[labournet:] “Schlimmer als die Pandemie” – Wirtschaftskreise fordern Abkehr von Schutzmaßnahmen: Finanzschlacht um Covid-19-Profite hat begonnen

Dossier

Coronavirus, die Hetze und der Ausnahmezustand: China im Shitstorm“Aus der deut­schen Wirt­schaft wer­den For­de­run­gen nach einer Abkehr von den jüngs­ten Schutz­maß­nah­men im Kampf gegen die Covid-19-Pan­de­mie laut. Die Maß­nah­men trä­fen die Wirt­schaft schwer, urteilt ein ein­fluss­rei­cher deut­scher Finanz­ma­na­ger: Der “aku­te Absturz der Welt­wirt­schaft” sei “der weit grö­ße­re und gefähr­li­che­re Stress­test als Sars-CoV‑2”. Man müs­se fra­gen, ob es rich­tig sei, dass zehn Pro­zent der Bevöl­ke­rung “geschont, 90 Pro­zent samt der gesam­ten Volks­wirt­schaft aber extrem behin­dert wer­den”. Der Vor­stands­vor­sit­zen­de der Axel Sprin­ger SE urteilt, die “Fol­gen der Virus­be­kämp­fung” könn­ten “schlim­mer sein … als die Fol­gen des Virus selbst”. Ähn­li­che Stim­men sind aus den Ver­ei­nig­ten Staa­ten zu hören; dort äußert der Vize­gou­ver­neur von Texas, alle soll­ten “zurück an die Arbeit” gehen: Er selbst, im 70. Lebens­jahr ste­hend, und manch ande­rer sei­en bereit, ihr “Leben zu ris­kie­ren, um das Ame­ri­ka, das alle lie­ben, … zu bewah­ren”. Die Äuße­run­gen erfol­gen, wäh­rend die Todes­fäl­le anstei­gen, die Bör­sen­kur­se kol­la­bie­ren und eine Finanz­schlacht um Covid-19-Pro­fi­te begon­nen hat…” Bericht von und bei Ger​man​-For​eign​-Poli​cy​.com vom 25. März 2020 externer Link und dazu:

  • Luft­han­sa kein Ein­zel­fall: Fast 60 Kon­zer­ne in Deutsch­land wol­len Staats­hil­fen in Anspruch neh­men. Sub­ven­tio­nen für Mono­po­le zur Stär­kung ihrer Wett­be­werbs­fä­hig­keit New
    Wenn sogar FDP-Chef Chris­ti­an Lind­ner von der »Stun­de des Staa­tes« spricht, muss die Lage ernst sein. Dass mäch­ti­ge deut­sche Kapi­tal­frak­tio­nen ange­sichts des Wirt­schafts­ein­bruchs ernst­haft besorgt sind, bestä­tigt auch eine Ant­wort aus dem Bun­des­wirt­schafts­mi­nis­te­ri­um (BMWi) an die Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­te Katha­ri­na Drö­ge (Grü­ne) vom 6. August, die jW vor­liegt. Dem Schrei­ben ist zu ent­neh­men, dass nach der Luft­han­sa-Ret­tung bereits »knapp 60 Unter­neh­men Inter­es­sen­be­kun­dun­gen« an Mit­teln aus dem Wirt­schafts­sta­bi­li­sie­rungs­fonds (WSF) ange­mel­det haben. 14 davon wol­len ger­ne teil­ver­staat­licht wer­den. Ins­ge­samt ste­hen mit dem Ende März auf­ge­leg­ten WSF bis zu 600 Mil­li­ar­den Euro bereit, um ins­be­son­de­re für die mäch­tigs­ten Kapi­tal­frak­tio­nen die wirt­schaft­li­chen Fol­gen der Coro­na­pan­de­mie abzu­fe­dern und das Sys­tem über die Kri­se am Lau­fen zu hal­ten. So wur­de der dicks­te Bat­zen des beschlos­se­nen Gel­des aus­drück­lich für die Ret­tung von Groß­kon­zer­nen reser­viert. Für direk­te Betei­li­gun­gen sind in dem Paket 100 Mil­li­ar­den vor­ge­se­hen. Dar­über hin­aus will die Regie­rung mit »Garan­tien des Bun­des zur Absi­che­rung von Kre­di­ten, ein­schließ­lich Kre­dit­li­ni­en, und Kapi­tal­markt­pro­duk­ten im Fremd­ka­pi­tal­be­reich« hel­fen, wie es beim BMWi heißt. (…) Auch die meis­ten wei­te­ren Inter­es­sen­ten, die nun um die Staats­mil­li­ar­den buh­len, wol­len den Steu­er­zah­ler offen­bar mög­lichst aus der Geschäfts­po­li­tik raus­hal­ten. Teil­ver­staat­licht wer­den wol­len schließ­lich die wenigs­ten. Garan­tien und Schnäpp­chen­kre­di­te sind beque­mer. (…) Die Aus­ge­stal­tung der Luft­han­sa-Ret­tung hat­te bereits gezeigt, dass der Staat es nicht dar­auf anlegt, Beschäf­ti­gungs­ga­ran­tien oder höhe­re Umwelt­auf­la­gen durch­zu­set­zen. Im Gegen­teil: Die Staats­kne­te soll vor allem genutzt wer­den, um die inter­na­tio­na­le Wett­be­werbs­fä­hig­keit zu erhö­hen und so mit­tel­fris­tig in die Lage zu kom­men, aus­län­di­sche Kon­kur­renz zu ver­drän­gen und sich wei­te­re Markt­an­tei­le ein­zu­ver­lei­ben…” Arti­kel von Stef­fen Stier­le in der jun­gen Welt vom 12.08.2020 externer Link, sie­he auch:
    • Nach der Luft­han­sa-Ret­tung: 14 Unter­neh­men wol­len Kapi­tal vom Staat
      Nach der Teil­ver­staat­li­chung der Luft­han­sa prüft die Bun­des­re­gie­rung, sich an zahl­rei­chen wei­te­ren Unter­neh­men zu betei­li­gen. „14 Unter­neh­men haben bereits aus­drück­lich Bedarf an einer Reka­pi­ta­li­sie­rung ange­zeigt“, sag­te Wirt­schafts­staats­se­kre­tär Ulrich Nuß­baum auf eine schrift­li­che Fra­ge der Grü­nen-Poli­ti­ke­rin Katha­ri­na Drö­ge nach einem Bericht des „Han­dels­blatt“. Bei der „weit über­wie­gen­den Anzahl der Unter­neh­men“ ste­he die Prü­fung dem­nach am Anfang, füg­te Nuß­baum hin­zu. Es lie­ßen sich daher „zum gegen­wär­ti­gen Zeit­punkt kei­ne belast­ba­ren Aus­sa­gen über die Art etwai­ger Sta­bi­li­sie­rungs­maß­nah­men tref­fen“. Dass auf die Luft­han­sa wei­te­re Unter­neh­men fol­gen, hat­te Wirt­schafts­mi­nis­ter Peter Alt­mai­er (CDU) unlängst im Inter­view mit der F.A.Z. wie­der­um schon ange­deu­tet. Auf die Fra­ge, wie vie­le Unter­neh­men der Bund in den kom­men­den Mona­ten ähn­lich wie die Luft­han­sa unter­stüt­zen müs­se, ant­wor­te­te er: „Wir reden wahr­schein­lich über eini­ge Dut­zend Fäl­le.“…” Agen­tur­mel­dung vom 11.08.2020 in der FAZ online externer Link
  • [Gewerk­schaf­ten auf­ge­passt] Rei­che brau­chen jetzt Geduld – Stu­die: Glo­ba­le Coro­na­pan­de­mie bremst rapi­des Wachs­tum von Pri­vat­ver­mö­gen 
    “Vor­sicht, lie­be Kran­ken­pfle­ge­rin­nen und Bus­fah­rer: Der Zuwachs der Pri­vat­ver­mö­gen könn­te wegen der Coro­na­kri­se einen deut­li­chen Dämp­fer bekom­men, hat die bekann­te Unter­neh­mens­be­ra­tung »Bos­ton Con­sul­ting Group« (BCG) her­aus­ge­fun­den. In einer am Don­ners­tag ver­öf­fent­lich­ten Stu­die kor­ri­gier­ten die Erb­sen­zäh­ler des glo­ba­len Geld­reich­tums die Vor­jah­res­pro­gno­se von 5,7 Pro­zent jähr­li­chem Wachs­tum für die kom­men­den fünf Jah­re auf 1,4 bis 4,5 Pro­zent nach unten. »Wir gehen für die nächs­ten fünf Jah­re von einer zukünf­ti­gen Wachs­tums­ra­te aus, die im Schnitt halb so hoch ist wie 2019«, sag­te Autorin Anna Zakrzew­ski bei der Vor­stel­lung der Unter­su­chung, schrieb die Nach­rich­ten­agen­tur dpa in einem Bericht vom sel­ben Tage. Vor Beginn der aktu­el­len Kri­se hat­te es im welt­wei­ten Rero­duk­ti­ons­pro­zess sehr star­ke Akku­mu­la­ti­ons­ef­fek­te gege­ben: Von 2018 auf 2019 war das Pri­vat­ver­mö­gen um Wäh­rungs­schwan­kun­gen berei­nigt um sat­te zehn Pro­zent auf rund 226 Bil­lio­nen US-Dol­lar (etwa 201 Bil­lio­nen Euro) gestie­gen. 2019 sei damit das stärks­te Jahr seit 2009 gewe­sen, zitier­te dpa Zakrzew­ski. Die gute Nach­richt fürs Volk hier: Deutsch­land liegt der Stu­die zufol­ge mit Pri­vat­ver­mö­gen von ins­ge­samt 7,7 Bil­lio­nen US-Dol­lar (rund 6,9 Bil­lio­nen, also 6.900 Mil­li­ar­den, Euro) welt­weit wei­ter­hin auf Platz fünf. Nur ver­fü­gen lei­der weder Kran­ken­schwes­tern noch Bus­fah­rer über bedeu­ten­de Antei­le an die­sem Reich­tum. (…) Welt­weit hat sich die Anzahl der Mil­lio­nä­re in den ver­gan­ge­nen 20 Jah­ren fast ver­drei­facht, so die BCG-Stu­di­en­au­toren lapi­dar. (…) Mit 2.400 Per­so­nen, die über mate­ri­el­le Wer­te von umge­rech­net mehr als 100 Mil­lio­nen Dol­lar ver­fü­gen, stellt die BRD nach den USA und Chi­na dem Bericht zufol­ge die dritt­höchs­te Zahl von extrem Rei­chen in einem Land. Und wie toll die Aneig­nung und die Umver­tei­lung von unten nach oben auch wei­ter­hin funk­tio­niert, macht ein Ver­gleich beson­ders deut­lich: Ins­ge­samt ver­füg­ten laut Stu­die Mil­lio­nä­re und Mil­li­ar­dä­re über mehr als die Hälf­te des welt­wei­ten Ver­mö­gens.” Arti­kel von Klaus Fischer in der jun­gen Welt vom 19. Juni 2020 externer Link
  • Am Hori­zont: Die nächs­te Finanz­kri­se 
    “Es ist weit­ge­hend bekannt, dass die Coro­na­vi­rus-Pan­de­mie für die Wirt­schaft unter­bro­che­ne Lie­fer­ket­ten, Rekord­ar­beits­lo­sig­keit, geschei­ter­te Klein­un­ter­neh­men und wei­te­re Armut der Mas­sen mit sich bringt. All die­se Fak­to­ren sind ernst zu neh­men und wer­den die west­li­chen Indus­trie­län­der in eine tie­fe und lang anhal­ten­de Rezes­si­on stür­zen. Aber es gibt auch noch eine ande­re Bedro­hung für die Wirt­schaft, über die bis­her wenig geschrie­ben wird. Sie lau­ert unter ande­rem in den Bilan­zen der Groß­ban­ken, und sie könn­te kata­stro­phal für die gesam­te Öko­no­mie sein. Es ist die Mög­lich­keit einer neu­en Finanz­kri­se, denn die Ban­ken haben aus der letz­ten Finanz­kri­se wenig gelernt, und die neu­en Dekre­te und Geset­ze, die sie von der Über­nah­me zu hoher Risi­ken abhal­ten soll­te, haben bis heu­te wenig bewirkt. Infol­ge­des­sen könn­ten wir am Abgrund einer wei­te­ren Kri­se ste­hen, der sich von der Finanz­kri­se 2008 weni­ger in der Art als im Aus­maß unter­schei­det. (…) Zwar haben die Ban­ken zum Schutz vor einem Abschwung seit dem Jahr 2008 mehr Kapi­tal vor­ge­hal­ten, und ihre Bilan­zen sind heu­te weni­ger fremd­fi­nan­ziert als 2007, aber letz­tes Jahr schätz­te das Finan­cial Sta­bi­li­ty Board, dass für die 30 “glo­ba­len sys­te­misch wich­ti­gen Ban­ken” das durch­schnitt­li­che Enga­ge­ment bei fremd­fi­nan­zier­ten Kre­di­ten und CLOs etwa 60 Pro­zent des vor­han­de­nen Kapi­tals aus­mach­te. Citigroup mel­de­te zum 31. März CLOs im Wert von 20 Mil­li­ar­den Dol­lar; JPMor­gan Cha­se mel­de­te 35 Mil­li­ar­den Dol­lar. Eini­ge mit­tel­gro­ße Ban­ken – die kali­for­ni­sche Banc und Sti­fel Finan­cial – ver­fü­gen über CLOs im Wert von mehr als 100 Pro­zent ihres Kapi­tals. Wenn der Markt für CLOs implo­die­ren wür­de, dann könn­ten ihre Ver­bind­lich­kei­ten schnell grö­ßer wer­den als ihre Ver­mö­gens­wer­te. (…) Im wei­te­ren Ver­lauf die­ses Som­mers wer­den die Aus­fäl­le bei fremd­fi­nan­zier­ten Kre­di­ten erheb­lich zuneh­men, wenn die wirt­schaft­li­chen Aus­wir­kun­gen der Pan­de­mie voll zum Tra­gen kom­men…” Bei­trag von Achim Sze­pan­ski vom 15. Juni 2020 bei non​.copy​ri​ot​.com externer Link
