[labournet:] Streik bei Nissan (in der Nähe von) Barcelona: Gegen den Schließungsplan samt Kurzarbeit zuvor

Dossier

Streik bei Nissan (in der Nähe von) Barcelona: Gegen einen Schließungsplan, den das Unternehmen wohl „im Sommer“ offiziell verkünden möchte...Seit Mon­tag, 04. Mai 2020 befin­det sich die Beleg­schaft von Nis­san in Mont­ca­da (Son­der­wirt­schafts­zo­ne in der Nähe von Bar­ce­lo­na) im Streik: Seit über einer Woche nun­mehr. Dabei geht es dar­um, dass Beleg­schaft und Gewerk­schaf­ten befürch­ten, die offen­sicht­lich beab­sich­tig­te Werks­schlie­ßung kön­ne „durch­ge­zo­gen“ wer­den – das Unter­neh­men will dies groß­zü­gi­ger­wei­se in ein paar Mona­ten (im Som­mer, wie aus der nach­fol­gen­den Mel­dung her­vor­geht) mit­tei­len. Obwohl im Betriebs­ko­mi­tee meh­re­re Gewerk­schaf­ten ver­tre­ten sind, die durch­aus unter­schied­li­che Ori­en­tie­run­gen haben und ver­fol­gen, ist der Streik eine von allen getra­ge­ne Akti­on, an der sich auch alle der 1.300 Beschäf­tig­ten betei­li­gen, wie es aus ver­schie­de­nen Quel­len her­vor­geht. So auch aus dem kur­zen Bericht „El comi­té de empre­sa de Nis­san ini­cia este lunes una huel­ga inde­fi­ni­da“ am 04. Mai 2020 bei Cope externer Link, aus dem auch noch deut­lich wird, dass für den Tag des Streik­be­ginns, also am 4. Mai, das Unter­neh­men eigent­lich den Beginn der all­mäh­li­chen Wie­der­auf­nah­me der Pro­duk­ti­on vor­ge­se­hen hat­te, was dann eben nicht geschah. Die Aus­wir­kun­gen die­ses Streiks im Raum Bar­ce­lo­na könn­ten sich aber sehr schnell auch auf ande­re Stand­or­te und Nie­der­las­sun­gen in Spa­ni­en aus­wir­ken, da sie alle in unter­schied­li­chem Umfang von hier aus belie­fert wer­den. Wie dabei die gewerk­schaft­li­chen Reak­tio­nen aus­se­hen wer­den, bleibt bis­her unklar – da es kei­nen gemein­sa­men „Betriebs­rat“ gibt, wie in ande­ren Auto­kon­zer­nen in Spa­ni­en, son­dern jede Ein­heit ihr eige­nes Komi­tee hat, die alle sehr unter­schied­lich zusam­men­ge­setzt sind. Sie­he dazu auch wei­te­re aktu­el­le Mel­dun­gen und einen Bericht über die Wahl des Betriebs­ko­mi­tees 2019 sowie neu:

  • Nach bei­na­he 100 Tagen im Streik: Beleg­schaft stimmt Abkom­men bei Nis­san mit über­wäl­ti­gen­der Mehr­heit zu New
    Rund 1.600 der Beschäf­tig­ten der Nis­san-Nie­der­las­sun­gen rund um Bar­ce­lo­na – also etwa zwei Drit­tel der Fest­an­ge­stell­ten – haben sich am Don­ners­tag, 06. August 2020 an der Urab­stim­mung über den von den Betriebs­rä­ten (aller Gewerk­schaf­ten im Unter­neh­men) aus­ge­han­del­ten Ver­trag betei­ligt – und ihn mit ledig­lich 10 Gegen­stim­men ange­nom­men. Das Abkom­men sieht die Schlie­ßung des Wer­kes im Dezem­ber 2021 vor – und die sozia­le Absi­che­rung aller Beschäf­tig­ten bis zur Ren­te. In dem Bericht zur Ver­samm­lung „Los sin­di­ca­tos fuer­zan a Nis­san a bus­car rele­vo y que subro­gue a la plan­til­la“ von Ges­sa­mi For­ner am 06. August 2020 in El Sal­to Dia­rio externer Link wird Ablauf und Ergeb­nis der Ver­samm­lung eben­so dar­ge­stellt, wie die wesent­li­chen Ergeb­nis­se des Abkom­mens berich­tet. Neben den sozia­len Absi­che­run­gen für die Beschäf­tig­ten sieht das Abkom­men auch finan­zi­el­le Hil­fen des Unter­neh­mens für den Wei­ter­be­trieb des indus­tri­el­len Stand­or­tes vor, was eine der wesent­li­chen For­de­run­gen im Streik gewe­sen war. Sie­he dazu auch eine gemein­sa­me Erklä­rung der Nissan-„Betriebsräte“ zum Abkom­men (inklu­si­ve kon­kre­ter Ver­ein­ba­run­gen) und eine Erklä­rung der CGT Metal für die­ses Zukunfts-Siche­rungs-Abkom­men (zur Situa­ti­on in den Sub-Unter­neh­men ist noch nichts bekannt):
  • Schlie­ßung von Nis­san ver­scho­ben – ein ers­ter Erfolg des Kamp­fes in Bar­ce­lo­na. Dem ein zwei­ter fol­gen soll: Par­la­men­ta­ri­sche Initia­ti­ve für Ent­eig­nung und Ein­lei­tung einer Ver­kehrs­wen­de
