[labournet:] Corona-Infektionen: Politiker kritisieren Ausbeutung in Schlachthöfen – Verschärfung der Arbeitsschutzgesetze gefordert

Dossier

Coronavirus, die Hetze und der Ausnahmezustand: China im Shitstorm“… Fach­po­li­ti­ker in der SPD-Bun­des­tags­frak­ti­on den­ken bereits über eine Ver­schär­fung der Arbeits­schutz­ge­set­ze nach. “Tau­sen­de Werk- und Sai­son­ar­bei­ter schuf­ten unter zwei­fel­haf­ten Bedin­gun­gen und wer­den in engen Sam­mel­un­ter­künf­ten unter­ge­bracht”, sag­ten die Frak­ti­ons­vi­zes Kat­ja Mast und Mat­thi­as Miersch. “Wir haben 2017 zusätz­li­che gesetz­li­che Stan­dards für die Fleisch­wirt­schaft defi­niert – wenn das nicht reicht, müs­sen wir auch gesetz­lich noch­mal ran”, sag­te Mast der Nach­rich­ten­agen­tur AFP. Arbeits­mi­nis­ter Huber­tus Heil (SPD) for­der­te sei­ne Län­der­kol­le­gen in einem Schrei­ben dazu auf, den Arbeits­schutz für Sai­son­ar­bei­ter in der Fleisch­in­dus­trie streng zu kon­trol­lie­ren. “Beson­de­res Augen­merk ist dabei auf die Situa­ti­on in Sam­mel­un­ter­künf­ten und beim Per­so­nen­trans­port zu legen”, heißt es in dem Schrei­ben, aus dem NDR und WDR zitie­ren. Neben den Poli­ti­kern for­dern auch Gewerk­schaf­ten schär­fe­re Kon­trol­len und bes­se­re Arbeits­be­din­gun­gen in Schlacht­hö­fen. “In Schlacht­hö­fen muss deut­lich mehr unter­nom­men wer­den, um die Risi­ken für Sicher­heit und Gesund­heit der Beschäf­tig­ten zu redu­zie­ren”, sag­te Anja Kiel, Vor­stands­mit­glied des Deut­schen Gewerk­schafts­bunds DGB. Gera­de jetzt käme es auf ver­stärk­ten Arbeits­schutz an, der für alle Beschäf­tig­ten gel­ten müs­se. Der Vize­vor­sit­zen­de der Gewerk­schaft Nah­rung-Genuss-Gast­stät­ten (NGG), Fred­dy Adjan, sag­te, Mit­ar­bei­ter von Schlacht­hö­fen wür­den häu­fig auch über Werk­ver­trä­ge mit dubio­sen Sub­un­ter­neh­men rück­sichts­los aus­ge­nutzt. “Die­se Kri­se macht deut­lich, wie über­fäl­lig es ist, auf Stopp zu drü­cken und den rui­nö­sen Preis­kampf beim Fleisch zu been­den.” Schlacht­hof­be­trei­ber soll­ten das Schlach­ten dem­nach nicht an bil­li­ge Fremd­fir­men aus­la­gern dür­fen.“ dpa-Mel­dung vom 09.05.2020 in der Zeit online externer Link, sie­he mitt­ler­wei­le spe­zi­ell zum The­ma Werk­ver­trä­ge unser neu­es Dos­sier Fal­len Werk­ver­trä­ge (lei­der nur) in der Fleisch­in­dus­trie Coro­na zum Opfer? und hier zu den Arbeits­be­din­gun­gen in der Schlacht­in­dus­trie in Coro­na-Zei­ten all­ge­mein:

  • Fleisch­in­dus­trie: Kreis Dith­mar­schen begrenzt Leih­ar­beit New
    Der Kreis Dith­mar­schen hat wegen der Coro­na-Kri­se Auf­la­gen für Betrie­be ver­schärft, die Fleisch und Fisch ver­ar­bei­ten. Mit einer All­ge­mein­ver­fü­gung begrenz­te Land­rat Ste­fan Mohr­dieck (par­tei­los) am Mon­tag den Ein­satz von Leih­ar­beit­neh­mern und Beschäf­tig­ten von Werk­un­ter­neh­men. Beschäf­tig­te mit aktu­el­lem nega­ti­ven Coro­na-Test sind aus­ge­nom­men von der Maß­nah­me, die zunächst bis zum 30. August gilt. Der Land­rat begrün­de­te den Schritt mit einer hohen Fluk­tua­ti­on bei den erwähn­ten Arbeit­neh­mern und der damit ver­bun­de­nen Gefahr, die Ver­brei­tung des Coro­na­vi­rus zu begüns­ti­gen…” Mel­dung vom 10.08.2020 beim NDR externer Link
  • [Noch ein deut­sches Export­mo­dell] Schlacht­hö­fe in Euro­pa: Bil­li­ges Fleisch, unhalt­ba­re Zustän­de 
    “… Begon­nen hat die sys­te­ma­ti­sche Aus­beu­tung von Arbeits­mi­gran­ten in deut­schen Fleisch­fa­bri­ken – und sie hat sich in wei­ten Tei­len Euro­pas aus­ge­brei­tet. (…) Der Dach­ver­band der euro­päi­schen Nah­rungs­mit­tel­ge­werk­schaf­ten EFFAT hat genau Buch geführt. Die mit Abstand meis­ten COVID-19-Fäl­le gab es bis­lang in Deutsch­land. Danach kommt Irland mit 950 posi­tiv getes­te­ten Arbei­tern knapp vor den Nie­der­lan­den, und dahin­ter, mit eini­gem Abstand Frank­reich, Bel­gi­en, Spa­ni­en und Polen. Enri­co Soma­glia ist stell­ver­tre­ten­der Gene­ral­se­kre­tär von EFFAT in Brüs­sel. Er beob­ach­tet seit Jah­ren, wie sich das Sozi­al-Dum­ping in den Schlacht­hö­fen von Deutsch­land aus auf die gan­ze Euro­päi­sche Uni­on aus­ge­dehnt hat. „Das Geschäfts­mo­dell, das vor Jah­ren in Deutsch­land ent­wi­ckelt wur­de und das auf bil­li­gem Fleisch und auf der Aus­beu­tung der Arbei­ter beruht, auf der Redu­zie­rung von Arbeits­kos­ten und auch auf der Ver­ant­wor­tungs­lo­sig­keit der Unter­neh­mer, die­ses Modell hat in ganz Euro­pa einen Wett­lauf nach unten aus­ge­löst, hin zu immer nied­ri­ge­ren Löh­nen und zu immer schlech­te­ren Arbeits­be­din­gun­gen in den Schlacht­hö­fen.“ Nach der Ost­erwei­te­rung der EU began­nen vor allem die gro­ßen Schlacht­hö­fe in Deutsch­land die ange­stamm­te Beleg­schaft Schritt für Schritt durch bil­li­ge Arbeits­kräf­te aus Polen, Rumä­ni­en und Bul­ga­ri­en zu erset­zen. Das bevor­zug­te Instru­ment waren die so genann­ten Werk­ver­trä­ge mit Sub­un­ter­neh­mern in Polen, Rumä­ni­en und Bul­ga­ri­en. (…) Die­ses Sys­tem brach­te den Schlacht­hö­fen in Deutsch­land erheb­li­che Ein­spa­run­gen bei den Per­so­nal­kos­ten – und befeu­er­te die Gier nach immer grö­ße­ren Gewinn­span­nen und Markt­an­tei­len. Nicht nur zwi­schen den Schlacht­hö­fen, auch zwi­schen den Sub­un­ter­neh­men ent­brann­te ein wil­der Preis­kampf. (…) Wie es anders geht, das zei­gen die nor­di­schen Län­der Däne­mark, Schwe­den und Finn­land. In Däne­mark zum Bei­spiel lie­gen die Löh­ne der Fleisch­ar­bei­ter zwi­schen 20 und 27 Euro die Stun­de. Die Regie­rung ach­tet dar­auf, dass die Leu­te in anstän­di­gen Woh­nun­gen leben und ordent­lich sozi­al­ver­si­chert sind. Das gilt für alle Arbei­ter, egal wo sie her­kom­men, betont Jim Jen­sen von der däni­schen Nah­rungs­mit­tel­ge­werk­schaft NFF. Des­halb hät­ten sie in däni­schen Schlacht­hö­fen auch kei­ne Pro­ble­me mit COVID-19-Infek­tio­nen (…) Leid­tra­gen­de sind nicht nur die Arbei­ter, son­dern auch die klei­ne­ren, regio­na­len Schlacht­hö­fe, die nicht ein­fach in Bil­lig­län­der aus­wei­chen kön­nen. Sie kom­men durch die schmut­zi­ge Kon­kur­renz noch mehr unter Druck und wer­den irgend­wann end­gül­tig vom Markt ver­drängt. (…) Wei­ter­ge­hen­de Rege­lun­gen leh­nen auch die meis­ten ost­eu­ro­päi­schen Regie­run­gen ab. Zwar haben Buka­rest und Sofia inzwi­schen mehr­fach gegen die schlech­te Behand­lung rumä­ni­scher und bul­ga­ri­scher Staats­bür­ger in den euro­päi­schen Schlacht­hö­fen pro­tes­tiert. Aber all­zu weit dür­fe die Gleich­stel­lung der Arbeits­mi­gran­ten mit den loka­len Arbei­tern auch nicht gehen. (…) Wenn im Euro­pa­par­la­ment neue Geset­ze dis­ku­tiert wer­den, die sich auf die Arbeits­kos­ten für pol­ni­sche, rumä­ni­sche oder bul­ga­ri­sche Arbeits­mi­gran­ten aus­wir­ken, dann taucht immer der Ver­dacht des Pro­tek­tio­nis­mus auf. Die west­li­chen Län­der, so die Befürch­tung, woll­ten ihre Unter­neh­men vor ost­eu­ro­päi­scher Kon­kur­renz abschot­ten…“ Bei­trag von Alo­is Ber­ger vom 22.07.2020 beim Deutsch­land­funk externer Link zur EFFAT-Stu­die: EFFAT meat sec­tor report: poor con­di­ti­ons to bla­me for spread of Covid-19 externer Link
  • Schim­mel, Unge­zie­fer und undich­te Dächer… 1900 Fäl­le in Fleisch­in­dus­trie: Schlimms­te Befürch­tun­gen wer­den bestä­tigt 
    Ein Bericht für den Land­tag in NRW zeigt scho­ckie­ren­de Details, wie schlecht Arbei­ter in der Fleisch­in­dus­trie unter­ge­bracht sind: Es geht um Schim­mel, Unge­zie­fer und undich­te Dächer. Erstaun­lich gut sei dage­gen die Lage der Ern­te­hel­fer. Bei einer groß­an­ge­leg­ten Kon­trol­le von 650 Sam­mel- und Gemein­schafts­un­ter­künf­ten oder Werks­woh­nun­gen in Nord­rhein-West­fa­len, in denen ins­ge­samt 5300 Per­so­nen leben, die bei Werk­ver­trags­un­ter­neh­men der Fleisch­wirt­schaft arbei­ten, stell­ten die Prü­fer bis Ende Mai – also noch vor dem Fall Tön­nies – rund 1900 „mitt­le­re und gra­vie­ren­de“ Män­gel fest. „Die Band­brei­te der Bean­stan­dun­gen beginnt bei feh­len­den ein­fa­chen Hygie­ne­maß­nah­men wie feh­len­dem Des­in­fek­ti­ons­mit­tel oder feh­len­den Rei­ni­gungs­plä­nen in Kom­bi­na­ti­on mit Über­be­le­gun­gen“, heißt es in dem Bericht wört­lich. „In extre­men Fäl­len sind Schim­mel­pilz­be­fall, Ein­sturz­ge­fahr, undich­te Dächer, kata­stro­pha­le Sani­tär­ein­rich­tun­gen, Unge­zie­fer­be­fall und Brand­schutz­män­gel fest­ge­stellt wor­den.“ Vier Woh­nun­gen in Güters­loh, Espel­kamp und Bochum muss­ten wegen erheb­li­cher Bau­män­gel sowie Gesund­heits­ge­fah­ren geräumt wer­den. (…) In der Coro­na-Pan­de­mie gilt das Infek­ti­ons­schutz­ge­setz, wes­halb die Behör­den anders als bis­her über­haupt erst die Mög­lich­kei­ten haben, neben den Betrie­ben auch die Unter­künf­te sys­te­ma­tisch unter die Lupe zu neh­men…” Arti­kel von Rei­ner Bur­ger vom 08.07.2020 bei der FAZ online externer Link
  • Das Sys­tem Tön­nies ist das Sys­tem Kapi­tal – Fra­gen und Ant­wor­ten 