  • Die Wirt­schaft der Zukunft – Hil­fe für Unter­neh­men muss an Bedin­gun­gen geknüpft sein 
    “Däne­mark macht es vor: Unter­neh­men, die in Steu­er­oa­sen regis­triert sind, erhal­ten kei­nen Zugang zu öffent­li­chen Bei­hil­fen. War­um nicht ein Zer­ti­fi­zie­rungs­sys­tem, das öffent­li­che Gel­der an die Unter­neh­mens­kul­tur kop­pelt? (…) In den letz­ten Jah­ren sind Kri­te­ri­en für öko­lo­gi­sche, sozia­le und unter­neh­me­ri­sche Ver­ant­wor­tung (Envi­ron­men­tal, Social and Gover­nan­ce – ESG) Teil des übli­chen Voka­bu­lars öffent­li­cher als auch pri­va­ter Inves­to­ren gewor­den. Der ESG-Ansatz ist ein Sys­tem zur Bewer­tung von Geschäfts­prak­ti­ken aus Umwelt‑, Sozi­al- und Gover­nan­ce-Per­spek­ti­ven. Das Eko­na Cen­ter of Eco­no­mic Inno­va­ti­on hat auf der Grund­la­ge die­ser all­ge­mei­nen Prä­mis­sen ein ESG-Zer­ti­fi­zie­rungs­sys­tem ent­wi­ckelt, das auf die Real­wirt­schaft aus­ge­rich­tet ist. Ziel ist es, das Ver­ant­wor­tungs­be­wusst­sein der Unter­neh­men zu bewer­ten. Die Zer­ti­fi­zie­rung bie­tet eine objek­ti­ve Mes­sung eines reprä­sen­ta­ti­ven Sat­zes von Varia­blen, die mit den Berei­chen Umwelt, Sozia­les und Füh­rung von Unter­neh­men ver­bun­den sind, was einen zusam­men­ge­setz­ten Indi­ka­tor ergibt. (…) Gera­de in der Zeit vor der Covid-19-Kri­se nahm die Bedeu­tung von ESG-Kri­te­ri­en rapi­de zu, da der Kli­ma­wan­del öffent­li­chen Druck sowohl auf die öffent­li­chen Ver­wal­tun­gen als auch auf den pri­va­ten Sek­tor aus­üb­te. (…) Die Ver­wen­dung des Modells der ESG-Zer­ti­fi­zie­rung ermög­licht die Gestal­tung eines Anreiz­sys­tems, das für eine effi­zi­en­te Res­sour­cen­al­lo­ka­ti­on als auch eine kor­rek­te Bewer­tung der sozia­len, öko­lo­gi­schen und admi­nis­tra­ti­ven Erträ­ge öffent­li­cher Inves­ti­tio­nen not­wen­dig ist. Die Wirk­sam­keit der ESG-Kri­te­ri­en beruht auf den fol­gen­den Säu­len: Öffent­li­ches Auf­trags­we­sen: Die Kon­junk­tur­pro­gram­me wer­den das Poten­ti­al berück­sich­ti­gen, das die Ver­ga­be­po­li­tik für alle Ver­wal­tun­gen als Motor für die Len­kung öffent­li­cher Inves­ti­tio­nen und Aus­ga­ben hat. (…) Vor-Bedin­gun­gen: Unter­neh­men kön­nen im Ver­hält­nis zu ihrem rela­ti­ven Grad der Ver­ant­wor­tung in ihren Wirt­schafts­sek­to­ren, gemes­sen an ESG-Kri­te­ri­en, als för­de­rungs­wür­dig ange­se­hen wer­den. Eine sol­che Beur­tei­lung der Eig­nung für öffent­li­che Finan­zie­rung muss vor der Ein­füh­rung der Kon­junk­tur­plä­ne und unab­hän­gig davon erfol­gen. (…) Kon­ti­nu­ier­li­che Zer­ti­fi­zie­rung: Es besteht die Not­wen­dig­keit, ein har­mo­ni­sier­tes Ver­ant­wort­lich­keits-Buch­hal­tungs­sys­tem ein­zu­rich­ten, das mit den der­zei­ti­gen Buch­hal­tungs­me­tho­den inter­agie­ren oder sich sogar in die­se inte­grie­ren kann. Das hier vor­ge­schla­ge­ne Sys­tem, das auf ESG-Kri­te­ri­en basiert, sieht eine peri­odi­sche Zer­ti­fi­zie­rung der Unter­neh­men vor. (…) Insti­tu­tio­nel­le Ziel­ge­nau­ig­keit: Das Kon­junk­tur­pro­gramm braucht Tie­fe und Brei­te, was bedeu­tet, dass es eine brei­te Aus­deh­nung mit einem hohen Grad an insti­tu­tio­nel­ler Ziel­ge­nau­ig­keit braucht. (…) Fer­ner wür­de die Anwen­dung des ESG-Modells die Erfolgs­wahr­schein­lich­keit der Kon­junk­tur­pro­gram­me erheb­lich ver­bes­sern. (…) Die­ses Modell könn­te durch ergän­zen­de Poli­ti­ken, die mit den loka­len Bedürf­nis­sen und Res­sour­cen über­ein­stim­men, ange­passt und aus­ge­baut wer­den…” Bei­trag von Pablo Cotare­lo und Ser­gi Cutil­las vom 29. Mai 2020 bei Makro­skop externer Link – sie­he spe­zi­ell zur Auto-Abwrack­prä­mie unser Dos­sier: [Erklä­rung] “Die Auto­in­dus­trie vor und nach „Coro­na“: Kon­ver­si­on statt Rezep­te von ges­tern!”
  • Die Kri­se der Min­der­leis­ter – Wie schief und absurd unser Leis­tungs­be­griff ist / [Todes­ra­te vs Exis­tenz­si­che­rung] Zwi­schen Pest und Cho­le­ra 
    • Die Kri­se der Min­der­leis­ter – Wie schief und absurd unser Leis­tungs­be­griff ist
      “Mit­ten in der Coro­na-Kri­se und der drän­gen­den Fra­ge, wie man die wirt­schaft­li­chen Här­ten abfe­dern kann, kommt aus der CDU das ange­staub­tes­te und im Wort­sinn aso­zi­als­te Kon­zept aus der Mot­ten­kis­te: Nehmt denen, die ohne­hin schon nicht viel haben, noch mehr weg. Kon­kret geht es um den Plan, die nächs­te Erhö­hung des Min­dest­lohns aus­zu­set­zen oder ihn gar abzu­sen­ken. Zur Erin­ne­rung: Das ist die­sel­be Par­tei, die zeit­gleich plant, der Auto­in­dus­trie Mil­li­ar­den Euro über eine Kauf­prä­mie zu geben. Einer Indus­trie, die in den letz­ten Jah­ren trotz sin­ken­der Absät­ze Mil­li­ar­den­ge­win­ne gemacht, in der Abgas­af­fä­re ihre Kun­den betro­gen hat, soll nun der Steu­er­zah­ler ein Geschenk machen und zugleich Käu­fern von Neu­wa­gen (also ten­den­zi­ell wohl­ha­ben­den Men­schen) zu einem Schnäpp­chen ver­hel­fen. (…) Fak­tisch wer­den die­je­ni­gen, die in oft har­ten und undank­ba­ren Jobs rea­le und gesell­schaft­lich unver­zicht­ba­re Leis­tung erbrin­gen, im Schnitt sehr schlecht bezahlt, wäh­rend jenen, deren rea­le Leis­tung über­schau­bar bis nicht vor­han­den oder sogar gesell­schaft­lich schäd­lich ist, das Geld hin­ter­her­fliegt – nur damit sie es dem Wirt­schafts­kreis­lauf ent­zie­hen kön­nen, indem sie es mit lega­len, halb­le­ga­len und ille­ga­len Steu­er­tricks außer Lan­des schaf­fen. Oder sich gar, sie­he Cum-Ex, ein­fach dreist ganz direkt am Steu­er­topf bedie­nen. Was sie unterm Strich nicht nur zu Min­der­leis­tern, son­dern gar zu Nega­tiv­leis­tern macht. Sie steu­ern nicht nur nichts zum gesell­schaft­li­chen Leben bei, son­dern sie ent­zie­hen ihm drin­gend benö­tig­te Mit­tel, bis­wei­len mit tat­kräf­ti­ger poli­ti­scher Unter­stüt­zung. Das zu ändern wäre erstaun­lich ein­fach. Ein paar Nach­bes­se­run­gen im Steu­er­recht, ein paar inten­si­ve­re und erns­ter gemein­te Kon­trol­len beim Arbeits­recht, mehr Regu­lie­rung in Bran­chen, die mehr Scha­den als Nut­zen brin­gen – es lie­ße sich mit simp­len Mit­teln viel bewe­gen. Und wer nach den kol­lek­ti­ven Anstren­gun­gen der Coro­na-Kri­se noch mit einem ‘geht nicht’ um die Ecke kommt, macht sich kom­plett lächer­lich. Natür­lich geht es. Und natür­lich wer­den die Arbeit­ge­ber- und Indus­trie­ver­bän­de, die Ver­bän­de der Finanz­wirt­schaft jau­len und heu­len und damit dro­hen, das Land zu ver­las­sen. Das dür­fen sie ger­ne tun. Dort, wo es einen ech­ten Bedarf gibt, wer­den sie eine Lücke hin­ter­las­sen, die ande­re dank­bar aus­fül­len wer­den…” Kom­men­tar von Ger­rit Wust­mann vom 27. Mai 2020 bei Tele­po­lis externer Link
    • [Todes­ra­te vs Exis­tenz­si­che­rung] Zwi­schen Pest und Cho­le­ra
      “Was ist das für eine Gesell­schaft, in der es bei einer Pan­de­mie nur um die Wahl geht zwi­schen zwei kata­stro­pha­len Fol­gen? Geht die Wirt­schaft wie­der los, steigt die Todes­ra­te. Geht die Wirt­schaft nicht wie­der los, wer­den Exis­ten­zen ver­nich­tet. (…) Das sind, vor­sich­tig for­mu­liert, trost­lo­se Alter­na­ti­ven – zwi­schen Pest und Cho­le­ra sozu­sa­gen. (…) Seit dem Beginn des “Lock­downs” Mit­te März in Deutsch­land sind die anfäng­lich besorg­nis­er­re­gend anstei­gen­den Pan­de­mie-Daten tat­säch­lich deut­lich gesun­ken. Das Aus­set­zen von Arbeit und sozia­len Kon­tak­ten hat die beab­sich­tig­te Wir­kung gezei­tigt. Dumm nur, dass in einer Wirt­schaft namens Kapi­ta­lis­mus der Stopp von gewinn­brin­gen­der Her­stel­lung ver­käuf­li­cher Waren und Dienst­leis­tun­gen ver­hee­ren­de Fol­gen hat. Das angeb­lich bes­te Sys­tem zur Ver­tei­lung von Gütern in der Gesell­schaft droht zu kol­la­bie­ren. Die Beschäf­tig­ten ver­lie­ren ihr regel­mä­ßi­ges Ein­kom­men, ste­hen damit von heu­te auf mor­gen mit lee­ren Hän­den da. (…) In Anbe­tracht des­sen ist es doch nur zu ver­ständ­lich, dass so bald wie mög­lich wie­der nor­mal gewirt­schaf­tet wird? Doch was bedeu­tet “nor­mal”? Offen­bar, dass auf Geld alles grün­det. (…) Wäre es da nicht eher nor­mal, sich so lan­ge wie medi­zi­nisch gebo­ten auf die lebens­not­wen­di­ge Pro­duk­ti­on zu beschrän­ken, das Gesund­heits­sys­tem hoch­zu­rüs­ten und ansons­ten unter Ein­hal­tung der Abstands- und Hygie­ne­not­wen­dig­kei­ten die arbeits­freie