[labournet:] Covid-19: IG BAU fordert umfassenden Schutz für Baubeschäftigte

Dossier

Coronavirus, die Hetze und der Ausnahmezustand: China im Shitstorm“Die Indus­trie­ge­werk­schaft Bau­en-Agrar-Umwelt (IG BAU) for­dert die Bau­be­trie­be auf, den umfas­sen­den Schutz ihrer Beschäf­tig­ten vor einer Covid-19-Anste­ckung sicher­zu­stel­len. „Die Arbeit am Bau erfolgt in der Regel unter frei­em Him­mel und bie­tet dort Platz für aus­rei­chend Hygie­ne­ab­stand. Den­noch exis­tie­ren am Bau beson­de­re Risi­ken, die aus­ge­schlos­sen wer­den müs­sen“, sag­te IG BAU-Bun­des­vor­stands­mit­glied Cars­ten Burck­hardt. „Die Pra­xis, Kol­le­gen in Klein­bus­sen gemein­sam auf Bau­stel­le zu fah­ren, muss geän­dert wer­den. Wir for­dern, dass ab sofort jeder mit dem eige­nen PKW fah­ren kann und ihm dafür die ent­spre­chen­den Kilo­me­ter­pau­scha­len gezahlt wer­den. Wo kei­ne Ver­sor­gung mit flie­ßend Was­ser besteht, müs­sen zum regel­mä­ßi­gen Hän­de­wa­schen und –des­in­fi­zie­ren Was­ser­con­tai­ner und Des­in­fek­ti­ons­mit­tel auf­ge­stellt wer­den. Statt engen Bau­con­tai­nern brau­chen wir Unter­stän­de für die Pau­sen unter frei­em Him­mel mit aus­rei­chend Platz. Etwai­ge Lohn-Aus­fäl­le in Fol­ge der Pan­de­mie­plä­ne sind vom jewei­li­gen Arbeit­ge­ber zu tra­gen und es ist eine Selbst­ver­ständ­lich­keit, dass die Betriebs­chefs auf beson­ders belas­te­te Mit­ar­bei­te­rin­nen und Mit­ar­bei­ter, etwa aus Risi­ko­grup­pen, Rück­sicht neh­men.“ Die Bau­wirt­schaft ist auf­grund der beson­de­ren Arbeits­be­din­gun­gen mit viel Platz im Frei­en und der anhal­tend hohen Nach­fra­ge weit weni­ger von den Ein­schrän­kun­gen der Kri­se betrof­fen, als ande­re Bran­chen. Dem­entspre­chend geht die Arbeit auf den meis­ten Bau­stel­len unver­än­dert wei­ter…“ IG BAU-Pres­se­mit­tei­lung vom 18.03.2020 externer Link, sie­he dazu nicht nur S21:

  • Flug­ha­fen Frank­furt: 17 Coro­na-Fäl­le auf Deutsch­lands größ­ter Bau­stel­le /​IG BAU wider­spricht ZDB: Abstands- und Hygie­ne­re­geln wer­den igno­riert New
    • Coro­na-Infek­tio­nen beim Neu­bau von Ter­mi­nal 3 am Frank­fur­ter Flug­ha­fen – IG BAU wider­spricht ZDB: Abstands- und Hygie­ne­re­geln wer­den igno­riert
      Unbe­dingt „Coro­na-safe“ bau­en: Die Indus­trie­ge­werk­schaft Bau­en-Agrar-Umwelt (IG BAU) hat ein­dring­lich davor gewarnt, Abstands- und Hygie­ne­re­geln auf Bau­stel­len zu igno­rie­ren. Die Gewerk­schaft berich­tet in die­sem Zusam­men­hang von aktu­el­len Coro­na-Infek­tio­nen auf Deutsch­lands größ­ter Bau­stel­le am Frank­fur­ter Flug­ha­fen. Dort sind beim Neu­bau vom Ter­mi­nal 3 in die­ser Woche nach IG BAU-Infor­ma­tio­nen bis­lang 15 Bau­ar­bei­ter posi­tiv auf das Covid-19-Virus getes­tet wor­den. Es han­de­le sich hier­bei um Bau­be­schäf­tig­te zwei­er Sub­un­ter­neh­men, die Scha­lungs- und Eisen­flecht­ar­bei­ten gemacht hät­ten, so die Bau-Gewerk­schaft. Erst zu Wochen­be­ginn hat­te IG BAU-Chef Fei­ger eine „sin­ken­de Coro­na-Dis­zi­plin auf dem Bau“ kri­ti­siert: „Vie­le Bau­un­ter­neh­men igno­rie­ren die Coro­na-Gefahr, indem sie zum alten Trott zurück­keh­ren.