cel­si­us herr­schen. Doch die Men­schen kön­nen offen­bar nicht aus den Hit­ze­kam­mern flie­hen. Vier Gemein­schafts­un­ter­künf­te mit 621 Bewoh­nern ste­hen nach Anga­ben des Münch­ner Gesund­heits­re­fe­rats aktu­ell wegen Qua­ran­tä­ne-Maß­nah­men unter stren­gen Aus­gangs­be­schrän­kun­gen. Ehren­amt­li­che Hel­fer, Sozi­al­päd­ago­gen und auch Sozi­al­ver­bän­de berich­ten, dass die dort unter­ge­brach­ten Men­schen täg­lich ledig­lich 30 Minu­ten an die fri­sche Luft dür­fen. Viel­fach gibt es in den Unter­künf­ten dem­nach nicht mal Fern­se­her auf den Zim­mern, geschwei­ge denn Inter­net, um sich wenigs­tens etwas ablen­ken zu kön­nen. “In den Blech­con­tai­nern herrscht eine unglaub­li­che Hit­ze. Beson­ders für die Kin­der ist das uner­träg­lich”, sagt Andrea Betz, Spre­che­rin der frei­en Wohl­fahrts­ver­bän­de in Mün­chen…” Arti­kel von Tho­mas Anlauf vom 14.7.2020 on der Süd­deut­schen Zei­tung online externer Link
  • Flücht­lings­heim Bona­mes in Frankfurt/​M.: Min­des­tens 45 Flücht­lin­ge an Krät­ze erkrankt, Sicher­heits­dienst schüch­tert Bewoh­ner von Flücht­lings­un­ter­kunft ein
    • Frank­furt: Kon­flikt um Fücht­lings­heim in Bona­mes spitzt sich zu 
      Der Kon­flikt um selbst instal­lier­te Herd­plat­ten in der Flücht­lings­un­ter­kunft am Alten Flug­platz im Frank­fur­ter Stadt­teil Bona­mes hat sich dra­ma­tisch zuge­spitzt. Wegen der schon län­ger bekann­ten Brand­ge­fahr muss­ten die Bewoh­ner Frei­tag­nacht alle ihre Her­de und Koch­plat­ten her­aus­ge­ben. Zuvor war ihnen der Strom abge­stellt wor­den. (…) „Denn der Lei­ter der Stabs­stel­le Unter­kunfts­ma­nage­ment kam rein, ohne den Bewoh­nern irgend­et­was zu erklä­ren, und wei­ger­te sich, den Strom wie­der anzu­stel­len, solan­ge die Koch­ge­rä­te nicht her­aus­ge­ge­ben wer­den.“ Die Situa­ti­on droh­te zu eska­lie­ren. Bewoh­ner hät­ten nach Strom geschrien. „Eini­ge erlit­ten sogar einen Schock­zu­stand, weil das bei ihnen trau­ma­ti­sche Erleb­nis­se aus­lös­te“, erzählt Ayy­il­diz. „Vor allem ver­ste­he ich nicht, war­um gleich die Poli­zei geru­fen wur­de. Das wirk­te auf die Bewoh­ner doch sehr bedroh­lich.“ Nach lan­gen Ver­hand­lun­gen der Poli­ti­ke­rin­nen mit Stadt­ver­tre­tern sei der Strom wie­der ange­stellt wor­den. „Und es gibt jetzt drei Koch­plat­ten, die die Bewoh­ner benut­zen dür­fen. Aber hier leben über 300 Bewoh­ner“, berich­tet Ayy­il­diz am Sonn­tag über den Umgang der Behör­den mit den Geflüch­te­ten in Frank­furt-Bona­mes. Eini­ge Bewoh­ner sei­en in Hotels unter­ge­bracht wor­den, aber vie­le sei­en zurück. „Weil, ein Hotel­zim­mer für eine sie­ben­köp­fi­ge Fami­lie ist nicht trag­bar.“..” Arti­kel von Kath­rin Rosen­dorff vom 13.07.2020 in der FR online externer Link
    • Mise­ra­ble Zustän­de. Geflüch­te­te wer­den gegen ihren Wil­len umquar­tiert: Dia­ko­nie recht­fer­tigt Vor­ge­hen
      Zwei Fami­li­en ließ die Stadt Frank­furt mit­hil­fe der Poli­zei aus einer Unter­kunft für Geflüch­te­te in Bona­mes umquar­tie­ren. Zuvor hat­ten Flücht­lin­ge gegen die mise­ra­blen Zustän­de dort pro­tes­tiert, die sich durch die Coro­na-Pan­de­mie wei­ter ver­schlech­tert hat­ten. Ent­ge­gen vor­he­ri­ger Behaup­tun­gen hat die Dia­ko­nie nach Krät­ze-Fäl­len kei­ne „per­so­nel­le Kon­se­quen­zen“ gezo­gen. (…) War­um die Dia­ko­nie so spät reagiert hat, wäh­rend sich die Lage in dem Flücht­lings­heim über Mona­te immer wei­ter zuspitz­te, konn­te Fra­se nicht beant­wor­ten. „Wir sind noch nicht an dem Punkt, um mit dem Team schau­en zu kön­nen, was schief­ge­lau­fen ist.“ Auch die neue Lei­te­rin der Ein­rich­tung, Naza­nin Pohl­schmidt, mein­te, dass die Dia­ko­nie-Mit­ar­bei­ten­den in den ver­gan­ge­nen Wochen noch nicht die Zeit gefun­den hät­ten, eige­ne Feh­ler auf­zu­ar­bei­ten. Micha­el Fra­se räum­te zudem ein, dass die Dia­ko­nie den ehe­ma­li­gen Ein­rich­tungs­lei­ter nicht umge­hend von der Lei­tungs­po­si­ti­on abge­zo­gen hät­te, nach­dem dies die Frank­fur­ter Sozi­al­de­zer­nen­tin Danie­la Bir­ken­feld (CDU) gefor­dert hat­te. Als vor zwei Wochen das Gesund­heits­amt min­des­tens 45 Krät­ze-Fäl­le in der Unter­kunft fest­ge­stellt hat­te, for­der­te Bir­ken­feld „per­so­nel­le Kon­se­quen­zen“. (…) Update vom Frei­tag, 03.07.2020, 10.33 Uhr: Nur eine Fami­lie in der Flücht­lings­un­ter­kunft in Frank­furt-Bona­mes ist vor dem Poli­zei­ein­satz am Don­ners­tag (02.07.2020) dar­über infor­miert wor­den, dass sie die Unter­kunft ver­las­sen muss. Am Frei­tag (28.06.2020) hat­te die Dia­ko­nie die Fami­lie mit zwei Kin­dern dar­über in Kennt­nis gesetzt, sagt Manue­la Skot­nik, Spre­che­rin des Frank­fur­ter Sozi­al­de­zer­nats. Die ande­re Fami­lie, eine allein­er­zie­hen­de Mut­ter und ihre Toch­ter, wur­den gegen 6 Uhr mor­gens voll­kom­men über­rascht. Die 14-jäh­ri­ge Toch­ter berich­te­te, dass sie erst Män­ner in der Woh­nung gehört habe und wie­der ins Bett gegan­gen sei. Plötz­lich sei­en Poli­zis­ten in ihr Zim­mer gekom­men und hät­ten sie aus der Woh­nung geschmis­sen. „Ich hat­te nicht mal Zeit, mir etwas anzu­zie­hen. Ich ste­he noch im Schlaf­an­zug auf der Stra­ße“, erzähl­te sie am Don­ners­tag­mor­gen im Tele­fo­nat mit der FNP. Sie habe sich ent­schei­den müs­sen, ob sie von ihrem Vater abge­holt wer­den wol­le oder dem Jugend­amt über­ge­ben wer­de. Wäh­rend des Tele­fo­nats gegen 8 Uhr räum­te bereits eine von der Stadt beauf­trag­te Umzugs­fir­ma die Woh­nung aus. War­um und was mit ihren Sachen gesche­hen wird, war der 14-Jäh­ri­gen nicht klar. Das heißt, Stadt Frank­furt und Dia­ko­nie plan­ten einen Poli­zei­ein­satz mit Lan­des- und Stadt­po­li­zei und beauf­trag­ten eine Umzugs­fir­ma, um die Hab­se­lig­kei­ten der Fami­lie in eine ande­re Unter­kunft zu brin­gen, ohne die Fami­lie dar­über zu infor­mie­ren. Das har­te Vor­ge­hen recht­fer­tigt die Spre­che­rin des Sozi­al­de­zer­nats damit, dass die allein­er­zie­hen­de Mut­ter sonst inner­halb der Unter­kunft einen Pro­test orga­ni­siert hät­te. „Dann hät­te die Poli­zei die hal­be Bewoh­ner­schaft davon­tra­gen müs­sen.“ Wäh­rend der Pro­tes­te der Bewoh­ner hat­te sich die Mut­ter zu einer Art Spre­che­rin für die Anlie­gen der Geflüch­te­ten ent­wi­ckelt…” Arti­kel von Fried­rich Rein­hardt und Oli­ver Teutsch vom 07.07.2020 bei fnp​.de externer Link samt Video und Chro­no­lo­gie der Gescheh­nis­se
    • Streit um Küchen­her­de eska­liert: Sicher­heits­dienst schüch­tert Bewoh­ner von Flücht­lings­un­ter­kunft ein
      In einer Flücht­lings­un­ter­kunft in Frank­furt-Bona­mes ist ein Streit um Küchen­her­de eska­liert. Ein pri­va­ter Sicher­heits­dienst hat dabei Bewoh­ner mas­siv ein­ge­schüch­tert und wur­de inzwi­schen aus­ge­tauscht. Die Frank­fur­ter Dia­ko­nie als Betrei­be­rin der Unter­kunft ent­schul­digt sich. Die Flücht­lings­un­ter­kunft am Alten Flug­platz in Frank­furt-Bona­mes kommt nicht zur Ruhe. Die Span­nun­gen zwi­schen den rund 330 Bewoh­nern auf der einen Sei­te und dem Dia­ko­ni­schen Werk und der Stadt Frank­furt auf der ande­ren Sei­te sind am Wochen­en­de in Tumul­ten eska­liert. Am Don­ners­tag­mor­gen kam es zu einem Poli­zei­ein­satz in der Unter­kunft. Hin­ter­grund ist ein Streit um Küchen­her­de externer Link, die sich über 30 Fami­li­en ent­ge­gen der Haus­ord­nung selbst instal­liert hat­ten. Bereit­ge­stellt waren pro Fami­lie zwei Herd­plat­ten. Dies reich­te den Fami­li­en nicht aus. Die Stadt Frank­furt und die Dia­ko­nie ver­lan­gen von den Bewoh­nern, die Her­de bis auf Wei­te­res nicht zu nut­zen. Grund ist die Brand­ge­fahr, weil die Her­de offen­bar die Strom­ver­sor­gung der Unter­kunft über­las­ten. Wie eine Spre­che­rin des städ­ti­schen Sozi­al­de­zer­nats erklär­te, haben sich bis zuletzt zwei Fami­li­en gewei­gert, auf die Herd­nut­zung zu ver­zich­ten. Die­se Fami­li­en sei­en am Don­ners­tag in ande­re Unter­künf­te gebracht wor­den, mit Unter­stüt­zung der Poli­zei. Bewoh­ner schil­dern dem hr den Poli­zei-Ein­satz als unan­ge­mes­sen. Beam­te hät­ten eine schwan­ge­re Frau um fünf Uhr mor­gens im Nacht­hemd und mit offe­nem Haar aus dem Bett geholt. Die Mus­li­min habe dar­um gebe­ten, ihr Kopf­tuch umbin­den zu kön­nen. Dazu habe sie aber kei­ne Gele­gen­heit bekom­men. Als noch rabia­ter emp­fan­den Bewoh­ner das Ein­grei­fen eines pri­va­ten Sicher­heits­diens­tes am Wochen­en­de. Meh­re­re schwarz geklei­de­te Sicher­heits­kräf­te haben dem­nach am Sams­tag­abend von den Bewoh­nern ver­langt, die Her­de vom Netz zu neh­men. Als sie auf Wider­stand tra­fen, haben ein­zel­ne Mit­ar­bei­ter ver­sucht, die Bewoh­ner ein­zu­schüch­tern. Ein Han­dy-Video, das dem hr vor­liegt, zeigt, wie ein Mit­ar­bei­ter Bewoh­ner mit der Aus­sa­ge zurecht­weist: “Ich mache hier, was ich will.” Zu tumult­ar­ti­gen Sze­nen kam es, nach­dem eine Sicher­heits­kraft den Bewoh­nern etwas auf Ara­bisch zuruft. Schil­de­run­gen von Bewoh­nern zufol­ge soll es sich um eine mas­si­ve sexu­el­le Dro­hung gehan­delt haben…” Arti­kel von Tobi­as Lüb­ben am 02.07.20 bei hes​sen​schau​.de externer Link mit Fotos und Video. Sie­he zur Kri­tik am Sicher­heits­dienst auch unser Dos­sier: “Ken­nen wir nur aus Guan­ta­na­mo”: Sicher­heits­dienst miss­han­delt Asyl­be­wer­ber
    • Stadt­teil Bona­mes: Die Stadt reagiert auf Pro­test von Flücht­lin­gen
      In der ver­gan­ge­nen Woche haben nach Poli­zei­an­ga­ben knapp 100 Men­schen gegen die Bedin­gun­gen in der Flücht­lings­un­ter­kunft am Alten Flug­platz Bona­mes pro­tes­tiert. Die demons­trie­ren­den Bewoh­ne­rin­nen und Bewoh­ner zogen durch die Stadt­tei­le Bona­mes und Kal­bach. Die Demo dau­er­te etwa zwei­ein­halb Stun­den, in denen die Teil­neh­me­rin­nen und Teil­neh­mer auch Stra­ßen blo­ckier­ten und mit Sprech­chö­ren auf die Zustän­de auf­merk­sam mach­ten. 333 Men­schen, dar­un­ter 189 Min­der­jäh­ri­ge, leben in den Modu­len der Unter­kunft. Ein Groß­teil sind Fami­li­en, die aus Syri­en und Afgha­ni­stan stam­men. Aktu­ell leben 4450 geflüch­te­te Men­schen in Ein­rich­tun­gen der Stadt. Jede Woche gibt es sechs Neu­zu­wei­sun­gen an Frank­furt. Die Unter­kunft inBo­na­mes wur­de 2016 errich­tet und soll­te ursprüng­lich für drei Jah­re genutzt wer­den. Mitt­ler­wei­le hat das Regie­rungs­prä­si­di­um Darm­stadt eine Ver­län­ge­rung der Nut­zung bis Ende 2021 geneh­migt. Betrie­ben wird die Unter­kunft von der Dia­ko­nie Frank­furt im Auf­trag der Stadt. Die geflüch­te­ten Men­schen beschwer­ten sich unter ande­rem laut einem Bericht des Hes­si­schen Rund­funks bei ihrer­De­mo vor­ran­gig über feh­len­de Koch­mög­lich­kei­ten, undich­te Dächer und Hygie­ne­män­gel in der Anla­ge. Der Trop­fen, der das Fass zum Über­lau­fen gebracht hat­te, soll eine For­de­rung der Stadt gewe­sen sein, laut der die Fami­li­en ihre Küchen­her­de ent­fer­nen soll­ten…” Arti­kel von Ste­ven Micksch vom 17.06.20 in der FR online externer Link
  • Coro­na-Gefahr in Sam­mel­un­ter­künf­ten – Kein Platz für Abstand und Hygie­ne? 
    In ganz Deutsch­land ist es in letz­ter Zeit ver­mehrt zu Coro­na-Aus­brü­chen in Sam­mel­un­ter­künf­ten für Wan­der­ar­bei­ter gekom­men. So etwa in einer Fleisch­fa­brik in Nord­rhein-West­fa­len. Auch in Hes­sen leben vie­le Sai­son- und Wan­der­ar­bei­ter in sol­chen Unter­künf­ten, nicht sel­ten zusam­men­ge­pfercht über vie­le Mona­te in Mehr­bett­zim­mern mit ande­ren Kol­le­gen. Gera­de in Zei­ten von Coro­na wird deut­lich, wie schlecht die Hygie­ne­be­din­gun­gen sind. Abstand oder Pri­vat­sphä­re ist in ihren Behau­sun­gen nicht mög­lich. Eigent­lich ist der Arbeit­ge­ber für den Schutz sei­ner Mit­ar­bei­ter ver­ant­wort­lich. Doch im Sys­tem von Sub-Sub­un­ter­neh­mern ist das kaum zu kon­trol­lie­ren und die Arbei­ter sind die letz­ten Glie­der in der Ket­te. Sie spre­chen weder aus­rei­chend deutsch noch ken­nen sie ihre Rech­te. defac­to hat sich selbst ein Bild gemacht und Sam­mel­un­ter­künf­te besucht.” Video des Bei­trags in der Sen­dung defac­to am 15.06.2020 im hr-fern­se­hen externer Link
  • Flücht­lings­un­ter­künf­te: Plötz­lich ein Coro­na-Hot­spot /​Raus aus den Lagern! 
    • Raus aus den Lagern!
      Dort, wo Men­schen dicht an dicht arbei­ten, ver­brei­tet sich das Coro­na-Virus beson­ders schnell. Eben­so ist es mit der Woh­nung: Per­so­nen, die auf engs­tem Raum zusam­men­le­ben, lei­den mehr an Covid-19 als Men­schen in kom­for­ta­blen Häu­sern. Die Bei­spie­le in Göt­tin­gen und Ber­lin, wo meh­re­re Wohn­kom­ple­xe unter Qua­ran­tä­ne gestellt wur­den, in denen vor allem Migran­ten leben, machen das deut­lich. Coro­na-Aus­brü­che gab es auch in meh­re­ren Flücht­lings­hei­men. So zum Bei­spiel in St. Augus­tin bei Bonn, in Ber­lin-Buch und in Frank­furt am Main. Ein Auf­schrei wie nach den Vor­fäl­len beim Schwei­ne­kö­nig Tön­nies blieb aller­dings aus. Dass das Virus in Geflüch­te­ten­la­gern einen per­fek­ten Nähr­bo­den fin­det, dürf­te indes nie­man­den über­ra­schen, der die Lebens­ver­hält­nis­se dort kennt: Mehr­bett­zim­mer, Gemein­schafts­kü­chen und Sani­tär­an­la­gen, die von meh­re­ren Men­schen täg­lich benutzt wer­den, sind kei­ne Sel­ten­heit. Seit Jahr und Tag for­dern Flücht­lings­ak­ti­vis­ten die Unter­brin­gung von Schutz­su­chen­den in Woh­nun­gen. Nicht nur, um aus der Enge zu ent­flie­hen und die zum Teil ekla­tan­ten Hygie­ne­zu­stän­de hin­ter sich zu las­sen, son­dern auch, um die Inte­gra­ti­on in die Gesell­schaft zu erleich­tern…” Kom­men­tar von Chris­ti­an Klemm vom 24.06.2020 im ND online externer Link
    • Flücht­lings­un­ter­künf­te: Plötz­lich ein Coro­na-Hot­spot
      “Sam­mel­un­ter­künf­te und Asyl­be­wer­ber­hei­me kön­nen einer aktu­el­len Stu­die zufol­ge wegen der hohen Per­so­nen­dich­te zu Brenn­punk­ten für Infek­tio­nen mit SARS-CoV‑2 in Deutsch­land wer­den. (…) Das ist das Ergeb­nis der aktu­el­len Stu­die des Epi­de­mio­lo­gen Prof. Dr. med. Kay­van Bozorg­mehr, Lei­ter der Arbeits­grup­pe Bevöl­ke­rungs­me­di­zin und Ver­sor­gungs­for­schung der Fakul­tät für Gesund­heits­wis­sen­schaf­ten der Uni­ver­si­tät Bie­le­feld. Gemein­sam mit Wis­sen­schaft­lern des Kom­pe­tenz­net­zes Public Health COVID-19 ana­ly­sier­te er in den ver­gan­ge­nen Wochen Infek­ti­ons­da­ten aus 42 Auf­nah­me­ein­rich­tun­gen und Gemein­schafts­un­ter­künf­ten für Geflüch­te­te in elf Bun­des­län­dern. Dabei zeig­te sich: In den betrof­fe­nen Sam­mel­un­ter­künf­ten wur­den von 9 785 Geflüch­te­ten ins­ge­samt 1 769 Per­so­nen posi­tiv auf SARS-CoV‑2 getes­tet. Sta­tis­tisch ergibt sich dar­aus ein Anste­ckungs­ri­si­ko von 17 Pro­zent für alle ande­ren Bewoh­ner die­ser Unter­künf­te. (…)In ihrer Stu­die unter­such­ten die Wis­sen­schaft­ler auch, wel­che Maß­nah­men ange­ord­net wur­den, um die Aus­brei­tung in den Hei­men ein­zu­däm­men. Das Ergeb­nis: In den meis­ten betrof­fe­nen Ein­rich­tun­gen (71 Pro­zent) wur­de eine Kol­lek­tiv­qua­ran­tä­ne ein­ge­lei­tet. Es wur­den also für alle Bewoh­ner Kon­takt- und Aus­gangs­sper­ren ver­hängt, auch wenn sie nicht selbst posi­tiv getes­tet oder in engem Kon­takt zu Per­so­nen stan­den, die posi­tiv getes­tet wur­den. Einen posi­ti­ven Effekt hat­te dies im Ver­gleich zu einer Ein­zel­qua­ran­tä­ne nicht. Der Poli­tik und den Behör­den raten die Autoren des­halb, bun­des­wei­te Emp­feh­lun­gen zu ent­wi­ckeln, um die Prä­ven­ti­on und Ein­däm­mung von SARS-CoV‑2 in Auf­nah­me­ein­rich­tun­gen und Gemein­schafts­un­ter­künf­ten zu ver­ein­heit­li­chen und zu ver­bes­sern. Flücht­lings­in­itia­ti­ven for­dern seit eini­ger Zeit von der Bun­des­re­gie­rung, Mas­sen­un­ter­künf­te auf­zu­lö­sen. Der Schutz vor Anste­ckung sei dort unmög­lich, so die Ver­ei­ni­gung der Flücht­lings­rä­te, Pro Asyl und der Städ­te­ver­bund See­brü­cke. „Gro­ße Flücht­lings­un­ter­künf­te dür­fen nicht zu neu­en Coro­na-Hot­spots wer­den“, betont auch Dia­ko­nie-Prä­si­dent Ulrich Lilie und for­dert eben­falls eine dezen­tra­le Unter­brin­gung der Flücht­lin­ge. Dies sei der bes­te Schutz – für sie und die gan­ze Gesell­schaft. (…) Dr. phil. Andrea Schlen­ker, Lei­te­rin des Refe­rats Migra­ti­on und Inte­gra­ti­on beim Deut­schen Cari­tas­ver­band, hält es für die bes­te Prä­ven­ti­on, zumin­dest Risi­ko­grup­pen und Fami­li­en mit Kin­dern schnellst­mög­lich dezen­tral unter­zu­brin­gen und damit Unter­künf­te zu ent­las­ten…” Bei­trag von Eva Rich­ter-Kuhl­mann beim Deut­schen Ärz­te­blatt 24/​2020 online externer Link
  • Brö­ckeln­de Soli­da­ri­tät: Lage von Geflüch­te­ten spitzt sich in der Coro­na-Kri­se zu /​[Lan­des­auf­nah­me­stel­le (LASt) für Geflüch­te­te Bre­men] «Sie zer­bre­chen dei­ne Träu­me» – Geflüch­te­te pro­tes­tie­ren gegen ihre Sam­mel­un­ter­brin­gung 
    • Brö­ckeln­de Soli­da­ri­tät: Lage von Geflüch­te­ten spitzt sich in der Coro­na-Kri­se zu
      Die Coro­na-Pan­de­mie trifft auch Flücht­lin­ge in Deutsch­land hart: Asyl­ver­fah­ren zie­hen sich in die Län­ge. 14 Tage Qua­ran­tä­ne kön­nen direkt in die Arbeits­lo­sig­keit füh­ren – und Behör­den ken­nen kein Par­don. In der Kri­se brö­ckelt die Soli­da­ri­tät mit Geflüch­te­ten, befürch­tet Pro Asyl…” Bei­trag von Pat Christ vom 18.06.2020 beim Miga­zin externer Link (im Abo)
    • [Lan­des­auf­nah­me­stel­le (LASt) für Geflüch­te­te Bre­men] «Sie zer­bre­chen dei­ne Träu­me» – Geflüch­te­te pro­tes­tie­ren gegen ihre Sam­mel­un­ter­brin­gung
      “Die Lan­des­auf­nah­me­stel­le (LASt) für Geflüch­te­te im Land Bre­men steht in der Nord­bre­mer Lin­den­stra­ße. Es ist ein gro­ßes, ehe­ma­li­ges Büro­ge­bäu­de mit drei rie­si­gen strah­len­för­mig abge­hen­den Trak­ten. (…) Ein Bewoh­ner beschreibt die Lage im Herbst 2019 so: «In den Zim­mern ist die Belüf­tung sehr schlecht, weil es nicht mög­lich ist, die Fens­ter zu öff­nen. Es gibt kei­ne fri­sche Luft und beson­ders im Som­mer ist es schwie­rig zu atmen mit so vie­len Per­so­nen, die in einem Zim­mer schla­fen. Wenn wir fri­sche Luft haben wol­len, müs­sen wir nach unten oder nach drau­ßen gehen». Es gibt Über­grif­fe ein­zel­ner Sicher­heits­leu­te. Die Fir­ma ist vom Senat ein­ge­setzt und nicht tarif­ge­bun­den, ohne Betriebs­rat. Um die Kri­tik an den Zustän­den in der LASt weiß der Bre­mer Senat zum Zeit­punkt der Aus­ru­fung der ers­ten Maß­nah­men zur Coro­na-Ein­däm­mung im März 2020 bereits seit einem hal­ben Jahr. Die Ein­rich­tung ist Anfang März mit fast 700 Per­so­nen voll belegt. (…) Ende März fin­det die ers­te Kund­ge­bung von 50 Bewoh­ne­rIn­nen vor den Toren der Ein­rich­tung statt. (…) Anfang April folgt die zwei­te Kund­ge­bung der Bewoh­ne­rIn­nen. Sie berich­ten von gro­ßer Angst vor Coro­na-Infek­tio­nen. Sie bekla­gen man­geln­de Infor­ma­tio­nen über den Coro­na-Aus­bruch durch den Betrei­ber der Unter­kunft, die AWO. Sie for­dern erneut die Schlie­ßung. (…) Zwei Wochen spä­ter gibt es bereits 33 Coro­na-Infek­tio­nen. Bewoh­ne­rIn­nen, die noch nicht unter Qua­ran­tä­ne ste­hen und Unter­stüt­ze­rIn­nen demons­trie­ren unter Abstands­vor­keh­run­gen mit fast 300 Per­so­nen durch die Bre­mer Innen­stadt, for­dern die Schlie­ßung von Sam­mel­un­ter­künf­ten und über­ge­ben dem Bür­ger­meis­ter Boven­schul­te eine Peti­ti­on mit Tau­sen­den Unter­schrif­ten. Die­ser ver­spricht die Situa­ti­on im Senat zu prü­fen und neu zu bewer­ten. Wei­te­re zwei Wochen spä­ter sind 130 Bewoh­ne­rIn­nen posi­tiv getes­tet (Stand 22.5.: 200), zwei lie­gen sta­tio­när im Kran­ken­haus, eine Fami­lie, deren Toch­ter mit Asth­ma zur Risi­ko­grup­pe gehört, lebt immer noch in der Unter­kunft und hat Angst. Die Toch­ter wird nach eini­ger Zeit posi­tiv getes­tet. (…) Der Bewoh­ner Mouc­tar D. erklär­te zusam­men­fas­send in einem Taz-Inter­view vom 11.Mai, als bereits 170 Coro­na-Infek­tio­nen in der LASt gezählt wur­den: «Bre­men ist eine gast­li­che Stadt. Es gibt vie­le Men­schen hier, die offen sind für Immi­gran­tIn­nen. Du kommst nach Bre­men, weil das bekannt ist, und weil du weißt, hier wäre das mög­lich, was du vor­hast. Wir kom­men ja hier­her mit unse­ren Hoff­nun­gen, unse­ren Plä­nen und Zie­len. Du möch­test ja etwas aus dir machen. Aber sie zer­bre­chen dei­ne Träu­me.»” Bericht von ver.di-Gewerkschaftssekretär Non­ni Moris­se in der Soz Nr. 06/​2020 externer Link
  • Coro­na-Gefahr in Sam­mel­un­ter­künf­ten – Kein Platz für Abstand und Hygie­ne? /​Unter­brin­gung in Flücht­lings­la­gern: Kri­tik eines dis­kri­mi­nie­ren­den Sys­tems im Spie­gel der Coro­na-Kri­se 
    • Unter­brin­gung in Flücht­lings­la­gern: Kri­tik eines dis­kri­mi­nie­ren­den Sys­tems im Spie­gel der Coro­na-Kri­se
      Die Kri­tik an den Ver­hält­nis­sen in den deut­schen Flücht­lings­la­gern wächst. Das Unter­brin­gungs­sys­tem ist durch struk­tu­rel­le Dis­kri­mi­nie­rung geprägt. Durch die Coro­na-Kri­se ver­stär­ken sich Miss­stän­de. Es gibt durch­aus sicht­ba­re Bemü­hun­gen eini­ger Bun­des­län­der und Land­krei­se um eine ange­mes­se­ne Unter­brin­gung. Das zei­gen Gewalt­schutz­kon­zep­te oder die Finan­zie­rung von Sozi­al­ar­beit, Asyl­ver­fah­rens­be­ra­tung und psy­cho­lo­gi­scher Unter­stüt­zung. Eben­so gibt es Bediens­te­te in Behör­den und poli­tisch Ver­ant­wort­li­che, die Spiel­räu­me zuguns­ten der Geflüch­te­ten aus­le­gen. Die­se Aspek­te auch zu betrach­ten, gehört zu einer rea­lis­ti­schen Beur­tei­lung. Doch dies darf nicht dar­über hin­weg­täu­schen, dass die Idee und Pra­xis der Unter­brin­gung in Sam­mel­un­ter­künf­ten schon im Ansatz pro­ble­ma­tisch ist und Dis­kri­mi­nie­run­gen begüns­tigt. In den 1980er Jah­ren wur­de die Unter­brin­gung in Sam­mel­un­ter­künf­ten ein­ge­führt, um Flüch­ten­de abzu­schre­cken. Asylbewerber:innen und abge­lehn­te Asyl­su­chen­de soll­ten beab­sich­tigt aus der Gesell­schaft fern­ge­hal­ten und kon­trol­liert wer­den, damit sie sich nicht inte­grie­ren und leich­ter abge­scho­ben wer­den kön­nen. Die Ein­rich­tung gro­ßer Flücht­lings­la­ger wur­de Teil einer Stra­te­gie der Des­in­te­gra­ti­on, legi­ti­miert durch ras­sis­ti­sche Dis­kur­se. Ras­sis­ti­sche Vor­stel­lun­gen nah­men Einfluss auf die Debat­ten um Flucht und Migra­ti­on und die deut­sche Flücht­lings­po­li­tik. Die Debat­ten beeinfluss­ten wie­der­um die Geset­ze und lie­ßen staat­li­che Dis­kri­mi­nie­run­gen wie etwas ‘nor­ma­les’ wir­ken. Dar­un­ter Leis­tungs­kür­zun­gen, Resi­denz­pflicht, Abschie­be­haft, zwang­haf­te Bot­schafts­vor­füh­run­gen, eine Gesund­heits­ver­sor­gung zwei­ter Klas­se und Arbeits­ver­bot…” Bei­trag von Hen­drik Lam­mers vom 17.06.2020 beim Miga­zin externer Link (im Abo)
    • Coro­na-Gefahr in Sam­mel­un­ter­künf­ten – Kein Platz für Abstand und Hygie­ne?
