[labournet:] Merkel hamstert: Berlin diktiert [unsolidarischen] Kurs in Euro-Krise

Dossier

Coronavirus, die Hetze und der Ausnahmezustand: China im Shitstorm“Soli­da­ri­tät in Euro­pa? Fehl­an­zei­ge. Die Nord­eu­ro­pä­er wol­len den Ita­lie­nern nicht mal in Zei­ten der schwe­ren Coro­na­pan­de­mie zur Sei­te ste­hen. Auf dem Tref­fen der EU-Staats­chefs am Diens­tag abend hat­ten EZB-Prä­si­den­tin Chris­ti­ne Lagar­de und der ita­lie­ni­sche Minis­ter­prä­si­dent Giu­sep­pe Con­te vor­ge­schla­gen, eine Anlei­he für die gesam­te Euro-Zone auf­zu­le­gen. Der »Coro­nabond« kön­ne ein Zei­chen des Zusam­men­halts ange­sichts der hohen Zin­sen sein, die Rom zur Finan­zie­rung sei­nes Haus­halts auf den Finanz­märk­ten zah­len muss. Der Risi­ko­auf­schlag zehn­jäh­ri­ger ita­lie­ni­scher Staats­an­lei­hen hat­te sich im Ver­gleich zu deut­schen Staats­ti­teln bin­nen weni­ger Tage auf bis zu 3,3 Pro­zent ver­dop­pelt. Macron begrüß­te den Vor­schlag. Ein kur­zes »Nee« gab es vom nie­der­län­di­schen Minis­ter­prä­si­den­ten Mark Rut­te. Mer­kel ließ sich bit­ten. Die Kanz­le­rin habe betont, dass sie sich hin­ter den Ansatz des »Was-immer-nötig-ist« stel­le. Da aber der Bun­des­tag in der Fra­ge der »Schuld­ner­haf­tung« durch Euro-Bonds von sei­nem Nein nicht abrü­cken wer­de, müss­ten »rea­lis­ti­sche Lösun­gen« Prio­ri­tät haben. Wer will denn Ita­li­en hel­fen, wenn nach dem Shut­down wegen der Pan­de­mie Steu­er­geld in deut­sche Ban­ken gesteckt wer­den muss? Mer­kel schnür­te schon die nächs­ten Kür­zungs­pa­ke­te. Der Euro-»Rettungsfonds« ESM, den der deut­sche Klaus Reg­ling ver­wal­tet, sol­le Ita­li­en Kre­di­te bis zu 410 Mil­li­ar­den Euro zur Ver­fü­gung stel­len. Dort dik­tiert die eiser­ne Kanz­le­rin die Rück­zah­lungs­mo­da­li­tä­ten – und die ist beim Schul­den­ein­trei­ben nicht zim­per­lich, wie der Raub­zug gegen Grie­chen­land gezeigt hat. Con­te wehr­te sich hän­de­rin­gend. Er ver­lang­te bedin­gungs­lo­se Garan­tien für Staats­schul­den. (…) Ita­li­en ist öko­no­misch ein ande­res Kali­ber als Grie­chen­land, das von Spe­ku­lan­ten als schwächs­tes Glied in der Ket­te atta­ckiert wor­den war. Die Staats­chefs einig­ten sich auf die Plei­te­va­ri­an­te. Die Euro-Kri­se wird wei­ter ver­schleppt. (…) Wahr­schein­lich war­tet die Kanz­le­rin dem­nächst mit einer Par­al­lel­wäh­rung auf: dem »Sanifair«-Gut­schein, gehan­delt ohne Tem­po­li­mit an Auto­bahn­rast­stät­ten und gedeckt mit Rück­la­gen aus gehams­ter­tem Toi­let­ten­pa­pier.” Kom­men­tar von Simon Zei­se bei der jun­gen Welt vom 20. März 2020 bei der jun­gen Welt externer Link und kon­kre­te Bei­spie­le dafür:

  • Euro­päi­sche Soli­da­ri­tät für Deutsch­land: “Wer Euro­pa wirk­lich eini­gen will, hat die Pflicht, zunächst Soli­da­ri­tät mit jener Hälf­te Deutsch­lands zu zei­gen, die nur 1,5 Pro­zent des Ver­mö­gens besitzt” New
    “… Eine kürz­lich durch­ge­führ­te Stu­die bestä­tigt, dass die Hälf­te der Deut­schen nur 1,5 Pro­zent der Ver­mö­gens­wer­te des Lan­des besitzt, wäh­rend das obers­te 0,1 Pro­zent über 20 Pro­zent des Ver­mö­gens ver­fü­gen. Und die Ungleich­heit ver­schärft sich. Wäh­rend der letz­ten zwei Jahr­zehn­te ist das real ver­füg­ba­re Ein­kom­men der ärms­ten 50 Pro­zent gesun­ken, wäh­rend die Ein­künf­te des obers­ten einen Pro­zents gemein­sam mit Immo­bi­li­en­prei­sen und Akti­en­kur­sen rasch gestie­gen sind. Die Stim­mung in der deut­schen Öffent­lich­keit, ins­be­son­de­re der Wider­stand der Bevöl­ke­rung gegen die Idee einer Fis­kal­uni­on in der Euro­zo­ne muss vor dem Hin­ter­grund die­ser star­ken und zuneh­men­den Ungleich­heit ver­stan­den wer­den. Die deut­schen Arbeiter*innen, die zuneh­mend Schwie­rig­kei­ten haben, über die Run­den zu kom­men, ver­wei­gern sich ver­ständ­li­cher­wei­se der Idee, stän­dig rie­si­ge Geld­sum­men in ande­re Län­der flie­ßen zu las­sen. Die Tat­sa­che, dass Deutsch­land ins­ge­samt rei­cher wird, ist für sie irrele­vant. Aus Erfah­rung wis­sen sie, dass alles nach Ita­li­en oder Grie­chen­land flie­ßen­de Geld wohl von ihnen kom­men wird und nicht von den obers­ten 0,1 Pro­zent – ganz abge­se­hen davon, dass es wahr­schein­lich in den Taschen wider­li­cher grie­chi­scher Olig­ar­chen oder pri­va­ter deut­scher Unter­neh­men lan­den wird, die grie­chi­sche Ver­mö­gens­wer­te für ein But­ter­brot erwor­ben haben. (…) Wer Euro­pa wirk­lich eini­gen will, hat die Pflicht, zunächst Soli­da­ri­tät mit jener Hälf­te Deutsch­lands zu zei­gen, die nur 1,5 Pro­zent des Ver­mö­gens besitzt. Bevor wir über Euro­bonds reden, müs­sen wir uns zunächst für höhe­re deut­sche Löh­ne, ein Ver­bot von Akti­en­rück­käu­fen sowie dras­tisch ein­ge­dämm­te Bonus­zah­lun­gen in Unter­neh­men ein­set­zen. Als nächs­tes müs­sen wir unse­ren deut­schen Freun­den zei­gen, dass die aktu­el­le EU-Poli­tik das Wohl­stands­ge­fäl­le in Deutsch­land ver­stärkt, weil sich der Reich­tum der 0,1 Pro­zent eben­so ver­grö­ßert wie die Pro­ble­me der Mehr­heit. Schließ­lich müs­sen wir ihnen erklä­ren, was eine ech­te Fis­kal­uni­on aus­macht: näm­lich nicht den Wohl­stands­trans­fer von Deutsch­land nach Grie­chen­land oder von den Nie­der­lan­den nach Ita­li­en, son­dern von Ham­burg, der Lom­bar­dei und Nord-Athen nach Thü­rin­gen, Kala­bri­en und Thra­ki­en.” Kom­men­tar von Yanis Varou­kis vom 5. August 2020 in der DGB-Gegen­blen­de externer Link (aus dem Eng­li­schen von Hel­ga Klin­ger-Groier)
  • Demo­kra­tie, Zukunft und Soli­da­ri­tät blei­ben beim “Wie­der­auf­bau” auf der Stre­cke 
    Aus­ge­rech­net an Punk­ten, an denen es beson­ders im EU-Gebälk knirscht, wur­den die Wei­chen eher für wei­te­re sie­ben Jah­re in die völ­lig fal­sche Rich­tung gestellt. Die gute Nach­richt ange­sichts des EU-Son­der­gip­fels zum soge­nann­ten “Wie­der­auf­bau­fonds” und des Haus­halt von 2021 bis 2027 ist, dass der Haus­halt vom Euro­pa­par­la­ment auf brei­ter Front abge­lehnt wird, der mit dem Fonds unter dem Titel “Next Genera­ti­on EU” ver­rührt wur­de. 465 Par­la­men­ta­ri­er stimm­ten des­halb am Don­ners­tag einem über­frak­tio­nel­len Ent­schlie­ßungs­an­trag zu, der die Über­ein­kunft zum “Mehr­jäh­ri­gen Finanz­rah­men” (MFR) der EU “in sei­ner der­zei­ti­gen Fas­sung” ablehnt. Die über­gro­ße Mehr­heit droht mit einem Veto für den MFR. Nur 150 der Par­la­men­ta­ri­er hat­ten gegen den frak­ti­ons­über­grei­fen­den Antrag gestimmt, wäh­rend sich 67 ent­hiel­ten. Eine Zustim­mung soll ver­wei­gert wer­den, bis “eine zufrie­den­stel­len­de Eini­gung erzielt wird”. Gedroht wird mit einem Veto und das Par­la­ment erin­nert, dass ein Haus­halt ohne Zustim­mung des Par­la­ments unmög­lich ist. (…) In dem Antrag wer­den auch Kür­zun­gen bei “Bil­dung, digi­ta­lem Wan­del und Inno­va­ti­on” kri­ti­siert, wel­che die Zukunft der nächs­ten Genera­ti­on von Euro­pä­ern gefähr­de. Vom Ziel, dass die EU-Aus­ga­ben eigent­lich hät­ten “moder­ner” aus­fal­len sol­len, ist ohne­hin nichts zu sehen. Sehr deut­lich sieht man das an der Zukunfts­fra­ge des Kli­ma­schut­zes. Und da wur­de wahr­lich kein Sprung nach vor­ne gemacht, was man ange­sichts der stän­di­gen Beteue­run­gen unse­rer Poli­ti­ker eigent­lich hät­te erwar­ten müs­sen, son­dern es soll sogar eher eine Rol­le rück­wärts geben. So wür­den “die vor­ge­schla­ge­nen Kür­zun­gen bei Pro­gram­men zur Unter­stüt­zung der Umge­stal­tung CO2-abhän­gi­ger Regio­nen der Agen­da des Grü­nen Deals der EU zuwi­der­lau­fen”, wird in dem über­frak­tio­nel­len Antrag aus­ge­führt. Statt jetzt in Rich­tung Nach­hal­tig­keit und Kli­ma­schutz mit viel Geld umzu­steu­ern, kom­men Beob­ach­ter aller­dings all­seits zum Ergeb­nis, dass am “Kli­ma­schutz mas­siv gekürzt wird” (…) Gel­der für den bereits beschlos­se­nen Fonds für den Struk­tur­wan­del in Koh­le­re­gio­nen wur­den von geplan­ten 40 auf 17,5 Mil­li­ar­den Euro für die gesam­te EU gekürzt. Allein Deutsch­land will dage­gen mit 40 Mil­li­ar­den dafür mehr als eine dop­pel­te Sum­me im eige­nen Land auf­brin­gen, was die EU nun für alle Mit­glieds­län­der vor­sieht. Doch in Brüs­sel kann man auch dar­auf noch einen drauf­set­zen. Polen bekommt allein die Hälf­te der geplan­ten Gel­der für den geplan­ten Struk­tur­wan­del. Das Land wird also dafür auch noch belohnt, dass es sich als ein­zi­ges Land der Gemein­schaft nicht dazu bekennt, das EUZiel der Kli­ma­neu­tra­li­tät bis 2050 zu errei­chen. Das ist die Real­po­li­tik der EU. Vom Euro­pa­par­la­ment wird auch mas­siv kri­ti­siert, dass Auto­kra­ten in der EU wei­ter auch an der Stel­le kei­ne Abstri­che machen müs­sen, an denen es sie am meis­ten schmer­zen wür­de, wenn sie gegen die Prin­zi­pi­en der Rechts­staat­lich­keit ver­sto­ßen…” Arti­kel von Ralf Streck vom 26. Juli 2020 bei tele­po­lis externer Link
  • Gute Mer­kel, böser Kurz? Was beim EU-Gip­fel wirk­lich geschah /​Was bringt der Coro­na-Hilfs­fonds wirk­lich?
    • Gute Mer­kel, böser Kurz? Was beim EU-Gip­fel wirk­lich geschah
      “… Näch­te­lang haben die Staats- und Regierungschef*innen über das EU-Bud­get für die nächs­ten Jah­re (2021–2027) und neue EU-Maß­nah­men gegen die Coro­na­kri­se ver­han­delt. Schließ­lich haben sie im Wesent­li­chen das beschlos­sen, was Ange­la Mer­kel und Emma­nu­el Macron sowie zuletzt die EU-Kom­mis­si­on vor­schlu­gen: Die EU wei­tet ihr Bud­get aus und die Mit­glied­staa­ten erhal­ten zur Bewäl­ti­gung der Kri­se Kre­di­te und Bei­hil­fen von der EU-Kom­mis­si­on. Dafür gibt es etwa 750 Mil­li­ar­den Euro – etwa zur Hälf­te (rück­zahl­ba­re) Kre­di­te und (nicht rück­zahl­ba­re) Bei­hil­fen. Die­ser soge­nann­te Auf­bau­plan wird an Auf­la­gen geknüpft (…). Die EU finan­ziert das Gan­ze, indem sie an den Finanz­märk­ten Geld auf­nimmt. (…) 750 Mil­li­ar­den mag nach viel klin­gen, sind für die gesam­te EU aber ange­sichts der Tie­fe der Kri­se wenig – vor allem über meh­re­re Jah­re. Wirk­lich bedeut­sam sind auch nur die 390 Mil­li­ar­den an Bei­hil­fen, denn güns­ti­ge Kre­di­te bekom­men die Mit­glied­staa­ten der­zeit dank der EZB-Poli­tik auch anders­wo. Die neu­en Bei­hil­fen machen ins­ge­samt für drei Jah­re etwa 0,7 Pro­zent der EU-Wirt­schafts­leis­tung aus. Die­se bricht allei­ne heu­er jedoch um vor­aus­sicht­lich 8,3 Pro­zent ein. Die Mit­tel sind also gering und kön­nen frü­hes­tens ab nächs­tem Jahr flie­ßen, viel­leicht sogar noch spä­ter. Doch gera­de beim Umbau zu einer kli­ma­neu­tra­len Wirt­schaft, der angeb­lich mit den Coro­na-Mit­teln vor­an­ge­trie­ben wer­den soll, dür­fen wir kei­ner­lei Zeit ver­lie­ren. Wäre es nur zu wenig Geld, so wür­de der EU-Plan viel­leicht nicht viel hel­fen, aber dafür auch kei­nen Scha­den anrich­ten. Doch die Gefahr ist groß, dass die Län­der einen hohen Preis für die Bei­hil­fen zah­len müs­sen. (…) Die Geschich­te zeigt, dass die Emp­feh­lun­gen der EU-Kom­mis­si­on eine klar neo­li­be­ra­le Schlag­sei­te haben. Zwi­schen 2011 und 2018 „emp­fahl“ sie Staa­ten 105-mal Pen­si­ons­kür­zun­gen und 50-mal Maß­nah­men gegen Lohn­stei­ge­run­gen. Gan­ze 63-mal for­der­te die Kom­mis­si­on sogar Kür­zun­gen und Pri­va­ti­sie­run­gen im Gesund­heits­sys­tem. Die EU-Coro­na-Hil­fen wer­den nun also an ein Instru­ment gebun­den, das in der Ver­gan­gen­heit die Gesund­heits­ver­sor­gung in Euro­pa gefähr­det hat. Vie­le argu­men­tie­ren jetzt: Es könn­te dies­mal anders kom­men. Viel­leicht hat die EU-Kom­mis­si­on ja dazu­ge­lernt! Doch dafür gibt es wenig Anhalts­punk­te, wäh­rend die Erfah­run­gen der jün­ge­ren Geschich­te ein kla­res und düs­te­res Bild zeich­nen. Hin­zu kommt: Es ist grund­sätz­lich unde­mo­kra­tisch, dass die EU-Kom­mis­si­on als unge­wähl­te Exe­ku­ti­ve allei­ne ent­schei­den darf, wer zu wel­chen Bedin­gun­gen Geld bekommt – und wer nicht. (…) Man­che Medi­en und Kommentator*innen mei­nen jetzt: Kurz und Co. waren gei­zig und unso­li­da­risch, Mer­kel hin­ge­gen pro­eu­ro­pä­isch und groß­zü­gig. Das ist falsch und über­sieht drei Din­ge: Ers­tens waren Mer­kel und Macron von Anfang an dafür, nur jenen Staa­ten zu hel­fen, die die neo­li­be­ral gepräg­ten Bedin­gun­gen der EU-Kom­mis­si­on umset­zen. (…) Zwei­tens bre­chen die neu­en Maß­nah­men nicht mit der neo­li­be­ra­len Grund­aus­rich­tung der EU, son­dern pas­sen sie nur der Kri­se an. (…) Und drit­tens ent­hal­ten die Beschlüs­se des EU-Gip­fels auch in ande­ren Poli­tik­be­rei­chen vie­les, was pro­gres­si­ve Kräf­te ableh­nen müs­sen. So sieht das neue Bud­get viel Geld für die Mili­ta­ri­sie­rung nach außen und innen vor: 23 Mil­li­ar­den mehr für die töd­li­che Abschot­tung der Außen­gren­zen und 20 Mil­li­ar­den mehr für neue Waf­fen­sys­te­me und „Sicher­heit“. (…) Eine ech­te lin­ke Posi­ti­on muss bei­des kri­ti­sie­ren: den natio­na­lis­ti­schen Dis­kurs von Kurz und Co. und die pro­eu­ro­päi­sche Insze­nie­rung von Mer­kel und Macron. Denn bei­de Sei­ten ste­hen für die glei­che, zer­stö­re­ri­sche EU-Poli­tik des Stand­ort­wett­be­werbs, der aus­beu­te­ri­schen Han­dels­po­li­tik und des töd­li­chen Grenz­re­gimes. Um eine fun­dier­te Kri­tik und wirk­sa­me poli­ti­sche Alter­na­ti­ven zu ent­wi­ckeln, müs­sen wir uns von der Idee lösen, alles „Pro­eu­ro­päi­sche“ wäre gut.” Lisa Mit­ten­drein beant­wor­tet am 22. Juli 2020 im mosa­ik-blog externer Link die wich­tigs­ten Fra­gen rund um den EU-Gip­fel
    • Was bringt der Coro­na-Hilfs­fonds wirk­lich?
