[labournet:] [Ausstehende Löhne und Missstände in Verpflegung und Unterbringung im Spargelbetrieb Ritter] Massenprotest von 150 Feldarbeitern in Bornheim

Dossier

[FAU Düsseldorf] Erntehelfer bei Spargel Ritter in Bornheim protestieren gegen MissständeSeit dem frü­hen Frei­tag­mor­gen (15.05.2020) pro­tes­tie­ren etwa 150 Ern­te­hel­fer bei einem gro­ßen Spar­gel­be­trieb in Born­heim. Die grö­ten­teils rumä­ni­schen Land­ar­bei­ter wei­gern sich, in die Bus­se zu stei­gen, die sie zu den Spar­gel­fel­dern brin­gen sol­len. Statt­des­sen rufen sie “Money, money!” Sie for­dern also Geld. Und das soll teil­wei­se so vehe­ment gewe­sen sein, dass der Betriebs­lei­ter fürch­te­te, die Lage könn­te außer Kon­trol­le gera­ten. Die dar­auf­hin alar­mier­te Poli­zei Bonn rück­te dar­auf­hin mit 20 Beam­ten an. Der Ein­satz­lei­ter der Poli­zei sag­te dem WDR nach dem Ein­satz, dass die Arbei­ter höhe­re Löh­ne wol­len. Der Betriebs­lei­ter sei aber nicht bereit, das Geld zu zah­len. Trotz des Strei­tes sei­en die Wogen aber geglät­tet. Die Poli­zei ist inwi­schen nicht mehr vor Ort. Die Pro­tes­te der Feld­ar­bei­ter gehen nach wie vor wei­ter. Eine rumä­ni­sche Ern­te­hel­fe­rin sag­te dem WDR, dass eini­ge Hel­fer nach einem Monat Arbeit nur zwi­schen hun­dert und drei­hun­dert Euro bekom­men hät­ten. Das sei zu wenig. Die Hel­fer wol­len des­halb strei­ken, bis die For­de­run­gen nach mehr Geld erfüllt sind. Der Spar­gel­be­trieb steht seit eini­gen Wochen unter der Lei­tung eines Insol­venz­ver­wal­ters…” Mel­dung von Nor­bert Hil­ler vom 15.5.2020 beim WDR externer Link – sie­he für aktu­el­le Bericht­erstat­tung die FAU Bonn bei Twit­ter externer Link und hier wei­te­re Infor­ma­tio­nen dazu:

  • Insol­ven­ter Land­wirt aus Born­heim: Claus Rit­ter nach Gerichts­ter­min in Zwangs­haft New
    Weil er auf zahl­rei­che offe­ne Fra­gen des Insol­venz­ver­wal­ters kei­ne aus­rei­chen­den Ant­wor­ten gege­ben hat, sitzt Claus Rit­ter der­zeit in Zwangs­haft. Direkt nach einem Ter­min am Mitt­woch­nach­mit­tag sei der Spar­gel­bau­er aus Born­heim von Jus­tiz­be­diens­te­ten in eine Arrest­zel­le und anschlie­ßend per Gerichts­be­schluss in die Jus­tiz­voll­zugs­an­stalt Köln gebracht wor­den. Das bestä­tig­te die Bon­ner Amts­ge­richts­di­rek­to­rin Bir­git Niep­mann dem Gene­ral-Anzei­ger am Frei­tag­vor­mit­tag. (…) Bei der Anhö­rung am Mitt­woch sei es in ers­ter Linie um Unklar­hei­ten über den Ver­bleib von Tei­len des Betriebs­ver­mö­gens sowie unkla­re Aus­ga­ben gegan­gen, erläu­ter­te Niep­mann. Die Rede sei von Maschi­nen im Wert von über einer Mil­li­on Euro sowie Aus­ga­ben in unge­fähr glei­cher Höhe gewe­sen. Der Inhalt des Fra­gen­ka­ta­logs von Insol­venz­ver­wal­ter Andre­as Schul­te-Beck­hau­sen kann den Ehe­leu­ten nicht ganz neu gewe­sen sein, die knapp drei DIN-A-4-Sei­ten lagen dem Unter­neh­mer­paar bereits 14 Tage vor dem Ter­min vor. Den­noch sei­en die bei­den zur Ver­blüf­fung des Rechts­pfle­gers kom­plett unvor­be­rei­tet und vor allem ohne jeg­li­che Unter­la­gen bei dem Ter­min erschie­nen…” Arti­kel von Leif Kubik vom 7. August 2020 beim Gene­ral Anzei­ger online externer Link
  • Spar­gel-Rit­ter-Pro­zess: Gericht unter­brei­tet Ver­gleichs­an­ge­bot für rumä­ni­sche Ern­te­hel­fer: Stun­den­lohn von zehn Euro 
    “Vor dem Bon­ner Arbeits­ge­richt haben die Ver­hand­lun­gen über Lohn­nach­for­de­run­gen von rumä­ni­schen Ern­te­hel­fern externer Link gegen den unter Insol­venz­ver­wal­tung ste­hen­den Born­hei­mer Betrieb Spar­gel Rit­ter begon­nen. Am Frei­tag gab es einen ers­ten Güte­ter­min mit dem Bon­ner Rechts­an­walt Harald Klin­ke, der zusam­men mit Anwalt Ste­fan Hüb­ner Ern­te­hel­fer ver­tritt, sowie einem Ver­tre­ter der mit der Insol­venz­ver­wal­tung betrau­ten Rechts­an­walts­kanz­lei Schul­te-Beck­hau­sen und Bühs. Die­ser Ter­min, bei dem es um die For­de­run­gen eines Man­dan­ten ging, könn­te womög­lich eine Blau­pau­se für wei­te­re Ver­fah­ren sein. Wie Klin­ke dem Gene­ral-Anzei­ger sag­te, habe der Rich­ter fol­gen­den Ver­gleichs­vor­schlag unter­brei­tet: Für die rumä­ni­schen Ern­te­hel­fer sol­le ein Stun­den­lohn von zehn Euro zugrun­de gelegt wer­den. Dazu sol­le ein Betrag für den Zeit­raum zwi­schen Ein­stel­lung der Ern­te und dem eigent­li­chen Ende der Arbeits­ver­trä­ge kom­men, ein soge­nann­ter Annah­me­ver­zugs­lohn. So wird der Lohn bezeich­net, den Arbeit­neh­mer erhal­ten, wenn sie ihre Arbeits­kraft einem Arbeit­ge­ber anbie­ten, die­ser sie aber nicht annimmt. Von dem indi­vi­du­ell berech­ne­ten Betrag wür­de laut Klin­ke bereits aus­ge­zahl­tes Geld abge­zo­gen. Er müs­se nun mit sei­nem Man­dan­ten Rück­spra­che zu dem Vor­schlag hal­ten, sag­te Klin­ke. (…) In den nächs­ten Wochen fin­den wei­te­re Güte­ter­mi­ne am Arbeits­ge­richt statt.“ Arti­kel von Chris­toph Meu­rer vom 10.07.2020 beim Gene­ral-Anzei­ger online externer Link
  • Ver­schwei­gen, ver­drän­gen, igno­rie­ren. Die Aus­beu­tung ost­eu­ro­päi­scher Wanderarbeiter*innen fin­det wenig Auf­merk­sam­keit – in Born­heim war das anders. Was folgt dar­aus? 
    “… Als juris­ti­scher Nach­klapp der Ereig­nis­se in Born­heim blei­ben jetzt noch rund 150 bis 200 Ein­zel­ver­fah­ren um aus­ste­hen­den Lohn. Die FAU prüft mit Anwalt Harald Klin­ke außer­dem, ob der Insol­venz­ver­wal­ter Andre­as Schul­te-Beck­hau­sen kri­mi­nell han­del­te. Er hat­te gemein­sam mit Andre­as Wil­lems (Adwin Con­sul­ting GmbH) per Video zunächst auch deut­sche Erntehelfer*innen ange­wor­ben und ihnen einen Stun­den­lohn von 10 Euro in Aus­sicht gestellt. Sei­ne mas­sen­haf­te Anwer­bung aus Rumä­ni­en – trotz Plei­te – wirkt wie Betrug, die Unter­brin­gung min­des­tens sit­ten­wid­rig. Es blei­ben zudem – kurz skiz­ziert – fol­gen­de Leh­ren: Ers­tens: In Deutsch­land exis­tiert eine Schat­ten­ar­mee, die wesent­li­che Tei­le der Pro­duk­ti­on stemmt. Arbeiter*innen aus Ost­eu­ro­pa sind anzu­tref­fen in den Berei­chen Land­wirt­schaft, Fleisch-Indus­trie, Schiff­bau (Mey­er-Werft), Rei­ni­gung, häus­li­che Pfle­ge, Bau-Indus­trie. Die Arbeits- und Wohn­be­din­gun­gen die­ser Men­schen – meist Werk­ver­trä­ge, Leih­ar­beit, Sai­son­ar­beit – sind weit­ge­hend unbe­ach­tet und unbe­kannt. Der indus­tri­el­le Ras­sis­mus besteht vor allem in sys­te­ma­ti­scher Ungleich­be­hand­lung, Aus­beu­tung, Rechts­ni­hi­lis­mus und Ver­tu­schung. Zwei­tens: Wir dürf­ten uns nicht durch libe­ra­le Mul­ti-Kul­ti-PR täu­schen las­sen, die für Ausbeuter*innen wie den Schwei­ne-Baron Cle­mens Tön­nies und vie­le ande­re inzwi­schen zum guten Ton gehört. Der indus­tri­el­le Ras­sis­mus hat nichts gegen Ausländer*innen, solan­ge sie brav den Platz ein­neh­men, der für sie vor­ge­se­hen ist. Für die Mas­se sieht er einen Platz ganz unten in der Ver­wer­tungs­ket­te vor. Drit­tens: Die­se indus­tri­el­le Schat­ten­ar­mee und das ver­schäm­te Ver­schwei­gen ihrer Exis­tenz – obwohl es eigent­lich alle wis­sen (kön­nen) – hat ihre direk­ten Vor­läu­fer in der Zwangs­ar­beit, die im 1. Welt­krieg begann und im 2. Welt­krieg per­fek­tio­niert wur­de. Danach kamen die »Fremd­ar­bei­ter«, die zu »Gast­ar­bei­tern« wur­den. Heu­te: Werk­ver­trä­ge, Leih­ar­beit, sach­grund­lo­se Befris­tung. Das Ver­schwei­gen, Ver­drän­gen, Igno­rie­ren ist eine über­lie­fer­te Ver­hal­tens­wei­se. Vier­tens: Die Grund­la­ge des indus­tri­el­len Ras­sis­mus ist die Zer­stö­rung vor­mals intak­ter Regio­nen: de-indus­tria­li­sier­te, bank­rot­te, pri­va­ti­sier­te und von Land-Grab­bing betrof­fe­ne EU-Regio­nen vor allem Bul­ga­ri­ens und Rumä­ni­ens. Vie­le Obdach­lo­se und Bettler*innen in deut­schen Städ­ten dürf­ten eine Vor­ge­schich­te als Wanderarbeiter*innen haben, die vom Sys­tem ange­so­gen, aus­ge­presst und wie­der aus­ge­spuckt wur­den. Da sie als EU-Staatsbürger*innen Frei­zü­gig­keit genie­ßen, haben sie zwar einer­seits ein Recht hier zu blei­ben, genie­ßen aber ande­rer­seits viel weni­ger Auf­merk­sam­keit und Sym­pa­thie als Geflüch­te­te. Fünf­tens: Die Behör­den grei­fen nicht ein. Sie sehen zu, auch wenn offen­sicht­lich rechts­wid­ri­ges Ver­hal­ten, Straf­ta­ten und sogar orga­ni­sier­te Kri­mi­na­li­tät selbst für Lai­en schon erkenn­bar sind. Zudem sind wich­ti­ge Kon­troll­in­stan­zen sys­te­ma­tisch unter­ver­sorgt mit Per­so­nal und Res­sour­cen. Die Fol­ge sind Rechts­ni­hi­lis­mus, Straf­lo­sig­keit bis hin zu mafiö­sen Struk­tu­ren. Sechs­tens: Die EU ist ein hoch aggres­si­ves Gebil­de, kein fort­schritt­li­ches Pro­jekt. Sie ver­schlei­ert ihren aus­beu­te­ri­schen, ras­sis­ti­schen Cha­rak­ter durch Metho­den der Soft Power. Und schließ­lich: Wo woh­nen die Wanderarbeiter*innen? Der ers­te Schritt, um die Ver­hält­nis­se irgend­wann ver­än­dern zu kön­nen, besteht im Sicht­bar­ma­chen – wie in Born­heim etwa durch die Lokal­pres­se gesche­hen. In Zukunft wären Eigen­re­cher­che und Kar­to­gra­fie­rung von­nö­ten. Die Peri­phe­rie ist der­zeit uner­forscht: Ost­west­fa­len, Nie­der­rhein, Born­heim und so wei­ter. Der Schritt muss dann sein: Kon­takt­auf­nah­me mit Hil­fe von Muttersprachler*innen. Es bleibt abzu­war­ten, ob der Born­hei­mer Spar­gel­streik nur ein hel­ler Moment in der Coro­na-Kri­se war, der durch das unwahr­schein­li­che Zusam­men­tref­fen güns­ti­ger Fak­to­ren mög­lich wur­de. Wün­schens­wert wäre das Gegen­teil: Eine neue Wel­le sozia­ler Kämp­fe in die­ser Rich­tung. Ler­nen wir Rumä­nisch!“ Arti­kel von Elmar Wigand vom 15.06.2020 bei analyse&kritik online externer Link