      In ganz Deutsch­land ist es in letz­ter Zeit ver­mehrt zu Coro­na-Aus­brü­chen in Sam­mel­un­ter­künf­ten für Wan­der­ar­bei­ter gekom­men. So etwa in einer Fleisch­fa­brik in Nord­rhein-West­fa­len. Auch in Hes­sen leben vie­le Sai­son- und Wan­der­ar­bei­ter in sol­chen Unter­künf­ten, nicht sel­ten zusam­men­ge­pfercht über vie­le Mona­te in Mehr­bett­zim­mern mit ande­ren Kol­le­gen. Gera­de in Zei­ten von Coro­na wird deut­lich, wie schlecht die Hygie­ne­be­din­gun­gen sind. Abstand oder Pri­vat­sphä­re ist in ihren Behau­sun­gen nicht mög­lich. Eigent­lich ist der Arbeit­ge­ber für den Schutz sei­ner Mit­ar­bei­ter ver­ant­wort­lich. Doch im Sys­tem von Sub-Sub­un­ter­neh­mern ist das kaum zu kon­trol­lie­ren und die Arbei­ter sind die letz­ten Glie­der in der Ket­te. Sie spre­chen weder aus­rei­chend deutsch noch ken­nen sie ihre Rech­te. defac­to hat sich selbst ein Bild gemacht und Sam­mel­un­ter­künf­te besucht.” Video der Sen­dung defac­to am 15.6.2020 beim HR externer Link
  • Flücht­lings­un­ter­künf­te: Gefähr­lich wie ein Kreuz­fahrt­schiff /​Geflüch­te­te aus Wald­krai­bur­ger Unter­kunft wer­fen nicht nur den Behör­den Ras­sis­mus vor 
    • Flücht­lings­un­ter­künf­te: Gefähr­lich wie ein Kreuz­fahrt­schiff
      Kommt es in einer Flücht­lings­un­ter­kunft zu einer Coro­na-Infek­ti­on, ist das Anste­ckungs­ri­si­ko dort so hoch wie auf einem Kreuz­fahrt­schiff. Die Bun­des­re­gie­rung hält aber an den Gemein­schafts­un­ter­künf­ten fest. (…) Wäh­rend die Bun­des­re­gie­rung jedoch von Rei­sen auf sol­chen Luxus­damp­fern abrät, hält Deutsch­land grund­sätz­lich an Gemein­schafts­un­ter­künf­ten für neu­an­kom­men­de Schutz­su­chen­de fest. “Bis­her ist kei­ne Situa­ti­on ein­ge­tre­ten, die eine grund­sätz­li­che Abkehr von der bewähr­ten Unter­brin­gung in Gemein­schafts­un­ter­künf­ten erfor­dert”, ant­wor­tet Staats­se­kre­tär Hel­mut Teich­mann auf eine Klei­ne Anfra­ge der Links­par­tei, die dem ARD-Haupt­stadt­stu­dio exklu­siv vor­liegt. Das Robert Koch-Insti­tut (RKI) hat inzwi­schen “Hin­wei­se zur Prä­ven­ti­on und Manage­ment von Covid-19-Erkran­kun­gen in Gemein­schafts­un­ter­künf­ten” externer Link erar­bei­tet. Sie zei­gen, wie hoch die Anfor­de­run­gen an sol­che Ein­rich­tun­gen eigent­lich sind. Die RKI-Emp­feh­lung liegt dem ARD-Haupt­stadt­stu­dio vor. Bis­lang wur­den sie noch nicht ver­öf­fent­licht. Unklar ist, ob sich die Bun­des­län­der in der Pra­xis dar­an hal­ten…” Bei­trag von Micha­el Stem­pfle vom 10.06.2020 bei tages​schau​.de externer Link – sie­he auch:
    • Geflüch­te­te aus Wald­krai­bur­ger Unter­kunft wer­fen nicht nur den Behör­den Ras­sis­mus vor
      “… Ras­sis­mus ist kein The­ma, das sich auf die USA beschränkt. Ras­sis­mus sei auch in der deut­schen Gesell­schaft tief ver­an­kert, weiß Hama­do Dipama aus eige­ner Erfah­rung. (…) Laut Hama­do Dipama ereig­ne­te sich der strit­ti­ge Vor­fall bereits am 30. April. Eine Frau aus Schwarz­afri­ka war posi­tiv auf Covid-19 getes­tet wor­den. Dar­auf­hin sei­en 43 Geflüch­te­te, alle­samt aus der Regi­on süd­lich der Saha­ra, unter Qua­ran­tä­ne gestellt und ins Anker­zen­trum Man­ching ver­legt wor­den. Dipama spricht von einer „dis­kri­mi­nie­ren­den Aus­wahl“ und begrün­det dies damit, dass eini­ge der Betrof­fe­nen die posi­tiv getes­te­te Per­son weder kann­ten noch Kon­takt zu ihr hat­ten, bezie­hungs­wei­se nicht über das übli­che Maß hin­aus, in dem alle Bewoh­ner der Ein­rich­tung Kan­ti­ne, sani­tä­re Anla­gen und ande­re Gemein­schafts­räu­me nut­zen, mit der Frau in Kon­takt gekom­men sei­en. Vor allem aber sei­en Freun­de und Part­ne­rin­nen, die nicht aus Afri­ka kom­men, von der Qua­ran­tä­ne nicht berührt wor­den. Das lässt aus Sicht Dipam­as nur den Schluss zu, die Aus­wahl sei allein anhand der Her­kunft der Betrof­fe­nen erfolgt. (…) Ver­mut­lich ste­he „die­se ras­sis­ti­sche Vor­ge­hens­wei­se“ mit einem ande­ren Vor­fall weni­ge Tage zuvor in Zusam­men­hang. Dipama: „Das macht es nicht bes­ser.“ Er bezieht sich auf einen Kon­flikt zwi­schen einem Geflüch­te­ten und einem Mit­ar­bei­ter der Secu­ri­ty-Fir­ma. Letz­te­rer habe den Schwarz­afri­ka­ner am 20. April auf übels­te Wei­se ras­sis­tisch beschimpft und belei­digt. Zusam­men mit ande­ren habe sich der Mann beschwert und den Secu­ri­ty-Mit­ar­bei­ter auf­ge­for­dert, den ras­sis­ti­schen Aus­druck zurück zu neh­men. „Das hat er nicht getan.“ Bericht von Hans Grund­ner vom 10. Juni 2020 bei OVB online externer Link, sie­he dazu:
      • Vor­wurf der Dis­kri­mi­nie­rung im ANKER-Zen­trum Wald­krai­burg: Gemein­sa­mer offe­ner Brief an die Regie­rung von Ober­bay­ern sowie das Gesund­heits­amt Mühl­dorf am Inn ver­öf­fent­licht
        Bewohner*innen der ANKER-Depen­dance in Wald­krai­burg reagier­ten im April 2020 auf die ras­sis­ti­sche Äuße­rung eines Mit­ar­bei­ters des Sicher­heits­diens­tes mit einem Beschwer­de­brief, die­ser ist bereits auf der Anker-Watch-Web­site externer Link ver­öf­fent­licht. Doch statt einer Reak­ti­on auf ihre Vor­wür­fe, wur­den die Bewohner*innen in eine kri­tik­wür­di­ge Qua­ran­tä­ne-Ein­rich­tung nach Man­ching ver­legt. Ein Geflüch­te­ter, der sich auch an der Initia­ti­ve gegen die ras­sis­ti­sche Dis­kri­mi­nie­rung bei einem dazu abge­hal­te­nen Tref­fen betei­ligt hat­te, wur­de posi­tiv auf Covid-19 getes­tet. Die Qua­ran­tä­ne­maß­nah­me wur­de über Per­so­nen ver­hängt, die eben­falls an die­sem Tref­fen teil­ge­nom­men hat­ten. Dar­über hin­aus aller­dings auch pau­schal über alle ande­ren Per­so­nen aus afri­ka­ni­schen Her­kunfts­län­dern. Hier­zu ver­fass­ten der Baye­ri­sche Flücht­lings­rat, AGABY und Letra e.V. einen gemein­sa­men offe­nen Brief externer Link an die Regie­rung von Ober­bay­ern und das zustän­di­ge Gesund­heits­amt Mühl­dorf am Inn. (…) Der Baye­ri­sche Flücht­lings­rat, AGABY und Letra e.V. for­dern eine Auf­klä­rung der Vor­fäl­le, ins­be­son­de­re zu den ras­sis­ti­schen Äuße­run­gen des Sicher­heits­per­so­nals sowie der Qua­ran­tä­ne­maß­nah­me und kri­ti­sie­ren die Art und Wei­se der Durch­füh­rung der Qua­ran­tä­ne…” Pres­se­mit­tei­lung vom 27. Mai 2020 beim Baye­ri­schen Flücht­lings­rat externer Link
  • [Mün­chen] Staats­an­walt­schaft ermit­telt nach Coro­na-Tod eines Asyl­be­wer­bers /​Coro­na in Asyl­un­ter­künf­ten: Leben mit dem Anste­ckungs­ri­si­ko /​Stu­die: Hohe Anste­ckungs­ge­fahr in Flücht­lings­hei­men
    • [Mün­chen] Staats­an­walt­schaft ermit­telt nach Coro­na-Tod eines Asyl­be­wer­bers
      Die Staats­an­walt­schaft ermit­telt gegen Ober­bay­ern als Trä­ger einer Asyl­un­ter­kunft wegen fahr­läs­si­ger Tötung. Ein Asyl­be­wer­ber hat­te sich mit dem Coro­na-Virus ange­steckt und nach ers­ten Sym­pto­men die Lei­tung infor­miert. Der Arzt kam vier Tage spä­ter. Nach dem Coro­na­tod eines Asyl­be­wer­bers hat die Staats­an­walt­schaft Mün­chen ein Ermitt­lungs­ver­fah­ren wegen fahr­läs­si­ger Tötung ein­ge­lei­tet. Das teil­te eine Spre­che­rin der Staats­an­walt­schaft Mün­chen I dem ZDF-Maga­zin „Fron­tal 21“ mit. Der 35-jäh­ri­ge Mann aus Afgha­ni­stan leb­te in der staat­li­chen Gemein­schafts­un­ter­kunft in der Aschau­er Stra­ße in Mün­chen und hat­te sich dort offen­bar mit dem Virus ange­steckt. Vor­er­kran­kun­gen sind nach Aus­künf­ten der Ange­hö­ri­gen nicht bekannt. Die für die Unter­kunft ver­ant­wort­li­che Regie­rung von Ober­bay­ern, das Münch­ner Gesund­heits­amt und das Baye­ri­sche Innen­mi­nis­te­ri­um wie­sen die Vor­wür­fe zurück…” Mel­dung vom 03.06.2020 im Miga­zin externer Link (im Abo), sie­he dazu:
    • Coro­na in Asyl­un­ter­künf­ten: Leben mit dem Anste­ckungs­ri­si­ko
      Vie­le Asyl­be­wer­ber in Deutsch­land leben in klei­nen Zim­mern – zu viert oder sechst. Den Coro­na-Abstand von 1,5 Metern ein­zu­hal­ten, ist da oft unmög­lich. Toi­let­ten, Duschen und Küche wer­den in der Regel gemein­sam benutzt. In Bay­ern sind drei Asyl­be­wer­ber, die in Gemein­schafts­un­ter­künf­ten gelebt haben, nach einer Coro­na­vi­rus-Infek­ti­on gestor­ben. In einem Fall hat nun die Staats­an­walt­schaft Mün­chen ein Ermitt­lungs­ver­fah­ren wegen fahr­läs­si­ger Tötung ein­ge­lei­tet. Das teil­te eine Spre­che­rin der Staats­an­walt­schaft Mün­chen I Frontal21 mit. Der 35-jäh­ri­ge Mann aus Afgha­ni­stan leb­te in der staat­li­chen Gemein­schafts­un­ter­kunft in der Aschau­er Stra­ße in Mün­chen und hat­te sich dort offen­bar mit dem Virus ange­steckt. Vor­er­kran­kun­gen sind nach Aus­künf­ten der Ange­hö­ri­gen nicht bekannt. (…) Der Asyl­be­wer­ber hat­te am 3. April 2020 erst­mals über Sym­pto­me wie Fie­ber und Kopf­scher­zen geklagt und die Lei­tung der Unter­kunft infor­miert. Es dau­er­te vier Tage, bis zum 7. April 2020, bis er per­sön­lich von einem Arzt unter­sucht wur­de. Das Ange­bot, ihn in ein Kran­ken­haus zu brin­gen, habe der Asyl­be­wer­ber zu dem Zeit­punkt abge­lehnt, teil­te das Innen­mi­nis­te­ri­um mit. Wei­te­re drei Tage spä­ter wur­de er nach einem posi­ti­ven Coro­na-Test auf die Inten­siv­sta­ti­on des Münch­ner Kli­ni­kums rechts der Isar gebracht. Dort starb der 35-Jäh­ri­ge am 25. April 2020. Die Anwäl­tin des Ver­stor­be­nen, Katha­ri­na Came­rer, hat Straf­an­zei­ge gestellt und erklär­te gegen­über Fron­tal 21: „Es wur­de nicht ver­hin­dert, dass mein Man­dant sich ansteckt, obwohl es in der Unter­kunft bereits einen bekann­ten COVID-19-Fall gab. Außer­dem wur­de er erst sehr spät in ein Kran­ken­haus gebracht.“ Die Staats­an­walt­schaft Mün­chen führt die Ermitt­lun­gen gegen Unbe­kannt und teil­te mit: „Die Anzei­ge rich­tet sich gegen eine Mehr­zahl nament­lich noch nicht bekann­ter Per­so­nen, dar­un­ter die Ver­ant­wort­li­chen der Regie­rung von Ober­bay­ern als Trä­ger der betrof­fe­nen Gemein­schafts­un­ter­kunft, die Ver­ant­wort­li­chen des zustän­di­gen Gesund­heits­amts sowie mit dem Ver­stor­be­nen befass­te Ret­tungs­dienst­mit­ar­bei­ter bzw. Ärz­te.“...” Text und Video des Bei­trags von Micha­el Hasel­rie­der und Anne Herz­lieb in Fron­tal 21 vom 02.06.2020 beim ZDF externer Link
    • Stu­die: Hohe Anste­ckungs­ge­fahr in Flücht­lings­hei­men
      Das Ergeb­nis kann nicht über­ra­schen: For­scher fin­den her­aus, dass das Coro­na-Risi­ko in gro­ßen Flücht­lings­un­ter­künf­ten ähn­lich groß ist wie auf Kreuz­fahrt­schif­fen. Orga­ni­sa­tio­nen for­dern eine Unter­brin­gung in klei­nen Ein­rich­tun­gen. For­scher war­nen vor einem hohen Coro­na-Risi­ko in Sam­mel­un­ter­künf­ten für Asyl­be­wer­ber. Wegen der hohen Per­so­nen­dich­te könn­ten die Unter­künf­te zu Hot­spots für Coro­na-Infek­tio­nen wer­den, war­nen Gesund­heits­wis­sen­schaft­ler der Uni­ver­si­tät Bie­le­feld in einer am Frei­tag ver­öf­fent­lich­ten Stu­die externer Link. Nach der Fest­stel­lung eines Fal­les erge­be sich ein Anste­ckungs­ri­si­ko für alle übri­gen Bewoh­ner von 17 Pro­zent. Dies sei mit dem Aus­brei­tungs­ri­si­ko auf Kreuz­fahrt­schif­fen ver­gleich­bar, erläu­ter­te Kay­van Bozorg­mehr, Pro­fes­sor für Public Health. Cari­tas und Dia­ko­nie for­der­ten, zumin­dest Fami­li­en mit Kin­dern und Risi­ko­grup­pen aus den Groß­ein­rich­tun­gen her­aus­zu­ho­len…” Mel­dung vom 02.06.2020 beim Miga­zin externer Link (im Abo)
    • Repor­ta­ge: Men­schen ohne Papie­re in Zei­ten von Coro­na
      “Sie leben auf der Stra­ße oder sind bei Freun­den unter­ge­kom­men – Men­schen ohne Papie­re, unsicht­bar, ohne Kran­ken­schein. Schon vor der Coro­na-Kri­se war das Leben in der Par­al­lel­ge­sell­schaft schwie­rig, sagt Asma­ra Hab­te­zi­on. Doch in Zei­ten von Coro­na mit erfor­der­li­chen Schutz­maß­nah­men sind vie­le Hilfs­an­ge­bo­te weg­ge­bro­chen. Die Frau vom Ver­ein “Asma­ras World Refu­gee Sup­port” hat jetzt Schlaf­plät­ze für ca. 80 Per­so­nen orga­ni­siert, sucht die­se Men­schen auf und ver­sorgt sie mit Essen. Wohn­ge­mein­schaf­ten stel­len Zim­mer zur Ver­fü­gung, damit die Geflüch­te­ten in Zei­ten von Coro­na ein Dach über dem Kopf haben. Wir beglei­ten Asma­ra auf dem Weg zu gehei­men Adres­sen und spre­chen mit den Men­schen, die uner­kannt in Ham­burg leben…” Repor­ta­ge von Sabi­ne Ross­bach und Nastas­ja Mül­ler vom 27. Mai 2020 beim NDR Ham­burg Jour­nal externer Link (Video­län­ge: ca. 15 Min.)
  • LEA Ell­wan­gen: Straf­an­zei­ge wegen gefähr­li­cher Kör­per­ver­let­zung 
    “… Seit Beginn der Covid-19-Pan­de­mie füh­ren wir, in enger Zusam­men­ar­beit mit Flücht­lin­gen, einen kon­se­quen­ten Kampf für die sofor­ti­ge Eva­ku­ie­rung der Flücht­lings­la­ger, für dezen­tra­le Unter­brin­gung und einen gründ­li­chen Gesund­heits­schutz. Dies gilt für Lager wie in Moria/​Lesbos in Grie­chen­land, wie auch für die Lager in Deutsch­land selbst. (…) Die baden-würt­tem­ber­gi­sche Grü­nen/CDU-Lan­des­re­gie­rung spielt auch in der gegen­wär­ti­gen Covid-19-Pan­de­mie eine äußerst nega­ti­ve Rol­le in der Behand­lung von Flücht­lin­gen. Kon­kret zeig­te sich das, als Anfang April 2020 der ers­te Covid-19-Fall in der LEA Ell­wan­gen gemel­det wur­de. Da kei­ne aus­rei­chen­den Maß­nah­men ergrif­fen wur­den – ins­be­son­de­re kei­ne sofor­ti­ge Eva­ku­ie­rung, wur­den min­des­tens 400 der rund 600 Flücht­lin­ge, sowie 32 dort Beschäf­tig­te mit dem Coro­na­vi­rus infi­ziert. Das offen­bart ein kaum vor­stell­ba­res Aus­maß von Ver­wei­ge­rung not­wen­di­ger Vor­sor­ge und Ver­ant­wor­tung für den Schutz der Flücht­lin­ge und der dort Beschäf­tig­ten. Statt Gesund­heits­schutz gab es repres­si­ve Maß­nah­men, wie Aus­gangs­sper­re, Umzin­ge­lung der LEA durch Poli­zei und schließ­lich sogar Bun­des­wehr­ein­satz. Auch im Auf­trag von Flücht­lin­gen haben wir des­halb Straf­an­zei­ge wegen gefähr­li­cher Kör­per­ver­let­zung gestellt – gegen den Minis­ter­prä­si­den­ten Win­fried Kret­sch­mann (Grü­ne) und Innen­mi­nis­ter Tho­mas Stro­bl (CDU) von Baden-Würt­tem­berg, sowie gegen die beson­ders Ver­ant­wort­li­chen, Tho­mas Dei­nes, Lei­ter des Refe­rat 15.2 Flücht­lings­auf­nah­me beim Regie­rungs­prä­si­di­um Stutt­gart (RPS), und Regie­rungs­di­rek­tor Bert­hold Weiß, Lei­ter der LEA Ell­wan­gen. Die Staats­an­walt­schaft Ell­wan­gen hat uns inzwi­schen eine Auf­nah­me der Ermitt­lun­gen bestä­tigt. Im Auf­trag von Flücht­lin­gen haben wir beim Regie­rungs­prä­si­di­um die sofor­ti­ge Eva­ku­ie­rung und dezen­tra­le Unter­brin­gung gefor­dert. Nur weni­ge Tage spä­ter teil­te es uns mit, dass unse­re Man­dan­ten – zusam­men mit 100 wei­te­ren Flücht­lin­gen – eva­ku­iert wur­den. In Zusam­men­ar­beit mit dem Freun­des­kreis ‚Alas­sa & Friends’ konn­te aktu­ell auch erreicht wer­den, dass das Ver­wal­tungs­ge­richt Karls­ru­he wegen der Covid-19-Pan­de­mie Abschie­bun­gen nach Ita­li­en gestoppt hat. So in der Asyl­sa­che von Yolan­de F.. Dies und ande­re wich­ti­ge juris­ti­sche Erfol­ge vor Ver­wal­tungs­ge­rich­ten – wie in Leip­zig, Dres­den, Chem­nitz, Müns­ter – sind kon­kre­ter Aus­druck und Erfolg einer brei­ten Pro­test­be­we­gung, die sich gegen die ras­sis­ti­sche Dis­kri­mi­nie­rung von Flücht­lin­gen als Men­schen 2. Klas­se durch die Bun­des- und die Lan­des­re­gie­run­gen rich­tet.” State­ment von RA Roland Meis­ter vom 25. Mai 2020 bei Rote Fah­ne News externer Link – sie­he für Hin­ter­grün­de auch unse­re Rubrik Abschie­bung und Pro­tes­te » Als Bei­spiel: Ell­wan­genPeti­ti­on an baye­ri­schen Land­tag: Lager­pflicht für Geflüch­te­te abschaf­fen! /​[Video] Kata­stro­pha­le Zustän­de: So ver­brei­tet sich Coro­na in der Geflüch­te­ten­un­ter­kunft in Sankt Augus­tin /​… 
    • Peti­ti­on an baye­ri­schen Land­tag: Lager­pflicht für Geflüch­te­te abschaf­fen!
