[labournet:] (IG Metall zu) Gesundheitsschutz und Corona: „Arbeitgeber und Betriebsärzte schützen Beschäftigte zu wenig“

Dossier

Coronavirus, die Hetze und der Ausnahmezustand: China im ShitstormKei­ne Men­schen­men­gen, Abstand hal­ten: Zum Schutz vor Coro­na gel­ten kla­re Regeln. Doch in den Betrie­ben sieht es oft anders aus. Arbeit­ge­ber und Betriebs­ärz­te kom­men ihrer Ver­ant­wor­tung nicht nach, kri­ti­siert der Ers­te Bevoll­mäch­tig­te der IG Metall Leer-Papen­burg, Tho­mas Gel­der. (…) Es gibt eine deut­li­che Dis­kre­panz zwi­schen den öffent­li­chen Ver­hal­tens­vor­schrif­ten und der Wirk­lich­keit in den Betrie­ben. Das zei­gen Stich­pro­ben, die wir in den Betrie­ben gemacht haben. Die Coro­na-Kri­se macht deut­lich, auf wel­chem jewei­li­gen Niveau sich der betrieb­li­che Arbeits­schutz und ins­be­son­de­re der Gesund­heits­schutz befin­det. Oft arbei­ten Beschäf­tig­te wei­ter Schul­ter an Schul­ter…” Inter­view vom 8. April 2020 bei der IG Metall externer Link. Sie­he dazu auch:

  • [DGB] Arbeits­schutz in Coro­na-Pan­de­mie end­lich ver­bes­sert /​ver.di for­dert im Gesund­heits­we­sen Tra­ge­zeit­be­gren­zung und Erho­lungs­pau­sen beim Tra­gen von Mund-Nasen-Schutz­mas­ken New
    • [DGB] Arbeits­schutz in Coro­na-Pan­de­mie end­lich ver­bes­sert
      Eine ver­bind­li­che Arbeits­schutz­re­gel externer Link, die die Situa­ti­on der Beschäf­tig­ten wäh­rend der Coro­na-Pan­de­mie nach­hal­tig ver­bes­sert, hat heu­te die Bun­des­an­stalt für Arbeits­schutz und Arbeits­me­di­zin (BAuA) ver­öf­fent­licht. „Nach mona­te­lan­ger Ver­zö­ge­rung durch die Arbeit­ge­ber­sei­te gibt es end­lich mehr Sicher­heit und Klar­heit für die Beschäf­tig­ten“, sag­te Anja Piel, DGB-Vor­stands­mit­glied, dazu am Diens­tag in Ber­lin. „Heu­te ist ein guter Tag für den Arbeits­schutz der Beschäf­tig­ten in der Coro­na-Pan­de­mie“, beton­te Piel. „Die Regel kon­kre­ti­siert den Coro­na-Arbeits­schutz­stan­dard der Bun­des­re­gie­rung und ver­setzt die Betriebs- und Per­so­nal­rä­te end­lich in die Lage, die Schutz­rech­te der Beschäf­tig­ten gegen­über den Arbeit­ge­bern zu erzwin­gen, wenn dies not­wen­dig ist.“ In der Kri­se zeigt sich: „Über­all, wo enga­gier­te Inter­es­sen­ver­tre­tun­gen der Beschäf­tig­ten in den Betrie­ben und Dienst­stel­len beim Arbeits­schutz ein­ge­bun­den waren, haben wir hohe Schutz­ni­veaus, weni­ger Arbeits­un­fäl­le und Infek­tio­nen.