[labournet:] Auch in Deutschland stehen dem Corona-Virus (politisch gewollt) knappe Ressourcen des Gesundheitswesens gegenüber

Dossier

Coronavirus, die Hetze und der Ausnahmezustand: China im Shitstorm“… Tat­säch­lich gibt es ein Mus­ter in der Reak­ti­on der Welt auf die­se wie auch die vori­gen glo­ba­len Epi­de­mien SARS, MERS, H1N1: Erst dann, wenn eine Krank­heit die Grund­la­gen der glo­ba­len Wirt­schafts­strö­me bedroht und auch die Men­schen in der First und Busi­ness Class der „Welt­ge­mein­schaft“ betrifft, gibt es plötz­lich enor­me Mit­tel, die für die chro­ni­schen Hun­ger­lei­der der Welt, für die armen Diabetiker*innen, die psy­chisch Kran­ken und Krebspatient*innen nie zur Ver­fü­gung ste­hen. (…) Noch bedenk­li­cher aller­dings erscheint die Bereit­schaft der „Welt­ge­mein­schaft“, im Fal­le der Kata­stro­phe alle Auf­merk­sam­keit für den sonst so geprie­se­nen „Men­schen­rechts­an­satz“ in der Gesund­heits­po­li­tik zu ver­ges­sen (…) Die WHO erwähnt Men­schen­rech­te nicht in ihren stra­te­gi­schen Zie­len bei der Beant­wor­tung der Coro­na-Epi­de­mie. Selbst Amnes­ty Inter­na­tio­nal und Human Rights Watch hal­ten sich zurück (…) Es wäre bei der COVID-19-Epi­de­mie drin­gend an der Zeit, die Erfah­run­gen der jähr­li­chen Grip­peaus­brü­che zu beher­zi­gen: Alles hängt von den Kapa­zi­tä­ten eines Gesund­heits­sys­tems ab, in dem auch sol­che sai­so­na­len Belas­tun­gen ein­ge­plant sind und in dem nicht über­ar­bei­te­tes und schlecht bezahl­tes Per­so­nal mit knap­pen Res­sour­cen mög­lichst viel Umsatz für die mit­ein­an­der kon­kur­rie­ren­den Kran­ken­häu­ser erwirt­schaf­ten soll. Wenn dann Kran­ke auf den Flu­ren lie­gen müs­sen, ist die öffent­li­che Empö­rung groß. Statt Panik hilft hier aber nur sys­te­ma­ti­sches Umsteu­ern hin zu einem ech­ten Pfle­ge­per­so­nal­schlüs­sel, in dem auch Kapa­zi­tä­ten für sol­che zusätz­li­chen Belas­tungs­spit­zen ein­ge­plant sind. (…) Am 8. März wäre eine neue Gele­gen­heit dazu, wenn am inter­na­tio­na­len Frau­en­tag in vie­len Städ­ten auch Gesundheitsarbeiter*innen und Care Worker*innen auf der Stra­ße sind externer Link. Und am 17. Juni, wenn die Gesund­heits­mi­nis­ter in Ber­lin zu ihrem jähr­li­chen Tref­fen zusam­men­kom­men externer Link.” Bei­trag von Andre­as Wulf vom 26.2.2020 bei med­i­co inter­na­tio­nal externer Link: “Coro­na-Virus: Qua­ran­tä­ne mit Augen­maß? Der Virus hat Euro­pa erreicht, die Panik nimmt zu. Dr. Andre­as Wulf über Erfah­run­gen, die jetzt zu beher­zi­gen wären”. Sie­he Ähn­li­ches für Ita­li­en – und wem statt­des­sen gehol­fen wird. Sie­he neben den For­de­run­gen von Pfle­ge­fach­kräf­ten externer Link wei­te­re Infos:

  • Wert­schät­zung für Pfle­ge-Per­so­nal in Coro­na­kri­se als „Show-Ver­an­stal­tung“ der Poli­tik kri­ti­siert New
    Der Vor­sit­zen­de des Ver­eins „Pfle­ge in Bewe­gung“ und Lei­ter zwei­er Pfle­ge­hei­me, Mar­cus Jogerst, hat den Umgang der Bun­des­re­gie­rung mit Pfle­ge­kräf­ten kri­ti­siert. Dass die Pfle­ge­bran­che wäh­rend der Coro­na-Pan­de­mie als sys­tem­re­le­vant her­vor­ge­ho­ben wor­den sei, spü­re man längst nicht mehr, sag­te Jogerst im Deutsch­land­funk (Audio­link externer LinkAudio Datei). Die kurz­zei­ti­ge Wert­schät­zung bezeich­ne­te der Pfle­ge­heim-Lei­ter als „Show-Ver­an­stal­tung“. Es sei ein­fach eine Plei­te, die die Bun­des­re­gie­rung da hin­le­ge. Es gebe wei­ter­hin kei­ne höhe­ren Löh­ne und Arbeits­be­din­gun­gen. Nur Alten­pfle­ger hät­ten einen ein­ma­li­gen Bonus in der Coro­na-Kri­se erhal­ten, Kran­ken­pfle­ger jedoch nicht. Dabei sei in den Kran­ken­häu­sern wäh­rend der ers­ten Coro­na-Wel­le „eine mas­si­ve Last“ getra­gen wor­den. Nach Jogersts Wor­ten ist über Jahr­zehn­te die Lohn­ent­wi­ckung in der Pfle­ge hin­ter ande­ren Beru­fen zurück­ge­blie­ben. In der Indus­trie ver­die­ne ein Fach­ar­bei­ter an einer Maschi­ne wesent­lich mehr als ein „Fach­ar­bei­ter am Mensch“. Das sei ein mora­li­sches Unding, kri­ti­sier­te der Pfle­ge­heim­lei­ter. Ähn­lich äußer­te sich der Pfle­ge­be­auf­trag­te der Bun­des­re­gie­rung, Andre­as Wes­ter­fell­haus. Er warn­te vor einer zuneh­men­den Per­so­nal­not in der Bran­che. Falls sich Bezah­lung und Arbeits­be­din­gun­gen nicht ver­bes­ser­ten, dro­he eine wei­te­re Abwan­de­rung von Pfle­ge­kräf­ten…” Mel­dung vom 11. August 2020 beim Deutsch­land­funk externer Link
  • Mehr als Applaus: EU-Min­dest­stan­dards für Arbeits­be­din­gun­gen in Gesund­heits­be­ru­fen erfor­der­lich /​War­um wer­den Tou­ris­ten getes­tet, Pfle­gen­de aber nicht? 
    • Pfle­ge­ge­werk­schaft Bochu­mer­Bund: War­um wer­den Tou­ris­ten getes­tet, Pfle­gen­de aber nicht?
      Das Bun­des­mi­nis­te­ri­um für Gesund­heit hat allen Pfle­gen­den den nächs­ten Tief­schlag ver­setzt: „Wäh­rend mitt­ler­wei­le jeder Rei­se­rück­keh­rer auf Kos­ten der All­ge­mein­heit von Coro­na-Tests pro­fi­tiert, wer­den die­se bei Pfle­ge­kräf­ten und ande­ren stark gefähr­de­ten Berufs­grup­pen im Gesund­heits­we­sen nach wie vor kaum durch­ge­führt“, empört sich Ben­ja­min Jäger, Vor­stands­vor­sit­zen­der der Pfle­ge­ge­werk­schaft Bochu­mer­Bund. „Sogar in der Akut­pfle­ge wird dar­an gespart, obwohl die Pfle­gen­den dort mas­siv anste­ckungs­ge­fähr­det sind. Das emp­fin­den vie­le Kol­le­gin­nen und Kol­le­gen als Her­ab­set­zung.“ Die Pfle­ge­ge­werk­schaft for­dert daher Tests für aus­nahms­los alle Beschäf­tig­ten im Gesund­heits­sek­tor. Der Bochu­mer­Bund ver­weist auf die aktu­el­len Vor­ga­ben des Robert-Koch-Insti­tuts (RKI). Dem­nach zählt medi­zi­ni­sches Per­so­nal – also auch das Pfle­ge­per­so­nal – ohne Schutz­aus­rüs­tung zu den Kon­takt­per­so­nen ers­ten Gra­des. Die­ser ist defi­niert als enger Kon­takt mit infi­zier­ten Pati­en­ten oder Bewoh­nern. Pfle­ge­kräf­te in Schutz­aus­rüs­tung bei einem Abstand von weni­ger als zwei Metern sowie ohne Schutz­aus­rüs­tung bei einem Abstand von mehr als zwei Metern zu einer pfle­ge­be­dürf­ti­gen Per­so­nen wie­der­um rech­net das RKI zu den Kon­takt­per­so­nen drit­ten Gra­des. „Aller­dings spielt bei­spiels­wei­se die Qua­li­tät der Schutz­aus­rüs­tung kei­ner­lei Rol­le“, erläu­tert Jäger. Kon­takt­per­so­nen ers­ten und drit­ten Gra­des – auch mit unge­nü­gen­der Schutz­aus­rüs­tung – wer­den in Deutsch­land nicht rou­ti­ne­mä­ßig getes­tet. Der Bochu­mer­Bund hält die Igno­ranz der Poli­tik gegen­über Pfle­gen­den und Pfle­ge­be­dürf­ti­gen für ver­ant­wor­tungs­los. Jäger ver­mu­tet als Grund für das Nichts­tun: „Bei regel­haf­ten und regel­mä­ßi­gen Tests von uns Pfle­ge­kräf­ten wür­de die wah­re Durch­seu­chung in den Kran­ken­häu­sern sicht­bar wer­den. Dann müss­ten die Ver­ant­wort­li­chen in der Gesund­heits­po­li­tik Kon­se­quen­zen ähn­lich wie bei Tön­nies zie­hen. Davor schei­nen sie zurück­zu­schre­cken – und ris­kie­ren Men­schen­le­ben.“ Der Bochu­mer­Bund wer­tet das Agie­ren nicht nur in Kran­ken­häu­sern, son­dern auch in Pfle­ge­ein­rich­tun­gen als Ver­stö­ße gegen das Arbeits­schutz- sowie das Infek­ti­ons­schutz­ge­setz…” Pres­se­mit­tei­lung vom 7.8.2020 (noch nicht online externer Link)
    • Mehr als Applaus: EU-Min­dest­stan­dards für Arbeits­be­din­gun­gen in Gesund­heits­be­ru­fen erfor­der­lich
      Nicht nur Öster­reich kämpft im Gesund­heits­be­reich, ins­be­son­de­re in der Pfle­ge und Betreu­ung älte­rer Men­schen, seit Jahr­zehn­ten mit zu wenig Per­so­nal. Der chro­ni­sche Per­so­nal­not­stand in den Gesund­heits­be­ru­fen ist ein euro­pa­wei­tes Pro­blem – mit dras­ti­schen Aus­wir­kun­gen, die sich wäh­rend der Coro­na-Pan­de­mie deut­lich zei­gen. (…) Eine lang­fris­ti­ge Behe­bung des Per­so­nal­man­gels muss mit der euro­pa­wei­ten Sicher­stel­lung von attrak­ti­ven und ein­heit­li­chen Arbeits- und Beschäf­ti­gungs­be­din­gun­gen in den Gesund­heits­be­ru­fen ein­her­ge­hen. Denn nur gute Arbeits­be­din­gun­gen sichern das Inter­es­se an der Tätig­keit in einem Gesund­heits­be­ruf. Die Ein­füh­rung einer EU-Gesund­heits­be­ru­fe­richt­li­nie, die Min­dest­stan­dards für zen­tra­le Arbeits- und Beschäf­ti­gungs­be­din­gun­gen in die­sem Bereich fest­legt, ist ein adäqua­tes Mit­tel, um die Arbeits­welt in den Gesund­heits­be­ru­fen fai­rer und bes­ser zu gestal­ten. Dies kann dazu bei­tra­gen, aus­rei­chend Per­so­nal für den Beruf zu gewin­nen und der hohen Fluk­tua­ti­on ent­ge­gen­zu­wir­ken. In den Anwen­dungs­be­reich einer sol­chen Richt­li­nie müs­sen alle nach natio­na­len Kri­te­ri­en fest­ge­leg­ten Gesund­heits­be­ru­fe fal­len, die in der sta­tio­nä­ren, der mobi­len und der nie­der­ge­las­se­nen Akut- bzw. Lang­zeit­ver­sor­gung arbei­ten. (…) Ein wei­te­res wesent­li­ches Rege­lungs­ele­ment ist der Bereich des Jugend­schut­zes. Neben beson­de­ren Vor­keh­run­gen, die für Jugend­li­che wäh­rend der prak­ti­schen Aus­bil­dung zu tref­fen sind, ist das Min­dest­al­ter für den Beginn der prak­ti­schen Aus­bil­dung fest­zu­le­gen. Die­se Alters­gren­ze darf kei­nes­falls unter 17 Jah­ren lie­gen. Zusätz­li­che Punk­te betref­fen bei­spiels­wei­se ver­pflich­ten­de Ange­bo­te für Super­vi­si­on und Coa­chings, die wäh­rend der Arbeits­zeit in Anspruch genom­men wer­den kön­nen. Dar­über hin­aus sol­len Mög­lich­kei­ten zur Beschwer­de bzw. spe­zi­el­le Ombuds­stel­len geschaf­fen wer­den, an die sich Beschäf­tig­te im Kon­flikt­fall wen­den kön­nen. Da Berufs­tä­ti­ge häu­fig unter Gewalt­er­fah­run­gen lei­den, sol­len eben­falls Min­dest­stan­dards für die Imple­men­tie­rung von Aggres­si­ons- und Gewalt­ma­nage­ment­sys­te­men ein­ge­führt wer­den, um die Sicher­heit der Beschäf­tig­ten zu gewähr­leis­ten. (…) Vor­schlä­ge für die Eck­punk­te einer EU-Richt­li­nie zur Stär­kung der Rech­te der Berufs­tä­ti­gen in dem Bereich lie­gen mitt­ler­wei­le auf dem Tisch. Nun braucht es die Initia­ti­ve der Euro­päi­schen Kom­mis­si­on und der euro­päi­schen Sozi­al­part­ner, um die­sen Vor­schlä­gen euro­pa­weit zum Durch­bruch zu ver­hel­fen.” Arti­kel von Miri­am Fahi­mi vom 4. August 2020 beim A&W Blog externer Link
  • Feh­ler im Coro­na-Kri­sen­ma­nage­ment: “Es ist ganz viel über angeb­lich feh­len­de Beatmungs­ge­rä­te gere­det wor­den” 
    Nein, Inten­siv­bet­ten und Ven­ti­la­to­ren waren nicht das größ­te Pro­blem in der Coro­na-Pan­de­mie, sagt Her­mann Rei­chen­spur­ner, Direk­tor an der Uni­kli­nik Ham­burg-Eppen­dorf. Davon gab es genug, gefehlt hat Per­so­nal. (…) Was nicht gut lief und läuft: Es geht nicht nur um die rei­ne Kapa­zi­tät, also etwa Inten­siv­bet­ten, son­dern auch dar­um, dass wir aus­rei­chend Pfle­ge­kräf­te haben, um die Pati­en­ten in die­sen Bet­ten auch gut zu betreu­en. Wir haben schon zu nor­ma­len Zei­ten Eng­päs­se. Aber in einer sol­chen Kri­se hat das eine ganz ande­re Dimen­si­on. (…) Ich den­ke, es geht um eine Gehalts­er­hö­hung von min­des­tens 20 Pro­zent, und die kön­nen die Kran­ken­häu­ser unter kei­nen Umstän­den allein stem­men. Das geht nur über die Kran­ken­kas­sen, und die wer­den höhe­re Bei­trags­sät­ze von den Ver­si­cher­ten brau­chen. Aber wir spre­chen da über zumut­ba­re Erhö­hun­gen für den Ein­zel­nen. Kos­ten dür­fen kein Tot­schlag­ar­gu­ment sein, denn sonst haben wir das Pro­blem, dass wir in naher Zukunft ein­fach kei­ne Pfle­ge mehr haben in dem Maße, wie wir sie brau­chen. (…) Ein Arzt kann sich auch in Ham­burg oder Mün­chen die Mie­te leis­ten. In der Pfle­ge ist das ganz anders. Jemand, der heu­te als Pfle­ge­kraft in Ham­burg anfängt, hat viel­leicht 2800 Euro brut­to. Das Gehalt steigt erst, wenn man Schicht­zu­la­gen bekommt, im OP oder auf der Inten­siv­sta­ti­on arbei­tet. So weit muss man aber erst mal kom­men. Der Grund­ta­rif in der Pfle­ge ist drin­gend ver­bes­se­rungs­be­dürf­tig…” Inter­view von Mar­tin U. Mül­ler vom 22.07.2020 im Spie­gel online externer Link
  • 10 Pro­zent aller Coro­na-Fäl­le sind Ärz­te oder Pfle­ge­kräf­te /​Coro­na­hil­fen vom Bund für Inten­siv­bet­ten wohl teil­wei­se zweck­ent­frem­det 
    • Pro­fit zu Las­ten Kran­ker – Bericht: Coro­na­hil­fen vom Bund für Inten­siv­bet­ten wohl teil­wei­se zweck­ent­frem­det
      “Aus Angst vor einem Zusam­men­bruch des Gesund­heits­we­sens steck­te die Bun­des­re­gie­rung seit Beginn der Coro­na­pan­de­mie viel Steu­er­geld in die Kli­ni­ken. Mehr als sie­ben Mil­li­ar­den Euro flos­sen bis­lang, um Inten­siv­bet­ten für erwar­te­te Covid-19-Fäl­le frei­zu­hal­ten und neue zu schaf­fen. Doch ein Groß­teil der Bet­ten, für die das Geld aus­ge­ge­ben wer­den soll­te, gibt es gar nicht. Und Kli­nik­kon­zer­ne hiel­ten gezielt bestimm­te Bet­ten frei, um von der Pau­scha­le zu pro­fi­tie­ren. Das legt ein Schrei­ben aus dem Gesund­heits­mi­nis­te­ri­um nahe, über wel­ches das ARD-Maga­zin »­Kon­traste« am Don­ners­tag abend berich­te­te externer Link. Dem­nach rät­selt die Bun­des­re­gie­rung offen­bar selbst, wo die 534 Mil­lio­nen Euro für neue Inten­siv­bet­ten – 50.000 pro Stück – wirk­lich ver­si­ckert sind. Das wur­de wohl nie kon­trol­liert. Denn eigent­lich müss­te es laut Rech­nung des Minis­te­ri­ums heu­te knapp 40.000 Bet­ten für inten­siv behand­lungs­be­dürf­ti­ge Pati­en­ten geben, das Regis­ter der Deut­schen Inter­dis­zi­pli­nä­ren Ver­ei­ni­gung für Inten­siv- und Not­fall­me­di­zin (DIVI) wies am gest­ri­gen Frei­tag aber nur knapp 32.600 aus. Dem Bericht zufol­ge for­der­te Staats­se­kre­tär Tho­mas Stef­fen mit dem Schrei­ben die Bun­des­län­der auf, die Abwei­chun­gen bis zum 10. Juli auf­zu­klä­ren. Pas­siert ist das bis­her wohl nicht, wie es hieß. »Wir reden hier über eine nicht auf­ge­klär­te För­der­sum­me von 350 Mil­lio­nen Euro«, ver­deut­lich­te Rein­hard Brück­ner, Vor­stand der Kran­ken­kas­se Viac­tiv BKK, und kom­men­tier­te: »Das fin­de ich schon ein star­kes Stück.« (…) Djor­ge Niko­lic, Geschäfts­füh­rer der Fir­ma »Con­sus Cli­nicma­nage­ment«, bestä­tig­te die Ein­schät­zung, wonach es vie­len Kli­ni­ken mehr ums Geld­ver­die­nen als um das Pati­en­ten­wohl gin­ge. Sein Unter­neh­men berät Kran­ken­häu­ser und wirbt mit dem Slo­gan: »Stei­gern Sie mit uns Ihre Erlö­se.« Kran­ken­häu­ser aller Art hät­ten in Coro­na­zei­ten »gehäuft ange­fragt, ob es über­haupt Sinn hat, mehr Pati­en­ten auf­zu­neh­men oder die Pau­scha­le zu neh­men«, berich­te­te Niko­lic. Auch hät­ten Kli­ni­ken ver­mehrt erfah­ren wol­len, wel­che Krank­hei­ten am lukra­tivs­ten sei­en. Man wähl­te also nach Pro­fit­kri­te­ri­en aus, wer noch behan­delt wur­de…“ Arti­kel von Sus­an Bonath in der jun­gen Welt vom 18.07.2020 externer Link
    • Sta­tis­tik der WHO: 10 Pro­zent aller Coro­na-Fäl­le sind Ärz­te oder Pfle­ge­kräf­te
      Mehr als 1,3 Mil­lio­nen Ärz­te und Pfle­ge­kräf­te welt­weit sind laut Welt­ge­sund­heits­or­ga­ni­sa­ti­on (WHO) bis­lang am neu­ar­ti­gen Coro­na­vi­rus erkrankt. Beschäf­tig­te im Gesund­heits­sek­tor mach­ten bis­her etwa 10 Pro­zent aller welt­wei­ten Covid-19-Fäl­le aus, sag­te WHO-Chef Tedros Adha­nom Ghe­breye­sus am Frei­tag in Genf. (…) Ärz­te und Pfle­ge­kräf­te ris­kier­ten nicht nur ihr Leben, son­dern lit­ten viel­fach auch an kör­per­li­cher und psy­chi­scher Erschöp­fung nach Mona­ten extrem for­dern­der Arbeit wäh­rend der Pan­de­mie, sag­te Tedros. «Wir alle schul­den den Beschäf­tig­ten im Gesund­heits­sek­tor enorm viel», beton­te er. Aus­brei­tung und Risi­ken von Infek­tio­nen unter medi­zi­ni­schen Fach­kräf­ten sol­len bes­ser erforscht wer­den…” dpa-Mel­dung vom 17. Juli 2020 in der Zeit online externer Link
  • [Infek­tio­nen der Pfle­ge­kräf­te und Ärz­te] “Das Virus greift auch die See­le an” 
    “Die Zah­len der AOK Bay­ern und des Lan­des­am­tes für Gesund­heit und Lebens­mit­tel­si­cher­heit bestä­ti­gen: Pfle­ge­kräf­te oder Ärz­te erkran­ken beson­ders häu­fig an Covid-19. Oft lei­det nicht nur ihr Kör­per. (…) Kran­ken­schwes­tern, Pfle­ge­kräf­te, Ärz­te und im Behin­der­ten­be­reich täti­ge Per­so­nen sind einem hohen Risi­ko aus­ge­setzt, sich mit dem Erre­ger Sars-CoV‑2 anzu­ste­cken. Nach den aktu­el­len Zah­len, die dem Lan­des­amt für Gesund­heit und Lebens­mit­tel­si­cher­heit (LGL) vor­lie­gen, sind bis­lang knapp mehr als 5300 infi­zier­te Men­schen gemel­det wor­den, die in die­sen Berei­chen tätig sind. Die Mehr­zahl der Betrof­fe­nen – kon­kret 3152 Fäl­le – arbei­tet in der Gesund­heits­ver­sor­gung, etwa in Kran­ken­häu­sern, Arzt­pra­xen oder Tages­kli­ni­ken. Die ande­ren vom LGL auf Anfra­ge der Süd­deut­schen Zei­tung genann­ten Infi­zier­ten – ins­ge­samt 2154 Fäl­le – üben eine Tätig­keit in Ein­rich­tun­gen zur Pfle­ge älte­rer, behin­der­ter oder pfle­ge­be­dürf­ti­ger Men­schen aus. Wie das LGL beton­te, sind die Zah­len aller­dings “mit Bedacht zu inter­pre­tie­ren”. Die Zahl der Fäl­le kön­ne “mög­li­cher­wei­se höher lie­gen”. Da zudem im Rah­men der ärzt­li­chen Mel­de­pflicht im Infek­ti­ons­fall die Erfas­sung des Berufs nicht vor­ge­se­hen sei, kön­ne auch nicht unter­schie­den wer­den “zwi­schen medi­zi­ni­schem, pfle­ge­ri­schem oder sons­ti­gem Per­so­nal”. Wei­te­re Details lie­fert indes eine neue Stu­die der AOK Bay­ern, in wel­cher die Kas­se die Arbeits­un­fä­hig­keits­da­ten ihrer Ver­si­cher­ten aus­ge­wer­tet hat. Dem­nach ent­fie­len im Frei­staat auf Beschäf­tig­te in Pfle­ge­be­ru­fen “wäh­rend der Lock­down-Pha­se beson­ders vie­le Krank­schrei­bun­gen” im Zusam­men­hang mit der durch das Coro­na­vi­rus über­tra­ge­nen Lun­gen­er­kran­kung Covid-19. Zwi­schen März und Mai haben dem­nach in Bay­ern von je 100 000 Beschäf­tig­ten in der Gesund­heits- und Kran­ken­pfle­ge alles in allem 1916 Per­so­nen pan­de­mie­be­dingt am Arbeits­platz gefehlt. In der Alten­pfle­ge waren es nach Anga­ben der Kas­se 1760 Ver­si­cher­te, die sich mit dem Coro­na­vi­rus infi­ziert hat­ten…“ Arti­kel von Diet­rich Mitt­ler vom 14.07.2020 in der Süd­deut­schen Zei­tung online externer Link
  • Kran­ken­pfle­ge­rin über Coro­na­kri­se “Wir haben uns wie Kano­nen­fut­ter gefühlt” 
    In der Coro­na­kri­se fei­er­ten man­che sie zwar als “Hel­din” – wütend wur­de sie trotz­dem. Oder gera­de des­we­gen? Ein Gespräch mit Kran­ken­pfle­ge­rin Nina Böh­mer über Arbei­ten am Limit und schwie­ri­ge Pati­en­ten. (…) Erst hat­te der Gesund­heits­mi­nis­ter Jens Spahn die Per­so­nal­un­ter­gren­zen in der Kran­ken­pfle­ge aus­ge­setzt, dann konn­te sich das Robert Koch-Insti­tut vor­stel­len, dass wir als Per­so­nal nicht 14 Tage in Qua­ran­tä­ne müs­sen. Da kam eins nach dem ande­ren zusam­men. Das hat mich ziem­lich sau­er gemacht. (…) Wir alle wur­den in den Medi­en als Hel­den gefei­ert, haben uns aber wie Kano­nen­fut­ter gefühlt, das ver­heizt wer­den soll­te – das fand ich unge­recht und mit die­ser Mei­nung war ich nicht allein. SPIEGEL: Es kam ein Man­gel von Schutz­klei­dung und Mas­ken hin­zu. Wie sind Sie kon­kret im Berufs­all­tag damit umge­gan­gen? Böh­mer: Man hat halt das benutzt, was da war. Die Leu­te sind auf ein­mal in die Kran­ken­häu­ser gegan­gen und haben Din­ge geklaut: Ich bin aus einem Pati­en­ten­zim­mer raus­ge­kom­men, woll­te mir die Hän­de des­in­fi­zie­ren – und auf ein­mal gab es die Fla­sche nicht mehr. Ich konn­te das nicht ver­ste­hen, weil es im Kran­ken­haus viel drin­gen­der gebraucht wur­de als bei irgend­je­man­dem zu Hau­se. Wir haben dann nur eine Mas­ke am Tag benutzt zum Bei­spiel, weil es nicht anders ging, und sie eben nicht jedes Mal nach Pati­en­ten­kon­takt gewech­selt. Wir muss­ten spar­sam sein und hat­ten oft ein schlech­tes Gefühl damit, weil wir uns ja nicht nur vor Coro­na schüt­zen müs­sen, son­dern auch vor wei­te­ren Kran­ken­haus­kei­men. So konn­ten wir das nicht mehr…” Inter­view von Enri­co Ippo­li­to vom 13.07.2020 beim Spie­gel online externer Link – lesens­wert zur Gesamt­si­tua­tui­on des Beru­fes!
  • [ver.di zu Kli­ni­ken] Gesetz­li­che Per­so­nal­be­mes­sung schnell ein­füh­ren – Coro­na-Prä­mie für alle Beschäf­tig­ten! /​[VKG] Vor­schlag für eine Kam­pa­gne im Gesund­heits­be­reich /​die Vor-Coro­na-Struk­tur­pro­ble­me erneut in Sicht
    • [ver.di zu Kli­ni­ken] Gesetz­li­che Per­so­nal­be­mes­sung schnell ein­füh­ren – Coro­na-Prä­mie für alle Beschäf­tig­ten!
      Die Ver­ein­te Dienst­leis­tungs­ge­werk­schaft sieht sich in vie­len Punk­ten einig mit der Deut­schen Kran­ken­haus­ge­sell­schaft (DKG), die heu­te (1. Juli 2020) ihre Leh­ren aus der Coro­na-Pan­de­mie der Öffent­lich­keit prä­sen­tiert hat. „Vor­hal­te­kos­ten und Inves­ti­tio­nen müs­sen aus­kömm­lich finan­ziert, die Poten­zia­le der Digi­ta­li­sie­rung genutzt und für Schutz­aus­rüs­tung muss Vor­sor­ge getrof­fen wer­den – in all die­sen Fra­gen zie­hen wir mit der Deut­schen Kran­ken­haus­ge­sell­schaft an einem Strang“, sag­te ver.di-Bundesvorstandsmitglied Syl­via Büh­ler. „Unser wich­tigs­tes gemein­sa­mes Anlie­gen ist die rasche Ein­füh­rung einer bedarfs­ge­rech­ten Per­so­nal­be­mes­sung. Der Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter steht in der Pflicht, die PPR 2.0 schnell per Gesetz auf den Weg zu brin­gen.“ Gemein­sam mit der DKG und dem Deut­schen Pfle­gerat hat ver.di bereits im Janu­ar ein Instru­ment zur Per­so­nal­be­mes­sung in der Pfle­ge, die PPR 2.0, vor­ge­stellt. „Über­haupt nicht ein­ver­stan­den sind wir aller­dings mit der gene­rel­len Aus­set­zung der Pfle­ge­per­so­nal­un­ter­gren­zen“, beton­te Büh­ler. „Die Unter­gren­zen sind weit davon ent­fernt, eine bedarfs­ge­rech­te Ver­sor­gung zu ermög­li­chen. Sie sind das Mini­mum, mit dem eine aku­te Pati­en­ten­ge­fähr­dung aus­ge­schlos­sen wer­den soll. Sie pau­schal aus­zu­set­zen ist der fal­sche Weg.“ Der enga­gier­te Ein­satz der Kli­nik­be­schäf­tig­ten wer­de zu Recht öffent­lich gewür­digt. „Wie ihre Kol­le­gin­nen und Kol­le­gen in der Alten­pfle­ge haben auch die Beschäf­tig­ten der Kran­ken­häu­ser eine Prä­mie als Aner­ken­nung ihrer beson­de­ren Leis­tun­gen ver­dient“, so die Gewerk­schaf­te­rin. In der Alten­pfle­ge erhal­ten alle Beschäf­tig­ten eine ein­ma­li­ge Son­der­zah­lung von bis zu 1.500 Euro, was auch auf eine ver.di-Initiative zurück­geht. DKG-Prä­si­dent Dr. Gerald Gaß hat­te zuvor bedau­ert, dass die Prä­mie nicht auch für Kli­nik­be­schäf­tig­te gezahlt wird. Büh­ler ver­wies in die­sem Zusam­men­hang auf die Erhö­hung des Pfle­ge­ent­gelts, das voll­stän­dig in den Kli­ni­ken ver­bleibt. „Die­sen Spiel­raum soll­ten die Kran­ken­häu­ser nut­zen, um die Leis­tun­gen aller Beschäf­tig­ten mit einer Prä­mie zu hono­rie­ren – selbst wenn der Gesetz­ge­ber hier nicht tätig wird.“ Beim Finan­zie­rungs­sys­tem über Fall­pau­scha­len (Dia­gno­sis Rela­ted Groups, DRG) sieht ver.di grund­sätz­li­chen Ände­rungs­be­darf. „In der Pan­de­mie ist noch ein­mal deut­lich gewor­den, dass das DRG-Sys­tem die fal­schen Anrei­ze setzt“, erklär­te Büh­ler. „Die Her­aus­nah­me der Pfle­ge­per­so­nal­kos­ten aus den Fall­pau­scha­len ist ein ers­ter rich­ti­ger Schritt. Es müs­sen wei­te­re fol­gen. Das DRG-Sys­tem ins­ge­samt soll­te durch eine bedarfs­ge­rech­te Finan­zie­rung ersetzt wer­den, um eine hoch­wer­ti­ge Ver­sor­gung und gute Arbeits­be­din­gun­gen zu ermög­li­chen.“ ver.di-Pressemitteilung vom 01.07.2020 externer Link, sie­he auch Son­der­prä­mie von 1500 Euro in der Pfle­ge­bran­che: ver.di und BVAP eini­gen sich auf Tarif­ver­trag für Coro­na – “Ein­mal­prä­mie und dafür den Mund hal­ten? Nicht mit uns!”
    • [VKG] Vor­schlag für eine Kam­pa­gne im Gesund­heits­be­reich
      “… Die Coro­na­kri­se bringt es an den Tag und ist auch mit schö­nen Wor­ten nicht mehr weg­zu­re­den: die jahr­zehn­te­lan­ge neo­li­be­ra­le Pri­va­ti­sie­rungs­wel­le, die dar­aus resul­tie­ren­den Spar­pro­gram­me und Per­so­nal­ab­bau in den Kran­ken­häu­sern – nicht nur in Deutsch­land – brin­gen das Gesund­heits­sys­tem an den Rand des Kol­lap­ses. Die­se Aus­nah­me­si­tua­ti­on, die schon ein gut funk­tio­nie­ren­des Gesund­heits­sys­tem an die Gren­zen sei­ner Belast­bar­keit brin­gen wür­de, zeigt noch­mal sehr deut­lich auf, dass ein Sys­tem das auf einem rui­nö­sen Wett­be­werb auf­ge­baut ist, einer sol­chen Belas­tung nicht gewach­sen ist. Wann wenn nicht jetzt müs­sen die Wei­chen für ein funk­tio­nie­ren­des Gesund­heits­sys­tem gestellt wer­den! Weg von der Ori­en­tie­rung der Kran­ken­häu­ser auf Gewinn­ma­xi­mie­rung hin zu einem Sys­tem, das alle Patient*innen – ob jung oder alt, ob chro­nisch krank oder erkrankt an sel­ten und kom­pli­zier­ten Lei­den – glei­cher­ma­ßen voll und gut ver­sorgt, bei guten Arbeits­be­din­gun­gen aller Beschäf­tig­ten. Es ist an der Zeit, gemein­sam aktiv zu wer­den. Wir schla­gen dafür die Dis­kus­si­on über fol­gen­de The­men­be­rei­che und For­de­run­gen vor: Gegen die Pri­va­ti­sie­rung der Kran­ken­häu­ser: (…) Für mehr und bes­ser bezahl­tes Per­so­nal: (…) Für Arbeits­be­din­gun­gen für die Beschäf­tig­ten, die eine gute Ver­sor­gung gewähr­leis­ten kön­nen: (…) Um dies vor­zu­be­rei­ten, muss ver.di jetzt Akti­vi­tä­ten der Beschäf­tig­ten – in Koor­di­na­ti­on mit den Patient*innen – initi­ie­ren. Als ers­ter Schritt schla­gen wir die Ein­be­ru­fung von Aktiv­en­tref­fen der Beschäf­tig­ten bun­des­weit und lokal vor. Als nächs­ten Schritt schla­gen wir vor, die­se Akti­vi­tä­ten in einer bun­des­wei­ten Akti­ons­kon­fe­renz aller im Gesund­heits­be­reich akti­ven Kräf­te (wie ver.di, BR/​PR, gewerk­schaft­li­che Struk­tu­ren in den Ein­rich­tun­gen, Pfle­ge­bünd­nis­se, Pati­en­tIn­nen­or­ga­ni­sa­tio­nen, Bünd­nis Kran­ken­haus statt Fabrik, DIE LINKE, SPD etc.) z.B. im Herbst zusam­men­zu­fas­sen und wei­te­re gemein­sa­me Schrit­te zu bespre­chen. Nur wenn die Beschäf­tig­ten und die arbei­ten­de Bevöl­ke­rung (Patient*innen) gemein­sam gegen die Kri­se in den Kran­ken­häu­sern und Pfle­ge­ein­rich­tun­gen vor­ge­hen, kann sich dar­aus eine Kraft ent­wi­ckeln, die ein Gesund­heits­sys­tem durch­set­zen kann, das alle Patient*innen glei­cher­ma­ßen voll und gut ver­sorgt, bei gleich­zei­tig guten Arbeits­be­din­gun­gen aller Beschäf­tig­ten.“ Vor­schlag vom 11.06.2020 bei der Ver­net­zung für kämp­fe­ri­sche Gewerk­schaf­ten externer Link
    • Ent­leer­te Kran­ken­häu­ser, ver­lo­ren gegan­ge­ne Pati­en­ten, eine Lee­re-Bet­ten-Prä­mie mit Durch­schnitts­pro­blem und die Vor-Coro­na-Struk­tur­pro­ble­me erneut in Sicht
      “… Bis zum Aus­bruch der Coro­na-Kri­se stand eine seit Jah­ren lau­fen­de Debat­te über angeb­lich „zu vie­le“ Kran­ken­häu­ser, über feh­len­des Per­so­nal vor allem im Pfle­ge­be­reich, über ein fall­pau­scha­lie­ren­des Ver­gü­tungs­sys­tem mit zahl­rei­chen Anrei­zen, aus mone­tä­ren Moti­ven bestimm­te Ein­grif­fe beson­ders häu­fig zu machen auch jen­seits der tat­säch­li­chen Not­wen­dig­keit, zugleich aber auch aus ande­ren Berei­chen wie der Ver­sor­gung kran­ker Kin­der oder der Geburts­hil­fe zu flüch­ten, weil die sich nicht mehr „rech­nen“, im Mit­tel­punkt der gesund­heits­po­li­ti­schen Aus­ein­an­der­set­zun­gen. Und dann war von einem Moment auf den ande­ren alles anders. Voll­brem­sung im bis­lang nor­ma­len Kran­ken­haus­be­trieb. Die Kli­ni­ken soll­ten sich vor­be­rei­ten auf eine gro­ße Zahl an Covid-19-Pati­en­ten. Hin­ter­her ist man immer schlau­er. Heu­te kön­nen wir sagen, dass das hoch­kom­ple­xe Sys­tem der Kran­ken­haus­ver­sor­gung in kür­zes­ter Zeit auf die Bewäl­ti­gung der damals erwar­te­ten Wel­le an behand­lungs­be­dürf­ti­gen Pati­en­ten umge­stellt wer­den konn­te, dass das ange­streb­te Hoch­fah­ren der Kapa­zi­tä­ten für eine inten­siv­me­di­zi­ni­sche Behand­lung gelang. Ein sol­cher Kraft­akt bleibt natur­ge­mäß nicht ohne „Kol­la­te­ral­schä­den“. Denn das konn­te nur geleis­tet wer­den, in dem man am Anfang voll­stän­dig aus der Nor­ma­li­tät der durch­ge­tak­te­ten Abläu­fe der als erlö­s­op­ti­mie­ren­de Wirt­schafts­be­trie­be auf­ge­stell­ten Kli­ni­ken aus­ge­bro­chen ist. Die Kran­ken­häu­ser wur­den vom Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter auf­ge­for­dert, auf alle nicht zwin­gend erfor­der­li­chen Ope­ra­tio­nen und ande­re Behand­lun­gen zu ver­zich­ten, um genü­gend Res­sour­cen für die von vie­len Sei­ten erwar­te­te Not­la­ge zur Ver­fü­gung zu haben. Und auch das wur­de von den Kli­ni­ken umge­setzt. Als man in den Kri­sen­be­wäl­ti­gungs­mo­dus gewech­selt ist, war allen Betei­lig­ten klar, dass das bestehen­de Sys­tem der Finan­zie­rung der Kran­ken­häu­ser im Grun­de außer Kraft gesetzt wer­den muss­te, denn ein durch­gän­gig fall­pau­scha­lie­ren­des Sys­tem macht nur Sinn, wenn „der Laden läuft“ und man den not­wen­di­gen Umsatz aus den Fäl­len in Ver­bin­dung mit deren Fall­schwe­re machen kann. Inso­fern war klar, dass man den Kli­ni­ken unter die Arme grei­fen muss, um die erwart­bar feh­len­den Ein­nah­men durch die weg­fal­len­den Behand­lun­gen zu kom­pen­sie­ren. Ansons­ten wären die Kran­ken­häu­ser inner­halb kür­zes­ter Zeit plei­te. Vor die­sem Hin­ter­grund haben sich Bun­des­re­gie­rung, Kran­ken­kas­sen­ver­bän­de und Kli­ni­ken in der zwei­ten März­hälf­te dar­auf ver­stän­digt, die Kran­ken­häu­ser durch Zusatz­ent­gel­te und eine Vor­hal­te­pau­scha­le für jedes frei gehal­te­ne Bett am Netz zu hal­ten. Es wur­de ver­ein­bart, eine pau­scha­le Tages­pau­scha­le von 560 Euro für jedes im Ver­gleich zu den Bele­gungs­zah­len von 2019 frei gehal­te­ne Bett zu zah­len. (…) Bis Ende Sep­tem­ber, wenn die Rege­lung aus­läuft, könn­ten dar­aus 11,5 Mil­li­ar­den Euro wer­den«, so Peter The­len in sei­nem Arti­kel Wohin fließt das Geld für lee­re Kli­nik­bet­ten? externer Link Er weist auch dar­auf hin, dass es bereits am Anfang hin­sicht­lich der Rege­lung Kri­tik gab: »Die Rege­lung sei zu pau­schal, hieß es. Die … ver­ein­bar­ten 560 Euro für jedes im Ver­gleich zu den Bele­gungs­zah­len von 2019 frei gehal­te­ne Bett wer­de zu teu­ren Mit­nah­me­ef­fek­ten füh­ren, warn­ten etwa die Grü­nen.« (…) Nun sind wir an einem Punkt ange­langt, an dem es hilf­reich wäre, wenn man Zah­len hät­te, um wie vie­le Fäl­le es hier eigent­lich geht. Das eine ist die anek­do­ti­sche Evi­denz, wenn man den Berich­ten von Pfle­ge­kräf­ten oder Ärz­ten, die in den Kli­ni­ken arbei­ten, folgt. Dabei wird durch­aus davon berich­tet, dass es Kli­ni­ken gab, in denen das Per­so­nal Über­stun­den abbau­en konn­te, weil man schlicht­weg nichts zu tun hat­te. Und wo von Kran­ken­haus­ver­wal­tun­gen berich­tet wird, die an dem Zustand der Abschot­tung mög­lichst lan­ge fest­hal­ten woll­ten, da sich die Erlös­si­tua­ti­on mit der Lee­re-Bet­ten-Prä­mie bes­ser dar­ge­stellt hat als wenn man leben­de Pati­en­ten behan­delt hät­te. Auf der ande­ren Sei­te erin­nert man sich auch an die Auf­ru­fe von Ärz­ten, doch bit­te in de Kli­ni­ken zu kom­men, wenn man ernst­haft krank sei, denn es wur­de befürch­tet, dass drin­gend behand­lungs­be­dürf­ti­ge Pati­en­ten nicht die Hil­fe suchen und bekom­men, die sie brau­chen. Nun hat das Wis­sen­schaft­li­che Insti­tut der AOK (WIDO) die Fall­zahl-Rück­gän­ge bei den Kran­ken­haus-Behand­lun­gen auf­grund des Coro­na­vi­rus-Lock­downs erst­mals auf einer vali­den bun­des­wei­ten Daten­ba­sis unter­sucht und das hier ver­öf­fent­licht…“ Bei­trag von Ste­fan Sell vom 30.6.2020 bei Aktu­el­le Sozi­al­po­li­tik externer Link
  • Coro­na und medi­zi­ni­sches Per­so­nal: Mit kon­se­quen­ten Tests Aus­brü­che ein­däm­men 
    “Nach wie vor tes­ten nur weni­ge Kran­ken­häu­ser ihre Mit­ar­bei­ter groß­flä­chig auf Coro­na. Dabei zeigt eine Stu­die, dass Tests hel­fen, Aus­brü­che schnell ein­zu­däm­men – und das Infek­ti­ons­ri­si­ko des Per­so­nals beson­ders hoch ist. (…) Die Anste­ckungs­ge­fahr für medi­zi­ni­sches Per­so­nal ist zehn- bis 20 mal höher als in der Nor­mal­be­völ­ke­rung, beson­ders gefähr­det sind Kran­ken­schwes­tern und ‑pfle­ger. Dies sei eine wich­ti­ge Erkennt­nis die­ser heu­te ver­öf­fent­lich­ten Stu­die externer Link, sagt Susan­ne Joh­na, Vor­sit­zen­de des Mar­bur­ger Bun­des, “weil der Fak­tor zehn bis 20 tat­säch­lich hoch ist. Und auch höher, als in den ande­ren Unter­su­chun­gen, die wir bis­her vor­lie­gen haben.” Sol­che Zah­len mach­ten deut­lich, dass Abwar­ten die fal­sche Stra­te­gie sei, sagt auch der Tumor­chir­urg Björn Brü­cher, einer der Autoren der Stu­die: “Dar­an zeigt sich, dass wäh­rend der Pan­de­mie nicht der nor­ma­le büro­kra­ti­sche Weg ein­zu­hal­ten ist und man zwei, drei Tage war­tet. Wür­de man das in einem sol­chen Fall tun, ent­ste­hen Kata­stro­phen.” Nicht ein­fach war­ten, bis es irgend­wo zu einem Aus­bruch kommt, son­dern früh­zei­tig tes­ten: Das sei eine Bestä­ti­gung des­sen, was der Mar­bur­ger Bund schon seit lan­gem for­de­re, so Joh­na vom Mar­bur­ger Bund: “Mit­ar­bei­ter, die kei­ne Sym­pto­me haben, ein­fach einer Rou­ti­ne­tes­tung zu unter­zie­hen, haben nur eini­ge Kli­ni­ken gemacht.” (…) Bis Diens­tag die­ser Woche hat­ten sich nach Anga­ben des Robert Koch-Insti­tuts mehr als 13.500 Mit­ar­bei­te­rin­nen und Mit­ar­bei­ter in Kran­ken­häu­sern und Arzt­pra­xen infi­ziert.“ Bei­trag von Peter Hor­nung vom 18.06.2020 bei tages​schau​.de externer Link
  • Bun­des­wei­ter gesund­heits­po­li­ti­scher Akti­ons­tag am 17.06.: Kei­ne Pro­fi­te mit unse­rer Gesund­heit! Gesund­heit für alle heißt Ende der Pro­fit­ori­en­tie­rung! Ver­ge­sell­schaf­tung des Gesund­heits­we­sens!