      “„Vor dem Virus sind alle gleich“ – das ist ein Satz, der aktu­ell oft gesagt wird. Doch das stimmt lei­der nicht. Men­schen, die bereits vor der Kri­se von pre­kä­ren Lebens­ver­hält­nis­sen betrof­fen waren, trifft Coro­na um ein Viel­fa­ches stär­ker. Welt­weit sind alle Men­schen dazu ver­pflich­tet, Abstand zu hal­ten. Von­sei­ten der Regie­rung wer­den zum Woh­le Aller Groß- und Mas­sen­ver­an­stal­tun­gen abge­sagt. ABER: Mas­sen­un­ter­künf­te wer­den wei­ter betrie­ben. Ein Wider­spruch! Die­se Tat­sa­che ist nicht nur lebens­ge­fähr­lich für die Men­schen, die in den Sam­mel­un­ter­künf­ten leben müs­sen, son­dern für alle! Die Lager­pflicht für Geflüch­te­te muss end­lich abge­schafft wer­den! Wir for­dern den Baye­ri­schen Land­tag auf, die Geset­ze zur Unter­brin­gung von Asyl­su­chen­den dahin­ge­hend zu ändern, dass Geflüch­te­te ohne Restrik­tio­nen jeder­zeit berech­tigt sind aus Mas­sen­un­ter­künf­ten aus­zu­zie­hen und pri­va­te Woh­nun­gen zu bezie­hen. Wir for­dern den Baye­ri­schen Land­tag auf, den Arti­kel 2 Absatz 2 des baye­ri­schen Auf­nah­me­ge­set­zes (Auf­nG) zu strei­chen sowie den Arti­kel 4 Absatz 3, 4 und 5 Auf­nG so abzu­än­dern, dass die pri­va­te Wohn­sitz­nah­me für Geflüch­te­te ermög­licht wird, wenn die­se eine eige­ne Woh­nung haben. Wir for­dern die Anpas­sung des §7 der Baye­ri­schen Asyl­durch­füh­rungs­ver­ord­nung (DVAsyl) , damit Asyl­su­chen­de selbst­stän­dig über ihren Auf­ent­halts­ort bestim­men kön­nen. Der Baye­ri­schen Staats­re­gie­rung muss spä­tes­tens jetzt klar wer­den, dass eine zwangs­wei­se Unter­brin­gung in Mas­sen­la­gern die Men­schen auf Dau­er nicht nur ent­rech­tet, son­dern sie psy­chisch und gera­de jetzt auch nach­weis­bar phy­sisch krank macht. Wir for­dern des­halb, die Lager­pflicht für Geflüch­te­te sowie die gro­ßen Sam­mel­un­ter­künf­te abzu­schaf­fen und auf klei­ne und dezen­tra­le Unter­brin­gung zu set­zen!” Peti­ti­on bei Cam­pact von Bay. Flücht­lings­rat, Münch­ner Flücht­lings­rat, Refu­gee Strugg­le for Free­dom, LeTRa externer Link
    • [Video] Kata­stro­pha­le Zustän­de: So ver­brei­tet sich Coro­na in der Geflüch­te­ten­un­ter­kunft in Sankt Augus­tin
      Auch in bun­des­wei­ten Medi­en mach­te es Schlag­zei­len: In der Zen­tra­len Unter­brin­gungs­ein­rich­tung (ZUE) des Lan­des NRW gab es einen rasan­ten Anstieg an Coro­na­fäl­len, die gesam­te Unter­kunft wur­de unter Qua­ran­tä­ne gestellt. Per­spek­ti­ve Online hat nun exklu­si­ves Bild­ma­te­ri­al und Berich­te von Bewoh­ne­rIn­nen der Unter­kunft erhal­ten. Es sind scho­ckie­ren­de Sze­nen, die Per­spek­ti­ve Online aus dem Leben in Coro­na-Qua­ran­tä­ne erhal­ten hat: Dut­zen­de Bil­der, Vide­os und Schil­de­run­gen von Geflüch­te­ten, die der­zeit in der „Zen­tra­len Unter­brin­gungs­ein­rich­tung“ in Sankt Augus­tin bei Bonn unter­ge­bracht sind. Sie zei­gen, war­um sich in einer Mas­sen­un­ter­kunft Covid-19 so schnell aus­brei­ten kann: wegen man­geln­der Hygie­ne und Leben auf engs­tem Raum. Bis­her sind schon 165 Men­schen infi­ziert. Die Bil­der und Vide­os wur­den uns von Meher Faa­ni wei­ter­ge­lei­tet. Bis vor kur­zem war er in der lan­des­wei­ten Sam­mel­un­ter­kunft, wur­de nach sei­ner nega­ti­ven Prü­fung auf Covid-19 jedoch zusam­men mit eini­gen ande­ren in eine Geflüch­te­ten­un­ter­kunft in Schlei­den in der Eifel ver­legt. Meher ist Wis­sen­schaft­ler, aus dem Iran geflo­hen und war­tet gera­de auf das Ergeb­nis sei­nes Asyl­ver­fah­rens in Deutsch­land…” Bericht (samt Video von Leon Hama­cher vom 21. Mai 2020 bei Per­spek­ti­ve online externer Link (sie­he wei­te­re Infos wei­ter unten)
    • Hef­ti­ger Poli­zei­ein­satz im Anker-Zen­trum Schwein­furt nach Tod eines Arme­ni­ers
      Im #ANKER-Zen­trum in der ehe­ma­li­gen Schwein­furt US-Kaser­ne war es bereits Ende März zu einem Aus­bruch des #Coro­na-Virus gekom­men. Die Bewohner*innen ste­hen seit­dem unter Qua­ran­tä­ne. Ledig­lich bereits Gene­se­ne dür­fen das Lager ver­las­sen. Erst wenn es 14 Tage lang kei­ne neu­en Coro­na-Fäl­le im Lager gibt, will die Regie­rung von Unter­fran­ken die stren­ge Qua­ran­tä­ne auf­he­ben. Bis­her wur­de bei 137 Men­schen in der Unter­kunft eine Infek­ti­on mit dem Coro­na­vi­rus nach­ge­wie­sen. Am 20. April ver­starb im ANKER-Zen­trum ein 60-jäh­ri­ger Arme­ni­er an den Fol­gen der Virus­er­kran­kung. Bei der Demons­tra­ti­on am Mon­tag­mor­gen gegen 6.30 Uhr ver­sam­mel­ten sich die Bewohner*innen am Ein­gangs­tor der ehe­ma­li­gen Kaser­ne. Fried­lich und laut­stark pro­tes­tier­ten sie gegen die har­ten Aus­gangs­sper­ren. Seit mitt­ler­wei­le 8 Wochen dür­fen sie das Lager nicht ver­las­sen. Mit Sitz­blo­cka­den ver­such­ten sie den Lager­be­trieb zu stö­ren. Die Poli­zei reagier­te mit einem enor­men Auf­ge­bot & räum­te die Blo­cka­de. Laut Poli­zei­be­rich­ten hat­te sich die Lage zunächst ent­spannt, ehe sie am Nach­mit­tag wie­der eska­lier­te. Die Bewohner*innen im Schwein­fur­ter ANKER-Zen­trum ver­su­chen seit län­ge­rem mit fried­li­chen Demons­tra­tio­nen Auf­merk­sam­keit für ihre Lage zu erhal­ten…” Thread von Schwarz­licht Würz­burg (@schwarzlichtwue) am 20. Mai externer Link
    • [MONI­TOR-Video] Ein­ge­sperrt und aus­ge­lie­fert: Coro­na in Flücht­lings­un­ter­künf­ten
      Die Zahl der Coro­na-Infek­tio­nen in deut­schen Flücht­lings­un­ter­künf­ten ist dra­ma­tisch hoch, zum Teil sind mehr als die Hälf­te der Bewoh­ner infi­ziert. Die Men­schen kön­nen sich vor Anste­ckung kaum schüt­zen: Sie leben beengt, tei­len sich Schlaf­räu­me, Küchen und sani­tä­re Ein­rich­tun­gen. Vie­le Hei­me wur­den kom­plett unter Qua­ran­tä­ne gestellt, die Men­schen waren mit dem Virus prak­tisch ein­ge­sperrt. Unter den Bewoh­nern wach­sen Ohn­macht und Wut. Das Video gibt den Recher­che­s­tand von April 2020 wie­der.” Video des Moni­tor-Bei­trags von Andre­as Maus und Neila Doss vom 18.05.2020 bei you­tube externer Link
  • Sankt Augus­tin: Zahl der Coro­na-Infi­zier­ten in Flücht­lings­heim steigt auf 130 
    “Zum ers­ten Mal gibt es offen­bar einen gro­ßen Coro­na-Aus­bruch in einem Flücht­lings­heim in Nord­rhein-West­fa­len: Bis zum Sonn­tag­nach­mit­tag hat­ten die Tests nach Anga­ben von Sankt Augus­tins Sozi­al­de­zern­ten Ali Dogan schon bei 116 Bewoh­nern der Zen­tra­len Unter­brin­gungs­ein­rich­tung (ZUE) eine Coro­na-Infek­ti­on bestä­tigt. „Wir haben am Don­ners­tag, Frei­tag und Sonn­tag alle getes­tet, die erreich­bar waren“, erklär­te der Dezer­nent. Laut Dirk Schnee­mann, Spre­cher der Bezirks­re­gie­rung in Köln, wur­den bis­lang rund 300 Men­schen getes­tet. Nach aktu­el­len Ergeb­nis­sen sind nun 130 Men­schen mit dem Coro­na­vi­rus infi­ziert. Vie­le getes­te­te Bewoh­ner der Flücht­lings­un­ter­kunft des Bun­des sei­en bereits über das Resul­tat der Unter­su­chung im Bil­de, so Schnee­mann; die­se muss­ten in einen geson­der­ten Trakt des Gebäu­des umzie­hen. „Den posi­tiv Getes­te­ten geht es gut“, beton­te der Spre­cher. (…) Vie­le der Infi­zier­ten zeig­ten kei­ne oder nur schwa­che Sym­pto­me. Laut Schnee­mann sind vie­le jun­ge Men­schen und auch Fami­li­en unter den bestä­tig­ten Infek­ti­ons­fäl­len. 60 Per­so­nen mit einem nega­ti­ven Test­ergeb­nis wur­den aus Sankt Augus­tin aus­quar­tiert, zum Teil in eine Bon­ner Jugend­her­ber­ge, zum Teil in die ZUE nach Schlei­den. Dort, so die Bezirks­re­gie­rung, müss­ten sie die Qua­ran­tä­ne hin­ter sich brin­gen. (…)Am Don­ners­tag hat­te es ein ers­tes posi­ti­ves Test­ergeb­nis gege­ben, dar­auf­hin war die Unter­kunft, die ehe­ma­li­ge Medi­en­zen­tra­le der Bun­des­wehr im Stadt­teil Nie­der­pleis, unter Qua­ran­tä­ne gestellt und Tests für alle fast 500 Bewoh­ner, aber auch für das Betreu­ungs- und Sicher­heits­per­so­nal sowie die Rei­ni­gungs­kräf­te ange­ord­net wor­den. „Wir haben mehr­mals gefor­dert, die­se Hei­me durch­zu­tes­ten“, sag­te der Grü­ne Land­tags­ab­ge­ord­ne­te Horst Becker (Loh­mar) am Sonn­tag. „Es zeigt sich jetzt, dass das viel zu spät pas­siert ist.“ Bei­trag von Peter Lor­ber und Die­ter Krantz vom 18. Mai 2020 beim Rhein-Sieg-Bonn-Anzei­ger online externer Link
  • Wes­halb Asyl­un­ter­künf­te beson­ders von Coro­na betrof­fen sind /​Nach Sach­sen jetzt das VG Müns­ter: Infek­ti­ons­schutz gilt auch für Geflüch­te­te! 
    • “Epi­de­mio­lo­gisch gese­hen eine Kata­stro­phe”. Wes­halb Asyl­un­ter­künf­te beson­ders von Coro­na betrof­fen sind
      Geflüch­te­te in Mas­sen­un­ter­künf­ten sind einem hohem Risi­ko aus­ge­setzt, an Covid-19 zu erkran­ken. Gesun­de und kran­ke Men­schen wer­den oft­mals gemein­sam unter Qua­ran­tä­ne gestellt. Erleich­te­run­gen wären mög­lich. Aber sind sie gewollt? In den Mas­sen­un­ter­künf­ten für Geflüch­te­te habe sich bun­des­weit die Situa­ti­on mas­siv zuge­spitzt, berich­tet Lot­ta Schwed­ler vom Flücht­lings­rat Bran­den­burg. Gesun­de Men­schen wur­den mit ihren infi­zier­ten Nach­barn unter Qua­ran­tä­ne gestellt, dar­un­ter auch Vor­er­krank­te aus der Risi­ko­grup­pe. So sei­en gan­ze Eta­gen und Häu­ser geschlos­sen wor­den. Infor­ma­tio­nen über die Maß­nah­men wur­den gar nicht oder erst ver­spä­tet her­aus­ge­ge­ben, sagt sie. Das hin­ter­ließ Rat­lo­sig­keit und Ver­un­si­che­rung. Die Lage scheint sich nicht zu ändern. Und das, obwohl in Sach­sen bereits gericht­lich geklärt wur­de, dass Mas­sen­un­ter­künf­te gesund­heits­ge­fähr­dend sind [mdr​.de]. Und auch die Cari­tas sagt: “Sie sind epi­de­mio­lo­gisch gese­hen eine Kata­stro­phe.” Durch feh­len­de Hygie­ne­ar­ti­kel wie Des­in­fek­ti­ons­mit­tel oder Gesichts­mas­ken, wer­de zudem die Ver­brei­tung geför­dert und der Tod von Risi­ko­pa­ti­en­ten in Kauf genom­men. Das ärgert Lot­ta Schwed­ler, denn sie mahnt nicht erst seit der Coro­na-Pan­de­mie die Kri­sen­an­fäl­lig­keit von der­ar­ti­gen Gemein­schafts­un­ter­künf­ten an. “Die Dis­kri­mi­nie­rung, die durch die­se Struk­tu­ren auf­recht­erhal­ten wird – Aus­gren­zung, gerin­ge­re Ver­sor­gung, auch medi­zi­ni­sche Ver­sor­gung – fällt jetzt in Coro­na-Zei­ten beson­ders auf.” (…) Wegen der Kon­takt­sper­re bre­chen vie­le Unter­stüt­zungs­struk­tu­ren und Initia­ti­ven weg, Betreu­ungs- und Bera­tungs­an­ge­bo­te sind ein­ge­schränkt. Dabei wären sie gera­de jetzt drin­gend nötig. (…) Gün­ter Burk­hardt von Pro Asyl sieht im Umgang mit Geflüch­te­ten ein Sys­tem. “Man will die Men­schen nicht in Woh­nun­gen unter­brin­gen”, sagt er. Der Grund dafür sei die Dub­lin-Rege­lung, nach der Geflüch­te in dem Land Asyl bean­tra­gen sol­len, in dem sie die EU zuerst betre­ten. Für vie­le ist das nicht Deutsch­land. “Man hat gesagt: Die las­sen wir schön alle schmo­ren in den Groß­un­ter­künf­ten, ein­ein­halb Jah­re lang, bis wir sie wie­der abschie­ben kön­nen – nach Ita­li­en, nach Grie­chen­land”, sagt Burk­hardt. “Nur das ist jetzt wäh­rend der Pan­de­mie völ­lig sur­re­al.”...” Bei­trag von Miron Tenen­berg vom 17.05.20 bei rbb24 externer Link
    • Nach Sach­sen jetzt das VG Müns­ter: Infek­ti­ons­schutz gilt auch für Geflüch­te­te!
      “Nach drei säch­si­schen Ver­wal­tungs­ge­rich­ten stellt eben­so das VG Müns­ter fest: Infek­ti­ons­schutz muss auch in Unter­künf­ten für Geflüch­te­te gel­ten. Wenn dies nicht sicher­ge­stellt ist, dür­fen die Per­so­nen aus­zie­hen. In einer Pres­se­kon­fe­renz hat­ten PRO ASYL und die Flücht­lings­rä­te auf die pro­ble­ma­ti­sche Situa­ti­on in Unter­künf­ten auf­merk­sam gemacht. (…) Die Ent­schei­dung des Ver­wal­tungs­ge­richts Leip­zig vom 22. April 2020 war die ers­te, in der dem Eil­an­trag des Antrag­stel­lers statt­ge­ge­ben wur­de und der Aus­zug der Per­son aus der ent­spre­chen­den Unter­kunft ange­ord­net wur­de. Der Grund: bei einer Ein­rich­tung der Grö­ße von 700 Per­so­nen, in der sich Zim­mer geteilt wer­den und auf eine Gemein­schafts­kü­che und fünf Toi­let­ten 50 Bewohner*innen kom­men, da kön­nen Infek­ti­ons­schutz­re­geln wie die Abstands­re­gel von 1,50m gar nicht ein­ge­hal­ten wer­den. Die­se sei­en aber nach der säch­si­schen Coro­na-Schutz-Ver­ord­nung »wo immer mög­lich« und »in allen Lebens­be­rei­chen« ein­zu­hal­ten. Zudem sei der Betrieb von Geschäf­ten ein­ge­schränkt, was aus Sicht des Gerich­tes zeigt, dass die Lan­des­re­gie­rung eine Aus­brei­tung des Virus durch die Zusam­men­kunft von Men­schen in Unter­künf­ten aller Art als beson­ders wahr­schein­lich anse­he. Des­we­gen »wür­de [es] nicht nur einen Wer­tungs­wi­der­spruch zu die­sen Rege­lun­gen dar­stel­len, woll­te man den Bereich der Asyl­be­wer­ber­un­ter­künf­te von dem Gebot […] her­aus­neh­men [..], es wür­de vor allem dem Sinn und Zweck der Ver­ord­nung selbst zuwi­der­lau­fen, der Ver­hin­de­rung der Aus­brei­tung des Coro­na­vi­rus Sars-CoV‑2«. Die­ser Argu­men­ta­ti­on folg­ten die zwei ande­ren säch­si­schen Ver­wal­tungs­ge­rich­te (VG Dres­den im Beschluss vom 29.04.2020 und im Beschluss vom 24.04.2020; VG Chem­nitz) und nun auch das VG Müns­ter am 7. Mai 2020. Alle Gerich­te stüt­zen sich auch auf den § 49 Abs. 2 Asyl­ge­setz. In dem heißt es: »Die Ver­pflich­tung [zur Wohn­sitz­nah­me in der Auf­nah­me­ein­rich­tung, Anm. d. Redak­ti­on] kann aus Grün­den der öffent­li­chen Gesund­heits­vor­sor­ge sowie aus sons­ti­gen Grün­den der öffent­li­chen Sicher­heit oder Ord­nung, ins­be­son­de­re zur Gewähr­leis­tung der Unter­brin­gung und Ver­tei­lung, oder aus ande­ren zwin­gen­den Grün­den been­det wer­den.« (…) Grün­de der öffent­li­chen Gesund­heits­ver­sor­gung lie­gen ins­be­son­de­re vor, wenn die­se – wie das Coro­na-Virus – nach dem Infek­ti­ons­schutz rele­vant sind. Wie die Gerich­te fest­stel­len, sind hier auch die Inter­es­sen der Asyl­su­chen­den zu berück­sich­ti­gen, die sich vor eine Anste­ckung schüt­zen wol­len. Die not­wen­di­gen wich­ti­gen Grün­de wur­den von allen Gerich­ten als vor­lie­gend erach­tet, was das behörd­li­che Ermes­sen so redu­ziert, dass die Betrof­fe­nen einen Anspruch haben, dezen­tral unter­ge­bracht zu wer­den. (…) Seit der Fer­tig­stel­lung die­ses Tex­tes sind fol­gen­de Ent­schei­dun­gen dazu­ge­kom­men: VG Müns­ter, Beschluss vom 12.05.2020…” Mit­tei­lung von Pro Asyl vom 14. Mai 2020 externer Link
  • Flücht­lings­la­ger in Hen­nings­dorf in Dau­er-Qua­ran­tä­ne Soli­da­ri­tät mit Geflüch­te­ten: Flücht­lings­la­ger eva­ku­ie­ren, Infek­ti­ons­ket­ten stop­pen, Men­schen schüt­zen!
    • Flücht­lings­la­ger in Hen­nings­dorf in Dau­er-Qua­ran­tä­ne
      Besuchs­ver­bot, gro­ße Prä­senz der Bun­des­po­li­zei, kein Inter­net, Iso­la­ti­on durch Qua­ran­tä­ne: Geflüch­te­ten-Initia­ti­ven berich­ten über kata­stro­pha­le Zustän­de im Asyl­la­ger in Hen­nigs­dorf, wo ca. 300 Bewohner_​innen unter Qua­ran­tä­ne ste­hen. Die in Hen­nigs­dorf, in der Gemein­schafts­un­ter­kunft Stol­pe-Süd unter­ge­brach­ten Flücht­lin­ge ste­hen seit 4 Wochen unter Qua­ran­tä­ne. Heu­te am 12.05.2020 soll­te die­se offi­zi­ell für alle vor­bei sein, jedoch wur­de sie erneut bis zum 21.05. ver­län­gert. Die­je­ni­gen, die posi­tiv getes­tet waren, konn­ten bereits am 05.05. die Qua­ran­tä­ne ver­las­sen. Nach­dem bei den ers­ten Tes­tun­gen im April bereits 68 Bewohner_​innen posi­tiv auf Covid 19 getes­tet wur­den, sind jetzt erneut 17 wei­te­re der ca. 300 aktu­ell anwe­sen­den Bewohner_​innen posi­tiv getes­tet wor­den. Für uns ist das kei­ne Über­ra­schung, denn seit Aus­ruf der Pan­de­mie, sagen wir, dass die Gemein­schafts­un­ter­künf­te für Flücht­lin­ge Brut­käs­ten des Virus sind, da dort die phy­si­schen Distanz-Rege­lun­gen auf­grund der engen geteil­ten Zim­mer, sowie den Gemein­schafts­räu­men wie Bäder und Küchen, nicht umsetz­bar sind. Wir ste­hen in engem Kon­takt mit den dort leben­den Flücht­lings­frau­en und sie berich­te­ten uns von den kata­stro­pha­len Zustän­den dort: Besuchs­ver­bot, gro­ße Prä­senz der Bun­des­po­li­zei, kein Inter­net, Iso­la­ti­on durch Qua­ran­tä­ne. Auf­grund des Aus­gangs­ver­bots haben die Bewohner_​innen eine Ein­kaufs­lis­te bekom­men, auf der sie ankreu­zen kön­nen, wel­che Lebens­mit­tel sie benö­ti­gen. Neben eini­gen Lebens­mit­teln und Wasch­pul­ver gibt es jedoch kei­ner­lei Sani­tär-/ Hygie­ne­ar­ti­kel, die für Frau­en und Kin­der not­wen­dig und ein nor­ma­ler Bestand­teil ihres Ein­kau­fes sind. Die Frau­en berich­te­ten, dass ihnen Damen­bin­den, Baby­win­deln, Sei­fe und Mund­schutz feh­len. (…) Wir for­dern die dort leben­den Flücht­lin­ge in siche­re Räu­me zu trans­fe­rie­ren, wo sie die phy­si­schen Distanz-Rege­lun­gen ein­hal­ten kön­nen. Geeig­net dafür sehen wir die zur Zeit leer ste­hen­den Feri­en­woh­nun­gen und Hotels. Dies ist ein wich­ti­ger Schritt, um eine Mas­sen­ka­ta­stro­phe zu ver­hin­dern. Außer­dem zeigt uns die­se Erfah­rung wie­der­mal, dass unse­re For­de­run­gen nach „Kei­ne Lager für Frau­en und Kin­der! Alle Lager abschaf­fen!“ brand­ak­tu­ell und höchst rele­vant sind!” Bericht von Women in Exi­le vom 12. Mai 2020 bei info​ri​ot​.de externer Link
    • Soli­da­ri­tät mit Geflüch­te­ten: Flücht­lings­la­ger eva­ku­ie­ren, Infek­ti­ons­ket­ten stop­pen, Men­schen schüt­zen!
      “… Wegen der Coro­na-Kri­se wer­den in allen gesell­schaft­li­chen Berei­chen Anstren­gun­gen unter­nom­men, um das Infek­ti­ons­ri­si­ko zu ver­rin­gen. Dafür müs­sen z.B. gro­ße Ansamm­lun­gen von Men­schen ver­mie­den wer­den. Im kras­sen Gegen­satz zu den Kon­takt­be­schrän­kun­gen ste­hen aller­dings die Mas­sen­un­ter­künf­te für geflüch­te­te Men­schen – sowohl an der EU-Außen­gren­ze, als auch hier in NRW. Der­zeit steht die Zen­tra­le Unter­brin­gungs­ein­rich­tun­gen (ZUE) Eus­kir­chen und die Erst­auf­nah­me­ein­rich­tung (EAE) Bonn unter Qua­ran­tä­ne in NRW. Es besteht die Sor­ge, dass lang­fris­ti­ge Ket­ten-Qua­ran­tä­ne-Maß­nah­men durch Fol­gein­fek­tio­nen mit dem Coro­na-Virus statt­fin­den. Die Bewohner*innen der NRW-Lan­des­ein­rich­tun­gen und gro­ßer kom­mu­na­ler Unter­künf­te müs­sen sich Schlaf­zim­mer, Dusch­räu­me und Toi­let­ten mit vie­len ande­ren Men­schen tei­len. In man­chen Schlaf­räu­men woh­nen vier Men­schen auf 10 qm; in vie­len Unter­künf­ten tei­len sich hun­der­te einen Kan­ti­nen­raum. Ein aus­rei­chen­der Infek­ti­ons­schutz kann so defi­ni­tiv nicht gewähr­leis­tet wer­den. (…) „Wir for­dern des­halb die sofor­ti­ge Eva­ku­ie­rung und Schlie­ßung der Mas­sen­un­ter­künf­te und eine dezen­tra­le Unter­brin­gung von geflüch­te­ten Men­schen“, so Judith Welk­mann von der Anti­ras­sis­ti­schen Ver­net­zung NRW. Erfreu­li­cher­wei­se gibt es ers­te Gerichts­ur­tei­le, die den Ver­stoß von Lan­des­re­gie­run­gen gegen ihre eige­nen Seu­chen­schutz­ver­ord­nun­gen ahn­den und die Behör­den ver­pflich­ten, die Bewoh­ne­rIn­nen anders unter­zu­brin­gen. An Räum­lich­kei­ten dafür fehlt es nicht: Es ste­hen lan­des­weit zahl­rei­che Hos­tels, Jugend­her­ber­gen oder Pen­sio­nen leer, in denen Geflüch­te­te eben­so wie Obdach­lo­se unter Beach­tung der Schutz­be­stim­mun­gen unter­ge­bracht wer­den könn­ten. Dies muss unver­züg­lich gesche­hen; ins­be­son­de­re und zuerst für Men­schen mit Vor­er­kran­kun­gen und älte­re Leu­te sowie deren Fami­li­en. Die Anti­ras­sis­ti­schen Ver­net­zung in NRW hat zur Unter­strei­chung die­ser For­de­run­gen eine Foto­ak­ti­on durch­ge­führt an Lagern in Müns­ter, Köln, Ibben­bü­ren, Möh­ne­see und vor dem MKFFI (Minis­te­ri­um für Kin­der, Fami­lie, Flücht­lin­ge und Inte­gra­ti­on des Lan­des Nord­rhein-West­fa­len) in Düs­sel­dorf.” Pres­se­mit­tei­lung der Anti­ras­sis­ti­schen Ver­net­zung in NRW vom 11. Mai 2020 externer Link mit vie­len Fotos
    • Von Poli­tik zwei­ter Klas­se – Nie­mand darf zurück­ge­las­sen wer­den!