  • [WDR-Repor­ta­ge am Bsp. Born­heim] Erschre­cken­de Ein­bli­cke in die Ern­te­hel­fer-Bran­che 
    “Es waren Bil­der, die deutsch­land­weit Schlag­zei­len gemacht haben: rumä­ni­sche Ern­te­hel­fer pro­tes­tie­ren vor dem Spar­gel- und Erd­beer­hof Rit­ter in Born­heim. Angeb­lich, weil sie zu wenig Lohn erhal­ten hät­ten. Der Betrieb ist plei­te. Der Insol­venz­ver­wal­ter erklärt aber gegen­über dem WDR und Gene­ral-Anzei­ger, dass alle Ern­te­hel­fer ver­trags­ge­mäß bezahlt wor­den sei­en. (…) Und auch der Zoll taucht mehr­fach auf dem Hof auf. Inter­ne Papie­re, die dem WDR vor­lie­gen, bele­gen, dass es eine Durch­su­chung auf dem Hof in Born­heim und auch im Ein­fa­mi­li­en­haus der Rit­ters in Bonn gege­ben hat. Den Ern­te­hel­fern soll Lohn vor­ent­hal­ten wor­den sein, so dass sie nicht nach Hau­se fah­ren konn­ten. Im Bericht heißt es, Zitat: “In Zusam­men­hang mit ver­zö­ger­ten Lohn­zah­lun­gen wur­den die Beschul­dig­ten und der Rechts­an­walt auf den Nöti­gungs­tat­be­stand hin­ge­wie­sen, da Arbeit­neh­mer wegen der feh­len­den Ent­loh­nung nicht in ihr Hei­mat­land abrei­sen kön­nen.“ Noch bri­san­ter dürf­te für die Ehe­leu­te Rit­ter der Fund eines Stoff­beu­tels mit Stem­peln und Sie­geln sein. Die Ern­te­hel­fer dür­fen in Deutsch­land in einem Zeit­raum von 90 Tagen pro Jahr sozi­al­ver­si­che­rungs­frei arbei­ten. Ursu­la Heß sagt, auf dem Hof habe es ein eige­nes Sys­tem gege­ben. Mit den Stem­peln aus Rumä­ni­en sol­len For­mu­la­re gefälscht wor­den sein, um die­se Regel zu umge­hen. Rumä­ni­sche Ern­te­hel­fer dür­fen unter bestimm­ten Vor­aus­set­zun­gen in einem Zeit­raum von 90 Tagen pro Jahr sozi­al­ver­si­che­rungs­frei in Deutsch­land arbei­ten. Ursu­la Heß hat die Anmel­dung der Rumä­nen auf Anwei­sung von Sabi­ne Rit­ter bear­bei­tet. Sie sagt, auf dem Hof habe es ein eige­nes Sys­tem gege­ben: “Die fah­ren dann nach Hau­se nach ihren 90 Tagen, weil sie auch die Fami­lie mal sehen möch­ten und kom­men dann mit nem ande­ren Aus­weis und ande­ren Papie­ren aber sel­ber wie­der und sind dann halt unter ande­rem Namen wie­der für 90 Tage hier.” Auch mit die­sem Vor­wurf haben wir Claus Rit­ter kon­fron­tiert, aber kei­ne Ant­wort erhal­ten. Offen­bar wuss­te er, wie bri­sant der Fund der Sie­gel und Stem­pel war. Laut Zoll­be­richt hat er noch wäh­rend der Zoll­kon­trol­le ver­sucht, die Stem­pel zu ent­sor­gen – ohne Erfolg. Nach Infor­ma­tio­nen von WDR und Gene­ral-Anzei­ger ermit­telt die Staats­an­walt­schaft Bonn bereits seit zwei Jah­ren gegen die Ehe­leu­te Rit­ter wegen Steu­er­hin­ter­zie­hung und Sozi­al­ver­si­che­rungs­be­trug.“ Repor­ta­ge von Tobi­as Al Sho­mer vom 08.06.2020 bei WDR externer Link
  • Letz­te Arbeiter*innen rei­sen ab /​Ern­te­hel­fer ver­las­sen Unter­künf­te in Born­heim – Anzei­ge gegen den Insol­venz­ver­wal­ter wegen des Ver­dachts des Betru­ges 
    • Streik in Born­heim: Letz­te Arbeiter*innen rei­sen ab
      Eine gute Woche Streik mit Schweiß, Trä­nen, Jubel und Frust neigt sich dem Ende ent­ge­gen. Die letz­ten Arbeiter*innen rei­sen ab – ob nach Rumä­ni­en oder zu neu­en Jobs. Die Ver­spre­chun­gen des rumä­ni­schen Kon­su­lats sich um Arbeits­ver­mitt­lung und Aus­rei­sen zu küm­mern wur­den nur rudi­men­tär ein­ge­hal­ten. Die FAU blieb hin­ge­gen aktiv und soli­da­risch, ver­mit­tel­te gemein­sam mit zahl­rei­chen Unterstützer*innen und in stän­di­ger Abspra­che mit den Arbeiter*innen neue Arbeits­plät­ze und Rück­rei­se­mög­lich­kei­ten. Wir blei­ben in Kon­takt, um die jewei­li­gen indi­vi­du­el­len Lösun­gen beglei­ten zu kön­nen. Jetzt steht zum Einen eine lan­ge, inten­si­ve Pha­se juris­ti­scher Pro­zes­se um die Lohn­for­de­run­gen an. (…) Wir bedan­ken uns ganz beson­ders bei unse­ren Dolmetscher*innen, die schier Unglaub­li­ches geleis­tet haben und es uns ermög­lich­ten jeder­zeit in einen Dia­log mit den Arbeiter*innen tre­ten zu kön­nen. Und wir bedan­ken uns bei allen für die ver­schie­dens­ten For­men von Unter­stüt­zung, ob durch FAU-Syn­di­ka­te, durch inter­na­tio­na­le Ver­net­zun­gen oder ein­fach spon­ta­ne Soli­da­ri­tät; sei es durch schie­re Zeit, die inves­tiert wur­de, durch Spen­den von Was­ser, mit Ver­pfle­gung, Pavil­lons, Tischen, Büro­ma­te­ri­al, Geld­mit­teln, guten Tips, Kon­tak­ten und so vie­lem mehr. Wir sind bewegt von der tie­fen Soli­da­ri­tät und von dem Ein­druck, einen Teil dazu bei­getra­gen zu haben, dass Arbeiter*innen sich ihrer Aus­beu­tung nicht mehr hilf­los aus­ge­lie­fert sehen…” Pres­se­mit­tei­lung vom 25. Mai 2020 von und bei der FAU Bonn externer Link
    • Ern­te­hel­fer ver­las­sen Unter­künf­te in Born­heim – Anzei­ge gegen den Insol­venz­ver­wal­ter wegen des Ver­dachts des Betru­ges
      Die letz­ten Ern­te­hel­fer haben am Mon­tag­nach­mit­tag die Con­tai­ner bei Spar­gel Rit­ter in Born­heim ver­las­sen. Eini­ge von ihnen keh­ren nach Rumä­ni­en zurück, ande­re haben neue Arbeit­ge­ber gefun­den. Unter­des­sen hat die Par­tei Die Lin­ke den Insol­venz­ver­wal­ter ange­zeigt. (…) Dass die Ern­te­hel­fer ihre Unter­künf­te spä­tes­tens am Mon­tag räu­men soll­ten, war Teil der Abspra­che zwi­schen dem rumä­ni­schen Gene­ral­kon­su­lat und dem Insol­venz­ver­wal­ter Andre­as Schul­te-Beck­hau­sen. Der Betrieb Spar­gel Rit­ter ist insol­vent. Schul­te-Beck­hau­sen been­de­te ver­gan­ge­ne Woche die Ern­te und kün­dig­te am Diens­tag die Arbeits­ver­trä­ge der 234 Hel­fer. Damit ende­ten nach der Rechts­auf­fas­sung des Insol­venz­ver­wal­ters auch die Miet­ver­trä­ge. „Es wird aber nie­mand vom Hof gejagt“, sag­te ein Spre­cher Schul­te-Beck­hau­sens. Es gesche­he nichts ohne Abspra­che, von einer „Zwangs­räu­mung“ kön­ne kei­ne Rede sein. Ein Ver­tre­ter der Gewerk­schaft Freie Arbei­te­rIn­nen Uni­on (FAU) sieht dies anders: Bei Miet­ver­trä­gen sei­en gesetz­li­che Fris­ten ein­zu­hal­ten. Man kön­ne die Leu­te nicht von heu­te auf mor­gen auf die Stra­ße set­zen. Auch am Mon­tag waren eini­ge FAU-Ver­tre­ter an der Unter­kunft, um die Stadt Born­heim zu infor­mie­ren, falls es zu Unstim­mig­kei­ten bei der Abrei­se kom­men soll­te. Doch es lief alles fried­lich ab, es herrsch­te eine gelös­te Stim­mung unter den Hel­fern. (…) Kla­ge hat auch der Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­te Alex­an­der Neu (Die Lin­ke) aus dem Rhein-Sieg-Kreis bei der Staats­an­walt­schaft Bonn gegen den Insol­venz­ver­wal­ter erho­ben. Neu erklärt: „Ich habe Anzei­ge wegen des Ver­dachts des Betru­ges, der Vor­ent­hal­tung von Arbeits­ent­gelt und der vor­sätz­li­chen oder fahr­läs­si­gen Kör­per­ver­let­zung erstat­tet. (…) Die Arbeits­rechts­kanz­lei Decrup­pe in Köln führt in der Anzei­ge aus: „Da es sich um gewerbs­mä­ßi­ges, mas­sen­haf­tes und auf Gewinn­erzie­lung aus­ge­rich­te­tes Vor­ge­hen des Insol­venz­ver­wal­ters han­delt und hun­der­te von Sai­son­ar­bei­tern hier­durch in wirt­schaft­li­che Not gebracht wur­den, dürf­te ein beson­ders schwe­rer Fall des Betru­ges gege­ben sein.“ Wegen mög­li­cher Straf­ta­ten und der Nicht­ab­füh­rung von Sozi­al­ver­si­che­rungs­bei­trä­gen sol­len der Zoll und die Sozi­al­ver­si­che­rungs­trä­ger in die Ermitt­lun­gen ein­be­zo­gen wer­den. Gegen die Ern­te­hel­fer sei sys­te­ma­tisch intrans­pa­rent und ein­schüch­ternd vor­ge­gan­gen wor­den…” Arti­kel von Hans-Peter Fuss vom 25. Mai 2020 im Gene­ral­an­zei­ger online externer Link
    • Spar­gel Rit­ter in Born­heim – Rechts­wid­ri­ge Räu­mung droht!