      “… Ist die Fra­ge erlaubt, ob das schul­den­fi­nan­zier­te Hilfs­pro­gramm aus­reicht, um die schlimms­te Rezes­si­on seit dem 2. Welt­krieg zu lin­dern? Ist das Ziel der Hil­fen mit „Wie­der­auf­bau“ rich­tig beschrie­ben, müss­te es nicht viel­mehr um einen Umbau oder Neu­start gehen? Und was ist mit den Kon­di­tio­nen bei der Mit­tel­ver­ga­be? Um die­se Pro­ble­me ist es merk­wür­dig still gewor­den. Der „Reco­very Fund“ wird als alter­na­tiv­los dar­ge­stellt – oder sogar zu einem Mei­len­stein und Wen­de­punkt der EU-Geschich­te ver­klärt. (…) Die Kri­ti­ker argu­men­tie­ren auf drei Ebe­nen: Der Wie­der­auf­bau-Fonds sei zu klein und kom­me zu spät, um die Wirt­schaft zu stüt­zen und die Kri­se zu lösen. Die Zie­le des Wie­der­auf­baus sei­en an sich frag­wür­dig, der fäl­li­ge Umbau der Wirt­schaft kom­me zu kurz. Der Plan kön­ne die EU auf Dau­er schwä­chen und zu einer neu­en, har­ten Aus­teri­täts­po­li­tik füh­ren…” Ein­schät­zung vom 23. Juli 2020 von und bei Lost in Euro­pe externer Link (1/​2) und ebd. am 24.7.2020: Was bringt der Coro­na-Hilfs­fonds wirk­lich? (2/​2) externer Link: “Zu wenig, zu spät – so kri­ti­sie­ren Öko­no­men den neu­en, schul­den­fi­nan­zier­ten Wie­der­auf­bau-Fonds. Doch wie sieht es mit dem Kli­ma­schutz aus? Und was pas­siert, wenn der Fonds aus­ge­schöpft ist und die Schul­den zurück­ge­zahlt wer­den müs­sen? (…) Der Ziel­kon­flikt zwi­schen dem „Wie­der­auf­bau“ der Wirt­schaft nach Coro­na und dem fäl­li­gen Umbau für den Kli­ma­schutz ist nicht gelöst; er wird nicht ein­mal offen dis­ku­tiert. Erheb­li­chen Klä­rungs­be­darf gibt es auch noch bei der Fra­ge, was nach dem Ende des Wie­der­auf­bau-Pro­gramms pas­siert – und wel­che Fol­gen das für die EU haben wird. Bis­her ist vor­ge­se­hen, dass das Kon­junk­tur­pro­gramm nach drei Jah­ren aus­läuft und dann, nach einer kur­zen „Ver­schnauf­pau­se“, die Rück­zah­lung der Schul­den beginnt. Die EU-Kom­mis­si­on will den Schul­den­dienst auf 30 Jah­re stre­cken und erst nach dem Ablauf der neu­en Finanz­pe­ri­ode, also 2028, mit der Rück­zah­lung begin­nen. Kanz­le­rin Mer­kel und die „spar­sa­men Vier“ for­dern jedoch eine schnel­le­re Beglei­chung der Schul­den. Dies dürf­te zulas­ten des EU-Bud­gets gehen, das ohne­hin knapp bemes­sen ist….”
    • EU-Coro­na­fonds: Vor­spiel auf die Zahl­ta­ge
      “… Par­tei­über­grei­fend sto­ßen die Abge­ord­ne­ten ins Horn. Ihnen stinkt, dass in Brüs­sel nicht nur Hil­fen für Kri­sen­staa­ten und ange­schla­ge­ne Bran­chen aus­ge­kno­belt wur­den, son­dern auch Kür­zun­gen bei Bil­dung und For­schung, bei Kli­ma­schutz, bei inter­na­tio­na­ler Zusam­men­ar­beit, Migra­ti­on und aus­ge­rech­net Gesund­heit. Auch sind klei­ne­re Betrie­be für das Hilfs­pa­ket eine Num­mer zu klein, Stüt­zen sol­len ihnen gekappt wer­den. Gern möch­ten die EU-Volks­ver­tre­ter stra­fen dür­fen, wenn der Rechts­staat demon­tiert wird. Oder, wo Kor­rup­ti­on und Vet­tern­wirt­schaft noch auf die alte Art wal­ten. Das Rie­sen­ding ist schon des­halb kein Grund zur Eupho­rie, weil die Gegen­fi­nan­zie­rung des Pro­gramms erst noch aus­zu­han­deln ist. Die Zeit drängt. Etwas ver­süßt, wer­den die gro­ßen Frak­tio­nen die Pil­le schon schlu­cken. Die rich­tig bit­te­ren – für die 99 Pro­zent – die kom­men erst noch.” Kom­men­tar von Peter Stei­ni­ger vom 23.07.2020 in ND online externer Link
    • Sie­he auch: Ist Euro­pa geschei­tert – oder gera­de noch ein­mal nicht? Kom­men­tier­te Pres­se­schau von Vol­ker Bahl vom 22.7.2020
  • Erpress­ter Kom­pro­miss /​Ein abge­kar­te­tes Spiel? 
    • Erpress­ter Kom­pro­miss
      Die poli­ti­schen Kol­la­te­ral­schä­den die­ses Kri­sen­tref­fens wer­den kata­stro­phal sein. Emma­nu­el Macron sucht Trost in Flos­keln, wenn er es „his­to­risch“ nennt. Tat­säch­lich wur­de in die­sen vier Tagen und Näch­ten eine his­to­ri­sche Chan­ce ver­spielt. Sie bestand dar­in, in einem Augen­blick der Not Staa­ten und Völ­ker ein­mal nicht gegen­ein­an­der aus­zu­spie­len, son­dern als Schick­sals­ge­mein­schaft des gegen­sei­ti­gen Bei­stands zu ver­ste­hen. Das ist gründ­lich miss­lun­gen. Die von der Coro­na-Pan­de­mie am schwers­ten betrof­fe­nen Staa­ten müs­sen sich behan­delt füh­len wie vor einem Jahr­zehnt die Groß­schuld­ner der Euro­kri­se: als Mis­se­tä­ter, nicht als Opfer, als Kost­gän­ger, nicht als Hilfs­be­dürf­ti­ge. Ihnen wird bedeu­tet: Allein Wohl­ver­hal­ten, die Annah­me von Auf­la­gen, die Dis­zi­pli­nie­rung führt zum Anspruch auf Unter­stüt­zung, die noch dazu gerin­ger aus­fällt – nimmt man die Höhe der soge­nann­ten „Zuschüs­se“ – als ursprüng­lich erwar­tet. Da lässt sich nichts ein­fach abha­ken. Denn was hat die Kom­pro­miss­ma­schi­ne EU dies­mal pro­du­ziert? Einen müh­sam aus­ge­han­del­ten Schluss­kon­sens, den man letzt­lich ablie­fern muss­te, um sich als Staa­ten­as­so­zia­ti­on mit glo­ba­ler Ambi­ti­on nicht voll­ends lächer­lich zu machen. Was viel mehr ins Gewicht fällt, das sind die poli­ti­schen Kol­la­te­ral­schä­den die­ser Brüs­se­ler Tage: Res­sen­ti­ments bis hin zur Feind­se­lig­keit zwi­schen ein­zel­nen Regie­rungs­chefs, Kon­flikt­li­ni­en zwi­schen Nord und Süd, zugleich und ver­här­tet wie noch nie zwi­schen Ost und West, ein immenser Ver­trau­ens­ver­lust…” Arti­kel von Lutz Her­den vom 21.07.2020 im Frei­tag online externer Link
    • Ein abge­kar­te­tes Spiel?
      Nach dem EU-Gip­fel jubeln die Regie­rungs­chefs der Nie­der­lan­de und Ungarns, Rut­te und Orban, beson­ders laut. Kanz­le­rin Mer­kel ist ihnen nicht in die Para­de gefah­ren, son­dern ließ sie tage­lang gewäh­ren. War es ein abge­kar­te­tes Spiel? Schon vor dem Mara­thon-Gip­fel gab es Gerüch­te, dass Mer­kel eini­ge beson­de­re Rück­sich­ten neh­men wer­de. Die Kanz­le­rin hat sie selbst ange­heizt. So emp­fing sie Rut­te im Ber­li­ner Kanz­ler­amt und erklär­te, dass die Coro­na­hil­fen an strik­te Reform­auf­la­gen geknüpft wer­den müs­sen – das war dann Rut­tes ers­te For­de­rung beim EU-Gip­fel. Zudem ließ sie durch­bli­cken, dass der Rechts­staat – etwa in Ungarn – kei­ne Prio­ri­tät genie­ßen wer­de. Erst ein­mal müs­se man ein EU-Bud­get haben, um dann die Hil­fen an den Rechts­staat zu bin­den, erklär­te Mer­kel. Auch das ist genau­so gekom­men. Das The­ma Rechts­staat wur­de erst ganz am Schluß des Gip­fels auf­ge­ru­fen – und dann mit vagen For­mel­kom­pro­mis­sen abge­han­delt…” Bei­trag von Eric Bon­se vom 21. Juli 2020 in sei­nem Blog LostI­nEU externer Link
  • [EU-Gip­fel] Deutsch­land soll größ­ten Rabatt bekom­men 
    In der Fra­ge der Bei­trags-Rabat­te sitzt Kanz­le­rin Mer­kel mit den “Fru­gal Four” in einem Boot. Neue Zah­len vom EU-Gip­fel ent­hül­len, wie hoch der Nach­laß aus­fällt: Deutsch­land spart am meis­ten! Kanz­le­rin Mer­kel ret­tet die EU – so berich­ten die Medi­en über den deut­schen Rats­vor­sitz. Doch Mer­kel sichert sich auch einen Rabatt auf den Preis der “Ret­tung” – und der fällt beacht­lich aus. Sat­te 3,671 Mrd. Euro soll der Bei­trags­nach­lass in den nächs­ten sie­ben Jah­ren aus­ma­chen, schlägt Rats­prä­si­dent Michel vor. Dabei gibt es dafür kei­nen trif­ti­gen Grund mehr; der his­to­ri­sche Auf­hän­ger, der Bri­ten-Rabatt, ist ja ent­fal­len. Auf Platz zwei kom­men die Nie­der­lan­de mit 1,576 Mrd. Euro. Schwe­den, Öster­reich und Däne­mark dür­fen sich sogar noch über ein Auf­sto­ckung ihrer Rabat­te freu­en. Sie wach­sen auf 823, 287 bzw. 222 Mill. Euro. Logisch, das sind ja auch die größ­ten Net­to­zah­ler, könn­te man sagen. Doch so ein­fach ist die Sache nicht. Denn auch Ita­li­en und Frank­reich sind Net­to­zah­ler in der EU. Paris und Rom müs­sen nun tie­fer in die Tasche grei­fen, um die Rabat­te zu finan­zie­ren. Dabei hat sie die Coro­na­kri­se viel här­ter getrof­fen als die “fru­ga­len” Län­der und Deutsch­land. Zudem gibt es noch ein Pro­blem: Mer­kel for­dert, mit der Rück­zah­lung der EU-Schul­den für den Wie­der­auf­bau noch in der kom­men­den Bud­get­pe­ri­ode zu begin­nen, ver­mut­lich 2026. Dann wür­de aber auch der Deutsch­land-Rabatt auch auf den Schul­den­dienst ange­rech­net. Das größ­te und mäch­tigs­te EU-Land bekä­me einen Nach­lass auf den “Wie­der­auf­bau”…” Bei­trag von Eric Bondes vom 19. Juli 2020 in sei­nem Blog Lost in EU externer Link
  • Mer­kel for­dert strik­te Reform­auf­la­gen für die Hilfs­emp­fän­ger /​Varou­fa­kis: „Euro­pa wird trau­rig und geteilt sein“ 
    • [Mer­kel for­dert strik­te Reform­auf­la­gen für die Hilfs­emp­fän­ger] “Hat sich Mer­kel schon bewegt?”
      “… Am Frei­tag unter­neh­me man “einen ers­ten Ver­such”, sich über den EU-Finanz­rah­men und den Coro­na-Hilfs­fonds zu ver­stän­di­gen, sag­te Mer­kel nach einem Tref­fen mit Bay­erns Minis­ter­prä­si­dent Söder. Sie wis­se nicht, ob eine Eini­gung gelin­ge oder nicht. Ähn­lich äußer­te sich der nie­der­län­di­sche Regie­rungs­chef Rut­te. Die jüngs­ten Reak­tio­nen hin­ter den Kulis­sen stimm­ten ihn nicht gera­de hoff­nungs­voll. Das ist inso­fern bemer­kens­wert, als es ja gera­de Mer­kel und Rut­te in der Hand haben, das Tref­fen zum Erfolg zu füh­ren. Genau wie beim letz­ten EU-Bud­get­gip­fel im Febru­ar kommt es auf Ber­lin und Den Haag an. Mer­kels Jobs wäre es, Rut­te von sei­nem “Nein” zu schul­den­fi­nan­zier­ten Zuschüs­sen abzu­brin­gen. Außer­dem müss­te sie ihm klar­ma­chen, dass Den Haag nicht über Refor­men in den Kri­sen­län­dern bestim­men kann. Doch das tut sie nicht – im Gegen­teil. Bei ihrem Tref­fen mit Rut­te in Ber­lin for­der­te auch Mer­kel strik­te Reform­auf­la­gen für die Hilfs­emp­fän­ger. Sie bestärk­te Rut­te damit in sei­nem Wider­stand, statt ihn umzu­stim­men. Zudem besteht Mer­kel mehr denn je auf dem deut­schen EU-Rabatt – trotz des schrump­fen­den Gemein­schafts-Bud­gets. Auch das ist eine Posi­ti­on, die sie mit Rut­te und den “spar­sa­men Vier” teilt. Dabei sind Rabat­te in einem schrump­fen­den Haus­halt – und genau das liegt auf dem Tisch – dop­pelt per­vers. Sie füh­ren dazu, dass Kri­sen­län­der wie Ita­li­en (Net­to­zah­ler!) mehr zah­len müs­sen – und sie schwä­chen den Haus­halt noch mehr. Hat sich Mer­kel schon bewegt? Nein – und wenn doch, dann eher in die fal­sche Rich­tung…” Kom­men­tar von Eric Lon­se vom 15. Juli 2020 in Lost in Euro­pe externer Link
    • Varou­fa­kis: „Euro­pa wird trau­rig und geteilt sein“
      “Der frü­he­re grie­chi­sche Finanz­mi­nis­ter Yanis Varou­fa­kis glaubt, dass die neu­en Coro­na-Mil­li­ar­den der EU nicht den Arbei­tern, son­dern den Olig­ar­chen zugu­te kom­men wer­den”, und begrün­det dies im Inter­view von Micha­el Mai­er am 14. Juli 2020 in der Ber­li­ner Zei­tung online externer Link u.a. so: “… Der [Corona-]Fonds wur­de als Ersatz für Euro­bonds ent­wi­ckelt. Er ist er aber kein Ersatz. Sei­ne Struk­tur spal­tet und führt zu grö­ße­rer Unei­nig­keit unter den Euro­pä­ern. Und schließ­lich: Er ist zu klein und kommt zu spät. (…) Ich bin ent­setzt dar­über, dass die EU-Kom­mis­si­on auf der Grund­la­ge von Daten aus der Ver­gan­gen­heit fest­le­gen will, wel­ches Land wie vie­le Mil­li­ar­den in Zukunft erhal­ten soll. Das ist schreck­lich, weil ein Land, ein Volk gegen das ande­re aus­ge­spielt wird. Was wir bräuch­ten, wäre eine Sum­me, die in jene Regio­nen in Euro­pa umge­lei­tet wird, die am drin­gends­ten Unter­stüt­zung benö­ti­gen. Es gibt arme Tei­le Deutsch­lands, die mehr betrof­fen sein wer­den als rei­che­re Tei­le Spa­ni­ens. Die ver­füg­ba­re Gesamt­sum­me soll­te nach den Bedürf­nis­sen bestimm­ter euro­päi­scher Regio­nen und Sek­to­ren ver­teilt wer­den. Schließ­lich wird die­ser Fonds nur sehr wenig dazu bei­tra­gen, die Aus­teri­tät abzu­fe­dern, die mit der Rück­kehr zum Fis­kal­pakt erfor­der­lich wird. Der Coro­na-Fonds wird auf die glei­che Wei­se schei­tern, wie die vie­len Mil­li­ar­den aus den Struk­tur­fonds, die die Fol­gen der Aus­teri­tät in den Jah­ren von 2010 und 2016 nicht gemil­dert haben. (…) Die Arbei­ter müs­sen wei­ter zuse­hen, wie ihre Aus­sich­ten sowohl im Nor­den als auch im Süden schwin­den, wäh­rend die Finan­ziers und die Mana­ger gro­ßer Unter­neh­men die Früch­te die­ses Sozia­lis­mus für eine Olig­ar­chie ein­strei­chen. Die Mehr­heit der Grie­chen und der Deut­schen dage­gen wird unter den Fol­gen eines har­ten Aus­teri­täts­kur­ses zu lei­den haben. (…) [Die Lin­ken] soll­ten eine trans­na­tio­na­le, pan­eu­ro­päi­sche Bewe­gung grün­den mit einer gemein­sa­men Wirt­schafts­agen­da, für die wir uns über­all in den Nie­der­lan­den, Finn­land, Deutsch­land, Grie­chen­land, Ita­li­en ein­set­zen. Dar­auf haben wir bei DiEM25 hin­ge­ar­bei­tet. Kann das gelin­gen? Ja, es kann. Wird es gelin­gen? Das hängt von uns ab…”
  • Auch Bil­lio­nen wer­den die schlimms­te Rezes­si­on des Jahr­hun­derts nicht ver­hin­dern 