      “Die Lan­des­flücht­lings­rä­te, PRO ASYL und die See­brü­cken-Bewe­gung leg­ten heu­te, um 10 Uhr in einer Pres­se­kon­fe­renz dar, dass es gera­de jetzt gilt, nie­man­den zurück­zu­las­sen und Lager zu schlie­ßen ‑ob in Moria oder Hal­ber­stadt. Vertreter*innen der Orga­ni­sa­tio­nen berich­te­ten von Pro­blem­la­gen, Maß­nah­men und Per­spek­ti­ven. Wäh­rend Men­schen welt­weit mit den Maß­nah­men durch die Covid-19-Pan­de­mie zu kämp­fen haben, sind beson­ders jene, die erzwun­ge­ner­ma­ßen in Camp­struk­tu­ren unter­ge­bracht sind, enor­men Gefah­ren aus­ge­setzt. Schutz­su­chen­de leben teils zu tau­sen­den in Lagern, in denen Infek­ti­ons­schutz und per­sön­li­che Bedarfs­de­ckung zwangs­läu­fig nicht mög­lich ist. Mit Blick­auf die Elend­sla­ger in Moria auf Les­vos oder wei­te­ren Inseln, auf das Leid der Men­schen in den Fol­ter­la­gern Liby­ens, dem Schick­sal der Men­schen auf der Bal­kan­rou­te und auch in Mas­sen­un­ter­künf­ten in Deutsch­land lässt sich fest­stel­len: Schutz­su­chen­de wer­den­dem Virus schutz­los aus­ge­setzt oder mit frei­heits­ent­zie­hen­den Maß­nah­men belegt. “Wir beob­ach­ten der­zeit eine bewuss­te Gefähr­dung der Gesund­heit, näm­lich dass eine Durch­seu­chung in Kauf genom­men wird,“ so Helen Deff­ner vom Flücht­lings­rat Sach­sen-Anhalt. Zu Hun­der­ten wer­den Geflüch­te­te auf engs­tem Raum unter­ge­bracht und dadurch zwangs­läu­fig dem gefähr­li­chen Virus aus­ge­setzt. “Das Coro­na-Virus macht noch ein­mal deut­lich: Es ist längst an der Zeit, dass die Lan­des­re­gie­run­gen Kon­zep­te für die Unter­brin­gung von Geflüch­te­ten in Woh­nun­gen erar­bei­ten und aus­bau­en und nicht wei­ter auf Mas­sen­un­ter­brin­gung set­zen. Es bedarf jetzt eines Rich­tungs­wech­sels: Abkehr von Sam­mel­un­ter­künf­ten hin zu Woh­nun­gen!…” Pres­se­mit­tei­lung des Flücht­lings­rats NRW vom 11. Mai 2020 externer Link mit Link zum Video der Online-Pres­se­kon­fe­renz vom 11. Mai 2020, sie­he auch unser Dos­sier: Huma­ni­tä­re Kri­se in Grie­chen­land droht zu eska­lie­ren
  • VG Müns­ter: Schwan­ge­re Asyl­su­chen­de muss wegen Coro­na-Anste­ckungs­ge­fahr nicht wei­ter in Auf­nah­me­ein­rich­tung für Flücht­lin­ge woh­nen
    “Das Ver­wal­tungs­ge­richt Müns­ter hat durch Beschluss vom 7. Mai 2020 in einem Eil­ver­fah­ren dem Land Nord­rhein-West­fa­len, ver­tre­ten durch die Bezirks­re­gie­rung Arns­berg, auf­ge­ge­ben, die Ver­pflich­tung einer schwan­ge­ren Asyl­su­chen­den und ihres Ehe­manns, in der Zen­tra­len Unter­brin­gungs­ein­rich­tung in Rhei­ne zu woh­nen, zum Schutz vor Anste­ckung mit dem Coro­na-Virus vor­läu­fig zu been­den. (…) In den Grün­den des Beschlus­ses heißt es unter ande­rem: Die Been­di­gung der Wohn­ver­pflich­tung der Antrag­stel­ler sei nicht nur zur Seu­chen­prä­ven­ti­on, son­dern ins­be­son­de­re zum Schutz der Antrag­stel­ler selbst vor Anste­ckung mit dem Coro­na-Virus Sars-CoV‑2 gebo­ten. Die Coro­na-Schutz­ver­ord­nung des Lan­des Nord­rhein-West­fa­len in der ab dem 7. Mai 2020 gül­ti­gen Fas­sung ent­hal­te für ver­schie­de­ne Lebens­be­rei­che Abstands­re­geln von min­des­tens 1,50 m zwi­schen Per­so­nen sowie wei­te­re Rege­lun­gen etwa zu Kon­takt­be­schrän­kun­gen und des Tra­gens von Mund-Nase-Bede­ckun­gen. Dies zei­ge, dass der Ver­ord­nungs­ge­ber eine Aus­brei­tung des Virus durch das Zusam­men­tref­fen von Men­schen bei Zusam­men­künf­ten und in Ein­rich­tun­gen aller Art als beson­ders wahr­schein­lich anse­he. Es wür­de einen Wer­tungs­wi­der­spruch zu den Rege­lun­gen der Ver­ord­nung dar­stel­len, woll­te man den Bereich der Asyl­be­wer­ber­un­ter­künf­te anders behan­deln…” Pres­se­mit­tei­lung der NRW-Jus­tiz online vom 11. Mai 2020 externer Link zum recht­kräf­ti­gen Beschluss des VG Müns­ter vom 7. Mai 2020 (Az.: 6a L 365/​20)
  • Flücht­lings­heim in Marl unter Qua­ran­tä­ne 
    Ein Flücht­lings­heim im Marl steht wegen bestä­tig­ter Coro­na-Infek­tio­nen unter Qua­ran­tä­ne. Von 105 Bewoh­nern und Mit­ar­bei­tern in der Zen­tra­len Unter­brin­gungs­ein­rich­tung (ZUE) sei­en 12 Bewoh­ner und 2 Sicher­heits­leu­te posi­tiv getes­tet wor­den, erklär­te die Bezirks­re­gie­rung Müns­ter am Frei­tag (08.05.2020). Ein 24-jäh­ri­ger Flücht­ling liegt im Kran­ken­haus. Die ande­ren infi­zier­ten Bewoh­ner, dar­un­ter 6 Kin­der, sowie wei­te­re Ver­dachts­fäl­le wür­den in der Lan­des­ein­rich­tung geson­dert unter­ge­bracht. Die bei­den Sicher­heits­leu­te ste­hen unter häus­li­cher Qua­ran­tä­ne, heißt es wei­ter. Alle Flücht­lin­ge dürf­ten das Gelän­de für zwei Wochen nicht ver­las­sen. In der nächs­ten wür­den sie erneut auf das Coro­na­vi­rus getes­tet…” Mel­dung vom 08.05.2020 beim WDR externer Link
  • Coro­na cha­os in Ell­wan­gen 04.05.2020: Nega­tiv getes­tet und trotz­dem ein­ge­sperrt? /​Bericht aus dem ANKER-Zen­trum in Geld­ers­heim bei Schwein­furt /​Säch­si­sche Gerich­te bestä­ti­gen Coro­na-Risi­ko in Sam­mel­un­ter­künf­ten 
    • Coro­na cha­os in Ell­wan­gen 04.05.2020: Nega­tiv getes­tet und trotz­dem ein­ge­sperrt? Kleinst­grup­pen statt Lager!
      Von den rund 600 Geflüch­te­ten in der LEA Ell­wan­gen wur­den seit Ver­hän­gung der Aus­gangs­sper­re Anfang April über 400 Bewohner*innen min­des­tens ein­mal posi­tiv getes­tet. Ende April /​Anfang Mai wur­den etwa 200 einst posi­tiv Getes­te­te aus der LEA ent­las­sen. Von den knapp 200 nega­tiv Getes­te­ten wur­de nie­mand ent­las­sen. War­um? Wird sich nach den neu­en Tests in den nächs­ten Tagen etwas ändern? Das Regie­rungs­prä­si­di­um Stutt­gart will nach die­sen Tests angeb­lich prü­fen, ob die B2-3Aus­gangs­sper­re für die LEA Ell­wan­gen auf­ge­ho­ben wer­den kann. Damit erzeugt das Regie­rungs­prä­si­di­um fal­sche Hoff­nun­gen. Viel wer­den hof­fen, nach einem nega­ti­ven Test wie­der in die Stadt gehen zu kön­nen. Doch gera­de die­je­ni­gen, die nie posi­tiv getes­tet wur­den, wer­den nicht raus dür­fen. Klingt ver­rückt. Man­che wur­den zwei, drei oder bald vier Mal nega­tiv getes­tet und füh­len sich auch super gesund. Trotz­dem müs­sen sie wei­ter in Qua­ran­tä­ne blei­ben. Das ver­steht doch kein Mensch! Ist das wie­der ein­mal pure, ras­sis­ti­sche Schi­ka­ne gegen Geflüch­te­te? (…) Wenn meh­re­re Leu­te als Grup­pe in Qua­ran­tä­ne zusam­men leben, beginnt die Qua­ran­tä­ne­zeit immer wie­der neu, sobald jemand posi­tiv getes­tet wur­de oder auch nur eine Per­son Kon­takt mit einer infi­zier­ten Per­son hat­te. Je grö­ßer die Grup­pe, des­to län­ger die mög­li­che Qua­ran­tä­ne. Sie ahnen das Pro­blem im Lager? (…) Alle Bewoh­ner der LEA Ell­wan­gen wur­de am 5. April unter Qua­ran­tä­ne gestellt. Damit wur­den die Men­schen außer­halb des Lagers geschützt, aber nicht die Men­schen im Lager. Im Lager wur­de eine rie­si­ge Grup­pe von eini­gen Hun­dert Men­schen gemein­sam unter Qua­ran­tä­ne gestellt. In die­ser Groß­grup­pe hat sich, wie nicht anders zu erwar­ten war der Virus rasend schnell ver­brei­tet. Nach dem ers­ten Mas­sen­test Anfang April waren 250 infi­ziert, beim nächs­ten Test waren es 313 und zuletzt wur­den 406 Men­schen im Lager posi­tiv getes­tet. (…) Men­schen im Lager haben die glei­che Chan­cen wie Men­schen außer­halb, wenn die rie­si­ge Qua­ran­tä­ne­grup­pe von momen­tan 200 Leu­ten in vie­le sehr klei­ne Qua­ran­tä­ne­grup­pen zer­legt wird. Das oben erwähn­te Minis­te­ri­um for­dert, dass nur Fami­li­en oder maxi­mal drei Per­so­nen in einer Grup­pe unter­ge­bracht wer­den. Das ist der Weg. Damit wäre die Qua­ran­tä­ne für die meis­ten nach zwei Wochen been­det. Kleinst­grup­pen statt Lager! (…) Wir for­dern als Sofort­maß­nah­men: Die dezen­tra­le Unter­brin­gung der Risi­ko­grup­pen, z.B. in Feri­en­woh­nun­gen. Die Bil­dung von klei­nen Qua­ran­tä­ne­grup­pen (Fami­li­en oder maxi­mal drei Per­so­nen) außer­halb der LEA und deren Unter­brin­gung z.B. in leer­ste­hen­den Hotels.” Net­work Refugees4Refugees am 4.5.2020 externer Link
    • Bericht aus dem ANKER-Zen­trum in Geld­ers­heim bei Schwein­furt
      “… Seit Ende März steht das ANKER-Zen­trum in Geld­ers­heim bei Schwein­furt unter Qua­ran­tä­ne. Waren zunächst nur 7 Per­so­nen posi­tiv auf das Coro­na­vi­rus getes­tet wor­den, stei­gen seit­dem die Infek­ti­ons­zah­len kon­ti­nu­ier­lich an. Am 21.4.2020 waren es bereits 89 Infi­zier­te, am 22.4.2020 bereits 109 Coro­na-Fäl­le an. Wir ver­öf­fent­li­chen hier den ein­drück­li­chen Bericht einer Bewoh­ne­rin des ANKER-Zen­trums über die Situa­ti­on im Inne­ren die­ses Flücht­lings­la­gers: (…) Ich kom­me aus einem fran­zö­sisch­spra­chi­gen Land in West­afri­ka, ich bin Mut­ter von drei Kin­dern, zwei Mäd­chen und einem Jun­gen, die noch dort leben. (…) Wir leben irgend­wo im Süden Deutsch­lands, in einem Zen­trum, in dem wir als Asyl­su­chen­de, ich nen­ne uns Migran­ten, unter­ge­bracht sind. Das Zen­trum beher­bergt heu­te eine Rei­he von Migran­ten mit unter­schied­li­chem Hin­ter­grund. Ursprüng­lich waren wir nicht weit von einem Ein­kaufs­zen­trum ent­fernt, aber kürz­lich waren wir gezwun­gen, den Stand­ort zu wech­seln, ohne dass die ver­schie­de­nen Ver­ant­wort­li­chen für unser Unter­brin­gungs­zen­trum eine wirk­li­che Erklä­rung abge­ge­ben haben. Die­se bru­ta­le Ver­le­gung unse­rer Unter­kunft erfolg­te wie es scheint auf­grund der For­de­run­gen der Anwoh­ner. Gerüch­te las­sen ver­mu­ten, dass die­ser uner­war­te­te Umzug unse­res Unter­brin­gungs­zen­trums auf meh­re­re Grün­de zurück­zu­füh­ren ist, von denen ich ver­su­chen wer­de, eini­ge hier zu nen­nen: Die Anwoh­ner hät­ten sich dar­über beschwert, dass die Nähe des ANKER-Zen­trums zu ihren Woh­nun­gen für ihre Sicher­heit gefähr­lich zu sein schien. Laut die­ser deut­schen Staats­bür­ger, die sich über die Anwe­sen­heit einer gro­ßen Zahl von Aus­län­dern, ins­be­son­de­re Schwar­zen, beschwert hät­ten, die sich zu unan­ge­mes­se­nen Zei­ten auf ihren Stra­ßen “her­um­trei­ben” wür­den, wür­den die­se den Frie­den und die Sicher­heit ihrer Kin­der schä­di­gen und stö­ren. Offen­sicht­lich wäre die Anwe­sen­heit von Schwar­zen nicht will­kom­men. (…) Als ich mein Land wegen der gro­ßen Unsi­cher­heit ver­las­sen habe, weil mei­ne Kin­der und ich in Gefahr waren, wuss­te ich nicht, wie das Leben der Migran­ten in Euro­pa wirk­lich ist, ich dach­te, die Rea­li­tät sähe anders aus. Heu­te weiß ich, wie es ist, eine Ein­wan­de­rin, eine undo­ku­men­tier­te, ille­ga­li­sier­te Ein­wan­de­rin in Euro­pa zu sein. Ich for­de­re die Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land heu­te auf, ihr Inte­gra­ti­ons­sys­tem für Asyl­be­wer­ber zu über­prü­fen. Alle Migran­ten, ich selbst und mei­ne Kin­der wür­den sich eine neue Chan­ce wün­schen, bei null anfan­gen zu dür­fen. Von Sozi­al­hil­fe zu leben gehört nicht zu mei­nen Plä­nen, ich wür­de mir wün­schen, dass Deutsch­land mir erlaubt, in die Schu­le zu gehen, um die deut­sche Spra­che und Kul­tur zu ler­nen, eine Berufs­aus­bil­dung zu machen oder die bereits bestehen­de zu ver­bes­sern, um einen sta­bi­len Arbeits­platz zu haben, um mei­ne Kin­der zu betreu­en und zur guten Ent­wick­lung mei­nes Gast­lan­des bei­zu­tra­gen. Im Moment träu­me ich davon, dass das Ergeb­nis mei­ner Beru­fung POSITIV sein wird. POSITIV, um die Mög­lich­keit zu haben, mei­ne Kin­der zurück­zu­be­kom­men, denn wäh­rend sich die Situa­ti­on ver­zö­gert, wäh­rend die Deut­schen sich Zeit zum Nach­den­ken neh­men, ist auch das Leben mei­ner Kin­der in Gefahr, mei­ne Klei­nen sind mein gan­zes Leben, mein gan­zes Leben lang habe ich allein gekämpft und stand allen Hin­der­nis­sen gegen­über, um dann ohne mei­ne Kin­der in Schmerz, Stress, unbe­ant­wor­te­te Fra­gen und Trau­er flie­hen zu müs­sen. Und all dies ist der Fall, weil ich mich gewei­gert habe zu akzep­tie­ren, dass sich im Leben mei­ner Kin­der die Unge­rech­tig­keit wie­der­holt. Nachts wird mein Bett zu einem See aus Trä­nen, ich kann nicht schla­fen, mein Appe­tit und mein Sinn für Humor sind ver­schwun­den. Als allein­er­zie­hen­de Mut­ter möch­te ich das Bes­te für mei­ne Kin­der – ein Leben ohne Angst, wie alle Deut­schen und Euro­pä­er. War­tet nicht, bis das schlimms­te ein­tritt, um dann wie­der „Ärz­te ohne Gren­zen“ zu sein. Eine Asyl­be­wer­be­rin in Not. Ein­fach leben, leben und mit mei­nen Kin­dern bei null anfan­gen.” Bericht einer Migran­tin vom Mai 2020 beim Baye­ri­schen Flücht­lings­rat externer Link
    • Kein Min­dest­ab­stand im Asyl­heim: Säch­si­sche Gerich­te bestä­ti­gen Coro­na-Risi­ko in Sam­mel­un­ter­künf­ten für Flücht­lin­ge
      “In Sach­sen haben mitt­ler­wei­le schon vier Flücht­lin­ge die Ent­las­sung aus Gemein­schafts­un­ter­künf­ten für Asyl­be­wer­ber im Zusam­men­hang mit der Coro­na-Pan­de­mie erstrit­ten. Zuletzt gab das Ver­wal­tungs­ge­richt Chem­nitz dem Antrag eines 31-Jäh­ri­gen statt, die Erst­auf­nah­me­ein­rich­tung im erz­ge­bir­gi­schen Schnee­berg ver­las­sen zu dür­fen. Ver­wie­sen wur­de ins­be­son­de­re auf ein »beson­de­res Infek­ti­ons­ri­si­ko« bei der Benut­zung der sani­tä­ren Ein­rich­tun­gen. Der Klä­ger muss sich nach eige­nen Anga­ben mit 100 Per­so­nen sechs Toi­let­ten und sechs Duschen tei­len. Die für die Erst­auf­nah­me zustän­di­ge Lan­des­di­rek­ti­on Sach­sen (LDS) rückt den­noch nicht von der Unter­brin­gung in Gemein­schafts­un­ter­künf­ten ab. »Wir haben Ankom­men­de in Sam­mel­ein­rich­tun­gen unter­zu­brin­gen«, sag­te deren Prä­si­den­tin Regi­na Kraus­haar unter Ver­weis auf die Geset­zes­la­ge in Bund und Frei­staat. Zudem zeig­te sie sich über­zeugt, dass ver­schie­de­ne Hygie­ne­maß­nah­men in den Ein­rich­tun­gen, etwa ein »deut­lich erhöh­tes Rei­ni­gungs­re­gime«, für einen aus­rei­chen­den Schutz vor Infek­tio­nen sor­gen. Die Pan­de­miela­ge, sag­te der für die Erst­auf­nah­me zustän­di­ge Refe­rats­lei­ter Jens Löscher, recht­fer­ti­ge »per se kei­ne Ent­las­sung aus den Ein­rich­tun­gen«. Dem ste­hen indes inzwi­schen Ent­schei­dun­gen aller drei Ver­wal­tungs­ge­rich­te im Land ent­ge­gen. Zunächst hat­te ein Asyl­be­wer­ber in Leip­zig erfolg­reich geklagt, der dar­auf­hin in eine Unter­kunft im Land­kreis Zwi­ckau ver­legt wur­de – vor­läu­fig, wie Kraus­haar beton­te: Die LDS ficht die­se Ent­schei­dung an. Danach hat­te das Ver­wal­tungs­ge­richt Dres­den den Kla­gen zwei­er schwan­ge­rer Frau­en statt­ge­ge­ben. In der Ent­schei­dung hieß es, die Klä­ge­rin gehö­re »schon auf­grund ihrer Schwan­ger­schaft zu einer Per­so­nen­grup­pe«, für die »ein erhöh­tes Infek­ti­ons­ri­si­ko« anzu­neh­men sei. (…) Vor Gericht hat das Argu­ment, es habe bis­her kei­ne Infek­ti­ons­fäl­le gege­ben, kei­nen Bestand. Die Coro­na-Ver­ord­nung für Sach­sen sol­le »ja gera­de die Infi­zie­rung mit dem Virus ver­hin­dern«, heißt es in der Chem­nit­zer Ent­schei­dung. In die­ser wer­den star­ke Zwei­fel geäu­ßert, ob eine der wesent­lichs­ten dort fest­ge­leg­ten Maß­nah­men – das Abstands­ge­bot von 1,5 Metern zwi­schen Per­so­nen, die nicht dem glei­chen Haus­stand ange­hö­ren – in einer sol­chen Ein­rich­tung ein­zu­hal­ten sei. Die Grund­sät­ze der Ver­ord­nung, betont das Gericht, »fin­den auch in einer Asy­l­erst­auf­nah­me­ein­rich­tung Anwen­dung« – in der sich der Klä­ger indes mit drei bis vier Mit­be­woh­nern ein nur gut 17 Qua­drat­me­ter gro­ßes Zim­mer tei­len muss.” Bei­trag von Hen­drik Lasch bei neu­es Deutsch­land vom 4. Mai 2020 externer Link
    • Ein­ge­sperrt und aus­ge­lie­fert: Coro­na in deut­schen Flücht­lings­un­ter­künf­ten
      “Georg Rest­le: „Kein aus­rei­chen­der Schutz für beson­ders Schutz­be­dürf­ti­ge? Das gilt nicht nur für Gefäng­nis­se. In den letz­ten Wochen mach­ten eini­ge Flücht­lings­un­ter­künf­te Schlag­zei­len, weil sich dort das Coro­na-Virus rasant aus­brei­te­te. Vor allem des­halb, weil die dort Leben­den kaum eine Chan­ce hat­ten, sich aus­rei­chend zu schüt­zen oder auf Distanz zu gehen. In vie­len zen­tra­len Unter­künf­ten und Auf­nah­me­ein­rich­tun­gen gibt es näm­lich kaum eine Mög­lich­keit, sich aus dem Weg zu gehen. Jetzt gibt es schwe­re Vor­wür­fe, man habe am Coro­na-Virus Infi­zier­te nicht wirk­sam von ande­ren Bewoh­nern getrennt und vie­le Flücht­lin­ge qua­si ihrem Schick­sal über­las­sen.” (…) Für Ramo­na Lenz von med­i­co inter­na­tio­nal ist klar, die Flücht­lin­ge müs­sen raus aus den Mas­sen­un­ter­künf­ten. Ramo­na Lenz, med­i­co inter­na­tio­nal: „Also die Coro­na-Pan­de­mie führt uns gera­de vor Augen, wie gesund­heits­ge­fähr­dend es ist, Men­schen für län­ge­re Zeit­räu­me in Mas­sen­un­ter­künf­ten unter­zu­brin­gen. Und des­we­gen kann die ein­zi­ge Kon­se­quenz, die wir jetzt zie­hen müs­sen, nur sein, die Men­schen dezen­tral unter­zu­brin­gen. Jetzt, wäh­rend der Pan­de­mie – aber auch lang­fris­tig.“…” Bericht von Andre­as Maus und Neila Doss in der Moni­tor-Sen­dung vom 30. April 2020 externer Link
  • Bre­mer Wach- und Sicher­heits­kräf­te for­dern die Schlie­ßung der Zast /​Soli­da­risch mit dem Pro­test der Bewoh­ner im Camp LEA Ell­wan­gen! 
    • Pro­jekt WaSi: Schlie­ßung der ZAST in Bre­men Nord – Gesund­heits­schutz für die Bewohner*innen & alle Mitarbeitern*innen der Wach- & Sicher­heits­bran­che
      Bei ver.di orga­ni­sier­te Wach- und Sicher­heits­kräf­te for­dern die Schlie­ßung der Zast Lin­den­stra­ße in Bre­men und for­dern die dezen­tra­le Unter­brin­gung der Bewoh­ne­rIn­nen. Sie­he das Flug­blatt für die Schlie­ßung der Sam­mel­un­ter­kunft “Coro­na-Info: Wach- & Sicher­heit” 4/​2020 vom Fach­be­reich 13 bei ver.di Bre­men – #Shut­Down­Lin­den­stra­ße
    • Soli­da­risch mit dem Pro­test der Bewoh­ner im Camp LEA Ell­wan­gen!
      Sonn­tag­nach­mit­tag in Ell­wan­gen: Inzwi­schen sind 75% aller Bewoh­ner in der LEA Ell­wan­gen mit dem neu­ar­ti­gen Coro­na-Virus infi­ziert und der Pro­test der Bewoh­ner nimmt zu – sie for­dern, in siche­re Unter­künf­te zu kom­men, denn die Qua­ran­tä­ne-Bedin­gun­gen wer­den immer unmensch­li­cher. Wir zeig­ten ihnen mit einem Sonn­tags­spa­zier­gang der etwas ande­ren Art, dass sie mit ihrem berech­ti­gen Pro­test nicht allei­ne ste­hen! Die­ses Video zeigt die­se Akti­on: https://​you​tu​.be/​w​w​f​2​T​h​7​g​89g externer Link
      Eini­ge der „Spa­zier­gän­ger“ beschrie­ben ihre Erfah­run­gen: „Wir hat­ten in den letz­ten Wochen die Ereig­nis­se bzgl. Coro­na in der LEA bei Ell­wan­gen ver­folgt und auch die Berich­te und Bil­der in der Lokal­zei­tung ‚Schwä­bi­sche Post‘ gese­hen, wonach Poli­zei und Bun­des­wehr gemein­sam die Bewa­chung der LEA-Bewoh­ner über­nom­men haben. Also beschrie­ben wir Kar­tons mit ‚Hot­spot LEA – Sofort eva­ku­ie­ren!‘ und ‚Hot­spot LEA: Shut it down! No medi­cal Pri­son!‘ Auf unse­rem Spa­zier­weg von Schrez­heim (Nach­bar­dorf) zur LEA waren wir fast ange­kom­men, als uns eine zuneh­men­de Men­ge an Poli­zei-Beam­ten und –Beam­tin­nen den Weg ver­sperr­ten und bereits in hef­ti­gen Dis­kus­sio­nen mit ande­ren Spa­zier­gän­gern waren. Auf unse­re For­de­rung, uns durch zu las­sen, um unse­ren Spa­zier­gang fort­set­zen zu kön­nen, behaup­te­te die Poli­zei vom Revier Ell­wan­gen, dies sei eine ver­bo­te­ne Kund­ge­bung, bzw. Demons­tra­ti­on und die LEA sei eine Ein­rich­tung des Lan­des Baden-Würt­tem­berg, wo das jetzt zu Coro­na-Zei­ten nicht erlaubt sei. Wir muss­ten unse­re Per­so­nal­aus­wei­se abge­ben und unse­re Per­so­na­li­en wur­den auf­ge­nom­men. Auf die Fra­ge, was wäre eigent­lich pas­siert, wenn wir mit Schil­dern gekom­men wären mit der Auf­schrift: ‚Vie­len Dank an Poli­zei und Bun­des­wehr für die gute Arbeit in der LEA‘? Kam die Ant­wort: ‚Das ist kei­ne poli­ti­sche For­de­rung oder Sache, son­dern eine Dan­kes-Kund­ge­bung – dage­gen spricht nichts.‘ Das zeigt deut­lich: Es geht nicht um Gesund­heits­schutz, son­dern gegen berech­ti­gen Pro­test! Doch den las­sen wir uns nicht ver­bie­ten – soli­da­risch mit dem Pro­test der LEA-Bewoh­ner for­dern wir: Eva­ku­iert die Bewoh­ner der LEA Ell­wan­gen und aller ande­ren Sam­mel­un­ter­künf­te!” Bericht von Freun­des­kreis Alas­sa & friends vom 28.4.2020
  • [Peti­ti­on] Infek­ti­ons­schutz muss für alle gel­ten – Mas­sen­un­ter­kunft LEA Ell­wan­gen schlie­ßen! /​[Bre­men] Peti­ti­on “Schließt Mas­sen­un­ter­kunft Lin­den­stra­ße – schafft siche­re Wohn­si­tua­ti­on für Geflüch­te­te!” /​27 bestä­tig­te Coro­na­fäl­le in Bon­ner Erme­keil­ka­ser­ne 
    • [Peti­ti­on] Infek­ti­ons­schutz muss für alle gel­ten – Mas­sen­un­ter­kunft LEA Ell­wan­gen schlie­ßen!