      Seit dem 15. Mai 2020 befin­det sich ein Teil der Beleg­schaft der Claus und Sabi­ne Rit­ter GbR in Born­heim im Streik um die Aus­zah­lung der ihnen zuste­hen­den Löh­ne. Nach sechs Tagen Streik und einer Lohn­aus­zah­lung für einen Teil der rumä­ni­schen Arbeiter*innen, ver­kün­de­te am 21. Mai die rumä­ni­schen Arbeits­mi­nis­te­rin bei einem Besuch vor Ort, sie habe sich mit dem ver­ant­wort­li­chen Insol­venz­ver­wal­ter Schul­te-Beck­hau­sen auf ein Drei-Punk­te-Pro­gramm ver­stän­digt. Die­ses beinhal­te die Aus­zah­lung aller noch offe­nen Lohn­an­sprü­che, die Orga­ni­sie­rung der Heim­rei­se von Arbeiter*innen auf Kos­ten der rumä­ni­schen Regie­rung sowie die Ver­mitt­lung von Arbeiter*innen an ande­re Höfe mit Hil­fe des Bau­ern­ver­ban­des. Nach­dem am 22. Mai wei­te­re Löh­ne aus­ge­zahlt wur­den, brach ein Teil der Arbeiter*innen auf, um die Arbeits- und Unter­brin­gungs­be­din­gun­gen in ande­ren Betrie­ben zu prü­fen. Ande­re Arbeiter*innen haben die Heim­rei­se ange­tre­ten. Ein drit­ter Teil der Beleg­schaft ver­blieb in der von Secu­ri­ty kon­trol­lier­ten kaser­nier­ten Con­tai­ner­an­la­ge, in der die rumä­ni­schen und eini­ge pol­ni­sche Beschäf­tig­te unter­ge­bracht sind. Alle rumä­ni­schen Arbeiter*innen bei Rit­ter sind der­zeit im Besitz jeweils eines gül­ti­gen Arbeits- und eines Miet­ver­tra­ges. Weder wur­den bis­lang von der Fir­ma Claus und Sabi­ne Rit­ter GbR die Arbeits­ver­trä­ge gekün­digt, noch erfolg­te die not­wen­di­ge schrift­li­che Kün­di­gung der Werks­woh­nungs­ver­trä­ge unter Ein­hal­tung der dafür vor­ge­se­he­nen gesetz­li­chen Fris­ten. Die Arbeiter*innen sind somit nach wie vor regu­lä­re Mieter*innen der Wohn­an­la­ge Am Ühl­chen 17 in Born­heim, mit allen aus dem deut­schen Miet­recht ent­ste­hen­den Rech­ten…” Pres­se­mit­tei­lung vom 25. Mai 2020 von und bei der FAU Bonn externer Link
  • FAU Bonn prüft Anstren­gung von 180 Gerichts­ver­fah­ren gegen Insol­venz­ver­wal­ter des seit einer Woche bestreik­ten Spar­gel­be­triebs in Born­heim /​nun droht ille­ga­le Räu­mung aus der Unter­kunft /​… 
    • Nun droht ille­ga­le Räu­mung aus der Unter­kunft
      Arbeiter*innen aus dem #Streik­Born­heim, mit unge­kün­dig­ten Miet­ver­trä­gen, sol­len aktu­ell von der Secu­ri­ty des Fir­men­bos­ses Schul­te-Beck­hau­sen ille­gal aus der Unter­kunft geräumt wer­den. Die auf Betrei­ben der Arbeiter*innen geru­fe­ne Poli­zei bleibt untä­tig. Sup­port erwünschtMel­dung der FAU am 23.5. bei Twit­ter externer Link und die vor­läu­fi­ge Ent­war­nung bis Mon­tag durch die FAU Bonn am 23.5. externer Link: “Gewerkschafter*innen der FAU Bonn haben mit Unter­stüt­zung eines Anwalts gegen die Räu­mung inter­ve­niert. Außer­dem wur­de das Kon­su­lat und die Stadt­ver­wal­tung infor­miert. Die Räu­mung ist Aus­ge­setzt, die Leu­te dür­fen bis Mon­tag in den Unter­künf­ten blei­ben.”
    • „Und hier­für haben sie uns Unter­kunfts­kos­ten berech­net!“
      Die Erntearbeiter*innen des Spar­gel- und Erd­beer­ho­fes Rit­ter wer­den seit etli­chen Jah­ren hin­ter der Umzäu­nung einer Con­tai­ner­an­la­ge auf der Stra­ße „Am Ühl­chen“ in Born­heim unter­ge­bracht. Die­se zwei­stö­cki­gen Wohn­blocks bestehen pro Eta­ge aus jeweils rund 30 Schlaf­räu­men, weni­gen Dusch- und Toi­let­ten­ein­hei­ten, einem Lager­raum und einem Wasch- und Tro­cken­raum. Drei sol­cher Blocks ste­hen auf dem Gelän­de, ein­ge­klemmt zwi­schen einer Bahn­li­nie und einer Was­ser­auf­be­rei­tungs­an­la­ge. (…) Im Ver­lauf des am 15. Mai 2020 begon­ne­nen Streiks der Arbeiter*innen for­der­te die FAU vom Betrei­ber des Spar­gel- und Erd­beer­ho­fes den Zutritt zur Unter­brin­gung ihrer Gewerk­schafts­mit­glie­der. Die­ser wur­de ihr mit der Begrün­dung ver­wei­gert, es han­de­le sich nicht um Betriebs­ge­län­de. Fak­tisch leben die Arbeiter*innen wie in einem Gefäng­nis, abge­schirmt von einer Secu­ri­ty, die kei­ner­lei Besu­che hin­ein­lässt und die Arbeiter*innen dar­an hin­dert, Freun­de oder Bekann­te in ihren Wohn­räu­men zu emp­fan­gen. Die gan­ze Situa­ti­on erin­nert an die berüch­tig­ten Wohn­hei­me der Wanderarbeiter*innen in Chi­na, in denen sie auf den Fabrik­ge­län­den ein­ge­sperrt wer­den, um sie zu kon­trol­lie­ren und jeden Wider­stand zu ver­hin­dern. In Born­heim wer­den die Erntearbeiter*innen von die­ser abge­rie­gel­ten und bewach­ten Unter­kunft mit aus­ge­dien­ten Lini­en­bus­sen zur Arbeit auf den Fel­dern abge­holt und wie­der zurück­ge­bracht. Sie kön­nen zwar in ihrer Frei­zeit die Unter­kunft ver­las­sen und da vie­le von ihnen mit dem eige­nen PKW ange­reist sind, fah­ren auch vie­le zum Ein­kau­fen aus dem Lager her­aus. Aber am Ort ihrer Unter­brin­gung wäh­rend ihrer Arbeit in Deutsch­land haben sie kei­ne Mög­lich­keit, gesel­li­ge Aben­de oder Grill­fes­te zusam­men mit Men­schen von außer­halb zu ver­an­stal­ten. Fak­tisch pen­deln sie so von der Arbeit auf den Fel­dern, wo sie von Auf­se­hern und Vor­ar­bei­tern über­wacht und ange­trie­ben wer­den, zu einer kna­st­ähn­li­chen Unter­kunft, wo ihnen die Secu­ri­ty am Tor stän­dig ihre strik­te Abtren­nung von der hie­si­gen Gesell­schaft vor Augen führt. Es ist ein ras­sis­ti­sches Lager- und Arbeits­re­gime, auf dem die Pro­duk­ti­on von Spar­gel und Erd­bee­ren in Deutsch­land beruht. Um den Zustand ihrer Unter­künf­te zu doku­men­tie­ren, haben Arbeiter*innen von Spar­gel Rit­ter sie mit einem Video-Clip sicht­bar externer Link gemacht. Was auf die­sen Bil­dern zu sehen ist, macht schnell deut­lich, war­um die Zustän­de offen­bar nicht über­prüft wer­den oder an die Öffent­lich­keit gelan­gen soll­ten. Ein Blick in die Wohn- und Schlaf­räu­me zeigt die gan­ze Pro­ble­ma­tik der Unter­brin­gung der Erntearbeiter*innen auf…” Bericht vom 24. Mai 2020 von und bei der FAU Bonn externer Link
    • Der Streik bei Spar­gel Rit­ter: Der wil­de Streik der rumä­ni­schen Feldarbeiter*innen in Born­heim zeigt, dass auch im Sys­tem ras­sis­ti­scher Über­aus­beu­tung Kämp­fe mög­lich sind