    Die Mel­dun­gen und Berich­te in den Main­stream-Medi­en Spa­ni­ens waren ein­deu­tig: Auch das jüngs­te Tref­fen von Unter­neh­mens­lei­tung und „Betriebs­rä­ten“ sowie Gewerk­schaf­ten bei Nis­san sei erfolg­los geblie­ben, es habe kei­ner­lei Annä­he­rung gege­ben. Was durch­aus zutrifft – aber wobei eine kei­nes­wegs gering­fü­gi­ge Ent­schei­dung „über­se­hen“ wird: Dass die – ursprüng­lich für den Som­mer 2020 vor­ge­se­he­ne – end­gül­ti­ge Schlie­ßung des Wer­kes in der Son­der­zo­ne von Bar­ce­lo­na auf 2021 ver­scho­ben wur­de. Was auf Sei­ten der Gewerk­schaf­ten und Kol­le­gIn­nen eine ein­hel­li­ge Bewer­tung her­vor­rief: Ein ers­tes Ergeb­nis des nun­mehr seit Mona­ten andau­ern­den Streiks, der sich nach­wie­vor brei­ter Unter­stüt­zung in der Öffent­lich­keit erfreut – und dies trotz der har­ten Linie des Unter­neh­mens in Bezug auf dik­tier­te Kurz­ar­beit. Zur brei­ten und anwach­sen­den öffent­li­chen Unter­stüt­zung gehört auch eine Initia­ti­ve der kata­lo­ni­schen lin­ken Par­tei CUP, gemein­sam mit eini­gen der im Unter­neh­men akti­ven Gewerk­schaf­ten eine Debat­te im Regio­nal­par­la­ment fest­zu­le­gen, auf der über ein Geset­zes­pro­jekt zur Ent­eig­nung des Unter­neh­mens und der dar­auf fol­gen­den beab­sich­tig­ten Pro­duk­ti­ons­um­stel­lun­gen (auf E‑Autos für kol­lek­ti­ve Ver­kehrs­ein­sät­ze) beschlos­sen wer­den soll. Sie­he dazu drei aktu­el­le Bei­trä­ge zur Reak­ti­on auf die Ver­schie­bung der Schlie­ßung, den Aus­wir­kun­gen des lan­gen Streiks auf ande­re Wer­ke von Renault-Nis­san und zur Vor­stel­lung der poli­ti­schen Initia­ti­ve zur Ent­eig­nung und Pro­duk­ti­ons­um­stel­lung:
    • „La lucha de la plan­til­la de Nis­san obli­ga a la empre­sa a apla­zar el cierre“ am 22. Juli 2020 bei kao­s­en­la­red externer Link mel­det die durch den Kampf erzwun­ge­ne Ent­schei­dung, die Werks­schlie­ßung nicht im Som­mer 2020 vor­zu­neh­men. Bis Dezem­ber 2020 wird es zudem kei­ne Ent­las­sun­gen geben. Die Gewerk­schaf­ten begrüß­ten die­sen „Mini-Schritt“, mach­ten aber auch gleich­zei­tig deut­lich, dass es kei­ne Grund­la­ge für Ver­hand­lun­gen um die Betriebs­schlie­ßung gebe – und, solan­ge das dik­ta­to­ri­sche Kurz­ar­beits­pro­gramm auf­recht­erhal­ten wer­de – auch nicht über jedes ande­re The­ma.
    • „La huel­ga de Nis­san Bar­ce­lo­na para­li­za la segun­da plan­ta de Renault en Euro­pa por fal­ta de abas­te­ci­mi­en­to“ von Andrea Robles am 23. Juli 2020 beim OK Dia­rio externer Link berich­tet vom nun­mehr schon zwei­ten Renault-Werk, das auf­grund des mona­te­lan­gen Streiks in Bar­ce­lo­na nicht mehr wei­ter arbei­ten kann, weil die benö­tig­ten Tei­le feh­len. Nach dem Werk im nord­fran­zö­si­schen Maubeu­ge ist es nun auch jenes im bri­ti­schen Sun­der­land.
    • „Pro­po­nen nacio­na­li­zar la Nis­san para cre­ar un par­que púb­li­co de coches com­par­ti­dos eléctri­cos“ von Ges­sa­mi For­ner am 23. Juli 2020 bei El Sal­to Dia­rio externer Link berich­tet von der gemein­sa­men Pres­se­kon­fe­renz von CGT, CUP und Anti­ca­pi­ta­lis­tas zur Initia­ti­ve, die Ver­staat­li­chung und anschlie­ßen­de Pro­duk­ti­ons­um­stel­lung im Par­la­ment zu dis­ku­tie­ren und beschlie­ßen. Die Vor­la­ge sieht staat­li­che Inves­ti­tio­nen von 950 Mil­lio­nen Euro jähr­lich auf die Dau­er von 10 Jah­ren vor – die durch Ein­nah­men in die­sem Zeit­raum min­des­tens aus­ge­gli­chen wer­den könn­ten. Die Pro­duk­ti­on von Elek­tro­au­tos soll Ergeb­nis der anvi­sier­ten Pro­duk­ti­ons­um­stel­lung sein, inklu­si­ve der Kon­trol­le der benutz­ten Mate­ria­li­en auf ihre Sozi­al­ver­träg­lich­keit hin. Ziel wäre es dabei dann, für öffent­lich nutz­ba­re „Fuhr­parks“ zu pro­du­zie­ren, für deren Ent­wick­lung es ver­schie­de­ne Model­le gebe, die auch ansatz­wei­se bei der Pres­se­kon­fe­renz vor­ge­stellt wur­den und mit einem umfang­rei­chen städ­ti­schen „Car Sharing“-Programm begin­nen. Dem dabei vor­ge­stell­ten Kon­zept haben sich inzwi­schen auch ande­re gewerk­schaft­li­che Grup­pie­run­gen und Strö­mun­gen ange­schlos­sen (wie etwa die orga­ni­sier­te lin­ke Oppo­si­ti­on im Gewerk­schafts­bund CCOO).