      In der Lan­des­erst­auf­nah­me für Geflüch­te­te in Ell­wan­gen sind mitt­ler­wei­le mehr als die Hälf­te der etwa 600 Bewohner*innen sowie rund 30 Beschäf­tig­te posi­tiv auf das neu­ar­ti­ge Coro­na­vi­rus getes­tet wor­den. Wäh­rend Behör­den und Medi­en die rapi­de Aus­brei­tung des Virus anfangs als „Rät­sel“ bezeich­ne­ten, ist für uns klar: In einer Mas­sen­un­ter­brin­gung, wo sich 50 Per­so­nen eine Toi­let­te und einen Wasch­raum tei­len, und wo hun­der­te Men­schen in einer Groß­kan­ti­ne ver­pflegt wer­den, ist eine schnel­le Infek­ti­ons­aus­brei­tung vor­pro­gram­miert. Hin­zu kom­men zahl­rei­che Berich­te, wonach den Geflüch­te­ten nicht ein­mal Des­in­fek­ti­ons­mit­tel zur Ver­fü­gung steht. Wir for­dern die sofor­ti­ge Räu­mung und Schlie­ßung der LEA Ell­wan­gen und aller ande­ren Mas­sen­un­ter­künf­te und die dezen­tra­le Unter­brin­gung der Geflüch­te­ten in Räu­men, die es ihnen ermög­li­chen, sich vor dem Coro­na-Virus zu schüt­zen und die gesetz­li­chen Vor­ga­ben zur Ein­däm­mung der Pan­de­mie“ ein­zu­hal­ten…” Peti­ti­on an das Regie­rungs­prä­si­di­um Stutt­gart gestar­tet von Refugees4Refugees bei cam­pact externer Link
    • [Bre­men] Peti­ti­on “Schließt Mas­sen­un­ter­kunft Lin­den­stra­ße – schafft siche­re Wohn­si­tua­ti­on für Geflüch­te­te!”
      • Offe­ner Brief des Flüchtlingsrats Bre­men an die Sozi­al­se­na­to­rin
        Guten Tag Frau Stah­mann! Seit Beginn der Coro­na-Pan­de­mie haben Sie die berech­tig­ten Anlie­gen und Inter­es­sen der Bewohner*innen der Lin­den­stra­ße oder deren for­mu­lier­te Kri­tik wahl­wei­se ver­schwie­gen, klein­ge­re­det, als unsach­lich dele­gi­ti­miert oder offen abge­strit­ten. All dies ver­wun­dert wenig, denn es sind die bekann­ten Mit­tel der Macht, sich sol­cher­art über die Bedürf­nis­se und die Kri­tik der­je­ni­gen hin­weg­zu­set­zen, über die sie die­se Macht aus­übt. Ihre öffent­li­chen Äuße­run­gen vom 23.04.20 haben jedoch auch die­ses Maß noch über­schrit­ten. Nach­dem Sie die unfass­bar hohe Zahl von zunächst 120 Infek­tio­nen – ent­stan­den durch Ihr Nicht-Han­deln – ver­kün­den muss­ten, haben Sie der Öffent­lich­keit außer­dem mit­ge­teilt, alle Bewohner*innen der Lin­den­stra­ße sei­en „sym­ptom­frei“, es sei­en durch­weg „mil­de Ver­läu­fe“, man­che sei­en halt „büschen dol­ler ver­schnupft“. Die­se öffent­li­chen Äuße­run­gen erfüll­ten die Funk­ti­on der (Selbst-)Beruhigung und waren damit ver­ant­wor­tungs­los. Zudem waren sie sach­lich schlicht falsch: Es befan­den sich seit dem Abend des 22.04. bereits zwei Per­so­nen, die posi­tiv auf Covid-19 getes­tet wur­den, im Kran­ken­haus. Stand heu­te (26.04.) befin­den sich mitt­ler­wei­le drei Per­so­nen aus der Lin­den­stra­ße in sta­tio­nä­rer Behand­lung und kämp­fen gegen das Virus. (…) Kei­ne der vie­len Bewohner*innen, mit denen wir seit Wochen im Kon­takt ste­hen, wuss­te, wer Sie sind oder konn­te Ihren „Besuch“ einschätzen. Eine uns bekann­te Per­son hat Sie als Jour­na­lis­tin wahr­ge­nom­men und Ihnen ange­bo­ten, Ihnen von den unerträglichen Zuständen in der Lin­den­stra­ße zu erzählen. Sie haben sie abge­wim­melt und ihr geant­wor­tet, Sie kämen später zu ihrem Zim­mer. Sie hat dort auf Sie gewar­tet – selbstverständlich sind Sie nicht gekom­men. So weit, so schlecht. Doch damit nicht genug. Abso­lut nicht hin­nehm­bar und unge­heu­er­lich ist, Frau Stah­mann, dass Sie der Öffentlichkeit am 22.04. außer­dem unge­fragt mit­ge­teilt haben: „Über die vie­len Infi­zier­ten war ich erst mal erschro­cken. Jetzt bin ich erleich­tert“. Allen Infi­zier­ten gin­ge es gut, die­ser mil­de Ver­lauf könne so ein neu­es Lage­bild von der Coro­na­er­kran­kung zeich­nen: „Für Viro­lo­gen ist das inter­es­sant.“ (…) Ihre hanebüchene Behaup­tung, das „Lage­bild“ in der Lin­den­stra­ße sei für Viro­lo­gen inter­es­sant, ist eine ras­sis­ti­sche Aus­sa­ge. (…) Wir for­dern Sie daher auf: Ent­schul­di­gen Sie sich öffentlich bei den Bewohner*innen der Lin­den­stra­ße für Ihre ras­sis­ti­sche Äußerung! Distan­zie­ren Sie sich öffentlich von Ihren Behaup­tun­gen, die sach­lich falsch, fach­lich unüberprüft und inhalt­lich ras­sis­tisch sind! Hören Sie auf, sich selbst als Opfer zu insze­nie­ren, sobald Ihnen Kri­tik an Ihrer Poli­tik ent­ge­gen­ge­bracht wird! Hören Sie auf, die phy­si­sche und psy­chi­sche Gesund­heit von Men­schen zu gefährden! Schlie­ßen Sie die Massenunterkünfte!Offe­ner Brief des Flüchtlingsrats Bre­men vom 26. April 2020 externer Link
      • GEW Bre­men unter­stützt die Peti­ti­on “Schließt Mas­sen­un­ter­kunft Lin­den­stra­ße – schafft siche­re Wohn­si­tua­ti­on für Geflüch­te­te!”
        Alle spre­chen in der Coro­na-Kri­se davon, gemein­sam die ver­letz­bars­ten Mit­glie­der der Gesell­schaft zu schüt­zen – wir for­dern den Bre­mer Senat auf: Schließt die Lan­des­auf­nah­me­stel­le für Geflüch­te­te in der Lin­den­stra­ße in Vege­sack und schafft ange­mes­se­ne, siche­re und dezen­tra­le Wohn­mög­lich­kei­ten – SOFORT! (…) Die Zah­len der an Coro­na infi­zier­ten Bewohner*innen der Lin­den­stra­ße spre­chen für sich, heu­te, einen Monat nach unse­rem Auf­ruf die Peti­ti­on externer Link zu unter­schrei­ben, sind es 120 posi­tiv Getes­te­te von noch 374 in der Erst­auf­nah­me Ver­blie­be­nen. Nun steht wie von Flücht­lings­rat und ande­ren befürch­tet, die gan­ze Ein­rich­tung unter Qua­ran­tä­ne. Äußerst belas­tend für die Bewohner*innen, die nun in über­be­leg­ten Räu­men ein­ge­sperrt sind, in denen sich die Fens­ter nicht von ihnen öff­nen las­sen. Eini­ge Bewohner*innen haben die Zustän­de unter denen Men­schen in der Lin­den­stra­ße zu leben gezwun­gen wer­den, publik gemacht. Es gab drei Demons­tra­tio­nen unter stren­gen Auf­la­gen, begrenz­ter Teil­neh­men­den­zahl und Abstands­ge­bot etc. (…) Wenn der Kampf um Men­schen­rech­te als „ideo­lo­gisch begrün­de­te Kon­tro­ver­se“ denun­ziert wird, dann soll­ten wir als Gewerkschafter*innen die Sozi­al­se­na­to­rin auf­for­dern zurück­zu­tre­ten, dann kann sie ihre Posi­ti­on unmög­lich ausfüllen.Denn Men­schen­rech­te sind Grund­la­ge für unse­re Bre­mer Lan­des­ver­fas­sung. Sie sind Grund­la­ge des Grund­ge­set­zes. Sie sind Grund­la­ge für eine fried­li­che­re Welt, wie wir sie wol­len. Auch die Bil­dungs­se­na­to­rin muss sich fra­gen las­sen: Wie wird das Kin­der­recht auf Bil­dung für Kin­der und Jugend­li­che in der Lin­den­stra­ße ver­wirk­licht? Schon vor Coro­na eine Kata­stro­phe und eine Schan­de für alle Ver­ant­wort­li­chen. Nun wird über Home­schoo­ling gere­det als wären die­se Kin­der nicht exis­tent, the­re is no home, the­re is no school für die Kin­der und Jugend­li­chen. Einer von vie­len sehr guten Grün­den Mas­sen­un­ter­künf­te für immer zu schlie­ßen…” Erklä­rung der GEW Bre­men vom 23.04.2020 externer Link zu #Shut­Down­Lin­den­stra­ße
    • Infi­zier­te in Flücht­lings­un­ter­kunft: 27 bestä­tig­te Coro­na­fäl­le in Bon­ner Erme­keil­ka­ser­ne
      In der Erst­auf­nah­me­ein­rich­tung für Flücht­lin­ge in der ehe­ma­li­gen Erme­keil­ka­ser­ne in der Süd­stadt gibt es 27 posi­tiv getes­te­te Per­so­nen. 24 von ihnen sind Bewoh­ner, drei Mit­ar­bei­ter (Stand Frei­tag­mit­tag, 14 Uhr). Die Zahl nann­te Vize-Stadt­spre­cher Marc Hoff­mann am Frei­tag auf GA-Nach­fra­ge. Kei­ner der Erkrank­ten müs­se sta­tio­när behan­delt wer­den. Die posi­tiv getes­te­ten Per­so­nen sei­en iso­liert wor­den, ihre direk­ten Kon­takt­per­so­nen befän­den sich in Qua­ran­tä­ne. „Es gilt für die Ein­rich­tung eine Ein­gangs- und Aus­gangs­sper­re“, so Hoff­mann…” Arti­kel von Lisa Inhof­fen vom 24. April 2020 im Gene­ral-Anzei­ger online externer Link
    • Umge­hen­de dezen­tra­le Unter­brin­gung! djb for­dert wirk­sa­men Gesund­heits- und Gewalt­schutz von Geflüch­te­ten
      Die jüngs­ten Berich­te aus Städ­ten wie z.B. Ell­wan­gen, Bie­le­feld oder Bre­men zei­gen, dass ein wirk­sa­mer Schutz vor dem Coro­na­vi­rus in Auf­nah­me­ein­rich­tun­gen und Sam­mel­un­ter­künf­ten der­zeit kaum rea­li­sier­bar ist und sich Infek­tio­nen zuneh­mend aus­brei­ten. Die Unter­brin­gung in klei­nen Mehr­bett­zim­mern, zen­tra­le Essens­aus­ga­ben und sani­tä­re Anla­gen, die von vie­len Bewohner*innen geteilt wer­den müs­sen, machen es unmög­lich Qua­ran­tä­ne­maß­nah­men und Abstands­re­ge­lun­gen ein­zu­hal­ten. Die Gesund­heits­äm­ter sind der­zeit zu über­las­tet, um die Umset­zung und Anpas­sung der Hygie­nekon­zep­te der Ein­rich­tun­gen ent­spre­chend der Ver­pflich­tung nach § 36 Abs. 1 Nr. 4 IfSG zu kon­trol­lie­ren. Geflüch­te­te in Sam­mel­un­ter­künf­ten ver­sto­ßen so gezwun­ge­ner­ma­ßen gegen Kon­takt­sper­ren und Abstands­ge­bo­te, die die Ver­brei­tung des Virus ein­däm­men sol­len. Auch Men­schen­an­samm­lun­gen, wie sie aktu­ell über die Infek­ti­ons­schutz­ver­ord­nun­gen der Län­der ver­hin­dert wer­den sol­len, sind in den Unter­künf­ten für Geflüch­te­te unum­gäng­li­cher All­tag. Damit sind Infek­ti­ons­ket­ten vor­pro­gram­miert. Die­se Ein­schät­zung teilt auch das Ver­wal­tungs­ge­richt Leip­zig in einem Beschluss vom 22.04.2020 (3 L 204/​20), mit dem es die Ver­pflich­tung eines Antrag­stel­lers, in einer Auf­nah­me­ein­rich­tung zu woh­nen, been­de­te. „Der Schutz vor Coro­na darf nicht vor den Türen von Ein­rich­tun­gen für geflüch­te­te Men­schen auf­hö­ren.“ , for­dert Prof. Dr. Maria Wer­sig, Prä­si­den­tin des Deut­schen Juris­tin­nen­bund e.V. (djb)…” Pres­se­mit­tei­lung vom 23.04.2020 externer Link
  • Theo­rie: Ver­wal­tungs­ge­richt Leip­zig: Coro­na-Abstand­re­gel gilt auch in Asyl­un­ter­kunft – Pra­xis: Der ers­te Coro­na-Tote in einem baye­ri­schen Flücht­lings­la­ger /​120 Coro­na-Fäl­le in Bre­mer Flücht­lings­un­ter­kunft /​Ell­wan­gen: »Anste­ckungs­ra­te klet­tert nach oben 
    • Ver­wal­tungs­ge­richt Leip­zig: Coro­na-Abstand­re­gel gilt auch in Asyl­un­ter­kunft
      Die Coro­na-Abstand­re­geln gel­ten auch in Flücht­lings­un­ter­künf­ten. Das hat das Ver­wal­tungs­ge­richt Leip­zig ent­schie­den. Es gab einem Eil­an­trag eines Asyl­be­wer­bers statt, der mit einer wei­te­ren Per­son in einem zwei mal zwei Meter gro­ßen Zim­mer unter­ge­bracht ist. (…) Die zustän­di­ge Lan­des­di­rek­ti­on will den Beschluss prü­fen, die Links­par­tei for­der­te die sofor­ti­ge dezen­tra­le Unter­brin­gung aller rund 2.000 Betrof­fe­nen. Laut dem Gerichts­be­schluss kann die für die Unter­künf­te zustän­di­ge säch­si­sche Lan­des­di­rek­ti­on den Antrag­stel­ler nicht wei­ter dazu ver­pflich­ten, in der Auf­nah­me­ein­rich­tung in Döl­zig (Kreis Nord­sach­sen) zu woh­nen…” Mel­dung vom 23.04.2020 beim Miga­zin externer Link zu AZ: 3 L 204/​20 (im Abo)
    • [ANKER-Zen­trum Schwein­furt] Der ers­te Coro­na-Tote in einem baye­ri­schen Flücht­lings­la­ger
      Geflüch­te­ter aus dem ANKER-Zen­trum Schwein­furt am 20.4.2020 ver­stor­ben /​Flücht­lings­rat for­dert: Flücht­lin­ge schüt­zen und Sam­mel­un­ter­künf­te schlie­ßen! Am Abend des 20.4.2020 ist ein Geflüch­te­ter aus dem ANKER-Zen­trum Schwein­furt (Geld­ers­heim) an Covid-19 ver­stor­ben. Laut einer Pres­se­mit­tei­lung der Regie­rung von Unter­fran­ken sei der Mann 60 Jah­re alt gewe­sen und hät­te meh­re­re Vor­er­kran­kun­gen gehabt. Er gehör­te damit zu den Risi­ko­grup­pen, die es beson­ders zu schüt­zen gilt. Er wur­de jedoch nicht aus dem Gefah­ren­be­reich des ANKER-Zen­trums Schwein­furt geholt und in Sicher­heit gebracht, son­dern ledig­lich in ein geson­der­tes Gebäu­de inner­hal­bes Lagers ver­legt, wo er auch wei­ter­hin in einem Mehr­bett­zim­mer unter­ge­bracht war. Genützt hat es offen­bar nichts: Der Mann hat sich mit dem Coro­na­vi­rus infi­ziert, wur­de zunächst in das Kran­ken­haus in Schwein­furt ein­ge­lie­fert und von dort nach Mün­ner­stadt ver­legt, wo er ver­starb. Der Baye­ri­sche Flücht­lings­rat ist bestürzt über den ers­ten Toten in einem baye­ri­schen Flücht­lings­la­ger. „Wir sind in Gedan­ken bei dem Ver­stor­be­nen und sei­nen Ange­hö­ri­gen. Gleich­zei­tig fürch­ten wir, dass es nicht bei einem Toten blei­ben wird, vie­le wei­te­re Flücht­lin­ge haben sich in den baye­ri­schen ANKER-Zen­tren und Gemein­schafts­un­ter­künf­ten infi­ziert, eini­ge Men­schen wer­den im Kran­ken­haus behan­delt, wir wis­sen von min­des­tens einem Fall auf der Inten­siv­sta­ti­on“, erklärt Alex­an­der Thal, Spre­cher des Baye­ri­schen Flücht­lings­rats…” Pres­se­mit­tei­lung vom 22.04.2020 beim Flücht­lings­rat Bay­ern externer Link
    • [Lin­den­stra­ße in Bre­men-Nord] 120 Coro­na-Fäl­le in Bre­mer Flücht­lings­un­ter­kunft
      In der zen­tra­len Erst­auf­nah­me für Geflüch­te­te in Bre­men-Vege­sack sind mitt­ler­wei­le 120 Infek­tio­nen mit dem Coro­na­vi­rus bestä­tigt wor­den. Das teil­te die Sozi­al­se­na­to­rin Anja Stah­mann (Grü­ne) bei einer Pres­se­kon­fe­renz mit. Aller­dings sei­en die Erkran­kun­gen bis­her weit­ge­hend ohne Sym­pto­me ver­lau­fen. (…) Seit meh­re­ren Wochen hat­ten Bewoh­ner der Unter­kunft vor einem mög­li­chen Aus­bruch des Coro­na­vi­rus in der Unter­kunft in Bre­men-Nord gewarnt. Sie demons­trier­ten mehr­fach vor der Ein­rich­tung in der Lin­den­stra­ße in Bre­men-Nord und in der Innen­stadt. Sofia Leo­ni­da­kis, Frak­ti­ons­vor­sit­zen­de der Lin­ken in der Bür­ger­schaft sieht die Befürch­tun­gen der Bewoh­ner bestä­tigt. “Die­se mas­si­ve Stei­ge­rung über­rascht mich über­haupt nicht”, sag­te Leo­ni­da­kis. “Wir gehen in der Durch­schnitts­be­völ­ke­rung von einer Infek­ti­ons­quo­te von einem Pro­zent aus. in der Lin­den­stra­ße haben wir jetzt 32 Pro­zent”, sag­te sie. Die Lin­ke for­de­re jetzt “ohne wenn und aber” glei­chen Infek­ti­ons­schutz für alle Men­schen, die in Sam­mel­un­ter­künf­ten für Geflü­che­te und Obdach­lo­se leben, bei­spiels­wei­se mit Hil­fe von leer ste­hen­den Hotels und Pen­sio­nen…” Bei­trag vom 23. April 2020 bei buten un bin­nen externer Link, sie­he dazu ebd.: Coro­na-Live­ti­cker (22. April): Immer mehr Flücht­lin­ge posi­tiv getes­tet externer Link – und frü­he­re Mel­dun­gen wei­ter unten
    • [Ell­wan­gen] »Anste­ckungs­ra­te klet­tert nach oben«: “Feh­len­de Distanz in Ell­wan­ger Flücht­lings­un­ter­kunft, zahl­rei­che Neu­in­fek­tio­nen
      Nach Pres­se­be­rich­ten ist die Zahl der Infi­zier­ten inner­halb weni­ger Tage von sie­ben auf 313 ange­stie­gen – das ent­spricht mehr als der Hälf­te aller Bewoh­ner. Wäh­rend außer­halb alles getan wird, um die Rate der Neu­in­fek­tio­nen zu ver­lang­sa­men, konn­te sich unter den Bedin­gun­gen des beeng­ten Zusam­men­le­bens dort – meh­re­re Leu­te zusam­men auf dem Zim­mer, Gemein­schafts­sa­ni­tär­ein­rich­tun­gen, zen­tra­le Kan­ti­ne – das Virus prak­tisch unkon­trol­liert ver­brei­ten. Die Fol­gen sind Angst, aber auch Zwei­fel dar­an, ob die Zah­len über­haupt stim­men, weil »infi­ziert« nicht bei jedem auch »sicht­bar krank« bedeu­tet. Ande­rer­seits wis­sen wir nicht genau, ob es nicht auch bereits schwe­re Ver­läu­fe gibt. Es herrscht gro­ßer Unmut über die Qua­ran­tä­ne­be­din­gun­gen, Panik wegen stän­di­ger Neu­zu­gän­ge und feh­len­der Distan­zie­rungs­mög­lich­kei­ten zwi­schen Infi­zier­ten und Nicht­in­fi­zier­ten. Zum Bei­spiel essen immer noch alle in der glei­chen Kan­ti­ne, wäh­rend sonst alle Restau­rants geschlos­sen wur­den! Es gibt nur unzu­rei­chen­den Inter­net­zu­gang, kei­ne Mas­ken, zu wenig Des­in­fek­ti­ons­mit­tel. Den medi­en­wirk­sam geprie­se­nen Schutz­maß­nah­men der Lei­tung der Lan­des­erst­auf­nah­me­ein­rich­tung wider­spre­chen die Berich­te von Bewoh­nern deut­lich. (…) Ich kann nie­man­dem dahin­ge­hend Absicht unter­stel­len, aber gän­gi­ge Pra­xis in Sam­mel­un­ter­künf­ten ist: Sobald Covid-19-Fäl­le auf­tre­ten, wird das Camp in ein Gefäng­nis ver­wan­delt – in Ell­wan­gen jetzt sogar mit Unter­stüt­zung der Bun­des­wehr – wäh­rend drin­nen die Anste­ckungs­ra­te mun­ter wei­ter nach oben klet­tert. Das ist ein ver­ab­scheu­ungs­wür­di­ges Expe­ri­ment mit beson­ders ver­letz­li­chen Men­schen…” Gespräch mit Adel­heid Gru­ber von Kris­ti­an Stemm­ler in der jun­gen Welt vom 23.04.2020 externer Link, sie­he dazu:
      • LEA Ell­wan­gen: Ein­sper­rung statt Qua­ran­tä­ne
        Obwohl die Infek­tio­nen bekannt sind, brei­tet sich der Virus in der Lan­des­erst­auf­nah­me­stel­le Ell­wan­gen schein­bar unge­hemmt aus. Radio Dreyeck­land sprach mit Bewoh­nern der LEA Ell­wan­gen und mit Rex Osa vom Ver­ein Flücht­lin­ge für Flücht­lin­ge. Danach wun­dert uns das Fort­schrei­ten der Seu­che nicht. Die LEA Ell­wan­gen wird zwar nach Außen iso­liert, eine Abtren­nung der posi­tiv getes­te­ten von dem Rest ist aber nicht gege­ben. Die Hygie­ne­be­din­gun­gen sind schlecht, an der Enge der Unter­brin­gung hat sich wenig geän­dert. Den Bewohner*innen der LEA wur­den die Pro­ble­me nicht genü­gend und schon gar­nicht in ihren Spra­chen kom­mu­ni­ziert. Sie sehen das tat­säch­lich unsin­ni­ge Qua­ran­tä­ne-Sys­tem und neh­men daher die Situa­ti­on oft auch nicht ernst, bzw. ver­hal­ten sich ent­spre­chend. Das Grund­pro­blem ist nicht der Virus, son­dern das Lager­sys­tem und dass mit den Flücht­lin­gen nicht auf Augen­hö­he kom­mu­ni­ziert wird. Letz­te­re Hal­tung kommt auch durch einen Poli­zei­über­griff zum Aus­druck, von dem ein Flücht­ling berich­tet.” Bei­trag vom 23. April 2020 bei Radi­on Dreyeck­land externer LinkAudio Datei