    “Der Streit um den “Wie­der­auf­bau­fonds” der EU geht in die nächs­te Run­de, vor dem Gip­fel der Staats- und Regie­rungs­chefs bestehen wei­ter “gro­ße Mei­nungs­ver­schie­den­hei­ten” (…) Nun stell­te die OECD deut­li­che rea­lis­ti­sche­re Ein­schät­zun­gen vor, in dem das Wort “Wachs­tum” in die­sem Jahr nicht mehr vor­kommt und opti­mis­tisch in das nächs­te Jahr ver­bannt wur­de. Die OECD-Chef­volks­wir­tin spricht nun von der “schwers­ten Gesund­heits- und Wirt­schafts­kri­se seit dem Zwei­ten Welt­krieg”. (…) Die Euro­päi­sche Zen­tral­bank (EZB) hat­te schon zuvor ver­kün­det, dass das längst aus­ge­wei­te­te umstrit­te­ne Ankauf­pro­gramm noch wei­ter aus­ge­wei­tet wird. Auf die bereits geplan­ten 750 Mil­li­ar­den Euro wer­den wei­te­re 600 Mil­li­ar­den auf­ge­sat­telt, auch hier wur­de die Gren­ze der Bil­li­on nun spie­lend mit einer Gesamt­sum­me von ins­ge­samt 1,35 Bil­lio­nen Euro über­schrit­ten, bei der es sicher auch nicht blei­ben wird. (…) Um viel Geld geht es auch beim Gip­fel am kom­men­den Don­ners­tag und Frei­tag, wenn die Regie­rungs­chefs der EU zusam­men­ge­schal­tet wer­den. Gestrit­ten wird wei­ter hef­tig um den soge­nann­ten “Wie­der­auf­bau­fonds”, mit dem so getan wird, als sei Euro­pa durch einen Krieg ver­wüs­tet wor­den. Der Fonds soll ein Teil von Gesamt­aus­ga­ben im Umfang von bis zu 2,4 Bil­lio­nen Euro sein, wenn es nach der EU-Kom­mis­si­on geht. (…) Hoch wahr­schein­lich ist, dass es am Frei­tag kei­ne Eini­gung geben wird. Wirk­li­che Ent­schei­dun­gen wird es ver­mut­lich erst am 9. und 10. Juli geben, wenn sich die Staats- und Regie­rungs­chefs in Brüs­sel real zusam­men­set­zen wer­den. Abseh­bar ist auch, dass Öster­reich, Däne­mark, Schwe­den und die Nie­der­lan­de ihre Posi­ti­on auf­ge­ben wer­den, wonach nur Kre­di­te ver­ge­ben wer­den kön­nen. Es wird mit aller Wahr­schein­lich­keit beim von Mer­kel und Macron ange­dach­ten Rah­men von 500 Mil­li­ar­den blei­ben. Die­se Mit­tel wer­den dann wahr­schein­lich sowohl als Zuschüs­se flie­ßen, die nicht zurück­ge­zahlt wer­den müs­sen, und als Kre­di­te. Ein typi­scher EU-Kom­pro­miss halt, eine tech­nisch und kei­ne inhalt­li­che Lösung…” Bei­trag von Ralf Streck vom 15. Juni 2020 bei Tele­po­lis externer Link
  • EU-Kon­junk­tur­pro­gramm: Eine neue euro­päi­sche Fis­kal­po­li­tik 
    “Die Euro­päi­sche Kom­mis­si­on hat letz­te Woche ihre Plä­ne für ein wirt­schaft­li­ches Auf­bau­pro­gramm vor­ge­legt. So sol­len bis zu 750 Mil­li­ar­den Euro für die Mit­glieds­staa­ten frei­ge­setzt wer­den. Bevor die­ses Geld jedoch bei den Län­dern ankommt, müs­sen sie einen kom­pli­zier­ten Ent­schei­dungs­pro­zess durch­lau­fen. Der DGB-klar­text for­dert Nach­bes­se­run­gen. (…) Der Kern des Kom­mis­si­onvor­schlags besteht dar­in, einen neu­en Fonds zu schaf­fen mit dem sper­ri­gen Titel „Auf­bau- und Resi­li­enz­fa­zi­li­tät“. Die­ser Fonds soll an das Euro­päi­sche Semes­ter gekop­pelt sein. Hier ver­sucht die Kom­mis­si­on zum wie­der­hol­ten Male ein Instru­ment zu eta­blie­ren, um die Mit­glied­staa­ten dazu zu brin­gen, die wirt­schafts­po­li­ti­schen Emp­feh­lun­gen der Kom­mis­si­on effek­ti­ver umzu­set­zen. (…) Die Ver­knüp­fung mit dem euro­päi­schen Semes­ter ist nicht ziel­füh­rend. Zwar beinhal­ten die Emp­feh­lun­gen der Kom­mis­si­on regel­mä­ßig Reform­vor­schlä­ge, die wir als Gewerk­schaf­ten begrü­ßen. Dazu gehört die Aus­wei­tung öffent­li­cher Inves­ti­tio­nen, um die deut­sche Wirt­schaft fit zu machen für den Struk­tur­wan­del, der sich durch Kli­ma­wan­del und Digi­ta­li­sie­rung ergibt. Zugleich kri­ti­sie­ren wir aber regel­mä­ßig Tei­le der län­der­spe­zi­fi­schen Emp­feh­lun­gen. Die­ses Jahr etwa for­dert die Kom­mis­si­on den Büro­kra­tie- und Ver­wal­tungs­auf­wand für Unter­neh­men zu ver­rin­gern. Die­se Ein­schät­zung tei­len wir nicht. Auch in ande­ren EU-Län­dern sto­ßen die Reform­vor­schlä­ge, die oft auf Kür­zun­gen zie­len, regel­mä­ßig auf Ableh­nung bei den Gewerk­schaf­ten. (…) Dar­über hin­aus sind die bis­lang von der Kom­mis­si­on vor­ge­se­he­nen Ent­schei­dungs­pro­zes­se der Fazi­li­tät ten­den­zi­ell unde­mo­kra­tisch: Hier will sich die Kom­mis­si­on weit­ge­hen­de poli­ti­sche Auto­no­mie sichern und schlägt vor, dass sie über die kon­kre­te Mit­tel­ver­ga­be in Form eines Durch­füh­rungs­rechts­ak­tes beschließt. Es wäre ange­bracht, hier ins­be­son­de­re das Euro­päi­sche Par­la­ment und die natio­na­len Par­la­men­te stär­ker ein­zu­be­zie­hen. (…) Mit der Auf­bau- und Resi­li­enz­fa­zi­li­tät wird die Euro­päi­sche Kom­mis­si­on die Inves­ti­ti­ons- und Reform­vor­ha­ben der Mit­glied­staa­ten in naher Zukunft ent­schei­dend beein­flus­sen. Denn die finan­zi­el­len Mit­tel, die den Mit­glied­staa­ten in Aus­sicht gestellt wer­den, sind enorm (…). Umso wich­ti­ger ist es, dass bei den Kri­te­ri­en der Mit­tel­ver­ga­be und den Ent­schei­dungs­pro­zes­sen der Fazi­li­tät nach­ge­bes­sert wird.” DGB-Klar­text 20/​2020 vom 5. Juni 2020 externer Link
  • Von der Ley­en legt Plan für EU-Län­der­fi­nanz­aus­gleich vor /​Die­se Alter­na­ti­ven hat Ley­en nicht genutzt 
    • Von der Ley­en legt Plan für EU-Län­der­fi­nanz­aus­gleich vor
      “Ges­tern stell­te EU-Kom­mis­si­ons­prä­si­den­tin Ursu­la von der Ley­en ihr Coro­na-Ret­tungs­pa­ket vor. Es ist um 50 Pro­zent grö­ßer als das von Ange­la Mer­kel und Emma­nu­el Macron (…) und umfasst 750 Mil­li­ar­den Euro – in Zah­len: 750 000 000 000. Die 250 Mil­li­ar­den Euro, die zu den Qua­si-Euro­bonds von Mer­kel und Macron dazu­kom­men, sol­len aller­dings nicht als Zuschüs­se, son­dern als Kre­di­te in die Haus­hal­te ein­zel­ner EU-Mit­glieds­län­der flie­ßen. Als Zuge­ständ­nis an die Regie­run­gen Öster­reichs, der Nie­der­lan­de, Schwe­dens und Däne­marks, die vor­her in einem gemein­sa­men Gegen­ent­wurf zum Mer­kel-Macron-Plan zweck­ge­bun­de­ne Kre­di­te statt Zuschüs­se gefor­dert hat­ten, kann man das nicht unbe­dingt wer­ten. (…) Ent­spre­chend wenig begeis­tert zeig­te sich ges­tern ein nie­der­län­di­scher Diplo­mat in Brüs­sel, den der ORF zitiert. Die Posi­tio­nen lie­gen sei­nen Wor­ten nach so weit aus­ein­an­der, dass eine unver­än­der­te Annah­me des Vor­schlags “schwer vor­stell­bar” sei. Etwas diplo­ma­ti­scher als der anony­me Diplo­mat äußer­te sich der öster­rei­chi­sche Bun­des­kanz­ler Sebas­ti­an Kurz. Er mein­te am Mitt­woch, dass sowohl “die Höhe [als auch] das Ver­hält­nis zwi­schen Zuschüs­sen und Kre­di­ten”” noch ver­han­delt wer­den” müs­se. Öster­reich, die Nie­der­lan­de, Schwe­den und Däne­mark sprä­chen sich dabei “aus Ver­ant­wor­tung gegen­über unse­ren Steu­er­zah­lern” wei­ter­hin “klar für Kre­di­te aus”. (…) Sehr zufrie­den mit von der Ley­ens Plan zeig­te sich ges­tern der ita­lie­ni­sche Minis­ter­prä­si­dent Giu­sep­pe Con­te und Ver­tre­ter der spa­ni­schen Regie­rung. Bei­de begrüß­ten von der Ley­ens Vor­schlag – was wenig ver­wun­der­lich ist, wenn man sich ansieht, in wel­che Haus­hal­te die 750 Mil­li­ar­den Euro zu wel­chen Antei­len flie­ßen sol­len (…) Die Anlei­hen, mit denen die Zuschüs­se finan­ziert wer­den, sol­len von der Ley­ens Plan nach eine Lauf­zeit von 30 Jah­ren haben und zwi­schen 2028 und 2058 aus dem regu­lä­ren EU-Haus­halt abge­stot­tert wer­den. Der nächs­te EU-Haus­halt für die Jah­re 2021 bis 2027 soll des­halb ein Volu­men von 1,1 Bil­lio­nen Euro haben. Um das zu errei­chen, schlägt die Kom­mis­si­on neben Bei­trags­er­hö­hun­gen auch “neue Eigen­mit­tel” wie eine “Digi­tal­steu­er” und eine Abga­be auf Pro­duk­te aus Kunst­stoff vor. Damit die ers­ten Zuschüs­se bereits im Sep­tem­ber flie­ßen schwebt von der Ley­en aber auch eine Auf­sto­ckung des lau­fen­den Haus­halts vor, auf die sich die Staats­füh­run­gen der Mit­glieds­län­der im EU-Rat ihrer Vor­stel­lung nach noch bis zum Juli eini­gen kön­nen. Im EU-Par­la­ment gilt die Zustim­mung zu ihrem Plan als abge­macht. Dort wol­len die gro­ßen Frak­tio­nen der infor­mel­len Koali­ti­on sogar noch deut­lich mehr Geld aus­ge­ben… “ Bei­trag von Peter Mühl­bau­er vom 28. Mai 2020 bei Tele­po­lis externer Link, sie­he dazu:
    • Die­se Alter­na­ti­ven hat Ley­en nicht genutzt
      “Nun ist er raus, der bil­lio­nen­schwe­re Finanz­plan der EU-Kom­mis­si­on. So und nicht anders soll die “Reco­very” finan­ziert wer­den, heißt es in Brüs­sel. Dabei gab es gute Alter­na­ti­ven – doch von der Ley­en hat sie nicht genutzt. Da wären zunächst die Euro­bonds oder Coro­nabonds – also Gemein­schafts­an­lei­hen, für die alle haf­ten. (…) Im Gespräch waren auch “ewi­ge Anlei­hen” oder “Con­so­les”. Das sind Schuld­schei­ne, die zwar ver­zinst, aber nicht zurück­ge­zahlt wer­den. (…) Eine ein­fa­che­re Lösung wäre die Erhö­hung des EU-Bud­gets von der­zeit rund 1 auf bis zu 2 Pro­zent. Laut EU-Ver­trag ist dies mög­lich, das Euro­pa­par­la­ment for­dert eine Auf­sto­ckung, doch wie­der waren Deutsch­land und die “Fru­gal four” dage­gen. (…) Man hät­te auch den “Mit­tel­fris­ti­gen Finanz­rah­men” spren­gen kön­nen – und eine Art Not­bud­get für die Zeit der Kri­se auf­stel­len. (…) Last but not least bleibt noch die Mone­ta­ri­sie­rung – also die Finan­zie­rung der Schul­den durch die Noten­pres­se. Die EZB macht das bereits, indem sie Staats­an­lei­hen auf­kauft – aller­dings nur ver­schämt und sozu­sa­gen durch die Hin­ter­tür. Die Bank of Eng­land ist da schon wei­ter – sie bekennt sich offen zur Mone­ta­ri­sie­rung. Doch in Euro­land ist das (noch) undenk­bar – der EU-Ver­trag ist davor….” Kom­men­tar von Eric Bon­se (Lost in Euro­pe) vom 27. Mai 2020 externer Link
    • Jetzt kom­men die Mas­sen­ent­las­sun­gen
      “Renault prescht vor, ande­re dürf­ten fol­gen: Der fran­zö­si­sche Auto­bau­er will meh­re­re Wer­ke reor­ga­ni­sie­ren und welt­weit rund 15 000 Arbeits­plät­ze abbau­en. Von der EU kommt wenig Hil­fe – trotz des neu­en Reco­very-Plans. Durch die Restruk­tu­rie­run­gen soll­ten in den kom­men­den drei Jah­ren zwei Mil­li­ar­den Euro ein­ge­spart wer­den, so Renault. Der Umbau wer­de den Kon­zern 1,2 Mil­li­ar­den Euro kos­ten – ein­schließ­lich des Per­so­nal­ab­baus, Ver­set­zun­gen von Mit­ar­bei­tern sowie Pen­si­ons­plä­nen. Zuvor hat­te der deut­sche Auto­zu­lie­fe­rer ZF Fried­richs­ha­fen ähn­li­che Plä­ne ange­kün­digt. Wegen des Absatz­ein­bruchs in der Coro­na-Kri­se sol­len in den kom­men­den fünf Jah­ren bis zu 15 000 Stel­len gestri­chen wer­den, hieß es. Deutsch­land und Frank­reich müs­sen sich also auf einen mas­si­ven Stel­len­ab­bau ein­stel­len, auch wenn er nicht immer mit Mas­sen­ent­las­sun­gen ein­her­ge­hen dürf­te. Schon jetzt mel­den bei­de Län­der mehr als 10 Mil­lio­nen Kurz­ar­bei­ter – ein trau­ri­ger Rekord. Doch der Kurz­ar­bei­ter-Hilfs­plan SURE der EU ist immer noch nicht in Kraft. Es dürf­te län­ger dau­ern als bis zum 1. Juni, bis es los geht, heißt es in Brüs­sel. Auch der brand­neue Reco­very-Plan dürf­te kaum hel­fen. Denn zum einen wird er erst 2021 in Kraft tre­ten. Zum ande­ren reicht das Geld nicht, um in der Coro­na-Rezes­si­on einen ech­ten Unter­schied zu machen. Trotz der Rekord­sum­me von 750 Mrd. Euro, die durch EU-Schul­den finan­ziert wer­den sol­len, dürf­te der Sti­mu­lus kaum über 1 Pro­zent pro Jahr lie­gen. Ange­sichts eines Ein­bruchs beim Wachs­tums um min­des­tens 8 Pro­zent ist dies bes­ten­falls ein Stroh­halm…” Mel­dung vom 29. Mai 2020 von und bei Lost in Euro­pe externer Link
  • Der Preis der Inte­gra­ti­on. Kri­tik an deutsch-fran­zö­si­scher Eini­gung über den EU-“Recovery Fund”: Deut­sche Wirt­schaft dringt auf Sta­bi­li­sie­rung der Uni­on 
    “Die deutsch-fran­zö­si­sche Eini­gung über den “Reco­very Fund” der EU zur Stär­kung der Wirt­schaft in der Coro­na­kri­se stößt auf dop­pel­te Kri­tik. Wäh­rend meh­re­re EU-Net­to­zah­ler nicht bereit sind, die Ver­ga­be der Mit­tel aus dem Fonds als Zuschüs­se für die am schwers­ten von der Pan­de­mie getrof­fe­nen Län­der zu akzep­tie­ren, weist der ita­lie­ni­sche Minis­ter­prä­si­dent Giu­sep­pe Con­te dar­auf hin, dass die in Aus­sicht ste­hen­den Gel­der mut­maß­lich nicht genü­gen, um Ita­li­en aus der Kri­se zu hel­fen. Bun­des­kanz­le­rin Ange­la Mer­kel hat­te die Mit­tel für den Fonds, den Frank­reichs Prä­si­dent Emma­nu­el Macron mit bis zu 1,5 Bil­lio­nen Euro hat­te aus­stat­ten wol­len, auf 500 Mil­li­ar­den Euro gedrückt. Beob­ach­ter hal­ten die Ver­ga­be der Mit­tel als Zuschüs­se nach der Wei­ge­rung Ber­lins, einer Ein­füh­rung von “Coro­nabonds” zuzu­stim­men, und dem EZB-Urteil des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts für fast alter­na­tiv­los. Ein­fluss­rei­che Krei­se der deut­schen Wirt­schaft war­nen, die Bun­des­re­pu­blik und die EU könn­ten gegen­über Chi­na sowie den USA zurück­fal­len, wenn es nicht gelin­ge, die Uni­on rasch zu sta­bi­li­sie­ren. (…) Ursa­che für die deut­sche Ein­wil­li­gung, die Mit­tel als Zuschüs­se zu ver­ge­ben, ist, dass Ber­lin mit sei­ner bis­he­ri­gen Kri­sen­po­li­tik in eine Sack­gas­se gera­ten ist. Finanz­hil­fen aus­schließ­lich als Kre­dit zu gewäh­ren, wäre ris­kant: Im Kampf gegen die Coro­na­kri­se müs­sen sich alle betrof­fe­nen Staa­ten ohne­hin mas­siv neu ver­schul­den; bei eini­gen Län­dern der süd­li­chen Euro­zo­ne treibt dies die Gesamt­ver­schul­dung in gefähr­li­che Höhen. Kämen zusätz­li­che Dar­le­hen bei der EU hin­zu, dann könn­te die Schul­den­last leicht untrag­bar wer­den und einen Schul­den­schnitt erfor­dern, den frei­lich die Gläu­bi­ger – dar­un­ter deut­sche Ban­ken – unbe­dingt ver­mei­den wol­len: Allein die Deut­sche Bank ist in Ita­li­en mit fast 30 Mil­li­ar­den Euro invol­viert. (…) Laut ita­lie­ni­schen Medi­en kann Rom womög­lich auf 80 bis 100 Mil­li­ar­den Euro aus dem Fonds rech­nen. An die EU wird es dafür, berech­net mit dem all­ge­mein übli­chen Haus­halts­schlüs­sel, ver­mut­lich 55 Mil­li­ar­den Euro zah­len müs­sen. Der Net­to­zu­schuss beläuft sich damit auf 25 bis 45 Mil­li­ar­den Euro. Dabei steht Ita­li­en nach jüngs­ten Schät­zun­gen vor einem Absturz sei­ner Wirt­schafts­leis­tung um über zehn Pro­zent – mehr als 180 Mil­li­ar­den Euro. Die deutsch-fran­zö­si­schen Plä­ne für den Reco­very Fund, erklär­te Con­te am Mitt­woch, sei­en ein wich­ti­ger “Schritt” auf dem Weg aus der Kri­se, aber auch nicht mehr: “Wenn wir die Kri­se gemein­sam über­win­den wol­len, dann muss viel mehr getan wer­den.” Denn andern­falls kön­ne die Kri­se letzt­lich “das gesam­te euro­päi­sche Pro­jekt gefähr­den”: Die EU wer­de dann wohl “einen schwe­ren Schlag hin­neh­men müs­sen, der unse­re wirt­schaft­li­che und poli­ti­sche Stel­lung in der Welt mar­gi­na­li­siert”.” Bericht vom 22. Mai 2020 von und bei Ger​man​-For​eign​-Poli​cy​.com externer Link