  • Zahl­rei­che wei­te­re Aktio­nen der Nis­san-Arbei­te­rIn­nen von Bar­ce­lo­na bis Madrid gegen Zwangs-Kurz­ar­beit und Schlie­ßung – sowie das Zusam­men­wach­sen mit der Bewe­gung in den Sub­un­ter­neh­men 
    Am Mitt­woch, 15. Juli 2020, haben sich etwa 2.000 Arbei­te­rin­nen und Arbei­ter der Nis­san-Wer­ke in Bar­ce­lo­na an der Demons­tra­ti­on in Madrid betei­ligt, zu der alle in den Betrie­ben prä­sen­ten Gewerk­schaf­ten auf­ge­ru­fen hat­ten. Bei der Demons­tra­ti­on zum Par­la­ment wur­de vor allem von den poli­ti­schen Ver­ant­wort­li­chen gefor­dert, den Para­gra­phen 51 des Arbeits­sta­tuts abzu­schaf­fen – der nach den Gegen­re­for­men von 2012 es den Unter­neh­men erlaubt, Maß­nah­men wie Zwangs-Kurz­ar­beit ohne Geneh­mi­gung der Behör­den und ohne Ver­hand­lun­gen mit Gewerk­schaf­ten oder Betriebs­rä­ten zu dik­tie­ren. In der Mel­dung „La plan­til­la de Nis­san se mani­fies­ta en Madrid con­tra el cierre de las plan­tas en Catalunya“ am 15. Juli 2020 beim Gewerk­schafts­bund CCOO externer Link wird wei­ter­hin berich­tet, dass die­se Föde­ra­ti­on von der Regie­rung einen indus­tri­el­len Plan for­dert, um Beschäf­ti­gung zu sichern… Sie­he dazu drei wei­te­re aktu­el­le Bei­trä­ge, dar­un­ter eine Mel­dung über das wei­te­re Zusam­men­wach­sen der Aktio­nen von Beschäf­tig­ten bei Sub­un­ter­neh­men mit jenen der Nis­san-Arbei­te­rIn­nen, sowie einem Bericht über die wei­ter wach­sen­de öffent­li­che Unter­stüt­zung für die­sen Kampf:
  • Neue Mobi­li­sie­rungs-Initia­ti­ve der klas­sen­kämp­fe­ri­schen Gewerk­schaf­ten bei Nis­san Bar­ce­lo­na: Sofor­ti­ge Ent­eig­nung statt Kurz­ar­beit bis zur Schlie­ßung 
    Zu ihrem Schlie­ßungs­plan hat die Unter­neh­mens­lei­tung von Nis­san in Spa­ni­en nun einen kon­kre­ten Schritt unter­nom­men (nach­dem sie bis­her meist eher nebu­lös blieb, wenn es um kon­kre­te Maß­nah­men ging) und einen Antrag auf Kurz­ar­beit gestellt, der direk­ter Bestand­teil des Schlie­ßungs­pla­nes ist. Als Reak­ti­on dar­auf haben die in den Betrie­ben akti­ven klas­sen­kämp­fe­ri­schen Gewerk­schaf­ten, die sich in der Tau­la Sin­di­cal zusam­men geschlos­sen haben, den Auf­ruf „Pare­mos el ERE y fre­ne­mos el chan­ta­je: Expro­pi­a­ción de la Nis­san“ hier am 09. Juli 2020 bei kao­s­en­la­red externer Link doku­men­tiert ver­brei­tet. Dar­in for­dern CGT, IAC, CNT, COS, Co.bas und Soli­da­ri­tat Obre­ra die Ent­eig­nung Nissans, das trotz jah­re­lan­ger Sub­ven­tio­nen schlie­ßen wol­le (die in dem Auf­ruf noch­mals zusam­men gefasst wer­den, von Inves­ti­ti­ons­bei­hil­fen und Steu­er­erleich­te­run­gen hin zu poli­tisch gewoll­ten staat­li­chen Bestel­lun­gen) – und es wer­den dar­in auch noch­mals die Fol­gen einer sol­chen Schlie­ßung zusam­men gefasst in der Her­vor­he­bung, dass die Pro­duk­ti­on bei Nis­san rund 7% der gesam­ten kata­lo­ni­schen Indus­trie­pro­duk­ti­on dar­stel­le. Für die­se Gewerk­schaf­ten erst recht ein Grund, Nis­san zu ent­eig­nen, um so eine Basis für eine ande­re Indus­trie­po­li­tik und eine ande­re Ver­kehrs­po­li­tik legen zu kön­nen.
  • Aus­lie­fe­rungs­la­ger von Nis­san Bar­ce­lo­na von Strei­ken­den blo­ckiert 
    Am Frei­tag, 03. Juli 2020, woll­te Nis­san einen Mate­ri­al­trans­port von einem Aus­lie­fe­rungs­la­ger in Bar­ce­lo­na zur Nie­der­las­sung in Avi­la vor­neh­men – wie immer, wenn sol­che Unter­neh­men geschlos­sen wer­den sol­len, soll aber bis zum letz­ten Tag malocht und Pro­fit gemacht wer­den. Die Strei­ken­den bei Nis­san ver­hin­der­ten die­se Akti­on mit einer Blo­cka­de des Lager, die die anar­cho­syn­di­ka­lis­ti­sche Gewerk­schaft CGT orga­ni­siert hat. „CGT para­li­za la sali­da de camio­nes de los alma­ce­nes de Nis­san en Bar­ce­lo­na“ am 05. Juli 2020 bei kao­s­en­la­red externer Link doku­men­tiert ist die Pres­se­er­klä­rung (mit Videobe­richt) der CGT Nis­san zu die­ser Akti­on (an der sich die ande­ren Gewerk­schaf­ten nicht betei­li­gen woll­ten) in der unter­stri­chen wird, dass „kei­ne Schrau­be“ Nis­san-Ein­rich­tun­gen in Bar­ce­lo­na ver­las­sen wer­de und zur Unter­stüt­zung der wei­ter­hin statt­fin­den­den Akti­on auf­ge­ru­fen wird
  • Seit 60 Tagen im Streik: Die „Soli­da­ri­täts­rei­se“ der Strei­ken­den bei Nis­san in Bar­ce­lo­na auf dem lan­gen Weg nach Kantabri­en 
    Bis nach San­tan­der in Kantabri­en, am „ent­ge­gen­ge­setz­ten“ Nor­den­de Spa­ni­ens ging die Rei­se einer Dele­ga­ti­on der Strei­ken­den von Nis­san Bar­ce­lo­na, mit zahl­rei­chen Sta­tio­nen auf dem Weg von rund 800 Kilo­me­tern. Und, wo sie auch immer hin­ka­men, waren sie begeis­tert von der Unter­stüt­zung, die sie für ihren Kampf beka­men, auch von Kräf­ten, von denen sie es nicht unbe­dingt erwar­tet hät­ten. Der Tweet am Abend des 02. Juli 2020 im Twit­ter-Kanal der CCOO Nis­san externer Link: „Hoy cum­p­li­mos 60 días de Huel­ga­In­de­fi­ni­da, segui­mos haci­en­do his­to­ria. Unos a más de 800 km en Cantab­ria y otros defen­di­en­do nue­s­tro Cam­pa­men­to La Resis­tance“ ist einer von den vie­len über die­se Rei­se – und unter­streicht, dass gleich­zei­tig die Aktio­nen im „hei­mi­schen“ Pro­test-Zelt­la­ger eben­falls fort­ge­setzt wer­den. Sie­he dazu auch einen Hin­ter­grund­bei­trag und ein Inter­view mit einem Nis­san-Arbei­ter über die Anlie­gen der Beleg­schaft und ihren Kampf:
    • „Nis­san, hay par­ti­do“ von Joan Cos­cu­bie­la am 29. Juni 2020 in El Dia­rio externer Link ist ein Bei­trag, der den „Fall Nis­san“ im Zusam­men­hang mit der Indus­tria­li­sie­rung Spa­ni­ens in Zei­ten der Dik­ta­tur behan­delt: Die heu­te so genann­ten „Inves­to­ren“ waren meist inter­na­tio­na­le Kon­zer­ne, bei denen von vor­ne her­ein für die poli­ti­schen Insti­tu­tio­nen Spa­ni­ens kei­ne Mög­lich­keit bestand, auf Unter­neh­mens­ent­schei­dun­gen Ein­fluss zu neh­men. Dies sei, so der Autor, auch die bis heu­te fort­ge­setz­te Tra­di­ti­on der poli­ti­schen Rech­ten in Spa­ni­en geblie­ben, wie es sich unter ande­rem anhand der Pri­va­ti­sie­rungs­po­li­tik der Rechts­re­gie­rung Aznar seit 1996 gezeigt habe. Eine Poli­tik im Übri­gen, die stets mas­siv vom kata­lo­ni­schen Bür­ger­tum unter­stützt und mit­ge­tra­gen wor­den sei. Höhe­punkt all die­ser Ent­wick­lun­gen sei die „Reform der Arbeits­ge­set­ze“ von 2012 gewe­sen, die den Unter­neh­men – natür­lich auch hier mit der Begrün­dung, so wür­de (mie­se) Beschäf­ti­gung geschaf­fen – alle Frei­hei­ten gab und Beleg­schaf­ten und Gewerk­schaf­ten zahl­rei­che Rech­te nahm…
    • Nis­san­ar­bei­ter im Kampf – Inter­view mit einem Kol­le­gen von Nis­san“ am 27. Juni 2020 beim Roten Mor­gen externer Link ist eine (leicht bear­bei­te­te) Über­set­zung (Andy Habicht) eines Bei­trags bei der PCE,ML vom 19. Juni – wor­in es zur Ori­en­tie­rung des Kamp­fes der Nis­san-Beleg­schaft unter ande­rem heißt: „… Nis­san-Arbei­ter for­dern, dass sie mit Respekt behan­delt wer­den und dass nicht ver­sucht wird, sie davon zu über­zeu­gen, dass die Opfer immer von den Arbei­tern selbst über­nom­men wer­den. Wir for­dern außer­dem die Ver­wal­tung auf, die Ver­ein­ba­run­gen zu respek­tie­ren und die letz­te Minu­te der Ver­hand­lun­gen zu errei­chen, mit der Mög­lich­keit, die Ver­ein­ba­run­gen zu erzie­len, die für alle Arbeit­neh­mer und Unter­neh­men am vor­teil­haf­tes­ten sind. Es ist nicht logisch, bereits ver­han­del­te The­men neu zu ver­han­deln, zu denen bereits eine Rei­he von Ver­ein­ba­run­gen getrof­fen wur­den. In letz­ter Zeit über­prü­fen wir dies, bei den Ver­hand­lun­gen im Werk in Kantabri­en, in denen die Arbeit­neh­mer um wei­te­re Opfer gebe­ten wer­den, ein­schließ­lich der Neu­ver­hand­lung eines bereits unter­zeich­ne­ten Abkom­mens, abge­se­hen von einem Ver­lust von Löh­nen und dem Ver­lust erwor­be­ner Rech­te...“
  • Wie die Betei­li­gung der Leih­ar­bei­te­rIn­nen am Kampf bei Nissan/​Barcelona zustan­de kam: Durch Eigen­in­itia­ti­ve, nicht durch die Gewerk­schaf­ten – die nun unter Zug­zwang gera­ten 
    Min­des­tens 8 grö­ße­re Sub­un­ter­neh­men ste­hen bei Nis­san in Bar­ce­lo­na unter Ver­trag – und etwa 1.400 Men­schen arbei­ten angeb­lich für sie – in Wirk­lich­keit für Nis­san – wovon allei­ne knapp die Hälf­te bei Accio­na beschäf­tigt ist. Auch in den meis­ten gewerk­schaft­li­chen „Rech­nun­gen“ tau­chen sie nicht auf – da ist in der Regel von 3.000 Beschäf­tig­ten bei Nis­san und wei­te­ren 22.000 bei Zulie­fer­be­trie­ben die Rede, sel­ten von den Leih­ar­bei­te­rIn­nen. Bereits in unse­rem letz­ten Bei­trag zum Kampf bei Nis­san (sie­he unten) hat­ten wir über Pro­tes­te der Leih­ar­bei­te­rIn­nen, die Gleich­be­hand­lung for­dern, berich­tet. In dem Bei­trag „Los invi­si­bles de Nis­san“ von Pedro Antu­n­ez am 19. Juni 2020 bei kao­s­en­la­red externer Link wird nun nach­ge­zeich­net, wie die Mobi­li­sie­rung zustan­de kam: Die Gewerk­schaf­ten selbst küm­mer­ten sich zumeist nur – wenn über­haupt – um ihre (rela­tiv weni­gen) Mit­glie­der in die­sen Unter­neh­men. Der Argen­ti­ni­er Wal­ter Mas­s­a­ro, der seit 15 Jah­ren in Bar­ce­lo­na lebt und bei dem Sub­un­ter­neh­men Magne­tic Marel­li arbei­tet, ist eigent­lich Dele­gier­ter der UGT in sei­nem Werk. Weil er aber damit aus­ge­spro­chen unzu­frie­den war, dass sei­ne Gewerk­schaft sich nicht wirk­lich dabei enga­gier­te, die Leih­ar­bei­te­rIn­nen zu mobi­li­sie­ren, tat er sich mit eini­gen Kol­le­gin­nen und Kol­le­gen zusam­men – und sie nah­men das in die eige­nen Hän­de und bil­de­ten ein gewerk­schafts­über­grei­fen­des Komi­tee. Was wie­der­um dazu führ­te, dass die UGT nun ver­sucht, ihre Mit­glie­der in den ver­schie­de­nen Unter­neh­men gemein­sam zu orga­ni­sie­ren – gemein­sam aber nur eben die­se eige­nen Mit­glie­der, was zu erheb­li­chen Span­nun­gen führt mit dem Komi­tee und auch mit den UGT-Mit­glie­dern, die da aktiv sind…