“ Nun muss die SARS-Cov-2-Arbeits­schutz­re­gel von den Arbeit­ge­bern beach­tet und mit Leben erfüllt wer­den. „Jetzt müs­sen die Arbeits­schutz­auf­sich­ten der Län­der, Kom­mu­nen und der gesetz­li­chen Unfall­ver­si­che­rung ver­stärkt kon­trol­lie­ren, ob das Regel­werk ein­ge­hal­ten wird. Nur wenn alle Akteu­re In ihrer Ver­ant­wor­tung ankom­men, kann In der Kri­se ein wirk­sa­mer Infek­ti­ons­schutz in den Betrie­ben und Dienst­stel­len grei­fen“, sag­te die Gewerk­schaf­te­rin. Die Arbeits­schutz­re­gel legt ein­deu­tig fest, zual­ler­erst tech­ni­sche Schutz­maß­nah­men des Arbeit­ge­bers vor­an gehen müs­sen, um mög­li­che Gefähr­dun­gen abzu­wen­den, dann orga­ni­sa­to­ri­sche Maß­nah­men fol­gen und erst, wenn die­se nicht mög­lich sind, per­sön­li­che Maß­nah­men zur Anwen­dung kom­men. Dar­über hin­aus ist nun vor­ge­schrie­ben, in Pan­de­mie-Zei­ten die Gefähr­dungs­be­ur­tei­lun­gen für jeden Arbeits­platz zu über­prü­fen und anzu­pas­sen. Auch die oft ver­kann­ten psy­chi­schen Belas­tun­gen für die Beschäf­tig­ten fin­den künf­tig stär­ke­re Beach­tung. Eben­falls wer­den der not­wen­di­ge Schutz­ab­stand von min­des­tens 1,5 Metern, das sach­ge­rech­te Lüf­ten von Räu­men und umfas­sen­de Hygie­ne­re­geln fest­ge­schrie­ben. Aus­drück­lich wer­den höhe­re Anfor­de­run­gen an die Schutz­maß­nah­men für beson­de­re Arbeits­stät­ten und Arbeits­plät­ze sowie beson­de­re betrieb­li­che Ein­rich­tun­gen, wie Bau­stel­len, Außen- und Lie­fer­diens­te, den öffent­li­chen Ver­kehr sowie Unter­künf­te gestellt. Gera­de dies lässt hof­fen, dass die hier oft kata­stro­pha­len Arbeits­be­din­gun­gen und Ver­hält­nis­se bald ein Ende haben wer­den.“DGB-Pres­se­mit­tei­lung vom 11.08.2020 externer Link
    • ver.di for­dert im Gesund­heits­we­sen Tra­ge­zeit­be­gren­zung und Erho­lungs­pau­sen beim Tra­gen von Mund-Nasen-Schutz­mas­ken
      Die Ver­ein­te Dienst­leis­tungs­ge­werk­schaft (ver.di) for­dert die Arbeit­ge­ber im Gesund­heits­we­sen auf, beim Tra­gen von Mund-Nasen-Schutz­mas­ken die Tra­ge­zeit zu begren­zen und aus­rei­chen­de Erho­lungs­pau­sen sicher­zu­stel­len. Auch wenn es im Rah­men der SARS-CoV‑2 Arbeits­schutz­stan­dards hier­zu noch kei­ne ver­bind­li­chen Vor­schrif­ten gebe, wei­sen betrieb­li­che Erfah­run­gen und wis­sen­schaft­li­che Unter­su­chun­gen auf die erhöh­te Belas­tung durch Atem­wi­der­stän­de hin, dem müs­se Rech­nung getra­gen wer­den. “Die Beschäf­tig­ten im Gesund­heits­we­sen waren schon vor der Coro­na-Pan­de­mie hohen Belas­tun­gen aus­ge­setzt. Durch das not­wen­di­ge Tra­gen von