      • Kata­stro­phe mit Ansa­ge
        Mehr als die Hälf­te der Geflüch­te­ten in Ell­wan­gen ist inzwi­schen posi­tiv auf Coro­na getes­tet. Die Schutz­maß­nah­men der Behör­den zei­gen wenig Wir­kung. Man­che Beschäf­tig­te der Mas­sen­un­ter­kunft tra­gen nicht ein­mal Mund-Nasen-Schutz. Und die Bewoh­ner haben Angst. Ein Besuch vor Ort…” Repor­ta­ge von Minh Schred­le (Fotos: Jens Vol­le) vom 22.04.2020 bei Kon­text externer Link – und frü­he­re Mel­dun­gen wei­ter unten
  • Immer mehr Flücht­lings­un­ter­künf­te kom­plett in Qua­ran­tä­ne /​Coro­na-Cha­os in Ell­wan­gen 20.4.20: Aus­gangs­sper­re statt Schutz 
    • Immer mehr Flücht­lings­un­ter­künf­te kom­plett in Qua­ran­tä­ne
      Immer mehr Auf­nah­me­ein­rich­tun­gen für Flücht­lin­ge wer­den auf­grund Coro­na-Infek­tio­nen kom­plett unter Qua­ran­tä­ne gestellt. Das Men­schen­rechts­in­sti­tut for­dert dezen­tra­le Unter­brin­gung. In Bre­men demons­trier­ten 70 Per­so­nen unter stren­gen Auf­la­gen gegen Gemein­schafts­un­ter­künf­te. In einer Flücht­lings­un­ter­kunft bei Kas­sel sind 30 von ins­ge­samt 62 Bewoh­nern mit dem Coro­na­vi­rus infi­ziert. Wie der Spre­cher des Land­krei­ses Kas­sel, Harald Kühl­born, am Mon­tag mit­teil­te, steht die Gemein­schafts­un­ter­kunft des Land­krei­ses in Bau­na­tal-Her­ting­s­hau­sen seit mehr als einer Woche kom­plett unter Qua­ran­tä­ne…” Mel­dung vom 21.04.2020 beim Miga­zin externer Link (im Abo)
    • Coro­na-Cha­os in Ell­wan­gen 20.4.20: Aus­gangs­sper­re statt Schutz
      In der LEA Ell­wan­gen sind min­des­tens 313 von 587 Geflüch­te­ten mit Coro­na infi­ziert. Die Stadt Ell­wan­gen reagier­te mit einer Ver­län­ge­rung der Aus­gangs­sper­re um zwei Wochen. Die Lei­tung der LEA lös­te den Qua­ran­tä­ne­be­reich inner­halb des L agers auf. Für die noch nicht infi­zier­ten Geflüch­te­ten gibt es kei­nen Schutz mehr. Der Lager­lei­ter Bert­hold Weiß ver­such­te die Men­schen im Lager mit dem Hin­weis zu beru­hi­gen, die Todes­ra­te sei bei Men­schen ihres Alters unter ein Pro­zent. Mit ande­ren Wor­ten, in der LEA sei höchs­tens mit 5 bis 6 Todes­op­fern zu rech­nen. (…) Wie Geflüch­te­te aus der LEA berich­ten wur­den nun end­lich bei­de Kan­ti­nen geschlos­sen. Das Essen wird aber wei­ter­hin in der alten Kan­ti­ne aus­ge­ge­ben. Alle Bewohner*innen müs­sen in einen gemein­sa­men Raum, um sich ihr Essen abzu­ho­len. Die Kan­ti­ne wur­de ledig­lich durch einen Bau­zaun aus Draht in zwei Berei­che auf­ge­teilt. Die Bewohner*innen essen ein­zeln oder in Grup­pen im Frei­en oder auf ihren Zim­mern. Im gan­zen Lager exis­tiert kei­ne Tren­nung von posi­tiv und nega­tiv Getes­te­ten. Sie begeg­nen sich im Frei­en, bei der Arbeit (zum Bei­spiel in der Küche), in den Gebäu­den und in den Zim­mern. Toi­let­ten und Wasch­räu­me müs­sen sie gemein­sam benut­zen. Die Geflüch­te­ten, mit denen wir gespro­chen haben, kön­nen die Behaup­tung des Regie­rungs­prä­si­di­ums Stutt­gart, Infi­zier­te sei­en in eige­nen Gebäu­den unter­ge­bracht, nicht bestä­ti­gen. Geflüch­te­te im Lager bekla­gen auch, dass immer noch kei­ne Des­in­fek­ti­ons­mit­tel zur Ver­fü­gung ste­hen. Sie baten den Lager­lei­ter Weiß, die Dis­pen­ser in den Sani­täts­räu­men, die seit Tagen leer sei­en, wie­der auf­fül­len zu las­sen. Die­ser reagier­te mit Aus­flüch­ten…” Mel­dung vom 20.4.2020 beim Net­work Refugees4Refugees externer Link
  • Für das Recht auf Abstand. In Bre­men zei­gen Geflüch­te­te, dass Demons­trie­ren trotz Coro­na mög­lich ist. Sie for­dern bes­se­ren Schutz – für alle Men­schen 
    Dass Demons­trie­ren auch zu Coro­na-Zei­ten funk­tio­nie­ren kann, bewie­sen am Frei­tag in Bre­men Aktivist*innen, die für die Schlie­ßung der Lan­des­erst­auf­nah­me­stel­le (LEA) für Geflüch­te­te pro­tes­tier­ten. Die Pro­tes­tie­ren­den hiel­ten sich an die Auf­la­gen der Behör­den und lie­fen in vier Blocks mit je maxi­mal 15 Men­schen, die jeweils 2 Meter Abstand von­ein­an­der hiel­ten. Einen so gro­ßen Abstand zuein­an­der zu hal­ten, sei in der Geflüch­te­ten­un­ter­kunft nicht mög­lich, sag­ten sie. An der Spit­ze der Demons­tra­ti­on lie­fen Bewohner*innen der LEA, gefolgt von Unterstützer*innen von Tog­e­ther we are Bre­men (TWAB), der Coro­na-Alli­anz und Soli­da­ri­ty City Bre­men. Die Pro­tes­tie­ren­den lie­fen erst zur zustän­di­gen Sozi­al­be­hör­de (Grü­ne), dann zur Gesund­heits­be­hör­de (Lin­ke). Am Stra­ßen­rand stan­den Men­schen mit Trans­pa­ren­ten. Bei der Abschluss­kund­ge­bung auf dem Markt­platz kamen laut Veranstalter*innen etwa 300 Men­schen zusam­men. Vor dem Rat­haus über­ga­ben externer Link zwei Bewohner*innen dem Bür­ger­meis­ter Andre­as Boven­schul­te ihre Peti­ti­on externer Link mit am Frei­tag fast 4200 Unter­schrif­ten. Sie for­dern seit Wochen die Schlie­ßung der LEA und den Umzug in Hotels, Hos­tels und Über­gangs­wohn­hei­me, da die Bedin­gun­gen in einer Mas­sen­un­ter­kunft kei­nen Schutz vor einer Coro­na-Infek­ti­on gewähr­leis­ten könn­ten. Die­se For­de­rung unter­stütz­ten meh­re­re Wissenschaftler*innen in einer Anzei­ge externer Link in der taz Nord. Der Epi­de­mio­lo­ge Hajo Zeeb bekräf­tig­te kürz­lich gegen­über »nd« externer Link, dass »alter­na­ti­ve Unter­brin­gungs­mög­lich­kei­ten mit hoher Dring­lich­keit umge­setzt wer­den soll­ten«…” Arti­kel von Sabi­ne Netz vom 17.04.2020 im ND online externer Link, sie­he dazu:
    • [Erst­auf­nah­me­stel­le für Flücht­lin­ge in Bre­men-Nord] Offe­ner Brief gegen Miss­stän­de
      Die Links­frak­ti­on, der Flücht­lings­rat und wei­te­re Orga­ni­sa­tio­nen stel­len sich wei­ter gegen die Lan­des­erst­auf­nah­me­stel­le. Die Arbei­ter­wohl­fahrt hin­ge­gen ver­öf­fent­licht Rich­tig­stel­lun­gen. Die Dis­kus­si­on um die Erst­auf­nah­me­stel­le für Flücht­lin­ge in Bre­men-Nord spitzt sich zu. Nach­dem sich Sozi­al­se­na­to­rin Anja Stah­mann (Grü­ne) am Sonn­tag mit einem Gast­bei­trag im WESER-KURIER zu Wort gemel­det hat­te, haben mehr als ein Dut­zend Orga­ni­sa­tio­nen und Ver­ei­ne einen offe­nen Brief ver­öf­fent­licht. Gleich­zei­tig wehrt sich der Trä­ger der Ein­rich­tung, die Arbei­ter­wohl­fahrt (Awo), unter dem Titel „Fak­ten gegen Fake-News“ gegen Kri­tik. Der Awo zufol­ge ist Vie­les, was über die Ein­rich­tung ver­brei­tet wird, unwahr. Zum Bei­spiel, dass die Bedin­gun­gen schon vor der Pan­de­mie unzu­mut­bar gewe­sen sei­en. Dass sich die Bewoh­ner zu zehnt ein Zim­mer teil­ten und Abstand­hal­ten beim Essen unmög­lich wäre. (…) In dem offe­nen Brief, zu deren Unter­zeich­nern unter ande­rem das Bünd­nis „Bre­mer­ha­ven bleibt bunt“ und der Chris­to­pher Street Day Bre­men gehö­ren, wer­den Miss­stän­de wie feh­len­de Pri­vat­sphä­re und eine lan­ge Wohn­dau­er in der Erst­auf­nah­me­stel­le beklagt. Die Autoren for­dern das Aus der Ein­rich­tung. Zudem kri­ti­sier­te der Flücht­lings­rat den Gast­bei­trag der Sena­to­rin: “Sie ver­sucht, mit Gerüch­ten und Falsch­be­haup­tun­gen die fun­dier­te Kri­tik zu dis­kre­di­tie­ren und behaup­tet schließ­lich, die Mas­sen­un­ter­kunft sei eine gute und not­wen­di­ge Sache“. Die Lin­ken-Bür­ger­schafts­frak­ti­on sprach sich am Mon­tag eben­so für eine Schlie­ßung von Sam­mel­un­ter­künf­ten für Asyl­be­wer­ber und Obdach­lo­se wäh­rend der Coro­na-Kri­se aus. Es dür­fe kein Pri­vi­leg sein, sich gegen eine Infek­ti­on schüt­zen zu kön­nen, so die Frak­ti­on…” Arti­kel von Chris­ti­an Weth und Caro­lin Hen­ken­be­rens vom 20.04.2020 im WESER-KURIER online externer Link
  • Offe­ner Brief for­dert Aus­set­zung der Abschie­be­haft wäh­rend der Coro­na-Pan­de­mie 
    Der Ver­ein Hil­fe für Men­schen in Abschie­be­haft Büren e.V. wen­det sich mit einen offe­nen Brief an das Minis­te­ri­um für Kin­der, Fami­lie, Flücht­lin­ge und Inte­gra­ti­on NRW, den Innen­aus­schuss des Land­ta­ges NRW und den Peti­ti­ons­aus­schuss des Land­ta­ges NRW. Hin­ter­grund ist eine For­de­rung des Ver­eins, die Abschie­be­haft wäh­rend der Coro­na-Pan­de­mie aus­zu­set­zen…” Offe­ner Brief vom 15.4.2020 bei 100​-jah​re​-abschie​be​haft​.de externer Link
  • Zugang zu medi­zi­ni­scher Ver­sor­gung für alle – jetzt sofort – für immer! /​LEA Ell­wan­gen: Über 40% der Bewoh­ner infi­ziert! 
    • Zugang zu medi­zi­ni­scher Ver­sor­gung für alle – jetzt sofort – für immer!35 bun­des­wei­te Medi­bü­ros und Medi­net­ze wei­sen auf die dra­ma­ti­sche Ver­sor­gungs­si­tua­ti­on von hun­dert­tau­sen­den Migrant*innen ohne Kran­ken­ver­si­che­rungs­schutz in der Coro­na-Kri­se hin. Der AK Asyl – Flücht­lings­rat RLP e.V. unter­stützt eben­falls fol­gen­de For­de­run­gen: 1. die sofor­ti­ge, aus­nahms­lo­se und dau­er­haf­te Ein­glie­de­rung von allen unver­si­cher­ten Men­schen in das regu­lä­re, gesetz­li­che Kran­ken­ver­si­che­rungs­sys­tem unab­hän­gig vom Auf­ent­halts­sta­tus. 2. die voll­stän­di­ge Abschaf­fung der Über­mitt­lungs­pflicht nach § 87 Auf­en­thG.” Pres­se­mit­tei­lung der Medi­bü­ros & Medi­net­ze vom 14. April 2020 beim Flücht­lings­rat RLP externer Link zum offe­nen Brief externer Link – sie­he dazu auch unser Dos­sier: Medi­zi­ni­sche Min­der­ver­sor­gung von Asyl­su­chen­den und Flücht­lin­gen sowie EU-Bür­gern been­den
    • Sol­len jetzt alle Geflüch­te­ten in der LEA infi­ziert wer­den?
      Herr Dei­nes, der ver­ant­wort­li­che Beam­te beim Regie­rungs­prä­si­di­um Stutt­gart, erklär­te heu­te in einem SWR-Inter­view, wie sich die Mitarbeiter*innen der LEA schüt­zen: Wenn sie unter­ein­an­der sind, tra­gen sie einen Mund-Nase-Schutz (Bild 1). Wenn sie Kon­takt zu Geflüch­te­ten haben, tra­gen sie eine Atem­schutz­mas­ke (Bild 2) und die, die mit Erkrank­ten zu tun haben, tra­gen einen Voll­schutz-Over­all. Wir haben Geflüch­te­te in der LEA gefragt, wie sie sich die Geflüch­te­ten schüt­zen kön­nen. Eini­ge weni­ge haben Atem­schutz­mas­ken, die meis­ten aber nur einen ein­fa­chen Mund-Nase-Schutz. Der laut Herrn Dei­nes am 6.April ein­ge­rich­te­te Iso­lia­ti­ons­trakt ist durch einen Zaun abge­trennt. Die Bewohner*innen der Qua­ran­tä­ne-Blö­cke (92, 93, 95) tei­len den gesam­ten übri­gen Außen­be­reich mit den ande­ren Bewohner*innen (Block 94 und 96). Nur das Essen ist räum­lich getrennt, die angeb­lich posi­tiv getes­te­ten dür­fen nicht mehr in die Kan­ti­ne. Zumin­dest ein­zel­ne Leu­te dür­fen den Iso­la­ti­ons­trakt ver­las­sen, z.B. um Sachen aus ihrem frü­he­ren Zim­mer zu holen. Herr Dei­nes nennt dies „eine ganz gute Situa­ti­on“. War­um wird die Kan­ti­ne nicht geschlos­sen, wie die Restau­rants und die meis­ten Kan­ti­nen drau­ßen? War­um wer­den die Mitarbeiter*innen bes­ser geschützt wie die Bewohner*innen? Ist die Gesund­heit der einen mehr wert als die der ande­ren? Eini­gen soli­da­ri­schen Men­schen von außen wur­de nicht erlaubt, ange­sichts des Aus­gangs­ver­bo­tes Sachen für ihren Freund*innen in der LEA abzu­ge­ben. Sol­len die Men­schen in der LEA voll­stän­dig von der Außen­welt abge­schot­tet wer­den?…” Bericht vom 14.4.2020 beim Ver­ein Flücht­lin­ge für Flücht­lin­ge externer Link (Net­work Refugees4Refugees)
      • LEA Ell­wan­gen: Über 40% der Bewoh­ner infi­ziert!
        In der Lan­des­erst­auf­nah­me-Ein­rich­tung in Ell­wan­gen woh­nen der­zeit 567 Men­schen. Nach dem Auf­tre­ten ers­ter Coro­na-Fäl­le wur­den alle Bewoh­ner getes­tet: 244 Infi­zier­te! Das sind mehr als 40%! (Zum Ver­gleich: die Infi­zier­ten-Rate in der Gesamt­be­völ­ke­rung in Baden-Würt­tem­berg liegt bei 0,001%) Selbst die Aus­weich- Ein­rich­tung in Gien­gen ist bereits betrof­fen: zwei Secu­ri­ty-Mit­ar­bei­ter haben offen­bar das Virus dort­hin mit­ge­nom­men. Es ist sehr zu begrü­ßen und soll­te drin­gend Schu­le machen, dass in der LEA Ell­wan­gen eine Rei­hen­tes­tung durch­ge­führt wur­de – lei­der ist dies längst nicht über­all Stan­dard. Doch wie konn­te es über­haupt so weit kom­men? Wäh­rend die Bevöl­ke­rung ein­dring­lich auf­ge­for­dert ist, Abstand zu hal­ten – was sogar mit Poli­zei­ein­satz und Buß­geld­ka­ta­log über­wacht wird – wer­den die Bewoh­ner in den Sam­mel-Lagern wis­sent­lich einem hohen Infek­ti­ons­ri­si­ko aus­ge­setzt! Statt die Camp-Bewoh­ner zu schüt­zen, wer­den sie ein­ge­sperrt und gan­ze Camps unter Qua­ran­tä­ne gestellt. Soll dort etwa ein medi­zin-sozia­les Expe­ri­ment zur „Her­den-Immu­ni­sie­rung“ durch­ge­führt wer­den? Oder war­um sonst wer­den alle For­de­run­gen nach Schlie­ßung der Camps und siche­rer Unter­brin­gung der Bewoh­ner – z.B. in leer­ste­hen­den Hotels – beharr­lich den Wind geschla­gen? Damit wird eine beson­ders vul­nerable Grup­pe – Men­schen, die viel­fach auf­grund ihrer Trau­ma-Erfah­run­gen geschwäch­te Abwehr­kräf­te haben – einer töd­li­chen Gefahr aus­ge­setzt! (…) Wir sehen einer­seits, dass Bewoh­ner in den Camps sich soli­da­risch orga­ni­sie­ren, Kran­ke mit Essen ver­sor­gen, For­de­run­gen auf­stel­len nach Schutz, nach siche­rer Unter­brin­gung, und ande­rer­seits, dass die Ver­ant­wort­li­chen – Regie­rungs­prä­si­di­um, Kom­mu­nal­ver­wal­tun­gen – sich genau ent­ge­gen­ge­setzt zur viel­be­schwo­re­nen Soli­da­ri­tät ver­hal­ten: das ist schänd­lich!…” Mel­dung von Adel­heid Gru­ber vom 12. Apr. 2020 bei chan​ge​.org externer Link zur Peti­ti­on “Coro­na: Flücht­lin­ge aus Hot­spots ret­ten – Abschie­bung stop­pen – SOFORT!”
  • Säch­si­sches Lan­des­so­zi­al­ge­richt erkennt: Covid-19 erfor­dert höhe­re Leis­tun­gen für allein­ste­hen­de und allein­er­zie­hen­de Geflüch­te­te
    “Seit dem 1. Sep­tem­ber 2019 gel­ten für Geflüch­te­te in Deutsch­land neue Regeln im Exis­tenz­si­che­rungs­recht. Seit­dem wer­den u.a. Grund­si­che­rungs­leis­tun­gen für Allein­ste­hen­de und Allein­er­zie­hen­de in Sam­mel­un­ter­künf­ten nur zu 90 Pro­zent gewährt. Von ihnen kön­ne erwar­tet wer­den, dass sie gemein­sam wirt­schaf­ten wie Ehe­paa­re, heißt es in der empi­risch nicht beleg­ten Begrün­dung zur Geset­zes­än­de­rung. Dage­gen sind in Deutsch­land Eil- und Haupt­sa­che­ver­fah­ren anhän­gig. Wegen der erheb­li­chen Aus­wir­kun­gen der Covid-19-Pan­de­mie auf Men­schen in Sam­mel­un­ter­künf­ten wer­den zahl­rei­che wei­te­re Eil­an­trä­ge vor den Sozi­al­ge­rich­ten gestellt. Durch die Covid-19-Pan­de­mie hat sich die Situa­ti­on der Bewohner*innen von Sam­mel­un­ter­künf­ten dra­ma­tisch ver­än­dert. Sozialarbeiter*innen sind in vie­len Sam­mel­un­ter­künf­ten auf­grund der Pan­de­mie bereits abge­zo­gen wor­den und/​oder machen nur noch Tele­fon­be­treu­ung. Vie­le Men­schen in den Sam­mel­un­ter­künf­ten blei­ben in ihren Zim­mern. Ein gemein­sa­mes Leben kann und soll auch nicht statt­fin­den. Den­noch ist die Gefahr für eine Aus­brei­tung der Pan­de­mie in Sam­mel­un­ter­künf­ten wei­ter­hin groß. Auch des­halb for­dert u.a. pro asyl die Auf­lö­sung der Sam­mel­un­ter­künf­te und dezen­tra­le Unter­brin­gung der Geflüch­te­ten (…) Die­sen For­de­run­gen schließt sich der RAV an und for­dert zudem das Ende jeg­li­cher migra­ti­ons­po­li­tisch begrün­de­ter Son­der­ver­fah­ren im Sozi­al­recht. (…) »Bis zur Auf­lö­sung der Lager kön­nen und dür­fen nun erst recht nicht angeb­li­che Ein­spar­ef­fek­te eine Kür­zung der Regel­leis­tung für Allein­ste­hen­de und Allein­er­zie­hen­de begrün­den«, so der Göt­tin­ger Rechts­an­walt Sven Adam, der eini­ge der Antrag­stel­len­den recht­lich ver­tritt. »Ziel wei­te­rer Ver­fah­ren ist die Gewäh­rung vol­ler Regel­leis­tun­gen. Es geht monat­lich um bis zu 42 Euro bei den Ärms­ten unse­rer Gesell­schaft«, so RAV-Mit­glied Adam wei­ter. »Wenn die Sozi­al­leis­tungs­trä­ger die Leis­tun­gen für Geflüch­te­te in Sam­mel­un­ter­künf­ten nicht selbst­stän­dig kurz­fris­tig anhe­ben, müs­sen die Sozi­al­mi­nis­te­ri­en der Län­der dies vor­ge­ben. Wenn auch dies nicht erfolgt, ist die Sozi­al­ge­richts­bar­keit gefragt. Das Säch­si­sche Lan­des­so­zi­al­ge­richt hat inso­weit mit Beschluss vom 23. März 2020 Hand­lungs­wil­len gezeigt« erläu­tert RAV-Mit­glied Rechts­an­walt Raik Höf­ler aus Leip­zig, der den Beschluss des Säch­si­schen Lan­des­so­zi­al­ge­richts erstrit­ten hat. »Die Fol­gen einer Pan­de­mie dür­fen sich nicht am Sta­tus von Men­schen aus­rich­ten. Daher ist min­des­tens die Auf­nah­me der Sozi­al­schutz-Rege­lun­gen in das Asyl­be­wer­ber­leis­tungs­ge­setz (Asyl­bLG) not­wen­dig. Es ver­bie­tet sich, ein­zel­ne Rege­lun­gen zur Exis­tenz­si­che­rung von den Sozi­al­schutz-Rege­lun­gen aus­zu­neh­men«, so der Ber­li­ner Rechts­an­walt Vol­ker Ger­loff für die ›AG Sozi­al­recht‹ im DAV…” RAV-Pres­se­mit­tei­lung Nr. 06/​20 vom 8. April 2020 externer Link mit Link zum Beschluss des Säch­si­schen Lan­des­so­zi­al­ge­richts vom 23. März 2020 zu Az.: L 8 AY 4/​20 B ER und mit Lis­te der diver­sen Sozi­al­ge­rich­te, die die­se Rege­lung in Eil­ver­fah­ren bereits ohne die Aus­wir­kun­gen des Covid-19-Virus für ver­fas­sungs­wid­rig gehal­ten haben – mit Ver­weis auf die­sen Beschluss kann auch bei ande­ren Sozi­al­ge­rich­ten Eil­an­trä­ge gestellt wer­den.