  • Über andert­halb Mona­te Streik bei Nis­san Bar­ce­lo­na: Ver­staat­li­chen, um die Pro­duk­ti­on zu ver­än­dern – und in Sub­un­ter­neh­men for­dern Leih­ar­bei­te­rIn­nen Gleich­be­hand­lung 
    „… Seit Anfang Mai befin­den sich die Beschäf­tig­ten bei Nis­san in Bar­ce­lo­na im unbe­fris­te­ten Streik. Rund 3.500 Beschäf­tig­te sind dort direkt ange­stellt. Wei­te­re 20.000 arbei­ten für Sub­un­ter­neh­men. Nis­san hat­te beschlos­sen, die Pro­duk­ti­on in ande­re Län­der aus­zu­la­gern. Vor­geb­lich, weil die Wer­ke durch die aktu­el­le Kri­se im Auto­mo­bil­sek­tor nicht mehr ren­ta­bel sei­en. Die kata­la­ni­sche Regie­rung hat in den letz­ten Jah­ren aller­dings mehr als 25 Mil­lio­nen Euro für das Unter­neh­men bereit­ge­stellt und hat wei­te­re 300 Mil­lio­nen Euro ange­kün­digt, um Nis­san zum Blei­ben zu bewe­gen. Die mit­re­gie­ren­de Esquer­ra Repu­bli­ca­na de Catalunya (ERC), die repu­bli­ka­ni­sche Par­tei Kata­lo­ni­ens, sprach sogar von Ver­staat­li­chung, um das Werk zu erhal­ten. Ihr Plan war, über den Akti­en­er­werb Teil­in­ha­ber zu wer­den und über wei­te­re öffent­li­che Gel­der den Erhalt des Unter­neh­mens sicher­zu­stel­len. Ande­re Par­tei­en in Kata­lo­ni­en und auch die spa­ni­schen Zen­tral­re­gie­rung woll­ten von die­sem Plan jedoch erst gar nichts wis­sen. Sie ver­wie­sen auf die Hun­der­ten Mil­lio­nen, die sie Nis­san in den letz­ten zehn Jah­ren bereits an Unter­neh­mens­hil­fen gezahlt hat­ten. Ohne­hin hät­te die­ser Plan nur den aktu­el­len Sta­tus Quo bei­be­hal­ten und wei­te­re Hilfs­gel­der für den Kon­zern not­wen­dig gemacht – ohne die Sicher­heit, dass die Arbeits­plät­ze erhal­ten blei­ben…“ – so beginnt der Über­blicks­ar­ti­kel über den wochen­lan­gen Kampf bei und um Nis­san „20.000 Beschäf­tig­ten droht wegen Schlie­ßung bei Nis­san die Arbeits­lo­sig­keit“ von Bas­ti­an Schmidt am 11. Juni 2020 bei Klas­se gegen Klas­se externer Link, der auch die Wochen des Kamp­fes noch ein­mal knapp nach­zeich­net. Sie­he dazu auch drei wei­te­re aktu­el­le Bei­trä­ge, dar­un­ter ein Inter­view mit einem CGT-„Betriebsrat“, ein Video vom Besuch der hef­tig kri­ti­sier­ten alter­na­ti­ven Bür­ger­meis­te­rin Bar­ce­lo­nas bei den Strei­ken­den und einen Über­blick über die bis­he­ri­gen Aktio­nen wäh­rend des Streiks sowie schließ­lich einen Bericht über Aktio­nen der rund 1.400 Leih­ar­bei­te­rIn­nen:
    • „»Not­falls neue Geset­ze zur Ver­staat­li­chung«“ am 11. Juni 2020 in der jun­gen welt externer Link ist ein Inter­view von Joa­chim Jach­now mit Joa­quín Cano, CGT Betriebs­rat bei Nissan/​Barcelona, wor­in die­ser unter ande­rem aus­führt: „ …[War­um wird die­ser auch über Nissans defi­ni­ti­ve Ent­schei­dung zur Schlie­ßung hin­aus fort­ge­führt?] Wir haben uns vom ers­ten Moment an an einem Streik­auf­ruf betei­ligt, der mit den Arbei­tern aller Betriebs­stand­or­te – in der Zona Fran­ca, in Mont­ca­da, in Sant And­reu de la Bar­ca, in Est­ruch sowie das Dis­tri­bu­ti­ons­zen­trum im Hafen der Stadt – ver­ein­bart wur­de. Wir haben eine gemein­sa­me Front aller Beschäf­tig­ten bil­den kön­nen, um die Auf­ga­be der Pro­duk­ti­on von Nis­san zu ver­hin­dern. Vor zwei Wochen gab das Manage­ment aber sei­ne end­gül­ti­ge Ent­schei­dung bekannt, die Pro­duk­ti­ons­stand­or­te in Bar­ce­lo­na dicht­zu­ma­chen. Trotz des geschlos­se­nen Streiks und der immensen Soli­da­ri­tät gro­ßer Tei­le der Bevöl­ke­rung. Die Situa­ti­on ist jetzt natür­lich über­aus ange­spannt. Um den Kampf auch über die nächs­ten Mona­te hin­weg auf­recht­zu­er­hal­ten, haben wir eine Streik­kas­se ein­ge­rich­tet, die es uns ermög­licht, einen unbe­fris­te­ten Arbeits­kampf zu über­ste­hen. (…) [Exis­tie­ren inter­na­tio­na­le Alli­an­zen im Kampf um die Ret­tung der Fabri­ken in der EU?] Die wären drin­gend not­wen­dig: Heut­zu­ta­ge gibt es gro­ße soli­da­ri­sche Unter­stüt­zung. Aber die Her­stel­lung eines ech­ten inter­na­tio­na­len Zusam­men­schlus­ses der Arbei­ter gegen die Aggres­sio­nen der mul­ti­na­tio­na­len Auto­mo­bil­kon­zer­ne wäre unbe­dingt erstre­bens­wert, um gemein­sam für unse­re Rech­te und Löh­ne zu kämp­fen. Im Auto­mo­bil­sek­tor hat es immer wie­der Momen­te gege­ben, in denen wir Arbei­ter selbst unse­re Rech­te beschnit­ten haben, um gegen ande­re Fabri­ken um die Ver­ga­be der Pro­duk­ti­on zu kon­kur­rie­ren. Am Ende haben dann alle Beschäf­tig­ten das Nach­se­hen. [Wie könn­te die Zukunft der Pro­duk­ti­on in Bar­ce­lo­na und dar­über hin­aus aus­se­hen?] Es ist klar, dass wir eine Ver­än­de­rung in bezug auf die Mobi­li­tät brau­chen. Das Auto muss ein nach­hal­ti­ges »Werk­zeug« sein, die­se Debat­te wird in Spa­ni­en genau­so geführt wie anders­wo. Aber das Pro­blem ist doch, dass ein tat­säch­li­cher Wan­del von den Unter­neh­men nicht ein­ge­lei­tet wird. Es ist eine Art Vaku­um ent­stan­den, in dem die mul­ti­na­tio­na­len Auto­mo­bil­kon­zer­ne Pro­duk­ti­ons­ka­pa­zi­tä­ten ver­nich­ten und nicht trans­for­mie­ren“.