Mund-Nasen-Schutz­mas­ken nimmt die kör­per­li­che Belas­tung nun wei­ter zu, gera­de auch wäh­rend die­ser hei­ßen Tage”, sag­te Syl­via Büh­ler, Mit­glied im ver.di-Bundesvorstand. “Kör­per­li­chen Anstren­gun­gen sind neben der Pfle­ge vie­le Beschäf­tig­ten­grup­pen im Gesund­heits­we­sen aus­ge­setzt. Rei­ni­gungs­kräf­te zum Bei­spiel, die in vol­ler Mon­tur in auf­ge­heiz­ten Räu­men so genann­te Scheu­er-Wisch-Des­in­fek­ti­on vor­neh­men müs­sen oder Beschäf­tig­te im Kran­ken­trans­port, wenn schwe­re Bet­ten zu schie­ben sind.” Berufs­ge­nos­sen­schaft und Unfall­ver­si­che­rung emp­feh­len, sich an den Arbeits­schutz­vor­schrif­ten für par­ti­kel­fil­trie­ren­de Halb­mas­ken mit Aus­atem­ven­til zu ori­en­tie­ren. Hier sei eine Tra­ge­dau­er von maxi­mal zwei Stun­den mit einer anschlie­ßen­den Erho­lungs­pau­se von 30 Minu­ten vor­ge­se­hen, so Büh­ler. Arbeit­ge­ber wür­den die erschwer­ten Bedin­gun­gen noch nicht aus­rei­chend berück­sich­ti­gen. Es müss­ten Gefähr­dungs­be­ur­tei­lun­gen erstellt wer­den, um kon­kret Arbeits­schwe­re und Umge­bungs­ein­flüs­se ein­zu­be­zie­hen. In der Pha­se ohne Schutz­mas­ke könn­ten Tätig­kei­ten ver­rich­tet wer­den, bei denen kei­ne Mund-Nasen-Bede­ckung erfor­der­lich sei...” Pres­se­mit­tei­lung vom 11.08.2020 externer Link
  • Arbeit­ge­ber ver­zö­gern neue Regeln für Coro­na­vi­rus-Schutz auf der Arbeit
    Unter­neh­men for­dern „genü­gend Bein­frei­heit“ in der Coro­na­kri­se und wol­len den Arbeits­schutz daher ver­schlech­tern statt ver­bes­sern. Fast ein hal­bes Jahr währt die Coro­na-Kri­se nun. Doch zum Schutz von Arbeit­neh­mern gibt es in Deutsch­land noch immer kei­ne ein­heit­li­chen, ver­pflich­ten­den Vor­ga­ben. Zwar hat das Bun­des­ar­beits­mi­nis­te­ri­um schon Mit­te April einen „Sars-CoV-2-Arbeits­schutz­stan­dard“ mit Emp­feh­lun­gen erstellt, doch die­ser ent­hält ganz oft das Wort „soll­te“ und nur sehr sel­ten das Wort „muss“. Bereits seit Ende April ver­han­deln Exper­ten im Bun­des­ar­beits­mi­nis­te­ri­um daher über eine bun­des­weit gül­ti­ge und ver­pflich­ten­de Arbeits­schutz­re­gel. Doch die Arbeit­ge­ber­sei­te ver­zö­gern das Vor­ha­ben, wie Recher­chen Buz­z­feed News Deutsch­land und der Süd­deut­schen Zei­tung zei­gen; man­che Ver­bän­de ver­su­chen die Kri­se sogar dazu zu nut­zen, den Arbeits­schutz noch wei­ter her­un­ter- statt hoch­zu­fah­ren. (…) Der Ent­wurf, der Buz­z­Feed News und Süd­deut­scher Zei­tung vor­liegt, stammt von Anfang Juli, er soll­te