[perspektive:] Kliniken versuchen vereinbarte Sonderzahlungen für PflegerInnen zu unterschlagen

Zu Beginn der Covid-Pandemie gab es zwei Berufsgruppen, die besondere Solidarität der Bevölkerung genossen: KassiererInnen und KrankenpflegerInnen. Die KrankenpflegerInnen genossen hierbei nicht nur die Solidarität der Bevölkerung, sondern auch die Politik wollte sich dankbar für deren unermüdlichen Einsatz zeigen. So sollten die KrankenpflegerInnen 1500 Euro Sonderprämie erhalten. Oftmals werden diese Sonderprämien jedoch nicht ausgezahlt. Ein Beispiel aus Sachsen. 

Der Bun­des­tag und der Bun­des­rat hat eine Son­der­prä­mie für alle Kran­ken­pfle­ge­rIn­nen beschlos­sen. Die­se Son­der­prä­mie wird bis zu einer Höhe von 1000 Euro vom Bund gestellt. Die Bun­des­län­der und der Kli­ni­ken kön­nen die­sen Bonus auf bis zu 1500 Euro auf­sto­cken. Die­se Prä­mie soll­te im Juli aus­ge­zahlt wer­den.

Vereinbarung nur teilweise eingehalten

Per­spek­ti­ve erhielt dazu eine Nach­richt mit einen aktu­el­len Bericht zur Aus­zah­lung von einem Kran­ken­pfle­ger, der in der Not­fall­auf­nah­me arbei­tet. Dem­nach soll­ten hier nur alle Kran­ken­pfle­ge­rIn­nen eine Son­der­zah­lung bekom­men, die tat­säch­lich Covid-Pati­en­tIn­nen pfle­gen. Hier­bei soll­ten jeweils 100 Euro monat­lich extra aus­ge­zahlt wer­den. Die 100 Euro soll­ten dabei nur denen zugu­te kom­men, die tat­säch­lich im direk­ten Kon­takt mit den Covid-Erkrank­ten arbei­te­ten. Egal, ob die pfle­gen­de Per­son nur drei Tage im Monat oder den gan­zen Monat mit den Pati­en­tIn­nen zusam­men­ar­bei­te­te: die geson­der­te Son­der­zah­lung soll­te kei­nen benach­tei­li­gen.

Wie der Kran­ken­pfle­ger Per­spek­ti­ve erläu­tert, ver­sucht nun sei­ne Kli­nik „immer mal“ einen Monat zu unter­schla­gen. Das ist den Arbei­te­rIn­nen nur auf­ge­fal­len, weil sie selbst begon­nen haben ihre Lohn­ab­rech­nun­gen zu über­prü­fen. Einen ande­ren Weg die ver­ein­ba­re Son­der­zah­lung zu erhal­ten gibt es nicht. Als die Kran­ken­pfle­ge­rIn­nen die Kli­nik dar­auf auf­merk­sam mach­ten, ent­schul­dig­te sich die­se und ver­wies dar­auf, dass es ihnen „durch die Lap­pen gegan­gen“ sei.

Vertrauen zum Arbeitgeber gebrochen

Die betrof­fe­nen Kran­ken­pfle­ge­rIn­nen glau­ben ihrem Arbei­ter­ge­ber nicht. Zum einen liegt das dar­an, dass es sich in der Kli­nik nur um eine Hand­voll Leu­te han­delt, die die­se Son­der­aus­zah­lung hät­te errei­chen sol­len. Auf der ande­ren Sei­te waren das so außer­ge­wöhn­li­che Zustän­de, dass die Kli­nik defi­ni­tiv die Leu­te „auf dem Schirm hat­te“, die mit Covid-Pati­en­tIn­nen arbei­te­ten. Außer­dem wer­den die­se geson­der­ten Schich­ten immer direkt von den Lei­tungs­po­si­tio­nen an die Abrech­nung und sogar den Vor­stand wei­ter­ge­ge­ben. Das ist täg­li­che Rou­ti­ne.

Beson­ders ver­trau­ens­bre­chend emp­fin­den die Arbei­te­rIn­nen den Fall einer Kol­le­gin, die ins­ge­samt nur zwei bis drei Tage auf der Inten­siv­sta­ti­on arbei­te­te. Aller­dings arbei­te­te sie mit einem Pati­en­ten zusam­men, dem eine so hohe virus­last nach­ge­wie­sen wur­de, dass die­ser in einem spe­zi­el­len Raum behan­delt wer­den muss­te. Danach muss­te die Kol­le­gin und die Ärz­tin vor­sorg­lich in eine zwei­wö­chi­ge Qua­ran­tä­ne, da die besag­te virus­last zu risi­ko­reich waren, um ein nor­ma­les wei­ter­ar­bei­ten zu ermög­li­chen. Die­ser Kol­le­gin fehl­ten auch die 100 Euro Son­der­zah­lung, als sie bei der Abrech­nungs­stel­le nach­frag­te, erhielt sie die Aus­sa­ge, dass sie zu wenig im Gefah­ren­be­reich gear­bei­tet habe, um die Son­der­zah­lung zu erhal­ten.

Die pri­va­ten Kran­ken­häu­ser ver­su­chen ihre markt­wirt­schaft­li­chen Belan­ge durch­zu­set­zen und set­zen hier­bei sogar das Ver­trau­en ihrer Ange­stell­ten aufs Spiel. Ver­ein­ba­run­gen wer­den nicht ein­ge­hal­ten , was wie­der­um die Arbeits­mo­ral gesenkt.

Der Bei­trag Kli­ni­ken ver­su­chen ver­ein­bar­te Son­der­zah­lun­gen für Pfle­ge­rIn­nen zu unter­schla­gen erschien zuerst auf Per­spek­ti­ve.

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