    Keine Profite mit unserer Gesundheit!Wir sind ein Bünd­nis von Grup­pen, Orga­ni­sa­tio­nen und Ein­zel­per­so­nen, das sich gegrün­det hat, um ein Zei­chen gegen die aktu­el­le Gesund­heits­po­li­tik zu set­zen. Wir for­den ein Ende der Pro­fit­ori­en­tie­rung, die Ver­ge­sell­schaf­tung des Gesund­heits­we­sens und Selbst­be­stim­mung für alle Gesund­heits­be­ru­fe! Ursprüng­lich woll­ten wir mit der größ­ten gesund­heits­po­li­ti­schen Demons­tra­ti­on der letz­ten jah­re auf die Stra­ßen gehen. In Anbe­tracht der aktu­el­len Lage wol­len wir unse­ren Pro­test in ande­ren For­men aus­drü­cken. Wir pla­nen ver­schie­de­ne Aktio­nen und Ereig­nis­se externer Link. Am 17.06. woll­ten sich ursprüng­lich die Gesundheitsminister*innen der Län­der und der Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter tref­fen. Das Tref­fen ist abge­sagt, wir wer­den in einem Akti­ons­tag trotz­dem auf die Stra­ße gehen – die Poli­tik hat zwar nichts zu bespre­chen, wir aber eine Men­ge zu sagen! Wir wer­den um 17 Uhr vor dem Ber­li­ner Gesund­heits­se­nat (Ora­ni­en­stra­ße 106) demons­trie­ren. Ihr könnt unse­re Pro­tes­te in einem Live­stream mit­ver­fol­gen, der am 17.06. aus vie­len Städ­ten Aktu­el­les zei­gen wird…” Infos zur Akti­on samt Mobi-Video beim Bünd­nis Kei­ne Pro­fi­te mit unse­rer Gesund­heit! externer Link und dort auch der Auf­ruf: “Die Auf­merk­sam­keit, die das Gesund­heits­we­sen aktu­ell bekommt, ist erfreu­lich. Klat­schen reicht jedoch nicht! Die müh­sam erkämpf­ten – und bei wei­tem nicht aus­rei­chen­den – Per­so­nal­un­ter­gren­zen im Kran­ken­haus wur­den auf­ge­ho­ben und die Maxi­ma­l­ar­beits­zeit aus­ge­wei­tet. Das führt uns vor Augen, dass das Gesund­heits­we­sen auf Kan­te genäht ist. Der Kri­sen­fall einer Pan­de­mie zeigt ein­mal mehr die Anfäl­lig­keit die­ses Sys­tems. Jetzt ist der rich­ti­ge Moment, um eine grund­le­gen­de Umge­stal­tung des Gesund­heits­we­sens ein­zu­lei­ten! (…) Wir for­dern: Gerech­te tarif­li­che Bezah­lung für alle Beschäf­tig­ten im Gesund­heits­we­sen statt nur Klat­schen und fal­sche Aner­ken­nung ! Kein Aus­wei­ten der Arbeits­zeit auf 12 Stun­den! Ver­bind­li­che, am Bedarf und an Qua­li­tät ori­en­tier­te Per­so­nal­schlüs­sel für alle Berei­che im Gesund­heits­we­sen statt Spahns gefähr­lich nied­ri­gen Per­so­nal­un­ter­gren­zen! Bezahl­te Zeit für gute Pfle­ge und mensch­li­che Zuwen­dung durch Pfle­ge­kräf­te statt Minu­ten­pfle­ge, Zer­split­te­rung der Auf­ga­ben und Depro­fes­sio­na­li­sie­rung! Gesund­heits­ein­rich­tun­gen gehö­ren zur Daseins­vor­sor­ge! Demo­kra­ti­sche Kon­trol­le durch die All­ge­mein­heit statt Markt und Pro­fit! Soli­da­ri­sche Bürger*innenversicherung für alle statt Zwei-Klas­sen­me­di­zin! (…) Gesun­de Lebens­be­din­gun­gen statt Aus­beu­tung bis zum Burn-Out!…”
    • Live­stream – lei­der nur bei Frat­ze­buch externer Link
    • Pro­test von Ärz­tIn­nen und Pfle­ge­rIn­nen: „Hört auf uns. Nicht auf BWLer“
      Die Kran­ken­pfle­ge­rin Sil­via Habe­kost kämpft gegen die Öko­no­mi­sie­rung im Gesund­heits­we­sen, nicht nur als Leh­re aus Coro­na. Pro­tes­tiert wird bun­des­weit. (…) Es ist die Unsi­cher­heit dazu­ge­kom­men, sich anzu­ste­cken. Die Gefahr ist ja groß, denn wir kön­nen nicht mit Min­dest­ab­stand pfle­gen. Vor allem zu Beginn der Kri­se hat es zudem mas­siv an Schutz­klei­dung gefehlt. Da wur­den wir geschult, wie wir spar­sam mit der Aus­rüs­tung umge­hen kön­nen. Das ist inzwi­schen bes­ser gewor­den, aber den­noch bekom­men wir wei­ter­hin nur eine FFP2/​3‑Maske pro Schicht und nicht genü­gend Des­in­fek­ti­ons­mit­tel. Posi­tiv ist, dass wir zumin­dest auf unse­rer Sta­ti­on zur­zeit noch weni­ger Pati­en­ten haben. Das wür­de ich mir immer wün­schen. Gene­rell sieht es auch deut­lich schlech­ter aus: Gesund­heits­mi­nis­ter Jens Spahn hat­te ja sogar die Pfle­ge­per­so­nal­un­ter­gren­zen, etwa auf Inten­siv­sta­tio­nen, aus­ge­setzt. (…) Und wir müs­sen dahin kom­men, dass nicht mehr ­BWLer, son­dern Ärz­tin­nen und Pfle­ger was zu sagen haben. Mit Gesund­heit sol­len kei­ne Gewin­ne gemacht wer­den. Fall­pau­scha­len, also die pau­scha­le Bezah­lung pro Fall, egal was er wirk­lich kos­tet, gehö­ren abge­schafft. Kran­ken­häu­ser haben dadurch den Anreiz, nur bestimm­te Behand­lun­gen durch­zu­füh­ren, um mög­lichst viel Geld ein­zu­neh­men. Das ist bei pri­va­ten Kran­ken­häu­sern noch schlim­mer. Die schüt­ten von den Ein­nah­men aus den Fall­pau­scha­len – bezahlt durch die Kran­ken­kas­sen­bei­trä­ge – Divi­den­den an ihre Aktio­nä­re aus. Eine Finan­zie­rung, die Anrei­ze schafft, die nicht den Pati­en­ten oder dem Per­so­nal dient, muss been­det wer­den, auch im Bereich der ambu­lan­ten Ver­sor­gung und der Alten­pfle­ge. Der Spar­druck führt im Übri­gen auch dazu, dass Vor­hal­te­kos­ten, etwa Lager­ka­pa­zi­tä­ten, aber auch eine Vor­hal­tung von Bet­ten und Per­so­nal, gestri­chen wer­den – das Ergeb­nis hat man jetzt bei Coro­na gese­hen. (…) Die Haupt­last der Öko­no­mi­sie­rung und der gesun­ke­nen Inves­ti­ti­ons­kos­ten der Län­der bezahlt das Per­so­nal – durch Out­sour­cing, Lohn­dum­ping, Stel­len­strei­chun­gen. Rich­tig hart trifft es Beschäf­tig­te, die angeb­lich nichts mit direk­ter Pati­en­ten­ver­sor­gung zu tun haben, wie Rei­ni­gung, Tech­nik, Trans­port, Wäsche, Spei­sen­ver­sor­gung. Das sind Berei­che, in denen am ehes­ten neue Leu­te gefun­den wer­den kön­nen und die sich am wenigs­ten weh­ren. Die gan­zen aus­ge­glie­der­ten Berei­che müs­sen zurück­ge­holt wer­den…” Inter­view von Erik Peter vom 17.6.2020 in der taz online externer Link
    • Bun­des­wei­te Akti­on am 17. Juni in Nürn­berg: Kämpft mit für die Abschaf­fung der Fall­pau­scha­len
      “Die Coro­na-Kri­se macht deut­lich: Das Spa­ren an Beschäf­tig­ten und Pati­en­ten ist im Kri­sen­fall ein Spiel mit dem Feu­er. Seit vie­len Jah­ren bekla­gen die Arbei­te­rIn­nen im Gesund­heits­we­sen den Pfle­ge­not­stand. Dass die Arbeit an pfle­ge­be­dürf­ti­gen und kran­ken Men­schen sich an Fall­pau­scha­len ori­en­tie­ren soll, erzeugt Wut und Frus­tra­ti­on. Stress durch per­so­nel­le Unter­be­set­zung, Zwangs­ver­set­zun­gen auf ande­re Sta­tio­nen, sowie der Pro­fit­druck, der von oben nach unten gereicht wird, erzeu­gen mise­ra­ble Arbeits­be­din­gun­gen und füh­ren zu schlech­ter Ver­sor­gung der Pati­en­tIn­nen. Men­schen sind kei­ne Fäl­le. Pfle­gen und hei­len geht nicht pau­schal. Ein Kran­ken­haus darf kei­ne Fabrik sein. Tur­nus­ge­mäß wäre für den 17. Juni eine Kon­fe­renz der Gesund­heits­mi­nis­ter des Bun­des geplant. Es ist ein Skan­dal, dass die­se ent­fällt, obwohl das Haus brennt. Doch wir machen jetzt rich­tig Druck! Betei­li­ge dich an der Demons­tra­ti­on vor dem Nürn­ber­ger Nord­kli­ni­kum im Rah­men der bun­des­weit statt­fin­den­den Aktio­nen. Mitt­woch 17.06., 14:15 Uhr, Kli­ni­kum Nord, Haupt­ein­gang For­de­re mit uns: Weg mit den Fall­pau­scha­len! Schluss mit den Zwangs­ver­set­zun­gen! Gute Bezah­lung und mehr Per­so­nal! Gesund­heit kos­ten­los für Alle! Kran­ken­haus­kon­zer­ne ent­eig­nen!“ Auf­ruf vom 04.06.2020 bei Initia­ti­ve soli­da­ri­scher Arbei­te­rIn­nen externer Link
    • Sie­he auch das Inter­view von Git­ta Düper­thal in der jw vom 16.6. externer Link mit Fabi­an Mül­ler in der (Spre­cher der bun­des­wei­ten Kam­pa­gne »Ver­ge­sell­schaf­ten statt klat­schen« aus Hal­le an der Saa­le)
    • #Tagd­er­Pfle­gen­den /​#Ver­ge­sell­schaf­ten­Statt­Klat­schen
  • Cha­os beim Mund­schutz: Hun­dert­tau­sen­de von Jens Spahn bestell­te Mas­ken ver­stau­ben im Lager
    “Der Lie­fe­rant, der anonym blei­ben möch­te, setz­te im April alles dar­an, an Atem­schutz­mas­ken zu kom­men, um die­se aus Chi­na an das deut­sche Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­te­ri­um (BMG) lie­fern zu kön­nen. Er arbei­tet schon län­ger mit chi­ne­si­schen Her­stel­lern zusam­men, die Geschäf­te lau­fen meist über eine Agen­tin vor Ort. „Sie hat vor der Fabrik über­nach­tet“, berich­tet der Mann. Denn in jener Zeit sei­en US-ame­ri­ka­ni­sche Behör­den aggres­siv auf die Suche nach Mas­ken gegan­gen, hät­ten ander­wei­tig bestell­te Lie­fe­run­gen teils vor den Fabrik­to­ren weg­ge­kauft. Wenig spä­ter, so der Lie­fe­rant, wur­de die ers­te Mar­ge von Atem­schutz­mas­ken rei­bungs­los nach Deutsch­land aus­ge­flo­gen, wo Kli­ni­ken, Arzt­pra­xen und das gesam­te Gesund­heits­we­sen sie auf dem Höhe­punkt der Coro­na-Kri­se drin­gend erwar­te­ten. Ein Groß­teil der mehr als hal­be Mil­li­on Mas­ken läge nun immer noch in den Lagern des von der Bun­des­re­gie­rung beauf­trag­ten Logis­tik­part­ners Fie­ge. Der Lie­fe­rant selbst hin­ge­gen war­ten wei­ter­hin auf die Hälf­te des Gel­des dafür, einen „nied­ri­gen sie­ben­stel­li­gen Betrag“, wie er sagt. „Mit dem BMG oder über­haupt der Regie­rung wer­de ich jeden­falls mei­nen Leb­tag kei­ne Geschäf­te mehr machen.“ Er ist nicht der ein­zi­ge, der frus­triert ist: Bei mehr als 700 Lie­fe­ran­ten hat das BMG bestellt. Es geht um Mil­li­ar­den­be­trä­ge, unzäh­li­ge offe­ne Rech­nun­gen und vie­le Anwäl­te, die der­zeit erwar­tungs­voll Kla­gen gegen das BMG vor­be­rei­ten. (…) „Das ist schlim­mer als mit Ama­zon zu han­deln“, sagt einer am Tele­fon, und alle Betrof­fe­nen tei­len eine Erfah­rung: Seit Wochen wer­den ihre Anfra­gen nicht nur vom BMG igno­riert, son­dern auch von Fie­ge Logis­tik und der Unter­neh­mens­be­ra­tung „Ernst & Young“ (EY), mit der das Minis­te­ri­um einen sechs­mo­na­ti­gen Ver­tre­tungs-Ver­trag auf Tages­satz­ba­sis abge­schlos­sen hat. EY dürf­te gut zu tun haben: Eine inof­fi­zi­el­le Grup­pe von Lie­fe­ran­ten, die sich der­zeit über juris­ti­sche Schrit­te aus­tauscht, umfasst nach Back­ground-Infor­ma­tio­nen 101 Händ­ler und Anwäl­te, im Forum sind es um die 40. Unter den Betei­lig­ten wird immer wie­der von einer Sum­me von 4,2 Mil­li­ar­den Euro gespro­chen, die das BMG schul­de. (…) Auf die Fra­ge, ob es die Sum­me bestä­ti­gen oder demen­tie­ren kann, ant­wor­te­te das BMG nicht. Statt­des­sen kam eine Aus­kunft dar­über, dass man „aus dem Open-House-Ver­fah­ren Lie­fe­run­gen über ins­ge­samt 198 Mil­lio­nen FFP2- und 64 Mil­lio­nen OP-Mas­ken“ erhal­te. Das ent­spricht ziem­lich exakt dem vor­han­de­nen Geld. „Es ste­hen 1,2 Mil­li­ar­den Euro Haus­halts­mit­tel zur Beglei­chung der Rech­nun­gen zur Ver­fü­gung“, so eine BMG-Spre­che­rin. Bis­lang sei­en knapp 190 Mil­lio­nen FFP2- und OP-Mas­ken gelie­fert wor­den. (…) Auch Tho­mas Mösin­ger hat inzwi­schen ein Man­dat in der Sache ange­nom­men. Der Frank­fur­ter Fach­an­walt für Ver­ga­be­recht sieht den Grund­feh­ler dar­in, dass das BMG das Open-House-Ver­fah­ren nicht als Rah­men­ver­trag auf­ge­setzt habe, wie es zum Bei­spiel die Gesetz­li­che Kran­ken­ver­si­che­rung bei der Beschaf­fung von Arz­nei- und Hilfs­mit­teln prak­ti­zie­re. Statt­des­sen habe jeder, der sich auf die Aus­schrei­bung mit einer selbst gewähl­ten Men­ge von Mas­ken bewor­ben habe, auch einen Ver­trag bekom­men. Dar­aus ergibt sich nach Mösin­gers recht­li­cher Inter­pre­ta­ti­on auch eine Abnah­me­ga­ran­tie, also ein „Leis­tungs­aus­tausch“. Es mache eben einen Unter­schied, ver­deut­licht Mösin­ger, „ob ich eine Piz­za bestel­le oder ver­laut­ba­re, dass ich alle Piz­zen, die mir gelie­fert wer­den, dann auch bezah­le“. Das BMG habe offen­bar „unter­schätzt, wie vie­le Men­schen irgend­wel­che Chi­na-Con­nec­tions haben, mit denen sie dann hoff­ten, leicht einen Mil­lio­nen­auf­trag an Land zu zie­hen“. Spahns Haus habe aus sei­ner juris­ti­schen Sicht bei der Ver­ga­be „einen gewal­ti­gen Feh­ler gemacht, man hät­te auch ohne Pro­ble­me und mit einer Ober­gren­ze für die Lie­fer­men­ge ein Dring­lich­keits-Ver­ga­be­ver­fah­ren auf­set­zen kön­nen“. Hun­der­te von Händ­lern wer­den der­zeit“, schreibt einer der Lie­fe­ran­ten auf Anfra­ge, „mit Pseu­do­ar­gu­men­ten und Nebe­lei­en, insze­niert von Ernst & Young“, hin­ge­hal­ten. Er selbst habe zum im Open-House-Ver­fah­ren fest­ge­leg­ten Stich­tag, dem 30. April, „man­gel­frei Ware“ gelie­fert, sei dann den gesam­ten Mai um Geduld mit der Rech­nungs­be­glei­chung und dann schließ­lich im Juni um Rück­nah­me der Lie­fe­rung gebe­ten wor­den. „Ein Prüf­be­richt, womit ja der Rück­tritt begrün­det wird, wur­de nicht vor­ge­legt“, schreibt er. „Anwalt wur­de ein­ge­schal­tet und Mahn­schrei­ben ging raus. Selbst­ver­ständ­lich kei­ne Reak­ti­on bis­her.“…“ Arti­kel von Tho­mas Trap­pe vom 12.06.2020 beim Tages­spie­gel online externer Link
  • Peti­ti­on: Stoppt Gewinn­ma­xi­mie­rung in der Alten­pfle­ge! Jetzt! /​»Zukunfts­pro­gramm Kran­ken­häu­ser« för­dert vor allem gro­ße Ein­rich­tun­gen – wei­te­rer Bet­ten­ab­bau droht 
    • Peti­ti­on: Stoppt Gewinn­ma­xi­mie­rung in der Alten­pfle­ge! Jetzt!
      “… Die aktu­el­le Coro­na-Kri­se zeigt nun uns allen, dass eini­ge der Alten- und Pfle­ge­hei­me äußerst schlecht auf­ge­stellt sind, wenn es dar­um geht die Bewoh­ner und die Mit­ar­bei­ter vor einer Infek­ti­on zu schüt­zen. Es gibt Pfle­ge­hei­me, die wer­den mit den Her­aus­for­de­run­gen die­ser Kri­se fer­tig und es gibt die „Ande­ren“. War­um ist das so? War­um ster­ben Bewoh­ner in eini­gen Häu­sern in so hoher Anzahl? Die Pri­va­ti­sie­rung und die damit ein­her­ge­hen­de “Selbst­ver­wal­tung in der Pfle­ge” hat das Ver­hal­ten der Pfle­ge­heim­be­trei­ber intrans­pa­rent und unkon­trol­lier­bar wer­den las­sen. Denn seit Jahr­zehn­ten steht die Gewinn­ma­xi­mie­rung und die damit ver­bun­de­nen hohen Ren­di­ten in der Pfle­ge­wirt­schaft im Vor­der­grund, der oft­mals auch aus dem Aus­land han­deln­den Inves­to­ren. (…) Covid19 ist nur ein Virus, die Ursa­chen der Kata­stro­phe lie­gen woan­ders! Herr Minis­ter Spahn, die Bewoh­ner müs­sen über­all und zu jeder Zeit qua­li­ta­tiv gut ver­sorgt wer­den! Die „Selbst­ver­wal­tung der Pfle­ge“ arbei­tet im Ver­bor­ge­nen und gene­riert über unse­re Gel­der aus der Renten‑, Kran­ken- und Pfle­ge­ver­si­che­rung unkon­trol­liert exor­bi­tant hohe Ren­di­ten, bis zu 15%! Ren­di­ten, die an die Inves­to­ren wei­ter­ge­ge­ben wer­den und nicht den Bewoh­nern und den Pfle­ge­kräf­ten zugu­te­kom­men. Es muss jetzt gehan­delt wer­den! Vie­le Bewoh­ner wer­den aus Kos­ten­grün­den schlecht ernährt. (…) Herr Minis­ter, wir for­dern Sie auf, den Miss­stän­den in der sta­tio­nä­ren Alten­pfle­ge end­lich schnellst­mög­lich ent­ge­gen­zu­wir­ken, die die Sicher­heit der in den sta­tio­nä­ren Ein­rich­tun­gen leben­den Senio­ren gefähr­den, die ord­nungs­ge­mä­ße Durch­füh­rung der Pfle­ge­maß­na­men beein­träch­tigt oder erheb­li­che Nach­tei­le für die Mit­ar­bei­ter oder Senio­ren nach sich zie­hen. Des­halb for­dern wir: Um die Bewoh­ner zu schüt­zen, muss jedes Feh­len von Per­so­nal einen sofor­ti­gen Auf­nah­me­stopp zusätz­li­cher Bewoh­ner in einer Ein­rich­tung zur Fol­ge haben, bis die Anzahl des Per­so­nals wie­der dem Per­so­nal­schlüs­sel ent­spricht. Jedes Auf­tre­ten von Qua­li­täts­män­geln in der Bewoh­ner­ver­sor­gung muss einen sofor­ti­gen Auf­nah­me­stopp zusätz­li­cher Bewoh­ner zur Fol­ge haben, bis nach­ge­wie­se­ne Maß­nah­men zu einer dau­er­haf­ten Abhil­fe bzw. Besei­ti­gung der Qua­li­täts­män­gel geführt haben…“ Peti­ti­on bei chan​ge​.org externer Link
    • Finanz­sprit­ze für Kli­ni­ken. »Zukunfts­pro­gramm Kran­ken­häu­ser« för­dert vor allem gro­ße Ein­rich­tun­gen – wei­te­rer Bet­ten­ab­bau droht
      Die Bun­des­re­gie­rung hat ein mil­li­ar­den­schwe­res Kon­junk­tur­pro­gramm beschlos­sen, und ein Teil des Gel­des soll in die Kran­ken­häu­ser der Bun­des­re­pu­blik flie­ßen. Drei Mil­li­ar­den Euro sind für das »Zukunfts­pro­gramm Kran­ken­häu­ser« vor­ge­se­hen. Gerald Gaß, Prä­si­dent der Deut­schen Kran­ken­haus­ge­sell­schaft (DKG), kom­men­tier­te am Don­ners­tag in Ber­lin die Ent­schei­dung: »Wir freu­en uns dar­über, dass die Regie­rungs­ko­ali­ti­on her­aus­ge­stellt hat, wel­che her­aus­ra­gen­de Rol­le die Kran­ken­häu­ser bei der Bewäl­ti­gung der Coro­na­pan­de­mie gespielt haben.« Die nun vor­ge­se­he­nen Mit­tel sei­en »ein drin­gend not­wen­di­ger ers­ter Schritt, um die Inves­ti­ti­ons­la­ge in den Kli­ni­ken zu ver­bes­sern«, so Gaß. Man kön­ne der Poli­tik garan­tie­ren, die­sen Kon­junk­tur­im­puls sehr schnell umzu­set­zen, »da die Kran­ken­häu­ser Plä­ne schon in den Schub­la­den lie­gen haben«. Die vor­ge­se­he­nen Mit­tel dürf­ten aller­dings kaum aus­rei­chen. (…) Die Bun­des­re­gie­rung möch­te mit ihrem Zukunfts­pro­gramm regio­na­le Ver­sor­gungs­struk­tu­ren gezielt ent­wi­ckeln, sowohl für den Nor­mal­be­trieb als auch für Kri­sen­zei­ten. Der Ein­satz von Res­sour­cen soll laut Eck­punk­te­pa­pier »effi­zi­en­ter« wer­den. Tele­me­di­zin, Ver­net­zung und medi­zi­ni­sche Koope­ra­ti­on sind ent­schei­dend dafür. Was das am Ende für ein­zel­ne Kli­ni­ken hier­zu­lan­de bedeu­ten könn­te, beschreibt die Wirt­schafts­wo­che in ihrer Aus­ga­be vom 5. Juni anhand eines neo­li­be­ra­len Ross­kur­pro­gramms. Danach habe sich in der Coro­na­kri­se angeb­lich gezeigt, dass Deutsch­land zu vie­le Kran­ken­häu­ser habe; stün­den nor­ma­ler­wei­se von den bun­des­weit rund 500.000 Kran­ken­haus­bet­ten ein Fünf­tel leer, sei­en es in die­sen Wochen deut­lich mehr. Die­se »Über­ka­pa­zi­tä­ten« müss­ten dem Wirt­schafts­blatt zufol­ge abge­baut wer­den, und die Poli­tik müs­se sich dann ent­schei­den, ob es nütz­lich sei, für Kri­sen und Kata­stro­phen eine Reser­ve vor­zu­hal­ten. Die­se Not­fall­bet­ten soll­ten an weni­gen, aus­ge­such­ten Zen­tren ste­hen und extra – nicht über die Fall­pau­scha­len – ver­gü­tet wer­den.” Arti­kel von Bernd Mül­ler in der jun­gen Welt vom 06.06.2020 externer Link
  • Arzt erhebt schwe­re Vor­wür­fe gegen Spahn /​Ware Gesund­heit: Im Dau­er­not­stand – Mise­re Neo­li­be­ra­lis­mus? /​Kran­ken­kas­sen wol­len Mas­sen­tests nicht bezah­len 
    • Arzt erhebt schwe­re Vor­wür­fe gegen Spahn: „Unfass­bar, dass ein Gesund­heits­mi­nis­ter so auf­tritt
      Der Arzt und Autor Bernd Hont­schik kri­ti­siert im Gespräch mit Ste­phan Hebel bei der Frank­fur­ter Rund­schau vom 4. Juni 2020 externer Link: “… Öko­no­men haben das Kom­man­do über­nom­men und die Medi­zin immer mehr an den Rand gedrängt. Sie ist bald nur noch Mit­tel zum Zweck. Ich bin mit der gan­zen Rich­tung nicht ein­ver­stan­den, in die das gro­ße Schiff Gesund­heits­we­sen gesteu­ert wird. Wenn die Rich­tung nicht stimmt, nüt­zen die schöns­ten Refor­men nichts. Das Sozi­al­sys­tem Gesund­heits­we­sen ver­kommt zu einer Gesund­heits­wirt­schaft. Divi­den­den wer­den aus den Kran­ken­kas­sen­bei­trä­gen der Soli­dar­ge­mein­schaft gene­riert. Das muss auf­hö­ren. Sozi­al­sys­te­me kann man nicht opti­mie­ren. Man ver­kauft ja auch nicht die Feu­er­wehr an Inves­to­ren und schaut dann zu, wie Stel­len gestri­chen wer­den, weil es län­ger nicht gebrannt hat. (…) Ein Virus kann man nicht erfin­den. Neue Viren wird es immer geben. Aller­dings hat man das igno­riert und sich dann nur noch mit Not­stand und auto­ri­tä­rem Regie­ren behel­fen kön­nen, als es zu spät war. Eini­gen Politiker*innen scheint das Regie­ren im Not­stand aber gar nicht so unan­ge­nehm zu sein. Jetzt dür­fen sie es und hau­en dabei atem­be­rau­ben­de Sprü­che raus wie zum Bei­spiel, die Gesund­heit habe zu 100 Pro­zent Vor­rang. Das empört mich. Die Gesund­heit hat­te noch nie Vor­rang, schon gar nicht zu 100 Pro­zent! Sie hat­te beim Nacht­flug­ver­bot kei­nen Vor­rang, nicht bei den Hos­pi­tal-Infek­tio­nen, nicht beim Gly­pho­sat, nicht beim Tem­po­li­mit, nicht bei der Ener­gie­wen­de – und schon gar nicht bei der Wert­schät­zung und Bezah­lung der Pfle­ge­kräf­te. (…) Was mich dabei wirk­lich ver­blüfft, ist die über­wäl­ti­gen­de Zustim­mung, die unse­re Anfüh­rer in Land und Bund dafür erhal­ten. Ich fürch­te, dass wir bald eine bit­te­re Bilanz zie­hen müs­sen. (…) Die wich­tigs­te Erkennt­nis aus den ver­gan­ge­nen drei Mona­ten ist, dass nur eine staat­li­che Orga­ni­sa­ti­on Mit­tel und Fähig­kei­ten hat, eine der­ar­ti­ge Lage zu meis­tern. Und das wäre mein ers­tes und wich­tigs­tes Vor­ha­ben: Die Daseins­vor­sor­ge gehört in die Hand des Staa­tes. Die Gemein­nüt­zig­keit hät­te bei mir abso­lu­ten Vor­rang. Pri­va­te Kli­nik­kon­zer­ne sind zu ent­eig­nen und durch Rück­kauf zu ent­schä­di­gen. Im Gesund­heits­we­sen müs­sen alle Gewin­ne im Sys­tem blei­ben, statt an der Bör­se zu lan­den. Flä­chen­ta­rif­ver­trä­ge wären wie­der über­all gül­tig, ärzt­li­ches und Pfle­ge­per­so­nal könn­te end­lich mit guten Arbeits­be­din­gun­gen rech­nen. (…) Mein zwei­tes Pro­jekt wäre die Ein­füh­rung der Bür­ger­ver­si­che­rung. Mit den pri­va­ten Kran­ken­ver­si­che­run­gen ver­ab­schie­det sich das gut­ver­die­nen­de Zehn­tel der Bevöl­ke­rung aus der gesell­schaft­li­chen Soli­da­ri­tät. (…) Mein drit­tes Pro­jekt been­det die Tren­nung der sta­tio­nä­ren von der ambu­lan­ten medi­zi­ni­schen Ver­sor­gung. Wer jetzt immer noch Kran­ken­haus­schlie­ßun­gen pro­pa­giert, hat nichts ver­stan­den. Haus­arzt­me­di­zin, die All­ge­mein­me­di­zin muss ins Zen­trum rücken. Um die­se Basis her­um grup­pie­ren sich Pfle­ge­stütz­punk­te, Fachärzt*innen aller Art und sta­tio­nä­re Ein­rich­tun­gen. Nie­der­ge­las­se­ne und Krankenhausärzt*innen behan­deln ihre Patient*innen gemein­sam. Inte­grier­te Ver­sor­gungs­kon­zep­te genie­ßen abso­lu­ten Vor­rang. Kran­ken­häu­ser wer­den in Kate­go­rien ein­ge­teilt, vom klei­nen 50-Bet­ten-Haus der Grund­ver­sor­gung bis hin zu uni­ver­si­tä­ren Ein­rich­tun­gen mit allen Spe­zi­al­ab­tei­lun­gen. Die Finan­zie­rung baut nicht auf Fall­pau­scha­len auf, son­dern geschieht ent­spre­chend dem Auf­trag bezie­hungs­wei­se der Grö­ße des Kran­ken­hau­ses mit pau­scha­len Bud­gets. Bezahlt wird die Erfül­lung des gesell­schaft­li­chen Auf­tra­ges, nicht eine kon­kre­te medi­zi­ni­sche Tat…”
    • Ware Gesund­heit: Im Dau­er­not­stand – Mise­re Neo­li­be­ra­lis­mus?