Zeit zu genie­ßen? Ach so, das geht nicht, ist voll­kom­men unrea­lis­tisch? Von wel­chem Geld sol­len wir leben? Und wer soll denn die vie­len Waren und Dienst­leis­tun­gen kau­fen, von denen die Unter­neh­men ihren Pro­fit zie­hen? Ganz zu schwei­gen von den pre­kä­ren Wohn- und Lebens­ver­hält­nis­sen vie­ler Men­schen, für die auch des­halb Zwangs­frei­zeit kein Spaß ist. (…) Da im Kapi­ta­lis­mus die gesam­te Gesell­schaft vom Geld­ver­die­nen abhängt, wirft das Anhal­ten die­ser Sor­te Wirt­schaft sofort Exis­tenz­fra­gen auf. Nicht, weil die Pro­duk­ti­ons­an­la­gen zer­stört sind oder nicht mehr funk­tio­nie­ren. Son­dern weil der Markt zur Ver­sil­be­rung der Waren dra­ma­tisch geschrumpft oder sogar geschlos­sen ist. Es gibt daher zu weni­ge bis kei­ne zah­lungs­fä­hi­gen Käu­fer. Der Druck, die­sen gefähr­li­chen Zustand auf­zu­he­ben, ist ent­spre­chend hoch. Dar­aus erklärt sich die frag­lo­se Selbst­ver­ständ­lich­keit in der öffent­li­chen Dis­kus­si­on zu Locke­run­gen des “Lock­downs”: Natür­lich müs­sen “wir” so schnell wie mög­lich “da raus”! (…) Das Trost­lo­se an der “Lockerungs”-Debatte: Alle haben sie recht! Die Unter­neh­mer­ver­bän­de, die eine nie dage­we­se­ne Plei­te­wel­le befürch­ten. Die Gewerk­schaf­ten, die dar­in ein­stim­men, weil sie sich das Glück ihrer Mit­glie­der nur in der Arbeit für den Pro­fit ande­rer vor­stel­len kön­nen. Die Epi­de­mio­lo­gen, die vor einem Anstieg der Infek­tio­nen und Todes­zah­len war­nen. Die Poli­ti­ker, die hin und her pen­deln – zwi­schen wie­der flo­rie­ren­der Wirt­schaft einer­seits und der Sor­ge ande­rer­seits, dass dafür das Volk in aus­rei­chen­der Zahl zur Ver­fü­gung bleibt. In ers­ter Linie zäh­len dazu die Kapi­ta­lis­ten, ihre Beschäf­tig­ten und zah­lungs­fä­hi­gen Kon­su­men­ten; aber, so viel Ethik muss sein, auch die Untä­ti­gen wer­den berück­sich­tigt…” Kom­men­tar von Björn Hen­d­rig vom 27. Mai 2020 bei Tele­po­lis externer Link
  • Soli und Bon­pflicht weg, kein höhe­rer Min­dest­lohn: So soll Deutsch­land nach Vor­stel­lun­gen der Uni­on wie­der auf Wachs­tums­kurs ein­schwen­ken 
    Nach Plä­nen der CDU-Bun­des­tags­frak­ti­on soll der Soli­da­ri­täts­zu­schlag bereits zum 1. Juli abge­schafft wer­den – und zwar für alle Men­schen in Deutsch­land. Busi­ness Insi­der liegt der Ent­wurf eines 10-Punk­te-Plans vor, den die Arbeits­ge­mein­schaft Wirt­schaft und Ener­gie ver­fasst hat. (…) Der CDU-Plan, der am Diens­tag von der Frak­ti­on beschlos­sen wer­den soll, umfasst wei­te­re Vor­schlä­ge. So sol­len die Lohn­ne­ben­kos­ten auf unter 40 Pro­zent beschränkt wer­den und es wird eine Unter­neh­mens­steu­er­re­form gefor­dert. Zudem soll es kei­ne wei­te­re Ein­schrän­kung von Werk­ver­trä­gen geben, wie die Bun­des­re­gie­rung sie zuletzt für die Fleisch­bran­che beschlos­sen hat. Um den Mit­tel­stand zu stär­ken, wird in dem Papier ein Fonds vor­ge­schla­gen, der sich an Unter­neh­men betei­li­gen und ihnen so lang­fris­tig Eigen­ka­pi­tal sichern soll. Außer­dem gibt es Vor­schlä­ge zum Ener­gie­sek­tor. „Ins­be­son­de­re hohe Strom­prei­se sind Gift für Wachs­tum und Beschäf­ti­gung in Deutsch­land“, heißt es in dem Papier. Daher sol­len die Strom­prei­se fal­len, etwa durch eine Reform der EEG-Umla­ge. Auf inter­na­tio­na­ler Ebe­ne soll Deutsch­land sich für mehr Frei­han­del ein­set­zen…” Arti­kel von Tobi­as Heim­bach vom 25.5.2020 im busi​ness​in​si​der​.de externer Link
  • Kyber­ne­ti­sche Pro­le­ta­ri­sie­rung: Wie in der Pan­de­mie exis­tie­ren­de Kon­flik­te ver­schärft wer­den
    “… Der Tech­nik­so­zio­lo­ge Simon Schaupp argu­men­tiert, dass die Pan­de­mie Kon­flik­te ver­schärft hat, die auf die Degra­die­rung von Arbeitnehmer*innen durch digi­ta­le Tech­no­lo­gien zurück­zu­füh­ren sind – ein Pro­zess, der als “kyber­ne­ti­sche Pro­le­ta­ri­sie­rung” beschreib­bar ist.” Dazu Simon Schaupp im Inter­view von Valen­tin Nie­b­ler vom 14. Mai 2020 bei der Ber­li­ner Gazet­te online externer Link: “… Schon vor der Pan­de­mie gab es den Plan einer „neu­en Indus­trie­stra­te­gie“, sozu­sa­gen die Fort­füh­rung von Indus­trie 4.0. Dabei soll die Indus­trie­stär­ke Deutsch­lands genutzt wer­den, um einen alter­na­ti­ven Digi­ta­li­sie­rungs­pfad jen­seits des Sili­con Val­ley zu eta­blie­ren. Wirt­schafts­mi­nis­ter Alt­mai­er sagt jetzt ganz pro­gram­ma­tisch, dass die­se Umstruk­tu­rie­rung die Leh­re aus der Pan­de­mie sein muss. Es wird das Argu­ment gemacht, dass die­se Stra­te­gie resi­li­en­ter sei und die ein­zi­ge Hoff­nung, eine Sta­gna­ti­on des Wachs­tums zu über­win­den. Ins­ge­samt kann man klar sagen, dass die digi­ta­le Öko­no­mie einer der Pro­fi­teu­re der Kri­se ist. (…) Vie­le For­men der Büro­ar­beit sind natür­lich mit einem Auf­schwung des Home Office ver­bun­den. (…) Wesent­lich schwe­rer sind jedoch Jobs betrof­fen, die an einen bestimm­ten Ort gebun­den sind. Dabei ist das dras­tischs­te in der Lie­fer­lo­gis­tik zu beob­ach­ten. Essens­lie­fer­diens­te erle­ben einer­seits einen Boom, aber sind ande­rer­seits ein Bereich, in dem die stärks­ten Abwer­tungs­pro­zes­se für Arbeiter*innen statt­fin­den. Das spitzt sich gera­de noch ein­mal zu: Per­so­nen die bei Lie­fer­diens­ten arbei­ten haben schlech­te Schutz­aus­rüs­tung und füh­len sich dadurch sehr gefähr­det. Viel­leicht noch schlim­mer trifft es die Lager­lo­gis­tik-Sek­tio­nen der digi­ta­len Öko­no­mie, ins­be­son­de­re Ama­zon, aber auch Zalan­do: die Arbeit dort beinhal­tet unter ande­rem, dass man auf rela­tiv engem Raum mit ande­ren Men­schen ist. Es ist immer wie­der zu hören, dass in die­sen Lagern das Virus aus­ge­bro­chen ist und sich vie­le Men­schen ange­steckt haben. Das hat aber auch zu mas­si­ven Kon­flik­ten rund um die Welt geführt. Beson­ders in den USA gibt es immer wie­der Nach­rich­ten von gro­ßen Streiks. Das ist eine der wich­ti­gen Kon­se­quen­zen: die Gegen­wehr, die in vie­len Fäl­len auf die Abwer­tung resul­tiert. Wir hat­ten es bereits vor­her mit einem wesent­lich kon­flikt­haf­ten Pro­zess zu tun, und das ver­stärkt sich jetzt noch ein­mal. (…) Gene­rell gibt es einen sehr engen Zusam­men­hang von tech­no­lo­gi­scher Ent­wick­lung und öko­no­mi­scher Kri­se. Ich glau­be das ist ein frucht­ba­rer Ansatz, aus dem sich viel erklä­ren lässt. Dabei ist mei­nes Erach­tens nach aber ein Kri­sen­ver­ständ­nis ange­zeigt, das nicht nur auf die Kapi­tal­lo­gik schaut, son­dern auch auf die Reak­ti­ons­wei­sen von Arbeiter*innen auf die jewei­li­gen Restruk­tu­rie­run­gen. Und da kann man aktu­ell beob­ach­ten, dass es zu Kon­flik­ten und Arbeits­kämp­fen kommt, auch in den neu ent­stan­de­nen Berei­chen der digi­ta­len Öko­no­mie. Span­nend wird sein, wel­che For­men der Kon­flikt­kul­tur sich dort eta­blie­ren…”
  • Die Aas­gei­er des Kapi­tals set­zen dar­auf, dass wir nichts unter­neh­men /​In der lau­fen­den Kri­se schießt der Staat viel Geld vor und ret­tet so dem Kapi­tal die Kom­man­do­ge­walt über die Arbeit
    • Die Aas­gei­er des Kapi­tals set­zen dar­auf, dass wir nichts unter­neh­men
      “Nach der Qua­ran­tä­ne könn­te der Neo­li­be­ra­lis­mus sein Come­back fei­ern. Um den Pro­fi­teu­ren der Kri­se zu ent­kom­men, müs­sen wir schleu­nigst zusam­men­ar­bei­ten und krea­tiv wer­den. (…) Ohne gesell­schaft­li­che und poli­ti­sche Inter­ven­ti­on wird die Gemein­schaft nach dem Erd­be­ben genau so aus­se­hen wie zuvor. Es wird sich nur etwas von der neu­en Ord­nung ret­ten las­sen, wenn sozia­le Bewe­gun­gen dafür kämp­fen. Doch die Stra­ßen sind leer, die poten­zi­el­len Demons­tran­tin­nen und Demons­tran­ten üben sich in Selbst­iso­la­ti­on und ver­sor­gen ihre Kin­der. (…) Wir haben eine Welt gese­hen, in der der Kapi­ta­lis­mus zum Still­stand gekom­men ist. Doch er wird wie­der anlau­fen. Wenn die Ver­ei­nig­ten Staa­ten wie­der »auf­ma­chen«, wer­den sie den alten USA sehr ähneln. Gro­ße Unter­neh­men wer­den noch grö­ßer sein und mehr als je zuvor zu dem Prä­si­den­ten hal­ten, der sie geret­tet hat. Nie dage­we­se­ne Aus­ga­ben wer­den die Argu­men­te pro Aus­teri­täts­po­li­tik wie­der­be­le­ben. (…) Die Kir­che des Neo­li­be­ra­lis­mus wird wie­der­auf­ge­baut, und das im Aus­nah­me­zu­stand auf­blit­zen­de Para­dies wird im Keim erstickt. Man muss den Blick nur nach oben rich­ten, um die eigent­li­che Geschich­te zu erken­nen. Über dem Kirch­turm krei­sen bereits die Gei­er. Das Wall Street Jour­nal pro­phe­zeit eine Rei­he von Kre­dit­aus­fäl­len, Plei­ten und Umstruk­tu­rie­run­gen. Gefähr­de­te Unter­neh­men wer­den dabei zuse­hen müs­sen, wie ihre wert­los gewor­de­nen Akti­en von Spe­zia­lis­ten für soge­nann­te »not­lei­den­de Kre­di­te« auf­ge­kauft wer­den, bes­ser bekannt als »Gei­er­ka­pi­ta­lis­ten« (vul­tu­re capi­ta­lists). Sie wer­den die Spiel­räu­me nut­zen, die ihnen Kapi­tel 11 des US-ame­ri­ka­ni­schen Insol­venz­rechts bie­tet, indem sie Ange­stell­ten Sozi­al­leis­tun­gen kür­zen oder die­se dem Staat auf­bür­den, bevor sie die Unter­neh­men wei­ter­ver­kau­fen und so Pro­fi­te ein­fah­ren. (…) Die Wirt­schaft liegt durch Covid-19 in Trüm­mern, und wir haben eine klei­ne Chan­ce, sie neu zu struk­tu­rie­ren. Doch um den Gei­ern zu ent­kom­men, müs­sen wir krea­tiv sein und zusam­men­ar­bei­ten. Nach der Befrei­ung aus der Qua­ran­tä­ne, könn­ten wir die Über­bleib­sel der alten Gesell­schaft nut­zen, um neue Gebäu­de, Gär­ten, Spiel­plät­ze und – wenn not­wen­dig – Bar­ri­ka­den zu errich­ten.” Bei­trag von Quinn Slo­bo­di­an in der Über­set­zung von Johan­nes Liess bei Jaco­bin am 12. Mai 2020 externer Link (die­ser Bei­trag erschien zuerst bei The Nati­on)
