[perspektive:] Bayer verweigert Zahlungen an Glyphosat-Geschädigte – „Geschädigte werden zusätzlich für ihre Erkrankung bestraft!“

2018 übernahm der deutsche Chemie- und Pharma-Konzern Bayer den Glyphosat-Hersteller Monsanto. Damit übernahm Bayer auch die Klagen tausender Menschen, die Opfer des Pflanzengifts geworden waren. Am 24. Juni haben sich der Bayer-Konzern und Glyphosat-Kläger auf einen Deal über zehn Milliarden Dollar geeinigt. Doch was besagt dieser Deal und wie ist er zu bewerten? – Ein Interview mit Marius Stelzmann von der „Coordination gegen Bayer-Gefahren“ (CBG)

Immer wieder hört man in den Nachrichten von Protesten gegen Glyphosat und Debatten darüber, ob es in der Landwirtschaft eingesetzt werden kann. Was ist Glyphosat eigentlich und warum gibt es so große Widerstände dagegen?

Gly­pho­sat ist eine che­mi­sche Ver­bin­dung aus der Grup­pe der Phos­pho­na­te. Es ist der Wir­kungs­trä­ger eini­ger Breit­band-Her­bi­zi­de. Dies bedeu­tet, dass die­se Her­bi­zi­de nicht gegen spe­zi­el­le, son­dern gegen alle Pflan­zen wir­ken. Es han­delt sich also um einen Unkraut­ver­nich­ter. Eines der bekann­tes­ten Pro­duk­te, wel­che Gly­pho­sat als bio­lo­gisch wirk­sa­men Inhalts­stoff haben, ist der Unkraut­ver­nich­ter „ROUNDUP“, der von Mon­s­an­to ver­trie­ben wird. Es wird eben­so an Groß-Agrar­be­trie­be ver­kauft wie an den/​die kleine/​n Hob­by­gärt­ne­rIn. Per­fi­der­wei­se wird es damit bewor­ben, dass es bio­lo­gisch, sicher und umwelt­freund­lich sei. Vie­le der an Lymph­drü­sen-Krebs erkrank­ten Per­so­nen in den USA, die nun Pro­zes­se füh­ren, waren Haus­meis­te­rIn­nen oder in ver­gleich­ba­ren Arbeits­ver­hält­nis­sen und haben ROUNDUP ein­fach über Jah­re lang in klei­nen Dosen genutzt.

Womit wir dann auch bei dem Punkt „War­um gibt es Wider­stand dage­gen“ wären. Laut einer Stu­die der IARC (Inter­na­tio­na­le Agen­tur für Krebs­for­schung) bei der Welt­ge­sund­heits­or­ga­ni­sa­ti­on (WHO) ist Gly­pho­sat „wahr­schein­lich krebs­er­re­gend“. Die­se Ein­stu­fung ist die stärks­te, die die­se Agen­tur ver­ge­ben kann. Um gleich zu den ande­ren Stu­di­en zu sagen, die BAYER dann übli­cher­wei­se vor­bringt, die eine Unge­fähr­lich­keit pos­tu­lie­ren: Die­se sind oft­mals von dem Kon­zern selbst in Auf­trag gege­ben (Bei­spiel hier), dar­über hin­aus ergibt sich die Gefähr­lich­keit von Gly­pho­sat unter ande­rem aus der For­mu­lie­rung, d.h. aus der Zusam­men­set­zung mit den Begleit­stof­fen im Her­bi­zid.

Dies wuss­ten auch MON­S­AN­TO-For­sche­rIn­nen bereits schon län­ger, wie aus gele­ak­ten inter­nen Doku­men­ten her­vor­geht. MON­S­AN­TO-Toxi­ko­lo­ge Wil­liam Heydens ver­or­te­te die schäd­li­che Wir­kung in der end­gül­ti­gen, noch mit Wir­kungs­ver­stär­kern und ande­ren Sub­stan­zen ange­rei­cher­ten For­mu­lie­rung, die MONSANTO unter dem Namen ROUNDUP ver­mark­te­te. „Gly­pho­sat ist OK, aber das for­mu­lier­te Pro­dukt ver­ur­sacht den Scha­den“, kon­sta­tier­te er. Bei­spiels­wei­se hat es nega­ti­ve Effek­te auf das Erb­gut.