    Am 26. Juni 2020 ver­kün­de­te die Land­wirt­schafts­mi­nis­te­rin Julia Klöck­ner auf einem „Fleisch-Gip­fel“ die „Fleisch-Wen­de“. Der Mil­li­ar­där Cle­mens Tön­nies Cle­mens war per Video zuge­schal­tet. Für Klöck­ner gibt es „kei­nen Weg mehr zurück“. Das klingt so, als ob die Poli­tik jetzt durch­grei­fe, eben eine ech­te „Wen­de“ hin­le­ge. Ant­wort: Erneut bewegt sich das, was die Bun­des­re­gie­rung zum Tön­nies- und Fleisch­wirt­schafts-Skan­dal sagt, weit­ge­hend auf einer fal­schen Ebe­ne. Man will beim Ver­brau­cher mit einer „Tier­wohl-Abga­be“ anset­zen. Da fol­gert dann Bild (26.6.): „Fleisch und tie­ri­sche Pro­duk­te könn­ten schon bald teu­rer wer­den. […] Denk­bar wären über eine Ver­brauch­steu­er Auf­schlä­ge von 40 Cent pro Kilo­gramm Fleisch und Wurst, 2 Cent pro Kilo für Milch und Frisch­milch­pro­duk­te.“ Dazu wer­de, so Klöck­ner, auch „der Staat Geld in die Hand neh­men“, um den „tier­ge­rech­ten Umbau der Stal­lun­gen“ mit­zu­fi­nan­zie­ren. Kann man Ker­ker art­ge­recht gestal­ten? Vor allem aber heißt das: Die Ver­ant­wor­tung für all die Schwei­ne­rei­en wird bei den Dis­coun­tern ange­sie­delt. Die soeben ver­kün­de­te Mehr­wert­steu­er­sen­kung soll durch eine neue Ver­brau­cher­steu­er kas­siert wer­den. Dabei sind die Fleisch­kon­zer­ne hoch­pro­fi­ta­bel. Sie müs­sen zur Kas­se gebe­ten wer­den…” Arti­kel von Win­fried Wolf aus dem FaktenCheck:CORONA 2 externer Link
  • Kon­trol­len in Fleisch­in­dus­trie: Schlacht­hö­fe ver­sto­ßen gegen Arbeits­recht /​Nord­rhein-West­fa­len hat die Infek­ti­ons­schutz­vor­schrif­ten für die Fleisch­in­dus­trie ver­schärft 
    • Fleisch­be­trie­be müs­sen Beschäf­tig­te zwei­mal pro Woche tes­ten
      Nord­rhein-West­fa­len hat die Infek­ti­ons­schutz­vor­schrif­ten für die Fleisch­in­dus­trie ver­schärft. In Schlacht­be­trie­ben soll sich das Virus nicht mehr so schnell ver­brei­ten. Fleisch­be­trie­be in Nord­rhein-West­fa­len müs­sen in Zukunft Beschäf­tig­te auf eige­ne Kos­ten min­des­tens zwei­mal pro Woche auf das Coro­na­vi­rus tes­ten. Das teil­te das NRW-Minis­te­ri­um für Arbeit und Gesund­heit mit. Die neue Vor­ga­be gel­te ab 1. Juli für Schlacht­hö­fe, Zer­le­ge­be­trie­be und vor­ran­gig fleisch­ver­ar­bei­ten­de Betrie­be mit mehr als 100 Beschäf­tig­ten und unab­hän­gig davon, ob es sich um eige­ne Beschäf­tig­te oder Werk­ver­trags­neh­mer han­de­le. In der ent­spre­chen­den neu­en All­ge­mein­ver­fü­gung heißt es: “Es dür­fen nur Per­so­nen in der Pro­duk­ti­on ein­ge­setzt wer­den, die min­des­tens zwei­mal pro Woche auf Kos­ten des Betriebs­in­ha­bers auf eine Infek­ti­on mit dem Coro­na­vi­rus SARS-CoV‑2 durch PCR-Ver­fah­ren getes­tet wer­den und dabei ein nega­ti­ves Test­ergeb­nis haben.” Die Aus­wer­tung müs­se durch ein aner­kann­tes Labor erfol­gen, die Test-Nach­wei­se sei­en in dem Betrieb vor­zu­hal­ten. Die Betrie­be wür­den zudem ver­pflich­tet, die Namen und Wohn- bezie­hungs­wei­se Auf­ent­halts­adres­sen sämt­li­cher Per­so­nen auf dem Betriebs­ge­län­de zu erhe­ben und für vier Wochen auf­zu­be­wah­ren, um sie gege­be­nen­falls den Behör­den ver­füg­bar machen zu kön­nen…” Agen­tur­mel­dung vom 27. Juni 2020 in der Zeit online externer Link
    • Fleisch­in­dus­trie: Schlacht­hö­fe ver­sto­ßen gegen Arbeits­recht
      “… Der Zoll hat bei bun­des­wei­ten Kon­trol­len in der Fleisch­in­dus­trie erheb­li­che Ver­stö­ße gegen das Arbeits­recht fest­ge­stellt. In mehr als 600 Fäl­len prü­fe die Finanz­kon­trol­le Schwarz­ar­beit des Zolls der­zeit, ob Straf­ta­ten oder Ord­nungs­wid­rig­kei­ten vor­lie­gen, sag­te der Lei­ter der Behör­de, Tino Igel­mann, der Welt. Bis­lang habe die Behör­de des­halb 21 Straf­ver­fah­ren und 15 Ord­nungs­wid­rig­keits­ver­fah­ren ein­ge­lei­tet. Rechts­ver­stö­ße sei­en bei gro­ßen, nam­haf­ten Unter­neh­men eben­so auf­ge­fal­len wie bei mit­tel­stän­di­schen Fir­men, sag­te Igel­mann. Es gehe um Schwarz­ar­beit, Urkun­den­fäl­schun­gen, ille­ga­len Auf­ent­halt von Arbei­tern in Deutsch­land und Ver­let­zun­gen der Auf­sichts­pflicht. Für die Schwer­punkt­prü­fung kon­trol­lier­ten dem Bericht zufol­ge rund 1.400 Beam­te die Arbeits­be­din­gun­gen der Arbei­ter in 150 Betrie­ben der fleisch­ver­ar­bei­ten­den Indus­trie. Auch Mit­ar­bei­ter kom­mu­na­ler Gesund­heits- und Arbeits­schutz­be­hör­den waren dem­nach betei­ligt. Zum Teil sei zudem die Unter­brin­gung von Mit­ar­bei­tern in Mas­sen­un­ter­künf­ten über­prüft wor­den…“ Agen­tur­mel­dung vom 26.06.2020 in der Zeit online externer Link
  • DGB-Vor­stand Piel kri­ti­siert “Fleisch­gip­fel” als Show-Ver­an­stal­tung /​Der Fall Tön­nies und das aso­zia­le EUro­pa 
    • DGB-Vor­stand Piel kri­ti­siert “Fleisch­gip­fel” als Show-Ver­an­stal­tung
      DGB-Vor­stand Anja Piel kri­ti­siert den für heu­te ein­be­ru­fe­nen “Fleisch­gip­fel” von Bun­des­land­wirt­schafts­mi­nis­te­rin Julia Klöck­ner als Show-Ver­an­stal­tung. Erst auf Nach­ha­ken und in letz­ter Minu­te sei­en Ver­tre­ter der Beschäf­tig­ten ein­ge­la­den wor­den. “In jedem Fall set­zen wir dar­auf, dass das Ver­bot von Werk­ver­trä­gen und Leih­ar­beit in der Fleisch­wirt­schaft end­lich kommt”, so Piel. “Die Zahl der Beschäf­tig­ten, die sich in Fleisch­be­trie­ben mit Covid 19 ange­steckt haben, steigt täg­lich. Die Bun­des­land­wirt­schafts­mi­nis­te­rin lädt aber zu einem Spit­zen­tref­fen ein, zu dem erst auf Nach­ha­ken in letz­ter Minu­te Ver­tre­ter der Beschäf­tig­ten dazu gebe­ten wer­den”, so Piel gegen­über der Neu­en Osna­brü­cker Zei­tung. “Offen­bar ist Frau Klöck­ner nur an einer Show-Ver­an­stal­tung inter­es­siert, bei der die nach­hal­ti­ge Ver­bes­se­rung der Arbeits­be­dinu­gun­gen der Beschäf­tig­ten der Bran­che eben nicht im Vor­der­grund steht. Dar­auf kommt es aber an.” “Ob das Ende der Aus­beu­tung tat­säch­lich zu höhe­ren Fleisch­prei­sen führt, oder ein­fach nur dazu, dass weni­ger Sub­un­ter­neh­men an der Aus­beu­tung ver­die­nen, ist noch nicht geklärt”, so Piel wei­ter. “In jedem Fall set­zen wir dar­auf, dass das Ver­bot von Werk­ver­trä­gen und Leih­ar­beit in der Fleisch­wirt­schaft end­lich kommt. Die Eck­punk­te des Bun­des­ar­beits­mi­nis­ters müs­sen schnell und rechts­si­cher umge­setzt wer­den. Dafür müs­sen sich auch Frau Klöck­ner und der Wirt­schafts­flü­gel der Uni­on ein­set­zen.” Zur Ankün­di­gung meh­re­rer Unter­neh­men der Fleisch­in­dus­trie, künf­tig auf Werk­ver­trä­ge ver­zich­ten wol­len, sag­te Piel: “Das sind Nebel­ker­zen. Ankün­di­gun­gen und Ver­spre­chen gab es bereits genug. Das haben wir alles schon ein­mal gehört – pas­siert ist jedoch nichts. An einer gesetz­li­chen Rege­lung gegen Werk­ver­trä­ge in der Fleisch­in­dus­trie führt nichts vor­bei. Nur so bekom­men wir die Pro­ble­me ansatz­wei­se in den Griff, die durch jah­re­lan­gen Miss­brauch ent­stan­den sind.”” DGB-Pres­se­mit­tei­lung vom 26.06.2020 externer Link
    • Der Fall Tön­nies und das aso­zia­le EUro­pa
      Wenn es um den Fall Tön­nies geht, dann ist die EU noch lang­sa­mer als das Land NRW. Erst jetzt beginnt sich Brüs­sel für den Skan­dal zu inter­es­sie­ren – doch Taten las­sen wei­ter auf sich war­ten. Das “sozia­le Euro­pa” bleibt ein lee­res Ver­spre­chen. (…) Das zugrun­de­lie­gen­de sozia­le Pro­blem – die sys­te­ma­ti­sche Aus­beu­tung und “Lager­hal­tung” von Leih­ar­bei­tern aus Rumä­ni­en und Bul­ge­ri­en – streif­ten die Euro­pa-Par­la­men­ta­ri­er nur am Ran­de. Immer­hin hat sich dazu nun EU-Sozi­al­kom­mis­sar Nico­las Schmit geäu­ßert. “Sai­son­ar­bei­ter müs­sen gleich­be­rech­tigt zu allen ande­ren Arbeits­kräf­ten behan­delt wer­den”, sag­te Schmit dem “Spie­gel” externer Link. Wenn sie unter die EU-Ent­sen­de­richt­li­nie fie­len, sei ihre Situa­ti­on ein­deu­tig: “Glei­cher Lohn für glei­che Arbeit am glei­chen Ort.” Soll­te dage­gen ver­sto­ßen wer­den, kön­ne es Ver­trags­ver­let­zungs­ver­fah­ren geben. Aller­dings ist dies kei­ne “Dro­hung”, wie der “Spie­gel” behaup­tet. Denn wie das Blatt selbst schreibt, fällt der Fall womög­lich gar nicht unter die Ent­sen­de­richt­li­ne. (…) Von der Ley­en hat bis­her auch nichts getan, um die Sozi­al­agen­da vor­an­zu­trei­ben, die sie von ihrem Amts­vor­gän­ger Jean-Clau­de Juncker geerbt hat. Im Gegen­teil. Unter dem faden­schei­ni­gen Hin­weis auf Coro­na wur­de die­se Agen­da ver­tagt, Sozi­al­kom­mis­sar Schmit wur­de aus­ge­bremst. Dabei schreit gera­de Coro­na nach Sozi­al­po­li­tik, wie der Fall Tön­nies zeigt. (…) Und es geht dar­um, ost­eu­ro­päi­sche Län­der wie Bul­ga­ri­en oder Rumä­ni­en end­lich als voll­wer­ti­ge EU-Mit­glie­der zu behan­deln, und nicht als “Stand­or­te” für ein Reser­ve­heer von Bil­lig­ar­bei­tern. Der Fall Tön­nies hat ein “aso­zia­les EUro­pa” offen­bart – wann greift Brüs­sel end­lich durch?Kom­men­tar von Erc Bon­se vom 25. Juni 2020 in sei­nem Blog Losti­nEU externer Link
  • Berich­te aus Deutsch­land: EU-Sozi­al­kom­mis­sar „ent­setzt“ über Miss­stän­de in Schlacht­hö­fen 
    “EU-Sozi­al­kom­mis­sar Nico­las Schmit hat sich ent­setzt über die Miss­ach­tung von Arbeit­neh­mer­rech­ten in deut­schen Fleisch­fa­bri­ken geäu­ßert. Falls nötig wer­de man mit einer neu­en Richt­li­nie ein­grei­fen (…) Das Pro­blem gebe es aber nicht nur in Deutsch­land, son­dern bei­spiels­wei­se auch bei Sai­son­ar­bei­tern in Süd­eu­ro­pa. (…) „Wir müs­sen also sehen: Brau­chen wir eine Richt­li­nie – da bin ich ganz dafür – oder müs­sen wir nur ein­fach sicher­stel­len, dass sich Sozi­al­recht und Arbeits­recht auf die­se Men­schen appli­ziert und dass Kon­trol­len statt­fin­den“, sag­te Schmit. „Das wer­den wir sehr eng ver­fol­gen und auch sehen, dass es hier kei­nen arbeits­recht­li­chen Leer­raum geben darf. Das sage ich für Deutsch­land, das sage ich aber auch für alle ande­ren Mit­glieds­staa­ten, die vie­le Sai­son­ar­bei­ter haben.“ Agen­tur­mel­dung vom 15.6.2020 in der FAZ online externer Link – abwar­ten….
