[gG:] Daniel Rehberg geoutet

Wir haben heu­te den Neo­na­zi Dani­el Reh­berg an sei­nem Wohn­ort und an sei­nem Arbeits­platz, dem Pfle­ge­stift Main­ter­ras­se geoutet.

Dani­el Reh­berg nimmt bereits seit Beginn der 2010er-Jah­re nach­weis­lich an rechts­ra­di­ka­len Auf­mär­schen teil. Seit vie­len Jah­ren ist er in der NPD Hes­sen aktiv. Im Umfeld von Ste­fan Jagsch und Dani­el Lach­mann, den bei­den Haupt­ak­ti­vis­ten der NPD Hes­sen, nimmt er an gro­ßen und klei­nen Auf­mär­schen teil. So übli­cher­wei­se an den bun­des­wei­ten Demons­tra­tio­nen der NPD am 1. Mai oder zu regio­na­len Mobi­li­sie­run­gen in Hes­sen. Zudem betreut er regel­mä­ßig Info­stän­de der NPD in der Wet­terau. Sofern die NPD rund um Hanau auf­tritt, scheint er dor­ti­ges Auf­tre­ten zu ver­mei­den; wahr­schein­lich aus Sor­ge um sei­nen Arbeits­platz. Reh­berg über­nimmt auch offi­zi­el­le Ämter im Par­tei­ap­pa­rat der NPD, so seit 2012 mehr­fach als Bei­sit­zer und Medi­en­be­auf­trag­ter im Lan­des­vor­stand; 2016 hat er sich zur Kom­mu­nal­wahl und 2018 für die Land­tags­wahl auf einen Lis­ten­platz set­zen las­sen.

Jen­seits sei­nes Enga­ge­ments in der Par­tei, ist Reh­berg seit vie­len Jah­ren eng in der natio­nal­so­zia­lis­ti­schen Musik-Sze­ne aktiv. Er gibt sich Mühe nicht mit sei­nem Namen auf­zu­tre­ten, aber es ist gesi­chert, dass Dani­el Reh­berg in den letz­ten zehn Jah­ren Schlag­zeug in wech­seln­den Metal-Bands der rechts­ra­di­ka­len Sze­ne spiel­te. (Bild Schlag­zeug) Aktu­ell spielt er bei der NS-Black­me­tal-Band Nord­glanz, die euro­pa­weit auf­tritt und sich selbst als „völ­ki­scher Schwarz­me­tall“ bezeichnet.1 Die Band benutzt bei Auf­trit­ten und Ton­trä­ger­ge­stal­tung offe­ne NS-Sym­bo­lik, dar­un­ter bei­spiels­wei­se die gekreuz­ten Hand­gra­na­ten des SS-Son­der­kom­man­dos Dir­le­wan­ger oder das von der SS ent­wor­fe­ne und genutz­te Sym­bol der Schwar­zen Son­ne. Kon­zer­te von Nord­glanz wer­den vor allem durch das ver­bo­te­ne Neo­na­zi-Netz­werk Blood & Honour bzw. Combat18 im Gehei­men orga­ni­siert. In ihren Song­tex­ten stellt die Band regel­mä­ßig offe­ne Bezü­ge zum Natio­nal­so­zia­lis­mus her, wie etwa im Song „Wer­wolf“, in dem die gleich­na­mi­ge Nazi-Orga­ni­sa­ti­on heroi­siert wird. Im Song „Utøya“ vom aktu­el­len Album ver­herr­li­chen Nord­glanz die Ermor­dung von 93 Men­schen durch den Rechts­ter­ro­ris­ten Anders Brei­vik auf der gleich­na­mi­gen nor­we­gi­schen Insel 2011.

Wir haben uns ent­schlos­sen die Akti­vi­tä­ten Dani­el Reh­bergs öffent­lich zu machen, weil er in einem sen­si­blen Bereich arbei­tet: Reh­berg arbei­tet als Team­ko­or­di­na­tor im Pfle­ge­stift Main­ter­ras­se in Hanau-Stein­heim.

Die Main­ter­ras­se schreibt, sie wür­den gemäß ihrer „Leit­bil­der hohe Anfor­de­run­gen an das Wis­sen und die Per­sön­lich­keit jedes Mit­ar­bei­ters“ stellen1. Wir fra­gen uns, wie ein lang­jäh­ri­ges akti­ves Mit­glied einer rechts­ra­di­ka­len Par­tei und Neo­na­zi-Sze­ne die­sen Leit­bil­dern ent­spre­chen kann.