    • Pan­de­mie­fol­gen: Bür­ge und Büt­tel. In der lau­fen­den Kri­se schießt der Staat viel Geld vor und ret­tet so dem Kapi­tal die Kom­man­do­ge­walt über die Arbeit
      “Zunächst wird sich die Exper­ten­welt einig: Seit Jah­res­be­ginn brei­tet sich welt­weit ein hoch­in­fek­tiö­ses Virus aus, das (noch) nicht per Imp­fung zu neu­tra­li­sie­ren ist und in bedenk­li­cher Pro­por­ti­on töd­lich wirkt, weil es bei gra­vie­ren­dem Krank­heits­ver­lauf kein sicher wirk­sa­mes Heil­mit­tel gibt. Die Fach­welt über­zeugt, nach und nach, die Inha­ber der staat­li­chen Gewalt, der ein­zi­gen gesell­schaft­li­chen Ord­nungs­in­stanz in der frei­en bür­ger­li­chen Zivil­ge­sell­schaft, von der Not­wen­dig­keit, die Aus­brei­tung der Infek­ti­on durch ein Maxi­mum an Unter­bin­dung sozia­ler Kon­tak­te über das engs­te Haus­halts­ge­mein­schafts­le­ben hin­aus zu brem­sen, damit die Fol­gen für die Volks­ge­sund­heit beherrsch­bar blei­ben. Das pas­siert dann auch; mit ziem­lich ein­schnei­den­den Kon­se­quen­zen. (…) Für eine erheb­li­che Men­ge von Leu­ten ent­fällt infol­ge der Beschrän­kung ihres gewohn­ten Sozi­al­le­bens ihr unent­behr­li­ches Lebens­mit­tel – nein, nicht der Zugriff auf Klo­pa­pier oder Rot­wein; ein Man­gel an ech­ten Kon­sum­ar­ti­keln tritt nicht wirk­lich ein: Was abgeht, ist die Gele­gen­heit zum Geld­ver­die­nen. (…) Der Schein, »ihr Arbeits­platz« wäre in irgend­ei­nem akti­ven Sinn ihre Erwerbs­quel­le, wird mit der durch Ein­schrän­kun­gen des Kom­mer­zes gebrems­ten Pro­fit­ma­che­rei »ihres« Unter­neh­mens in einem Akt zunich­te und gegen sie wahr gemacht: Das Unter­neh­men ret­tet sich – einst­wei­len, so gut es geht – durch Ent­las­sun­gen; die Ent­las­se­nen ste­hen unmit­tel­bar vor dem Nichts. Und sie kön­nen nichts dage­gen machen. Die Fir­men­welt der Nati­on steht zwar ganz anders, auf Dau­er aber auch nicht bes­ser da. (…) Die kann ihrer­seits ein lahm­ge­leg­tes Erwerbs­le­ben über­haupt nicht brau­chen. Weil sie von ihrem Volk lebt, muss sie dafür sor­gen, dass ihr Volk auch für sie dasein und sor­gen kann. Des­we­gen küm­mert sie sich ja in so ein­schnei­den­der Wei­se um sei­ne Gesund­heit. (…) Dane­ben und vor allem sorgt sich die demo­kra­ti­sche Wirt­schafts­po­li­tik über­all um die Nöte derer, die in ihren Betrie­ben das lohn­ab­hän­gi­ge Volk Geld ver­die­nen las­sen, um sich und ihre Geld­ge­ber zu berei­chern, und die so den Fun­dus an Kapi­tal­wachs­tum schaf­fen, aus dem der Staat sei­nen Reich­tum schöpft. (…) Im Zen­trum der all­ge­mei­nen, auch der poli­ti­schen Auf­merk­sam­keit steht fürs ers­te aber nicht das Geld, und auch nicht die – inter­na­tio­nal beant­wor­te­te – Schuld­fra­ge. Im Mit­tel­punkt steht, wie es sich für eine christ­lich-abend­län­di­sche Zivil­ge­sell­schaft gehört, der Mensch. Und das nicht etwa pri­mär als das am Geld­ver­die­nen gehin­der­te Kon­kur­renz­sub­jekt, son­dern als das um sei­ne sozia­len Kon­tak­te ver­kürz­te sozia­le Wesen. (…) Dabei ist die Sache so schwie­rig nicht. Was der­zeit man­che Pati­en­ten nicht über­le­ben und was rück­bli­ckend – wie­der ein­mal, wie stets in ver­gleich­ba­rer Situa­ti­on – als Ver­säum­nis beklagt, als Ver­nach­läs­si­gung und leicht­fer­ti­ger Abbau nöti­ger Kapa­zi­tä­ten im Gesund­heits­we­sen den ehe­mals Ver­ant­wort­li­chen zur Last gelegt wird, das ist die sys­tem­ge­mäß eng begrenz­te Band­brei­te des gesund­heits­po­li­ti­schen Nor­mal­falls im kapi­ta­lis­tisch wirt­schaf­ten­den bür­ger­li­chen Gemein­we­sen. Aber die­se schlich­te Wahr­heit hal­ten die einen Anti­kom­mu­nis­ten für eine unzu­läs­si­ge Belei­di­gung der bes­ten aller Wel­ten, die ande­ren für eine Ver­harm­lo­sung eines Sys­tems, das sie abgrund­tief ver­ur­tei­len im Lich­te des­sen, dass sie sich von ihm unver­dros­sen viel bes­se­re als sei­ne wirk­li­chen Leis­tun­gen ver­spre­chen. Und das Virus, das dafür sor­gen könn­te, dass der bür­ger­li­che Kopf ein­mal aus Scha­den klug wird, ist noch nicht erfun­den.” Bei­trag von Theo Wentz­ke bei der jun­gen Welt vom 24. April 2020 externer Link
  • Der Bund nimmt bis zu 600 Mil­li­ar­den Euro für maxi­mal 375.000 Unter­neh­men in die Hand: Adi­das, TUI, Media-Markt, Sixt & Co pro­fi­tie­ren, Mil­lio­nen ande­re ste­hen vor dem Aus 
    “Sechs Wochen nach dem Start der ‚Coro­na-Hil­fen‘ des Bun­des leg­te die Kre­dit­an­stalt für Wie­der­auf­bau ers­te Ergeb­nis­se vor. Pro­mi­nen­te Nutz­nie­ßer, wie Adi­das und Puma, Media-Markt und Saturn, Sixt und TUI hat der Bund an den Liqui­di­täts­tropf genom­men. Für die 600 Mil­li­ar­den Euro, die der Bund ein­set­zen kann, sind aller­dings „nur“ 375.000 Unter­neh­men antrags­be­rech­tigt. Ein erheb­li­cher Teil der mehr als 3,1 Mil­lio­nen Fir­men mit weni­ger als zehn Mit­ar­bei­tern, Ein­zel­un­ter­neh­men, Frei­be­ruf­lern und Selbst­stän­di­gen wird mit der Exis­tenz bezah­len für den als „alter­na­tiv­los“ von die­ser Bun­des­re­gie­rung ver­kauf­ten Lock­down. (…) 1. Der Bund betä­tigt sich hier in gro­ßem Sti­le als Kre­dit­ge­ber für Groß­un­ter­neh­men. Das ist eigent­lich eine Auf­ga­be, die den Geschäfts­ban­ken zuge­dacht ist und für deren Kapi­ta­li­sie­rung ja in den letz­ten Jah­ren auch enorm viel getan wur­de. Die­se Ban­ken­stüt­zungs­maß­nah­men haben inso­fern offen­sicht­lich ihre Wir­kung ver­fehlt. 2. Aus­lö­ser der aktu­el­len Kri­se ist nicht die Coro­na-Epi­de­mie an sich. Son­dern viel­mehr die man­geln­den Vor­keh­run­gen von Bund und Län­dern gegen die Aus­wir­kun­gen einer sol­chen Epi­de­mie. Die war abseh­bar und ange­kün­digt, sie­he die Risi­ko­stu­die, die das Robert-Koch-Insti­tut 2013 dem Deut­schen Bun­des­tag vor­ge­legt hat . Den­noch wur­den Bana­li­tä­ten, wie die Beschaf­fung und Bevor­ra­tung von Schutz­klei­dung für medi­zi­ni­sches und pfle­ge­ri­sches Per­so­nal voll­kom­men igno­riert, was direkt der Kanz­le­rin als Regie­rungs­chefin und ihrem Gesund­s­heit­mi­nis­ter Spahn anzu­las­ten ist. 3. Seit 1998 gibt es das Kon­TraG, ein Bun­des­ge­setz zur Kon­trol­le und Trans­pa­renz im Unter­neh­mens­be­reich: Geschäfts­füh­run­gen und Auf­sichts­rä­te von Unter­neh­men sind seit­dem ver­pflich­tet, „geeig­ne­te Maß­nah­men zu tref­fen, ins­be­son­de­re ein Über­wa­chungs­sys­tem ein­zu­rich­ten, damit den Fort­be­stand des Unter­neh­mens gefähr­den­de Ent­wick­lun­gen früh erkannt wer­den“. Eine gleich­ar­ti­ge Ver­pflich­tung hat die Bun­des­re­gie­rung voll­kom­men igno­riert. Sonst hät­te man sich schon seit Jah­ren über­le­gen und Vor­keh­run­gen tref­fen MÜSSEN, wie beson­ders schutz­be­dürf­ti­ge alte bzw. pfle­ge­be­dürf­tig­te Men­schen in ent­spre­chen­den Ein­rich­tun­gen geschützt wer­den kön­nen, OHNE gleich die Wirt­schaft des gan­zen Lan­des abzu­wür­gen. 4. (…) Herr Spahn unter­schlägt (…), dass viel Wis­sen schon zuvor vor­han­den war und Risi­ko­sze­na­ri­en hät­ten auf­ge­stellt und Vor­keh­run­gen getrof­fen wer­den MÜSSEN. Wenn Leu­te wie er mehr an der eigent­li­chen Auf­ga­be eines Bun­des­mi­nis­ters für sein Fach­ge­biet ori­en­tiert gewe­sen wären als am fort­ge­setz­ten Kaputt­spa­ren des Gesund­heits­sys­tems. (…) 5. Und was die antrag­stel­len­den Unter­neh­men angeht: Sind ihre raschen bzw. behaup­te­ten Liqui­di­täts­pro­ble­me tat­säch­lich aus­ge­löst durch die „Coro­na-Pan­de­mie“. Oder ergrei­fen sie nicht viel­mehr die Chan­ce auf staat­li­che Liqui­di­täts­hil­fe um ohne­hin anste­hen­de stra­te­gi­sche Inves­ti­tio­nen oder Sanie­run­gen auf die­se Wei­se güns­tig zu finan­zie­ren??. (…) Die wie­der ein­mal angeb­lich „alter­na­tiv­lo­se“ Poli­tik von Kanz­le­rin Mer­kel, und die „Lock­down-Maß­nah­men, mit denen die Bun­des­re­gie­rung anfangs vor allem ihr Gesicht ange­sichts eines Kom­plett­ver­sa­gens bei Risi­ko­be­wer­tung und ‑vor­sor­ge für den Epi­de­mie­fall ret­ten woll­te, stürzt Mil­lio­nen von Selbst­stän­di­gen und Klein­un­ter­neh­men ins exis­ten­zi­el­le Dis­as­ter. Wäh­rend Gesund­heits­mi­nis­ter Spahn nichts Bes­se­res zu tun hat, als alle paar Tage eine neue Idee über Tra­cing Apps und Mel­de­pflich­ten von Ärz­ten, Infi­zier­ten und Gesun­den raus­zu­hau­en … Und Kanz­le­rin Mer­kel sich nach acht Wochen ermat­tet zurück­zu­zie­hen scheint auf die Rol­le, die sie schon län­ger spiel­te: Die der lah­men Ente.” Bei­trag von Abbe vom 8. Mai 2020 bei Cives online externer Link
  • Dax-Kon­zer­ne und Coro­na: Staats­hil­fen trotz Steu­er­ver­mei­dung