      “… Wäh­rend die Iso­la­ti­on der Wanderarbeiter*innen meist dazu führt, dass die­se Über­aus­beu­tung weit­ge­hend igno­riert wird, konn­te der Born­hei­mer Fall bun­des­weit Auf­se­hen erre­gen. Der Mon­tag war ein schwie­ri­ger Tag, wie die FAU Bonn twit­ter­te: »Ein kras­ser Tag geht zuen­de. Auch wenn wir mit dem Ergeb­nis nicht zufrie­den sein kön­nen: Dass über­haupt Löh­ne von ein paar hun­dert Euro bezahlt wur­den, ist eine Panik­re­ak­ti­on des Klas­sen­fein­des. Mor­gen ist Run­de 2.« Am Diens­tag tra­fen sich die Feldarbeiter*innen und Soli­da­ri­sie­ren­de zu einer wei­te­ren Kund­ge­bung, dies­mal in der Bon­ner Innen­stadt, direkt vor dem Büro des Insol­venz­ver­wal­ters. Von dort ging es zum rumä­ni­schen Gene­ral­kon­su­lat, wo eine Dele­ga­ti­on von zehn Arbeiter*innen emp­fan­gen wur­de. Der Kon­sul mahn­te die Arbeiter*innen zu Ruhe und Beson­nen­heit. Sie soll­ten zu ihren Unter­künf­ten zurück­keh­ren und abwar­ten – denn der Kon­sul ste­he mit der rumä­ni­schen Arbeits­mi­nis­te­rin Vio­le­ta Alex­an­dru in Kon­takt, die sich zu die­sem Zeit­punkt auf Ein­la­dung der deut­schen Agrar­mi­nis­te­rin Julia Klöck­ner in Ber­lin befin­de. Ihre zwei­te Sta­ti­on nach Ber­lin sei zufäl­li­ger­wei­se sowie­so Bonn, so der Kon­sul, wo sie sich mit dem Bau­ern­ver­band tref­fen wür­de. Mitt­woch tauch­te die Minis­te­rin dann tat­säch­lich bei den Unter­künf­ten auf. Nach einem lan­gen Gespräch mit den rumä­ni­schen Arbeiter*innen – bei dem kei­ne Gewerkschaftsvertreter*innen zuge­las­sen waren – ver­kün­de­te sie, dass »alles gere­gelt« sei: Der Insol­venz­ver­wal­ter hät­te ihr zuge­si­chert, die Zah­lun­gen vor­an­zu­trei­ben, und ihr Minis­te­ri­um wür­de die kos­ten­lo­se Rück­kehr nach Rumä­ni­en oder, in Abspra­che mit dem deut­schen Bau­ern­ver­band, den Wech­sel in einen ande­ren Betrieb orga­ni­sie­ren. Nach ihrer Abfahrt hol­ten Bus­se Grup­pen von jeweils zehn Arbeiter*innen zur Aus­zah­lung an einem unbe­kann­ten Ort ab. Die Unterstützer*innen konn­ten aber zusam­men mit den Arbeiter*innen durch­set­zen, dass bei allen Aus­zah­lun­gen ein Rechts­an­walt und Dolmetscher*innen dabei waren, nur muss­ten sie zuvor ihre Han­dys abge­ben. Da die­sem dubio­sen Aus­zah­lungs­ver­fah­ren nicht zu trau­en war, fuh­ren Unterstützer*innen den Bus­sen zu den »unbe­kann­ten Orten« hin­ter­her, wor­an eine sicht­lich des­ori­en­tier­te Poli­zei sie teil­wei­se zu hin­dern ver­such­te. Es kam zu absur­den Ver­fol­gungs­jag­den in Wild­west­ma­nier über die Erd­beer­fel­der, bis die Bus­se dann auf irgend­ei­nem Feld in der bren­nen­den Son­ne anhiel­ten und Lohn­zah­lun­gen statt­fan­den. Der Rechts­an­walt sorg­te dafür, dass die Arbeiter*innen kei­ne Auf­he­bungs­ver­trä­ge unter­schrie­ben, und vie­le erteil­ten ihm die Voll­macht, ihre Lohn­an­sprü­che gericht­lich zu über­prü­fen. Die FAU for­mu­lier­te es am Mitt­woch­abend so, dass das Mini­mal­ziel erreicht wor­den sei. Dass sich nicht alle der Arbeiter*innen aus Rumä­ni­en und eini­ge weni­ge aus Polen an dem Streik betei­lig­ten, beruht auf der Spal­tung durch unter­schied­li­che Ver­trä­ge. Die Arbeiter*innen mit Ver­trä­gen bis Sep­tem­ber statt nur bis Juni und mit dem Ver­spre­chen auf höhe­re Löh­ne sahen durch den Streik ihre Arbeits­ver­trä­ge gefähr­det und kri­ti­sier­ten die ent­stan­de­ne Unru­he. (…) Die rumä­ni­schen Feldarbeiter*innen waren zunächst auf sich allein gestellt. Ihr Auf­schrei rief soli­da­ri­sche Lin­ke auf den Plan – allen vor­an die FAU. IG BAU? DGB? Land­tags­ab­ge­ord­ne­te? Fehl­an­zei­ge! Mit kaum Geld und wenig Res­sour­cen schaff­te es die FAU Bonn, trotz schwie­ri­ger Über­set­zungs­ver­hält­nis­se, die Arbeiter*innen bei jedem Schritt zu unter­stüt­zen – ein Para­de­bei­spiel kon­kre­ter Soli­da­ri­tät. Die­ser Kampf zeigt vor allem, dass sich auch Pre­kä­re und Unor­ga­ni­sier­te weh­ren kön­nen. Die­se Erfah­rung gibt Mut für die Zukunft. Und es bleibt abzu­war­ten, ob die­je­ni­gen, die jetzt über den Bau­ern­ver­band an ande­re Höfe ver­mit­telt wur­den, nicht den Streik­vi­rus auf ande­re Fel­der tra­gen. In Rumä­ni­en haben alle gro­ßen Tages­zei­tun­gen über den Streik in Born­heim berich­tet. Auch das könn­te das Selbst­be­wusst­sein und die Anspruchs­hal­tung der Saisonarbeiter*innen stär­ken…” Arti­kel von Ali­ce Clai­re, Chris­ti­an Frings und John Mal­a­ma­ti­nas vom 21. Mai 2020 beim ak online externer Link
  • FAU Bonn prüft Anstren­gung von 180 Gerichts­ver­fah­ren gegen Insol­venz­ver­wal­ter des seit einer Woche bestreik­ten Spar­gel­be­triebs in Born­heim /​wei­te­re alter­na­ti­ve Arbeit­ge­ber eben­falls unzu­mut­bar 
    • Gewerk­schaft prüft Anstren­gung von 180 Gerichts­ver­fah­ren gegen Insol­venz­ver­wal­ter des seit einer Woche bestreik­ten Spar­gel­be­triebs in Born­heim
      Die Gewerk­schaft FAU Bonn prüft der­zeit die Eröff­nung von etwa 180 Gerichts­ver­fah­ren gegen den Insol­venz­ver­wal­ter des Born­hei­mer Spar­gel­un­ter­neh­mens Rit­ter. Dort begann letz­ten Frei­tag ein Streik von hun­der­ten rumä­ni­schen Erntearbeiter*innen, da der Bon­ner Insol­venz­ver­wal­ter Andre­as Schul­te-Beck­hau­sen ihre Löh­ne für bereits geleis­te­te Arbeits­stun­den zurück­hielt. Im Lau­fe der Woche wur­den den meis­ten Arbeiter*innen gerin­ge Tei­le ihres Loh­nes aus­ge­zahlt. Zur Durch­set­zung ihrer Ansprü­che ver­mit­tel­te die FAU ihnen Anwäl­te und über­nahm die gewerk­schaft­li­che Ver­tre­tung einer Betriebs­grup­pe. Die Gewerk­schaft rech­net damit, ins­ge­samt etwa 180 ein­zel­ne Ver­fah­ren anstren­gen zu wer­den, teil­te sie auf einer Pres­se­kon­fe­renz mit. „Eine Man­dan­tin hat nur 20% ihres Loh­nes bekom­men. Die Bar­aus­zah­lung fand in Wild-West-Manier auf einem Park­platz statt und nur nach mas­si­ven Inter­ven­tio­nen konn­te ich sie dort auch vor Ort anwalt­lich beglei­ten. Der Insol­venz­ver­wal­ter will den Ange­stell­ten das ihnen zuste­hen­de Geld nicht bezah­len. Des­we­gen wer­den wir in allen Fäl­len vor Gericht gehen, denn in der Land­wirt­schaft wer­den ins­be­son­de­re aus­län­di­sche Fach­kräf­te viel zu oft rechts­wid­rig behan­delt“, so Rechts­an­walt Ste­fan Hüb­ner, wel­cher die Gewerk­schaft FAU berät und über hun­dert Erntearbeiter*innen anwalt­lich ver­tritt. „Durch den Streik und den öffent­li­chen Druck konn­ten wir die­se Woche errei­chen, dass vie­le Leu­te wenigs­tens einen Teil ihres Gel­des bekom­men haben. Auch eine dro­hen­de Obdach­lo­sig­keit von hun­der­ten Per­so­nen konn­te abge­wen­det wer­den. Der Insol­venz­ver­wal­ter woll­te sie aus ihren Con­tai­ner-Unter­künf­ten schmei­ßen, wenn sie die Teil­aus­zah­lung des Loh­nes anneh­men. Wir haben hier vor Ort schon viel erreicht und wer­den auch vor Gericht gewin­nen“, sagt FAU-Pres­se­spre­cher Erik Hage­dorn…” Pres­se­mit­tei­lung der FAU Bonn vom 22. Mai 2020 externer Link
    • @FAUBonn am 22.5.: “Eine wei­te­re Grup­pe von Arbeiter*innen aus #Born­heim besuch­te eben mit einem Deli­gier­ten und einem FAUis­ta #Erd­beer­hof­Schu­ma­cher in #Erft­stadt. Die dor­ti­gen Zustän­de und der zuge­knöpf­te Boss hielt die Arbeiter*innen trotz ihrer Zwangs­la­ge davon ab, dort eine Stel­le anzu­neh­men.”
    • @FAUBonn am 22.5.: “Für einen Ein­blick, wie es um die hygie­ni­schen Zustän­de in den Unter­künf­ten in #Born­heim aus­sieht: Laut der Aus­sa­ge eines Ord­nungs­amt­lers sind in einem Con­tai­ner von knapp zehn Toi­let­ten nur noch eine über­haupt benutz­bar!