  • Schlacht­hof-Ver­trä­ge teil­wei­se rechts­wid­rig /​Armes Schwein – „Sau­bil­lig“: Preis­krieg ums Fleisch von Aldi, Lidl & Co. /​… 
    • Schlacht­hof-Ver­trä­ge teil­wei­se rechts­wid­rig
      “… Arbeits­ver­trä­ge, die dem NDR Schles­wig-Hol­stein vor­lie­gen, zei­gen, wie streng der Arbeit­ge­ber die Ver­schwie­gen­heits­pflicht defi­niert: “Die Ver­schwie­gen­heits­pflicht erstreckt sich auch auf die in die­sem Arbeits­ver­trag getrof­fe­ne Ver­gü­tungs­ver­ein­ba­rung sowie die Ein­zel­hei­ten des Ver­tra­ges.” Heißt: Ein Arbeit­neh­mer darf nicht über sei­nen Arbeits­ver­trag spre­chen – oder sich Rat holen, etwa von einem Anwalt oder einer Gewerk­schaft. Pro­fes­so­rin Chris­tia­ne Brors vom Insti­tut für Arbeits­recht an der Uni Olden­burg sagt: “Das ist alles rechts­wid­rig, so weit­ge­hen­de Rech­te hat der Arbeit­ge­ber nicht.” Sie meint, die Klau­sel sei dar­auf ange­legt, den Arbeit­neh­mer ein­zu­schüch­tern. Denn er ver­liert ein Monats­ein­kom­men – das als Scha­den­er­satz an den Arbeit­ge­ber geht. DSZ teilt auf Anfra­ge schrift­lich mit, eine sol­che Ver­schwie­gen­heits­pflicht sei nicht rechts­wid­rig. Der Mit­ar­bei­ter kön­ne sich selbst­ver­ständ­lich Rat bei einem Rechts­an­walt ein­ho­len. Außer­dem gebe es die Mög­lich­keit, im Betrieb anonym Kri­tik zu äußern. Doch auch Dr. Cle­mens Lat­zel vom Mün­che­ner Zen­trum für Arbeits­be­zie­hun­gen und Arbeits­recht sieht Ein­schüch­te­rungs­ten­den­zen in dem Pas­sus: Denn die Ver­schwie­gen­heits­pflicht sei zu pau­schal for­mu­liert – und damit unwirk­sam, so Lat­zel. (…) Die bei­den Mit­ar­bei­ter hat­ten gehofft, für den har­ten Job im Schlacht­hof gut bezahlt zu wer­den. Doch auch hier wur­den sie offen­bar ent­täuscht. In den Arbeits­ver­trä­gen, die dem NDR Schles­wig-Hol­stein vor­lie­gen, ist die Rede von einer Wochen­ar­beits­zeit von 40 bis 50 Stun­den. Bei­de Mit­ar­bei­ter berich­ten, dass sie in der Regel deut­lich län­ger arbei­ten. “Wir haben noch nie so weni­ge Stun­den gemacht. Von Mon­tag bis Frei­tag zwölf Stun­den pro Tag. Das sind 60 Stun­den. Nor­ma­ler­wei­se.” Und: bezahlt bekä­men sie die Über­stun­den nicht, berich­ten sie. Die Fol­ge: Der Min­dest­lohn wird zwar auf dem Papier ein­ge­hal­ten – tat­säch­lich gezahlt wird er aber nicht. “Natür­lich arbei­ten wir unter Min­dest­lohn”, sagt einer der Arbei­ter. “Das ist ein Unding”, fin­det die Arbeits­recht­le­rin Brors. “Das ist letzt­lich Aus­beu­tung. Das ist ein Rück­fall in früh­ka­pi­ta­lis­ti­sche Zei­ten.” (…) Der Schlacht­hof­be­trei­ber Vion teil­te auf unse­re Anfra­ge mit, dass er von Über­schrei­tung von Arbeits­zei­ten und nicht gezahl­ten Über­stun­den kei­ne Kennt­nis habe. Für Arbeits­recht­le­rin Brors sind die Arbeits­be­din­gun­gen bei DSZ den­noch “eine Art moder­ner Skla­ve­rei.”  Bei­trag von Con­stan­tin Gill, Chris­ti­an Scheps­mei­er, Phil­ipp Eggers vom 09.06.2020 bei NDR1 externer Link, sie­he auch: Eine Art “moder­ner Skla­ve­rei”? externer Link
    • Armes Schwein – „Sau­bil­lig“: Preis­krieg ums Fleisch von Aldi, Lidl & Co.
      “Nur weni­ge Tage nach­dem bei West­fleisch in Coes­feld Hun­der­te Mit­ar­bei­ter posi­tiv auf Covid-19 getes­tet wur­den und die Pres­se (zum wie­der­hol­ten Mal!) über die skan­da­lö­sen Bedin­gun­gen in vie­len deut­schen Fleisch­fa­bri­ken berich­te­te, star­te­te Aldi eine neue Preis­run­de. Unge­ach­tet der neu­er­li­chen Dis­kus­si­on um die Fleisch­bran­che for­dert Aldi rasche Preis­sen­kun­gen beim Schwei­ne­fleisch. Pas­send zur Eröff­nung der Grill­sai­son wird also Bil­lig­fleisch auf den Markt gewor­fen. Dies sei schließ­lich ganz im Inter­es­se der Ver­brau­cher, argu­men­tie­ren die Händ­ler. Der Deut­sche brut­zelt nun mal ger­ne, er gibt viel Geld aus für sei­nen Grill, und mög­lichst wenig für das was oben drauf kommt. Haupt­sa­che bil­lig. Stimmt das? Wol­len die Deut­schen wirk­lich immer mehr Bil­lig­fleisch – auf Teu­fel komm raus? Geht es Aldi, Lidl & Co. tat­säch­lich dar­um den „König Kun­de“ mit Tief­prei­sen zu ver­wöh­nen. Oder geht es ihnen um ganz ande­re, weni­ger noble Zie­le? Wel­chen „Preis“ hat die­ses bil­li­ge Fleisch eigent­lich? Betrof­fen sind ja nicht nur die armen Schwei­ne in den Mast­fa­bri­ken und die Arbei­ter bei Tön­nies, Vion, West­fleisch & Co. Betrof­fen sind letzt­end­lich auch die Ver­brau­cher, denn der Ver­zehr von bil­lig pro­du­zier­tem Fleisch ist alles ande­re als gesund­heits­för­dernd… (…) Mit­ver­ant­wort­lich für die Miss­stän­de sind die Gro­ßen Vier des Lebens­mit­tel­han­dels: Aldi, Lidl, Ede­ka und Rewe. Zusam­men kon­trol­lie­ren sie 85 Pro­zent des gesam­ten Lebens­mit­tel-Ein­zel­han­dels. Mit ihrer enor­men Nach­fra­ge­macht beherr­schen sie die gesam­te Lie­fer­ket­te, set­zen Zulie­fe­rer und Her­stel­ler mas­siv unter Druck und sen­ken so die Ein­kaufs­prei­se. Es geht ihnen – im wahrs­ten Sin­ne des Wor­tes – um die Wurst! Näm­lich dar­um, ihren Markt­an­teil noch wei­ter aus­zu­bau­en. Das wich­tigs­te Instru­ment dabei ist der Preis. Aldi und Lidl kämp­fen um die Preis­füh­rer­schaft im Dis­count­seg­ment. Ein wich­ti­ges „Kampf­feld“ ist Fleisch, und bil­li­ge Schnit­zel und sau­bil­li­ge Brat­würs­te sind die Lock­vö­gel. Die Fol­gen für Drit­te inter­es­sie­ren dabei recht wenig! Die Abläu­fe sind immer die glei­chen: Einer prescht vor, die drei ande­ren zie­hen nach. Eine neue Run­de im Preis­krieg ist damit eröff­net. Das Ziel ist Markt­an­tei­le zu gewin­nen. Ein Mit­tel dabei ist Bil­lig­fleisch. Händ­ler schie­ben ger­ne den Ver­brau­cher vor, die­ser ver­lan­ge halt nach die­sen bil­li­gen Ange­bo­ten. Aber nicht der Kun­de macht den Preis, son­dern Aldi, Lidl & Co. Und sie sind auch ver­ant­wort­lich für die Fol­gen die­ser Poli­tik! Dum­ping­wett­be­werb über Fleisch­wa­ren ist eine Schwei­ne­rei. Sol­che Preis­krie­ge fin­den auf dem Rücken von Mensch und Tier statt. Zu guter Letzt: Es ist wohl kein Zufall, dass die drei Reichs­ten hier­zu­lan­de Eigen­tü­mer von Aldi-Nord, Aldi-Süd und Lidl sind. Die bei­den Aldi-Stäm­me und Die­ter Schwarz (Lidl) haben zusam­men ein Ver­mö­gen von über 70 Mil­li­ar­den US-Dol­lar ange­häuft (for­bes-Lis­te 2020). Ein Rie­sen­ver­mö­gen, ent­stan­den durch schar­fes Kos­ten­ma­nage­ment, bru­ta­len Ver­drän­gungs­wett­be­werb und stän­di­ge Preis­krie­ge. Die nega­ti­ven Fol­gen tra­gen die Ande­ren! Ein Teil die­ses gigan­ti­schen Ver­mö­gens ist dadurch ent­stan­den, dass Fleisch (und somit Tie­re) regel­recht ver­ramscht wer­den. So kann es nicht wei­ter­ge­hen! Die Preis­krie­ge zu Las­ten von Mensch und Tier müs­sen auf­hö­ren. Höchs­te Zeit, dass die super­rei­chen Dis­count-Köni­ge auch ein­mal etwas Gutes tun! Zum Wohl von Tier und Mensch. Wäre das nicht eine sau­gu­te Idee!“ Bei­trag von Jür­gen Glau­bitz vom Juni 2020 bei ver.di Han­del NRW externer Link
    • Auf der Stre­cke bleibt der Mensch
      “„Und an man­chen Tagen drin­gen durch die­se klei­nen Öff­nun­gen auch mal ein paar Son­nen­strah­len ins Inne­re. Dann, wenn im schles­wig-hol­stei­ni­schen Flach­land die Son­ne ihre Kraft ent­fal­ten kann. Viel­leicht kit­zelt in solch einem Moment einer der Strah­len eine der Schweins­na­sen ein ers­tes und gleich­zei­tig letz­tes Mal, bevor das Tier wenig spä­ter als Schlacht­vieh endet, als Zahl der täg­li­chen Schlacht­quo­te.“ Ein Arti­kel über die Arbeits- und Lebens­be­din­gun­gen in Schlacht­hö­fen unter dem Dik­tat der Pro­fit­lo­gik im Neo­li­be­ra­lis­mus. Ein „Schwei­ne­sys­tem“, das es schafft, Mensch und Tier glei­cher­ma­ßen unwür­dig zu behan­deln…” Arti­kel von Eri­ka Har­zer vom 12.6.2020 bei Hin­ter den Schlag­zei­len externer Link
    • Coro­na und die Fleisch-Indus­trie
      Stu­die von Wieb­ke Claus­sen vom 3.6.2020 bei Eine Welt Netz externer Link
  • Kund­ge­bung am Sams­tag, den 6.6. in Kiel: “Aus­beu­tung und unwür­di­ge Arbeits­be­din­gun­gen” in Coro­na­zei­ten – Bericht und Fotos 
    Die Grund­pro­ble­me sind nicht neu und die Arbeits­be­din­gen in den Schlacht­hö­fen sind bereits seit Jah­ren bekannt, doch vie­les ver­schärft sich wäh­rend der Pan­de­mie und rückt in den Fokus des öffent­li­chen Inter­es­ses. Kiel wur­de als Ort des Pro­tests gewählt, weil die Lan­des­re­gie­rung SH 2019 die skan­da­lö­sen Zustän­de an den Schlacht­hö­fen durch den Ver­zicht auf Kon­trol­len ermög­licht hat, wäh­rend im glei­chen Jahr bei Kon­trol­len in NRW in 30 Schlacht­hö­fen in 26 Betrie­ben gra­vie­ren­de Arbeits­schutz­män­gel auf­ge­deckt wur­den. Des­halb lau­tet eine unse­rer zen­tra­len For­de­run­gen, dass es nicht genügt, die Ver­bes­se­rung der Arbeits­be­din­gun­gen erst zum 1.1.2021 umzu­setz­ten, son­dern es sofort gesche­hen muß! Die bekannt gewor­de­nen Arbeits- und Wohn­be­din­gun­gen der Schlacht­hof­be­schäf­tig­ten sind nicht nur unwür­dig, son­dern ins­be­son­de­re in Cor­na­zei­ten lebens­be­droh­lich. Der Schutz der ost­eu­ro­päi­schen Arbeits­kräf­te darf nicht war­ten. Die öffent­li­che Dis­kus­si­on und die poli­ti­schen Kon­se­quen­zen betref­fen fast aus­schließ­lich die Schlacht­be­trie­be, obwohl bei den Ern­te­hel­fern, den migan­ti­schen Beschäf­tig­ten der Bau­in­dus­trie, der Logis­tik und auch im Pfle­ge­be­reich skan­dlö­se Bedin­gun­gen herr­schen. Wir for­dern das Ver­bot der Werk­ver­trä­ge und Leih­ar­beit auf wei­te­re Bran­chen aus­zu­wei­ten und ins­ge­samt pre­kä­re Arbeits­ver­hält­nis­se abzu­schaf­fen, indem das für die Schlacht­hö­fe gesetz­te Ziel “ein Betrieb – eine Beleg­schaft!” für die gesam­te Wirt­schaft zu gel­ten hat und damit Solo­selbst­stän­dig­keit, Out­sor­cing und dem Sys­tem der Sub-Sub­un­ter­neh­men dem Boden ent­zo­gen wird. In den Rede­bei­trä­gen kom­men Betrof­fe­ne und Akti­vis­ten zu Wort. Neben den Kampf um die Arbeits­be­din­gun­gen auf den Schlacht­hö­fen, wird es auch um die Pfle­ge­bran­che, um die Logis­tik und um Migra­ti­on und Ras­sis­mus gehen. Pro­test­kund­ge­bung am 6.6. ab 14°° auf dem Asmus-Bre­mer-Platz, Kiel (10 min zu Fuß vom HBF). Sie­he auch Infos bei Jour Fixe der Gewerk­schafts­lin­ke Ham­burg externer Link und neu:
  • Kri­tik von EU-Gewerk­schaf­ten: Deut­sche Fleisch­in­dus­trie als Job­kil­ler
    “Als die Bun­des­re­gie­rung ankün­dig­te, Werk­ver­trä­ge in Schlacht­be­trie­ben abzu­schaf­fen, droh­ten die Her­stel­ler, ins EU-Aus­land abzu­wan­dern. Doch Deutsch­land hat mit sei­nen Bil­lig­löh­nen dort Jobs ver­nich­tet, sagen Kri­ti­ker. Auf dem Höhe­punkt der Coro­na-Kri­se, als in deut­schen Schlacht­hö­fen Hun­der­te Arbei­ter infi­ziert wur­den, woll­te Kris­t­jan Bra­ga­son wis­sen, ob die Arbeits­ver­hält­nis­se auch in ande­ren EU-Län­dern so schlimm sind. Bra­ga­son ist Gene­ral­se­kre­tär des Euro­päi­schen Gewerk­schafts­ver­ban­des für den Bereich Ernäh­rung und Land­wirt­schaft. Fast über­all gehe es bes­ser zu als in deut­schen Schlacht­hö­fen, so lau­te­te die Ant­wort aus den natio­na­len Ver­bän­den. Aber es kam auch noch eine ande­re kri­ti­sche Rück­mel­dung: “Vie­le unse­rer Mit­glie­der kri­ti­sie­ren hef­tig die Art, wie Deutsch­land gehan­delt hat”, sagt Bra­ga­son. Mit Dum­ping­löh­nen sei­en Jobs in vie­len Nach­bar­län­dern zer­stört und nach Deutsch­land geholt wor­den. Vie­le Jobs gin­gen in Län­dern wie Bel­gi­en, Frank­reich, den Nie­der­lan­den und Däne­mark ver­lo­ren. (…) Dass die reichs­te Volks­wirt­schaft Euro­pas in der Fleisch­wirt­schaft ein Bil­lig­lohn­land ist, ärgert nicht nur den euro­päi­schen Gewerk­schafts­ver­band. “Deutsch­land hat eine extre­me Situa­ti­on an den Schlacht­hö­fen im euro­päi­schen Ver­gleich, das muss man wirk­lich sagen”, sagt der Euro­pa­ab­ge­ord­ne­te Mar­tin Häus­ling. (…) Vor allem beim Schwei­ne­fleisch hat die deut­sche Nied­rig­preis­po­li­tik den Markt in Euro­pa ver­än­dert. In den letz­ten 20 Jah­ren stieg die Zahl der Schlach­tun­gen in Deutsch­land um fast die Hälf­te. Gleich­zei­tig ging sie in ande­ren Län­dern zurück. Das hat nicht nur eine Markt­kon­zen­tra­ti­on auf weni­ge gro­ße Fir­men zur Fol­ge, mit dem Markt­füh­rer Tön­nies an der Spit­ze…“ Bei­trag von Hel­ga Schmidt vom 03.06.2020 bei tages​schau​.de externer Link, wir erin­nern an den Bei­trag von 2016: Deut­sche Fleisch­in­dus­trie – das Schmud­del­kind Euro­pas
  • Coro­na in deut­schen Schlacht­hö­fen! Zustän­de jetzt plötz­lich ein Skan­dal! Und in den letz­ten Jahr­zehn­ten war alles in Ord­nung?? 
    “… Zu dem Buch gab es seit 2006 etli­che Ver­an­stal­tun­gen und Lesun­gen, so auch am 15.11.2012 eine Podi­um­dis­kus­si­on in Olden­burg mit Mat­thi­as Brüm­mer von der NGG Olden­burg, wo der Saal mit 300 Plät­zen bei wei­tem nicht aus­reich­te. Wo Adri­an Peter bedau­er­te „dass sich trotz jah­re­lan­ger Debat­te die Ver­hält­nis­se in der Bran­che seit dem Erschei­nen sei­nes Buchs „Die Fleisch­ma­fia“ 2006 kaum ver­än­dert hät­ten“. Adri­an Peter hat­te 2006 schon einen Doku-Film gedreht: Die Fleisch-Mafia. (aus­ge­strahlt im WDR). Seit 2013 ist Pfar­rer Peter Kos­sen, zusam­men mit sei­nem Bru­der, dem Arzt Flo­ri­an Kos­sen aktiv gegen die Zustän­de der Fleisch-Indus­trie, gegen das Werk­ver­trags­sys­tem mit sei­nem Sub­un­ter­neh­mer­tum. Auch schon in 2013 hat Inge Bult­sch­nie­der, zusam­men mit eini­gen Mit­strei­te­rIn­nen in Rhe­da-Wie­den­brück, dem Sitz des Tön­nies-Kon­zerns, die Initia­ti­ve gegrün­det: IG Werk­fair­ver­trä­ge. In Güters­loh (direkt angren­zend an Rhe­da-Wie­den­brück), ent­stand 2017 das „Bünd­nis gegen die Tön­nies-Erwei­te­rung“. In Kel­ling­hu­sen (Hol­stein) gibt es seit 2016 die Initia­ti­ve Saustar­kes Kel­ling­hu­sen gegen den Kon­zern Tön­nies, der dort die Schlach­te­rei Thom­sen auf­ge­kauft hat­te und den Betrieb ver­grö­ßer­te. 2018 ent­stand eben­falls in Kel­ling­hu­sen der Stütz­kreis, der es sich zum Ziel mach­te, die Arbeits- und Lebens­ver­hält­nis­se der Werk­ver­trags­ar­bei­te­rIn­nen bei Tön­nies zu ver­bes­sern. Alle die­se Initia­ti­ven und Per­so­nen skan­da­li­sier­ten die Zustän­de bei Tön­nies und in den Groß­schlach­te­rei­en, vor Ort und all­ge­mein. Am wirk­sams­ten war wohl Pfar­rer Peter Kos­sen mit sei­ner kla­ren und schar­fen Kri­tik am Sys­tem Tön­nies – er bewirk­te eini­ge Auf­merk­sam­keit. (…) Cle­mens Tön­nies reagier­te nach der aktu­el­len Stun­de im Bun­des­tag prompt! Man konn­te sehr ver­blüfft sein, als man beim WDR am 15.5. von einem Rai­ner Striew­ski in einem Arti­kel „Locke­run­gen nun auch im Kreis Coes­feld“ ganz neben­bei im letz­ten Satz erfuhr: „Cle­mens Tön­nies habe sich laut Lau­mann in einem Brief auch für die Abschaf­fung der Werk­ver­trä­ge aus­ge­spro­chen – wenn die Rege­lung für alle gel­te“. Was bezweckt Cle­mens Tön­nies mit sei­ner Kehr­wen­dung um 180°? Mit sei­nem frü­he­ren Weg, der Selbst­ver­pflich­tung der Schwei­ne­ba­ro­ne von 2014/​15 ist er ja gut durch­ge­kom­men. Sie brauch­ten nichts lie­fern, konn­ten aber immer auf die Selbst­ver­pflich­tung ver­wei­sen. Und spe­zi­ell Cle­mens Tön­nies bot, immer wenn Kri­tik auf­kam, Run­de Tische an. Mit mehr oder weni­ger Erfolg. Er setz­te erfolg­reich auf Zeit! Der Coro­na-Virus und die Infi­zie­rung in den Schlacht­hö­fen mach­ten ihm einen Strich durch die bis­he­ri­ge Rech­nung, die er zwei­fel­los noch etli­che Jah­re fort­ge­setzt hät­te. Die mas­sen­haf­ten Coro­na-Fäl­le in etli­chen Schlacht­hö­fen wur­den Medi­en­er­eig­nis­se, am 13.5. im Bun­des­tag behan­delt. Jetzt schal­te­te er blitz­schnell um, es zeigt sich, daß er nicht umsonst der Pri­mus der Schwei­ne­ba­ro­ne ist! Den Bür­ge­rIn­nen der Repu­blik wer­den inner­halb weni­ger Tage Begrif­fe wie Werk­ver­trags­sys­tem und Sub­un­ter­neh­mer sehr geläu­fig, die Aus­brei­tung von Coro­na wird dar­auf zurück­ge­führt. Vie­le Abge­ord­ne­te von SPD, Grü­nen, Links­par­tei, CDU spre­chen sich gegen das Werk­ver­trags­sys­tem aus, bis hin zur Abschaf­fung. Tön­nies bezweckt zwei­er­lei: Ein­mal will er das The­ma, die Zustän­de in der Fleisch-Indus­trie, mög­lichst schnell aus der media­len Schuß­li­nie neh­men, zwei­tens will er mit am Tisch bei der Model­lie­rung des Werk­ver­trags­ge­set­zes für die Fleisch­in­dus­trie sit­zen. Denn er weiß natür­lich, daß es zu einem Kom­pro­miß kommt, trotz der radi­ka­len Sprü­che eini­ger Poli­ti­ker oder Minis­ter. Und er strebt natür­lich an, daß die gro­ßen Fleisch-Kon­zer­ne bei dem Kom­pro­miß bes­ser weg­kom­men als die klei­ne­ren Schlach­te­rei­en. Das nennt man Markt­be­rei­ni­gung. Ist Tön­nies doch gera­de bestä­tigt wor­den, daß er sys­tem­re­le­vant sei!…“ Bei­trag von Die­ter Weg­ner vom 23.05.2020 bei Jour Fix-Gewerk­schafts­lin­ke Ham­burg externer Link
  • Risi­ko­grup­pe Dienst­leis­tungs­pro­le­ta­ri­at. Das Geschäfts­mo­dell der sechs gro­ßen Fleisch­kon­zer­ne ist die Aus­beu­tung. Dass das Seu­chen­aus­brei­tung beför­dert, weiß man seit 150 Jah­ren
    “Vom Après-Ski in den Maschi­nen­raum: Die Hot­spots der Coro­na-Pan­de­mie ver­la­gern sich. Fast 1.000 Fäl­le in Schlacht­hö­fen, 80 in einem Paket­zen­trum bei Heins­berg, knapp 70 im Ama­zon-Ver­sand­la­ger bei Ham­burg. Wäh­rend sich die Öffent­lich­keit über ihr Frei­zeit­ver­hal­ten die Köp­fe heiß­re­det, wird lang­sam klar, dass ein schnell wach­sen­der Teil der Infek­tio­nen einen direk­ten Bezug zu Arbeits­platz und Wohn­si­tua­ti­on hat. (…) Auf die Spit­ze getrie­ben wur­de die­ses Modell von der Fleisch­in­dus­trie. Sechs gro­ße Kon­zer­ne beherr­schen den deut­schen Markt – zwei Drit­tel ihrer rund 90.000 Beschäf­tig­ten wer­den aus Ost­eu­ro­pa ange­wor­ben, oft von dubio­sen Sub­un­ter­neh­mern: Zer­le­ge­ko­lon­nen, die im Akkord Schwerst­ar­beit leis­ten und weder in den Schlacht­hö­fen noch in ihrer deso­la­ten Wohn­si­tua­ti­on grund­le­gen­de Hygie­ne­re­geln ein­hal­ten kön­nen. Ein Ver­säum­nis? Nein: Das Geschäfts­mo­dell der gro­ßen Fleisch­kon­zer­ne ist genau dar­auf gegrün­det. Den poli­tisch Ver­ant­wort­li­chen in Bund und Län­dern ist die Situa­ti­on seit vie­len Jah­ren bekannt. Doch statt ver­bind­li­che Schutz­stan­dards zu erlas­sen, setz­te man lie­ber auf Selbst­ver­pflich­tun­gen der Indus­trie. Jetzt ist die Auf­re­gung groß – aber nur, weil plötz­lich gan­ze Land­krei­se von Aus­gangs­sper­ren bedroht sind. Ob es zum gro­ßen „Auf­räu­men“ kommt, wie SPD-Bun­des­ar­beits­mi­nis­ter Huber­tus Heil ange­kün­digt hat, wird sich zei­gen. Denn es geht um viel mehr als nur die beson­ders wider­li­che Fleisch­bran­che: Auch auf Groß­bau­stel­len, in Agrar­in­dus­trie und Logis­tik­zen­tren dro­hen wei­te­re Aus­brü­che. Deutsch­lands Dienst­leis­tungs­pro­le­ta­ri­at ist eine Risi­ko­grup­pe…“ Arti­kel von Jörn Boewe vom 23.05.2020 im Frei­tag online externer Link
  • Soli­da­ri­tät mit den Arbeiter*innen in der Tier­in­dus­trie! Auf­ruf vom Bünd­nis Gemein­sam gegen die Tier­in­dus­trie zu bun­des­wei­ten Akti­ons­ta­gen vom 28.–31. Mai 