    Unter­neh­men for­dern in der Coro­na-Kri­se Mil­li­ar­den Euro Staats­hil­fen. Doch aus­ge­rech­net vie­le Dax-Unter­neh­men, die jetzt Not­kre­di­te brau­chen, Kurz­ar­beit bean­tra­gen oder nach Kon­junk­tur­pro­gram­men rufen, haben Betei­li­gun­gen in Steu­er­oa­sen und schüt­ten Mil­li­ar­den an Divi­den­den aus. Kri­ti­ker for­dern des­halb, Staats­hil­fen an Bedin­gun­gen zu knüp­fen. Dabei geht es nicht nur um Steu­er­ge­rech­tig­keit, son­dern auch um ein umwelt­freund­li­che­re und sozia­le­res Wirt­schaf­ten. Das Video gibt den Recher­che­s­tand von April 2020 wie­der.” Bericht von Achim Poll­mei­er und Niklas Schenk im MONITOR vom 04.05.2020 beim WDR externer Link
  • Die Coro­na-Pro­fi­teu­re: Gan­ze Bran­chen gehen plei­te, vie­le Staa­ten äch­zen. Aber eini­ge Unter­neh­men gewin­nen auch durch die Pan­de­mie
    „Never let a good cri­sis go to was­te“, soll Win­s­ton Chur­chill ein­mal gesagt haben: Lass eine Kri­se nicht unge­nutzt ver­strei­chen, schlag Pro­fit dar­aus, wenn um dich her­um die Welt zusam­men­bricht. Als ers­ter und bekann­tes­ter Coro­na-Pro­fi­teur hat sich der US-ame­ri­ka­ni­sche Mil­li­ar­där Bill Ack­man die Maxi­me zu eigen gemacht. (…) Ack­man ist nicht der ein­zi­ge Coro­na-Pro­fi­teur: Wäh­rend gan­ze Wirt­schafts­bran­chen still­ste­hen, Restau­rant­ket­ten Insol­venz anmel­den, Flug­li­ni­en sich in die Ver­staat­li­chung ret­ten, Auto­fir­men Mil­lio­nen von Beschäf­tig­ten in Kurz­ar­beit schi­cken und Kon­junk­tur­for­scher sich mit Rezes­si­ons­pro­gno­sen von bis zu minus 20 Pro­zent des Brut­to­in­lands­pro­dukts (BIP) über­bie­ten, gibt es eine Rei­he von Unter­neh­men, die aus der Coro­na-Kri­se Nut­zen zie­hen. Es sind gro­ße Tech-Kon­zer­ne und rie­si­ge Finanz­un­ter­neh­men, die in der Kri­se ihre schon vor­her weit rei­chen­de Macht um ein Viel­fa­ches ver­grö­ßern, indem sie sich über­for­der­ten Regie­run­gen und unter­fi­nan­zier­ten Behör­den als Ret­ter in der Not anbie­ten. Gegen sie ist Bill Ack­man nur ein klei­ner Fisch, der eine geglück­te Wet­te plat­ziert hat. Die Coro­na-Pro­fi­teu­re im gro­ßen Stil aber schi­cken sich jetzt an, Staats­auf­ga­ben zu über­neh­men: unver­zicht­bar zu wer­den, bei der Bekämp­fung der glo­ba­len Pan­de­mie und in der Zeit danach. In der Art, wie sie das tun, zeich­nen sich die Umris­se einer Post-Coro­na-Öko­no­mie ab, die dys­to­pisch ist: Nicht nach­hal­ti­ger und grü­ner, wie vie­le es sich erhof­fen, die unse­re kapi­ta­lis­ti­sche Wirt­schaft schon wan­ken sehen, son­dern noch markt­ori­en­tier­ter, mit noch mehr Kon­zen­tra­ti­on von Macht in weni­gen Unter­neh­men, mit noch weni­ger Daten­schutz, weni­ger Arbeits­rech­ten und weni­ger pro­fit­frei­en Räu­men. An der Spit­ze die­ser Unter­neh­men steht eine klei­ne Zahl von Män­nern, die schon vor Coro­na zu den reichs­ten die­ser Welt gehör­ten. Jetzt wer­den sie noch mäch­ti­ger und noch rei­cher. Wenn es eine Post-Coro­na-Agen­da gibt, dann muss auf ihr – neben einer Rei­he von ande­ren unauf­schieb­ba­ren Din­gen – auch der Punkt ent­hal­ten sein, wie die Macht die­ser Män­ner und ihrer Unter­neh­men wie­der ein­ge­hegt und beschränkt wer­den kann. (…) Wie schwer es vie­len Men­schen fällt, mit der Macht gro­ßer Unter­neh­men und ihrer Füh­rungs­kräf­te umzu­ge­hen, zeigt sich in der Coro­na-Pan­de­mie am Bei­spiel Bill Gates. Der Micro­soft-Grün­der und Vor­sit­zen­de der größ­ten pri­va­ten Stif­tung der Welt gilt vie­len Anhän­gern von Ver­schwö­rungs­theo­rien nun­mehr als Coro­na-Schur­ke schlecht­hin (…) Dabei ist der Umstand, dass Ver­schwö­rungs­theo­re­ti­ker Ver­schwö­rungs­theo­rien über Bill Gates ver­brei­ten, kein Grund, ihn von Kri­tik aus­zu­spa­ren, eben­so wenig wie die Tat­sa­che, dass Gates tat­säch­lich vor der Gefahr eine vira­len Pan­de­mie gewarnt hat, dass er nun 250 Mil­lio­nen Dol­lar zur Pan­de­mie­be­kämp­fung bereit­stellt und noch mehr Geld in den Bau von Fabri­ken ste­cken will, damit ein Impf­stoff – sobald er bereit­steht – schnell pro­du­ziert wer­den kann. Da er durch den Erfolg von Micro­soft zu einem der reichs­ten Män­ner der Welt wur­de, hat sich Gates als Phil­an­throp neu erfun­den…” Bei­trag von Pepe Egger vom 5. Mai 2020 bei ‘der Frei­tag’ Aus­ga­be 18/​2020 externer Link
  • Deutsch­lands Bei­trag zur “euro­päi­schen Soli­da­ri­tät”: Deut­sche Wirt­schaft for­dert ein Ende der Maß­nah­men zur Pan­de­mie­be­kämp­fung und Mil­li­ar­den für Kfz-Her­stel­ler – trotz Kli­ma­kri­se 
    “Vor dem für heu­te ange­setz­ten Ber­li­ner “Auto­gip­fel” erhö­hen deut­sche Wirt­schafts­ver­bän­de ihren Druck auf die Bun­des­re­gie­rung, die Ein­schrän­kun­gen im Kampf gegen die Covid-19-Pan­de­mie zu lockern. Jede Woche des “Shut­downs” kos­te die deut­sche Wirt­schaft “einen mitt­le­ren zwei­stel­li­gen Mil­li­ar­den­be­trag”, erklärt der Prä­si­dent des Bun­des­ver­ban­des der Deut­schen Indus­trie (BDI); das müs­se ein Ende haben. Auf dem heu­ti­gen “Auto­gip­fel” wol­len Ver­tre­ter von Indus­trie und Poli­tik über wei­te­re mil­li­ar­den­schwe­re Sub­ven­tio­nen für die deut­schen Kfz-Her­stel­ler bera­ten. Im Gespräch ist eine “Abwack­prä­mie”, bei der der Kauf von Neu­wa­gen stark bezu­schusst wird. Öko­lo­gi­sche Beden­ken spie­len dabei trotz der anhal­ten­den Kli­ma­kri­se kei­ne Rol­le. (…) In den Leit­me­di­en wird gele­gent­lich die euro­päi­sche Kar­te als Argu­ment für wei­te­re Sub­ven­tio­nen aus­ge­spielt. So wird die Abwrack­prä­mie zuwei­len zwar als Sym­ptom einer fal­schen Wirt­schafts­po­li­tik kri­ti­siert, gegen die es “eine Men­ge Argu­men­te” gebe. Eigent­lich müs­se die Poli­tik in der Kri­se “dem Druck mäch­ti­ger Lob­by­is­ten stand­hal­ten” und die knap­pen staat­li­chen Mit­tel “mög­lichst den Schwächs­ten in der Gesell­schaft zugu­te­kom­men” las­sen; Käu­fer von Neu­wa­gen zähl­ten beim “bes­ten Wil­len” nicht dazu. Aller­dings könn­ten deut­sche Auto­käu­fer als “Ret­ter der euro­päi­schen Soli­da­ri­tät” fun­gie­ren; schließ­lich hät­ten die Auto­kon­zer­ne die EU mit einem “Netz von Pro­duk­ti­ons­stand­or­ten über­zo­gen”. Über­all, von “Por­tu­gal bis Rumä­ni­en”, gebe es Zulie­fer­er­be­trie­be, die davon pro­fi­tier­ten, wenn in Deutsch­land “mehr sub­ven­tio­nier­te Autos ver­kauft” wür­den. Vie­le die­ser in “Spa­ni­en, Polen oder Frank­reich” gebau­ten Fahr­zeu­ge, die auf­grund deut­scher Sub­ven­tio­nen die dor­ti­ge Kon­junk­tur stüt­zen könn­ten, stamm­ten dabei aus “Wer­ken deut­scher Her­stel­ler”. Bei dem skiz­zier­ten Sys­tem han­delt es sich um eine Art bin­nen­eu­ro­päi­scher “trick­le-down eco­no­my” mit der Bun­des­re­pu­blik als ihrem Zen­trum, die sich im Kri­sen­ver­lauf zu fes­ti­gen scheint.” Bericht vom 5. Mai 2020 von und bei Ger​man​-For​eign​-Poli​cy​.com externer Link
  • Coro­na­kri­se: Es droht ein Angriff auf die 99 Pro­zent
    “… Immer wie­der hört man von Pre­ka­ri­sier­ten über­all auf der Welt, dass sie sich das Virus nicht leis­ten könn­ten, dass sie trotz Angst vor Anste­ckung arbei­ten gehen, weil sie nicht wis­sen, wovon sie sonst leben sol­len. Deren öko­no­mi­sche Lage wird sich durch die anrol­len­de Rezes­si­on wei­ter ver­schlech­tern. Und auch die hie­si­ge Mit­tel­schicht wird deren Fol­gen zu spü­ren bekom­men. Denn wenn das Wachs­tum stockt, ver­wan­deln sich die Gewin­ne in Ver­lus­te. Und die Gewin­ne ver­su­chen sich die Unter­neh­men wie­der zurück­zu­ho­len, indem sie bei den Ange­stell­ten spa­ren. Dies ist kei­nes­wegs eine neue, son­dern eine ziem­lich alte Erkennt­nis. Schon Karl Marx schrieb, dass die Unter­neh­mer, was ihren Pro­fit angeht, »einen wah­ren Frei­mau­rer­bund bil­den gegen­über der Gesamt­heit der Arbei­ter­klas­se«. Dabei sind die Angrif­fe unter­schied­li­cher Natur, die Stoß­rich­tung ver­folgt aber immer das­sel­be Prin­zip, näm­lich die unte­ren 99 Pro­zent für die Kri­se zah­len zu las­sen, um einen Begriff aus der Finanz­kri­se 2007/​8 wie­der­zu­ver­wen­den. Der­zeit ver­su­chen die Unter­neh­men zwar noch mit weni­ger har­ten Maß­nah­men an ihrem »Human­ka­pi­tal« zu spa­ren, wäh­rend in den USA bereits mil­lio­nen­fach Men­schen ins Nichts ent­las­sen wur­den. Meis­tens drü­cken die Fir­men hier­zu­lan­de die Lohn­kos­ten, indem sie die Ange­stell­ten, für die sie wegen der Kri­se kei­ne Ver­wen­dung haben, in Kurz­ar­beit schi­cken. Das Gehalt wird dann von der Bun­des­agen­tur für Arbeit, also der All­ge­mein­heit, gezahlt. Dabei müs­sen die Beschäf­tig­ten mas­si­ve Ein­kom­mens­bu­ßen hin­neh­men. Doch auch här­te­re Maß­nah­men wie Mas­sen­ent­las­sun­gen kün­di­gen sich an. (…) Irgend­wann müs­sen aber die Schul­den zurück­ge­zahlt wer­den. Und solan­ge nicht erstrit­ten wird, dass dies etwa über eine Ver­mö­gens­ab­ga­be und höhe­re Steu­ern für Rei­che finan­ziert wird, ist klar, dass dafür bei der öffent­li­chen Infra­struk­tur und Sozi­al­aus­ga­ben gespart wird. So wird die Grund­ren­te bereits wie­der infra­ge gestellt. Es ist also gar nicht so unwahr­schein­lich, dass die unte­ren 99 Pro­zent mal wie­der für die Kri­se zah­len sol­len. Und inso­fern soll­te kein Lin­ker gäh­nen, wenn er das Wort Brut­to­nin­lands­pro­dukt­wachs­tums­ra­te hört, son­dern lie­ber sehr hell­hö­rig wer­den. Denn was ansteht, sind här­te­re Ver­tei­lungs­kämp­fe.” Bei­trag von Simon Poel­chau bei neu­es Deutsch­land vom 3. Mai 2020 externer Link