“ Der Zen­tral­ver­band des Deut­schen Bau­ge­wer­bes (ZDB) hat­te dar­auf­hin die Situa­ti­on her­un­ter­ge­spielt und ver­lau­ten las­sen, man tra­ge „Sor­ge dafür, dass im Arbeits­all­tag die gebo­te­nen Abstands- und Hygie­ne­vor­schrif­ten ein­ge­hal­ten wer­den kön­nen“. Genau dies ste­he aller­dings im Wider­spruch zu dem, was die IG BAU Tag für Tag auf den Bau­stel­len fest­stel­le, sagt der Arbeits­schutz-Exper­te der Gewerk­schaft, Ger­hard Citrich. „Gefähr­lich sind ins­be­son­de­re Pau­sen, bei denen Bau­ar­bei­ter dicht an dicht im Bau­wa­gen sit­zen. Eben­so Sam­mel­trans­por­te zu Bau­stel­len mit dem Bul­li. Die sind bei vie­len Fir­men schon wie­der oder immer noch gang und gäbe“, berich­tet Citrich. Auch die Hygie­ne sei auf vie­len Bau­stel­len ein enor­mes Pro­blem: „Oft haben Bau­ar­bei­ter nicht ein­mal die Mög­lich­keit, sich am Wasch­be­cken mit flie­ßen­dem Was­ser und Sei­fe die Hän­de zu waschen. Von Des­in­fek­ti­ons­mit­tel­spen­dern ganz zu schwei­gen“, berich­tet der IG BAU-Arbeits­schutz-Exper­te. Zudem sei die Unter­brin­gung von Bau­ar­bei­tern – ins­be­son­de­re bei Werk­ver­trags­be­schäf­tig­ten – ein „dunk­les Kapi­tel“. Gera­de auch hier laue­re „ein enor­mes Risi­ko einer Coro­na-Infek­ti­on“…” Pres­se­mit­tei­lung vom 06.08.2020 externer Link, sie­he auch:
    • Flug­ha­fen Frank­furt: 17 Coro­na-Fäl­le auf Deutsch­lands größ­ter Bau­stel­le
      “… Auf Deutsch­lands größ­ter Bau­stel­le haben sich 17 Bau­ar­bei­ter mit dem Coro­na­vi­rus infi­ziert. Am Wochen­en­de habe einer der Beschäf­tig­ten Sym­pto­me ver­spürt und sich beim Unter­neh­men gemel­det, heißt es vom Flug­ha­fen­be­trei­ber Fra­port. Dar­auf­hin habe man ihn und anschlie­ßend 205 Kol­le­gen umge­hend getes­tet. Die ande­ren Infi­zier­ten hät­ten kei­ne Sym­pto­me regis­triert. Alle Kol­le­gen, die mit den Betrof­fe­nen in Kon­takt gewe­sen waren, sei­en „bis auf wei­te­res in häus­li­cher Qua­ran­tä­ne“. Fra­port bestä­tig­te damit einen Bericht der Gewerk­schaft IG BAU, die aller­dings von 15 Fäl­len aus­ge­gan­gen war. Nach ihren Anga­ben han­del­te es sich Beschäf­tig­te von Sub­un­ter­neh­men. Erst zu Wochen­be­ginn hat­te die Gewerk­schaft von einer „sin­ken­den Coro­na-Dis­zi­plin auf dem Bau“ gespro­chen. Abstands- und Hygie­ne­re­geln wür­den oft nicht ein­ge­hal­ten, es feh­le mit­un­ter an Wasch­ge­le­gen­hei­ten.” Arti­kel von Falk Heu­ne­mann vom 6. August 2020 in der FAZ online externer Link
  • Bau­stel­le Stutt­gart-21: Miss­ach­tung von Coro­na-Regeln und Lohn­dum­ping /​Infek­ti­ons­fäl­le auf der Stutt­gart-21-Bau­stel­le: Coro­na im Con­tai­ner 
    • Bau­stel­le Stutt­gart-21: Miss­ach­tung von Coro­na-Regeln und Lohn­dum­ping