      “…Die Gesund­heit im Kapi­ta­lis­mus ist einer­seits Bedin­gung für jed­we­de Tätig­keit der Men­schen im All­ge­mei­nen und ihres Daseins als funk­tio­nie­ren­de Kon­kur­renz­sub­jek­te im Beson­de­ren. Ande­rer­seits gefähr­det und rui­niert die­se Wirt­schafts­wei­se die Gesund­heit der Men­schen umfas­send. Eine Arbeits­welt, die ganz dar­an ori­en­tiert ist, mög­lichst viel Leis­tung für mög­lichst wenig Geld aus den Arbeits­kräf­ten her­aus­zu­wirt­schaf­ten; Pro­duk­te, bei denen Ver­träg­lich­keit klar hin­ter der Gewinn­träch­tig­keit steht; ein Ver­kehrs­we­sen, das Waren und Men­schen mit viel Lärm und Fein­staub just in time dort­hin beför­dert, wo sie gebraucht wer­den; eine im Diens­te des kapi­ta­lis­ti­schen Wachs­tums weit­ge­hend zer­stör­te Umwelt; per­ma­nen­te Het­ze und Stress bei der Kon­kur­renz in Schu­le, Uni, Beruf und am Ende auch noch in Frei­zeit und Fami­lie – all das fin­det sei­nen Nie­der­schlag in den »Zivi­li­sa­ti­ons­krank­hei­ten«. All­ge­mein gefasst: Pro­duk­ti­on und Ver­kauf von Waren die­nen nicht der Ver­sor­gung und Bedürf­nis­be­frie­di­gung von Pro­du­zen­ten und Kon­su­men­ten, son­dern der Ver­meh­rung von Geld. Die Rück­sicht­nah­me der Unter­neh­men auf die Gesund­heit der Arbeits­kräf­te, die Ver­wen­dung von Gift­stof­fen bei der Pro­duk­ti­on und als Bestand­tei­le der Waren und die Scho­nung der natür­li­chen Res­sour­cen sind vom Stand­punkt der Kapi­tal­ver­wer­tung zusätz­li­che Kos­ten bzw. ein Kon­kur­renz­nach­teil. Die­se Pro­duk­ti­ons­wei­se erzielt ihren Erfolg – das Wachs­tum der Unter­neh­mens- und Bank­bi­lan­zen –, indem sie die dafür nöti­gen mensch­li­chen Res­sour­cen (in ihren Rol­len als Beschäf­tig­te, Kon­su­men­ten, Ver­kehrs­teil­neh­mer usw.) wie die natür­li­chen (Boden, Was­ser, Atmo­sphä­re, Bio­sphä­re) rück­sichts­los in Beschlag nimmt und schä­digt. Die staat­li­che Gesund­heits­po­li­tik wid­met sich in der Fol­ge dem (Dauer-)Notstand, den ihre Wirt­schafts­ord­nung her­vor­bringt (…) Kri­tik am Gesund­heits­sys­tem im Kapi­ta­lis­mus soll­te nicht beim Kran­ken­haus anfan­gen – das ist deut­lich zu spät. Gesund­heit ist in der kapi­ta­lis­ti­schen Gesell­schaft nur mit­tel­bar »sys­tem­re­le­vant«, näm­lich als Bedin­gung einer Wirt­schafts­wei­se, die die Gesund­heit ihrer Mit­glie­der im Inter­es­se der Pro­fit­pro­duk­ti­on sys­te­ma­tisch schä­digt und zugleich braucht. Die soge­nann­ten Volks­krank­hei­ten, deren Ursa­chen und Ver­lauf wesent­lich von die­ser Pro­duk­ti­ons­wei­se bestimmt wer­den, sind inso­fern der eigent­li­che Kern des Pro­blems. (…) Beim For­dern nützt des­halb die Beru­fung auf den »sys­tem­re­le­van­ten Dienst« und die Erin­ne­rung an die bis­her und in der Kri­se gebrach­ten Opfer nichts. Auch wenn die »Hel­den des All­tags« gera­de berech­nend gefei­ert wer­den, zählt danach natür­lich wie eh und je, dass ihre Bezah­lung gering blei­ben muss – dar­in ist näm­lich die schlech­te Behand­lung von Pati­en­ten und Kran­ken­haus­per­so­nal sys­tem­re­le­vant. Wenn die so vor­ge­tra­ge­nen For­de­run­gen nicht erfüllt wer­den, weil es nach Aus­kunft derer, die das All­ge­mein­wohl die­ser Gesell­schaft defi­nie­ren, nicht »im Rah­men des Mög­li­chen« liegt, soll­ten die Betrof­fe­nen ihrer­seits Grund­satz­fra­gen auf­wer­fen…” Arti­kel von Suit­bert Cechu­ra und Rena­te Dill­mann in der jun­gen Welt vom 30. Mai 2020 externer Link
    • Kran­ken­kas­sen wol­len Mas­sen­tests nicht bezah­len
      “Gesund­heits­mi­nis­ter Spahn will Mas­sen­tests für Men­schen ohne Coro­na-Sym­pto­me ein­füh­ren, die Kran­ken­ver­si­che­run­gen wol­len das aber nicht bezah­len. Sie hal­ten die Labor­prei­se für zu hoch und sehen nicht ein, war­um sie auch für Nicht­ver­si­cher­te auf­kom­men sol­len. (…) Tat­säch­lich sind die Kos­ten gewal­tig, die wegen der geplan­ten star­ken Aus­wei­tung der Nach­wei­se auf das gesetz­li­che Kran­ken­ver­si­che­rungs­sys­tem zukom­men. Bei wöchent­lich einer Mil­li­on zusätz­li­cher Tests ent­stün­den bis zum Jah­res­en­de Mehr­aus­ga­ben von 1,7 Mil­li­ar­den Euro, heißt es in dem Ver­bands­pa­pier. Für die gesam­te Gel­tungs­dau­er der Ver­ord­nung bis ein­schließ­lich März 2021 belau­fe sich die Sum­me auf 2,4 Mil­li­ar­den Euro. Das ent­spre­che einem zusätz­li­chen Bei­trags­satz­be­darf der Kas­sen von 0,2 Bei­trags­satz­punk­ten. Im Fal­le einer regel­mä­ßi­gen sys­te­ma­ti­schen Tes­tung der Gesund­heits­be­ru­fe wür­den jede Woche aber 4,5 Mil­lio­nen Tests benö­tigt; die­se Zahl habe auch das Minis­te­ri­um im Ursprungs­ent­wurf sei­nes „Zwei­ten Bevöl­ke­rungs­schutz­ge­set­zes“ genannt. Bis Jah­res­en­de wer­de die­ser Test­be­darf Kos­ten von 7,6 Mil­li­ar­den Euro ver­ur­sa­chen. Bis Ende März sei­en 10,6 Mil­li­ar­den Euro not­wen­dig. Das ent­sprä­che einer Anhe­bung des Bei­trags­sat­zes um 0,8 Punk­te. (…) Der Spit­zen­ver­band der Kran­ken­kas­sen bekennt sich zu die­ser Vor­sor­ge. Falsch sei aber die geplan­te Rege­lung, dass die Kas­sen die Kos­ten über­neh­men soll­ten – und zwar sowohl für ihre eige­nen Ver­si­cher­ten als auch für ande­re Grup­pen, etwa für Pri­vat­ver­si­cher­te. Das GKV-Papier argu­men­tiert, dass den gesetz­li­chen Kran­ken­kas­sen auf unstatt­haf­te Wei­se Kos­ten auf­er­legt wür­den, „die ver­si­che­rungs­fremd sind und den Auf­ga­ben­stel­lun­gen des Öffent­li­chen Gesund­heits­diens­tes erwach­sen“. Obgleich die­se Auf­wen­dun­gen eigent­lich vom Staat zu über­neh­men wären, bür­de die Ver­ord­nung die Last dem Gesund­heits­fonds auf. Der Fonds ist eine wesent­li­che Stüt­ze des gesetz­li­chen Kran­ken­ver­si­che­rungs­sys­tems. An ihn rei­chen die Kran­ken­kas­sen die Bei­trä­ge ihrer Ver­si­cher­ten wei­ter und erhal­ten nor­ma­ler­wei­se das Geld nach einem bestimm­ten Schlüs­sel zurück, um es dann an die Kran­ken­häu­ser oder an die Kas­sen­ärzt­li­chen Ver­ei­ni­gun­gen aus­zu­zah­len. Für die Tests von asym­pto­ma­ti­schen Per­so­nen­grup­pen sieht Spahns Ver­ord­nung aber vor, dass die Kas­sen­ärz­te­ver­ei­ni­gun­gen das Geld direkt aus der Liqui­di­täts­re­ser­ve des Fonds erhal­ten. (…) Sau­er stößt den Kas­sen auch auf, dass der Test­um­fang in den Kran­ken­häu­sern bis­her in kei­ner Wei­se regu­liert sei: „Ohne Begren­zung wer­den öko­no­misch getrie­be­ne Ansät­ze unnö­ti­ge und unwirt­schaft­li­che Men­gen­aus­wei­tun­gen aus­lö­sen, die – ohne evi­den­ten Nut­zen für die Pati­en­tin­nen und Pati­en­ten – gleich­wohl von der Soli­dar­ge­mein­schaft zu tra­gen wären.“ Die Kas­sen set­zen jetzt dar­auf, dass das GKV-Sys­tem die Mil­li­ar­den­kos­ten für die Tests nur „vor­fi­nan­zie­ren“ muss, das Geld spä­ter aber aus dem Bun­des­haus­halt erstat­tet bekommt. In dem Papier heißt es, das Gesund­heits- und das Finanz­mi­nis­te­ri­um woll­ten im zwei­ten Halb­jahr fest­le­gen, „in wel­chem Umfang die gesetz­li­che Kran­ken­ver­si­che­rung zusätz­li­che Zuschüs­se des Bun­des zur Sta­bi­li­sie­rung des Bei­trags­sat­zes, mit­hin auch zur Refi­nan­zie­rung der genann­ten ver­si­che­rungs­frem­den Aus­ga­ben, erhal­ten soll­te“. Aller­dings fürch­ten die Kas­sen, dass ihr Anlie­gen in den ver­mut­lich schwie­rig wer­den­den all­ge­mei­nen Haus­halts­be­ra­tun­gen zer­rie­ben wird.“ Arti­kel von Chris­ti­an Gei­n­itz vom 02.06.2020 in der FAZ online externer Link
  • Infi­zier­tes Kli­nik­per­so­nal: Ärz­te kla­gen über feh­len­de Mas­ken und zu wenig Coro­na-Tests /​ver.di und Lebens­hil­fe for­dern aus­rei­chend Schutz­aus­rüs­tung, Tests und Coro­na-Prä­mie für Beschäf­tig­te der Behin­der­ten­hil­fe
    • Infi­zier­tes Kli­nik­per­so­nal: Ärz­te kla­gen über feh­len­de Mas­ken und zu wenig Coro­na-Tests
      Deutsch­land hat die ers­te Coro­na-Wel­le gut über­stan­den. Ärz­te und Kran­ken­pfle­ger stan­den dabei an vor­ders­ter Front – und Tau­sen­de haben sich dabei infi­ziert. Vie­le kla­gen nun über zu wenig Schutz­aus­rüs­tung und for­dern mehr Tests. (…) Tau­sen­de Ärz­te und Kran­ken­pfle­ger haben sich in der Bun­des­re­pu­blik seit Beginn der Coro­na­kri­se mit dem Virus ange­steckt. Jeder vier­zehn­te Infi­zier­te hier­zu­lan­de arbei­tet in einem Kran­ken­haus, in ärzt­li­chen Pra­xen, Dia­ly­se­ein­rich­tun­gen und bei Ret­tungs­diens­ten. Laut den aktu­ells­ten Zah­len des Robert-Koch-Insti­tuts (RKI) vom Sams­tag gibt es in die­sen Ein­rich­tun­gen mitt­ler­wei­le 12.813 bestä­tig­te Coro­na-Fäl­le. 584 Mit­ar­bei­ter muss­ten selbst in einer Kli­nik behan­delt wer­den, 20 der Erkrank­ten star­ben. Unse­re Redak­ti­on hat Medi­zi­ner und Pfle­ger zur Situa­ti­on befragt, sie um eine Ein­schät­zung gebe­ten sowie Unter­su­chun­gen aus­ge­wer­tet. Die Recher­chen zei­gen: Die meis­ten füh­len sich aus­rei­chend geschützt. Aller­dings bekla­gen vie­le feh­len­de Schutz­aus­rüs­tung in ihren Kli­ni­ken. Sie mah­nen zudem zu regel­mä­ßi­gen Coro­na-Tests sowohl beim Per­so­nal als auch bei den Pati­en­ten. (…) Die Infi­zier­ten­quo­te bei Ärz­ten und Kran­ken­pfle­gern in Deutsch­land ist tat­säch­lich immer grö­ßer gewor­den. Sie betrug am 9. April, als das RKI erst­mals Zah­len dazu ver­öf­fent­lich­te, noch 4,3 Pro­zent, am Sams­tag hin­ge­gen schon 7,1 Pro­zent. Wäh­rend sich im glei­chen Zeit­raum die Gesamt­zahl aller bestä­tig­ten Coro­na-Fäl­le in Deutsch­land nicht ein­mal ver­dop­pelt hat, hat sich die Sum­me des infi­zier­ten medi­zi­ni­schen Per­so­nals fast ver­drei­facht. (…) Dass die Schil­de­run­gen aus Ful­da kein Ein­zel­fall sind, zeigt eine Online-Umfra­ge des Mar­bur­ger Bun­des externer Link unter sei­nen Mit­glie­dern. 38 Pro­zent der Ärz­te hät­ten dem­nach ange­ge­ben, adäqua­te Schutz­klei­dung nicht in aus­rei­chen­der Anzahl zur Ver­fü­gung zu haben. “Unse­re Umfra­ge hat gezeigt, dass nicht nur Atem­schutz­mas­ken feh­len, son­dern auch Schutz­kit­tel oder Des­in­fek­ti­ons­mit­tel”, erläu­tert die Vor­sit­zen­de des Mar­bur­ger Bun­des, Joh­na. “FFP3-Mas­ken – die für bestimm­te Tätig­kei­ten sehr nah am Pati­en­ten gebraucht wer­den – sind der­zeit prak­tisch nicht lie­fer­bar.” Auch sie bestä­tigt, dass das Schutz­ma­te­ri­al viel län­ger als frü­her ein­ge­setzt wer­de. “FFP2-Mas­ken und chir­ur­gi­sche Mund-Nasen­schutz sind eigent­lich Ein­mal­ma­te­ri­al. Nun wer­den die­se in der Regel eine gan­ze Schicht lang ver­wen­det. Durch die Mehr­fach­nut­zung besteht gera­de beim Ab- und Auf­set­zen ein höhe­res Kon­ta­mi­na­ti­ons­ri­si­ko für das Per­so­nal.”…” Bei­trag von Mar­co Fie­ber vom 31. Mai 2020 bei web​.de externer Link
    • ver.di und Lebens­hil­fe for­dern aus­rei­chend Schutz­aus­rüs­tung, Tests und Coro­na-Prä­mie für Beschäf­tig­te der Behin­der­ten­hil­fe
      Die Ver­ein­te Dienst­leis­tungs­ge­werk­schaft (ver.di) und die Bun­des­ver­ei­ni­gung Lebens­hil­fe e.V. for­dern eine bes­se­re Aus­stat­tung der Ein­rich­tun­gen für behin­der­te Men­schen mit Schutz­aus­rüs­tung, Tests und die Zah­lung einer Coro­na-Prä­mie für die Beschäf­tig­ten auf­grund der beson­de­ren Anfor­de­run­gen wäh­rend der Pan­de­mie. Die Beschäf­tig­ten in der Behin­der­ten­hil­fe sind der­zeit extrem gefor­dert. Sie tra­gen die Ver­ant­wor­tung für Men­schen mit einem beson­de­ren Schutz­be­darf, und gleich­zei­tig sind Maß­nah­men zum Infek­ti­ons­schutz bei Men­schen mit geis­ti­ger oder psy­chi­scher Beein­träch­ti­gung nur schwer umzu­set­zen. Zudem sind nicht über­all die not­wen­di­gen Schutz­aus­rüs­tun­gen vor­han­den. Der Weg­fall der gewohn­ten Tages­struk­tur sowie Maß­nah­men zum Gesund­heits­schutz ver­un­si­chern vie­le Men­schen, die unter den Bedin­gun­gen von Behin­de­rung leben. (…) Die Beschäf­tig­ten in der Behin­der­ten­hil­fe ermög­li­chen För­de­rung, Assis­tenz und gesell­schaft­li­che Teil­ha­be von Men­schen mit Beein­träch­ti­gun­gen. Die­se Unter­stüt­zung fin­det z.B. in heil­päd­ago­gi­schen Kitas, durch eine Schul­as­sis­tenz, in Wohn­grup­pen oder in Werk­stät­ten für Men­schen mit Behin­de­rung statt. Schät­zungs­wei­se 500.000 Men­schen arbei­ten in Deutsch­land in der Behin­der­ten­hil­fe, davon ca. 250.000 in der direk­ten Pfle­ge und Betreu­ung von Men­schen mit Behin­de­rung.” ver.di-Pressemitteilung vom 29.05.2020 externer Link
  • For­de­run­gen nach Coro­na-Rei­hen­tests in Kli­ni­ken wer­den lau­ter /​Gesund­heits­mi­nis­te­ri­um plant mehr Tests in Kran­ken­häu­sern und Pfle­ge­hei­men /​Bre­mer Kran­ken­haus: Vor­be­rei­tung auf die Pan­de­mie? Wir spü­ren nur plan­lo­ses Cha­os 
    • Gesund­heits­mi­nis­te­ri­um plant mehr Tests in Kran­ken­häu­sern und Pfle­ge­hei­men
      “Das Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­te­ri­um arbei­tet an einer Aus­wei­tung der Coro­na-Tests in Kran­ken­häu­sern und Pfle­ge­hei­men. Noch im Mai wol­le er eine Ver­ord­nung vor­le­gen, die prä­ven­ti­ve Rei­hen-Tests in Kran­ken­häu­sern und Pfle­ge­hei­men ermög­licht, sag­te Gesund­heits­mi­nis­ter Jens Spahn (CDU) der Tages­zei­tung »Die Welt« (Frei­tag). »Wenn Pati­en­ten und Bewoh­ner auf­ge­nom­men oder ver­legt wer­den, soll­ten Sars-CoV-19-Tests die Regel sein«, sag­te er. Im Fal­le einer Infek­ti­on in der Ein­rich­tung soll zudem beim gesam­ten Per­so­nal sowie bei allen Bewoh­nern und Pati­en­ten vor­sorg­lich ein Abstrich gemacht wer­den. Auch sym­ptom­lo­se Kon­takt­per­so­nen von Infi­zier­ten sol­len erst­mals Anspruch auf einen Test haben. Mit der Ver­ord­nung will Spahn dem Zei­tungs­be­richt zufol­ge Kri­te­ri­en defi­nie­ren, bei denen die gesetz­li­chen Kran­ken­kas­sen zu einer Über­nah­me der Kos­ten ver­pflich­tet sind…“ epd-Mel­dung vom 22.05.2020 in Neu­es Deutsch­land online externer Link
    • For­de­run­gen nach Coro­na-Rei­hen­tests in Kli­ni­ken wer­den lau­ter
      Eine Umfra­ge des BR zeigt, dass die Kli­ni­ken unter­schied­lich mit Coro­na-Tests beim medi­zi­ni­schen Per­so­nal umge­hen. Fast 12.000 sind laut Robert Koch-Insti­tut infi­ziert. Nun wer­den For­de­run­gen nach Rei­hen­tes­tun­gen lau­ter. Auch in der zehn­ten Woche der Coro­na-Pan­de­mie füh­len sich Pfle­ge­kräf­te und Ärz­te in Kran­ken­häu­sern nicht aus­rei­chend geschützt und getes­tet. Nach der Bericht­erstat­tung von BR Recher­che haben sich wei­te­re Kli­nik­mit­ar­bei­ter gemel­det. (…) Der Deut­sche Berufs­ver­band für Pfle­ge­be­ru­fe (DBfK) for­dert Rei­hen­tes­tun­gen in allen Pfle­ge­be­ru­fen. Schutz, so schreibt der DBfK auf Anfra­ge, bedeu­te auch, Arbeits­zeit- und Arbeits­schutz­ge­set­ze voll­stän­dig anzu­wen­den. Detail­lier­ter äußert sich die Ver­ei­ni­gung der Pfle­gen­den in Bay­ern (vdpb): Die Vize­vor­sit­zen­de Agnes Kol­beck über­ra­schen die BR-Recher­chen nicht. Ihr Ver­band bekom­me die teils “kata­stro­pha­len Ver­hält­nis­se” in den Kli­ni­ken gespie­gelt, so Kol­beck im BR-Inter­view. Es man­ge­le zum Teil immer noch an per­sön­li­cher Schutz­aus­rüs­tung, vor allem aber an kla­ren Test­kon­zep­ten. Zum einen feh­le es an Plä­nen, wie und wann das Per­so­nal auf Coro­na getes­tet wer­de, zum ande­ren brau­che es kla­re Kon­se­quen­zen aus Test­ergeb­nis­sen. Der­zeit wür­den man­che Häu­ser ihre Mit­ar­bei­ter nach einem posi­ti­ven Test nach Hau­se in Qua­ran­tä­ne schi­cken, ande­re nicht, sagt Agnes Kol­beck…” Bei­trag vom 20.05.2020 bei BR externer Link
    • Bre­mer Kran­ken­haus: Vor­be­rei­tung auf die Pan­de­mie? Wir spü­ren nur plan­lo­ses Cha­os
      Seit Wochen berei­tet sich die­ses Kran­ken­haus auf die mitt­ler­wei­le drit­te gro­ße Wel­le von Corona-Patient*innen, die inten­siv-medi­zi­nisch betreut wer­den müs­sen, vor. Eine gewis­se Anspan­nung und Unbe­ha­gen ist zu spü­ren. Die bei­den ers­ten Wel­len blie­ben aus. Kran­ken­haus­bet­ten wer­den auf­ge­rüs­tet, so dass in die­sem Kran­ken­haus über 100 Pati­en­tIn­nen beatmet wer­den können/​sollen. Wie sol­len im Fal­le eines Fal­les die vie­len Kran­ken dann ver­sorgt wer­den, wenn das ent­spre­chen­de Pfle­ge­per­so­nal nicht vor­han­den sind und die bestell­ten Beatmungs­ge­rä­te noch gar nicht ein­ge­trof­fen sind? (…) Nor­ma­le Beatmungs­ge­rä­te sind ganz ein­fach (noch) nicht da und wir fra­gen uns: wer soll all die­se Pati­en­tIn­nen betreu­en? Wir sol­len jetzt pro Pfle­ge­kraft vier Pati­en­tIn­nen ver­sor­gen, nach­dem Spahn ja die­ses Gesetz außer Kraft gesetzt hat. Der Pfle­ge­dienst­lei­tung ist es durch­aus bewusst, dass so mit die­sem Per­so­nal­schlüs­sel die­se Men­schen nicht adäquat betreut wer­den kön­nen. Da auch hier die angeb­lich nicht not­wen­di­gen (!?) Op´s radi­kal redu­ziert wor­den sind, sol­len dann die­se Pfle­ge­kräf­te aus die­ser Abtei­lung ein­schließ­lich Anäs­the­sie den Inten­siv­pfle­ge­kräf­ten zuar­bei­ten. Nur wo sind sie? In vie­len Schich­ten sind sie nicht zu sehen. Also, schreibt man dann auch wei­ter­hin Gefähr­dungs- bzw. Über­las­tungs­an­zei­gen. Auch die Logis­tik und die Aus­stat­tung kann nicht Schritt hal­ten mit den schnell zusätz­lich auf­ge­stell­ten Inten­siv­bet­ten. Nur ein Bei­spiel: Ein Ver­bands­wa­gen muss für vier Pati­en­tIn­nen aus­rei­chend sein. (…) Für etli­che Kol­le­gIn­nen ist es klar. Geht die­ser Zustand noch eine län­ge­re Wei­le, wer­den wei­te­re mit einer „Flucht“ aus dem Kran­ken­haus­all­tag ver­su­chen, sich den krank­ma­chen­den Arbeits­be­din­gun­gen zu ent­zie­hen. Die Kran­ken­haus­lei­tung (Direk­ti­on, Geschäfts­füh­rung) und die Kri­sen­lei­tung erwäh­nen immer wie­der in ihren Mit­tei­lun­gen, wie struk­tu­riert und plan­voll sie vor­ge­hen. Die Beschäf­tig­ten dage­gen emp­fin­den und spü­ren nur die­ses: ein plan­lo­ses Cha­os!Bericht von zwei Inten­siv­sta­tio­nen einer Bre­mer Kli­nik am 21. Mai 2020 im Blog coro​na​-at​-work​.de externer Link
  • [Elf Pro­zent aller Infi­zier­ten arbei­ten im Gesund­heits­be­reich] Gesund­heits­be­ru­fe und Coro­na: Gefähr­de­te Hel­fer 
    Sie hel­fen Kran­ken und bege­ben sich dabei oft selbst in Gefahr: Ärz­te und Pfle­ger infi­zie­ren sich laut einem Bericht der­zeit beson­ders häu­fig mit dem Coro­na­vi­rus. Elf Pro­zent aller Infi­zier­ten arbei­ten im Gesund­heits­be­reich. Infek­tio­nen mit dem Coro­na­vi­rus betref­fen in Deutsch­land über­durch­schnitt­lich oft Mit­ar­bei­ter von Kran­ken­häu­sern sowie Alten- und Pfle­ge­hei­men. Das geht aus Recher­chen der “Süd­deut­schen Zei­tung” her­vor. Ins­ge­samt haben sich seit Beginn der Coro­na-Kri­se mehr als 20.400 Mit­ar­bei­ter aus die­sen Berei­chen infi­ziert, teil­te das Robert Koch-Insti­tut (RKI) mit. Das ent­spre­che etwa elf Pro­zent aller Infi­zier­ten. Allei­ne in Kran­ken­häu­sern, Pra­xen, Dia­ly­se­ein­rich­tun­gen und bei Ret­tungs­diens­ten ver­zeich­ne­te das RKI bis­lang mehr als 11.800 Coro­na-Fäl­le (Stand 18.5. 0 Uhr). In Pfle­ge- und ande­ren Wohn­ein­rich­tun­gen waren es mehr als 8500 Infek­tio­nen. Ins­ge­samt 895 erkrank­te Mit­ar­bei­ter muss­ten dem­nach sta­tio­när behan­delt wer­den, 61 sind gestor­ben. (…) Ein in der ver­gan­ge­ne Woche beschlos­se­nes Gesetz von Gesund­heits­mi­nis­ter Jens Spahn sieht eine Aus­wei­tung von Tests vor. Sie sol­len auch unab­hän­gig von Sym­pto­men auf Kas­sen­kos­ten ermög­licht wer­den. Aus­drück­lich mehr getes­tet wer­den soll auch im Umfeld beson­ders gefähr­de­ter Men­schen, zum Bei­spiel in Pfle­ge­hei­men. Der Mar­bur­ger Bund for­dert seit Wochen, Ärz­te und Pfle­ge­kräf­te sehr viel häu­fi­ger auf das Coro­na­vi­rus zu tes­ten. Der­zeit wird nur punk­tu­ell getes­tet.” Mel­dung vom 19.05.2020 bei tages​schau​.de externer Link, sie­he auch:
    • Regel­mä­ßi­ge Coro­na-Tests gefor­dert: Jeder neun­te SARS-CoV-2-Infi­zier­te ein Heil­be­ruf­ler?
      Sind elf Pro­zent aller Coro­na-Infi­zier­ten Mit­ar­bei­ter in Gesund­heits­be­ru­fen? Die offi­zi­el­len Zah­len geben die­sen Befund – noch nicht – her. Doch der Ruf nach regel­mä­ßi­gen Tests wird lau­ter…” Arti­kel von Denis Nöß­ler vom 19.5.2020 in der Ärz­te-Zei­tung online externer Link
  • Kran­kes Sys­tem: Mit der Mord­an­zei­ge gegen eine »Rei­ni­gungs­kraft« im Ham­bur­ger Kran­ken­haus UKE erreicht das Aus­maß der Absur­di­tä­ten im Gesund­heits­sys­tem einen neu­en Höhe­punkt
    “… Tat­sa­che ist, im Uni­ver­si­täts­kli­ni­kum Ham­burg-Eppen­dorf (UKE) wur­den 20 an Krebs erkrank­te Men­schen mit dem Coro­na­vi­rus infi­ziert, eini­ge davon muss­ten inten­siv­me­di­zi­nisch und ‑pfle­ge­risch betreut wer­den. Drei Patent*innen sind bereits ver­stor­ben. (…) Zur­zeit sind laut unter­schied­li­cher Medi­en »Kli­nik­ver­ant­wort­li­che« und »eine Rei­ni­gungs­kraft« wegen ver­such­ten Mor­des ange­zeigt. In Wirk­lich­keit han­delt es sich nicht um eine Rei­ni­gungs­kraft, son­dern um eine sozi­al­dienst­leis­ten­de Per­son. Tat­säch­lich wer­den sol­che frei­wil­li­gen Hilfs­kräf­te auch als Rei­ni­gungs­kräf­te ein­ge­setzt. War­um aber wur­de sich medi­al auf die­ses Wor­d­ing ver­steift? Weil frei­wil­li­ge Hilfs­kräf­te als Lückenbüßer*innen ein­ge­setzt wer­den. Sie federn den Per­so­nal­not­stand ab, sie put­zen, fül­len auf, über­neh­men Trans­por­te und sogar vie­le pfle­ge­ri­sche und the­ra­peu­ti­sche Tätig­kei­ten. Sie sind bil­li­ge bis kos­ten­lo­se Arbeits­kräf­te, oft mit der glei­chen Ver­ant­wor­tung wie pro­fes­sio­na­li­sier­tes Per­so­nal. (…) Und jetzt wird eine Per­son, ein*e Kolleg*in in die­sem Aus­beu­tungs­sys­tem wegen ver­such­ten Mor­des ange­zeigt, weil sie krank zur Arbeit erschien. Anstatt diese*n Kolleg*in dafür zu ver­ur­tei­len, soll­te man sich anschau­en, was dahin­ter­steht. Eigent­lich wis­sen wir es alle, nur wol­len es vie­le nicht sehen: Der Kapi­ta­lis­mus und das aus­beu­te­ri­sche Sys­tem zwin­gen Men­schen dazu, krank zur Arbeit zu gehen. Vie­le blei­ben erst dann zu Hau­se, wenn Krank­heits­sym­pto­me so stark sind, dass es nicht mehr anders geht. Kaum jemand mel­det sich wegen eines Schnup­fens oder wegen eines leich­ten Hus­ten krank. Denn vie­le haben den Ein­druck, am Arbeits­platz immer prä­sent sein zu müs­sen, sie befürch­ten sonst die Kün­di­gung des Jobs, auf den sie ange­wie­sen sind. Und als wäre der gesell­schaft­li­che Druck nicht hoch genug, wer­den wir durch Vor­ge­setz­te nicht sel­ten psy­chisch erpresst. Vie­le bekom­men Sät­ze zu hören wie: »Du bist sel­ber dar­an Schuld, wenn es den Patient*innen schlecht geht, du lässt dei­ne Kolleg*innen im Stich!« (…) Auch die Rei­ni­gungs­kräf­te sind Teil die­ses kaput­ten Sys­tems: eine schlech­te Aus­rüs­tung und Aus­bil­dung, ein uto­pi­sches Arbeits­pen­sum – und die Fol­ge? Das Feh­len ele­men­tars­ter For­men der Infek­ti­ons­pro­phy­la­xe. Und jetzt sol­len wir auch noch für das Miss­ma­nage­ment und für die men­schen­ver­ach­ten­den Bedin­gun­gen die­ses pro­fit­ge­steu­er­ten Gesund­heits­sys­tems zur Rechen­schaft gezo­gen wer­den! Wenn wir, die Beschäf­tig­ten, neben dem Bur­nout nicht noch mit einem Bein im Knast ste­hen wol­len, soll­ten wir uns die Fra­ge stel­len, ob wir uns für die­ses Sys­tem wei­ter­hin krumm machen oder gegen die­se Zumu­tun­gen kämp­fen wol­len!” Kom­men­tar von Ale­na Will und Ben­ny Ehlers vom 18. Mai 2020 in ak 660 externer Link
  • Das Pfle­ge­sys­tem wird uns um die Ohren flie­gen / Ex-Ethik­rat Nagel for­dert grund­le­gen­de Reform der Kran­ken­haus­fi­nan­zie­rung 
    • Alex­an­der Jor­de: Das Pfle­ge­sys­tem wird uns um die Ohren flie­gen
      Die Pfle­ge­kräf­te sind nicht erst seit der Coro­na-Kri­se am Limit. Alex­an­der Jor­de spricht über die Situa­ti­on in der Pfle­ge und wie sich die Beschäf­tig­ten selbst orga­ni­sie­ren kön­nen. (…) Man muss natür­lich dazu­sa­gen, dass es in der Pfle­ge – egal ob im Kran­ken­haus, in Pfle­ge­ein­rich­tun­gen oder im ambu­lan­ten Pfle­ge­dienst – schon vor­her so war, dass vie­le Kol­le­gin­nen und Kol­le­gen an der Belas­tungs­gren­ze arbei­te­ten. Die Pan­de­mie kommt jetzt noch on top und wirft alles ein biss­chen durch­ein­an­der. Aber grund­sätz­lich war die Belas­tung auch vor­her schon enorm. (…) Was ich als sehr krass emp­fun­den habe, war, dass eine der ers­ten Maß­nah­men der Poli­tik – ins­be­son­de­re in Per­son von Herrn Spahn – die Aus­set­zung der Per­so­nal­un­ter­gren­zen war. Die­se wur­den in der letz­ten Legis­la­tur­pe­ri­ode beschlos­sen und für eini­ge weni­ge Kran­ken­haus­sta­tio­nen auch bereits ein­ge­führt, wobei wei­te­re Sta­tio­nen fol­gen soll­ten. Die gesetz­li­chen Per­so­nal­un­ter­gren­zen legen fest, dass es eine maxi­ma­le Anzahl von Pati­en­ten gibt, die eine Pfle­ge­kraft in einem bestimm­ten Bereich betreu­en darf. (…) In Nie­der­sach­sen bei­spiels­wei­se haben im letz­ten Jahr ein Drit­tel der Kli­ni­ken Bet­ten in den betrof­fe­nen Sta­tio­nen fast per­ma­nent gesperrt, weil sie zu wenig Per­so­nal hat­ten, um die­se Unter­gren­zen ein­zu­hal­ten. Ich ken­ne Inten­siv­sta­tio­nen, in denen auf­grund der Per­so­nal­un­ter­gren­zen fast die Hälf­te der Bet­ten gesperrt waren. Wenn die­se Unter­gren­zen nun auf­ge­ho­ben wer­den, wer­den alle die­se Bet­ten wie­der ein­ge­setzt. In der Alten­pfle­ge gibt es Berei­che, in denen deut­lich über 50 oder noch mehr Bewoh­ner auf eine Pfle­ge­kraft kom­men. Und durch Coro­na ist es jetzt zu einer noch grö­ße­ren Mehr­be­las­tung gekom­men. Man muss sich Schutz­klei­dung anzie­hen, Schutz­mas­ken häu­fig wech­seln. Das ist eine zusätz­li­che Arbeits­be­las­tung und ver­schärft natür­lich noch ein­mal die Situa­ti­on. (…) Ich hät­te mir gewünscht, dass die Gewerk­schaft, die ja die Tarif­ver­trä­ge für Pfle­gen­de aus­han­delt, die For­de­rung nach fünf Euro steu­er­frei­er Zula­ge pro Stun­de auf­stellt. Dadurch schafft man einen Anreiz dafür, dass die Men­schen mehr arbei­ten, die sagen, dass sie die Kapa­zi­tä­ten haben. Dadurch hät­te man viel mehr erreicht als damit, alle Schutz­maß­nah­men außer Kraft zu set­zen. Jetzt wird gesagt: »Ihr könnt im Prin­zip zwölf Stun­den arbei­ten ohne Per­so­nal­un­ter­gren­zen – für den glei­chen Lohn, den ihr vor­her auch bekom­men habt.« Das ist natür­lich nicht der rich­ti­ge Schritt – und ich glau­be, das wird uns spä­tes­tens nach Coro­na oder in ein paar Jah­ren um die Ohren flie­gen, weil sich sehr vie­le auch jetzt schon dafür ent­schei­den, ihre Arbeits­zeit zu redu­zie­ren oder den Beruf zu ver­las­sen…” Inter­view mit Alex­an­der Jor­de geführt von Ste­ve Hud­son und Ines Schwer­dt­ner am 14.05.2020 im Jaco­bin externer Link
    • [Gegen das Fall­pau­scha­len-Sys­tem] Ex-Ethik­rat Nagel for­dert grund­le­gen­de Reform der Kran­ken­haus­fi­nan­zie­rung
      Der lang­jäh­ri­ge Ethik­rat Eck­hard Nagel sieht das Fall­pau­scha­len-Sys­tem lang­fris­tig am Ende. Er plä­diert für eine Reform der deut­schen Kran­ken­haus­fi­nan­zie­rung. Der Bay­reu­ther Medi­zin­pro­fes­sor und lang­jäh­ri­ge Ethik­rat Eck­hard Nagel for­dert als Kon­se­quenz aus der Coro­na­vi­rus-Kri­se eine grund­le­gen­de Reform der deut­schen Kran­ken­haus­fi­nan­zie­rung. „Das heu­ti­ge Fall­pau­scha­len-Sys­tem, wie wir es in Deutsch­land ent­wi­ckelt haben, ist sicher kein Zukunfts­mo­dell“, sag­te Nagel unse­rer Redak­ti­on. „Die gene­rell gute Gesund­heits­ver­sor­gung in Deutsch­land war ein wich­ti­ges Fun­da­ment, um mit der Pan­de­mie umge­hen zu kön­nen“, sag­te Nagel. (…) Er plä­dier­te für mehr gene­rel­le Grund­fi­nan­zie­run­gen, nicht nur wie geplant für Pfle­ge­kräf­te, son­dern auch in der Ärz­te­schaft, sowie „neue Anreiz­sys­te­me für eine bes­se­re Ver­sor­gung, die zum Bei­spiel den Erfolg einer Behand­lung in die Ver­gü­tung mit ein­be­zie­hen“. In ver­schie­de­nen Län­dern zei­ge sich, dass dies nicht zu Fehl­an­rei­zen, son­dern zu einer Ver­bes­se­rung der Ver­sor­gung füh­ren kön­ne. „Des­halb ist es aller Mühen wert, dar­über zu dis­ku­tie­ren, wie man ein neu­es dif­fe­ren­zier­tes Finan­zie­rungs­sys­tem auf­set­zen kann“, sag­te Nagel. „Denn unser heu­ti­ges Fall­pau­scha­len-Sys­tem wird nach mei­ner Ansicht zu einem Ende kom­men.“ Die posi­ti­ven Erfah­run­gen in der Kri­se änder­ten nichts an den gro­ßen Pro­ble­men der deut­schen Klin­ken: „Wo Pfle­ge­man­gel geherrscht hat, wird er auch wei­ter­be­stehen, wo Fach­kräf­te- und Ärz­te­man­gel herrscht, wird er wei­ter­hin zu bekla­gen sein“, warn­te der Medi­zin­ma­nage­ment-Pro­fes­sor. Zudem wer­de die Ver­schär­fung der Hygie­ne­maß­nah­men an den Kran­ken­häu­sern eine über­fäl­li­ge Leh­re sein, die aller­dings zu Mehr­be­las­tun­gen in der all­täg­li­chen Arbeit füh­ren wer­de…” Arti­kel von Micha­el Pohl vom 14.05.2020 in der Augs­bur­ger All­ge­mei­nen Zei­tung online externer Link
  • [Gesund­heits­bünd­nis­se berich­ten am 19.05.20] Coro­na: Brenn­glas der Kri­se des Gesund­heits­sys­tems – „Jetzt reden wir!“
    “Die Aus­brei­tung des neu­ar­ti­gen Coro­na­vi­rus SARS-CoV‑2 stellt im Gesund­heits­we­sen sowohl die Beschäf­tig­ten als auch die Patient*innen vor Her­aus­for­de­run­gen. Im Mit­tel­punkt der gesell­schaft­li­chen Orga­ni­sa­ti­on der Krank­heits­ein­däm­mung ste­hen – neben indi­vi­du­el­len Infek­ti­ons­schutz­maß­nah­men – die Behand­lungs­ka­pa­zi­tä­ten in den Kran­ken­häu­sern und die Bedin­gun­gen zur Pfle­ge von Senior*innen und beson­ders gefähr­de­ten Grup­pen. Berich­te von den „Brenn­punk­ten der Pan­de­mie“ (SZ, 22.04.2020), vom „Alten­pfle­ger in Müll­tü­ten“ (FAZ, 28.04.2020) und über „Die wach­sen­de Angst vor dem Infek­ti­ons­herd Kran­ken­haus“ (WELT, 16.04.2020) ver­deut­li­chen: In den Gesund­heits- und Pfle­ge­ein­rich­tun­gen ver­dich­tet sich die Pan­de­mie und die aktu­el­le Kri­se. Dabei stel­len sich weit­rei­chen­de gesund­heits­po­li­ti­sche Fra­gen, die vor allem auch die Beschäf­tig­ten und Patient*innen selbst beant­wor­ten kön­nen und wol­len. Nicht erst seit der Coro­na­kri­se tre­ten hier­für deutsch­land­weit zivil­ge­sell­schaft­li­che Gesund­heits- und Pfle­ge­bünd­nis­se für gute Arbeits­be­din­gun­gen und Ver­sor­gung ein und stel­len For­de­run­gen nach einem bedarfs- statt markt­ge­rech­ten Gesund­heits­we­sen. In der vir­tu­el­len Pres­se­kon­fe­renz geben Pfleger*innen, Patient*innen und Aktivist*innen Ein­blick in ihre der­zei­ti­ge Situa­ti­on und stel­len gesund­heits­po­li­ti­sche For­de­run­gen und Kon­se­quen­zen aus der Coro­na-Kri­se vor. (…) Tech­nik: Das Gespräch fin­det via Zoom statt. Zuschauer*in kön­nen unter fol­gen­dem Link teil­neh­men: https://​us02​web​.zoom​.us/​j​/​8​6​7​3​5​8​6​2​386 externer Link …“ Ankün­di­gung beim Gesund­heits­bünd­nis NRW externer Link zur vir­tu­el­len Pres­se­kon­fe­renz der Gesund­heits- und Pfle­ge­bünd­nis­se am 19.05.2020, 10.30–11.15 Uhr
  • Tag der Pfle­gen­den: Lob und Nebel­ker­zen
    Es ist wie am Mut­ter­tag: Ein­mal im Jahr wer­den Pfle­ge­kräf­te am »Tag der Pfle­gen­den« mit Lob­prei­sun­gen über­häuft. An den rest­li­chen 364,24 Tagen des Jah­res sol­len sie ihre Arbeit tun, ohne zu kla­gen und zu for­dern. Beson­ders viel Lob gab es zum dies­jäh­ri­gen 12. Mai, da die Pfle­ge­be­ru­fe all­seits als »sys­tem­re­le­vant« erkannt wur­den. Das gilt frei­lich nicht nur für sie, son­dern für sämt­li­che Beschäf­tig­te in den Gesund­heits­ein­rich­tun­gen. Aller­dings spü­ren die eben­so »sys­tem­re­le­van­ten« Rei­ni­gungs­kräf­te im Kran­ken­haus und die Haus­wirt­schaf­te­rin im Pfle­ge­heim bis­lang wenig von der Wert­schät­zung. Doch auch Pfle­ge­kräf­te haben allen Grund, ihre For­de­run­gen laut­stark auf die Stra­ße zu tra­gen, wie sie es am Diens­tag in etli­chen Städ­ten getan haben. Denn die Bedin­gun­gen, unter denen sie ihre lebens­wich­ti­ge Arbeit machen müs­sen, sind nicht erst seit der Ver­brei­tung des Coro­na­vi­rus mise­ra­bel. (…) Und auch in Zei­ten der Pan­de­mie hat die Bun­des­re­gie­rung sofort klar gemacht, dass die Bedürf­nis­se der Gesund­heits­be­schäf­tig­ten zurück­ste­hen sol­len: Als ers­te Maß­nah­men setz­te sie die ohne­hin unzu­rei­chen­den Unter­gren­zen beim Pfle­ge­per­so­nal in eini­gen Kran­ken­haus­be­rei­chen aus und ermög­lich­te Dienst­ver­pflich­tun­gen, 12-Stun­den-Schich­ten sowie ver­kürz­te Ruhe­zei­ten. Bis heu­te man­gelt es vie­ler­orts an qua­li­ta­tiv hoch­wer­ti­gem Schutz­ma­te­ri­al. Trotz des Gere­des scheint die Gesund­heit der Beschäf­tig­ten nicht viel zu zäh­len. 54 von ihnen sind laut Robert Koch-Insti­tut bereits an Covid-19 ver­stor­ben. Durch­schnitts­al­ter: 41 Jah­re, drei von vier waren Frau­en. »Klat­schen allein hilft nicht«, heißt es denn auch bei den Pro­tes­ten. Die Beschäf­tig­ten wol­len, dass Poli­ti­ker und Kli­nik­chefs end­lich han­deln. Das heißt unter ande­rem: rasche Ein­füh­rung bedarfs­ge­rech­ter und ver­bind­li­cher Per­so­nal­vor­ga­ben in Kran­ken­häu­sern und Pfle­ge­hei­men, flä­chen­de­cken­de Tarif­bin­dung in der Alten­pfle­ge, ein Ende von Lohn­dum­ping durch Aus­glie­de­run­gen und Pri­va­ti­sie­rung. Und nicht zuletzt: Die Besei­ti­gung des Finan­zie­rungs­sys­tems der Fall­pau­scha­len, das die Kran­ken­häu­ser in eine gna­den­lo­se Preis­kon­kur­renz getrie­ben hat. Die Regie­rung steht in die­sen Fra­gen mitt­ler­wei­le gehö­rig unter Druck. Um die­sen zu min­dern, setzt ihr Pfle­ge­be­voll­mäch­tig­ter Andre­as Wes­ter­fell­haus auf Ablen­kung…” Kom­men­tar von Dani­el Beh­ru­zi in der jun­gen Welt vom 13.05.2020 externer Link
  • [ver.di: vir­tu­el­le Town­hall am 12. Mai 20] Schluss mit Aus­re­den: Applaus reicht nicht- jetzt han­deln! 