Als eine Auf­trags­stu­die in die­ser Hin­sicht nicht genug Ent­las­tungs­ma­te­ri­al lie­fer­te, son­dern den Befund sogar noch zu bestä­ti­gen droh­te, schlug Heydens ein­fach vor, sich wil­li­ge­re Wis­sen­schaft­le­rIn­nen zu suchen: „Wir müs­sen jeman­den fin­den, der sich mit dem gen-toxi­schen Pro­fil von Gly­pho­sat wohl­fühlt und ein­fluss­reich bei den Regu­lie­rungs­be­hör­den ist.“ Die­se Doku­men­te haben welt­weit gro­ße Empö­rung her­vor­ge­ru­fen und sind auch in den Pro­zes­sen als Beweis­stü­cke mit gro­ßem Gewicht ange­führt wor­den. Der Gly­pho­sat-Her­stel­ler MONSANTO wur­de 2018 von BAYER über­nom­men. Seit­dem beschäf­tigt sich der deut­sche Kon­zern mit den tau­sen­den Kla­gen, die es schon vor­her gab.

Was sind das für Klagen und wie liefen die Prozesse bisher ab?

Zahl­rei­che Gly­pho­sat-Geschä­dig­te in den USA haben den Kon­zern ange­klagt, mit sei­ner skru­pel­lo­sen Geschäfts­po­li­tik ihre Gesund­heit rui­niert und ihr Leben zer­stört zu haben. Sie ver­lan­gen – völ­lig zu Recht – eine Kom­pen­sie­rung für die erlit­te­nen Schä­den. BAYER gab sich nach der Über­nah­me zunächst selbst­si­cher, dass alle Kla­gen abge­schmet­tert wer­den wür­den. Dies war aber nicht der Fall. In bedeu­ten­den Pro­zes­sen – wie zum Bei­spiel dem des Haus­meis­ter Deway­ne John­son – fie­len hohe Urtei­le gegen BAYER.

BAYER ver­lor kürz­lich auch das Beru­fungs­ver­fah­ren, das es gegen das Urteil zuguns­ten John­sons ange­strengt hat­te. Das Beru­fungs­ge­richt des ers­ten Beru­fungs­be­zirks von Kali­for­ni­en sag­te am Mon­tag, dass Mon­s­an­tos Argu­men­te nicht über­zeu­gend sei­en und John­son berech­tigt sei, 10,25 Mil­lio­nen Dol­lar Scha­den­er­satz und wei­te­re 10,25 Mil­lio­nen Dol­lar Straf­scha­den­er­satz zu for­dern. Das ist zwar weit weni­ger als die ins­ge­samt 78 Mil­lio­nen Dol­lar, die der Pro­zess­rich­ter zuge­las­sen hat­te.

Aber den­noch hat die­ses Urteil eine Signal­wir­kung: „Unse­rer Ansicht nach hat John­son reich­lich – und sicher­lich sub­stan­zi­el­le – Bewei­se dafür vor­ge­legt, dass Gly­pho­sat zusam­men mit den ande­ren Inhalts­stof­fen in ROUN­DUP-Pro­duk­ten sei­nen Krebs ver­ur­sacht hat“, erklär­te das Gericht. „Ein Exper­te nach dem ande­ren leg­te Bewei­se dafür vor, dass die ROUN­DUP-Pro­duk­te sowohl Non-Hodgkin-Lym­phome ver­ur­sa­chen kön­nen… als auch ins­be­son­de­re John­sons Krebs ver­ur­sach­ten“. Ein ähn­li­ches Urteil wur­de im Fall von Alber­ta und Alva Pil­liod erzielt. Die Jury ori­en­tier­te sich an dem Gewinn, den MONSANTO im Jahr 2017 mach­te und gelang­te so zu dem Betrag von 2,055 Mil­li­ar­den Dol­lar – mehr Scha­dens­er­satz ver­lang­te die US-Jus­tiz in Pro­dukt­haf­tungs­ver­fah­ren bis­her nur von sie­ben Unter­neh­men.