    Vom Don­ners­tag 28. bis Sonn­tag 31. Mai set­zen wir ein Zei­chen. Ein Zei­chen der Soli­da­ri­tät mit den Schlachtfabrikarbeiter*innen, aber auch allen ande­ren Arbeiter*innen, die für die Gewin­ne eini­ger weni­ger unter wid­rigs­ten Umstän­den arbei­ten müs­sen. Und wir set­zen ein Zei­chen unse­res Pro­tes­tes gegen die hem­mungs­lo­se Aus­beu­tung von Tie­ren und der Natur im Namen des Pro­fits. Mit krea­ti­ven Aktio­nen vor Schlacht­hö­fen und an öffent­li­chen Orten wer­den wir auf die Situa­ti­on der Arbeiter*innen auf­merk­sam machen. Wir wer­den dabei auf unse­rer aller Gesund­heit ach­ten und Hygie­ne­maß­nah­men ein­hal­ten, aber nichts­des­to­trotz unse­re Spu­ren im öffent­li­chen Raum hin­ter­las­sen. Mit unse­ren Aktio­nen ver­deut­li­chen wir, dass jetzt fol­gen­de Sofort­maß­nah­men drin­gend erfor­der­lich sind: Die Tier­in­dus­trie muss her­un­ter­ge­fah­ren wer­den, um eine wei­te­re Anste­ckun­gen mit Coro­na zu ver­mei­den. Die Arbeiter*innen müs­sen bei Betriebs­schlie­ßun­gen finan­zi­ell, sozi­al und gesund­heit­lich abge­si­chert wer­den – auf Kos­ten der Kon­zer­ne. Den Arbeiter*innen muss, nicht nur jetzt, Wohn­raum bereit­ge­stellt wer­den, der eine wür­di­ge und den Erfor­der­nis­sen der Coro­na-Situa­ti­on genü­gen­de Unter­brin­gung ermög­licht, z.B. in Hotels, Feri­en­woh­nun­gen oder leer­ste­hen­den Woh­nun­gen. Doch die Arbeiter*innen sind nicht nur in Zei­ten von Coro­na kras­sen Bedin­gun­gen aus­ge­setzt. Viel­mehr wer­den die Arbeiter*innen von der Tier­in­dus­trie im Sin­ne der Pro­fit­ma­xi­mie­rung bis zum Äußers­ten aus­ge­beu­tet. Es braucht ein Ende der pre­kä­ren Anstel­lung der Arbeiter*innen und damit eine Abschaf­fung von Werk­ver­trags- und Leih­ar­beit! Dar­über hin­aus ist eine umfas­sen­de Agrar­wen­de hin zu einer soli­da­ri­schen und öko­lo­gi­schen Pro­duk­ti­ons- und Orga­ni­sa­ti­ons­wei­se längst über­fäl­lig…” Auf­ruf vom 20.5.20 beim Bünd­nis Gemein­sam gegen die Tier­in­dus­trie externer Link und dort zum Pro­test selbst: “… Zeigt euch soli­da­risch und macht an ver­schie­de­nen Orten auf die Aus­beu­tung der Arbeiter*innen in der Fleisch­in­dus­trie auf­merk­sam: sei es durch das Auf­hän­gen von Schil­dern und Trans­pa­ren­ten, durch Kund­ge­bun­gen an Orten der Aus­beu­tung (Schlacht- und Mast­fa­bri­ken, Super­märk­te, etc.), Fahr­rad­de­mos oder durch Krei­de­spu­ren in der Stadt. Lasst euren Ideen frei­en Lauf! Ihr könnt uns eure geplan­ten Aktio­nen vor­ab mit­tei­len, dann machen wir dar­auf auf­merk­sam. Und pos­tet ger­ne auf euren Kanä­len unter den Hash­tags #Gemein­sam­Ge­gen­Tier­in­dus­trie und #Soli­da­ri­tätS­tatt­Fleisch­in­dus­trie über eure Akti­on! Bil­der, Vide­os oder schrift­li­che Berich­te könnt ihr dann nach der Akti­on an unse­re E‑Mail-Adres­se mail@​gemeinsam-​gegen-​die-​tierindustrie.​org schi­cken, dann ver­öf­fent­li­chen wir das auch über unse­re Kanä­len…” Sie­he in die­sem Rah­men:
    • online-Podi­ums­ge­spräch mit Arbeits­rechts­in­itia­ti­ven und Gewerk­schaf­ten zu den Arbeits­be­din­gun­gen in der Fleisch­in­dus­trie am Don­ners­tag, 28. Mai, 19 – 21 Uhr
      Arbeits­rechts­in­itia­ti­ven und Gewerk­schaf­ten machen schon lan­ge auf die mas­si­ve Aus­beu­tung der Arbeiter*innen in der Fleisch­in­dus­trie auf­merk­sam. Doch durch Coro­na ver­schär­fen sich die Bedin­gun­gen wei­ter: oft­mals migrant*ische Arbeiter*innen mit Werk­ver­trä­gen sind beson­ders stark von der Epi­de­mie betrof­fen. Beglei­tend zu unse­ren Akti­ons­ta­gen wer­den wir in einem Podi­ums­ge­sprächs mit ande­ren Akteur*innen, die sich gegen die aus­beu­te­ri­schen Prak­ti­ken der Tier­in­dus­trie ein­set­zen, über die Arbeits­be­din­gun­gen in der Fleisch­in­dus­trie dis­ku­tie­ren. Dabei bespre­chen wir natür­lich die aktu­el­len Arbeits­be­din­gun­gen und die tages­po­li­ti­schen Ent­wick­lun­gen ange­sichts von Coro­na. Wir wer­den aber auch den Blick wei­ten und uns dazu aus­tau­schen, wie wir über Coro­na hin­aus als Bewe­gung auf grö­ße­re Ver­än­de­run­gen hin­wir­ken kön­nen. Teil­neh­men­de: akti­on ./​. arbeits­un­recht, Arbeits­lo­sen­selbst­hil­fe Olden­burg (ALSO), Freie Arbei­te­rin­nen- und Arbei­ter-Uni­on (FAU) und Bünd­nis Gemein­sam gegen die Tier­in­dus­trieInfo beim Bünd­nis Gemein­sam gegen die Tier­in­dus­trie externer Link – Link und Hin­wei­se zur Tech­nik fol­gen dort
  • Werk­ver­trä­ge abschaf­fen allei­ne reicht nicht
    Damit sich wirk­lich etwas in der Fleisch­in­dus­trie bewegt, braucht es auch dau­er­haf­ten öffent­lich Druck, meint Elmar Wigand (…)Weil sich die Bür­ger im Kreis Coes­feld eine kol­lek­ti­ve Aus­gangs­sper­re ein­fin­gen – auf­grund einer Infek­ti­ons­wel­le bei West­fleisch externer Link -, empör­ten sie sich auf ein­mal über kata­stro­pha­le Arbeits­be­din­gun­gen und Wohn­ver­hält­nis­se von Migran­ten. Dass in die­ser plötz­li­chen Empö­rung eine gewis­se Heu­che­lei liegt externer Link, soll­ten wir der­weil groß­zü­gig behan­deln. Weil das Inter­es­se für Werk­ver­trä­ge eine unver­hoff­te Chan­ce ist. Zwar soll­te das Aus­mis­ten nicht bei der Fleisch­in­dus­trie halt machen externer Link, aber irgend­wo muss man anfan­gen und da ist es klug, sich den größ­ten und übels­ten Sek­tor her­aus zu grei­fen. Aber wir dür­fen nicht ver­ges­sen: In der Land­wirt­schaft, dem Rei­ni­gungs­ge­wer­be, dem Bau und vie­len Zulie­fer­be­trie­ben der Auto­in­dus­trie ist es nicht viel bes­ser. Osteuropäer*innen sind über­all dort anzu­tref­fen, wo es indus­tri­el­le Drecks­ar­beit zu machen gibt externer Link. In die­sen Bran­chen sind durch EU-Ost­erwei­te­rung und Hartz-Geset­ze rie­si­ge Berei­che ohne Betriebs­rä­te und Tarif­ver­trä­ge, ohne behörd­li­che Kon­trol­len ent­stan­den. Hier gras­siert ein Rechts­ni­hi­lis­mus, von dem die meis­ten bra­ven Bür­ger nur eine lei­se Ahnung haben (wol­len). Es ist dar­über hin­aus sogar sehr gut, dass Heil und Lau­mann nicht nur von ein­zel­nen »schwar­zen Scha­fen« und »Miss­brauch von Werk­ver­trä­gen« reden – oder wie man­che NGOs »Werk­FAIR­trä­ge« for­dern – , son­dern die Werk­ver­trä­ge gene­rell abschaf­fen wol­len. Denn rund um das Kon­strukt Werk­ver­trag wuchert ein sozi­al­schäd­li­cher und mora­lisch ver­kom­me­ner Dschun­gel aus mafiö­sen Sub-Unter­neh­mern und betrü­ge­ri­schen Gene­ral­un­ter­neh­mern. Lei­der haben die wenigs­ten begrif­fen, dass es sich bei den so genann­ten Werk­ver­trä­gen in Wirk­lich­keit um ein rie­si­ges Betrugs­ma­nö­ver han­delt. Tat­säch­lich hät­te der Staat den Sumpf auch ohne Geset­ze und Son­der­re­geln längst aus­trock­nen kön­nen. Die angeb­li­chen »On-Site-Werk­ver­trä­ge« sind bei Licht betrach­tet nur juris­tisch ver­bräm­te ille­ga­le Arbeit­neh­mer­las­sung. Weder Cle­mens Tön­nies, der größ­te Alli­ga­tor im Schlacht­hof-Sumpf, noch sei­ne Sub­un­ter­neh­mer geben sich gro­ße Mühe, die­se Tat­sa­che zu kaschie­ren. Hin­zu kommt der Straf­tat­be­stand des sys­te­ma­ti­schen Miet­wu­chers. Hier wird das wah­re Pro­blem deut­lich: Ermitt­lung, Straf­ver­fol­gung und Kon­trol­len fin­den nicht statt. Staats­an­walt­schaf­ten blei­ben untä­tig, Arbeits­schutz-Abtei­lun­gen der Bezirks­re­gie­run­gen, Gewer­be­auf­sicht und Zoll sind unter­be­setzt. Solan­ge aber ein­zel­ne Kri­mi­nel­le nicht emp­find­li­che Stra­fen erei­len, ist kei­ne grund­le­gen­de Ände­rung zu erwar­ten…” Kom­men­tar von Elmar Wigand vom 20.05.2020 im ND online externer Link
  • Kabi­netts­be­schluss Stren­ge Regeln und Ver­bo­te für Fleisch­bran­che
    Das Bun­des­ka­bi­nett hat nach den jüngs­ten Coro­na-Aus­brü­chen in der Fleisch­in­dus­trie nach Infor­ma­tio­nen von tages​schau​.de ein Ver­bot von Werk­ver­trä­gen und Arbeit­neh­mer­über­las­sun­gen in der Bran­che beschlos­sen, das von kom­men­den Jahr an in Kraft tre­ten soll. In der Kabi­netts­vor­la­ge heißt es: “Ab dem 1.1.21 soll das Schlach­ten und die Ver­ar­bei­tung von Fleisch in Betrie­ben der Fleisch­wirt­schaft […] nur noch von Arbeit­neh­me­rin­nen und Arbeit­neh­mern des eige­nen Betrie­bes zuläs­sig sein. Damit wären Werk­ver­trags­ge­stal­tun­gen und Arbeit­neh­mer­über­las­sun­gen nicht mehr mög­lich. […] Für Betrie­be des Flei­scher­hand­werks ist eine geson­der­te Betrach­tung mög­lich. […]” Im Klar­text bedeu­tet das, dass kei­ne Leih­ar­bei­ter mit Werk­ver­trä­gen – auch kei­ne aus Bil­lig­lohn­län­dern – mehr zum Ein­satz kom­men dür­fen. Betrof­fen sein wer­den aller­dings ledig­lich Unter­neh­men, deren Kern­ge­schäft das Schlach­ten und die Fleisch­ver­ar­bei­tung sind: also vor allem Groß­be­trie­be. Das Flei­scher­hand­werk mit sei­nen vie­len klei­nen Betrie­ben bleibt von der Neu­re­ge­lung aus­ge­schlos­sen. (…)Damit die neu­en Vor­schrif­ten in der Bran­che auch ein­ge­hal­ten wer­den, soll es schär­fe­re und häu­fi­ge­re Kon­trol­len geben. Wie aus Regie­rungs­krei­sen ver­lau­te­te, sol­len die Arbeit­ge­ber auch zu einer digi­ta­len Arbeits­zeit­er­fas­sung ver­pflich­tet wer­den. Das Buß­geld für Arbeits­zeit­ver­stö­ße wird laut Kabi­netts­ent­wurf auf bis zu 30.000 Euro ver­dop­pelt…” Mel­dung vom 20.05.2020 bei tages​schau​.de externer Link, sie­he zuvor:
    • NGG: „Bun­des­re­gie­rung muss end­lich han­deln!“ – Schlacht­hö­fe: Coro­na-Kabi­nett ver­schiebt Bera­tun­gen über Arbeits- und Gesund­heits­schutz