  • Der neue Burg­frie­den: Das Kapi­tal nutzt die Gunst der Stun­de /​Wenn ein Virus die Wirt­schaft infi­ziert 
    • Bür­ge und Büt­tel. In der lau­fen­den Kri­se schießt der Staat viel Geld vor und ret­tet so dem Kapi­tal die Kom­man­do­ge­walt über die Arbeit
      “… Dane­ben und vor allem sorgt sich die demo­kra­ti­sche Wirt­schafts­po­li­tik über­all um die Nöte derer, die in ihren Betrie­ben das lohn­ab­hän­gi­ge Volk Geld ver­die­nen las­sen, um sich und ihre Geld­ge­ber zu berei­chern, und die so den Fun­dus an Kapi­tal­wachs­tum schaf­fen, aus dem der Staat sei­nen Reich­tum schöpft. Sie denkt an die vie­len Rech­nun­gen, die womög­lich unbe­zahlt lie­gen­blei­ben, so dass eine Ket­te unter­blei­ben­der Geld­ein­nah­men in Gang kom­men könn­te. Sie denkt vor­aus­ei­lend an womög­lich aus­blei­ben­de Kre­dit­be­die­nung in grö­ße­rem Stil, die in der Ban­ken­welt eine erneu­te Finanz­kri­se aus­lö­sen könn­te. Und sie denkt nicht bloß sor­gen­voll an sol­che »Sze­na­ri­os«, son­dern klotzt, wo immer sie kann, demons­tra­tiv, mit dem hand­fes­ten Mit­tel, das dem Staat als Fis­kus sowie – gera­de dann, wenn sei­ne Erwerbs­ge­sell­schaft die bean­spruch­ten Abga­ben schul­dig bleibt – als Inha­ber der Geld­ho­heit im Land zu Gebo­te steht: In ihrer Eigen­schaft als Haus­häl­ter der Gesell­schaft schreibt die Regie­rung sich die Ver­fü­gung über eine von nie­man­dem vor­her abge­hol­te Geld­men­ge zu – die Zen­tral­bank, in der Euro-Zone die in Frank­furt, tut zwecks Bedie­nung eines womög­lich »explo­die­ren­den« Liqui­di­täts­be­darfs der Ban­ken und ihrer öffent­li­chen und pri­va­ten Kun­den das glei­che –, bezahlt dar­aus Hil­fen für nach gewis­sen Kri­te­ri­en als not­lei­dend defi­nier­te Geschäf­te und leis­tet, dies vor allem und mit den größ­ten Beträ­gen, Bürg­schaf­ten für Unter­neh­mens­kre­di­te, die dadurch, allein kraft eines staats­ge­wal­ti­gen Macht­worts, ihre Qua­li­tät als ordent­li­ches Geld­ka­pi­tal behal­ten, die sie sonst schon längst – oder spä­tes­tens dem­nächst – ein­ge­büßt hät­ten. So ret­tet der Staat die Kom­man­do­ge­walt des Kapi­tals über Arbeit und Leben der Gesell­schaft, wo die­se Gewalt nicht mehr so pro­duk­tiv wirkt wie für ihre Erhal­tung per Ver­meh­rung nötig; er ret­tet in schwe­rer Zeit das Recht, i. e. die Glaub­wür­dig­keit der Macht des Gel­des, sich zu ver­meh­ren…” Arti­kel von Theo Wentz­ke in der jun­gen Welt vom 24.04.2020 externer Link
    • Wenn ein Virus die Wirt­schaft infi­ziert
      Die Coro­na-Pan­de­mie legt die Soll­bruch­stel­len des neo­li­be­ra­len Kapi­ta­lis­mus offen – ers­te Ten­den­zen der Repa­ra­tur­maß­nah­men zeich­nen sich ab (…) IWF und Welt­bank rech­nen mit einer glo­ba­len Rezes­si­on. Wie tief die­se sein wird, bleibt trotz zahl­rei­cher Pro­gno­sen ein Sto­chern im Nebel. Wir wol­len trotz­dem einen Blick in die Zukunft wagen. Denn jen­seits wirt­schaft­li­cher Rechen­ex­em­pel mit vie­len Unbe­kann­ten las­sen sich bereits jetzt eini­ge Ten­den­zen able­sen: Der Neo­li­be­ra­lis­mus ist in ers­ter Linie ideo­lo­gisch ange­schla­gen, die EU ris­kiert wei­te­re Schul­den­kri­sen, auf den Finanz­märk­ten erhöht sich die Crash-Gefahr, und die Ten­denz zur Deglo­ba­li­sie­rung ver­stärkt sich. (…) Es war nicht die Lin­ke, die der Bun­des­re­gie­rung die­se Maß­nah­men in die Feder dik­tiert hat, vie­les davon ist auf Über­le­gun­gen aus der Wirt­schaft zurück­zu­füh­ren. In einem gemein­sa­men Gut­ach­ten for­der­ten meh­re­re Wirt­schafts­in­sti­tu­te schon Anfang März – vor Beschluss der Hilfs­maß­nah­men – mehr Geld für den Gesund­heits­sek­tor (um die Wirt­schaft schnell wie­der zum Lau­fen zu brin­gen), eine Stüt­zung des Arbeits­mark­tes sowie die Aus­set­zung der Schul­den­brem­se. Sie reg­ten zudem an, dass Unter­neh­men durch Nach­fra­ge des Staa­tes dazu gebracht wer­den könn­ten, drin­gend benö­tig­te Güter wie Atem­schutz­mas­ken zu pro­du­zie­ren. Somit scheint Skep­sis drin­gend gebo­ten, was den poten­zi­ell trans­for­ma­ti­ven Cha­rak­ter der staat­li­chen Inter­ven­tio­nen betrifft. Für Ärzt*innen, Pfleger*innen sowie ande­re »Held*innen der Kri­se« wer­den zwar ein­ma­li­ge Bonus­zah­lun­gen dis­ku­tiert – von dau­er­haft höhe­ren Löh­nen oder mehr Per­so­nal ist bis dato indes kaum die Rede. Und auch die Debat­te um das Instru­ment der Unter­neh­mens­ver­staat­li­chung hat mit dem lin­ken, anti­ka­pi­ta­lis­ti­schen Ziel einer Ver­ge­sell­schaf­tung der Pro­duk­ti­on nichts zu tun. (…) Im Zei­chen der Kri­se scheint es den Unter­neh­men nun genehm, auf der­lei For­men des Staats­in­ter­ven­tio­nis­mus zurück­zu­grei­fen. Die staat­li­che KfW-Bank soll die Kon­zer­ne ange­sichts sin­ken­der Bör­sen­kur­se mit Liqui­di­tät ver­sor­gen, um sie vor feind­li­chen Über­nah­men – etwa aus Chi­na – zu schüt­zen. Der »freie Markt« soll so nicht begrenzt, son­dern vor­über­ge­hend staat­lich pro­te­giert wer­den, um ihn in sei­ner jet­zi­gen Gestalt zu erhal­ten: mit einer Unter­neh­mens­struk­tur, die den größ­ten wirt­schaft­li­chen Pro­fit und nicht den größ­ten gesell­schaft­li­chen Nut­zen ver­spricht. (…) Trotz der mies anmu­ten­den Situa­ti­on – die Bedeu­tung der Schwä­chung der markt­gläu­bi­gen Ideo­lo­gie infol­ge der Coro­na-Pan­de­mie soll­te von der Lin­ken nicht unter­schätzt wer­den. Ob das tat­säch­lich eine Chan­ce ist, hängt auch davon ab, ob es ihr gelingt, die wirt­schaft­li­che Kri­se infol­ge der Coro­na-Pan­de­mie nicht nur als exter­nen Schock, son­dern auch als eine durch Kapi­ta­lis­mus und Wachs­tums­zwang ver­ur­sach­te und ver­stärk­te Kri­se zu inter­pre­tie­ren.” Arti­kel von Gui­do Speck­mann und Lene Kem­pe vom 21. April 2020 aus dem ak #659 externer Link
    • Der neue Burg­frie­den: Das Kapi­tal nutzt die Gunst der Stun­de
      In Zei­ten der Not ste­hen die Spit­zen­ver­tre­ter von Staat, Kapi­tal und Arbeit bekannt­lich in Treue fest zusam­men. Das war nicht immer so. (…) Auch heu­te lässt sich die Coro­na- und Wirt­schafts­kri­se kapi­tal­ver­träg­lich nur gemein­sam meis­tern. Des­halb kann die gegen­wär­tig gro­ße Einig­keit zwi­schen Staat, Unter­neh­mern und Gewerk­schaf­ten nicht ver­wun­dern. Es herrscht gro­ße Freu­de allent­hal­ben. Die Kapi­tal­sei­te freut sich über die ihr allein zuge­sag­te Mög­lich­keit, anste­hen­de Steu­er­zah­lun­gen auf­zu­schie­ben und die Betrie­be durch unbe­grenz­te Kre­dit­hil­fen auf­recht­zu­er­hal­ten. Gemein­sam wird, ähn­lich wie bei der Finanz­kri­se 2008/​2009, der erleich­ter­te Zugang zur Kurz­ar­beit gefei­ert. Rei­ner Hoff­mann, Vor­sit­zen­der des DGB, gibt dazu sei­nen Segen. Nicht die unter­schied­li­chen Inter­es­sen von Arbeit­ge­bern und Arbeit­neh­mern sei­en gegen­wär­tig vor­ran­gig, son­dern die gemein­sa­me Ver­ant­wor­tung, dass es in der Wirt­schaft wei­ter­lau­fe. Wört­lich: «Die Sor­ge ist, dass Men­schen jetzt in einer sol­chen Situa­ti­on Angst vor Arbeits­platz­ver­lust haben. Dem müs­sen wir ent­schie­den begeg­nen und zei­gen, dass wir auch in einer sol­chen Kri­sen­si­tua­ti­on hand­lungs­fä­hig sind, ihnen Sicher­heit geben kön­nen.» Das in Win­des­ei­le beschlos­se­ne Not­fall­pa­ket der Bun­des­re­gie­rung hilft wenig gegen die Pan­de­mie, aber es ist «der not­wen­di­ge Impf­stoff gegen mög­li­che Wirt­schafts­ein­brü­che», hofft Arbeit­ge­ber­boss Ingo Kra­mer. Die­ses Land befin­det sich der­zeit in einer tie­fen mul­ti­plen Kri­se, aber gera­de in sol­chen Zei­ten behält das Kapi­tal einen küh­len Kopf und nutzt die Angst der tief ver­un­si­cher­ten und von ihren Orga­ni­sa­tio­nen füh­rungs­los gelas­se­nen Habe­nicht­se wie schon immer zur Reor­ga­ni­sa­ti­on und Neu­struk­tu­rie­rung der Kapi­tal­ver­hält­nis­se. Im Kiel­was­ser der Coro­na-Kri­se kann – bei aus­blei­ben­der nen­nens­wer­ter Gegen­wehr – der Umbau der Deutsch­land-AG mäch­tig Fahrt auf­neh­men. Dafür wer­den jetzt die nach innen not­wen­di­gen Vor­keh­run­gen instal­liert – nach­dem die mili­tä­ri­sche Abschot­tung gegen­über Flücht­lin­gen und all­ge­mei­ne Grenz­schlie­ßun­gen in Euro­pa bereits erprobt wur­den…” Arti­kel von Man­fred Die­ten­ber­ger in der Soz 3/​2020 externer Link
  • Unter­neh­men wer­den um 4,5 Mil­li­ar­den Euro ent­las­tet 
    Bund und Län­der haben sich auf ein steu­er­li­ches Hilfs­pa­ket für Unter­neh­men geei­nigt: Sie sol­len abseh­ba­re Ver­lus­te mit Vor­aus­zah­lun­gen aus dem ver­gan­ge­nen Jahr ver­rech­nen dür­fen, um liqui­de zu blei­ben. und und Län­der wol­len Unter­neh­men in der Coro­na-Kri­se bei der Steu­er noch­mals ent­las­ten. Wie die F.A.Z. erfah­ren hat, wird das neue Hilfs­pa­ket auf eine Grö­ßen­ord­nung von 4,5 Mil­li­ar­den Euro bezif­fert. Geplant sei eine prag­ma­ti­sche Neu­re­ge­lung des soge­nann­ten Ver­lust­rück­trags. Das Vor­ge­hen sei am Mitt­woch im Finanz­aus­schuss des Bun­des­ta­ges bespro­chen wor­den. Die Unter­neh­men sol­len den Anga­ben zufol­ge abseh­ba­re Ver­lus­te mit Vor­aus­zah­lun­gen aus dem ver­gan­ge­nen Jahr ver­rech­nen dür­fen. Dafür sei eine Ober­gren­ze von 15 Pro­zent geplant. Je Per­son könn­ten so höchs­tens 1 Mil­li­on Euro aus­ge­gli­chen wer­den – bei zusam­men ver­an­lag­ten Ehe­leu­ten 2 Mil­lio­nen Euro…” Arti­kel von Man­fred Schä­fers vom 22.04.2020 in der FAZ online externer Link