eigent­lich bis Ende Juli final abge­stimmt wer­den. Aber ob das gelingt, ist frag­lich. Zwei der fünf Arbeits­schutz­aus­schüs­se des Bun­des­mi­nis­te­ri­ums für Arbeit und Sozia­les (BMAS) haben bis­lang offen­bar noch nicht zuge­stimmt. In den Aus­schüs­sen tref­fen Arbeit­ge­ber und Gewerk­schaf­ten mit Wis­sen­schaft­lern und Ver­tre­tern von Lan­des­ar­beits­schutz­be­hör­den sowie der gesetz­li­chen Unfall­ver­si­che­rung auf­ein­an­der. (…) Vor allem die Arbeit­ge­ber­ver­tre­ter sind gegen den Ent­wurf, wie inter­nen Schrei­ben zu ent­neh­men ist. So heißt es in einem Brief der Bun­des­ver­ei­ni­gung der Deut­schen Arbeit­ge­ber­ver­bän­de (BDA) von Ende Mai externer Link: Der Ent­wurf für die Coro­na-Arbeits­schutz­re­gel las­se sich „noch stark kür­zen und auf das Wesent­li­che beschrän­ken“. Und wei­ter: „In Hin­blick auf das drin­gend not­wen­di­ge voll­stän­di­ge Wie­der­hoch­fah­ren der Wirt­schaft, müs­sen alle Rege­lun­gen auf pra­xis­na­he, schnel­le und unkom­pli­zier­te Umsetz­bar­keit geprüft wer­den!“ Den Unter­neh­men müs­se daher „genü­gend ‚Bein­frei­heit‘ bei der Umset­zung betriebs­spe­zi­fi­scher Schutz­maß­nah­men gege­ben wer­den.“ (…) Wäh­rend man­che Bran­chen wie die Che­mie­bran­che, die gut durch die Pan­de­mie gekom­men sind, posi­tiv auf die Neu­re­ge­lun­gen reagie­ren, schei­nen eini­ge der größ­ten deut­schen Unter­neh­men den Schutz für Arbeit­neh­mer wäh­rend der Pan­de­mie nicht ver­bes­sern zu wol­len. Im Gegen­teil: Sie sehen die Coro­na-Kri­se sogar als Anlass, den Schutz zu ver­schlech­tern. In einem Papier des Ver­ban­des Gesamt­me­tall externer Link, der unter ande­rem die deut­schen Auto­kon­zer­ne ver­tritt, hieß es im Mai, dass „grund­sätz­lich auf nor­ma­ti­ve Rege­lun­gen so weit wie mög­lich ver­zich­tet wer­den“ soll­te: Es sei wich­tig, „den Unter­neh­men mög­lichst gro­ße Spiel­räu­me bei der Umset­zung von Infek­ti­ons­schutz­maß­nah­men ein­zu­räu­men und die unter­neh­me­ri­sche Frei­heit nicht (oder mini­mal) durch Vor­ga­ben im Arbeits­schutz ein­zu­schrän­ken.“ Die Über­wa­chung müs­se „prag­ma­tisch und mit Augen­maß durch­ge­führt wer­den“. Außer­dem sei es nötig „bestehen­de Doku­men­ta­ti­ons­an­for­de­run­gen zu ver­rin­gern.“…” Arti­kel von Dani­el Drep­per vom 26.7.2020 bei Buz­z­Feed Deutsch­land externer Link samt dem Ent­wurf der geplan­ten Coro­na­vi­rus-Regel des BMAS, sie­he ergän­zend:
  • Coro­na und Gesund­heits­schutz im Betrieb: Was hilft gegen eine Gefahr, die man nicht sieht? 