    • Enough Radio: Inter­view mit FAU-Gewerkschafter*in über den anhal­ten­den Streik der Erntearbeiter*innen in Born­heim
      Am Diens­tag haben wir mit einem FAU-Gewerkschafter*in über der Streik der Erntearbeiter*innen in Born­heim gespro­chen. Am Diens­tag haben wir mit einem FAU-Gewerkschafter*in über der Streik der Erntearbeiter*innen in Born­heim gespro­chen.” Inter­view vom 21. Mai 2020 von und bei Enough 14 externer LinkAudio Datei
    • Teil­erfolg für Feld­ar­bei­ter in Born­heim
      Lohn­ab­hän­gi­ge wur­den in »Wild­west-Manier« aus­ge­zahlt. Rumä­ni­sche Arbeits­mi­nis­te­rin bie­tet Per­spek­ti­ve…” Chro­no­lo­gie von Sebas­ti­an Wei­er­mann vom 21.05.2020 beim ND online externer Link
    • Born­heim: Gewerk­schaft berei­tet Kla­gen vor
      Am heu­ti­gen Don­ners­tag den 21.05.2020 berei­ten sich die Saisonarbeiter*innen des insol­ven­ten Spar­gel­guts Rit­ter in Born­heim auf die Wei­ter­rei­se zu ande­ren Arbeits­stel­len oder in ihre Hei­mat vor. Ver­tre­ter des Arbeit­ge­bers Dr. Andre­as Schul­te-Beck­hau­sen von der Kanz­lei Schul­te-Beck­hau­sen und Bühs in Bonn hat­ten für den Vor­tag eine Räu­mung der Wohn­ein­hei­ten ange­kün­digt. Die­se wur­de auf­grund öffent­li­chen Dru­ckes aus­ge­setzt. Vor Ort befand sich heu­te auch ein Stand der Gewerk­schaft Freie Arbei­te­rin­nen und Arbei­ter Uni­on (FAU). An die­sem wur­den die Arbeits­un­ter­la­gen von über hun­dert Arbeiter*innen gesich­tet. Die Gewerk­schaft wird Kla­gen auf den Weg brin­gen, um noch aus­ste­hen­de Löh­ne ein­zu­for­dern. Zwar wur­den am Mitt­woch Löh­ne aus­be­zahlt, die es den Arbeiter*innen zumin­dest ermög­li­chen ihre Heim­rei­se zu orga­ni­sie­ren. Aber auch die­se Zah­lun­gen ent­spre­chen nicht den Sum­men, die auf­grund der Ver­trä­ge der Arbei­ter zu erwar­ten wären. Die Gewerk­schaft hat meh­re­re Anwäl­te ein­ge­schal­tet um die For­de­run­gen der Arbeiter*innen vor Gericht durch­zu­set­zen. Für Frei­tag, 10.00 Uhr ist eine Pres­se­kon­fe­renz ange­setzt, in der nach den Ereig­nis­sen der letz­ten Woche Bilanz gezo­gen wird…” Pres­se­mit­tei­lung der FAU Bonn vom 21. Mai 2020 externer Link
    • Auf­stand der Armen: Ern­te­hel­fer demons­trie­ren für Lohn
      In Deutsch­land stran­den – das könn­te rumä­ni­schen Sai­son­ar­bei­tern bei Bonn dro­hen, deren Betrieb plei­te gegan­gen ist. Es geht um nicht aus­ge­zahl­ten Lohn, man­geln­de Kom­mu­ni­ka­ti­on und die Angst, nicht nach Hau­se zu kön­nen…” Repor­ta­ge von Ste­pha­nie Höpp­ner vom 20.05.2020 bei der Deut­schen Wel­le externer Link
  • Born­heim: Lohn­aus­zah­lung in Wild­west-Manier /​Rumä­ni­sche Arbeits­mi­nis­te­rin schal­tet sich ein – Insol­venz­ver­wal­ter ver­steckt sich /​Ern­te­hel­fer aus Born­heim kön­nen auf ande­ren Höfen arbei­ten – leh­nen aber gleich schlech­te Bedin­gun­gen ab 
    • Born­heim: Lohn­aus­zah­lung in Wild­west-Manier
      Am heu­ti­gen Mitt­woch, den 20.05.2020, fin­den auf dem insol­ven­ten Spar­gel­gut Rit­ter in Born­heim bei Bonn wie­der Lohn­aus­zah­lun­gen statt. Die Arbeiter*innen wer­den dazu von der Fir­men­lei­tung des Insol­venz­ver­wal­ters Dr. Andre­as Schul­te-Beck­hau­sen in Grup­pen von je 10 Per­so­nen auf­ge­teilt und mit 10 Bus­sen an 10 ver­schie­de­ne, nicht genann­te Orte ver­bracht. Jeder die­ser Bus­se wird beglei­tet von Secu­ri­ty aus dem Rocker­mi­lieu. Dem Anwalt der Frei­en Arbei­te­rin­nen- und Arbei­ter-Uni­on (FAU) wur­de Zutritt zum ers­ten Bus und zur ers­ten Lohn­aus­zah­lung gewährt. Nach Anga­ben des Ein­satz­lei­ters der Poli­zei soll der Anwalt im Anschluss zusam­men mit dem Beauf­trag­ten der Fir­ma zu den wei­te­ren Lohn­aus­zah­lun­gen gebracht wer­den. Wei­te­ren Vertreter*innen der Gewerk­schaft wur­de der Zugang ver­wei­gert. Bei der Abfahrt der Bus­se ver­such­te die Poli­zei, durch eine Blo­cka­de der Stra­ße, zu ver­hin­dern, dass Fahr­zeu­ge der Gewerk­schaft die Bus­se zu den Aus­zah­lungs­stel­len beglei­ten. Die FAU Bonn ver­ur­teilt die­se Art und Wei­se der Lohn­aus­zah­lung in Wild­west-Manier, unter den Augen der Secu­ri­ty des Unter­neh­mers aber ohne gewerk­schaft­li­che Beglei­tung…” Pres­se­mit­tei­lung der FAU Bonn vom 20. Mai 2020 externer Link
    • Spar­gel­streik Born­heim: Rumä­ni­sche Arbeits­mi­nis­te­rin schal­tet sich ein – Insol­venz­ver­wal­ter ver­steckt sich
      Die Aus­ein­an­der­set­zung zwi­schen den strei­ken­den Arbeiter*innen und der Insol­venz­ver­wal­tung des Spar­gel­gut Rit­ter setz­te sich am Diens­tag den 19.05.2020 fort. Die Arbeiter*innen zogen vor die Kanz­lei der Insol­venz­ver­wal­ter Schul­te-Beck­hau­sen und Bühs und hiel­ten dort mit der FAU Bonn eine Kund­ge­bung ab. Dabei woll­ten sie den Insol­venz­ver­wal­ter mit ihren Lohn­for­de­run­gen kon­fron­tie­ren. Die­ser war jedoch nicht anzu­tref­fen, die Kanz­lei war ver­waist. Ledig­lich auf einem Zet­tel in der Tür wur­de gebe­ten auf unan­ge­mel­de­te Besu­che zu ver­zich­ten. Die Arbeiter*innen hiel­ten den­noch eine kämp­fe­ri­sche Kund­ge­bung ab und mach­ten ihrem Ärger über die kri­mi­nel­len Zustän­de Luft, indem sie immer wie­der „Mafia! Mafia!“ rie­fen. Danach zog die Demons­tra­ti­on zum rumä­ni­schen Kon­su­lat in Bonn. Dort kamen sie mit dem Kon­sul ins Gespräch, der ihnen sei­ne Unter­stüt­zung ver­si­cher­te. Die rumä­ni­sche Minis­te­rin für Arbeit und Sozia­les Vic­to­ria Vio­le­ta Alex­an­dru befin­det sich gera­de auf Deutsch­land­rei­se, um sich über die Arbeits­be­din­gun­gen rumä­ni­scher Sai­son­ar­bei­ter zu infor­mie­ren. Sie wur­de über die Situa­ti­on in Born­heim infor­miert und wird am Mitt­woch ein­tref­fen, um sich ein Bild der Lage zu ver­schaf­fen. Wie die FAU Bonn in Erfah­rung brin­gen konn­te, liegt in dem Con­tai­ner­dorf von Spar­gel­Rit­ter gegen­wär­tig eine Per­son die sich bei einem Unfall auf dem Betriebs­ge­län­de ver­letzt hat. Sie wur­de im April ope­riert und ist seit­dem weit­ge­hend bewe­gungs­un­fä­hig. Sie kann nicht lan­ge sit­zen, es ist unklar, ob Kran­ken­geld aus­ge­zahlt wird. Wir for­dern daher: Aus­zah­lung des Kran­ken­gel­des, medi­zi­ni­sche Ver­sor­gung und eine Rück­rei­se der ver­letz­ten Per­son per Flug­zeug. Peter Zei­sig, Akti­vist der FAU Bonn: „Die Far­ce bei Spar­gel Rit­ter muss jetzt been­det wer­den. Die Löh­ne müs­sen aus­be­zahlt wer­den, Kran­ke müs­sen ordent­lich ver­sorgt wer­den. Es ist uner­träg­lich, dass die­ser Zustand andau­ert.“” Pres­se­mit­tei­lung vom 20. Mai 2020 von und bei der FAU Bonn externer Link
      • [FAU Bonn] Unse­re For­de­run­gen
        Als mehr­heit­lich ver­tre­te­ne Gewerk­schaft in ihren Betrieb stel­len wir im Namen der auf dem Betriebs­ge­län­de unter­ge­brach­ten Arbeitnehmer*innen fol­gen­de For­de­run­gen: 1.Allen Arbeitnehmer*innen wer­den 3 Monats­löh­ne aus­ge­zahlt. Der Monats­lohn ori­en­tiert sich an 30 Arbeits­stun­den pro Woche, ver­gü­tet zu 9,35 pro Stun­de. 2. Alle Arbeitnehmer*innen die dies wün­schen, wer­den bei der Wei­ter­ver­mitt­lung an ande­re Betrie­be unter­stützt. 3. Allen Arbeiter*innen die dies wün­schen, wird eine Rück­rei­se in ihre Hei­mat­or­te orga­ni­siert. Die Kos­ten der Rück­rei­se wer­den vom Arbeit­ge­ber über­nom­men. Bei Arbeitnehmer*innen bei denen dies medi­zi­nisch ange­zeigt ist, wer­den die Kos­ten eines Kran­ken­rück­trans­ports über­nom­men. 4. Allen Arbeiter*innen steht für Krank­heits­ta­ge ein Kran­ken­geld zu. Die­se stellt sich als regu­lä­re Lohn­fort­zah­lung dar.” Basis­ge­werk­schaft Freie Arbeiter*innen Uni­on Bonn am 20. Mai 2020 externer Link
    • Ern­te­hel­fer aus Born­heim kön­nen auf ande­ren Höfen arbei­ten
      Der Streik von Ern­te­hel­fern bei Spar­gel Rit­ter in Born­heim hält auch am Mitt­woch an. Die rumä­ni­sche Arbeits­mi­nis­te­rin macht sich selbst ein Bild vor Ort. Die Spar­gel­ern­te ist der­weil ein­ge­stellt. (…) Bei dem Besuch der Minis­te­rin geht es um die Zukunft der Arbei­ter. Denn Insol­venz­ver­wal­ter Andre­as Schul­te-Beck­hau­sen, der die Geschäf­te führt und der dem ehe­ma­li­gen Chef Claus Rit­ter Haus­ver­bot erteilt hat, hat die Ern­te vor­zei­tig abbre­chen las­sen. Zunächst die Spar­gel­ern­te, da die­se sich wäh­rend der Coro­na-Kri­se man­gels Restau­rants als Abneh­mern nicht gelohnt habe. Dass es nun auch mit der Ern­te der Erd­bee­ren vor­bei ist, liegt einem Spre­cher von Schul­te-Beck­hau­sens Kanz­lei zufol­ge dar­an, dass er die Sicher­heit auf den Fel­dern nicht mehr gewähr­leis­ten kön­ne. Des­halb habe er die „Reiß­lei­ne“ gezo­gen. (…) Rumä­ni­ens Arbeits­mi­nis­te­rin Alex­an­dru sprach am Mitt­woch erst ein­mal hin­ter ver­schlos­se­nem Tor mit den Ern­te­hel­fern. Die­se geben ein­zel­ne Gesprächs­fet­zen über den Zaun wei­ter, wo sie von Dol­met­schern an die Men­ge aus Gewerk­schaf­tern, Jour­na­lis­ten und Akti­vis­ten über­setzt wer­den. Einer der Akti­vis­ten ist Erich Moca­nu. Der Mann mit den rumä­ni­schen Wur­zeln leb­te laut eige­ner Aus­sa­ge 17 Jah­re in Bonn, ehe es ihn in den Süden Deutsch­lands gezo­gen hat. Moca­nu ist nach eige­nen Anga­ben Grün­der des Ver­eins „Auch Engel brau­chen Schutz­en­gel“, der sich für Men­schen in Not, ins­be­son­de­re für Rumä­nen, ein­setzt. Wegen der Coro­na­vi­rus-Pan­de­mie sei die Situa­ti­on auf den Höfen eska­liert, sagt er. In Born­heim kom­me das Pro­blem der Insol­venz noch dazu. Die Lohn­zah­lun­gen, so zeigt sich Moca­nu über­zeugt, pass­ten „vor­ne und hin­ten nicht“. Für die Medi­en­ver­tre­ter gibt es Infor­ma­tio­nen aus ers­ter Hand erst, nach­dem sich das Tor nach etwa andert­halb Stun­den wie­der öff­net. Alle Arbei­ter könn­ten auf ande­ren Höfen wei­ter arbei­ten, sagt Alex­an­dru. Umge­setzt wer­de dies mit Hil­fe des Deut­schen Bau­ern­ver­bands. Prä­fe­ren­zen der Ern­te­hel­fer mit Blick auf ihren Ein­satz­ort wür­den berück­sich­tigt. Wer lie­ber nach Hau­se wol­le, bekom­me von Schul­te-Beck­hau­sen Unter­stüt­zung bei der Rück­rei­se…” Arti­kel von Sven West­b­rock vom 20. Mai 2020 im Gene­ral Anzei­ger online externer Link, sie­he aber auch:
      • Update zur Betriebs­be­sich­ti­gung ges­tern Abend bei einem poten­ti­el­len neu­en Arbeit­ge­ber: Die Unter­künf­te sind auch dort kata­stro­phal und daher hat sich die Grup­pe dage­gen ent­schie­den, dort zu Arbei­ten. #Born­heim­streik #Born­heimMel­dung von @FAUBonn am 21.5. bei Twit­ter externer Link
    • Ern­te­hel­fer: Wei­ter Kri­tik an Arbeits­be­din­gun­gen – Bot­schaf­ter und Arbeits­mi­nis­te­rin for­dern Bes­se­rung
      “… Nach den Pro­tes­ten auf dem Spar­gel­hof bei Bonn mel­de­te sich in der Cau­sa der Bot­schaf­ter Rumä­ni­ens in Ber­lin, Emil Hurezea­nu, zu Wort. Er ver­si­cher­te, dass die Arbei­ter ihren Lohn erhal­ten wür­den, gege­be­nen­falls vom Staat Deutsch­land. Die Coro­na-Kri­se spie­ge­le ein chro­ni­sches Pro­blem, die Ungleich­heit auf dem euro­päi­schen Arbeits­markt, wider. Pro­tes­tie­ren­de wären zum Rumä­ni­schen Kon­su­lat in Bonn gekom­men und hät­ten mit Arbeits­mi­nis­te­rin Vio­le­ta Alex­an­dru gespro­chen…” dpa-Mel­dung vom 20. Mai 2020 in der Allg. deut­schen Zei­tung für Rumä­nen externer Link
    • Ana­ly­se zu dem Betrieb aus Born­heim: Wie Spar­gel Rit­ter in sei­ne wirt­schaft­li­che Lage geriet
      Rück­la­gen gab es bei Spar­gel Rit­ter in Born­heim offen­bar kei­ne. Der Insol­venz­ver­wal­ter berich­tet den Gläu­bi­gern von unter­neh­me­ri­schen Fehl­ent­schei­dun­gen und feh­len­dem Eigen­ka­pi­tal…” Eine Ana­ly­se von Clau­dia Mahn­ke vom 20. Mai 2020 im Gene­ral Anzei­ger online externer Link
    • [Video] Wil­der Streik von Erntehelfer*innen in Born­heim
      Das was wir am 18. Mai beim wil­den Streik der Erntehelfer*innen in Born­heim bei Bonn erlebt haben, lässt sich schwer in Wor­te fas­sen. Auch die­ses Video kann nur einen klei­nen Ein­druck von dem her­aus­ra­gen­den Cha­rak­ter die­ses Kamp­fes tras­por­tie­ren. Die unmensch­li­che Behand­lung der Bos­se den Arbeiter*innen gegen­über. Auf der ande­ren Sei­te die unglaub­li­che Wut der Arbeiter*innen über die­se Zustän­de. Die Erschöp­fung nach Tagen der Aus­ein­an­der­set­zung, die unend­li­chen Stun­den unter der Pral­len Son­ne, die sich über­schla­gen­den Ereig­nis­se, die sich sten­dig ver­än­dern­de Situa­ti­on und dann noch die Klassenverräter*innen Cops die ihre Funk­ti­on erfül­len und damit auf der Sei­te der Bos­se ste­hen. Von uns gibt es hier dies­mal kei­ne Ana­ly­se, kei­ne Aus­wer­tung, kei­ne wei­te­ren Über­le­gun­gen und kei­ne gro­ßen Wor­te – nur Aner­ken­nung für die Genoss*innen der FAU was sie in die­sem Kampf leis­ten. Sowie die Hoff­nung, dass die klei­ne Gegen­macht von unten die sich hier auf­tut den For­de­run­gen der Arbeiter*innen zum Durch­bruch ver­hel­fen, dass durch die­sen Kampf am Ende ein rea­ler mate­ri­el­ler Effekt für alle steht. Die gewon­ne­nen Erfah­run­gen der Soli­da­ri­tät und der Selbst­er­mäch­ti­gung las­sen sich sowie­so nicht mehr neh­men… HOCH MIT DENEN DIE KÄMPFEN!” Video von Die Platt­form Ruhr vom 20.05.2020 bei you­tube externer Link
  • [20. Mai] Spar­gel­streik Born­heim geht wei­ter – Insol­venz­ver­wal­ter kün­digt Ver­trei­bung aus den Wohn­con­tai­nern an – Rumä­ni­sche Arbeits­mi­nis­te­rin ein­ge­schal­tet /​Spen­den­auf­ruf: Unter­stützt die Erntearbeiter*innen in ihrem Kampf um Lohn und Wür­de! 
    • Spar­gel­streik Born­heim geht wei­ter – Rumä­ni­sche Arbeits­mi­nis­te­rin ein­ge­schal­tet
      Die Aus­ein­an­der­set­zung um nicht aus­ge­zahl­te Löh­ne zwi­schen strei­ken­den Arbeiter*innen und der Insol­venz­ver­wal­tung des Spar­gel­gut Rit­ter in Born­heim bei Bonn setz­te sich am gest­ri­gen Diens­tag fort. Seit Frei­tag strei­ken meh­re­re Hun­dert über­wie­gend rumä­ni­sche Ernte-Arbeiter*innen. Ges­tern hiel­ten sie mit Unter­stüt­zung der Gewerk­schaft FAU eine Kund­ge­bung vor die Bon­ner Kanz­lei der Insol­venz­ver­wal­ter Schul­te-Beck­hau­sen und Bühs ab. Dabei for­der­ten sie die unver­züg­li­che Aus­zah­lung ihres ver­trag­lich abge­si­cher­ten Loh­nes. Sie mach­ten ihrem Ärger über die kri­mi­nel­len Zustän­de mit „Mafia! Mafia“-Sprechchören Luft. Danach zogen sie mit einer Demons­tra­ti­on zum rumä­ni­schen Kon­su­lat in Bonn. Dort kamen sie mit dem Kon­sul ins Gespräch, der ihnen sei­ne Unter­stüt­zung ver­si­cher­te. Die rumä­ni­sche Minis­te­rin für Arbeit und Sozia­les Vic­to­ria Vio­le­ta Alex­an­dru wur­de über die Situa­ti­on in Born­heim infor­miert und wird am heu­ti­gen Mitt­woch ein­tref­fen, um sich vor Ort per­sön­lich ein Bild der Lage zu ver­schaf­fen. Wie die Gewerk­schaft FAU Bonn in Erfah­rung brin­gen konn­te, liegt in einem Con­tai­ner­dorf von Spar­gel­Rit­ter, in dem über 200 Per­so­nen unter­ge­bracht sind, gegen­wär­tig eine Per­son die sich bei einem Unfall auf dem Betriebs­ge­län­de ver­letzt hat. Sie wur­de im April ope­riert und ist seit­dem weit­ge­hend bewe­gungs­un­fä­hig. Die Gewerk­schaft for­dert die Aus­zah­lung eines Kran­ken­gel­des, medi­zi­ni­sche Ver­sor­gung und eine Rück­rei­se der ver­letz­ten Per­son per Flug­zeug. Erik Hage­dorn, Spre­cher der FAU Bonn, dazu: „Bei Spar­gel­Rit­ter sehen wie die Aus­beu­tung in der deut­schen Land­wirt­schaft wie unter dem Brenn­glas. Die sofor­ti­ge Aus­zah­lung der Löh­ne ist das Min­des­te. Danach müs­sen die unhalt­ba­ren Lebens- und Arbeits­be­din­gun­gen von Saisonarbeiter*innen ver­bes­sert wer­den. Jeder Mensch hat das Recht auf einen fai­ren Lohn und ein Leben in Wür­de.“ Auch am heu­ti­gen Mitt­woch wer­den die Spargelarbeiter*innen ihren Streik fort­set­zen. Wir infor­mie­ren auf Twit­ter lau­fend über den aktu­ells­ten Stand der Din­ge. Der Insol­venz­ver­wal­ter kün­dig­te an, ab heu­te die wei­te­re Nut­zung der Wohn­con­tai­ner zu unter­sa­gen. Zu einer Pres­se­kon­fe­renz und wei­te­ren Pro­test­ak­tio­nen wer­den wir geson­dert ein­la­den. Wir bit­ten auf Grund der dyna­mi­schen Situa­ti­on um Fle­xi­bi­li­tät.” FAUD-News­let­ter am 20.5.2020 per e‑mail, sie­he dazu:
    • Mor­gen [20.5.] ist der Stich­tag an dem die Arbeiter*innen aus der Unter­kunft ver­wie­sen wer­den sol­len. Wenn ihr also könnt, schaut bei unse­rem Streik­pos­ten bei der Unter­kunft vor­bei. Wir wer­den den gan­zen Tag prä­sent sein.” FAU Bonn bei Twit­ter: @FAUBonn
    • Streik von Ern­te­hel­fern: »Skan­da­lös, was in unse­rem Land mög­lich ist«
      Aus­beu­tung auf deut­schem Spar­gel­hof: Ost­eu­ro­päi­sche Ern­te­hel­fer weh­ren sich gegen schlech­te Bezah­lung. Ein Gespräch mit Erik Hage­dorn (…) Am Mon­tag hat­ten wir noch gedacht, den Arbeits­kampf been­den zu kön­nen, da es am Abend Lohn­zah­lun­gen gab. Bei genau­em Hin­se­hen stell­ten sich die­se aber als lächer­lich her­aus. Die Per­son, die es am schlimms­ten traf, erhielt nach Abzug der Kos­ten für ihre Unter­kunft und das Essen fünf Euro! Ande­re wur­den mit 50 oder 150 Euro abge­speist – wobei es sich um den Arbeits­lohn für etwa zwei Wochen gehan­delt haben soll. Man­che schuf­ten schon seit einem Monat dort. Die höchs­te uns bekann­te aus­ge­zahl­te Sum­me in einem Ein­zel­fall beträgt 1.200 Euro, ande­re haben dage­gen noch kei­nen Lohn erhal­ten. Genaue­res wis­sen wir nicht, weil die Berech­nun­gen völ­lig intrans­pa­rent sind. Das Unter­neh­men Rit­ter ist seit Mit­te Febru­ar insol­vent. Ver­ant­wort­lich für das Aus­zah­len und den Betrieb ist der Insol­venz­ver­wal­ter Andre­as Schul­te-Beck­hau­sen. Am Diens­tag waren wir mit mehr als 100 FAU-Gewerk­schaf­tern, Strei­ken­den und Unter­stüt­zern vor des­sen Kanz­lei in Bonn und haben eine Demo zum rumä­ni­schen Kon­su­lat gemacht. Wir wer­den die Öffent­lich­keit infor­mie­ren, was hier vor sich geht. Die­se Men­schen wis­sen nicht ein­mal, wie sie ihre Heim­rei­se bezah­len sol­len. (…) In den Ver­trä­gen der Leih­ar­bei­te­rin­nen und ‑arbei­ter steht, dass sie pro Kis­te geern­te­te Erd­bee­ren 3,35 Euro erhal­ten. Sie muss­ten sich aller­dings selbst notie­ren, wie vie­le sie abge­ge­ben haben. 13 Euro pro Tag soll­ten ihnen abge­zo­gen wer­den: für Unter­brin­gung in Con­tai­nern, Strom, Was­ser und Essen. Die Arbei­te­rin­nen und Arbei­ter sind sich aber nicht sicher, wie­viel sie für all das tat­säch­lich zah­len müs­sen. Münd­lich sei ihnen mehr­fach mit­ge­teilt wor­den, die Kos­ten wären gestie­gen. Unse­rer Mei­nung nach wer­den sie übel aus­ge­beu­tet. Die FAU hat nun viel Papier­kram zu erle­di­gen. Wir müs­sen bilan­zie­ren, wie­viel Geld die ein­zel­nen jeweils bekom­men müs­sen. [Wer­den die Arbei­ter nun gefeu­ert?] Nach unse­rer Infor­ma­ti­on hat der Insol­venz­ver­wal­ter ent­schie­den, die Ern­te abzu­bre­chen und die Arbeit ein­zu­stel­len. Die Men­schen aber haben teil­wei­se bis Mit­te Juni befris­te­te Arbeits­ver­trä­ge. Ent­spre­chen­der Arbeits­lohn wur­de ihnen zuge­si­chert. Dar­an muss er sich hal­ten. Das wol­len wir durch­set­zen. (…) Wir konn­ten Mut machen, das Rück­grat stär­ken. Arbei­te­rin­nen und Arbei­ter wei­ger­ten sich, Auf­he­bungs­ver­trä­ge zu unter­schrei­ben, die sie wegen man­geln­der Sprach­kennt­nis­se nicht mal hät­ten ver­ste­hen kön­nen. Wir konn­ten auch durch­set­zen, dass die Lohn­zah­lun­gen im Bei­sein unse­res Anwalts statt­fan­den. Er ver­ein­bar­te, dass durch das Anneh­men des Lohns kei­ne wei­te­ren Ansprü­che ver­wirkt wer­den…” Inter­view von Git­ta Düper­thal in der jun­gen Welt vom 20.05.2020 externer Link – Erik Hage­dorn ist Spre­cher der Basis­ge­werk­schaft Freie Arbei­te­rin­nen- und Arbei­ter­uni­on (FAU)
    • Wir erin­nern drin­gend an den Spen­den­auf­ruf (s.u.)