      “„Es ist völ­lig unver­ständ­lich, dass das Coro­na-Kabi­nett die Bera­tung über die Lage in deut­schen Schlacht­hö­fen ver­schiebt“, hat Fred­dy Adjan, stell­ver­tre­ten­der Vor­sit­zen­der der Gewerk­schaft Nah­rung-Genuss-Gast­stät­ten (NGG), heu­te kri­ti­siert. „Sämt­li­che Fak­ten über die unhalt­ba­ren und men­schen­un­wür­di­gen Arbeits- und Lebens­be­din­gun­gen der mit Werk­ver­trä­gen in deut­schen Schlacht­hö­fen Beschäf­tig­ten lie­gen seit Mona­ten und Jah­ren auf dem Tisch. Schlacht­hö­fe sind inzwi­schen Hot­spots der Coro­na­vi­rus-Pan­de­mie. Die Bun­des­re­gie­rung muss end­lich han­deln, um Beschäf­tig­te und die Bevöl­ke­rung zu schüt­zen.“ Fred­dy Adjan wie­der­hol­te die For­de­run­gen der Gewerk­schaft NGG: – Ver­bot von Werk­ver­trä­gen im Kern­be­reich unter­neh­me­ri­scher Tätig­keit. Den Fleisch­kon­zer­nen muss es unmög­lich gemacht wer­den, Kern­auf­ga­ben wie das Schlach­ten und Zer­le­gen von Tie­ren an bil­li­ge und teil­wei­se dubio­se Fremd­fir­men aus­zu­la­gern. Sie müs­sen gezwun­gen wer­den, Ver­ant­wor­tung für das zu über­neh­men, was in ihrem Auf­trag und auf ihrem Fir­men­ge­län­de pas­siert. – Ein­rich­tung von Schwer­punkt­staats­an­walt­schaf­ten für Arbeits- und Gesund­heits­schutz. Die Zustän­de in den Mas­sen­un­ter­künf­ten gehö­ren end­lich scharf kon­trol­liert und die auf­ge­deck­ten Miss­stän­de effek­tiv ver­folgt. – Für Unter­künf­te und Woh­nun­gen von Werk­ver­trags­be­schäf­tig­ten müs­sen kla­re und bes­ten­falls bun­des­ein­heit­li­chen Rege­lun­gen gel­ten. Die Unter­kunfts­kos­ten müs­sen nach Maß­ga­be der Sach­be­zugs­ver­ord­nung berech­net wer­den. – Not­wen­dig ist der Abschluss eines bran­chen­ein­heit­li­chen Min­dest­lohn­ta­rif­ver­trags, der ein men­schen­wür­di­ges Leben und eine ange­mes­se­ne Unter­kunft ermög­licht. Die Gewerk­schaft NGG unter­stüt­ze den Vor­schlag, den das Bun­des­mi­nis­te­ri­um für Arbeit und Sozia­les dem Coro­na-Kabi­nett zum Beschluss vor­ge­legt habe und der der NGG bekannt sei, aus­drück­lich. Es sei drin­gend nötig, „end­lich auf­zu­räu­men“, wie es Bun­des­ar­beits­mi­nis­ter Huber­tus Heil ange­kün­digt hat. Adjan erin­ner­te dar­an, dass Nord­rhein-West­fa­lens Gesund­heits­mi­nis­ter Karl-Josef Lau­mann (CDU) eine Poli­tik der „Null-Tole­ranz“ ange­mahnt habe und „den Sumpf aus­trock­nen“ wol­le. Selbst Bun­des­kanz­le­rin Ange­la Mer­kel habe in der ver­gan­ge­nen Woche im Bun­des­tag von „erschre­cken­den Nach­rich­ten aus der Fleisch­in­dus­trie“ gespro­chen und Han­deln gefor­dert. „Han­deln sie jetzt!“, so die For­de­rung von Fred­dy Adjan.“ NGG-Pres­se­mit­tei­lung vom 18.05.2020 externer Link, sie­he zum Hin­ter­grund:
    • Coro­na in der Fleisch­in­dus­trie – CSU blo­ckiert Kon­zept für Schlacht­hö­fe
      “Eigent­lich woll­te die Bun­des­re­gie­rung heu­te beschlie­ßen, wie die Zustän­de in den Schlacht­hö­fen ver­bes­sert und damit die Fleisch­in­dus­trie stär­ker regu­liert wer­den kann. In meh­re­ren Schlacht­hö­fen war es in den ver­gan­ge­nen Tagen zu mas­sen­haf­ten Coro­na-Infek­tio­nen der Arbei­ter gekom­men. Grund: die schlech­ten Hygie­ne­be­din­gun­gen und Unter­künf­te. Doch das Kon­zept von Bun­des­ar­beits­mi­nis­ter Huber­tus Heil (SPD), das er heu­te im Coro­na-Kabi­nett prä­sen­tier­te, liegt erst ein­mal auf Eis. Nach ZDF-Infor­ma­tio­nen blo­ckiert die CSU. (…) Heil schlägt vor, dass Schlacht­hö­fe und die Unter­brin­gung der Arbeit­neh­mer häu­fi­ger kon­trol­liert wer­den. Buß­gel­der sol­len ver­dop­pelt wer­den. Außer­dem sol­len die umstrit­te­nen Werk­ver­trä­ge ver­bo­ten wer­den: Schlach­ten und das Ver­ar­bei­ten von Fleisch sol­len nur noch von Mit­ar­bei­ten­den des eige­nen Betriebs erlaubt sein. Damit könn­ten die­se Arbei­ten nicht mehr an Sub­un­ter­neh­men ver­ge­ben wer­den. Dum­ping­löh­ne und mise­ra­ble Unter­brin­gung zu Wucher­mie­ten für Arbeits­kräf­te, meist aus Ost­eu­ro­pa, sind der­zeit die Fol­ge. (…) Die Gewerk­schaft Nah­rung-Genuss-Gast­stät­ten (NGG) kri­ti­siert die Ver­schie­bung des Beschlus­ses als “völ­lig unver­ständ­lich”, so der Vize-Vor­sit­zen­de Fre­dy Adjan. Die Fak­ten über die “men­schen­un­wür­di­gen Arbeits- und Lebens­be­din­gun­gen” lägen seit Jah­ren auf dem Tisch. “Schlacht­hö­fe sind inzwi­schen Hot­spots der Coro­na-Pan­de­mie”, sagt Adjan. Die Bun­des­re­gie­rung müs­se end­lich han­deln…“ Bei­trag von Kris­ti­na Hof­mann vom 18.05.2020 beim ZDF externer Link
    • Wei­te­res spe­zi­ell zu den Werk­ver­trä­gen im Dos­sier: Fal­len Werk­ver­trä­ge (lei­der nur) in der Fleisch­in­dus­trie Coro­na zum Opfer?
  • Arbeit in Fleisch­in­dus­trie: Gewerk­schaft beklagt Trick­se­rei­en
    Die Arbeits­be­din­gun­gen in Schlacht­be­trie­ben ste­hen in der Kri­tik. Bis­her lag der Fokus auf den engen Wohn­ver­hält­nis­sen der Arbei­ter. Nun kom­men wei­te­re Pro­ble­me zu Tage. Die Gewerk­schaft NGG beklagt unter ande­rem Trick­se­rei­en und Abhän­gig­kei­ten. Der Streit um die Arbeits­be­din­gun­gen in Schlacht-Fabri­ken ist voll ent­brannt. Pro­ble­ma­tisch ist vor allem, dass ein Groß­teil der Arbei­ter als Werk­ver­trags­be­schäf­tig­te bei Sub­un­ter­neh­men, und nicht direkt bei den Betrie­ben ange­stellt ist. Trick­se­rei­en bei Lohn­aus­zah­lung: Laut Gewerk­schaft NGG stel­len die Werk­ver­trags­be­schäf­tig­ten man­cher­orts bis zu 80 Pro­zent der Beleg­schaft. Die meis­ten von ihnen kom­men aus Ost­eu­ro­pa, und sei­en für zwei Jah­re in Deutsch­land. Nach einer kur­zen Ein­wei­sung wer­den sie haupt­säch­lich beim Schlach­ten und Zer­le­gen der Tie­re ein­ge­setzt. Die­se Arbeit gilt als kör­per­lich und psy­chisch beson­ders belas­tend. For­mal sind die Arbei­ter den Sub­un­ter­neh­men unter­stellt, und nicht den Fleisch­kon­zer­nen selbst. Das struk­tu­rel­le Pro­blem ist laut NGG, dass bei den Sub­un­ter­neh­men nicht immer alles “sau­ber” zugeht: So soll es immer wie­der vor­kom­men, dass Über­stun­den nicht bezahlt wer­den, weil sie nicht kor­rekt erfasst wer­den. Dazu gebe es aktu­ell Kla­gen in Ober- und Nie­der­bay­ern, sagt Mus­ta­fa Öz von der Gewerk­schaft NGG. Er for­dert eine digi­ta­le Zeit­er­fas­sung, aber vie­le Betrie­be wür­den sich dage­gen sträu­ben. Ein wei­te­res Bei­spiel für die unfai­re Behand­lung: Will ein Arbei­ter vor­zei­tig aus sei­nem Ver­trag aus­stei­gen, kom­me es immer wie­der vor, dass ihm hohe “Schu­lungs­ge­büh­ren” von sei­nem Lohn abge­zo­gen wer­den. Dies sei in den Arbeits­ver­trä­gen zwi­schen den Werk­ver­trags­be­schäf­tig­ten und Sub­un­ter­neh­men zwar oft so gere­gelt, aber immer wie­der wer­de bei­spiels­wei­se das Ein­wei­sen am Fließ­band als “Schu­lung” ver­stan­den. Das Fata­le sei laut NGG, dass sich die Män­ner recht­lich nicht zu weh­ren wis­sen. Oft­mals spre­chen sie kaum Deutsch und haben wenig Kon­takt zur hie­si­gen Gesell­schaft außer­halb ihres Betriebs. Damit sei­en sie den Sub­un­ter­neh­men fak­tisch aus­ge­lie­fert…” Arti­kel von Rüdi­ger Krontha­ler vom 19.05.2020 bei BR24 externer Link
  • Das Schwei­ne­sys­tem: Was Insi­der über die Aus­beu­tung in der Fleisch­in­dus­trie ver­ra­ten
    In deut­schen Schlacht­hö­fen wer­den Men­schen und Tie­re gleich­zei­tig aus­ge­beu­tet, sagen Insi­der. Sie berich­ten von Alko­hol­sucht, Druck und Gewalt. Eigent­lich infil­trie­ren sie Schlacht­hö­fe, um Miss­hand­lun­gen von Rin­dern und Schwei­nen auf­zu­de­cken. Doch was sei­ne Mit­strei­ter und er bei ihren Under­co­ver-Recher­chen in deut­schen Schlacht­hö­fen Scho­ckie­ren­des erleb­ten, gehe weit dar­über hin­aus, sagt Fried­rich Mülln. Da sei­en zum Bei­spiel die Arbei­ter afri­ka­ni­scher Her­kunft, die für 16-Stun­den-Schich­ten, sechs Tage die Woche, im Monat knapp 700 Euro erhiel­ten. Einer ver­letz­te sich, hat­te eine tie­fe Schnitt­wun­de an der Hand und erklär­te sei­nem Vor­ar­bei­ter, er brau­che Hil­fe. Der Vor­ar­bei­ter schick­te ihn blu­tend zurück auf sei­nen Pos­ten. Er sag­te nur: „Arbei­ten! Arbei­ten! Zeit ist Geld!“ Fried­rich Mülln, 40, ist Grün­der des Ver­eins „Soko Tier­schutz“ externer Link. Sei­ne Recher­cheu­re haben sel­ber in den über­füll­ten Sam­mel­un­ter­künf­ten gelebt, in Sälen mit Stock­bet­ten geschla­fen. „Dort, wo ich war, muss­ten sich Dut­zen­de Arbei­ter eine Koch­plat­te und eine Toi­let­te tei­len“, erzählt er, „die Räu­me waren schwer ver­dreckt.“ Nach einer Woche hielt es Mülln nicht mehr aus. Mülln sagt, er habe in den Betrie­ben beob­ach­tet, wie Men­schen und Tie­re gleich­zei­tig aus­ge­beu­tet wer­den: „Bei­des ver­stärkt sich gegen­sei­tig.“ (…) Karin Vla­di­mi­rov war mehr­fach selbst in Schlacht­hö­fen zu Besuch. Sie berich­tet von Men­schen, die „psy­chi­sche und phy­si­sche Schwerst­ar­beit ver­rich­ten müs­sen“. Durch die Far­be ihrer Müt­zen sei­en die Werk­ar­bei­ter von der Stamm­be­leg­schaft leicht unter­scheid- und somit sepa­rier­bar: „Sowohl am Fließ­band als auch in den Pau­sen­räu­men ist ihnen unter­sagt, sich mit der Stamm­be­leg­schaft zu unter­hal­ten.“ Die Unter­neh­men woll­ten so ver­hin­dern, dass die Werk­ar­bei­ter von grund­le­gen­den Arbeit­neh­mer­rech­ten und Stan­dards erfüh­ren, auf die sie sich dann beru­fen könn­ten. In man­chen Betrie­ben gebe es extra Sicher­heits­kräf­te, die auf­pass­ten, dass die ver­schie­de­nen Grup­pen nicht zuein­an­der­fin­den…” Arti­kel von Sebas­ti­an Leber vom 19.05.2020 beim Tages­spie­gel online externer Link
  • Tön­nies Schlacht­hof, April 2020. Tau­sen­de Arbei­ter – null Infek­ti­ons­schutz.