    “Die Coro­na-Kri­se zeigt: Der klas­si­sche Arbeits­schutz geht teil­wei­se am Pro­blem vor­bei. (…) Den kun­di­gen Fach­leu­ten war klar, dass Gefähr­dungs­be­ur­tei­lung und Maß­nah­men­fin­dung nur gemein­sam mit den Betrof­fe­nen, den Arbei­ten­den, erstellt wer­den kön­nen. Genau hier kom­men ent­schei­den­de Fra­gen ins Spiel: Wie gut oder schlecht sind Infor­ma­ti­on, Auf­klä­rung, Kom­mu­ni­ka­ti­on? Wie gut oder schlecht erlaubt die betrieb­li­che Atmo­sphä­re, über Gesund­heit und Gesund­heits­schutz zu spre­chen? Und nicht zuletzt die Fra­ge: Wie­viel ist den arbei­ten­den Men­schen ihre Gesund­heit wert? Die Coro­na-Kri­se ist ein Lack­mus­test dafür. Aus allen bis­lang frag­men­ta­risch vor­lie­gen­den Betriebs­be­rich­ten und aus ers­ten Inter­views, die der Autor durch­füh­ren konn­te, lässt sich schlie­ßen, dass Infor­ma­ti­on, Auf­klä­rung und Kom­mu­ni­ka­ti­on über­wie­gend man­gel­haft und unge­nü­gend waren und sind. (…) Es geht nicht dar­um, Krank­heit als sol­che aus der Welt zu schaf­fen. Krank­heit und Tod gehö­ren zum Mensch­sein. Es geht dar­um, sich der schäd­li­chen Ein­flüs­se, die vor­zei­tig zu Krank­heit und unnö­ti­gem Lei­den füh­ren, bewusst zu wer­den, sie abzu­stel­len oder so weit wie irgend mög­lich zu begren­zen. Ungüns­ti­ge Arbeits- und Lebens­ver­hält­nis­se tra­gen zu die­sem unnö­ti­gen Leid bei. Die Auf­ga­be von Prä­ven­ti­on bzw. Gesund­heits­schutz ist die, ursäch­li­che Fak­to­ren die­ser ver­meid­ba­ren Gesund­heits­schä­den her­aus­zu­fin­den und ent­spre­chen­de Maß­nah­men zu deren Ver­hü­tung zu tref­fen. (…) Wir kön­nen die Coro­na-Kri­se nut­zen, um uns unse­rer Ver­letz­lich­keit, unse­rer Hil­fe­be­dürf­tig­keit und der Not­wen­dig­keit der Soli­da­ri­tät neu gewahr zu wer­den. Sie zeigt uns erneut die Not­wen­dig­keit, den neo­li­be­ral ver­ord­ne­ten Indi­vi­dua­lis­mus zu über­win­den. Gesund­heits­schutz am Arbeits­platz kann in die­sem Sin­ne sys­tem­spren­gend sein, und als sol­chen soll­ten wir ihn auf­grei­fen.” Bei­trag von Wolf­gang Hien aus Soz Nr. 07/​2020 externer Link (der Autor ist Arbeits- und Gesund­heits­wis­sen­schaf­ler)
  • Coro­na-Pan­de­mie: Was tun wenn die Pro­duk­ti­on wie­der beginnt? Hand­lungs­hil­fe der IG Metall zu Sicher­heit und Gesund­heit 
    Es gibt kaum ein The­ma, dass uns alle zur­zeit im Früh­jahr 2020 so sehr beschäf­tigt, wie die Aus­wir­kun­gen der Coro­na-Pan­de­mie. Das gesam­te Leben ist davon betrof­fen, auch die Arbeits­welt. Die IG Metall hat zu Fra­gen von Sicher­heit und Gesund­heit bei der Arbeit wesent­li­che Eck­punk­te zur Prä­ven­ti­on ver­fasst. Mit der Hand­lungs­hil­fe „Coro­na-Prä­ven­ti­on im Betrieb. Infek­ti­ons­ri­si­ken durch Arbeits­ge­stal­tung und Gesund­heits­schutz mini­mie­ren“ externer Link soll eine erfor­der­li­che Unter­stüt­zung für die Arbeit der betrieb­li­chen Inter­es­sen­ver­tre­tung gebo­ten wer­den. Auf­grund der bri­san­ten Aktua­li­tät möch­te ich die­se exzel­len­te Bro­schü­re auf mei­ner Web­site zur wei­te­ren Ver­brei­tung ver­öf­fent­li­chen.” Emp­feh­lung von und bei Klaus Picks­haus externer Link, sie­he auch die PM der IGM vom 21. April 2020 externer Link: Coro­na-Prä­ven­ti­on: Beschäf­tig­te im Betrieb schüt­zen
  • Coro­na und Arbeits­platz – Betriebs­rä­te und Beschäf­tig­te kön­nen han­deln. 
