[perspektive:] Reallöhne und Tarifbindung im Einzelhandel sinken

Seit Beginn der Pandemie ist klar wie relevant KassiererInnen für unsere Alltag sind. Trotzdem haben nun fast die Hälfte aller Kassierer und Kassiererinnen den Schutz ihres Tarifvertrages verloren. Ein großer Teil von ihnen verdient nun real weniger Geld als zuvor.

In der Zeit zwi­schen die­ser Wirt­schafts­kri­se und der letz­ten ging es für vie­le Beru­fe berg­auf, aller­dings nicht für Men­schen die an der Kas­se arbei­ten. Kas­sie­re­rIn­nen und Waren­ver­räu­me­rIn­nen, die in Super­märk­ten Teil­zeit ohne Tarif­ver­trag arbei­ten, muss­ten zwi­schen dem Jahr 2009 und 2019 rea­le Ein­kom­mens­ver­lus­te hin­neh­men.

Die Stun­den­löh­ne bei Teil­zeit­be­schäf­tig­ten im Ein­zel­han­del ohne Tarif­bin­dung nah­men in die­sem Zeit­raum nur um 8,5% zu, laut sta­tis­ti­schen Bun­des­amt stieg der Lohn im Schnitt von 12,22 € auf 13,26 € , dass zeig­te eine Ant­wort der Bun­des­re­gie­rung auf eine Anfra­ge der Lin­ken. Wenn man sich die Zah­len im Ver­hält­nis zur Infla­ti­on ansieht, dann bedeu­tet dass eine rea­le Sen­kung des Stun­den­loh­nes.

Infla­ti­on bedeu­tet, dass es eine all­ge­mei­ne und anhal­ten­de Erhö­hung des Preis­ni­veaus von Gütern und Dienst­leis­tun­gen gibt, das wie­der­um bedeu­tet eine Min­de­rung der Kauf­kraft des Gel­des. Heu­te kann man mit 10 Euro also weni­ger kau­fen, als vor 3 Jah­ren, da die Prei­se ange­stie­gen sind.

Abge­se­hen davon steigt die Anzahl der Men­schen im Ein­zel­han­del die ohne Tarif­bin­dung ange­stellt sind über­durch­schnitt­lich schnell. Zwi­schen den Jah­ren 2010 und 2019 haben etwa 44% den Schutz ihres Tarif­ver­trags ver­lo­ren. Der Anteil der Beschäf­tig­ten mit Tarif­bin­dung lag 2010 noch bei 50%. Im Jahr 2019 waren es nur noch 28%.

Laut Daten des Insti­tuts für Arbeits­markt- und Berufs­for­schung der Bun­des­agen­tur für Arbeit ging der Anteil in der Gesamt­wirt­schaft von 60 auf 52 Pro­zent zurück. Der Anteil der Betrie­be mit Tarif­bin­dung sank im Ein­zel­han­del schnel­ler als in ande­ren Beru­fen.

2019 waren nur noch 20% der Unter­neh­men im Ein­zel­han­del an einen Tarif­ver­trag gebun­den, das bedeu­tet einen Rück­gang um cir­ca 1/​3 inner­halb der letz­ten 10 Jah­re. In der Gesamt­wirt­schaft sind es rund 27%.

„Wer es mit dem viel bekun­de­ten Respekt für Ver­käu­fe­rin­nen und Ver­käu­fer ernst meint, muss jetzt schnell für höhe­re Löh­ne im Ein­zel­han­del sor­gen“, for­dert etwa Pas­cal Mei­ser, gewerk­schafts­po­li­ti­scher Spre­cher der Lin­ken im Ange­sicht die­ser Ent­wick­lung.

Der Bei­trag Real­löh­ne und Tarif­bin­dung im Ein­zel­han­del sin­ken erschien zuerst auf Per­spek­ti­ve.

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