  • Appell an Län­der­chefs, Risi­ko­grup­pen aus Sam­mel­un­ter­künf­ten zu eva­ku­ie­ren
    “Han­di­cap Inter­na­tio­nal (HI) for­dert die Minis­ter­prä­si­den­t/-innen der Bun­des­län­der auf, Men­schen mit Behin­de­rung und chro­ni­schen Krank­hei­ten vor­beu­gend in dezen­tra­le Unter­künf­te zu ver­le­gen. (…) Geflüch­te­te Men­schen mit Behin­de­rung in Sam­mel­un­ter­künf­ten sind beson­ders gefähr­det, sich zu infi­zie­ren. „Wir for­dern die Minis­ter­prä­si­den­t/-innen auf, das Grund­recht auf Leben und kör­per­li­che Unver­sehrt­heit best­mög­lich zu wah­ren und Geflüch­te­te mit Behin­de­rung dar­in zu unter­stüt­zen, sich vor einer Erkran­kung zu schüt­zen“, for­dert Dr. Inez Kip­fer-Dida­vi, Geschäfts­füh­re­rin von Han­di­cap Inter­na­tio­nal Deutsch­land. „Poli­tik und Ver­wal­tung müs­sen umge­hend han­deln und die Bewoh­ner mit Behin­de­rung und chro­ni­schen Erkran­kun­gen vor­beu­gend ver­le­gen“, so Kip­fer-Dida­vi. (…) Um geflüch­te­te Men­schen mit Behin­de­rung und alle wei­te­ren zur „Coro­na-Risi­ko­grup­pe“ zäh­len­den geflüch­te­ten Per­so­nen zu schüt­zen, müs­sen die­se zusam­men mit ihren Ange­hö­ri­gen aus Sam­mel­un­ter­künf­ten in dezen­tra­le Unter­künf­te ver­legt wer­den. Geflüch­te­ten Men­schen mit Behin­de­rung muss in der Coro­na-Kri­se unein­ge­schränk­ter Zugang zu sozia­len und medi­zi­ni­schen Leis­tun­gen gewährt wer­den, um ihnen wei­te­re Unsi­cher­hei­ten und Belas­tun­gen zu erspa­ren und kri­sen­be­ding­te Zugangs­bar­rie­ren abzu­bau­en. Wäh­rend der Coro­na-Kri­se dür­fen kei­ne Leis­tungs­kür­zun­gen erfol­gen. Nega­ti­ve Asyl­be­schei­de müs­sen bis zum Som­mer aus­ge­setzt wer­den. (…) Bei Men­schen mit Behin­de­rung ver­läuft eine Erkran­kung an Covid-19 oft sehr schwer. Vie­le Behin­de­run­gen gehen mit Risi­ko­fak­to­ren wie einer ein­ge­schränk­ten Herz- und/​oder Lun­gen­funk­ti­on, einem schwa­chen Immun­sys­tem oder Mus­kel­be­schwer­den ein­her. Auch chro­nisch Erkrank­te haben in den meis­ten Fäl­len ein erhöh­tes Risi­ko für einen gefähr­li­chen Covid-19-Krank­heits­ver­lauf. Dar­über hin­aus ist es für Men­schen mit man­geln­den Sprach­kennt­nis­sen, einer kogni­ti­ven Beein­träch­ti­gung oder einer Lern­be­hin­de­rung oft­mals schwie­rig, die rele­van­ten Infor­ma­tio­nen zum The­ma Coro­na­vi­rus zu erfas­sen. Die Hilfs­or­ga­ni­sa­ti­on weist dar­auf hin, dass auch die Inte­gra­ti­ons­be­auf­trag­ten von Ber­lin, Bran­den­burg, Bre­men, Meck­len­burg-Vor­pom­mern, Nie­der­sach­sen, Rhein­land-Pfalz, Sach­sen-Anhalt, Schles­wig-Hol­stein und Thü­rin­gen in einer gemein­sa­men Erklä­rung die Not­wen­dig­keit einer Umver­le­gung unter­stri­chen haben…” Appell von Han­di­cap Inter­na­tio­nal (HI) vom 8. April 2020 externer Link mit Link zum voll­stän­di­gen Appell
  • Umgang mit Geflüch­te­ten in Coro­na-Zei­ten
    Ich habe in den letz­ten zwei Wochen wei­te­re Fra­gen an das Staats­mi­nis­te­ri­ums des Inne­ren bezüg­lich der Unter­brin­gung in den Auf­nah­me­ein­rich­tun­gen und wei­te­ren asyl­po­li­ti­schen Sach­ver­hal­ten gerich­tet. Hin­ter­grund mei­ner Fra­gen war der Aus­bruch der Coro­na-Pan­de­mie in Deutsch­land. Die Zusam­men­fas­sung der Ant­wor­ten auf den ers­ten Fra­gen­ka­ta­logs sind hier nach­zu­le­sen externer Link. Der letz­te Fra­gen­ka­ta­log wur­de heu­te beant­wor­tet. Eine Zusam­men­fas­sung…” Bei­trag vom 8. April 2020 von und bei Julia­ne Nagel externer Link
  • Geflüch­te­ten­un­ter­kunft in Pots­dam unter Qua­ran­tä­ne /​Lager in Angst. Geflüch­te­te in Sam­mel­un­ter­künf­ten sind dem Virus und Anfein­dun­gen von außen schutz­los aus­ge­setzt 
    • [Pots­dam] Infi­zier­te Bewoh­ne­rin arbei­te­te im Kli­ni­kum: Geflüch­te­ten­un­ter­kunft muss unter Qua­ran­tä­ne
      In der Zep­pe­lin­stra­ße steht eine Wohn­an­la­ge für Geflüch­te­te unter Qua­ran­tä­ne. Eine Fami­lie hat sich infi­ziert. Der Coro­na­aus­bruch am Kli­ni­kum zieht wei­te­re Krei­se: Eine Flücht­lings­wohn­an­la­ge in der Zep­pe­lin­stra­ße steht unter Qua­ran­tä­ne. Das sag­te Gesund­heits­de­zer­nen­tin Bri­git­te Mei­er (SPD) bei der Pres­se­kon­fe­renz zur Kri­se im Berg­mann-Kli­ni­kum am Diens­tag. Eine sie­ben­köp­fi­ge Fami­lie habe sich in dem Wohn­heim infi­ziert, die Mut­ter sei Mit­ar­bei­te­rin im Kli­ni­kum. Die Fami­lie leb­te auf einer Eta­ge. Da es viel Kon­takt unter den Bewoh­nern gab, habe man sich zur Qua­ran­tä­ne ent­schie­den. Das hat laut Rat­haus das Gesund­heits­amt ver­fügt. „Um die Über­tra­gungs­ket­ten zu unter­bre­chen, muss­ten wir zu die­ser har­ten Maß­nah­me grei­fen“, so Mei­er. Betrof­fen sei­en 116 Bewoh­ner, dar­un­ter 20 Kin­der unter 18 Jah­ren, hieß es in einer Mit­tei­lung der Stadt vom frü­hen Abend. Die Bewoh­ner dürf­ten nicht das Grund­stück der Gemein­schafts­un­ter­kunft ver­las­sen und soll­ten mög­lichst in ihren Woh­nun­gen blei­ben, hieß es. Besu­che von außen dürf­ten nicht mehr statt­fin­den. (…) Es habe bereits eine „kur­ze Eska­la­ti­on“ gege­ben, weil sich die Bewoh­ner zunächst nicht an die Aus­gangs­sper­re hal­ten woll­ten und der „Wach­schutz etwas über­for­dert war“, wie es Mei­er dar­stell­te. Daher habe man am Diens­tag­nach­mit­tag die Poli­zei holen müs­sen, die Lage habe sich dann aber schnell beru­higt. Gege­be­nen­falls wer­de man nun den Wach­schutz vor Ort noch ver­stär­ken müs­sen, so Mei­er…” Arti­kel von Hen­ri Kra­mer vom 07.04.2020 bei pnn​.de externer Link
    • Lager in Angst. Geflüch­te­te in Sam­mel­un­ter­künf­ten sind dem Virus und Anfein­dun­gen von außen schutz­los aus­ge­setzt
      “… Die Geflüch­te­ten leben stark iso­liert. Selbst das Mobil­funk­netz funk­tio­niert nicht. Das Deut­sche Rote Kreuz, der Betrei­ber der Unter­kunft, kom­mu­ni­ziert mit Funk­ge­rä­ten. Die Geflüch­te­ten sind aktu­ell dazu ange­hal­ten, in der Unter­kunft zu blei­ben. Ein Aus­hang infor­miert: »Wer über die Nacht außer­halb der Ein­rich­tung war, wird sofort außer­halb der Wohn­ge­bäu­de iso­liert.« Inner­halb des Camps mit sei­nen Gemein­schafts­kü­chen und ‑toi­let­ten sei es nicht mög­lich, sich und ande­re zu schüt­zen, erzählt Jal­lo. »Was, wenn das Virus aus­bricht?«, fragt er besorgt am Tele­fon. »Ich füh­le mich nicht gut, und die Situa­ti­on macht mir Angst.« Er teilt sich mit vier Män­nern ein Zim­mer. Im Spei­se­saal hal­ten sie andert­halb Meter Abstand zuein­an­der, viel mehr kön­nen sie nicht tun. Orne­la lebt in der Erst­auf­nah­me­ein­rich­tung in Eisen­hüt­ten­stadt. Die Situa­ti­on ist hier ähn­lich wie in Dober­lug-Kirch­hain. Des­in­fek­ti­ons­mit­tel gebe es nur in der Kan­ti­ne, auf den Toi­let­ten sei nicht ein­mal Sei­fe vor­han­den, erzählt sie. Frü­her habe sie mit ande­ren Bewoh­ne­rin­nen zusam­men gekocht, heu­te ver­däch­ti­gen sie sich gegen­sei­tig, infi­ziert zu sein (…) Die hygie­ni­sche Situa­ti­on und wel­che Maß­nah­men zur Ein­däm­mung des Virus in Sam­mel­un­ter­künf­ten ergrif­fen wer­den kön­nen, beschäf­ti­gen sowohl in Bran­den­burg als auch in Ber­lin Geflüch­te­te und Mitarbeiter*innen glei­cher­ma­ßen. Man­fred Nowak von der Arbei­ter­wohl­fahrt (AWO) Ber­lin, die meh­re­re Flücht­lings­un­ter­künf­te betreibt, spricht von einer »beson­ders gro­ßen Her­aus­for­de­rung«. Nowak fin­det es ver­ständ­lich, dass Schutz­klei­dung und Des­in­fek­ti­ons­mit­tel vor allem in medi­zi­ni­schen Ein­rich­tun­gen lan­de, den­noch sei der feh­len­de Schutz ein gro­ßes Pro­blem. Die Krank­heits­quo­te unter den Mitarbeiter*innen sei bereits jetzt sehr hoch. Nowak plä­diert für Soli­da­ri­tät und setzt auf Krea­ti­vi­tät. So wer­den Mas­ken mitt­ler­wei­le von ande­ren Pro­jek­ten der AWO selbst pro­du­ziert, und Kolleg*innen besor­gen aus pri­va­ten Quel­len Des­in­fek­ti­ons­mit­tel. Es fehlt jedoch nicht nur an Schutz­aus­rüs­tung, son­dern auch an Infor­ma­tio­nen. (…) Dem Ber­li­ner Flücht­lings­rat berei­tet dabei Bauch­schmer­zen, dass es in der Haupt­stadt kei­ner­lei Qua­ran­tä­ne-Richt­li­ni­en und kein trans­pa­ren­tes Ver­fah­ren gebe. Die Gesund­heits­äm­ter gäben nur münd­li­che Anwei­sun­gen. Betrei­ber und Bewohner*innen der Unter­künf­te wür­den über Grund und Dau­er der Qua­ran­tä­ne und die Vor­aus­set­zun­gen für deren Auf­he­bung im Unkla­ren gelas­sen. So wur­de in Trep­tow-Köpe­nick eine gesam­te Unter­kunft unter Qua­ran­tä­ne gestellt, obwohl auf­grund der Apart­ment­struk­tur der Ein­rich­tung auch eine Ein­zel­qua­ran­tä­ne für die Betrof­fe­nen mög­lich gewe­sen wäre, kri­ti­siert der Flücht­lings­rat. Bei den Bewohner*innen sei dadurch der Ein­druck ent­stan­den, das Lan­des­amt für Flücht­lings­an­ge­le­gen­hei­ten wol­le auf kal­tem Weg eine Dau­er­qua­ran­tä­ne eta­blie­ren, zumal immer wei­te­re infi­zier­te Per­so­nen dort­hin ver­legt wur­den…” Arti­kel von Dinah Rothen­berg und Alex­an­dra Kimel vom 06.04.2020 beim ND online externer Link
  • Refu­gees der ZASt Hal­ber­stadt im Hun­ger­streik gegen Qua­ran­tä­ne-Bedin­gun­gen /​Spen­den­auf­ruf für die Men­schen in der ZASt 
    • Pro­test in Flücht­lings­un­ter­kunft Hal­ber­stadt: Auf­be­geh­ren gegen Qua­ran­tä­ne
      In Hal­ber­stadt ste­hen mehr als 800 Geflüch­te­te unter Qua­ran­tä­ne. Nun pro­tes­tiert eine Grup­pe gegen die schlech­te Ver­sor­gung…” Art­kel von Dinah Rie­se vom 5.4.2020 in der taz online externer Link
    • [Hal­ber­stadt] Dezen­tra­li­sie­rung jetzt. Schutz vor Infek­ti­on für alle. Soli­da­ri­tät mit den Hun­ger­strei­ken­den der ZASt!
      “„Die Lage hier in der ZASt scheint zu eska­lie­ren. Wenn nicht schnell etwas pas­siert, dann gibt es hier Tote.“ (Bewoh­ner aus der ZASt, 1.4.2020) „Wir wer­den heu­te 12:00 Uhr in den Hun­ger­streik tre­ten. Die Zustän­de nach einer Woche Qua­ran­tä­ne sind unaus­halt­bar.“ (Bewohner*in aus der ZASt, 4.4.2020) Sowohl Bewohner*innen als auch Sozialarbeiter*innen berich­ten, dass es kei­ne aus­rei­chen­de Ver­sor­gung gibt und die gesam­te Situa­ti­on chao­tisch und sehr ange­spannt ist. Ver­ant­wort­li­che behaup­ten, die Situa­ti­on sei unter Kon­trol­le und die Men­schen aus­rei­chend ver­sorgt. Rund 850 Men­schen leben aktu­ell in der ZASt, allein­rei­sen­de Geflüch­te­te, genau­so wie Fami­li­en. Trotz des Wis­sens im Vor­hin­ein, dass die Wohn- und Lebens­ver­hält­nis­se, wie sie in der ZASt vor­zu­fin­den sind, eine Gefahr für die Men­schen durch eine mas­sen­haf­te Anste­ckung mit dem Cor­na­vi­rus bedeu­ten, wur­den kei­ne Schrit­te ein­ge­lei­tet, um die Geflüch­te­ten dezen­tral unter­zu­brin­gen. (…) Die ers­te Woche unter Mas­sen­qua­ran­tä­ne haben uns Bewohner*Innen wie folgt dar­ge­stellt: Das Lager ist nun in 5 Qua­ran­tä­ne­blö­cke auf­ge­teilt. Alle Bewohner*innen sol­len getes­tet wer­den. Infi­zier­te Men­schen wer­den in ein extra Lager nach Qued­lin­burg gebracht. Die Abho­lung infi­zier­ter Per­so­nen ohne Erklä­rung lösen Panik unter den Bewohner*innen aus. Hier spielt die kol­lek­ti­ve, per­ma­nen­te Erfah­rung einer stän­dig dro­hen­den Gefahr von Abschie­bun­gen eine wesent­li­che Rol­le. Es herrscht ein Man­gel an aktu­el­len Infor­ma­tio­nen über Infek­ti­ons­mög­lich­kei­ten mit Covid-19 und den Fol­gen dar­aus. Die Men­schen kön­nen die Gebäu­de nicht mehr ver­las­sen. Sie füh­len sich ein­ge­sperrt und iso­liert. Für die Men­schen ist es schlicht­weg nicht mög­lich, sich selbst oder ande­re zu schüt­zen, da die Unter­brin­gung wei­ter­hin mit bis zu fünf Per­so­nen in einem Raum erfolgt. Duschen und Toi­let­ten wer­den wei­ter­hin gemein­schaft­lich benutzt. Der gebo­te­ne Infek­ti­ons­schutz ist nicht gege­ben. Es herrsch­te ein Man­gel an Des­in­fek­ti­ons­mit­tel, Hygie­ne­ar­ti­keln und Toi­let­ten­pa­pier. (…) Durch das Aus­gangs­ver­bot kön­nen sich die Men­schen selbst nicht mit dem Nötigs­ten, wie Nah­rungs­mit­tel, Hygie­ne­ar­ti­kel sowie Toi­let­ten­pa­pier etc., ver­sor­gen. Neben dem Per­so­nal der Secu­ri­ty, das in der Ver­gan­gen­heit immer wie­der Gewalt gegen Bewohner*Innen aus­ge­übt hat, ist nun auch rund um die Uhr Poli­zei vor Ort. Mit bei­den, Secu­ri­ty und Poli­zei, haben die Bewohner*innen i.d.R. Erfah­run­gen, die von Gewalt und Repres­si­on gepräg­te sind. Auch in der jet­zi­gen Situa­ti­on ist davon aus­zu­ge­hen, dass die Andro­hung und Anwen­dung von Gewalt ein Mit­tel zur Beherr­schung der Lage ist. Sicher­heits­per­so­nal als auch Sozialarbeiter*innen und alle ande­ren Mitarbeiter*innen betre­ten und ver­las­sen täg­lich das Gelän­de und das Lager, wäh­rend die Bewohner*innen ein­ge­sperrt wer­den. Auch hier scheint es kein ernst­zu­neh­men­des Kon­zept zu geben. (…) Wir for­dern von den ver­ant­wort­li­chen Poli­ti­kern und Poli­ti­ke­rin­nen, wie Innen­mi­nis­ter Hol­ger Stahl­knecht (CDU) und ande­ren Ver­ant­wort­li­chen im Lan­des­ver­wal­tungs­amt: 1. Eine dezen­tra­le Unter­brin­gung von Geflüch­te­ten, und zwar sofort und dau­er­haft. Wir for­dern die Schlie­ßung der Mas­sen­un­ter­brin­gun­gen, wie der ZAST und allen ande­ren Lagern in Sach­sen-Anhalt. Für die dezen­tra­le Unter­brin­gung bie­tet sich an, den vor­han­de­nen Leer­stand in Hal­ber­stadt…” Offe­ner Brief des Anti­ras­sis­ti­schen Netz­werk Sach­sen-Anhalt vom 4.4.2020 externer Link
    • Spen­den­auf­ruf für die Men­schen in der ZASt
      Auf­ruf zu prak­ti­scher Soli­da­ri­tät mit den geflüch­te­ten Men­schen in der Zen­tra­len Erst­auf­nah­me (ZASt) in Hal­ber­stadt! Spen­den­auf­ruf des Anti­ras­sis­ti­schen Netz­werk Sach­sen-Anhalt vom 4.4.2020 externer Link
    • Video & Inter­view: Refu­gees der ZASt Hal­ber­stadt im Hun­ger­streik
      “Wir haben ges­tern davon berich­tet wie Geflüch­te­te der Zen­tra­len Anlauf­stel­le für Asyl­be­wer­ber (ZASt) Hal­ber­stadt einen Hun­ger­streik orga­ni­sier­ten. Von dem Lager, in dem sie unter­ge­bracht sind, spre­chen sie als „Gefäng­nis“. Sie wol­len so lan­ge die Nah­rung ver­wei­gern, bis ihre For­de­run­gen aus einem offe­nen Brief umge­setzt wer­den. Im Video­in­ter­view mit Per­spek­ti­ve Online berich­ten sie aus der ZAST.” Video & Inter­view vom 5. April 2020 bei Per­spek­ti­ve Online externer Link
    • Sie­he Auf­nah­men, die Bewohner*innen der ZASt in Hal­ber­stadt am 4.4.2020 im Lager gemacht haben externer Link
    • Sie­he aktu­el­le Mel­dun­gen im Thread von AkAn­ti­raMD bei Twit­ter zur Situa­ti­on in Hal­ber­stadt externer Link
    • Mit 900 Men­schen in Qua­ran­tä­ne – ZASt in Hal­ber­stadt
      Seit Frei­tag­mor­gen steht die Zen­tra­le Anlauf­stel­le für Asyl­be­wer­ber (ZASt) in Hal­ber­stadt in Sach­sen-Anhalt unter Qua­ran­tä­ne. Die Maß­nah­me soll zwei Wochen andau­ern. Davon betrof­fen sind 850 Bewoh­ne­rIn­nen sowie Mit­ar­bei­ten­de. Der Grund ist ein posi­tiv auf Coro­na getes­te­ter Mensch, der ver­gan­ge­ne Woche aus der ZASt in Hal­ber­stadt nach Hal­le kam. Der Flücht­lings­rat Sach­sen-Anhalt hat die Qua­ran­tä­ne-Maß­nah­me als unzu­rei­chend und unver­ant­wort­lich kri­ti­siert. Laut dem Flücht­lings­rat wür­de es an gro­be Fahr­läs­sig­keit gren­zen, knapp 900 Men­schen auf engs­tem Raum ohne Aus­weich- und gerin­ge Infor­ma­ti­ons­mög­lich­kei­ten sowie man­geln­der medi­zi­ni­scher Ver­sor­gung unter­zu­brin­gen. Laut dem Flücht­lings­rat brau­che es eine dezen­tra­le Unter­brin­gung für die Men­schen in der ZASt, etwa in leer­ste­hen­den Woh­nun­gen, Pen­sio­nen und Hotels. Für die Bewoh­ne­rIn­nen der ZASt gestal­tet sich die Qua­ran­tä­ne unter­schied­lich – es gibt Stim­men, die sich in der Qua­ran­tä­ne sicher füh­len, ande­re kri­ti­sie­ren die feh­len­de Mög­lich­keit einer eige­nen Ver­sor­gung mit ange­mes­se­nen Essen. Über die Zustän­de und die Stim­mung inner­halb der ZASt sei Ver­hän­gung der Qua­ran­tä­ne-Maß­nah­me spra­chen wir mit dem Bewoh­ner Joseph.” Inter­view vom 30.3.2020 bei Radio Corax im Audio­por­tal Frei­er Radi­os externer LinkAudio Datei
  • [»Tog­e­ther we are Bre­men«] »Bringt die Geflüch­te­ten in Hotels unter« /​Abstand­hal­ten ist unmög­lich in vie­len Flücht­lings­un­ter­künf­ten 
    • [»Tog­e­ther we are Bre­men«] »Bringt die Geflüch­te­ten in Hotels unter«
      Abstand hal­ten unmög­lich: In Bre­men wird wegen Coro­na für die Schlie­ßung einer Erst­auf­nah­me­ein­rich­tung pro­tes­tiert. Bewohner*innen der Erst­auf­nah­me­ein­rich­tung für Geflüch­te­te in der Lin­den­stra­ße in Bre­men tan­zen und klat­schen vor dem grau­en Gebäu­de. Sie rufen im Takt »Coro­na­stra­ße: shut it down!«. Unter den laut der Bre­mer Poli­zei bis zu 300 Pro­tes­tie­ren­den, dar­un­ter auch Unterstützer*innen, sind vie­le Frau­en mit Babys. »Die­se spon­ta­ne Revol­te ist ges­tern Abend von den Frau­en aus­ge­gan­gen«, erklärt Mina Berg­feld, Akti­vis­tin beim Bünd­nis »Tog­e­ther we are Bre­men« externer Link. »We are tired, we are fear­ful, we are sad. We don’t want to die, we want to live!«, ruft eine Bewoh­ne­rin. »Wir essen zusam­men, wir schla­fen zusam­men. Wir leben zu viert, zu fünft, zu sechst auf den Zim­mern. Die gan­ze Welt wird prak­tisch zuge­macht – nur die­ses Camp nicht! Es muss geschlos­sen wer­den, damit wir vor Coro­na geschützt wer­den kön­nen!«, for­dert die Bewoh­ne­rin Isa­tou C. Ein ande­rer Bewoh­ner, Moh­sen E., beschwert sich über die Luft in der Erst­auf­nah­me­ein­rich­tung, die nur über eine Belüf­tungs­an­la­ge zir­ku­liert wer­de. Fens­ter könn­ten nicht geöff­net wer­den. (…) Laut Bernd Schnei­der, Spre­cher der zustän­di­gen Sozi­al­be­hör­de von Sena­to­rin Anja Stah­mann (Grü­ne), leb­ten der­zeit 450 Men­schen in der Ein­rich­tung. Seit Erlass der All­ge­mein­ver­fü­gung zur Ein­däm­mung des Coro­na­vi­rus am 23. März sei­en 150 Men­schen ander­wei­tig unter­ge­bracht wor­den. »Die bis­he­ri­gen Maß­nah­men des Sozi­al­res­sorts sind nicht aus­rei­chend«, erklär­te Sofia Leo­ni­da­kis, Frak­ti­ons­vor­sit­zen­de der Bre­mer Lin­ken, gegen­über »nd«. (…) Am Diens­tag bestä­tig­te die Sozi­al­be­hör­de, dass es eine ers­te mit Coro­na infi­zier­te Per­son in der Ein­rich­tung gebe. Die­se habe »kei­ner­lei Kon­takt« zu Bewohner*innen »außer­halb des engen Bereichs für Neu­an­kom­men­de« gehabt und sei inzwi­schen in einem Zim­mer iso­liert. Dem wider­spra­chen die Bewohner*innen: die Per­son und ande­re Neu­an­ge­kom­me­ne hät­ten auf den Flu­ren der Ein­rich­tung regu­lä­ren Kon­takt mit ihnen…” Bericht von Sabi­ne Netz vom 02.04.2020 im ND online externer Link
    • Schutz vor Coro­na für Geflüch­te­te – Zu sechst ein Zim­mer, kei­ne Sei­fe
      “… „Gera­de kann ich nicht spre­chen, ich ste­he in der Schlan­ge zum Fie­ber­mes­sen“, sagt Marl­low Kur­di am Tele­fon. Nach zwan­zig Minu­ten ist sei­ne Tem­pe­ra­tur geprüft und er hat Zeit zum Reden. „Am Frei­tag­mor­gen kam viel Poli­zei und hat Zäu­ne rund um die Gebäu­de auf­ge­stellt“, sagt Kur­di, der eigent­lich anders heißt. „Danach haben sie Durch­sa­gen in ver­schie­de­nen Spra­chen gemacht, in Kur­disch, Ara­bisch, Far­si oder Eng­lisch.“ Der Inhalt war immer der­sel­be: Die Zen­tra­le Anlauf­stel­le für Asyl­be­wer­ber des Lan­des Sach­sen-Anhalt (ZASt) in Hal­ber­stadt, in der Kur­di lebt, steht für 14 Tage unter Qua­ran­tä­ne. Die 839 Bewohner:innen dür­fen das Gelän­de nicht ver­las­sen. Kurz zuvor war ein Bewoh­ner der Unter­kunft nach Hal­le ver­legt – und dort posi­tiv auf das Coro­na­vi­rus getes­tet wor­den, eben­so wie drei Kon­takt­per­so­nen des Man­nes. Sie wur­den in eine neue Iso­lier­sta­ti­on mit 80 Plät­zen in Qued­lin­burg gebracht. Die ZASt befin­det sich auf einem alten NVA-Gelän­de. In drei oran­ge-grau­en Plat­ten­bau­ten leben bis zu 360 Men­schen. Die Haupt­ge­bäu­de sind nun von­ein­an­der getrennt. Per­so­nal der Unter­kunft und Poli­zei bewa­chen die Abzäu­nung. Der Sport­platz ist geschlos­sen, eben­so alle Auf­ent­halts­be­rei­che, in denen ein Min­dest­ab­stand von 1,5 Metern nicht mög­lich ist. Die Mit­ar­bei­ten­den sei­en mit per­sön­li­cher Schutz­aus­rüs­tung aus­ge­stat­tet, erklärt die Ver­wal­tung. Die Flücht­lin­ge nicht. Räum­li­che Distanz ist die wirk­sams­te Maß­nah­me für den Infek­ti­ons­schutz. Doch genau das ist in Asyl­be­wer­ber­hei­men nicht mög­lich. In der ZASt in Hal­ber­stadt etwa tei­len sich bis zu sechs Per­so­nen ein Zim­mer, sie waschen sich in Gemein­schafts­bä­dern. Die Kan­ti­ne ist nun geschlos­sen, das Essen wird ein­zeln abge­packt ver­teilt. „Das ist sehr hygie­nisch“, sagt Kur­di. „Aber wir ste­hen mit vie­len Leu­ten zusam­men Schlan­ge bei der Essens­aus­ga­be oder beim Fie­ber­mes­sen.“ Bäder und Flu­re wür­den öfter des­in­fi­ziert als sonst. „Unse­re Zim­mer aber nicht, und wir haben kei­ne Hand­schu­he, Mas­ken oder Des­in­fek­ti­ons­mit­tel. Wenn jemand hier krank wird, dann könn­te das eine Kata­stro­phe geben.“ Laut Sta­tis­ti­schem Bun­des­amt wohn­ten 2018 rund 215.000 Geflüch­te­te in deut­schen Sam­mel­un­ter­künf­ten. Die­se unter­schei­den sich regio­nal stark, über­all aber leben vie­le Men­schen auf sehr engem Raum. (…) „Das größ­te Pro­blem“, sagt Jus­ti­ce Aik­hu aus Lands­hut, „sind die Toi­let­ten.“ Über 20 Men­schen tei­len sich auf sei­nem Stock­werk eine. Es gebe kei­ne Sei­fe, kein Des­in­fek­ti­ons­mit­tel.“ Er glaubt, dass noch mehr Leu­te die­ses Virus bekom­men. Viel­leicht habe er es ja auch schon. „Wie kann ich das wis­sen?“ Die Unsi­cher­heit macht alles noch schlim­mer. (…) Feh­len­de Sei­fe, feh­len­des WLAN – die Pro­ble­me, von denen Jus­ti­ce Aik­hu berich­tet, sind nicht die Regel, aber auch kei­ne Sel­ten­heit in baye­ri­schen Flücht­lings­hei­men, sagt Ste­phan Dünn­wald vom Flücht­lings­rat. (…) Bun­des­weit for­dern Flücht­lings­rä­te, die Sam­mel­un­ter­künf­te zu schlie­ßen und die Bewoh­ner in Woh­nun­gen zu ver­tei­len, erst recht in Zei­ten von Coro­na…” Arti­kel von Dinah Rie­se, Chris­ti­an Jakob, Domi­nik Baur, Kon­rad Litsch­ko und Hel­ke Eller­siek vom 2. April 2020 in der taz online externer Link
    • [Bran­den­burg] Abstand­hal­ten ist unmög­lich in vie­len Flücht­lings­un­ter­künf­ten
      Geflüch­te­te in Bran­den­bur­ger Flücht­lings­un­ter­künf­ten haben aktu­ell kaum eine Chan­ce, Kon­tak­te zu ande­ren Men­schen zu ver­mei­den, Abstand zu hal­ten und sich und ihre Fami­li­en vor einer Anste­ckung mit dem neu­ar­ti­gen Coro­na­vi­rus zu schüt­zen. Maß­nah­men der sozia­len Distan­zie­rung tref­fen sie gleich­zei­tig in beeng­ten Wohn­ver­hält­nis­sen beson­ders hart. Die Unterzeichner*innen der Pres­se­mit­tei­lung for­dern die Lan­des­re­gie­rung zu sofor­ti­gen Maß­nah­men auf, um Geflüch­te­te, die aktu­ell noch in den kom­mu­na­len Gemein­schafts­un­ter­künf­ten sowie den vom Land betrie­be­nen Erst­auf­nah­me­stel­len unter­ge­bracht sind, wäh­rend der Coro­na-Pan­de­mie zu schüt­zen. Gera­de in die­sen Zei­ten von Soli­da­ri­tät und brei­ter Unter­stüt­zung inner­halb von Nach­bar­schaf­ten soll­ten auch die Rech­te von Flücht­lin­gen gewahrt und nicht ver­ges­sen wer­den. Sogar Men­schen, die Risi­ko­grup­pen ange­hö­ren, har­ren in Bran­den­burg wei­ter­hin in Mehr­bett­zim­mern aus und müs­sen sich teil­wei­se Bad und Kan­ti­ne bzw. die Gemein­schafts­kü­che mit vie­len Ande­ren tei­len. Die­se Situa­ti­on ist abso­lut unver­ant­wort­lich…” Gemein­sa­me Pres­se­mit­tei­lung vom 1. April 2020 beim Flücht­lings­rat Bran­den­burg externer Link zur Situa­ti­on in Bran­den­bur­ger Unter­künf­ten wäh­rend der Coro­na-Pan­de­mie unter­zeich­net von: Women in Exi­le, Refu­gees Eman­ci­pa­ti­on, Pots­dam Kon­voi, Geflüch­te­ten Netz­werk Cott­bus, We’ll Come United Ber­lin und Bran­den­burg, Bürger*innenasyl Bar­nim, Jugend­li­che ohne Gren­zen Bran­den­burg, See­brü­cke Pots­dam, Migran­ten­bei­rat Pots­dam, Flücht­lings­be­ra­tungs­stel­le des ev. Kir­chen­krei­ses Obe­res Havel­land, Bar­nim für Alle und Flücht­lings­rat Bran­den­burg
  • Sie­ben Coro­na-Infi­zier­te: „Anker-Zen­trum“ mit 600 Asyl­be­wer­bern unter Qua­ran­tä­ne gestellt – Men­schen­recht­ler for­dern dezen­tra­le Unter­brin­gung von Men­schen 
    “Im unter­frän­ki­schen Geld­ers­heim ist das zen­tra­le „Anker-Zen­trum“ wegen der Coro­na-Pan­de­mie unter Qua­ran­tä­ne gestellt wor­den. Dort sei­en sie­ben Bewoh­ner und ein exter­ner Beschäf­tig­ter mit dem Virus infi­ziert, teil­te die Regie­rung von Unter­fran­ken am Wochen­en­de auf Face­book mit. Ins­ge­samt hiel­ten sich im Zen­trum bei Schwein­furt momen­tan rund 600 Asyl­be­wer­ber auf. Wie die Regie­rung von Unter­fran­ken in einem Face­book-Post mit­teilt, wer­den die infi­zier­ten Bewoh­ner in einem geson­der­ten Gebäu­de unter­ge­bracht. Der exter­ne Beschäf­tig­te befin­de sich in häus­li­cher Qua­ran­tä­ne. Für die Ein­rich­tung gel­te ein Auf­nah­me­stopp. „Die Bewoh­ner dür­fen die Ein­rich­tung nicht ver­las­sen. Im Übri­gen gel­ten für die Ein­rich­tung ver­gleich­ba­re Maß­nah­men, wie sie auch ansons­ten bei aktu­el­len Qua­ran­tä­ne­maß­nah­men ange­ord­net wer­den. Besu­cher­ver­kehr ist aus­ge­schlos­sen“, heißt es. Die Ein­hal­tung der Qua­ran­tä­ne­re­geln wür­den durch den Sicher­heits­dienst über­wacht. (…) Ein Bünd­nis von Men­schen­rechts­or­ga­ni­sa­tio­nen hat­ten von Bund und Län­dern mehr Maß­nah­men zum Schutz von Flücht­lin­gen vor dem Coro­na­vi­rus gefor­dert. Alle noch in zen­tra­len Unter­brin­gungs­ein­rich­tun­gen leben­den Flücht­lin­ge müss­ten den kom­mu­na­len Unter­künf­ten zuge­wie­sen wer­den…” Mel­dung vom 30. März 2020 bei MiGA­ZIN externer Link
  • Coro­na-Qua­ran­tä­ne in Geflüch­te­ten­un­ter­kunft /​Pro Asyl-New­sti­cker Coro­na­vi­rus 
    • Pro Asyl-New­sti­cker Coro­na­vi­rus
      Ange­sichts der dyna­mi­schen Ent­wick­lun­gen um das Coro­na­vi­rus sam­meln wir auf die­ser Sei­te fort­lau­fend Infor­ma­tio­nen, die für Schutz­su­chen­de und Ihre Unterstützer*innen von Rele­vanz sind. Wir bemü­hen uns die­se Sei­te ste­tig zu aktua­li­sie­ren, aber kön­nen kei­ne Voll­stän­dig­keit garan­tie­ren…” Infor­ma­tio­nen für Geflüch­te­te und Unterstützer*innen bei Pro Asyl externer Link
    • Coro­na-Qua­ran­tä­ne in Geflüch­te­ten­un­ter­kunft
      Die Flücht­lings­la­ger in Deutsch­land sind zum Teil über­be­legt. Auch dort haben die Bewoh­ner einen neu­en Feind: das Coro­na­vi­rus. In der Coro­na-Kri­se ist es beson­ders wich­tig, dass wir Geflüch­te­te so schnell wie mög­lich in dezen­tra­len Struk­tu­ren unter­zu­brin­gen.” Video vom 24.03.2020 von Super­no­va (Das Leftstyle-Maga­zin vom ND) bei you­tube externer Link
  • Gesund­heits­ver­sor­gung sicher­stel­len! Lager auf­lö­sen! Men­schen und ihre Rech­te schüt­zen! /​Leis­tungs­aus­schlüs­se und ‑kür­zun­gen für Ausländer*innen müs­sen aus­ge­setzt wer­den!