    Beschäf­tig­te des Gesund­heits- und Sozi­al­we­sens tref­fen in einer vir­tu­el­len Town­hall am 12. Mai auf Poli­tik und Arbeit­ge­ber – und las­sen kei­ne Aus­re­den mehr gel­ten. Anmel­den und mit­ma­chen. Zu wenig Per­so­nal im Gesund­heits­we­sen, zu schlech­te Bezah­lung in der Alten­pfle­ge, arbei­ten bis zum Umfal­len. Seit Jah­ren pran­gern wir die Miss­stän­de an. Und nicht erst seit der Coro­na-Kri­se ken­nen wir das Spiel. Es gibt ein Pro­blem und alle schie­ben sich die Ver­ant­wor­tung zu: Die Poli­tik sagt, die Arbeitgeber*innen sei­en schuld. Die Arbeitgeber*innen sagen, die Poli­tik sei schuld. Und am Ende ändert sich für die Beschäf­tig­ten wenig. Am Tag der Pfle­gen­den soll Schluss sein mit den Aus­re­den. Wir brin­gen Poli­tik und Arbeit­ge­ber an einen Tisch mit den Beschäf­tig­ten, damit sich nie­mand aus der Ver­ant­wor­tung schlei­chen kann. Wie läuft das ab? ver.di rich­tet ein vir­tu­el­les Town­hall Mee­ting aus. 12. Mai, 18:30 – 20:00 Uhr. In einer Video­kon­fe­renz kon­fron­tie­ren Bran­ka Iva­nis­e­vic, Alten­pfle­ge­rin; Dana Lütz­ken­dorf, Fach­kraft für Inten­siv­pfle­ge; Ker­rin Deis­ler, medi­zi­nisch-tech­ni­sche Assis­ten­tin die Ver­ant­wort­li­chen mit ihren Erfah­run­gen und Erwar­tun­gen. ver.di lädt alle Beschäf­tig­ten aus dem Gesund­heits­we­sen ein teil­zu­neh­men. Seid dabei, bringt euch ein und zeigt, dass hin­ter den Spre­che­rin­nen und For­de­run­gen Hun­der­te ste­hen…” Infos und Anmel­dung bei ver.di Gesund­heit & Sozia­les externer Link zu #townhall1205.
    • Sie­he nun den Bericht bei ver.di, Fach­be­reich Gesund­heit, Sozia­le Diens­te, Wohl­fahrt und Kir­chen externer Link: #townhall1205: Beschäf­tig­te reden Tache­les
      Kol­le­gin­nen sen­den bei Inter­net­de­bat­te am Tag der Pfle­gen­den eine kla­re Bot­schaft an die Ver­tre­ter der Arbeit­ge­ber und der Bun­des­re­gie­rung: Applaus reicht nicht – jetzt han­deln! Kla­re Wor­te, ein­deu­ti­ge Bot­schaf­ten: Die Kol­le­gin­nen, die am Tag der Pfle­gen­den (12. Mai 2020) beim ver.di-»Townhall-Meeting« stell­ver­tre­tend für tau­sen­de Beschäf­tig­te aus dem Gesund­heits­we­sen spra­chen, nah­men kein Blatt vor den Mund. Sie kon­fron­tier­ten die anwe­sen­den Regie­rungs- und Arbeit­ge­ber­ver­tre­ter mit unge­schmink­ten Berich­ten über die Zustän­de in Kli­ni­ken, Pfle­ge­hei­men und ande­ren Ein­rich­tun­gen. Und sie arti­ku­lier­ten deut­lich ihre For­de­run­gen: mehr Per­so­nal, eine flä­chen­de­ckend gute Bezah­lung und den Schutz ihrer Gesund­heit…”
  • ver.di for­dert zum Tag der Pfle­gen­den dau­er­haft bes­se­re Arbeits­be­din­gun­gen
    ver.di for­dert zum Tag der Pfle­gen­den am 12. Mai eine dau­er­haf­te Ver­bes­se­rung der Arbeits­be­din­gun­gen in Kran­ken­häu­sern und Pfle­ge­ein­rich­tun­gen. „Es ist schön, wenn die Men­schen für Pfle­ge­kräf­te applau­die­ren. Damit die Aner­ken­nung ihrer wich­ti­gen Rol­le für die Gesell­schaft glaub­wür­dig bleibt, braucht es jetzt aber auch ver­läss­li­che Zusa­gen für dau­er­haft bes­se­re Arbeits­be­din­gun­gen“, sag­te Syl­via Büh­ler, die im ver.di-Bundesvorstand für das Gesund­heits- und Sozi­al­we­sen zustän­dig ist. „Die Beschäf­tig­ten in der Kran­ken- und Alten­pfle­ge sor­gen an jedem Tag und in jeder Nacht dafür, dass kran­ke und pfle­ge­be­dürf­ti­ge Men­schen gut ver­sorgt wer­den. Dafür for­dern sie Respekt auch im All­tag – das heißt vor allem gute Arbeits­be­din­gun­gen und mehr Per­so­nal.“ Büh­ler kri­ti­sier­te, dass grund­le­gen­de Schutz­rech­te der Beschäf­tig­ten außer Kraft gesetzt blie­ben, wäh­rend zugleich wie­der ver­stärkt plan­ba­re Ope­ra­tio­nen durch­ge­führt wür­den. „Die pau­scha­le Aus­set­zung der Pfle­ge­per­so­nal­un­ter­gren­zen in Kli­ni­ken und die mög­li­che Aus­wei­tung der Arbeits­zei­ten auf zwölf Stun­den pro Schicht müs­sen unver­züg­lich auf­ge­ho­ben wer­den“, so die Gewerk­schaf­te­rin. „Die Beschäf­tig­ten ver­lan­gen, dass auch ihre Gesund­heit geschützt wird. Dazu gehört, dass sie regel­mä­ßig auf den Coro­na-Virus getes­tet wer­den und genug qua­li­ta­tiv hoch­wer­ti­ges Schutz­ma­te­ri­al zur Ver­fü­gung steht. Das ist längst noch nicht über­all der Fall.“ Am Diens­tag wer­den zum Tag der Pfle­gen­den vie­ler­orts Aktio­nen statt­fin­den, ent­we­der im vir­tu­el­len Raum oder unter Beach­tung des Abstands­ge­bots. Zudem gibt es eine Inter­net-Debat­te von Beschäf­tig­ten aus dem Gesund­heits­we­sen mit dem Pfle­ge­be­voll­mäch­tig­ten der Bun­des­re­gie­rung, Andre­as Wes­ter­fell­haus. Als Arbeit­ge­ber­ver­tre­ter wer­den der Prä­si­dent der Deut­schen Kran­ken­haus­ge­sell­schaft, Dr. Gerald Gaß, und der Vor­sit­zen­de des Bun­des­ver­bands der Arbei­ter­wohl­fahrt, Wolf­gang Stad­ler, teil­neh­men…” Pres­se­mit­tei­lung vom 11. Mai 2020 externer Link
  • [Baden-Würt­tem­berg] Offe­ner Brief: Jetzt han­deln – Klat­schen reicht uns nicht /​[ver.di] Kran­ken­häu­ser und Covid-19: Schutz­rech­te wie­der­her­stel­len 
    • [ver.di] Kran­ken­häu­ser und Covid-19: Schutz­rech­te wie­der­her­stel­len
      Die Beschäf­tig­ten der Kran­ken­häu­ser und ihre Gewerk­schaft ver.di haben bereits vor der Coro­na-Pan­de­mie immer wie­der auf den Per­so­nal­man­gel und die Über­las­tung hin­ge­wie­sen. Die Zahl der Patient*innen und die Schwe­re der Fäl­le hat sich Jahr für Jahr gestei­gert. Zugleich haben die Kli­ni­ken den per­ma­nen­ten Spar­druck des Finan­zie­rungs­sys­tems über Fall­pau­scha­len (Dia­gno­sis Rela­ted Groups, DRG) an die Beleg­schaf­ten wei­ter­ge­ge­ben – durch Arbeits­ver­dich­tung, Per­so­nal­ab­bau und Out­sour­cing. Das rächt sich jetzt. Die Per­so­nal­de­cke ist so auf Kan­te genäht, dass sich die poli­tisch Ver­ant­wort­li­chen nur mit der Aus­set­zung von Schutz­rech­ten zu hel­fen wis­sen. Beschäf­tig­te sol­len bis zu zwölf Stun­den arbei­ten kön­nen, bei ver­kürz­ter Ruhe­zeit. Die ohne­hin unzu­rei­chen­den und auf weni­ge Berei­che beschränk­ten Pfle­ge­per­so­nal­un­ter­gren­zen wur­den gene­rell aus­ge­setzt. Das sind die fal­schen Signa­le. Denn gera­de jetzt braucht es mehr Per­so­nal – nicht weni­ger. Die Kol­le­gin­nen und Kol­le­gen in den Kran­ken­häu­sern geben alles, um ihre Patient*innen zu schüt­zen. Doch sie for­dern auch für sich Schutz vor Anste­ckung und Über­las­tung. Sie wol­len, dass ihre Leis­tun­gen in die­ser Pan­de­mie hono­riert wer­den – auch finan­zi­ell. Und vor allem: Es müs­sen grund­le­gen­de Kon­se­quen­zen aus den aktu­el­len Erfah­run­gen gezo­gen wer­den. Im Gesund­heits­we­sen haben Metho­den Ein­zug gehal­ten, die man sonst aus der indus­tri­el­len Pro­duk­ti­on kennt. Dazu gehö­ren auch der Abbau von Lager­ka­pa­zi­tä­ten und Pro­duk­ti­ons­ver­la­ge­run­gen in Nied­rig­lohn­län­der, die zum aktu­ell dra­ma­ti­schen Man­gel an Schutz­aus­rüs­tung bei­getra­gen haben. Die­ser bedeu­tet für die Beschäf­tig­ten eine zusätz­li­che Belas­tung und Gesund­heits­ge­fähr­dung. Oft muss der Mund­schutz den gan­zen Tag getra­gen wer­den, manch­mal über meh­re­re Schich­ten hin­weg. Auf Inten­siv­sta­tio­nen mit Covid-19-Patient*innen müs­sen Pfle­ge­kräf­te oft stun­den­lang im Behand­lungs­zim­mer aus­har­ren, um Schutz­ma­te­ri­al zu spa­ren. Arbeit­ge­ber und Staat tra­gen die Ver­ant­wor­tung, sol­che Zustän­de zu been­den und für genug qua­li­ta­tiv hoch­wer­ti­ges Schutz­ma­te­ri­al in den Ein­rich­tun­gen zu sor­gen. Zudem müs­sen Beschäf­tig­te in Kran­ken­häu­sern regel­mä­ßig auf eine Infek­ti­on mit dem Coro­na­vi­rus getes­tet wer­den. Dafür müs­sen die Test­ka­pa­zi­tä­ten mas­siv aus­ge­wei­tet wer­den und die Tes­tung des Gesund­heits­per­so­nals Prio­ri­tät haben. Die Qua­ran­tä­ne­zeit soll­te wann immer mög­lich die vol­len 14 Tage andau­ern. Beschäf­tig­te, die zu Risi­ko­grup­pen gehö­ren, dür­fen nicht in der direk­ten Ver­sor­gung von Covid-19-Patient*innen ein­ge­setzt wer­den…” Flug­blatt vom Mai 2020 externer Link
    • [Baden-Würt­tem­berg] Offe­ner Brief: Jetzt han­deln – Klat­schen reicht uns nicht
      Offe­ner Brief zur Coro­na-Pan­de­mie von Betriebs­rä­ten, Per­so­nal­rä­ten, Mit­ar­bei­ter­ver­tre­tun­gen, Jugend- und Aus­zu­bil­den­den­ver­tre­tun­gen aus dem Sozi­al- und Gesund­heits­we­sen in Baden-Würt­tem­berg. Betrieb­li­che Inter­es­sen­ver­tre­tun­gen aus dem Sozi­al- und Gesund­heits­we­sen wen­den sich gemein­sam mit der Ver­ein­ten Dienst­leis­tungs­ge­werk­schaft – ver.di und BIV – Betrieb­li­che Inter­es­sen­ver­tre­tun­gen der Kran­ken­häu­ser Baden-Würt­tem­bergs mit einem Offe­nen Brief an Minis­ter­prä­si­dent Kret­sch­mann und Sozi­al­mi­nis­ter Lucha: „Wir erle­ben in der COVID-19-Kri­se über­deut­lich, dass unse­re Arbeit durch eine jahr­zehn­te­lang ver­fehl­te Poli­tik und in der Fol­ge auf Effi­zi­enz und Wett­be­werb getrimm­te Ein­rich­tun­gen und Diens­te mas­siv erschwert wird. Die Erkennt­nis ist nicht neu, die Kri­se legt nun aber die Män­gel frei.“ „Wir erwar­ten ernst­haf­te Bereit­schaft zu Ver­än­de­run­gen, nach­hal­ti­ges Han­deln und einen ernst­haf­ten Dia­log mit uns Expert*innen.“…” Offe­ner Brief vom 08.05.2020 bei ver.di Baden-Würt­tem­berg externer Link
  • Coro­na: Über 10.000 infi­zier­te Ärz­te und Pfle­ger – 16 Tote /​ver.di for­dert flä­chen­de­cken­de Coro­na-Tes­tun­gen der Beschäf­tig­ten im Gesund­heits- und Sozi­al­we­sen
    • Coro­na: Über 10.000 infi­zier­te Ärz­te und Pfle­ger – 16 Tote
      Ange­sichts eines deut­li­chen Anstiegs der Coro­na­vi­rus-Infi­zier­ten im Gesund­heits­we­sen auf über 10.000 Beschäf­tig­te mit mehr als einem Dut­zend Todes­fäl­len for­dern die Frak­ti­on der Lin­ken und Medi­zi­ner Arbeits­ent­las­tun­gen für Kran­ken­pfle­ger. Wie jüngs­te Daten des Robert-Koch-Insti­tuts bele­gen, stieg die Zahl der Infek­tio­nen von Beschäf­tig­ten im Gesund­heits­sys­tem bin­nen zwei Wochen um über ein Drit­tel auf 10.101 regis­trier­te Fäl­le, die Zahl der im Zusam­men­hang mit einer Coro­na-Infek­ti­on ver­stor­be­nen Berufs­tä­ti­gen im medi­zi­ni­schen Bereich hat sich seit Mit­te April auf 16 ver­dop­pelt. Das Robert-Koch-Insti­tut geht von einer hohen Dun­kel­zif­fer aus. Die tat­säch­li­chen Zah­len könn­ten dabei noch höher lie­gen, da nur für zwei Drit­tel aller Coro­na-Infek­tio­nen ent­spre­chen­de auf­ge­schlüs­sel­te Daten vor­lä­gen, erklärt das RKI in sei­nem Lage­be­richt. “Da Anga­ben zu Betreu­ung, Unter­brin­gung und Tätig­keit bei 36 Pro­zent der Fäl­le noch feh­len, sind die Antei­le der Fäl­le mit einer Betreu­ung, Unter­brin­gung oder Tätig­keit in den ein­zel­nen Ein­rich­tun­gen als Min­destan­ga­ben zu ver­ste­hen“, heißt es in dem Bericht. Zu den medi­zi­ni­schen Ein­rich­tun­gen zählt das Insti­tut Kran­ken­häu­ser, ärzt­li­che Pra­xen, Dia­ly­se­ein­rich­tun­gen und Ret­tungs­diens­te. Die stell­ver­tre­ten­de Frak­ti­ons­chefin der Lin­ken, Susan­ne Fer­schl for­dert eine Ver­kür­zung der Arbeits­zeit für das Pfle­ge­per­so­nal und beruft sich auf Erkennt­nis­se der Behand­lung von Coro­na-Pati­en­ten. „Kür­ze­re Arbeits­zei­ten im Gesund­heits­we­sen ret­ten Leben und schüt­zen die Gesund­heit von Beschäf­tig­ten und Pati­en­ten“, sag­te Fer­schl unse­rer Redak­ti­on. Sie for­dert gene­rel­le Sechs-Stunden–Schichten und eine sofor­ti­ge Rück­nah­me der Coro­na- Arbeits­zeit­ver­ord­nung, die zwölf Stun­den Arbeits­ta­ge zulässt…” Arti­kel von Micha­el Pohl vom 06.05.2020 in der Augs­bur­ger All­ge­mei­nen online externer Link
    • ver.di for­dert flä­chen­de­cken­de Coro­na-Tes­tun­gen der Beschäf­tig­ten im Gesund­heits- und Sozi­al­we­sen
      ver.di begrüßt die Aus­wei­tung der Coro­na-Tes­tun­gen, die in dem am heu­ti­gen Don­ners­tag (7. Mai) im Deut­schen Bun­des­tag bera­te­nen Zwei­ten Bevöl­ke­rungs­schutz­ge­setz vor­ge­se­hen ist und for­dert die flä­chen­de­cken­de Tes­tung von Beschäf­tig­ten im Gesund­heits- und Sozi­al­we­sen. Statt wie geplant die Finan­zie­rung der Tes­tun­gen der Gesetz­li­chen Kran­ken­ver­si­che­rung auf­zu­bür­den, müss­ten die Kos­ten durch die öffent­li­che Hand getra­gen wer­den. „Regel­mä­ßi­ge und sym­ptom­un­ab­hän­gi­ge Tests des Per­so­nals sind nicht nur in Kran­ken­häu­sern not­wen­dig, son­dern vor allem auch in Alten­pfle­ge-Ein­rich­tun­gen und in der Behin­der­ten­hil­fe“, sag­te Syl­via Büh­ler, Mit­glied im ver.di-Bundesvorstand. Sol­che Tests schaff­ten Sicher­heit für Pati­en­tin­nen und Pati­en­ten, für Pfle­ge­be­dürf­ti­ge und für Men­schen mit Behin­de­run­gen, und sie dien­ten dem drin­gend not­wen­di­gen Arbeits- und Gesund­heits­schutz der Beschäf­tig­ten. Schließ­lich wer­de das Coro­na-Virus zuneh­mend auch inner­halb von Kran­ken­häu­sern und Pfle­ge-Ein­rich­tun­gen ver­brei­tet. Büh­ler: „Die­ser gefähr­li­che Trend muss drin­gend gestoppt wer­den.“ Die Über­tra­gung der Kos­ten der Tests auf die Bei­trags­zah­le­rin­nen und Bei­trags­zah­ler der Gesetz­li­chen Kran­ken­ver­si­che­rung leh­ne ver.di ent­schie­den ab, so Büh­ler wei­ter. „Die­se Tests die­nen der epi­de­mio­lo­gi­schen Gefah­ren­ab­wehr und sind eine gesamt­ge­sell­schaft­li­che Auf­ga­be, sie gehö­ren in die Finanz­ver­ant­wor­tung der öffent­li­chen Hand und sind aus Steu­er­mit­teln abzu­de­cken.“” Pres­se­mit­tei­lung vom 7. Mai 2020 externer Link
    • Coro­na im Askle­pi­os Kli­ni­kum Har­burg: “Bei uns wur­de ein Aus­bruch ver­tuscht”
      “… Das Askle­pi­os Kli­ni­kum Har­burg, ein 868-Bet­ten-Kran­ken­haus im Süden Ham­burgs, kämpft seit Wochen mit einem Coro­na-Aus­bruch. Drei Pati­en­ten, dar­un­ter eine Frau Jahr­gang 1970, sind gestor­ben, ein wei­te­rer ist erkrankt. Alle waren Pati­en­ten des Kran­ken­hau­ses und haben sich womög­lich erst dort mit dem Virus infi­ziert. Fünf Kli­nik­mit­ar­bei­ter wur­den posi­tiv auf Covid-19 getes­tet, 48 Ärz­te und Pfle­ger muss­ten in Qua­ran­tä­ne. Zwei Sta­tio­nen sind geschlos­sen. Das Virus kam wahr­schein­lich mit zwei betag­ten Pati­en­ten aus einem Pfle­ge­heim in Ham­burg-Wil­helms­burg in das All­ge­mei­ne Kran­ken­haus. Der Fall zeigt exem­pla­risch, wie gefähr­lich es für einen Kli­nik­be­trieb sein kann, wenn Senio­ren­hei­me nicht sorg­fäl­tig jeden Ver­dacht auf Coro­na bei einer Über­stel­lung von Pati­en­ten mel­den. Am 1. und 2. April tra­fen zwei Bewoh­ner des Pfle­ge­heims “Am Insel­park” aus Ham­burg-Wil­helms­burg in dem Askle­pi­os-Kran­ken­haus ein, sie hat­ten uro­lo­gi­sche Beschwer­den. Dass die bei­den Män­ner aber mög­li­cher­wei­se auch mit dem Coro­na­vi­rus infi­ziert waren, teil­te das Senio­ren­zen­trum des Betrei­bers Ker­Vi­ta der Kli­nik nicht mit. Denn bereits am 31. März war in dem Heim ein ers­ter Bewoh­ner posi­tiv auf Covid-19 getes­tet wor­den. Einer der bei­den ein­ge­lie­fer­ten Senio­ren war noch am Mor­gen des 2. April kurz vor sei­nem Trans­port nach Har­burg auf Covid-19 getes­tet wor­den. Am sel­ben Tag mel­de­te auch das zustän­di­ge Gesund­heits­amt einen Coro­na-Aus­bruch in dem Heim an das Robert Koch-Insti­tut in Ber­lin. Die Kli­nik­ärz­te erfuh­ren von alle­dem nichts. Ohne die bei­den Senio­ren zu tes­ten, leg­ten sie den einen auf die Uro­lo­gie, den ande­ren auf die Tho­ra­x­chir­ur­gie. Gut eine Woche spä­ter muss­ten bei­de Sta­tio­nen schlie­ßen: wegen Coro­na. (…) Die bei­den Kli­nik­mit­ar­bei­te­rin­nen, die sich beim SPIEGEL mel­de­ten, sind über­zeugt davon, dass sich die Pati­en­ten erst auf ihren Sta­tio­nen ange­steckt haben – so wie meh­re­re ihrer Kol­le­gin­nen und Kol­le­gen. Letz­te­res räumt auch Askle­pi­os ein: Fünf Ange­stell­te auf den betrof­fe­nen Sta­tio­nen wur­den posi­tiv auf das Virus getes­tet, dar­un­ter der Arzt, der den Pati­en­ten auf der Uro­lo­gie ope­rier­te. Sie wür­den sich immer noch zu Hau­se erho­len. Ins­ge­samt wur­den sechs Ärz­te und 42 Pfle­ge­kräf­te in Qua­ran­tä­ne geschickt. Die bei­den Sta­tio­nen sind seit dem 9. April geschlos­sen.“ Arti­kel von Annet­te Bruhns vom 07.05.2020 beim Spie­gel online externer Link
  • Die Anstalt vom 5. Mai 2020: Kran­ken­haus­sys­tem à la Ber­tels­mann 
    Video der Sen­dung vom 05.05.2020 beim ZDF externer Link (48 min, ver­füg­bar bis 10.05.2021), dort auch eini­ge Ein­zel­clips der Sen­dung – beson­de­re Emp­feh­lung: Fach- und Sach­ge­schich­ten externer Link: “ein klei­nes Erklär­stück zum deut­schen Kran­ken­haus­sys­tem. Kaba­rett kin­der­leicht erklärt” sowie Lob­by­ar­gu­men­te wider­le­gen externer Link: Under­co­ver-Pati­ent New­ton schei­tert erneut mit einem Ver­such, sich in die Kli­nik ein­zu­schleu­sen. Auf fri­scher Tat ertappt, möch­te er vom Kli­nik-Mana­ger wis­sen, wer dafür ver­ant­wort­lich ist, dass die deut­schen Kran­ken­häu­ser zu “Pro­fit-Zen­tren” gewor­den sind… Und natür­lich der umgangrei­che Fak­ten­check zur Sen­dung vom 5. Mai 2020 externer Link
  • Pro­test gegen neu­en Per­so­nal­schlüs­sel: Fast alle Inten­siv­pfle­ger an Kli­nik in Ott­wei­ler mel­den sich krank – [ver.di Saar­land] Gefähr­li­che Pfle­ge im Mari­en­kran­ken­haus in St. Wen­del 
    • Katho­li­sche Mari­en­haus-Kli­ni­ken im Saar­land soll­ten Per­so­nal­schlüs­sel auf Anwei­sung der Kon­zern­spit­ze redu­zie­ren – ohne Not­si­tua­ti­on
      “In der Mari­en­haus-Unter­neh­mens­grup­pe scheint die katho­li­sche Sozi­al­leh­re nicht viel zu zäh­len. Statt des­sen wird ihr Han­deln offen­bar von betriebs­wirt­schaft­li­chen Kenn­zif­fern bestimmt, seit der ehe­ma­li­ge Askle­pi­os-Mana­ger Tho­mas Wolf­ram das Amt als »Gene­ral­be­voll­mäch­tig­ter« der Kli­nik­ket­te über­nom­men hat. Dafür spricht nicht nur der Beschluss, mit­ten in der Coro­na­pan­de­mie die Kran­ken­häu­ser St. Goar und Ober­we­sel in Rhein­land-Pfalz zu schlie­ßen (sie­he jW vom 30. April). Auch der Ver­such, sich mit­tels Kurz­ar­beit durch Geld der Arbeits­lo­sen­ver­si­che­rung zu sanie­ren, spricht Bän­de – schei­tert aber wohl am Unwil­len der Bun­des­agen­tur für Arbeit. Eben­falls schei­tern könn­te eine wei­te­re Idee des Gene­ral­be­voll­mäch­tig­ten Wolf­ram, der sein »Hand­werk« beim für sei­ne Metho­den bekann­ten Askle­pi­os-Kon­zern gelernt hat: Er wies die saar­län­di­schen Mari­en­haus-Kli­ni­ken an, die Per­so­nal­be­set­zung im Dienst zu redu­zie­ren. Die ört­li­chen Lei­tungs­kräf­te schei­nen das aber nun nicht umzu­set­zen, nach­dem har­sche Kri­tik von Ver­di zu einer öffent­li­chen Debat­te geführt hat­te. (…) Aus­ge­rech­net eini­ge »Mit­ar­bei­ter­ver­tre­ter« ver­such­ten dar­auf­hin, ihrem Chef bei­zu­sprin­gen. Der Vor­sit­zen­de der Mit­ar­bei­ter­ver­tre­tung (MAV) des Mari­en­kran­ken­hau­ses St. Wen­del, Frank Decker, und sein Stell­ver­tre­ter Wer­ner Wil­helm erklär­ten Anfang ver­gan­ge­ner Woche in einem offe­nen Brief, Wolf­ram ver­su­che ledig­lich, »Mari­en­haus vor dem Kon­kurs zu bewah­ren«. Quet­ting war­fen sie vor, Arbeits­plät­ze zu gefähr­den. Der Ver­di-Mann ver­su­che wohl, »den soge­nann­ten drit­ten Weg abzu­schaf­fen. Der erlaubt es näm­lich den Kir­chen und so auch uns als kirch­li­chem Trä­ger, dass wir unse­re Ange­le­gen­hei­ten selbst regeln. (…) »Hier geht es nicht um den drit­ten Weg, son­dern dar­um, Scha­den von Beschäf­tig­ten und Pati­en­ten abzu­wen­den«, beton­te Quet­ting am Mon­tag auf jW-Nach­fra­ge. »Wenn Kli­nik­be­trei­ber ver­su­chen, die wegen der Pan­de­mie erfolg­te Auf­wei­chung von Schutz­rech­ten für betriebs­wirt­schaft­li­che Zwe­cke aus­zu­nut­zen, muss dem ein Rie­gel vor­ge­scho­ben wer­den – unab­hän­gig von der Trä­ger­schaft.« Hin­ter­grund ist das von Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Jens Spahn (CDU) ver­füg­te Aus­set­zen der Pfle­ge­per­so­nal­un­ter­gren­zen, die ohne­hin nur für weni­ge Berei­che der Kran­ken­häu­ser gel­ten. Die Geschäfts­füh­re­rin der Arbei­ter­kam­mer des Saar­lan­des, Bea­tri­ce Zei­ger, for­der­te am 27. April gegen­über der Saar­brü­cker Zei­tung denn auch, Spahns Rechts­ver­ord­nung wie­der außer Kraft zu set­zen. Sie wies dar­auf hin, dass Kli­ni­ken die Unter­gren­zen nur dann unter­schrei­ten dür­fen, wenn sie durch Pan­de­mie­pa­ti­en­ten über­las­tet und alle ande­ren Per­so­nal­res­sour­cen aus­ge­schöpft sind. Von einer Über­las­tung infol­ge der Pan­de­mie kann in den Mari­en­haus-Kli­ni­ken indes kei­ne Rede sein…“ Arti­kel von Dani­el Beh­ru­zi in der jun­gen Welt vom 05.05.2020 externer Link
    • Pro­test gegen neu­en Per­so­nal­schlüs­sel: Fast alle Inten­siv­pfle­ger an Kli­nik in Ott­wei­ler mel­den sich krank
      In den Kran­ken­häu­sern von Mari­en­haus gel­ten neue Per­so­nal­schlüs­sel. In Ott­wei­ler mel­de­ten sich aus Frust dar­auf­hin zahl­rei­che Inten­siv­pfle­ger krank. Sie spre­chen von „unhalt­ba­ren Zustän­den“. Die Vor­wür­fe wie­gen schwer: Die Gewerk­schaft Ver­di spricht davon, dass pfle­ge­ri­sche Stan­dards in den Mari­en­haus­kli­ni­ken außer Kraft gesetzt wür­den. Das sei „lebens­ge­fähr­lich, unver­ant­wort­lich und zugleich gesund­heits­ge­fähr­dend“. Die Coro­na-Kri­se sol­le genutzt wer­den, um „in übels­ter Aus­beu­tung die Mari­en­haus-Grup­pe zu sanie­ren“, sagt der Ver­di-Pfle­ge­be­auf­trag­te Micha­el Quet­ting. Was ist gesche­hen? Der katho­li­sche Trä­ger Mari­en­haus hat den Per­so­nal­schlüs­sel geän­dert. Auf den Inten­siv­sta­tio­nen kom­men auf eine exami­nier­te Pfle­ge­kraft laut Mari­en­haus statt 2,5 jetzt bis zu vier Pati­en­ten. Auf den Nor­mal­sta­tio­nen ändert sich der Schlüs­sel von 1:10 bis 1:12 auf jetzt 1:15. (…) In Ott­wei­ler haben sich aus Pro­test gegen den neu­en Stel­len­schlüs­sel am Frei­tag 16 der 18 Beschäf­tig­ten der Inten­siv­sta­ti­on krank­ge­mel­det, wie eine Kran­ken­schwes­ter der SZ berich­tet. Die Pfle­ge­dienst­lei­tung der Mari­en­haus­kli­nik habe dar­auf­hin die Sta­ti­on abmel­den wol­len, doch dies habe „Dok­tor Wolf­ram“, also der Gene­ral­be­voll­mäch­tig­te von Mari­en­haus, unter­sagt. Von „unhalt­ba­ren Zustän­den“ berich­te­ten Pfle­ge­kräf­te. Die Pro­ble­me gebe es schon seit einem Jahr, also lan­ge vor Coro­na. Jeder Tag, an dem nicht gehan­delt wer­de, könn­ten Men­schen ster­ben…” Arti­kel von Dani­el Kirch vom 28. April 2020 in der Saar­brü­cker Zei­tung online externer Link, sie­he dazu:
    • [ver.di Saar­land] Gefähr­li­che Pfle­ge im Mari­en­kran­ken­haus in St. Wen­del
      “Als “lebens­ge­fähr­lich; unver­ant­wort­lich und zugleich gesund­heits­ge­fähr­dend” bezeich­ne­te der ver.di-Pflegebeauftragte Micha­el Quet­ting heu­te eine Anwei­sung des Gene­ral­be­voll­mäch­ti­gen der Mari­en­haus­grup­pe Dr. Tho­mas Wolf­ram, die im Mari­en­haus St. Wen­del alle pfle­ge­ri­schen Stan­dards außer Kraft setzt. Laut Berich­ten von Beschäf­tig­ten soll das Per­so­nal dort, obwohl kei­ne Coro­na-Son­der­la­ge in St. Wen­del vor­liegt, so aus­ge­dünnt wer­den, dass auf vier Inten­siv­pa­ti­en­ten ledig­lich eine Pfle­ge­kraft, auf Nor­mal­sta­ti­on eine Pfle­ge­kraft auf 15 Pati­en­ten und im Nacht­dienst prin­zi­pi­ell nur eine Pfle­ge­kraft pro Ein­heit zur Ver­fü­gung ste­hen. Die Aus­zu­bil­den­den sol­len eben­falls voll ein­ge­setzt wer­den. “Dies ist gefähr­li­che Pfle­ge.” kon­sta­tiert der ver.di-Gesundheitsexperte und meint: “Nach­dem offen­sicht­lich die Kurz­ar­beits­plä­ne nicht in der gewünsch­ten Form auf­gin­gen, beab­sich­tigt man nun, die Coro­na-Kri­se zu nut­zen, um unter­halb aller Stan­dards in übels­ter Aus­beu­tung die Mari­en­haus­grup­pe zu sanie­ren.” Dr. Wolf­ram kommt von dem pri­va­ten Askle­pi­os-Kon­zern und soll die Mari­en­haus­grup­pe wohl auf Vor­der­mann brin­gen. Mit sei­nem Namen sei ein “katho­li­sche Cha­os” an Rhein, Mosel und Saar ent­stan­den, meint der Gewerk­schafts­ver­tre­ter. Kran­ken­häu­ser wür­den geschlos­sen und Betei­li­gun­gen geschaf­fen und wie­der auf­ge­löst. Nicht der Mensch stän­de im Mit­tel­punkt, son­dern ledig­lich der wirt­schaft­li­che Erfolg. Quet­ting “Sol­chen Leu­ten darf man nicht das Gesund­heits­we­sen über­las­sen. Ich erwar­te end­lich ein Macht­wort des Bischofs und der staat­li­chen Auf­sichts­be­hör­den.” Die Mari­en­haus­grup­pe kommt nicht aus den Schlag­zei­len her­aus. Die Bür­ger in Ott­wei­ler ver­mu­te­ten schon mit der Ver­le­gung von Ein­rich­tun­gen und Per­so­nal nach St. Wen­del, dass damit Fak­ten für die Schlie­ßung geschaf­fen wer­den soll­ten. Die Rol­le in Lebach bleibt über die Hil­de­gard-Stif­tung zwie­lich­tig und ist unge­klärt. Letz­te Woche wur­de bekannt, dass man den Betriebs­füh­rungs­ver­trag für die Alten­hil­feein­rich­tun­gen der ctt gekün­digt hat, wegen der Ver­ant­wor­tung der Mari­en­haus für die Schlie­ßung von Lebach sind auch dort vie­le Fra­gen offen. Selbst gegen­über der Lan­des­re­gie­rung spielt die Grup­pe offen­sicht­lich mit ver­deck­ten Kar­ten. Quet­ting betont, es rei­che nicht von angeb­li­chen Hel­den des All­ta­ges zu spre­chen, sie dann aber scham­los aus­zu­nut­zen. Wenn man Pfle­ge als sys­tem­re­le­vant bezeich­ne, dann sol­le man sie auch men­schen­wür­dig behan­deln. Das Bei­spiel zei­ge wie drin­gend nötig eine ande­re Gesund­heits­po­li­tik sei.“ Mit­tei­lung vom 27. April 2020 von Micha­el Quet­ting (ver.di FB 3 im Saar­land)
  • Pfle­ge nach Coro­na: Der Exo­dus wird kom­men 
    Wird es mit der Öko­no­mi­sie­rung sozia­ler Arbeit nach der Pan­de­mie auf­hö­ren? Unser Autor – der auch Pfle­ger ist – hat wenig Hoff­nung. (…) Ich erwar­te eine bal­di­ge Rezes­si­on und damit auch eine Beschnei­dung finan­zi­el­ler Mit­tel im Sozia­len. Damit ein­her­ge­hend erwar­te ich eine Ver­schär­fung der Pro­fes­sio­na­li­sie­rungs­de­bat­te. Sozia­le Arbeit soll effek­ti­ver und mess­ba­rer wer­den, das heißt mehr Büro­kra­tie, mehr Hier­ar­chie. Das wird zulas­ten der Men­schen gehen, die Hil­fe brau­chen. Und die­se Men­schen­grup­pe wird grö­ßer wer­den. Von den Sozialarbeiter:innen wird nur wenig Wider­spruch kom­men: An den Hoch­schu­len wird das Pro­fes­sio­na­li­sie­rungs­dog­ma schon seit Jah­ren gelehrt. Eini­ge weni­ge im Sozia­len wer­den sich poli­ti­sie­ren und dann man­gels Struk­tu­ren in der gro­ßen Nor­ma­li­sie­rungs­müh­le, die das Sozi­al­we­sen ist, auf­ge­raucht wer­den. Ich erwar­te schon für die nahe Zukunft einen Exo­dus der Mitarbeiter:innen, die in den Kri­sen­zei­ten am enga­gier­tes­ten waren. Ins­ge­samt erwar­te ich eine noch stär­ke­re sozi­al­dar­wi­nis­ti­sche Aus­rich­tung des Dis­kur­ses. Es wird sehr viel mehr über die Ret­tung des Wirt­schafts­sys­tems gespro­chen als über die Ret­tung von Men­schen­le­ben. Die Infek­ti­ons­ra­te auf unter 1 zu sen­ken geschieht mit dem Ziel, das Gesund­heits­sys­tem nicht zu über­las­ten, über eine Aus­rot­tung des Virus wie in Neu­see­land wird nicht ein­mal nach­ge­dacht. Eine Gesell­schaft zu ent­wi­ckeln, die die Men­schen vor Anste­ckung schützt, wird, wenn über­haupt, nur am Ran­de dis­ku­tiert. Dass auch bei einer Infek­ti­ons­ra­te von 1 vie­le Men­schen an dem Virus ster­ben wer­den, wird ein­fach hin­ge­nom­men: wer stirbt, war ohne­hin nicht zu ret­ten, wird es hei­ßen. Ich erwar­te, dass der bereits tief ver­an­ker­te Fata­lis­mus im Sozia­len wei­ter um sich greift. Und ich erwar­te, dass sich noch mehr Pfle­gen­de die­sem Fata­lis­mus ent­zie­hen, indem sie sich in eine unpo­li­ti­sche, obsku­ran­tis­ti­sche Traum­welt von Ver­schwö­rungs­theo­rien, Eso­te­rik und rechts­las­ti­ger Pro­pa­gan­da flüch­ten...” Kom­men­tar von Fré­dé­ric Valin vom 1.5.2020 in der taz online externer Link
  • “Ich hab Momen­te erlebt, wo wir wei­nend irgend­wo saßen” 
    Hoher Druck, nied­ri­ger Lohn: Pfle­gen­de in Deutsch­lands Kli­ni­ken waren schon vor Coro­na am Limit. Im Pod­cast erzählt eine Kran­ken­schwes­ter, war­um sie ihren Wunsch­be­ruf nach 15 Jah­ren auf­ge­ge­ben hat…” Ein Pod­cast von Jele­na Ber­ner und Yase­min Yüksel vom 30.04.2020 beim Spie­gel online externer LinkAudio Datei
  • War­um sich Pfle­gen­de nicht als Hel­den ver­ste­hen /​Pfle­ge­kräf­te, die in der Coro­na-Kri­se Kri­tik äußern, kla­gen über Ein­schüch­te­run­gen und Dro­hun­gen 
    • War­um sich Pfle­gen­de nicht als Hel­den ver­ste­hen
      Was in Zei­ten von Coro­na gefor­dert ist und was Pfle­gen­de wirk­lich erwar­ten, erklärt unser Gast­au­tor Pro­fes­sor Ernst Engel­ke. (…) Wir soll­ten uns erin­nern: Nichts ande­res haben Pfle­gen­de in den Hei­men und Kli­ni­ken schon immer gemacht. Ihre Arbeit war auch vor­her hart. Oft see­lisch an der Gren­ze des Ertrag­ba­ren. Auch vor der Coro­na-Pan­de­mie sind Men­schen in Hei­men und Kli­ni­ken gestor­ben. Manch­mal vie­le in kur­zer Zeit. Vor weni­gen Jah­ren in einem Pfle­ge­heim 30 Bewoh­ner inner­halb von drei Mona­ten, vor zwei Mona­ten auf einer Pal­lia­tiv­sta­ti­on 17 Pati­en­ten in einer Woche. Wer hat das damals gewür­digt? Offen­sicht­lich sind die Leis­tun­gen der Pfle­gen­den von uns bis­lang nicht wirk­lich wahr­ge­nom­men wor­den. Der Pfle­ge­not­stand hat sich mit der expo­nen­ti­el­len Aus­brei­tung des Coro­na­vi­rus noch ver­schärft. Hin­zu kommt: Für die Pfle­gen­den besteht in ihrer Arbeit eine erhöh­te Anste­ckungs­ge­fahr durch das Virus. Das Kli­ma in den Hei­men und Kli­ni­ken ist der­zeit ange­spannt, trotz guter Zusam­men­ar­beit. (…) Müs­sen wir nicht viel­mehr die Pfle­gen­den um Ent­schul­di­gung bit­ten? Dass wir ihre Tätig­keit nicht als sys­tem­re­le­vant ange­se­hen haben? Für die schlech­te Bezah­lung? Für das Allein­las­sen? Für die Abwer­tung ihres Berufs, ins­be­son­de­re der Alten­pfle­ge? Und nicht zuletzt für den Ras­sis­mus gegen­über Pfle­gen­den mit einem Migra­ti­ons­hin­ter­grund? Was macht die Sti­li­sie­rung zu Hel­den mit den Pfle­gen­den – auch mit den Ärz­tin­nen und Ärz­ten? Wol­len sie über­haupt als Hel­den ver­ehrt wer­den? Ver­mut­lich nicht. Als Held ange­se­hen zu wer­den, bedeu­tet ja nicht nur rie­si­ges Lob, son­dern löst zugleich auch enor­men Druck aus: Hel­den wer­den nicht müde, haben kei­ne Angst, geben nicht auf, stel­len sich dem Kampf bis zum eige­nen Tod. Nein, die Pfle­gen­den ver­ste­hen sich nicht als Hel­den. Sie sind Men­schen wie Sie und ich. Sie tun ihre Pflicht und freu­en sich über die unge­wohn­te Aner­ken­nung, befürch­ten aber, dass es bei schö­nen Wor­ten blei­ben könn­te. Vie­le Pfle­gen­de haben Angst, dass sie bald im Zen­trum hef­ti­ger Angrif­fe ste­hen könn­ten, wenn erkannt wird, dass die Hel­den auch nur Men­schen sind und die Ansprü­che an die Pfle­ge nicht wie gewünscht erfüllt wer­den konn­ten…” Gast­bei­trag von Ernst Engel­ke vom 26. April 2020 bei main​post​.de externer Link
    • Inter­view mit Kal­le Kun­kel vom Bünd­nis “Kran­ken­haus statt Fabrik”
      In der Ber­li­ner Run­de vom 22.4. spre­chen wir mit Kal­le Kun­kel vom Bünd­nis “Kran­ken­haus statt Fabrik” über die aktu­el­len Pro­ble­me im deut­schen Kran­ken­haus­sys­tem – Kom­mer­zia­li­sie­rung, Fall­pau­scha­le, Pro­ble­me der Beschäf­tig­ten – und über die aktu­el­le ver­di-Kam­pa­gne in Ber­lin, bei der die Beschäf­tig­ten 4.500 Unter­schrif­ten gesam­melt haben, um einen “Coro­na-Pakt” zu errei­chen.Inter­view von Radio STAN am 23.4.2020 im Audio­por­tal Frei­er Radi­os externer LinkAudio Datei
    • Sie sol­len schwei­gen. Pfle­ge­kräf­te, die in der Coro­na-Kri­se Kri­tik äußern, kla­gen über Ein­schüch­te­run­gen und Dro­hun­gen
      Eini­ge wer­den plötz­lich ver­setzt. Ist Kri­tik in der Kli­nik uner­wünscht? (…) Aus einer nor­ma­len Abtei­lung war eine Coro­na-Sta­ti­on gewor­den. Schmidt fühl­te sich wie eini­ge ande­re Kol­le­gin­nen und Kol­le­gen über­for­dert. “Mehr als eine halb­stün­di­ge Ein­wei­sung in die Über­wa­chungs­mo­ni­to­re gab es nicht”, sagt sie. Alles hat­te sich ver­än­dert, nur der Per­so­nal­schlüs­sel war gleich geblie­ben. Dafür stieg die Arbeits­be­las­tung. Denn wäh­rend ande­re Kli­ni­ken lan­ge von der Ruhe vor dem Sturm berich­te­ten, wur­den in Essen früh ers­te Coro­na-Pati­en­ten behan­delt. Schmidt woll­te sich schüt­zen und “Feh­ler und Gefah­ren auf­zei­gen”. Immer­hin soll­te sie mit nur einer wei­te­ren Kol­le­gin im Nacht­dienst arbei­ten. Das sei aber viel zu wenig, die Arbeit zu zweit nicht zu leis­ten. Sie klag­te intern über feh­len­de Schu­lun­gen, Mate­ri­al­man­gel und den Zeit­auf­wand, den es mach­te, stän­dig Schutz­klei­dung zu tra­gen. Schließ­lich stell­te Schmidt eine Über­las­tungs­an­zei­ge. (…) Einen Tag spä­ter wur­de Schmidt auf eine ande­re Sta­ti­on ver­setzt. Das emp­fin­det sie als “Bestra­fungs­akt für die Über­las­tungs­an­zei­ge” und fürch­tet, bald gekün­digt zu wer­den. Zudem sorgt sie sich, dass sie nun auf einer “völ­lig neu­en Sta­ti­on, in einem ande­ren Fach­be­reich und einem neu­en Team” arbei­ten muss – vor allem, weil sie dort­hin ver­setzt wur­de, ohne zuvor getes­tet zu wer­den, obwohl sie direk­ten Kon­takt zu Coro­na-Pati­en­ten hat­te. Die Ver­set­zung wur­de Schmidt spä­ter in einem Brief mit­ge­teilt, das Schrei­ben liegt ZEIT ONLINE vor. Zwei Kol­le­gin­nen bestä­ti­gen die Aus­sa­ge. Auch sie wur­den ver­setzt, am sel­ben Tag wie Schmidt, kurz nach­dem sie Über­las­tungs­an­zei­gen geschrie­ben hat­ten. (…) Der Gewerk­schaft “lie­gen Berich­te von Beschäf­tig­ten vor, die betriebs­in­tern oder öffent­lich den man­geln­den Infek­ti­ons­schutz kri­ti­siert haben und in der Fol­ge mit Abmah­nun­gen oder Kün­di­gun­gen bedroht wur­den”, sagt Büh­ler. (…) Frank Lutz* ist Pfle­ger am Uni­ver­si­täts­kli­ni­kum Augs­burg. Dort habe man wäh­rend der Coro­na-Kri­se unnö­ti­ge Ope­ra­tio­nen durch­ge­führt, anstatt sie abzu­sa­gen, sagt er. “Wir haben noch ein­ge­wach­se­ne Zehen­nä­gel behan­delt oder Brust­re­kon­struk­tio­nen durch­ge­führt, als die Kri­se schon über­all ein The­ma war”, sagt Lutz. Dabei soll­ten elek­ti­ve Ope­ra­tio­nen abge­sagt wer­den. Beschäf­tig­te star­te­ten dar­auf­hin eine Peti­ti­on an die baye­ri­sche Staats­re­gie­rung, sam­mel­ten laut eige­nen Anga­ben 500 Unter­schrif­ten von Pfle­ge­kräf­ten. Doch als die Kli­nik von den Bemü­hun­gen erfuhr, stell­te sie Lutz eine Unter­las­sungs­er­klä­rung zu…” Arti­kel von David Guten­sohn vom 21. April 2020 in der Zeit online externer Link
    • Bre­mer Kran­ken­haus: Vor­be­rei­tung auf die Pan­de­mie? Wir spü­ren nur plan­lo­ses Cha­os
      “… Wir sol­len jetzt pro Pfle­ge­kraft vier Pati­en­tIn­nen ver­sor­gen, nach­dem Spahn ja die­ses Gesetz außer Kraft gesetzt hat. Der Pfle­ge­dienst­lei­tung ist es durch­aus bewusst, dass so mit die­sem Per­so­nal­schlüs­sel die­se Men­schen nicht adäquat betreut wer­den kön­nen. Da auch hier die angeb­lich nicht not­wen­di­gen (!?) Op´s radi­kal redu­ziert wor­den sind, sol­len dann die­se Pfle­ge­kräf­te aus die­ser Abtei­lung ein­schließ­lich Anäs­the­sie den Inten­siv­pfle­ge­kräf­ten zuar­bei­ten. Nur wo sind sie? In vie­len Schich­ten sind sie nicht zu sehen. Also, schreibt man dann auch wei­ter­hin Gefähr­dungs- bzw. Über­las­tungs­an­zei­gen. Auch die Logis­tik und die Aus­stat­tung kann nicht Schritt hal­ten mit den schnell zusätz­lich auf­ge­stell­ten Inten­siv­bet­ten. Nur ein Bei­spiel: Ein Ver­bands­wa­gen muss für vier Pati­en­tIn­nen aus­rei­chend sein. Die Pfle­ge­kräf­te waren schon vor­her am Limit. Die Krank­heits­ra­te und die Kün­di­gun­gen bzw. Ver­set­zun­gen sind schon seit län­ge­rem hoch. Und jetzt kommt auch noch die Pan­de­mie auf uns zu. Ich kann mich mich noch sehr gut an die Situa­ti­on bei uns auf der Inten­siv­sta­ti­on erin­nern, wie nach der Ehec-Epi­de­mie in 2010 etli­che Kol­le­gIn­nen voll­kom­men aus­ge­brannt waren und lan­ge aus­fie­len. Für etli­che Kol­le­gIn­nen ist es klar. Geht die­ser Zustand noch eine län­ge­re Wei­le, wer­den wei­te­re mit einer „Flucht“ aus dem Kran­ken­haus­all­tag ver­su­chen, sich den krank­ma­chen­den Arbeits­be­din­gun­gen zu ent­zie­hen…” Bericht von zwei Inten­siv­sta­tio­nen einer Bre­mer Kli­nik am 20.4.2020 (Teil 1) bei Jour Fixe der Gewerk­schafts­lin­ke Ham­burg externer Link
    • Sie­he auch das Video externer Link : Pfle­ge­not­stand. War­um ist Coro­na so ein Pro­blem für das deut­sche Gesund­heits­sys­tem?