  • Wie deut­sche Coro­na-Hil­fen der EU scha­den 
    “… In der EU wächst die Sor­ge vor einem deut­schen Über­ge­wicht infol­ge der Coro­na­kri­se. Auf das größ­te EU-Land ent­fie­len rund 51 Pro­zent aller bewil­lig­ten Bei­hil­fen zur Stüt­zung der Wirt­schaft, sag­te eine Spre­che­rin der EU-Kom­mis­si­on. Damit hängt Deutsch­land alle ande­ren EU-Staa­ten ab – und ver­schafft sich gro­ße Vor­tei­le beim Neu­start der Wirt­schaft nach der Kri­se. Auf Platz zwei bei den Staats­bei­hil­fen lan­det weit abge­schla­gen Frank­reich mit 17 Pro­zent, gefolgt von Ita­li­en mit 15,5 Pro­zent. Wäh­rend die Stüt­zungs­maß­nah­men in Paris und Rom unge­fähr dem jewei­li­gen Anteil an der euro­päi­schen Wirt­schafts­leis­tung ent­spre­chen, gehen die Hilfs­pro­gram­me der Bun­des­re­gie­rung in Ber­lin weit dar­über hin­aus. Der deut­sche Anteil am BIP beträgt näm­lich nur 20 Pro­zent – und nicht über 50, wie die Coro­na-Hil­fen. Die­ses Miß­ver­hält­nis berei­tet der EU-Kom­mis­si­on zuneh­mend Sor­gen. (…) Ins­ge­samt wur­den bis­her 160 Maß­nah­men im Gesamt­wert von 1,95 Bil­lio­nen Euro bewil­ligt, wie die Kom­mis­si­on auf mei­ne Anfra­ge erklär­te. Die meis­ten EU-Staa­ten hal­ten dar­an einen Anteil von 0,5 bis 1,5 Pro­zent, Bel­gi­en kommt gera­de ein­mal auf drei Pro­zent. (…) Daß Deutsch­land sei­ne Wirt­schaft so mas­siv stützt, ist neu. Bis­her hat sich Ber­lin in der EU stets gegen Diri­gis­mus und Pro­tek­tio­nis­mus gewandt – vor allem, wenn er aus Paris kam. Umso grö­ßer ist nun der Unmut über das Ungleich­ge­wicht, das durch die Ber­li­ner Poli­tik ent­steht…” Bei­trag von Eric Bon­se vom 19. Mai 2020 bei Lost in Euro­pe externer Link
  • Welt­geld gegen Virus. Im Umgang mit der gegen­wär­ti­gen Coro­na­kri­se zeigt sich erneut der Wider­spruch zwi­schen den natio­na­len Haus­hal­ten der EU-Staa­ten und ihrer gemein­sa­men Wäh­rung 
    “Die Regie­rung in Ber­lin begeg­net der Coro­na­kri­se nach dem Vor­bild von Mario Draghi – es kos­te, was es wol­le – mit erklär­ter­ma­ßen unbe­grenz­ten Mit­teln, fürs ers­te mit einem Finanz­vo­lu­men von der drei­fa­chen Grö­ße des jähr­li­chen Bun­des­haus­halts. Die Sum­me rela­ti­viert sich zwar, da sie zum grö­ße­ren Teil aus Kre­dit­ga­ran­tien besteht, die (hof­fent­lich) nicht voll in Anspruch genom­men wer­den. Den­noch: So etwas muss ein Staat sich leis­ten kön­nen. Deutsch­land kann, wie die Regie­rung stolz ver­mel­det: Die Haus­halts­dis­zi­plin zah­le sich jetzt aus. Dass Schul­den, die ges­tern nicht gemacht wur­den, heu­ti­ge Schul­den, vol­le 1.200 Mil­li­ar­den Euro, ver­füg­bar machen, ist zwar Blöd­sinn. Der Zusam­men­hang, den die Regie­rung da her­stellt, ist den­noch auf­schluss­reich. (…) Der Hin­weis auf ihre frü­he­re Haus­halts­dis­zi­plin erin­nert immer­hin dar­an, dass die von ihr bereit­ge­stell­te Liqui­di­tät Kre­dit ist: eine staat­lich ver­bürg­te Schuld. Und dass, auch wenn der Staat ihren Wert haupt­säch­lich der Euro­päi­schen Zen­tral­bank (EZB), sei­ner Kre­dit­an­stalt für Wie­der­auf­bau (KfW), also letzt­lich sich selbst gegen­über ver­bürgt, die­ses Geld in einem Ver­hält­nis – der Abhän­gig­keit oder, anders­her­um, der Inan­spruch­nah­me – zum Kapi­tal der Nati­on steht, also zu dem durch Pro­fit ver­mehr­ten Reich­tum und gerecht­fer­tig­ten Kre­dit der hei­mi­schen Wirt­schaft. Was der Staat sich an Haus­halts­de­fi­zit leis­tet, hat sich dadurch zu recht­fer­ti­gen, dass es Wirt­schafts­wachs­tum bewirkt und sich durch ein stei­gen­des Steu­er­auf­kom­men bezahlt macht. (…) Die vie­len noto­risch »armen Län­der« sind die Kehr­sei­te der Sache. Von denen weiß alle Welt jetzt schon, dass das Virus sie noch ärmer machen und sich die Sche­re zu den rei­chen Län­dern noch wei­ter öff­nen wird. Mit gro­ßer Sicher­heit erwar­tet man die wah­ren Hor­ror­zah­len an Coro­na­to­ten aus Afri­ka und Staa­ten auf der Süd­halb­ku­gel und rech­net auch schon fest damit, dass der Hun­ger, den der krank­heits­be­ding­te Pro­duk­ti­ons­aus­fall dort ver­ur­sa­chen wird, noch ein­mal viel mehr Leben for­dern wird als das Virus. (…) Ein Son­der­fall, für Kon­kur­renz und Koope­ra­ti­on in Euro­pa aber das Haupt­kampf­feld, sind die Nöte der von der Epi­de­mie beson­ders betrof­fe­nen, mit beson­ders lan­gem Shut­down und ent­spre­chend tie­fen Wirt­schafts­ein­brü­chen geschla­ge­nen, ärme­ren Staa­ten der Euro-Zone. Sie sind Mit­be­sit­zer der har­ten euro­päi­schen Welt­wäh­rung, die – Deutsch­land macht es vor – eine staat­li­che Not­fall­ver­wen­dung und dar­auf bezo­ge­ne maß­lo­se Ver­schul­dung ver­trägt, ohne gleich als Geld Scha­den zu neh­men. Aber sie haben nur eine ein­ge­schränk­te Lizenz, sich die­ser Wäh­rung zur natio­na­len Ver­schul­dung zu bedie­nen. (…) Das Coro­na­vi­rus, das ja sonst nichts lässt, wie es war, ändert am Wider­spruch der Euro-Zone kein Jota: Sie bleibt ein Bünd­nis von Natio­nal­staa­ten, die mit natio­na­len Schul­den um natio­na­les Kapi­tal­wachs­tum in einem gemein­sa­men Geld kon­kur­rie­ren, das sei­ner­seits den Gesamt­erfolg der Wäh­rungs­zo­ne in sei­ner Qua­li­tät als inter­na­tio­nal gefrag­tes und ver­läss­li­ches Geld reflek­tiert; das also den Gesamt­erfolg braucht, den die kon­kur­rie­ren­den Part­ner ein­an­der strei­tig machen.” Arti­kel von Theo Wentz­ke in der jun­gen Welt vom 13. Mai 2020 externer Link
  • In schlech­ter Ver­fas­sung für die Euro-Kri­se 2.0 – war­um eine soli­da­ri­sche Kri­sen­po­li­tik neue EU-Ver­trä­ge braucht 
    “An den Finanz­märk­ten steigt der Druck auf süd­eu­ro­päi­sche EU-Mit­glieds­staa­ten wie­der. Mit­ver­ant­wort­lich dafür sind Regie­run­gen, die auf die Ein­hal­tung neo­li­be­ra­ler Dog­men pochen und sich dabei auf die EU-Ver­trä­ge stüt­zen. Damit ver­hin­dern sie eine soli­da­ri­sche, rasche und kos­ten­güns­ti­ge Kri­sen­lö­sung. Ein Urteil des deut­schen Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts schränkt nun auch die Hand­lungs­spiel­räu­me der EZB ein. Die dadurch dro­hen­de Euro-Kri­se könn­te jene in der Fol­ge der Finanz­kri­se von 2008 in den Schat­ten stel­len. (…) [A]ls 1992 in der „eupho­ri­schen“ Pha­se des Neo­li­be­ra­lis­mus mit dem Ver­trag von Maas­tricht die euro­päi­schen Ver­trä­ge abge­än­dert wur­den, war die recht­li­che Absi­che­rung der Nicht-Soli­da­ri­tät sogar das Ziel der ver­trags­schlie­ßen­den Par­tei­en. So kam es mit dem Aus­schluss der Haf­tung der Mit­glieds­staa­ten unter­ein­an­der und der EU für Ver­bind­lich­kei­ten der Mit­glieds­staa­ten (Art 125 AEUV) zu einer Ver­an­ke­rung des Nicht­bei­stan­des in den Euro­päi­schen Ver­trä­gen. Die Mit­glieds­staa­ten und die EU dür­fen daher in Kri­sen für in Not gera­te­ne Mit­glie­der nicht bür­gen bzw. kei­ne gemein­sa­men euro­päi­schen Staats­an­lei­hen aus­ge­ben, um allen nied­ri­ge Zin­sen zu ermög­li­chen. Das wiegt beson­ders schwer. Schließ­lich han­delt es sich bei den Euro­päi­schen Ver­trä­gen um eine Stu­fe der Rechts­ord­nung, die nach dem EuGH sogar über allem natio­na­len Recht steht und daher oft auch als euro­päi­sche Ver­fas­sung bezeich­net wird. Einer der zen­tra­len Kom­men­ta­re zum Euro­pa­recht hält fest, dass das Ziel der Nicht-Bei­stands­klau­sel (Art 125 AEUV) unter ande­rem ist, die „Mit­glieds­staa­ten den Markt­kräf­ten aus­zu­set­zen“. Damit sol­le Haus­halts­dis­zi­plin erzwun­gen wer­den. Denn „je wahr­schein­li­cher ein soli­da­ri­sches Ver­hal­ten der ande­ren Mit­glieds­staa­ten oder der Uni­on wäre, umso weni­ger hät­te der betrof­fe­ne Mit­glieds­staat die sonst übli­che Reak­ti­on der Kapi­tal­märk­te in Form von Zins­auf­schlä­gen zu fürch­ten“. Das glei­che Ziel ver­folgt mit Bezug auf die Rol­le der Euro­päi­schen Zen­tral­bank (EZB) der Art. 123 AEUV. Er ver­bie­tet der EZB, den Mit­glieds­staa­ten Kre­di­te ein­zu­räu­men oder von die­sen unmit­tel­bar Staats­an­lei­hen zu erwer­ben. Zwar kann die EZB ent­spre­chen­de Anlei­hen auf den Finanz­märk­ten von Drit­ten erwer­ben, aller­dings darf dies nur in engem Rah­men gesche­hen, da andern­falls eine rechts­wid­ri­ge Umge­hung des Ver­bo­tes des unmit­tel­ba­ren Erwer­bes vor­lie­gen wür­de. Damit ver­bie­ten die EU-Ver­trä­ge jede Form der öffent­li­chen Refi­nan­zie­rung und machen die Mit­glieds­staa­ten von den Finanz­märk­ten abhän­gig. Die­se Ein­ze­men­tie­rung einer gewis­sen Wirt­schafts­po­li­tik in Ver­fas­sungs­rang, die der Poli­tik­wis­sen­schaf­ter Ste­phen Gill tref­fend als neo­li­be­ra­len bzw. neu­en Kon­sti­tu­tio­na­lis­mus beschrie­ben hat, ist aber nicht nur demo­kra­tie­po­li­tisch bedenk­lich und unso­li­da­risch, son­dern hat sich auch gemes­sen an ihrem eige­nen Ziel als inef­fek­tiv her­aus­ge­stellt. (…) Ver­mö­gen­de, Ban­ken und Kon­zer­ne haben ein Inter­es­se an neo­li­be­ra­ler Poli­tik, weil sie von die­ser unter­neh­mens­freund­li­che Rah­men­be­din­gun­gen, nied­ri­ge­re Ver­mö­gens- und Gewinn­steu­ern und mehr poli­ti­sche Mit­spra­che erwar­ten kön­nen. Eben­so ermög­licht die­se Poli­tik es, dass die Kos­ten der von ihnen ver­ur­sach­ten Kri­sen immer wie­der auf die All­ge­mein­heit abge­wälzt wer­den kön­nen. (…) Das ver­weist dar­auf, dass die der­zei­ti­ge euro­päi­sche Ver­fas­sung das Gegen­teil von dem bewirkt, was ihr in Sonn­tags­re­den ger­ne zuge­schrie­ben wird: Sie för­dert den Natio­na­lis­mus, anstatt ihn zu über­win­den. Der­zeit schützt sie jene, wel­che die Markt­kräf­te für ihre Inter­es­sen wir­ken las­sen wol­len, und nicht die brei­te Mas­se der euro­päi­schen Bevöl­ke­rung. Eine soli­da­ri­sche, öko­lo­gi­sche und demo­kra­ti­sche Lösung der durch das Coro­na-Virus aus­ge­lös­ten Wirt­schafts­kri­se in Euro­pa wird sich daher nur durch­set­zen las­sen, wenn die ver­al­te­ten Euro­päi­schen Ver­trä­ge grenz­über­schrei­tend her­aus­ge­for­dert und grund­le­gend geän­dert wer­den.” Bei­trag von Lukas Obern­dor­fer vom 8. Mai 2020 beim A&W Blog externer Link
  • Ita­li­en: Angst vor dem EU-Dik­tat /​Euro­pa als Haf­tungs­uni­on – Euro­pa schei­tert an deut­schen „Juris­ten“ 
    • Ita­li­en: Angst vor dem EU-Dik­tat
      “Nach­dem Ita­li­en beson­ders hef­tig von Coro­na­er­kran­kun­gen getrof­fen wur­de, steht es jetzt auch vor einer beson­ders dra­ma­ti­schen Wirt­schafts­kri­se. (…) Etwa 11,5 Mil­lio­nen der 23 Mil­lio­nen ita­lie­ni­schen Beschäf­tig­ten sit­zen seit­her untä­tig zu Hau­se. Und mehr als düs­ter sind die Pro­gno­sen für die Kon­junk­tur­ent­wick­lung 2020. Der Inter­na­tio­na­le Wäh­rungs­fonds geht von minus 9,1 Pro­zent aus: Ita­li­en sei das Land unter den ent­wi­ckel­ten Staa­ten, des­sen Wirt­schaft im Jahr 2020 am stärks­ten ein­bre­chen und sich dann im Jahr 2021 am wenigs­ten erho­len wer­de. Mil­lio­nen Arbeits­plät­ze ste­hen damit auf dem Spiel. (…) Die Regie­rung unter Minis­ter­prä­si­dent Giu­sep­pe Con­te und Wirt­schafts­mi­nis­ter Rober­to Gual­tie­ri ver­sucht, mit gros­sen Hilfs­pa­ke­ten gegen­zu­steu­ern. Im März wur­den 25 Mil­li­ar­den Euro locker­ge­macht, im April will sie noch ein­mal 70 Mil­li­ar­den drauf­le­gen. Vor­weg wird so das Kurz­ar­beits­geld für die Arbeit­neh­me­rIn­nen finan­ziert. Auch die Beschäf­tig­ten in Kleinst­be­trie­ben, die bis­her kei­nen Anspruch haben, kom­men nun in sei­nen Genuss. Für Selbst­stän­di­ge gab es mit dem März­pa­ket 600 Euro monat­lich, um den Ein­nah­me­aus­fall wenigs­tens etwas abzu­fe­dern; von April an soll die­ser Betrag auf 800 Euro stei­gen.(…) Dann aber wären noch die auf mehr als drei Mil­lio­nen geschätz­ten Per­so­nen, die bis­her schwarz in der Schat­ten­wirt­schaft arbei­te­ten – und die jetzt in der Coro­na­kri­se kei­ner­lei Anspruch auf Unter­stüt­zung haben. Ihnen soll mit einer Coro­na­grund­si­che­rung gehol­fen wer­den. In einem ers­ten Schritt hat­te die Regie­rung den Gemein­den 40 Mil­lio­nen Euro zur Ver­fü­gung gestellt, um Hun­gern­den mit in den Super­märk­ten ein­zu­lö­sen­den Lebens­mit­tel­gut­schei­nen oder auch direkt mit Care-Pake­ten unter die Arme grei­fen zu kön­nen. 100 Euro pro Kopf flies­sen jetzt über die­sen Fonds, dann aber soll es, ab Ende April, end­lich die Grund­si­che­rung für wirk­lich alle geben. (…) Doch bereits all die­se bereit­ge­stell­ten Res­sour­cen rei­chen nur für weni­ge Wochen. Schon jetzt zeich­net sich ab, dass die öffent­li­che Neu­ver­schul­dung im Jahr 2020 Rich­tung acht Pro­zent des Brut­to­in­lands­pro­dukts gehen wird. Ita­li­ens Gesamt­schul­den wer­den hoch­schnel­len. Und ein Ende ist nicht abzu­se­hen: Wei­te­re Hun­der­te Mil­li­ar­den sind not­wen­dig, wenn Ita­li­en nach der Kri­se wie­der auf die Füs­se kom­men will. Des­halb ist eines klar: Ohne Euro­pa geht es nicht. Höchst umstrit­ten ist in Rom aller­dings, wie es mit Euro­pa gehen soll. Die bei­den Regie­rungs­par­tei­en – die Fünf-Ster­ne-Bewe­gung (M5S) unter Aus­sen­mi­nis­ter Lui­gi Di Maio und die Demo­kra­ti­sche Par­tei (PD) – machen sich gemein­sam für Euro- oder Coro­nabonds stark. Dabei wür­de sich die EU und nicht Ita­li­en wei­ter ver­schul­den. Doch vor­ne­weg die Nie­der­lan­de und Deutsch­land sper­ren sich gegen sol­che Bonds…” Bei­trag von Micha­el Braun aus WOZ Nr. 17/​2020 vom 23. April 2020 externer Link