    Video vom 15.05.2020 bei you­tube vom arbeits­un­recht TV externer Link (Quel­le: Arbei­ter über sozia­le Netz­wer­ke)
  • „An den Schlacht­bän­dern ste­hen die Beschäf­tig­ten dicht bei­ein­an­der“. Domi­ni­que John von der DGB-Bera­tungs­stel­le spricht über Miss­stän­de in den Fleisch­fa­bri­ken, die Lage der Arbei­ter und mög­li­che Coro­na-Aus­brü­che auf Bau­stel­len
    Wenn man die Unter­künf­te kennt und weiß, wie der Arbeits­all­tag der Män­ner und Frau­en in die­ser Indus­trie aus­sieht – nein, das kann einen nicht über­ra­schen: Drei, vier Per­so­nen in einem Zim­mer, man teilt sich Koch­ge­le­gen­hei­ten und Toi­let­ten, zur Schicht fährt man gemein­sam im Bus. In den Umklei­de­räu­men und an den Schlacht­bän­dern ste­hen die Beschäf­tig­ten dann dicht bei­ein­an­der. Und wir hören häu­fig von Über­stun­den oder Dop­pel­schich­ten. (…) Es gibt eine Hand­voll Unter­neh­men, die den Markt unter sich auf­ge­teilt haben. Das Geschäfts­mo­dell läuft so: Die heu­ern Sub­un­ter­neh­mer an, die bekom­men Werk­ver­trä­ge und deren Beschäf­tig­te, fast immer aus Ost­eu­ro­pa, arbei­ten die Auf­trä­ge dann ab. Die Auf­trag­ge­ber – das sind nam­haf­te Fir­men wie Tön­nies, Vion oder Wie­sen­hof – neh­men den Pro­fit mit, die Ver­ant­wor­tung für die Beschäf­tig­ten geben sie an die Sub­un­ter­neh­mer ab. (…) Jetzt gibt es Land­krei­se, die wegen des Infek­ti­ons­ge­sche­hens in den Unter­neh­men Beschrän­kun­gen für die gan­ze Bevöl­ke­rung hin­neh­men müs­sen. Da kommt natür­lich die Fra­ge: Ist das noch ange­mes­sen? Ich hof­fe sehr, dass das gro­ße Inter­es­se an dem The­ma zu einer Ver­bes­se­rung der Lebens- und Arbeits­ver­hält­nis­se der Beschäf­tig­ten führt…” Inter­view von Pitt v. Beben­burg vom 16.5.2020 in der FR online externer Link
  • Skan­dal­stück des Bun­des­ta­ges: Coro­na­fäl­le in Schlacht­hö­fen
    Am 13.5.2020 wur­de ein maka­bres Schau­spiel im Bun­des­tag auf­ge­führt: „Coro­na-Skan­dal in den Schlacht­hö­fen“. Maka­ber ist, daß das Stück jetzt auf­ge­führt wird. Der Stoff ist eine alte Kamel­le. Maka­ber ist wei­ter­hin, daß die Täter in den Rol­len von Küm­me­rern und Kri­sen­lö­sern agie­ren. Ob nicht vie­le hin­ter die Mas­ken schau­en? Schon 2006 ver­öf­fent­lich­te der ARD-Jour­na­list Adri­an Peter das Buch: „Die Fleisch-Mafia. Kri­mi­nel­le Geschäf­te mit Fleisch und Men­schen“. Er hat­te jah­re­lang Mate­ri­al gesam­melt und mar­kier­te die Schul­di­gen: Das Werk­ver­trags­sys­tem, die Fleisch­bos­se, die Sub­un­ter­neh­mer. Das Vor­wort hat­te die Grü­nen-Minis­te­rin Rena­te Kün­ast geschrie­ben: „Den Fleisch­markt trans­pa­rent und nach­hal­tig gestal­ten“. Seit 2013 skan­da­li­siert Prä­lat Peter Kos­sen die Zustän­de in den deut­schen Schlacht­hö­fen. Auch schon 2013 grün­de­te Inge Bult­sch­nie­der in Rhe­da-Wie­den­brück, also am Sitz des Tön­nies-Kon­zerns die Initia­ti­ve IG Werk­fair­ver­trä­ge. (…) Es geht um das Sys­tem Tön­nies, die exor­bi­tan­te Aus­beu­tung der Werk­ver­trags­ar­bei­te­rIn­nen durch Sub­un­ter­neh­men. Tön­nies ist dabei der Erfolg­reichs­te und Pro­fi­ta­bels­te, daher der Name: Sys­tem Tön­nies. Zum Sys­tem gehört auch, daß die Fleisch-Bos­se ihre Hän­de in Unschuld waschen, wenn Miß­stän­de auf­ge­deckt wer­den: Die Schuld wird auf die Sub­un­ter­neh­mer gescho­ben. (…) Statt daß es am 13.5. eine Stun­de der Wahr­heit gab, in der die Akteu­re bekann­ten: Wir haben alles gewußt aber wir haben über 20 Jah­re lang weg­ge­schaut und alles tole­riert, machen sie aus der Tra­gö­die ein Schmie­ren­stück. Minis­ter Lau­mann attes­tiert den Akteu­ren im Bun­des­tag zu Recht: Ihr seid die Täter. In den Haupt­rol­len des Bun­des­tags-Stü­ckes waren Kanz­le­rin Mer­kel, die von „erschre­cken­den Nach­rich­ten“ aus der Fleisch­in­dus­trie sprach. Ihr Arbeits­mi­nis­ter Heil (SPD) sag­te: „Wir wer­den auf­räu­men mit die­sen Ver­hält­nis­sen.“ Und Hof­rei­ter von den Grü­nen ver­lau­te­te: „Die Betrie­be müs­sen häu­fi­ger und bes­ser kon­trol­liert und die Haupt­ver­ant­wort­li­chen der Kon­zer­ne kon­se­quen­ter zur Rechen­schaft gezo­gen wer­den“. Für alle, die die Zustän­de in den Schlacht­hö­fen ken­nen, sind die­se Aus­sprü­che und Zita­te unglaub­haft. Für sie ist die Auf­füh­rung der Staats­schau­spie­ler nur maka­ber. Für sie ist es eine Tra­gö­die, die sich seit über 20 Jah­ren abspielt. Aktu­ell gibt es zwar vie­le Infi­zier­te, die in Qua­ran­tä­ne müs­sen, aber wirk­li­che Opfer gibt es seit Jahr­zehn­ten: Ver­letz­te, Ver­ätz­te, kör­per­lich und psy­chisch Kaput­te! Das Stück am 13.5. im Bun­des­tag hat­te kein hap­py end. Dies hät­te es gehabt, falls der Bun­des­tag die Abschaf­fung des Werk­ver­trags­sys­tems auf den Weg gebracht hät­te!...” Bei­trag von Die­ter Weg­ner vom 16.05.2020 beim Jour Fixe der Gewerk­schafts­lin­ke Ham­burg externer Link
  • Coro­na und die Tier­in­dus­trie
    Ent­ste­hung von Viren und Pan­de­mien und die Bedeu­tung der Tier- und Agrar­in­dus­trie. Spe­cial beim Bünd­nis Gemein­sam gegen die Tier­in­dus­trie externer Link
  • Coro­na­fäl­le in der Fleisch­in­dus­trie: Den Deut­schen sind die Rumä­nen ein­fach egal
    Dass der Auf­schrei über die Fleisch­in­dus­trie jetzt so groß ist, hat nur zum Teil mit auf­kom­men­der Empa­thie für die Arbei­ter in der Coro­na-Pan­de­mie zu tun, kom­men­tiert Man­fred Götz­ke. Die Aus­beu­tung von Arbei­tern aus Ost­eu­ro­pa habe Sys­tem und wer­de von der Poli­tik gedul­det…” Bei­trag von Man­fred Götz­ke vom 13.05.2020 beim Deutsch­land­funk externer Link
  • Hot­spot Fleisch­in­dus­trie: Bei Krank­mel­dung droht Kün­di­gung
    Der WDR hat dar­über mit Szabolcs Sep­si von der DGB-Bera­tungs­stel­le Fai­re Mobi­li­tät in Dort­mund gespro­chen. Er berät Men­schen aus Mit­tel- und Ost­eu­ro­pa. Denn bis zu 90 Pro­zent der Beleg­schaft in der indus­tri­el­len Fleisch­pro­duk­ti­on kommt von Sub­un­ter­neh­men – die Mit­ar­bei­ter stam­men aus Bul­ga­ri­en, Polen, Rumä­ni­en, Ungarn. (…) Gera­de in der Coro­na-Kri­se kla­gen die meis­ten über die vie­len unbe­zahl­ten Über­stun­den. Vie­le haben kei­ne Lust mehr und sagen: „Wenn die Gren­zen wie­der öff­nen, wol­len sie wie­der weg und sich einen ande­ren Job suchen.“ Wir ken­nen Betrie­be, die im Moment sie­ben Tage die Woche durch­ar­bei­ten und das bis zu 14 Stun­den am Tag. Das Gan­ze ist ein Kno­chen­job. Wenn dann mal jemand krank wird, dro­hen die Sub­un­ter­neh­mer ganz schnell mit einer Kün­di­gung. (…) Die Leu­te ste­hen unter Druck. Gene­rell gilt: Wer sich wehrt, wird gekün­digt. Sie haben ganz ein­fach Angst ihren Job zu ver­lie­ren. In die­sem Sub­un­ter­neh­mer-Sys­tem wird eine „Hire and Fire“-Politik geführt und das führt zu einer rie­si­gen Mit­ar­bei­ter-Fluk­tua­ti­on. (…) Der Ursprung des Pro­blems ist das kos­ten­güns­ti­ge Sub­un­ter­neh­mer-Sys­tem. Die Schlacht­hö­fe beschäf­ti­gen die Mit­ar­bei­ter nicht selbst, son­dern beauf­tra­gen Sub­un­ter­neh­mer und die schie­ben die Leu­te stän­dig hin und her. Der ein­zi­ge Aus­weg ist, dass die Schlacht­hö­fe die Zusam­men­ar­beit mit den Sub­un­ter­neh­mern been­den und die Mit­ar­bei­ter selbst beschäf­ti­gen. Mit einem unbe­fris­te­ten Arbeits­ver­trag kön­nen die Mit­ar­bei­ter dann auch eine eige­ne Woh­nung anmie­ten und die Mas­sen­un­ter­künf­te wären Geschich­te…” Inter­view von Isa­bell Zill­mer vom 13.05.2020 beim WDR externer Link
  • Heil will in Fleisch­bran­che “auf­räu­men”
    Schlacht­hö­fe als Coro­na-Hot­spots, pre­kär unter­ge­brach­te Leih­ar­bei­ter: Die Bun­des­re­gie­rung macht Druck auf die Fleisch­bran­che. Arbeits­mi­nis­ter Heil kün­dig­te neue Regeln an, auch Kanz­le­rin Mer­kel äußer­te Kri­tik. Nach den Coro­na­vi­rus-Infek­tio­nen in meh­re­ren Schlacht­be­trie­ben hat Arbeits­mi­nis­ter Huber­tus Heil Kon­se­quen­zen ange­droht. “Wir wer­den auf­räu­men mit die­sen Ver­hält­nis­sen”, sag­te der Sozi­al­de­mo­krat in einer Aktu­el­len Stun­de im Bun­des­tag. Das Coro­na-Kabi­nett wer­de am kom­men­den Mon­tag neue Maß­nah­men beschlie­ßen. Heil kri­ti­sier­te die oft pre­kä­ren Arbeits- und Wohn­be­din­gun­gen aus­län­di­scher Leih­ar­bei­ter in der Fleisch­wirt­schaft: “Wir dür­fen als Gesell­schaft nicht wei­ter zugu­cken, wie Men­schen aus Mit­tel- und Ost­eu­ro­pa in die­ser Gesell­schaft aus­ge­beu­tet wer­den.” Der Minis­ter beton­te, das der­zei­ti­ge Sub­un­ter­neh­mer­tum in der Bran­che sei die “Wur­zel des Übels”. Er warb dafür, grund­sätz­lich über die weit ver­brei­te­ten Werks­ver­trä­ge nach­zu­den­ken. Dar­über hin­aus mach­te sich Heil für bun­des­weit ver­bind­li­che Kon­troll­quo­ten stark…” Mel­dung vom 13.05.2020 bei tages​schau​.de externer Link – abwar­ten….