  • Die ste­ti­ge Absen­kung der Schutz­maß­nah­men für das medi­zi­ni­sche Per­so­nal in der aktu­el­len Situa­ti­on ist ein Rie­sen­skan­dal 
    “… Auch Pfle­ge­kräf­te und Medi­zi­ner haben chro­ni­sche Lun­gen­er­kran­kun­gen, Dia­be­tes mel­li­tus, sind dick oder haben einen Blut­hoch­druck. Außer­dem schwä­chen Schicht- und Nacht­ar­beit, Über­stun­den und Per­so­nal­man­gel das Immun­sys­tem mas­siv. 10–15 % der Infi­zier­ten in Spa­ni­en und Ita­li­en sind Mit­ar­bei­ter aus dem Gesund­heits­we­sen. Ange­sichts die­ser Zah­len muss doch abso­lut klar sein, dass der Schutz des medi­zi­ni­schen Per­so­nals maxi­mal sein muss und obers­te Prio­ri­tät hat. Abge­se­hen davon, dass es zu lebens­ge­fähr­li­chen Situa­tio­nen mit Todes­fol­ge kom­men kann, bringt das auch die Ver­sor­gung der Bevöl­ke­rung in Gefahr. Spahn und Co erwäh­nen immer wie­der wie wich­tig ihnen der Schutz für das Per­so­nal ist – doch Wor­te und Ergeb­nis­se lie­gen hier unfass­bar weit aus­ein­an­der. Die Schutz­maß­nah­men wur­den in den letz­ten vier Wochen suk­zes­si­ve abge­senkt. (…) Auch vom RKI wird auf Arbeits­schutz­maß­nah­men bei län­ge­rem Tra­gen der FFP2- u 3 Mas­ken hin­ge­wie­sen, wie z.B. 30 Minu­ten Pau­se nach 2h Arbei­ten mit Mas­ke. Sehr frag­lich, wo und wie die­se Rege­lung Anwen­dung fin­det. In Indus­trie und Hand­werk gibt es eine Erschwer­nis­zu­la­ge, wenn mit die­sen Mas­ken gear­bei­tet wird – für die Beschäf­tig­ten im Gesund­heits­we­sen gibt es so eine Zula­ge bis­her nicht. (…) die Devi­se lau­tet: Ein­mal-Mas­ken nicht weg­schmei­ßen, son­dern über eine Schicht von 8 Stun­den wie­der­ver­wen­den. In die­ser und auch in ande­ren Stel­lung­nah­men des Bun­des taucht auf, dass selbst­ver­ständ­lich bei Kon­ta­mi­na­ti­on oder Durch­feuch­tung die Mas­ken ver­wor­fen wer­den sol­len. (…) Noch­mal, ab wann ist eine Ein­mal-FFP-Mas­ke also durch­feuch­tet? Es ist aktu­ell eine rein sub­jek­ti­ve Ein­schät­zung, bei so einer wich­ti­gen Fra­ge. Die Mit­ar­bei­ter bekom­men teil­wei­se nur eine ein­zi­ge Mas­ke pro Schicht aus­ge­hän­digt. (…) Die Bun­des­re­gie­rung hät­te dafür sor­gen kön­nen – oder kann immer noch jetzt sofort dafür sor­gen, dass die Indus­trie ihr Vor­rä­te in die­ser beson­de­ren Pan­de­mie-Situa­ti­on abge­ben MUSS. Wenn ein Betrieb jetzt nach der vier­ten Woche der Kri­se ankommt und Mas­ken „spen­det“ – dann gehört da kein Applaus hin, son­dern eine Kla­ge wegen unter­las­se­ner Hil­fe­leis­tung. Nach der vier­ten Woche der Kri­se soll­te man auch anneh­men, dass eine Pro­duk­ti­on im eige­nen Land end­lich funk­tio­niert. Denn wo auf die­ser Welt, wenn nicht hier in Deutsch­land, kann eine eige­ne Pro­duk­ti­on für Mas­ken bes­ser funk­tio­nie­ren?! So wie es aus­sieht bringt die Mas­ken-Pro­duk­ti­on ein­fach nicht genü­gend Gewin­ne ein…” Bei­trag von Ange­la Münch vom 19.4.2020 – wir dan­ken! Ange­la Münch ist Not­fall­me­di­zi­ne­rin und Ärz­tin auf einer Inten­siv­sta­ti­on
  • War­um Kran­ken­häu­ser trotz Schutz­schirms in finan­zi­el­le Not gera­ten
    “Klam­me Kli­ni­ken, wie­der­eröff­nen­de Läden und pro­tes­tie­ren­de Pfle­ge­kräf­te – wäh­rend sich Ber­lin auf die ange­kün­dig­ten Locke­run­gen vor­be­rei­tet, steht die Lan­des­po­li­tik vor hef­ti­gen Debat­ten. Am Mon­tag wird sich Sena­to­rin Dilek Kalay­ci (SPD) im Gesund­heits­aus­schuss des Abge­ord­ne­ten­hau­ses den Fra­gen aus Koali­ti­on und Oppo­si­ti­on stel­len. (…) Ein ent­spre­chen­des Schrei­ben wird die Gewerk­schaft Ver­di in die­ser Woche auch an die Senats­kanz­lei schi­cken: Das Land sol­le sich über den Bun­des­rat für einen Stopp der oft knapp kal­ku­lier­ten Fall­pau­scha­len in der Kli­nik­fi­nan­zie­rung ein­set­zen, dem soge­nann­ten DRG-Sys­tem. Auch die Kran­ken­haus­lei­ter dis­ku­tie­ren dar­über, wie sie die Coro­na­kri­se über­ste­hen. Zwar gilt der von Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Jens Spahn (CDU) ange­kün­dig­te Schutz­schirm als umfang­reich: Für jedes für Covid-19-Fäl­le frei gehal­te­ne Bett gibt es 560 Euro pro Tag sowie ein­ma­lig 50.000 Euro für jeden neu­en Inten­siv­platz. Unge­wiss ist aber, ob der Schutz­schirm die Mil­lio­nen­ver­lus­te durch das ein­ge­bro­che­ne All­tags­ge­schäft aus­gleicht. Denn in Deutsch­land wer­den Kli­ni­ken anders als Schu­len und Feu­er­wehr pro Ein­satz bezahlt. Der­zeit aber sind fast 50 Pro­zent der 20.000 Kran­ken­bet­ten in Ber­lin leer, plan­ba­re Ein­grif­fe wur­den für poten­zi­el­le Covid-19-Fäl­le ver­scho­ben. Zudem feh­len die zah­lungs­kräf­ti­gen Gesund­heits­tou­ris­ten. (…) Uwe Alsch­ner vom Ver­band der kom­mu­na­len Kran­ken­häu­ser IVKK, der vie­le Kli­ni­ken im Umland ver­tritt, spricht von „stel­len­wei­se ekla­tan­tem Ver­sa­gen“ der Kas­sen­ärzt­li­chen Ver­ei­ni­gun­gen: Die­se sind per Gesetz für die ambu­lan­te Ver­sor­gung zustän­dig. Die Kri­se zei­ge zudem, sag­te IVKK-Geschäfts­füh­rer Alsch­ner, dass das „Expe­ri­ment, Kran­ken­häu­ser wie kom­mer­zi­el­le Pro­fit-Cen­ter zu betrei­ben“, abge­bro­chen wer­den müs­se: „Daseins­vor­sor­ge ist kein markt­fä­hi­ges Pro­dukt!“…“ Arti­kel von Han­nes Hei­ne vom 20.04.2020 beim Tages­spie­gel online externer Link
  • Post an Spahn: Kran­ken­haus­be­schäf­tig­te aus drei Bun­des­län­dern über­mit­teln Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter ihre For­de­run­gen 
    “… Spahns Maß­nah­men kamen bei den betrof­fe­nen Beschäf­tig­ten mit­un­ter nicht beson­ders gut an. Es sei »kei­ne Unter­stüt­zung« gewe­sen, mein­te denn auch Ellen Ost im Gespräch mit jW am vori­gen Don­ners­tag, »es war ein Tritt in den Hin­tern«. Gemein­sam mit einem »Ver­di-Netz­werk akti­ver Kran­ken­haus­be­schäf­tig­ter« aus drei Bun­des­län­dern initi­ier­te die Fach­kran­ken­schwes­ter am Uni­ver­si­täts­kli­ni­kum in Jena einen Brief mit For­de­run­gen an den Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter, sowie die zustän­di­gen Lan­des­mi­nis­ter aus Sach­sen, Petra Köp­ping (SPD), Hei­ke Wer­ner (Die Lin­ke) aus Thü­rin­gen und Petra Grimm-Ben­ne (SPD) aus Sach­sen-Anhalt. Dar­in ver­lan­gen die Gewerk­schafts­mit­glie­der die »Bereit­stel­lung von aus­rei­chen­dem Schutz­ma­te­ri­al« für Beschäf­tig­te. Not­falls müs­se dies mit einer »staat­li­chen Ver­ord­nung an ent­spre­chen­de Unter­neh­men« durch­ge­setzt wer­den. Neben die­ser For­de­rung stel­len die Gewerk­schaf­te­rin­nen und Gewerk­schaf­ter wei­te­re nach Sofort­maß­nah­men auf: So sol­len Qua­ran­tä­ne­vor­schrif­ten künf­tig auch für Kli­nik­be­schäf­tig­te gel­ten. Wer krank ist, sei krank, heißt es in zitier­tem Brief, der auch eine monat­li­che »steu­er­freie Belas­tungs­zu­la­ge von 500 Euro für alle Beschäf­tig­ten im Gesund­heits­we­sen« for­dert. Wenn es nach dem Wil­len des Initia­to­ren­krei­ses geht, sol­len Arbeits- und Gehalts­aus­fäl­le, die wegen Qua­ran­tä­ne oder durch Kin­der­be­treu­ung ent­ste­hen könn­ten, zu 100 Pro­zent ver­gü­tet wer­den. Zudem ver­lan­gen die Autoren des Brie­fes die Rück­nah­me der Locke­rung des Arbeits­zeit­ge­set­zes und somit auch die Rück­nah­me der »Aus­wei­tung des Arbeits­ta­ges auf zwölf Stun­den«. Für die Zeit nach der Kri­se besteht das »Netz­werk akti­ver Kran­ken­haus­be­schäf­tig­ter« dar­auf, »grund­le­gen­de Pro­ble­me des deut­schen Gesund­heits­sys­tems« zu behe­ben. Das bedeu­tet für die Mit­ar­bei­te­rin­nen und Mit­ar­bei­ter aus 17 Kli­ni­ken auch die »Abschaf­fung der Fall­pau­scha­len und kos­ten­de­cken­de Finan­zie­rung der Kran­ken­häu­ser«. Dar­über hin­aus erneu­ert der Brief die seit Jah­ren vor­ge­tra­ge­ne For­de­rung nach einem »ver­bind­li­chen, bedarfs­ge­rech­ten Per­so­nal­schlüs­sel« und die »Rekom­mu­na­li­sie­rung« pri­va­ti­sier­ter Kran­ken­häu­ser, die Anhe­bung von Löh­nen und das soge­nann­te Insour­cing aus­ge­glie­der­ter Kli­nik­be­rei­che…” Arti­kel von Ste­ve Hol­las­ky in der jun­gen Welt vom 20.04.2020 externer Link – sie­he auch:
    • Zum Offe­nen Brief akti­ver Kran­ken­haus­be­schäf­tig­ter in Sach­sen, Sach­sen-Anhalt und Thü­rin­gen
      In der letz­ten Woche hat das Netz­werk akti­ver Kran­ken­haus­be­schäf­tig­ter aus ver­schie­de­nen Kli­ni­ken in Sach­sen, Sach­sen-Anhalt und Thü­rin­gen gemein­sam mit der Gewerk­schaft ver­di einen offe­nen Brief ver­öf­fent­licht. Die­ser Brief rich­tet sich an den Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Jens Spahn und an die ent­spre­chen­den Staats­mi­nis­te­ri­en der drei Bun­des­län­der. In dem offe­nen Brief wird einer­seits die enor­me Belas­tungs­si­tua­ti­on the­ma­ti­siert, die ins­be­son­de­re die Kran­ken­haus­be­schäf­tig­ten der­zeit unter Coro­na ver­spü­ren. Zum ande­ren rich­tet sich der Brief gegen die Öko­no­mi­sie­rung der Kran­ken­häu­ser. Über den offe­nen Brief und die Situa­ti­on an den Kran­ken­häu­sern in Zei­ten von Coro­na spra­chen wir mit den Kran­ken­pfle­ge­rIn­nen des Uni­kli­ni­kums in Hal­le Lui­sa Förs­ter und Eike-Hol­ger Maruck, sowie mit San­der Fuchs, Gewerk­schafts­se­kre­tär von ver.di.” Inter­view vom 20.4.2020 bei Radio Corax externer LinkAudio Datei
    • Dan­ke lie­ber @jensspahn @BMG_Bund, ab Mai dür­fen wir nicht nur unter #COVID19 arbei­ten, son­dern auch wie­der in den all­täg­li­chen Kri­sen­mo­dus zurück­keh­ren. Was ist mit den 12 Std. Schich­ten @hubertus_heil  Die blei­ben oder wie? Hap­py Burn Out! #hört­au­funs ist #sys­tem­re­le­vant !” – so Ber­li­ner Bünd­nis für Mehr Per­so­nal im Kran­ken­haus am 20.4. bei Twit­ter externer Link
  • Coro­na im Kran­ken­haus: »Ist es die Ruhe vor dem Sturm, oder zieht er vor­über?«
    Als Lea­sing­kraft kennt die Pfle­ge­rin Tan­ja Lang-Ger­nath vie­le Ber­li­ner Kran­ken­häu­ser. Die sind gut auf Coro­na vor­be­rei­tet. Ande­re Krank­hei­ten machen aber kei­ne Pau­se…” Inter­view von Nel­li Tügel vom 18.04.2020 im ND online externer Link
  • Offe­ne Brie­fe Kran­ken­haus­be­schäf­tig­ter ver­schie­de­ner Län­der /​6395 Infek­tio­nen bei medi­zi­ni­schem Per­so­nal /​ver.di for­dert mehr Tests beim Gesund­heits­per­so­nal /​Pri­vat­kli­ni­ken set­zen Beschäf­tig­te in Kurz­ar­beit oder in »Frei­zeit« – und kas­sie­ren aus Hilfs­fonds der Bun­des­re­gie­rung … 
    • Offe­ner Brief eines Netz­wer­kes akti­ver Kran­ken­haus­be­schäf­tig­ter aus ver­schie­dens­ten Kli­ni­ken in Sach­sen, Sach­sen-Anhalt und Thü­rin­gen
      “… Die Covid-19-Pan­de­mie ist für uns alle eine noch nie dage­we­se­ne Situa­ti­on. Die­se Pan­de­mie trifft auf ein kaputt­ge­spar­tes deut­sches Gesund­heits­sys­tem. Mit Ein­füh­rung der DRGs in Deutsch­land gab es einen grund­le­gen­den Kurs­wech­sel. Nicht mehr die Bedürf­nis­se der Patient*innen ste­hen im Mit­tel­punkt, son­dern die betriebs­wirt­schaft­li­chen Aspek­te jeder ein­zel­nen Erkran­kung. Auf­grund des poli­tisch gewoll­ten Wett­be­werbs zwi­schen den Kran­ken­häu­sern wur­de über Jahr­zehn­te an Per­so­nal und Mate­ri­al gespart. Zen­tra­le Tei­le des Kli­nik­be­triebs wur­den out­ge­sourct, von der Wäsche­rei über die Küche bis zur Rei­ni­gung. Die Durch­öko­no­mi­sie­rung des Gesund­heits­be­reichs wie etwa die Ein­füh­rung von just-in-time-Belie­fe­rung zeigt sich spä­tes­tens in der aktu­el­len Kri­se als unge­eig­net. Zudem wer­den mehr und mehr Kli­ni­ken pri­va­ti­siert, was zu einer zuneh­men­den Pro­fit­ori­en­tie­rung und dem Ver­lust von Ein­griffs­mög­lich­kei­ten durch die Öffent­lich­keit führt. Durch Ent­schei­dun­gen der letz­ten Jahr­zehn­te wur­den Kran­ken­häu­ser zu Fabri­ken umge­baut. (…) Wir, Beschäf­tig­te aus Kran­ken­häu­sern in Sach­sen, Sach­sen-Anhalt und Thü­rin­gen, sind täg­lich rund um die Uhr und an 365 Tagen im Jahr mit Fach­wis­sen, Lei­den­schaft und Enga­ge­ment für unse­re Patient*innen und deren Ange­hö­ri­ge im Ein­satz. Wir bie­ten den Men­schen Hil­fe in aku­ten Not­la­gen und die best­mög­li­che medi­zi­ni­sche und pfle­ge­ri­sche Ver­sor­gung. Jedoch haben wir auch For­de­run­gen an die poli­ti­schen Ent­schei­dungs­trä­ger. Wir erwar­ten in die­ser zuge­spitz­ten Situa­ti­on die Umset­zung von Sofort­maß­nah­men zum Schut­ze der Gesund­heit von Patient*innen und Beschäf­tig­ten: Bereit­stel­lung von aus­rei­chen­dem Schutz­ma­te­ri­al für alle Beschäf­tig­ten im Gesund­heits­we­sen – not­falls durch staat­li­che Ver­ord­nung an ent­spre­chen­de Unter­neh­men; Qua­ran­tä­ne muss auch für infi­zier­te Kran­ken­haus­be­schäf­tig­te gel­ten – krank ist krank.; Staat­lich voll refi­nan­zier­te Zah­lung einer steu­er­frei­en Belas­tungs-Zula­ge von 500,00 € im Monat für alle Beschäf­tig­ten im Gesund­heits­we­sen inklu­si­ve aus­ge­glie­der­ter Toch­ter­ge­sell­schaf­ten sowie in wei­te­ren ver­sor­gungs­re­le­van­ten Berei­chen (Ein­zel­han­del etc.); Hun­dert­pro­zen­ti­ge Ver­gü­tung von Arbeits- bzw. Gehalts­aus­fäl­len (z.B. wegen Qua­ran­tä­ne oder Kin­der­be­treu­ung); Rück­nah­me des gelo­cker­ten Arbeits­zeit­ge­set­zes mit einer Aus­wei­tung des Arbeits­ta­ges auf 12 Stun­den und eine Ver­kür­zung der Min­destru­he auf 9 Stun­den; Über die­se kurz­fris­ti­gen Maß­nah­men hin­aus erwar­ten wir eine poli­ti­sche Wei­chen­stel­lung für die Zukunft, wel­che grund­le­gen­de Pro­ble­me des deut­schen Gesund­heits­sys­tems angeht: Abschaf­fung der Fall­pau­scha­len und kos­ten­de­cken­de Finan­zie­rung der Kran­ken­häu­ser, Ein­füh­rung gesetz­lich ver­bind­li­cher, bedarfs­ge­rech­ter Per­so­nal­schlüs­sel und ent­spre­chen­der Kon­se­quen­zen bei Unter­schrei­tung, Rekom­mu­na­li­sie­rung des Gesund­heits­sys­tems von und für die Gesell­schaft, Insour­cing von Rei­ni­gung, Küchen und ande­ren aus­ge­glie­der­ten Ser­vice­ge­sell­schaf­ten, denn auch die­se Mitarbeiter*innen sind uner­setz­li­che Tei­le des Teams, Deut­li­che Anhe­bung der Löh­ne und attrak­ti­ve­re Arbeits­be­din­gun­gen in Gesund­heits­be­ru­fen. Nur so kön­nen wir genug qua­li­fi­zier­tes Per­so­nal für die Gesund­heits­ver­sor­gung gewin­nen und hal­ten…” Offe­ner Brief des Netz­werks akti­ver Kran­ken­haus­be­schäf­tig­ter in SAT bei ver.di Gesund­heit & Sozia­les in Sach­sen, Sach­sen-Anhalt und Thü­rin­gen externer Link
    • Offe­ner Brief von Beschäf­tig­ten aus über 20 Bran­den­bur­ger Kran­ken­häu­sern: Schutz der Beschäf­tig­ten und Pati­en­ten muss an ers­ter Stel­le ste­hen
      Beschäf­tig­te von über 20 Bran­den­bur­ger Kran­ken­häu­sern – dar­un­ter die größ­ten in Pots­dam, Cott­bus, Eisen­hüt­ten­stadt, Bran­den­burg, Nie­der­lau­sitz und Ebers­wal­de – haben sich am Diens­tag in einem offe­nen Brief an Minis­ter­prä­si­den­ten Diet­mar Woid­ke, Gesund­heits­mi­nis­te­rin Ursu­la Non­ne­ma­cher, die Gesell­schaf­ter der Kran­ken­häu­ser und ihre Kli­nik­lei­tun­gen gewandt und for­dern drin­gend Unter­stüt­zung. Sie wol­len z.B. aus­rei­chen­de Schutz­klei­dung, Des­in­fek­ti­ons­mit­tel und die schnel­le unbü­ro­kra­ti­sche Ein­stel­lung von Per­so­nal. Ursu­la Kre­gel (OP-Schwes­ter am Wer­ner Forß­mann Kran­ken­haus Ebers­wal­de) führt aus: „Das Land Bran­den­burg muss einen Weg fin­den, Mas­ken, Schutz­kit­tel, Schutz­bril­len, Hand­schu­he und Des­in­fek­ti­ons­mit­tel zu pro­du­zie­ren. Es ist bereits abseh­bar, dass die vor­han­de­nen Bestände nicht aus­rei­chen wer­den. Bay­ern und Baden-Württemberg machen es vor: dort wer­den Produktionsstätten umgerüstet.“ (…) Oft­mals schlecht bezahlt, ohne Schutz durch Tarif­ver­trä­ge und mit har­ten Arbeits­be­din­gun­gen läuft das viel zu weni­ge, über Jahr­zehn­te „weg­ge­spar­te“ und „out­ge­sourc­te“ Per­so­nal in fast allen Berei­chen hart an der Gren­ze der phy­si­schen und psy­chi­schen Belast­bar­keit. „Die­se Kol­le­gin­nen und Kol­le­gen, die nun auch noch durch den Kon­takt mit Infi­zier­ten selbst einer hohen Gefähr­dung aus­ge­setzt sind, die selbst nach Ori­en­tie­rung suchen, erwei­sen sich in der Kri­se als ver­läss­li­che Stüt­zen des Bran­den­bur­ger Gesund­heits­we­sens“, führt Frank Ploss, ver.di-Gewerkschaftssekretär für Nord­ost­bran­den­burg aus. Die Kran­ken­häu­ser wur­den über Jahr­zehn­te durch ein wider­sin­ni­ges Prin­zip des „Mark­tes“ kaputt­ge­spart, statt es aus­schließ­lich an der Gesund­heit der Bevöl­ke­rung zu ori­en­tie­ren. Des­halb for­dern die Gewerkschafter/​innen auch die sofor­ti­ge Abschaf­fung der „Fall­pau­scha­len“ (DRGs) und die Gewähr­leis­tung einer kos­ten­de­cken­den Finan­zie­rung…” Mel­dung (ohne Datum) bei ver.di Gesund­heits- und Sozi­al­we­sen in Ber­lin-Bran­den­burg externer Link – mit bei­gefüg­ter Blan­ko-Peti­ti­on kön­nen in den Bran­den­bur­ger Kran­ken­häu­sern und Kli­ni­ken wei­te­re Unter­schrif­ten gesam­melt wer­den, sie­he dazu auch:
    • Coro­na­vi­rus: Mehr Infek­tio­nen bei medi­zi­ni­schem Per­so­nal
      Rund 6400 Ärz­te und Pfle­ge­kräf­te haben sich in Deutsch­land mit dem Coro­na­vi­rus infi­ziert, acht sind bereits gestor­ben. Nicht alle Fäl­le sind bis­her erfasst – zudem wird eine gro­ße Dun­kel­zif­fer in der Alten­pfle­ge befürch­tet. 6395 Mit­ar­bei­te­rin­nen und Mit­ar­bei­ter in Kran­ken­häu­sern und Arzt­pra­xen sind in Deutsch­land mit dem Coro­na­vi­rus infi­ziert, acht von ihnen sind bereits ver­stor­ben. Das mel­det das Robert Koch-Insti­tut (RKI) in sei­nem Lage­be­richt vom Don­ners­tag. Damit hat sich die Zahl der gemel­de­ten Infek­tio­nen in die­ser Berufs­grup­pe inner­halb der letz­ten zwei Wochen bei­na­he ver­drei­facht. Vor zwei Wochen hat­te das RKI erst­mals die Zahl von 2300 infi­zier­ten Kli­nik­mit­ar­bei­tern bekannt gege­ben, gleich­zei­tig aber dar­auf hin­ge­wie­sen, dass es eine Dun­kel­zif­fer gebe, weil man­che Gesund­heits­äm­ter aus Kapa­zi­täts­grün­den auf die Berufs­grup­pe bezo­ge­ne Zah­len nicht wei­ter­lei­te­ten. Eine von NDR, WDR und “Süd­deut­scher Zei­tung” (SZ) durch­ge­führ­te Abfra­ge unter allen rund 400 Gesund­heits­äm­tern in Deutsch­land hat­te gro­ße Mel­de­lü­cken externer Link offen­bart…” Bei­trag von Anto­ni­us Kemp­mann, Rei­ko Pin­kert, NDR, und Mar­tin Kaul, WDR vom 16.04.2020 bei tages​schau​.de externer Link
    • ver.di: Betriebs­wirt­schaft­li­che Über­le­gun­gen dür­fen kei­ne Rol­le dabei spie­len, ob zurück­ge­stell­te Kran­ken­haus­be­hand­lun­gen wie­der auf­ge­nom­men wer­den – mehr Tests beim Gesund­heits­per­so­nal gefor­dert
      Die Ver­ein­te Dienst­leis­tungs­ge­werk­schaft (ver.di) mahnt ein ver­ant­wor­tungs­vol­les Vor­ge­hen bei der Wie­der­auf­nah­me zurück­ge­stell­ter Kran­ken­haus­be­hand­lun­gen an. „Jetzt Ent­war­nung zu geben und rasch den Regel­be­trieb in den Kran­ken­häu­sern wie­der hoch­zu­fah­ren, wäre grund­falsch“, warn­te Syl­via Büh­ler, die im ver.di-Bundesvorstand für das Gesund­heits­we­sen zustän­dig ist. Die Deut­sche Kran­ken­haus­ge­sell­schaft hat­te sich am gest­ri­gen Mitt­woch (15. April) dafür aus­ge­spro­chen, die Regel­ver­sor­gung schritt­wei­se wie­der­auf­zu­neh­men. (…) „Es passt über­haupt nicht zusam­men, wenn Kli­nik­be­trei­ber die Wie­der­auf­nah­me der Regel­ver­sor­gung for­dern und zugleich die im Zuge der Pan­de­mie geschaf­fe­nen Aus­nah­men vom Arbeits­zeit­ge­setz nut­zen wol­len, um Zwölf-Stun­den-Schich­ten zu ermög­li­chen“, beton­te die Gewerk­schaf­te­rin. „Sich auf die Zunah­me der an Covid-19-Erkrank­ten vor­zu­be­rei­ten, heißt auch, die Beschäf­tig­ten zu scho­nen und zu schüt­zen.“ Erfah­run­gen mit der Coro­na-Pan­de­mie in Chi­na hät­ten gezeigt, dass über­lan­ge Arbeits­schich­ten die Wahr­schein­lich­keit von Anste­ckun­gen und Todes­fäl­len erhöh­ten. Auch gebe es kei­nen Grund, die Per­so­nal­stan­dards wäh­rend der Pan­de­mie abzu­sen­ken. „Auch und gera­de in die­ser Kri­se muss aus­rei­chend Per­so­nal ein­ge­setzt wer­den, um Pati­en­ten und Beschäf­tig­te zu schüt­zen.“ Ent­schei­dend sei zudem, dass das Per­so­nal aus­rei­chend mit Schutz­ma­te­ri­al ver­sorgt und regel­mä­ßig auf eine Infek­ti­on mit dem Coro­na­vi­rus SARS-CoV‑2 getes­tet wer­de, um Infek­ti­ons­ket­ten in den Ein­rich­tun­gen zu unter­bin­den. Die ange­streb­te deut­li­che Aus­wei­tung der Test­ka­pa­zi­tä­ten sei daher ein rich­ti­ger Schritt.” Pres­se­mit­tei­lung vom 16.04.2020 externer Link
    • Jetzt ist die Zeit, wie­der für fai­re Arbeits­be­din­gun­gen in den Kran­ken­häu­sern zu sor­gen
      Die Covid-19-Pan­de­mie hat deutsch­land­weit etwas sicht­bar gemacht, was vor­her kaum media­le Beach­tung fand: Wie radi­kal in den deut­schen Kli­ni­ken in den ver­gan­ge­nen Jah­ren gekürzt wor­den war und unter wel­cher Über­las­tung das Per­so­nal arbei­ten muss. In einem Offe­nen Brief for­dert jetzt ein Netz­werk akti­ver Kran­ken­haus­be­schäf­tig­ter aus ver­schie­dens­ten Kli­ni­ken in Sach­sen, Sach­sen-Anhalt und Thü­rin­gen von den Lan­des­re­gie­run­gen und dem Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter ein Umden­ken. Denn eine Ein­mal­zah­lung oder ein Bal­kon­klat­schen für die „Hel­den in der Kri­se“ ändert am Grund­pro­blem nichts. Und dabei steht Deutsch­land noch rela­tiv gut da, weil der Radi­kal­um­bau des Gesund­heits­we­sens noch nicht so weit getrie­ben wur­de wie in Groß­bri­tan­ni­en und den USA, die sicht­lich mit der Coro­na-Pan­de­mie viel schlech­ter zurecht­kom­men. Man baut ein Gesund­heits­we­sen nicht auf Ren­di­te und Effi­zi­enz um und spart aus­ge­rech­net bei jenen Beschäf­tig­ten, die gera­de in Kri­sen­zei­ten drin­gend gebraucht wer­den. Aber auch schon in nor­ma­len Zei­ten funk­tio­nier­te das nicht und hat in den letz­ten Jah­ren dazu geführt, dass tau­sen­de Pfle­ge­kräf­te auch aus Über­las­tungs­grün­den ihren Wahl­be­ruf ver­las­sen haben…” Arti­kel von Ralf Jul­ke vom 15. April 2020 in der Leip­zi­ger Inter­net-Zei­tung externer Link
    • [Heli­os und Askle­pi­os] Ret­ter auf Stand­by. Pri­vat­kli­ni­ken set­zen Beschäf­tig­te in Kurz­ar­beit oder in »Frei­zeit« – und kas­sie­ren aus Hilfs­fonds der Bun­des­re­gie­rung
      “… Die Ein­rich­tun­gen berei­ten sich der­zeit auf den Pan­de­mie­ernst­fall vor und orga­ni­sie­ren zusätz­li­che Inten­siv- und Behand­lungs­ka­pa­zi­tä­ten für poten­ti­el­le Pati­en­ten, sag­te Have­mann. Damit die­se Bet­ten sofort zur Ver­fü­gung ste­hen kön­nen, blei­ben sie vor­erst im »Stand­by­be­trieb«. Für die­se frei­blei­ben­den Unter­brin­gungs­mög­lich­kei­ten und Erlös­aus­fäl­le erhal­ten die Kran­ken­häu­ser Aus­gleichs­zah­lun­gen aus den Fonds der auf­ge­leg­ten Hilfs­pro­gram­me der Bun­des­re­gie­rung. Ein lukra­ti­ves Geschäft: Für jedes die­ser Bet­ten strei­chen die mil­li­ar­den­schwe­ren Kli­nik­kon­zer­ne sat­te 50.000 Euro ein. »Zusätz­lich«, so Have­mann, »eine Tages­pau­scha­le von 560 Euro.« Beschäf­tig­te haben davon nichts. Have­mann nann­te Bei­spie­le: Die Kli­nik­lei­tun­gen fah­ren in der nie­der­säch­si­schen Regi­on um Braun­schweig zwei Model­le. Askle­pi­os setzt auf Kurz­ar­beit, Heli­os auf Minus­stun­den bei den Beschäf­tig­ten. Der Betriebs­rat bei Askle­pi­os in See­sen wur­de sei­tens der Unter­neh­mens­füh­rung »sofort unter Druck gesetzt, Kurz­ar­beit zuzu­stim­men«, weiß Have­mann. Wie? »Betriebs­be­ding­te Kün­di­gun­gen vor allem für Beschäf­tig­te in der Pro­be­zeit stan­den im Raum.« Der Betriebs­rat gab nach, sah die Gefahr, dass even­tu­el­le Kün­di­gun­gen ihm ange­las­tet wür­den. Laut Ver­ein­ba­rung wird das Kurz­ar­bei­ter­geld auf 80 Pro­zent des Net­to­lohns durch den Kon­zern auf­ge­stockt, Ent­las­sun­gen sind erst ein­mal vom Tisch. Askle­pi­os bestä­tig­te die Betriebs­ver­ein­ba­rung auf jW-Anfra­ge am Mitt­woch, schränk­te zugleich ein: »Es steht der­zeit nicht fest, ob es Kurz­ar­beit geben wird« – und in wel­chem Umfang. (…) Heli­os hin­ge­gen macht sich die oft­mals dere­gu­lier­te Arbeits­zeit mit ihrem Schicht­sys­tem in den Kli­ni­ken zunut­ze. Für Jens Have­mann ist das ein leicht durch­schau­ba­res Manö­ver: »Die Beschäf­tig­ten wer­den kurz vor dem erwar­te­ten Ansturm schnell ins Freie geschickt.« Sie erhal­ten zwar wei­ter­hin ihr Geld, müs­sen die ange­sam­mel­ten Minus­stun­den aber spä­ter abar­bei­ten. Die Kli­nik kann die bil­li­ge Arbeits­kraft abru­fen, wenn sie sie benö­tigt…“ Arti­kel von Oli­ver Rast in der jun­gen Welt vom 16.04.2020 externer Link
  • Ich scheiß‘ auf Euer Dan­ke
    Zwei Frau­en im Kran­ken­bett. Die eine zur ande­ren: „Oh Gott, Sie sehen aber heu­te ver­dammt schlecht aus. Soll ich nicht doch eben der Kran­ken­schwes­ter klin­geln?“ – Die ande­re zur einen: „Ich bin die Kran­ken­schwes­ter“. Dass sich die Welt in ein paar Mona­ten wei­ter­dreht wie bis­her, ist ziem­lich sicher, alles ande­re nicht mehr. So schnell kann’s gehen: Alle Sicher­hei­ten sind den Bach run­ter, aber noch glaubt das kaum jemand. Es wird ein paar Mil­lio­nen Arbeits­lo­sIn­nen mehr geben als bis­her, ja, über­wie­gend Frau­en, und ein paar wei­te­re Mil­lio­nen rut­schen ins Elend. Da und dort winkt ein Auf­stand, hier grü­ßen Revol­ten, Unru­hen. Die Poli­zei sorgt für Sicher­heit und Ord­nung, der Ein­satz der Bun­des­wehr nicht nur in Afri­ka, son­dern auch im Inne­ren wird beju­belt wie der Sand­sä­cke­bau bei der Oder­flut. Par­la­men­te und par­la­men­ta­ri­sche Regeln wer­den vom Tisch gewischt wie die Krü­mel der Geburts­tags­tor­te. Rien ne va plus. Wider­stand ist sinn­los. Oder? Der sel­be Staat, die glei­chen Par­tei­en, Medi­en und Mei­nungs­ma­cher, die vor­ges­tern Hart­zIV erfan­den, Ban­ken, Estab­lish­ment und Demo­kra­tie ret­te­ten, die ges­tern noch grü­bel­ten, ob man drei­mark­fuff­zig mehr geben könn­te für die Kin­der der armen Ärsche, pfei­fen heu­te auf jed­we­de Haus­halts­füh­rung: 5 Mil­li­ar­den oder 50 oder 500 – alles kein The­ma, alles ohne Quit­tung. Als in den letz­ten Jah­ren bei­spiels­wei­se das Per­so­nal der Kran­ken­häu­ser immer wie­der mal pro­tes­tier­te, ja gar regle­men­tiert und vor­sich­tig rebel­lier­te, auf die Stra­ßen ging, da blie­ben die „Sozia­len“ weit­ge­hend allein, also unter sich, oft ohne Publi­kum auf den Plät­zen, regel­mä­ßig eher unbe­ach­tet und unbe­glei­tet von ihrer Kund­schaft. Als Kindergärtner*innen oder Pfle­ger zusam­men­klapp­ten, sich Ärz­te krank­mel­de­ten: Funk­stil­le. Allen­falls ein Kom­men­tar am Ran­de – so wie man einen alten Acker­gaul tät­schelt. Von Soli­da­ri­tät kei­ne Spur, aber hin und wie­der eines der groß­spu­ri­gen und all­ge­mein gehal­te­nen Ver­spre­chen. Jetzt musi­ziert das Land. Göt­ter­fun­ken von den Bal­ko­nen. Ganz­sei­ti­ge Dan­ke-Anzei­gen für’s schlecht bezahl­te Per­so­nal. Und das OK der Man­da­teu­re für ein durch­öko­no­mi­sier­tes Gesund­heits- und Sozi­al­sys­tem…” Bei­trag von Peter Groh­mann vom 9.4.2020 bei Corona@Work externer Link
  • “Ohne Schutz­klei­dung, ohne Schutz­mas­ken; aber Zwangs­ver­pflich­tung. Wel­ches Gesetz soll das mit­tra­gen?” 