      Ein Sub-Sub-Unter­neh­mer, der Auf­trä­ge auf der Bau­stel­le Stutt­gart 21 aus­füh­ren lässt, steht im Ver­dacht gegen Qua­ran­tä­ne-Bestim­mun­gen ver­sto­ßen zu haben. Ein ehe­ma­li­ger Mit­ar­bei­ter beklagt zudem Lohn­dum­ping. Bei meh­re­ren Mit­ar­bei­tern eines tür­ki­schen Sub-Sub-Unter­neh­mers, der Arbei­ten auf der Bau­stel­le des Bahn­pro­jek­tes Stutt­gart 21 durch­füh­ren lässt, wur­de Mit­te April eine Infek­ti­on mit dem Coro­na­vi­rus nach­ge­wie­sen. Für mehr als 90 Män­ner wur­de danach Qua­ran­tä­ne ange­ord­net. “FAKT” liegt Bild­ma­te­ri­al aus der Qua­ran­tä­ne­zeit vor, das meh­re­re der von der Maß­nah­me betrof­fe­nen Bau­ar­bei­ter in einem Streit­ge­spräch mit dem Vor­ge­setz­ten zeigt. Dar­in beschwe­ren sie sich über die Zustän­de vor Ort. “Wir haben es mehr­fach gesagt, wir brau­chen Des­in­fek­ti­ons­mit­tel”, kri­ti­siert einer der Män­ner. Auf die For­de­run­gen nach Mas­ken erwi­dert der Vor­ge­setz­te: “Es gibt kei­ne Mas­ken.” Mah­mut Dal­bu­dak war einer der betrof­fe­nen Bau­ar­bei­ter. “FAKT” berich­tet er über die ange­spann­te Situa­ti­on wäh­rend der Qua­ran­tä­ne. “Psy­chisch war ich unter Stress, dass ich die­se Krank­heit bekom­me, dass ich hier ster­be”, erzählt er rück­bli­ckend. Mit die­ser Angst sei er dort nicht allein gewe­sen. Die Ver­hält­nis­se vor Ort sei­en in Wor­ten nicht beschreib­bar. Mamut Dal­bu­dak sagt zudem, ein Vor­ar­bei­ter hät­te die Qua­ran­tä­ne für been­det erklärt, obwohl sie von Amts­we­gen noch drei Tage gedau­ert hät­te. Eini­ge Mit­ar­bei­ter sei­en aus Angst in die Tür­kei zurück­ge­reist. Bei Mah­mut Dal­bu­dak ist das Vor­ha­ben geschei­tert. Er wur­de von der Poli­zei am Abflug in Mün­chen gehin­dert, erzählt er. Ein sol­cher Ver­stoß gegen die Qua­ran­tä­ne ist eine Straf­tat. Die Fir­ma bestrei­tet die Ver­ant­wor­tung dafür, die Mit­ar­bei­ter hät­ten ohne Rück­spra­che gehan­delt. So steht hier Aus­sa­ge gegen Aus­sa­ge. Bekannt gemacht hat die Zustän­de bei der tür­ki­schen Fir­ma Tom Adler. Der Stadt­rat der Lin­ken kri­ti­siert nicht nur man­geln­de Schutz­maß­nah­men der Fir­ma. Auch hin­sicht­lich der Stun­den­er­fas­sung erhebt er schwe­re Vor­wür­fe. Er spricht sogar von “Arbeits­zeit­be­trug”, weil “sie die Leu­te ein­fach län­ger haben arbei­ten las­sen, als ver­trag­lich ver­ein­bart”, erklärt er. Dabei stützt er sich auf Aus­sa­gen von Mit­ar­bei­tern, die ihm von einer Viel­zahl nicht erfass­ten und damit unbe­zahl­ten Arbeits­stun­den berich­tet hät­ten…“ Text des Bei­trags der Sen­dung “Fakt” vom 21.05.2020 bei MDR externer Link, sie­he
      • Bau­stel­le Stutt­gart-21: Infi­zier­te Arbei­ter und Lohn­dum­ping
        “Wochen­lang ver­stieß ein Sub­un­ter­neh­men gegen die Qua­ran­tä­ne-Bestim­mun­gen auf Deutsch­lands größ­ter Bau­stel­le. Betrof­fe­ne Arbei­ter spre­chen auch von fal­schen Stun­den­ab­rech­nun­gen zu ihren Las­ten.“ Videobei­trag bei MDR Fakt vom 19.05.2020 externer Link
    • Infek­ti­ons­fäl­le auf der Stutt­gart-21-Bau­stel­le: Coro­na im Con­tai­ner