    Der Streit um die angeb­lich “neu­en” Regeln am Arbeits­platz ist müs­sig, zumal die­se viel­leicht “neu” sind aber schlech­ter als die “alten” und als gel­ten­de gesetz­li­che Bestim­mun­gen: So zB der Min­dest­ab­stand von 1,50 Meter statt wie anders­wo von 2 Metern ! Wäh­rend in öffent­li­chen Grün­an­la­gen der Min­dest­ab­stand poli­zei­lich (!) kon­trol­liert wird, wer­den die Abstän­de in den Betrie­ben von NIEMANDEM wirk­sam kon­trol­liert. Dort exis­tiert eine “poli­zei- und rechts­freie Zone”. Und das nicht nur für Abstän­de, son­dern für Des­in­fek­tio­nen, Mund- und Nasen­schutz­mas­ken und die Rück­sicht auf “Hoch­ri­si­ko­pa­ti­en­ten”. Im Gegen­teil: Die Unter­neh­mer zie­hen mit z.T. aben­teu­er­li­chen Geschich­ten, Dro­hun­gen, For­de­run­gen und Wei­sun­gen die Beschäf­tig­ten regel­recht über den Tisch. Eini­ge Bei­spie­le:
    1.
    Immer wie­der wird Urlaub, der nur auf Antrag des Arbeit­neh­mers gewährt wer­den kann, “zwangs­ver­ord­net” (wie zB bei Askle­pi­os Ham­burg). Immer wie­der wird von den Beschäf­tig­ten ver­langt, sie soll­ten sich “krank” schrei­ben las­sen, wenn sie sich nicht aus­rei­chend geschützt füh­len (wie zB bei der SAGA Ham­burg), obwohl sie gar nicht “krank” sind.
    2.
    Immer wie­der wer­den zu kur­ze Abstän­de zuge­las­sen, auch zu Kun­den, es wer­den kei­ne MNS-Mas­ken aus­ge­teilt, kei­ne Hand­schu­he aus­ge­teilt und nicht auf aus­rei­chen­de Des­in­fek­ti­on geach­tet (so lan­ge Zeit und teil­wei­se immer noch bei Super­märk­ten und in Pro­duk­ti­ons­be­trie­ben).
    3.
    Es wird völ­lig über­se­hen, daß schon nach der gel­ten­den Rechts­la­ge der Unter­neh­mer ver­pflich­tet ist, den Beschäf­tig­ten unter vol­ler Fort­zah­lung der Bezü­ge frei­zu­stel­len, wenn er n i c h t in der Lage oder bereit ist, für aus­rei­chen­den Schutz zu sor­gen und zwar o h n e Zwangs­ur­laub, oder unbe­zahl­ten Urlaub oder Krank­schrei­bung !
    4.
    Da wo es wel­che gibt, ist es Auf­ga­be der Betrie­brä­te jen­seits aller “Ver­ein­ba­run­gen” die Kol­le­gIn­nen dar­auf hin­zu­wei­sen, daß sie das Recht haben in Fäl­len die­ser Art zu Hau­se zu blei­ben und zwar o h n e Anrech­nung auf den Urlaubs­an­spruch. Nun han­delt end­lich. Es kann Euch nichts pas­sie­ren. Starrt nicht wie das Kanin­chen auf die Schlan­ge. Wir haben genug Zeit ver­lo­ren!” Bei­trag von RA Rolf Geff­ken vom 17.4.2020 (per e‑mail)

Der Bei­trag (IG Metall zu) Gesund­heits­schutz und Coro­na: „Arbeit­ge­ber und Betriebs­ärz­te schüt­zen Beschäf­tig­te zu wenig“ erschien zuerst auf Labour­Net Ger­ma­ny.

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