    • Euro­pa als Haf­tungs­uni­on – Euro­pa schei­tert an deut­schen „Juris­ten“
      “Die aktu­el­le Dis­kus­si­on um Coro­nabonds basiert auf der fal­schen Vor­stel­lung, dass natio­na­le Regie­run­gen ihre Aus­ga­ben durch den Ver­kauf von Anlei­hen an „die Märk­te“ finan­zie­ren. (…) Das Pro­blem liegt dar­in, dass die „Juris­ten“ immer wie­der die Haf­tungs­fra­ge dis­ku­tie­ren, die zwar juris­tisch gese­hen tat­säch­lich beant­wor­tet wer­den kann und muss, prak­tisch gese­hen aber kom­plett irrele­vant ist. Denn Euro­bonds wären Anlei­hen der Euro­zo­ne und hät­ten kei­ner­lei Aus­fall­ri­si­ko. Wenn die Inves­to­ren wol­len, kön­nen sie die Euro­bonds immer an die EZB ver­kau­fen. Die­se dürf­te Euro­bonds unbe­grenzt von den Inves­to­ren ankau­fen. Ein Ver­lust ist also aus­ge­schlos­sen. Soll­te bei­spiels­wei­se die ita­lie­ni­sche Regie­rung nicht mehr genü­gend Steu­ern ein­neh­men, um die Euro­bonds zurück­zah­len zu kön­nen, wür­den die Inves­to­ren sie an die EZB ver­kau­fen. Die­se muss sie dann abschrei­ben, indem sie einen Ver­lust­vor­trag in Höhe der Bonds aus­weist. Dies redu­ziert das Eigen­ka­pi­tal, was aber nur eine sta­tis­ti­sche Grö­ße ist. Da die EZB selbst Geld schaf­fen kann – Euros – und sonst nie­mand, wird aber auch bei nega­ti­vem Eigen­ka­pi­tal kei­ner dar­an zwei­feln, dass die EZB sol­vent ist und liqui­de. Dies bedeu­tet, dass durch Euro­bonds kei­ne Haf­tungs­uni­on ent­steht und auch kei­ne Kos­ten anfal­len, wie es „Die Welt“ in ihrem Arti­kel behaup­te­te. Soll­ten Ita­li­en und die ande­ren Län­der über Euro­bonds höhe­re Staats­aus­ga­ben täti­gen und dann nicht zurück­zah­len kön­nen, wird der deut­sche Steu­er­zah­ler kei­nen ein­zi­gen Euro davon zu bezah­len haben. Die EZB weist ein­fach ein gerin­ge­res Eigen­ka­pi­tal aus, das war es. Es gibt kein Gesetz, nach dem die euro­päi­schen Steu­er­zah­ler bei nega­ti­vem Eigen­ka­pi­tal der EZB ein­sprin­gen müs­sen. Das sagt übri­gens auch die EZB selbst. Selt­sa­mer­wei­se berich­tet kaum eine deut­sche Zei­tung davon, dass Ver­lus­te der EZB nicht an Steu­er­zah­ler wei­ter­ge­reicht wer­den. Ähn­lich schon wie bei der gran­dio­sen Ablen­kung „TAR­GE­T2-Sys­tem“ wird hier kom­ple­xe öko­no­mi­sche Mate­rie von gro­ßen Tei­len der Fach­welt in emo­tio­nal auf­ge­la­de­ne Mär­chen über­setzt, in denen die bösen Süd­län­der das Geld der unschul­di­gen Nord­län­der klau­en wol­len. (…) Die EU braucht (…) einen Mar­shall­plan, einen (Green) New Deal. Denn ohne staat­li­che Unter­stüt­zung wer­den Ita­li­en, Spa­ni­en, Frank­reich und ande­re Län­der ihre wirt­schaft­li­chen Pro­ble­me – allen vor­an die Arbeits­lo­sig­keit – nicht lösen kön­nen. Die Euro­zo­ne ist in die­ser Hin­sicht dys­funk­tio­nal. Es fehlt eine Insti­tu­ti­on, die sich um die Besei­ti­gung der Arbeits­lo­sig­keit küm­mert. (…) Eine moder­ne Wäh­rung ist eine Steu­er­gut­schrift, und der Staat muss genü­gend davon aus­ge­ben, damit alle Men­schen, die Arbeit suchen, auch Arbeit fin­den. Wer sich die­ser Ein­sicht ver­schließt, der macht aus der Euro­zo­ne einen Wirt­schafts­raum, in dem ein Zuge­winn an Arbeits­plät­zen nur durch Reduk­ti­on der Löh­ne erkauft wer­den kann…” Bei­trag von Dirk Ehnts vom 18. April 2020 beim Ver­fas­sungs­blog externer Link
  • [Peti­ti­on] Sofort­hil­fe für die von der Coro­na-Pan­de­mie beson­ders betrof­fe­nen Gesell­schaf­ten und Mit­glieds­län­der der Euro­päi­schen Uni­on! 
    In Ita­li­en, Spa­ni­en und Frank­reich sind meh­re­re zehn­tau­send Men­schen schwer am Coro­na-Virus erkrankt. Ihr Über­le­ben ist von einer gut aus­ge­stat­te­ten Kran­ken­haus­ver­sor­gung mit aus­rei­chen­den inten­siv­me­di­zi­ni­schen Ein­rich­tun­gen abhän­gig. Das Gesund­heits- und Kran­ken­haus­we­sen die­ser Län­der wur­de wäh­rend und nach der Euro-Kri­se mas­siv ein­ge­schränkt. Es ist infol­ge­des­sen nicht mehr in der Lage, die­sen schwer erkrank­ten Men­schen ange­mes­sen bei­zu­ste­hen. Wir for­dern des­halb die lei­ten­den Instan­zen der Euro­päi­schen Uni­on, der Euro­zo­ne und die Regie­run­gen ihrer weni­ger betrof­fe­nen Län­der Deutsch­land, Nie­der­lan­de und Öster­reich sowie des De Fac­to-Mit­glieds­lands Schweiz auf, die­sen Men­schen und den um ihr Über­le­ben kämp­fen­den Beschäf­tig­ten der ita­lie­ni­schen, spa­ni­schen und fran­zö­si­schen Kran­ken­häu­ser bei­zu­ste­hen. Wir for­dern: die Mobi­li­sie­rung aller geeig­ne­ten Trans­port­ka­pa­zi­tä­ten, damit die schwer­kran­ken Pati­en­tin­nen und Pati­en­ten aus Ita­li­en, Spa­ni­en und Frank­reich in die Akut­kran­ken­häu­ser der weni­ger betrof­fe­nen Län­der der EU ver­legt und dort behan­delt wer­den; die Bereit­stel­lung eines zins­lo­sen Not­fall­kre­dits durch die Euro­päi­sche Inves­ti­ti­ons­bank im Umfang von jeweils 25 Mil­li­ar­den Euro an die betrof­fe­nen drei Län­der sowie die eben­falls stark bedroh­ten Län­der Grie­chen­land und Por­tu­gal, damit sie die Ver­sor­gung der Pan­de­mie­kran­ken und die Aus­stat­tung des Gesund­heits­per­so­nals mit den erfor­der­li­chen Aus­rüs­tun­gen hoch­fah­ren kön­nen; die sofor­ti­ge Auf­lö­sung der Flücht­lings­la­ger in Grie­chen­land und die Ver­tei­lung der Asyl­be­wer­ber auf die von der Pan­de­mie weni­ger betrof­fe­nen EU-Län­der; die Strei­chung der Staats­ver­schul­dung die­ser fünf Län­der um min­des­tens zwei Drit­tel, damit sie ihr öffent­li­ches Gesund­heits­we­sen wie­der auf­bau­en und die Fol­gen des wirt­schaft­li­chen Lock­downs über­win­den kön­nen...” Peti­ti­on vom 6.4.2020 der Initia­ti­ve für ein ega­li­tä­res Euro­pa externer Link
  • [Pres­se­schau] Ver­setzt Deutsch­land mit sei­ner “eiser­nen” markt­li­be­ra­len Füh­rung der EU doch noch einen Todes­stoß?
  • “Ita­li­en wird das Pro­gramm nicht nut­zen” 
    Kal­te Dusche für Kanz­le­rin Mer­kel und Finanz­mi­nis­ter Scholz: Ita­li­en will was schö­ne neue Corona-“Rettungspaket” nicht nut­zen, jeden­falls nicht für Kre­di­te aus dem ESM. Dies sag­te Regie­rungs­chef Con­te. Öko­no­men geben ihm recht. Con­te erklär­te, er betrach­te das Hilfs­pa­ket vom Don­ners­tag als ers­ten Schritt in Rich­tung einer gemein­sa­men euro­päi­schen Ver­ant­wor­tung. Es ent­hal­te neue Gedan­ken. Die Nut­zung des Euro-Ret­tungs­schirms ESM dage­gen nann­te er “völ­lig unpas­send” für die aktu­el­le Not­la­ge. Ita­li­en brau­che den ESM nicht und wol­le ihn nicht nut­zen, sag­te Con­te. Das ist kei­ne Über­ra­schung. Denn Con­te und vie­le ande­re EU-Chefs, dar­un­ter auch Ex-Kom­mis­si­ons­prä­si­dent Juncker, bestehen wei­ter auf der For­de­rung nach Coro­nabonds mit gemein­sa­mer Haf­tung. Gegen den ESM spre­chen zudem öko­no­mi­sche Grün­de, die in Deutsch­land gern ver­schwie­gen wer­den. Die angeb­lich so groß­zü­gi­gen Hil­fen, die Mer­kel und Scholz bereit­stel­len wol­len, sind näm­lich nur Kre­di­te…” Arti­kel von Eric Bon­se vom 11.4.2020 bei Losti­nEU externer Link
  • ESM-Kre­di­te ohne Aus­teri­tät? Von wegen /​Soli­da­ri­tät à la Scholz /​Youth Call for Euro­pean Soli­da­ri­ty 
    • EU-Streit über Kri­sen­hil­fe: Dro­hen­de Auf­er­ste­hung der Troi­ka
      Die EU-Finanz­mi­nis­ter haben sich im Streit über Hil­fen für Coro­na-Kri­sen­län­der ver­hakt. Nie­der­lan­de, Finn­land und Öster­reich for­dern har­te Kon­di­tio­nen…” Arti­kel von Eric Bon­se vom 8.4.2020 in der taz online externer Link
    • ESM-Kre­di­te ohne Aus­teri­tät? Von wegen
      Kei­ne Troi­ka, kein Aus­teri­täts­kurs: Mit die­sen Ver­spre­chen wol­len Kanz­le­rin Mer­kel und Finanz­mi­nis­ter Scholz den Kri­sen­län­dern die umstrit­te­nen ESM-Kre­di­te schmack­haft machen. Dabei soll es sehr wohl Kon­di­tio­nen geben, wie ein “Non­pa­per” aus dem BMF zeigt. (…) Ita­li­en, Spa­ni­en und ande­re hilfs­be­dürf­ti­ge Län­der sol­len sich also auf eine soli­de Bud­get­po­li­tik und “Dis­zi­plin” ver­pflich­ten. Dafür ist ein “Memo­ran­dum of Under­stan­ding” (MoU) geplant – also genau das, was in der Euro­kri­se für böses Blut sorg­te. Dar­in sol­len die Kre­dit­neh­mer unter­schrei­ben, dass sie die Fis­kal­re­geln der EU künf­tig wie­der ein­hal­ten. Dabei sind genau die­se Regeln – der Sta­bi­li­täts­pakt, der Six-Pack etc – wegen der Kri­se aus­ge­setzt. Denn sie sind für einen mas­si­ven exter­nen Schock nicht aus­ge­legt. Wenn Ita­li­en die Regeln nach dem Abflau­en der Coro­na­kri­se wie­der ein­hal­ten soll­te, müss­te es sein Bud­get­de­fi­zit von der­zeit 130 Pro­zent – und nach der Kri­se viel­leicht 180 oder 200 Pro­zent – wie­der auf 60 Pro­zent her­un­ter­fah­ren. So steht es im Sta­bi­li­täts­pakt. Wenn das kei­ne Aus­teri­täts­po­li­tik bedeu­tet…” Kom­men­tar vom 7. April 2020 von Eric Bon­se bei Losti­nEU externer Link
    • Soli­da­ri­tät à la Scholz
      Zur Bekämp­fung der Coro­na­kri­se stellt der deut­sche Staat mehr als 1000 Mil­li­ar­den Euro zur Ver­fü­gung. Dem­ge­gen­über soll Ita­li­en mit 39 Mrd. aus ESM-Mit­teln abge­speist wer­den. Geht’s noch? Auf dem Papier geben sich die Genos­sen Scholz und Maas super soli­da­risch. In einem Gast­bei­trag für süd­eu­ro­päi­sche Zei­tun­gen ver­spre­chen sie “A respon­se to the coro­na cri­sis in Euro­pe based on soli­da­ri­ty” externer Link. Finanz­mi­nis­ter Scholz nennt dar­in auch Zah­len. Nach sei­nem Vor­schlag, über den die Euro­grup­pe am Diens­tag berät, soll der Euro-Ret­tungs­fonds ESM schnell Hilfs­kre­di­te zu güns­ti­gen Kon­di­tio­nen bereit­stel­len. Ita­li­en kön­ne mit 39 Mrd. Euro rech­nen, Spa­ni­en mit 28 Mrd. Euro, rech­net Genos­se Scholz vor. Sein Gast­bei­trag strotzt nur so vor Selbst­lob und Stolz über die angeb­lich groß­zü­gi­ge euro­päi­sche Soli­da­ri­tät. Zu dumm, dass kurz nach die­ser durch­sich­ti­gen PR-Akti­on die Ant­wort auf eine Anfra­ge von Links­frak­ti­ons­chef Diet­mar Bartsch bekannt wur­de. Dem­nach gönnt sich Deutsch­land einen kräf­ti­gen Schluck aus der Pul­le. Die bis­her beschlos­se­nen Maß­nah­men sum­mie­ren sich über alle staat­li­chen Ebe­nen hin­weg auf 1,137 Bil­lio­nen Euro, zitiert n‑tv externer Link aus der Ant­wort der Bun­des­re­gie­rung, also aus dem Finanz­mi­nis­te­ri­um. Und das sind nur die bis­her beschlos­se­nen Maß­nah­men – am Ende dürf­te Scholz noch wesent­lich mehr Geld in die Hand neh­men, um die deut­sche Wirt­schaft zu stüt­zen…” Kom­men­tar vom 6. April 2020 von Eric Bon­se bei Losti­nEU externer Link
    • [Youth Call for Euro­pean Soli­da­ri­ty] „Es gilt jetzt, stei­gen­de Jugend­ar­beits­lo­sig­keit zu ver­hin­dern“
      In einem offe­nen Brief for­dern jun­ge Men­schen aus ganz Euro­pa Soli­da­ri­tät mit finan­zi­ell schwä­che­ren Staa­ten. Schnel­le, unkom­pli­zier­te und vor allem soli­da­ri­sche Finanz­hil­fe für die Staa­ten, die das jetzt drin­gend brau­chen: Das wünscht sich eine Initia­ti­ve aus jun­gen Men­schen aus ganz Euro­pa. Einer von ihnen ist Hen­ri Schnei­der. Der 25-Jäh­ri­ge hat VWL im Bache­lor stu­diert und lebt der­zeit in Düs­sel­dorf. Er ist Teil des Netz­werks „Rethin­king Eco­no­micsexterner Link, einer Initia­ti­ve bestehend aus Stu­die­ren­den und Wissenschaftler*innen. Hen­ri ist auch einer von 15 jun­gen Men­schen, die sich jetzt in einem offe­nen Brief externer Link an die Finanzminister*innen der EU wen­den. Sie wün­schen sich, dass bald die soge­nann­ten Coro­na-Bonds kom­men. (…) Hen­ri und sei­ne Mitstreiter*innen kri­ti­sie­ren die Hal­tung der Bun­des­re­gie­rung. Im Inter­view erklärt er, was die Initia­ti­ve kon­kret for­dert – und war­um das vor allem auch die Jugend Euro­pas betrifft…” Inter­view von Sophie Aschen­bren­ner vom 06.04.2020 bei jetzt​.de externer Link
  • Soli­da­ri­tät mit Ita­li­en: So viel Druck war nie /​Alexis Tsi­pras zu Coro­na-Bonds: Die Unnach­gie­big­keit bestimm­ter Füh­rer könn­te für die Euro­päi­sche Uni­on töd­lich sein 
    • Soli­da­ri­tät mit Ita­li­en: So viel Druck war nie