  • Bloß kein Still­stand. Für vie­le Wirt­schafts­ex­per­ten ist die Men­schen­wür­de nicht unan­tast­bar – son­dern ein Kos­ten­fak­tor unter vie­len /​Export per Not­ver­ord­nung: Abhän­gig­keit der deut­schen Wirt­schaft 
    • Bloß kein Still­stand. Für vie­le Wirt­schafts­ex­per­ten ist die Men­schen­wür­de nicht unan­tast­bar – son­dern ein Kos­ten­fak­tor unter vie­len
      Um die Aus­brei­tung des Coro­na­vi­rus zu ver­lang­sa­men, sind der­zeit vie­le Unter­neh­men still­ge­legt. Öko­no­men war­nen vor einem dras­ti­schen Ein­bruch der Wirt­schafts­leis­tung und for­dern einen mög­lichst schnel­len Neu­start der Pro­duk­ti­on, um die öko­no­mi­schen Kos­ten zu sen­ken. Der­zeit herr­sche das Pri­mat der Medi­zi­ner, das eine Abwä­gung von poli­ti­schen und öko­no­mi­schen Argu­men­ten ver­hin­de­re, empör­te sich der »Wirt­schafts­ethi­ker« Chris­toph Lüt­ge. Er kri­ti­sier­te die aktu­el­le Coro­na­pau­se als »erzwun­ge­ne Voll­brem­sung der Wirt­schaft«, die »in kei­nem Ver­hält­nis zum Nut­zen der Schutz­maß­nah­men« ste­he. Dass die Wirt­schaft still­zu­ste­hen habe, kön­ne nicht aus rein medi­zi­ni­schen Gesichts­punk­ten ent­schie­den wer­den. Im Kern geht es hier um ein Abwä­gen zwi­schen Wirt­schaft und Gesund­heit, dem einer sei­ner Kol­le­gen eine typisch öko­no­mi­sche Form gab: Die maxi­ma­le Zah­lungs­be­reit­schaft für das Abfla­chen der Coro­na-Anste­ckungs­kur­ve läge bei 13 Pro­zent des Brut­to­in­lands­pro­dukts (BIP). Das heißt, die deut­sche Volks­wirt­schaft ist bereit, 447 Mil­li­ar­den Euro auf­zu­wen­den, um die Coro­na-Anste­ckun­gen zu redu­zie­ren. Sol­che Rech­nun­gen sind natür­lich absurd: Denn wür­den die Maß­nah­men nur einen Euro mehr kos­ten, wür­de dem­nach eine Anste­ckung in Kauf genom­men, die die Gesund­heit und wohl auch das Leben vie­ler Men­schen kos­ten wür­de. Aus sol­chen Rech­nun­gen spricht die bekann­te öko­no­mis­ti­sche Ein­stel­lung, wel­che Effi­zi­enz, Nütz­lich­keit und Ren­ta­bi­li­tät auf Men­schen und Gesell­schaft über­trägt. Und damit mora­li­sche Maß­stä­be wie prin­zi­pi­el­le Gleich­heit und Wür­de der Men­schen infra­ge stellt…” Arti­kel von Sebas­ti­an Thie­me vom 18.04.2020 in ND online externer Link
    • Export per Not­ver­ord­nung: Abhän­gig­keit der deut­schen Wirt­schaft
      Die Kapi­ta­lis­ten schar­ren mit den Hufen. Die gro­ßen Unter­neh­mens­ver­bän­de schrie­ben der Bun­des­re­gie­rung am Frei­tag ins Stamm­buch, die Türen für Beschäf­tig­te und Kun­den schleu­nigst wie­der zu öff­nen. Sicher­heits­maß­nah­men wäh­rend der Seu­che sind für die Kon­zern­chefs Neben­sa­che. Ein wirk­sa­mer Arbeits­schutz und das Wie­der­hoch­fah­ren der Wirt­schaft könn­ten unter einen Hut gebracht wer­den, auch wenn es Eng­päs­se bei der Schutz­aus­rüs­tung gebe, for­der­te BDI-Boss Die­ter Kempf. Wirt­schafts­mi­nis­ter Peter Alt­mai­er parier­te. Er wol­le in den nächs­ten Tagen Vor­schlä­ge unter­brei­ten – die Ver­ord­nungs­er­mäch­ti­gung der Regie­rung, durch die Arbeits­rech­te außer Kraft gesetzt wer­den, macht es mög­lich. Die Export­aus­rich­tung der deut­schen Wirt­schaft schlägt voll ins Kon­tor…” Kom­men­tar von Simon Zei­se in der jun­gen Welt vom 18.04.2020 externer Link
  • KfW-Son­der­pro­gramm: Wer gemein­nüt­zig gegen Coro­na hilft, bekommt kein Geld /​Mas­ken vom Staat [statt Sub­ven­ton der Pro­duk­ti­on und der Pro­fi­te]
    • KfW-Son­der­pro­gramm: Wer gemein­nüt­zig gegen Coro­na hilft, bekommt kein Geld
      “Mit einem mil­li­ar­den­schwe­ren Son­der­pro­gramm greift die Bun­des­re­gie­rung der deut­schen Wirt­schaft unter die Arme. Doch staat­li­che För­de­rung gibt es nur für Unter­neh­men mit Gewinn­ab­sich­ten. Gemein­nüt­zi­ge Initia­ti­ven, die auf eige­ne Kos­ten Schutz­mas­ken und Ersatz­tei­le her­stel­len, gehen leer aus. (…) „Grund­sätz­lich hät­ten wir eine ganz ande­re Schlag­kraft, wenn wir För­de­run­gen bekom­men könn­ten“, sagt Alex­an­der Klar­mann, Spre­cher von Maker vs. Virus. Die Initia­ti­ve einer gemein­nüt­zi­gen Orga­ni­sa­ti­on ver­bin­det auf ganz Deutsch­land ver­teil­te Maker und Maker Spaces mit­ein­an­der. Über 5.000 Frei­wil­li­ge sind der­zeit mit an Bord. Dezen­tral stel­len sie ihre Kapa­zi­tä­ten zur Ver­fü­gung und bie­ten etwa 3D-Dru­cker an, um Ver­sor­gungs­eng­päs­se von Schutz­mas­ken aus­zu­glei­chen. Hil­fe von der Bun­des­re­gie­rung kön­nen sie jedoch nicht erwar­ten. „Wir haben kei­nen Topf, in den wir rein­fas­sen kön­nen“, sagt Klar­mann. Der­zeit wer­de alles auf eige­nes Risi­ko finan­ziert. Obwohl inzwi­schen rund 25.000 Euro an Spen­den her­ein­ge­kom­men sind und Unter­neh­men mit Sach­spen­den aus­hel­fen, geht Klar­mann davon aus, „dass wir im Moment defi­zi­tär arbei­ten.“ Man habe etwa gro­ße Men­gen an Fasern gekauft, die für 3D-Druck benö­tigt wer­den. Auch rela­tiv bil­li­ge Foli­en für Visie­re machen sich bei grö­ße­ren Stück­zah­len finan­zi­ell bemerk­bar. Dazu kom­men Strom­kos­ten, von der Arbeits­zeit der Frei­wil­li­gen ganz zu schwei­gen. (…) Es ist nicht so, dass kein Geld vor­han­den wäre. Mit einem groß­zü­gig bemes­se­nen Son­der­pro­gramm unter­stützt die staats­ei­ge­ne Kre­dit­an­stalt für Wie­der­auf­bau (KfW) deut­sche Unter­neh­men, die kri­sen­be­dingt in eine finan­zi­el­le Schief­la­ge gera­ten sind. Inner­halb weni­ger Tage wur­den mehr als zehn Mil­li­ar­den Euro an Kre­di­ten bean­tragt, das Gesamt­vo­lu­men könn­te 50 bis 100 Mil­li­ar­den Euro aus­ma­chen, schät­zen Exper­ten. Doch die­ses Geld fließt nur an Unter­neh­men mit „Gewinn­erzie­lungs­ab­sich­ten“, stellt nun die Bun­des­re­gie­rung klar. „Eine För­de­rung gemein­nüt­zig ein­ge­tra­ge­ner Ver­ei­ne ist grund­sätz­lich nicht vor­ge­se­hen“, beschied ges­tern Ulrich Nuß­baum, Staats­se­kre­tär im Bun­des­mi­nis­te­ri­um für Wirt­schaft und Ener­gie, der lin­ken Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­ten Anke Dom­scheit-Berg…” Bei­trag von Tomas Rudl vom 8. April 2020 bei Netz­po­li­tik externer Link
    • Man­gel an Schutz­klei­dung: Mas­ken vom Staat [statt Sub­ven­ton der Pro­duk­ti­on und der Pro­fi­te]
      “… Die­se Woche haben 23 Pfle­ge­ver­bän­de und Gewerk­schaf­ten einen ein­dring­li­chen Hil­fe­ruf an Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Jens Spahn gerich­tet. Die Lage für Pfle­ge­be­dürf­ti­ge und Betreu­er sei “gefähr­lich und extrem belas­tend”. Spahn müs­se “unver­züg­lich dafür sor­gen, dass schnellst­mög­lich Schutz­aus­rüs­tung in aus­rei­chen­der Anzahl und Qua­li­tät zur Ver­fü­gung gestellt wird”. Sonst dro­he die Ver­sor­gung, auch in der häus­li­chen Pfle­ge, zusam­men­zu­bre­chen. “Die Ver­pflich­tung für Unter­neh­men, ihre Pro­duk­ti­on umzu­stel­len”, sofern dies tech­nisch mög­lich sei, dür­fe “kein Tabu sein”. Die Bun­des­re­gie­rung setzt jedoch nicht auf Zwang, son­dern auf För­der­geld, um die hei­mi­sche Her­stel­lung von Schutz­klei­dung anzu­kur­beln. 40 Mil­lio­nen Euro wer­den dafür bereit­ge­stellt. Den­noch dürf­ten Mas­ken, die gut schüt­zen, nach Recher­chen von SZ, NDR und WDR kaum rasch und aus­rei­chend aus hei­mi­scher Pro­duk­ti­on ver­füg­bar sein. (…) Mar­kus Mai­lin­ger aus Hes­sen, des­sen Fir­ma Meltblown-Vlie­se her­stellt, hält die Plä­ne des Coro­na-Kabi­netts für Unsinn. “Wir bekom­men in vie­len Regio­nen Deutsch­lands bereits Zuschüs­se”, sagt er. In Nord­hes­sen, wo er pro­du­zie­re, gebe es 30 Pro­zent vom Staat. Zudem wer­de kein Unter­neh­men teu­re Maschi­nen anschaf­fen, wenn die Käu­fer hoch­wer­ti­ger Schutz­mas­ken sich in eini­gen Jah­ren wie­der güns­tig in Chi­na bedien­ten. Mai­lin­ger hat Gesund­heits­mi­nis­ter Spahn einen ande­ren Weg vor­ge­schla­gen. Statt ins­ge­samt 40 Mil­lio­nen Euro Sub­ven­tio­nen in Aus­sicht zu stel­len, sol­le der Bund selbst eine Groß­an­la­ge zum Preis von zehn Mil­lio­nen Euro anschaf­fen. Eine sol­che Anla­ge schaf­fe Meltblown-Vlies für 50 bis 70 Mil­lio­nen Mas­ken pro Monat, schrieb Mai­lin­ger an Spahn. Wenn man die Anla­ge nicht mehr brau­che, kön­nen man sie her­un­ter­fah­ren – und wie­der hoch­fah­ren, wenn sich die nächs­te Pan­de­mie andeu­te. Dar­über hin­aus kön­ne man auch “unse­re euro­päi­schen Freun­de im Kri­sen­fall mit­ver­sor­gen”, heißt es in Mai­lin­gers Mail. Ob Minis­ter Spahn die­sen Plan über­haupt im Detail lesen konn­te, ist nicht sicher. Am Mon­tag­vor­mit­tag schick­te er Mai­lin­ger eine Mail, in der stand: “Lei­der kann ich Ihre Anla­gen nicht alle öff­nen. Mein Team ver­sucht es.” Bei­trag von Mar­kus Grill, Lena Kampf, Kris­tia­na Lud­wig, Klaus Ott und Nico­las Rich­ter vom 8. April 2020 bei der Süd­deut­schen Zei­tung online externer Link
  • Finanz­in­ves­tor Dibe­li­us: Wirt­schaft hat Vor­rang vor Gesund­heit /​[DGB] Coro­na: Wer zahlt für das Anti-Kri­sen-Pro­gramm? 