  • Kund­ge­bung vor der Insol­venz-Kanz­lei Schul­te-Beck­hau­sen in Bonn nach skan­da­lö­sen “Lohn­aus­zah­lun­gen” am Vor­tag /​Spen­den­auf­ruf: Unter­stützt die Erntearbeiter*innen in ihrem Kampf um Lohn und Wür­de 
    • Spen­den­auf­ruf: Unter­stützt die Erntearbeiter*innen in ihrem Kampf um Lohn und Wür­de
      Nach­dem die Arbeiter*innen bis­her nur unvoll­stän­dig bezahlt wur­den, ent­schlos­sen sie sich die­se Situa­ti­on nicht mehr hin zu neh­men. Die FAU Bonn unter­stütz die­sen Kampf um Lohn und Wür­de vor Ort seit­dem die Arbeiter*Innen am Frei­tag spon­tan in den Streik getre­ten sind. Lei­der waren wir im ver­lau­fe des Kon­flik­tes gezwun­gen auch juris­ti­schen Bei­stand zu orga­ni­sie­ren. Um die­sen zu bezah­len, die Kolleg*innen in ihrem Kampf wei­ter aktiv unter­stüt­zen zu kön­nen und um den Kolleg*innen über die öko­no­mi­sche Kri­se, die der Insol­venz­ver­wal­ter zu ver­ant­wor­ten hat hin­weg zu hel­fen, beno­ti­gen wir eure Spen­den. Ihr könnt die­se ab sofort auf die­ses Kon­to über­wei­sen: FAU, IBAN: DE25 3506 0386 1112 5200 05, BIC: GENODED1VRR, Ver­wen­dungs­zweck: Spar­gel Rit­terAuf­ruf der FAU Düs­sel­dorf externer Link , dem wir uns anschlie­ßen
    • Arbeits­kampf bei Spar­gel Rit­ter – Wei­ter gehts! Lau­fen­de Bericht­erstat­tung der FAU Düs­sel­dorf externer Link. Wir ver­wei­sen auf und emp­feh­len die lau­fen­de Bericht­erstat­tung auf Twit­ter durch: FAU Bonn externer Link, Den­nis Pesch externer Link, Bil­der von und bei die platt­form externer Link. Eine Zusam­men­fas­sung der Twit­ter-Threads gibt es bei Klas­se­ge­gen­klas­se externer Link – sie­he auch #Born­heim­Streik #bn1905 #Born­heim #Schul­te­Beck­hau­sen­PayThe­Wor­kers
    • Aus­ge­beu­tet, gestreikt, gekün­digt: Feld­ar­bei­ter pro­tes­tie­ren gegen Hun­ger­löh­ne, mie­se Unter­künf­te und Ver­sor­gung
      “… Eine Arbei­te­rin ergreift das Wort. Sie erzählt, dass sie seit dem 18. April auf dem Hof im Rhein­land arbei­tet. Aus­ge­zahlt wur­den ihr dafür bis­her gera­de mal 170 Euro. Jetzt soll sie vor die Tür gesetzt wer­den. Die Gas­tro­no­mie neh­me kei­nen Spar­gel mehr ab, für die Ern­te von Erd­bee­ren kön­ne man sie nicht gebrau­chen. Ob, wann und wie sie und die ande­ren Arbei­ter aus­be­zahlt wer­den, ist unge­wiss. (…) Das Fami­li­en­un­ter­neh­men, für das die Rumä­nen arbei­ten, ist bereits seit Mit­te Febru­ar insol­vent. Was im Betrieb geschieht, ent­schei­det Insol­venz­ver­wal­ter Andre­as Schul­te-Beck­hau­sen. Er behaup­te­te gegen­über dem »Bon­ner Gene­ral­an­zei­ger«, die Arbei­ter sei­en selbst schuld am schlech­ten Zustand der Unter­künf­te. Sie hät­ten ver­hin­dert, dass Rei­ni­gungs­kräf­te put­zen könn­ten. Er habe des­halb Sicher­heits­leu­te enga­giert, damit geputzt wer­den kön­ne. Seit Sams­tag sei­en die Con­tai­ner sau­ber. Akti­ve der FAU wol­len sich davon am Mon­tag selbst ein Bild machen. Doch Schul­te-Beck­hau­sen ver­wei­gert den Ver­tre­tern der anar­cho­syn­di­ka­lis­ti­schen Gewerk­schaft den Zutritt zu den Unter­künf­ten. Begrün­dung: Er müs­se erst klä­ren, ob die Con­tai­ner zum Betriebs­ge­län­de gehö­ren. (…) Am Mit­tag ste­hen FAU-Akti­vis­ten und Ern­te­hel­fer am Hof­ein­gang. Die Arbei­ter haben Ver­trä­ge für drei Mona­te unter­schrie­ben. Die­se sol­len nun vor­zei­tig auf­ge­ho­ben wer­den. Die in ihnen ver­merk­te Kün­di­gungs­frist beträgt nur einen Tag. Die Frau­en und Män­ner sind auf die Ein­künf­te von drei Mona­ten ange­wie­sen. Die FAU möch­te hel­fen, doch die Kom­mu­ni­ka­ti­on mit dem Insol­venz­ver­wal­ter gestal­tet sich schwie­rig. Gegen 15 Uhr spitzt sich die Situa­ti­on zu. Plötz­lich heißt es, die Aus­zah­lung der aus­ste­hen­den Löh­ne sol­le auf dem Hof statt­fin­den. Etwa 100 Per­so­nen lau­fen dar­auf­hin vom Con­tai­ner­dorf zum Hof. Dort erwar­tet sie eine Poli­zei­ket­te, auch zwei Sicher­heits­män­ner sind da. Geld soll es nur für Men­schen geben, die auf einer omi­nö­sen Lis­te ste­hen, heißt es. Gewerk­schaf­tern und einem von der FAU enga­gier­ten Anwalt wird der Zugang zum Ort der Lohn­aus­zah­lung zunächst ver­wei­gert. Spä­ter darf der doch dabei sein. Am spä­ten Nach­mit­tag einigt man sich auf Zah­lun­gen in Höhe von 600 bis 700 Euro für die bis­her geleis­te­te Arbeit. Die FAU und der Anwalt stre­ben außer­dem eine arbeits­recht­li­che Klä­rung an, ob wei­te­re Ansprü­che bestehen.” Bericht von Sebas­ti­an Wei­er­mann aus Born­heim am 18.05.2020 im ND online externer Link
  • [Demo am Mon­tag, 18. Mai 2020, 9:00 Uhr in Born­heim] Geld her! Soli­da­ri­tät mit den Erntehelfer*innen im Born­hei­mer Spar­gel­streik! 
    • Auf­ruf zur Demons­tra­ti­on für mor­gen 9 Uhr, Am Ühl­chen 53332 Born­heim
      “… Am Diens­tag müs­sen die Erntehelfer*innen ihr Unter­künf­te ver­las­sen und müs­sen zuse­hen, wo sie blei­ben. Die ca. 250 Per­so­nen ste­hen vor der Obdach­lo­sig­keit und ste­hen kurz davor, ohne das drin­gend benö­tig­te Geld für sich und ihre Fami­li­en heim­rei­sen zu müs­sen. Aus Pro­test wur­de die Arbeit am Frei­tag nie­der­ge­legt. Die­sen Pro­test unter­stüt­zen wir und for­dern euch alle auf, an die­sem Pro­test teil­zu­neh­men! Wir soli­da­ri­sie­ren uns mit den Arbeiter*innen und for­dern gemein­sam mit den Arbeiter*innen die Aus­zah­lung der zuste­hen­den Löh­ne. Wei­ter­hin weh­ren wir uns gegen die aus­beu­te­ri­sche, men­schen­un­wür­di­ge Unter­brin­gung und Ver­sor­gung der Beschäf­tig­ten. Wir rufen zur Unter­stüt­zung und zur Selbst­or­ga­ni­sa­ti­on aller in ver­gleich­ba­ren Situa­tio­nen auf, denn Born­heim ist kein Ein­zel­fall…” Auf­ruf der FAU Bonn vom 17. Mai 2020 externer Link
    • Treff­punkt: Mon­tag, 18. Mai 2020, 9:00 Uhr | Am Ühl­chen 19, 53332 Born­heim | RB 48 /​Hal­te­stel­le Rois­dorf-Born­heim (2,4 km Fuß­weg) | KVB Linie 18 /​Hal­te­stel­le Born­heim (1,5 km Fuß­weg) Bringt Brot, Käse und Saft und ande­re Lebens­mit­tel-Spen­den mit!Auf­ruf der Akti­on Arbeits­un­recht im Bei­trag vom 17.5.2020 externer Link: “Geld her! Born­hei­mer Spar­gel­streik: Rumä­ni­sche Ern­te­hel­fer weh­ren sich. Demo Mon­tag 9:00” mit wei­te­ren Infos und Hin­ter­grün­den zur Insol­venz bei Rit­ter
  • Aktu­ell wer­den die Arbeiter*innen bei Spar­gel Rit­ter ein­zeln in ein Büro gebe­ten. Dar­in sind 2 Anwäl­te die sie unter Druck set­zen einen Auf­he­bungs­ver­trag zu unter­schrei­ben den sie vor­her nicht lesen durf­ten…” Lau­fen­de Bericht­erstat­tung der FAU Bonn bei Twit­ter externer Link – neu­es­te Mel­dung am 18.5. externer Link: “Alle Arbeiter*innen haben den Ort der “Lohn­aus­zah­lung” ziem­lich ange­pisst ver­las­sen. Buch­hal­te­rin wei­ter­hin in Büro ein­ge­schlos­sen.”