      Wächst in der Coro­na­kri­se ein ande­res EUro­pa? Die Soli­da­ri­tät, die Ita­li­en, Spa­ni­en und Frank­reich im Streit um Coro­nabonds erfah­ren, macht Hoff­nung. (…) Nicht weni­ger als drei­zehn von 19 Euro-Län­dern haben sich für Coro­nabonds oder ande­re For­men finan­zi­el­ler Soli­da­ri­tät aus­ge­spro­chen. Ita­li­en, Spa­ni­en und Frank­reich füh­ren eine Bewe­gung für einen gerech­ten Wie­der­auf­bau. Die­se Bewe­gung fin­det sogar in Deutsch­land enor­men Wider­hall. Nicht nur Lin­ke, Grü­ne und vie­le Sozi­al­de­mo­kra­ten haben sich für Coro­nabonds aus­ge­spro­chen. Auch der arbeit­ge­ber­na­he Öko­nom M. Hüt­her und der CDU-Euro­pa­po­li­ti­ker E. Brok for­dern nun gemein­sa­me Anlei­hen. Auch der Obmann der Uni­ons­frak­ti­on im Aus­wär­ti­gen Aus­schuss, R. Kie­se­wet­ter, und der Vize­prä­si­dent des Euro­pa­par­la­ments R. Wie­land sag­ten, sie könn­ten sich gemein­sa­me EU-Anlei­hen vor­stel­len. Bei­de gehö­ren der CDU an – und stel­len sich damit gegen die offi­zi­el­le Linie. Die wird immer noch vom Kanz­ler­amt vor­ge­ge­ben. Kanz­ler­amts­chef Braun lehnt gemein­sa­me Anlei­hen eben­so ab wie Kanz­le­rin Mer­kel und Ex-Finanz­mi­nis­ter Schäub­le. Im Zen­trum der deut­schen (und euro­päi­schen) Macht hat sich nichts geän­dert – dort herrscht Bun­ker­men­ta­li­tät...” Bei­trag vom 4. April 2020 bei Losti­nEU externer Link
    • Alexis Tsi­pras zu Coro­na-Bonds: Die Unnach­gie­big­keit bestimm­ter Füh­rer könn­te für die Euro­päi­sche Uni­on töd­lich sein
      “Als Grie­chen­land im Jahr 2015 unter der Tor­heit einer stra­fen­den Spar­maß­nah­me litt, die nach dem Schei­tern zwei­er Pro­gram­me des Inter­na­tio­na­len Wäh­rungs­fonds (IWF) die meis­ten Grie­chen bereits an den Rand einer huma­ni­tä­ren Kri­se gebracht hat­te, dach­ten die meis­ten Euro­pä­er, dass die­ses klei­ne Land eine Aus­nah­me blei­ben wür­de. Das von den Grie­chen erlit­te­ne Regime soll­te in der Tat als Bei­spiel für ande­re Staa­ten die­nen, um nicht dem schlüpf­ri­gen Pfad der hohen Haus­halts­de­fi­zi­te zu fol­gen. Jetzt, mit der Coro­na­vi­rus-Kri­se, wer­den Haus­halts­de­fi­zi­te in vie­len Län­dern der Euro­zo­ne zu einem all­ge­mei­nen Pro­blem. (…) Die­se neue Kri­se erin­nert an die Zeit, in der Heming­ways Roman spielt [der spa­ni­sche Bür­ger­krieg, 1936–1939]. Natür­lich ste­hen wir heu­te nicht vor einem ech­ten Krieg. Aber das ist auch gut so. Unse­re Volks­wirt­schaf­ten schrump­fen von selbst, sym­me­trisch und in abso­lu­ten Zah­len. Und unse­re Prio­ri­tät ist es, Leben zu ret­ten. Schul­den kön­nen zurück­ge­zahlt oder abge­schrie­ben wer­den, wie es nach einem ech­ten Krieg 1953 der Fall war [am 27. Febru­ar 1953 wur­de durch das Lon­do­ner Abkom­men ein gro­ßer Teil der deut­schen Schul­den abge­schafft]. Aber man kann kei­ne Leben zurück­brin­gen. (…) Ich fürch­te, dass die­se Demons­tra­ti­on extre­mer und unmo­ra­li­scher Unnach­gie­big­keit sei­tens der euro­päi­schen Füh­rer, die, wie der nie­der­län­di­sche Pre­mier­mi­nis­ter Mark Rut­te, die radi­ka­len Ver­än­de­run­gen, die Euro­pa durch­macht, nicht als Grund für die Unter­stüt­zung neu­er wirt­schaft­li­cher Instru­men­te sehen, sich als fatal für die Ein­heit der Uni­on selbst erwei­sen wird. (…) Die Haupt­ver­ant­wor­tung dafür liegt bei der deut­schen Bun­des­kanz­le­rin Ange­la Mer­kel. Sie muss sich ent­schei­den zwi­schen ihrem Erbe als euro­päi­sche Füh­rungs­per­sön­lich­keit und der öffent­li­chen Mei­nung in Deutsch­land, die seit vie­len Jah­ren mit dem Virus des Chau­vi­nis­mus infi­ziert ist. Wenn das Pro­blem in die­sem vor allem sym­bo­li­schen Wort „Euro­bonds“ liegt, ist es immer noch mög­lich, eine Lösung zu fin­den. Es gibt immer tech­ni­sche Mög­lich­kei­ten, mit dem glei­chen Ergeb­nis, aber einem ande­ren Namen. (…) Und wenn Ange­la Mer­kel schließ­lich das Lob der deut­schen Pres­se einer star­ken Initia­ti­ve für die Ein­heit der Euro­zo­ne vor­zieht, soll­ten die­se Län­der nicht zögern, gemein­sam neue Schrit­te zu unter­neh­men. Euro­bond ohne Deutsch­land und die Nie­der­lan­de wird natür­lich nicht so stark sein, aber ver­ges­sen wir nicht, dass alle ande­ren Län­der zusam­men mehr als zwei Drit­tel des Brut­to­in­lands­pro­dukts der Euro­zo­ne aus­ma­chen. Vor­aus­ge­setzt, sie wol­len vor­an­kom­men. Schließ­lich ist dies viel­leicht die ein­zi­ge Mög­lich­keit für ganz Euro­pa, um vor­an­zu­kom­men.” Bei­trag von Alexis Tsi­pras in Le Mon­de am 03. April 2020 über­setzt und ver­öf­fent­licht von und bei Felix Syro­vat­ka externer Link
  • “Wir sit­zen alle im sel­ben Boot” – Real­ly? /​Ger­ma­ny First – Poli­ti­ker und Medi­en in Süd­eu­ro­pa lau­fen Sturm gegen die Wei­ge­rung Ber­lins, in der Coro­na­kri­se deut­sche Inter­es­sen zurück­zu­stel­len … 
    • “Wir sit­zen alle im sel­ben Boot” – Real­ly?
      Die Coro­na­kri­se spal­tet die EU. Vie­le Berufs­eu­ro­pä­er wol­len das nicht hin­neh­men und beschwö­ren die Ein­heit. “Wir sit­zen alle im sel­ben Boot”, heißt es trot­zig in Brüs­sel. Doch die Zah­len spre­chen eine ande­re Spra­che, lei­der. (…) Dem­ge­gen­über arbei­ten in Deutsch­land vie­le Unter­neh­men wei­ter, angeb­lich ist auch die Waf­fen­schmie­de Rhein­me­tall noch schwer aktiv. Der deut­sche Lock­down ist wesent­lich laxer als etwa in Bel­gi­en oder Frank­reich. Und in den Nie­der­lan­den und in Schwe­den herrscht weit­ge­hend “Busi­ness as usu­al”. Schu­len und Geschäf­te sind auf, der Wirt­schaft droht kein Total­scha­den wie in Ita­li­en oder Spa­ni­en. Alle sit­zen im sel­ben Boot? Not real­ly! Das wird auch deut­lich, wenn wir uns die Hilfs­pro­gram­me für die Wirt­schaft anse­hen. In Deutsch­land belau­fen sie sich auf bis zu 35 Pro­zent der Wirt­schafts­leis­tung, in Frank­reich auf 14, in Ita­li­en auf knapp zehn…” Bei­trag vom 2. April 2020 bei Losti­nEU externer Link
    • EU in der Kri­se. Kri­tik an »unso­li­da­ri­scher« BRD aus beson­ders von Pan­de­mie betrof­fe­nen Län­dern wird lau­ter. Streit um »Coro­na-Bonds«
      Mit den Wor­ten »Lie­be deut­sche Freun­de« beginnt eine ganz­sei­ti­ge Anzei­ge, die am Diens­tag in der Frank­fur­ter All­ge­mei­nen Zei­tung erschien. Unter­zeich­ner waren die Bür­ger­meis­ter von neun fast durch­weg nord­ita­lie­ni­schen Städ­ten, dar­un­ter Ber­ga­mo, Bre­scia und Mila­no, die Minis­ter­prä­si­den­ten zwei­er nord­ita­lie­ni­scher Regio­nen – der Emi­lia-Roma­gna und Ligu­ri­ens, schließ­lich noch der für Ita­li­ens Nord­os­ten ins Euro­pa­par­la­ment gewähl­te Exwirt­schafts­mi­nis­ter des Lan­des, Car­lo Calen­da. Als Ver­tre­ter des welt­weit am schwers­ten von der Covid-19-Pan­de­mie gepei­nig­ten Gebiets wand­ten sie sich an die deut­sche Öffent­lich­keit mit der Bit­te um Soli­da­ri­tät im Kampf gegen die Kri­se. Kon­kret geht es um die Zustim­mung zu den »Coro­na-Bonds«, die Ita­li­en hel­fen könn­ten, einen wirt­schaft­li­chen Kol­laps zu ver­hin­dern. (…) Immer ätzen­de­re, immer bit­te­re­re Kri­tik an der EU und ihrer deut­schen Vor­macht wur­de unter dem Ein­druck der Coro­na­kri­se in Ita­li­en laut. In Ber­lin begann man die Ent­wick­lung ernst zu neh­men. Am 20. März sand­te Bun­des­prä­si­dent Frank-Wal­ter Stein­mei­er sei­nem ita­lie­ni­schen Amts­kol­le­gen Ser­gio Mattarel­la einen angeb­lich hand­schrift­lich ver­fass­ten Brief, in dem er ihn ver­bal einer Sache zu ver­si­chern such­te, von der im ech­ten Leben rein gar nichts zu sehen war: der »Soli­da­ri­tät mei­ner Lands­leu­te« mit Ita­li­en in der der­zei­ti­gen »unge­heu­er schwe­ren Situa­ti­on«. (…) Dumm nur für die Ber­li­ner PR-Stra­te­gen, die gera­de Hoff­nung schöpf­ten, das Deutsch­land­bild in Ita­li­en doch noch ret­ten zu kön­nen, dass jetzt der Streit um die »Coro­na-Bonds« kam, für die sich die Regie­rung in Rom mit aller Macht ein­setzt. Das Bun­des­ka­bi­nett lehnt die­se kate­go­risch ab und hat deren Ein­füh­rung auf dem EU-Gip­fel ver­gan­ge­ne Woche blo­ckiert. In Ita­li­en, wo man eine wohl noch schlim­me­re Wirt­schafts­kri­se auf sich zurol­len sieht als die­je­ni­ge vor zehn Jah­ren und wo man die »Coro­na-Bonds« als viel­leicht letz­ten Stroh­halm betrach­tet, lös­te das einen Sturm der Empö­rung ausArti­kel von Jörg Kro­nau­er in der jun­gen Welt vom 02.04.2020 externer Link
      • Sie­he auch: “… Als die Pan­de­mie euro­päi­schen Boden erreich­te, war­te­te man auf Soli­da­ri­tät zuerst ver­geb­lich. Soli­da­ri­tät mit Ita­li­en? Soli­da­ri­tät mit Spa­ni­en? Fehl­an­zei­ge. Wochen­lang konn­te man kopf­schüt­telnd ver­fol­gen, wie jede Regie­rung nur ein­zig an das eige­ne Land dach­te. Anfangs hat­ten Frank­reich ein Mas­ken-Embar­go ver­hängt und Deutsch­land mit einem Export­ver­bot externer Link geant­wor­tet. Gren­zen­lo­ser Waren­ver­kehr in der EU war plötz­lich Schnee von ges­tern. Dann kon­fis­zier­ten Polen und Tsche­chi­en Atem­mas­ken und Beatmungs­ge­rä­te externer Link, die für Ita­li­en bestimmt waren, und Deutsch­land blo­ckier­te den Wei­ter­trans­port von Atem­mas­ken externer Link, die die Schweiz aus Chi­na geor­dert hat­te. Nach Soli­da­ri­tät mit dem Iran lohnt lei­der nicht ein­mal die Fra­ge. (…) Schon früh­zei­tig hat­te die EU-Kom­mis­si­on Deutsch­land und die wei­te­ren Mit­glied­staa­ten der Uni­on nach­drück­lich auf­ge­for­dert externer Link, den ita­lie­ni­schen Behör­den Hil­fe zukom­men zu las­sen. Am 26. März wur­de die EU-Kom­mis­si­ons­chefin Ursu­la von der Ley­en dann in ihrer Kri­tik externer Link deut­lich: “Als Euro­pa ech­ten Gemein­schafts­geist brauch­te, wähl­ten zu vie­le zunächst den Allein­gang (…) Und als Euro­pa wirk­lich bewei­sen muss­te, dass wir kei­ne ‘Schön­wet­ter­uni­on’ sind, wei­ger­ten sich zu vie­le zunächst, ihren Schirm zu tei­len.” Nach der erfolg­reich bestan­de­nen Kri­se wol­le sie, dass die Bür­ger Euro­pa als stark in Erin­ne­rung behal­ten: “Ein Euro­pa, das im Schnell­durch­lauf arbei­tet, wenn es sich so anfühlt, als hät­te die gan­ze Welt auf Pau­se gedrückt. Ein Euro­pa, das Mit­ge­fühl über alles ande­re stellt. Das ist das Euro­pa, das ich mir wün­sche.” Aber wird die­ser Appell auch zu kon­kre­ten Taten füh­ren? Oder bewahr­hei­tet sich die Ver­mu­tung des Jour­na­lis­ten Tobi­as Rie­gel: “Das Bild der feh­len­den Soli­da­ri­tät soll durch Phra­sen von der Soli­da­ri­tät kor­ri­giert wer­den”? Wird man sich am Ende eher an einen wei­te­ren Face­book-Post von Gio­va­ni Toti erin­nern?: “Ame­ri­ka, Chi­na … und Euro­pa? Brüs­sel, wo bist du? (…) Von einem Euro­pä­er, mit Bedau­ern…” Die fran­zö­si­sche Tages­zei­tung “Le Mon­de” nennt die Pan­de­mie auf jeden Fall “Einen Moment der Wahr­heit für Euro­pa” und warnt: “In die­ser Coro­na­vi­rus-Kri­se geht es auch für die EU um ihr Über­le­ben.” (…) Aber es wäre fatal, wenn der Gedan­ke der Soli­da­ri­tät an den Gren­zen der EU – ein­mal mehr – Halt machen wür­de. Es wäre fatal und schlicht unsin­nig…” Aus dem Arti­kel von Andre­as von West­pha­len vom 1. April 2020 bei Tele­po­lis externer Link: “Gren­zen­lo­se Soli­da­ri­tät”
    • Ger­ma­ny First – Poli­ti­ker und Medi­en in Süd­eu­ro­pa lau­fen Sturm gegen die Wei­ge­rung Ber­lins, in der Coro­na­kri­se deut­sche Inter­es­sen zurück­zu­stel­len
      “Bür­ger­meis­ter aus den am här­tes­ten von der Covid-19-Pan­de­mie betrof­fe­nen Städ­ten Nord­ita­li­ens bit­ten in einer ganz­sei­ti­gen Anzei­ge in einer füh­ren­den deut­schen Tages­zei­tung um “euro­päi­sche Soli­da­ri­tät”. Ita­li­en sei zur Bewäl­ti­gung der Coro­na­kri­se auf “Coro­nabonds” ange­wie­sen, erklä­ren die Bür­ger­meis­ter; sie drin­gen dar­auf, Ber­lin sol­le sei­nen Wider­stand dage­gen auf­ge­ben. Seit vor allem die Bun­des­re­gie­rung beim EU-Gip­fel Ende ver­gan­ge­ner Woche die Debat­te über die “Coro­nabonds” abge­würgt hat, die beson­ders für die Län­der Süd­eu­ro­pas exis­ten­zi­ell wich­tig, für Ber­lin aller­dings nicht kos­ten­neu­tral wären, lau­fen Poli­ti­ker und Medi­en von Spa­ni­en über Ita­li­en bis Grie­chen­land Sturm. Deutsch­land trei­be Poli­tik nach dem Modell des Trump’schen “Ame­ri­ca First”, heißt es in Spa­ni­en, wäh­rend in Grie­chen­land gewarnt wird, ein Ver­zicht auf die “Coro­nabonds” kön­ne sich “für Euro­pa als noch ver­nich­ten­der erwei­sen” als das Covid-19-Virus. Sogar EU-ori­en­tier­te ita­lie­ni­sche Medi­en pro­tes­tie­ren gegen das “häss­li­che Euro­pa” und schlie­ßen das Ende des “euro­päi­schen Pro­jekts” nicht aus. (…) Die Wirt­schafts­pres­se erin­nert dar­an, dass die Bun­des­re­pu­blik ihren Auf­stieg nur dank eines groß­zü­gi­gen Schul­den­er­las­ses im Lon­do­ner Schul­den­ab­kom­men von 1953 habe errei­chen kön­nen: Ohne die­ses Zuge­ständ­nis, das von Ita­li­en mit­ge­tra­gen wur­de, hät­te Deutsch­land “wei­te­re 50 Jah­re Schul­den zurück­zah­len müs­sen”. Ähn­lich äußert sich der in Ita­li­en popu­lä­re Schau­spie­ler und Regis­seur Tul­lio Solenghi. Solenghi kri­ti­siert: “Die Deut­schen tra­gen heu­te auf öko­no­mi­schem Gebiet Hoch­mut zur Schau … . Sie füh­len sich höher­wer­tig.” Wäre “die inter­na­tio­na­le Gemein­schaft” nach dem Zwei­ten Welt­krieg “mit dem­sel­ben, stets wie­der­keh­ren­den deut­schen Hoch­mut” auf­ge­tre­ten und hät­te ihrer­seits “die tat­säch­li­chen Kriegs­schul­den zurück­ge­for­dert, dann wür­den die Deut­schen heu­te aus den Müll­ton­nen leben.”…” Bericht von und bei Ger​man​-For​eign​-Poli​cy​.com vom 1. April 2020 externer Link
    • [attac] Coro­na: Jetzt soli­da­ri­sches Han­deln der Euro-Län­der unter­stüt­zen – Deutsch­land muss Wider­stand gegen gemein­sa­me fis­ka­li­sche Maß­nah­men auf­ge­ben