    • Los tra­ba­ja­do­res de Nis­san reci­bie­ron a Ada Colau con abu­che­os, un sin­di­ca­lis­ta tuvo que salir a defen­der­la“ am 12. Juni 2020 bei kao­s­en­la­red externer Link ist ein Video vom Besuch der Bür­ger­meis­te­rin Bar­ce­lo­nas Ada Colau bei den Strei­ken­den – die die links­al­ter­na­ti­ve Poli­ti­ke­rin mit Buh­ru­fen emp­fin­gen, wegen der reak­tio­nä­ren Äuße­run­gen ihrer Stell­ver­tre­te­rin, die von ihr nicht kri­ti­siert wor­den waren. Jetzt muss­ten Gewerk­schafts­funk­tio­nä­re „in den Ring“, um die Bür­ger­meis­te­rin zu ver­tei­di­gen…
    • „Quin­ta movi­li­za­ción en dos sema­nas de la plan­til­la de #Nis­san­No­Se­Cier­ra: “Man­te­ner las plan­tas de Bar­ce­lo­na es una apu­es­ta segu­ra”“ am 12. Juni 2020 bei der CCOO Indus­trie externer Link ist ein kur­zer Bericht von der neu­er­li­chen Groß­ak­ti­on am Vor­tag, die aber­mals Tau­sen­de, mehr als die Beleg­schaft, auf die Stra­ße brach­te – und es ist gleich­zei­tig ein Über­blick über die Rei­he der Aktio­nen seit Streik­be­ginn, vor allem eben der letz­ten bei­den Wochen davor, in denen es gleich fünf gro­ße Pro­test­ak­tio­nen gege­ben hat­te.
    • „Les treb­al­la­do­res sub­con­trac­ta­des per Nis­san reivin­di­quen les matei­xes con­di­ci­ons que la plan­til­la“ von Roger Jime­nez am 08. Juni 2020 bei Direc­ta externer Link ist ein Bericht über Pro­tes­te bei den diver­sen Sub­un­ter­neh­men von Nis­san in der Regi­on Bar­ce­lo­na: Neben den 3.500 bei Nis­san Beschäf­tig­ten arbei­ten in den ver­schie­de­nen Nis­san-Wer­ken auch bei­na­he 1500 Leih­ar­bei­te­rIn­nen – von Tei­le­fer­ti­gung bis Rei­ni­gungs­auf­ga­ben wer­den da erle­digt. Die­se haben nun in meh­re­ren Aktio­nen „Gleich­be­hand­lung“ gefor­dert, was für alle Fäl­le gel­ten soll, sowohl eine etwai­ge Fort­be­schäf­ti­gung, als auch, im schlech­tes­ten Fall, bei ent­spre­chen­den Ent­schä­di­gungs-Zah­lun­gen.
  • Eine Auto­ka­ra­wa­ne der Nis­san-Beleg­schaft und ihrer Unter­stüt­ze­rIn­nen legt Bar­ce­lo­na lahm: Die Werks­schlie­ßung wird nicht hin­ge­nom­men 
    In der Ave­ni­da Dia­go­nal von Bar­ce­lo­na tra­fen sich Auto­ka­ra­wa­nen aus meh­re­ren Nie­der­las­sun­gen von Nis­san in Kata­lo­ni­en: Vor dem japa­ni­schen Kon­su­lat. Und berei­te­ten dem Ver­kehr für zwei­ein­halb Stun­den ein Ende. Unter­stützt wur­den sie dabei sowohl von einer brei­ten Mobi­li­sie­rung der Gewerk­schaf­ten CCOO und CGT, als auch von Zusam­men­schlüs­sen von wei­te­ren Betrof­fe­nen und auch der Taxi­fah­rer von Bar­ce­lo­na, sowie ver­schie­dens­ten lin­ken Grup­pen und Orga­ni­sa­tio­nen. Das gemein­sa­me Ziel, so unter­stri­chen es alle betei­lig­ten Sei­ten, sei es, dass das Unter­neh­men den jüngst vor­ge­leg­ten Beschluss zur Schlie­ßung in Spa­ni­en zurück neh­me – wobei sie unter ande­rem dar­auf ver­wei­sen, dass in den Wer­ken nahe Bar­ce­lo­na die E‑Autos des Unter­neh­mens gebaut wür­den, die welt­weit Absatz fän­den. In dem Bericht „Una masi­va cara­va­na de vehí­cu­los en pro­tes­ta con­tra el cierre de Nis­san cola­p­sa el cen­tro de Bar­ce­lo­na“ am 04. Juni 2020 bei kao­s­en­la­red externer Link wer­den auch zahl­rei­che kür­ze­re Vide­os doku­men­tiert, die deut­lich machen, dass die Akti­on rund­her­um gelun­gen war. Sie­he dazu auch einen wei­te­ren Akti­ons­be­richt vom 03. Juni bei Renault und eine Erklä­rung der Basis­ge­werk­schaft CGT:
  • Nis­san gibt Ver­zö­ge­rungs­tak­tik auf: Alle Nie­der­las­sun­gen in Spa­ni­en sol­len defi­ni­tiv geschlos­sen wer­den – jetzt bren­nen die Rei­fen auf der Auto­bahn und CGT for­dert Ent­eig­nung 