    Pfle­ge­kräf­te arbei­ten seit min­des­tens 4 Jah­ren über ihr Limit hin­aus um den Pfle­ge­not­stand aus­zu­glei­chen. Über­stun­den ohne Ende, Ein­sprin­gen ohne Ende, bis zu völ­li­gen Erschöp­fung ohne einen war­men Händedruck.Das nennt man Gewinn­ori­en­tie­rung und Maxi­mie­rung. Dabei bleibt halt die Pfle­ge­kraft auf der Stre­cke. Aus­län­di­sche Pfle­ge­kräf­te mit wenig oder gar kei­nen Deutsch­kennt­nis­sen wer­den in jedem Fall aner­kannt. Bei Medi­ka­men­ten­ga­be wird es wohl gut­gehn oder haf­tet wie­der die anwe­sen­de Fach­kraft. Man soll­te sich mal kun­dig machen wel­che Aus­bil­dung die­se Pfle­ge­fach­kräf­te mit spe­zi­el­lem Wis­sen haben; aber nein, hier setzt man die Pfle­ge­stan­dards run­ter, dann kann jeder Pfle­ge. Ein Stu­di­um oder Wei­ter­bil­dung, null. In der Kin­der­kran­ken­pfle­ge müs­sen die Medi­ka­men­te für die Kin­der und Säug­lin­ge von den Pfle­ge­kräf­ten aus­ge­rech­net wer­den. Die jet­zi­gen Aus­zu­bil­den­den stel­len bei prak­ti­schen Ein­sät­zen jetzt schon fest, dass sie mit die­ser Aus­bil­dung nicht in der Lage sind. Die­se o.a. Pfle­ge­kräf­te wird man mit neu­er Ver­ab­schie­dung für Coro­na Zwangs­ver­pflich­ten. Eine grös­se­re Men­schen­ver­ach­tung eines Berufs­zwei­ges kann ich mir nicht vor­stel­len Jetzt sind es die Hel­den; wel­che in Ihrer Ren­ten­zeit auch noch auf Grund­si­che­rung ange­wie­sen sind. Die­sen Beruf zu ergrei­fen bedarf es schon einem sozia­len Hin­ter­grund. Vie­le Kol­le­gen wol­len sich auf Coro­na tes­ten las­sen; ist ein­fach nicht mög­lich, denn sie könn­ten ja aus­fal­len. Der Test auf Anti­kör­per wird in naher Zukunft aber aus­rei­chend getes­tet wer­den. Dann kann man als Pfle­ge­kraft ohne Schutz an Coro­na­pa­ti­en­ten arbei­ten. Ohne Schutz­klei­dung, ohne Schutz­mas­ken; aber Zwangs­ver­pflich­tung. Wel­ches Gesetz soll das mit­tra­gen?” Anony­me Zuschrift per e‑mail am 7.4.2020 – wir dan­ken unbe­kann­ter­wei­se! Sie­he zum Hin­ter­grund auch unser Dos­sier: [NRW] Laschet will Epi­de­mie-Gesetz im Eil­ver­fah­ren – mit „Ver­pflich­tung zum Ein­satz medi­zi­ni­schen und pfle­ge­ri­schen Per­so­nals“
  • Geset­zes­maß­nah­men der Bun­des­re­gie­rung im Zuge der CoViD-19-Pan­de­mie
    “… Die Zeit­schrift Lan­cet frag­te ange­sichts der Kri­se nicht umsonst ob die CoViD-19-Pan­de­mie nun dazu füh­ren könn­te, dass das The­ma des „Pre­pa­red­ness“ nun auf der gesund­heits­po­li­ti­schen Agen­da deut­lich an Bedeu­tung gewin­nen wür­de. Denn im Grun­de ver­hält es sich bei der pan­de­mi­schen Gefahr durch über­trag­ba­re Krank­hei­ten nicht wesent­lich anders, wie beim Kli­ma­wan­del bzw. der Über­nut­zung der Öko­sphä­re, oder den Finanz­markt­bla­sen. (…) Pre­pa­red­ness folgt […] nicht dem alten „schwä­bi­schen“ Leit­spruch „Spa­re in der Zeit, dann hast du in der Not“. Viel­mehr kön­nen wir als Pre­pa­red­ness einen für Gesund­heits­wis­sen­schaft­ler bekann­ten, auf Anto­novs­ky zurück­ge­hen­den Begriff der „Resi­li­enz“ bemü­hen, aller­dings auf der gesell­schaft­li­chen Sys­tem­ebe­ne. (…) Eine kürz­lich im Lan­cet erschie­ne­ne Stu­die zur Pre­pa­red­ness von Gesund­heits­sys­te­men kommt zu dem Ergeb­nis, dass etwa der Hälf­te der Staa­ten, vor allem wirt­schaft­lich arme, welt­weit unvor­be­rei­tet auf gesund­heit­li­che Kri­sen­la­gen sind. Im Lich­te der aktu­el­len Pan­de­mie scheint die­se Ein­schät­zung unver­hält­nis­mä­ßig posi­tiv. Ver­hält­nis­mä­ßig rei­che Staa­ten, wie Ita­li­en, Spa­ni­en und vor allem die USA schei­nen auf die Pan­de­mie nicht vor­be­rei­tet zu sein. Die Kri­te­ri­en des Pre­pa­red­ness sind spä­tes­tens im Anschluss an die Kri­se daher neu zu bewer­ten. Selbst Deutsch­land hat im Ver­ständ­nis des Pre­pa­red­ness gro­ße Defi­zi­te. (…) Der deut­sche Gesetz­ge­ber hat nun im Schnell­gang zwei Geset­zes­vor­ha­ben auf den Weg gebracht, um den Nach­teil der man­geln­den Pre­pa­red­ness zu begeg­nen und gleich­zei­tig die Grund­la­gen für eine Coro­na­wirt­schaft im Gesund­heits­we­sen zu legen: Zum einen das „Gesetz zum Schutz der Bevöl­ke­rung bei einer epi­de­mi­schen Lage von natio­na­ler Trag­wei­te“, des Wei­te­ren das „CoViD-19 Kran­ken­haus­ent­las­tungs­ge­setz“. Wäh­rend das ers­te Gesetz eine Mischung aus Ermäch­ti­gungs­ge­setz und ad-hoc-Maß­nah­men­pa­ket ist, will das zwei­te die ver­spro­che­ne finan­zi­el­le Absi­che­rung der Kran­ken­häu­ser und Pfle­ge­ein­rich­tun­gen sicher­stel­len. (…) Wäh­rend das Gesetz gera­de bei den Kran­ken­häu­sern, die die Haupt­last für die Bewäl­ti­gung der Pan­de­mie zu tra­gen haben, schlecht for­mu­liert, inhalt­lich büro­kra­tisch und inkon­se­quent ist, kann es bei den ergän­zen­den Rege­lun­gen, die offe­ner for­mu­liert sind, den Ent­las­tungs­ef­fekt wahr­schein­lich sicher­stel­len. Eines ist das Gesetz aber nicht: ein Kran­ken­haus­ent­las­tungs­ge­setz.” Bei­trag von Man­fred Fied­ler vom 7. April 2020 beim Attac Theo­rieb­log externer Link
  • Kli­ni­ken in Finanz­not /​Coro­na und der Zustand des Gesund­heits­we­sens – Für einen Neu­an­fang nach Coro­na! Packen wir es an /​„Netz­werk soli­da­ri­sches Gesund­heits­we­sen Frei­burg“ for­dert Kon­se­quen­zen aus der COVID-19-Pan­de­mie 
    • „Netz­werk soli­da­ri­sches Gesund­heits­we­sen“ for­dert Kon­se­quen­zen aus der COVID-19-Pan­de­mie – Trans­pa­ren­te vor Frei­bur­ger Kli­ni­ken auf­ge­hängt
      Das Frei­bur­ger „Netz­werk soli­da­ri­sches Gesund­heits­we­sen“ for­dert Kon­se­quen­zen aus der COVID-19-Pan­de­mie. Die aktu­el­le Situa­ti­on zei­ge ein­mal mehr, wie sys­tem­re­le­vant eine gute Gesund­heits­ver­sor­gung und damit ein­her­ge­hend die Gesundheitsarbeiter*innen für die Gesell­schaft sei­en. Die Poli­tik der zuneh­men­den Öko­no­mi­sie­rung und Pri­va­ti­sie­rung der ver­gan­ge­nen Jahr­zehn­te habe zu einem mas­si­ven Man­gel an Pfle­ge­per­so­nal geführt. (…) Das Netz­werk the­ma­ti­siert auch die aktu­el­le Situa­ti­on in den Kran­ken­häu­sern. Das Kran­ken­haus­per­so­nal sei durch die COVID-19-Pan­de­mie noch stär­ker belas­tet als sonst und dem stän­di­gen Risi­ko aus­ge­setzt, sich selbst anzu­ste­cken. Das Netz­werk for­dert des­halb die Stär­kung und Ein­hal­tung von Sicher­heits- und Hygie­ne­stan­dards in den Kli­ni­ken und Pfle­ge­hei­men, kein Aus­set­zen der wich­ti­gen Per­so­nal­un­ter­gren­zen und einen Risi­ko­zu­schlag für das gesam­te medi­zi­ni­sche Per­so­nal. „Den Beschäf­tig­ten in den Kran­ken­häu­sern nur zu applau­die­ren reicht nicht. Es braucht end­lich eine finan­zi­el­le Aner­ken­nung die­ser wich­ti­gen Arbeit und eine lang­fris­ti­ge Ent­las­tung durch deut­lich mehr Per­so­nal. Dies ist nur durch die Über­win­dung des Fall­pau­scha­len­sys­tems und die Hin­wen­dung zu einer bedarfs­ge­rech­ten Finan­zie­rung mög­lich.“ so Katha­ri­na Rühl­mann. Um auf das The­ma auf­merk­sam zu machen, hat­te das Netz­werk in der Nacht Trans­pa­ren­te vor ver­schie­de­nen Frei­bur­ger Kran­ken­häu­sern auf­ge­hängt...” Pres­se­mit­tei­lung vom 6. April 2020 externer Link
    • [Frank­fur­ter Bünd­nis für mehr Per­so­nal im Kran­ken­haus] Coro­na und der Zustand des Gesund­heits­we­sens – Für einen Neu­an­fang nach Coro­na! Packen wir es an.
      Zum jet­zi­gen Zeit­punkt stellt das Coro­na-Virus wei­ter­hin eine gro­ße Bedro­hung dar, es ist bis­her noch nicht ersicht­lich, wie sich die Lage in den nächs­ten Tagen, Wochen, Mona­ten wei­ter­ent­wi­ckeln wird. Hier am Uni­ver­si­täts­kli­ni­kum Frank­furt ist die gan­ze Beleg­schaft in Alarm­be­reit­schaft ver­setzt, täg­lich fin­den Umstruk­tu­rie­run­gen statt. Es ist dies auch eine Kri­se unse­res poli­ti­schen und öko­no­mi­schen Sys­tems. Pro­fit­in­ter­es­se und Markt­me­cha­nis­men ver­schär­fen die ohne­hin schon schwer­wie­gen­den Pro­ble­me. Der Per­so­nal­man­gel im deut­schen Gesund­heits­we­sen, vor allem im Bereich des Pfle­ge­per­so­nals, hat zuletzt Wider­stand her­vor­ge­ru­fen. Begin­nend mit der Cha­ri­té in Ber­lin ent­stand eine bun­des­wei­te Tarif­be­we­gung, die sich für mehr Per­so­nal in den Kli­ni­ken und bes­se­re Arbeits­be­din­gun­gen stark macht und bereits ers­te Erfol­ge erzie­len konn­te. Doch jetzt offen­bart sich der Per­so­nal­man­gel in kras­ses­ter Form. Die Bun­des­re­gie­rung möch­te inner­halb kür­zes­ter Zeit die Zahl der Inten­siv­bet­ten ver­dop­peln, um sich so auf die bevor­ste­hen­de Kata­stro­phe vor­zu­be­rei­ten. Man fragt sich, woher das qua­li­fi­zier­te Per­so­nal her­kom­men soll. Man erahnt das kom­men­de Cha­os, die Über­stra­pa­zie­rung der Res­sour­cen, die zu erbrin­gen­den Opfer– Über­stun­den, Dop­pel­schich­ten, psy­chi­sche Belas­tun­gen (…) Für einen Neu­an­fang nach Coro­na! Packen wir es an. Neben all den Gefah­ren und bereits bestehen­den nega­ti­ven Aus­wir­kun­gen der Coro­na-Kri­se bie­tet die­se auch eine Chan­ce. Es gilt nun, sich vor­zu­be­rei­ten auf die Zeit nach Coro­na und dann muss es hei­ßen: Wir wol­len mehr! Und so geht es nicht wei­ter! Für einen Neu­an­fang im Gesund­heits­we­sen! (…) Län­ger­fris­tig gilt es auch, für einen Umbau des Gesund­heits­we­sens ein­zu­ste­hen. Wir müs­sen weg von den Mecha­nis­men der kapi­ta­lis­ti­schen Ver­wer­tungs­lo­gik, hin zu einer Gesund­heits­ver­sor­gung, bei der Pati­en­ten und Beschäf­tig­te an ers­ter Stel­le ste­hen. Gesund­heit kos­tet Geld, weg vom Ziel der schwar­zen Null! Wir for­dern in der aktu­el­len Kri­se: Eine Erschwer­nis­zu­la­ge für ALLE Beschäf­tig­ten im Kran­ken­haus von 500 Euro monat­lich; Gesund blei­ben am Arbeits­platz; Tests nach unge­schütz­tem Kon­takt auf COVID19 für Beschäf­tig­te auch ohne Sym­pto­me; Bereit­stel­lung von genü­gend Schutz­klei­dung – nach bis­he­ri­gen Hygie­ne­stan­dards; Dienst­be­frei­ung für posi­tiv getes­te­te Beschäf­tig­te; Aus­rei­chend Ruhe­zei­ten; Frei­wil­lig­keit als Prin­zip bei Ver­set­zun­gen und Arbeits­zeit­än­de­run­gen; Sie­ben zusätz­li­che Erho­lungs­ta­ge, und die Über­tra­gung von Urlaub in das Jahr 2021...” Appell vom 4. April 2020 von und bei Frank­fur­ter Bünd­nis für mehr Per­so­nal im Kran­ken­haus externer Link – Ver.di Akti­ve an der Uni­kli­nik Frank­furt
    • Kli­ni­ken in Finanz­not: Gesund­heits­mi­nis­ter lässt Kran­ken­häu­ser auf Kos­ten sit­zen. Ver­di warnt vor Kurz­ar­beit
      “Gesund­heits­mi­nis­ter Jens Spahn (CDU) bringt die Kran­ken­häu­ser in der Coro­na­kri­se wei­ter in eine finan­zi­el­le Schief­la­ge. Ein­rich­tun­gen, die ihre inten­siv­me­di­zi­ni­schen Kapa­zi­tä­ten erhö­hen, blei­ben auf einem erheb­li­chen Fehl­be­trag sit­zen, sag­te am Mitt­woch Simo­ne Hoff­mann, Unter­neh­mens­spre­che­rin der DRK-Kli­ni­ken Nord­hes­sen, im jW-Gespräch. Spahn hat­te in den ver­gan­ge­nen Wochen ange­kün­digt, Kran­ken­häu­sern für jeden neu geschaf­fe­nen Platz mit Beatmungs­mög­lich­keit einen Bonus in Höhe von 50.000 Euro zu zah­len. Das rei­che aber bei wei­tem nicht, mach­te Hoff­mann deut­lich: Min­des­tens 85.000 Euro wür­de jeder Platz kos­ten. Das wür­de die Ein­rich­tun­gen in die­ser Kri­se noch stär­ker belas­ten als ohne­hin schon. Die Kli­ni­ken müss­ten hohe Sum­men für Hygie­ne­aus­stat­tung bezah­len, deren Preis momen­tan welt­weit expo­nen­ti­ell stei­gen wür­de. Außer­dem bräuch­ten die Kli­ni­ken Finanz­hil­fen, um drin­gend benö­tig­te Beatmungs­ge­rä­te kau­fen zu kön­nen. Die Dienst­leis­tungs­ge­werk­schaft Ver­di in Nord­hes­sen for­der­te am Mon­tag in einer Pres­se­mit­tei­lung gleich­falls, Kli­ni­ken finan­zi­ell abzu­si­chern, die auf eige­ne Initia­ti­ve ihre Beatmungs­plät­ze auf die Ver­sor­gung von mög­li­chen Covid-19-Pati­en­ten ange­passt haben. Als Bei­spiel hier­für nann­te der zustän­di­ge Gewerk­schafts­se­kre­tär Flo­ri­an Dall­mann die DRK-Kli­ni­ken Nord­hes­sen. Aus eige­nem Antrieb hat­te das Unter­neh­men einen still­ge­leg­ten Stand­ort reak­ti­viert und damit die Zahl der Beatmungs­plät­ze ver­dop­pelt. (…) Ver­di warn­te auch davor, dass zuneh­mend Per­so­nal aus­fal­len könn­te, weil Schutz­aus­rüs­tung feh­le und die Gefahr einer Infek­ti­on bestehe. Des­halb appel­lier­te der hes­si­sche Lan­des­ver­band vori­ge Woche an die Lan­des­re­gie­rung, not­wen­di­ge Schutz­klei­dung für Kli­ni­ken und das Pfle­ge­per­so­nal zu besor­gen. »Trotz der krea­ti­ven Bemü­hun­gen, bei der Pro­duk­ti­on zu hel­fen, fehlt es über­all«, sag­te Ste­fan Röhr­hoff, Ver­di-Gewerk­schafts­se­kre­tär des Fach­be­reichs Gesund­heit, jüngst in einer Pres­se­mit­tei­lung.(…) Die­se Situa­ti­on wer­de jetzt nur noch extre­mer. Des­halb dür­fe es auch kei­ne Kurz­ar­beit im Kran­ken­haus geben, wie das in Hes­sen para­do­xer­wei­se schon man­cher­orts ange­strebt wer­de.“ Arti­kel von Bernd Mül­ler in der jun­gen Welt vom 02.04.2020 externer Link
  • Immer mehr Ärz­te und Pfle­ger infi­ziert /​[DGB] Am Fens­ter klat­schen reicht nicht – Bes­se­ren Schutz und Tarif­ver­trä­ge für Pfle­ge-Beschäf­tig­te /​Video­bot­schaft Dresd­ner Pfle­ge­kräf­te
    • Coro­na­vi­rus: Immer mehr Ärz­te und Pfle­ger infi­ziert
      Immer öfter infi­zie­ren sich Ärz­te und Pfle­ge­kräf­te mit dem Coro­na­vi­rus. Doch nach Recher­chen von NDR, WDR und SZ hat bun­des­weit nie­mand einen Über­blick, wie viel medi­zi­ni­sches Per­so­nal bereits aus­fällt. (…) Wie weit das Coro­na­vi­rus inzwi­schen in Alten- und Pfle­ge­ein­rich­tun­gen sowie beim medi­zi­ni­schen Per­so­nal in Kli­ni­ken gekom­men ist, zeigt eine Umfra­ge von NDR, WDR und “Süd­deut­scher Zei­tung” (SZ) unter den knapp 400 Gesund­heits­äm­tern der Repu­blik. In Nord­rhein-West­fa­len, tei­len die Behör­den auf Anfra­ge mit, sei­en bis zum Mitt­woch 322 Mit­ar­bei­te­rin­nen und Mit­ar­bei­tern von ambu­lan­ten und voll­sta­tio­nä­ren Pfle­ge­ein­rich­tun­gen mit dem Virus infi­ziert gewe­sen. Bei die­sen Ein­rich­tun­gen han­delt es sich über­wie­gend um Alten­pfle­ge­hei­me. 1485 Mit­ar­bei­ter befän­den sich zudem in Qua­ran­tä­ne. In Baden-Würt­tem­berg wur­den nach Anga­ben des Lan­des­ge­sund­heits­amts, Stand Mitt­woch, 566 Infek­tio­nen bei medi­zi­ni­schem Per­so­nal regis­triert. Das ist nahe­zu eine Ver­dopp­lung der Fäl­le im Ver­gleich zur Vor­wo­che. In Bre­men wur­den bis­her 18 Beschäf­tig­te im medi­zi­ni­schen Bereich posi­tiv getes­tet. Im Land­kreis Zwi­ckau sind nach Anga­ben des dor­ti­gen Gesund­heits­amts 60 Ärz­te und Pfle­ge­kräf­te mit dem Virus infi­ziert. Beson­ders betrof­fen ist Bay­ern: Dort waren nach Anga­ben der Kas­sen­ärzt­li­chen Ver­ei­ni­gung 244 Arzt­pra­xen geschlos­sen wegen Qua­ran­tä­ne, feh­len­der Schutz­aus­rüs­tung oder feh­len­der Kin­der­be­treu­ung. Damit liegt das Bun­des­land im bun­des­wei­ten Ver­gleich vorn. In Baden-Würt­tem­berg sind min­des­tens 80 Arzt­pra­xen geschlos­sen…” Bei­trag von Mar­tin Kaul, Anto­ni­us Kemp­mann und Rei­ko Pin­kert vom 02.04.2020 bei tages​schau​.de externer Link
    • [DGB] Am Fens­ter klat­schen reicht nicht – Bes­se­ren Schutz und Tarif­ver­trä­ge für Pfle­ge-Beschäf­tig­te
      “Ange­sichts der Coro­na-Kri­se ste­hen die Beschäf­tig­ten in der Pfle­ge und im Gesund­heits­we­sen unter beson­ders gro­ßem Druck. Sie leis­ten unter beson­de­ren Bedin­gun­gen und mit hohen Anste­ckungs­ri­si­ken Beacht­li­ches. Der DGB for­dert, dass die Arbeit­ge­ber ihre Für­sor­ge­pflicht jetzt beson­ders ernst neh­men, die Beschäf­tig­ten bes­ser schüt­zen und damit die Ver­sor­gung sichern. Anne­lie Bun­ten­bach, DGB-Vor­stands­mit­glied, sag­te dazu am Mitt­woch in Ber­lin: „Am Fens­ter klat­schen ist ein Zei­chen von Wert­schät­zung, aber das reicht in Zei­ten der Pan­de­mie nicht aus. Die unglaub­li­che Ein­satz­be­reit­schaft der Pfle­ge­kräf­te ver­dient es ein­mal mehr und gera­de jetzt, dass flä­chen­de­ckend bes­se­re Löh­ne in Form von all­ge­mein ver­bind­li­chen Tarif­ver­trä­gen zustan­de kom­men. Das wäre jetzt ein wich­ti­ges Zei­chen. Die Arbeit­ge­ber müs­sen jetzt außer­dem beson­de­res Augen­merk auf ihre Kon­troll- und Für­sor­ge­pflich­ten legen, denn die ohne­hin belas­ten­den Arbeits­be­din­gun­gen der Pfle­ge­kräf­te wer­den durch die Pan­de­mie noch ein­mal erheb­lich erschwert. Es darf nicht sein, dass Arbeit­ge­ber den Arbeits­schutz und die Ruhe­zei­ten hin­ten­an­stel­len, um die per­so­nel­len Kapa­zi­tä­ten zu erhö­hen. Dass die Beschäf­tig­ten irgend­wann wegen psy­chi­scher und kör­per­li­cher Über­las­tung in die Knie gehen oder sich wegen man­geln­der Schutz­aus­rüs­tung infi­zie­ren und aus­fal­len, müs­sen wir unbe­dingt ver­hin­dern, auch um die medi­zi­ni­sche Ver­sor­gung wei­ter sicher­zu­stel­len. Auch Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Spahn ist jetzt in der Ver­ant­wor­tung, aus­rei­chend Schutz­aus­rüs­tung zu beschaf­fen.“ DGB Pres­se­mit­tei­lung vom 01.04.2020 externer Link
    • Pfle­ge­not­stand in den Zei­ten von Coro­na. Video­bot­schaft Dresd­ner Pfle­ge­kräf­te
      Video vom 30. März 2020 bei soli​da​ri​ta​et​.info externer Link
    • Ein sehr guter Freund von mir ist Kran­ken­pfle­ger und hat einen offe­nen Brief an Jens Spahn geschrie­ben. Da er selbst kein Twit­ter hat, tei­le ich das hier für ihn…” Thread vom 30. März 2020 von Komo­do­wa­ra­nin bei Twit­ter externer Link
  • Aku­ter Man­gel an Schutz­aus­stat­tung: Pari­tä­ti­scher for­dert staat­li­che Inter­ven­ti­on und Unter­bin­dung des frei­en Han­dels mit Schutz­klei­dung und Atem­mas­ken 
    “Der Pari­tä­ti­sche Gesamt­ver­band zeigt sich alar­miert auf­grund des aku­ten Man­gels an Schutz­klei­dung und der Preis­ex­plo­sio­nen bei ent­spre­chen­den Pro­duk­ten wäh­rend der Coro­na-Kri­se. Der freie Markt sei ganz offen­sicht­lich nicht in der Lage, eine sach­ge­rech­te Beschaf­fung und Ver­tei­lung not­wen­di­ger Schutzu­ten­si­li­en sicher­zu­stel­len, kon­sta­tiert der Ver­band. Des­halb müs­se jetzt das Infek­ti­ons­schutz­ge­setz kon­se­quent ange­wen­det wer­den. Der freie Han­del mit Schutz­aus­stat­tung sei zu unter­bin­den, statt­des­sen müs­se der Staat für eine sach­ge­rech­te Ver­sor­gung sor­gen. Der Pari­tä­ti­sche weist erneut auf die pre­kä­re Lage und den aku­ten Man­gel an ent­spre­chen­der Aus­stat­tung ins­be­son­de­re auch im Bereich der Pfle­ge und bei ande­ren Ein­rich­tun­gen der sozia­len Arbeit hin. (…) Der Ver­band weist dar­auf hin, dass nicht nur in Kran­ken­häu­sern, son­dern auch in der Alten- und Behin­der­ten­hil­fe sowie bei ande­ren Ange­bo­ten und Hil­fen für Men­schen in exis­ten­zi­el­len Not­la­gen wie Obdach­lo­se, Sucht­ge­fähr­de­te oder auch in Jugend­hil­feein­rich­tun­gen sowie Flücht­lings­un­ter­künf­ten Schutz­klei­dung und Des­in­fek­ti­ons­mit­tel feh­len. Der Pari­tä­ti­sche warnt vor dra­ma­ti­schen Infek­ti­ons­ket­ten und ‑ver­läu­fen, wenn die­se Berei­che aus dem Blick gera­ten. Die aktu­el­le Situa­ti­on in ande­ren Län­dern wie Spa­ni­en zei­ge, wie wich­tig es sei, ins­be­son­de­re auch die Mit­ar­bei­ten­den in sozia­len Diens­ten aller Art wirk­sam vor Infek­tio­nen zu schüt­zen, um Hil­fen auf­recht zu erhal­ten und rasan­te Anste­ckungs­ket­ten in Ein­rich­tun­gen zu ver­hin­dern. Schnei­der: “Über­all wo vie­le Men­schen zwangs­läu­fig zusam­men­kom­men müs­sen, weil sie nicht allein zuhau­se blei­ben kön­nen oder auf Hil­fe ange­wie­sen sind, muss bes­ter und unbü­ro­kra­ti­scher Schutz garan­tiert sein.” Pres­se­mel­dung vom 30. März 2020 beim Pari­tä­ti­schen Gesamt­ver­band externer Link
  • Arbei­ten im Kran­ken­haus wäh­rend der Pan­de­mie – „Euren Applaus könnt ihr euch sonst­wo­hin ste­cken“ 
    • Dür­fen die das jetzt? Arbei­ten im Kran­ken­haus wäh­rend der Pan­de­mie
      Wir woll­ten wis­sen, was dort gera­de so abgeht, wel­che Anfor­de­run­gen wer­den etwa an Arbeits­zeit und Arbeits­be­din­gun­gen gestellt? Micha­el Heldt hat mit Tobi­as Michel, dem Autor der Schicht­plan­fi­bel externer Link, geplau­dert…” Video bei OKG externer Link
    • Was geht eigent­lich ab in den Kran­ken­häu­sern?!
      Wie im Tea­ser schon ange­deu­tet, wird es heu­te um unse­re Kran­ken­häu­ser gehen, vor allem auch um das The­ma Pfle­ge. Kran­ken­häu­ser ste­hen in der gegen­wär­ti­gen Coro­na-Pan­de­mie beson­ders im Fokus des öffent­li­chen Inter­es­ses. Die Gefahr einer Über­las­tung ihrer Infra­struk­tur steht dro­hend im Raum: dass es zu wenig Bet­ten auf den Inten­siv­sta­tio­nen gibt, zu wenig Beatmungs­ge­rä­te ver­füg­bar sind und vor allem zu wenig Pfleger*innen und Ärzt*innen zur Ver­fü­gung ste­hen. Wir möch­ten heu­te etwas genau­er hin­schau­en. Dafür haben wir mit eini­gen Expert*innen gespro­chen und uns gefragt: Wie sieht eigent­lich ihr Kli­nik­all­tag aus? Wel­che Erfah­run­gen haben sie gemacht? Und was sind ihre poli­ti­schen For­de­run­gen?...” Fol­ge 1 des Pod­cast der iL Ham­burg externer LinkAudio Datei: Coro­na – Kri­se – Kapi­ta­lis­mus vom 28. März 2020
    • Ber­li­ner Kran­ken­pfle­ge­rin klagt an „Euren Applaus könnt ihr euch sonst­wo­hin ste­cken“
      Nina Mag­da­le­na Böh­mer, 28, ist Kran­ken­pfle­ge­rin in Ber­lin. Hier schil­dert sie ihren Joball­tag und erklärt, war­um sie nachts nicht schla­fen kann. In die­sen Tagen ver­ab­re­den sich Men­schen auf Bal­ko­nen, um ande­ren wie Nina Mag­da­le­na Böh­mer Applaus zu geben für ihren Ein­satz in der Coro­na­kri­se. Vor eini­gen Tagen pos­te­te die Kran­ken­pfle­ge­rin auf Face­book frus­triert und wütend: „Euren Applaus könnt ihr euch sonst­wo­hin ste­cken.“ Ich weiß, er ist als net­te Ges­te gemeint. Aber glaubt mir: Es ver­än­dert abso­lut nichts. Ich bin gelern­te Gesund­heits- und Kran­ken­pfle­ge­rin, frü­her sag­te man Kran­ken­schwes­ter. Seit ich 16 bin arbei­te ich in der Pfle­ge, seit zwei Jah­ren auf einer peri­phe­ren Sta­ti­on in einer Ber­li­ner Kli­nik. Wie sie heißt, will ich nicht sagen, weil mein Arbeit­ge­ber nichts für unser Gesund­heits­sys­tem kann. (…) Vor ein paar Wochen hat Jens Spahn ent­schie­den, wegen Coro­na die Per­so­nal­un­ter­gren­zen für bestimm­te Sta­tio­nen auf­zu­he­ben. Natür­lich ist das jetzt eine Aus­nah­me­si­tua­ti­on, aber es war doch vor­her schon kaum zu schaf­fen. Wir sind kei­ne Maschi­nen! Der Pfle­ge­not­stand ist ja seit Jah­ren bekannt. Es gab Berich­te, Talk­show­dis­kus­sio­nen, pas­siert ist nix. Heu­te ist alles so schnell­le­big, die Busch­brän­de in Aus­tra­li­en sind auch erst ein paar Wochen her. Inso­fern bin ich mir nicht so sicher, ob sich durch die Coro­na­kri­se für mei­nen Berufs­grup­pe lang­fris­tig was ändert...” Arti­kel von Julia Pro­sin­ger vom 28.03.2020 beim Tages­spie­gel online externer Link
  • Angst vor dem Virus, Ver­trau­en auf den Staat?