  • Fleisch­in­dus­trie: “Sie über­neh­men für die Arbeits­kräf­te prak­tisch kei­ne Ver­ant­wor­tung”
    In der Fleisch­in­dus­trie häu­fen sich die Covid-19-Fäl­le. Domi­ni­que John berät oft aus Ost­eu­ro­pa stam­men­de Arbei­ter. Sie sei­en schon vor Coro­na aus­ge­beu­tet wor­den. (…) In der Fleisch­in­dus­trie lässt sich das Sys­tem der Arbeits­aus­beu­tung von ost­eu­ro­päi­schen Beschäf­tig­ten in Deutsch­land wie unter dem Brenn­glas beob­ach­ten. Kör­per­lich aus­lau­gend ist die Arbeit ohne­hin, was für sich genom­men schon ein Gesund­heits­ri­si­ko dar­stellt. Hin­zu kommt die beeng­te Unter­brin­gung. In Sach­sen-Anhalt habe ich Plat­ten­bau­sied­lun­gen gese­hen, wo Arbei­ter aus der Fleisch­in­dus­trie in Drei­zim­mer­woh­nun­gen leben, in jedem Zim­mer drei Per­so­nen. Man kann davon aus­ge­hen, dass so eine Unter­brin­gung an den meis­ten Stand­or­ten immer noch die Regel ist, trotz Coro­na. Und in die­ser Enge steigt das Infek­ti­ons­ri­si­ko natür­lich immens. (…) Die gro­ßen Fleisch ver­ar­bei­ten­den Betrie­be arbei­ten in der Pro­duk­ti­on größ­ten­teils nicht mit eige­nen Beschäf­tig­ten, son­dern ver­ge­ben Werk­ver­trä­ge an Sub­un­ter­neh­mer, die die Auf­trä­ge mit ihren Beschäf­tig­ten aus Polen oder Rumä­ni­en abar­bei­ten. Das bedeu­tet für die Auf­trag­ge­ber wie Tön­nies, Vion oder West­fleisch ein Höchst­maß an Fle­xi­bi­li­tät. Sie über­neh­men für die Arbeits­kräf­te prak­tisch kei­ne Ver­ant­wor­tung. (…) Die Infi­zier­ten schei­nen medi­zi­nisch ver­sorgt zu wer­den, aber genau­es wis­sen wir der­zeit nicht. Auch das wirft ein Licht auf die orga­ni­sier­te Ver­ant­wor­tungs­lo­sig­keit. Wir fra­gen die Fir­men, wie es den betrof­fe­nen Arbei­tern geht. Die Fir­men ver­wei­sen auf die Sub­un­ter­neh­mer. Und von denen erhal­ten wir kei­ne Ant­wort. Eini­ge Arbei­ter haben sich bei mei­nem zustän­di­gen Kol­le­gen in Dort­mund dar­über beschwert, dass sie in der Qua­ran­tä­ne nicht aus­rei­chend ver­sorgt wür­den, etwa mit Lebens­mit­teln. Ob das wirk­lich stimmt, konn­ten wir aber noch nicht über­prü­fen. (…) Die Kon­trol­len lie­gen bei den Gesund­heits­äm­tern, die – so unser Ein­druck – sehr unter­schied­lich auf­ge­stellt sind. In man­chen Regio­nen kon­trol­lie­ren sie streng, andern­orts scheint kaum etwas zu pas­sie­ren. Den Gesund­heits­äm­tern kommt damit plötz­lich eine ent­schei­den­de Rol­le zu. Man kann Zwei­fel dar­an haben, dass sie dar­auf ein­ge­stellt sind…” Inter­view von Mer­lind Thei­le vom 12. Mai 2020 in der Zeit online mit Domi­ni­que John externer Link, sie lei­tet Fai­re Mobi­li­tät externer Link, ein Pro­jekt des Deut­schen Gewerk­schafts­bun­des (DGB), das unter ande­rem durch das Bun­des­mi­nis­te­ri­um für Arbeit und Sozia­les (BMAS) finan­ziert wird. “Fai­re Mobi­li­tät” unter­hält bun­des­weit neun Bera­tungs­stel­len. Dort wer­den Beschäf­tig­te aus mit­tel- und ost­eu­ro­päi­schen Län­dern, die in Deutsch­land arbei­ten, dabei unter­stützt, fai­re Löh­ne und Arbeits­be­din­gun­gen durch­zu­set­zen.
  • Nicht kon­kur­renz­fä­hig? Und tschüss. Die Fleisch­in­dus­trie zeigt: Wenn ein Geschäfts­mo­dell auf Aus­beu­tung grün­det, dann muss es eben ver­schwin­den.
    “… Die Dum­ping­löh­ne wer­den gern damit ver­tei­digt, dass die deut­sche Fleisch­in­dus­trie sonst nicht kon­kur­renz­fä­hig sei. Viel­leicht stimmt das sogar. Genau beur­tei­len kann das nie­mand, denn die Fir­men­ver­schach­te­lun­gen rund um die Schlacht­hö­fe sind außer­or­dent­lich undurch­sich­tig. Der zen­tra­le Punkt ist aber: Beim Min­dest­lohn darf es kei­ne Aus­nah­men geben. Des­we­gen heißt er ja Min­dest­lohn. Wenn Bran­chen nicht mehr kon­kur­renz­fä­hig sind, sobald sie auf die Aus­beu­tung ihrer Beschäf­tig­ten ver­zich­ten – dann müs­sen sie lei­der ver­schwin­den. Die Tex­til­in­dus­trie ist ein gutes Ver­gleichs­bei­spiel: Einst waren die Beklei­dungs­fir­men der wich­tigs­te Indus­trie­zweig der Bun­des­re­pu­blik, sogar wich­ti­ger als der Koh­le­berg­bau. Doch spä­tes­tens in den 1970er Jah­ren war es damit vor­bei, weil ande­re Welt­re­gio­nen bil­li­ger waren. Heu­te stam­men vie­le T‑Shirts aus Ban­gla­desch oder auch aus der Tür­kei. Nie­mand wür­de jedoch for­dern, dass Beschäf­tig­te in Deutsch­land so wenig wie in Ban­gla­desch ver­die­nen sol­len, damit es hier wie­der eine T‑S­hirt-Indus­trie geben kann. Oder anders gesagt: Der Export­über­schuss von Deutsch­land ist schon groß genug. Da müs­sen wir nicht auch noch geschlach­te­te Schwei­ne aus­füh­ren, wenn dies ver­langt, dass Beschäf­tig­te aus­ge­beu­tet wer­den. Es wäre jeden­falls ein­fach, die Miss­stän­de in der Fleisch­in­dus­trie zu been­den. Ent­schei­dend wäre, dass die Schlacht­hö­fe kei­ne Sub­un­ter­neh­mer mehr beschäf­ti­gen dür­fen – son­dern für ihre Beschäf­tig­ten direkt ver­ant­wort­lich sind. Dann lie­ße sich bei jeder Betriebs­kon­trol­le sehr schnell erken­nen, ob die Min­dest­löh­ne gezahlt wer­den. Die Bun­des­re­gie­rung müss­te nur zwei Para­gra­fen im BGB ändern, um das Sub­un­ter­neh­mer­tum zu been­den…” Kom­men­tar von Ulri­ke Herr­mann vom 12.5.2020 in der taz online externer Link
  • Coro­na-Aus­bruch in Schlacht­hö­fen: „Das ist das trau­ri­ge Resul­tat eines kran­ken Sys­tems.“
    Zu den hohen Infek­ti­ons­zah­len bei Beschäf­tig­ten meh­re­rer deut­scher Schlacht- und Zer­le­ge­be­trie­be erklär­te Fred­dy Adjan, stell­ver­tre­ten­der Vor­sit­zen­der der Gewerk­schaft Nah­rung-Genuss-Gast­stät­ten (NGG): „Die in der Schlacht­in­dus­trie über Werk­ver­trä­ge mit oft dubio­sen Sub­un­ter­neh­men beschäf­tig­ten Men­schen wer­den seit vie­len Jah­ren rück­sichts­los aus­ge­nutzt. Die Arbeit­ge­ber lagern nicht nur die Arbeit, son­dern auch jede Ver­ant­wor­tung bequem an Sub­un­ter­neh­men aus. Das Sys­tem ist krank: Werk­ver­trä­ge für die Kern­auf­ga­be eines Unter­neh­mens zu ver­ge­ben, muss ver­bo­ten wer­den. Ein Schlacht­hof­be­trei­ber soll­te das Schlach­ten nicht an bil­li­ge Fremd­fir­men aus­la­gern dür­fen. Die Coro­na-Fäl­le sind trau­ri­ges Resul­tat des extre­men Preis­drucks beim Fleisch. Die­se Kri­se macht deut­lich, wie über­fäl­lig es ist, auf Stopp zu drü­cken und den rui­nö­sen Preis­kampf beim Fleisch zu been­den. Ich hof­fe, Poli­tik und Behör­den neh­men die­se schlim­me Kri­se end­lich zum Anlass, kon­se­quent gegen­zu­steu­ern und die Beschäf­tig­ten vor Aus­beu­tung zu schüt­zen. Dazu gehö­ren auch flä­chen­de­cken­de Kon­trol­len und Regeln für die Unter­künf­te der Beschäf­tig­ten.“” NGG-Pres­se­mit­tei­lung vom 9. Mai 2020 externer Link
  • Hohe Infek­ti­ons­zah­len: Coro­na-Alarm im Schlacht­hof
    “In meh­re­ren Fleisch­be­trie­ben in ganz Deutsch­land häu­fen sich die Coro­na-Fäl­le. Die Poli­tik ist alar­miert. Und die Bran­che fürch­tet unter Gene­ral­ver­dacht zu gera­ten. (…) In den vom Bund im Rah­men der Coro­na-Kri­se ange­pass­ten Arbeits­schutz­stan­dards heißt es unter ande­rem, dass die gleich­zei­ti­ge Nut­zung von Fahr­zeu­gen durch meh­re­re Mit­ar­bei­ter mög­lichst zu ver­mei­den sei. In der Land­wirt­schaft und der Lebens­mit­tel­bran­che wer­den ost­eu­ro­päi­sche Arbeits­kräf­te aber oft gemein­sam mit Bus­trans­fers von den Sam­mel­un­ter­künf­ten zum Betrieb gebracht. Außer­dem heißt es in den Regeln: „Grund­sätz­lich ist eine Ein­zel­be­le­gung von Schlaf­räu­men vor­zu­se­hen.“ Auch das dürf­te in der Pra­xis nicht über­all so ein­ge­hal­ten wer­den. „Das ist viel­leicht gut gemeint, aber wo sol­len plötz­lich die zusätz­li­chen Schlaf­räu­me her­kom­men“, fragt Tho­mas Bern­hard, der in der Gewerk­schaft Nah­rung-Genuss-Gast­stät­ten (NGG) das Refe­rat Fleisch­wirt­schaft lei­tet. Kon­trol­liert wür­de die Umset­zung der Regeln in den Län­dern ganz unter­schied­lich. „Nach unse­rem Wunsch müss­te es da eine bun­des­wei­te Rege­lung auch für Kon­trol­len geben. Die Unter­künf­te sind seit Ewig­kei­ten ein Pro­blem“, sagt Bern­hard. Die Gewerk­schaft kri­ti­siert, dass es in vie­len Woh­nun­gen Über­be­le­gun­gen gebe, schlech­te sani­tä­re Ver­hält­nis­se und gro­ße Gemein­schafts­kü­chen. „Die Sub­un­ter­neh­men ach­ten nur auf mög­lichst viel Gewinn und küm­mern sich nicht um die Woh­nun­gen“, sagt Bern­hard. „Was die Arbeits­be­las­tung angeht, ist die Situa­ti­on mise­ra­bel. Durch den hohen Kran­ken­stand und die gleich­zei­tig gestie­ge­ne Nach­fra­ge sind die ver­blie­be­nen Mit­ar­bei­ter noch erschöpf­ter als vor­her. Und wer erschöpft ist, denkt nur noch dar­an, ins Bett zu kom­men und nicht mehr an Hygie­ne­vor­schrif­ten“, sagt Bern­hard. (…) Immer­hin eine gute Nach­richt gibt es aber auch: Ein Risi­ko für die Ver­brau­cher sehen die Land­rats­äm­ter nicht. Sie ver­wei­sen auf das Bun­des­in­sti­tut für Risi­ko­be­wer­tung, nach des­sen Aus­sa­ge kein ein­zi­ger Fall bekannt sei, bei dem das Coro­na­vi­rus über Lebens­mit­tel wei­ter­ge­ge­ben wor­den wäre. „Da die Viren hit­ze­emp­find­lich sind, kann das Infek­ti­ons­ri­si­ko durch das Erhit­zen von Lebens­mit­teln zusätz­lich ver­rin­gert wer­den“, heißt es aus dem Enz­kreis.“ Arti­kel von Jonas Jan­sen und Julia Löhr und Susan­ne Preuss vom 08.05.2020 in der FAZ online externer Link
  • Sie­he die “Ein­zel­fäl­le” im Labour­Net:

Der Bei­trag Coro­na-Infek­tio­nen: Poli­ti­ker kri­ti­sie­ren Aus­beu­tung in Schlacht­hö­fen – Ver­schär­fung der Arbeits­schutz­ge­set­ze gefor­dert erschien zuerst auf Labour­Net Ger­ma­ny.

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