      Aus­län­di­sche Bau­ar­bei­ter leben in beeng­ten Ver­hält­nis­sen, sie sind des­halb beson­ders gefähr­det. Die tür­ki­sche Fir­ma Erfa steht nach Vor­wür­fen von Beschäf­tig­ten in der Kri­tik, wehrt sich nun aber. So schnell ver­schwin­det man aus den Schlag­zei­len: Noch vor drei Wochen waren die Arbeits- und Unter­kunfts­be­din­gun­gen auf der Stutt­gart-21-Bau­stel­le in aller Mun­de, weil 19 tür­ki­sche Eisen­flech­ter des Sub­un­ter­neh­mers Erfa posi­tiv auf das Coro­na­vi­rus externer Linkgetes­tet wur­den, sich fast 100 in Qua­ran­tä­ne bege­ben muss­ten und des­halb eini­ge laut­stark pro­tes­tiert hat­ten. Dann rück­ten plötz­lich die Fleisch­fa­bri­ken in Pforz­heim und Coes­feld in den Mit­tel­punkt, weil sich Hun­der­te Werk­ver­trags­ar­bei­ter aus Rumä­ni­en in ihren erbärm­li­chen Unter­künf­ten ange­steckt hat­ten. Letz­te Woche kehr­te Stutt­gart zurück ins Ram­pen­licht: Das Gesund­heits­amt hol­te erneut drei Infi­zier­te und 43 mit ihnen in Ver­bin­dung ste­hen­de Aus­län­der externer Linkaus einem Män­ner­wohn­heim und brach­te sie in Schutz­un­ter­künf­te, wo es einen wei­te­ren Fall gab. Geschlos­sen wird das Wohn­heim nicht…“ Arti­kel von Jörg Nau­ke vom 21.05.2020 in der Stutt­gar­ter Zei­tung online externer Link (im Abo)
    • Sie­he wei­ter unten mehr zu S21 und dazu auch Mon­tags­de­mos gegen S21: online und auch im Pro­test gegen Coro­na­vi­rus unter Stutt­gar­t21-Arbei­tern
  • Zahl der Todes­fäl­le auf Bau­stel­len steigt: IG BAU for­dert mehr Kon­trol­leu­re für Ein­hal­tung des Arbeits­schut­zes 
    “Die Indus­trie­ge­werk­schaft Bau­en-Agrar-Umwelt (IG BAU) for­dert vor dem Hin­ter­grund der aktu­ell über­durch­schnitt­lich hohen Zahl von Todes­fäl­len auf Bau­stel­len deut­lich mehr Per­so­nal beim staat­li­chen Arbeits­schutz. „Trotz Coro­na-Pan­de­mie lau­fen die Bau­stel­len unver­min­dert wei­ter. Für die Bau­ar­bei­ter steigt aber das Gesund­heits­ri­si­ko. Sie ris­kie­ren nicht nur eine Infek­ti­on mit Covid-19, son­dern auch die Unfall­ge­fahr ist lei­der stark gestie­gen. Allein die Zahl der Todes­fäl­le ist laut Berufs­ge­nos­sen­schaft BG BAU um rund 50 Pro­zent gestie­gen. Wir haben kla­re Regeln am Bau zum Arbeits- und Gesund­heits­schutz. Die­se wir­ken aber nur, wenn sicher­ge­stellt ist, dass sie umge­setzt wer­den. Dafür brau­chen wir mehr Per­so­nal bei staat­li­cher Arbeits­schutz­kon­trol­le“, sag­te IG BAU-Bun­des­vor­stands­mit­glied Cars­ten Burck­hardt. „Die Exper­ten bera­ten und kon­trol­lie­ren die Betrie­be. Wie wich­tig ihre Arbeit ist, wird spä­tes­tens in Zei­ten von Coro­na jeder ver­ste­hen. Es gibt aber viel zu wenig Per­so­nal bei der Arbeits­schutz­auf­sicht, um aus­rei­chend zu kon­trol­lie­ren. Zwi­schen den Kon­trol­len in einem Betrieb lie­gen im Schnitt mehr als 20 Jah­re. Das ist das Ergeb­nis einer ver­fehl­ten Poli­tik, die der Arbeits­schutz­auf­sicht immer mehr Auf­ga­ben über­trägt und gleich­zei­tig einen radi­ka­len Stel­len­ab­bau vor­nimmt. Die­se Ein­spa­run­gen bezah­len auch Bau­ar­bei­ter mit ihrer Gesund­heit und sogar ihrem Leben. Die Poli­tik muss des­halb umge­hend das Ruder her­um­rei­ßen und ver­hin­dern, dass Beschäf­tig­te ver­meid­ba­ren Risi­ken für Leib und Leben aus­ge­setzt wer­den.“ IG BAU-Pres­se­mit­tei­lung vom 13.05.2020 externer Link