    Kri­sen-Poli­tik: Wie ist die “erns­te Lage”, die die Kanz­le­rin in ihrer Rede an das Volk zitiert hat, über­haupt zustan­de gekom­men? (…) Die­se “Lage” ist näm­lich nicht – wie das Wort sug­ge­riert – ein­fach “vor­ge­fun­den”, ganz ohne das Zutun der poli­ti­schen Ent­schei­der, die umge­kehrt ein­zig und allein für das “Lösen der Pro­ble­me” zustän­dig sein sol­len. In Bezug auf ande­re Län­der ist die deut­sche Pres­se in die­sem Punkt sehr hell­sich­tig: Man erkennt, wie gezö­gert, ver­säumt, her­un­ter­ge­spielt, des­in­for­miert und wert­vol­le Zeit ver­tan wird – dort! Man deu­tet auch mit aus­ge­streck­tem Zei­ge­fin­ger auf die “schlech­ten Gesund­heits­sys­te­me”, die nicht in der Lage sind oder sein wer­den, die Pati­en­ten zu bewäl­ti­gen – dort! Und man stellt ins­be­son­de­re die Län­der an den Pran­ger, die unter Sank­tio­nen, auch deut­schen, so lei­den, dass es bei ihnen mas­sen­haft Tote geben wird, wie den Iran oder Vene­zue­la. Aber hier, im eige­nen Land, ist es anschei­nend nicht so ein­fach mög­lich, zu erken­nen, dass eini­ge poli­ti­sche Ent­schei­dun­gen nicht unmaß­geb­lich dazu bei­getra­gen haben, dass ein Virus sol­che Fol­gen zei­tigt. Des­halb eine klei­ne Erin­ne­rungs­hil­fe. (…) Der Beginn des staat­li­chen Han­delns in der Coro­na-Kri­se ist inso­fern gekenn­zeich­net von Baga­tel­li­sie­ren und Beschwich­ti­gen zuguns­ten eines mög­lichst lan­ge unge­stör­ten Betriebs der deut­schen “Wachs­tums­ma­schi­ne”. (…) Wie es für die Ver­wal­tung eines kapi­ta­lis­ti­schen Stand­orts sach­lich ganz ange­mes­sen ist, setzt die Regie­rung in Nor­mal­zei­ten die Volks­ge­sund­heit, die sowie­so nicht mit der Sor­ge für die Gesund­heit jedes ein­zel­nen zu ver­wech­seln ist (davon zeu­gen Grenz­wer­te eben­so wie die Defi­ni­ti­on von Berufs­krank­hei­ten), ins Ver­hält­nis zu dem, wovon in die­ser Gesell­schaft alles lebt und wofür hier des­halb auch alles da ist: dem Wirt­schafts­wachs­tum ihres Stand­orts (Was heißt hier Volks­ge­sund­heit?). Des­halb ist es auch nicht ver­wun­der­lich, dass in der ers­ten Pha­se beschwich­tigt, klein gere­det, laviert wur­de – bil­li­gend in Kauf neh­mend, dass gera­de dadurch die Infek­tio­nen wei­ter stei­gen. Dass alle Natio­nen zunächst so agie­ren, ist übri­gens kein Gegen­ar­gu­ment, son­dern zeigt nur das “Sys­te­mi­sche”: Sie alle, ob Chi­na, Ita­li­en, die USA oder eben Deutsch­land, wol­len mög­lichst gro­ßes, mög­lichst unge­stör­tes Wachs­tum ihres Geschäfts. (…) Die Coro­na-Kri­se macht eini­ge gra­vie­ren­de Män­gel des deut­schen Gesund­heits­be­triebs, die von Betrof­fe­nen und Kri­ti­kern seit Jah­ren ange­klagt wer­den, offen­bar (jeden­falls, wenn man vom Stand­punkt der Pati­en­ten her denkt). Da es dazu bereits eine Viel­zahl von infor­ma­ti­ven Ver­öf­fent­li­chun­gen gab, hier nur eini­ge Stich­wor­te (…) Es ist ein Unding, dass in Deutsch­land die For­de­rung nach einem Shut­down aller nicht-lebens­not­wen­di­gen Arbeits­plät­ze noch nicht auf­ge­kom­men ist. Wer den Scha­den hat, braucht auf den Spott nicht lan­ge zu war­ten. Der Kanz­le­rin wie den Qua­li­täts­jour­na­lis­ten fällt “jetzt” auf, wer eigent­lich das Essen her­schafft, die Rega­le ein­räumt, den Müll weg­macht und Men­schen pflegt, wenn sie krank wer­den. Die­se Leu­te – auch das sagen sie laut – wer­den “erbärm­lich schlecht bezahlt”. Fragt sich nur, wer dafür eigent­lich sorgt. Und ob die­se “Hel­den unse­res All­tags” eigent­lich gut bera­ten sind, so auf die Poli­tik zu ver­trau­en. Oder ob nicht aus Grün­den der Ver­nunft und des per­sön­li­chen Wohl­erge­hens end­lich etwas mehr “Distanz” sinn­vol­ler wäre – näm­lich zu die­sem Staat, sei­nen Kal­ku­la­tio­nen und sei­ner Wirt­schaft.” Arti­kel von Rena­te Dill­mann vom 24. März 2020 bei tele­po­lis externer Link
  • ver.di: Maß­nah­men für Kran­ken­häu­ser rei­chen nicht aus /​RKI lockert Qua­ran­tä­ne-Emp­­feh­lun­gen für medi­zi­ni­sches Per­so­nal [bei Per­so­nal­man­gel!!!] 
    • ver.di: Bun­des­re­gie­rung muss Schutz der Beschäf­tig­ten in Gesund­heits­we­sen höchs­te Prio­ri­tät ein­räu­men – Maß­nah­men für Kran­ken­häu­ser rei­chen nicht aus
      “Die Ver­ein­te Dienst­leis­tungs­ge­werk­schaft (ver.di) for­dert, kei­ne Mög­lich­keit zu unter­las­sen, um Beschäf­tig­te im Gesund­heits­we­sen vor einer Anste­ckung mit dem Coro­na­vi­rus zu schüt­zen. “Alle Beschäf­tig­ten in Kran­ken­häu­sern, Pfle­ge­ein­rich­tun­gen und im Ret­tungs­dienst müs­sen die Schutz­aus­rüs­tung und Des­in­fek­ti­ons­mit­tel erhal­ten, die sie brau­chen, um sich und ande­re zu schüt­zen”, erklär­te der ver.di-Vorsitzende Frank Wer­ne­ke. Es sei offen­sicht­lich, dass der Markt an die­ser Stel­le ver­sa­ge. Es gebe zu wenig Mate­ri­al, und wenn es ange­bo­ten wer­de, müss­ten völ­lig über­höh­te Prei­se gezahlt wer­den. “Wenn Geschäf­te­ma­che­rei mit drin­gend benö­tig­ten Schutz­aus­rüs­tun­gen betrie­ben wird, muss die Bun­des­re­gie­rung die­se beschlag­nah­men und für eine zügi­ge Ver­tei­lung sor­gen. Alle gewerb­li­chen Fir­men, die dazu bei­tra­gen kön­nen, müs­sen jetzt ver­pflich­tet wer­den, ihre Pro­duk­ti­on umzu­stel­len und drin­gend benö­tig­te Schutz­an­zü­ge, Mund­schutz und Des­in­fek­ti­ons­mit­tel her­zu­stel­len, um den Schutz der Beschäf­tig­ten sowie der Pati­en­ten und Pfle­ge­be­dürf­ti­gen sicher­zu­stel­len.” Wie vie­le Men­schen geret­tet wer­den könn­ten, hän­ge maß­geb­lich von aus­rei­chen­den Schutz­maß­nah­men ab. “In den Kran­ken­häu­sern brau­chen nicht nur die Pfle­ge und der ärzt­li­che Dienst, son­dern auch Rei­ni­gungs­kräf­te und ande­re Beschäf­tig­te mit Pati­en­ten­kon­takt Schutz­aus­rüs­tung. Glei­ches gilt für die sta­tio­nä­re und ambu­lan­te Alten­hil­fe”, so Wer­ne­ke. Obwohl älte­re Men­schen am stärks­ten gefähr­det sei­en, sei­en die Schutz­maß­nah­men aus­ge­rech­net hier oft unzu­rei­chend oder nicht exis­tent. Die von der Bun­des­re­gie­rung am Mon­tag auf den Weg gebrach­ten Maß­nah­men zur Ent­las­tung der Kran­ken­häu­ser und ande­rer Gesund­heits­ein­rich­tun­gen sei­en nicht aus­rei­chend. “Der Ret­tungs­schirm ist löch­rig”, kri­ti­sier­te Wer­ne­ke. So dür­fe in den Kran­ken­häu­sern die Finan­zie­rung zusätz­li­cher Per­so­nal­kos­ten nicht auf die Pfle­ge beschränkt blei­ben. Auch im Rei­ni­gungs­dienst müs­se drin­gend mehr Per­so­nal ein­ge­setzt wer­den. Rei­ni­gung “auf Sicht” dür­fe es weder im Kran­ken­haus noch in der sta­tio­nä­ren Lang­zeit­pfle­ge geben…“ ver.di-Pressemitteilung vom 24.03.2020 externer Link
    • RKI lockert Qua­ran­tä­ne-Emp­­feh­lun­gen für medi­zi­ni­sches Per­so­nal [bei Per­so­nal­man­gel!!!]
      “Das Robert-Koch-Insti­tut hat sei­ne Emp­feh­lun­gen für COVID-19-Kon­takt­per­so­nen unter medi­zi­ni­schem Per­so­nal an Situa­tio­nen mit rele­van­tem Per­so­nal­man­gel ange­passt: „Medi­zi­ni­sches Per­so­nal muss künf­tig nach engem unge­schütz­ten Kon­takt zu COVID-19-Erkrank­ten nicht mehr so lan­ge in Qua­ran­tä­ne und darf bei drin­gen­dem Bedarf in Kli­nik oder Pra­xis arbei­ten, solan­ge kei­ne Sym­pto­me auf­tre­ten“, sag­te RKI-Prä­si­dent Lothar Wie­ler heu­te in Ber­lin. Mit den neu­en Emp­feh­lun­gen „soll die Balan­ce zwi­schen Prak­ti­ka­bi­li­tät und Patienten­schutz gewahrt blei­ben“, so Wie­ler. Er beton­te, dass das Vor­ge­hen mög­lichst mit dem zustän­di­gen Gesund­heits­amt abge­spro­chen wer­den soll­te und aus­schließ­lich bei Per­so­nal­man­gel infra­ge kom­me…“ Mel­dung vom 23.03.2020 beim Ärz­te­blatt online externer Link
  • DKG zum Gesetz zur Finan­zie­rung der Kran­ken­häu­ser im Aus­nah­me­zu­stand: Das ist kein Schutz­schirm, das ist ein fata­ler poli­ti­scher Feh­ler des Minis­ters /​7,8 Mil­li­ar­den Euro angeb­li­che Zusatz­fi­nan­zie­rung der Kli­ni­ken hält einem Fak­ten­check nicht stand 
    Mit dem heu­te bekannt gewor­de­nen Gesetz­ent­wurf zum Aus­gleich der finan­zi­el­len Belas­tun­gen für die Kran­ken­häu­sern bricht der Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter das Ver­spre­chen der Kanz­le­rin zu einem umfas­sen­den Schutz­schirm für die Kran­ken­häu­ser. Damit wer­den die, die vor den größ­ten Her­aus­for­de­rung ste­hen und am drin­gends­ten in der Coro­na Kri­se gebraucht wer­den, im Stich gelas­sen. „Der Gesetz­ent­wurf von Herrn Minis­ter Spahn schafft nicht das not­wen­di­ge Ver­trau­en in die Poli­tik. Das Minis­te­ri­um ver­langt mit sei­nem Gesetz­ent­wurf von den Kran­ken­häu­sern, dass in einem klein-klein mit den Kran­ken­kas­sen sogar die Per­so­nal­kos­ten für unse­re Kran­ken­schwes­tern und Pfle­ger aus­ge­han­delt wer­den sol­len. Es wird kein ein­zi­ger Euro für die hohen Mehr­kos­ten für die per­sön­li­che Schutz­aus­rüs­tung der Mit­ar­bei­ter als Finan­zie­rungs­pau­scha­le bereit­ge­stellt. Die finan­zi­el­len Hil­fen zur Schaf­fung der von der Poli­tik so vehe­ment gefor­der­ten zusätz­li­chen Inten­siv­plät­ze sind viel zu nied­rig ange­setzt. Wir sind fas­sungs­los, dass der Minis­ter die Vor­schlä­ge der Kran­ken­häu­ser zur schnel­len und unbü­ro­kra­ti­schen Hil­fe ein­fach vom Tisch gefegt hat“, so der Prä­si­dent der Deut­schen Kran­ken­haus­ge­sell­schaft (DKG) Dr. Gerald Gaß. Mit die­sem Gesetz­ent­wurf kann kein Kran­ken­haus sicher sein, dass es die Kri­se unbe­scha­det über­steht. Es gibt kei­ne Bud­get­si­cher­heit, es gibt kei­ne Liqui­di­täts­si­che­rung und auch die aus­ufern­de Doku­men­ta­ti­ons- und Ver­hand­lungs­bü­ro­kra­tie zwi­schen Kas­sen und Kli­ni­ken wird weit­ge­hend bei­be­hal­ten. „Der­zeit rekru­tiert jede Kli­nik Mann und Maus, um für die Ver­sor­gung Schwerst­kran­ker parat zu ste­hen. Wir haben in die­sen Zeit viel wich­ti­ge­re Auf­ga­ben, als Bele­ge zu sam­meln und uns auf die ein­zel­ne Rech­nungs­stel­lung mit den Kran­ken­kas­sen nach der Kri­se vor­zu­be­rei­ten“, so Gaß. Die im Ent­wurf genann­ten angeb­li­chen 4,5 Mil­li­ar­den Euro Finanz­hil­fen, die sich aus der Erhö­hung des Pfle­ge­fi­nan­zie­rung erge­ben, sol­len den Kli­ni­ken nur gelie­hen wer­den, denn sie müs­sen im nächs­ten Jahr an die Kas­sen zurück­ge­zahlt wer­den. Im Gesetz­ent­wurf fehlt auch ein Aus­gleich für die hohen Mehr­kos­ten für Schutz­aus­stat­tung der Mit­ar­bei­ter und ähn­li­ches. Die Kran­ken­häu­ser hat­ten hier einen pau­scha­len Mehr­auf­wand von 160 Euro pro Pati­ent bezif­fert. Die Auf­for­de­rung an die Kran­ken­häu­ser, mehr Inten­siv­plät­ze zu schaf­fen, wird nun dadurch kon­ter­ka­riert, dass den Kli­ni­ken gera­de ein­mal 30.000 Euro für jedes bis zum 30. Sep­tem­ber auf­ge­stellt oder vor­ge­hal­te­ne Bett bezahlt wer­den. Die Kal­ku­la­tio­nen der Kran­ken­häu­ser lie­gen bei 85.000 Euro. Die Dif­fe­renz wäre nur auf­zu­fan­gen, wenn der Bun­des­mi­nis­ter im Gesetz klar­stellt, dass die Güter kos­ten­los von Bund und Län­der bereit­ge­stellt wer­den…” Pres­se­mit­tei­lung vom 21. März 2020 externer Link,
    • sie­he auch: DKG zur Behaup­tung des Minis­ters in der BILD Zei­tung die Kli­ni­ken erhiel­ten 7,8 Mil­li­ar­den Euro zusätz­lich: 7,8 Mil­li­ar­den Euro angeb­li­che Zusatz­fi­nan­zie­rung der Kli­ni­ken hält einem Fak­ten­check nicht stand. Pres­se­mit­tei­lung vom 21. März 2020 externer Link
  • Inter­view zur Coro­na­kri­se im Kran­ken­haus: „Die Ruhe vor dem Sturm“
    “… Unse­re Gesprächs­part­ne­rin möch­te anonym blei­ben. Sie ist Kran­ken­pfle­ge­rin auf einer Inten­siv­sta­ti­on am Uni­ver­si­täts­kli­ni­kum Jena und aktiv bei ver.di. [marx21: Du arbei­test auf einer Inten­siv­sta­ti­on am Uni­kli­ni­kum Jena. Wie wirkt sich die Coro­na­kri­se bis­her auf Dei­ne Arbeit im Kran­ken­haus aus?] Bis zu mei­ner letz­ten Schicht am Frei­tag hat­ten wir noch kei­nen beleg­ten Fall von Covid-19 an unse­rer Kli­nik. Dem­entspre­chend ist im Moment noch alles ruhig. Es ist die­se Ruhe vor dem Sturm. Ich kann es gar nicht rich­tig beschrei­ben. (…) [Gab es kei­ne Vor­be­rei­tun­gen auf die Coro­na­kri­se?] Kaum. Wir wur­den zwar auf­ge­klärt, dass es das Virus gibt, und wir hat­ten auch bereits eini­ge Ver­dachts­fäl­le in der Kli­nik, aber aus­rei­chen­de Infor­ma­tio­nen, was da auf uns zurollt und wie wir damit umge­hen, gab es nicht. (…) [Was erwar­test Du, wie­weit sich die Situa­ti­on in den Kli­ni­ken zuspit­zen wird und wo bestehen die Haupt­pro­ble­me?] Das wird davon abhän­gen, wie vie­le Coro­na-Fäl­le tat­säch­lich kom­men wer­den. Und wir müs­sen die Situa­ti­on von meh­re­ren Sei­ten betrach­ten, etwa wie vie­le Fäl­le über die Not­auf­nah­me kom­men. Wenn wir mit einem Mal Hun­dert Pati­en­ten mit Ver­dacht auf Coro­na haben, kann ich mir vor­stel­len, dass es schon in der Not­auf­nah­me pro­ble­ma­tisch wird, weil die Per­so­nal­ka­pa­zi­tä­ten gar nicht vor­han­den sind, die Fäl­le zusätz­lich zu den ande­ren Pati­en­tin­nen und Pati­en­ten zu ver­sor­gen. Ich habe das Gefühl, dass ganz oft ver­ges­sen wird, dass all die ande­ren Pati­en­ten ja auch wei­ter kom­men wer­den und behan­delt wer­den müs­sen. Par­al­lel läuft auch noch die Grip­pe­wel­le und wir haben auch Influ­en­za-Pati­en­ten, die vital bedroht sind. Coro­na müs­sen wir jetzt zusätz­lich dazu bear­bei­ten. (…) [Mit wel­chem Gefühl wirst Du nun den nächs­ten Dienst in der Kli­nik antre­ten?] Mit Sor­ge, aber auch Wut. Wir wer­den nun die Fol­gen von Öko­no­mi­sie­rung und Spar­po­li­tik mit aller Wucht zu spü­ren bekom­men. Das Pro­blem ist nicht nur, dass nun das Coro­na­vi­rus wütet, son­dern dass das Virus auf ein Gesund­heits­sys­tem trifft, das dafür ein­fach nicht aus­ge­rüs­tet ist. Wenn schon der All­tag nicht funk­tio­niert, wie soll dann eine Kri­se gemeis­tert wer­den? Die Län­der, die es jetzt getrof­fen hat – Ita­li­en, Spa­ni­en, Frank­reich, USA –, haben alle ein maro­des Gesund­heits­sys­tem und in Deutsch­land ist das nicht anders. Über­all wur­de in den letz­ten Jah­ren gespart und mas­siv Kapa­zi­tä­ten und Per­so­nal abge­baut. Das rächt sich nun. Das Gesund­heits­we­sen war schon vor­her kaputt. Jetzt im Not­fall fliegt uns das um die Ohren. Wir Beschäf­tig­ten im Kran­ken­haus haben die Pro­ble­me schon lan­ge ange­spro­chen, sind damit aber viel zu oft auf tau­be Ohren gesto­ßen. Wirk­sa­me Maß­nah­men gegen den Pfle­ge­not­stand sind nicht erfolgt. Nun wer­den wir alles dafür tun, unse­re Arbeit zu machen und Men­schen­le­ben zu ret­ten. Jetzt kommt es dar­auf an, dass wir gemein­sam durch die Kri­se gehen und uns gegen­sei­tig unter­stüt­zen, damit fer­tig zu wer­den. Den­noch sagen wir auch jetzt: Die Ursa­che der Coro­na­kri­se liegt auch im Sys­tem. Wenn die Pan­de­mie vor­bei ist, kann es nicht so wei­ter­ge­hen wie bis­her. Wir brau­chen ein grund­le­gend ande­res Gesund­heits­sys­tem!“ Inter­view von Mar­tin Hal­ler vom 18.03.2020 bei marx21 externer Link
  • Poli­ti­ker, die die letz­ten Jahr­zehn­te damit ver­brach­ten, Gesund­heits­sys­tem kaputt­zu­spa­ren, bedan­ken sich bei Gesund­heits­per­so­nal für uner­müd­li­chen Ein­satz
    Ber­lin (dpo) – Poli­ti­ker sind der­zeit voll des Lobes über jene Men­schen, die in Kran­ken­häu­sern und in der Not­fall­me­di­zin uner­müd­lich gegen das Coro­na­vi­rus kämp­fen. Unter wel­chen schwie­ri­gen Vor­aus­set­zun­gen das geschieht, wis­sen die Poli­ti­ker nur zu gut – immer­hin haben sie selbst eif­rig dazu bei­getra­gen, dass die Arbeits­be­din­gun­gen im Gesund­heits­we­sen immer schlech­ter wur­den. (…) Auch in den Medi­en heißt es der­zeit immer wie­der, dass die Leis­tun­gen von Ange­stell­ten in den Berei­chen Pfle­ge und Gesund­heit gewür­digt wer­den müs­sen, obwohl die­sel­ben Medi­en seit Jah­ren unkri­tisch Stu­di­en – etwa der Ber­tels­mann Stif­tung – ver­brei­te­ten, die eine wei­te­re Reduk­ti­on von Kli­nik­ka­pa­zi­tä­ten zur Fol­ge haben sol­len. Das medi­zi­ni­sche Per­so­nal in Deutsch­land nimmt das Lob und den Dank der Poli­tik der­zeit eher mit gemisch­ten Gefüh­len ent­ge­gen. “Das kön­nen sich die Dep­pen in den Arsch schie­ben. Statt­des­sen wür­den wir viel lie­ber eine sofor­ti­ge und pau­scha­le bun­des­wei­te 20-pro­zen­ti­ge Gehalts­er­hö­hung anneh­men und das Ver­spre­chen, dass wir uns nach der Kri­se mal über Arbeits­zei­ten und ‑bedin­gun­gen unter­hal­ten”, erklär­te etwa eine Kran­ken­pfle­ge­rin aus Nord­rhein-West­fa­len, die seit 20 Stun­den unun­ter­bro­chen im Dienst ist.” Pos­til­lon am 18. März 2020 externer Link
  • Pan­de­mien sind im DRG-Sys­tem nicht vor­ge­se­hen – war­um sind unse­re Kran­ken­häu­ser für unvor­her­seh­ba­re Kata­stro­phen schlecht vor­be­rei­tet? 
    “Ist das deut­sche Gesund­heits­sys­tem gut gerüs­tet für die Bewäl­ti­gung der Her­aus­for­de­run­gen, die mit einer unvor­her­seh­ba­ren Anzahl von Kran­ken im Kata­stro­phen­fall oder im Rah­men der der­zei­ti­gen Pan­de­mie mit dem neu­en Coro­na­vi­rus auf uns zukom­men kön­nen? Die­se Fra­ge bewegt vie­le in unse­rem Land und Minis­ter Spahn lässt kei­ne Gele­gen­heit aus, das deut­sche Gesund­heits­sys­tem als eines der bes­ten welt­weit zu prei­sen und uns alle zu beru­hi­gen nach dem bekann­ten Mot­to: „Wir schaf­fen das!“ Wir haben die­se beru­hi­gen­de Bot­schaft einem Fak­ten­check unter­zo­gen und kom­men ins­be­son­de­re bei der Funk­ti­ons­prü­fung unse­rer Kran­ken­häu­ser zu einem ganz ande­ren besorg­nis­er­re­gen­den Ergeb­nis. Die pre­kä­re Lage unse­res Gesund­heits­sys­tems hat einen lan­gen Vor­lauf und begann bereits Mit­te der 70er-Jah­re mit einer Kos­ten­dämp­fungs­po­li­tik, in deren Fol­ge unter ande­rem das Selbst­kos­ten­prin­zip der Kran­ken­häu­ser außer Kraft gesetzt wur­de. Zuerst wur­de die Bud­ge­tie­rung ein­ge­führt, dann folg­te die Ein­füh­rung der DRGs (Fall­pau­scha­len). (…) In die­sem Finan­zie­rungs­sys­tem gibt es kei­ner­lei Anrei­ze, Behand­lungs­ka­pa­zi­tä­ten vor­zu­hal­ten, um unvor­her­seh­ba­ren Kri­sen­si­tua­tio­nen gerecht wer­den zu kön­nen, denn bezahlt wer­den nur erbrach­te Leis­tun­gen, nicht aber even­tu­el­le in der Zukunft ein­tre­ten­de Kata­stro­phen wie Mas­sen­un­fäl­le, Hava­rien von Indus­trie­an­la­gen mit plötz­li­chem Andrang unbe­kann­ter Zah­len an Ver­letz­ten, GAUs in benach­bar­ten oder wei­ter ent­fern­ten Atom­kraft­wer­ken oder eben Pan­de­mien wie wir das jetzt bei den welt­weit rasant zuneh­men­den Covid-19-Erkran­kun­gen erle­ben. Kran­ken­häu­ser haben im Rah­men der Daseins­vor­sor­ge neben der all­täg­li­chen sta­tio­nä­ren Kran­ken­ver­sor­gung aber genau die­se Auf­ga­be: Sie sind die ent­schei­den­den Ein­rich­tun­gen unse­res Gesund­heits­we­sens, die Betrof­fe­nen hel­fen sol­len, wenn wir mit Kata­stro­phen kon­fron­tiert wer­den – auch das ist ein Zei­chen der Soli­da­ri­tät, dass wir als Gesell­schaft in sol­chen Aus­nah­me­si­tua­tio­nen Ver­ant­wor­tung über­neh­men für die Opfer. Mit Kran­ken­häu­sern als gewinn­ori­en­tier­ten Wirt­schafts­un­ter­neh­men ist die­se Soli­da­ri­tät nicht ein­lös­bar. Wir kön­nen uns noch glück­lich schät­zen, dass die Vor­schlä­ge neo­li­be­ra­ler Think­tanks wie der Ber­tels­mann­sti­fung noch nicht Rea­li­tät gewor­den sind, die in einem aktu­el­len Gut­ach­ten emp­foh­len hat, die Zahl der Kli­ni­ken in Deutsch­land von 1900 auf 330 zu redu­zie­ren und so die Pro­zes­se in der sta­tio­nä­ren Behand­lung noch schlan­ker und effek­ti­ver zu gestal­ten. (…) In Fol­ge die­ser den Kräf­ten des Mark­tes über­las­se­nen „Kran­ken­haus­pla­nung“ ist von 1991 bis 2017 die Anzahl der Kran­ken­häu­ser von 2400 auf 1942 ver­min­dert wor­den. Der Anteil der Pri­vat­kli­ni­ken hin­ge­gen ist von 21,7 Pro­zent im Jah­re 2000 auf 37 Pro­zent 2017 gestie­gen, wobei in eini­gen Bun­des­län­dern wie zum Bei­spiel Meck­len­burg Vor­pom­mern der Anteil bei über 50 Pro­zent liegt (Zah­len: Statista/​Bundesamt für Sta­tis­tik)…“ Bei­trag von Arndt Doh­men und Dag­mar Pater­no­ga vom 18.03.2020 im ATTAC-Theo­rieb­log externer Link
  • Coro­na Pan­de­mie – For­de­run­gen der Beschäf­tig­ten am Kli­ni­kum Dach­au
  • Die Aus­ga­be von “uns reicht‚s” Nr. 41 vom März 2020: Kolleg*innen, die sich mit dem Coro­na­vi­rus infi­ziert haben, sol­len wei­ter arbei­ten! … Und zu guter Letzt for­dern wir in der jet­zi­gen aktu­el­len Coro­na­si­tua­ti­on: 500 Euro an die Beschäf­tig­ten!
  • Covid-19: For­de­run­gen von Pfle­ge­fach­kräf­ten /​Peti­ti­on ‘Covid-19 – Gesundheitsarbeiter*innen for­dern: Men­schen vor Pro­fi­te’
    • Covid-19: For­de­run­gen von Pfle­ge­fach­kräf­ten
      “… Inzwi­schen schei­nen Sie, Herr Spahn, ver­stan­den zu haben, dass Deutsch­land ganz schnell Ita­li­en sein kann und es abseh­bar auch sein wird. In Ita­li­en fehl­ten Inten­siv­ka­pa­zi­tä­ten und Pfle­ge­kräf­te, bei uns fehlt nur Letz­te­res. Einen Unter­schied macht das jedoch nicht, denn selbst bei vor­han­de­nen Kapa­zi­tä­ten an Bet­ten und Tech­nik, wer pflegt denn die Pati­en­ten auf den Inten­siv­sta­tio­nen, wer bedient die Maschi­nen? Es freut uns, dass Sie unse­re Tex­te offen­sicht­lich zur Kennt­nis neh­men und sich zumin­dest par­ti­ell dar­an ori­en­tie­ren, denn die gro­ßen Play­er in der Pfle­ge reagie­ren wie immer sehr zeit­ver­zö­gert. Das ist bei einer Pan­de­mie natür­lich sehr gefähr­lich, denn Zeit ist hier Leben! Sie haben nun end­lich ver­stan­den, dass Pfle­ge­kräf­te so rar sind, dass Sie begon­nen haben, die Geschäfts­füh­re­rin­nen und Geschäfts­füh­rer der Kli­ni­ken anzu­wei­sen, jetzt Rent­ner und Stu­den­ten ins Gesche­hen ein­zu­be­zie­hen und „anzu­ler­nen“. Wir freu­en uns jetzt schon auf die Hoch­ri­si­ko­grup­pe an der Beatmungs­ma­schi­ne hoch infek­tiö­ser Pati­en­ten. Eine unglaub­lich aus­sichts­rei­che, durch­dach­te Maß­nah­me! (…) Wir wer­den die Situa­ti­on natür­lich jetzt nicht ret­ten, indem wir mit Ihren bekann­ten Werk­zeu­gen (war­me Wor­te, Mer­ci-Scho­ko­la­de…) wei­ter­ar­bei­ten, son­dern nur dann wenn Sie jetzt ganz kla­re Ver­spre­chun­gen an die Pfle­ge geben und die­se auch umset­zen. Denn: Pflege(-fach)kräfte sind ein wert­vol­les Gut, dass es nun zu schüt­zen und zu schät­zen gilt! Scha­de, dass die­se Wahr­heit noch nicht bei allen durch­ge­drun­gen ist, ist (man hat­te sich wohl an die devo­te Hal­tung der Pfle­ge gewöhnt). Nur in die­sem Kon­text ist eine offen­sicht­lich mit dem Sozi­al­mi­nis­te­ri­um Baden-Würt­tem­berg abge­stimm­te Mit­tei­lung der Baden-Würt­tem­ber­gi­schen Kran­ken­haus­ge­sell­schaft e.V. zu ver­ste­hen, die ges­tern Abend an die Pfle­ge­ein­rich­tun­gen in die­sem Land ging: „Man bemü­he sich Schutz­ma­te­ri­al zu besor­gen, aber die Ver­tei­lung müss­te orga­ni­siert wer­den und man wis­se auch nicht, wann es über­haupt vor­han­den ist, und falls kei­nes mehr orga­ni­sier­bar ist, sol­len wir ein­fach ohne Schutz wei­ter­ar­bei­ten“. Sie wer­den jetzt viel­leicht ver­wun­dert sein, aber genau so geht es nicht! (…) Wir alle wer­den nun gemein­sam Prio­ri­tä­ten set­zen müs­sen, aber nicht die Pfle­ge­kräf­te allei­ne! Wir erwar­ten von Ihnen ganz kon­kret: Eine sofor­ti­ge Orga­ni­sa­ti­on der Beschaf­fung von wirk­sa­mer Schutz­ma­te­ria­li­en unter Ein­be­zug aller Mög­lich­kei­ten. Im Not­fall auch durch die Ver­staat­li­chung von Her­stel­lern und deren Zulie­fe­rern, um uns Pfle­ge­kräf­te zu schüt­zen! (Bit­te Schutz­klei­dung, die wir brau­chen und die zuge­las­sen ist!) Nein, es ist nicht wert­schät­zend, Kano­nen­fut­ter zu sein! Ein sofor­ti­ges Aus­set­zung aller Prü­fun­gen in den Pfle­ge­ein­rich­tun­gen die­ses Lan­des. Ers­tens ist das eine mög­li­che Infek­ti­ons­quel­le und zwei­tens muss alles ver­mie­den wer­den, was in die­ser Kri­sen­si­tua­ti­on zusätz­lich Arbeits­zeit der Pfle­ge­kräf­te in Anspruch nimmt, die bei der Pfle­ge der Pati­en­ten dann fehlt. Mobi­li­sie­rung aller Pfle­ge­fach­kräf­te aus die­sen Prüf­be­hör­den für einen Ein­satz in der Pra­xis. Jetzt sofort eine ver­läss­li­che Zusa­ge über eine kräf­ti­ge staat­lich finan­zier­te Lohn­zu­la­ge für alle, die die­ser Situa­ti­on stand­hal­ten, die ihre Kin­der in Not­be­treu­ungs­grup­pen brin­gen, Über­stun­den machen, Pau­sen­zei­ten nicht neh­men kön­nen, Ruhe­zei­ten nicht ein­hal­ten kön­nen. Eine sofor­ti­ge Zusa­ge über deut­li­che Lohn­stei­ge­run­gen für Pfle­ge­fach­kräf­te, die bei einem Ein­stiegs­ge­halt von 4.000 Euro lie­gen muss. Die Refi­nan­zie­rung kön­nen Sie sich für die Zeit nach die­ser Kri­se auf­he­ben…” Gemein­sa­mer Auf­ruf von enga­gier­ten Pfle­ge­fach­kräf­ten vom 14.3.2020 bei Cares­lam externer Link, sie­he auch die Peti­ti­on bei chan​ge​.org: Coro­na-Kri­se: Gemein­sa­mer Auf­ruf von Pfle­ge­fach­kräf­ten an Jens Spahn! externer Link
    • [Peti­ti­on] Covid-19 – Gesundheitsarbeiter*innen for­dern: Men­schen vor Pro­fi­te
      “… Doch die Spar­po­li­tik im Gesund­heits­we­sen stellt uns ange­sichts der Kri­se vor gro­ße Her­aus­for­de­run­gen. Seit 20 Jah­ren sind die Kran­ken­häu­ser der Logik „Der Markt regelt das schon“ unter­wor­fen. Kos­ten­druck und Pro­fit­ori­en­tie­rung haben dazu geführt, dass immer mehr Patient*innen in immer kür­ze­rer Zeit mit weni­ger Per­so­nal ver­sorgt wer­den muss­ten. Jetzt in der Covid-19-Kri­se rächt sich die­se Poli­tik beson­ders. Um die­se Kri­se zu bewäl­ti­gen, bedarf es außer­ge­wöhn­li­cher Maß­nah­men. Wir sehen aktu­ell, was mög­lich ist, wenn die poli­ti­schen Entscheidungsträger*innen es wol­len. Des­we­gen for­dern wir ange­sichts einer abseh­ba­ren Aus­nah­me­si­tua­ti­on für die Kran­ken­häu­ser kon­kret: Kon­se­quen­te Akti­vie­rung und Mobi­li­sie­rung aller ver­füg­ba­ren Res­sour­cen (Men­schen, Mate­ri­al, Geld) – vor allem aber: JETZT mehr Per­so­nal und aus­rei­chend Schutz­klei­dung! Vor­aus­schau­end pla­nen: “Worst case” anneh­men und agie­ren statt reagie­ren. Hygie­ne­maß­nah­men unmit­tel­bar ver­bes­sern; sofor­ti­ge Auf­sto­ckung des Rei­ni­gungs­per­so­nals; eng­ma­schi­ge Tests von Mitarbeiter*innen. Kon­se­quen­te Absa­ge plan­ba­rer Ein­grif­fe, wo es medi­zi­nisch ver­tret­bar ist. Ein­bin­dung der ver­schie­de­nen Fach­be­rei­che und Berufs­grup­pen in erwei­ter­te Kri­sen­stä­be an den Kran­ken­häu­sern. Trans­pa­renz bzgl. betrof­fe­ner Patient*innen, Maß­nah­men, Pla­nun­gen, Bet­ten­ka­pa­zi­tä­ten und Mate­ri­al­be­stän­den in jeder Kli­nik! Aus­rei­chend Test­zen­tren und mobi­le Test-Teams zur Ent­las­tung der Not­auf­nah­men. Sofor­ti­ger Stopp geplan­ter und lau­fen­der Kran­ken­haus­schlie­ßun­gen!Peti­ti­on bei weact​.cam​pact​.de externer Link an Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Jens Spahn sowie alle Entscheidungsträger*innen in der Gesund­heits­po­li­tik und in den Kran­ken­häu­sern
    • Attac for­dert ein gemein­wohl­ori­en­tier­tes Gesund­heits­sys­tem und einen Umbau der Wirt­schaft!
      Mit der stei­gen­den Zahl von Infi­zier­ten durch den Coro­na-Virus wach­sen auch per­sön­li­che Ängs­te und die Sor­ge um uns nahe­ste­hen­de Men­schen, die zu Risi­ko­grup­pen gehö­ren. Gleich­zei­tig erle­ben wir aus der Not gebo­re­ne Soli­da­ri­tät und Men­schen, die tat­kräf­tig der Kri­se trot­zen. Die Beschäf­tig­ten im Gesund­heits­sek­tor und im Kri­sen­ma­nage­ment der Kom­mu­nen leis­ten Über­mensch­li­ches um trotz feh­len­der Res­sour­cen Men­schen zu ver­sor­gen und die loka­le Infra­struk­tur sicher­zu­stel­len. In die­ser ohne­hin bedroh­li­chen Situa­ti­on müs­sen wir jedoch befürch­ten, dass unser her­un­ter­ge­spar­tes Gesund­heits­sys­tem, das bereits im Nor­mal­be­trieb über­las­tet ist, nun in der Kri­se zu kol­la­bie­ren droht. Pri­va­ti­sie­rung der Kran­ken­häu­ser, Redu­zie­rung der Kran­ken­haus­bet­ten und die Aus­rich­tung des Gesund­heits­we­sens auf Pro­fit­ori­en­tie­rung statt auf eine mög­lichst gute Gesund­heits­ver­sor­gung für alle rächt sich nun. Die Kri­se muss Anlass sein, die Prio­ri­tä­ten wie­der gera­de­zu­rü­cken und die Ver­sor­gung von Men­schen in den Vor­der­grund zu stel­len. Men­schen zu hel­fen, ist der Zweck eines Gesund­heits­sys­tems, nicht Pro­fi­te für pri­va­te Kran­ken­haus­kon­zer­ne zu erzie­len. Die von der Regie­rung ange­kün­dig­ten Anrei­ze für zusätz­li­che Bet­ten, Appel­le an die Kran­ken­häu­ser und geplan­te Abrech­nungs­er­leich­te­run­gen sind völ­lig unzu­rei­chend und set­zen wei­ter­hin auf Markt­me­cha­nis­men. Dabei hat gera­de die Ein­füh­rung von immer mehr Markt in das Gesund­heits­we­sen die Mise­re ver­ur­sacht. Mit der unvor­her­seh­ba­ren Coro­na-Pan­de­mie wer­den die Kon­struk­ti­ons­feh­ler einer pro­fit­ori­en­tier­ten glo­ba­li­sier­ten Wirt­schaft deut­lich. (…) Die eng getak­te­te inter­na­tio­na­le Arbeits­tei­lung, die ein­zig der Logik der Lohn­kos­ten­vor­tei­le folgt, hat gefähr­li­che Abhän­gig­kei­ten geschaf­fen, z. B. bei der Pro­duk­ti­on von Medi­ka­men­ten und von medi­zi­ni­schen Aus­rüs­tungs­ge­gen­stän­den. In den auf­ge­bläh­ten Finanz­märk­ten droht der sys­tem­be­ding­te Wider­spruch zwi­schen anla­ge­su­chen­dem Kapi­tal und feh­len­der Nach­fra­ge erneut, die Welt in eine Wirt­schafts­kri­se zu stür­zen. (…) Die Ret­tungs­ak­tio­nen dür­fen nicht zu Las­ten der unte­ren und mitt­le­ren Einkommensbezieher*innen gehen – sie müs­sen viel­mehr von denen getra­gen wer­den, die in den letz­ten Jah­ren beson­ders von der zuneh­men­den Ungleich­ver­tei­lung von Ein­kom­men und Ver­mö­gen pro­fi­tiert haben…” Erklä­rung des Koor­di­nie­rungs­krei­ses von Attac Deutsch­land vom 16.03.2020 externer Link
    • [Ber­lin] Anläss­lich des Coro­na-Virus: Sofort­pro­gramm für die Ver­tei­di­gung und die Wie­der­her­stel­lung der öffent­li­chen Kran­ken­häu­ser als Teil der Öffent­li­chen Daseins­vor­sor­ge
      der Poli­ti­sche Arbeits­kreis Gesund­heit hat am 12 März 2020 über die Lage an den Ber­li­ner Kran­ken­häu­sern nach Auf­tre­ten des Coro­na-Virus dis­ku­tiert. Wir kön­nen fest­hal­ten, der Virus trifft auf eine schon exis­tie­ren­de Not­stands­si­tua­ti­on der Ber­li­ner Kran­ken­häu­ser. Sie ist das Ergeb­nis einer jah­re­lan­gen Kos­ten­sen­kungs­po­li­tik unter den Vor­ga­ben der Schul­den­brem­se und des Dum­ping­wett­be­werbs bei Lohn und Ver­sor­gungs­leis­tun­gen im Gesund­heits­we­sen. Die­se Poli­tik hat eine Spur der Ver­wüs­tung gezo­gen: Per­so­nal­not­stand, Tarif­flucht in jeg­li­cher Form, am schlimms­ten in pri­va­ti­sier­ten Kran­ken­häu­sern und Alten­hei­men, Lohn­dum­ping und Pre­ka­ri­sie­rung der Arbeits­ver­hält­nis­se, Bet­ten­ab­bau, Redu­zie­rung von Reser­ven und Schlie­ßun­gen von Kran­ken­häu­sern und Kran­ken­haus­ab­tei­lun­gen. Der Coro­na-Virus hat die Situa­ti­on ver­schärft, dem Gesund­heits­we­sen in Ber­lin droht der Kol­laps. Ange­sichts die­ser dra­ma­ti­schen Lage braucht es die poli­ti­sche Initia­ti­ve, um die schlimms­ten Aus­wir­kun­gen zu bekämp­fen. Dafür schla­gen wir fol­gen­de Maß­nah­men vor: Sofort mehr Per­so­nal durch Neu­ein­stel­lun­gen (…) Sofort Inves­ti­tio­nen in Sach­mit­tel, Finan­zie­rung von Tests, Bet­ten, Räu­men, Schutz­maß­nah­men für das Per­so­nal (…) Stopp aller Plä­ne oder auch in Umset­zung befind­li­chen Plä­ne zur Schlie­ßung von Kran­ken­häu­sern, Sta­tio­nen und Bet­ten­ab­bau (…) Inte­gra­ti­on der Töch­ter von Cha­ri­té und Vivan­tes in die Mut­ter­be­trie­be (…) Stopp aller Pri­va­ti­sie­rungs­plä­ne und Inte­gra­ti­on in die staat­li­che Pla­nung und Kon­trol­le (…) Wie­der­her­stel­lung der kom­mu­na­len Infra­struk­tur für das Gesund­heits­we­sen (…) Fak­ti­sches Aus­set­zen des DRG-Sys­tems (…) Sofor­ti­ge staat­lich orga­ni­sier­te und kon­trol­lier­te Pro­duk­ti­on von Medi­ka­men­ten und Schutz­mit­teln…” Aus dem Flug­blatt des poli­ti­schen Arbeits­krei­ses Gesund­heit
  • Wir hat­ten Euch gewarnt! /​Der Kern der deut­schen Kran­ken­haus­mi­se­re: Deren Finan­zie­rung nach den sog. Fall­pau­scha­len /​… 
    • Wir hat­ten Euch gewarnt!