Spä­ter wur­de die­se Sum­me zwar von einem ande­ren Gericht abge­senkt, aller­dings auf die immer noch beacht­li­che Sum­me von 86,7 Mil­lio­nen Dol­lar. Der Lai­en-Rich­ter Doug Olsen erläu­ter­te den Schuld­spruch: „Wir woll­ten MONSANTO klar sagen: ‚Hört auf damit!, macht es bes­ser!’, und wir woll­ten genug Auf­merk­sam­keit dafür.“ Die­sem und kei­nem ande­ren Ziel dien­te dem Schöf­fen zufol­ge die emp­find­li­che Stra­fe. Sie soll­te wie ein „Schlag in die Magen­gru­be“ wir­ken, eine gerin­ge­re Sum­me hät­te die­sen Effekt nicht erzielt, so Olson. Die­se erzie­he­ri­sche Maß­nah­me war nach Ansicht der Juro­rIn­nen nicht bloß des­halb drin­gend nötig, weil sie von der Gefähr­lich­keit des unter dem Namen ROUNDUP ver­kauf­ten Mit­tels über­zeugt waren.

Erschwe­rend kam hin­zu, dass der jetzt zu BAYER gehö­ren­de Kon­zern mit allen mög­li­chen Tricks und Fin­ten ver­sucht hat, die Öffent­lich­keit über die Risi­ken und Neben­wir­kun­gen des Pes­ti­zids zu täu­schen, wie aus den dem Gericht vor­lie­gen­den Doku­men­ten ein­deu­tig her­vor­ging. Auch im John­son-Ver­fah­ren war der Kon­zern aus­drück­lich wegen sei­nem vor­sätz­lich die Wahr­heit ver­schlei­ern­den Vor­ge­hen ver­ur­teilt wor­den. Nun kann kein noch so hohes Urteil den Betrof­fe­nen ihre geschä­dig­te Gesund­heit wie­der­ge­ben. Aber zwei­fel­los haben sol­che Urtei­le Signal­wir­kung für BAYER. Denn Gly­pho­sat ist zwar eines ihrer pro­fi­ta­bels­ten Pro­duk­te. Aber noch mehr sol­cher Urtei­le kön­nen zur Gefahr für den Kon­zern wer­den.

Nun haben Opfer-Anwäl­te und BAYER einen Ver­gleich aus­ge­han­delt, der für 75% der über 125.000 Kla­gen gel­ten soll. Was umfasst die­ser Ver­gleich, was bedeu­tet er, für wen gilt er und wie ist er zu bewer­ten? Am 24. Juni gab der BAY­ER-Kon­zern die Eini­gung im Media­ti­ons­ver­fah­ren zur Bei­le­gung der Kla­gen von Gly­pho­sat-Geschä­dig­ten in den USA bekannt. Mit der Zah­lung von 8,8 bis 9,6 Mil­li­ar­den US-Dol­lar sol­len laut Kon­zern­aus­sa­ge drei Vier­tel der anhän­gi­gen 125.000 Krebs­kla­gen abge­schlos­sen wer­den. 1,25 Mil­li­ar­den hält BAYER für poten­zi­el­le künf­ti­ge Ver­ein­ba­run­gen mit Per­so­nen vor, die an Lymph­drü­sen­krebs erkrankt sind.

Die­ser Betrag hört sich – durch­aus im Sin­ne der BAYER-PR – nach einer rie­si­gen Sum­me an. Für die Krebs-Pati­en­tIn­nen sind es aber nur erbärm­li­che Brot­kru­men. Die US-ame­ri­ka­ni­sche Jour­na­lis­tin Carey Gillam von der Initia­ti­ve U.S. Right to Know kri­ti­siert: „Nach Abzug der Anwalts­ho­no­ra­re und ‑kos­ten wer­den eini­ge Klä­ge­rIn­nen sehr wenig Geld erhal­ten, ver­gli­chen mit den gro­ßen Urtei­len, die wir bis­her gese­hen haben in den drei Fäl­len, die bis­her vor Gericht kamen. Außer­dem arbei­tet BAYER dar­an, dass künf­ti­ge Klä­ge­rIn­nen ihre Ansprü­che nicht vor einer Jury gel­tend machen kön­nen.“