  • Qua­ran­tä­ne 21: Auf der Stutt­gart-21-Bau­stel­le haben sich meh­re­re Arbei­ter mit dem Coro­na­vi­rus infi­ziert 
    “… “Kein Bau­stopp in Deutsch­land ­– der Beton fließt wei­ter”, titel­te froh­lo­ckend das Online-Bau­fach­ma­ga­zin “Bau­links” am 25. März ange­sichts der Ent­schei­dung der Bun­des­mi­nis­te­ri­en des Inne­ren (BMI) und für Ver­kehr und digi­ta­le Infra­struk­tur (BMVI), trotz der Coro­na-Maß­nah­men per Erlass “die Fort­füh­rung der Bau­maß­nah­men im Hoch­bau, Stra­ßen­bau und Was­ser­bau” zu ermög­li­chen. Die Minis­te­ri­en wer­den von Horst See­hofer und Andre­as Scheu­er geführt, bei­des Mit­glie­der der CSU, also einer Par­tei, die bekannt­lich zum erleich­ter­ten Segens­emp­fang aus­rei­chend Kru­zi­fi­xe vor­hält. Doch genug der blas­phe­mi­schen Scher­ze. Dafür, dass der Beton­fluss nicht ver­sie­ge, sor­gen indes nicht nur der Bund, son­dern auch die Län­der. Laut der in ers­ter Fas­sung am 22. März ver­öf­fent­lich­ten Coro­na-Ver­ord­nung für Baden-Würt­tem­berg gilt, dass grö­ße­re Ansamm­lun­gen vom Kon­takt­ver­bot aus­ge­nom­men sind, die “der Auf­recht­erhal­tung des Arbeits- und Dienst­be­triebs” die­nen (in § 3, Absatz 3). Beson­ders dehn­bar schei­nen die Bestim­mun­gen im Bau: Die Min­dest­ab­stands­re­gel von 1,50 Meter gilt hier nicht kate­go­risch, wie eine vom Wirt­schafts­mi­nis­te­ri­um her­aus­ge­ge­be­ne Richt­li­nie zur Ein­däm­mung der Über­tra­gung des Coro­na­vi­rus auf Bau­stel­len nahe­legt: “Wo immer mög­lich”, steht dar­in, “Ein­hal­ten eines Abstands zu den Kol­le­gin­nen und Kol­le­gen und zu ande­ren Men­schen von min­des­tens 1,50 m.” Wo immer mög­lich – was impli­ziert: Es wird wohl nicht immer gehen. Das betrifft auch gemein­sa­me Fahr­ten in einem Fahr­zeug, die “mög­lichst ver­mie­den wer­den soll­ten”. (…) Anders als in vie­len ande­ren euro­päi­schen Län­dern ruht das deut­sche Bau­ge­wer­be nicht in der Coro­na-Pan­de­mie. Rein­hard Quast, Prä­si­dent des Zen­tral­ver­bands Deut­sches Bau­ge­wer­be, wird von der “Süd­deut­schen Zei­tung” mit der Aus­sa­ge zitiert, dass wegen des Virus “die Bau­stel­len nicht geschlos­sen wer­den dür­fen”, denn die Bran­che sei “geeig­net, zur Sta­bi­li­sie­rung der Volks­wirt­schaft bei­zu­tra­gen”. Es wird aber auch berich­tet, dass vie­len Arbei­tern ziem­lich mul­mig ist, weil die Abstands­ge­bo­te kaum ein­zu­hal­ten sind, weil beson­ders aus­län­di­sche Bau­trupps oft in engen Wohn­con­tai­nern oder Gemein­schafts­un­ter­künf­ten unter­ge­bracht sind. Und außer­dem sei­en Kon­trol­len momen­tan wegen Coro­na sel­te­ner gewor­den. (…) Laut Akti­ons­bünd­nis ein “Per­sil­schein” für die S‑21-Bau­stel­le. Mitt­ler­wei­le gibt es laut Stadt sechs mit SARS-CoV‑2 infi­zier­te Arbei­ter einer tür­ki­schen