    • Gesund­heits­ver­sor­gung sicher­stel­len! Lager auf­lö­sen! Men­schen und ihre Rech­te schüt­zen!
      “… Wäh­rend Bun­des- und Lan­des­re­gie­run­gen in nahe­zu allen Lebens­be­rei­chen strik­te Maß­nah­men gegen eine wei­te­re Aus­brei­tung der COVID-19-Epi­de­mie ergrei­fen, wer­den Geflüch­te­te in den Lagern (Auf­nah­me­ein­rich­tun­gen, Gemein­schafts­un­ter­künf­ten, soge­nann­ten Anker­zen­tren) und in der Abschie­be­haft sowie Ille­ga­li­sier­te und Men­schen ohne Kran­ken­ver­si­che­rungs­schutz nur unzu­rei­chend geschützt. Auf­grund der engen Bele­gung und der meist gemein­schaft­li­chen Nut­zung von Bädern, Küchen und ande­ren Flä­chen sind die in den Sam­mel­un­ter­künf­ten unter­ge­brach­ten Men­schen beson­ders gefähr­det, sich mit dem Coro­na-Virus zu infi­zie­ren. Gleich­zei­tig haben sie auf­grund man­geln­der Infor­ma­tio­nen, gerin­ge­rer finan­zi­el­ler Mit­tel und oft feh­len­der sozia­ler Netz­wer­ke nur wenig Mög­lich­keit, sich an die gegen­wär­ti­ge Situa­ti­on anzu­pas­sen. We’ll Come United, die Lan­des­flücht­lings­rä­te, die bun­des­wei­ten Medibüros/​Medinetze und vie­le wei­te­re Orga­ni­sa­tio­nen und Initia­ti­ven appel­lie­ren an die Bun­des- und Lan­des­re­gie­run­gen, dem dyna­mi­schen Epi­de­mie­ge­sche­hen sofort zu begeg­nen, Gesund­heits­ver­sor­gung für alle zu garan­tie­ren und einen Leer­zug der Mas­sen­un­ter­künf­te zu ver­an­las­sen. Geflüch­te­te, die den Risi­ko­grup­pen ange­hö­ren, müs­sen unver­züg­lich einen adäqua­ten Schutz­raum und ange­mes­se­ne Ver­sor­gung erhal­ten – zum Schutz der Ein­zel­nen und zum Schutz aller Men­schen in die­ser Gesell­schaft. (…) Einem aku­ten Infek­ti­ons­ge­sche­hen darf nicht mit Zwangs­qua­ran­tä­ne einer gesam­ten Unter­kunft und ihrer Bewohner*innen und gewalt­vol­ler Durch­set­zung der Maß­nah­men begeg­net wer­den. (…) Wir for­dern eine sofor­ti­ge Auf­lö­sung der Mas­sen­un­ter­brin­gung in Gemein­schafts­un­ter­künf­ten, Erst­auf­nah­me­ein­rich­tun­gen und Anker­zen­tren. Das damit ver­bun­de­ne Infek­ti­ons­ge­sche­hen ist nicht zu ver­ant­wor­ten. Geflüch­te­ten, die Risi­ko­grup­pen ange­hö­ren wie Älte­re oder Men­schen mit Vor­er­kran­kun­gen müs­sen ins­be­son­de­re geschützt wer­den. Im gesam­ten Bun­des­ge­biet ste­hen zahl­rei­che Woh­nun­gen, Feri­en­apart­ments und Hotels leer. Die­se Räu­me müs­sen sofort durch die zustän­di­gen Behör­den zur dezen­tra­len Unter­brin­gung akti­viert und genutzt wer­den. (…) Das Bun­des­amt für Migra­ti­on und Flücht­lin­ge muss die Ver­sen­dung nega­ti­ver Beschei­de unver­züg­lich ein­stel­len. Auf­grund von geschlos­se­nen Bera­tungs­stel­len und ein­ge­schränk­tem Besuchs­ver­kehr bei Anwält*innen ist es momen­tan für Geflüch­te­te kaum mög­lich, gegen nega­ti­ve Beschei­de recht­lich frist­ge­recht vor­zu­ge­hen. Sämt­li­che Kür­zun­gen von Leis­tun­gen nach dem Asyl­be­wer­ber­leis­tungs­ge­setz müs­sen auf­ge­ho­ben wer­den. Da Bera­tungs­stel­len und Kanz­lei­en nach und nach schlie­ßen, ist der Zugang zu einer effek­ti­ven Rechts­be­ra­tung nicht mehr gewähr­leis­tet. Wir for­dern einen Abschie­be­stopp und die pau­scha­le Ver­län­ge­rung aller Auf­ent­halts­ti­tel mit sofor­ti­ger Wir­kung. Bei geschlos­se­nen Gren­zen und welt­wei­ten Rei­se­war­nun­gen ist es absurd Abschie­bun­gen wei­ter durch­zu­füh­ren. Men­schen in Abschie­be­haft sind sofort zu ent­las­sen…” Appell von We’ll Come United, die Lan­des­flücht­lings­rä­te, die bun­des­wei­ten Medibüros/​Medinetze und vie­le wei­te­re Orga­ni­sa­tio­nen und Initia­ti­ven vom 20. März 2020 beim Baye­ri­schen Flücht­lings­rat externer Link
    • Über­le­ben muss für alle gesi­chert wer­den – Unter­brin­gung bei Obdach­lo­sig­keit muss gewähr­leis­tet sein – Leis­tungs­aus­schlüs­se und ‑kür­zun­gen für Ausländer*innen müs­sen aus­ge­setzt wer­den!
      “Die GGUA for­dert (…) die Kom­mu­nen auf: Es dür­fen bis auf wei­te­res kei­ne Ein­stel­lun­gen von lau­fen­den Leis­tun­gen nach SGB II erfol­gen (etwa wegen Ver­lust des Arbeitnehmer*innen-Status bei Unionsbürger*innen). Der SGB-II-Anspruch darf nicht aus aus­län­der­recht­li­chen Grün­den („Auf­ent­halts­zweck für die Arbeit­su­che“) abge­lehnt wer­den. Zumin­dest vor­läu­fi­ge Leis­tun­gen müs­sen unbü­ro­kra­tisch und schnellst­mög­lich gewährt wer­den. Es müs­sen bis auf wei­te­res für alle nicht regu­lär leis­tungs­be­rech­tig­ten Unionsbürger*innen und Dritt­staats­an­ge­hö­ri­gen unge­kürz­te Über­brü­ckungs­leis­tun­gen nach § 23 Abs. 3 Satz 3ff SGB XII erbracht wer­den. Die Befris­tung auf regel­mä­ßig einen Monat darf schon des­halb nicht gel­ten, da eine Aus­rei­se momen­tan fak­tisch nicht mög­lich ist. Die der­zei­ti­ge Situa­ti­on stellt unzwei­fel­haft eine „beson­de­re Här­te“ im Sin­ne des § 23 Abs. 3 Satz 6ff SGB XII dar. Die Erbrin­gung von Über­brü­ckungs­leis­tun­gen darf nicht von der Erklä­rung eines „Aus­rei­se­wil­lens“ abhän­gig gemacht wer­den. Nur durch eine sol­che exten­si­ve Anwen­dung der Rege­lun­gen zu den Über­be­rü­ckungs- und Här­te­fall­leis­tun­gen ist gewähr­leis­tet, dass auch Leis­tun­gen zur Siche­rung der Gesund­heit in ange­mes­se­nem Maße erbracht wer­den kön­nen. Eine Unter­brin­gung in Ein­rich­tun­gen der Woh­nungs­lo­sen­hil­fe bzw. eine ord­nungs­recht­li­che Unter­brin­gung muss bis auf wei­te­res unab­hän­gig von einem Anspruch auf Sozi­al­hil­fe­leis­tun­gen erfol­gen. Auf eine Been­di­gung die­ser Unter­brin­gung muss ver­zich­tet wer­den. Nie­mand darf in die Stra­ßen­ob­dach­lo­sig­keit gezwun­gen wer­den. Auf Leis­tungs­kür­zun­gen im Rah­men des § 1a Asyl­bLG und auf den Voll­zug von Leis­tungs­aus­schlüs­sen nach § 1 Abs. 4 Asyl­bLG muss ver­zich­tet wer­den. Schon mit unge­kürz­ten Sozi­al­hil­fe­leis­tun­gen ist es kaum mög­lich, das Exis­tenz­mi­ni­mum in der gegen­wär­ti­gen Aus­nah­me­si­tua­ti­on zu sichern (Stich­wort: Vor­rats­hal­tung, Knapp­heit bestimm­ter Pro­duk­te, erhöh­ter Hygie­ne­be­darf). Mit gekürz­ten Leis­tun­gen, die nur bei etwa der Hälf­te des regu­lä­ren Regel­sat­zes lie­gen, ist dies gänz­lich aus­ge­schlos­sen. Die Ertei­lung oder Ver­län­ge­rung von Auf­ent­halts­ti­teln darf bis auf wei­te­res nicht von der Siche­rung des Lebens­un­ter­halts abhän­gig gemacht wer­den.” GGUA-For­de­run­gen vom 20. März 2020 externer Link
  • Kei­ne See­not­ret­tung wegen Coro­na-Pan­de­mie /​Schutz vor Coro­na für Geflüch­te­te: Abstand nicht mög­lich 
    • Kei­ne See­not­ret­tung wegen Coro­na-Pan­de­mie
      Obwohl Flücht­lings­boo­te im Mit­tel­meer wei­ter in See­not gera­ten, kön­nen pri­va­te Ret­tungs­schif­fe auf­grund der Coro­na-Epi­de­mie der­zeit nicht aus­lau­fen. Eini­gen Schif­fen feh­len Ersatz­tei­le, ande­re sind in Qua­ran­tä­ne. Zudem erschwe­ren Rei­se­be­schrän­kun­gen Crew­mit­glie­dern die Anrei­se. Die Coro­na-Pan­de­mie ver­hin­dert der­zeit den Ein­satz von See­not­ret­tungs­schif­fen auf dem Mit­tel­meer. „Es ist kein ein­zi­ges pri­va­tes Ret­tungs­schiff im Mit­tel­meer, obwohl wei­ter Flücht­lings­boo­te in See­not sind“, sag­te Ruben Neu­ge­bau­er von der Orga­ni­sa­ti­on Sea-Watch am Don­ners­tag dem „Evan­ge­li­schen Pres­se­dienst“. Die Hel­fer sei­en durch die Maß­nah­men gegen das Virus extrem ein­ge­schränkt. „An der Werft in Mes­si­na, an der die ‚Sea-Watch 3″ liegt, sind die Läden für Ersatz­tei­le geschlos­sen.“ Auch kön­ne wegen der Rei­se­be­schrän­kun­gen kaum eine Crew zusam­men­ge­stellt wer­den. „Es wäre aber sehr wich­tig, dass Ret­tungs­schif­fe in Ein­satz wären.“ Laut der Inter­na­tio­na­len Orga­ni­sa­ti­on für Migra­ti­on (IOM) wur­den in den ver­gan­ge­nen Tagen Hun­der­te Flücht­lin­ge, die über das Mit­tel­meer nach Euro­pa woll­ten, zurück nach Liby­en gebracht. Dort erwar­tet sie die Inhaf­tie­rung in Lagern, in denen Gewalt, Fol­ter und Men­schen­han­del herr­schen. Die Orga­ni­sa­ti­on Alarm Pho­ne, die einen Not­ruf für Flücht­lin­ge im Mit­tel­meer betreibt, berich­tet immer wie­der von ver­schwun­de­nen Boo­ten und ver­miss­ten Per­so­nen…” Mel­dung vom 20.03.2020 beim Miga­zin externer Link (im Abo)
    • Schutz vor Coro­na für Geflüch­te­te: Abstand nicht mög­lich
      “In ers­ten Flücht­lings­un­ter­künf­ten gibt es Coro­na-Fäl­le. (…) Ahmad Moha­med hat Angst. „Wir woh­nen mit drei oder vier Leu­ten auf einem Zim­mer. Wir schla­fen zusam­men, essen zusam­men. Wie sol­len wir Abstand zuein­an­der hal­ten?“ Moha­med kommt aus Afgha­ni­stan. Weil er kei­nen Ärger will, ist sein Name in die­sem Arti­kel geän­dert. Seit fünf Jah­ren lebt er in Deutsch­land, momen­tan im bay­ern­wei­ten Ankunfts- und Ver­teil­zen­trum in der Maria-Probst-Stra­ße in Mün­chen. Dort wur­den bereits drei Bewoh­ner posi­tiv auf das Coro­na-Virus getes­tet. „Wir alle haben Angst, uns anzu­ste­cken“, sagt Moha­med. (…) „Die Secu­ri­ties und ande­re Ange­stell­te kom­men nur noch mit Mas­ken“, bestä­tigt Moha­med. „Aber wir haben kei­ne bekom­men.“ Er fühlt sich auch nicht aus­rei­chend infor­miert. Was er über das Virus und die Ver­hal­tens­vor­ga­ben wis­se, stam­me aus dem Inter­net. „Bei Face­book und You­tube, da kann man schon mit­krie­gen, dass man auf­pas­sen muss“, sagt er. „Es ist eine Kata­stro­phe hier. Vor allem für die Fami­li­en mit Kin­dern.“ (…) Deut­lich dra­ma­ti­scher ist die Lage im thü­rin­gi­schen Suhl. Dort sit­zen seit dem Wochen­en­de die 533 Bewohner*innen der Erst­auf­nah­me­ein­rich­tung des Lan­des in Qua­ran­tä­ne. Am Frei­tag­abend war dort ein Bewoh­ner posi­tiv auf das Coro­na­vi­rus getes­tet wor­den. Der Mann war erst am glei­chen Tag in die Unter­kunft gekom­men. Er wird nun iso­liert unter­ge­bracht. Sämt­li­che Bewohner*innen dür­fen sich zwar im Haus frei bewe­gen – das Gelän­de aber nicht ver­las­sen. Medi­en berich­ten, dass die Lage in der Unter­kunft ange­spannt ist. (…) Die Ein- und Aus­gans­sper­re gel­te für min­des­tens 14 Tage, erklärt das Thü­rin­ger Migra­ti­ons­mi­nis­te­ri­um auf Anfra­ge. Es wer­de „alles getan, um die Situa­ti­on für alle Betei­lig­ten, ins­be­son­de­re die Bewohner/​innen, mög­lichst ent­las­tend zu gestal­ten“. Auf­grund der Qua­ran­tä­ne kön­ne der­zeit nie­mand neu in der Unter­kunft auf­ge­nom­men wer­den. Im Moment wür­den kei­ne Flücht­lin­ge nach Thü­rin­gen zuge­teilt. Pro Asyl bekräf­tigt ange­sichts der aktu­el­len Lage sei­ne alte Kri­tik an Sam­mel­un­ter­künf­ten: „Wenn Men­schen auf engem Raum in Lagern leben müs­sen, ist die Gefahr groß, dass vie­le krank wer­den. (…) Es sei nun höchs­te Zeit, die Groß­un­ter­künf­te zu schlie­ßen und die Men­schen zügig auf die Kom­men zu ver­tei­len. Nur so kön­ne eine Aus­brei­tung des Virus ver­hin­dert wer­den. Ähn­li­ches for­dern auch die Flücht­lings­rä­te. Zudem müss­ten mit Blick auf die welt­wei­te Kri­se alle Abschie­bun­gen aus­ge­setzt und Dul­dun­gen ver­län­gert wer­den, damit die Men­schen sel­te­ner zur Aus­län­der­be­hör­de müss­ten, erklärt etwa der Flücht­lings­rat Thü­rin­gen. (…) Neben den Bewohner*innen von Sam­mel­un­ter­künf­ten ist die Coro­na-Pan­de­mie für Men­schen ohne regu­lä­ren Auf­ent­halts­ti­tel ein beson­de­res Pro­blem. Men­schen also, die den Kon­takt zu Behör­den wenn mög­lich mei­den, weil sie sich vor einer Abschie­bung fürch­ten…” Bei­trag von Dinah Rie­se vom 17. März 2020 in der taz online externer Link
    • Sie­he lei­der auch: Coro­na-Epi­de­mie: Huma­ni­tä­re Pro­gram­me zur Flücht­lings­auf­nah­me aus­ge­setzt
  • Coro­na­vi­rus: Ruf nach Abschie­be­stopp wird lau­ter – Ein­schrän­kun­gen auch bei See­not­ret­tern
    Ange­sichts der Coro­na-Pan­de­mie drän­gen die Bun­des­län­der auf eine ein­heit­li­che Linie bei Abschie­bun­gen. Bis­lang gibt es kei­nen gene­rel­len Abschie­be­stopp. Die See­not­ret­ter auf dem Mit­tel­meer ste­hen indes vor einem “ethi­schen Dilem­ma.” Der Umgang mit der Coro­na-Pan­de­mie in Deutsch­land ver­setzt auch die Aus­län­der­be­hör­den in Unsi­cher­heit. Einen gene­rel­len Abschie­be­stopp gibt es in Deutsch­land bis­lang nicht. Aus den Bun­des­län­dern wer­den nach Infor­ma­tio­nen von NDR und WDR aller­dings die Rufe nach einer Vor­ga­be des Bun­des­in­nen­mi­nis­te­ri­ums in Ber­lin lau­ter. Hin­ter­grund ist unter ande­rem die welt­weit unüber­sicht­li­che Lage, in wel­che Län­der Ein­rei­se­stopps aus Deutsch­land gel­ten und in wel­che noch nicht. (…) Am Flug­ha­fen Frank­furt fand der Abschie­be­be­trieb nach Infor­ma­tio­nen von NDR und WDR am Mon­tag noch weit­ge­hend nor­mal statt. In Ein­zel­fäl­len wur­den Abschie­be­flü­ge zwar aus­ge­setzt, aller­dings hat die Coro­na-Kri­se noch nicht zu einem grund­le­gend ver­än­der­ten Umgang mit geplan­ten Maß­nah­men geführt. (…) Offi­zi­ell aus­ge­setzt sind zunächst bis Anfang April Rück­füh­rungs­flü­ge auf Basis der soge­nann­ten Dub­lin-Rege­lung nach Ita­li­en. Die Ver­ord­nung sieht vor, dass Flücht­lin­ge in die­je­ni­gen euro­päi­schen Län­der zurück­bracht wer­den, in denen sie erst­mals Asyl bean­tragt hat­ten. Auf­grund der Coro­na-Kri­se hat­te Ita­li­en die Rück­nah­me von Flücht­lin­gen bereits seit dem 25. Febru­ar aus­ge­setzt. Eine Umfra­ge von NDR und WDR in den Bun­des­län­dern ergab, dass zahl­rei­che Abschie­be­flü­ge ansons­ten wei­ter­hin statt­fin­den. Die­se wür­den im jewei­li­gen Ein­zel­fall geprüft, hieß es aus zahl­rei­chen Län­dern. Flä­chen­de­cken­de Coro­na-Test vor etwai­gen Abschie­bun­gen fin­den der­zeit offen­bar nicht statt. (…) Unter­des­sen setzt die Coro­na-Kri­se auch den zivi­len See­not­ret­tungs­mis­sio­nen zu, die auf dem Mit­tel­meer Flücht­lin­ge in See­not ber­gen. Zahl­rei­che Orga­ni­sa­tio­nen fürch­ten, auf­grund der Coro­na-Kri­se bald nicht mehr ein­satz­fä­hig zu sein. Die Orga­ni­sa­ti­on Sea Watch, die Schif­fe zur See­not­ret­tung betreibt und zur Lage­bil­der­stel­lung auch über ein Flug­zeug ver­fügt, muss­te ihre Flü­ge über dem Mit­tel­meer bereits ein­stel­len. Grund sind Pro­ble­me beim Betan­ken des Flug­zeugs, weil der dafür benö­tig­te Flug­ha­fen in Mal­ta von der Orga­ni­sa­ti­on der­zeit nicht mehr ange­flo­gen wer­den kann. Auch ande­re Initia­ti­ven sehen auf­grund der Pan­de­mie ihre Arbeits­fä­hig­keit gefähr­det…” Bei­trag von Volk­mar Kabisch, Mar­tin Kaul, Amir Musa­wy und Rei­ko Pin­kert (NDR/​WDR) vom 17.03.2020 bei tages​schau​.de externer Link
  • Sie­he auch bei­spiel­haft: Bericht von Ruhul Amin Khan über Coro­na – Aus­bruch in Flücht­lings­la­ger: Ein öffent­li­cher Appell gegen die schlech­te Behand­lung von Flücht­lin­gen in der Maria-Probst-Stra­ße 14 in Mün­chen. Drin­gen­de Pres­se­mit­tei­lung: Coro­na­vi­rus Flücht­lings­la­ger Ankunfts­zen­trum, Maria-Probst-Stra­ße 14, 80939 Mün­chen. Pres­se­mit­tei­lung vom 17.3.2020 beim The VOICE Refu­gee Forum Ger­ma­ny externer Link – Flücht­lin­ge und Asyl in Deutsch­land

Der Bei­trag Flücht­lings­po­li­ti­sche Maß­nah­men ange­sichts der Coro­na-Pan­de­mie: Abschie­bun­gen aus­set­zen, Dul­dun­gen ver­län­gern, Dezen­tra­le Unter­brin­gung… erschien zuerst auf Labour­Net Ger­ma­ny.

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