Nach einer ers­ten Schät­zung unse­rer Coor­di­na­ti­on gegen BAY­ER-Gefah­ren (CBG), vor­be­halt­lich der intrans­pa­ren­ten Zah­len von BAYER, lan­den bei den ein­zel­nen Klä­ge­rIn­nen ledig­lich 60.000 bis 70.000 Dol­lar. In Rech­nung gestellt, dass die von Gly­pho­sat ver­ur­sach­ten Krebs­er­kran­kun­gen, die hohe phy­si­sche und psy­chi­sche Belas­tun­gen sowie umfang­rei­che mate­ri­el­le Schä­den nach sich zie­hen und den Betrof­fe­nen unge­fähr zwan­zig Jah­re Lebens­zeit rau­ben, blei­ben da gera­de ein­mal 300 US-Dol­lar pro ver­lo­re­nem Monat.

Von einer ange­mes­se­nen Ent­schä­di­gung kann also kei­ne Rede sein. Die aus­ge­zahl­ten Geld­be­trä­ge wür­di­gen den Ver­lust von Gesund­heit und Lebens­qua­li­tät der Betrof­fe­nen in keins­ter Wei­se. Sie rei­chen dar­über hin­aus nicht ein­mal annä­hernd für die erheb­li­chen medi­zi­ni­schen und ande­ren Fol­ge­kos­ten, unter denen die Gly­pho­sat-Geschä­dig­ten und ihre Fami­li­en zu lei­den haben. Der Zynis­mus die­ser Rech­nung ist men­schen­ver­ach­tend.

Um zukünf­ti­ge Kla­gen aus­zu­schlie­ßen, strebt BAYER ein soge­nann­tes „Class Sci­ence Panel“ an. Die­ses soll ent­schei­den, ob Gly­pho­sat Lymph­drü­sen­krebs ver­ur­sa­chen kann, und, falls ja, wel­che Expo­si­ti­ons­ni­veaus hier­für min­des­tens erreicht sein müs­sen, damit die Betrof­fe­nen ein Recht auf Ent­schä­di­gung haben. Wie bereits oben ange­führt, wur­den die­se Bewei­se von der inter­na­tio­na­len Agen­tur für Krebs­for­schung (IARC) bereits 2015 vor­ge­legt. Etli­che Stu­di­en bele­gen die von dem her­bi­zi­den Wirk­stoff aus­ge­hen­de Krebs-Gefahr. Die Ein­rich­tung eines sol­chen Panels ist also ein Schritt zur Bekämp­fung bereits vor­han­de­ner Erkennt­nis­se.

BAYER will Geschä­dig­ten mit die­sem angeb­lich „wis­sen­schaft­li­chen“ Panel den Rechts­weg ver­bau­en und einen Schluss­strich unter das Kapi­tel „Gly­pho­sat“ zie­hen, ohne einen Schluss­strich unter BAY­ERs Pro­duk­ti­on, den Ver­kauf und die Pro­fi­te mit Gly­pho­sat zu zie­hen. Der US-Rich­ter Vin­ce Chhab­ria, der das Media­ti­ons­ver­fah­ren ange­regt hat­te und das Ergeb­nis abseg­nen muss, äußer­te dann auch bereits mas­si­ve Zwei­fel an BAY­ERs Ver­such, den Gly­pho­sat-Kom­plex zu einem extra-lega­len Abschluss zu brin­gen. Er zeig­te sich alles ande­re als über­zeugt davon, „ob es ver­fas­sungs­ge­mäß (oder gene­rell gesetz­mä­ßig) wäre, die Ent­schei­dung der Kau­sa­li­täts­fra­ge (d.h. ob – und wenn ja, ab wel­cher Dosis – Roun­dup in der Lage ist, Krebs zu ver­ur­sa­chen) über Rich­ter und Jurys hin­weg an ein Gre­mi­um von Wis­sen­schaft­lern zu dele­gie­ren“. Zwar zog der BAY­ER-Kon­zern den Antrag auf vor­läu­fi­ge Geneh­mi­gung des Über­ein­kom­mens auf die Kri­tik des Rich­ters hin zurück, er hält jedoch wei­ter an sei­ner For­de­rung fest, zukünf­ti­ge Ver­fah­ren zu ver­hin­dern. Das gan­ze Paket will das Unter­neh­men auf kei­nen Fall wie­der auf­schnü­ren, son­dern ledig­lich „eini­ge Anpas­sun­gen“ vor­neh­men.