Bau­fir­ma, 92 wei­te­re sei­en in Qua­ran­tä­ne (Stand 21. April). Bereits am 13. April sei die ers­te Coro­na-Infek­ti­on gemel­det wor­den, erklär­te Stadt­spre­cher Sven Matis, also einen Tag vor der im SWR ver­brei­te­ten State­ment des Umwelt­amts. (…) “Die Coro­na-Kri­se legt sich wie ein Ver­grö­ße­rungs­glas auf vie­le Pro­ble­me und Zustän­de”, stellt die Alli­anz “Rechts­si­cher­heit für poli­ti­sche Wil­lens­bil­dung” auf ihrer Web­site fest. Dies gilt auch für Pro­ble­me und Zustän­de bei Stutt­gart 21 – der größ­ten und teu­ers­ten Bau­stel­le der Repu­blik.” Bei­trag von Oli­ver Sten­zel aus Kon­text: Wochen­zeit­schrift Aus­ga­be 473 vom 22. April 2020 externer Link
    • Coro­na­vi­rus brei­tet sich unter Bau­ar­bei­tern von Stutt­gart 21 aus – S21-Geg­ner for­dern die Bau­ar­bei­ten ein­zu­stel­len
      Nach der Erkran­kung von meh­re­ren Bau­ar­bei­tern auf den Bau­stel­len des Bahn­pro­jekts Stutt­gart 21 an Covid-19 sind 43 Kon­takt­per­so­nen in eine soge­nann­te Schutz­un­ter­kunft gebracht wor­den. Zunächst waren über 90 Män­ner in Qua­ran­tä­ne in einer Arbei­ter­un­ter­kunft und wur­den vor­sorg­lich auf das Virus unter­sucht. 19 Per­so­nen wur­den posi­tiv getes­tet. Die­se und ihre direk­ten Kon­takt­per­so­nen muss­ten daher in eine geson­der­te Iso­la­ti­on. Wer sym­ptom­frei und nega­tiv getes­tet wor­den sei, für den habe die Iso­la­ti­on geen­det. Zuerst hat­te die “Bild”-Zeitung dar­über berich­tet. Schutz­un­ter­künf­te sind leer geräum­te Hotels, in denen Men­schen unter­ge­bracht wer­den, die mit Coro­na-infi­ziert sind bzw. Ver­dachts­fäl­le, bei denen aber eine häus­li­che Iso­la­ti­on schwie­rig ist, weil sie bei­spiels­wei­se in einer Sam­mel­un­ter­kunft leben. (…) Geg­ner des Pro­jekts hat­ten gefor­dert, die Bau­ar­bei­ten umge­hend ein­zu­stel­len. Man habe bereits Ende März vor den Anste­ckungs­ri­si­ken auf den S21-Bau­stel­len gewarnt und einen Bau­stopp gefor­dert, kri­ti­sier­te das Akti­ons­bünd­nis gegen Stutt­gart 21.” SWR-Fern­seh­bei­trag vom 22.4.2020 19:30 Uhr SWR Aktu­ell externer Link
    • Drei Tage nach­dem die Stadt einen Per­sil­schein aus­ge­stellt hat­te: Coro­na auf den S21 Bau­stel­len aus­ge­bro­chen
      Anfangs war von drei Arbei­tern die Rede, inzwi­schen – Stand Frei­tag­abend – sind es schon sechs tür­ki­sche S21-Arbei­ter, die infi­ziert wur­den, zwei wur­den bereits ins Kran­ken­haus über­führt. Etli­che Kon­takt­per­so­nen der Erkrank­ten aus den Con­tai­ner­woh­nun­gen am Nord­bahn­hof wur­den unter Qua­ran­tä­ne gestellt. Tür­ki­sche Kol­le­gen waren im Cann­stat­ter Tun­nel und im Bahn­hof­s­trog ein­ge­setzt. Den Skan­dal, der zunächst wohl unter der Decke gehal­ten wer­den soll­te, hat Stadt­rat Tom Adler (Vor­sit­zen­der des Links­bünd­nis­ses FrAK­TI­ON) auf­ge­deckt und öffent­lich gemacht, nach­dem ihm ent­spre­chen­de Infor­ma­tio­nen zuge­spielt wor­den waren. Das Akti­ons­bünd­nis hat­te bereits am 26. März vor den Anste­ckungs­ri­si­ken auf