      Wir haben Euch alle vor dem Pfle­ge­not­stand gewarnt. Nur woll­te NIEMAND auf uns hören. Statt­des­sen wer­den uns immer noch sinn­bild­lich die Füße geküsst und wir mit Mer­ci-Packun­gen über­wor­fen, weil man uns doch so „dank­bar“ ist. Wir bewe­gen uns nicht auf eine Kata­stro­phe zu. Nein, wir sind mit­ten­drin. Und all das, was Ihr jetzt in den Medi­en lest oder erfahrt, sind die Aus­wir­kun­gen, die nun alle von uns und Euch betref­fen! Die Pan­de­mie ist da. Und trifft auf eine dank eines Neo­li­be­ra­lis­mus aus­ge­dünn­te Gesund­heits­po­li­tik. Jetzt wer­den so man­che Heu­schre­cken mer­ken, dass man Geld nicht essen kann und Geld auch nicht vor dem Virus schüt­zen wird. Wäh­rend Jens Spahn von 28.000 inten­siv­me­di­zi­ni­sche Bet­ten spricht, die für beatme­te Per­so­nen zur Ver­fü­gung ste­hen, er mitt­ler­wei­le auch 10.000 Beatmungs­ge­rä­te geor­dert hat – soll­te jeder Mensch, dem der Lie­be Gott das Gehirn gege­ben hat, um den Platz zwi­schen den Ohren zu fül­len, die­ses auch mal end­lich anwen­den und nach­den­ken. Es ist fak­tisch kein aus­rei­chen­des Fach­per­so­nal vor­han­den. Und bei der Pro­gno­se, dass ca. 60–70% der Bevöl­ke­rung vom Virus befal­len wer­den, ist davon aus­zu­ge­hen, dass mit die­ser Quo­te auch das Fach­per­so­nal wie auch die Medi­zie­ner erkran­ken wer­den. Dazu kommt, dass alle Län­der, in denen Jens Spahn Pfle­ge­kräf­te anwer­ben woll­te, die­se jetzt selbst benö­tigt. (…) Unser Fluch „Dann pflegt Euch doch selbst!“ an die Igno­ran­ten in der Poli­tik, Gesell­schaft und Wirt­schaft wird sich schnel­ler bewahr­hei­ten als so Man­chem lieb ist.” Bei­trag vom 15. März 2020 von und bei Frau Sofa externer Link, sie­he dazu:
      • Coro­na­vi­rus: „Schon für das nor­ma­le Tages­ge­schäft sind Kli­ni­ken aus pfle­ge­ri­scher Sicht nicht gewapp­net“
        Per­so­nal­man­gel, spär­li­che Aus­stat­tun­gen und Pfle­ge­kräf­te, die an ihrem Limit arbei­ten: In Zei­ten der Coro­na­kri­se dürf­te so man­chem lang­sam däm­mern, dass die seit lan­gem bekann­ten Pro­ble­me in unse­rem Gesund­heits­sys­tem und in der Pfle­ge sich irgend­wann bit­ter rächen wer­den. Mon­ja Schü­ne­mann, aus­ge­bil­de­te Kran­ken­schwes­ter und His­to­ri­ke­rin, fin­det auf ihrem Blog mypfle​ge​phi​lo​so​phie​.com externer Link immer wie­der kla­re Wor­te zum The­ma Pfle­ge. Im Nach­Denk­Sei­ten-Inter­view ver­deut­licht sie, wie schlimm es um die Pfle­ge bestellt ist…” Inter­view von Mar­cus Klöck­ner am 16. März 2020 bei den Nach­denk­sei­ten externer Link
    • Bünd­nis Kran­ken­haus statt Fabrik zur Coro­na-Pan­de­mie: Kran­ken­häu­ser gut vor­be­rei­tet? Was hat die aktu­el­le Coro­na-Virus-Pan­de­mie mit der Finan­zie­rung deut­scher Kran­ken­häu­ser über Fall­pau­scha­len zu tun?
      “Das Bünd­nis Kran­ken­haus statt Fabrik äußert sich in einer Pres­se­mit­tei­lung zu Schwach­punk­ten der deut­schen Kran­ken­haus­land­schaft: “Da das Finan­zie­rungs­sys­tem über Fall­pau­scha­len für das Vor­hal­ten von Bet­ten und The­ra­pie­ka­pa­zi­tä­ten für den Not- und Kata­stro­phen­fall kei­ne Mit­tel bereit­stellt, wer­den sol­che Situa­tio­nen in der Pla­nung der Kli­ni­k­ab­läu­fe auch nicht aus­rei­chend berück­sich­tigt.” Pres­se­mit­tei­lung vom Bünd­nis Kran­ken­haus statt Fabrik vom 12.03.2020 externer Link
    • “Schreibt euch jede ein­zel­ne ver­fick­te Über­stun­de auf! Jede ein­zel­ne!”
      Lie­be Pfle­ge­kräf­te, lie­be ärzt­li­che Kolleg*innen, lie­bes medi­zi­ni­sches Fach­per­so­nal aller Arten, hier mein gut und ernst­ge­mein­ter Rat in Zei­ten der Pan­de­mie: Schreibt euch jede ein­zel­ne ver­fick­te Über­stun­de auf! Jede ein­zel­ne! Es wer­den vie­le wer­den. (…) Und dann gibt es nur noch Dienst nach Vor­schrift solan­ge, bis sie das Sys­tem ändern. Bis sie den Pro­fit raus­neh­men. Bis sie ein­se­hen und ver­ste­hen, dass Gesund­heit kein Wirt­schafts­gut ist, son­dern ein ver­damm­tes Grund­recht eines jeden Men­schen auf die­sem Pla­ne­ten. Und das es ein Grund­recht jedes ein­zel­nen Mit­ar­bei­ters ist, fair und ange­mes­sen ent­lohnt zu wer­den und die best­mög­li­chen Arbeits­be­din­gun­gen gestellt zu bekom­men. #COVID19 hat die trans­for­ma­ti­ve Potenz, die­ses beschis­se­ne Sys­tem zu demon­tie­ren und sei­ne Gren­zen auf­zu­zei­gen. Nut­zen wir die­se Gele­gen­heit zu einer wah­ren Refor­ma­ti­on!” Tol­ler Thread von @Doktor_FreakOut am 15.3.20 bei Twit­ter externer Link, sie­he auch:
    • Kran­kes Sys­tem. Pan­de­mie-Stress­test für die BRD
      “… Weil Ideo­lo­gen wie die Ber­tels­män­ner den Takt ange­ben, weil das Kapi­tal um jeden Preis pro­fi­tie­ren will, haben wir die­se gan­ze Schei­ße am Hals. Weil »Hartz IV« und »Agen­da 2010« die­ses Land in einen Schlacht­hof für Anstand und Wür­de ver­wan­delt haben, sind Ehren­amt­li­che für Tei­le der Grund­ver­sor­gung zustän­dig. (…) Wenn die Kran­ken­häu­ser nicht mehr tun kön­nen, wofür sie erfun­den wur­den, über­nimmt die Armee, die ihr Image auf­zu­po­lie­ren hat. Die Bun­des­wehr begin­ne »ers­te Amts­hil­fe für das zivi­le Gesund­heits­we­sen«, hieß es eben­falls am Frei­tag. Denn die Trup­pe »ver­fü­ge über beson­de­re Fähig­kei­ten«, die zum Ein­satz kom­men könn­ten, »wenn zivi­le Stel­len über­for­dert sind«. Dass die­se das sein wer­den – dafür ist alles getan wor­den, mit pseu­do­wis­sen­schaft­li­chem Güte­sie­gel von Ber­tels­mann und Co. (…) Anstatt zu tun, was hel­fen wür­de – bun­des­wei­te Schul­schlie­ßun­gen, die Kin­der für drei Wochen nach Hau­se holen, dabei vol­le Lohn­fort­zah­lung für alle Arbei­ter und Ange­stell­ten (und wenn es ein paar ver­damm­te Mil­li­ar­den kos­tet!) – haben wir ein Flick­werk an teils sinn­lo­sen, teils wider­sprüch­li­chen Maß­nah­men. Es ran­geln zwei Frak­tio­nen im Herr­schafts­ap­pa­rat, die Not­stands­pla­ner und Bun­des­wehr-im-Innern-Fans auf der einen, die eis­kal­te Wirt­schafts­lob­by in ban­ger Sor­ge um Pro­fit auf der ande­ren Sei­te. Nur an die Gesund­heit der Men­schen wird in die­sem armen, rei­chen Land zuletzt gedacht.” Kom­men­tar von Sebas­ti­an Car­lens in der jun­gen Welt vom 14.03.2020 externer Link
    • Der Kern der deut­schen Kran­ken­haus­mi­se­re: Deren Finan­zie­rung nach den sog. Fall­pau­scha­len
      “… Zeit­gleich zur Ver­brei­tung des Coro­na-Virus ent­brennt eine Dis­kus­si­on dar­über, ob das deut­sche Gesund­heits­sys­tem für einen sol­chen Kri­sen­fall gewapp­net ist. Ers­te Signa­le, dass es hier nicht zum Bes­ten steht, hat die Regie­rung selbst unfrei­wil­lig gesen­det: Bereits ver­gan­ge­ne Woche erklär­te Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Jens Spahn (CDU), die erst kürz­lich in Kraft getre­te­nen mini­ma­lis­ti­schen (Pfle­ge-) Per­so­nal­vor­ga­ben („Unter­gren­zen“) für die Kran­ken­häu­ser vor­erst wie­der außer Kraft zu set­zen, damit die Kran­ken­häu­ser auch dann unter Voll­last behan­deln kön­nen, wenn das (Pfle­ge-) Per­so­nal knapp wird. In die­ser Hin­sicht wirkt die Cor­no­na-Pan­de­mie eher wie ein Brenn­glas, in dem schon län­ger bekann­te Pro­ble­me beson­ders scharf sicht­bar wer­den: es fehlt an Per­so­nal in den deut­schen Kran­ken­häu­ser. (…) Die­se Ent­wick­lung macht deut­lich, dass Kran­ken­häu­ser eine gesell­schaft­li­che Infra­struk­tur sind, die für Kri­sen­fäl­le eine aus­rei­chen­de Kapa­zi­tät vor­hal­ten muss. Die­se Kapa­zi­tä­ten kön­nen per Defi­ni­tio­nem im nicht-Kri­sen­mo­dus zumin­dest zum Teil nicht genutzt wer­den. Damit sind wir beim Kern der deut­schen Kran­ken­haus­mi­se­re: der Finan­zie­rung nach den sog. Fall­pau­scha­len (DRG). Denn deut­sche Kran­ken­häu­ser bekom­men nur ein Mini­mum ihres Bud­gets für die Vor­hal­tung von Kapa­zi­tä­ten. Die Kran­ken­häu­ser wer­den pro Pati­en­ten­fall bezahlt, den sie behan­deln. Sie müs­sen ihre Kapa­zi­tä­ten immer so aus­las­ten, dass sie über die Erlö­se durch die ein­zel­nen Pati­en­ten­fäl­le genug Geld ein­neh­men, um den Betrieb ihrer gesam­ten Infra­struk­tur (inklu­si­ve Per­so­nal) finan­zie­ren zu kön­nen. In einem sol­chen Sys­tem han­delt betriebs­wirt­schaft­lich unver­ant­wort­lich, wer sei­ne Kapa­zi­tä­ten nicht so weit wie mög­lich aus­las­tet. Für den Kri­sen­fall vor­ge­hal­te­ne (lee­re) Bet­ten sind aus der indi­vi­du­el­len Kran­ken­haus­per­spek­ti­ve Erlös­aus­fäl­le. Das Pro­blem beginnt also nicht erst – wie man es aktu­ell in ver­schie­de­nen Stel­lung­nah­men hört – mit der Gewinn­ori­en­tie­rung. Es beginnt bereits mit der „Erlös­ori­en­tie­rung“ – also dem Zwang den gesam­ten Betrieb durch das Erbrin­gen von „Leis­tun­gen“ finan­zie­ren zu müs­sen – unab­hän­gig davon, ob die­se indi­vi­du­ell oder gesell­schaft­lich gera­de sinn­voll sind. Es wäre, wie wenn die Feu­er­wehr nur für jeden gelösch­ten Brand bezahlt wer­den wür­de. (…) Bis zu der jüngst ange­kün­dig­ten Absa­ge der plan­ba­ren Behand­lun­gen wur­de das Pro­blem vor allem durch das Aus­set­zen der „Unter­gren­zen“ auf dem Rücken der Beschäf­tig­ten gelöst. Wie rei­bungs­los die­se Ankün­di­gung ange­sichts des Erlös­drucks umge­setzt wird, wer­den die nächs­ten Tage zei­gen. Der Pfle­ge­be­rufs­ver­band DBfK berich­tet bereits davon, dass Kli­ni­ken das Aus­set­zen der Unter­gren­zen nut­zen um Bet­ten mit Nicht-Coro­na-Pati­en­tIn­nen zu bele­gen. Dabei ist das Aus­set­zen der Per­so­nal­stan­dards bei der Aus­brei­tung eines hoch anste­cken­den Virus beson­ders wider­sin­nig. Eine der zen­tra­len Gegen­maß­nah­men gegen die Über­tra­gung im Kran­ken­haus, ist eine aus­gie­bi­ge Hän­de­des­in­fek­ti­on. Umfra­gen unter Pfle­ge­kräf­ten habe gezeigt, das die­se bei Unter­be­set­zung mit als ers­tes ver­nach­läs­sigt wird. Wir ler­nen also jetzt schon aus der Kri­se, dass die Pro­pa­gie­rung angeb­li­cher Über­ka­pa­zi­tä­ten und der Not­wen­dig­keit von flä­chen­de­cken­den Kran­ken­haus­schlie­ßun­gen, wie sie die Ber­tels­mann-Stif­tung und ande­re betrei­ben externer Link, unver­ant­wort­lich ist. Es ist aber dar­über hin­aus über­fäl­lig, Alter­na­ti­ven zum bestehen­den Sys­tem der Fall­pau­scha­len-Finan­zie­rung zu ent­wi­ckeln. Kran­ken­haus­ver­sor­gung darf nicht den Markt­an­rei­zen über­las­sen, son­dern muss demo­kra­tisch geplant wer­den.“ Bei­trag von Kal­le Kun­kel vom 13.03.2020 bei Frei­tag online externer Link
  • ver.di weist ange­sichts der Aus­brei­tung des Coro­na­vi­rus auf die hohe Belas­tung der Beschäf­tig­ten im Gesund­heits­we­sen hin und for­dert grund­le­gen­de Ver­bes­se­run­gen 
    Ange­sichts der raschen Aus­brei­tung des Coro­na­vi­rus (Covid-19) auch in Deutsch­land weist die Gewerk­schaft ver.di auf die hohe Bean­spru­chung des Kran­ken­haus­per­so­nals hin und for­dert struk­tu­rel­le Ver­bes­se­run­gen. „Die Beschäf­tig­ten der Kran­ken­häu­ser sind Pro­fis. In einer Kri­sen­si­tua­ti­on tun sie alles, um Men­schen­le­ben zu ret­ten und die Ver­brei­tung des Virus zu brem­sen“, erklär­te Syl­via Büh­ler, die im ver.di-Bundesvorstand für das Gesund­heits­we­sen zustän­dig ist. „Auch ohne die Extrem­be­las­tung der Epi­de­mie gehen die Beschäf­tig­ten all­zu oft über ihre eige­nen Gren­zen hin­aus, weil ihnen das Wohl und die Sicher­heit der Pati­en­tin­nen und Pati­en­ten am Her­zen lie­gen. Es muss damit Schluss sein, dass Kli­nik­trä­ger und poli­tisch Ver­ant­wort­li­che die­ses Enga­ge­ment aus­nut­zen. Alle Ver­ant­wort­li­chen müs­sen jetzt das Signal set­zen: Wir arbei­ten mit Hoch­druck an bes­se­ren Arbeits­be­din­gun­gen. In ers­ter Linie bedeu­tet das mehr Per­so­nal.“ Das von ver.di, der Deut­schen Kran­ken­haus­ge­sell­schaft und dem Deut­schen Pfle­gerat im Janu­ar vor­ge­leg­te Instru­ment zur Per­so­nal­be­mes­sung im Kran­ken­haus, die PPR 2.0, müs­se vom Gesetz­ge­ber zügig umge­setzt wer­den, so Büh­ler. „Die Bun­des­re­gie­rung kann das Ver­trau­en der Beschäf­tig­ten im Gesund­heits­we­sen zurück­ge­win­nen, wenn sie in die­ser Kri­sen­si­tua­ti­on die rich­ti­gen nach­hal­ti­gen struk­tu­rel­len Maß­nah­men auf den Weg bringt. Es braucht für das gesam­te Kran­ken­haus ver­bind­li­che Vor­schrif­ten für eine bedarfs­ge­rech­te Per­so­nal­aus­stat­tung.“ Genau­so wie die Bun­des­re­gie­rung für die Wirt­schaft Hilfs­pa­ke­te schnü­re, müss­ten jetzt die Beschäf­tig­ten im Gesund­heits­we­sen unter­stützt wer­den, so Büh­ler. Statt des­sen wür­den sogar Ent­schei­dun­gen getrof­fen, die Pfle­ge­kräf­te wei­ter belas­ten. Als „völ­lig fal­schen Weg“ bezeich­ne­te Büh­ler die Ankün­di­gung von Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Jens Spahn (CDU), die Pfle­ge­per­so­nal­un­ter­gren­zen in Kran­ken­häu­sern pau­schal aus­zu­set­zen…” ver.di-Pressemitteilung vom 12.03.2020 externer Link, sie­he zur Aus­set­zung der Pfle­ge­per­so­nal­un­ter­gren­zen auch unser Dos­sier: Brei­tes Bünd­nis warnt vor DGK/GKV-Plä­nen zu Pfle­ge­per­so­nal­un­ter­gren­zen
  • Kampf gegen Coro­na: Wie fit ist unser Gesund­heits­sys­tem?
    MONITOR vom 12.03.2020 externer Link
  • Coro­na ent­larvt den Wahn­sinn /​Coro­na und Pfle­ge: ackern, bis Du Fie­ber kriegst! /​Pri­va­ti­sier­tem Gesund­heits­sys­tem droht Kol­laps… 
    • Coro­na ent­larvt den Wahn­sinn: 60 Pati­en­ten, eine Pfle­ge­kraft. Die­ser untrag­ba­re Zustand ist vie­ler­orts lei­der Rea­li­tät. Jetzt kommt noch das Coro­na­vi­rus dazu
      “In Aachen muss das medi­zi­ni­sche Per­so­nal trotz direk­tem Kon­takt mit COVID-19-Pati­en­ten wei­ter­ar­bei­ten. Ich bin fas­sungs­los. (…) Wäh­rend der Kreis Heins­berg nach mehr medi­zi­ni­schem Per­so­nal ruft, sagt Aachen: „Alles halb so wild“. Bei Hoch­ri­si­ko­ex­po­si­ti­on blei­ben alle zuhau­se – nur bit­te nicht das medi­zi­ni­sche Per­so­nal. Für unse­re Arbeits­zeit und unse­ren Arbeits­schutz gel­ten wie für vie­le wei­te­re Berei­che ande­re Rege­lun­gen, Geset­ze und Emp­feh­lun­gen. Wir müs­sen etwas ganz beson­de­res sein. (…) Als die Schutz­klei­dung knapp wur­de, wur­de als ers­tes die Iso­la­ti­ons­pflich­tig­keit ange­passt. Jah­re­lang gül­ti­ge Rege­lun­gen, die bestim­men, wie wir mit erheb­li­chem Auf­wand iso­lie­ren und zum Bei­spiel erst nach Anla­ge von erwei­ter­ten Schutz­maß­nah­men, Pati­en­ten mit mul­ti­re­sis­ten­ten Erre­gern unter­su­chen und behan­deln sol­len, sind auf ein­mal nicht mehr so wich­tig. Unter der Hand gab es die Anwei­sung, meh­re­re Pati­en­ten mit einem Kit­tel zu unter­su­chen, Schutz­kit­tel sol­len bit­te mehr­fach ver­wen­det wer­den und nicht direkt weg­ge­wor­fen wer­den. Bevor es näm­lich unbe­quem, auf­wän­dig oder sogar teu­er wird, weil man OPs absa­gen muss, Bet­ten sper­ren oder sogar (Intensiv)stationen abmel­den müss­te, ändert man lie­ber die Hygie­ne­plä­ne. Zur Not auch gegen die Emp­feh­lung des RKI, sie­he Aachen. Alle Kol­le­gen, die im Kran­ken­haus arbei­ten und nicht nur Mer­ci-Packun­gen ver­tei­len und dar­über reden, wis­sen, wie es um unser Gesund­heits­sys­tem bestellt ist. (…) 60 Pati­en­ten für eine Pfle­ge­kraft. Das ist genau­so wahn­sin­nig, ver­ant­wor­tungs­los und zum Schei­tern ver­ur­teilt, wie es sich anhört. Ich habe Men­schen mor­gens tot im Bett lie­gend gefun­den, die zuletzt vom Spät­dienst gese­hen wur­den. Ein­fach, weil kei­ne Zeit war für eine nor­ma­le Zim­mer­run­de. Das ist dann eben so, ein schick­sal­haf­ter Ver­lauf, herz­li­ches Bei­leid, wei­ter­ma­chen. Und wer glaubt, dass es nicht schlim­mer geht, hat noch nicht den Plä­nen von teu­er bezahl­ten Bera­ter­fir­men gelauscht, die immer noch Ein­spar­po­ten­zi­al sehen. Immer mehr Chef­ärz­te füh­ren stolz einen MBA im Titel, das ist ein Mas­ter of Busi­ness Admi­nis­tra­ti­on. Mit die­sem berufs­be­glei­ten­den Stu­di­en­gang sol­len beson­de­re Kennt­nis­se in Betriebs­wirt­schaft, Con­trol­ling und Finanz­we­sen nach­ge­wie­sen wer­den. Viel wich­ti­ger als medi­zi­ni­sche Inhal­te sind finan­zi­el­le Aspek­te. Das wis­sen wir seit Jah­ren, aber so rich­tig ger­ne mag das kei­ner mehr hören. Wir sol­len wei­ter arbei­ten und das Kran­ken­haus soll Geld erwirt­schaf­ten. Geld ver­die­nen mit Men­schen, die krank sind. Das ist genau­so wahn­sin­nig, ver­ant­wor­tungs­los und zum Schei­tern ver­ur­teilt, wie es sich anhört…” Bericht von und bei Doc­Check vom 5. März 2020 externer Link
    • Coro­na und Pfle­ge: ackern, bis Du Fie­ber kriegst! Pfle­gen­de als Drit­te-Klas­se-Bür­ger
      Vor ein­hun­dert Jah­ren star­ben Pfle­gen­de zumeist an Infek­tio­nen. Konn­te man nichts machen. Gab ja noch kei­ne Anti­bio­se und über­haupt: sich opfern war der höchs­te Wert. Bis heu­te kur­sie­ren Anek­do­ten, Flo­rence Nightin­ga­le soll ein­mal ein glü­hen­des Ofen­rohr mit ihren Armen auf­ge­fan­gen haben, damit es nicht auf einen Arzt fällt. Nächs­ten­lie­be. War­um nur ist Pfle­ge so unat­trak­tiv hat man sich in den letz­ten Jah­ren gefragt. Man hat lei­der nur sich gefragt und nie die Pfle­gen­den, sonst wäre es viel­leicht zu Ergeb­nis­sen gekom­men. Nun ist da Coro­na. Und – ja, wer HÄTTE das gedacht ?- die Per­so­nal­aus­stat­tung reicht bei wei­tem nicht aus, um den Bedarf zu decken. Ist Pfle­ge also sys­tem­re­le­vant? Ei guck. Aber die Kli­ni­ken haben da eine gute Idee. So ver­kün­de­te heu­te die Cha­ri­té, dass sie die Emp­feh­lun­gen des RKI aus­set­zen wol­le. Man kön­ne sonst die Ver­sor­gung der Kran­ken nicht gewähr­leis­ten. Es sei, so Dros­ten, not­wen­dig, dass das RKI sei­ne Emp­feh­lun­gen nach und nach der Rea­li­tät anpas­se. OB EUCH DER HUT BRENNT, HAB ICH GEFRAGT!!!!?? Wes­halb haben Kli­ni­ken nicht nach und nach mal die Per­so­nal­si­tua­ti­on der Rea­li­tät ange­passt? Wo ist hier bit­te die Arbeit­ge­ber­für­sor­ge­pflicht? Was ist mit dem Recht auf Unver­sehrt­heit? Gilt das für Pfle­gen­de nicht? (…) Sel­ten hat sich eine Gesell­schaft bezüg­lich Gesund­heits­be­ru­fen so demas­kiert wie unter Coro­na. Pfle­ge, die die den Hin­tern hin­hal­ten sol­len, die als Ser­vice Ärsche wischen, die klein­ge­re­det wer­den. Die nicht ein­mal den emp­foh­le­nen Schutz wert sind. Kano­nen­fut­ter. Bau­ern­op­fer. Men­schen Drit­ter Klas­se. War­um nur möch­te die­sen Beruf nie­mand mehr aus­üben? Ich komm nicht drauf!Bei­trag von Mon­ja Schü­ne­mann vom 6.3.2020 auf ihrem Blog externer Link, dort wei­te­re (emp­feh­lens­wer­te!) Bei­trä­ge zum The­ma
    • »Beschäf­tig­te sind die Gelack­mei­er­ten« – Coro­na­epi­de­mie hat Kon­se­quen­zen für die Wirt­schaft. Pri­va­ti­sier­tem Gesund­heits­sys­tem droht Kol­laps
      Rudolf Hickel ant­wor­tet im Gespräch mit Git­ta Düper­thal bei der jun­gen Welt vom 6. März 2020 externer Link auf die Fra­ge: “… Wenig beleuch­tet wird bis­lang die Fra­ge, wer von der aktu­el­len Situa­ti­on pro­fi­tiert. Tut dies eine sich wei­ter ver­zo­cken­de Finanz­wirt­schaft, die eine will­kom­me­ne Gele­gen­heit sieht, sich erneut vom Staat ret­ten zu las­sen? [Rudolf Hickel:] So zuge­spitzt wür­de ich es nicht for­mu­lie­ren. Aller­dings haben die Ban­ken in den ver­gan­ge­nen Jah­ren vie­le fau­le Kre­di­te ange­sam­melt, die ihnen Pro­ble­me berei­ten. Die Nied­rig­zins­pha­se und ent­spre­chend zins­güns­ti­ge Kre­di­te ermög­lich­ten es eigent­lich schon insol­ven­ten Unter­neh­men, sich dank soge­nann­ter Zom­bie­kre­di­te über Was­ser zu hal­ten. Infol­ge der Ver­brei­tung des Coro­na­vi­rus wird der gan­ze Wert­be­rich­ti­gungs­be­darf erst sicht­bar. Im Wind­schat­ten der Kri­se könn­ten sich die Ban­ken folg­lich mit Ret­tungs­maß­nah­men auf Staats­kos­ten sanie­ren. (…) Eine Inter­es­sen­grup­pe, die sagt, »Lasst uns mal wie­der die Ban­ken mit Steu­er­geld ret­ten«, exis­tiert ver­mut­lich nicht. Aber dass die gegen­wär­ti­ge Situa­ti­on instru­men­ta­li­siert wird, liegt auf der Hand. Wich­ti­ger ist aber, dass in der Coro­na­kri­se die Fol­gen der Pri­va­ti­sie­rung des Gesund­heits­sys­tems rich­tig offen­bar wer­den. Die dra­ma­ti­schen Fol­gen zei­gen, wie pro­ble­ma­tisch die Zer­schla­gung von gemein­nüt­zi­gen und öffent­li­chen Kran­ken­häu­sern ist. Finanz­spe­ku­lan­ten, die Arzt­pra­xen und Kli­ni­ken über­nom­men haben, fra­gen sich: Wie kann ich aus der Situa­ti­on Pro­fit schla­gen? Mit der Siche­rung von Qua­ran­tä­ne­plät­zen kön­nen sie jeden­falls nicht absah­nen, die kos­tet viel Geld. (…) Die sozia­len Bewe­gun­gen müs­sen scharf kri­ti­sie­ren, in wel­che fata­le Lage uns die­ser aggres­si­ve Glo­ba­li­sie­rungs­ka­pi­ta­lis­mus gebracht hat. Es muss jetzt für ein öffent­lich abge­si­cher­tes sta­bi­les Gesund­heits­sys­tem mit Kran­ken­häu­sern vor Ort demons­triert wer­den. Paro­le: Raus mit den Finanz­spe­ku­lan­ten aus dem Gesund­heits­sys­tem! Wir brau­chen einen öko­lo­gi­schen und sozi­al abge­fe­der­ten Umbau des gesam­ten Sys­tems sowie eine För­de­rung der Bin­nen­wirt­schaft. Mit der aggres­si­ven Export­stra­te­gie muss Schluss sein.”
    • Der vira­le Kapi­ta­lis­mus. Die Coro­na-Epi­de­mie ist auch eine Kri­se des Neo­li­be­ra­lis­mus und sei­ner exzes­si­ven Pri­va­ti­sie­rungs­po­li­tik
      “… Bei uns war­nen Jens Spahn, eine Minis­ter­kon­fe­renz und der Städ­te- und Gemein­de­tag vor Panik. Kaum etwas kann die Men­schen jedoch schnel­ler beun­ru­hi­gen, als wenn Behör­den vor Panik war­nen. Vie­le fra­gen sich jetzt: War es wirk­lich so schlau, die Kran­ken­häu­ser mas­sen­wei­se zu pri­va­ti­sie­ren, sie „effi­zi­en­ter“ zu machen und Bet­ten abzu­bau­en? (…) Mehr als unter allen neu­en Kil­ler-Kei­men lei­det unser Gesund­heits­we­sen unter der Ideo­lo­gie des Neo­li­be­ra­lis­mus. (…) In dra­ma­ti­schem Aus­maß wer­den die Mit­tel für Kran­ken­häu­ser, Behand­lung von Armen, Medi­ka­men­te und medi­zi­ni­sche For­schung beschnit­ten, um sie per Steu­er­sen­kung in die Taschen rei­cher, nutz­lo­ser Möch­te­ger­neli­ten umzu­len­ken. Die­ses neo­li­be­ra­le Ver­bre­chen an der Mensch­heit könn­te sich schnel­ler rächen, als die Die­be des Gemein­gu­tes Gesund­heit gedacht hat­ten. Ihre absur­den Ideen von einer zwang­haf­ten Effi­zi­enz anstel­le gesun­der Effek­ti­vi­tät — ins­be­son­de­re der Kran­ken­häu­ser — kos­ten immer mehr Men­schen Leben und Gesund­heit. Kos­ten­spa­ren an der Gesund­heit ist Spa­ren am fal­schen Platz…” Arti­kel von Han­nes Sies vom 6. März 2020 beim Rubi­kon externer Link
    • Coro­na-Epi­de­mie: Gesund­heits­po­li­tik ist jetzt wich­ti­ger als Wirt­schafts­po­li­tik
      “Eini­ge for­dern, mit Steu­er­sen­kun­gen und Kon­junk­tur­hil­fen müss­ten die Fol­gen der Coro­na­vi­rus-Kri­se für die Wirt­schaft ein­ge­dämmt wer­den. Doch das ist gar nicht nötig. (…) Wer dafür ist, das deut­sche Wachs­tum mit Staats­geld zu stüt­zen, soll­te nicht “Coro­na” rufen, son­dern lie­ber vor­rech­nen, woher die Mil­li­ar­den kom­men kön­nen und wohin sie flie­ßen sol­len. (…) Hart trifft es deut­sche Fir­men, die von Chi­na abhän­gig sind. Denn die chi­ne­si­sche Wirt­schaft lag wochen­lang qua­si brach. Vie­le Fabrik­bän­der stan­den still, erst lang­sam geht nun die Pro­duk­ti­on wie­der los. Unter­neh­men, die nach Chi­na expor­tie­ren, haben auf einen Schlag ihre Käu­fer ver­lo­ren. Auf Zulie­fe­run­gen aus Chi­na ange­wie­se­ne Fir­men bekom­men nun auch Pro­ble­me, wegen der lan­gen Wege aus Asi­en etwas zeit­ver­zö­gert. Für bei­de Fäl­le ist Deutsch­land jedoch so gut auf­ge­stellt, neue Maß­nah­men sind nicht not­wen­dig. Weil die Wirt­schaft in Chi­na Stück für Stück wie­der hoch­fährt, ver­rin­gern sich die Pro­ble­me der Fir­men in ein paar Wochen vor­aus­sicht­lich wie­der. Kri­tisch ist nur die Zeit bis dahin. Eng kann es wer­den, wenn zwi­schen­durch bei­spiels­wei­se ein Kre­dit bedient wer­den muss. Hier kann die Staats­bank KfW ein­sprin­gen und Bürg­schaf­ten oder Über­brü­ckungs­kre­di­te aus­ge­ben, die Fir­men kön­nen dann ihre Haus­bank bedie­nen und zah­len dem Staat das Geld spä­ter zurück, wenn die Chi­ne­sen wie­der kau­fen und lie­fern. Fach­leu­te nen­nen das Liqui­di­täts­hil­fe. Um mit staat­li­cher Hil­fe flüs­sig zu blei­ben, soll­ten die Fir­men nach­wei­sen, dass wirk­lich der Coro­na-Aus­bruch in Chi­na die Ursa­che ist. Das ist durch Absatz­märk­te und Lie­fer­ket­ten gut zu über­prü­fen. Außer­dem ken­nen die deut­schen Arbeit­ge­ber die Kurz­ar­beit. Sie ist ein mäch­ti­ges Mit­tel in schwie­ri­gen Zei­ten, weil sie Arbeits­plät­ze sichert. Auch das ist eine Opti­on für beson­ders betrof­fe­ne Bran­chen. Liqui­di­täts­hil­fen und Kurz­ar­beit haben sich bewährt. Mehr braucht die deut­sche Wirt­schaft der­zeit nicht. Gesund­heits­po­li­tik ist im Kampf gegen das Virus nun wich­ti­ger als Wirt­schafts­po­li­tik.” Kom­men­tar von Bas­ti­an Brink­mann vom 5. März 2020 bei der Süd­deut­schen Zei­tung online externer Link
  • [Typisch] Ein­schnit­te wegen des Coro­na­vi­rus: Bun­des­re­gie­rung berei­tet Hil­fe für Unter­neh­men vor
    Die Bun­des­re­gie­rung prüft ein Kon­junk­tur­pro­gramm für den Fall, dass eine Aus­brei­tung des Coro­na-Virus die deut­sche Wirt­schaft stark tref­fen soll­te. „Wir prü­fen der­zeit ver­schie­de­ne Sze­na­ri­en und Hil­fen für die Wirt­schaft“, erfuhr das Han­dels­blatt aus Regie­rungs­krei­sen. Je nach­dem, wie stark das Virus sich ver­brei­te, gebe es unter­schied­li­che Mög­lich­kei­ten zum Gegen­steu­ern. Ein Plan mit mög­li­chen Maß­nah­men, an dem unter ande­rem das Bun­des­fi­nanz­mi­nis­te­ri­um und das Bun­des­wirt­schafts­mi­nis­te­ri­um arbei­ten, soll in weni­gen Tagen vor­lie­gen. Neben klas­si­schen all­ge­mei­nen kon­junk­tu­rel­len Stüt­zungs­maß­nah­men wie Steu­er­sen­kun­gen oder bes­se­ren Abschrei­bungs­re­geln prüft die Bun­des­re­gie­rung vor allem, wie sie ein­zel­nen Unter­neh­men hel­fen kann, die beson­ders vom Virus betrof­fen sind. (…) Der Bun­des­ver­band der Deut­schen Indus­trie (BDI) hat­te am Don­ners­tag ein koor­di­nier­tes wirt­schafts­po­li­ti­sches Vor­ge­hen der Bun­des­re­gie­rung ange­mahnt. „Die Coro­na-Epi­de­mie ist ein Stress­test für die Wirt­schaft, den eini­ge Lie­fer­ket­ten mit star­kem Chi­na-Fokus der­zeit nicht bestehen”, sag­te BDI-Haupt­ge­schäfts­füh­rer Joa­chim Lang. „Die Aus­wir­kun­gen des Virus sind in der glo­ba­len Wirt­schaft und der export­ori­en­tier­ten deut­schen Indus­trie deut­lich zu regis­trie­ren.“ Die mehr als 5000 deut­schen Unter­neh­men in Chi­na sei­en der­zeit in Beschaf­fung, Pro­duk­ti­on und Absatz stark ein­ge­schränkt.” Arti­kel von Mar­tin Grei­ve und Jan Hil­de­brand vom 27.02.2020 beim Han­dels­blatt online externer Link – mimi­mi
  • Sie­he auch Ita­li­en im Virus-Not­stand: Jetzt müs­sen sie die Armee ein­set­zen, weil sie jahr­zehn­te­lang das öffent­li­che Gesund­heits­we­sen abge­baut haben

Der Bei­trag Auch in Deutsch­land ste­hen dem Coro­na-Virus (poli­tisch gewollt) knap­pe Res­sour­cen des Gesund­heits­we­sens gegen­über erschien zuerst auf Labour­Net Ger­ma­ny.

Read More