Was ist mit weiteren Klagen? Haben diese nun keine Chance mehr?

Wenn sich BAYER mit sei­nem Class Sci­ence Panel durch­setzt, ist dies wirk­lich auf abseh­ba­re Zeit der Fall. Die „Prü­fung“ wür­de alle ent­spre­chen­den Ver­fah­ren erst­mal ver­hin­dern. Glück­li­cher­wei­se sieht es momen­tan nicht so aus, als wür­de BAYER damit durch­kom­men. Aber auch ohne das Panel soll­te man beden­ken: Alle Ver­fah­ren lau­fen noch. Es ist bis­her noch kei­ne Ent­schä­di­gungs­sum­me aus­ge­zahlt wor­den. Es ist wahr­schein­lich, dass BAYER dar­auf spielt, die Ver­fah­ren in die Län­ge zu zie­hen, bis vie­le der Betrof­fe­nen an den von Gly­pho­sat ver­ur­sach­ten Krank­hei­ten ster­ben – eine ekel­haf­te Stra­te­gie.

Zudem wer­den die zuge­spro­che­nen Scha­dens­er­satz-Sum­men unter ande­rem an der Anzahl der abseh­bar noch kom­men­den Lebens­jah­re bemes­sen. Und BAYER hat bereits im Fall Deway­ne John­son erfolg­reich damit argu­men­tiert, dass die hohe Sum­me im Ver­hält­nis zur gerin­gen Anzahl der noch ver­blei­ben­den Lebens­jah­re nicht ange­mes­sen ist. John­son wird zusätz­lich für sei­ne lebens­be­droh­li­che Erkran­kung bestraft. Es ist absto­ßend.

Euch als Coordination gegen Bayer-Gefahren gibt es schon seit 40 Jahren. Was ist Bayer für ein Konzern und wie müssten Gesellschaft und Politik eigentlich mit ihm umgehen?

Die gro­ßen mul­ti­na­tio­na­len Kon­zer­ne bestim­men die Poli­tik in allen Regio­nen der Welt. Einer der gro­ßen im „glo­ba­len Spiel“ ist die BAYER AG. Es gibt kein Land der Erde, in dem BAYER nicht tätig ist. Die alten IG FAR­BEN-Schwes­tern BASF und BAYER domi­nie­ren die deut­sche und die euro­päi­sche che­mi­sche Indus­trie. Hin­zu kommt ein min­des­tens eben­so gro­ßes Impe­ri­um von Betei­li­gun­gen und Zulie­fer­fir­men.

Kei­ne Regie­rung, kein Poli­ti­ker und kei­ne Insti­tu­ti­on kommt an die­sem Macht­block vor­bei. Kri­tik an BAYER ist daher stets prin­zi­pi­el­le Kri­tik an mul­ti­na­tio­na­len Kon­zer­nen im All­ge­mei­nen und an der che­mi­schen Indus­trie im Spe­zi­el­len. Es gibt kein Gesetz, kei­ne natio­na­le oder inter­na­tio­na­le Instanz, die mul­ti­na­tio­na­le Kon­zer­ne wie BAYER wirk­sam kon­trol­lie­ren oder umwelt­ge­fähr­den­de bzw. gefähr­li­che Pro­duk­te und Pro­duk­ti­ons­wei­sen ver­hin­dern könn­te.