    • [DGB] Coro­na: Wer zahlt für das Anti-Kri­sen-Pro­gramm?
      “… Im Eil­ver­fah­ren hat der Bun­des­tag die­se Woche Mil­li­ar­den­hil­fen zur Bekämp­fung des Coro­na-Virus und zur Abfe­de­rung der sozia­len und wirt­schaft­li­chen Aus­wir­kun­gen beschlos­sen. (…) So rich­tig die jet­zi­gen Maß­nah­men sind, so wich­tig ist es auch, bereits heu­te dafür zu sor­gen, dass am Ende nicht die Fal­schen dafür zah­len. Das heißt auch, dass bereits heu­te einem künf­ti­gen Spar­kurs zu Las­ten der All­ge­mein­heit eine Absa­ge erteilt wird. Schließ­lich hat der Bun­des­tag unnö­ti­ger­wei­se beschlos­sen, dass die oben genann­ten, nicht Schul­den­brem­sen­kon­for­men, 100 Mil­li­ar­den Euro ab 2023 bin­nen 20 Jah­ren zurück­ge­zahlt wer­den müs­sen, anstatt die Til­gung auf einen län­ge­ren Zeit­raum zu stre­cken. Gleich­zei­tig betont der Bun­des­wirt­schafts­mi­nis­ter, nach der Kri­se sol­le auch die schwar­ze Null wie­der gel­ten. So sind Kür­zun­gen vor­pro­gram­miert. (…) Die Feh­ler der Ver­gan­gen­heit dür­fen nicht wie­der­holt wer­den. Wenn das Coro­na-Virus ein­ge­dämmt ist, braucht es kei­nen Spar­kurs, son­dern wahr­schein­lich erst­mal eine Stär­kung der Kon­junk­tur, in jedem Fall aber ein Inves­ti­ti­ons­pro­gramm. Kran­ken­häu­ser brau­chen dau­er­haft bes­se­re Aus­stat­tung, vie­le Beru­fe, unter ande­rem im öffent­li­chen Dienst, brau­chen end­lich eine Auf­wer­tung, also auch mehr Geld. (…) Das heißt: Von schwar­zer Null und Schul­den­brem­se, soll­te sich die Bun­des­re­gie­rung dau­er­haft ver­ab­schie­den. Das heißt aber auch: Um die Staats­ver­schul­dung nicht aus­ufern zu las­sen, müs­sen jetzt die Wei­chen für eine gerech­te Finan­zie­rung der Kri­sen­las­ten gestellt wer­den. Zum Bei­spiel muss ver­hin­dert wer­den, dass die 100 füh­ren­den deut­schen Kon­zer­ne in die­sen Tagen den Eigen­tü­mern 44 Mil­li­ar­den Euro an Divi­den­de aus­zah­len, wie das Han­dels­blatt berich­tet. Außer­dem braucht es ein gerech­tes Steu­er­sys­tem. (…) Spit­zen­ver­die­ner und Ver­mö­gen­de kön­nen es ver­kraf­ten, die Kri­sen­las­ten zu tra­gen. Allein das reichs­te Hun­derts­tel der Bevöl­ke­rung in Deutsch­land besitzt ein Gesamt­ver­mö­gen von net­to rund 3.800 Mil­li­ar­den Euro. Mit einer gerech­ten Ver­mö­gens- und Erb­schafts­steu­er; bei­spiels­wei­se, kön­nen die­se Ver­mö­gen zur Bewäl­ti­gung der Kri­se bei­tra­gen.” For­de­run­gen beim DGB-Klar­text 11/​2020 vom 27. März 2020 externer Link
    • Wirt­schaft for­dert wei­te­re steu­er­li­che Ent­las­tun­gen wegen der Coro­na­kri­se
      Der BDI warnt trotz der jüngs­ten Ret­tungs­pa­ke­te vor exis­tenz­be­dro­hen­den Liqui­di­täts­pro­ble­men bei Unter­neh­men. Der Wirt­schafts­ver­band for­dert des­halb wei­te­re Hil­fen…” Arti­kel von Jan Hil­de­brand und Mar­tin Grei­ve vom 27.03.2020 beim Han­dels­blatt online externer Link – mehr dar­aus muss mensch nicht wis­sen
    • Finanz­in­ves­tor Dibe­li­us: Wirt­schaft hat Vor­rang vor Gesund­heit
      “Vor eini­gen Wochen hät­te sich noch kaum jemand vor­stel­len kön­nen, dass in füh­ren­den deut­schen Tages­zei­tun­gen offen dar­über debat­tiert wird, wie vie­le Arbei­ter­le­ben wirt­schaft­li­chen Inter­es­sen geop­fert wer­den sol­len. Zu tief saß die Erin­ne­rung an die Ver­bre­chen der Nazis, die in den gro­ßen Indus­trie­be­trie­ben Deutsch­lands Mil­lio­nen von Zwangs­ar­bei­tern buch­stäb­lich zu Tode gear­bei­tet hat­ten. Doch mit der Coro­na-Kri­se las­sen die Ver­tre­ter des Kapi­tals ihren faschis­ti­schen Vor­stel­lun­gen wie­der frei­en Lauf. Das Han­dels­blatt ver­öf­fent­lich­te am Mon­tag ein Inter­view mit Alex­an­der Dibe­li­us, der elf Jah­re lang das Deutsch­land- und Ost­eu­ro­pa­ge­schäft von Gold­man Sachs lei­te­te und jetzt das Deutsch­land­port­fo­lio der Pri­va­te Equi­ty-Gesell­schaft CVC Capi­tal Part­ners betreut. Der Finanz­in­ves­tor spricht unver­blümt aus, dass der Tod von Mil­lio­nen Men­schen einem wirt­schaft­li­chen Absturz vor­zu­zie­hen sei, der sein Ver­mö­gen und den Reich­tum sei­ner Kund­schaft gefähr­det. (…) Es ist nur eine Fra­ge von Tagen, bis Dibe­li­us und sei­nes­glei­chen for­dern wer­den, Arbei­te­rin­nen und Arbei­ter, die sich wei­gern ihre Gesund­heit zu gefähr­den, gewalt­sam zur Arbeit zu zwin­gen. Sei­ne aso­zia­len Tira­den im Han­dels­blatt sind ein sub­jek­ti­ver Aus­druck der objek­ti­ven Tat­sa­che, dass die kapi­ta­lis­ti­sche Gesell­schaft der­art ver­rot­tet und die Klas­sen­ge­gen­sät­ze der­art zuge­spitzt sind, dass sich die herr­schen­de Klas­se nur noch mit faschis­ti­schen Metho­den an der Macht hal­ten kann, wie sie dies in der Gro­ßen Depres­si­on der 1930er Jah­re tat. Dibe­li­us selbst und sei­ne Fami­lie brau­chen sich wegen der Covid-19-Pan­de­mie kei­ne Sor­gen machen. Sein drei­stel­li­ges Mil­lio­nen­ver­mö­gen garan­tiert ihnen Zugang zu den bes­ten Ärz­ten. Und soll­ten sie in die Ver­le­gen­heit kom­men, sich in Qua­ran­tä­ne bege­ben müs­sen, ste­hen ihnen neben einer 3500-Qua­drat­me­ter‑, 40-Zim­mer-Vil­la in Ber­lin-Dah­lem meh­re­re Zweit­wohn­sit­ze zur Ver­fü­gung: Eine 10-Mil­lio­nen-Euro-Vil­la in St. Tro­pez, eine 16-Mil­lio­nen-Euro-Vil­la in der Nähe von Kitz­bü­hel und eine Immo­bi­lie im teu­ren Lon­do­ner Stadt­teil Bel­gra­via…” Kom­men­tar von Peter Schwarz vom 25. März 2020 bei wsws​.org externer Link
    • Die schlimms­te Wirt­schafts­kri­se aller Zei­ten?
      Deutsch­lands Arbei­te­rIn­nen ste­hen unter Kon­takt­sper­re. Demo­kra­ti­sche Grund­rech­te sind aus­ge­setzt. Wäh­rend­des­sen schnü­ren die Regie­run­gen Wirt­schafts­pa­ke­te wie sonst nur zu Kriegs­zei­ten. Was macht die­se Kri­se so hef­tig, und was wird uns in den nächs­ten Mona­ten erwar­ten?…” Hin­ter­grund­be­richt und Aus­blick von Tho­mas Stark vom 29.3.2020 bei Per­spek­ti­ve online externer Link
  • McK­in­sey regiert durch – Bun­des­re­gie­rung setzt in der Kri­se For­de­run­gen von Unter­neh­mens­be­ra­tung um 
    “… Die Regie­rung hat ihr »Hilfs­pro­gramm« bei den Unter­neh­mens­ver­bän­den abge­schrie­ben. Pri­va­te Kli­nik­be­trei­ber wer­den frei­ge­kauft. Einer der gro­ßen Fische in der Bran­che, die Rhön-Kli­ni­kum AG, teil­te am Diens­tag mit, sie habe im ver­gan­ge­nen Jahr einen Net­to­ge­winn in Höhe von 44,5 Mil­lio­nen Euro erwirt­schaf­ten kön­nen. Vor­stands­chef Ste­phan Holz­in­ger sag­te, es sei noch nicht aus­ge­macht, »wel­che wirt­schaft­lich nega­ti­ven wie auch posi­ti­ven Fol­gen die Coro­na­kri­se für das Unter­neh­men haben könn­te«. Um als Gewin­ner aus der Kri­se her­vor­zu­ge­hen, brau­chen die Kon­zer­ne einen engen Draht zur Regie­rung. Dafür sind »Bera­ter« wie McK­in­sey da. Die Mana­ger hat­ten schon im April 2016 in einer Stu­die die Visi­on vom »Kran­ken­haus der Zukunft« ent­wor­fen, in der es heißt: »Das klei­ne unab­hän­gi­ge Rund­um-Ser­vice-Kran­ken­haus ist ein Aus­lauf­mo­dell.« Vor­be­hal­te gegen Aus­la­ge­run­gen soll­ten »mit der Über­win­dung von Kos­ten- und Qua­li­täts­be­den­ken all­mäh­lich weg­fal­len«, lau­te­te die rea­lis­ti­sche Pro­gno­se. (…) Das Kabi­nett Mer­kel IV kommt die­ser Auf­ga­be nach und paart Neo­li­be­ra­lis­mus mit Groß­macht­am­bi­tio­nen. Der Ver­ein demo­kra­ti­scher Ärz­tin­nen und Ärz­te kri­ti­sier­te am Diens­tag: »Wir kön­nen es nicht nach­voll­zie­hen, dass sich Deutsch­land als ein­zi­ges Land Euro­pas wei­gert, Hil­fe aus Chi­na anzu­neh­men. Hier wer­den außen- und han­dels­po­li­ti­sche Erwä­gun­gen im inter­na­tio­na­len Kon­kur­renz­kampf höher bewer­tet als die Sicher­heit und Gesund­heit der Beschäf­tig­ten im Gesund­heits­we­sen.«“ Bei­trag von Simon Zei­se vom 25.03.2020 bei Jun­ge Welt externer Link zu zu Coro­na-Schutz­schild des Bun­des­fi­nanz­mi­nis­te­ri­ums externer Link
  • Anm.: Denn eins soll­te klar sein: Die gan­ze Not­stands­hand­lun­gen kön­nen auch dazu benutzt wer­den vor allem Wirt­schafts­sys­tem zu ret­ten, ggf auch auf Kos­ten der Gesund­heit.

Der Bei­trag “Schlim­mer als die Pan­de­mie” – Wirt­schafts­krei­se for­dern Abkehr von Schutz­maß­nah­men: Finanz­schlacht um Covid-19-Pro­fi­te hat begon­nen erschien zuerst auf Labour­Net Ger­ma­ny.

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