den S21-Bau­stel­len gewarnt und einen Bau­stopp gefor­dert: „Wo Fabri­ken, Geschäf­te und Büros mit Rück­sicht auf das Anste­ckungs­ri­si­ko dicht machen und nur noch „sys­tem­re­le­van­te“ Arbei­ten ver­rich­tet wer­den, sei völ­lig unver­ständ­lich, dass auf den S21 Bau­stel­len wei­ter gear­bei­tet wer­de, wo oft die Distanz­re­geln nicht ein­ge­hal­ten wer­den kön­nen. Gera­de weil vie­le Tunnelarbeiter*innen aus Ost­eu­ro­pa und vor allem Öster­reich kom­men, bestehe zudem das Risi­ko grenz­über­schrei­ten­der Infek­tio­nen“. (…) Wäh­rend in Öster­reich die maß­geb­lich bei S21 betei­lig­ten Bau­kon­zer­ne Stra­bag (mit sei­ner Toch­ter Züb­lin) und Porr auf Druck von Auf­trag­ge­bern und Poli­tik ihre Bau­stel­len schon vor Wochen fast voll­stän­dig geschlos­sen haben, ste­hen die­sel­ben Fir­men bei Stuttgart21 offen­sicht­lich unter beson­de­rem Schutz der poli­tisch Ver­ant­wort­li­chen in Stadt und Land. Aus dem vor­mals pos­tu­lier­ten „Kri­ti­schen Beglei­ten“ ist inzwi­schen ein unkri­ti­sches Beglei­ten von Stutt­gart 21 gewor­den. Die zustän­di­gen Gewer­be­auf­sichts­äm­ter wer­den offen­bar raus­ge­hal­ten. Die S21-Bau­stel­len wür­den nur stich­pro­ben­ar­tig geprüft, um die Mit­ar­bei­ter des Amts vor Anste­ckung zu schüt­zen. Damit kaschie­ren die Ver­ant­wort­li­chen nur müh­sam ihre feh­len­de Bereit­schaft, bei S21 ähn­lich kon­se­quent durch­zu­grei­fen, wie sie es bei Kon­trol­len in der König­stra­ße oder am Bären­schlöss­chen machen, wenn Sicher­heits­vor­schrif­ten nicht beach­tet wer­den. Nie­mand klopft der tür­ki­schen Fir­ma ERFA auf die Fin­ger, die auf ihrer Web­site dafür wirbt, in Deutsch­land „Arbeit in einem beson­ders gesun­den und siche­ren Arbeits­um­feld“ zu bie­ten. Nie­mand schert sich dar­um, dass die Sub-Unter­neh­men der S21-Fir­men Hoch­tief und Züb­lin nach Aus­sa­gen der tür­ki­schen Arbei­ter 7 €, also weit unter dem gesetz­li­chen Min­dest­lohn, die Stun­de zah­len, dass sie offen­sicht­lich kei­ne Kran­ken­ver­si­che­rung für Deutsch­land besit­zen, in engen Con­tai­nern zusam­men­ge­pfercht woh­nen, dass Ihnen kein ange­mes­se­nes Schutz­ma­te­ri­al zur Ver­fü­gung gestellt wur­de, dass ihre Arbeits­ver­trä­ge seit dem 14.4. aus­ge­lau­fen sind, vie­le über kei­ne Geld­re­ser­ven ver­fü­gen und dass sie ohne Deutsch­kennt­nis­se bei alle­dem kaum wis­sen wie ihnen geschieht…” Pres­se­mit­tei­lung des Akti­ons­bünd­nis­ses gegen Stutt­gart 21 vom 18. April 2020 im parkschuetzer.de-Blog externer Link, dort ver­linkt Video­do­ku­men­te von der Face­book­sei­te der tür­ki­schen Bau­ar­bei­ter­ge­werk­schaft Insaat. Sie­he auch unse­re Rubrik Pro­tes­te gegen das Bahn­pro­jekt Stutt­gart 21 und dort Mon­tags­de­mos gegen S21: online und auch im Pro­test gegen Coro­na­vi­rus unter Stutt­gar­t21-Arbei­tern

Der Bei­trag Covid-19: IG BAU for­dert umfas­sen­den Schutz für Bau­be­schäf­tig­te erschien zuerst auf Labour­Net Ger­ma­ny.

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