    Nissan Barcelona: Streik im Mai 2020 gegen WerksschliessungNach mehr­wö­chi­gem Hin und Her – die genau­en Plä­ne sei­en noch gar nicht end­gül­tig beschlos­sen war die Grund­hal­tung der Kon­zern­lei­tung, um die her­um sie meh­re­re ver­schie­de­ne Mel­dun­gen lan­cier­te – haben die Nis­san-Bos­se jetzt ihre Kar­ten auf den Tisch gelegt: Das Werk bei Bar­ce­lo­na soll defi­ni­tiv geschlos­sen wer­den, wenn es nach ihnen geht. In der Mel­dung „Nissans Shut­down“ am 29. Mai 2020 in der jun­gen welt externer Link heißt es zu den Ent­wick­lun­gen am Don­ners­tag, 28. Mai unter ande­rem: „…Wie der Kon­zern am Don­ners­tag bekannt­gab, fiel zum Bilanz­stich­tag am 31. März ein hef­ti­ger Ver­lust von 5,7 Mil­li­ar­den Euro an. Die glo­ba­len jähr­li­chen Pro­duk­ti­ons­ka­pa­zi­tä­ten sol­len im Rah­men eines bis März 2024 lau­fen­den »Trans­for­ma­ti­ons­plans« um 20 Pro­zent auf 5,4 Mil­lio­nen Autos gesenkt wer­den. Die Pro­duk­ti­on in Euro­pa wer­de sich künf­tig auf das bri­ti­sche Werk in Sun­der­land kon­zen­trie­ren, hieß es. Ein­zel­hei­ten zu der ange­kün­dig­ten Werks­schlie­ßung in Bar­ce­lo­na woll­te Kon­zern­chef Mako­to Uchi­da nicht nen­nen. In Bar­ce­lo­na kam es ges­tern zu hef­ti­gen Pro­tes­ten von Nis­san-Arbei­tern, die mit bren­nen­den Rei­fen und Bar­ri­ka­den die Werks­zu­fahr­ten blo­ckier­ten. Die Pro­duk­ti­on steht schon seit Anfang Mai wegen des Arbeits­kampfs um die Fort­füh­rung des Werks still. Die Gene­ral­se­kre­tä­rin der Gewerk­schaft USOC, María Recuero, warf Nis­san vor, die wäh­rend der Coro­na­kri­se bestehen­den wirt­schaft­li­chen Pro­ble­me und Ein­schrän­kun­gen der Pro­test­mög­lich­kei­ten aus­zu­nut­zen. Die USOC steht aller­dings in der Arbei­ter­schaft ihrer­seits immer mehr auf­grund ihrer Kom­pro­miss­le­rei in der Kri­tik. In den Gewerk­schaf­ten wer­den die Stim­men, die die Natio­na­li­sie­rung und Arbei­ter­kon­trol­le des Nis­san-Wer­kes for­dern, lau­ter. Basis­ge­werk­schaf­ten ver­su­chen wie­der­um auf den etwas kämp­fe­ri­schen Gewerk­schafts­bund CGT Druck in die­se Rich­tung aus­zu­üben. Migran­ten­or­ga­ni­sa­tio­nen wie Sin­dil­lar und Pape­les para Todos (»Doku­men­te für alle«) haben in den ver­gan­ge­nen Tagen mehr­fach ihre Soli­da­ri­tät mit den Nis­san-Arbei­tern demons­triert und sich den Sozia­li­sie­rungs­for­de­run­gen ange­schlos­sen…“ wobei ver­mut­lich die Comi­sio­nes Obre­ras damit gemeint sind, auf wen Druck aus­ge­übt wer­den soll zum Zwe­cke ver­stärk­ten Kamp­fes. Sie­he dazu vier wei­te­re aktu­el­le Bei­trä­ge – in denen sowohl der gesam­te Schlie­ßungs­plan für Spa­ni­en dar­ge­stellt wird, als auch – und vor allem – Reak­tio­nen von Beleg­schaft und Gewerk­schaf­ten, von bren­nen­den Rei­fen bis zur Ent­eig­nungs­kam­pa­gne:
  • Die neue Streik­wo­che bei Nis­san Bar­ce­lo­na beginnt mit Aktio­nen in der Stadt – will sich Renault – Nis­san – Mitsu­bi­shi ganz aus Euro­pa zurück zie­hen? 
    Die nun­mehr seit über drei Wochen im Streik befind­li­chen Arbei­te­rIn­nen von Nis­san Bar­ce­lo­na wol­len in die­ser Woche (unter ande­rem) auf den Stra­ßen in der Mit­te der Stadt ver­schie­de­ne Aktio­nen orga­ni­sie­ren, um noch brei­te­re öffent­li­che Soli­da­ri­tät mit ihrem Kampf zu schaf­fen, so die Mit­tei­lung „Los comi­tés de Nis­san harán una acción en Bar­ce­lo­na para reivin­di­car el futu­ro de la mul­ti­n­acio­nal en Catalunya“ am 26. Mai 2020 beim Gewerk­schafts­bund CCOO externer Link über die­se Vor­ha­ben. Die ers­te die­ser Aktio­nen fand am 26. Mai in der Innen­stadt Bar­ce­lo­nas bereits statt und es sol­len wei­te­re fol­gen. Denn der japa­ni­sche Auto­kon­zern ver­su­che nach wie vor, die Strei­ken­den in Unklar­heit zu las­sen, um ihre Ent­schlos­sen­heit zu schwä­chen – wäh­rend Gewerk­schaf­ten und Beleg­schaft die Posi­ti­on ver­tre­ten, mit einer poten­zi­el­len Werks­schlie­ßung wür­den ins­ge­samt über 20.000 Jobs bedroht, was eben für die gan­ze Stadt eine spür­ba­re nega­ti­ve Ver­än­de­rung bedeu­ten wür­de . Sie­he dazu zwei wei­te­re aktu­el­le Bei­trä­ge ver­schie­de­ner betei­lig­ter Gewerk­schaf­ten, dar­un­ter auch ein ers­ter Akti­ons­be­richt der ange­kün­dig­ten „Stadt-Aktio­nen“:
  • Wäh­rend die Kon­zern-Lei­tung von Nis­san ver­sucht, die Strei­ken­den von Bar­ce­lo­na zu täu­schen – wer­den ihre Plä­ne bekannt und die Gewerk­schaf­ten reagie­ren mit Auf­ruf zu ver­stärk­ter Soli­da­ri­tät