      “Attac for­dert die Bun­des­re­gie­rung auf, sich für gemein­sa­me fis­ka­li­sche Maß­nah­men der Euro­län­der zur Bewäl­ti­gung der Coro­na-Pan­de­mie ein­zu­set­zen. “Die gegen­sei­ti­ge Blo­cka­de der Euro­län­der macht die ego­is­ti­schen Inter­es­sen ein­zel­ner Staa­ten zum Nach­teil aller deut­lich. Die Bun­des­re­gie­rung muss jetzt ihren Wider­stand gegen soli­da­ri­sches Han­deln auf­ge­ben. Beson­ders in Ita­li­en und Spa­ni­en brau­chen die Men­schen jetzt Unter­stüt­zung”, sagt Det­lev von Lar­cher von der bun­des­wei­ten Attac-Arbeits­grup­pe Finanz­märk­te und Steu­ern. Die soge­nann­ten Euro­bonds wer­den nach Ansicht von Attac benö­tigt, um das Gesund­heits­we­sen in allen Län­dern der Euro­zo­ne zu stär­ken, die Exis­tenz der Men­schen finan­zi­ell zu sichern, die wirt­schaft­li­chen Struk­tu­ren auf­recht­zu­er­hal­ten sowie den spä­te­ren Wie­der­auf­bau und not­wen­di­gen sozi­al-öko­lo­gi­schen Umbau der Wirt­schaft zu finan­zie­ren. Attac ver­weist dabei auf Arti­kel 122, Absatz zwei des Ver­trags über die Arbeits­wei­se der Euro­päi­schen Uni­on (AEUV), dem­zu­fol­ge ein Staat, der “von Natur­ka­ta­stro­phen oder außer­ge­wöhn­li­chen Ereig­nis­sen, die sich sei­ner Kon­trol­le ent­zie­hen, […]” betrof­fen ist, finan­zi­el­ler Bei­stand zu gewäh­ren ist. “Wann, wenn nicht jetzt, ist der Augen­blick, im Geist der Soli­da­ri­tät in Euro­pa zu han­deln und die­sen Arti­kel anzu­wen­den“, sagt Alfred Eibl vom Attac-Koor­di­nie­rungs­kreis. (…) Attac for­dert zudem eine gerech­te Ver­tei­lung der Kri­sen­kos­ten und warnt vor einer erneu­ten Aus­teri­täts­po­li­tik, wie sie in der Euro­kri­se in Grie­chen­land durch­ge­drückt wur­de. Det­lev von Lar­cher: “Die Euro­län­der müs­sen die Grup­pen belas­ten, die in den ver­gan­ge­nen Jah­ren durch eine fal­sche Steu­er­po­li­tik begüns­tigt wur­den. Jetzt ist die Zeit, end­lich eine pro­gres­siv wir­ken­de Steu­er auf hohe Ver­mö­gen und Ein­kom­men ein­zu­füh­ren.” Attac-For­de­rung vom 1. April 2020 externer Link
  • Jeder stirbt für sich allein – Ita­lie­ni­sche Regie­rung schei­tert auf EU-Gip­fel mit For­de­rung nach »Coro­na-Bonds«. Deutsch-nie­der­län­di­sche Blo­cka­de gegen euro­päi­sche Soli­da­ri­tät
    “Am Ende der sechs­stün­di­gen Video­schal­te der EU-Staats­ober­häup­ter am Don­ners­tag abend war klar: Die von einer Län­der­grup­pe um Ita­li­en ein­ge­for­der­te Soli­da­ri­tät bei der Bekämp­fung der sozio­öko­no­mi­schen Fol­gen der Coro­na­pan­de­mie wird es in der EU nicht geben. (…)Ins­be­son­de­re Ita­li­en und Spa­ni­en müs­sen in den kom­men­den Mona­ten in gro­ßem Stil inves­tie­ren, sol­len Wirt­schaft und Gesell­schaft durch die Fol­gen der Pan­de­mie nicht kom­plett kol­la­bie­ren. Da die Regeln der Wäh­rungs­uni­on jedoch kei­ne Staats­fi­nan­zie­rung über die Zen­tral­bank erlau­ben, sind sie gezwun­gen, sich an die Finanz­märk­te zu wen­den. Mit den soge­nann­ten Coro­na-Bonds hät­ten sie bei der Auf­nah­me neu­er Kre­di­te von der Boni­tät der gesam­ten Wäh­rungs­uni­on pro­fi­tiert und so ihre Markt­po­si­ti­on gestärkt. Wei­ter­ge­hen­de Maß­nah­men zur Ein­däm­mung der Zins­be­las­tung, etwa ent­spre­chen­de regu­la­to­ri­sche Ein­grif­fe in die Finanz­märk­te oder eine direk­te Staats­fi­nan­zie­rung durch die EZB, wur­den erst gar nicht dis­ku­tiert. Nun soll die Euro-Grup­pe neue Vor­schlä­ge aus­ar­bei­ten. Gefeilscht wur­de unter den Staats- und Regie­rungs­chefs vor allem dar­über, wie nach­drück­lich die Finanz­mi­nis­ter dazu auf­ge­for­dert wer­den und wie­viel Zeit man ihnen gibt. Die Regie­run­gen Spa­ni­ens und Por­tu­gals hat­ten auf weit­ge­hen­de Vor­schlä­ge für neue Finan­zie­rungs­in­stru­men­te bin­nen einer Woche gedrängt. Die BRD und ihre nord­eu­ro­päi­schen Ver­bün­de­ten woll­ten es schwam­mi­ger und lang­sa­mer – und setz­ten sich durch: »In die­ser Pha­se ersu­chen wir die Euro-Grup­pe, uns inner­halb von zwei Wochen Vor­schlä­ge zu unter­brei­ten«, heißt es in der gemein­sa­men Erklä­rung. Die Dro­hung des ita­lie­ni­schen Minis­ter­prä­si­den­ten Giu­sep­pe Con­te, den Gip­fel plat­zen zu las­sen und die Erklä­rung nicht zu unter­zeich­nen, war ins Lee­re gelau­fen. Kei­ne Erwäh­nung in der Abschluss­erklä­rung fin­det auch die Opti­on zusätz­li­cher Kre­dit­li­ni­en des »Euro­päi­schen Sta­bi­li­täts­me­cha­nis­mus« (ESM). Den­noch liegt sie wei­ter­hin auf dem Tisch. So stell­te etwa Bun­des­kanz­le­rin Ange­la Mer­kel (CDU) nach der Video­schal­te klar, dass der ESM aus ihrer Sicht das »prä­fe­rier­te Instru­ment« sei, weil er »wirk­lich für Kri­sen­zei­ten geschaf­fen wur­de«. Mit dem »Euro-Ret­tungs­schirm« wur­den in der Euro-Kri­se zwi­schen 2010 und 2015 bereits Grie­chen­land, Irland, Por­tu­gal, Zypern und Spa­ni­en über Was­ser gehal­ten, aller­dings zum Preis knall­har­ter Kür­zungs- und Libe­ra­li­sie­rungs­auf­la­gen. Teil davon waren dras­ti­sche Ein­schnit­te in den Gesund­heits­sys­te­men, die heu­te zu deren dra­ma­ti­scher Über­las­tung durch die Pan­de­mie bei­tra­gen…” Arti­kel von Stef­fen Stier­le in der jun­gen Welt vom 28. März 2020 externer Link, sie­he dazu:
    • Die neu­en glo­ba­len Gesund­heits­mäch­te: Ber­lin und Brüs­sel wer­fen Chi­na wegen sei­ner Covid-19-Hil­fen einen “Kampf um Ein­fluss” mit einer “Poli­tik der Groß­zü­gig­keit” vor
      “Die Bun­des­re­gie­rung und die EU-Kom­mis­si­on brin­gen sich gegen chi­ne­si­sche Hilfs­ak­tio­nen im Kampf gegen die Covid-19-Pan­de­mie in Stel­lung. Mit Blick dar­auf, dass bei­spiels­wei­se Ita­li­en sys­te­ma­tisch Unter­stüt­zung aus Bei­jing bekommt, nach­dem die EU ihm Hil­fen ver­wei­gert hat, heißt es im Bun­des­ver­tei­di­gungs­mi­nis­te­ri­um, es stün­den “kon­tro­ver­se Debat­ten zum Umgang mit … Chi­na” bevor. Der EU-Außen­be­auf­trag­te Josep Bor­rell dia­gnos­ti­ziert eine “glo­ba­le Schlacht der Nar­ra­ti­ve”: Bei­jing füh­re einen “Kampf um Ein­fluss” mit einer “Poli­tik der Groß­zü­gig­keit”; dem müs­se die Uni­on nun ent­ge­gen­tre­ten. Hin­ter­grund ist, dass Chi­na, seit es ihm gelun­gen ist, das Covid-19-Virus ein­zu­däm­men, einer wach­sen­den Zahl an Staa­ten welt­weit zur Sei­te springt, wäh­rend die Mäch­te des Wes­tens, die tra­di­tio­nell mit Hilfs­leis­tun­gen ihren glo­ba­len Ein­fluss zemen­tiert haben, das Virus nicht unter Kon­trol­le bekom­men und teils selbst von Hil­fe abhän­gig wer­den. Exper­ten pro­gnos­ti­zie­ren für die Zeit nach dem Ende der Pan­de­mie “eine ver­än­der­te Welt­ord­nung” mit den Län­dern Ost­asi­ens als “neue glo­ba­le Gesund­heits­mäch­te”…” Bericht vom 27. März 2020 von und bei Ger­man-For­eign-Poli­cy externer Link
    • Wie Mer­kel die EU-Insti­tu­tio­nen aus­boo­ten will
      Auf den ers­ten Blick ist es nur eine Klei­nig­keit: Nicht die EU–Kommission, der Rat oder die EZB sol­len neue Vor­schlä­ge zur Über­win­dung der Wirt­schafts- und Finanz­kri­se erar­bei­ten, son­dern die Finanz­mi­nis­ter der Euro­grup­pe. Doch dahin­ter steckt eine geziel­te Stra­te­gie von Kanz­le­rin Mer­kel. Beim EU-Kri­sen­gip­fel war Mer­kel schwer unter Druck gera­ten. Neun EU-Staa­ten hat­ten neue, gemein­sa­me Finanz-Instru­men­te wie Coro­nabonds gefor­dert. Die EU-Insti­tu­tio­nen soll­ten bin­nen zehn Tagen Vor­schlä­ge aus­ar­bei­ten, for­der­te Ita­li­ens Pre­mier Con­te. Das Pro­blem für Mer­kel: Die fünf Prä­si­den­ten der Insti­tu­tio­nen sind eigent­lich alle für Coro­nabonds. Es ist ganz ähn­lich wie in der Euro­kri­se, wo sich die EU-Chefs bereits für Euro­bonds aus­ge­spro­chen hat­ten. Damals drück­te Mer­kel das weg. Dies­mal war es nicht ganz so ein­fach. Um das Pro­blem zu lösen, ver­fiel Mer­kel auf einen Trick. Nicht die eigent­lich zustän­di­gen EU-Insti­tu­tio­nen, son­dern die Euro­grup­pe soll nun einen Plan aus­ar­bei­ten. Dabei ist das nur ein infor­mel­les Gre­mi­um. Wie intrans­pa­rent und unbe­re­chen­bar die Euro­grup­pe arbei­tet, hat zuletzt J. Varou­fa­kis in sei­nen “Euro­leaks” doku­men­tiert. Im Krei­se der Euro-Finanz­mi­nis­ter geht gegen Deutsch­land gar nichts. Das hat sich in der Euro­kri­se immer wie­der gezeigt…” Bei­trag vom 27. März 2020 bei Losti­nEU externer Link
    • Ita­li­en und Spa­ni­en gegen Mer­kel-Deutsch­land
      “Es erin­nert an die dun­kels­ten Stun­den der Euro­kri­se: Ähn­lich wie vor zehn Jah­ren konn­ten sich die Staats- und Regie­rungs­chefs am Don­ners­tag nicht auf das wei­te­re Vor­ge­hen in der Wirt­schafts- und Finanz­po­li­tik ver­stän­di­gen. Ita­li­en und Spa­ni­en stan­den gegen Kanz­le­rin Mer­kel – sie for­dern mehr Soli­da­ri­tät. Der EU-Gip­fel soll­te nur zwei Stun­den dau­ern – und zog sich dann vier wei­te­re Stun­den hin. Die 27 Chefs ver­hak­ten sich bei der Fra­ge, ob es in der Coro­na­kri­se, die täg­lich hun­der­te Todes­op­fer for­dert, mehr finan­zi­el­le Soli­da­ri­tät geben soll­te. Für eine sol­che Soli­da­ri­tät – etwa in Gestalt von gemein­sa­men Anlei­hen (“Coro­nabonds”) – hat­ten sich schon vor dem Gip­fel neun Staa­ten aus­ge­spro­chen, dar­un­ter Frank­reich, Ita­li­en und Spa­ni­en, aber auch Bel­gi­en und Luxem­burg. Dage­gen waren die übli­chen Ver­däch­ti­gen: Deutsch­land, die Nie­der­lan­de, Finn­land und Öster­reich. Es war genau das­sel­be Nord-Süd-Schis­ma wie in der Euro­kri­se – nur dass dies­mal das süd­li­che Lager grö­ßer und offen­si­ver war und sich nicht abspei­sen ließ. (…) Auch dies­mal war es wie­der Mer­kel, die die Soli­da­ri­tät ver­wei­ger­te. Sie will allen­falls den Euro-Ret­tungs­fonds ESM ein­set­zen, der von dem Deut­schen K. Reg­ling gelei­tet wird – und mög­lichst auch nur Kre­di­te ver­ge­ben, die bis­her stets mit strik­ten Kon­di­tio­nen ver­bun­den waren. Einen Kom­pro­miß haben Con­te und Mer­kel am Don­ners­tag nicht gefun­den. Damit der Gip­fel nicht platzt, wur­den die Euro-Finanz­mi­nis­ter beauf­tragt, bin­nen zwei Wochen neue “Vor­schlä­ge” zur Unter­stüt­zung von Kri­sen­län­dern aus­zu­ar­bei­ten. Damit wur­de zwar Zeit gewon­nen. Doch die Kri­se ist nicht gelöst – im Gegen­teil: Jetzt ste­hen Ita­li­en und Spa­ni­en, die am stärks­ten von der Coro­na­kri­se betrof­fen sind und nun auch noch den Druck der Märk­te fürch­ten, gegen Merkel–Deutschland…” Mel­dung vom 26. März 2020 von und bei Lost in Euro­pe externer Link
  • Isch over – Sta­bi­li­täts­pakt für den Euro aus­ge­setzt, nun soll­te man ihn am bes­ten gleich ganz abschaf­fen
    Er wur­de 1997 auf deut­schen Druck ein­ge­führt und schon fünf Jah­re spä­ter gebro­chen – auch von Deutsch­land. Nun wird der Sta­bi­li­täts­pakt aus­ge­mus­tert: Das Coro­na­vi­rus hat ihn dahin­ge­rafft. End­lich mal eine gute Nach­richt: Die EU hat den Sta­bi­li­täts­pakt für den Euro aus­ge­setzt. Damit fal­len die strik­ten Bud­get­re­geln, die Ita­li­en, Spa­ni­en, Grie­chen­land und ande­re Kri­sen­län­der am Geld­aus­ge­ben gehin­dert haben. Die Euro­staa­ten kön­nen sich nun unbe­grenzt ver­schul­den, bis das COVID-19 besiegt ist. Das “3,0 ist 3,0” eines Theo Wai­gel gilt nicht mehr, die Aus­teri­täts­po­li­tik ist vor­erst been­det. Doch rech­te Freu­de will über die­se Ent­schei­dung nicht auf­kom­men. Schließ­lich kommt sie reich­lich spät. Der „dum­me deut­sche Pakt“, wie ihn der frü­he­re Kom­mis­si­ons­prä­si­dent Roma­no Pro­di nann­te, hät­te schon zu Beginn der Coro­na-Kri­se aus­ge­setzt wer­den müs­sen. Und nun soll­te man ihn am bes­ten gleich ganz abschaf­fen. Denn für Sta­bi­li­tät haben die Regeln nie gesorgt. Grie­chen­land kam in den Euro, obwohl es die Vor­ga­ben von Anfang an brach. Spa­ni­en schlit­ter­te in die Kri­se, obwohl es die Regeln befolg­te. Das Pro­blem war nicht die öffent­li­che Ver­schul­dung, die die EU begrenzt, son­dern die pri­va­te Über­schul­dung – bei den Ban­ken. Die Gefahr ging also nicht von den Staats­schul­den aus, vor denen deut­sche Ideo­lo­gen immer warn(t)en…” Kom­men­tar vom 25. März 2020 bei Lost in Euro­pe externer Link, sie­he auch:
    • Die schwar­ze Null wankt, der Sta­bi­li­täts­pakt auch
      “Die Coro­na-Kri­se macht’s mög­lich: Die EU–Kommission hat vor­ge­schla­gen, den Sta­bi­li­täts­pakt aus­zu­set­zen. Damit wür­den die strik­ten Defi­zit­re­geln aus­ge­he­belt, die Euro­län­der könn­ten sich unbe­grenzt neu ver­schul­den. Macht Mer­kel das mit? (…) Schon zu Beginn der Pan­de­mie hat­te die Kom­mis­si­on die unge­lieb­ten Regeln gelo­ckert. Nun will sie sie ganz auf­he­ben. „Wir akti­vie­ren die all­ge­mei­ne Aus­weich­klau­sel”, sag­te Kom­mis­si­ons­prä­si­den­tin Ursu­la von der Ley­en. “Der Schritt bedeu­tet, dass natio­na­le Regie­run­gen so viel Liqui­di­tät wie nötig in die Wirt­schaft pum­pen kön­nen”. Von der Ley­en schloss ange­sichts der dra­ma­ti­schen Lage auch nicht aus, eine Vari­an­te der umstrit­te­nen Euro­bonds ein­zu­füh­ren. “Wir gucken alle Instru­men­te an”, sag­te sie. “Und das, was hilft, wird ein­ge­setzt.” Das gel­te auch für soge­nann­te Coro­na-Bonds. “Wenn sie hel­fen, wenn sie rich­tig struk­tu­riert sind, wer­den sie ein­ge­setzt.“ Die Aus­ga­be von Gemein­schafts­an­lei­hen hät­te den Vor­teil, dass sich damit alle EU-Län­der zu den­sel­ben, güns­ti­gen Bedin­gun­gen finan­zie­ren könn­ten. Dem­ge­gen­über gel­ten für Staats­an­lei­hen ganz unter­schied­li­che Bedin­gun­gen. So muß Ita­li­en deut­lich mehr für neue Kre­di­te zah­len als Deutsch­land, das sogar noch mit Nega­tiv­zin­sen belohnt wird. (…) Die Finanz­mi­nis­ter haben den Sta­bi­pakt tat­säch­lich aus­ge­setzt. Doch Coro­nabonds soll es nicht geben, erklär­te Wirt­schafts­mi­nis­ter Alt­mai­er – das sei eine “Gespens­ter­de­bat­te”. Wenn es dabei bleibt, kann Deutsch­land wesent­lich mas­si­ver gegen­steu­ern als das schwer gebeu­tel­te Ita­li­en…” Mel­dung vom 23. März 2020 bei Lost in Euro­pe externer Link