  • Sie­he auch: Erik Hage­dorn von der @FAUBonn erzählt wor­um es beim Streik der Feld­ar­bei­ter bei Spar­gel Rit­ter in #Born­heim geht. #Born­heim­Streik. Video bei Twit­ter externer Link
  • Spar­gel Rit­ter ver­wei­gert Gewerk­schaf­tern den Zutritt
    Kri­tik an Bedin­gun­gen für Ern­te­hel­fer: Spar­gel Rit­ter ver­wei­gert der „Frei­en Arbei­te­rin­nen Uni­on“ Zutritt zu den Unter­künf­ten in Born­heim. Gewerk­schaf­ter wol­len heu­te pro­tes­tie­ren. Der Sicher­heits­dienst des insol­ven­ten Gemü­se-Anbau­ers Spar­gel Rit­ter hat am Sonn­tag Mit­glie­der der Frei­en Arbei­te­rin­nen Uni­on (FAU) dar­an gehin­dert, die Unter­künf­te der Ern­te­hel­fer in Born­heim zu besich­ti­gen. Nach Berich­ten von mas­si­ven Miss­stän­den mit Blick auf Unter­brin­gung, Ver­pfle­gung und Schutz vor dem Coro­na­vi­rus woll­ten sich die Gewerk­schaf­ter selbst ein Bild von der Situa­ti­on im Con­tai­ner­dorf an der Klär­an­la­ge machen. Recht­lich ist die Gewerk­schaft dazu auch berech­tigt, da drei Ern­te­hel­fer Mit­glied sei­en, so FAU-Spre­cher Erik Hage­dorn. Nach Rück­spra­che mit einem Anwalt für Arbeits­recht habe man sich jedoch dage­gen ent­schie­den, die Poli­zei hin­zu­zu­zie­hen, da von die­ser kei­ne Hil­fe zu erwar­ten sei. Am heu­ti­gen Mon­tag­mor­gen wol­len er und sei­ne Kol­le­gen vor der Unter­kunft der rumä­ni­schen Arbei­ter demons­trie­ren und noch­mals ver­su­chen, sich Zugang zu ver­schaf­fen. (…) Mit Unter­stüt­zung einer Dol­met­sche­rin berich­te­ten dem Gene­ral-Anzei­ger am Sonn­tag zwei Arbei­te­rin­nen davon, dass sie für April ledig­lich 50 bezie­hungs­wei­se 105 Euro erhal­ten hät­ten – Beträ­ge, bei denen es sich eigent­lich nur um Vor­schüs­se han­deln kann. Für Mai sei­en sie noch gar nicht bezahlt wor­den. Dass sie für das Erd­beer-Pflü­cken im Akkord bezahlt wer­den, ihre deut­schen Kol­le­gen aber einen fes­ten Stun­den­lohn von zehn Euro bekom­men, stört die rumä­ni­schen Frau­en nicht. Wich­tig ist ihnen, dass sie ihren Lohn über­haupt bekom­men. Am heu­ti­gen Mon­tag soll es laut Gewerk­schaft so weit sein. Für 8 Uhr mor­gens sei eine Aus­zah­lung der Arbei­ter ange­setzt wor­den. Hage­dorn und sei­ne Kol­le­gen wol­len dann wie­der vor Ort sein und gegen die Bedin­gun­gen bei Spar­gel Rit­ter demons­trie­ren…” Arti­kel von Sven West­b­rock und Chris­toph Meu­rer vom 18. Mai 2020 im Gene­ral­an­zei­ger Bonn online externer Link
  • FAU Bonn über­nimmt Ver­tre­tung der strei­ken­den Spargelbäuer*innen in Born­heim
    Seit Frei­tag befin­den sich Saisonarbeiter*innen bei Spar­gel Rit­ter in Born­heim im Aus­stand. Der Haupt­grund ist ein Ver­trags­bruch des Arbeit­ge­bers, der sich bis­her wei­gert, aus­ste­hen­de Löh­ne zu zah­len. Arbeiter*innen haben nun das All­ge­mei­ne Syn­di­kat der FAU Bonn beauf­tragt, ihre Inter­es­sen zu ver­tre­ten. Die Lage der Arbeiter*innen ist bedroh­lich: Ihnen wur­de ange­kün­digt, dass bis Diens­tag die Unter­künf­te ver­las­sen müs­sen. Sie haben nicht ein­mal genug Geld, um in ihre Hei­mat zurück­zu­keh­ren. Sie ste­hen also vor der Obdach­lo­sig­keit. Neben den feh­len­den Löh­nen bekla­gen die Arbeiter*innen ver­rot­te­tes Essen, man­gel­haf­te Coro­na Schutz­maß­nah­men sowie Über­fül­lung und feh­len­des Warm­was­ser. Der Arbeit­ge­ber ver­stößt nicht nur durch Vor­ent­hal­tung des Lohns gegen gel­ten­des Recht: aktu­ell ver­wei­gert der Sicher­heits­dienst Gewerk­schafts­an­ge­hö­ri­gen den Zugang zum Betriebs­ge­län­de. Erik Hage­dorn, Spre­cher der FAU Bonn: „Trotz Coro­na und Insol­venz hat man die­se Men­schen aus Rumä­ni­en hier her geholt, um Spar­gel und Erd­bee­ren zu ern­ten. Nun prellt man sie um ihren Lohn und droht ihnen mit Obdach­lo­sig­keit. Das ist blan­ke Men­schen­ver­ach­tung.“ Spar­gel Rit­ter ist insol­vent. Der Insol­venz­ver­wal­ter ist der Rechts­an­walt Dr. Schul­te-Beck­hau­sen in Bonn.Pres­se­mit­tei­lung vom 17. Mai 2020 externer Link
  • Arbeits­kampf gegen Spar­gel Rit­ter
    Seit Frei­tag, dem 15. Mai 2020 befin­den sich zahl­rei­che Arbeiter*innen die bei Spar­gel Rit­ter als Erntehelfer*innen malo­chen im Streik. Wie diver­se Medi­en berich­tet haben, geht es neben aus­ste­hen­den Löh­nen auch um die Unter­brin­gung in unbe­heiz­ten Con­tai­nern und unvoll­stän­di­ge oder gar feh­len­de Schutz­aus­rüs­tung und Auf­klä­rung über Coro­na-Pan­de­mie-Schutz­maß­nah­men. Die FAU Bonn ist seit Frei­tag­abend mit den Kolleg*Innen im Kon­takt und unter­stütz aktiv ihren Kampf…” Bei­trag vom 17.5.2020 bei der FAU Düs­sel­dorf externer Link, sie­he auch Bericht vom Besuch in #Born­heim der FAU Bonn externer Link bei Twit­ter
  • Fel­der blie­ben Frei­tag leer: Ern­te­hel­fer bei Spar­gel Rit­ter pro­tes­tie­ren gegen Miss­stän­de
    Ern­te­hel­fer des Erd­beer- und Spar­gel­hofs Rit­ter in Born­heim haben am Frei­tag die Arbeit nie­der­ge­legt. Vor einer Unter­kunft pro­tes­tier­ten die Arbei­ter gegen Lohn­aus­fall und die Zustän­de in der Unter­kunft – auch mit Blick auf die Coro­na-Pan­de­mie. Die Fel­der an der Born­hei­mer Brehm­stra­ße sind ver­waist. Auf dem angren­zen­den Hof des insol­ven­ten Land­wirt­schafts­be­triebs Spar­gel Rit­ter externer Link dage­gen haben sich am Frei­tag­vor­mit­tag eini­ge Män­ner und Frau­en ver­sam­melt. Aufs Feld wür­den sie erst mor­gen wie­der gehen, machen sie deut­lich. Wei­te­re Aus­füh­run­gen schei­tern an der Sprach­bar­rie­re. Denn die Grup­pe gehört zu den etwa 240 rumä­ni­schen Sai­son­ar­bei­tern, die in dem Betrieb der­zeit hel­fen, die Ern­te ein­zu­fah­ren. Mög­lich ist ein Gespräch dafür kurz zuvor mit der 29-jäh­ri­gen Ern­te­hel­fe­rin Roza­lia Sotri. Zwar stammt sie eben­falls aus Rumä­ni­en, spricht aber flie­ßend Deutsch, weil sie seit elf Jah­ren in der Bun­des­re­pu­blik lebt. „Leu­te, die ges­tern ihren Lohn bekom­men haben, haben nur 100 bis 200 Euro bekom­men“, berich­tet Sotri. Für einen Monat Arbeit, den sie und ihre Kol­le­gen geleis­tet hät­ten, sei das zu wenig. Auch sie habe bis­her nur drei der ver­spro­che­nen vier Vor­schuss­zah­lun­gen bekom­men, die auch noch zu nied­rig aus­ge­fal­len sei­en. Aus­blei­ben­der Lohn ist Sotri zufol­ge nicht das ein­zi­ge, was den Pro­test der Arbei­ter her­vor­ge­ru­fen hat. So berich­tet sie von schim­me­li­gem Brot und Sala­mi mit abge­lau­fe­nem Halt­bar­keits­da­tum, die als Ver­pfle­gung aus­ge­ge­ben wor­den sei­en. Ein ande­rer, inzwi­schen ehe­ma­li­ger Mit­ar­bei­ter spricht von ähn­li­chen Miss­stän­den bei der Ver­pfle­gung. Bei der Unter­brin­gung gibt es laut Sotri eben­falls Pro­ble­me. In dem aus­ge­rech­net neben einer Klär­an­la­ge gele­ge­nen Con­tai­ner­dorf tei­le sie sich ein Zim­mer mit drei ande­ren – Frau­en und Män­nern. Um nachts nicht zu frie­ren, habe sie sich auf eige­ne Kos­ten eine Elek­tro-Hei­zung anschaf­fen müs­sen…” Arti­kel von Sven West­b­rock und Axel Vogel vom 15. Mai 2020 beim beim Gene­ral-Anzei­ger online externer Link
  • Sie­he zum Hin­ter­grund auch unser Dos­sier: Ern­te­hel­fer: “Wenn man die Leu­te anstän­dig behan­delt, kom­men sie auch”

Der Bei­trag [Aus­ste­hen­de Löh­ne und Miss­stän­de in Ver­pfle­gung und Unter­brin­gung im Spar­gel­be­trieb Rit­ter] Mas­sen­pro­test von 150 Feld­ar­bei­tern in Born­heim erschien zuerst auf Labour­Net Ger­ma­ny.

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