    „… Einer der größ­ten Auto­mo­bil­her­stel­ler Japans, Nis­san Motor Co., plant im Rah­men einer Restruk­tu­rie­rung mehr als 20.000 Arbeits­plät­ze in aller Welt zu strei­chen. Dies mel­det am Frei­tag die Nach­rich­ten­agen­tur Kyo­do unter Beru­fung auf Quel­len. Der dritt­größ­te Auto­kon­zern Japans plant vor allem die Mit­ar­bei­ter in Euro­pa und in den Län­dern mit Schwel­len­märk­ten zu ent­las­sen. Die Quel­len gaben kei­ne wei­te­ren Anga­ben dazu an, um wel­che Staa­ten es dabei gehe. Dar­über hin­aus pla­ne das Unter­neh­men eine Restruk­tu­rie­rung sei­ner Pro­duk­ti­on auf dem Ter­ri­to­ri­um Japans. Haupt­grund für sol­che Maß­nah­men ist die Redu­zie­rung von Ver­käu­fen vor dem Hin­ter­grund der Coro­na­vi­rus-Pan­de­mie. (…) Laut aktu­el­len Anga­ben der Johns-Hop­kins-Uni­ver­si­ty wur­den in Japan mehr als 16.000 Coro­na-Fäl­le und 777 Todes­op­fer regis­triert…“ – so die Mel­dung „Nis­san Motor plant Ent­las­sung von mehr als 20.000 Mit­ar­bei­tern“ am 22. Mai 2020 bei den Sput­nik News online externer Link über die Agen­tu­ren, die die Plä­ne der Kon­zern­lei­tung in die Öffent­lich­keit gebracht haben. Sie­he dazu auch einen neu­en Soli­da­ri­täts­auf­ruf:
  • Nach 18 Tagen Streik bei Nis­san Bar­ce­lo­na – kommt aus Tokio die Mit­tei­lung der Kon­zern­lei­tung: Alles noch im Sta­di­um der Über­le­gun­gen… Von den Gewerk­schaf­ten: Euro­pa­wei­tes Mani­fest zur Unter­stüt­zung des Streiks 
    Ein euro­pa­wei­tes Mani­fest zur Unter­stüt­zung des Streiks bei Nis­san Bar­ce­lo­na wur­de unter ande­rem von der Metall­ge­werk­schaft FIOM (CGIL Ita­li­en), FIEQUIMETAL (CGTP Por­tu­gal), POEM (Grie­chen­land), der FTM (CGT Frank­reich) und UNITE aus Groß­bri­tan­ni­en unter­zeich­net, wie in der Mit­tei­lung „Una dece­na de feder­a­cio­nes sin­di­ca­les euro­peas de la indus­tria se sum­an a la pelea de los “cama­ra­das” de Nis­san Bar­ce­lo­na“ am 19. Mai 2020 bei der CCOO Indus­tri­as externer Link doku­men­tiert wird. Dar­in unter­strei­chen die unter­zeich­nen­den Gewerk­schaf­ten, dass sie alles in ihrer Macht ste­hen­de tun wür­den um die „größt­mög­li­che Zahl von Arbeits­plät­zen zu ret­ten“. Die­se Erklä­rung wird in der Mit­tei­lung ein­ge­ord­net in eine gan­ze Rei­he von Unter­stüt­zungs- und Pro­test­erklä­run­gen viel­fäl­ti­ger Orga­ni­sa­tio­nen und Per­so­nen, vor allem, aber nicht nur, in Spa­ni­en ange­führt, die den Strei­ken­den auch nach 18 Tagen wei­ter den Rücken stärk­ten. Sie­he dazu drei wei­te­re aktu­el­le Bei­trä­ge – dar­un­ter eine Video­auf­zeich­nung einer CGT-Ver­an­stal­tung und die Mel­dung, in der die Kon­zern­lei­tung zitiert wird mit der Aus­sa­ge es han­de­le sich nur um „Über­le­gun­gen“ (was bis­her abso­lut nicht so gesagt wor­den war):
  • „La huel­ga inde­fi­ni­da de la plan­ta de Nis­san de Mont­ca­da pro­vo­cará la para­li­za­ción del res­to de instal­a­cio­nes“ am 05. Mai 2020 bei kao­s­en­la­red externer Link ist eine Mel­dung, in der unter­stri­chen wird, dass der Streik sich auf alle wei­te­ren Stand­or­te – von denen sich fünf ande­re in Kata­lo­ni­en befin­den – aus­wir­ken wird. So ist es, laut einem dar­in zitier­ten Spre­cher der CCOO im Betrieb auch beab­sich­tigt.
  • „Esta tar­de se sum­an a la huel­ga de Nis­san alre­de­dor de 20 tra­ba­ja­do­res del cen­tro de Sant And­reu“ am 12. Mai 2020 im Twit­ter-Kanal der CCOO Nis­san externer Link ist eine von meh­re­ren Mel­dun­gen aus den letz­ten Tagen, in der über die Aus­wei­tung des Streiks auch auf klei­ne Nie­der­las­sun­gen und Zwi­schen­la­ger berich­tet wird.
  • „A la Nis­san segu­im amb els piquets“ am 12. Mai 2020 im Twit­ter-Kanal der CGT Catalunya externer Link ist eine der Mel­dun­gen der CGT Nis­san, in denen knap­pe Ein­bli­cke in die Ent­wick­lung und Durch­füh­rung des Streiks in Zei­ten des Abstands­ge­bo­tes gege­ben wer­den.
  • „#Futu­r­o­Pa­ra­Nis­sanYA“ ist der Hash­tag externer Link unter dem die Mel­dun­gen sowohl der betei­lig­ten betrieb­li­chen Gewerk­schaf­ten, als auch vie­le über die zahl­rei­chen Soli­da­ri­täts­ak­tio­nen in der gan­zen Regi­on doku­men­tiert wer­den. Dar­in wird auch ver­schie­dent­lich dar­auf hin­ge­wie­sen, dass eine Betriebs­schlie­ßung Aus­wir­kun­gen auch auf zahl­rei­che Zulie­fer­fir­men hät­te, was ins­ge­samt die Gefähr­dung von rund 25.000 Jobs bedeu­ten wür­de. Sie­he auch #Huel­ga­In­de­fi­ni­da und #Vaga­Nis­san

Der Bei­trag Streik bei Nis­san (in der Nähe von) Bar­ce­lo­na: Gegen den Schlie­ßungs­plan samt Kurz­ar­beit zuvor erschien zuerst auf Labour­Net Ger­ma­ny.

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