    • Vier Vor­schlä­ge für eine euro­päi­sche Coro­na-Wirt­schaft
      “… Die Coro­na­kri­se bedroht die Exis­tenz­grund­la­ge von Mil­lio­nen von Men­schen, doch sich ins natio­na­le Heim zu ver­krie­chen, wür­de die Situa­ti­on nur ver­schlim­mern. Es braucht eine gemein­sa­me euro­päi­sche Ant­wort. Eini­ge Instru­men­te dafür sind schon da und müs­sen nur ange­passt wer­den, ande­re müs­sen eta­bliert wer­den, wie in einem State­ment von Volt Euro­pa (Eng­lisch) beschrie­ben. Mei­ne Vor­schlä­ge hier basie­ren auf die­sem State­ment, gehen aber teil­wei­se dar­über hin­aus. Ers­tens: Kein Land soll­te sei­ne Gren­zen schlie­ßen oder exzes­si­ve Kon­trol­len durch­füh­ren. Grenz­schlie­ßun­gen sind nach wis­sen­schaft­li­chen Erkennt­nis­sen nicht sinn­voll, da das Virus schon längst in allen Län­dern ist und sich dort ver­brei­ten kann. Im Gegen­teil scha­den Grenz­schlie­ßun­gen und ‑kon­trol­len der gesam­ten euro­päi­schen Wirt­schaft, da Waren- und Pend­ler­ver­kehr ein­ge­schränkt wird. (…) Zwei­tens: Mit Hil­fe des Euro­päi­schen Sta­bi­li­täts­me­cha­nis­mus, der in der letz­ten Finanz­kri­se die Finanz­wirt­schaft gestützt hat, soll­te die­ses Mal die Gesund­heits­wirt­schaft gestützt wer­den. (…) Drit­tens: Die EU soll­te Kri­sen­an­lei­hen her­aus­ge­ben, also sich gemein­schaft­lich ver­schul­den. Dadurch ver­fügt die Uni­on über Finanz­mit­tel, mit denen sie von Coro­na beson­ders betrof­fe­nen Volks­wirt­schaf­ten – wie Ita­li­en und viel­leicht dem­nächst auch Deutsch­land – hel­fen kann. (…) Vier­tens: Es soll­te über die Eta­blie­rung einer Kri­sen­wirt­schaft nach­ge­dacht wer­den, die die wirt­schaft­li­chen Akti­vi­tä­ten auf die Bekämp­fung des Virus umlenkt. Sofern mög­lich soll­ten mehr Unter­neh­men ihre Pro­duk­ti­on dar­auf umstel­len, medi­zi­ni­sche Güter wie Atem­schutz­mas­ken oder Beatmungs­ge­rä­te her­zu­stel­len – eine staat­li­che Koor­di­na­ti­on auf loka­ler und auf EU-Ebe­ne wäre dabei sicher hilf­reich. (…) Nicht Abschot­tung und Ego­is­mus wer­den uns aus die­ser Kri­se füh­ren, son­dern Koope­ra­ti­on, Soli­da­ri­tät – und Mut.” Vor­schlä­ge von Stef­fen Dani­el Mey­er vom 23. März 2020 bei Lost in Euro­pe externer Link
  • Unvor­be­rei­tet für die Covid-19-Rezes­si­on
    “Wenn ein euro­päi­sches Gre­mi­um unfä­hig ist, um Wirt­schafts­kri­sen zu bewäl­ti­gen, dann ist es die Grup­pe der Euro-Finanz­mi­nis­ter. So wie sie in der Euro-Kri­se ver­sagt haben, wer­den sie auch in der Covid-19-Kri­se mit heroi­schen Ankün­di­gun­gen reagie­ren, die jedoch ledig­lich ver­schlei­ern, wie unzu­rei­chend sie wirk­lich han­deln. (…) Den ers­ten Hin­weis dar­auf bie­tet die jüngs­te Ankün­di­gung eines deut­schen Finanz­hil­fe­pa­kets für den pri­va­ten Sek­tor. Wäh­rend es in den inter­na­tio­na­len Medi­en als 550-Mil­li­ar­den-Euro-Pan­zer­faust bezeich­net wird, kön­nen wir bei nähe­rem Hin­se­hen nicht mehr als eine Was­ser­pis­to­le erken­nen. Mit sei­nen Steu­er­stun­dun­gen und hohen Kre­dit­li­ni­en ent­hüllt das deut­sche Paket ein ernst­haf­tes Miss­ver­ständ­nis über die Art der Kri­se. Es ist das­sel­be Miss­ver­ständ­nis, dass vor zehn Jah­ren zur Eska­la­ti­on der Euro­kri­se führ­te. Damals wie heu­te stan­den und ste­hen die Unter­neh­men und Haus­hal­te nicht vor der Illi­qui­di­tät, son­dern vor der Insol­venz. Um die Kri­se auf­zu­hal­ten, müss­ten die Regie­run­gen “alles in einen Topf wer­fen” und eine gewal­ti­ge Haus­halts­ex­pan­si­on in die Wege lei­ten. Aber genau dies soll das deut­sche Paket ver­mei­den. (…) Bald wer­den die “Süd­län­der” dann ihre Bemü­hun­gen auf­ge­ben und mit ihrem Still­schwei­gen ein wei­te­res fis­kal bedeu­tungs­lo­ses Euro­grup­pen-Paket auf den Weg brin­gen, das dann von der kom­men­den Rezes­si­on über­rollt wird. (…) Bei die­sen Euro­grup­pen­tref­fen wur­de sys­te­ma­tisch jede ratio­na­le Debat­te über eine ange­mes­se­ne Haus­halts­po­li­tik ver­hin­dert. Und genau so wird es die­ses Mal wie­der sein. Das ist der Grund, war­um die Euro­grup­pe dar­an schei­tern wird, eine effek­ti­ve fis­ka­le Abwehr des Coro­na-Schocks zu leis­ten…” Bei­trag von Yanis Varou­fa­kis vom 19. März 2020 bei der DGB-Gegen­blen­de externer Link (aus dem Eng­li­schen von Harald Eck­hoff). Sie­he die Details zu sei­ner Ein­schät­zung:
    • Die Euro­grup­pe wird ihrer Ver­ant­wor­tung für Euro­pa ein wei­te­res Mal nicht gerecht. Wapp­net euch für eine grau­en­haf­te Rezes­si­on
      “… Wie jeder weiß, ste­cken die Regie­run­gen der Euro­zo­ne in der Zwangs­ja­cke des so genann­ten Fis­kal­pak­tes, der nahe­zu kei­nen Spiel­raum für kon­junk­tur­po­li­ti­sche Aus­ga­ben zulässt. Die­ser Fis­kal­pakt ent­hält jedoch eine Klau­sel, die im Not­fall akti­viert wer­den kann und die die Regie­run­gen vor­über­ge­hend ent­bin­det und es ihnen erlaubt, bei einer uner­war­te­ten Kri­se Mit­tel bereit­zu­stel­len. Vor dem gest­ri­gen Tref­fen erwar­te­te fast jeder, dass die Euro­grup­pe die Akti­vie­rung die­ser Klau­sel ankün­di­gen wür­de. SIE HABEN ES NICHT GETAN! Was sie statt­des­sen ver­kün­de­ten, waren zwei Din­ge: Ers­tens, eine Unzahl von Kre­di­ten für den pri­va­ten Sek­tor. Zwei­tens ver­wie­sen sie auf die Inan­spruch­nah­me der so genann­ten auto­ma­ti­schen Sta­bi­li­sa­to­ren und auch auf nicht näher spe­zi­fi­zier­te Maß­nah­men in Höhe von 1% des BIP. (…) Was die Unter­neh­men jetzt brau­chen, ist ent­we­der die Regie­rung als Käu­fer der letz­ten Instanz oder einen Erlass ihrer Ver­bind­lich­kei­ten – kei­ne neu­en Kre­di­te. (…) Die Regie­rung, die das Dar­le­hen erhält, muss eine MoU-Ver­pflich­tung (Memo­ran­dum of Under­stan­ding) unter­zeich­nen (wie Grie­chen­land 2010), die mas­si­ve zukünf­ti­ge Spar­maß­nah­men beinhal­tet und somit den betref­fen­den Staat noch mehr zum Vasal­len Brüs­sels macht. Kann sich jemand ernst­haft vor­stel­len, dass die ita­lie­ni­sche Regie­rung mit der Unter­zeich­nung einer sol­chen MoU-Ver­pflich­tung ihr eige­nes Todes­ur­teil unter­schreibt? (…) Das ein­zi­ge Kon­kre­te, das sie erwäh­nen, sind Steu­er­stun­dun­gen (…) Selbst wenn die Abschot­tung endet und man zum “Busi­ness-as-almost-usu­al” zurück­kehrt, wer­den die Euro­pä­er nicht genug ver­die­nen, um die auf­ge­scho­be­nen Steu­ern plus die neu­en zu bezah­len. (…) Kurz­um, die Euro­pä­er hät­ten einen Steu­er-Erlass nötig. Statt­des­sen bekom­men sie einen Zah­lungs­auf­schub, eine Art staat­li­ches Dar­le­hen, mit dem sie ihre Steu­ern spä­ter zurück­zah­len kön­nen. (…) Das Min­des­te, was die Euro­grup­pe dem Euro­päi­schen Rat hät­te emp­feh­len sol­len, ist, dass die Euro­päi­sche Inves­ti­ti­ons­bank grü­nes Licht für die Emis­si­on von EIB-Anlei­hen im Wert von 600 Mil­li­ar­den Euro erhält, mit der Auf­la­ge, dass die Euro­päi­sche Zen­tral­bank im Rah­men ihres lau­fen­den und kürz­lich ver­stärk­ten Pro­gramms zur quan­ti­ta­ti­ven Locke­rung den Wert die­ser Anlei­hen auf den Anlei­he­märk­ten unter­stützt. Die­se 600 Mil­li­ar­den Euro soll­ten direkt zur Unter­stüt­zung des natio­na­len Gesund­heits­we­sens aus­ge­ge­ben wer­den und auch in Wirt­schafts­sek­to­ren inves­tiert wer­den, die von der Abschot­tung stark betrof­fen sind – und gleich­zei­tig soll­te unse­re Wirt­schaft auf umwelt­freund­li­che­re For­men des Trans­ports, der Ener­gie­er­zeu­gung usw. umge­stellt wer­den. Außer­dem soll­te der Fis­kal­pakt sofort außer Kraft gesetzt wer­den, und die Regie­run­gen soll­ten einen Steu­er­ab­schlag für klei­ne und mitt­le­re Unter­neh­men, Haus­hal­te usw. vor­neh­men. Dies wür­de wahr­schein­lich aus­rei­chen, die Rezes­si­on zwar nicht abzu­wen­den, aber doch auf etwa minus 1 bis minus 2 Pro­zent des BIP zu begren­zen. Um sie voll­stän­dig abzu­wen­den, hät­te die Euro­grup­pe beschlie­ßen sol­len, Hong­kong nach­zu­ah­men und die Euro­päi­sche Zen­tral­bank auf­zu­for­dern, einen Not­fall­fonds ein­zu­rich­ten, aus dem jeder euro­päi­sche Haus­halt zwi­schen 1000 und 2000 Euro erhält. (…).Das gemein­sa­me Kom­mu­ni­qué der Euro­grup­pe ver­wies auf die “voll­stän­di­ge Nut­zung der auto­ma­ti­schen Sta­bi­li­sa­to­ren”. (…) Sie sagen: Macht euch kei­ne Sor­gen, Leu­te. Es stimmt zwar, dass wir, die Finanz­mi­nis­ter, fast nichts tun, um die Kata­stro­phe abzu­wen­den, aber wenn die Kata­stro­phe kommt, wer­den eure Arbeits­platz­ver­lus­te und eure Armut einen auto­ma­ti­schen Mecha­nis­mus aus­lö­sen, der den Nie­der­gang der Wirt­schaft auf­hal­ten wird. Das ist ein wenig so, wie Pest­op­fer mit dem Gedan­ken zu trös­ten, dass ihr Tod durch die Ver­rin­ge­rung des Arbeits­kräf­te­an­ge­bots die künf­ti­gen Löh­ne und Gehäl­ter in die Höhe treibt …” Arti­kel von Yanis Varou­fa­kis vom 18. März 2020 bei DiEM25 externer Link (mit Link zu #EUROLEAKS von Varou­fa­kis in Eng­lisch)
  • Die Soli­da­ri­tät der EU (II): Exper­ten rech­nen mit schwe­ren Erschüt­te­run­gen der EU in der Coro­na­kri­se. Zen­tri­fu­ga­le Kräf­te wer­den schon jetzt stär­ker
    “Exper­ten rech­nen mit erns­ten Erschüt­te­run­gen der EU durch die Coro­na­kri­se und spe­ku­lie­ren über einen mög­li­chen Zer­fall der Uni­on. Die schwe­ren mensch­li­chen Kos­ten der Pan­de­mie und das Gefühl, “dass die euro­päi­schen Insti­tu­tio­nen nicht hel­fen”, könn­ten gera­de in den am här­tes­ten betrof­fe­nen Län­dern wie Ita­li­en und Spa­ni­en, die zugleich in hohem Maß ver­schul­det sei­en, zen­tri­fu­ga­le Ten­den­zen her­vor­brin­gen, urteilt ein US-Exper­te. Bereits jetzt stei­gen die Span­nun­gen etwa zwi­schen Deutsch­land auf der einen und Frank­reich und Ita­li­en auf der ande­ren Sei­te, nach­dem Ber­lin im Allein­gang die deut­schen Außen­gren­zen geschlos­sen und damit das Schen­ge­ner Abkom­men aus­ge­he­belt hat. Wäh­rend der Ély­sée-Palast “die uni­la­te­ra­len Maß­nah­men an den Gren­zen” ver­är­gert moniert, heißt es in der EU-freund­li­chen ita­lie­ni­schen Tages­zei­tung La Repub­bli­ca, Ber­lin sei, anstatt sich “mit den Part­nern” detail­liert abzu­stim­men, in einer der schwers­ten Kri­sen der Uni­on einer “natio­na­len Logik” gefolgt. Fak­tisch habe damit das Covid-19-Virus die letz­ten “Illu­sio­nen” über die EU “hin­weg­ge­fegt”. (…) Rücken­de­ckung erhält Ber­lin in Sachen Grenz­schlie­ßung durch die EU-Kom­mis­si­on unter Prä­si­den­tin Ursu­la von der Ley­en. Die Kom­mis­si­on spricht sich zwar pflicht­ge­mäß prin­zi­pi­ell gegen Grenz­schlie­ßun­gen aus, da die­se dem Schen­ge­ner Abkom­men zuwi­der­lau­fen. Doch wird etwa von der Ley­ens Spre­cher Eric Mamer mit der Aus­sa­ge zitiert, Brüs­sel müs­se in der Pra­xis wäh­len, ob es die Grenz­schlie­ßun­gen anpran­ge­re oder doch lie­ber für die Ver­bes­se­rung der Lage kämp­fe – und vor die­se Wahl gestellt, ent­schei­de sich die Kom­mis­si­ons­prä­si­den­tin für die zwei­te Option.[7] Ent­spre­chend heißt es in Leit­li­ni­en, die jetzt in Brüs­sel abge­fasst wur­den, in einer “außer­or­dent­lich kri­ti­schen Lage” sei­en Grenz­kon­trol­len zuläs­sig. (…) Zu den poli­ti­schen Span­nun­gen um die deut­schen Grenz­schlie­ßun­gen kom­men die öko­no­mi­schen hin­zu, die die Uni­on spä­tes­tens seit der gro­ßen Kri­se der Jah­re 2007 und 2008 beglei­ten und die nach wie vor unge­löst sind. Dar­an hat jetzt ein Exper­te des Ame­ri­can Enter­pri­se Insti­tu­te aus Washing­ton erin­nert. (…)”Die Anfüh­rer der EU” stün­den vor der Wahl, “ent­we­der mutig der Peri­phe­rie zu hel­fen, oder die Peri­phe­rie wird sich so hel­fen, wie sie kann – auch wenn das bedeu­tet, dass sich die Euro­zo­ne und die EU auf­lö­sen”…” Bericht vom 18. März 2020 von und bei Ger­man-For­eign-Poli­cy externer Link
  • Die Soli­da­ri­tät der EU: Wegen des Aus­blei­bens von Unter­stüt­zung aus Brüs­sel und Ber­lin bit­ten meh­re­re Staa­ten Euro­pas Bei­jing um Hil­fe im Kampf gegen Covid-19
    “Nach dem Aus­blei­ben von Unter­stüt­zung sowie nach Export­ver­bo­ten für medi­zi­ni­sche Schutz­aus­rüs­tung sei­tens Deutsch­lands und der EU bit­ten meh­re­re euro­päi­sche Staa­ten Chi­na um Hil­fe im Kampf gegen die Covid-19-Pan­de­mie. Hat­te ver­gan­ge­ne Woche Ita­li­en ers­te Hilfs­lie­fe­run­gen aus der Volks­re­pu­blik erhal­ten, weil Deutsch­land die Aus­fuhr wich­ti­ger Schutz­klei­dung nicht erlaubt, so hat sich am Sonn­tag nun auch Ser­bi­en mit der Bit­te um Hil­fe an Bei­jing gewandt. Vor­aus­ge­gan­gen war der Beschluss der EU, das deut­sche Export­ver­bot umge­hend für sämt­li­che Mit­glied­staa­ten ver­pflich­tend zu machen und die Aus­fuhr wich­ti­ger Güter zur Covid-19-Bekämp­fung allen­falls noch in Aus­nah­me­fäl­len zu gestat­ten. Ser­bi­en hat dras­ti­sche Maß­nah­men ein­ge­lei­tet, um die Pan­de­mie zu stop­pen – ein Ver­such, der in Chi­na gelun­gen ist, den Deutsch­land jedoch unter­lässt; hier­zu­lan­de heißt es nur noch, man wol­le die Virus-Aus­brei­tung “ver­lang­sa­men”. Die Coro­na­kri­se ver­stärkt neben den Ris­sen in der EU auch die trans­at­lan­ti­schen Span­nun­gen: Die Trump-Admi­nis­tra­ti­on hat einen aus­sichts­rei­chen deut­schen Impf­stoff­her­stel­ler zu über­neh­men ver­sucht…” Bericht vom 17. März 2020 von und bei Ger­man-For­eign-Poli­cy externer Link

Der Bei­trag Mer­kel hams­tert: Ber­lin dik­tiert [unso­li­da­ri­schen] Kurs in Euro-Kri­se erschien zuerst auf Labour­Net Ger­ma­ny.

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