Dabei sind die Gefah­ren für Mensch und Umwelt viel­fäl­tig: Schä­di­gung der mensch­li­chen Gesund­heit, Aus­höh­lung demo­kra­ti­scher Rech­te, Ver­seu­chung der Umwelt, Ver­let­zung von Men­schen­rech­ten, Aus­beu­tung der sog. Drit­ten Welt usw. und neu­er­dings die gen­tech­ni­sche Mani­pu­la­ti­on des pflanz­li­chen, tie­ri­schen und auch des mensch­li­chen Lebens. Seit der größ­ten Che­mie­ka­ta­stro­phe in der bis­he­ri­gen Mensch­heits­ge­schich­te in Bhopal/​Indien wis­sen wir, dass die Gefah­ren der che­mi­schen Groß­pro­duk­ti­on nur mit denen der Kern­ener­gie ver­gleich­bar sind. Die Gefah­ren der Gen­tech­nik sind über­haupt nicht mehr kal­ku­lier­bar.

In sei­ner weit in das 19. Jahr­hun­dert zurück­rei­chen­den Geschich­te ver­bin­den sich nicht nur Pro­duk­te wie ASPIRIN mit BAYER. Der Kon­zern steht auch für che­mi­schen Kampf­stof­fe, für „Medi­ka­men­te“ wie HEROIN (Mar­ken­zei­chen von BAYER) und für zahl­lo­se Insek­ten- und Haus­halts­gif­te. Immer wie­der arbei­tet der Kon­zern im Inter­es­se sei­ner Pro­fi­te mit Dik­ta­to­ren und Kriegs­ver­bre­chern zusam­men. Die Lis­te reicht von Hit­ler bis Pino­chet. BAY­ER-Chef Carl Duis­berg pro­pa­gier­te bereits im Ers­ten Welt­krieg höchst­per­sön­lich das Kon­zept der Zwangs­ar­beit, das spä­ter im kon­zern­ei­ge­nen IG FARBEN-KZ Mono­witz zum Mas­sen­mord per­ver­tier­te.

Auf­grund tie­fer Ver­stri­ckung in die Pla­nung, Vor­be­rei­tung und Durch­füh­rung bei­der Welt­krie­ge hat der Kon­zern gro­ße Schuld auf sich gela­den. Gegen die glo­ba­len Gefah­ren und die schein­ba­re All­macht des BAY­ER-Kon­zerns setzt die COORDINATION GEGEN BAYER-GEFAHREN erfolg­reich Akti­on, Infor­ma­ti­on und inter­na­tio­na­le Soli­da­ri­tät. Sie sieht sich in Tra­di­ti­on des Bür­ger­wi­der­stan­des gegen BAYER – der sich bereits im Jahr 1870 in Wup­per­tal gegen BAYER zur Wehr setz­te – und der zahl­lo­sen Men­schen und Orga­ni­sa­tio­nen, die im Lau­fe der Jahr­zehn­te immer wie­der gegen BAYER Front mach­ten, um mensch­li­che Arbeits- und Lebens­be­din­gun­gen und die Siche­rung intak­ter öko­lo­gi­scher Ver­hält­nis­se durch­zu­set­zen.

Die Stär­ke der COORDINATION GEGEN BAYER-GEFAHREN resul­tiert aus der inter­na­tio­na­len soli­da­ri­schen Koope­ra­ti­on mit den unter­schied­lichs­ten Initia­ti­ven von Betrof­fe­nen der Kon­zern­po­li­tik, von Pro­dukt-Geschä­dig­ten, Arbei­te­rIn­nen­ver­tre­te­rIn­nen, Umwelt­schüt­ze­rIn­nen, NGOs und vie­len mehr. Das Ziel der Coor­di­na­ti­on ist es, ihre Arbeit zu bün­deln und auf das Ziel einer gesell­schaft­li­chen, demo­kra­ti­schen Kon­trol­le des Kon­zerns hin zu arbei­ten.

Der Bei­trag Bay­er ver­wei­gert Zah­lun­gen an Gly­pho­sat-Geschä­dig­te – „Geschä­dig­te wer­den zusätz­lich für ihre Erkran­kung bestraft!“ erschien zuerst auf Per­spek­ti­ve.

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