Es ist ange­sichts der jah­re­lan­gen Kon­ti­nui­tät im rechts­ra­di­ka­len Milieu kaum vor­stell­bar, dass Reh­berg im Team oder bei Patient*innen in den Jah­ren sei­ner Tätig­keit bei der Main­ter­ras­se durch ent­spre­chen­de Mei­nungs­äu­ße­run­gen nicht auf­ge­fal­len ist. Wie­so wird er im Team und von sei­ner Lei­tung trotz­dem gedul­det? Was ist mit Hin­wei­sen auf sei­ne rech­te und men­schen­ver­ach­ten­de Gesin­nung gesche­hen?

Dani­el Reh­bergs Band Nord­glanz ver­herr­licht grup­pen­be­zo­ge­ne Men­schen­feind­lich­keit, das Recht des Stär­ke­ren, eli­mi­na­to­ri­schen Ras­sis­mus, Eutha­na­sie und die mas­sen­haf­te Tötung Anders­den­ken­der. Wie wird wohl eine Per­son im Wohn­be­reich gepflegt, die in Dani­el Reh­bergs natio­nal­so­zia­lis­ti­schen Kate­go­rien zu einer min­der­wer­ti­gen und lebens­un­wer­ten Grup­pe gehört? (Migrant*innen, poli­tisch Anders­den­ken­de, Homo­se­xu­el­le, Jüd*innen, Sin­ti und Roma, Behin­der­te, Pfle­ge­be­dürf­ti­ge, Alte, …?)
Wie kann das Pfle­ge­stift Main­ter­ras­se gewähr­leis­ten, dass er sei­nen eige­nen Appel­len in den Song-Tex­ten, Schwä­che­re und Anders­den­ken­de zu töten, nicht nach­geht? In der Kon­se­quenz muss sogar die Fra­ge gestellt wer­den, ob es Hin­wei­se dar­auf gibt, dass bei Dani­el Reh­berg Men­schen häu­fi­ger und frü­her ster­ben als auf ande­ren Wohn­be­rei­chen des Pfle­ge­stifts.

Und aus aktu­el­lem Anlass: Die NPD gehört zu jenen Grup­pen, die die Gefähr­lich­keit von CoVid-19 leug­nen und die Maß­nah­men der Behör­den zur Ein­däm­mung der Pan­de­mie mas­siv kri­ti­sie­ren. Die NPD hat auch zur Groß­de­mo am 1. August in Ber­lin mobi­li­siert und Kame­ra­den von Dani­el Reh­berg von der NPD Wet­terau haben dar­an teil­ge­nom­men und Pressevertreter*innen ange­grif­fen. Wer kann ernst­haft dafür garan­tie­ren, dass Dani­el Reh­berg den­noch die Schutz­maß­nah­men auf sei­ner Sta­ti­on mit Men­schen aus einer Risi­ko­grup­pe ein­hält und als Team­ko­or­di­na­tor deren Umset­zung auch gewähr­leis­tet?

Auf jeden Fall muss sich die Main­ter­ras­se die Fra­ge stel­len las­sen, ob sie einen lei­ten­den Mit­ar­bei­ter mit jah­re­lan­gen unge­bro­che­nen Akti­vi­tä­ten in der rechts­ra­di­ka­len Sze­ne und ein­deu­ti­ger inhalt­li­chen Posi­tio­nie­rung in einem pfle­ge­ri­schen Bereich arbei­ten las­sen kann, wo ande­re Men­schen exis­ten­zi­ell auf sei­ne Zuwen­dung und Pfle­ge ange­wie­sen sind. Wir den­ken dies ist kei­nen Bewohner*innen, kei­nen Ange­hö­ri­gen und auch kei­nen Kolleg*innen zu zumu­ten.

In Hanau hat der 19. Febru­ar gezeigt, wie gefähr­lich es ist zu unter­schät­zen, das auf rech­tes Den­ken und rech­ten Sprü­chen meist gewalt­tä­ti­ges Han­deln folgt. Wir for­dern dazu auf Dani­el Reh­berg nicht zu unter­schät­zen, ihn nicht als einen ein­zel­nen wir­ren Rech­ten zu ver­harm­lo­sen. Son­dern ihm klar und deut­lich zu machen, das sein Den­ken, sei­ne Äuße­run­gen, sein Han­deln nicht unwi­der­spro­chen bleibt, ihm Gren­zen gesetzt wer­den und Kon­se­quen­zen erfol­gen.

Soli­da­ri­tät mit allen Betrof­fe­nen ras­sis­ti­scher Gewalt.
Ent­na­zi­fi­zie­rung aller Ämter, Behör­den und sen­si­blen Arbeits­be­rei­chen.
Kei­nen Fuß­breit dem Faschis­mus.

Anti­fa­schis­ti­sche Recher­che August 2020

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